Project Gutenberg's Blicke in das Leben der Zigeuner, by Engelbert Wittich

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Title: Blicke in das Leben der Zigeuner
       Von einem Zigeuner

Author: Engelbert Wittich

Release Date: June 15, 2008 [EBook #25796]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BLICKE IN DAS LEBEN DER ZIGEUNER ***




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                       Hefte fr Zigeunerkunde 2.

                          Blicke in das Leben
                             der Zigeuner

                          Von einem Zigeuner
                             (E. Wittich).

                            [Illustration]

                               Striegau
                              Hu-Verlag
                                 1911



                          Seiner lieben Frau
                              Friederieke
                       und seinen lieben Kindern
                           Hilda und Arthur
                               gewidmet

                                   vom Verfasser.



              [Illustration: Selbstbildnis des Verfassers
                            als junger Mann
                    (nach dem Spiegel gezeichnet.)]




                               Vorwort.


Nur selten ist es bisher gelungen, einen richtigen Einblick in das Leben
und Treiben, Denken und Empfinden des Zigeunervolkes zu gewinnen. Die
mangelnde Kenntnis der #Romani#-(Zigeuner-)Sprache, die aus manchen
Ursachen erklrliche Abneigung des #Sinto# (Zigeuner), die #Gadsche#
(Nichtzigeuner) in sein inneres Leben blicken zu lassen, und die schwere
Erreichbarkeit der Zigeuner berhaupt, hllen das Zigeunertum bis heute
in ein fast vlliges Dunkel. Es ist daher ein erfreuliches Ereignis, da
ein Zigeuner selbst sich entschlossen hat, das Dunkel zu lichten und ein
wahrheitsgetreues Bild seines Volkes zu geben. Seine braunen
Volksgenossen sind darber mivergngt; aber mit Unrecht. Der Verfasser
tuscht sich gewi nicht, wenn er hofft, da durch seine Darstellung die
Zigeuner in einem ganz anderen Lichte erscheinen, als wie man sie bisher
anzusehen gewohnt war. Man kann geradezu sagen, da uns die schlechten
oder wenigstens unangenehmen Eigenschaften der Zigeuner nur deshalb am
meisten auffallen, weil sie die Auenseite bilden. Beim nheren
Kennenlernen bieten die #Sinte# aber soviel Anziehendes,
Liebenswrdiges, geheimnisvoll Interessantes, da der Forscher oder der
Zigeunerfreund (#Romano Rai#) sogar Gefahr luft, die schwarzen Seiten
des Zigeunerlebens ganz zu bersehen.

Jedenfalls ist zu hoffen, da das vorliegende Bchlein dazu beitragen
wird, manche falsche Vorstellung zu beseitigen, und die Abneigung gegen
die Zigeuner in Interesse, Sympathie und liebevolle Hilfe umzuwandeln.

                                                       R. Urban.




Die Zigeuner sind aus vielen Schilderungen bekannt. ber ihr Leben,
ihre Sitten und Gebruche wurde schon viel geschrieben, Wahres und
Unwahres, oft geradezu Haarstrubendes. Merkwrdigerweise, so reich die
Literatur ber die Zigeuner ist, behandelt diese doch zumeist nur die
Auslnder, hauptschlich die ungarischen und sterreichischen Zigeuner.
Dagegen ist die Kenntnis ber die deutschen Zigeuner noch sehr gering.
Dem Forscher steht daher hier noch ein groes Feld der Bettigung offen.

Ich will darum im Folgenden versuchen, etwas ber die deutschen Zigeuner
mitzuteilen, um das Wahre vom Unwahren zu trennen. Ich werde nur
Tatsachen berichten und kann mit bestem Gewissen fr die Wahrheit meiner
Darstellungen eintreten.

Bemerken mchte ich noch, da dies selbst ein Zigeuner schreibt, der von
Geburt an bis vor kurzer Zeit im Wohnwagen reiste und daher auf das
Genaueste ber Leben, Sitten und Gebruche der Zigeuner unterrichtet
ist. Ich schreibe aus eigener Anschauung, -- nicht vom Hrensagen,
unparteiisch, und werde die Zigeuner weder schwrzer noch weier malen,
als sie sind. Ich berichte nur selbst Erlebtes und was ich selbst
beobachtet habe und bin daher gentigt, manches Mrchen ber die
Zigeuner zu zerstren. Vieles htte ich gern etwas ausfhrlicher
behandelt, aber der Raum erlaubt es mir leider nicht. So sind es nur
kleinere Bilder aus dem Leben eines Zigeuners und einige
Richtigstellungen, was ich in Nachstehendem biete.

Vor noch nicht gar so langer Zeit stellte man sich unter Zigeunern
nomadisierende, trge und schmutzige Menschen vor, welche die ganze Welt
durchziehen und weder Gesetze, noch Vaterland, Familienbande, Religion
besitzen und alle nur erdenklichen, schimpflichen, und lichtscheuen
Gewerbe betreiben. Ruhelos wie Ahasverus, von Ort zu Ort wandernd,
wurden sie berall verachtet, verfolgt und von jedermann oft in recht
unmenschlicher Weise behandelt und fr gnzlich vogelfrei angesehen. Als
Ruber, Mrder, Diebe, ja sogar als Kinderruber und sonst noch alles
mgliche waren sie verschrien. Ihre Tchter lieen sie von dem entehren,
der ihnen am meisten bot. Ihre Dolche und Gifte, ihre Mittel, welche den
Tod brachten, verkauften sie gern an jeden Rachedrstenden. Kurz und
gut, alles Wunderbare, Unmgliche und Abscheuliche wurde den Zigeunern
in die Schuhe geschoben.

Heute ist es in dieser Beziehung etwas besser geworden, und wenn die
Zigeuner, hauptschlich von dem gebildeten Publikum, mit etwas
freundlicheren Augen angesehen werden, so ist das hauptschlich der
aufklrenden Literatur zuzuschreiben. Aber trotzdem werden sie noch
immer sehr schlecht behandelt, sie werden immer wieder von neuem
verfolgt, bedrngt und gehetzt. Fast von jedermann unverstanden, bringt
man ihnen wenig Sympathie entgegen.

Ob nun die Zigeuner diese Behandlung verdienen und solche Bsewichte
sind, denen man alles Scheuliche zutrauen darf, und ob sie wirklich
moralisch so tief unter den anderen Vlkerschaften stehen, wie man immer
annimmt, mgen die folgenden Bltter zeigen. Man beachte, da fast nur
von den deutschen Zigeunern die Rede ist.

Heutzutage hat der Zigeuner, gegen frher, im _Erwerb_ einen schweren
Stand. In Deutschland wird ihm das, wodurch er noch sein bestes
Fortkommen hatte und was seinen Befhigungen am besten entsprach, der
Wander-Gewerbeschein, in den meisten Fllen versagt. Eine geordnete
Arbeit bei dem herrschenden Vorurteil gegen ihn und der Arbeitslosigkeit
unserer Tage, wo hunderte gebte, gelernte Menschen arbeitslos sind, fr
den Zigeuner zu bekommen, ist fast unmglich, obwohl ja auch die Liebe
zum Miggang, zur Bummelei, ein wenig mitspielt. Aber die deutschen
Zigeuner sind keineswegs ein so miges, faules Volk, wie gewhnlich
kurzerhand angenommen wird; man darf sie in dieser Beziehung nicht mit
den Zigeunern anderer Lnder vergleichen. Man beachte einmal das Leben
und Treiben am Halteplatz des Wohnwagens und man wird sofort sehen, da
der deutsche Zigeuner nicht der Faulpelz ist, als den man ihn sich
gemeinhin vorstellt.

Dann ist vor allem die Musik seine sozusagen angeborene
Lieblingsbeschftigung und -Geschft. Ohne Geige kann man sich berhaupt
keinen Zigeuner vorstellen. Da sie in der Musik Vorzgliches leisten
und da sie hervorragende knstlerische geistige Anlagen haben, ist ja
bekannt. Da ist z.B. der Zigeuner Votter, ein anerkannter Virtuose,
(Zigeunername Khler), welcher Geige, Harfe und Klavier ohne jede
Notenkenntnis meisterhaft spielt und einen Landesruf geniet. Er mute
seine Kunst vor hohen und hchsten Herrschaften zeigen. Dann der
Zigeuner J. _Reinhardt_, Zigeunername Mala, -- Meineli Zigeunername
seiner Mutter Preziosa, Vater Jakob Reinhardt, -- der blind geboren und
ein so vorzglicher Geigenspieler ist, da er unter den Zigeunern selbst
die grte Bewunderung erregt und als einer der besten lebenden Spieler
angesehen wird. Man mu z.B. ihn als Kunstgeiger oder den
Kanarienvogel oder ein Fantasiestck spielen gehrt und gesehen haben!
Die besten Musikkenner bewunderten schon die Technik, das warme, feurige
Gefhl, die hinreiende Gewalt der Tne, die der blinde Knstler,
begeistert vom eigenen Spiel, seinem Instrument entlockt. So knnte ich
noch viele anfhren, welche einfach groartiges in der Musik leisten.
Natrlich bringen es nicht alle zu einer solchen Meisterschaft. Blas-
und Blechinstrumente lieben die Zigeuner nicht, doch gibt es hierin auch
einige Ausnahmen und einige Stmme (Familien), machen neben Streichmusik
auch noch gute Blechmusik. Gleichguten Ruf besitzen unter anderen die
Familien dreier meiner Schwger, als Streich- und Blechmusiker. Auch
sind dieselben nebenbei gesagt, eine der besten fahrenden
Sngergesellschaften! Ebenso die Familien Karl-Antoner, Eckstein,
Winter, Pfisterer usw. Und wie sehen die Instrumente oft aus? Kaum
verdienen sie noch den Namen Instrumente. Der gebteste Musiker knnte
nichts mehr mit ihnen anfangen. Anders der Zigeuner! Mit zwei, drei
Saiten auf der Guitarre oder Violine spielt er ebenso gewandt, wie jener
mit dem teuersten, feinsten Instrument. Statt eines Bogens gengt ihm
auch eintretenden Falles ein stchen von irgend einem Baum, eine
Weidenrute usw., statt der Haare Nhfaden. In diesem Fall mu der
schulgerechteste Musiker zurckstehen, an solchen primitiven
Gegenstnden scheitert seine Kunst. Man mu es gesehen haben, wenn man
den kleinen Kindern eine Geige in die Hand gibt, wie der Zigeuner nur
durch Vorsingen oder Vorspielen die schwierigsten Musikstcke lernt, die
Melodie wird einfach vorgesungen oder gepfiffen, er probiert es einmal,
zweimal, beim drittenmal spielt er das Stck schon mit ganzer
Sicherheit.

Solche Gelehrigkeit und Fertigkeit ist geradezu erstaunlich. Man sieht
und fhlt deutlich, da der Zigeuner ein geborener Musiker ist. Durch
ihre Musik verdienen sie ein schnes Stck Geld. Gewhnlich
Werktagsabends und dann Sonntags, in Vereinen usw., bei Festlichkeiten,
machen sie auf dem Lande Musik und Konzert. Dann auch in den Badeorten,
Luftkurorten vor den anwesenden Herrschaften. In jedem Schlo, bei
Grafen und Baronen sprechen sie vor, zeigen ihre glnzenden Zeugnisse,
worauf sie dann fast immer die Erlaubnis zum musizieren erhalten.
Gewhnlich mssen sie dann Tafelmusik machen, und gut bewirtet und
bezahlt werden sie entlassen. Vorher vergit es aber der Anfhrer nicht,
sich ein neues Attest in sein Zeugnisbuch eintragen zu lassen, um es
gegebenenfalles bentzen und vorzeigen zu knnen. Die Geige ist dem
Zigeuner sein alles. Sein Instrument ist ihm so ans Herz gewachsen, da
er lieber hungert und drstet, geduldig die grten Entbehrungen
ertrgt, ehe er sich von seiner Geige trennt. Sie ist seine Ernhrerin,
seine Trsterin. Alt oder jung, die Geige gibt ihm Leben, mu ihm
Speise, Trank und -- Liebe bringen. In seinen Liedern klagt er ihr sein
Leid, die mit ihm treu Freude und Schmerz, Glck und Unglck teilt. Und
so singt der kleine, arme Zigeunerknabe, einsam und verlassen gar oft:

    #Me hom i tikno, tschorelo Sindenger Tschawo.
    Mer Dai muies da mer Dad hi stildo.
    Gamlo, baro Dewel! me hom kiake tschorelo
    Ta mer Dades ano Stilapen, les hi bokhelo.
    Man hi tschi har mer Baschamaskeri.
    Me lau la da dschau ani Kertschemi,
    Dschin da has i bresla Lowe man.
    Naschaua pascha mer Dad ano Stilapen,
    Djomles gaua Lowe, job has froh:
    Gana hilo buter kenk bokhelo!#

    Ich bin ein kleines, armes Zigeunerkind.
    Meine Mutter ist gestorben und mein Vater ist im Arrest.
    Lieber, groer Gott! ich bin so arm
    Und mein Vater im Arrest, er hat Hunger.
    Ich habe nichts als mein Instrument.
    Ich nehme es und gehe in die Wirtschaft,
    Bis ein wenig Geld mein war.
    Gehe zu meinem Vater in Arrest,
    Gib ihm das Geld, er war froh:
    Jetzt hat er keinen Hunger mehr.--

Einen weiteren Erwerb findet der Zigeuner im Geigenhandel, auf den er
sich meisterhaft versteht. Ein anderer Haupterwerbszweig ist die
Holzschnitzerei. Fast ein jeder kann schnitzen, der eine mehr, der
andere weniger gut. Ein jeder Zigeuner kommt eigentlich mit irgend einer
knstlerischen Anlage auf die Welt. Der eine hat ein oft auffallendes
Talent und Neigung zum Bildschnitzen, der andere wieder zum Zeichnen
usw. So knnen einige Bekannte von mir tadellos zeichnen, dabei weder
lesen noch schreiben. Ein Schwager von mir hatte mehr Talent zum Malen
mit Farben, als zum Zeichnen. Er wrde darin manchen gelernten
Dekorationsmaler vom Lande oder der kleineren Stdtchen bertreffen,
ohne nur die geringste Anleitung je darin empfangen zu haben. Er malte
unter anderem sehr nett den Theatervorhang und Kulissen seines einstigen
Reisendem Volkstheater, mit welchem er auf den Drfern in
Wirtschaftsslen Vorstellung gab. Zum Schlu machte er dann mit seiner
Familie Streich- und Blechmusik mit Gesang! Eben einer der vorhin
erwhnten guten Streich- und Blechmusiker. Spielten z.B. Genovefa
usw. Andere lernten es nur durch dies Zeichentalent ohne jede Anleitung
oder Unterricht. Z.B. konnte ich, ehe ich 6 Jahr alt war, ehe ich eine
Schule auch nur inwendig gesehen hatte, wie ich ja berhaupt kaum 3
Jahre in eine Schule kam, schon gut lesen und schreiben, eben durch mein
Zeichentalent angeregt. Ich zeichnete die gedruckten Buchstaben meines
Namens, schnitzte sie auch ins Holz und lernte sie so kennen, lesen und
schreiben. Als gute Holzschnitzer verfertigen die Zigeuner mit vielem
Flei und Talent allerhand, so Tabaks- und Zigarrenpfeifen,
Zndholzsteine, Salatbestecke (Messer, Gabeln, Lffeln), Haarschmuck,
Spazierstcke usw. Alles mit schnen Schnitzereien verziert. Bedeutendes
leistete hierin ein Vetter von mir, welcher vor nun 7 Jahren gestorben
ist. Im wrttembergischen und badischen Schwarzwald verkaufte er seine
Arbeiten und hatte dadurch einen schnen Verdienst. Heute noch kann man
in den genannten Gegenden seine sauber, originell und kunstvoll
gearbeiteten Erzeugnisse sehen, die die Besitzer selbst um teures Geld
nicht hergeben wrden. Der beste mir bekannte Holzschnitzer, ein
Knstler darin, war der im Jahr 1903 verstorbene G. Winter. Mit den
primitivsten Werkzeugen verfertigte er wirklich nur Kunstvolles. Er
verkaufte seine Sachen teuer und fand auch immer Abnehmer. Keiner der
heute lebenden Zigeuner erlangte bisher wieder solche Fertigkeit im
Schnitzen wie dieser. -- Ein anderer wrttembergischer Zigeuner besa ein
besonderes Geschick darin, Kruzifixe, hl. Bildnisse, (Statuen) und
Violinen, Guitarren zu verfertigen. Selbst von Kennern wurde seine
Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit anerkannt, so lieferte er manche
Arbeit in verschiedene Anstalten fr kirchliche Kunst. In katholischen
Gegenden wurden seine Heiligen-Figuren gerne gekauft und in mancher
Kirche und an Straenkreuze durfte er den Christus machen. Einmal
spielte ihm und seiner Kunst der Aberglaube in einer gewissen Gegend des
Unterlandes einen bsen Streich. Er durfte da an das groe Kreuz, am
Eingang einer Wallfahrtskirche, den Heiland schnitzen. Kaum war er an
das Kreuz angemacht, bewundert und gelobt von den frommen Besuchern, als
ein paar Tage darauf, bei einem Gewitter der Blitz in das Kreuz schlug
d.h. nur der Christus wurde vom Kreuz weggerissen und gnzlich
zertrmmert. Wie nun die aberglubische Landbevlkerung einmal ist,
wurde dieses Naturereignis dem armen Teufel schwer ausgelegt. Es war ein
sicheres Zeichen, da der Herrgott selbst so seine Meinung kundgab, da
er nicht von so einem gottlosen Zigeuner gemacht sein wollte. Solche
Reden hrte man nach dem Ereignis. Der Pfarrer kam, weil er den Auftrag
gegeben hatte, auch nicht ganz glimpflich weg. Der Zigeuner fand keine
Abnehmer mehr fr seine Heiligen und wenn sie auch noch so schn und
knstlich geschnitzt waren. Er mute daher diese Gegend meiden.
Selbstverstndlich durfte auch nicht er den neuen Herrgott machen,
der wurde aus einer christlichen Kunstanstalt bezogen. Dieser Zigeuner
konnte auch, wie bereits gesagt, tadellos gearbeitete Geigen usw.
machen. Dadurch hatte er immer einen Verdienst, meistens lieferte er nur
fr die Zigeuner selbst seine Instrumente, aber auch in die grten
Stdte und Musikhandlungen verkaufte er fters seine tuschend
imitierten alten Meistergeigen, wo dieselbe dann fr schweres Geld,
als echte Steiner oder Quanari usw. als durch glcklichen Zufall in
Besitz gelangte, an den Mann gebracht wurden. Dann ein naher Verwandter
von mir Kohler (Zigeunername; sein rechter Name: Guttenberg, August),
der heute fast ganz erblindet ist, besitzt auch den Ruf als uerst
geschickter Bildschnitzer und heute noch macht er, als halbblinder, noch
sehr schne Sachen. Unter anderem kann man Arbeiten von ihm im Museum
fr Volkskunde (Abteilung Europa) zu Basel, sehen.

Nachdem ist einer der wichtigsten Erwerbszweige der Zigeuner der
Pferdehandel. Schweinehndler ist der deutsche Zigeuner niemals und noch
nie gewesen. Sie sind tchtige und gute Pferdekenner, was ihnen niemand
abstreiten kann. Sie besitzen und kennen gute, sicher wirkende
Heilmittel gegen Pferdekrankheiten. Man mag da noch so sehr schreien
ber Quacksalberei, es ist doch so! Auch verschiedene Kunstgriffe
verstehen sie, die zwar nicht dem Kufer, wohl aber ihnen -- nutzen. Auf
die Beschreibung dieser Zunftgeheimnisse, deren es hier und bei
anderen Gelegenheiten, eine groe Anzahl gibt, mu ich aus leicht
begreiflichen Grnden verzichten. Einige der berhmtesten Pferdehndler
bei uns sind z.B. der bezw. die Familie (Sippe) Schnurmichel
Familienname Christ! berhaupt die aus vier Brdern bestehende Sippe
und deren Shne. Sodann Gadscho (Zigeunername; richtiger Name:
Lehmann), unser derzeitiger Hauptmann. Beide sind durch ihren
Pferdehandel zu einer ganz netten Wohlhabenheit gekommen. Weiter noch:
Franz Reinhardt und dann noch die in ganz Preuen bekannte Familie
Petermann; besonders bekannt davon Leidschi (Zigeunername). Schne
Pferde, mglichst mehrere, schne, glnzende Geschirre, verziert und
beschlagen mit Neusilber, Messing usw. ist dem Zigeuner sein grter
Wunsch und sein Stolz und gilt auerdem fr Wohlhabenheit. Rhrend ist
auch die Liebe, die der Zigeuner fr diese Tiere hegt. Den letzten
Bissen teilt er mit ihnen. Dagegen hat er gegen das Putzen derselben
eine merkwrdige Abneigung.

Von anderen, den _geheimnisvollen Berufen_, will ich schweigen, sie
sind ja auch so bekannt, also erbrigt sich eine Beschreibung. Auch mit
Schirm- und Kesselflicken suchen sie sich durchs Leben zu schlagen. Die
ungarischen Zigeuner betreiben auch noch die Goldwscherei,
Schmiedehandwerk und sind z.B. sehr tchtige Hufschmiede. Letztere
Berufe betreiben die deutschen Zigeuner nicht. Diese versuchen sich
berhaupt in allem mglichen. Der Feldarbeit, Landwirtschaft bringen sie
zwar keine Sympathie entgegen, doch verdingen sie sich oft in letzter
Zeit, im Herbst zum Rben- und Kartoffelgraben und fters noch versuchen
sie sich heutzutage durch Steinklopfen ihren Lebensunterhalt zu
verdienen. Auch als Schausteller, Schauspieler, Zirkusbesitzer,
Schildersnger, Tierdresseur usw. suchen sie ihr Fortkommen. So der alte
Reinhardt mit seinen wirklich gut dressierten Vgeln, Kanarienvgel,
Finken, Staren, Lerchen und Spatzen. Diese vollfhren alle mglichen
Kunststcke, alles in Freiheit und mit voller Flugfhigkeit ausgefhrt.
Eine geladene Kanone abschieen, (natrlich #en miniature#) Wagen
ziehen, einige als Passagiere, Kutscher, Pferde usw. Auch eine hbsche
Pantomime fhren sie zusammen auf. Weiter der Zigeuner Pfaus, welcher
in Slen und Schulen eine dressierte Ringelnatter zeigt, ber 1m gro
geworden, die er gewhnlich durch die Knopflcher an seiner Joppe
gezogen, so da der Kopf, mit dem immer beweglichen Znglein, gleichsam
als riesige Krawattennadel oben am Hals herausschaut. Ein Wunder fr die
einfltigen, trichten Bauern, die solch ein harmloses Tier als giftig
und schdlich ansehen und es tten, wo sie eines erwischen, zu ihrem
eigenen Schaden. Dabei hat er noch einen dressierten Raben, Pudel und
Katze, alle schwarz wie ein Teufel, pardon wollte sagen Mohr! Alle vier
fressen, lecken aus einer Schssel, schlafen beieinander in schnster
Harmonie und kein Zank oder Streit hat diese ihnen gestrt. Ein gewi
hchst interessantes Bild fr den Natur- und Tierfreund. Auch zeigt er
immer einige zahme und originell dressierte Igel.

Der Zigeuner Hock war Akrobat, Messerschlucker, Schlangenmensch und
Zauberknstler. Unter anderem produzierte er sich auch als
kugelsicher; letzteres wurde sein Verhngnis. Er lud eine Pistole,
zeigte die Kugel d.h. lies sie vom Publikum untersuchen auf ihre
Echtheit und beim Zurckgeben vertauschte er sie gewandt und unbemerkt
mit einer zu diesem Zweck immer kurz vorher prparierten Kugel aus
Cichorie. Hierauf forderte er einen der Zuschauer auf und gab ihm die
vor aller Augen geladene Pistole in die Hand, ihm auf die entblte
Brust zu schieen. Gab sich niemand dazu her, so tat er es auch selbst.
Natrlich verletzte ihn die weiche Cichorienkugel nicht. Gewhnlich
verfing sich dieselbe in den Kleidern oder fiel zu Boden, wo er sie dann
schnell und unbemerkt zertrat. Die bereit gehaltene echte Kugel aber
lie er entweder gleich nach dem Schu auf den Boden fallen oder zog
sie, je nach dem, auch aus dem Hemd oder der Hose hervor und zeigte sie
vor. So gab er wieder einmal Vorstellung und der dazu Aufgeforderte
scho auch gleich auf ganz kurze Entfernung auf den Knstler. Mit einem
lauten Aufschrei brach dieser tot zusammen. Er hatte die Kugel nicht
verwechselt, wie die in den Trick Eingeweihten zuerst annahmen, sondern
hatte, statt einer kurz vorher prparierten Kugel (die man nachher fand
und die ganz weich war), eine jedenfalls vergessene schon von lngerer
Zeit gemachte Cichorienkugel erwischt, welche durch die Lnge der Zeit,
hart und fest geworden und durch die Brust ins Herz gedrungen war.

Die beiden Brder Stein, welche sich als Kunstwasserschwinger und
Feuerwerker produzieren, whlen zu ihren Produktionen und Vorstellungen
immer die hchsten Brcken ber Flsse oder, wo keine Brcken sind,
machen sie selbst ein hohes Gerst aus Leitern, von wo herab sie ihre
Kunstsprnge, den Krper mit Raketen eingehllt, die vor dem Sprung
angezndet werden und whrend dem Abfeuern der Raketen, allerhand
schwierige und schne Wasserkunststcke sehr elegant und gewandt
ausfhren. Der ltere brach schon zweimal den Fu bei diesem oft recht
gefhrlichen Kunstsprung! Der jngere ist auerdem einer der besten
Guitarrespieler und Knstler auf diesem Instrument von uns deutschen
Zigeunern.

Ein wirklich hervorragender Knstler auf der Guitarre, von keinem
anderen Zigeuner vor- und nachher bertroffen, war der Zigeuner Blach
(Zigeunername: Gokkel.) Er spielte darauf ganze Opernauszge. So z.B.
Auszge aus Troubadour -- Martha -- Undine usw. Einfach eine
Berhmtheit auf diesem Instrument.

Ich selbst war schon alles mgliche: Schausteller, Rekommandeur,
Dresseur, Schauspieler, Pferdehndler, Zauberknstler, Impresario von
der Anitzka die brtige Dame, Zirkus- vielmehr Kunstarena- und
Singspiel- und Konzert-Direktor, Kunstschwimmer und Athlet und
Ringkmpfer, heute vom Schicksal unerbittlich verfolgt nur noch --
Hausierer.

Der Zigeuner Winter (Zigeunername: Hose), der mit seinem Bruder und
Geschwistern einen kleinen Zirkus hatte, d.h. ein Rondel und sein
Geschft in nettem Zustande hatte, trat als Brustathlet, Kettensprenger,
Ringkmpfer, nebenbei noch mit einem dressierten, groen Affen und einem
Pferd #la# Hans auf. Der Affe war sein Untergang. Er war ein gar
lieber, treuer Freund zu mir. Ein aufrichtiger, liebenswrdiger und
trotz seiner Brenkraft nur gemtlicher, braver Mensch. Darum das ihm
zugestoene Unglck um so bedauerlicher. Er gab wie immer (im
Sigmaringischen) eines Abends Vorstellung. Unter den Zuschauern war ein
noch junger Bursche, (ein Schaukelbursche und Sohn von einem Geschft,
welches auch auf dem Platz aufgebaut hatte, neben dem Rondel der Gebr.
Hose) dieser strte die Vorstellung fortwhrend durch laute Rufe, freche
Bemerkungen, man merkte, da er mit Gewalt die Vorstellung stren
wollte. Da er auf keine Zurechtweisung hrte, wurde er schlielich von
meinem Freund, dem lteren Hose, kurzer Hand an die Luft spediert und
man glaubte, der Fall wre erledigt. Dem war aber nicht so. Nmlich der
erwhnte Affe war unter anderem auch dazu dressiert, whrend des
Spielens, inwendig vom Rondel (Rundleinwand) stets im Kreise herum zu
laufen, auf den Hinterfen, aufrechtstehend, um zu verhindern, da
jemand unbefugterweise die Rundleinwand aufhebe und gratis zuschaue. Es
war mehr zur Abschreckung der Dorfjugend und um ein Beschdigen,
Zerschneiden der Leinwand zu verhindern. Diesem Affen, ein ganz und gar
gutmtiges Tier, stach der rohe Kerl von auen durch die Leinwand
hindurch, das Messer in den Leib, so da er schreiend und rchelnd
verendete. In gerechtem Zorn sprang nun mein Freund hinaus, um den
beltter zu zchtigen oder vielleicht auch nur, ihn festzuhalten. Und
da geschah das abscheuliche, der rohe Patron stie ihm das noch vom
Blute des Affen rauchende Messer ins Herz, so da ich nur noch sah, wie
er, wie vom Blitz getroffen, lautlos zu Boden strzte. Der Bursche
verschwand in der Dunkelheit. Die Vorstellung hatte ein jhes Ende
gefunden. Wohl entging der Tter der irdischen Gerechtigkeit nicht, aber
ein guter, braver Mensch war nicht mehr.

Trotz diesen vielerlei Beschftigungen kommt der Zigeuner in den
seltensten Fllen auf einen grnen Zweig. In seinem leichten Sinn, wenig
um das morgen besorgt, lebt er nur dem heute! Sind alle Mittel zu
Ende, so lebt er solange sorgenlos dahin, bis er vom Hunger und Durst
geqult, hauptschlich im Winter, dem gefrchtetsten Gast des Zigeuners
mehr als einmal bereit ist, den Unterschied zwischen Mein und Dein
zu verwechseln. Doch auch in solchen milichen Lagen, verliert er seinen
Humor nicht und nimmt manches auf die leichte Achsel, was ein anderer
nicht gerade so leicht finden wrde. Schon von Jugend auf wird er an
alle Arten Entbehrungen gewhnt. Sehr oft ist Schmalhans Kchenmeister
und statt einem fetten Stck Schweinefleisch und einem guten Schluck
Branntwein, mu er sich fters nur mit Wasser und Brod begngen. Was
andere schon in frhester Jugend nicht mehr entbehren knnen, lernt er
erst oft in sehr gereiften Alter kennen, so z.B. erzhlt einer meiner
Kako (Vetter) oft, wie er der Bibi (Tante), seiner Frau, erst kurz
vor ihrer Verheiratung die ersten Schuhe kaufte. Als sie die Schuhe beim
Kaufmann anprobierte, so fragte sie, als sie den einen Schuh angezogen
hatte, ganz verzweifelt: Kamlo Rom (lieber Mann) einen htte ich an,
jetzt wo gehrt der andere hin?

Das bisher gesagte beweist also zur Genge, (das nachfolgende wird es
noch weiter beweisen) da die Zigeuner -- nicht allein vom Betteln und
Stehlen leben!

Am meisten mu zur Versorgung und Erhaltung der Familie die _Frau_
beitragen, welche sich durch allerlei gute, sichere Zaubermittel,
Wahrsagen, Kartenschlagen usw. fast immer ein gutes Stck Geld erwirbt.
Da die Zigeuner viele Heil-, Zauber- und Geheimmittel haben, die stets
sicheren Erfolg haben und bei den Bauern, notabene auch bei den
Stdtern, in hohem Ruf stehen, durch die dadurch erzielten oft
wunderbaren Kuren und Erfolge, ist gut bekannt. Weniger bekannt ist
vielleicht, da die Zigeunerinnen auch sehr gute Tnzerinnen sind,
Sngerinnen, Flechterinnen von allerlei nettem Flechtwerk. Die
hervorragendsten unter ihnen besitzen nicht nur bei der Landbevlkerung,
sondern auch bei ihren eigenen Stammesgenossen einen hohen Ruf und
stehen bei letzteren in sehr hohem Ansehen. Solch eine #brawi
Dschuwel# (Ehrenname fr Zigeunerinnen), wird den anderen stets als
Beispiel vorgehalten und sind solche auf ihren Ehrennamen stolz und auch
mit Recht. Eine der berhmtesten und angesehensten Wahrsagerinnen, die
im Wahrsagen aus den Linien der Hand sozusagen einzig dastand und einen
Weltruf (?) geno, war meine Schwiegermutter bei uns deutschen
Zigeunern. Auerdem war sie ein sehr schnes Weib, mit wunderbar kleinen
Fen und konnte ausgezeichnet tanzen. Sie produzierte sich auch als
Fuspitzen- und Kunsttnzerin, indem sie auf einem Teller tanzte. Selbst
wir, die wir doch so oft das Schauspiel sahen, bewunderten immer wieder,
die auf solch einem Teller ausgefhrten schnen Tnze. Infolge einer
krperlichen Entstellung gab sie dies Tanzen kurz nach einem Unfall auf.
Umsomehr steigerte dies Migeschick direkt ihren Ruf als Wahrsagerin und
weise Frau, weil sie den Unfall Jahre vorher prophezeit hatte. Dieser
Unfall zeigt zugleich, wie man in gewissen Kreisen die Zigeuner trotz
dem Jahrhundert der Humanitt, immer noch als vogelfrei zu betrachten
scheint. Ich will ihn daher etwas ausfhrlicher schildern.

Es war an der bayerisch-sterreichischen Grenze, noch auf dem Gebiet des
heiligen Landes Tirol, als im Anfang ihrer Ehe meine Schwiegereltern
in Gesellschaft, in einer Lichtung im Wald das Lager aufgeschlagen
hatten. Die Frauen waren alle zurck aus den Drfern und waren alle
guter Dinge. Nur meine Schwiegermutter war noch nicht zurck, als man
den aufgestellten Spher das Zeichen Vorsicht geben hrte. Gleich
darauf gab er das Zeichen Gefahr und sofort auch Hilfe! Einige
Mnner, darunter mein Schwiegervater sprangen in die Wagen, um sich zu
bewaffnen und dann der vom Spher angedeuteten Richtung zu. Die Frauen
und Kinder brachen alles ab und zerstrten die Feuer, die Pferde wurden
eingeschirrt und im nu war alles zur Flucht, zur Abreise hergerichtet.
Der Spher meldete, da er Hilferufe gehrt habe und zwar habe er
zuletzt deutlich die Stimme der Madel (Zigeunername meiner
Schwiegermutter) erkannt. Gleichzeitig ertnten wieder die in unserer
Sprache abgegebenen, gellenden Hilferufe und viel nher. Kein Zweifel,
es war die noch nicht Zurckgekommene und allem Anscheine nach war sie
in groer Gefahr. Alle strzten in fieberhafter Eile der Richtung nach,
von welcher die Hilferufe kamen. Sehen konnte man in dem tiefen Wald
noch nichts. Da, in nchster Nhe der Strae, war eine etwas grere
Lichtung, wo die Mnner das nun folgende, abscheuliche Schauspiel mit
ansehen muten. Ein Gendarm stand da neben meiner Schwiegermutter, ri
an ihr herum, er wollte sie fesseln. Sie wehrte sich dagegen, da stie
er sie mit dem Gewehrkolben in ganz unmenschlicher Weise, in Rcken, auf
die Brust, den Leib, so da sie einigemale zu Boden strzte; und sie war
in -- hochschwangerem Zustand. Ihr Mann sprang rasend vor Zorn und Wut
auf den rohen, wsten Gendarmen zu, seinem mihandelten Weibe zu Hilfe
und ihr zurufend. Darauf sprang diese auf und wie ein gehetztes Reh
davon, aber statt ihrem Manne entgegen, in der Richtung der Strae zu.
Da nahm der Gendarm das Gewehr, scho nach der Fliehenden, und mit einem
markerschtternden Schrei fiel sie am Waldesrand nieder. Entsetzen
ergriff die Mnner ber solch einer grlichen Tat, an einer wehrlosen
schwangeren Frau. Alles glaubte, sie wre tot. Ihr Mann stumm und wei
wie der Tod, stand im gleichen Moment vor dem Mrder. Seiner Sinne nicht
mehr mchtig, scho er dem Gendarm die volle Ladung seiner Pistole ins
Gesicht, so da ihm das Hirn des Elenden ins eigene Gesicht spritzte. Er
hatte es verdient.[1] Die andern hatten sich um das, wie sie glaubten,
erschossene Weib bemht, die zwar in Ohnmacht aber nicht tot dalag und
einem Kind das Leben gegeben hatte. Dies Kind ist jetzt -- meine Frau.
Die Mutter hatte nur einen Streifschu erhalten, aber das Auge war
verletzt, so da es auslief und sie einugig war, was sie, vorher eine
der schnsten Frauen, sehr entstellte. Der Gendarm wurde absichtlich
liegen gelassen, nichts von seinem Eigentum angerhrt, Tag und Nacht
gefahren und die Gegend fr immer verlassen. Spter hrten wir, da die
Zigeuner stark im Verdacht waren, aber schlielich bestimmt angenommen
wurde, der Gendarm wre bei einem Renkontre mit Wilderern gettet
worden. Und weswegen diese Scheulichkeiten? Der Gendarm beschuldigte
die arme Frau, eine -- Katze gestohlen zu haben, es habe jemand zugesehen
und ihm Anzeige gemacht. Das war nicht wahr und wenn es gewesen wre,
berechtigte dies dann zu so brutalen, rohen Mihandlungen? Durfte er
zwei Menschenleben vernichten (das dem nicht so war, ist nur ein
glcklicher Zufall gewesen) wegen einer -- Katze? Er, der Gendarm
titulierte die unschuldige Frau auch noch mit solch unverschmten,
gemeinen Redensarten, die hier nicht wiederzugeben sind. Auch sagte er,
sie habe die Katze wieder durchgehen lassen, das habe sollen ein Braten
geben usw. Aber wir deutschen Zigeuner essen Katzenfleisch usw. niemals,
selbst in der grten Not nicht. Nach unserem Gesetz streng verboten!
Wer es bertritt, ist #baledschido# (unehrlich). Alle Beteiligten sind
schon lngst tot, d.h. mit Ausnahme der unbeteiligten Kinder, daher
meine offene und gewissenhafte Schilderung, d.h. wie ich sie oft aus
dem Munde der direkt Beteiligten gehrt habe. Die Zigeuner sind weder
Mrder noch Kinderruber, das wird ihnen zu Unrecht nachgesagt. Ich
selbst und der grte Teil der Zigeuner bedauern tief solche
Ausschreitungen, wie die eben mitgeteilte, aber ich frage: Was htte ein
anderer Gatte getan, in den gleichen Umstnden, angesichts solcher
unmenschlicher Behandlung und einer solchen abscheulichen Tat? Die Tat
des Gatten ist absolut nicht zu billigen, aber schlielich zu begreifen.
Htte man der Gerechtigkeit ihren Lauf gelassen, so wre, so gewi als 2
und 2 vier ist, nicht der Gendarm, wohl aber die Frau zu ihrer
Frhgeburt, zu ihrer Entstellung, zu ihren Mihandlungen -- noch bestraft
worden. Gerechtigkeit damals und insbesondere gegen die Zigeuner! Auch
wre es eine Feigheit gewesen und Infamie nach unseren Sitten und
Anschauungen, die Frau arretieren zu lassen, vom anderen ganz zu
schweigen. Da die Sache ein solch schreckliches Ende nehmen wrde,
ahnte Niemand, der Feigling von Gendarm wohl am allerwenigsten.--

    [Funote 1: nach dem Recht der Naturvlker. D.H.]

Wie ich ja schon an anderer Stelle betonte, mu ich es mir versagen, auf
die _nicht immer ehrlichen Berufe_ der Zigeunerinnen, wie Zauberei,
Traumdeuterei, Wahrsagerei, Hexenbannerei und Austreiberei usw., sowohl
bei Menschen wie Vieh, nher einzugehen! Hauptschlich betrifft das
unser Wahrsagen aus den Linien der Hand. _Ein Verrat hierin wrde
augenblicklich schwer bestraft werden. Derjenige wrde kein Glck, keine
Rast und Ruh mehr haben. Die Verstorbenen wrden es rchen._ Es ist dies
einzig unsere Kunst, mit der die Zigeunerin sicher und unfehlbar, sowohl
die Zukunft als auch Vergangenheit ergrndet und das grte Geheimnis
bleibt fr jeden Nichtzigeuner![2] #Tschatschopaha!# Auch sollte man
nicht so viel Aufhebens davon machen und immer und immer wieder
losdonnern gegen die unehrlichen Gewerbe Hexerei, Betrgerei! Was
schadet es, wenn hin und wieder die Dummheit etwas bestraft wird? Warum
sollen wir Zigeuner gegen die Dummheit kmpfen, wenn es selbst die
Gtter nicht vermgen? Aber ntzen soll sie uns![3] Man bedenke auch,
da sie selber aberglubisch sind und an manches selber felsenfest
glauben! Aber auch gutes kann eine Zigeunerin mit ihren oder durch ihre
lichtscheuen Gewerbe stiften, selbst Verbrechen verhindern, was das
folgende illustrieren soll.

    [Funote 2: So meint der Verfasser.]

    [Funote 3: Das ist die Auffassung der Zigeuner. Der Verfasser
    denkt wohl schon etwas anders. Seine eigene Frau vermeidet das
    Wahrsagen als unehrenhaft!]

Kam da eine mir nah verwandte Zigeunerin (es war im Neckartal und noch
gar nicht so lange her) zu einer als aberglubisch bekannten Frau, die
sich ihres Mannes (einem Sufer) entledigen wollte. Eine weise Frau
(keine Zigeunerin!! Man sieht, nicht blos Zigeuner verstehen sich auf
unehrliche Geschfte!) hatte ihr ein Mittel hierzu angeraten, _ein
gutes, tatschlich sicher wirkendes_. Die Frau war im Begriff dasselbe
anzuwenden bezw. machte Anstalt hierzu. Nmlich sie mute in den drei
hchsten Namen, mit der linken Hand, Holz und Stroh unter das Bett ihres
Mannes hufen und dies, wenn der Mann schlief -- anznden, auch in den
drei hchsten Namen, aber alles unbesprochen d.h. von anderen nicht
dabei angeredet werden, sonst hatte die Zauberei _keine_ Wirkung,
andernfalls aber wirkte es sicher und zwar so, da Niemand, auer der
Eingeweihten, _das Feuer brennen sah_! Auch mute man es am Freitag tun.
Die Frau wurde _durch_ das Dazwischenkommen meiner Verwandten
_verhindert_, das Verbrechen _auszufhren_. Sie berredete die Frau, da
sie ihr ein ganz anderes, leichtes und gutes Mittel zu diesem Zweck
wisse und die Frau vertraute ihr ganz und gar. Natrlich fiel es meiner
Verwandten nicht ein, den Mann beseitigen zu helfen. Ihr gengte, einen
sicheren Verdienst auf lange Zeit hinaus gefunden, die Frau an einem
schweren Verbrechen, den Mann vor einem schrecklichen Tod, bewahrt zu
haben. Das gengte ihr! Aber man sieht, es gibt in Bezug auf Moral noch
Tieferstehende, als wir Zigeuner; denn Mord wird uns wohl zwar
nachgesagt, aber mit Unrecht. Nur in einem Fall erinnere ich mich, wo
eine Zigeunerin zur Kindesmrderin wurde. Diese war dann auch ihr Leben
lang #baledschido# (ausgestoen von aller Gemeinschaft, gechtet).
Ebensowenig sind sie Kinderruber (wenn auch frher vielleicht mal in
einzelnen Fllen), denn sie haben selbst genug, brauchen also absolut
keine zu stehlen. Da sie Menschenfleisch en, ist eine haarstrubende
Lge. Ebensowenig essen wir deutschen Zigeuner Pferde-, Hundefleisch
oder gar Aas, wie z.B. die ungarischen Zigeuner, die schon vergrabenes
wieder ausgraben und verzehren, (verendete Schweine usw.). (?) Wir
wrden unser Gesetz schwer verletzen und mten es schwer ben. Die
Lieblings- oder Nationalspeise ist Igelfleisch. Bei Tage werden sie ohne
oder auch mit den dazu abgerichteten Hunden gesucht. Bei Nacht selten
und dann nur mit Hunden. Igelfleisch wird jedem anderen Fleisch
vorgezogen.

_Moralische Empfindungen_ spricht man gewhnlich den Zigeunern ab, aber
sehr mit Unrecht. Mit gleichem Unrecht behauptet man, da sie auf einer
noch sehr primitiven Kulturstufe stehen. Gerade an ihren _Familien-_ und
_Stammesverhltnissen_, an ihren Sitten und Gebruchen sieht man das
Gegenteil am besten. Frher als die Zigeuner noch in groen Haufen
(Genossenschaften), d.h. alle Stmme eines _einzelnen_ Landes,
Norddeutsche, Sddeutsche bildeten ein _ganzes_ fr sich, (laut den noch
existierenden mndlichen Zigeuner-berlieferungen) reisten, hatten sie
ihre regelrecht gewhlten Anfhrer (Huptlinge, Hauptleute). Die Ungarn
haben heute noch ihre Ober- und Unteranfhrer (Wojwode, Saibidjo). Heute
ist es in dieser Beziehung bei uns wesentlich anders geworden. Schon
lngst wurde es nicht mehr geduldet, in greren zusammenhngenden
Gesellschaften zu reisen, in den letzten Jahren wurden wir sogar
gezwungen, nur noch familienweise in 1 bis 2 Wagen zu reisen, uns in
kleine Trupps aufzulsen. Wir deutschen Zigeuner haben daher nur einen
Hauptmann[4], welcher gewhlt wird. Hauptmann wird nur einer, der sich
die Achtung und Neigung der anderen zu erwerben versteht. Auch mu er
nach zigeunerischen Begriffen etwas wohlhabend sein. Er mu ein
bewhrter und unerschrockener Mann sein. Wenn er alt, krank oder
gebrechlich geworden, wird ein anderer gewhlt, doch gilt auch hier
keine Regel ohne Ausnahme, gewhnlich aus der Familie oder
allernchsten Verwandtschaft des bisherigen Hauptmanns. Dieser spricht
Recht in allen Streitigkeiten der Zigeuner untereinander; hauptschlich
aber wenn jemand #baledschido# ist, d.h. wenn jemand sich gegen das
Gesetz vergangen hat. Zu diesem Zweck ist alle Jahr ein #Zilo#
(Versammlung), gewhnlich im Herbst und zwar im Elsa. Diese
Zusammenknfte sind geheim. Fremde werden in keinem Fall zugelassen. Da
werden diese Sachen alle ausgemacht und vom Hauptmann Recht gesprochen.
Je nach dem Vergehen auf ein paar Jahre #baledschido# gesprochen oder
ganz ausgestoen. Andere wieder ehrlich gemacht oder auf weitere Jahre
#baledschido# gesprochen. Nur inbezug auf die Blutrache stehen dem
Hauptmann irgendwelche schlichtende Rechte nicht zu. Nach solch einem
#Zilo# geht es immer lustig zu. Diejenigen, welche wieder ehrlich,
also nicht mehr #baledschido# sind und deren Angehrigen, bezahlen,
d.h. halten die andern frei, aus Freude darber, wieder in die
Gemeinschaft aufgenommen, wieder einer der ihren zu sein. Wein, Bier,
Branntwein, alles fliet in Strmen. Es wird gesungen, getanzt,
geschmaust, gespielt, kurz es geht recht lustig und turbulent zu. Die
Schattenseite ist aber dann die, da gewhnlich der Schlu einer solchen
groen Zusammenkunft -- eine regelrechte Schlgerei ist, ja oft werden
wahre Schlachten geschlagen.

    [Funote 4: Der Verfasser kennt nur den Hauptmann der
    sddeutschen Zigeuner. Dieser ist aber nicht der einzige in
    Deutschland.]

Denn zu einem solchen #Zilo# kommen manche, die nur ihren Feind
suchen, der das _Totenhemd_ an hat, d.h. die _eine Blutrache_ oder
sonst etwas miteinander auszufechten haben. Es wird #geprat# d.h.
man beschimpft sich gegenseitig, dann kommt es zum Handgemenge und es
wird geschlagen, gestochen und geschossen. Ohne Blutvergieen oder oft
auch Totschlag geht es meistens nicht ab. Angezeigt wird nichts.
_Niemals_ verrt ein Zigeuner den anderen den Behrden. Alles wird
wieder selbst ausgemacht. Wer etwas anzeigen oder eine Angabe machen
wrde, wonach der oder die Tter von der Behrde ermittelt wrden, htte
#gepukt#, er wre ein #Pukerer# und sein Tod gewi. Wird aber der
Tter so erwischt und verurteilt von der Behrde, so gilt diese Strafe
nichts, d.h., wenn er die Strafe verbt hat, so ist er dennoch der
Blutrache verfallen. Kommt es aber zu einer Vershnung der Gegner (am
meisten imponiert Mut und Unerschrockenheit), so ist die Ausshnung
dauernd. Zum Zeichen der Vershnung nimmt derjenige, der Rache
geschworen hat, zwei Glser (Bier-, Wein- oder Branntweinglser),
schenkt selbst von dem betreffenden Getrnk ein, nimmt dann aber das
Glas vom anderen Teil, (der Gegner dann umgekehrt), stt an, d.h.
trinkt ihm zu und beide leeren das Glas auf einmal. Jeder nimmt dann
wieder sein eigenes Glas an sich; die Gegner sind vershnt, jede Rache
ist vergessen und alles ist vergeben. Hier nur ein Beispiel aus der
Wirklichkeit: Bei einer zuflligen Zusammenkunft (greren) bei Hagenau,
einer meiner Schwger mit einem anderen Zigeuner, der meinem Schwager
Rache geschworen, (von ihm aus das Totenhemd anhatte) kam es am Abend
in der Wirtschaft durch das unerschrockene Auftreten meines Schwagers
zur Vershnung der beiden Gegner. (Zeremonie wie vorgehend beschrieben.
Bei Bier oder Wein wird dazu ein kleines Glas bezw. -Literglas oder
greres Glas, nur wenig darin, genommen.) Wie es der Zufall wollte, kam
kurz nach der Vershnung ein anderer Gegner resp. zwei, Vater und Sohn,
an. Der Zigeuner, welcher meinem Schwager Rache geschworen, sich aber
mit ihm vershnt hatte, hatte den beiden spt angekommenen Zigeunern
ebenfalls Blutrache geschworen. Beide hatten also von ihm aus das
Totenhemd an. Es war bereits sehr spt in der Nacht, als es wirklich
zum Zusammensto kam. Das Ende war furchtbar. Der frhere Gegner von
meinem Schwager forderte die beiden zuletzt angekommenen Zigeuner heraus,
#prate# und scho den Sohn auf der Stelle tot und zwar am Ende des
Hausausganges (Treppe) der Wirtschaft. Der Vater des Getteten wollte
seinem Sohn zu Hilfe eilen, wurde aber von dem sich wie wild gebrdenden
Tter ebenfalls zweimal angeschossen. Eine Kugel bekam er in den
Oberschenkel, die andere ging durch Kinn und Hals und kam am Kopf wieder
heraus. Er flchtete, mute aber im Spital aufgenommen werden, wo er
innerhalb 8 Tagen ebenfalls seinen Verletzungen erlag. Mein Schwager
stand unmittelbar neben dem getteten Zigeuner, als der Tter mit wild
rollenden Augen nach dem anderen Zigeuner suchte. Wre es nur eine halbe
Stunde frher zum Kampf gekommen, so wre mein Schwager oder sein Gegner
sicher ebenfalls gettet worden. So aber fand Vershnung statt und kein
Haar durfte ihm gekrmmt werden. Die Sitten sind in dieser Beziehung
streng. Da kein Zigeuner den anderen anzeigt, so erwischte man den Tter
auch nicht. Er hat jetzt wieder das Totenhemd an von den verwandten
Leuten der Erschossenen. Zur nheren Erklrung der Blutrache nur ein
Beispiel: Vor etwa 8 Jahren hatte der Zigeuner B. Eckstein dem Zigeuner
S. Guttenberger, als letzterer eine Gefngnisstrafe verbte, dessen
Geliebte bezw. nach unseren Begriffen seine Braut -- ihm abwendig
gemacht. Nach unseren Sitten durfte bezw. mute er sich rchen, wenn er
kein Feigling sein wollte. Der Verfhrer wute aber auch gut, da er das
Totenhemd anhatte, von dem hintergangenen Liebhaber bezw. zuknftigen
Gatten aus.

Als Guttenberger frei war, suchte er den Eckstein auf, der daran war,
die Ehe nach unseren Anschauungen mit dem fraglichen Frauenzimmer
einzugehen. Er traf ihn in einer Wirtschaft. Dieser, berrascht durch
den unerwarteten Besuch, sich aber der Situation voll bewut, erhob
sich, um hinaus zum Wagen zu gehen, jedenfalls, um sich zu bewaffnen.
Guttenberger zog aber sofort eine Doppelpistole und scho nach ihm. Der
erste Schu ging fehl und fuhr die Kugel oben in die Stubentre. Die
zweite traf ihn in den Kopf und furchtbar entstellt brach er tot
zusammen. Durch die anwesenden Bauern wurde der Tter an einer Flucht
verhindert. Er bekam vier Jahre Gefngnis. Jetzt ist er lngst frei,
aber eines schnen Tages fllt auch er als Opfer der Blutrache. Die vier
Jahre Gefngnis haben gar keinen Einflu oder Bezug auf diese. Dem
Frauenzimmer geschieht nichts. Eine Verbindung aber mit dem betrogenen
Rcher ist fr immer ausgeschlossen. Er wrde dadurch #baledschido#
werden, nicht aber sie.

Auerdem ist bezw. wird #baledschido# (leichtere Vergehen), wer
Hundefleisch, Pferde- und Katzenfleisch it, ja wer nur aus einem Hafen,
Schssel usw. it, wo solches nur darin war bezw. darin gekocht wurde,
ebenso wer aus einem Gef it oder trinkt, welches von einer Zigeunerin
mit dem Rock berhrt, gestreift, ber das sie etwa hinweggestiegen ist.
Solche Gegenstnde mssen, wenn auch noch so nagelneu, sofort vernichtet
werden, natrlich auch das darin gekochte. #Praen# (Beschimpfen) auf
seine Tote, auf des #Praenden# Frau -- ohne Abwehr macht #baledschido#.
#Baledschido# wird, wer whrend der Periode zu seiner Frau liegt und
berhaupt solche Vergehen gegen die Schamhaftigkeit in und auer der
Ehe, z.B. Besuch von Prostituierten, Onanie usw. treibt. Schwere
Vergehen, wofr oft fr immer aus der Gemeinschaft ausgeschlossen,
gechtet und verachtet wird, sind Sittlichkeitsvergehen, widernatrliche
Unzucht, Kindesmord usw. Die Strafe des #baledschido# besteht darin, da
ein solcher auf bestimmte Zeit oder zeitlebens von aller Gemeinschaft,
Verkehr usw. der brigen Zigeuner ausgeschlossen, verstoen, gechtet
ist. (Noch bei den Auslndern, bei den deutschen nicht mehr). Auch nicht
mit ihnen zusammen reisen. Solche mssen allein reisen. (Nur
auslndische Zigeuner, bei den deutschen Zigeunern nicht, hier
Zusammenreisen erlaubt). Auch darf man nicht mit solch einem aus einem
d.h. dem gechteten seinem Glas etwa trinken. Anstoen,
Gesundheittrinken, Prosit und an einen Tisch setzen, ist erlaubt.
Nicht erlaubt wieder -- aus einer Tasse, Teller usw. eines #baledschido#
zu essen oder seine Lffel, Gabel, Messer usw. zu gebrauchen. Wer etwas
derartiges tut, wird eben dann auch #baledschido#. Diese Strafe ist in
jeder Beziehung fr den Zigeuner schrecklich. Abgesehen davon, da er
von allen gemieden wird, wird er von den Behrden als Einzelner berall
angehalten und hat seine liebe Not und Scherereien. Wie sehr auch der
Zigeuner das freie, ziellose Herumreisen liebt, ebenso liebt er die
Geselligkeit mit seinesgleichen. Allein von Ort zu Ort wandern zu
mssen, vom Heimweh und Verlassenheit verfolgt, ist fr ihn, bei seinem
geselligen Wesen, die denkbar grte moralische Strafe.

Wie schon gesagt, leitet und bestimmt bei den auslndischen Zigeunern
die _Zge_ der Wojwode und die Saibidjo, d.h. es wird gewhnlich im
Winter, wenn alles die Winterquartiere bezogen hat, eine Versammlung
abgehalten.

    [Illustration: Zigeunerfamilie #Winter# in Allmendingen.]

Da wird nun ber alle den Stamm interessierenden Angelegenheiten
beschlossen und beraten, ber die Wanderungen im nchsten Sommer, die
Zge, und jedem sein Gebiet zugeteilt. Bei den deutschen Zigeunern ist
das anders; hier kann nur beilufig in der Versammlung beschlossen
werden, welche Reiseroute die einzelnen Familien bezw. kleineren
Gesellschaften einzuschlagen haben, weil ja in Deutschland grere
Trupps nicht mehr miteinander reisen drfen. Jede derartige kleinere
Gesellschaft ist fr sich und der lteste der Mnner ist der Fhrer, das
Haupt der Truppe, er bestimmt und regelt alles. Unbedingt werden seine
Anordnungen genau befolgt. Auch bezogen bisher die deutschen Zigeuner
mit geringen Ausnahmen selten Winterquartiere. Nur ber Weihnachten,
Neujahr, blieben sie in einem Ort usw., sonst reisen sie das ganze Jahr.
Jetzt ist es auch in dieser Beziehung anders geworden. Wegen den
schulpflichtigen Kindern und der Beschaffung der Reisepapiere mssen sie
nun auch ein wenig wohnen und zwar kommen sie dann beim Eintritt des
Winters zu greren Trupps in gewissen Gegenden zusammen, wo sie sich
einmieten und um jeden Argwohn zu unterdrcken, die Miete fr Monate, ja
 Jahr vorausbezahlen. Einige haben schon sogar Huser gekauft, z.B. in
Bayern. Solche Winterquartiere befinden sich bei uns in einem Dorf bei
Karlsruhe, bei Stuttgart und hauptschlich im Elsa. Ist dann der
Winter, der gefrchtetste Gast der Zigeuner, mit seiner Not und seinem
Elend vorber, d.h. schaut nur die liebe Sonne aus den Wolken heraus im
beginnenden Frhjahr, so ist kein Halten und Bleiben mehr. In
scheinbarer Unordnung gehen die einen da, die andern dort hinaus, und
doch ist alles so annhernd geregelt und schlgt jede Abteilung seine
ihm vorlufig bestimmte Reiseroute ein. Von der Ordnung wird aber bald
nichts mehr zu sehen sein, denn verschiedenes trgt dazu bei, sie
aufzulsen, Kollusion mit der Behrde u.dgl. Da treten dann die
Wanderzeichen in Aktion, durch die sie sich verstndigen, raten und
warnen, Mitteilungen machen, Zusammenknfte und irgend ein Vorhaben
signalisieren. Diese Wanderzeichen, Signale usw. finden sich weit mehr
bei den auslndischen Zigeunern als bei den deutschen. Nur sozusagen im
inneren Leben bedienen sich die deutschen Zigeuner einiger weniger
Zeichen, so z.B. beim Aufstellen von Posten, Gebrdenzeichen,
Warnungszeichen beim Erscheinen von verdchtigen Personen oder
Amtspersonen, Gendarmen usw., wenn man sonst nicht mehr anders warnen
kann. Frher waren auch weitere Zeichen im Gebrauch. Beim Fahren, um den
Nachkommenden den Weg, die eingeschlagene Richtung zu zeigen, werden
aber auch heute noch manche angewendet. Bemerkenswert ist noch der
eigenartige _nur_ von ihnen gebrauchte und bekannte Zigeunerpfiff, nach
Art des heimatlichen Bubenpfiffs, aber durchaus nicht mit diesem zu
vergleichen. Ertnt der Pfiff, wo es auch sei und zu jeder Zeit, so wei
jeder, da einer der ihren in der Nhe ist, ohne ihn zu sehen oder sonst
ein Zeichen zu erhalten.

Der _Gebruche im Wohnwagen_ sind viele, von denen nur einige hier
angefhrt werden knnen. Eine Geburt im Wohnwagen darf nicht erfolgen,
d.h. in keinem von ihren Wagen darf geboren werden. Ausgenommen eine
Fehlgeburt, welche nicht als Geburt, sondern nur als eine Krankheit
angesehen wird. Findet dennoch einmal eine Geburt im Wagen statt, so mu
derselbe verkauft werden. Er darf von keinem Zigeuner mehr bentzt
werden. Ebenso drfen alle darin befindlichen Gegenstnde (ausgenommen
die Kleidungsstcke) wie z.B. Koch- und Egeschirr, auch Lffel, Gabeln
usw., Trink-, E- und sonstige Lebensmittel nicht mehr bentzt werden.
Das Bett, worin die Geburt vor sich ging, mu verkauft oder vernichtet
werden. Wer irgend eine der angefhrten Sachen dennoch wieder gebraucht,
wird #baledschido# und zwar zhlt solches zu den _leichteren_ Vergehen.
Dennoch wird diese Sitte streng durchgefhrt. Gewhnlich erfolgt eine
Geburt unter dem Wagen, in einem Schuppen, Scheune oder dergl. Oder auch
ganz im Freien, im Wald, hinter einem Gebsch usw., auf einem primitiven
Lager. Groer Vorbereitungen bedarf es hierzu nicht. Alte Kleider, ein
Teppich gengen zum Lager, selten wird ein Bett bentzt. Im Winter z.B.
wird auch hie und da ein Zimmer gemietet auf ein paar Tage. Treten aber
Umstnde ein, wo doch im Wagen geboren wurde, so werden dann alle
Gebrauchsgegenstnde usw., um wenigstens diese zu retten, aus dem Wagen
entfernt und wenn es eilt, nur noch hinausgeworfen. Alles was heraus ist
aus dem Wagen, darf nachher wieder gebraucht werden. Nach der Geburt
darf der Wagen dann gleich bentzt werden, d.h. Mutter und Kind werden
jetzt in denselben aufgenommen. Nach 2 Tagen, hchstens 3 hat sich eine
Zigeunerin erholt und geht wieder ihren gewhnlichen Beschftigungen
nach! Von der Geburt bis zur Taufe darf von den mnnlichen Zigeunern,
auch der Vater nicht, im Wagen wo die Kindbetterin ist, etwas gegessen
oder getrunken werden. Nur was auerhalb des Wagens gekocht wird! Auch
darf man das Kind nicht berhren, z.B. auf den Arm nehmen oder kssen.
Fr weibliche Zigeuner ist vorstehendes aber alles gestattet. Getauft
wird so schnell wie mglich und soll es schon fters vorgekommen sein,
um recht viele Patengeschenke zu erhalten (gewhnlich werden zu dieser
Ehrenstelle reiche Dorfbewohner angehalten, welche die Bitte selten,
schon wegen dem Pfarrer nicht, abschlagen), da ein und dasselbe Kind
zweimal getauft wurde.

Im Wohnwagen darf weibliche Wsche, Hemden, Unterkleider nicht
aufgehngt werden, z.B. auch nicht zum Trocknen. Wrde ein mnnlicher
Zigeuner an solch einen Gegenstand stoen, ihn mit dem Kopf berhren, so
wre er unbedingt infam, d.h. #baledschido# (unehrlich). Auch drfen
keinerlei Ewaren, welche mit solch einem weiblichen Bekleidungsstck in
Berhrung gekommen sind, vielleicht durch Einwickeln oder Darauflegen,
gegessen werden. Ausgenommen solche, welche nicht direkt in eine solche
Berhrung gekommen sind, entweder in einem Gef oder wenn es gut
eingewickelt war, z.B. Getrnke in einer Flasche oder Glas. Bei
Wschestcken von mnnlichen Zigeunern ist solches aber nicht der Fall.

Zwei Liebende drfen vor ihrer Verbindung nicht ffentlich, d.h. da es
die Eltern oder Verwandten wissen, im Wagen beieinander sein. Sie mssen
beide miteinander vorher #naschen#, ehe sie als verbunden miteinander
betrachtet werden. #Naschen# = fortgehen, fliehen, bedeutet in diesem
Fall, da beide mindestens einen Tag und Nacht von der eigenen Sippe
fortgehen (auf eigene Faust) mssen, wenn auch nur in das nchste Dorf
oder auch nur eine Stunde weit entfernt. Gewhnlich bleiben beide aber
lnger fort und hauptschlich diejenigen, denen die Eltern die
Einwilligung zur Heirat verweigern. Kommen sie dann zurck, so mssen
die Eltern wohl oder bel die Verbindung zulassen, so verlangt es die
Sitte. Auerdem ist es strenge Sitte, da das zurckkommende Paar
sogleich zu den Eltern, -- d.h. in erster Linie vor den Vater, wenn
Vater nicht anwesend z.B. tot oder wegen irgend etwas _lange_ Zeit
(Gefngnis vielleicht) abwesend, zur Mutter; falls diese auch nicht da,
dann zu den Geschwistern, wenn vorhanden, wenn solche auch nicht, dann
kommen erst die nchsten Verwandten -- treten mu, und zwar der Mann vor
die des Mdchens und umgekehrt, mit den Worten: (Name des Vaters) #du
honte da verzeiheres# (#verzeiheres# ist eines der vielen
Zigeuner-Faulwrter! Richtig zigeunerisch mu es heien: ...#du honte
da -- prosserrehes -- mange wel# usw.) #mange wel da lejam tiri Tschai!#)
(Verzeihe mir, weil ich Deine Tochter genommen habe!) Dann erhalten
sie zum Schlu einen Backenstreich, je nach Lage der Sache stark oder
leicht und die Verbindung ist fertig, die Ehe geschlossen und wird
ebenso heilig gehalten, als wenn irgend ein Priester seinen Segen dazu
gegeben htte.

Bei einem Todesfall, d.h. stirbt eine erwachsene Person im Wohnwagen,
(nur bei Erwachsenen, bei kleineren Kindern nicht) so mssen nicht nur
alle die Gegenstnde wie bei einer Geburt entuert oder vernichtet
werden, sondern hier in diesem Fall auch noch alle Wsche- und
Kleidungsstcke, mit Ausnahme derjenigen, die man gerade an hatte und
der Musikinstrumente, Geld und eventuell vorhandene Bilder
(Photographien). Was man aber noch vor Eintritt des Todes aus dem Wagen
entfernen kann, darf weiter bentzt werden. Alles brige darf nicht mehr
gebraucht werden, auch wenn es noch nagelneu wre und die betreffenden
Leute in groe Not dadurch kommen. Ja, wohlhabendere Zigeuner verkaufen
solche Sachen berhaupt nicht, sondern verbrennen einfach alles, Wagen
usw. rmere verkaufen es und zwar gewhnlich an anderes herumziehendes
Volk, aber ja an keine Zigeuner, und wenn es auch ganz unbekannte wren.
Wer diese streng eingehaltene Sitte nicht befolgt, wird #baledschido#.
(_Schweres_ Vergehen!) Und zwar wird diese Sitte so genau und streng
befolgt wegen der aberglubischen Furcht der Zigeuner vor ihren Toten.
Sie glauben eben, da die Geister der Verstorbenen, in dem von ihnen zur
Zeit ihres Lebens bewohnten Wagen, umgehen mssen und so lange keine
Ruhe finden, bis er vernichtet oder vom Stamm entfernt ist. Deshalb
wrden sie, wenn solch ein Wagen von den Angehrigen weiter bentzt
werden wrde, allnchtlich kommen und diese qulen und Unglck ber sie
bringen. Hier liegt auch der Grund, warum die Zigeuner keines ihrer
Geheimnisse z.B. Wahrsagen, Wanderzeichen oder anderes verraten, da sie
meinen, diese von den Verstorbenen gelernt zu haben. Selbst solche
Zigeuner, die #baledschido#, von aller Gemeinschaft ausgeschlossen sind,
verraten dergleichen an Nichtzigeuner niemals.

Auch sonst ist das Leben im Wohnwagen, z.B. die Beziehungen der beiden
Geschlechter zueinander, durch Sitte und Gesetz streng geregelt. Auch in
Bezug der Reinlichkeit stechen die deutschen Zigeuner von denen der
anderen Lnder[5] vorteilhaft ab. Es ist absolut falsch, wenn man
glaubt, es gehe da in sittlicher Beziehung sehr frei zu. Im Gegenteil:
die deutschen Zigeuner sind sehr schamhaft, obwohl gegen sinnliche Reize
gerade nicht ganz unempfindlich. Aber unsittlich geht es im Wohnwagen
niemals zu. Selbst bei den grten Stammesfesten nicht, obwohl es da
sehr lustig und heiter zugeht, wenn die Geigen jubeln und die
Zigeunermusik ber Wald und Flur dahinrauscht.

    [Funote 5: Kennt _Wittich_ diese? D.H.]

    [Illustration: Bildnis der Stieftochter des Verfassers.]

Bse und gute Menschen gibt es berall, bei jedem Volk, aber man malt
die Zigeuner wirklich zu schwarz, wenn man sie ohne weiteres als Ruber
und Diebe, jeder moralischen Gesinnung bar, auf eine Stufe mit den
verkommensten, untersten Schichten unserer brigen Bevlkerung stellt.
Betteln, Landstreichen, wenn man ihre unbezwingbare, angeborene
Wanderlust so nennen mag, gelegentlicher Diebstahl und kleinere
Betrgereien mag man ihnen schlielich mit Recht nachsagen. Aber es ist
ein groes Unrecht, wenn man, wie es bis jetzt immer geschieht, die
Zigeuner einfach fr gemeinfhrliche, schlimme Menschen zu halten und zu
verdammen beliebt! Bei genauer Beschftigung mit ihnen wrde man bald
das den Zigeunern in dieser Beziehung zugefgte Unrecht einsehen. Wenn
man bedenkt, da sie von jeher schon als vogelfrei betrachtet wurden,
wie grausam und unmenschlich sie behandelt und verfolgt wurden, wie sie
heute noch gehetzt und geqult werden, so sollte man sich eigentlich nur
darber wundern, da sie nicht noch schlechter sind, als sie in
Wirklichkeit sind. Ist es ein Wunder bei einer so blen Behandlung, wenn
sie in jedem Weien nur einen Feind und Unterdrcker ihres Volkes
vermuten und sich deswegen gegen jedermann zurckhaltend und
verschlossen benehmen! Die Zigeuner, dieses echt romantische,
weltverlassene Volk, sind viel, viel besser als ihr Ruf und nur
gutmtige, liebe, vershnliche Menschen, gewandt und gescheit, soda man
sie bei nherem Kennenlernen bald lieben lernt und ihnen zugetan wird.

Merkwrdig ist es, da die deutschen Zigeuner, so sehr sie auch
verchtlich und demtigend von allem Volk behandelt werden, doch auf die
Landbevlkerung gleichsam herunter sehen und den Beleidigungen und
Beschimpfungen keinen Wert beilegen; d.h. von dem ungebildeten Volk
knnen sie nicht beleidigt werden und reagieren auch nicht darauf. Sie
haben vor den Gadsche (Bauern) berhaupt keine Achtung oder Respekt.
Dagegen aber imponiert ihnen die gebildete Klasse. (#Raien#, #Raile
Gadsche#). Hauptschlich die Behrden! Lesen, schreiben oder Ausbung
einer Kunst imponiert ihnen gewaltig! Anders liegt die Sache bei
ungerechter Behandlung oder Mihandlung, oder Beleidigungen unter ihnen
selbst! Aber ich mu nochmals erwhnen, da bei keiner strafbaren
Handlung, mag sie heien wie sie will, ein Zigeuner den andern dem
Gericht verrt oder anzeigt. Ausnahmen sind uerst selten. Selbst
Todfeinde denunzieren oder zeigen nichts an, weil sie eben ihr eigenes
Gesetz und Strafen haben, das berall und immer streng ausgebt wird
untereinander. Strafen, welche Zigeuner verben oder verbt haben,
z.B. wegen Bettel, Betrug, Diebstahl usw., gelten nicht als entehrend,
sondern solche Strafen werden als eine Art Ehrenstrafen betrachtet. Am
angesehensten und geachtetsten bei den Zigeunern sind solche Zigeuner,
welche gut betteln, stehlen, wahrsagen usw. knnen. Solche werden den
andern Zigeunern immer als gute Beispiele angefhrt. Solchen werden
Ehrennamen (#brawi Dschuwel#, #brawo Sinto#) beigelegt.

Welcher _Religion_ gehren die Zigeuner an? Eine schwierige Frage! Vor
lauter Sprachforschung, scheint es mir, hat man die Religionsforschung
(wenn ich mich so ausdrcken darf) vergessen![6] Haben sie eine eigene
Religion? Dies zu beantworten, wird, frchte ich, noch schwieriger sein,
als ihre Herkunft zu ermitteln. Es heit, kein Gebrauch, kein Symbol,
kein Kultus weise darauf hin, da die Zigeuner eine Religion haben bezw.
einmal eine besessen htten. Man wei nicht mehr, als da die Zigeuner
in christlichen Lndern rmisch- oder griechisch-katholische Christen
wren usw. Hat Jemand dies zu ergrnden schon jemals ernstlich den
Versuch gemacht? Und wenn sie wirklich keine Religion haben, mte man
ihnen da nicht solche bringen? Wer den Heiland nicht kennt, von der
christlichen Lehre nichts wei, der ist ein Heide, also sind die
Zigeuner Heiden! brigens auch in einigen Gegenden so geheien. Es gibt
ja noch viele Heiden in den groen, fremden Lndern und Erdteilen, und
doch die Christenheit sendet hier Diener Gottes hin, getreu dem Gebot
des Heilandes folgend; aber um die armen Zigeuner kmmert sich niemand,
obwohl sie der ganzen christlichen Welt sozusagen unter den Augen
herumlaufen! Die Zigeuner sind fr Religion nicht zu haben. Das ist
eine hufige Behauptung und damit soll alles abgetan sein? Fhlt man
weiter keine Verantwortung, weder in christlichen noch in kirchlichen
Kreisen?

    [Funote 6: d.h. die Sprachforscher interessieren sich fr die
    Zigeuner viel mehr, als im allgemeinen die Diener Christi. D.H.]

Weist wirklich nichts auf eine Religion der Zigeuner hin? -- Warum sagt
der Zigeuner niemals der Gott, sondern immer mein Gott? (#Miro baro
Dewel# -- mein groer Gott!) Will er damit nicht andeuten, da er auch
einen Gott habe, den er als seinen Gott von dem der anderen Menschen
unterscheidet, oder ist es nur eine zufllige Sprachgewohnheit? Beweist
es nicht wenigstens, da die Zigeuner auch an ein hchstes Wesen
glauben! Und ebenso glaubt er an ein Fortleben der Verstorbenen nach dem
Tode.

Je nachdem bringen sie ihm Glck oder Unglck. Um letzteres zu
vermeiden, hlt er die Gebruche in Bezug auf seine Toten streng ein.
Die Verehrung der Toten ist so gro, da nur die dringendsten Flle ihn
bewegen knnten, auch nur den Namen der Verstorbenen auszusprechen. Ein
Schwur auf oder bei den Toten wird ebenso unverbrchlich und heilig
gehalten, als wie der bei der Hand seines Vaters (#dadeskero vast#). Ein
#praen# (fluchen) auf seine Toten (Beschimpfung der Abgeschiedenen)
kann nur durch Blut geshnt werden. Das Grab eines teuern Verstorbenen
wird, wenn es nur irgend mglich ist, nach einem Jahre wieder besucht.
An dem Grabe eines Stammesgenossen geht kein Zigeuner vorber ohne
einige Tropfen Wein, Bier oder Branntwein daraufzugieen. In der
Neujahrsnacht wird nach den Lebenden, den Toten ein gutes Neujahr
gewnscht; in der Sylvesterstunde werden bei feierlicher Stille einige
Tropfen Wein, Bier usw. auf den Boden geschttet mit den Worten: Fr
die Toten!

Aber sind die Zigeuner fr Religion zu haben? Allerdings mit Hilfe von
brennenden Scheiterhaufen und Galgen, wie man es frher beliebte, oder
durch Wegnehmen der Kinder, kann man sie zu keiner Religion und Moral
zwingen. Das Resultat wird immer ein negatives sein. Und wenn die
Behandlung nicht besser wird, wenn dies arme, unglckliche Volk weiter
so ungerecht verfolgt und verachtet wird von der brigen Menschheit, so
wird es sehr, sehr schwer sein, in ihnen Liebe und Achtung vor der
Religion zu erwecken, die eben diese Menschen ihnen bringen wollen,
welche ihre Worte so wenig durch ihre Taten besttigen. Aber eins ist
gewi: diese rmsten unter den Armen wrden ihre Ohren und Herzen ffnen
-- der Religion der Liebe! Das ist in der Tat schon bewiesen. Es gibt
bei uns Zigeuner, die keiner Religionsgemeinschaft angehren, doch zu
Gott beten, von Zeit zu Zeit auf offenem, freiem Felde eben diesem Gott
ihre Snden laut bekennen, beichten, bereuen und nichts Sndhaftes mehr
zu tun geloben, feierlich diesen Tag dann heiligen durch die grte
Enthaltsamkeit und fromm werden wollen, wenn man es so sagen kann.

Ich knnte einige solcher Zigeuner namentlich anfhren. Einer dieser
Zigeuner ist mir noch ganz besonders im Gedchtnis, dieser gelobte als
junger Bursche, alle Jahre vom Karfreitag ab, 6 Wochen lang kein Fleisch
zu essen. Das will bei einem Zigeuner was heien! Er ist seinem Gelbnis
treu geblieben bis zu seinem Tode vor nun 2 Jahren, trotz aller Art
Versuchungen. In dieser Zeit sind die Igel (bekanntlich die Lieblings-
und Nationalspeise der Zigeuner) am fettesten, daher am besten, nach
dem Zigeunergeschmack. Da wurde er von Genossen damit geneckt, indem sie
ihm einstmals mit einem fetten, delikaten und appetitlichen Hinterfu
(Hinterschinken) von einem Igel (die grte Delikatesse fr einen
Zigeuner) reizten und neckten und ihn absolut zum brechen seines
Gelbdes verfhren wollten. Aber trotz dieser fr einen Zigeuner fast
bermenschlichen Versuchung, widerstand er derselben standhaft!
Solches und noch vieles mute er durchmachen und brach aber doch nie,
bis ins hohe Alter hinein, sein Gelbde.

Fromm war in ihrer Art auch meine Schwiegermutter. Obwohl sie gar keine
Schule besucht hatte, von einem Kirchenbesuch vollends gar keine Rede
war, keine Ahnung von Lesen und Schreiben hatte, betete sie doch jeden
Abend und Morgen mit ihren Kindern ein altes Gebet in unserer Sprache.

Es lautet:

    #Me baschau mange tele# (oder: #Me staua pre# oder: #Meh
    dschaua nikli) ani Dewlester Soraloben, ani Dewlester Baroben,
    ani Dewlester Songlienger Rat, da hi latscho, hako Mulenter da
    kerela mange kenk mitschiko Dscheno tschomoni. O Dewlesker Dad,
    o Dewlesker Tschawo, o Dewlesker Mulo, priserele man!#

    Ich lege mich nieder (oder: ich stehe auf oder: ich gehe fort)
    in Gotteskraft, in Gottesmacht, in sein (rosenfarbiges)
    rosenrotes Blut, fr alle bsen Geister und Gespenster gut,
    da mir kein bser Mensch nichts tut. Gott Vater, Gott Sohn,
    Gott hl. Geist, segne mich!

Sie hatte 9 lebende Kinder, war eine #brawi Dschuwel#, aber als sie
die ersten Kinder bekam, vollzog sich eine innerliche Wandlung in ihr --
sie bte ihre zigeunerischen Gewerbe nicht mehr aus, soda sie und ihre
Familie, die frher im berflu lebten, oftmals in die bitterste Not
kamen. Auch ihre Kinder lehrte sie nichts mehr, d.h. von der Mutter aus
htten sie nichts gelernt, z.B. Wahrsagen. Warum wohl? Weil sie
jedenfalls oft hrte von dem Schimpflichen solcher Gewerbe und es auf
ihre Art in ihrem frommen Herzen zuletzt selbst glaubte! Fromm war sie!
Man stelle sich diese Frau vor, die bis zu ihrem Tode so geblieben war,
mit ihren 9 Kindern? Welche Sorgen, Nte, Lasten und Mhe lag auf ihren
Schultern? Verspottet oft von den Stammesangehrigen, die es ihr ins
Gesicht hineinsagten, es sei kein Schade, da es ihr so rmlich gehe --
warum be sie nicht mehr aus, wegen dessen sie ja den Ehrennamen (brawi
Dschuwel) hatte und hnliches! Von den Vorwrfen des Gatten zu
schweigen. Dies kann nur der begreifen, der die Sitten der Zigeuner in
dieser Beziehung kennt. Trotzdem blieb sie standhaft. Mochten sie die
Sorgen fast zu Boden drcken, sie blieb fest und betete gewissenhaft
jeden Abend und Morgen ihren Kindern das obenangefhrte Gebet vor und
lehrte sie dasselbe selbst zu beten. Merkwrdig aber ist und war doch --
sie ging niemals in eine Kirche, wollte von keinem Geistlichen was
wissen. In ihren Reden kamen diese gerade nicht respektvoll weg, sie
nannte sie nur die schwarze Polizei! Wie mag diese Frau dazu gekommen
sein, solches zu sagen? Was mag sie erlebt haben? Der, welcher die
Geschichte der Zigeuner und ihre Verfolgungen und Mihandlungen kennt,
von eben diesen Bekennern und Predigern der Religion Christi, wird diese
Fragen leicht beantworten knnen! Ebenso feierte sie jeden Feiertag
(Ostern, Weihnachten, Karfreitag) und befleiigte sich, was ihre Person
betraf, der grten Enthaltsamkeit.

Aber auch sonst sind sie ihrer Art gottesfrchtig (!) so machen sie gern
Wallfahrten nach berhmten Wallfahrtsorten und wenn auch das letzte Geld
daraufgeht, aber immer zu einem gewissen Zweck, z.B. wenn sie greres
Vorhaben (ein zigeunerisches Geschft) ausfhren wollen. Dann beten
sie da, geloben auch ein Gelbde, im Falle eines guten Gelingens des
beabsichtigten Geschftes. So wurde schon manches Geschft ausgefhrt,
mit der grten Zuversicht, da sie nicht erwischt und eingesperrt
werden, haben sie doch zu Gott oder zur Muttergottes gebetet, ein
Gelbde getan, damit sie ihnen zu ihrem Geschft beistehen und das
Geschft auf ihre Art nicht unglcklich ausgehe. Was wissen sie davon
(wer htte es ihnen schon gesagt?), da eben dieser Gott in seinen
Geboten als Snde verboten hat, -- was sie tun wollen und um dessen gutes
Gelingen sie zu ihm beten! Merkwrdig ist aber auch, da die Zigeuner
sich mehr zur katholischen als zur evangelischen Religion hingezogen
fhlen. Jedenfalls nur darum, weil die Zermonien der katholischen Kirche
mehr auf seine Sinne und Phantasien einwirken, mehr seiner Natur
entsprechen, als die Einfachheit der evangelischen Kirche. Frher lie
der Zigeuner seine Kinder gern und auch fters als nur einmal taufen, --
aber nur wegen den regelmigen, blichen Patengeschenken. In welcher
Konfession ist ihm egal -- ob katholisch oder evangelisch. So bin ich
katholisch getauft, eine Schwester und mein Bruder evangelisch.
Kirchlich und weltlich wurde frher eine Zigeunerehe nur selten
geschlossen. Heutzutage lt er die Kinder aber taufen, damit sie in
seine Legitimation eingefhrt werden, ebenso verhlt es sich, wenn er
sich heute ausnahmslos kirchlich trauen lt und die Ehe standesamtlich
eingeht.

Bewiesen wird es jetzt wohl sein, da die Zigeuner fr die Religion
nicht unempfnglich sind, wenn man sie am rechten Platz packt, d.h. in
ihrer Sprache die Heilsbotschaft verkndet und im brigen etwas
Rcksicht nimmt auf ihre zigeunerischen Eigenarten. Kein Baum fllt auf
den ersten Hieb. Die Erfahrungen wrden diese Worte besttigen. Nicht
der angeblichen Unverbesserlichkeit der Zigeuner gebe man die Schuld,
sondern der geringen Arbeit der Christenheit, die in dieser Beziehung so
viel versumt hat. Aber mit der Seelenrettung mu Hand in Hand gehen --
die Besserung der ueren Umstnde der Zigeuner. Der Erfolg wrde ein
berraschender sein. Daher weg mit der oberflchlichen Redensart: die
Zigeuner sind nicht fr Religion zu haben! Knnt ihr, die ihr dies so
leichtherzig sagt, es ernstlich beweisen? Nein; nun so ist es jetzt
hchste Zeit, deutsche Christen, dies Versumnis endlich nachzuholen,
damit eure Verantwortung nicht noch grer werde, als sie schon ist!
#Tschatschopaha.#

       *       *       *       *       *

Vor nun schon langen Jahren berwinterte eine Familie dieser fahrenden
Leute in einem Schwarzwalddorf. Die Kinder muten in die Schule gehen
diesen Winter. Der lteste Knabe sollte im Frhjahr aus der Schule
kommen, (_In die er doch so wenig hineinkam_.) Der Ort war
evangelisch, der Schler aber doch katholisch getauft. Dies war der
Anla, da, als er  Jahr die evangelische Dorfschule besucht hatte, der
katholische Pfarrer aus dem nahen Oberamtsstdtchen ihm das Billet fr
 Jahr bezahlte zum katholischen Schulbesuch und zwar so lange, bis er
aus der Schule war im Frhjahr. So war der Knabe auf doppelte Art ein
Fahrender. Vom fahrenden Volk war er jetzt auch noch ein fahrender
Schler, indem er morgens in die katholische Schule in der
Oberamtsstadt mit der Bahn fuhr und abends wieder zurck nachhause. Hier
lernte er wirklich gute Menschen kennen und die Anteilnahme und Liebe
fr den verachteten Zigeuner tat ihm so wohl, da er wnschte, immer so
glcklich sein zu knnen. Die Eindrcke, die er hier durch den Umgang
mit diesen braven Leuten empfing, blieben ihm in steter Erinnerung. Dies
Glck war leider nicht von langer Dauer. Der Tag der Schulentlassung
kam. Die Eltern des Knaben wollten schon lange -- kaum da der Schnee
schmolz und die liebe Sonne zu lcheln begann -- weiterziehen, um die
durch den Winter unterbrochene Wanderung fortzusetzen. Ungeduldig wurde
von ihnen der Schulentlassungstag erwartet -- der einzige Grund, der sie
von der Reise zurckhielt. Der Knabe dagegen wnschte ihn noch weit,
weit zurck. Vergebens -- nur zu schnell war er da! Wie der Knabe von
edlen Wohlttern die Leibesnahrung in dieser Zeit erhielt, (da die
Eltern, weil zu arm, ihm nichts mitgeben konnten), so erhielt er auch
von ihnen alles, was zur Feier dieses Tages gehrte, Kleidung, Schuhe
usw. Das Herz des Knaben war bervoll vor Glck, nicht allein wegen dem,
da er vielleicht zum erstenmal in seinem Leben so schmuck und proper
dastand, sondern hauptschlich der liebevollen Worte wegen, die von
allen Seiten an ihn gerichtet wurden. So selten wie ein neuer ganzer
Anzug, so selten war eine solche Anteilnahme von Menschen, die ihn sonst
nur mit Verachtung behandelten, im Leben dieses Knaben! Seine groe
Freude konnte man ihm vom Gesicht ablesen, vollends als er mit den
anderen Konfirmanden zu einem gemeinschaftlichen Mahl in das
Pfarrhaus, mit dem Herrn Pfarrer und dessen Angehrigen, eingeladen
wurde. Doch wollte ihn ein Gefhl der Traurigkeit beschleichen, als er
die anderen Knaben betrachtete und hrte, wie sie sich gegenseitig mit
Stolz und Freude erzhlten, was sie werden wollten oder durften. Jeder
hob die Vorzge seines erwhlten Berufes hervor und jeder glaubte, den
besten erwhlt zu haben. Hier sa der fahrende Knabe still! Hier
konnte er nicht mitreden. Was er wohl wird? Niemand dachte daran, ihn
auch einen Beruf whlen, lernen zu lassen! Htte sich doch hier der
Engel gefunden, den jeder Mensch haben mu, um etwas zu werden, etwas zu
erreichen! Htte sich hier eine rettende Hand gezeigt, und es wre aus
dem Knaben damals etwas ganz anderes geworden, als er jetzt ist!

Doch die beginnende Traurigkeit verschwand, als ein Spaziergang in den
nahen Wald gemacht wurde, welcher die Feier und den schnen Tag
beschlo. Es war ein wunderschner Frhlingstag. Auf den grnen Wiesen
blhten die Blumen. Auf den Bumen keimten schon die Blten, aus ihnen
und von berall ertnte der Vgelschall. Alles war Freude, Lust und
Leben! Nur zu schnell vergingen die frhlichen Stunden dieses -- letzten
Tages, den der Knabe unter diesen guten Menschen zubrachte. In seinem
hchsten Glck -- wurde er jh wieder von der rauhen Faust des
unerbittlichen Schicksals zurckgerissen in sein -- altes Leben. Die
Scheidestunde schlug. Man begleitete den Knaben an die Bahn. Die muntere
Schar merkte in ihrer Frhlichkeit nicht, wie traurig und leer es in
seinem Herzen aussah. Ein letzter Hndedruck, noch einige liebevolle,
trstende Abschiedsworte des guten, wahrhaft edlen Pfarrers, ein
Tcherschwenken, ein Pfiff -- davon brauste der Zug. Der Abschied war
schwer, der Knabe meinte, er liee alles zurck, Liebe, Freude und
Glck. Das Herz wollte ihm brechen vor Heimweh und Schmerz. Dunkel, grau
lag die Zukunft vor ihm, -- ohne einem Strahl von Glck! Und er wre doch
so gerne glcklich gewesen! Bei seinen Leuten angekommen, war der Wagen
schon lngst gepackt. Eine letzte Nacht noch in einer Stube. Leer und
de grinste ihm die Zukunft aus allen Ecken des kahlen Zimmers entgegen.
Leer und de sah es in seinem jungen Herzen aus. Am Morgen, frh, nach
einer durchweinten Nacht, ging es fort. Wohin?

Aber niemals konnte der Knabe diese glcklichste Zeit seines ganzen
Lebens vergessen. Sein nachheriges bewegtes Leben konnte nie die
Erinnerung daran auslschen! Ebensowenig das Andenken an den wahrhaft
guten und edlen Pfarrer, dessen Lehren, Worte und ehrwrdige Gestalt ihm
immer und jetzt noch nach langen, langen Jahren, vor Augen steht.
Besonders unvergelich bleibt ihm der Tag seiner Schulentlassung. Er war
und ist der schnste und glcklichste seines Lebens. Oft und gern denkt
er heute noch -- oder vielleicht gerade jetzt -- an diese frohe und
glckliche Kindheits- und Jugendzeit zurck. Dieser Tag wird fr die
ganze Lebenszeit ein Lichtblick sein und bleiben fr _Engelbert
Wittich_!

#Tschatschopaha!#




Hefte fr Zigeunerkunde.

Heft 1. =Urban, R.=, Die Sprache der Zigeuner in Deutschland. 30 Pfg.

  "  2. =Wittich, E.=, Blicke in das Leben der Zigeuner. 40 Pfg.

  "  3. =Bourgeois, Dr. H.=, Kurze Grammatik der mitteleuropischen
        Zigeunersprache. 30 Pfg.


ber die Zigeuner ist schon viel geschrieben worden; aber diese
Literatur hat bis jetzt nur kleine Kreise von Liebhabern und
Fachinteressenten erreicht; dazu leidet sie unter dem Migeschick, da
sie schwer zu finden ist, meist nur durch Vermittelung von
Antiquariatsangeboten. Ein groer Fortschritt ist zwar das seit 1907
neue Erscheinen des #Journal# der #Gypsy Lore Society#, in dem alles
Wissenswerte ber die Zigeuner sorgfltig gesammelt wird; aber dieses
Unternehmen scheint sich in Deutschland nicht einzubrgern, und es
herrscht bei uns nach wie vor eine bedauerliche Unkenntnis alles dessen,
was die Zigeuner betrifft. Diese Unkenntnis ist mit schuld daran, da
unsere Gesetze und Behrden, die heute schon alle mglichen Volks- und
Berufsklassen, ja selbst Tier- und Pflanzenwelt mit Recht und Schutz
versehen, den Zigeunern gegenber nur als rcksichtslose Feinde und
Unterdrcker auftreten, -- da die Kirchen und Vereine, die heute schon
auf den entlegensten Gebieten alle denkbaren Liebeswerke ausben, an den
Zigeunern khl vorbergehen, -- da das Volk und auch die christlichen
Kreise, die die Zigeuner mit einer Mischung aus Neugierde, Furcht und
Teilnahme betrachten, doch noch nicht zum rechten christlichen Benehmen
gegenber den Zigeunern gekommen sind.

Die Hefte fr Zigeunerkunde sollen diesen bedauerlichen Zustnden
abhelfen. Sie wenden sich an alle offiziellen und privaten Kreise des
deutschen Volkes in der festen berzeugung, da es nur ein wenig der
Beschftigung mit dem Zigeunertum bedarf, um diesem armen, heimatlosen
Volk eine gerechtere Beurteilung und ernstliches Wohlwollen bei allen
edel denkenden Deutschen zu erwirken. Die Folgen dieses Umschwunges
wrden den Zigeunern gewi zum Segen und unserer in diesem Punkte bisher
so hartherzigen Christenheit nicht zur Schande gereichen.

                       Ph. Tschoerner, Striegau



[Anmerkungen zur Transkription: Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden
vereinheitlichend durch , ,  ersetzt. Die nachfolgende Tabelle
enthlt eine Auflistung aller gegenber dem Originaltext vorgenommenen
Korrekturen.

S. 10: [Komma eingefgt] Lffeln), Haarschmuck
S. 11: als halblinder -> als halbblinder
S. 13: Feuerwerker prozudieren, whlen zur -> produzieren, whlen zu
S. 22: [Vereinheitlicht] von ihm aus das Todtenhemd anhatte -> Totenhemd
S. 22: [Komma eingefgt] heraus, #prate# und scho
S. 24: [Komma eingefgt] Gesundheittrinken, Prosit
S. 36: [Komma eingefgt] , da eben dieser Gott

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen
wurden folgendermaen ersetzt:

Sperrung:       _gesperrter Text_
Antiquaschrift: #Antiquatext#
Fettschrift:    =fett gedruckter Text= ]



[Transcriber's Note: The Umlauts Ae, Oe and Ue have been replaced by ,
, . The table below lists all corrections applied to the original
text.

p. 10: [added comma] Lffeln), Haarschmuck
p. 11: als halblinder -> als halbblinder
p. 13: Feuerwerker prozudieren, whlen zur -> produzieren, whlen zu
p. 22: [normalized] von ihm aus das Todtenhemd anhatte -> Totenhemd
p. 22: [added comma] heraus, #prate# und scho
p. 24: [added comma] Gesundheittrinken, Prosit
p. 36: [added comma] , da eben dieser Gott

The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been
replaced by:

Spaced-out: _spaced out text_
Antiqua:    #text in Antiqua font#
Bold face:  =bold face text= ]





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Engelbert Wittich

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electronic work or group of works on different terms than are set
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both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

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effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
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LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
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law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
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or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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