Project Gutenberg's Buch von der Deutschen Poeterey, by Martin Opitz

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Title: Buch von der Deutschen Poeterey

Author: Martin Opitz

Editor: Wilhelm Braune

Release Date: January 1, 2011 [EBook #34806]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BUCH VON DER DEUTSCHEN POETEREY ***




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                                  Buch
                       von der deutschen Poeterei

                                  von

                              Martin Opitz

                   Abdruck der ersten Ausgabe (1624)

                             Vierter Druck

                              Halle a.S.
                        Verlag von Max Niemeyer
                                  1913


  Neudrucke deutscher Litteraturwerke des XVI. u. XVII. Jahrhunderts.
                                 No.1.




Einleitung.


Seit dem Erscheinen dieser Ausgabe (1876. 1882) ist das Buch von der
deutschen Poeterei Gegenstand eindringender Forschung geworden, durch
welche seine Stellung in der Geschichte der Poetik, sowie die
Beziehungen zu den Quellen Opitzens hinlnglich klargestellt worden
sind. Abgeschlossen wurden diese Untersuchungen durch die mit Einleitung
und eingehendem Commentar versehene Ausgabe: 'Martin Opitzens
Aristarchus sive de contemptu linguae Teutonicae und Buch von der
Deutschen Poeterey, herausgegeben von Dr. Georg ~Witkowski~.' Leipzig
1888.

Die wichtigeren Einzelabhandlungen sind: O. Fritsch, Martin Opitzens
Buch von der d. P. Ein kritischer Versuch (Diss.), Halle 1884; -- K.
Borinski, Die Kunstlehre der Renaissance in Opitz' Buch von der d. P.
(Diss.), Mnchen 1883, und danach in desselben 'Die Poetik der
Renaissance und die Anfnge der litterarischen Kritik in Deutschland',
Berlin 1886, S.63ff.; -- W. Berghoeffer, Martin Opitz Buch von der d.
P. (Gttinger Diss.), Frankfurt a/M. 1888; [-- R. Beckherrn, M. Opitz,
P. Ronsard und D. Heinsius (Diss.) Knigsberg 1888; -- G. Wenderoth, Die
poetischen Theorien der franzsischen Plejade in Martin Opitz' deutscher
Poeterei: Euphorion13, 445-468.]

                   *       *       *       *       *

Das Buch von der deutschen Poeterei erschien in Breslau 1624. Die
Ausgabe ist in 4^o und besteht aus 38 ungezhlten Blttern (=9 Bogen)
mit den Signaturen =A=-=K=, angehngt sind dann noch zwei Bltter =An
den Leser= mit Signatur =L=.

Diese Ausgabe ($A$) liegt unserem Abdrucke zu Grunde. Derselbe ist fr
diesen Druck, unter Bercksichtigung der Ausgabe von Witkowski, von
neuem mit dem Originale (Ex. der Stadtbibliothek in Leipzig) sorgfltig
verglichen worden. Abgewichen ist von der Originalausgabe nur insofern,
als ihre Druckfehler verbessert sind. Diese zerfallen in 3 Klassen:

1) Druckfehler, die von Opitz selbst in dem Anhange =An den Leser=
(S.59) als solche aufgefhrt werden. Es folgt hier das Verzeichniss
derselben nach Seite und Zeile unseres Abdrucks: 77 inimic vene. 927
{n' pote soi chronos outos en}. 107 =heutiges tagen=. 1133 {idiorta}.
1211 =Marcilius=. 152 {men}. 1530 d, escorte. 191 =habe=] =hate=.
2321 =krtze=] =kurtze=. 2737 {t,  psych}. 296 =nechst=] =echst=.
2911 L irrite. 327 ciel] liel. 3221 =auff einandere=. 3231
=abstehlen=] =abstehen=; -- =mge=] =mgen=. 3720 =stehen=] =sehen=.
3824 {thalaasta}. 3825 {thal astan}. 3829 distichion. 3830
=Ancareonten=. 418 =nach=] =noch=. 4120 =lateinischen ~vnd~=
hexametros. 4137 communs =~der~ gemeinen=. 4339 =abschnitt=]
=abschrit=. 4435 =himmelront=. 4440 =Iu summa=. 5323 STRO. I. 564
{enkrinesthai}. -- Ausserdem gibt Opitz noch zu 1529 =genawe= an,
welches aber schon im Texte ebenso richtig dasteht.

2) Ferner sind folgende grbere Druckfehler verbessert, die zum Teil in
allen, zum Teil auch nur in einzelnen der lteren Ausgaben beseitigt sind:
2634 =satt=] =saat= (doch vgl. Anz. f. dtsch. alt. 14, 287). 2717
=reime=] =reine=. 2829 =denn=] =den=. 2938 =Haupt-brecher-Lwen-zwinger=.
332 =erempel=. 3628 ==] {o}. 402 =doppeltlaudender=. 4010 =der
andere=] =~das~ a.= 4212 =abschritt= (4339 derselbe Fehler von
Opitz verbessert). 4614 C'ouurir. 4819 =nicht=] =nchit=. 4823
=vneigeflochtenen=. 4922 =Capittl=. 5144 =Meisterck=. 5629 =des
Frawenz=. 5730 statt =besitzen= das 2. mal =besetzen=. -- Nicht
besonders erwhnt sind umgekehrte =n= oder =u=, wie 183 =vou= u.a.

3) Endlich sind nach Witkowski's Vorgange noch folgende Fehler
verbessert: 97 =Volckern=. 927 {toi}] {soi}. 1540 Pro longeant. 1830
=saeit= (=sueit= Goldast statt =sneit=). 2826 {Aros}. 3428 =mir=]
=nur=. 3629 =vnnd mitlere=. 3721 Punkt nach =es=. 3822 H. 3823
{autn}. 493 Sous] Solus.[1]

  [1] Unrichtig ndert Witkowski 4618 =beseite= (mhd. #beste#) in
  =beiseite=. -- Den von Witkowski S.80 bemerkten Druckfehlern unserer
  ersten Ausgabe sind noch einige hinzuzufgen, die zum Teil auch von
  Witkowski bernommen sind: ausser geringfgigen (1231 =groes=. 1314
  =Geistes, welchen=. 4018 =auff=. 4315 =auf=. 595 =erinnern=) der
  strendere 4525 =~des~ Himmels kertzen=.

Die Abkrzungen sind aufgelst. Hufiger ist nur =[=e]= fr =en= (32
mal), =v[=n]= fr =vnd= (12 m.), =[=n]= fr =nn= (10 m.); ausserdem
=[=m]= fr =mm= (4 m.) und einmal =[=e]= fr =em=.

                   *       *       *       *       *

Die auf $A$ folgenden Ausgaben waren ebenfalls Einzeldrucke; erst 1690
wurde das Werk in die Gesammtausgabe aufgenommen. Die Titel der
einzelnen Ausgaben findet man verzeichnet bei Hoffmann von Fallersleben,
Martin Opitz von Boberfeld (Leipzig 1858) und in Witkowski's Ausgabe
S.77-80, dessen Chiffern ich annehme. Sie erschienen: $B$ Frankfurt und
Breslau 1634. $C$ Wittenberg 1634. $E$ Wittenberg 1635 (zum Drittenmahl
auffgeleget). $G$ Wittenberg 1638 (zum Vierdtenmahl auffgeleget). $H$
Wittenberg 1641 (zum Fnfften mahl auffgeleget). $I$ Frankfurt a/M.
1645. Die erste Ausgabe, in welcher sich Hanman's Anmerkungen befinden
(-- Jetzo aber von Enoch Hannman an vnterschiedlichen Orthen vermehrt
vnd mit schnen Anmerckungen verbessert. Nunmehr zum sechstenmahl
correct getruckt.). ber Hanmanns Anmerkungen s. Borinski, Poetik der
Renaissance s. 285 ff., Witkowski s. 68 ff. -- $K$ Wittenberg 1647
(Nunmehr zum Sechsten mahl auffgeleget). Ohne Hanmanns Anmerkungen. $L$
Frankfurt a/M. o.J. (ca. 1650). Mit den Anmerkungen; zum siebenden mal
correct gedruckt. $M$ Frankfurt a/M. 1658 dsgl., zum achten mal
correct gedruckt. $N$ Breslau, Fellgibel o.J. Diese Ausgabe gehrt in
den 1. Teil der 1690 erschienenen Gesamtausgabe von Opitzens Werken, hat
aber besonderen Titel und Paginierung und kommt auch separat vor. -- Die
genannten Ausgaben sind smmtlich 8^o (resp. 12^o); eine zweite
Quartausgabe vom Jahre 1626 fhrt Grsse im Trsor des livres an und
Goedeke im Grundriss^1. Die Angabe scheint aber auf Irrtum zu beruhen.
Ueber eine 2. Ausgabe Wittenberg 1634 und eine Danziger 1635 [vielmehr
1634, s.u.], welche nicht nachweisbar sind, s. Witkowski $D$ u. $F$.

Endlich wurde die Poeterei aufgenommen in die beiden in der Mitte des
18. Jahrhunderts veranstalteten Opitzausgaben: $O$ von Bodmer, Zrich
1745 (nur der 1. Teil erschienen, darin die Poeterei S.1-70); $P$ von
Triller, Frankfurt a/M. 1746 (Vier Bnde, die Poeterei erffnet den 1.
Band).

Auf allen Ausgaben nach der ersten lautet der Titel Prosodia Germanica,
=Oder Buch von der deutschen Poeterey &c.= Man wird kaum annehmen
drfen, dass der Zusatz Prosodia Germanica von Opitz selbst herrhre,
da Opitz sicher nach der Ausgabe von 1624 bei keiner folgenden beteiligt
gewesen ist. Dieselben zeigen nicht nur keine Vernderungen, sondern
sind sogar derart aus der ersten Ausgabe, und dann wieder eine aus der
andern, abgedruckt, dass das von Opitz selbst dort gegebene
Druckfehlerverzeichniss ~nicht~ bercksichtigt worden ist, wie berhaupt
das ganze Nachwort =An den Leser= (S.59. 60) in allen Ausgaben von
$B$ ab fehlt, so dass sich dieselben unsinnigen Druckfehler teils durch
alle folgenden Ausgaben hindurchziehen, teils in einzelnen derselben
verbessert werden, aber zuweilen durch Conjectur anders als Opitz
vorgeschrieben. Z.B. sind die Fehler =Marcilius= statt =Manilius=
1211, liel st. ciel 327, =der= st. =oder= 4137 bis 1690 in allen
Ausgaben, erst Triller und Bodmer bessern richtig. 3231 steht 1624
=abstehen=, Opitz corrigiert =abstehlen=, die folgenden Ausgaben machen
aus =abstehen= das nahe liegende =absehen=, und diese Lesart ist auch
noch in $OP$ vorhanden. Ebenso ist in derselben Zeile 3231 das =mgen=
statt =mge= in allen spteren Ausgaben conserviert; u.a.m.

Es geht daraus hervor, dass fr den Text der Poeterei allein die Ausgabe
$A$ von 1624 in Betracht kommt.

~Heidelberg~ [Dritter Druck 1902]. $Wilhelm Braune.$

                   *       *       *       *       *

Auch dieser ~vierte~ Druck ist mit der Originalausgabe verglichen
worden. Fr Nachtrge zur Einleitung bin ich G. Witkowski zu Dank
verbunden; insbesondere hat er den alten Druck $F$ in der Buchhandlung
von Gustav Fock (aus dem Nachlasse Reinhold Bechsteins) aufgefunden und
mir den Titel der Ausgabe, deren Verbleib ihm nicht bekannt ist,
freundlichst mitgeteilt:

$F$ Prosodia Germanica .... =Martin Opitzen= [wie in $C$] =Dantzig,
Gedruckt durch Andream Hnefeldt, Im Jahr, 1634=. [12o =A=-=E= 11b].

~Heidelberg~ 1913.                                     $W.B.$




                                _MARTINI
                                 OPITII_

                         Buch von der Deutschen
                               Poeterey.

                      In welchem alle jhre eigen-
                      schafft vnd zuegehr grndt-
                      lich erzehlet, vnd mit exem-
                         peln augefhret wird.


                      Gedruckt in der Frstlichen
                       Stadt Brieg, bey Augustino
                               Grndern.

                    In Verlegung David Mllers Buch-
                       hndlers in Brelaw. 1624.




    _Horatius ad Pisones:_

    _Descriptas servare vices, operumque colores,
    Cur ego, si nequeo, ignoroque, Pota salutor?
    Cur nescire, pudens prav, quam discere malo?_




[A2a] Denen Ehrenvesten, Wolweisen, Wolbenambten vnd Wolgelehrten
HErren Brgermeistern vnd Rathsverwandten der Stadt Buntzlaw, seinen
gnstigen Herren vnd befrderern.


EHrenveste, Wolweise, Wolbenambte vnd Wolgelehrte insonders gnstige
HErren,

Was bianhero von einem vnnd dem andern, auch vornemen Leuten, zum
offteren an mich ist begehret worden, das ich nemlich von vnserer
Deutschen Poeterey, derselben art vnd zuegehr, etwas richtiges
auffsetzen mchte, habe ich vorwichene tage zue wercke gebracht. Zwar
erstlich, solchem ehrlichen begehren wie billich zue verhengen: nachmals
aber, die jenigen vor derer augen diese vorneme wissenschafft ein grewel
ist zue wiederlegen, vnd die, so sie als ein leichte ding vor handen zue
nemen vnbedacht sich vnterstehen, ab zue halten, die gelehrten aber vnd
von natur hierzue geartete gemter auff zue wecken, mir, der ich difals
bey weitem nicht genung bin, die hand zue bitten, vnd den weg so ich
allbereit vmb etwas erffnet vollendts zu bhnen. Weitleufftiger vnd
eigentlicher zue schrei-[A2b]ben hat mich nicht allein die enge der
zeit, sondern auch sonsten allerley vngelegenheit verhindert, die mir
von denen zuegefget wird, welche, wann es bey jhnen stnde, wnschen
wolten, das auch das gedchtni der Poeterey vnnd aller gutten Knste
vertilget vnd augerottet wrde. Ob mich nun wol dergleichen vnbilliche
Wiederwertigkeit, die ich ohne meinen verdienst tragen mu, offtermals
kaum nicht zwinget wie Nero zue sagen; _Vellem nescire literas_: jedoch
habe ich, in erwegung derer Vrsachen die mir etwas beers rahten, vnd
das die Zahl vieler grossen Mnner die mir huldt sein die wenigen
abgnstigen weit hinwieget, zwar ietzund in diesem geringen wesen den
willen mit meinem schlechten studieren etwas zue fruchten erweisen
wollen: vnnd wil auch nachmals besten fleies mich bemhen, an greren
vnd mehr wichtigen sachen (denn ich gar wol wei, das es mit der
Poeterey alleine nicht augerichtet sey, vnd weder offentlichen noch
Privatmptern mit versen knne vorgestanden werden) durch beystandt
Gttlicher hlffe alle mein heil zue versuchen. Indeen, Grognstige
HErren, wollen sie, zum pfande meiner knfftigen vorsorge wie mein
geliebtes Vaterlandt vnnd sie meiner je mehr vnd mehr ruhm vnd ehre
haben mgen, dieses buch auff, vnd annemen, vnd beynebenst geneiget
erwegen das ich auch darumb jhnen solches billich vor andern
zueschreiben sollen, damit ich nicht, wann ich [A3a] sie in diesen vnd
andern meinen schrifften lenger mit stilleschweigen vbergienge, von
denen die meinen knfftigen vorsatz nicht wissen fr vndanckbar mge
gescholten werden. Welchen lasters ich nicht alleine anderwerts frey vnd
ledig bin, sondern auch difals khnlich sagen darff, das ich solche
groe liebe zue meinem Vaterlande trage, dergleichen zwar von allen
erfordert, aber bey wenigen erfunden wird. Ich mu nur bekennen, das ich
nicht vnlengst au weit abgelegenen orten, da es mir an ehre, fderung,
freundschafft vnd alle dem was ich bedrffend nicht gemangelt hette,
mich mehrentheils darumb zuercke gemacht, vnnd meinen zuestandt in
vngewiheit gesetzet, das ich das verlangen, daheime vnd bey den
meinigen die zeit zue verschliessen, nicht lenger ertragen knnen.
Welches ich sonsten kaum so rundt herau sagen wolte, au furchte, das
es mir von andern fr eine zrtligkeit vnd weichmuth mchte augeleget
werden, wenn mir nicht wiend, das Vlyes so sehr auff sein Ithaca zue
geeilet, als Agamemnon auff sein _Mycne_, vnd der grosse mann hertzlich
gewnschet, auch nur ein ruchlein so darau auffgienge von fernen zue
schawen. Der Vater der Musen Alfonsus in Sicilien, als jhm einer
erzehlete wie Rom so gewaltig, Venedig so gro, Florentz so reich,
Meilandt so Volckreich were, gab er jhm dieses gar gerne zue, aber, hub
er darneben an, ich wil niergendts lieber sein als zue _Carioncilla_:
[A3b] welches ein flecken war, darinnen der lbliche vnnd tugendhaffte
Knig gebohren vnd auffgewachsen. Kan mir also niemand zue rechte vbel
deuten, das ich mein Buntzlaw, ohne ruhm zue sagen, die erzieherinn
vieler stattlichen berhmbten leute, welche ich bey anderer gelegenheit
schon wil zue erzehlen wissen, als ein Kind seine Mutter ehre, vnd
bestes vermgens hand zue wercke lege, wie nicht alleine ich durch das
Vaterland, sondern auch das Vaterland durch mich bekandter werde.
Nebenst dieser gemeinen vrsache hiesiger meiner zueschreibung habe ich
nicht weniger in acht zue nemen, die grosse gunst vnd freundschafft, mit
welcher ein ietweder von den Herren mir bey aller vorgehenden
gelegenheit zum offtersten begegnet: ja das sie auch mir entweder mit
Blutfreundschafft oder verwandtni bey gethan sind, oder, worunter ich
Herren Snfftleben verstehe, mich zue alle dem was ich wei vnnd kan,
wie wenig es auch ist angewiesen vnd geleitet haben. Werden also die
HErren, in betrachtung obgemeldeter vrsachen, in guttem verstehen, das
ich Jhren namen hiesigen geringfgigen buche, das doch hoffentlich an
seinem orte wird ersprlich sein, vorsetzen, vnd dadurch, weil anietzo
nichts anders in meinem vermgen gewesen, nur etzlicher maen mein
danckbares gemte vnd gutten vorsatz [A4a] erweisen wollen. Befehle sie
hiermit in den schutz des Hchsten, mich aber in jhre beharliche gunst
vnd liebe; der ich gleichfalls jederzeit bin

  E.E.W.
            Dienstwilligster
                              Martin Opitz.




    [A4b] _AD
    DN. MARTINUM OPITIUM
    Posin Germanicam dentem,
    Parodia ex Carm. II. Lib. II. Horat._

    _#Nullus argento color est, etc.#_

    _INgenI nullus decor est, ineptis
    Illit chartis inimice ven
    #Martie Opiti#, nisi patri aptos
                  Vernet in usus.
    Vivet extento venerandus vo
    #Heinsius# plectri genitor Batavi:
    Illum aget pror metuente sisti
                  Gloria ad Indos.
    Altius scandes patri canendo
    Barbyto, qvm si Latium perit
    Attic jungas, Syrique Peithus
                  Noveris artem.
    Carminis multos cacothes urit,
    Nec scit expelli; nisi mille vulgo
    Finxerit versus peregrina jactans
                  Gutture verba.
    Conditam Almanis numeris Posin
    Exter distans, solio polorum
    Inseret Phoebus populumque vernis
                  Instruet uti
    Vocibus, laudem, & sine nube nomen
    Deferens illi, viridemque laurum,
    Teuton ingenteis repolit loqvel
                  Qvisqvis acervos._

    _Augustinus Iskra Siles:_




[B1a] _MARTINI OPITII_

Buch von der Deutschen Poeterey.




Das I. Capitel.

Vorrede.


WIewol ich mir von der Deutschen Poeterey, auff ersuchung vornemer
Leute, vnd dann zue beerer fortpflantzung vnserer sprachen, etwas auff
zue setzen vorgenommen; bin ich doch solcher gedancken keines weges, das
ich vermeine, man knne iemanden durch gewisse regeln vnd gesetze zu
einem Poeten machen. Es ist auch die Poeterey eher getrieben worden, als
man je von derselben art, ampte vnd zuegehr, geschrieben: vnd haben die
Gelehrten, was sie in den Poeten (welcher schrifften au einem
Gttlichen antriebe vnd von natur herkommen, wie Plato hin vnd wieder
hiervon redet) auffgemercket, nachmals durch richtige verfassungen
zuesammen geschlossen, vnd aus vieler tugenden eine kunst gemacht. Bey
den Griechen hat es Aristoteles vornemlich gethan; bey den Lateinern
Horatius; vnd zue unserer Voreltern zeiten Vida vnnd Scaliger so
aufhrlich, das weiter etwas darbey zue thun vergebens ist. Derentwegen
ich nur etwas, so ich in gemeine von aller Poeterey zue erinnern von
nthen zue sein erachte, hiervor setzen wil, nachmals das was vnsere
deutsche Sprache vornemlich angehet, etwas vmbstendtlicher fr augen
stellen.




Das II. Capitel.

Worzue die Poeterey, vnd wann sie erfunden worden.


DIe Poeterey ist anfanges nichts anders gewesen als eine verborgene
Theologie, vnd vnterricht von Gttlichen sachen. Dann weil die erste vnd
rawe [B1b] Welt grber vnd vngeschlachter war, als das sie hette die
lehren von weiheit vnd himmlischen dingen recht fassen vnd verstehen
knnen, so haben weise Mnner, was sie zue erbawung der Gottesfurcht,
gutter sitten vnd wandels erfunden, in reime vnd fabeln, welche
sonderlich der gemeine pfel zue hren geneiget ist, verstecken vnd
verbergen mussen. Denn das man jederzeit bey allen Vlckern vor gewi
geglaubet habe, es sey ein einiger vnd ewiger GOtt, von dem alle dinge
erschaffen worden vnd erhalten werden, haben andere, die ich hier nicht
mag auschreiben, genungsam erwiesen. Weil aber GOtt ein vnbegreiffliches
wesen vnnd vber menschliche vernunfft ist, haben sie vorgegeben, die
schnen Crper vber vns, Sonne, Monde vnd Sternen, item allerley gutte
Geister des Himmels wehren Gottes Shne vnnd Mitgesellen, welche wir
Menschen vieler grossen wolthaten halber billich ehren solten. Solches
inhalts werden vieleichte die Bcher des Zoroasters, den Man fr einen
der eltesten Lehrer der gttlichen vnd menschlichen wissenschafft helt,
gewesen sein, welcher, wie Hermippus bey dem Plinius im ersten Capitel
des 30. Buches bezeuget, zwantzig mal hundert tausendt Ver von der
Philosophie hinterlassen hat. Item was Linus, wie Diogenes Laertius
erwehnet, von erschaffung der Welt, dem lauffe der Sonnen vnd des
Mondens, vnd von erzeugung der Frchte vorgegeben hat. Dessen werckes
anfang soll gewesen sein:

    {n pote toi chronos houtos en h hama pant' epephykei}

    Es war die zeit da erstlich in gemein
    Hier alle ding' erschaffen worden sein.

Neben diesem haben Eumolpus, Museus, Orpheus, Homerus, Hesiodus vnnd
andere, als die ersten Vter der Weiheit, wie sie Plato nennet, vnd
aller gutten ordnung, die bw-[B2a]rischen vnd fast viehischen Menschen
zue einem hfflichern vnd bessern leben angewiesen. Dann inn dem sie so
viel herrliche Sprche erzehleten, vnd die worte in gewisse reimen vnd
ma verbunden, so das sie weder zue weit auschritten, noch zue wenig in
sich hatten, sondern wie eine gleiche Wage im reden hielten, vnd viel
sachen vorbrachten, welche einen schein sonderlicher propheceiungen vnd
geheimnisse von sich gaben, vermeineten die einfltigen leute, es mste
etwas gttliches in jhnen stecken, vnd liessen sich durch die
anmutigkeit der schnen getichte zue aller tugend vnnd guttem wandel
anfhren. Hat also Strabo vrsache, den Eratosthenes lgen zue heissen,
welcher, wie viel vnwissende leute heutiges tages auch thun, gemeinet,
es begehre kein Poete durch vnterrichtung, sondern alle blo durch
ergetzung sich angeneme zue machen. +Hergegen+, spricht er Strabo im
ersten Buche, +haben die alten gesagt, die Poeterey sey die erste
Philosophie, eine erzieherinn des lebens von jugend auff, welche die art
der sitten der bewegungen des gemtes vnd alles thuns vnd lassens lehre.
Ja die vnsrigen+ (er verstehet die Stoischen) +haben darvor gehalten,
das ein weiser alleine ein Poete sey. Vnd dieser vrsachen wegen werden
in den Griechischen stdten die Knaben zuefderst in der Poesie
vnterwiesen: nicht nur vmb der blossen erlstigung willen, sondern damit
sie die sittsamkeit erlernen.+ Ingleichem stimmet auch Strabo mit dem
Lactantius vnd andern in diesem ein, es seyen die Poeten viel lter als
die Philosophen, vnd fr weise leute gehalten worden, ehe man von dem
namen der Weiheit gewust hat: vnnd hetten nachmals Cadmus, Pherecydes,
vnd Hecatus der Poeten lehre zwar sonsten behalten, aber die abmessung
der wrter vnd [B2b] Verse auffgelset: bi die folgenden nach vnd nach
etwas darvon enzogen, vnd die rednerische weise, gleichsam als von einem
hohen Stande, in die gemeine art vnd forme herab gefhret haben. Solches
knnen wir auch aus dem abnehmen, das je lter ein Scribent ist, je
nher er den Poeten zue kommen scheinet. Wie denn Casaubonus saget, das
so offte er des Herodotus seine Historien lese, es jhn bedncke, als
wehre es Homerus selber.




Das III. Capitel.

Von etlichen sachen die den Poeten vorgeworffen werden; vnd derselben
entschuldigung.


AV oberzehlten sachen ist zue sehen, wie gar vnverstendig die jenigen
handeln, welche aus der Poeterey nicht wei ich was fr ein geringes
wesen machen, vnd wo nicht gar verwerffen, doch nicht sonderlich
achten; auch wol vorgeben, man wisse einen Poeten in offentlichen
mptern wenig oder nichts zue gebrauchen; weil er sich in dieser
angenemen thorheit vnd ruhigen wollust so verteuffe, das er die andern
knste vnd wissenschafften, von welchen man rechten nutz vnd ehren
schpffen kan, gemeiniglich hindan setze. Ja wenn sie einen gar
verchtlich halten wollen, so nennen sie jhn einen Poeten: wie dann
_Erasmo Roterodamo_ von groben leuten geschahe. Welcher aber zur antwort
gab: Er schtzte sich dessen lobes viel zue vnwrdig; denn auch nur ein
mittelmssiger Poete hher zue halten sey als zehen _Philosophastri_.
Sie wissen ferner viel von jhren lgen, rgerlichen schrifften vnd leben
zue sagen, vnd vermeinen, es sey keiner ein gutter Poete, er musse dann
zu gleich ein bser Mensch sein. Welches allerseits vngegrndetes
vrtheil ich kaum einer antwort wrdig achte; vnnd jhnen alleine fr das
erste zue bedencken gebe, wer Solon, Pythagoras, Socrates, Cicero vnd
andere gewesen, die sich doch [B3a] des Poetennamens nie geschmet
haben. Ich kndte auch sonsten viel vortreffliche leute erzehlen, die
auff diese kunst (wo ich sie eine kunst nennen soll) jhren hchsten
flei gewendet haben, vnd dennoch dem gemeinen nutze mit vnsterblichem
lobe vorgegangen sind. So ist auch ferner nichts nrrischer, als wann
sie meinen, die Poeterey bestehe blo in jhr selber; die doch alle
andere knste vnd wissenschafften in sich helt. Apuleius nennet den
Homerus einen viel wissenden vnnd aller dinge erfahrenen Menschen;
Tertullianus von der Seele: einen Vater der freyen knste. Plato,
welcher im Tragedien schreiben so weit kommen, das er auch andern kampff
anbitten drffen, hat vermischet, wie Proclus von jhm saget, {tn te
Pythagoreion kai Skratikn idiotta}, die Pythagorische vnnd Socratische
eigenschafft, hat die Geometrie vom Theodorus Cyreneus, die wissenschafft
des Gestirnes von den Egyptischen Priestern erlernet, vnd ist aller dinge
kndig gewesen. So hat man vnsere Musen zue mahlen pflegen, als sie mitt
zuesammen gehenckten hnden in einem reyen tantzten, jhnen auch den namen
{Mousai}, gleichsam als {homousai}, gegeben, das gemeine bandt vnd
verwandschafft aller knste hierdurch an zue deuten. Wann auch die verse
nur blosse worte sindt, (wiewol das so wenig mglich ist, als das der
Crper ohne die Seele bestehen knne) was ist es denn das Eratosthenes
ein getichte von beschreibung der Welt, so Hermus geheissen, das
Parmenides vnnd Empedocles von natur der dinge, das Seruilius vnd
Heliodorus, derer Galenus erwehnet, von der rtzney geschrieben haben?
Oder, wer kan leugnen, das nicht Virgilius ein gutter Ackersman,
Lucretius ein vornemer naturkndiger, Manilius ein Astronomus, Lucanus
ein Historienschreiber, Oppianus ein Jgermeister, vnd einer vnd der
andere der Philosophie obristen sein, da sie doch nichts als Poeten sein.
Es sey denn das wir glauben wollen, Theocritus habe Schaffe getrieben,
vnd Hesiodus sey hin-[B3b]ter dem Pfluge gegangen. Doch mu ich gleichwol
bekennen, das auch an verachtung der Poeterey die jenigen nicht wenig
schuldt tragen, welche ohn allen danck Poeten sein wollen, vnd noch
eines theils zum vberflu, ebener massen wie Julius Cesar seine kahle
glitze, sie jhre vnwissenheit vnter dem Lorbeerkrantze verdecken.
Gewilich wenn ich nachdencke, was von der zeit an, seit die Griechische
vnd Rmische sprachen wieder sind hervor gesucht worden, vor hauffen
Poeten sind herau kommen, mu ich mich verwundern, wie sonderlich wir
Deutschen so lange gedult knnen tragen, vnd das edele Papir mit jhren
vngereimten reimen beflecken. Die worte vnd Syllaben in gewisse gesetze
zue dringen, vnd verse zue schreiben, ist das allerwenigste was in einem
Poeten zue suchen ist. Er mu {euphantasitos}, von sinnreichen einfllen
vnd erfindungen sein, mu ein grosses vnverzagtes gemte haben, mu hohe
sachen bey sich erdencken knnen, soll anders seine rede eine art
kriegen, vnd von der erden empor steigen. Ferner so schaden auch dem
gueten nahmen der Poeten nicht wenig die jenigen, welche mit jhrem
vngestmen ersuchen auff alles was sie thun vnd vorhaben verse fodern.
Es wird kein buch, keine hochzeit, kein begrbn ohn vns gemacht; vnd
gleichsam als niemand kndte alleine sterben, gehen vnsere gedichte
zuegleich mit jhnen vnter. Mann wil vns auff allen Schsseln vnd kannen
haben, wir stehen an wnden vnd steinen, vnd wann einer ein Hau ich wei
nicht wie an sich gebracht hat, so sollen wir es mit vnsern Versen wieder
redlich machen. Dieser begehret ein Lied auff eines andern Weib, jenem
hat von des nachbaren Magdt getrewmet, einen andern hat die vermeinte
Bulschafft ein mal freundtlich angelacht, oder, wie dieser Leute gebrauch
ist, viel mehr augelacht; ja de nrrischen ansuchens ist kein ende.
Mussen wir also entweder durch abschlagen jhre feindschafft erwarten,
oder durch willfahren den wrden der Poesie einen mercklichen abbruch
thun. [B4a] Denn ein Poete kan nicht schreiben wenn er wil, sondern
wenn er kan, vnd jhn die regung des Geistes welchen Ovidius vnnd andere
vom Himmel her zue kommen vermeinen, treibet. Diese vnbesonnene Leute
aber lassen vns weder die rechte zeit noch gelegenheit: wie sich denn
Politianus in einer epistel hefftig darber beschwret, vnd Ronsardt,
wie Muretus meldet, hat pflegen zue sagen, er empfinde nicht so grosse
lust wann er seine eigene Liebe beschriebe, als er grossen verdru
empfinde, wann er anderer jhre liebe beschreiben muste. Wiewol etliche,
gemeiniglich aber die schlimmesten, sich selber hierzue antragen, vnd
den leuten jhre trwme fast einzwingen. Diese meinet sonderlich
Aristoteles, _Eth. ad Nic. lib. 9. c. 7._ da er saget, das sie jhre
getichte vber die mae lieb haben, vnd so hertzlich gegen jhnen geneiget
sein: wie die eltern gegen den kindern. Vnd _Cicero 5. Tusc._ spricht
auch fast auff diesen schlag: _In hoc enim genere nescio quo pacto magis
quam in aliis suum cuique pulchrum est. adhuc neminem cognoui Poetam, &
mihi fuit cum Aquinio amicitia, qui sibi non optimus videretur._ Das
ferner die Poeten mit der warheit nicht allzeit vbereinstimmen, ist zum
theil oben deenthalben Vrsache erzehlet worden, vnd soll man auch
wissen, das die gantze Poeterey im nachffen der Natur bestehe, vnd die
dinge nicht so sehr beschreibe wie sie sein, als wie sie etwan sein
kndten oder solten. Es sehen aber die menschen nicht alleine die sachen
gerne, welche an sich selber eine ergetzung haben; als schne Wiesen,
Berge, Felde, fle, ziehrlich Weibesvolck vnd dergleichen: sondern sie
hren auch die dinge mit lust erzehlen, welche sie doch zue sehen nicht
begehren; als wie Hercules seine Kinder ermordet, wie Dido sich selber
entleibet, wie die Stdte in den brand gesteckt werden, wie die pest
gantze Lnder durchwtet, vnd was sonsten mehr bei den Poeten zue finden
ist. Dienet also dieses alles zue vberredung vnd vnterricht auch
ergetzung der Leute; [B4b] welches der Poeterey vornemster zweck ist.
Die nahmen der Heidnischen Gtter betreffendt, derer sich die
stattlichsten Christlichen Poeten ohne verletzung jhrer religion
jederzeit gebrauchet haben, angesehen das hierunter gemeiniglich der
Allmacht Gottes, welcher die ersten menschen nach den sonderlichen
wirckungen seiner vnbegreifflichen Maiestet vnterschiedene namen
gegeben, als das sie, wie Maximus Tyrius meldet, durch Minerven die
vorsichtigkeit, durch den Apollo die Sonne, durch den Neptunus die Lufft
welche die Erde vnnd Meer durchstreichet; zue zeiten aber vorneme Leute,
die wie Cicero im andern buche von den Gesetzen saget, vmb jhres
vordienstes willen in den Himmel beruffen sein, zue zeiten was anders
angedeutet wird, ist allbereit hin vnd wieder so viel bericht darvon
geschehen, das es weiterer aufhrung hoffentlich nicht wird von nthen
sein. Was auch der Poeten Leben angehet, (damit ich mich nicht zue lange
auffhalte) ist es nicht ohn, das freylich etliche von jhnen etwas au
der art schlagen, vnd denen, die in anderer Leute mngeln falcken, in
jhren eigenen Maulwrffe sein, anla geben jhnen vbel nach zue reden.
Die Vrsache kan wol zum theile sein, das jhre Poetische gemter
vnterweilen etwas sicherer vnd freyer sein, als es eine vnd andere zeit
leidet, vnd nach des volckes Vrtheil nicht viel fragen. Zum theile thut
auch der wein etwas; sonderlich bey denen, welchen Horatius besser
gefellt da er schreibet:

    _Prisco si credis, Mcenas docte, Cratino,
    Nulla valere diu, nec viuere carmina possunt,
    Qu scribuntur aqu potoribus._

    Mecenas, wil du mir vnd dem Cratinus gleuben,
    Der der da wasser trinckt kan kein guet carmen schreiben;

Als Pindarus, der stracks im anfange seiner bcher saget: [C1a]
{Ariston men hydr}, +Das Wasser ist das beste das man findt+. Mit
welchem es Alceus, Aristophanes, Alcman, Ennius vnd andere nicht
gehalten hetten; auch Eschilus nicht, dem Sophocles vorgeworffen, der
wein hette seine Tragedien gemacht, nicht er. Vnd zum theile thut auch
zue dem etwas nachleigen wandel mancher Poeten nicht wenig die
gemeinschafft etlicher alten, die jhre reine sprache mit garstigen
epicurischen schrifften besudelt, vnd sich an jhrer eigenen schande
erlustiget haben. Mit denen wir aber vmbgehen muen wie die bienen,
welche jhr honig au den gesunden blumen saugen, vnd die gifftigen
Kruter stehen lassen. Doch wie ehrliche, auffrichtige, keusche gemter
(welche von den auch keuschen Musen erfodert werden) derer die jhre
geschickligkeit mit vblen sitten vertunckeln nicht entgelten knnen, so
sind auch nicht alle Poeten die von Liebessachen schreiben zue meiden;
denn viel vnter jhnen so zchtig reden, das sie ein jegliches ehrbares
frawenzimmer vngeschewet lesen mchte. Man kan jhnen auch deentwegen
wol jhre einbildungen lassen, vnd ein wenig vbersehen, weil die liebe
gleichsam der wetzstein ist an dem sie jhren subtilen Verstand
scherffen, vnd niemals mehr sinnreiche gedancken vnd einflle haben,
als wann sie von jhrer Buhlschafften Himlischen schne, jugend,
freundligkeit, ha vnnd gunst reden. Wie dann hiervon der Frantzsischen
Poeten Adler Peter Ronsardt ein artiges Sonnet geschrieben, welches ich
nebenst meiner vbersetzung (wiewol dieselbe dem texte nicht genawe
zuesaget) hierbey an zue ziehen nicht vnterlassen kan:

    _Ah belle libert, qui me seruois d'escorte,
      Quand le pied me portoit o libre ie voulois!
      Ah! que ie te regrette! helas, combien de fois
      Ay-ie rompu le ioug, que maulgr moy ie porte!_

    _Puis ie l'ay rattach, estant nay de la sorte,
      [C1b] Que sans aimer ie suis & du plomb & du bois,
      Quand ie suis amoureux i'ay l'esprit & la vois,
      L'inuention meilleure, & la Muse plus forte._

    _Il me faut donc aimer pour auoir bon esprit,
      Afin de conceuoir des enfans par escrit,
      Prolongeant ma memoire aux despens de ma vie._

    _Ie ne veux m'enquerir s'on sent apres la mort:
      Ie le croy: ie perdroy d'escrire toute enuie:
      Le bon nom qui nous suit est nostre reconfort._

    Du gldne Freiheit du, mein wnschen vnd begehren,
      Wie wol doch were mir, im fall ich jederzeit
      Mein selber mchte sein, vnd were gantz befreyt
      Der liebe die noch nie sich wollen von mir kehren,

    Wiewol ich offte mich bedacht bin zue erweren.
      Doch lieb ich gleichwol nicht, so bin ich wie ein scheit,
      Ein stock vnd rawes bley. die freye dienstbarkeit,
      Die sichere gefahr, das trstliche beschweren

    Ermuntert meinen geist, das er sich hher schwingt
      Als wo der pfel kreucht, vnd durch die wolcken dringt,
      Geflgelt mitt vernunfft, vnd mutigen gedancken,

    Drumm geh' es wie es wil, vnd mu ich schon darvon,
      So vberschreit ich doch des lebens enge schrancken:
      Der name der mir folgt ist meiner sorgen lohn.

[C2a] Welchen namen wenn die Poeten nicht zue gewarten hetten, wrden
viel derselben durch die boheit der Leute, die sie mehr au neide al
billicher vrsache verfolgen, von jhrem lblichen vorsatze zuercke
gehalten vnd abgeschreckt werden. Es wird aber bey jhnen nicht stehen,
vnd ich bin der trstlichen hoffnung, es werde nicht alleine die
Lateinische Poesie, welcher seit der vertriebenen langwierigen barbarey
viel groe mnner auff geholffen, vngeacht dieser trbseligen zeiten und
hchster verachtung gelehrter Leute, bey jhrem werth erhalten werden;
sondern auch die Deutsche, zue welcher ich nach meinem armen vermgen
allbereit die fahne auffgesteckt, von stattlichen gemtern allso
augevbet werden, das vnser Vaterland Franckreich vnd Italien wenig wird
bevor drffen geben.




Das IIII. Capitel.

Von der Deutschen Poeterey.


VOn dieser Deutschen Poeterey nun zue reden, sollen wir nicht vermeinen,
das vnser Land vnter so einer rawen vnd vngeschlachten Lufft liege, das
es nicht eben dergleichen zue der Poesie tchtige _ingenia_ knne
tragen, als jergendt ein anderer ort vnter der Sonnen. Wein vnnd frchte
pfleget man zue Loben von dem orte da sie herkommen sein; nicht die
gemter der menschen. Der weise Anacharsis ist in den Scitischen wsten
gebohren worden. Die Vornemsten Griechen sind in Egypten, Indien vnd
Franckreich gereiset, die weiheit zue erlernen. Vnd, vber di das wir
so viel Vorneme Poeten, so heutiges tages bey vns erzogen worden, vnter
augen knnen stellen, erwehnet Tacitus von den Deutschen in dem buche
das er von jhnen geschrieben, das ob wol weder Mann noch Weib vnter
jhnen zue seiner zeit den freyen knsten ob zue liegen pflegeten,
faeten sie doch alles was sie im [C2b] gedchtni behalten wolten in
gewisse reimen vnd getichte. Wie er denn in einem andern orte saget, das
sie viel von des Arminius seinen thaten zue singen pflegeten. Welches
sie vieleichte den Frantzosen nachgethan haben, bey denen, wie Strabo im
fnfften buche anzeiget, +Dreyerley Leute waren, die man in sonderlichen
ehren hielt: _Bardi_, _Vates_ vnnd Druiden. Die Barden sungen
Lobgetichte vnnd waren Poeten; Die _Vates_ opfferten vnd betrachteten
die Natur aller dinge; Die Druiden pflegten vber die Natrliche
Wissenschafft auch von gueten sitten zue vnterrichten.+ Welches auch
Marcellinus im fnfften buche bekrefftiget: +Die Barden+, saget er,
+haben bermbter mnner ritterliche thaten mit heroischen Versen
beschrieben, vnd mit sen melodien zue der leyer gesungen+, Vnd
_Lucanus_ im ersten buche des brgerlichen Krieges:

    _Vos quoque qui fortes animas belloque peremptas
    Laudibus in longum vates demittitis uum,
    Plurima securi fudistis carmina Bardi._

Das ich der meinung bin, die Deutschen haben eben dieses im gebrauche
gehabt, bestetiget mich, vber das was Tacitus meldet, auch der alten
Cimbrer oder Dnen ebenmiger gebrauch, die von jhren Helden schne und
geistreiche Lieder ertichtet haben, deren nicht wenig von alten jahren
her in Dennemarck noch verhanden sind, vnd von vielen gesungen werden.
So ist auch Hiarnes bey jhnen einig vnnd alleine deentwegen zum
Knigreiche kommen, weil er dem vorigen Knige zue ehren ein solch
grabgetichte gemacht, das vor allen andern den prei behalten.

[C3a] Vnd vber di, sind doch eines vngenannten Freyherrens von Wengen,
Juncker Winsbeckens, Reinmars von Zweter, der ein Pfltzischer vom Adel
vnd bey Keyser Friedrichen dem ersten vnd Heinrichen dem sechsten
auffgewartet hatt, Marners auch eines Edelmannes, Meister Sigeherrens,
vnd anderer sachen noch verhanden, die manchen stattlichen Lateinischen
Poeten an erfindung vnd ziehr der reden beschmen. Ich wil nur au dem
Walter von der Vogelweide, Keyser Philipses geheimen rahte, den Goldast
anzeucht, einen einigen ort setzen; darau leichtlich wird zue sehen
sein, wie hoch sich selbige vorneme Mnner, vngeachtet jhrer adelichen
ankunfft vnd standes, der Poeterey angemaet:

    Nun sende vns Vater vnd Suhn den rechten Geist heraben,
    Das wir mit deiner sssen fchte ein drres hertze erlaben.
    Vnkristenlichen dingen ist al al dui kristenheit so vol,
    Swa kristentum ze siechhus lit da tut man jhm nicht wol.
    Ihn drstet sehre
    Nach der lehre
    Als er vom Rome was gewon,
    Der jhn da schancte
    Vnd jhn da trancte
    Als  da wurde er varende von.
    Swas im da leides je gewar
    Das kam von Symonis gar.
    Vnd ist er da so frndebar
    Das er engetar
    [C3b] Nicht sin schaden gengen.
    Kristentum vnd Kristenheit
    Der dis zwei zusamme sueit
    Gelih lanc, gelih breit,
    Lieb vnd leit
    Der wolte auch das wir trgen
    In kriste Kristenliches leben
    Sit er vns vf eine gegeben
    So suln wir vns nicht scheiden, &c.

Das nun von langer zeit her dergleichen zue vben in vergessen gestellt
ist worden, ist leichtlicher zue beklagen, als die vrsache hiervon zue
geben. Wiewol auch bey den Italienern erst Petrarcha die Poeterey in
seiner Muttersprache getrieben hat, vnnd nicht sehr vnlengst Ronsardus;
von deme gesaget wird, das er, damit er sein Frantzsisches desto besser
auwrgen kndte, mit der Griechen schrifften gantzer zwlff jahr sich
vberworffen habe; als von welchen die Poeterey jhre meiste Kunst, art
vnd liebligkeit bekommen. Vnd mu ich nur bey hiesiger gelegenheit ohne
schew dieses errinnern, das ich es fr eine verlorene arbeit halte, im
fall sich jemand an vnsere deutsche Poeterey machen wolte, der, nebenst
dem das er ein Poete von natur sein mu, in den griechischen vnd
Lateinischen bchern nicht wol durchtrieben ist, vnd von jhnen den
rechten grieff erlernet hat; das auch alle die lehren, welche sonsten
zue der Poesie erfodert werden, vnd ich jetzund krtzlich berhren wil,
bey jhm nichts verfangen knnen.




Das V. Capitel.

[C4a] Von der zuegehr der Deutschen Poesie, vnd erstlich von der
invention oder erfindung, vnd Disposition oder abtheilung der dinge von
denen wir schreiben wollen.


WEil die Poesie, wie auch die Rednerkunst, in dinge vnd worte
abgetheilet wird; als wollen wir erstlich von erfindung vnd eintheilung
der dinge, nachmals von der zuebereitung vnd ziehr der worte, vnnd
endtlich vom mae der sylben, Verse, reimen, vnnd vnterschiedener art
der _carminum_ vnd getichte reden.

Die erfindung der dinge ist nichts anders als eine sinnreiche faung
aller sachen die wir vns einbilden knnen, der Himlischen vnd
jrrdischen, die Leben haben vnd nicht haben, welche ein Poete jhm zue
beschreiben vnd herfr zue bringen vornimpt: darvon in seiner Idea
Scaliger aufrlich berichtet. An dieser erfindung henget stracks die
abtheilung, welche bestehet in einer fglichen vnd artigen ordnung der
erfundenen sachen. Hier muen wir vns besinnen, in was fr einem _genere
carminis_ vnd art der getichte (weil ein jegliches seine besondere
zuegehr hat) wir zue schreiben willens sein.

Ein Heroisch getichte (das gemeiniglich weitleufftig ist, vnd von hohem
wesen redet) soll man stracks von seinem innhalte vnd der Proposition
anheben; wie Virgilius in den bchern vom Ackerbawe thut:

    _Quid faciat ltas segetes, quo sidere terram
    Vertere, Mcenas, vlmisque adiungere vites
    Conueniat; qu cura boum, qui cultus habendo
    Sit pecori, atque apibus quanta experientia parcis,
    Hinc canere incipiam._

Vnd ich (wiewol ich mich schme, das ich in mangel ande-[C4b]rer
deutschen exempel mich meiner eigenen gebrauchen soll, weil mir meine
wenigkeit vnd vnvermgen wol bewust ist) in dem ersten buche der noch
vnaugemachten Trostgetichte in Wiederwertigkeit des Krieges:

    Des schweren Krieges last den Deutschland jetzt empfindet,
    Vnd das Gott nicht vmbsonst so hefftig angezndet
    Den eifer seiner macht, auch wo in solcher pein
    Trost her zue holen ist, soll mein getichte sein.

Nachmals haben die heiden jhre Gtter angeruffen, das sie jhnen zue
vollbringung des werckes beystehen wollen: denen wir Christen nicht
allein folgen, sondern auch an frmigkeit billich sollen vberlegen sein.
Virgilius spricht weiter an gedachtem orte:

                _Vos, o clarissima mundi
    Lumina, labentem coelo qu ducitis annum,
    Liber, & alma Ceres, &c._

Vnd ich:

    Di hab ich mir anjetzt zue schreiben frgenommen.
    Ich bitte wollest mir geneigt zue hlffe kommen
      Du hchster trost der welt, du zueversicht in not,
      Du Geist von GOtt gesandt, ia selber wahrer GOtt.

    Gieb meiner Zungen doch mit deiner glut zue brennen,
    Regiere meine faust, vnd la mich glcklich rennen
      Durch diese wste bahn, durch dieses newe feldt,
      Darauff noch keiner hat fr mir den fu gestelt.

Wiewol etliche auch stracks zue erste die anruffung setzen. Als
Lucretius:

    [D1a] _Aeneadum genetrix, hominum diuumque voluptas,
    Alma Venus, &c._

Vnd Wilhelm von Sallust in seiner andern woche:

    _Grand Dieu, qui de ce Tout m'as fait voir la naissance,
    Descouure son berceau, monstre-moy son enfance.
    Pourmeine mon esprit par les fleuris destours
    Des vergers doux-flairans, o serpentoit le cours
    De quatre viues eaux: conte-moy quelle offence
    Bannit des deux Edens Adam, & sa semence._

    Gott, der du mich der welt geburt hast sehen lassen,
    La mich nun jhre wieg' vnd kindheit jetzt auch fassen,
    Vnd meinen Geist vnd sinn sich in dem krei' ergehn
    Der grte vol geruchs, hier wo vier flsse schn'
    Hinrauschen mitten durch: erzehl vmb was fr sachen
    Sich Adam vnd sein sam' au Eden muste machen.

Doch ist, wie hier zue sehen, in der anruffung allzeit die proposition
zuegleich begrieffen. Auff dieses folget gemeiniglich die dedication;
wie Virgilius seine _Georgica_ dem Keiser Augustus zuegeschrieben. Item
die vrsache, warumb man eben dieses werck vor sich genommen: wie im
dritten buche vom Ackerbawe zue sehen:

    +_Cetera, qu vacuas tenuissent carmina mentes,
    Omnia, jam vulgata_+;

vnd wie folget. Dem ich in den Trostgetichten auch habe nachkommen
wollen:

    Das ander ist bekandt. wer hat doch nicht geschrieben
    [D1b] Von Venus eitelkeit, vnd von dem schnden lieben,
      Der blinden jugendt lust? wer hat noch nie gehrt
      Wie der Poeten volck die grossen Herren ehrt,

    Erhebt sie an die lufft, vnd wei herau zue streichen
    Was besser schweigens werth, lest seine feder reichen
      Wo Menschen tapfferkeit noch niemals hin gelangt,
      Macht also das die welt mit bloen lgen prangt?

    Wer hat zue vor auch nicht von riesen hren sagen,
    Die Waldt vnd Berg zuegleich auff einen orth getragen,
      Zue strtzen Jupitern mit aller seiner macht,
      Vnnd was des wesens mehr? nun ich bin auch bedacht

    Zue sehen ob ich mich kan au dem staube schwingen,
    Vnd von der dicken schar des armen volckes dringen
      So an der erden klebt. ich bin begierde voll
      Zue schreiben wie man sich im creutz' auch frewen soll,

    Sein Meister seiner selbst. ich wil die neun Gttinnen,
    Die nie auff vnser deutsch noch haben reden knnen,
      Sampt jhrem Helicon mit dieser meiner handt
      Versetzen allhieher in vnser Vaterlandt.

    Vieleichte werden noch die bahn so ich gebrochen,
    Geschicktere dann ich nach mir zue bessern suchen,
      [D2a] Wann dieser harte krieg wird werden hingelegt,
      Vnd die gewndschte rhue zue Land vnd Meer gehegt.

Das getichte vnd die erzehlung selber belangend, nimpt sie es nicht so
genawe wie die Historien, die sich an die zeit vnd alle vmbstende
nothwendig binden muen, vnnd wiederholet auch nicht, wie Horatius
erwehnet, den Troianischen krieg von der Helenen vnd jhrer brder geburt
an: lest viel auen was sich nicht hin schicken wil, vnd setzet viel das
zwar hingehret, aber newe vnd vnverhoffet ist, vntermenget allerley
fabeln, historien, Kriegesknste, schlachten, rathschlge, sturm,
wetter, vnd was sonsten zue erweckung der verwunderung in den gemtern
von nthen ist; alles mit solcher ordnung, als wann sich eines auff das
andere selber allso gebe, vnnd vngesucht in das buch keme. Gleichwol
aber soll man sich in dieser freyheit zue tichten vorsehen, das man
nicht der zeiten vergee, vnd in jhrer warheit irre. Wiewol es
Virgilius, da er vorgegeben, Eneas vnd Dido hetten zue einer zeit
gelebet, da doch Dido hundert jahr zuevor gewesen, dem Keyser vnd
Rmischen volcke, durch welches die stadt Carthago bezwungen worden, zue
liebe gethan, damit er gleichsam von den bsen flchen der Dido einen
anfang der feindschafft zwischen diesen zweyen mchtigen vlckern
machte. Ob aber bey vns Deutschen so bald jemand kommen mchte, der sich
eines vollkommenen Heroischen werckes vnterstehen werde, stehe ich sehr
im zweifel, vnnd bin nur der gedancken, es sey leichtlicher zue
wndschen als zue hoffen.

Die Tragedie ist an der maiestet dem Heroischen getichte gemee, ohne
das sie selten leidet, das man geringen standes personen vnd schlechte
sachen einfhre: weil sie nur von Kniglichem willen, Todtschlgen,
verzweiffelungen, Kinder- vnd Vtermrden, brande, blutschanden, kriege
vnd auffruhr, kla-[D2b]gen, heulen, seuffzen vnd dergleichen handelt.
Von derer zugehr schreibet vornemlich Aristoteles, vnd etwas
weitleufftiger Daniel Heinsius; die man lesen kan.

Die Comedie bestehet in schlechtem wesen vnnd personen; redet von
hochzeiten, gastgeboten, spielen, betrug vnd schalckheit der knechte,
ruhmrtigen Landtsknechten, buhlersachen, leichtfertigkeit der jugend,
geitze des alters, kupplerey vnd solchen sachen, die tglich vnter
gemeinen Leuten vorlauffen. Haben derowegen die, welche heutiges tages
Comedien geschrieben, weit geirret, die Keyser vnd Potentaten
eingefhret; weil solches den regeln der Comedien schnurstracks
zuewieder laufft.

Zue einer Satyra gehren zwey dinge: die lehre von gueten sitten vnd
ehrbaren wandel, vnd hffliche reden vnd schertzworte. Jhr vornemstes
aber vnd gleichsam als die seele ist, die harte verweisung der laster
vnd anmahnung zue der tugend: welches zue vollbringen sie mit allerley
stachligen vnd spitzfindigen reden, wie mit scharffen pfeilen, vmb sich
scheut. Vnd haben alle Satyrische scribenten zum gebrauche, das sie
vngeschewet sich vor feinde aller laster angeben, vnd jhrer besten
freunde ja jhrer selbst auch nicht verschonen, damit sie nur andere
bestechen mgen: wie es denn alle drey Horatius, Juuenalis vnnd Persius
meisterlich an den tag gegeben.

Das Epigramma setze ich darumb zue der Satyra, weil die Satyra ein lang
Epigramma, vnd das Epigramma eine kurtze Satyra ist: denn die krtze ist
seine eigenschafft, vnd die spitzfindigkeit gleichsam seine seele vnd
gestallt; die sonderlich an dem ende erscheinet, das allezeit anders als
wir verhoffet hetten gefallen soll: in welchem auch die spitzfindigkeit
vornemlich bestehet. Wiewol aber das Epigramma aller sachen vnnd wrter
fhig ist, soll es doch lieber in Venerischem wesen, vberschrifften der
begrbnie vnd gebwe, Lobe vornemer Mnner vnd Frawen, kurtzweiligen
schertzreden vnnd anderem, es sey was [D3a] es wolle, bestehen, als in
spttlicher hnerey vnd auffruck anderer leute laster vnd gebrechen.
Denn es ist eine anzeigung eines vnverschmten sicheren gemtes, einen
jetwedern, wie vnvernnfftige thiere thun, ohne vnterscheidt anlauffen.

Die Eclogen oder Hirtenlieder reden von schaffen, geien, seewerck,
erndten, erdgewchsen, fischereyen vnnd anderem feldwesen; vnd pflegen
alles worvon sie reden, als von Liebe, heyrathen, absterben,
buhlschafften, festtagen vnnd sonsten auff jhre bwrische vnd
einfltige art vor zue bringen.

In den Elegien hat man erstlich nur trawrige sachen, nachmals auch
buhlergeschffte, klagen der verliebten, wndschung des todes, brieffe,
verlangen nach den abwesenden, erzehlung seines eigenen Lebens vnnd
dergleichen geschrieben; wie dann die meister derselben, Ouidius,
Propertius, Tibullus, Sannazar, Secundus, Lotichius vnd andere
auweisen.

Das ich der Echo oder des Wiederruffes zue ende der wrter gedencke,
thue ich erstlich dem Dousa zue ehren, welcher mit etlichen solchen
getichten gemacht hat, das wir etwas darvon halten; wiewol das so
Secundus geschrieben (wie alle andere seine sachen) auch sehr artlich
ist: darnach aber, weil ich sehe, das sie bey den Frantzosen gleichfalls
im gebrauche sein; bey denen man sich ersehen kan. So sind jhrer auch
zwey in meinen deutschen _Poematis_, die vnlengst zue Straburg au
gegangen, zue finden. Welchen buches halben, das zum theil vor etlichen
jahren von mir selber, zum theil in meinem abwesen von andern vngeordnet
vnd vnvbersehen zuesammen gelesen ist worden, ich alle die bitte denen
es zue gesichte kommen ist, sie wollen die vielfltigen mngel vnd
irrungen so darinnen sich befinden, beydes meiner jugend, (angesehen das
viel darunter ist, welches ich, da ich noch fast ein knabe gewesen,
geschrieben habe) vnnd dann denen zuerechnen, die au keiner bsen
meinung meinen gueten namen dadurch zue erweitern bedacht ge-[D3b]wesen
sein. Ich verheie hiermitt, ehestes alle das jenige, was ich von
dergleichen sachen bey handen habe, in gewie bcher ab zue theilen, vnd
zue rettung meines gerchtes, welches wegen voriger vbereileten edition
sich mercklich verletzt befindet, durch offentlichen druck jedermann
gemeine zue machen.

Hymni oder Lobgesnge waren vorzeiten, die sie jhren Gttern vor dem
altare zue singen pflagen, vnd wir vnserem GOtt singen sollen.
Dergleichen ist der lobgesang den Heinsius vnserem erlser, vnd der den
ich auff die Christnacht geschrieben habe. Wiewol sie auch zuezeiten
was anders loben; wie bey dem Ronsard ist der Hymnus der Gerechtigkeit,
Der Geister, des Himmels, der Sternen, der Philosophie, der vier
Jahreszeiten, des Goldes, &c.

Sylven oder wlder sind nicht allein nur solche _carmina_, die au
geschwinder anregung vnnd hitze ohne arbeit von der hand weg gemacht
werden, von denen Quintilianus im dritten Capitel des zehenden buches
saget: _Diuersum est huic eorum vitium, qui primm discurrere per
materiam stylo qum velocissimo volunt, & sequentes calorem atque
impetum ex tempore scribunt: Hoc syluam vocant_; vnd wie an den schnen
_syluis_ die _Statius_ geschrieben zue sehen ist, welche er in der
Epistel fr dem ersten buche nennet _libellos qui subito calore & quadam
festinandi voluptate ipsi fluxerant_: sondern, wie jhr name selber
anzeiget, der vom gleichni eines Waldes, in dem vieler art vnd sorten
Bwme zue finden sindt, genommen ist, sie begreiffen auch allerley
geistliche vnnd weltliche getichte, als da sind Hochzeit- vnd
Geburtlieder, Glckwndtschungen nach augestandener kranckheit, item
auff reisen, oder auff die zuerckkunft von denselben, vnd dergleichen.

Die Lyrica oder getichte die man zur Music sonderlich gebrauchen kan,
erfodern zuefderst ein freyes lustiges gemte, vnd wollen mit schnen
sprchen vnnd lehren huffig geziehret [D4a] sein: wieder der andern
Carminum gebrauch, da man sonderliche masse wegen der sententze halten
mu; damit nicht der gantze Crper vnserer rede nur lauter augen zue
haben scheine, weil er auch der andern glieder nicht entberen kan. Jhren
inhalt betreffendt, saget Horatius:

    _Musa dedit fidibus diuos, puerosque deorum
    Et pugilem victorem, & equum certamine primum,
    Et iuuenum curas, & libera vina referre._

Er wil so viel zue verstehen geben, das sie alles was in ein kurtz
getichte kan gebracht werden beschreiben knnen; buhlerey, tntze,
banckete, schne Menscher, Grte, Weinberge, lob der mssigkeit,
nichtigkeit des todes, &c. Sonderlich aber vermahnung zue der
frligkeit: welchen inhalts ich meiner Oden eine, zue beschliessung
dieses Capitels, setzen wil:

    ~Ode.~

    Ich empfinde fast ein grawen
      Das ich, Plato, fr vnd fr
      Bin gesessen vber dir;
      Es ist zeit hienau zue schawen,
      Vnd sich bei den frischen quellen
      In dem grnen zue ergehn,
      Wo die schnen Blumen stehn,
      Vnd die Fischer netze stellen.

    Worzue dienet das studieren,
      Als zue lauter vngemach?
      Vnter dessen laufft die Bach
      Vnsers lebens das wir fhren,
      Ehe wir es innen werden,
      [D4b] Auff jhr letztes ende hin;
      Dann kmpt (ohne geist vnd sinn),
      Dieses alles in die erden.

    Hola, Junger, geh' vnd frage
      Wo der beste trunck mag sein;
      Nim den Krug, vnd flle Wein.
      Alles trawren leidt vnd klage,
      Wie wir Menschen tglich haben
      Eh' vns Clotho fortgerafft
      Wil ich in den sssen safft
      Den die traube giebt vergraben.

    Kauffe gleichfals auch melonen,
      Vnd vergi des Zuckers nicht;
      Schawe nur das nichts gebricht.
      Jener mag der heller schonen,
      Der bey seinem Gold vnd Schtzen
      Tolle sich zue krencken pflegt
      Vnd nicht satt zue bette legt;
      Ich wil weil ich kan mich letzen.

    Bitte meine guete Brder
      Auff die music vnd ein gla
      Nichts schickt, dnckt mich, nicht sich ba
      Als guet tranck vnd guete Lieder.
      La ich gleich nicht viel zue erben,
      Ey so hab' ich edlen Wein;
      Wil mit andern lustig sein,
      Mu ich gleich alleine sterben.




[E1a] Das VI. Capitel.

Von der zuebereitung vnd ziehr der worte.


NAch dem wir von den dingen gehandelt haben, folgen jetzund die worte;
wie es der natur auch gemee ist. Denn es mu ein Mensch jhm erstlich
etwas in seinem gemte fassen, hernach das was er gefast hat aureden.
Die worte bestehen in dreyerley; inn der elegantz oder ziehrligkeit, in
der _composition_ oder zuesammensetzung, vnd in der dignitet vnd
ansehen.

Die ziehrligkeit erfodert das die worte reine vnd deutlich sein. Damit
wir aber reine reden mgen, sollen wir vns befleissen deme welches wir
Hochdeutsch nennen besten vermgens nach zue kommen, vnd nicht derer
rter sprache, wo falsch geredet wird, in vnsere schrifften vermischen:
als da sind, +es geschach+, fr, +es geschahe+, +er sach+, fr, +er
sahe+; +sie han+, fr +sie haben+ vnd anderes mehr: welches dem reime
auch biweilen auhelffen sol; als:

    Der darff nicht sorgen fr den spot,
    Der einen schaden krieget hot.

So stehet es auch zum hefftigsten vnsauber, wenn allerley Lateinische,
Frantzsische, Spanische vnnd Welsche wrter in den text vnserer rede
geflickt werden; als wenn ich wolte sagen:

    Nennt an die _courtoisie_, vnd die _deuotion_,
    Die euch ein _cheualier_, _madonna_, thut erzeigen:
      Ein' handvol von _fauor_ _petirt_ er nur zue lohn,
      Vnd bleibet ewer Knecht vnd _seruiteur_ gantz eigen.

Wie selttzam dieses nun klinget, so ist nichts desto weniger die
thorheit innerhalb kurtzen Jharen so eingeriessen, das ein jeder, [E1b]
der nur drey oder vier aulndische wrter, die er zum offtern nicht
verstehet, erwuscht hat, bey aller gelegenheit sich bemhet dieselben
herau zue werffen, Da doch die Lateiner eine solche abschew vor
dergleichen getragen, das in jhren versen auch fast kein griechisch wort
gefunden wird, das zwar gantz griechisch ist. Dann Juuenalis setzet inn
einem orte {z kai psych}, eben dieselben au zue lachen, die sich in
jhren buhlereyen mit griechischen wrtern behelffen: in dem andern orte
aber thut er es darumb, das er die schndliche snde, daran Christen
auch nicht gedencken sollen, lateinisch au zuesprechen abschew treget:
wiewol er sonsten kein blat fr das maul nimpt. Was aber die _nomina
propria_ oder eigentlichen namen der Gtter, Mnner vnd Weiber vnd
dergleichen betrifft, drffen wir nach art der Lateiner vnd Griechen
jhre casus nicht in acht nemen, sondern sollen sie so viel mglich auff
vnsere endung bringen. Als, ich mag knlich nach der Deutschen gebrauche
sagen:

    Der schnelle plitz, des Jupiters gescho,

vnd nicht, +des Jouis+. Item, +der Venus pfeile+, nicht +veneris+. Wie
es denn auch die Rmer mit den griechischen wrtern machen. Die
Frantzosen gleichfals. Barta in seinem Buche, dem er den titel die
Herrligkeit gegeben:

    _Vn grand Gymnosophiste, vn Druyde, vn Brachman._

Item die Hollender. Als Heinsius:

                          van daer is zij gegaen
    By Thetis haer vrindin, en sprack Neptunus aen.

Doch knnen wir anfanges, weil es in vieler ohren noch etwas harte
lautet, etliche lateinische endungen noch gebrauchen, bi wir in die
gewonheit kommen sind. Als wenn ich der Erinnen, die Stobeus anzeucht,
ver geben wollte.

    {Chaire moi Rhma thygatr Aros},

mag ich wol setzen:

[E2a] +O Rom, des Martis kind, sey sehr gegrt von mir+; denn im fall
ich spreche, +O Rom, du kind des Mars+, mchte es vielen zue anfange
seltzam vorkommen.

Die _diphthongi_ oder doppeltlautenden Buchstaben, weil sie bey vns
nicht vblich, drffen nur mit dem selblautenden buchstaben geschrieben
werden, dessen thon sie haben; als +Enas+, +Eschylus+, +Mecenas+ &c.

Newe wrter, welches gemeiniglich _epitheta_, derer wir bald gedencken
werden, vnd von andern wrtern zuesammen gesetzt sindt, zue erdencken,
ist Poeten nicht allein erlaubet, sondern macht auch den getichten, wenn
es mssig geschiehet, eine sonderliche anmutigkeit. Als wenn ich die
nacht oder die Music eine arbeittrsterinn, eine kummerwenderinn, die
Bellona mit einem dreyfachen worte kriegs-blut-drstig, vnd so fortan
nenne. Item den Nortwind einen wolckentreiber, einen felssen strmer vnd
meerauffreitzer: wie jhn Ronsardt (denn die Frantzosen nechst den
Griechen hierinnen meister sindt) im 202. Sonnet seines andern buches
der Buhlersachen heisset:

    _Fier Aquilon horreur de la Scythie,
    Le chasse-nue, & l'esbransle-rocher,
    L'irrite-mer._

Welches au dem _Ouidio_ genommen ist.

    _Apta mihi vis est, hac tristia nubila pello,
    Hac freta concutio, nodosaque robora verto._

Solches stehet auch an seinem orte bey den Lateinern nicht vbel; als da
Catullus saget in seinem vberau schnen getichte vom Atys:

+_Vbi cerua syluicultrix, vbi aper nemoriuagus_+ Vnd Publius Syrus von
dem storche:

    _Pietaticultrix, gracilipes, crotalistria,
    Auis exulhiemis._

[E2b] In welchen erfindungen Joseph Scaliger zue vnserer zeit meines
bednckens alle andere, auch die alten selber, vbertroffen.

Darbey aber vns Deutschen di zue mercken ist, das das _nomen verbale_,
als treiber, strmer, auffreitzer, &c. allzeit, wie bey den Lateinern,
mu hinten gesetzt werden; wieder der Frantzosen gebrauch, derer sprache
es nicht anders mit sich bringt. So Heinsius in dem Lobgetichte des
Weingottes, welches er auch zum theil von dem Ronsardt entlehnet:

    Nacht-looper, Heupe-soon, Hooch-schreeuwer, Groote-springer,
    Goet-geuer, Minne-vrient, Hooft-breker, Leeuwen-dwinger,
      Hert-vanger, Heren-dief, Tong-binder, Schudde-dol,
      Geest-roerder, Waggel-voet, Staet-kruijer, Altijet-vol.

Vnd nach meiner verdolmetschung:

    Nacht-leuffer, Hffte-sohn, Hoch-schreyer, Lfften-springer,
    Guet-geber, Liebesfreundt, Haupt-brecher, Lwen-zwinger,
      Hertz-fnger, Hertzen-dieb, Mund-binder, Sinnen-toll,
      Geist-rhrer, wackel-fu, Stadt-kreischer, Allzeit-voll.

Wie denn auch sonsten die _epitheta_ bey vns gar ein vbel ausehen
haben, wenn sie hinter jhr _substantiuum_ gesetzet werden, als: +Das
mndlein roht+, +der Weltkrei rund+, +die hnde fein+; fr: +das rothe
mndlein+, +der [E3a] runde Weltkrei+, +die feinen hnde+, &c. wiewol
bey vnsern reimenmachern nichts gemeiner ist.

So bringen auch die Frantzosen newe _Verba_ herfr, welche, wenn sie mit
bescheidenheit gesetzet werden, nicht vnartig sind. Als Ronsardt
brauchet in einer Elegie an die Caandra, das wort _Petrarquiser_, das
ist, wie Petrarcha buhlerische reden brauchen:

    _Apprendre l'art de bien Petrarquiser._

Vnd ich habe es jhm mit einem anderen worte nachgethan, da ich die Leyer
anrede:

    Jetzt solt du billich mehr als wol,
    O meine lust, Pindarisiren.

Ich darff aber darumb nicht bald au dem Frantzsischen sagen:
_approchiren_, _marchiren_; oder au dem Lateine: _dubitiren_,
_seruiren_; _gaudiren_, wie zwar die zue thun pflegen, die eher jhre
Muttersprache verterben, als das sie nicht wollen sehen laen, das sie
auch was frembdes gelernet haben.

Wie nun wegen reinligkeit der reden frembde wrter vnnd dergleichen
muen vermieden werden; so mu man auch der deutligkeit halben sich fr
alle dem hten, was vnsere worte tunckel vnd vnverstendtlich macht. Als
wann ich sagen wollte: +Das weib das thier ergrieff+. Hier were zue
zweiffeln, ob das weib vom thiere, oder das thier vom weibe were
ergrieffen worden: welches die Griechen eine {amphibolian} nennen.

Der {pleonasmos}, da etwas vbriges gesaget wird, verstellet auch die
rede zue weilen nicht wenig. Als wann ich spreche:

    Ein schwartzes Kind das nicht war wei;

weil es sich wol ohne di verstehet. So wie Pansa sagete: Das Kind were
von der Mutter zehen monat im leibe getragen worden: fragete Cicero: ob
andere weiber die kinder im rocke trgen. Doch hilfft biweilen das was
vbrig hinzue gesetzet wird auch zu [E3b] auffmutzung der rede. So saget
Virgilius:

    _Vocemque his auribus hausi._

    Mit meinen ohren hab' ich es vernommen;

zue mehrer bestetigung deen das er erzehlet.

Die {anastroph} oder verkehrung der worte stehet bey vns sehr garstig,
als: +Den sieg die Venus kriegt+; fr: +Die Venus kriegt den sieg+.
Item: +Sich selig dieser schtzen mag+; fr: +Dieser mag sich selig
schtzen+. Vnnd so offte dergeleichen gefunden wird, ist es eine gewie
anzeigung, das die worte in den ver gezwungen vnd gedrungen sein.

Auff die aulesung der worte, sagen wir nun billich auch von jhrer
zuesammensetzung; wie wir nemlich die buchstaben, syllaben vnd wrter
aneinander fgen sollen.

Weil ein buchstabe einen andern klang von sich giebet als der andere,
soll man sehen, das man diese zum offteren gebrauche, die sich zue der
sache welche wir fr vns haben am besten schicken. Als wie Virgilius von
dem berge Etna redet, brauchet er alles harte vnd gleichsam knallende
buchstaben:

    _Vidimus vndantem ruptis fornacibus Aetnam
    Flammarumque globos, liquefactaque voluere saxa_

                wie Etna, wenn er strewet
    Die flammen in die lufft, vnd siedend' hartz auspeyet,
    Vnd durch den holen schlund bald schwartze wolcken blt,
    Bald gantze klfften stein' vnd kugeln fliegen lest.

Heinsius saget:

    Gelyck als Etna schiet vyt haere diepe kolcken
    Een grondeloose zee van vlammen in de wolcken.

So, weil das L vnd R flieende buchstaben sein kan ich mir [E4a] sie in
beschreibung der bche vnd wer wol ntze machen, als:

    Der klare brunnen quilt mitt lieblichem gerausche &c.

Wie nun biweilen eine solche zuesammenstoung der buchstaben recht vnd
guet ist; soll man sie doch sonsten mitt einander so wien zue
vermengen, das nicht die rede dadurch gar zue raw oder zue linde werde.
Eben dieses ist es auch, wann eine syllabe oder wort zue offte
wiederholet wird; als: +Die die dir diese dinge sagen+.

Item, Es siehet nicht wol au, wenn ein Ver in lauter eynsylbigen
wrtern bestehet. Deen exempel Ronsard giebet:

    _Ie vy le ciel si beau, si pur et net._

Wiewol wir deutschen, wegen der menge der einsylbigen wrter die wir
haben, es zuezeiten kaum vermeiden knnen.

Hergegen sollen die ver, sonderlich die Masculini (wie wir sie im
folgenden Capitel nennen werden) sich nicht mit viel sylbigen wrtern
enden.

    Ich wil euch williglich mit vnterthnigkeit.
    Zue dienste sein, Hertzlieb, bey der gelegenheit.

Dann die ver gar zue grob vnd harte dadurch gemacht werden.

Das ansehen vnd die dignitet der Poetischen rede anlangt, bestehet
dieselbe in den _tropis_ vnnd _schematibus_, wenn wir nemblich ein wort
von seiner eigentlichen bedeutung auff eine andere ziehen. Dieser
figuren abtheilung, eigenschafft vnd zuegehr allhier zue beschreiben,
achte ich darumb vnvonnthen, weil wir im deutschen hiervon mehr nicht
als was die Lateiner zue mercken haben, vnd also genungsamen vnterricht
hiervon neben den exempeln aus Scaligers vnnd anderer gelehrten leute
bchern nemen knnen. Dessen wil ich nur erinnern, das fr allen dingen
ntig sey, hchste mglichkeit zue versuchen, wie man die _epitheta_; an
denen biher bey vns grosser mangel ge-[E4a]wesen, sonderlich von den
Griechen vnd Lateinischen abstehlen, vnd vns zue nutze machen mge: Dann
sie den Poetischen sachen einen solchen glantz geben, das Stesichorus
fr den anmutigsten Poeten ist gehalten worden, weil er desselbigen zum
fglichsten sich gebraucht hat.

Sie mussen aber so gemacht werden, das sie entweder die dinge von denen
wir reden von andern vnterscheiden; als da der Poet spricht: _nigra
hirundo_, +die schwartze Schwalbe+, oder sie vermehren als: _frigida
bello Dextera_, +eine handt die im kriege nicht viel aurichtet+.

Sie mussen auch warhafftig sein, vnd etwas nicht anders beschreiben als
es ist. Zum exempel: _florida Hybla_; weil viel Blumen darauff wachsen
sollen: _Parnassia laurus_, _stuosa Calabria_, vnd dergleichen. Strabo
rhmet den Homerus, das er die eigenschafft eines, etwedern dinges sehr
genaw in acht genommen, vnd jhm vnfehlber sein gehriges _epitheton_
allzeit gegeben habe. Die Poeten, denen mehr freyheit als den Oratoren
eingerumet ist, knnen auch wol den schnee wei, vnnd den wein feuchte
nennen: wie Aristoteles im dritten buche der Rhetoric, vnnd Quintilianus
im sechsten Capitel des achten buches saget. Wiewol Virgilius nicht ohne
vrsache setzet:

    _cduntque securibus humida vina;_

Denn in dem er spricht, das man in den Mitternchtischen Lndern den
gefrorenen Wein, der doch von natur sonst na ist, mit xten zuehawen
mu, macht er das man desto mehr der vngewhnlichen klte nachdenckt.

Letzlich haben wir in vnserer sprache dieses auch zue mercken, das wir
nicht vier oder fnff _epitheta_ zu einem worte setzen, wie die
Italiener thun, die wol sagen drffen:

    _Alma, bella, angelica, et fortunata donna;_

    Du schnes, weisses, englisches, glckhafftes, edles bildt;

[F1a] Denn solches blo zue aufllung des verses dienet.

Dieses sey nun von der allgemeinen zuegehr der Poetischen rede: weil
aber die dinge von denen wir schreiben vnterschieden sind, als gehret
sich auch zue einem jeglichen ein eigener vnnd von den andern
vnterschiedener Character oder merckzeichen der worte. Denn wie ein
anderer habit einem knige, ein anderer einer priuatperson gebhret, vnd
ein Kriegesman so, ein Bawer anders, ein Kauffmann wieder anders
hergehen soll: so mu man auch nicht von allen dingen auff einerley
weise reden; sondern zue niedrigen sachen schlechte, zue hohen
ansehliche, zue mittelmssigen auch mssige vnd weder zue grosse noch
zue gemeine worte brauchen.

In den niedrigen Poetischen sachen werden schlechte vnnd gemeine leute
eingefhret; wie in Comedien vnd Hirtengesprechen. Darumb tichtet man
jhnen auch einfaltige vnnd schlechte reden an, die jhnen gemsse sein:
So Tityrus bey dem Poeten, wenn er seines Gottes erwehnet, redet er
nicht von seinem plitze vnd donner, sondern

    +_Ille meas_+, sagt er, +_errare boues, vt cernis, & ipsum
    Ludere qu vellem calamo permisit agresti._+

    Du siehst, er let mein Vieh herumb gehn ohne ziehl,
    Vnd mich auff meiner flt' auch spielen was ich wil.

Wie Theocritus sonsten inn dem pa wol jederman vberlegen, so wei ich
doch nicht wie sein Aites mir sonderlich behaget: inmassen ich denn auch
halte, das Heinsius gleichfals grossen gefallen daran treget, der dieses
Idyllion Lateinisch vnnd Hollendisch gegeben. Weil ich jhm aber im
deutschen nachgefolget, vnd den niedrigen Character, von dem wir jetzo
reden, nicht besser vorzuestellen wei, wil ich meine bersetzung
hierneben fgen.

    [F1b] =Theocriti Aites.=

    Bist du gekommen dann, nach dem ich nun gewacht
    Nach dir, mein liebstes Kind, den dritten tag vnnd Nacht?
    Du bist gekommen, ja. doch wer nicht kan noch mag
    Sein lieb sehn wann er wil, wird alt auff einen tag.
    So viel der Frling wird dem Winter vorgesetzt,
    Vor wilden pflaumen vns ein Apffel auch ergetzt,
    Das Schaff mit dicker woll' ein Lamb beschmen kan,
    Die Jungfraw ssser ist als die den dritten Man
    Bereit hat fort geschickt; so viel als besser springt
    Ein rehbock als ein Kalb, vnd wann sie lieblich singt
    Die leichte Nachtigall den Vogeln abgewint,
    So ist dein beysein mir das liebste das man findt.
    Ich habe mich gesetzt bey diesen Buchbawm hin,
    Gleich wie ein Wandersman thut im frber ziehn,
    In dem die Sonne sticht. ach, das die liebe doch
    Vns wolte beyderseits auch fgen an jhr ioch,
    An jhr gewndtschtes Ioch, vnd das die nach vns sein
    Von vns mit stettem rhum erzehlten vberein:
    Es ist ein liebes par gewesen vor der zeit,
    Das eine freyte selbst, das ander ward gefreyt:
    Sie liebten beyde gleich. ward nicht das volck ergetzt
    Wie liebe wiederumb mit liebe ward ersetzt!
    Ach Jupiter, vnd jhr, jhr Gtter gebt mir zue,
    [F2a] Wann ich nach langer zeit schon lieg' in meiner rhue,
    Das ich erfahren mag, das dem der mich jtzt liebt
    Vnd meiner trewen gunst ein jeder zeugni giebt;
    Doch mehr das junge volck. nun di mu nur ergehn,
    Jhr Gtter, wie jhr wolt. es pflegt bey euch zue stehn
    Doch lob' ich dich zwar hoch, so hoff' ich dennoch nicht
    Das jrrgend jemand ist der etwas anders spricht.
    Dann ob dein grimm mir schon offt' etwas vbels thut
    So machst du es hernach doch doppelt wieder gut.
    O volck von Megara, jhr schiffer weit bekandt,
    Ich wndsche das jhr wol bewohnt das reiche landt
    Vnd vfer bey Athen, weil jhr so hchlich liebt
    Dioclem der sich auch im lieben sehr gebt:
    Weil allzeit vmb sein grab sehr viel liebhaber stehn,
    Die lernen einig nur mit kssen vmb recht gehn,
    Vnd streiten gleich darumb, vnd wer dann Mundt an mundt
    Am aller besten legt, dem wird der krantz vergunt,
    Den er nach hause dann zue seiner Mutter bringt.
    Ach, ach, wie glcklich ist dem es so wol gelingt
    Das er mag richter sein. wie offte rufft er wol
    Das Ganymedes jhm den Mund so machen sol
    Als einen Stein durch den der goldschmiedt vrtheil spricht
    Ob auch gewi das Goldt recht gut sey oder nicht.

[F2b] Hergegen in wichtigen sachen, da von Gttern, Helden, Knigen,
Frsten, Stdten vnd der gleichen gehandelt wird, mu man ansehliche,
volle vnd hefftige reden vorbringen, vnd ein ding nicht nur blo nennen,
sondern mit prchtigen hohen worten vmbschreiben. Virgilius sagt nicht:
_die_ oder _luce sequenti_; sondern

                _vbi primos crastinus ortus
    Extulerit Titan, radiisque retexerit orbem._

    Wann Titan morgen wird sein helles liecht auffstecken,
    Vnd durch der stralen glantz die grosse welt entdecken.

Die mittele oder gleiche art zue reden ist, welche zwar mit jhrer ziehr
vber die niedrige steiget, vnd dennoch zue der hohen an pracht vnd
grossen worten noch nicht gelanget. In dieser gestalt hat Catullus seine
Argonautica geschrieben; welche wegen jhrer vnvergleichlichen schnheit
allen der Poesie liebhabern bekandt sein, oder ja sein sollen. Bihieher
auch dieses: nun ist noch vbrig das wir von den reimen vnd
vnterschiedenen art der getichte reden.




Das VII. Capitel.

Von den reimen, jhren wrtern vnd arten der getichte.


EIn reim ist eine vber einstimmung des lautes der syllaben vnd wrter
zue ende zweyer oder mehrer verse, welche wir nach der art die wir vns
frgeschrieben haben zuesammen setzen. Damit aber die syllben vnd worte
in die reimen recht gebracht werden, sind nachfolgende lehren in acht
zue nemen.

Erstlich, weil offte ein Buchstabe eines doppelten lautes ist, soll man
sehen, das er in schliessung der reimen nicht vermenget [F3a] werde.
Zum exempel: Das e in dem worte +ehren+ wird wie ein griechisch {e}, in
dem worte +nehren+ wie ein {} augesprochen: kan ich also mit diesen
zweyen keinen reim schliessen. Item, wenn ich des Herren von Pybrac
_Epigramma_ wolte geben:

    _Adore assis, comme le Grec ordonne,
      Dieu en courant ne veut estre honor,
      D'vn ferme coeur il veut estre ador,
      Mais ce coeur l il faut qu'il nous le donne._

    Zum beten setze dich, wie jener Grieche lehret,
      Denn GOtt wil auff der flucht nicht angeruffen sein:
      Er heischet vnd begehrt ein starckes hertz' allein;
      Das hat man aber nicht, wann er es nicht bescheret.

Hier, weil das e im +lehret+ wie {e}, das im +bescheret+ wie {} gelesen
wird, kan ich vor +bescheret+ das wort +verehret+ setzen. So schicken
sich auch nicht zusammen +entgegen+ vnd +pflegen+; +verkehren+ vnd
+hren+: weil das  von vnns als ein {e}, vnnd die mitlere sylbe im
+verkehren+ wie mit einem {} gelesen wirdt. So kan ich auch +ist+ vnd
+bist+ wegen des vngleichen lautes gegen einander nicht stellen.

Das e, wann es vor einem andern selblautenden Buchstaben zue ende des
wortes vorher gehet, es sey in wasserley versen es wolte, wird nicht
geschrieben vnd augesprochen, sondern an seine statt ein solches
zeichen ' darfr gesetzt. Zum exempel wil ich nachfolgendes Sonnet
setzen, weil diese auenlaung zue sechs malen darinnen wiederholet
wird:

    Ich mu bekennen nur, wol tausendt wndtschen mir,
      [F3b] Vnd tausendt noch dar zue, ich mchte die doch meiden
      Die mein' ergetzung ist, mein trost, mein weh vnd leiden
      Doch macht mein starckes hertz', vnd jhre grosse ziehr,

    An welcher ich sie selbst dir, Venus setze fr,
      Das ich, so lang' ein Hirsch wird lieben psch' vnd Heiden,
      So lange sich dein Sohn mit threnen wird beweiden,
      Wil ohne wancken stehn, vnd halten vber jhr.

    Kein menschlich weib hat nicht solch gehn, solch stehn, solch lachen,
      Solch reden, solche tracht, solch schlaffen vnnd solch wachen:
      Kein Waldt, kein Heller flu, kein hoher Berg, kein Grundt

    Beherbrigt eine Nymf' an welcher solche gaben,
      Zue schawen mgen sein; die so schn haar kan haben,
      Solch' augen als ein stern, so einen roten mundt.

Hiervon werden augeschlossen, wie auch Ernst Schwabe in seinem Bchlein
erinnert, die eigenen namen, als: +Helene+, +Euphrosine+; darnach alle
einsylbige wrter, als: +Schnee+, +See+, +wie+, +die+, &c.

Zue ende der reimen, wann ein Vocalis den folgenden [F4a] ver anhebet,
kan man das e stehen lassen oder weg thun. Stehen bleibt es:

                wie rufft er vor dem ende
    Vns seinen Kindern zue.

Weg gethan aber wird es:

    Jhr hlen voller mo, jhr auffgeritzten stein'
    Jhr felder, &c.

Wann auff das e ein Consonans oder mitlautender Buchstabe folget, soll
es nicht aussen gelassen werden: ob schon niemandt biher nicht gewesen
ist, der in diesem nicht verstossen. Ich kan nicht recht sagen:

    Die wll der starcken Stadt vnnd auch jhr tieffe Graben;

Weil es +die Wlle+ vnd +jhre Graben+ sein soll. Auch nicht wie Melius:

    Rot rlein wolt' ich brechen,

fr, +Rote rlein+.

Gleichfals nicht:

    Nemt an mein schlechte reime,

fr: +Meine+.

Es soll auch das e zueweilen nicht au der mitten der wrter gezogen
werden; weil durch die zuesammenziehung der sylben die verse
wiederwertig vnd vnangeneme zue lesen sein. Als, wann ich schriebe:

    Mein Lieb, wann du mich drcktst an deinen lieblchen Mundt,
    So thets meinm hertzen wol vnd wrde frisch vnd gsundt.

Welchem die reime nicht besser als so von statten gehen, [F4b] mag es
knlich bleiben lassen: Denn er nur die vnschuldigen wrter, den Leser
vnd sich selbst darzue martert vnnd quelet. Wiewol es nicht so gemeinet
ist, das man das e niemals aussenlassen mge: Weil es in Cancelleyen
(welche die rechten lehrerinn der reinen sprache sind) vnd sonsten
vblich, auch im aureden nicht verhinderlich ist. Vnnd kan ich wol
sagen, +vom+ fr +von dem+, +zum+ fr +zue dem+, vnd dergleichen. So ist
es auch mit den _verbis_. Als:

    Die Erde trinckt fr sich, die Bwme trincken erden,
    Vom Meere pflegt die lufft auch zue getruncken werden,
    Die Sonne trinckt das Meer, der Monde trinckt die Sonnen;
    Wolt dann, jhr freunde, mir das trincken nicht vergonnen?

Hier, ob gleich die wrter +trincket+, +pfleget+, +wollet+, inn eine
sylbe gezogen sind, geschieht jhnen doch keine gewalt. Hiesige ver aber
sindt in Griechischen bei dem Anacreon:

    {H g melaina pinei
    Pinei de dendre' autn
    Pinei thalassa d' auras,
    O d' hlios thalassan,
    Ton d' hlion seln.
    Ti moi machesth' hetairoi,
    K' aut thelonti pinein?}

Welche oden ich sonst auch in ein _distichon_ gebracht; weil ich zue den
lateinischen Anacreonten weder lust noch glck habe.

    [G1a] _Terra bibit, terram plant, auras quor, amici,
    quor Sol, Solem Luna; nec ipse bibam?_

Stehet das h zue anfange eines wortes, so kan das e wol geduldet werden;
als:

    Vnd was hilfft es das mein spiel
    Alle die es hren loben
    Du hergegen, o mein licht?
    Die ich lobe, hrst es nicht.

Oder auch aussen bleiben; als:

    Was kan die knstlich' hand?

Ferner soll auch das e denen wrtern zue welchen es nicht gehret
vnangehencket bleiben; als in _casu nominatiuo_:

    +Der Venus Sohne.+ Item, wie Melius sagt:
    +Ein wolerfahrner helde.+

Vnd:

    Dir scheint der Morgensterne;

Weil es +Sohn+, +Held+, +Stern+ heisset.

Vber di, die letzte sylbe in den mnnlichen, vnd letzten zwo inn den
weiblichen reimen (wie wir sie bald abtheilen werden) sollen nicht an
allen Buchstaben gleiche sein; als, in einem weiblichen reime:

    Wir sollen frembdlingen gar billich ehr' erzeigen,
    Vnd so viel mglich ist, ein willig hertze zeigen.

Es ist falsch; weil die letzten zwo sylben gantz eines sindt: kan aber
so recht gemacht werden:

    Wir sollen frembdlingen gar billich ehr' erzeigen,
    Vnd, wann es mglich ist, die Sonn' auch selbst zueneigen.

Wiewol es die Frantzosen so genaw nicht nemen. Dann in [G1b]
nachfolgender Echo, welche vom tantze redet, alle ver gleiche fallen.

    _Qui requiert fort & mesure & cadance? Dance.
    Qui faict souuent aux nopces residence? Dance.
    Qui faict encor filles en abondance? Dance.
    Qui faict sauter fols par outrecuidance? Dance.
    Qui est le grand ennemy de prudence? Dance.
    Qui met aux frons cornes pour euidence? Dance.
    Qui faict les biens tomber en decadence? Dance._

Gleichfals begehet man einen fehler, wann in dem _rythmo foeminino_ die
letzte sylbe des einen verses ein t, des andern ein d hat; weil t harte
vnd d gelinde augesprochen wird. Als im 23. Psalme:

    Auff einer grnen Awen er mich weidet,
    Zum schnen frischen wasser er mich leitet.

So auch, wann das eine u ein selblautender, das andere ein
doppeltlautender Buchstabe ist, vnd fast wie ein i augesprochen wird.
Als im 42. Psalme:

    Bey jhm wird heil gefunden,
    Israel er von snden.

Dann in dem worte +snden+ ist das u ein _diphthongus_.

Vnd letzlich wird der reim auch falsch, wann in dem einen verse das
letzte wort einen doppelten _consonantem_; vnnd das in dem andern einen
einfachen hat; als: wann der eine ver sich auff das wort +harren+; der
andere auff das wort +verwahren+, oder der eine auff +rasen+, der andere
auff +gleicher massen+ endete. Denn es eine andere gelegenheit mit der
Frantzsischen sprache hatt, da zwar zweene _consonantes_ geschrieben,
aber gemeiniglich nur einer augesprochen wird.

[G2a] Das wir nun weiter fortfahren, so ist erstlich ein jeglicher
ver, wie sie die Frantzosen auch abtheilen, (denn der Italiener zarte
reimen alleine auf die weibliche endung augehen) entweder ein
_foemininus_, welcher zue ende abschiessig ist, vnd den accent in der
letzten sylben ohne eine hat, Als:

    Er hat rund vmb sich her das wasser augespreitet,
    Den kstlichen pallast des Himmels zue bereitet;

Oder _masculinus_, das ist, mnnlicher ver, da der thon auff der
letzten sylben in die hhe steiget; als:

    Den donner, reiff vnd schnee, der wolcken blawes zelt,
    Ost, Norden, Sud vnd West in seinen dienst bestelt.

Nachmals ist auch ein jeder ver entweder ein _iambicus_ oder
_trochaicus_; nicht zwar das wir auff art der griechen vnnd lateiner
eine gewisse grsse der sylben knnen inn acht nemen; sondern das wir
aus den _accenten_ vnnd dem thone erkennen, welche sylbe hoch vnnd
welche niedrig gesetzt soll werden. Ein Iambus ist dieser:

    Erhalt vns Herr bey deinem wort.

Der folgende ein Trochus:

    Mitten wir im leben sind.

Dann in dem ersten verse die erste sylbe niedrig, die andere hoch, die
dritte niedrig, die vierde hoch, vnd so fortan, in dem anderen verse die
erste sylbe hoch, die andere niedrig, die dritte hoch, &c. augesprochen
werden. Wiewol nun meines wissens noch niemand, ich auch vor der zeit
selber nicht, dieses genawe in acht genommen, scheinet es doch so hoch
von nthen zue sein, als hoch von nthen ist, das die Lateiner nach den
_quantitatibus_ oder grssen der sylben jhre verse richten vnd
reguliren. Denn es gar einen belen klang hat:

[G2b] +Venus die hat Juno nicht vermocht zue obsiegen+; weil +Venus+
vnd +Juno+ Iambische, +vermocht+ ein Trochisch wort sein soll:
+obsiegen+ aber, weil die erste sylbe hoch, die andern zwo niedrig sein,
hat eben den thon welchen bey den lateinern der _dactylus_ hat, der sich
zueweilen (denn er gleichwol auch kan geduldet werden, wenn er mit
vnterscheide gesatzt wird) in vnsere sprache, wann man dem gesetze der
reimen keine gewalt thun wil, so wenig zwingen let, als _castitas_,
_pulchritudo_ vnd dergleichen in die lateinischen _hexametros_ vnnd
_pentametros_ zue bringen sind. Wiewol die Frantzosen vnd andere, in den
eigentlichen namen sonderlich, die accente so genawe nicht in acht nemen
wie ich dann auch auff art des Ronsardts in einer Ode geschrieben:

      Bin ich mehr als Anacreon,
    Als Stesichr vnd Simondes,
    Als Antimchus vnd Bion,
    Als Phlet oder Bacchyldes?

Doch, wie ich dieses nur lust halben gethan, so bin ich der gedancken,
man solle den lateinischen accenten so viel mglich nachkommen.

Vnter den Iambischen versen sind die zue fderste zue setzen, welche man
Alexandrinische, von jhrem ersten erfinder, der ein Italiener soll
gewesen sein, zue nennen pfleget, vnd werden an statt der Griechen vnd
Rmer heroischen verse gebraucht: Ob gleich Ronsardt die _Vers communs_
oder gemeinen verse, von denen wir stracks sagen werden, hierzue
tchtiger zue sein vermeinet; weil die Alexandrinischen wegen jhrer
weitleufftigkeit der vngebundenen vnnd freyen rede zue sehr hnlich
sindt, wann sie nicht jhren mann finden, der sie mit lebendigen farben
herau zue streichen wei. Weil aber dieses einem Poeten zuestehet, vnd
die vber welcher vermgen es ist nicht gezwungen sind [G3a] sich darmit
zue rgern, vnsere sprache auch ohne di in solche enge der wrter wie
die Frantzsische nicht kan gebracht werden, mussen vnd knnen wir sie
an statt der heroischen verse gar wol behalten: inmassen dann auch die
Niederlnder zue thun pflegen.

Der weibliche ver hat dreyzehen, der mnnliche zwlff sylben; wie der
_iambus trimeter_. Es mu aber allezeit die sechste sylbe eine _csur_
oder abschnitt haben, vnd _masculin terminationis_, das ist, entweder
ein einsylbig wort sein, oder den _accent_ in der letzten sylben haben;
wie auch ein vornemer Mann, der des Herren von Bartas Wochen in vnsere
sprache vbersetzt hat, erinnert. Zum exempel sey dieses:

    Dich hette Jupiter, nicht Paris, jhm erkohren,
    Vnd wrd' auch jetzt ein Schwan wann dich kein schwan gebohren,
      Du heissest Helena, vnd bist auch so geziehrt,
      Vnd werest du nicht keusch, du wrdest auch entfhrt.

Hier sind die ersten zweene ver weibliche, die andern zweene mnnliche:
Denn mann dem weiblichen in diesem _genere carminis_ gemeiniglich die
oberstelle let; wiewol auch etliche von den mnnlichen anfangen.

Bey dieser gelegenheit ist zue erinnern, das die _csur_ der sechsten
syllben, sich weder mit dem ende jhres eigenen verses, noch des
vorgehenden oder nachfolgenden reimen soll; oder krtzlich; es sol kein
reim gemacht werden, als da wo er hin gehret: als:

    Ein guet gewissen fragt nach bsen mulern nicht,
    Weil seiner tugend liecht so klar hereiner bricht
      Als wie Aurora selbst, &c.

Dann solches stehet eben so vbel als die reimen der lateini-[G3b]schen
verse; deren exempel zwar bey den gutten Autoren wenig zue finden, der
Mnche bcher aber vor etzlich hundert Jahren alle voll sindt gewesen.

So ist es auch nicht von nthen, das der _periodus_ oder sententz
allzeit mit dem verse oder der _strophe_ sich ende: ja es stehet
zierlich, wann er zum wenigsten bi zue des andern, dritten, vierdten
verses, auch des ersten in der folgenden strophe _csr_ behalten wird.
Zum exempel:

                    1. nein nein, wie bleich ich bin,
      Nicht vom studiren nur, so bleibt doch wie vorhin
    Mein vorsatz vnbewegt; 2. ich wil mein glcke tragen
    So lang' ich kan vnd mag; wil setzen auff den wagen
        Der grawen ewigkeit durch meiner Leyer kunst
        Die braune Flauia: 3. an stat der Musen gunst
    Ist jhrer augen glut: 4. das sternenliechte fewer
    Kmpt, wie der schne Nort den Schieffen, mir zue stewer.

Item:

    1. Ja wir gedencken vns wie meister fast zue werden
    Des grossen Jupiters, vnd donnern auff der erden
      Durch des Geschtzes plitz; 2. die Berge zittern auch,
      Die wolcken werden schwartz von vnsers Pulvers rauch',
    Vnd lauffen schneller fort. 3. verhaw' vns zue dem strande
    Des meeres weg vnd steg, wir segeln auch zue lande,
      Vnd schiffen ohne see. 4. veriag' vns aus der welt,
      [G4a] Wir haben eine new', in welcher Gold vnd Geldt
    Nicht minder huffig ist. 5. wilt du vnns gifft beybringen,
    Die Porcellane wird vns in der hand zuespringen,
      Vnd sagen was du thust. 6. wie schlecht die Bgel sein,
      So setzen wir vns doch mit jhnen fester ein,
    Vnd lassen vnns so bald nicht au dem sattel heben.
    7. Es pflegt die Sonnenvhr vns vnterricht zue geben
      Vmb welche zeit es sey. 8. Der kstliche Magnet
      Zeigt wo das schwache Schiff auch bey der nacht hingeht,
    Vmbringt mit wind' vnnd flut. 9. wir kennen hier von fernen
    Durch eines glases liecht den Monden vnnd die Sternen,
      Als stnden wir darbey, vnd sind zue krieges zeit
      Vor einem einfall auch viel mehr als sonst befreit.

Die reimen deren weibliche ver eilff sylben, vnd die mnnlichen zehen
haben, nennen die Frantzosen _vers communs_ oder gemeine verse, weil sie
bey jhnen sehr im brauche sind. Wie aber die Alexandrinischen verse auff
der sechsten sylben, so haben diese auff der vierdten jhren abschnitt.
Als:

    Im fall du wilt   Was Gttlich ist erlangen.
    So la den leib   in dem du bist gefangen,
      Auff, auff, mein Geist,   vnd du mein gantzer sinn,
      Wirff alles das   was welt ist von dir hin.

Weil die Sonnet vnnd _Quatrains_ oder vierversichten _epi-[G4b]grammata_
fast allezeit mit Alexandrinischen oder gemeinen versen geschrieben
werden, (denn sich die andern fast darzue nicht schicken) als wil ich
derselben gleich hier erwehnen.

Wann her das Sonnet bey den Frantzosen seinen namen habe, wie es denn
auch die Italiener so nennen, wei ich anders nichts zue sagen, als
dieweil _Sonner_ klingen oder wiederschallen, vnd _sonnette_ eine
klingel oder schelle heist, di getichte vielleicht von wegen seiner hin
vnd wieder geschrenckten reime, die fast einen andern laut als die
gemeinen von sich geben, also sey getauffet worden. Vnd bestetigen mich
in dieser meinung etzliche Hollnder, die dergleichen _carmina_ auff
jhre sprache klincgetichte heissen: welches wort auch bey vnns kan
auffgebracht werden; wiewol es mir nicht gefallen wil.

Ein jeglich Sonnet aber hat viertzehen verse, vnd gehen der erste,
vierdte, fnffte vnd achte auff eine endung des reimens au; der andere,
dritte, sechste vnd siebende auch auff eine. Es gilt aber gleiche, ob
die ersten vier genandten weibliche termination haben, vnd die andern
viere mnnliche: oder hergegen. Die letzten sechs verse aber mgen sich
zwar schrencken wie sie wollen; doch ist am bruchlichsten, das der
neunde vnd zehende einen reim machen, der eilffte vnd viertzehende auch
einen, vnd der zwlffte vnd dreyzehende wieder einen. Zum exempel mag
dieses sein, welches ich heute im spatzieren gehen, durch gegebenen
anla, ertichtet.

    Sonnet.

    Du schne Tyndaris, wer findet deines gleichen,
      Vnd wolt' er hin vnd her das gantze landt durchziehn?
      Dein' augen trutzen wol den edelsten Rubin,
      Vnd fr den Lippen mu ein Trki auch verbleichen,
    [H1a] Die zeene kan kein goldt an hoher farb' erreichen,
      Der Mund ist Himmelweit, der hal sticht Attstein hin.
      Wo ich mein vrtheil nur zue fellen wrdig bin,
      Alecto wird dir selbst des haares halber weichen,
    Der Venus ehemann geht so gerade nicht,
      Vnd auch der Venus sohn hat kein solch scharff gesicht;
      In summa du bezwingst die Gtter vnnd Gttinnen.
    Weil man dan denen auch die vns gleich nicht sindt wol,
      Geht es schon sawer ein, doch guttes gnnen soll,
      So wndtsch' ich das mein feind dich mge lieb gewinnen.

Oder, im fall dieses jemanden angenemer sein mchte; Welches zum theil
von dem Ronsardt entlehnet ist:

      Jhr, Himmel, lufft vnnd wind, jhr hgel voll von schatten,
    Jhr hainen, jhr gepsch', vnd du, du edler Wein,
    Jhr frischen brunnen, jhr, so reich am wasser sein,
    Jhr wsten die jhr stets mut an der Sonnen braten,
      Jhr durch den weissen taw bereifften schnen saaten,
    Jhr hlen voller mo, jhr auffgeritzten stein',
    Jhr felder welche ziehrt der zarten blumen schein,
    Jhr felsen wo die reim' am besten mir gerhaten,
      [H1b] Weil ich ja Flavien, das ich noch nie thun knnen,
    Mu geben guete nacht, vnd gleichwol mundt vnnd sinnen
    Sich frchten allezeit, vnd weichen hinter sich,
      So bitt' ich Himmel, Lufft, Wind, Hgel, hainen, Wlder,
    Wein, brunnen, wsteney, saat', hlen, steine, felder,
    Vnd felsen sagt es jhr, sagt, sagt es jhr vor mich.

Item di, von gemeinen versen:

      Au weh! ich bin in tausendt tausendt schmertzen,
    Vnd tausendt noch! die seufftzer sind vmbsonst
    Herauff geholt, kein anschlag, list noch kunst
    Verfngt bey jhr. wie wann im khlen Mertzen
      Der Schnee zuegeht durch krafft der Himmels kertzen,
    Vnd netzt das feldt; so feuchtet meine brunst
    Der zehren bach, die noch die minste gunst
    Nicht augebracht: mein' augen sind dem hertzen
      Ein schdlich gifft: das dencken an mein liecht
    Macht das ich irr' vnd wei mich selber nicht,
    Macht das ich bin gleich einem blossen scheine,
      Das kein gelenck' vnd gliedtma weder krafft
    Noch stercke hat, die adern keinen safft
    Noch blut nicht mehr, kein marck nicht die gebeine.

Vnd letzlich eines, in welchem die letzten sechs verse einer vmb den
andern geschrencket ist:

      Ich machte diese ver in meiner Pierinnen
    [H2a] Begrnten wsteney, wie Deutschland embsig war
    Sein mrder selbst zuesein, da herdt vnd auch altar
    In asche ward gelegt durch trawriges beginnen
      Der blutigen begiehr, da gantzer vlcker sinnen
    Vnd tichten ward verkehrt, da aller laster schar,
    Mord, vnzucht, schwelgerey vnd triegen gantz vnd gar
    Den platz, der alten ehr' vnd tugendt hielten innen.
      Damit die bse zeit nun wrde hingebracht,
    Hab' ich sie wollen hier an leichte reime wenden.
    Mars thuts der liebe nach das er der threnen lacht:
      Mein krieg ist lobens werth, vnd seiner ist zue schenden:
    Denn meiner wird gestilt durch zweyer leute schlacht,
    Den andern knnen auch viel tausendt noch nicht enden.

_Quatrains_ oder _quatrini_, wie au dem namen zue sehen, sind
vierverichte getichte oder _epigrammata_; derer hat der Herr von Pybrac
hundert vnd sechs vnd zwantzig im Frantzsischen geschrieben; von
welchen ich nur dieses setzen wil:

      _En bonne part ce qu'on dit tu dois prendre,
    Et l'imparfaict du prochain supporter
    Couurir sa faute, et ne la rapporter:
    Prompt  lour, et tardif  reprendre._

      Was man dir sagt solt du zum besten wenden,
    Vnd wie du kanst des nechsten seine schuldt
    Beseite thun, vnd tragen mit gedult:
    Zum loben schnell', vnd langsam sein zum schenden.

[H2b] Hier reimen sich der erste vnd letzte ver so weiblich sind
zuesammen, vnd die mitleren zwey mnnlichen degleichen zuesammen.
Wiewol man auch einen vmb den andern schrencken mag, oder lauter
mnnliche oder weiblich setzen. Als:

    An meine Venus.

      Du sagst, es sey der Spiegel voller list,
    Vnd zeige dich dir schner als du bist:
    Komm, wilt du sehn das er nicht lgen kan,
    Vnd schawe dich mit meinen augen an.

Welch _epigramma_ im lateinischen bei dem _Grudio_, sonsten einem bsen
Poeten, wiewol er eines gueten Poetens bruder ist, gefunden wird.

Die andern verse mag ein jeder mit sieben, acht, fnff, sechs, auch vier
vnd drey sylben, vnd entweder die mnnlichen oder die weiblichen lenger
machen nach seinem gefallen.

Die reimen der ersten strophe sind auch zue schrencken auff vielerley
art, die folgenden strophen aber mussen wegen der Music, die sich zue
diesen _generibus carminum_ am besten schicken, auff die erste sehen.
Ein exempel einer Trocheischen Ode oder Liedes ist in dem fnfften
Capitel zue finden. Wil ich derhalben einen Iambischen gesang hieher
schreiben.

    ~Ode.~

    Derselbe welcher diese nacht
      Erst hat sein leben hingebracht,
      Ist eben auch wie die gestorben
      Die lengst zueuor verbliechen sein,
      Vnd derer leichnam vnd gebein
      Vor vielen Jharen sind vertorben.
    Der Mensch stirbt zeitlich oder spat,
      [H3a] So baldt er nur gesegnet hat
      So wird er in den Sandt versencket,
      Vnd legt sich zue der langen rhue.
      Wenn Ohr vnd Auge schon ist zue,
      Wer ist der an die Welt gedencket?
    Die Seele doch allein vnd blo,
      Fleugt wann sie wird des Crpers lo,
      Zum Himmel, da sie her gerhret.
      Was diesen schnden leib betrifft,
      Wird nichts an jhm als stanck vnd gifft,
      Wie schn' er vormals war, gespret.
    Es ist in jhm kein geist mehr nicht,
      Das fleisch felt weg, die haut verbricht.
      Ein jeglich haar das mu verstieben;
      Vnd, was ich achte mehr zue sein,
      Die jenige kmpt keinem ein,
      Die er fr allem pflag zue lieben.
    Der todt begehrt nichts vmb vnd an:
      Drumb, weil ich jetzt noch wndtschen kan,
      So wil ich mir nur einig wehlen
      Gesunden leib vnd rechten sinn:
      Hernachmals, wann ich kalt schon bin,
      Da wil ich Gott den rest befehlen.
    Homerus, Sappho, Pindarus,
      Anacreon, Hesiodus,
      Vnd andere sind ohne sorgen,
      [H3b] Man red' jetzt auff sie was man wil:
      So, sagt man nun gleich von mir viel,
      Wer wei geschieht es vber morgen.
    Wo dient das wndtschen aber zue,
      Als das ein Mensch ohn alle rhue
      Sich tag vnd nacht nur selbst verzehret?
      Wer wndtschet krnckt sich jeder zeit,
      Wer todt ist, ist ohn alles leidt.
      O wol dem, der nichts mehr begehret.

Zue zeiten werden aber beydes Iambische vnd Trocheische verse durch
einander gemenget. Auch kan man Alexandrinische oder gemeine vor vnd
vnter die kleinen setzen. Als:

    Jhr schwartzen augen, jhr, vnd du, auch schwartzes Haar,
    Der frischen Flavia, die vor mein hertze war,
      Auff die ich pflag zue richten,
        Mehr als ein weiser soll,
      Mein schreiben, thun vnd tichten,
        Gehabt euch jetzundt wol.
    Nicht gerne sprech' ich so, ruff' auch zue zeugen an
    Dich, Venus, vnnd dein kindt, das ich gewi hieran
      Die minste schuldt nicht trage:
        Ja alles kummers voll
      Mich stndlich krnck' vnd plage
        Das ich sie lassen soll, &c.

Die Saphischen gesnge belangendt, bin ich des Ronsardts meinung, das
sie, in vnseren sprachen sonderlich, nimmermehr knnen angeneme sein,
wann sie nicht mit lebendigen stimmen [H4a] vnd in musicalische
instrumente eingesungen werden, welche das leben vnd die Seele der
Poeterey sind. Dann ohne zweiffel, wann Sappho hat diese verse gantz
verzucket, mit vneingeflochtenen fliegenden haaren vnnd lieblichem
anblicke der verbuhleten augen, in jhre Cither, oder was es gewesen ist,
gesungen, hat sie jhnen mehr anmutigkeit gegeben, als alle trompeten vnd
paucken den mannhafftigen vnnd khnen versen, die jhr Landtsmann Alcus,
als er ein Kriegesoberster gewesen, ertichtet hat. Zum exempel gleichwol
wil ich zwey Strophen des Ronsardts herschreiben: Dann ich dergleichen
nie vor mich genommen.

    _Belle dont les yeux doucement m'ont tu,
    Par vn doux regard qu'au coeur ils m'ont ru,
    Et m'ont en vn roc insensible mu
                    En mon poil grison:
    Que i'estois heureux en ma ieune saison
    Auant qu'auoir beu l'amoureuse poison!
    Bien loin de souspirs, de pleurs et de prison!
                    Libre ie vivoy, &c._

Eine ander solche Ode hebet er also an:

    _Mon ge et mon sang ne sont plus en vigeur:
    Les ardents pensers ne m'eschauffent le coeur,
    Plus mon chef grison ne se veut enfermer.
                    Sous le ioug d'aimer, &c._

In den Pindarischen Oden, im fall es jemanden sich daran zue machen
geliebet, ist die {stroph} frey, vnd mag ich so viel verse vnd reimen
darzue nemen als ich wil, sie auch nach meinem gefallen eintheilen vnd
schrencken: {antistroph} aber mu auff die {strophn} sehen, vnd keine
andere ordnung der reimen machen: {epdos} ist wieder vngebunden. Wan
wir dann mehr strophen tichten wol-[H4b]ten, mussen wir den ersten in
allem nachfolgen: wiewol die Gelehrten; vnd denen Pindarus bekandt ist,
es ohne di wissen, vnd die andern die es aus jhm nicht wissen, werden
es au diesem berichte schwerlich wissen lernen. Ich vor meine person,
bin newlich vorwitzig gewesen, vnd habe mich vnterwinden drffen auff
Bernhardt Wilhelm Nlers, meines gelehrtesten freundes, vnd statlichen
Poetens, es sey in vnserer oder lateinischer sprache, hochzeit eine
dergleichen Oden vnd eine andere auff absterben eines vornemen vom adel
zue schreiben; mit welchen ich, ob sie schon auff der eile weg gemacht
sindt, dieses Capitel beschlissen wil.

    {Stroph a.}

    Du gldne Leyer, meine ziehr
      Vnd frewde, die Apollo mir
      Gegeben hat von hand zue handt,
      Zwar erstlich das mein Vaterlandt
      Den vlckern gleiche mge werden
      Die jhre sprachen dieser zeit
      Durch schne verse weit vnd breit
      Berhmbt gemacht auff aller erden:
      (Italien, ich meine dich,
      Vnd Franckreich, dem auch Thebe sich,
      Wie hoch sie fleuget, kaum mag gleichen,
      Dem Flaccus willig ist zue weichen.)
      Vnd dann, das derer heller schein
      Die gantz nach rhum' vnd ehren streben,
      Bey denen welche nach vns leben,
      Auch mge klar vnd prchtig sein:

    {Antistrophos a.}

    [I1a] Du gldne Leyer, nun ist zeit
      Zue suchen alle ziehrligkeit
      Die ein Poete wissen soll:
      Jetzt solt du billich mehr als wol,
      O meine lust, Pindarisiren;
      Dein bester freund der leben mag,
      Der Musen rhum, hebt diesen tag
      Ein newes leben an zue fhren:
      Sein gantzes wndtschen wird erflt;
      Ein bildt, ein auerwehltes bildt
      Ersttigt alles sein begehren:
      Die lieder, die gelehrten zehren,
      Darmit er vormals war gewohnt,
      Weit ausser dem gemeinen hauffen,
      Nicht einen schlechten weg zue lauffen,
      Die werden reichlich jetzt belohnt.

    {Epdos a.}

    Krieget nicht gar recht vnd eben
      Solchen danck ein hoher Geist,
      Welcher einig sich befleist
      Bey dem Himmel selbst zue schweben,
      Ist auff lob vnd rhum bedacht
      Wenn die schne Sonn' erwacht,
      Vnd der tag dem schatten weichet
      Wie gar hoch der name reichet
      Welchen giebt der knste liecht,
      Denen die nach tugendt trachten,
      [I1b] Ist es minder doch zue achten,
      Wann der liebe lohn gebricht.

    {Stroph b.}

    Die Lieb' hat erstlich Gott gerhrt
      Das er der dinge grund vollfhrt;
      Sie ist es die den baw der welt
      Vor allem brechen frey behelt;
      Sie pflegt die sternen zue bewegen,
      Das sie den elementen nicht
      Versagen jhrer schnheit liecht;
      Das fewer pflegt die lufft zue regen
      Durch hitz' auff jhren angetrieb,
      Die lufft hat dann das wasser lieb.
      Das wasser das bewegt die erden;
      Vnd wiederumb, die wsser werden
      Gesogen von der erden klufft,
      Das wasser zeucht die lufft zuesammen,
      Das fewer wird mit seinen flammen
      Verzogen in die khle lufft.

    {Antistr. b.}

    Das hier vnd dorte Berg vnd Waldt
      Mit grnen Bwmen mannigfalt
      Sehr luftig vberschattet steht,
      Das so manch heilsam kraut auffgeht,
      Das Wiesen, Felder, Bsch' vnd Awen
      Mit zarten blumen sein geziehrt,
      Das Saate newes korn gebiehrt,
      Das so viel wildpret ist zue schawen,
      [I2a] Das wann der Lentz das Jhar verjngt
      Ein jeder Vogel frlich singt,
      Vnd let sich nicht gern' vber stimmen,
      Das so viel Fisch' im Meere schwimmen,
      Ja das wir Menschen selber sein,
      Vnd vns das blutige beginnen
      Der waffen nicht hat tilgen knnen,
      Das thut die liebe nur allein.

    {Epd. b.}

    Liebe nun wer nur zue lieben
      Rechten fug vnd mittel hat;
      Es ist keine solche that
      Die verbotten ist zue vben,
      Wann du nur bestrickt nicht bist
      Von der wollust hinterlist,
      Die mit jhrem falschen scheine
      Jung vnd nicht jung in gemeine
      Leitet an verkehrten wahn,
      Auer diesen eiteln sachen,
      Die den klgsten wahnlo machen,
      Liebe wer da lieben kan.

    {Str. g.}

    Du, Bernhardt Wilhelm, den zuevor
      Der drey mal dreyen Schwestern chor
      Mit alle dem was er gehabt
      Gantz ohne masse hat begabt,
      Wirst ietzt von Venus auch verehret
      [I2b] Mit einer ohne welcher gunst
      Du hassen kanst verstand vnd kunst,
      Vnd was zur wissenschafft gehret;
      In derer augen freundtligkeit,
      Im munde die verschwiegenheit,
      Zucht in den hfflichen geberden,
      Im gange demut funden werden;
      Die der natur bekandte macht
      An tugendt, witz' vnd andern gaben
      Fast vber jhr geschlecht' erhaben,
      Vnd als jhr Meisterstck' erdacht.

    {Antistr. g.}

    Nichts bessers wndsch' ich selber mir:
      Du wirst hinfort mit grosser ziehr,
      Durch deine hochgelehrte handt,
      Die ohne di weit ist bekandt,
      Dein' eigne frewde knnen schreiben:
      Du wirst besitzen alles gut
      Was Hermus au der gelben flut
      An seinen reichen strandt soll treiben;
      Was der verbrandte Mohr besitzt
      Wo stets die rote Sonne hitzt,
      Was Spanien von edlen dingen
      Pflegt au der newen welt zue bringen.
      Getrewe hertzen bleiben rein
      Von kummer schtz' vnd Goldt zue kriegen,
      Jhr meistes hoffen vnd gengen
      Ist lieben, vnd geliebet sein.

    {Epd. g.}

    [I3a] O jhr seligen zwey liebe,
      Venus schickt jhr abendt liecht,
      Vnd errinnert das man nicht
      Jhre frewde mehr verschiebe.
      Brutlein leget euch zue rhue;
      Jupiters Fraw saget zue
      Au den sawersssen nthen
      Einen artigen Poeten.
      Was das liebe Kindelein
      Wirdt mit halbem munde machen,
      Was es krmeln wird vnd lachen
      Werden lauter verse sein.


Trawerliedt vber das absterben Herren Adams von Bibran, auff Profen vnd
Damdorff.

_Ex Italico summi viri Abrahami Bibrani, Adami fratris, quamuis paull
liberis, translatum._

    _STRO. I._

    O Die selig' edle Seele,
      Die sich in die wahre rhue
      Nach dem hohen Himmel zue
      Au des Leibes finstern hle
      Frewdig hat hienauff gemacht;
      Da sie dann, wie bey der nacht
      Vor den andern kleinen Sternen
      Phebe selber, glntzt von fernen,
      Da sich Gott jhr vmb vnd an,
      Zeigt zue sehn vnd zue geniessen,
      [I3b] Da sie mit nicht-menschen-fssen
      Das gestirne tretten kan.

    _ANTISTRO. I._

    Wie die vlmen durch die reben
      Mehr als sonsten lieblich sein;
      Wie der Lorbeerbawm den schein
      Seinen wldern pflegt zue geben,
      Also war auch deine ziehr.
      Pallas weinet fr vnd fr,
      Ceres voll von weh vnd zehren
      Leget jhren krantz von hren
      Vnd die sichel hinter sich:
      Profen, deine lust vnd frewde
      Lieget gantz vertiefft im leide,
      Vnd gedencket nur an dich.

    _EPOD. I._

    Das auch betrbte gra beklagt dich bey den brunnen,
                Fr das reiche korn
                Wchset tresp' vnd dorn;
    Es trawret selbst das groe radt der Sonnen,
    Vnd hllet vmb sich her der wolcken schwartzes kleidt;
                Tranck vnd een
                Wird vergeen
    Von aller herd' vnd vieh' ohn vnterscheidt.

    _STRO. II._

    Berg' vnd thler hrt man ruffen
      Bibran, Bibran, tag vnd nacht;
      Aber nein, des todes macht
      Lest sie gantz vergebens hoffen.
      Wird der klee zue winterszeit
      Durch das ei gleich abgemeyt,
      Sehen wir jhn doch im Lentzen
      [I4a] Nachmals auff den awen glntzen:
      Tglich fellt die Sonn' in's meer,
      Scheinet aber morgen wieder:
      Legt ein mensch ein mal sich nieder
      Er kmpt nimmer zue vns her.

    _ANTISTRO. II._

    Wil derwegen vns gebhren
      Wie es mglich nur mag sein
      Sein begrbni vnd gebein
      Allenthalben auzueziehren
      Mit dem frembden tulipan
      Tausendtschn vnd maioran,
      Mit violen vnd narcien,
      Vnd den blumen bey den flssen
      Die vom Mertzen sind genannt.
      Sonderlich soll jhm sein leben
      Auff das newe wiedergeben
      Der Poeten weise handt.

    _EPOD. II._

    Jhr keuschen Lorbeerstruch', an denen gntzlich lieget,
                Das ein mensch der schon
                Mu allhier darvon
    Doch in der grub' ein ewiges lob krieget,
    Schawt das jhr fr den todt dem edlen crper hier
                Gleichfalls rahtet,
                Vnd vmbschatet
    Mit grner lust sein' asche fr vnd fr.




Das VIII. Capitel.

Beschlu dieses buches.


[I4b] SO viel ist es, was ich von vnserer Poesie auffsetzen wollen.
Wiewol ich keinen zweiffel trage, es sey noch allerseits eines vnd das
andere zue erinnern, welches nicht weniger notwendig seyn mag, als etwas
von denen sachen, derer ich erwehne. Es kan auch wol sein, das mir in
dem eilen (denn ich vor fnff tagen, wie meine freunde wissen, die feder
erst angesetzt habe) di vnd jenes mag einkommen sein, das entweder gar
auengelassen, oder ja im minsten verbeert sollte werden. Ich hoffe
aber, es wird mir der guethertzige Leser, in betrachtung der kurtzen
zeit so ich hierbey verschloen, etwas vbersehen, vnd bedencken, Rom sey
nicht auff einen tag gebawet worden. Was noch vbrig ist, wil ich
entweder inknfftig selbst grndtlicher verfhren, oder denen lassen,
die mir an liebe gegen vnsere sprache gleiche, vnd an geschickligkeit
vberlegen sein. Von denselben zue lernen bin ich so begierig, als ich
willig gewesen bin, andere, die auch dieses nicht gewust haben, zue
vnterrichten. Welche meine geringschtzige arbeit bey statlichen
auffgeweckten gemtern, wo nicht mehr, doch so viel verfangen wird, das
sie gleichsam als durch einen sporen hiermit auffgemuntert, vnserer
Muttersprache die hand bietten, vnd jhrer Poesie den glantz, welchen sie
lengest hette kriegen sollen, geben werden. Welches aber alsdenn
vollkmlich geschehen kan, wenn zue dem was hiebevor in diesem buche
erzehlet ist worden, die vornemlich jhren flei werden anlegen, welche
von natur selber hierzue geartet sein, vnnd von sich sagen knnen was
Ovidius:

    _Est Deus in nobis, agitante calescimus illo._

    Es ist ein Geist in vns, vnd was von vns geschrieben,
    Gedacht wird vnd gesagt, das wird durch jhn getrieben.

Wo diese natrliche regung ist, welche Plato einen Gttli-[K1a]chen
furor nennet, zum vnterscheide des aberwitzes oder bldigkeit, drffen
weder erfindung noch worte gesucht werden; vnnd wie alles mit lust vnd
anmutigkeit geschrieben wird, so wird es auch nachmals von jederman mit
dergleichen lust vnd anmutigkeit gelesen. An den andern wollen wir zwar
den willen vnd die bemhung loben, der nachkommenen gunst aber knnen
wir jhnen nicht verheien.

Wiewol wir die vbung vnd den flei nicht verwerffen: dann im fall
dieselbigen mit der natur vereiniget werden, mu etwas folgen das bse
muler leichtlicher tadeln knnen als nachmachen.

Eine guete art der vbung aber ist, das wir vns zueweilen au den
Griechischen vnd Lateinischen Poeten etwas zue vbersetzen vornemen:
dadurch denn die eigenschafft vnd glantz der wrter, die menge der
figuren, vnd das vermgen auch dergleichen zue erfinden zue wege
gebracht wird. Auff diese weise sind die Rmer mit den Griechen, vnd die
newen scribenten mit den alten verfahren: so das sich Virgilius selber
nicht geschmet, gantze pltze au andern zue entlehnen; wie sonderlich
Macrobius im fnfften vnd sechsten buche beweiset. Wir sollen vns auch
an vnserem eigenen fleie nicht gengen laen; sondern, weil viel augen
mehr sehen als eines, vber die sachen welche wir an das liecht zue
bringen vermeinen, berhmbter mnner vrtheil ergehen laen. Welches
inngleichen die Rmer so wol verstanden, vnd in acht genommen, das sie
nicht leichtlich etwas offentlich aukommen laen, das nicht zuevor von
einem vnd dem andern geschtzet vnd durchgezogen worden. Ja, wie man
keinen ringer oder fechter in offentlichen schawplatze aufffhrete, er
mute vorher seinen namen geben, vnd eine probe thun: welches sie
{apographesthai} vnnd {enkrinesthai} . einschreiben vnnd approbiren
hiessen: so gaben auch die, welche in der zahl der Poeten wolten
gerechnet werden, jhre getichte anderen Poeten zue vbersehen, vnd
erkndigten sich darber jhrer meinung: dieses war [K1b] jhre
{apograph} vnnd {enkrisis}; wie _Casaubonus_ vber den _Persium_
erinnert, vnd au einer alten Inscription zue sehen ist:

    _HIC . CVM . ESSET . ANNORVM.
    XIII . ROMAE . CERTAMINE.
    IOVIS . CAPITOLINI . LVSTRO.
    SEXTO . CLARITATE . INGENI.
    CORONATUS . EST . INTER.
    POETAS . LATINOS . OMNIBVS.
    SENTENTIIS . IVDICVM._

Plinius der Jngere, welcher vber alle seine sachen gelehrter freunde
guet achten erfordert, saget in der 17. Epistel des 7. Buches, das jhn
diese gewohnheit gar nicht rewe. Denn er bedchte, welch ein grosses es
sey, durch der leute hnde gehen, vnd knne jhm nicht einbilden, das man
dasselbe nicht solle mit vielen vnd zum offtern vbersehen, was man
begehret, das es allen vnd immer gefallen solle. Welches denn der
grsseste lohn ist, den die Poeten zue gewarten haben; da sie nemlich
inn kniglichen vnnd frstlichen Zimmern platz finden, von grossen vnd
verstndigen Mnnern getragen, von schnen leuten (denn sie auch das
Frawenzimmer zue lesen vnd offte in goldt zue binden pfleget) geliebet,
in die bibliothecken einverleibet, offentlich verkauffet vnd von
jederman gerhmet werden. Hierzue kmpt die hoffnung vieler knfftigen
zeiten, in welchen sie fort fr fort grnen, vnd ein ewiges gedchtni
in den hertzen der nachkommenen verlassen. Diese glckseligkeit erwecket
bey auffrichtigen gemttern solche wollust, das Demosthenes sagete, es
sey jhm nichts angenemers, als wenn auch nur zwey weiblein welche wasser
trgen (wie zue Athen bruchlich war) einer den andern einbliesse: Das
ist Demosthenes. Welcher ob er zwar als der vornemeste redener in hohen
ehren gehalten worden, ist doch der rhum nicht geringer denn Homerus
erlanget. Vnd wie der Autor des gespreches von den Oratoren saget, +des
_Euripidis_ [K2a] oder _Sophoclis_ berhmbter name ist so weit
erschollen als des Lysi oder Hyperidis; vnd viel begehren weniger den
rhum des _Ciceronis_ al _Virgilii_. Es ist auch kein buch des _Asinii_
oder _Messall_ so beschrieen, als des _Ouidii_ _Medea_, oder _Varii_
sein Thyestes. Vnd+, redet er weiter, +ich schewe mich nicht den
zuestand der Poeten vnd jhr glckhafftes wesen mit dem vnruhigen vnd
sorglichen leben der Redner zue vergleichen. Ob zwar diese durch
streitsachen vnnd gefahr zue dem Brgermeister ampte sind erhoben
worden; so wil ich doch lieber _Virgilii_ sichere vnnd geheime
einsamkeit, in welcher es jhm weder an gnade bey dem Keyser Augusto,
noch an kundschafft bey dem Rmischen volcke gemangelt hat.+

Nebenst dieser hoheit des gueten namens, ist auch die vnvergleichliche
ergetzung, welche wir bey vns selbst empfinden, wenn wir der Poeterey
halben so viel bcher vnnd schrifften durchsuchen: wenn wir die
meinungen der weisen erkndigen, vnser gemte wieder die zueflle dieses
lebens auhrten, vnd alle knste vnnd wissenschafften durchwandern? So
war ich dieses fr meine grsseste frewde vnd lust auff der Welt halte,
so war wndsche ich, das die die in ansehung jhres reichthumbs vnnd
vermeineter vberflssigkeit aller notdurfft jhren stand weit vber den
vnserigen erheben, die genge vnd rhue, welche wir schpffen au dem
geheimen gespreche vnd gemeinschafft der grossen hohen Seelen, die von
so viel hundert ja tausendt Jharen her mit vns reden, empfinden solten;
ich wei, sie wrden bekennen, das es weit besser sey, viel wissen vnd
wenig besitzen, als alles besitzen vnd nichts wissen. Vber dieser
vnglaublichen ergetzung haben jhrer viel hunger vnd durst erlitten, jhr
gantze [K2b] vermgen auffgesetzt, vnd fast jhrer selbst vergessen.
Zoroaster, welcher, wie oben erwehnet, alle seine gedancken Poetisch
auffgesetzt, soll zwantzig Jhar in hchster einsamkeit zuegebracht
haben, damit er in erforschung der dinge nicht geirret wrde. Vnd da
alle andere wollsten vns vnter den hnden zuegehen, auch offtermals
nichts von sich vbrig lassen als blosse rewe vnd eckel; so begleitet vns
diese vnsere durch alle staffeln des alters, ist eine ziehr im
wolstande, vnd in wiederwertigkeit ein sicherer hafen. Derentwegen wolle
vns ja niemandt verargen, das wir die zeit, welche viel durch
Fressereyen, Bretspiel, vnntze geschwtze, verleumbdung ehrlicher
leute, vnd sonderlich die lustige vberrechnung des vermgens hinbringen,
mit anmutigkeit vnsers studierens, vnd denen sachen verschliessen,
welche die armen offte haben, vnd die reichen nicht erkauffen knnen.
Wir folgen dem, an welches vns Gott vnd die natur leitet, vnd au dieser
zueversicht hoffen wir, es werde vns an vornemer leute gunst vnd liebe,
welche wir, nebenst dem gemte vnserem Vaterlande zue dienen, einig
hierdurch suchen, nicht mangeln. Den verchtern aber dieser gttlichen
wissenschaft, damit sie nicht gantz leer augehen, wollen wir inn den
Tragedien so wir knfftig schreiben mchten die Personen derer geben,
welche in dem Chore nach erzehlung trawriger sachen weinen vnd heulen
mussen: da sie sich denn vber jhren vnverstand vnd grobheit nach der
lenge beklagen mgen.




[L1a] An den Leser.


Gnstiger Leser, weil ich bey verfertigung des Bchleins nicht gewesen,
ist es, sonderlich was die Griechischen wrter betrifft, etwas falsch
gesetzet worden; dessen ich euch hiermit errinnern wollen.[2]

  [2] _Hier folgt ein Verzeichniss von 30 Druckfehlern, die in unserem
  Abdrucke danach verbessert worden sind. Vgl. brigens die Einleitung,
  sowie den Abdruck des Verzeichnisses bei Witkowski S.206._

              -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Das vbrige, dessen ich vieleichte nicht gewahr worden; wollet jhr
vnbeschweret selber zu rechte bringen.

[L1b] Hierneben habe ich auch nicht sollen vnverwehnet lassen, das mir
vnlengst eines gelehrten mannes in der frembde schreiben zuekommen,
welcher der meinung ist, wann wir die eigentlichen namen der Gtter vnd
anderer sachen, als Jupiter, Orpheus, Phebus, Diana vnnd dergleichen in
vnsere sprache brchten, wrde sie nicht von allen verstanden werden,
vnd solte man sich dieselben Deutsch zue geben befleissen. Wie aber
solches vnmglich ist, vnd gleichwol von dieser art namen ein grosses
theil der Poeterey bestehet, also wissen wir, das es eben die
gelegenheit mit den Lateinern zum ersten gehabt, welche diese wrter
mehrentheiles von den Griechen vnd sonsten empfangen, vnd sie jhnen, wie
hernachmals auch in der Italienischen, Frantzsischen, Spanischen vnd
andern sprachen gesche-[L2a]hen, durch stetten gebrauch so gemeine
gemacht haben, das sie sie nicht weniger als ihre eigene wrter
verstanden. Indeen aber kndte es wol nicht schaden, das ein liebhaber
vnserer schnen Muttersprache jhm so viel zeit neme, vnd in derselben
ein sonderlich _Dictionarium_ oder Namenbuch der Vlcker, Leute, Gtter,
Lnder, rter, stdte, fle, porten, gebirge, vnd sonsten au den
geistlichen vnd weltlichen scribenten zuesammen trge. Wie dieses nun
blo an einer bemhung gelegen, weil _Caroli Stephani_ vnd anderer
bcher nur drfften auffgesucht vnd vmbgesetzt werden; also wrde jhm
ein solcher doch sehr guetes Lob vnd rhum, welchem die edelsten gemter
nachtrachten, bey mnniglich zu wege bringen. Gott befohlen.


                _Druck von Ehrhardt Karras, Halle a.S._




  [ Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei
    jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile
    steht.

  gewesen ist. Dieselben zeigen nicht nur keine Vernderungeu, sondern
  gewesen ist. Dieselben zeigen nicht nur keine Vernderungen, sondern

  B ab fehlt, so dass sich dieselben unsinnigen Druckfehler teils durch
  $B$ ab fehlt, so dass sich dieselben unsinnigen Druckfehler teils durch

  noch in OP vorhanden. Ebenso ist in derselben Zeile 3231 das =mgen=
  noch in $OP$ vorhanden. Ebenso ist in derselben Zeile 3231 das =mgen=

  A von 1624 in Betracht kommt.
  $A$ von 1624 in Betracht kommt.

      { n pote toi chronos houtos en h hama pant' epephykei}
      {n pote toi chronos houtos en h hama pant' epephykei}

  So, weil das L vnd R flieende buchstaben kein kan ich mir [E4a] sie in
  So, weil das L vnd R flieende buchstaben sein kan ich mir [E4a] sie in

  halte, das Heinfius gleichfals grossen gefallen daran treget, der dieses
  halte, das Heinsius gleichfals grossen gefallen daran treget, der dieses

      Ton d hlion seln.
      Ton d' hlion seln.

        Au weh! ich bin tausendt tausendt schmertzen,
        Au weh! ich bin in tausendt tausendt schmertzen,
  ]





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     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
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     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
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     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
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     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

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forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
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1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
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Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
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liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

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in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

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warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
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interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
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with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.net

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
