The Project Gutenberg EBook of Agnes Bernauer, by Friedrich Hebbel

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Title: Agnes Bernauer

Author: Friedrich Hebbel

Posting Date: May 27, 2009 [EBook #4079]
Release Date: May, 2003
First Posted: December 11, 2001

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK AGNES BERNAUER ***




Produced by Michael Pullen and Mary Cicora










Agnes Bernauer

Ein deutsches Trauerspiel in fnf Aufzgen

Friedrich Hebbel



Personen:


Ernst, regierender Herzog zu Mnchen-Bayern

Albrecht, sein Sohn

Hans von Preising, sein Kanzler

Marschall von Pappenheim,
Ignaz von Seyboltstorf,
Wolfram von Pienzenau und
Otto von Bern, Ritter auf der Seite des Herzogs Ernst

Graf Trring,
Nothhafft von Wernberg und
Rolf von Frauenhoven, Ritter auf der Seite des Herzogs Albrecht

Hans von Lubelfing, ein Ritter von Ingolstadt

Emeran Nusperger zu Kalmperg, Richter zu Straubing

Caspar Bernauer, Bader und Chirurgus zu Augsburg

Agnes, seine Tochter

Theobald, sein Geselle

Knippeldollinger, sein Gevatter

Hermann Nrdlinger, Brgermeister zu Augsburg

Barbara und
Martha, Brgermdchen

Stachus, ein Diener

Der Kastellan auf Vohburg und Straubing

Ein Herold des Reichs

Ein Legat der Kirche

Volk, Ritter und Reisige in groen Massen


Die Handlung ereignet sich zwischen 1420 und 1430.


Erster Akt
Zweiter Akt
Dritter Akt
Vierter Akt
Fnfter Akt





Erster Akt

Augsburg.



Erste Szene

Baderstube.

Theobald (allein, einen Blumenstrau in der Hand).  Ich wei nicht,
was ich tun soll.  (Er hlt den Blumenstrau empor.)  Zertret ich
dich?  Um die schnen Rosen wr's schade, die sind unschuldig!  Oder
berreich ich dich?  Nein, gewi nicht, und das htt' ich ihm gleich
gesagt, dem Herrn Ungetreu, der zu glauben scheint, da ich keine
Augen habe, und kein Herz, und kein Blut, wenn--ja, das war's ja!
Ich wollte sie prfen!  Da kommt sie!  Mit dem Morgensppchen des
Vaters!  Oh, wie das schmecken mu!  Wenn die fr mich einmal kochte,
ich--(Verbirgt den Strau.)



Zweite Szene

Agnes (tritt ein mit einer Suppe).  Guten Morgen, Theobald!

Theobald.  Danke schn, Jungfer, danke schn!  Wohl geschlafen?

Agnes.  So sollt' ich Euch fragen!  Ihr werdet oft herausgeklopft,
wenn sie gerauft haben, und ein Pflaster brauchen.

Theobald.  Das bemerkt Ihr?  (Fr sich.)  Ich geb ihr den Strau und
bestelle alles!  Wenn sie dann ein Gesicht macht und pfui sagt und
mich anfhrt: dazu gibst du dich her-

Agnes.  Was verbergt Ihr denn hinter dem Rcken?

Theobald (zeigt den Strau).  Ja so, das htt' ich bald vergessen!

Agnes.  Ah, der ist schn!  Gebt ihn mal her!  (Sie riecht.)  Wenn wir
doch auch einen Garten htten!  Wessen Namensfest ist denn heute?
(Sie will ihn zurckgeben.)

Theobald.  Behte, er gehrt Euch!

Agnes.  Mir?  Oh, da dank ich!  Aber da geht's mit Eurem alten Ohm
wohl bald zu Ende?

Theobald.  Mit meinem Ohm?

Agnes.  Nun ja, weil er seine Blumen zu verschenken anfngt, das
pflegt ein Grtner nicht zu tun, und gekauft habt Ihr sie doch gewi
nicht?

Theobald.  Er ist nicht von mir!

Agnes.  Nicht von Euch?  Von wem denn?

Theobald.  Ratet!

Agnes.  Von--Nein, Barbara kann's nicht sein, die sieht mich nicht
mehr an, ich wei zwar nicht, warum.

Theobald.  Es ist keine Sie!

Agnes.  Keine Sie?  Und Ihr seid's auch nicht?  (Sie legt den Strau
auf den Tisch.)

Theobald.  Gottlob, ihr fllt sonst niemand ein!

Agnes.  Aber, da mu ich Euch doch fragen-

Theobald.  Scheltet nur!  Ich wollt's blo wissen!

Agnes.  Was?

Theobald.  Ob Ihr vielleicht in der Kirche nach ihm geblinzelt, oder
ihm wohl gar bei einem Tanze die Hand gedrckt httet!

Agnes.  Wem denn?

Theobald.  Es ist schon gut, wenn Ihr nicht von selbst auf ihn kommt!
(Er nimmt den Strau.)  Ha, unserer alten Gertrud will ich ihn jetzt
verehren, die soll ihn an die platte Brust stecken, wenn sie auf den
Markt humpelt, und sich mit einem Knicks bedanken, wenn sie sich an
dem Hause vorbeischiebt!  (Er springt.)  Ich knnte jetzt--(Er singt.)

Wenn zwei sich die Hnde geben-
Jungfer, es ist ein schnes Lied!
(Singt wieder.)


Und wer ein guter Geselle ist,
Der wird wohl auch ein Meister!


Oder ist das nicht wahr?

Agnes.  Ihr seid zu frh lustig!  Spt am Abend ist besser, als frh
am Morgen.

Theobald.  Und doch singen die Vgel, wenn sie erwachen, und nicht,
wenn sie einschlafen.  (Er fat ihre Hand.)

Agnes (zieht sie zurck).  Was wollt Ihr?

Theobald.  Blo nachsehen, ob--Ihr habt sie mir einmal gelassen!

Agnes.  Als Ihr mir eine Ader ffnen solltet!

Theobald.  Nun freilich!  (Er nimmt die Hand wieder.)  Lie mein
Schnepper keine Spur?  Ich machte es ungeschickt!

Agnes.  Zittert Ihr immer so dabei, wie damals?

Theobald.  O nein! mir ward nur so wunderlich, als ich Euch weh tun
sollte.  Aber wie rot Euer Blut ist!  (Fr sich.)  Aus meinen Lippen
htt' ich gern den Verband gemacht, wenn der Vater nicht
dabeigestanden wre!



Dritte Szene

Knippeldollinger (ruft ins Fenster).  Guten Morgen, Patchen!

Agnes.  Guten Morgen, Herr Gevatter!

Theobald.  Ist der alte Geck auch schon da?

Knippeldollinger.  Ich habe von Euch getrumt!

Agnes.  Danke der Ehre.

Theobald.  Von deinem Begrbnis htt'st trumen sollen!  Das htt'
sich besser geschickt.

Knippeldollinger.  Kirschen gab ich Euch, von den groen, fremden,
die ich an der Mauer aufziehe!

Agnes.  Sind die schon so weit?

Knippeldollinger.  O ja, es kommt heut abend ein Korb voll davon aufs
Tanzhaus!

Theobald.  Da werden sie gut bezahlt!

Knippeldollinger.  Und whrend Ihr sie verzehrtet, fhrte ich Euch
spazieren!

Theobald (laut).  Auf den Kirchhof, jawohl, ich war mit dabei!

Knippeldollinger.  Spavogel, ist Er auch da?

Theobald.  Ihr tratet auf einen Totenkopf, und der schnappte nach
Euch, es war der von Eurer letzten Frau!

Agnes.  Pfui!

Knippeldollinger.  Nicht doch, nicht doch, Patchen, ein Bader mu
spaig sein, man will doch was hren, wenn man sich den Bart oder das
Haar scheren lt.  Der Theobald taugt zum Geschft!  Nur in die
Ohren mu er niemanden schneiden, wie neulich mir!  Nun, geh ich
heute leer aus, bekomm ich das Patschchen nicht?

Agnes.  Ich habe wieder die Blattern!

Knippeldollinger.  Halt mir das nicht immer vor!  Nun, ich werde dich
nachher noch sehen, denn die Muhme wird dich zum Turnier abholen, ich
habe fr Pltze gesorgt.  Das wollt' ich dir eigentlich sagen!

Agnes.  Danke!  Zwar wei ich nicht-

Knippeldollinger.  Ei, es kommt nicht alle Tage.  Ritter, Grafen und
Barone sind schon hier in Augsburg selten, nun gar ein Herzog von
Bayern--der Tausend, da wird niemand, als der Scharfrichter mit seinen
Freiknechten fehlen, der freilich gute Grnde hat, nicht unter
ehrlichen Christenmenschen zu erscheinen!



Vierte Szene

Theobald.  Da humpelt er hin auf seinen drei Beinen.  Ihr steht doch
in seinem Testament?  Nun, recht hat er, es wird lustig zugehen, ich
freu mich auch!  (Es wird etwas durchs Fenster geworfen.)  Was ist
denn das?  Es klirrt ja!

Agnes.  Schlssel!



Fnfte Szene

Barbara (tritt in die Tr).  Darf ich sie wiederholen?

Agnes.  Barbara!

Barbara.  Agnes?

Agnes.  Du kamst lange nicht!

Barbara (nimmt die Schlssel auf).  Und jetzt hab ich hier etwas zu
tun!  Siehst du?

Agnes.  Wir waren immer so gut miteinander: was hast du jetzt gegen
mich?

Barbara.  Oh, das bin ich nicht allein!

Agnes.  Heilige Mutter Gottes, was sagst du da?

Barbara.  Du siehst deine Gespielinnen wohl gar nicht mehr an, da du
nicht weit, wie sie dich ansehen?

Agnes.  Es ist wahr, ich erhalte meinen Gru nicht immer so
freundlich zurck, wie ich ihn biete!

Barbara.  Glaub's!

Agnes.  Aber bei Gott, wenn mir das mit einer begegnete, so dacht'
ich: Sie hat schlecht getrumt oder sie ist von der Mutter gescholten
oder sie hat ihren Ring verloren-

Barbara.  Dabei kamst du denn freilich gut weg.

Agnes.  Was tu ich denn?  Sag's!

Barbara.  Tun!  Was tun!  Wenn's schon so weit gekommen wre, so
wrde man leicht mit dir fertig!

Agnes.  Barbara!

Barbara.  Sag doch einmal, warum--(Sie zeigt auf Theobald.)  Nun, da
steht ja gleich wieder einer und gafft!  (Zu Theobald.)  Nicht wahr,
ich bin gar nicht da!  (Zu Agnes.)  Gehst du heute?  Zum Turnier, mein
ich!  Ja?  Nun, da will ich's allen ansagen, damit sie zu Hause
bleiben, ich zuerst!

Agnes.  Das ist zu arg, das mu mein Vater wissen.

Barbara.  Bewahre!  Niemand red't dir was bles nach!

Agnes.  Und doch flieht man mich?  Doch will man mich ausstoen?

Barbara.  Agnes, sieh mich mal an!

Agnes.  Nun?

Barbara.  Wie wr' dir wohl zumute, wenn--la uns hinaufgehen in
deine Kammer!

Theobald.  Ich will nicht im Wege sein, wenn gebeichtet werden soll!
(Ab.)

Barbara.  Ja, wie wr' dir zumute, wenn du, wie sag ich, nun, wenn du
einen gern httest, und der htte nur Augen fr mich?

Agnes.  Wie soll ich das wissen!

Barbara.  So will ich's dir sagen!  Du wrdest--Doch ich will mich
nicht lcherlich machen, du weit es selbst recht gut!  Und meinst du,
da es anderen besser geht?  (Bemerkt den Strau.)  Woher kommt der?

Agnes.  Das wei ich nicht!

Barbara.  Nicht?  Kommen so viele?  Wenn er von meinem Wolfram kme,
ich--Und es ist gern mglich, gerade die Blumen stehen in seinem
Garten!  Gestern den ganzen Tag sah ich nach seinem Vetter, zwang
mich, dem gleichgltigen Menschen verliebte Blicke zuzuwerfen und
dachte, er wrde rasen.  Abends, als wir zu Hause gingen, strich er
den Burschen selbst gegen mich heraus, es war ihm recht gewesen, ich
hatte ihm einen Gefallen damit getan!

Agnes.  Arme!

Barbara.  Daran bist du schuld, niemand schuld, als du!  Als er dich
noch nicht kannte, hing er an mir, wie eine Klette.  In den
Brenzwinger wr' er fr mich hinabgestiegen und htte meinen
Handschuh heraufgeholt.  Und nun--pfui!

Agnes.  Du schiltst mich, und ich wei nicht einmal, wovon du
sprichst!

Barbara (nimmt den Strau).  Ich will schon dahinterkommen, ich nehm
ihn mit!

Agnes.  Mir gleich!

Barbara.  Allen machst du abspenstig, was ihnen gehrt!  Ich wrde
mich schmen!

Agnes.  Kannst du sagen, da ich auch nur einen ansehe?

Barbara.  Das ist's vielleicht eben!  Nonne und doch keine!  Heilige,
aber noch nicht im Himmel!  Die mu man Gott abjagen!  Da mu man
alles daransetzen!  Ei, sei, wie wir, kuck auf, sprich, und es wird
sich geben!

Agnes.  Tt' ich's, so wrdest du wieder schmlen!

Barbara.  So geh ins Kloster, wirf den Schleier ber, den niemand
heben darf!  Ich dich um Vergebung bitten?  In Ewigkeit nicht!

Agnes.  Wer verlangt's denn?

Barbara.  Mein Beichtvater!  Glaubst du, ich kam von selbst?  Aber
nein, lieber auf Erbsen knien!  (Hlt den Strau in die Hhe.)  Den
werd ich ihm jetzt schenken!  Kennt er ihn nicht, so schick ich dir
einen doppelt so schnen!  (Ab.)

Agnes.  Sie tut mir leid!  Aber kann ich's ndern?



Sechste Szene

Theobald (tritt wieder ein).  Die hat die arme Gertrud ja beraubt!

Agnes.  Sie scheint den Verstand verloren zu haben!

Theobald.  Das mcht' ich doch nicht sagen!

Agnes.  So htte sie recht?

Theobald.  Ich glaube fast!  Jungfer, ich knnt' Euch alle Morgen-



Siebente Szene

Caspar Bernauer (tritt mit einem Buch ein, das in ein rotes Tuch
gewickelt ist; zu Agnes).  Ja, ja, ja!  Wenn ich nur nicht mit soll!
Nun geh hinauf und lege dein Kettlein an.  Sie blasen schon am
Fronhof.

Agnes.  Nein, Vater, ich bleibe zu Hause!

Caspar Bernauer.  Wie?  Was?  Warum wartest du hier denn auf mich?
(Zu Theobald.)  An den Destillierkolben!  Das Feuer wird zu schren
sein!

Theobald (geht ab).

Caspar Bernauer.  Nun?

Agnes.  Vater, all die Augen--es ist mir, als ob mich geradesoviel
Bienen stchen!  Und Er wei ja, sie sehen alle nach mir!

Theobald (tritt wieder ein).

Caspar Bernauer.  Sieh du sie wieder an!  Nun, wenn du lieber deinen
Rosenkranz abbetest, meinetwegen!  (Sieht sich um, zu Theobald.)  Noch
keine Salben abgerhrt?  Hat der Hahn heut morgen nicht gekrht?

Theobald (geht ans Geschft).

Agnes.  Barbara war hier, alle hassen mich, ich verderb ihnen den Tag,
wenn ich komme.

Caspar Bernauer.  Und darum willst du ausbleiben?  Nichts da!  Dann
drfte der beste Ritter ja auch nicht kommen, denn der verdirbt den
brigen ja auch den Tag.  Und der nchstbeste ebensowenig, und wer
noch, bis auf den letzten, der nur zum Umpurzeln da ist!  Torheit und
kein Ende!  Hinauf!  (Zu Theobald.)  Und du hole die Flasche mit dem
Wundwasser herunter!

Beide (ab).



Achte Szene

Caspar Bernauer.  Die Suppe ist kalt geworden!  Ich nehm's fr
genossen!  (Legt das Buch auf den Tisch.)  Bischfliche Gnaden haben
recht, wenig bring ich heraus und gerade die Hauptsachen nicht, die
vom Hippokrates, denn die sind griechisch.  Ich mu es so
zurcktragen.



Neunte Szene

Knippeldollinger (tritt herein).  Guten Morgen, Gevatter!  Ah!  Das
ist wohl ein Buch?  Ja?

Caspar Bernauer.  Und das ist wohl ein funkelnagelneues Wams?

Knippeldollinger.  Nun, wenn alte Leute nichts mehr machen lieen,
wrde mancher Schneider hungern!  (Sieht ins Buch.)  Herrje, wie kraus
und bunt!  Und das versteht Ihr, wie der Bischof?

Theobald (tritt mit der Flasche ein und macht sich wieder zu tun).

Caspar Bernauer.  Ihr mt immer fragen!

Knippeldollinger.  Wie alt das wohl ist?

Caspar Bernauer.  Seit der Kreuzigung unseres Herrn und Heilandes
Jesu Christi sind jetzt verflossen
eintausendvierhundertsechsundzwanzig Jahre, aber der Autor dieses
Buches, das ist zu sagen der Urheber, nmlich der Mann, der es
gemacht hat, war schon ber vierhundert Jahre tot, bevor der Herr auf
Erden im Fleisch unter uns erschien.

Knippeldollinger.  Macht an die zweitausend Jahre!  Sollte man's
glauben, da es Leute gibt, die solche Bcher so lange aufheben?  Es
ist doch kein Gold!  Denkt nur an all die Feuersbrnste und
berschwemmungen, an Pestilenz und Seuchen!  Sieh, sieh!

Caspar Bernauer.  Es gab immer gelehrte Mnner!

Knippeldollinger.  Freilich, freilich!  Was gab's nicht!  Wenn man
das so erwgt, Gevatter, und gehrig bedenkt--Ja, ja!  Nicht wahr?
Sagt selbst!

Caspar Bernauer.  Ich wei nicht, was Ihr meint!

Knippeldollinger.  Ho, ho!  Besser, als ich!  Damit kommt Ihr mir
nicht durch.  Nun, wie Ihr wollt!  Wo bleibt denn mein Patchen?  Die
Muhme wird schon warten!

Caspar Bernauer.  Ja, die hatte Grillen!  (Zu Theobald.)  Spring
einmal zu ihr hinauf!  Bring gleich das Besteck mit!  Wir werden's
brauchen.

Theobald (ab).

Knippeldollinger.  Ihr geht nicht auch?  Wir knnten zusammenrcken!

Caspar Bernauer.  Mich kmmern bei einem Turnier nur die Beulen und
Wunden, und die krieg ich hier schon zu sehen, denn man trgt mir die
Krppel her!

Knippeldollinger.  Aber der Herzog, der Herzog von Bayern-

Caspar Bernauer.  Mich lstet nicht nach seiner Bekanntschaft, und ich
will ihm wnschen, da er auch die meinige nicht suchen mu, denn dazu
fhrt nur ein Rippenbruch!  Heut abend ist das was anders.

Knippeldollinger.  Denkt Euch, hinter der alten Klostermauer, wo mein
Vetter wohnt, hat man letzte Nacht einen Toten gefunden!

Caspar Bernauer.  Da ist viel zu wundern!  Kommen jemals
Reichsknechte nach Augsburg, ohne da es etwas gibt?

Knippeldollinger.  Wohl!  Aber dieser ist so entstellt, da man ihn
gar nicht mehr erkennen kann!

Caspar Bernauer.  So soll man drei Tropfen seines Blutes nehmen und
sie um Mitternacht, mit einem gewissen Liquor vermischt, auf eine
glhende Eibenkohle trufeln.  Dann wird der Verstorbene im Dampf
erscheinen, wie er leibte und lebte, aber in durchsichtiger Gestalt,
gleich einer Wasserblase, mit einem dunkelroten Punkt in der Mitte,
der das Herz vorstellt.

Knippeldollinger.  Ei!  Ei!  Habt Ihr den Liquor?

Caspar Bernauer.  Wenn Ihr ihn httet, so lieet Ihr's durch den
Ratsweibel ausrufen!



Zehnte Szene

Agnes (kommt im Putz.  Theobald folgt).

Knippeldollinger.  Sieh da!  (Fat ihre Hand.)  Nun bekomm ich sie
doch?

Caspar Bernauer (zu Agnes).  Soll ich dir jetzt mit dem Korkstpsel
ein neues Gesicht machen, wie zum Schnbartlaufen, da du das alte
nicht gern mehr herumtrgst?

Agnes.  Kommt, Gevatter!

Knippeldollinger (fhrt sie ab, in der Tr).  Wit Ihr, da der
Syndikus sich wieder verheiratet?  Er ist zehn Jahr lter, wie ich!

Caspar Bernauer.  Ihr irrt, nur fnf!  Viel Vergngen!  Wenig
Rippenste!

Knippeldollinger (mit Agnes ab).



Elfte Szene

Caspar Bernauer.  Alter schtzt vor Torheit nicht!  Nun, Caspar,
nicht hochmtig, du hast wohl auch deinen Sparren!  (Zu Theobald.)
Geh nur auch, aber sei zur rechten Zeit wieder da!  Du siehst's ja
schon!  Wenn sie einen forttragen!

Theobald (ab).



Zwlfte Szene

Caspar Bernauer (nimmt das Buch wieder).  Ich will's noch einmal
versuchen!  Ich schm mich doch, es so wiederzubringen!  Wahrhaftig,
mich rgert der babylonische Turmbau weit mehr, als der Sndenfall,
denn ohne den sprchen wir mit unserer einen Zunge doch auch nur eine
Sprache, und verstnden uns nicht blo, wenn wir schreien.  Das hat
mich schon in meiner Jugend verdrossen.  Wie gern wr' ich als
Geselle in die weite Welt gegangen, ob ich das Einhorntier, den Vogel
Phnix, die Menschen, die auf Bumen wachsen, irgendwo zu sehen
bekme, oder gar in der Trkei, wo sie doch gewi viele unschuldig
hngen, ein Alrunchen erwischte!  Aber dann dacht' ich immer: du
verstehst die Leute ja nicht und sie dich auch nicht! und blieb
daheim!  (Ab.)




Herberge.



Dreizehnte Szene

Herzog Albrecht, Freiherr von Trring, Nothhafft von Wernberg und
Ritter Frauenhoven, vom Turnier kommend, nebst Knappen und Dienern.
Brgermeister Nrdlinger.

Albrecht.  Ich danke jetzt, Herr Brgermeister, ich danke fr das
Geleite!

Brgermeister.  Gestrenger Herr, ich kenne meine Pflicht!  (Ruft.)
Wein her!

Nothhafft von Wernberg (zum Herzog).  Ihr knnt ihn nicht vor dem
Trunk verabschieden.

Albrecht.  Frauenhoven!

Frauenhoven.  Was ist's?

Albrecht.  Hast du das Mdchen gesehen--Aber, du mut ja, du mut ja!

Frauenhoven.  Welche denn?

Albrecht.  Welche!  Ich bitte dich, geh, ihr nach!  Vom Pferd htt'
ich mich geworfen und wre ihr gefolgt, wenn nicht (er zeigt auf den
Brgermeister) der da-

Brgermeister (mit einem Pokal).  Gestrenger Herr, die reichsfreie
Stadt Augsburg heit Euch nach ruhmvoll bestandenem Turnier in Eurer
Herberge willkommen, und dankt Euch, da Ihr ihre Patrizier einer
Lanze gewrdigt habt.

Albrecht (trinkt).  Sie lebe hoch, denn sie verdient's!  Ha, wo solch
ein wunderbares Licht der Schnheit leuchtet--(streift sich mit der
Hand ber die Stirn) ja, sie verdient's!  (Wendet sich.)  Frauenhoven,
du bist noch da?

Frauenhoven.  Aber-

Brgermeister.  Verhoffe demnach-Albrecht.  Heute abend auf dem
Tanzhaus--das versteht sich!  Nichts kann mich zurckhalten,
vorausgesetzt, da auch sie--Verzeiht, ich bin ganz verwirrt!  Ein
Bote von meinem Vater-Brgermeister.  Ich hatte die Einladung nach
Amtspflicht zu wiederholen, mu jedoch als Patrizier bemerken: es
ist nicht blo Geschlechter-Tanz.  Auch die Znfte kommen!

Albrecht.  Ich wollte, die ganze Stadt wre da!

Brgermeister.  Empfehle mich zu Gnaden!  (Ab.)



Vierzehnte Szene

Albrecht (zu Frauenhoven).  Und nun, du lieber, lieber Herzensfreund,
schnell, schnell!  Oder besser: ihr alle!  Du die eine Strae
hinunter, du die andere, du die dritte!

Frauenhoven.  Ihr gabt mir heut morgen den Auftrag, dem Werdenberg
nachzureiten!  Er hat Euch Eure Braut, die Grfin von Wrttemberg,
entfhrt, wit Ihr's noch?

Albrecht.  Nenne sie nicht mehr!

Nothhafft von Wernberg.  Ja, und ich sollte dem Wrttemberger die
Schlssel von Gppingen abfordern, weil die Heirat durch die Flucht
seiner Tochter unmglich geworden sei, und also das Reugeld
herausgezahlt werden msse!

Trring.  Und ich sollte nach Mnchen zu Hof und Eurem Vater beides
melden!

Albrecht.  Das ist vorbei, das ist, als ob's nie gewesen wre!  Ich
jauchze, da Elisabeth eine Kette zerbrochen hat, die ich sonst
selbst zerbrochen haben wrde.  Ich will nicht einen Dachziegel von
Gppingen oder einen Pfenning zur Auslsung, denn ich knnte mir das
Leben, das Atemholen, ebensogut bezahlen lassen, wie meine neue
Freiheit, und was meinen Vater betrifft, so steht mir seit lange eine
Bitte an ihn zu, und das soll die sein: da er es ganz so verhalten
mge, wie ich!

Trring.  Dieser Wechsel ist rasch!

Nothhafft von Wernberg.  Und kostet Bayern fnfundzwanzigtausend
Gulden!

Albrecht.  Ich kenn euch nicht mehr!  Knapp', schl mich ab, ich will
selbst fort, und in diesem Aufzug schlepp ich einen Schweif von
Hunderten hinter mir her.

Ein Knappe (entkleidet den Herzog des Panzerhemdes usw.).

Albrecht.  Da liegt der Herzog!--Habt ihr Augen?  (Schnallt sein
Schwert ab.)  Und da der Ritter!  Blumen her, da ich sie vor ihr
ausstreuen kann, wo ich sie finde!  (Setzt ein Barett auf.)  Wird mich
nun noch jemand erkennen?

Trring.  Ohne Schwert?  Jeder wird sich zu tuschen glauben!

Albrecht (indem er abgeht).  Freunde, habt Geduld mit mir!  (Ab.)

Trring.  Begreift ihr das?

Nothhafft von Wernberg.  Herzog Ernst wird Augen machen!  Der besinnt
sich etwas lnger, wenn sich's um den Verlust von
fnfundzwanzigtausend Gulden handelt.

Frauenhoven.  Brder, richten wir nicht, da wir nicht gerichtet
werden!  Das haben wir alle entweder hinter uns oder vor uns.  Wenn
ihr's noch nicht wit, so seht ihr's jetzt, warum unsre Altvordern
fr das Weib den Namen Mannrausch erfanden!  Doch diesen Rausch
vertreibt man durchs Trinken, wie den andern durch Enthaltsamkeit; je
tiefer der Zug, je rascher die Nchternheit!  Darum mssen wir ihm
beistehen!

Nothhafft von Wernberg.  Aber die absonderlichen Reden wollen wir uns
merken, wir knnen sie einmal wieder ausspielen, sei's auch nur, um
uns selbst unsrer Haut gegen ihn zu wehren.  "Habt ihr Augen?--Blumen
her!--Ich kenn euch nicht mehr!" Damit belad ich meinen Esel.
Sammelt ihr auf, was heut abend abfllt, denn ohne Zweifel trifft der
neue Adam seine Eva beim Tanz.  Vielleicht ist's der Engel von
Augsburg!

Trring.  Der Engel von Augsburg?

Nothhafft von Wernberg.  So nennt man hier eine Baderstochter, Agnes
Bernauer, deren Schnheit die halbe Stadt verrckt machen soll.
Wollen wir die Bude ihres Vaters einmal aufsuchen?  Wir knnen uns
die Brte stutzen lassen, und wer wei, ob wir das Wunder bei dieser
Gelegenheit nicht zu sehen bekommen.

Frauenhoven.  Topp!

(Alle ab.)




Groer Saal im Tanzhause der Stadt.
Festlich geschmckt mit den Panieren der Znfte und den Wappen der
Geschlechter.
Abend.  Die Gste versammeln sich rasch, die Zunftmeister empfangen.



Fnfzehnte Szene

Brgermeister Hermann Nrdlinger kommt mit Nothhafft von Wernberg.

Brgermeister.  Ja, Herr Ritter, so luft nun alles seit jenem
unseligen Katharinen-Abend, wo wir den Pbel mit in den Rat aufnehmen
muten, bei uns durcheinander!  Perlen und Erbsen in einem Sack, der
Herzog wird das Ausklauben mhsam finden, mich wundert, da er kommt!

Nothhafft von Wernberg.  Ihr habt Euch noch immer nicht gewhnt?  Es
ist doch schon lange her.

Brgermeister.  Noch nicht lange genug, da die Hoffnung auf die
Rckkehr der guten alten Zeit schon ganz erstickt sein sollte.  Seht
den Dicken da, das ist der Zunftmeister der Bcker, der macht die
Ehre der Stadt.  Seht doch hin!  Wenn er dem ankommenden Gast, den er
zu begren hat, nicht mit seinem Stierkopf den Brustkasten einstt,
so zerschmettert er einem schon anwesenden ganz sicher durch den
Kratzfu das Schienbein!  Was sagt Ihr?  Ist's nicht, als wenn ein
Pferd ausschlge?  Und das sollte man gewhnen!

Nothhafft von Wernberg.  Ihr httet Euch besser wehren sollen!

Brgermeister.  Wir wurden berrumpelt!  Kaiser und Reich htten uns
besser beistehen sollen!  Was ntigte die Majestt, den vermaledeiten
Zunftbrief, der uns abgezwungen wurde, hinterher mit Ihrem Siegel zu
versehen?  Wir hatten genug zu tun, da wir uns nur nicht selbst
unter die Metzger und Handschuhmacher aufnehmen lassen und unsere
alten Namen mit neuen vertauschen muten.  Denn das wurde verlangt.



Sechzehnte Szene

Frauenhoven und Trring kommen.

Frauenhoven.  Da steht der Brgermeister, der kann es uns sagen!
(Tritt zum Brgermeister heran.)  Ist es wahr, wie man im Reich
erzhlt, da der Boden von Augsburg keine Ratten duldet?

Brgermeister.  Gewi ist es wahr, man trifft dies Ungeziefer nimmer!
Das war schon so zu den Zeiten des Drusus.

Trring.  Kurios!



Siebzehnte Szene

Trompeten.

Brgermeister.  Seine Gnaden der Herzog!  (Eilt zum Eingang und
begrt den eintretenden Herzog Albrecht.)

Albrecht (tritt zu Frauenhoven, Trring und Nothhafft von Wernberg
heran).  Da seid ihr!

Frauenhoven.  Wir haben den ganzen Nachmittag gesucht-

Albrecht.  Und gefunden-Nothhafft von Wernberg.  Eben jetzt!

Albrecht.  Mich, meinst du!  Oh, kstlicher Fund!  Ich bedanke mich!

Frauenhoven.  Ich strich allein und-

Albrecht.  Es ging dir besser, wie mir?  Du entdecktest ihre Spur!

Frauenhoven.  Ja!

Albrecht.  Warum treff ich dich erst jetzt!

Frauenhoven.  Dies Mdchen--Oh!  Wohl hattet Ihr recht, uns zu fragen,
ob wir Augen htten!

Albrecht.  Du liebst sie auch?

Frauenhoven.  Knnt' ich anders?

Albrecht.  Frauenhoven, das ist ein groes Unglck!  Ich glaub's dir,
da du nicht anders kannst, es wre Wahnsinn von mir, wenn ich
verlangte, da du entsagen solltest, hier hrt die Lehnspflicht auf.
Aber wahrlich, auch die Freundschaft, hier beginnt der Kampf um Leben
und Tod, hier fragt sich's, in wessen Adern ein Tropfen Bluts
brigbleiben soll!  Du lchelst?  Lchle nicht!  Wenn du das nicht
fhlst, wie ich, so bist du nicht wert, sie anzusehen!

Frauenhoven.  Diese pechschwarzen Augen--und wie sie den Hals trgt,
recht, um sich daran aufzuhngen und vor allem diese kastanienbraunen
Haare-

Albrecht.  Faselst du?  Goldne Locken sind's, die sich um ihre
Stirn ringeln--demtiger ward nie ein Nacken gesenkt und ihre Augen
knnen nicht schwarz sein!  Nein, nein, wie Meeresleuchten traf mich
ihr Strahl, wie Meeresleuchten, das pltzlich fremd und wunderbar aus
dem sanften blauen Element aufzuckt und ebenso pltzlich wieder
erlischt!

Frauenhoven.  Gndiger Herr, ich wei nichts von ihr, es war ein
Scherz, den Ihr dem lustigen Ort, wo wir uns befinden, verzeihen mgt!

Albrecht.  So flieh! flieht alle, da nicht Ernst daraus wird,
frchterlicher Ernst, denn ich sage euch, die sieht keiner, ohne die
hchste Gefahr!



Achtzehnte Szene

Agnes (erscheint, von Caspar Bernauer und Knippeldollinger begleitet).

Albrecht (ausbrechend).  Da ist sie!

Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven. (zugleich).  Wunderschn, das
ist wahr!

Trring.  Und der Engel von Augsburg, das ist auch wahr!  Dort steht
ja der Vater!

Albrecht.  Kennst du sie?

Trring.  Man nennt sie hier allgemein den Engel von Augsburg.  Sie
ist die Tochter eines Baders, gndiger Herr!  Wir lieen uns vorhin
die Brte bei ihm stutzen.  (Er zeigt auf seinen Bart.)  Seht Ihr?
Der Mann ist geschickt, nicht wahr?  Es knnte dem Eurigen auch nicht
schaden!  (Er tritt auf die Gruppe zu.)  Guten Abend, Meister, da
sehen wir uns schon wieder!

Caspar Bernauer.  Viel Ehre fr mich!

Albrecht (folgt, zu Agnes).  Jungfrau, warum erteilt Ihr auf den
Turnieren nicht den Dank?  Was durch Eure Hnde geht, ist edler, als
Gold, und kstlicher, als Edelstein, wr's auch nur ein grner Zweig,
vom nchsten Busch gebrochen!

Caspar Bernauer.  Meine Tochter ist an solche Reden nicht gewhnt,
gndiger Herr; fragt sie aus den sieben Hauptstcken unseres
allerheiligsten Glaubens, und sie wird nicht verstummen!

Agnes.  Nicht doch, Vater, der Herzog von Bayern will seine Braut so
anreden und macht bei der Brgerstochter von Augsburg nur die Probe!

Caspar Bernauer.  Wohl gesprochen, Agnes, aber zum Antworten hast du
keine Vollmacht, darum danke Seiner Frstlichen Gnaden fr die
Herablassung und komm!

Albrecht.  Warum, strriger Alter?  Noch habe ich ja kaum den Ton
ihrer Stimme gehrt, noch kamen die vierundzwanzig Buchstaben nicht
alle ber ihre Lippen!  (Abgewandt.)  Ha, ich knnt' sie bitten:
sprich dies Wort aus, oder das, oder jenes, nicht des Sinns wegen,
nur damit ich erfahre, mit wieviel Musik dein Mund es beschenkt!  (Zu
Caspar Bernauer.)  Ihr geht doch?  So mt Ihr mir gestatten, Euch zu
begleiten!  Euer Schatten weicht eher von Euren Schritten, als ich!

Caspar Bernauer.  Euresgleichen wrde neidisch werden!

Trring (fat Caspar Bernauer unter dem Arm).  Bayerns Herzog hat
hier seinesgleichen nicht!

(Er fhrt ihn ab, Nothhafft von Wernberg gesellt sich zu
Knippeldollinger und folgt.)

Albrecht (zu Agnes, die ebenfalls folgt und sich ihrem Vater zu
nhern sucht).  Mdchen, ich tuschte mich nicht, du hast heut morgen
nach mir gesehen.  Galt der Blick mir oder meinem venezianischen
Helmbusch?

Agnes.  Ich zitterte fr Euch, gndiger Herr, Ihr schautet zu mir
herber und rittet gegen den Feind, ich dachte, Ihr mtet Schaden
nehmen!

Albrecht.  Und das war dir nicht gleichgltig?

(Sie verlieren sich, nebst den andern, im Gewimmel.)

Barbara (mit Martha und andern Mdchen hervortretend).  Ha, ha, ha!
Sagt' ich's euch nicht, da es besser sei, zu Hause zu bleiben?  Nun
freut euch, wenn ihr knnt!

Martha.  Ei, dies ist ja gut!  Wenn der Herzog sie mitnimmt, steht
sie uns ebensowenig mehr im Wege, als wenn sie gen Himmel fhrt!

Barbara.  Mitnimmt!  Wo denkt ihr hin!  Er wird sie schon hier lassen!
Aber sie wird noch im Wert steigen, nun auch er genickt hat!  Seht
euch nur um, wie alles kuckt und flstert!

(Gehen vorber.)

Nothhafft von Wernberg (kommt mit Knippeldollinger, ihm tritt
entgegen:)

Brgermeister Nrdlinger (mit einem Frulein).  Herr Ritter--meine
Base, Juliana Peutinger--sie hat des Kaisers Majestt schon als
vierjhriges Jungfrulein im Namen des Rats mit einer kleinen
lateinischen Rede begrt!  Ich mchte sie Seiner Gnaden gern
auffhren!

Nothhafft von Wernberg (mit ihm weitergehend).  Nachher, Herr
Brgermeister, nachher!  (Leise.)  Der Herzog ist von den Brgern so
warm empfangen worden, sie haben sich die Kehle fast abgeschrien, Ihr
seht, er bezeugt sich dankbar!

(Gehen vorber.)

Albrecht (kommt mit Agnes).  Nun sprich auch du!  Was sagst du dazu?

Agnes.  Mir ist, als hrt' ich eine Geige mehr, s klingt's, auch
trumt sich's schn dabei.

Albrecht.  Ich frage dich, ob du mich lieben kannst!

Agnes.  Das fragt eine Frstentochter, doch nicht mich!

Albrecht.  O sprich!

Agnes.  Schont mich, oder fragt mich, wie man ein armes Menschenkind
fragt, von dem man glaubt, da ein ungeheures Unglck es treffen
knne!

Albrecht.  Dies Wort-

Agnes.  Legt's nicht aus, ich bitt Euch, zieht niemanden die Hand weg,
wenn er sie ber die Brust hlt.

Caspar Bernauer (der mit Trring gefolgt ist und sich Agnes zu nhern
sucht).  Morgen, Herr Graf, morgen!

Knippeldollinger (der mit Nothhafft von Wernberg neben den beiden
geht, zu Trring).  Einen, der das Blut besprach, habe ich selbst
gekannt.

Albrecht.  Agnes, du verkennst mich!  Ich liebe dich!

Caspar Bernauer (tritt zwischen beide).  Komm, mein Kind!  Auch du
hast Ehre zu verlieren!  (Er will sie abfhren.)

Albrecht (vertritt ihm den Weg).  Ich liebe sie, aber ich wrd's ihr
nimmer gesagt haben, wenn ich nicht hinzufgen wollte: ich werb um
sie!

Nothhafft von Wernberg.  Gndiger Herr!

Frauenhoven.  Albrecht!  Kennst du deinen Vater?

Trring.  Denkt an Kaiser und Reich!  Ihr seid ein Wittelsbach!  Es
ist nur zur Erinnerung.

Albrecht.  Nun, Alter, frchtest du noch fr ihre Ehre?

Caspar Bernauer.  Nein, gndiger Herr, aber--Vor funfzig Jahren htte
sie bei einem Turnier nicht einmal erscheinen drfen, ohne gestupt
zu werden, denn damals wurde die Tochter des Mannes, der dem Ritter
die Knochen wieder einrenkt und die Wunden heilt, noch zu den
Unehrlichen gezhlt.  Es ist nur zur Erinnerung!

Albrecht.  Und nach funfzig Jahren soll jeder Engel, der ihr gleicht,
auf Erden einen Thron finden, und htte ihn einer ins Leben gerufen,
der dir noch die Hand kssen mu.  Dafr soll mein Beispiel sorgen!

Frauenhoven.  Er ist verrckt!  (Zu Albrecht.)  Nur hier nicht weiter,
nur heute nicht!  Alles wird aufmerksam und auf jeden Fall mu die
Sache geheimbleiben!

Albrecht (zu Caspar Bernauer).  Darf ich morgen kommen?

Caspar Bernauer.  Wenn ich auch nein sagte, was hlfe es mir?

Albrecht.  Agnes?

Agnes.  Wer rief mir doch heute morgen zu: geh ins Kloster?  Mir
ducht, ich sehe jetzt einen Finger, der mich hineinweist!

Albrecht.  Dir schwindelt!  Halt dich an mich!  Und ob die Welt sich
dreht, du wirst fest stehen!

Caspar Bernauer.  Gndiger Herr, wir beurlauben uns!  Die fllt mir
sonst um!

(Ab mit Agnes und Knippeldollinger.)

Albrecht.  Ich mu--(Will folgen.)

Frauenhoven.  Keinen Schritt!  Ihretwegen, wenn nicht deinetwegen.

Albrecht.  Du kannst recht haben!

Frauenhoven.  Sprich jetzt auch mit anderen!  Sprich mit allen!  Und
lange, ich bitte dich, lange!

Albrecht.  Ich htte so gerne noch meinen Namen von ihren Lippen
gehrt!  Doch--wer will denn auch Weihnacht, Ostern und Pfingsten auf
einmal feiern!--(Er mischt sich unter die brigen Gste.  Ihm tritt
Brgermeister Nrdlinger mit dem Frulein entgegen.)




Zweiter Akt

Augsburg.



Erste Szene

Herberge.  Frher Morgen.

Nothhafft von Wernberg.  Die Sache wird ernst.

Trring.  Sehr ernst!  Die Linie steht auf zwei Augen-

Frauenhoven.  Das doch nicht!  Auch Herzog Wilhelm hat einen Sohn!

Trring.  Der schwach und siech ist und kaum vier Jahre alt.  Habt
ihr das Jammerbild nie gesehen?  Ich wei, was ich sage.  Die
Mnchner Linie steht so gut, wie auf zwei Augen, und wenn es uns
nicht gelingt, Albrecht von seinem tollen Vorhaben abzubringen, so
zeugt er Kinder, die nicht einmal den unsrigen ebenbrtig sind!  Was
wird dann?  Schon jetzt ist Bayern in drei Teile zerrissen, wie ein
Pfannkuchen, um den drei Hungrige sich schlugen, soll's ganz zugrunde
gehen?  Und das wird geschehen, wenn wir dies Unglck nicht
verhindern knnen.

Nothhafft von Wernberg.  Das ist wahr!  Von allen Seiten wrden sie
heranrcken, vergilbte Pfandbriefe auf der Lanzenspitze und
vermoderte Vertrge auf der Fahnenstange, und wenn sie sich lange
genug gezankt und gerauft htten, wrde nach seiner Weise der Kaiser
zugreifen, denn whrend die Bren sich zerreien, schnappt der Adler
die Beute weg.

Trring.  Also lat uns vorbeugen!

Frauenhoven.  Aber wie?  Verget nicht, da er ebensoviel welsches
Blut im Leibe hat, als deutsches, und vielleicht noch einige Tropfen
mehr!  Ich sage euch, wenn ihr's noch nicht wit, die Mutter ist
mchtig in ihm, und wenn ihr ihm nicht neue Augen einsetzen knnt,
da ihm das Schne hlich vorkommt und das Hliche schn, so
richtet ihr nichts bei ihm aus.  Ihr httet ihn diese Nacht auf dem
Heimgang hren sollen!  Und ist es denn nicht auch wahr?  Wer kann
sich rhmen, einen solchen Engel gesehen zu haben, eh' er nach
Augsburg kam?

Trring.  Glaubt ihr denn, ich bin der Narr, der das Feuer besprechen
will?  Das fllt mir nicht ein!  Mag's brennen, bis er Asche ist, was
kmmert's mich.  Aber ich denke, die Nahrung wird diesem Feuer etwas
billiger zu kaufen sein, als mit Thronen und Kronen!  Zum Teufel, ist
denn Albrecht nicht auch so ein Weib wert?  Lat mich nur machen!
Ich sage euch, es sind wackre Menschen, vernnftige Leute!  Stand der
Alte nicht gestern abend da, als ob sich ihm der Erzengel Michael zum
Eidam antrge?  Und das Mdchen--schaute sie nicht drein, als ob sie
zum Fliegen aufgefordert wrde, anstatt zum Tanzen?  Gebt nur acht,
ich bringe alles ins gleiche!  (Ab.)

Frauenhoven.  Der irrt sich!  In Vater und Tochter, wie im Herzog!

Nothhafft von Wernberg.  Aber ins Gewissen mssen wir ihm reden!

Frauenhoven.  Warum?  Um es getan zu haben, nicht wahr, wenn wir
dereinst zur Rechenschaft gezogen werden!  Borg dir die Posaune des
Jngsten Gerichts und versuch's, ob du Gehr bei ihm findest.  Ich
bin zufrieden, wenn's nur einstweilen geheimbleibt.  Er ist beim
faulen Wenzel in Prag auferzogen worden, und was der bei Geigen--und
Fltenklang in ihn hineingest hat, das bringt Gott selbst nicht
wieder heraus!



Zweite Szene

Albrecht (tritt ein).  Nun, Freunde?  Was sagt ihr zu diesem Morgen,
der die ganze Welt vergoldet?  Nicht wahr, den htt' man nicht
schner bestellen knnen?  Aber, wie steht ihr denn da?  Als ob ihr
augenblicklich ins Gefecht solltet und euern Letzten Willen noch
berdchtet!

Nothhafft von Wernberg.  Da hoff ich anders auszusehen, obgleich ich
keinen Vater mehr habe, der mich wieder heraushaut, wenn's zu arg
wird, wie Ihr!

Albrecht.  Ja, das ist wahr, da hab ich einen Vorzug vor euch.  Ich
darf dem Tode keck in den Rachen springen, wie die Maus dem Lwen.
Noch zwischen Kauen und Schlucken reit mich der wieder heraus, der
mich gemacht hat.

Nothhafft von Wernberg.  Das habt Ihr bei Alling erfahren!  Wre er
nicht gewesen-

Albrecht.  So wrde mein erster Kampf auch mein letzter geblieben
sein, und ich htte nie gehrt, wie s die Siegstrompete tnt; was
red ich, ich htte Agnes nie erblickt!

Nothhafft von Wernberg.  Agnes!

Albrecht.  Oh, ich bin ihm Dank schuldig, unendlichen Dank, mehr Dank,
wie irgendein anderer Sohn dem seinigen!

Nothhafft von Wernberg.  Fhlt Ihr's?

Albrecht.  Erst seit gestern ganz!  Dies Auge, das ich jetzt
freiwillig schlieen mchte, wie den Mund, wenn er seine Kirsche
hat--gebrochen und mit Sand verschttet wrde es ohne ihn ja lngst
daliegen, ein Spiegel, der zerschlagen ward, bevor er das Bild noch
auffangen konnte, das er festhalten sollte, und dies Herz--die Stunde
wird kommen, wo ihr mich verstehen knnt, dann mehr!  Seht, wenn euch
auch einmal wird, als ob sich Millionen Lippen in euch auftten, und
alle saugen wollten--wenn ihr nicht mehr wit, ob's Lust oder Schmerz
ist, was euch die Seele im Wirbel herumjagt--wenn euch die Brust
zerspringen will und ihr, von Frost und Hitze zugleich geschttelt,
zweifelnd ausruft: doch wohl Lust, ja, wohl Lust, Wollust! und dies
dunkle Wort, wie ich, nun auf einmal begreift, indem ihr's,
schwindelnd zwischen Leben und Tod, mit eurem letzten Atemzug
nachschafft--dann--dann!  Eher nicht!

Nothhafft von Wernberg.  Gndiger Herr--eine Bitte!

Albrecht.  Was ist's?

Nothhafft von Wernberg.  Stellt Euch Euren Vater einmal vor!

Albrecht.  Nun?

Nothhafft von Wernberg.  Aber recht deutlich, mit dem Gesicht, das er
hat, wenn er einem einen Wunsch nicht blo abschlagen, sondern in den
Hals zurckjagen will, so da man ihn, wenn man um Honigbirnen
gekommen ist, um Stockprgel anspricht!

Albrecht.  Gut!

Nothhafft von Wernberg.  Seht Ihr ihn?  So fragt Euch, ob Ihr das vom
Spiegel und vom Wirbel und von Lust und Schmerz, und von Leben und
Tod vor ihm wiederholen mchtet!

Albrecht.  Vor ihm?  Ja!  Ich habe eine Mutter gehabt!  Vor euch?
Nicht um die Welt!

Nothhafft von Wernberg.  Eure Mutter war eine Prinzessin von Mailand!

Albrecht.  Und sollte sie meine Mutter nicht auch geworden sein, wenn
sie keine Prinzessin von Mailand gewesen wre?  Sie war das Muster
eines Weibes--htte das nicht gengt?

Nothhafft von Wernberg.  Ich zweifle!  Wenn aber--so wrde Euch jetzt
nichts mehr hindern, Euch mit dem Engel von Augsburg zu verbinden,
denn Ihr wrdet Bayerns Thron nie besteigen!

Albrecht.  Nicht, Herr Ritter?  Wer wei!  Wer wei, was geschhe,
wenn ich mein Volk zum Spruch aufriefe, wenn ich sagte: Seht, ich
soll nicht wrdig sein, euch zu beherrschen, weil mein Vater eine
eurer Tchter zu sich erhoben hat, eine, die ihm am besten ins Ohr
sagen konnte, was euch fehlt!  Ich soll nicht wrdig sein, euch zu
beherrschen, weil die Teilnahme fr euch mir von der Mutter her
angeboren ist, weil ich euch verstehe, ehe ihr noch den Mund auftut,
weil mir's im Blut liegt, euch beizuspringen!  Ich soll nicht wrdig
sein, euch zu beherrschen, weil ich euer Bruder bin!  Wer wei, was
sie tun werden, die alten treuen Bavaren, wenn mein Sohn sie dereinst
nach Urvter-Weise in einem Eichenhain zusammenruft und so zu ihnen
spricht; wer wei, ob sich dann nicht der letzte Bauer in einen
Ritter verwandelt und ob die Sense nicht gegen das Schwert schlgt,
da das ganze deutsche Reich zu wackeln anfngt, und der groe Karl
zu Aachen in seinem Sarg erschrocken nach der Krone greift!

Nothhafft von Wernberg.  Gndiger Herr, verkennt mich nicht!
Nothhafft von Wernberg kann Euch nicht raten, in den Abgrund zu
springen, aber er springt nach, wenn Ihr's tut!

Albrecht.  Das ist ein Wort!  So kommt!

(Alle ab.)




Baderstube.



Dritte Szene

Agnes.  Hier, mein Vater?

Caspar Bernauer.  Hier, meine Tochter, hier erwarten wir ihn,
nirgends sonst.  Wie ist dir denn zumute?  Etwas anders, wie
gewhnlich, wenn du die Augen aufmachst, nicht wahr?  Nun ja, das ist
natrlich.  Die Mdchen zgern gern aus Angst oder Neckerei noch eine
Weile vor der Tr, wenn sie auch wirklich schon hinein wollen und
wissen, da der Brutigam ihnen lngst die Arme entgegenstreckt.  Du
armes Ding hast nun nicht einmal Kranzwindens-Zeit.

Agnes.  Also, Euer Entschlu ist gefat?

Caspar Bernauer.  Es gibt nur ein Mittel!  Und wenn du nur bereit
bist: Fr ihn mcht' ich stehen!

Agnes.  Ja?

Caspar Bernauer.  Ich kenn's, wenn's auch lange her ist, da ich
selbst an dem Fieber litt!  Eine treue, redliche Seele!  (Er zieht
etwas aus der Tasche.)  Was hab ich da?

Agnes.  Mein Kettlein!  Aber, das hab ich ja gestern abend gleich
wieder weggelegt!

Caspar Bernauer.  Kann doch wohl nicht sein, denn Theobald hat's auf
der Strae gefunden, als er hinter uns herschritt!

Agnes.  Theobald?

Caspar Bernauer.  Ja, den hast du ebensowenig gesehen, wie ich!  Was
sagst du?  Der nrrische Junge ist uns, solange die Reichsknechte
hier sind, jeden Abend heimlich gefolgt, wenn wir das Haus noch
verlieen, und hat auf uns gewartet, bis wir wieder heimgingen.  Nie
hat er sich etwas davon merken lassen, und wenn ich's jetzt wei, so
kommt das daher, da er deine Kette fand!  Ist das einer?

Agnes.  Es freut mich, da er so an Euch hngt!

Caspar Bernauer.  Nun dcht' ich, es wr' die beste Antwort fr den
tollkpfigen Herzog, wenn du dem Theobald rasch, noch heute morgen,
ja augenblicklich die Hand reichtest!  Du bist ihm ja doch den
Finderlohn schuldig!

Agnes.  Wie?

Caspar Bernauer.  Ihr beide trtet ihm dann Hand in Hand entgegen,
ich aber stnde segnend hinter euch und riefe ihm zu: So war's im
Himmel beschlossen, und was Gott zusammengefgt hat, das soll der
Mensch nicht scheiden!

Agnes.  Vater!

Caspar Bernauer.  Frchte keine Gewalttat!  Auch hier stehen wir auf
roter Erde, auch in Augsburg ist Westfalen, ja--doch, wozu das!  Nun,
Jungfer Tochter, was sagt Ihr?  Der Brutigam ist, wie ich hoffe,
bereit und sogar der Priester nicht weit!  Sprich, soll's so sein?

Agnes.  Nie!  In Ewigkeit nicht!

Caspar Bernauer.  Das heit: heute nicht!

Agnes (glhend).  Es heit-

Caspar Bernauer (unterbricht sie).  Morgen!  Morgen!  Morgen!



Vierte Szene

Theobald (tritt hinter einem Schrank hervor).  Wozu, Meister?  Ich
kann's auch heute hren!

Caspar Bernauer (zu Agnes).  Da siehst du jetzt!

Theobald.  Scheltet sie nicht!  Ich selbst bin schuld!  Ich htte
Euch nicht folgen sollen!  Diesmal nicht!

Agnes.  Theobald, es tut mir weh!

Theobald.  Ich wei, Jungfer, ich wei!  Und ich fhl's ja auch, da
ich--Du mein Gott, ich darf ja nicht einmal von Unglck sprechen, Ihr
knnt mir ja gar nicht beschieden sein, ich brauche Euch ja nur
anzusehen, um das zu erkennen.  Meister--darf ich ein wenig
fortgehen?  In einer Stunde bin ich wieder da, um diese Zeit kommen
so nicht viele!  (Er fat Agnes Hand.)  Agnes, ich wollte, ich knnt'
einem andern meine Liebe zu Euch abtreten, nicht um mein Herz zu
erleichtern, o Gott, nein, es wre das grte Opfer, das ich bringen
knnte, und ich brchte es nur, um Euch glcklich zu machen, aber
glcklich wrdet Ihr, das glaubt mir, wenn das, was (er schlgt sich
auf die Brust) hier glht, eine bessere Brust schwellte!  (Ab.)



Fnfte Szene

Caspar Bernauer.  Ich glaub's auch!

Agnes.  Zrnt mir nicht, Vater!  Htt' ich geahnt-

Caspar Bernauer.  Kein Wort mehr davon!  Es ist nun, wie's ist!  Wer
kann gegen die Sterne!  Aber mich graust, Agnes, wenn ich an deine
Zukunft denke, denn (er zeigt auf ein Barbierbecken) so ein Ding und
eine Krone--es geht nimmermehr gut!

Agnes.  Ihr liet mich vorhin nicht ausreden!  Nicht Theobald, nicht
irgendeinem knnt' ich meine Hand reichen-

Caspar Bernauer.  Und warum nicht?

Agnes.  Weil ich--Ich drfte nicht!

Caspar Bernauer.  So sitzt er dir schon im Herzen?  Verflucht sei
dies Turnier!

Agnes.  Aber--Zu der Mutter aller Gnaden knnt' ich mich
flchten--ins Kloster knnt' ich gehen!

Caspar Bernauer.  Und deinen Herzog drauen lassen?

Agnes.  Nein!

Caspar Bernauer.  Was htt'st du dann im Kloster zu tun?



Sechste Szene

Trring (tritt ein).  Guten Morgen, Meister!  Auch schon da, Jungfer?
Die Hand her, wackrer Alter!  Ich hab Euch gestern abend
liebgewonnen.  Schne Agnes, wre des Trrings Schdel fr die
Honigreime und Schmeichelsprche des Heinrichs von Ofterdingen und
Wulframs von Eschenbach nicht immer zu hart gewesen: jetzt gbe er
alles wieder von sich, was er je verschluckt htte!  Aber der hat
nichts behalten, als das Eia popeia von der Ammenstube her, darum
kann ich Euch nur sagen: Ihr seid's wert, da Ihr einem Herzog
gefallt!

Agnes.  Schon das ist zu viel, Herr Graf!

Trring.  Bewahre!  Wenn Kaiser Wenzels Bademdchen Euch geglichen
hat, so will ich's ihm verzeihen, da er eine Weile glaubte, er sei
mit ihr allein auf der Welt.  Nur das verzeih ich ihm nicht, da er's
zu weit trieb und sich gar nicht wieder zur Besinnung bringen lie,
denn sie mut' es ben, und das htt' er vorher wissen knnen!  (Er
sieht Agnes scharf an.)  Arme Susanna, junges, schnes Kind, wie
bleich magst du gewesen sein, als die starren, grimmigen Bhmen dich
verbrannten und von ihren eignen Bischfen und Erzbischfen dabei
angefhrt wurden, als ob's ein heilig Werk wre!  Du warst gewi
keine Zauberin, oder es steht auch hier eine vor mir!

Caspar Bernauer.  Das geschah im frhlichen Lande der Geigen?

Trring.  Es sollte mich wundern, wenn man noch keinen Reim darauf
gemacht htte!  So etwas singen die Leute gern, wenn sie lustig sind!

Caspar Bernauer.  Was sagst du, meine Tochter?

Agnes.  Pfui ber den Kaiser, da er's geschehen lie!

Trring.  Er lag im Turm, und sein Adel stand zornig mit blankem
Schwert vor der Pforte, er wute nicht, wer zunchst bei ihm anpochen
wrde, ob der Henker oder der Befreier!

Agnes.  So war's ihr Schicksal, und sie wird schon einmal erfahren,
warum.

Trring.  Bernauer, ein Wort mit Euch!

Caspar Bernauer.  Geh, Agnes, und lege dein Kettlein weg!

Agnes (ab).



Siebente Szene

Caspar Bernauer.  Wir sind allein!

Trring.  Nun, Alter, was denkt Ihr eigentlich?  Sagt an!

Caspar Bernauer.  Ich wei nicht, was Ihr meint!

Trring.  Nun, ich glaube, der Herzog wird heute morgen geradeso
aufgestanden sein, wie er sich gestern abend niedergelegt hat.

Caspar Bernauer.  Acht Stunden sind allerdings nur acht Stunden!

Trring.  Der Meinung bin ich auch, darum mssen wir beizeiten einig
werden!  Also--(nimmt ein Rasiermesser, wie spielend) Euer Schwert,
nicht wahr?

Caspar Bernauer.  Wie es Euch gefllt!

Trring.  Meins ist etwas lnger!  (Schlgt an sein Schwert.)  Ja, was
ich sagen wollte!  Der Herzog liebt Eure Tochter--er liebt sie--wenn
jedes Eheweib so geliebt wrde, sie htten den Himmel auf Erden!

Caspar Bernauer.  Vor dem Trunk und nach dem Trunk, es ist ein
Unterschied und mu auch sein!

Trring.  Ihr seid verheiratet gewesen oder noch, und wollt Euch
entschuldigen!  Ja, ja, das kann ich Euch beteuern, er brennt, wie
ein Johannisfeuer, wenn der Wind gut blst, aber (Nimmt das
Barbierbecken.)  Euer Helm?

Caspar Bernauer.  Ist man in Bayern so spaig?

Trring.  Nein, nein, es ginge, seht!  (Er macht, als ob er Caspar
Bernauer das Becken aufsetzen wollte.)  Habt Ihr das noch nicht
versucht?  Ich versichre Euch, der Herzog lodert, da die Kastanien
gar werden, wenn er sie nur ansieht, doch was das Werben betrifft,
das Heimfhren--(Er nimmt den Schnepper.)  Dies Ding da, Zick Zack,
Trick Track, fhrt Ihr wohl im Wappen, oder ist's ein nackter Arm mit
einer sprudelnden Ader, wie ich's drauen an der Tr gemalt sah?

Caspar Bernauer.  Keins von beidem, Herr Graf!

Trring.  Nicht?  Nun also, kurz weg, wenn's berhaupt noch ntig ist!
Die Liebe des Herzogs stammt aus dem Herzen, die Werbung nun, das
war, Ihr habt's ja selbst gesehen, ein Rausch vielleicht sogar, was
wei ich's, ein Weinrausch!

Caspar Bernauer.  Das freut mich!  Aber, diese Botschaft ist nicht
fr mich allein!  (Ruft.)  Agnes!

Trring.  Freut Euch?  Ich hab mich nicht in Euch geirrt, als ich
Euch fr verstndig hielt!  Gebt mir noch einmal die Hand!

Caspar Bernauer (hlt seine Hand zurck).  Ihr habt mich schon
geadelt!



Achte Szene

Agnes (tritt ein).

Trring.  Nicht wahr, ein miges Glck, aber gesichert fr
immer--unter uns--der Herzog hat schne Gter von seiner Mutter her!

Caspar Bernauer.  Merk wohl auf, mein Kind!  (Zu Trring.)  Nun?

Trring.  Ei, da Ihr sie rieft, so sprecht selbst weiter!

Caspar Bernauer.  Wohl!  (Zu Agnes.)  Der Herzog nimmt seine Bewerbung
zurck!

Trring.  Nicht doch!

Caspar Bernauer.  Er nimmt seine Bewerbung um deine Hand zurck, die
lt er dir, er ist nicht unverschmt!  Das brige, nun ja, das
mcht' er, ich wei nicht, ob fr immer oder auch nur fr einige Zeit!

Agnes (setzt sich nieder).

Caspar Bernauer (zeigt auf sie).  Da habt Ihr ihre Antwort!  Jetzt
die meinige!  Zuerst!  (Mit gefaltnen Hnden gen Himmel.)  Ich danke
Dir, Vater im Himmel, da es so kam!  Schick mir nun, welches Leid Du
willst, es kann mich nicht rger treffen, als dies Glck mit seinem
schrecklichen doppelten Gesicht mich traf!  (Zu Trring.)  Ihr seht,
wie mir ist, damit erklrt's Euch, da ich Euch so ruhig anhrte!
Ihr wart mir ein Freudenbote, denn da meine Tochter in keine Schmach
willigen wrde, wut' ich, also gab Euer Antrag mir sie wieder, sonst
war sie fr mich verloren.  Nun aber zur Abrechnung!  Ihr erkundigtet
Euch nach meinem Schwerte, wir Reichsbrger fhren wirklich eins,
wenn's auch gewhnlich hinterm Schornstein hngt, und mit dem
meinigen habe ich frher manchen Rcken ausgeklopft, der dem Eurigen,
das glaubt nur, vllig glich.

Trring.  Bernauer!

Agnes (springt auf und stellt sich neben Caspar).  Recht, Vater,
redet!

Caspar Bernauer.  Den Helm mit dem bunten Federbusch habt Ihr vor mir
voraus, ich begngte mich immer, wie wir alle, die wir nicht
furnieren, nur streiten, wenn es gilt, unser Hab und Gut zu
verteidigen, mit einer simpeln Sturmhaube.  Doch auch die gengte
zuweilen, aus einer guten Klinge eine noch bere Sge zu machen, wenn
sie sich daran versuchte.  Was aber mein Wappen betrifft, so werdet
Ihr's schon hie und da frh morgens an Burgtoren gesehen haben,
einige aus meiner Familie fhren einen Strick und einen Dolch im
roten Felde, und sie wissen sich Respekt zu verschaffen, selbst bei
Kaiser und Reich.

Trring.  Das ist das Zeichen der Feme!

Caspar Bernauer.  Kennt Ihr sie?  Auch Jungfrauen stehen unter ihrem
Schutz, und wenn die Gerechtigkeit ihren Weg auch in diesen betrbten
Zeiten, wie ein Maulwurf, unter der Erde suchen mu: sie ist immer
zur rechten Stunde da!

Agnes.  Ich kann mich selbst schtzen, mein Vater!  Was mir gestern
abend widerfuhr, das raubte mir Sprache und Besinnung; was mir jetzt
widerfhrt, gibt mir beides wieder!  Das eine htt' ich nicht fr
mglich gehalten, aber, bei Gott! das andere noch viel weniger!  (Zu
Trring.)  Dies sagt dem Herzog von mir!

Caspar Bernauer.  Da ist er selbst!



Neunte Szene

Albrecht (tritt ein).  Ja, da ist er!  (Zu Agnes.)  Ward er erwartet?

Agnes (wendet sich ab).

Albrecht.  Agnes--wenn auf dem Wege zu dir ein Himmelswagen flammend
vor mir niedergefahren wre, jeder Radnagel ein Stern, ich wre nicht
eingestiegen, und du-

Agnes.  Gndiger Herr--gestern fehlte mir der Mut Euch anzusehen,
heute, dcht' ich, sollte er Euch fehlen!

Albrecht.  Was hab ich dir denn getan?

Agnes.  Nichts?  Also das wre nichts?  Gndiger Herr, so viel Ehre
knnt Ihr mir gar nicht bieten, und wenn Ihr mir die Krone aufsetztet,
da sie diese Schmach wiederaufwge!

Albrecht.  Schmach?

Agnes.  Wr's keine?  Wr' das an mir keine Schmach, was, einem
Frulein zugefgt, die Klingen aller ihrer Verwandten, bis zum
zehnten Glied herab, aus der Scheide reien und gegen Euch kehren
wrde?  Gndiger Herr, auch mich hat Gott gemacht!

Albrecht.  Trring!  Ihr da?  Was heit das?

Agnes.  Auch mich hat Gott gemacht, auch aus mir kann er mehr machen,
wenn es sein heiliger Wille ist, auch aus Euch weniger, denn alles
auf Erden ist nur zur Probe, und Hoch und Niedrig mssen einmal
wechseln, wenn sie nicht vor ihm bestehen!  Gndiger Herr, tut keinem
wieder so weh, wie mir, man erwartet's nicht von Euch, darum ist's
doppelt bitter!  (Zu Caspar Bernauer.)  Mein Vater, jetzt ins Kloster!
Nun nehme ich von der Welt nichts mehr mit ber die Schwelle, als
einen ewigen Schauder!

Albrecht.  Mdchen, gestern warb ich um dich, heute komm ich um die
Antwort, whrend meine Freunde schon den Priester suchen, der uns
verbinden soll: ist das Schmach?

Trring (tritt vor).  Der Herzog wei von nichts, auf Ritterwort, ich
sprach nur aus mir selbst!  Ich glaubte--nun, Irren soll menschlich
sein!

Albrecht.  Du beschimpftest sie?  Du beschimpftest meine Braut?
Dafr--(Er will ziehen.)

Trring.  Nein!  Dafr--(Er tritt zu Agnes heran und kt ihr
ritterlich die Hand.)  Ihr wit, ich bin nicht feig, aber es wre
nicht wohlgetan, die Zahl ihrer Freunde zu mindern, und nun ich sie
kenne, bin ich ihr Freund, ja, ich werde ihr dienen bis zum letzten
Atemzug, und mir ist, glaubt's mir und denkt darber nach, als fate
der Tod mich schon jetzt bei der Hand!  (Zu Agnes.)  Das sprach ein
Edler von Bayern, der nicht der Geringste ist, und nennt mich einen
ehrvergessenen Mann, wenn Euch nun etwas widerfhrt, solange ich's
hindern kann.  (Zu Albrecht.)  Ihr aber, gndiger Herr, grollt nicht
lnger, da ich ihr den Schleier etwas unsanft abnahm, es gereicht
Euch, wie ihr, zum Vorteil, da ich ihr ins Gesicht sah!  (Tritt
zurck.)

Albrecht.  Sie schweigt!  Das Vergeben ist an ihr, nicht an mir!
Folgt mir!  Wenn sie sieht, wie ich sie rche, wird sie wissen, wie
ich sie liebe!

Agnes.  Um Gott nicht!  Nur von Euch war's mir, wie Todesstich!
Jetzt--jetzt--Vater!

Caspar Bernauer.  Ihre harten Worte tun ihr leid, gndiger Herr, sie
htte sie gern zurck, Ihr seht's wohl, sie erstickt ja fast!

Albrecht.  Und nicht um die Welt mcht' ich sie missen!  Alter, zwei
Kinder sind ausgewechselt worden, die Tochter des Kaisers wurde in
deine Wiege gelegt, und der Kaiser zieht die deinige auf!  Schau hin,
erkennst du sie noch?  Agnes, davon hat dir in frher Jugendzeit
schon ein Mrchen erzhlt, doch damals ahntest du's noch nicht, da
du ber deine eigne Geschichte weintest, erst in dieser Stunde hast
du dich wieder auf dich selbst besonnen!  Aber nun weit du endlich,
wer du bist, das zeigt die edle Glut, die dir aus dem Auge blitzt und
von der Wange flammt, nun denkst du nicht mehr daran, da du bisher
nicht im Purpur gingst und nicht aus goldenem Becher trankst; so komm
denn auch zu mir herber, eh' dir das wieder einfllt!

Caspar Bernauer.  Agnes!

Agnes.  Vater, kein Wort von Gefahr!  Erinnert mich nicht, da Mut
dazu gehrt!  Sonst knnt' ich-

Albrecht (breitet die Arme gegen sie aus).  Was?  Was?

Agnes (sinkt hinein).  Und mt' ich's mit dem Tode bezahlen--das
tte nichts!

Albrecht (umschliet sie).  Agnes!

Agnes (macht sich wieder los).  Aber dazu berechtigt mich kein Mut!
--Ihr seid ein Frst-

Albrecht.  Und darf als solcher von vorn anfangen, so gut wie
irgendeiner meiner Vorgnger!

Agnes.  Ihr habt einen Vater-

Albrecht.  Und bin sein Sohn, nicht sein Knecht!

Agnes.  Und wenn Euer Volk murrt?

Albrecht.  So murrt es, bis es wieder jubelt.  Ja, wenn sie sich
zusammenrotteten und sich offen wider mich emprten: ich schickte
dein Bild, statt eines Heers, und sie kehrten schamrot zum Pfluge
zurck!

Agnes.  Und wenn Euer Vater flucht?

Albrecht.  So segnet Gott!

Agnes.  Und wenn er das Schwert zieht?

Albrecht.  So gibt er mir das Recht, auch nach dem meinigen zu
greifen!

Agnes.  Und dabei sollten wir--dabei knntet Ihr glcklich sein?

Albrecht.  Viel glcklicher, als wenn ich dir entsagen mte!  Das
eine wr' Kampf, und zum Kampf gehrt's, da man den Ausgang nicht
vorher wei; das andere wre Tod, Tod ohne Wunde und Ehre, feiger
Erstickungstod durch eigne Hand, und den sollt' ich whlen?  Nach der
Kehle greifen, statt nach dem Schwert?  O pfui!  Da wr' ich doch
gewi der Erste und der Letzte!  Mdchen, ich kenne jetzt dein Herz,
her zu mir, (er drckt sie an sich) so, nun hast du alles getan, das
brige ist meine Sache!  Worauf sollte Gott die Welt gebaut haben,
wenn nicht auf das Gefhl, was mich zu dir zieht und dich zu mir?
Die Wrttembergerin, die man zwischen dich und mich gestellt hatte,
wrde in diesem Augenblick tot umfallen, wenn sie nicht geflohen wre!
Das fhl ich!  Darum zittre nicht!



Zehnte Szene

Frauenhoven und Nothhafft von Wernberg (treten ein).

Albrecht.  Ist alles bereit?

Frauenhoven.  Ein Priester ist gefunden, der's mit dem jungen Herzog
gegen den alten wagen will!

Nothhafft von Wernberg.  Aber nur unter der Bedingung, da es so
lange als mglich Geheimnis bleibt!

Albrecht.  Was sagst du dazu, Agnes?

Agnes.  So lange nur Gott es wei, wird keine meiner Ahnungen in
Erfllung gehen!

Albrecht.  Also!  Wo und wann?

Frauenhoven.  Heut abend, Schlag zehn, in der Kapelle der heiligen
Maria Magdalena.  Aber wir mssen alle vermummt kommen, wie zum
Totendienst!

Albrecht.  Gut!  Und morgen nach Vohburg!  Agnes, das ist ein rotes
Schlo an der grnen Donau, womit meine Mutter--sie ruhe sanft und
stehe frhlich auf--mich fr meine erste Schlacht belohnte!  Gib acht,
dort wirst du ber dich selbst lachen, sooft du an diesen Morgen
zurckdenkst, da gibt's mehr Lerchen, wie anderswo Spatzen, und in
jedem Baum fast sitzt eine Nachtigall.  Ich schenk es dir zum
Leibgeding, nimm den lustigen Vogelkfig unbesehens an, ich bitte
dich, er wird dir gefallen, der Himmel schaut immer blau auf ihn
herab, und wenn du dich ber eine Gabe, die du noch nicht kennst, auf
alle Gefahr hin dankbar bezeigen willst, so nenne mich zum ersten Mal
du!

Agnes.  Mein Albrecht!

Albrecht (sie in den Armen haltend).  Du weinst dabei?

Agnes.  Sollte es nicht nachbrennen?  Euch--dir konnt' ich--Aber es
schmerzte mich mehr um deinet-, als um meinetwillen, mir war, als
wre der funkelndste Stern ber meinem Haupt auf einmal aus seiner
Bahn gewichen, und ich htte ihn in der Schaudergestalt, in der man
sie hier unten zuweilen verlschen sieht, zu meinen Fen wieder
getroffen!  Nun ist mir dafr zumut', als htt' ich schon jetzt mehr
vom Leben, als mir gebhrt!--Mein Vater!

Caspar Bernauer (tritt hervor).  Sie sollen Vater und Mutter
verlassen und aneinanderhangen!  Mein Kind, ich mu dich segnen, du
tust nach Gottes Gebot!  So sei er mit dir!  (Er legt ihr die Hnde
aufs Haupt.)

Albrecht.  Auch mich!

Caspar Bernauer.  Ihr frchtet, da Ihr sonst nicht dazu kommt!  (Er
legt auch ihm die Hnde aufs Haupt.)




Dritter Akt

Mnchen.



Erste Szene

Das Herzogliche Kabinett.  Man sieht an der einen Wand zwei Karten.
Die andern Wnde sind mit Bildern bayerischer Frsten behngt.

Ernst (steht vor den Karten).  Ich kann's nicht lassen, und es rgert
mich doch immer wieder von neuem.  Das war Bayern einst, und das ist
Bayern jetzt!  Wie Vollmond und Neumond hngen sie da nebeneinander!
Und wenn noch ein halbes Jahrtausend dazwischenlge!  Aber wie
mancher alte Mann mu noch leben, der der Zeit noch recht gut gedenkt,
wo Tirol und Brandenburg und das fette Holland, und was nicht noch
sonst, unser war, ja, der obendrein auch die ganze Reihe von
Torheiten aufzhlen kann, durch die das alles verlorenging!  (Er
tritt vor die Bilder.)  Nein, wie ihr gewirtschaftet habt!
Vierundzwanzig Stunden vorm Jngsten Tag wr's noch zu arg gewesen!
Und ihr hattet das kluge Vorbild im benachbarten sterreich so nah!
Rudolph von Habsburg htte ein Sandkorn durch geschicktes Wenden und
Drehen und unablssiges Umkehren auf klebrigtem Boden zum Erdball
aufgeschwemmt, ihr den Erdball zum magersten Sandkorn heruntergeteilt!
(Er geht weiter.)  Kaiser Ludwig, wackrer Kmpfer, der du jeden
Feind bestandst, ausgenommen den letzten, heimlichen ohne Namen und
Gesicht, du blickst finster auf deinen Enkel herab.  Ich versteh dich,
und du hast recht, das Schelten ist fr die Weiber, das Bessermachen
fr die Mnner.  Nun, ich stckle und flicke ja auch schon ein Leben
lang, ob ich nicht wenigstens den alten Kurfrsten-Mantel wieder
zusammenbringe, und ich denke, du sollst mir die Hand geben, wenn wir
uns einmal sehen.  Du httest mir gewi die Arbeit erspart, wenn der
Giftmischer sich nicht mit Wein und Brot gegen dich verschworen und
dich vor der Zeit ausgetan htte!  Aber deine Shne--Nun!  Sie sind
tot!



Zweite Szene

Stachus (tritt ein).

Ernst.  Was gibt's?

Stachus.  Der Meister aus Kln ist da, der geschickte Mann mit dem
wunderlichen Namen.  Er sagt, er sei bestellt.

Ernst.  Er hat was bei sich!  Das bring mir!

Stachus (ab).



Dritte Szene

Ernst.  Der Zierat fr die Totenkapelle, wo die jetzt in Staub
zerfllt, die mir mit Schmerzen meinen Sohn gebar!



Vierte Szene

Stachus (bringt einen Bogen).

Ernst (nachdem er ihn betrachtet hat).  Das ist mir viel zu kraus!
Komm mal her!  Bringst du heraus, was es bedeuten soll?

Stachus.  Ach, Herr, ich bin ein gar einfltiger Mensch!

Ernst.  Tut nichts, du gehrst auch mit dazu, Grber sollen
stillschweigen, oder so reden, da auch der Geringste sie versteht!
Genauso soll er's machen, wie ich's ihm angab: den Heiland, unsern
allbarmherzigen Erlser, mit ausgebreiteten Armen, die Abgeschiedene
zu seinen Fen, wie man die heilige Martha malt, aber mit verhlltem
Gesicht, da doch niemand wissen kann, wie sie jetzt aussieht, und
ganz unten ich und mein Sohn Albrecht, wie wir fr ihre arme Seele
beten!  Das sag ihm, dies da kann er auf sein eignes Grab setzen, ich
bedank mich dafr, ich htt' mir aus der Klner Bauhtte etwas andres
erwartet, das ist die Reisekosten nicht wert!

Stachus (mit dem Bogen ab).



Fnfte Szene

Ernst.  Die htten schn zu deinem demtigen, frommen Sinn gepat, du
stille Elisabeth, all diese Engel mit Flgeln und Trompeten, die
blasen, als ob die Himmelsknigin zum zweiten Mal ihre Auferstehung
feierte!  Und ich hatt' ihm alles so deutlich angegeben!  Aber, das
mu immer scharwenzeln, immer, es wr' kein Wunder, wenn man's am
Ende gar verge, da man von der Erde genommen ist und wieder zur
Erde werden soll, und es scheint doch vielen zu gefallen, sonst
wrden's diese Leute ja wohl nicht bei jedermann versuchen!



Sechste Szene

Der Kanzler Preising (tritt ein).

Ernst.  Schon da, Preising?  Gut!  Wit Ihr was?  Wir wollen von heut
an immer eine Stunde frher anfangen!  Niemand wei, ob er nicht
Feierabend machen mu, ehe er mde ist!  Wieviel hatte die Herzogin
noch vor, nun liegt sie da!  Was bringt Ihr?

Preising.  Zuvrderst!  Die Klagen ber den Wucher der Juden mehren
sich!

Ernst.  Man soll sich so einrichten, da man die Juden nicht braucht!
Wer nicht von ihnen borgt, wird nicht arm durch sie, und ob sie
funfzig vom Hundert nehmen!

Preising.  Es ist der Juden selbst wegen, da ich darauf zurckkomme.
In Nrnberg schlgt man sie schon tot, wie die Hunde, und bse
Beispiele stecken eher an, als gute!

Ernst.  Meine Juden sollen's so treiben, da sie das Totschlagen
nicht verdienen, dann wird's wohl unterbleiben.  Ich mische mich in
diese Hndel nicht hinein.  Fragt bei meinem Bruder an, ob er will!

Preising.  Das wr' wohl das erste Mal, da Herzog Wilhelm etwas
wollte, was Ew.  Gnaden nicht wollen!

Ernst.  Ebendarum soll man ihn nie vorbeigehen!  Weiter!

Preising.  In Sachen des strittigen Kurhuts hat der bhmische Hof
endlich-

Ernst.  Nichts davon!  Das hat Kaiser Rudolph durch seinen doppelten
Spruch so verwickelt, da nur das Schwert noch helfen kann, und das
Schwert knnen wir erst dann ziehen, wenn Mnchen, Ingolstadt und
Landshut einmal wieder zusammengehen.  Dazu ist bis jetzt wenig
Hoffnung, denn meine teuren Vettern Ludwig und Heinrich mchten mich
freilich gern umarmen, wenn sie mir nur zugleich auch den Rcken
kehren knnten.  Also weiter!  Doch halt, halt, erst dies!  Wir sind
ja unverhofft zu Geld gekommen, der Wrttemberger mu das wieder
herausgeben, was er bei Erziehung seiner Tochter an Birkenreisern
erspart hat, und obendrein schwere Zinsen zahlen.  Mit seinen
fnfundzwanzig Tausend Gulden knnen wir allerlei machen!

Preising.  Wenn wir sie erst haben, ja!

Ernst.  Haltet Ihr den Grafen fr keinen ehrlichen Mann?

Preising.  Fr den ehrlichsten Mann von der Welt!

Ernst.  Nun denn!  Ein Bettler ist er doch gewi auch nicht!  Wir
knnten eine unsrer verpfndeten Stdte dafr auslsen, und ich wei
schon, wo man sich am billigsten finden lassen wird, weil man unser
Geld am ntigsten braucht.

Preising.  Das wre freilich ein Gewinn!

Ernst.  Ja, da gb's doch einen Fleck weniger im Lande, wo wir unsern
Herzogsstab nicht wieder aufheben drften, wenn er uns einmal aus der
Hand glitte.  Wir knnten dem Lech aber auch fr ewige Zeiten einen
Freipa damit erkaufen, da er uns von den Augsburgern nicht wieder
auf einen Wink des Kaisers versperrt werden kann, wie Anno neunzehn
bei den Bischofhndeln!

Preising.  Dazu werden die Kaufherren raten!

Ernst.  Und Ihr?

Preising.  Gndiger Herr, der Wrttemberger wird nicht aufknpfen,
ich sag's Euch!

Ernst.  Nicht aufknpfen?  Ei!  Ei!  Hab ich nicht mein Pfand?  Sind
mir nicht Geiseln gestellt?  Was kann er denn einwenden?

Preising.  Er legt's bel aus, da Herzog Albrecht sich gar keine
Mhe gab, seine Braut wiederzubekommen, da er in Augsburg aufs
Tanzhaus ging, statt den Entfhrer verfolgen zu helfen!

Ernst.  Was war denn an der noch wiederzubekommen?  Sie war ja schon
das Weib eines andern, eh' wir hier noch die Flucht erfuhren!  Der
Wrttemberger soll sich in acht nehmen!  Ich besetz ihm Gppingen,
eh' er's denkt, es kommt mir auf einen Ritt noch nicht an!

Preising.  Ich sage Euch, und bitt Euch, nicht unwirsch zu werden,
ber den Sieger von Alling ist nie so viel geredet worden, wie ber
den Tnzer von Augsburg!

Ernst.  Ich wei, ich wei, und es verdriet mich genug!  Preising,
es ist die Strafe unsrer eignen Jugendsnden, da wir gegen die
unserer Kinder nachsichtig sein mssen.  Ihr wit, was ich auf
Andechs verwende, glaubt's mir, man baut niemals Kapellen ohne Grund!
Aber es ist schon dafr gesorgt, da ein Ende wird.  Erich von
Braunschweig sagte schon vor zwei Jahren zu mir: es ist schade, Ernst,
da du nur den einen Sohn hast und da der versprochen ist!  Dies
Wort blieb mir im Kopf hngen, und noch denselben Tag, wo ich die
Flucht der Wttembergerin erfuhr, lie ich um die Braunschweigerin
anhalten!  Nun, gestern zur Nacht lief das Jawort ein!

Preising.  Und Albrecht?  Wird er einverstanden sein?

Ernst.  Einverstanden?  Wie kommt Ihr mir vor?  Darnach hab ich
wahrhaftig noch nicht gefragt, das, denk ich, versteht sich von
selbst!

Preising.  Ihr habt ihm einen Boten geschickt!

Ernst.  Einen?  Drei, vier hab ich ihm geschickt, mit Ermahnungen und
Warnungen, dem letzten hab ich sogar einen Brief mitgegeben!

Preising.  Nun, der ist wieder da, er steigt eben vom Pferd!

Ernst.  Er hat lange genug gemacht!

Preising.  Und ist doch nicht langsam geritten, denn er kommt nicht
von Augsburg, sondern von Vohburg, der Herzog hatte die Reichsstadt
verlassen, bevor er eintraf!

Ernst.  So ist der Handel mit der Dirne vorbei, und ich htte mir den
dummen Brief sparen knnen!

Preising.  Nichtsweniger, als das, er hat die Dirne mitgenommen!

Ernst.  Das ist viel!  Das wrde ich bei Lebzeiten meines Vaters nie
gewagt haben!  Bringt das der Bote?

Preising.  Ja--Und-

Ernst.  Was noch?  Warum stockt Ihr?  Das kenn ich ja gar nicht an Euch!

Preising.  Das Gercht--wissen mt Ihr's--geht sogar noch weiter,
viel weiter!

Ernst.  Das Gercht hat tausend Zungen, und nur mit einer spricht es
die Wahrheit; wer will die herausfinden?  Aber wie weit geht's denn?
Ich bin doch neugierig!

Preising.  Man munkelt von einer heimlichen Heirat!  Die Dirne htt's
nicht anders getan!

Ernst.  Und das knnt Ihr mir mit einem ernsthaften Gesicht sagen?
Preising!  Bringt das auch der Bote?

Preising.  Ich habe ihm augenblicklich das strengste Stillschweigen
auferlegt.

Ernst.  Nicht doch!  Er soll reden!  Aber er soll hinzufgen, da der
Dirne ganz Bayern zum Leibgeding verschrieben ist!  (Er lacht.)  Meint
Ihr nicht?  Auch der Teil, der nicht uns gehrt, der solle apart fr
sie erobert werden!  Durch mich, versteht Ihr?

Preising.  Und Ihr seid gewi, da nichts dahintersteckt?  Gar nichts?

Ernst.  Preising!  (Er hebt seine drei Finger in die Hhe.)  Das
solltet Ihr doch auch knnen, und ob Ihr auf dem Todbett lgt!  So
viel Respekt fr mein Blut verlang ich!  Die Sippschaft der Dirne
hat's in Umlauf gesetzt, um ihre Schande zu verbrmen!  Das liegt ja
auf der Hand!  Aber daraus folgt nicht, da wir ruhig zusehen wollen,
bis es im ganzen Reich herum ist, bewahre!  Es freut mich jetzt
doppelt, da der Braunschweiger endlich gesprochen hat, nun knnen
wir dem Kot gleich einen Platzregen nachschicken, und wir wollen uns
rhren, da er sich nicht vorher festsetzt!  Also!  Ihr steigt
augenblicklich zu Pferd und meldet's meinem Sohn-

Preising.  Wenn er's nun aber doch nicht aufnimmt, wie Ihr denkt?

Ernst.  Haltet Euch doch nicht bei Unmglichkeiten auf!  Das sind ja
ganz verschiedene Dinge!  Er sagt ja; ob gern oder ungern, schnell
oder langsam, das kmmert nicht mich und nicht Euch.  Es gibt zwar
eine Person, der das nicht so gleichgltig sein kann, wie uns beiden,
aber auch um die ist mir nicht bange, sie wird's schon durchsetzen,
wenn sie nur einmal da ist!  In Braunschweig ist ja alles schn, bis
auf das Hexenvolk, das sich zu Walpurgis bei Nebel und Nacht auf dem
Blocksberg versammelt, und Erichs Anna soll noch mchtig
hervorleuchten!  Ihr kennt das schnurrige Wort ja wohl, das auf dem
letzten Frstentag ber sie umging.  Der Burggraf von Nrnberg, der
kleine Bucklichte, der immer so twatsche Einflle hat, sagte, als die
Rede auf ihr schlichtes Wesen in Gang und Kleidertracht kam, sie sei
ein Licht, das ungeputzt noch heller brenne, als geputzt, und die
Jngeren unter uns schwuren mit groem Lrm, das sei wahr, whrend
wir lteren lachten.  Zum Teufel, die wird's doch mit der Baderin
aufnehmen knnen?

Preising.  Gut denn!

Ernst.  Weiter entbietet ihn zum Turnier, nach Regensburg, denk ich!
Ja, ja, nach Regensburg!  Ich bin's denen schuldig!  Er soll nicht
lnger dastehen, wie ein Knabe, dem der eine Vogel davongeflogen ist,
und der keinen andern fangen kann, auch soll's die Ritterschaft
gleich wissen, da Welf und Wittelsbach sich endlich einmal wieder
kssen wollen, und das will ich feierlich auf dem Turnier verknden!
Es mu so rasch, als mglich, zustande gebracht werden, mein Bruder
soll die Ausschreibungen auf der Stelle erlassen, ich will gleich zu
ihm, er wird's gern tun, das ist ein Geschft fr ihn!  Wit Ihr,
wie's mit seinem Sohne steht?  Ich sah ihn lange nicht, sie
verstecken ihn vor mir, wie's scheint, als ob sie sich schmten, ich
mag kaum nach ihm fragen!

Preising.  Besser, wie ich hre, etwas besser, seit das alte
Kruterweib ihn pflegt!

Ernst.  Das freut mich, obgleich es wohl nicht viel heit!  Denn mit
diesem Knaben spielen alle Gebresten Fangball, ich htte gar nicht
gedacht, da es so viele bel gibt, als er schon gehabt hat, es ist
ein Elend!  Preising, der arme Adolph wird gewi keine tolle Streiche
machen, hchstens den, da er ins Kloster geht, und daran tut er am
Ende sogar recht!

Preising.  Oft werden schwache Kinder doch noch starke Mnner!

Ernst.  Gott geb's, ich wnsch es von Herzen!  Aber--was trieb mein
Albrecht schon alles, als er vier Jahr' alt war!  Da kam kein Bart
ungerupft vom Schlo, und kein Fenster blieb ganz, wo er
herumhantierte.  Freilich, jetzt ist's weit mit ihm gekommen, er hat
sein Nest beschmutzt, und das htt' ich nie gedacht, ich hielt ihn
fr einen bessern Vogel.  Nun, es soll schon wieder rein werden, und
spter kann ich dafr auch um so mehr von ihm fordern, denn alle zehn
Gebote zusammen peitschen den Mann nicht so vorwrts, wie die
Jugend-Torheiten, die ihm rechts und links ber die Schultern kucken,
wenn er den Kopf einmal dreht.  Nur darum, glaub ich, lt Gott, der
Herr, sie zu!  (Wendet sich zum Abgehen.)

Preising.  Und wenn--Gndiger Herr, in einem solchen Fall ward das ja
gewi noch niemals schnell gesagt!  Wenn er es mir nicht gleich auf
den Weg mitgibt: lad ich ihn dann auch zum Turnier?

Ernst.  Dann erst recht!  Dann will ich ihn vor gesamter
Ritterschaft--Torheit!  Zu Pferd, Preising, zu Pferd!  (Rasch ab.)




Vohburg.



Siebente Szene

Erkerzimmer.  Albrecht tritt mit Agnes ein.  Der Kastellan folgt.

Albrecht (zu Agnes, die einzutreten zaudert).  Nun?  (Zum Kastellan.)
Also dies ist das Zimmer?

Kastellan.  Dies ist das Zimmer!

Albrecht.  Ein wahrer Lug ins Land!

Kastellan.  Ja, von hier aus sieht man die Feinde zuerst, aber auch
die Freunde.  Das sagte die Hochselige, als sie's zum ersten Mal
betrat und geradeso, wie Ew.  Gnaden jetzt, aufs Fenster zuging!

Albrecht.  Wir htten frher kommen sollen, nicht wahr, Alter, gleich
nach der Ankunft?  Denn ich merk's wohl, da meine Mutter dich ins
Vertrauen gezogen hat!

Kastellan.  Ei, ich brauch's nicht zu erfahren, warum das fnf Tage
spter geschieht, als sie erwartete!  Ich wei ohne das, was ich dem
Burgwart und dem Kellermeister zu antworten hab, wenn sie die Kpfe
noch einmal zusammenstecken sollten, denn Ew.  Gnaden stehen jetzt
darin, und also auch meine erlauchte Gebieterin Elisabeth von
Wrttemberg, nunmehr von Bayern!

Albrecht.  Deine Gebieterin gewi, wenn auch nicht Elisabeth von
Wrttemberg!

Kastellan.  Nicht?  Ich meinte doch!  Anders freilich htt' ich's mir
vorgestellt!  Wenn Frstinnen im Heiligen Rmischen Reich sonst ihren
Brautzug hielten, meldete es ein Glockenturm dem andern durch
frhlich Gelut, die Fahnen flogen, die Trompeten schmetterten und
bunte Herolde sprengten hin und her!  Davon hat man diesmal nichts
gemerkt: nun, Gott segne die Herzogin dieser Lande und die
rechtmige Gemahlin meines Herrn!  (Ab.)



Achte Szene

Albrecht.  Ein wunderlicher Alter!  Ganz wie ein welkes Blatt unter
grnem Laub, das der Wind hngenlie!

Agnes.  Er erinnert mich an meinen Vater!  So wird der einmal
aussehen!

Albrecht.  Nun sind wir denn hier!  Wie trieb er!  Soviel ich ihm
auch zugute halte, es verdro mich fast, dies ewige
Sich-in-den-Weg-Stellen und Klirren mit dem Schlsselbund!

Agnes.  Und ich schmte mich!  Aber es rhrte mich doch!  Er kann
keinen Flecken an seinem Herzog dulden, und er hielt mich fr deinen
Flecken!

Albrecht.  Nun, ihr Wnde?  Wenn ihr Zungen habt, so braucht sie,
damit ich endlich erfahre, warum wir gerade hierher zuerst kommen
sollten!  Ich glaubte, dieser sei eine berraschung zugedacht, aber
ich sehe ja nichts!

Agnes.  Schn ist es hier!  Dies braune Getfel ist so blank, da es
uns abspiegelt!  Das ist gewi Regensburger Arbeit!  Und die bunten
Glasfenster mit den vielen, vielen Bildern darin!

Albrecht.  Ja, das machen sie jetzt am Rhein, seit sie in Kln den
Dom bauen!  Lauter Legenden!  Man wird heilig, wenn man durch solche
Scheiben sieht!  Aber ich kann mir doch nicht denken, da wir hierher
gerufen sind, um uns die zu erklren!

Agnes.  Und die Aussicht!  Oh!

Albrecht.  Das alles ist jetzt dein!  Aber freu dich nicht zu sehr!
Du mut auch manches mit in den Kauf nehmen.  Zum Exempel den alten
krpplichten Baum da, und dort die Htte ohne Dach!

Agnes.  Mein Albrecht, du bist so frhlich, das ist mein grtes
Glck!

Albrecht.  Oh, ich bin heute ein Maulhnger gegen das, was ich morgen
sein werde, und so fort und fort!  Ja, Agnes, so ist's!  Ein
Entzcken ist bei mir immer nur der Herold des anderen, greren, und
jetzt erst wei ich's, warum wir Menschen unsterblich sind.

Agnes.  Nicht mehr!  Ich halt's nicht aus!  Die Brust zerspringt mir!
(Sie erblickt den Betschemel.)  Da!  Da!  (Sie wirft sich hin und
betet.)

Albrecht (mit einem Blick nach oben).  Nun segnest Du!  Und ich wei
auch, durch wen!

Agnes (steht wieder auf, an dem Betschemel ffnet sich, wo sie kniete,
ein geheimes Fach, sie bemerkt es nicht).

Albrecht.  Jetzt ist meine Mutter nicht mehr im Himmel, sondern
wieder auf Erden und hier bei uns, aber ihre Seligkeit ist gleich
gro!

Agnes.  Ach, auf mich war sie nicht gefat!

Albrecht (bemerkt das geheime Fach).  Aber, was ist das?

Agnes.  Perlen und Kleinodien!  Oh, welche Pracht!

Albrecht.  Ihr Schmuck!  Das denk ich wenigstens, denn getragen hat
sie ihn wohl nur, eh' ich geboren wurde!  Und ein Brief!  (Er nimmt
den Brief.)  An dasjenige meiner Kinder, das hier zuerst nach mir
betet!  (Reicht ihn Agnes.)  Also an dich!  Da ist das Geheimnis!
Sieh! sieh!  Da hatte dieser Gang doch einen Zweck!  Das htte dir
bei der Trauung prchtig gestanden!  Freilich, wir hatten sie hinter
uns, eh' wir kamen!--Nun?

Agnes (reicht ihm den Brief).

Albrecht (nachdem er ihn gelesen hat).  Wr' ich's gewesen, so htt'
ich dich damit schmcken drfen, nun sollst du's selbst tun.  Das ist
auch besser!

Agnes.  Nicht dies, nicht das!

Albrecht.  Und was darunterliegt, ist fr den, der nicht betete.  Das
wird nicht so glnzen und funkeln!  Gute Mutter, du hast vorausgewut,
wer das sein wrde; ich seh dich, wie du den Zeigefinger gegen mich
erhebst!  (Zu Agnes.)  Aber nun mach doch!  Wie lange soll ich um den
letzten Tannenbaum, den sie mir aufrichtete, herumhpfen, eh' ich ihn
plndern darf?  Nimm rasch das Deinige weg, da ich zum Meinigen komm!

Agnes.  Wie sollt' ich!

Albrecht.  Du bist ihr freilich keinen Gehorsam schuldig, aber ich,
und wahrlich, ich will ihn der Toten am wenigsten weigern.  Du wirst
mich nicht hindern wollen, ein frommer Sohn zu sein!  Also!  (Er
nimmt die Perlen und will sie schmcken.)

Agnes (tritt zurck).  Nicht doch!  Was bliebe noch fr eine
Prinzessin!

Albrecht.  Willst du trennen, was zusammengehrt?  Da gbst du meinem
Vater, den du so frchtest, ein bses Beispiel!  Mach's schnell
wieder gut, da er sich nicht darauf berufe!  Komm!  Gleiches zu
Gleichem!  (Er schttelt die Perlen, da sie klappern.)  Das heit
hier: Hagel zu Schnee!  (Er hngt sie ihr um.)  Nun mgen sie sich
streiten, wer weier ist!

Agnes.  Schmeichler!

Albrecht.  Agnes, hat man's dir schon gesagt, da der rote Wein, wenn
du ihn trinkst, durch den Alabaster deines Halses hindurchleuchtet,
als ob man ihn aus einem Kristall in den andern gsse?  Aber, was
schwatz ich!  (Er nimmt das goldene Diadem.)  Ich habe ja noch ein
Paar zu vereinigen!  (Er will es ihr aufsetzen.)

Agnes.  Es wrde mich drcken!

Albrecht.  Du hast recht, da du dich jetzt noch mehr strubst, wie
vorher, denn hier ist die Ebenbrtigkeit noch mehr zweifelhaft!  Dies
Gold und das (er deutet auf ihre Locken), der Abstand ist zu gro!
Dies ist der Sonnenstrahl, wie er erst durch die Erde hindurchging
und an ihre Millionen Gewchse sein Bestes abgab, dann verdichtete
sich der grobe Rest zum schweren toten Korn!  Das ist der
Sonnenstrahl, der die Erde niemals berhrte, er htte eine
Wunderblume erzeugt, vor der sich selbst Rosen und Lilien geneigt
haben wrden, doch er zog es vor, sich kosend als schimmerndes Netz
um dein Haupt zu legen!  (Er setzt ihr das Diadem auf.)  Aber nimm's
nicht so genau, wir finden nichts Beres.

Agnes.  Nur, um zu sehen, wie's ihr gestanden hat!

Albrecht.  Das Auge ist so edel, da es nicht geschmckt werden kann,
noch diesen Ring an den Finger--er ging lange genug nackt!--noch
dieses Armband, und (er fhrt sie ritterlich vor) die Kaiserin ist
fertig!  Denn, das ahntest du nicht, eine Kaiserin wollt' ich machen,
und sie steht da, setz dich auf den ersten Thron der Welt, und in
tausend Jahren wird nicht kommen, die sagen darf: erhebe dich!  Nun
will ich aber auch mein Teil sehen!  (Er nimmt eine Menge welker
Blumen usw. aus dem Fach.)  Welke Blumen und Bltter, die fast
zerstuben, wenn man sie anrhrt?  Was mag sich so ankndigen?
Heraus!  (Er erblickt einen Totenkopf und erhebt ihn.)  Ah, du bist's,
stummer Prediger?  Du redest noch besser, wie Salomo, aber mir sagst
du nichts Neues; wer, wie ich, auf Schlachtfeldern aufwuchs, der wei
es auch ohne dich, da er sterben mu!  Doch erst will ich leben!  Im
Himmel gibt's Halbselige, sie blicken nach der Erde zurck, und
wissen nicht, warum!  Ich wei es, sie haben ihren Kelch nicht
geleert, sie haben nicht geliebt!  Ja, Agnes-



Neunte Szene

Der Kastellan (tritt ein).

Albrecht (zum Kastellan).  Halt!  Noch kein Wort, und ob die Welt
unterginge!  Ja, Agnes, wenn ich bei Gott aufhren soll, mu ich bei
dir anfangen, es gibt fr mich keinen anderen Weg zu ihm!  Geht es
dir nicht auch so?

Agnes.  Und kme jetzt der Tod, ich drfte nicht mehr sagen: Du
kommst zu frh!

Albrecht (pret sie an sich).  All unsre Wollust mndet in Gott, was
unsre enge Brust nicht fat, das flutet in die seinige hinber, er
ist nur glcklich, wenn wir selig sind, soll er nicht glcklich sein?
(Er kt sie.)  Und zuweilen stt er die Welle zurck, dann
berstrmt sie den Menschen, und er ist auf einmal dahin, wandelt im
Paradiese und sprt keine Vernderung!  Wenn das jetzt kme!

Agnes.  Nicht weiter, nicht weiter!

Albrecht (lt sie los).  Das war eine Stunde!  Nun komme die zweite!
--Was gibt's?

Kastellan.  Botschaft von Eurem Herrn Vater!  Ritter Preising!

Albrecht.  Hierher!

(Kastellan ab.)

Agnes (will gehen).

Albrecht.  Nein!  So ist's nicht gemeint, da ich dich verleugnen
will!  Bleib!  Wie der dich ansieht, sieht mein Vater dich auch an.
Da wissen wir gleich, wie's steht!

Agnes.  La mich, mein Albrecht!  Es treibt mich fort!  Dies (sie
deutet auf das Diadem) wre Herausforderung!

Albrecht.  So geh da hinein, da ist ja auch noch ein Gemach, nicht
wahr?  Dann bist du mit drei Schritten wieder bei mir!

Agnes (ab).

Albrecht.  Kommt nur, ich lasse mich finden!



Zehnte Szene

Preising tritt ein, von Trring, Frauenhoven und Nothhafft von
Wernberg begleitet.

Albrecht.  Was bringt Ihr, Kanzler?

Preising.  Frhliche Botschaft!

Albrecht.  Wirklich?  Da kme Freude zur Freude!

Preising.  Eine Botschaft, die mein gndiger Herr eigentlich dem
Ritter Haydeck, und nicht mir, htte bertragen sollen!

Albrecht.  So!  Ich versteh schon!

Preising.  Er mute Euch die Flucht Eurer ersten Braut
melden-

Albrecht.  Ich habe vergessen, ihn dafr zu belohnen, es soll geschehen,
sobald ich ihn wiederseh!

Preising.  Er sollte Euch billig auch das Jawort der zweiten
berbringen!

Albrecht.  Preising, geradeheraus!  Ich versteh mich schlecht aufs
Rtsellsen, aber gut aufs Nuknacken!  Was ist's?

Preising.  Euer Vater hat um die schnste Frstin Deutschlands fr
Euch angehalten-

Albrecht.  Das bedaur' ich sehr!

Preising.  Erich von Braunschweig hat eingewilligt!

Albrecht.  Das bedaur' ich noch mehr!

Preising.  Und ich-

Albrecht.  Ihr sollt mich zum Nicken bringen, wie einen Nrnberger
Hampelmann, den man von hinten ziehen kann!  Es wird Euch nicht
gelingen, und das bedaur' ich am meisten, denn Euer Ansehen wird
darunter leiden!

Preising.  Euer Vater wrde erstaunt sein, das kann ich Euch
versichern, wenn Ihr Euch nur einen Augenblick gegen eine Verbindung
struben knntet, die seit der chtung Heinrichs des Lwen nicht
zustande gebracht werden konnte, sooft es auch versucht wurde, und
die eine uralte, zuweilen hchst gefhrliche Feindschaft fr ewige
Zeiten ersticken wird!  Hier nicht mit beiden Hnden zugreifen, heit
nicht blo das Glck mit Fen treten; es heit auch die endlich
eingeschlafene Feindschaft zwischen Welf und Wittelsbach wieder
aufwecken, ja verdoppeln; es heit den ungerechten Ha in einen
gerechten verwandeln; es heit die Rache herausfordern und ihr selbst
die Waffen reichen!

Albrecht.  Das wei ich, oh, das wei ich, mich sollt's wundern,
wenn's anders wr'!  Man kann die Plne meines Vaters nie kreuzen,
ohne zugleich der halben Welt ins Gesicht zu schlagen, mit ihm allein
hat's noch keiner zu tun gehabt!  Aber so gro die Kunst auch sein
mag, den Faden so zu spinnen unfehlbar ist sie nicht, und diesmal
reit er ab!

Preising.  Und Euer Grund?

Albrecht.  Ihr kennt ihn!

Preising.  Ich hoffe, nein!

Albrecht.  Nicht?  Nun, Ihr braucht ihn nicht weit zu suchen!  Ich
bin ein Mensch, ich soll dem Weibe, mit dem ich vor den Altar trete,
so gut, wie ein andrer, Liebe und Treue zuschwren, darum mu ich's
so gut, wie ein andrer, selbst whlen drfen!

Preising.  Ihr seid ein Frst, Ihr sollt ber Millionen herrschen,
die fr Euch heute ihren Schwei vergieen, morgen ihr Blut
verspritzen und bermorgen ihr Leben aushauchen mssen: wollt Ihr das
alles ganz umsonst?  So hat Gott die Welt nicht eingerichtet, dann
wre sie nimmer rund geworden, einmal mt Ihr auch ihnen ein Opfer
bringen, und Ihr werdet nicht der erste Eures ruhmwrdigen
Geschlechts sein wollen, der es verweigert!

Albrecht.  Einmal?  Einmal mit jedem Atemzuge, meint Ihr!  Wit Ihr
auch, was Ihr verlangt?  Gewi nicht, denn sonst wrdet Ihr die Augen
wenigstens niederschlagen und nicht dastehen, als ob alle zehn Gebote
mit feurigen Buchstaben auf Eurer Stirn geschrieben stnden.  Was tut
Ihr, wenn der Tag Euch ein finstres Gesicht zeigt, wenn Euch alles
milingt, und Ihr Euch selbst fehlt?  Ihr werft beiseite, was Euch
qult, und eilt zu Eurem Weibe, sie ist vielleicht gerade doppelt von
Gott gesegnet und kann Euch abgeben, wenn das aber auch einmal nicht
zutrifft, so knnt Ihr sie ja gar nicht ansehen, ohne aller Eurer
glcklichen Stunden zu gedenken, und wem die wieder lebendig werden,
der hat eine mehr!  Was wr' mein Los?  Knnt' ich auch zu meinem
Weibe eilen?  Unmglich, ich mte eher eine Wache vor meine Tr
stellen, damit die Unselige in ihrer Unschuld nur nicht von selbst
komme und mich ganz verrckt mache, denn sie wre ja mein rgster
Fluch!  Doch nein, das wre schlecht von mir, das drft' ich nicht,
ich mte ihr entgegengehen und sie in meine Arme schlieen, whrend
ich sie lieber von mir schleudern mchte, wie einen ankriechenden
Kfer, denn das htt' ich vor Gott gelobt.  Graust Euch?  Wit Ihr
jetzt, was Ihr verlangt?  Nicht blo auf mein Glck soll ich Verzicht
leisten, ich soll mein Unglck liebkosen, ich soll's herzen und
kssen, ja ich soll dafr beten, aber nein, nein, in alle Ewigkeit
nein!

Preising.  Herzog Ludwig, Euer Vorfahr, nahm eine Gemahlin, die
keiner erblickte, ohne ihr zu dem Namen, den sie in der heiligen
Taufe empfangen hatte, unwillkrlich noch einen zweiten zu geben; es
war Margaretha von Krnten, die im Volksmund noch heutzutage die
Maultasche heit.  Er war jung, wie Ihr, und man hrt nicht, da er
blind gewesen ist, aber sie brachte die Grafschaft Tirol an Bayern
zurck, und wenn er sich ber ihre Schnheit nicht freuen konnte, so
wird der Gedanke ihn getrstet haben, da seine armen Untertanen
unter seiner Regierung das Salz noch einmal so billig kauften, wie
zuvor, und ihn mit frhlichen Gesichtern morgens, mittags und abends
dafr segneten!

Albrecht.  Wit Ihr, ob er ihnen nicht jedesmal eine Bitte abschlug,
wenn er sein Weib gesehen hatte?

Preising.  Ich wei nur, da er vier Kinder hinterlie.  Gndiger
Herr, ich habe meine Botschaft ausgerichtet und werde Eurem Vater
melden, da Ihr zu mir nicht ja gesagt habt.  Wollt Ihr etwas
hinzufgen, so tut's, wenn Ihr ihn seht!  Mein Auftrag ist noch nicht
zu Ende, ich soll Euch noch zu dem Turnier laden, das er in
Regensburg zu halten gedenkt, und Ihr werdet seinen Unwillen nicht
dadurch noch erhhen wollen, da Ihr ausbleibt!

Albrecht.  Gewi nicht, ich habe das Fechten nicht verlernt, auch in
Augsburg nicht, und gebe gern den Beweis!

Preising.  Da mt Ihr denn noch heute aufsitzen!

Albrecht.  Noch heute?

Preising. bermorgen findet's statt!

Albrecht.  Das kommt ja rascher zustande, wie eine Bauern-Schlgerei!
Was gibt's denn?  Ist dem Kaiser in seinem Alter eine Prinzessin
geboren?

Preising.  Wahrscheinlich sollte Eure neue Verlobung der Ritterschaft
verkndigt werden, denn Euer Vater hlt Eure Weigerung fr unmglich
und ist stolz darauf, da ihm gelang, was seinen Vorfahren drei
Jahrhunderte hindurch miglckte.  Nun wird's wohl auf ein bloes
Lanzenspiel hinauslaufen!

Albrecht.  Gleichviel!  Ich bin in billigen Dingen sein gehorsamer
Sohn und will um eine Erbsenschote turnieren, wenn er's verlangt!

Preising.  Also, Ihr erscheint, ich hab Euer Wort!

(Ab, von Trring, Frauenhoven und Nothhafft von Wernberg
zurckbegleitet.)



Elfte Szene

Albrecht.  Da ist's!  Und ich kann nicht sagen, da mich's verdriet!
Ich bin nicht gemacht, mein Glck zu genieen, wie ein Knabe die
Kirschen nascht, die er gestohlen hat!  Und wenn der Sturmwind mir
die Tarnkappe abreit, so kann der Augsburger Priester doch gewi
nicht sagen, ich selbst htte das Geheimnis verraten!



Zwlfte Szene

Agnes (tritt wieder ein, aber ohne die Kleinodien).  Nun, mein
Albrecht?

Albrecht.  Ja, Agnes, nun werd ich's bald sehen, ob du von deinem
Vater was gelernt hast, ich werde blo, um dich auf die Probe zu
stellen, ein Paar Beulen von Regensburg mitbringen!  Aber, was hast
du gemacht?  Mein Werk wieder zerstrt?  Nein, wirst du sagen, Gottes
Werk wiederhergestellt!  Und es ist wahr, ich hatte es nur verdorben,
wie der Knabe die Lilie, die er mit Nelkenblttern bestreut!  Du
tatest wohl, den bunten berflu abzuschtteln.

Agnes.  Ich habe alles gehrt, alles!  Ich mute!

Albrecht.  Alles, nur meine letzte Antwort nicht!  Frchte nichts von
meinem Ungestm, ich halte sie zurck, solange ich kann, auch jetzt
noch!  Aber im uersten Fall: Hier ist sie!  (Er umarmt sie.)  Wir
sind vereint, nur der Tod kann uns noch trennen, und der ist sein
eigner Herr!  Auch gibt's auf der ganzen Welt keinen Mann, der sich
schneller in etwas ergibt, wie mein Vater, wenn er sieht, da nichts
mehr zu ndern ist!  Nun in die Rstkammer!  Nothhafft und Trring
nehm ich mit, Frauenhoven bleibt hier zu deinem Schutz!

Agnes.  Es ist nicht Furcht, was mich bewegt!  Den Schwindel hab ich
berwunden!  Aber--Sieh, mein Albrecht, es tut mir weh, wenn ich mir
denke, da ganz Augsburg mich fr etwas anderes, als fr deine
Gemahlin hlt; und der Trost, vor Gott rein dazustehen, reicht nicht
immer aus, kaum, la mich's bekennen, das Gefhl, mein Glck damit zu
bezahlen.  Doch ich will es gern mein ganzes Leben lang ertragen,
wenn's nur zwischen dir und deinem Vater Friede bleibt.  Wie
frchterlich war's mir frher schon immer, wenn sich Freunde und
Brder meinetwegen entzweiten, und von wie manchem Tanz blieb ich weg,
um's nur nicht zu sehen!  Und was war das gegen dies!

Albrecht.  Diesmal ist gar nichts zu besorgen!  Auch ein Frstensohn
darf sagen: ich will die nicht! und wenigstens: ich will noch nicht!
Aber zusammenhauen will ich sie--Hei! wer mich bisher schon einen
guten Fechter genannt hat, der soll sich schmen, und ein jeder soll
sich's im stillen zuschwren, mir nie wieder in den Weg zu treten,
auch wer selbst nichts abbekommt!

(Beide ab.)




Regensburg.



Dreizehnte Szene

Turnierplatz.  Die Zuschauer sind auf ihren Tribnen schon versammelt.
Der Marschall steht vor den Schranken, ein Buch unterm Arm.  Groer
Zug; Fahnen, Trophen, Trompeten.

Ernst (tritt auf, von seinen Rittern begleitet.  Unter diesen
befinden sich Wolfram von Pienzenau, Otto von Bern, Ignaz von
Seyboltstorff und Hans von Preising.  Preising geht ihm zur Seite.
Die Ritter stellen sich bis auf Preising rechts vom Marschall auf).

Preising.  Gndiger Herr, mideutet's nicht, da ich noch einmal
anklopfe, aber die Stunde ist ernst, was Ihr zu tun gedenkt, kann
vielleicht nicht mehr zurckgetan werden, und Ihr pflegt ja doch
sonst meinen geringen Rat nicht zu verschmhen!

Ernst.  Gegen jedermann kann ich Euch schtzen, nur nicht gegen
meinen Nachfolger, darum rat ich mir diesmal allein!

Marschall (ruft).  Wolfram von Pienzenau!  Otto von Bern!

Pienzenau und Bern.  Hier!

Marschall (lt sie ein).

Preising.  Ich frchte zu erraten, was Ihr vorhabt, der Marschall hat
das Buch gewi nicht umsonst unterm Arm! berlegt's noch, ich bitt
Euch, und seht in der raschen Antwort, die er Euch vorhin gab, nicht
den Trotz eines Sohns, sondern die Hartnckigkeit eines Verliebten,
der sein Gefhl fr eine Agnes nicht sogleich auf eine Anna
bertragen kann!

Ernst.  Ihr werdet augenblicklich aufgerufen werden!

Preising (geht zu den Rittern).

Ernst.  Ein Schnitt ins Fleisch tut not.  Wirkt's nicht gleich, so
wirkt's spter!  Ei, ei, wer htte das gedacht!  Einer Dirne wegen!

Albrecht (tritt mit Nothhafft von Wernberg und Trring auf).

Ernst (an Albrecht vorbeischreitend).  Noch einmal!  Darf ich der
Ritterschaft Eure Verlobung mit Anna von Braunschweig ankndigen
lassen?

Albrecht.  Ich habe zu viel von Euch im Leibe, um auf eine und
dieselbe Frage an einem und demselben Morgen zwei Antworten zu geben!
--Mein Gott, lag ich denn ganz umsonst auf den Knien vor Euch?

Ernst.  Gut!  (Er geht weiter.)  Marschall, ich habe Euch nichts zu
sagen!  (Er besteigt seine Tribune.)  Nur fort!

Marschall (ruft).  Hans von Preising!  Ignaz von Seyboltstorff!

Preising und Seyboltstorff.  Hier!  (Treten an die Schranken.)

Albrecht.  Preising!  Seyboltstorff!  Zurck!  Wittelsbach ist da!
(Tritt an die Schranken.)

Marschall.  Halt!

Albrecht.  Marschall von Pappenheim, aufgeschaut!  Den Blinden, dem
ich den Star stechen mu, bedien ich mit der Lanze!

Ernst.  Artikel zehn!

Marschall (ffnet das Buch und liest).  Weiter wurde zu Heilbronn fr
ewige Zeiten beschlossen und geordnet. welcher vom Adel geboren und
herkommen ist und Frauen und Jungfrauen schwchte-

Albrecht (schlgt ihm das Buch aus der Hand).  Der darf nicht turnieren!
Werden hier Krippenreiter zugelassen, die das nicht wissen?

Marschall.  Ihr seid angeklagt, auf Eurem Schlo Vohburg mit einem
Schwabenmdchen in Unehren zu leben!

Albrecht.  Mein Klger?

Ernst (erhebt sich).

Albrecht.  Herzog von Mnchen-Bayern, la deine Spher peitschen, sie
haben deine Schwieger verunglimpft!  Die ehr--und tugendsam
Augsburger Brgertochter, Jungfer Agnes Bernauer, ist meine Gemahlin,
und niemand, als sie, befindet sich auf Vohburg!  Hier stehen meine
Zeugen!

Ernst.  Preising!  Das ist ja zum--Wiederjungwerden!

Albrecht.  Da man nun mit seinem angetrauten Weibe nicht in Unehren
leben kann, so--Schildknapp', zeig dem Mann mit dem Buch da, wie man
ffnet!

Schildknapp' (ffnet rasch).

Albrecht (tritt ein).  Nun, Ihr Herren?  Man pflegt: ich wnsch Euch
Glck! zu sagen!

Ernst (greift zum Schwert und will hinunterstrzen).  Ich komm schon!

Preising (wirft sich ihm entgegen).  Gndiger Herr, erst mt Ihr
mich durchstoen!

Ernst.  Ei, ich will's ja nur als Knttel brauchen, ich will nur fr
die berraschung danken!  Doch, Ihr habt recht, es ist auch so gut,
was erhitzt der Vater sich, der Herzog gengt.  (Er ruft.)  Edle von
Bayern, Grafen, Freiherren und Ritter, auch Wilhelm, mein Bruder, hat
einen Sohn-

Albrecht.  Was soll das?

Ernst.  Wer den Weg zur Schlafkammer seiner ehr--und tugendsamen
Jungfer--allen Respekt vor ihr, es mu eine gescheite Person sein!
--durch die Kirche nehmen mute, der nimmt die Benediktion mit und
die Gnade aller Heiligen obendrein, aber Krone und Herzogsmantel lt
er am Altar zurck!  (Er fhrt fort.)  Dieser Sohn heit Adolph und
ihn erklr ich-

Albrecht.  Bei meiner Mutter, nein!

Hans von Lubelfing.  Albrecht von Wittelsbach, Ingolstadt steht
hinter Euch, frchtet nicht fr Euer Recht, Ludwig der Brtige zieht!

Ernst.  Ludwig von Ingolstadt, oder wer hier fr ihn spricht, das
Reich steht hinter mir mit Acht und Aberacht, weh dem, der seine
Ordnung strt!

Marschall (nebst vielen andern Rittern, mit den Schwertern klirrend).
Ja, weh dem!

Ernst.  Brger von Augsburg, Eidam des Vaters, empfangt jetzt Segen
und Hochzeitsgabe zugleich!  (Fhrt fort.)  Es lebe mein Nachfolger!
(Er steigt von der Tribune herunter.)  Wer ein guter Bayer ist, stimmt
mit ein: es lebe Adolph, das Kind!

Marschall (mit vielen andern Rittern um Ernst sich scharend).  Es
lebe Adolph, das Kind!

Albrecht (zieht und dringt auf den Marschall ein, auch um ihn scharen
sich einige Ritter).  Otto, mein Ahnherr, fr Treu!

Ernst (schlgt ihm mit der Faust aufs Schwert).  Das Turnier ist aus!

Albrecht.  Nein, es beginnt!  Die Ritterschaft verlt mich!  Brger
und Bauern, heran!

(Er schwingt sein Schwert gegen die Zuschauer.  Groes Getmmel.)




Vierter Akt




Mnchen.



Erste Szene

Das Herzogliche Kabinett.  Preising sitzt an einem Tisch, ein
versiegeltes Dokument in der Hand.

Preising.  Dies soll ich ffnen und prfen!  Und gerade heut, an
diesem Tage des Jammers!  (Er besieht das Dokument.)  Keine Aufschrift,
bis auf ein Kreuz!  Aber sieben Siegel von seiner eignen Hand!  Dazu
lag's, dreifach verschlossen, in einer ehernen Truhe!  Der Inhalt mu
ernst und wichtig sein!  Auch neu ist es nicht!  Das beweist der
Staub, der sich mir an die Finger setzt!  (Er fngt an, die Siegel zu
erbrechen.)  Offenbar ein Geheimnis, das er lange vor mir verbarg!
Mir wird fast beklommen!



Zweite Szene

Stachus (tritt ein).  Ein Bauer ist da, mit einer ungeheuer groen
hre, die er dem Herzog zeigen will!

Preising.  Nur heute nicht!  Er wird vom Sterbebett keine Augen dafr
mitbringen!

Stachus.  Das hab ich ihm schon gesagt!  Aber er lt sich nicht
bedeuten, und Ihr wit's ja, da wir mit den gemeinen Leuten nicht
unsanft verfahren drfen!

Preising.  So la ihn stehen, bis er von selbst geht!  Hrt man denn
nichts von dem armen Prinzen?  Wird's nicht doch ein wenig besser?
Bei Gott ist ja kein Ding unmglich!

Stachus.  Besser!  Vor einer halben Stunde ward er versehen!  Herr
Kanzler, die Augsburger Hexe pat schon auf, und der Teufel lt sie
nicht im Stich, wie sollt's besser werden!

Preising.  Was redst du da wieder, Stachus!

Stachus.  Was sie alle reden!  In der Burg, auf der Strae, an der
Schranne, im Klosterhof, wo man auch hinkommt, alle, alle!  Ein
hochwrdiger Pater Franziskaner hat diese Bernauerin schon von der
Kanzel herab verflucht, er hat gesagt, sie sei wert, bei lebendigem
Leibe verbrannt zu werden, da wird's doch wohl wahr sein!  Und wie
sollt's auch nicht!  Erst stirbt der Vater, der gute, gute Herzog
Wilhelm; dies Wams hab ich von ihm!  Dann folgt seine Gemahlin!
Heute rot, morgen tot; wir muten sie beweinen, eh' sie ihn noch
beweinen konnte.  Nun der Prinz, der freundliche kleine Adolph!  Hrt
Ihr?  Das Sterbeglcklein!  Es ist aus!  Aus!  (Er ballt die Hnde,
wie zum Fluchen.)  Und ich sollte nicht!?--(Er sinkt auf die Knie und
betet.)

Preising (sinkt gleichfalls auf die Knie).

Stachus (aufstehend).  Selbst in Brand stecken mcht' ich den
Scheiterhaufen!  Die fnde so viele Henker, als es treue Bayern gibt.
Nun geht's an den Herzog, den regierenden Herrn, gebt nur acht!  (Ab.)



Dritte Szene

Preising (der sich zugleich mit Stachus erhebt).  Ja, es ist aus!
Das Glcklein verstummt, das Kind tat seinen letzten Atemzug, und
Ernst hat keinen Erben mehr, da er seinen Sohn verstie.  Dies ist
eine schwere Stunde frs Land!  Gott schaue gndig auf uns herab!
(Er ergreift das Dokument wieder.)  Nun wird er wohl gleich hiersein!
Die ganze Nacht war er drben!  (Er nimmt es aus dem Umschlag und
entfaltet's.)  Was ist das?  (Er liest.)  "Rechtlicher Beweis,
geschpft aus den Ordnungen des Reichs und anderen lauteren Quellen,
da die Agnes Bernauer oder Pernauer aus Augsburg wegen
verbrecherischer Verleitung des jungen Herzogs Albrecht zu
unrechtmiger Ehe, ja sogar, falls sich nichts Weiteres erhrten
liee, wegen bloer Eingebung einer solchen im uersten Falle gar
wohl, zur Abwendung schweren Unheils, auf welche Weise es immer sei,
vom Leben zum Tode gebracht werden drfe!" (Er setzt ab.)  Oh, nun
begreif ich alles!  Dieser Tote wird wieder tten, dieser Knabe, der
nicht einmal seine Nrnberger Klapperbchse mehr schtteln kann, wird
das Mdchen nachholen!  Schrecklich!  (Er sieht wieder hinein.)  Des
jungen Herzogs!  Er ist fnf Jahre lter, als sie, und hat vielleicht
schon seine erste Schlacht gewonnen, bevor sie noch ihre letzte Puppe
in den Winkel warf! rmste, welch ein Schicksal ereilt dich!  (Er
blttert um.)  Wer hat sich denn unterschrieben?  Adlzreiter!
Kraitmayr!  Emeran Nusperger zu Kalmperg!  Groe Juristen, wrdig, zu
Justinians Fen zu sitzen und die Welt zu richten, wer wagte ihnen
zu widersprechen!  Sie ist verloren!  (Er sieht wieder hinein.)  Und
gleich nach dem Regensburger Turnier abgefat!  Ja, da trafen sie
alle drei hier in Mnchen zusammen, ich hielt's fr Zufall, nun seh
ich wohl, da sie gerufen waren!  Das sind schon dritthalb Jahre!
Wie wenig mag sie's noch erwarten!  (Er blttert noch einmal um.)
Unten das frmliche Todesurteil, dem nur noch der Name des Herzogs
fehlt!  Der wird nun wohl bald hinzukommen!  Mich graust!  Manch
hnliches Blatt hielt ich schon in der Hand, aber da ging dem
strengen Spruch jedesmal eine Reihe schnder Gewalttaten voran, man
las viel von Raub, Mord, Brand und Friedensbruch, ehe man an die
Strafe kam.  Hier knnte hchstens stehen: sie trug keinen Schleier
und schnitt sich die Haare nicht ab!  Ich wei jetzt ja recht gut,
wie's zugegangen ist!  Und dennoch--(Er liest wieder.)  Durchs Beil,
durchs Wasser, ja durch einen Schu aus dem Busch--(Er setzt ab.)
Gibt's denn gar kein anderes Mittel mehr?



Vierte Szene

Ernst (tritt ein).  Ich lie Euch warten, Preising!  Aber ich mute
selbst warten!

Preising.  Gndiger Herr!

Ernst.  Lat, lat!  Die Erde kann schon mit gebrochenen Augen
gepflastert werden!  Es kam ein Paar hinzu!  Habt Ihr gelesen!

Preising.  Ich wollte just, da hrt' ich das Glcklein!

Ernst.  So lest jetzt!  (Er wendet sich.)  Es hat mich angegriffen!
Wie schwer stirbt ein Kind!  Zwlf Stunden Todeskampf fr ein so
kurzes Leben!  Mein Gott!  Nun, es ist vorbei!  (Er macht ein paar
Schritte.)  Die groe Glocke!  Endlich!  Mir fehlte noch was!  Die
verkndigt's der Stadt!  Nun geht's von Ort zu Ort, von Haus zu Haus,
von Mund zu Mund.  Ja, betet, betet, betet!  Wir knnen's brauchen!
(Wendet sich wieder zu Preising.)  Nun?

Preising (legt das Dokument auf den Tisch).  Was soll ich noch sagen!

Ernst.  Was Ihr knnt!  Prft Punkt fr Punkt, ich steh Euch Rede,
diesmal, wie allemal!  Habt Ihr etwas gegen die Mnner einzuwenden,
die das Gutachten abgaben und den Spruch fllten?

Preising.  Gegen die Mnner!  Wenn der Schwabenspiegel noch nicht
zusammengestellt wre, diesen dreien wrde ich an Kaisers Statt den
Auftrag geben, es zu tun!

Ernst.  Sind sie bestechlich?  Trifft einen unter ihnen der Verdacht
der hohlen Hand?

Preising.  Gewi nicht!  Wenn aber auch: Herzog Ernst hat keinem
etwas hineingedrckt!

Ernst.  Ihr erweist mir nur Gerechtigkeit!  Nicht einmal den
Schweipfenning, der ihnen gebhrt htte, und das ist die einzige
Schuld, die ich nie bezahlen will!

Preising.  Ich schwre fr Euch!  Aber auch fr sie!

Ernst.  Nun, solche Mnner, so beschaffen, legten vor dritthalb
Jahren nach gewissenhaftester Erwgung des Falls dies Blatt bei mir
nieder, und erst jetzt zieh ich's hervor.  Kann man mich der
bereilung zeihen?

Preising.  Nicht Euer Feind!

Ernst.  Wenn ich's vollstrecken lasse: kann man behaupten, es sei
nicht der Herzog, der seine Pflicht erfllen, sondern der Ritter, der
einen Flecken abwaschen, oder der Vater, der sich rchen will?

Preising.  Auch das nicht!

Ernst (ergreift die Feder).  Wohlan denn!

Preising.  Gndiger Herr, haltet noch ein!

Ernst.  Ja?  Gut! (legt die Feder nieder) Ich bin kein Tyrann, und
denke keiner zu werden.  Aber man soll von mir auch nicht sagen: er
trug das Schwert umsonst!  Wer's unntz zieht, dem wird's aus der
Hand genommen, aber wer's nicht braucht, wenn's Zeit ist, der ruft
alle zehn Plagen gyptens auf sein Volk herab, und die treffen dann
Gerechte und Ungerechte zugleich, denn unser Herrgott jtet nicht,
wenn er selbst strafen mu, er mht nur!  Das erwgt und nun sprecht!
(Er setzt sich.)

Preising.  Ich kann dies Blatt nicht widerlegen!  Es ist wahr: wenn
die Erbfolge gestrt wird oder auch nur zweifelhaft bleibt, so bricht
frher oder spter der Brgerkrieg mit allen seinen Schrecken herein,
und niemand wei, wann er endet!

Ernst.  Er bricht herein, wenn sie Kinder bekommen, er bricht herein,
wenn sie keine bekommen!  In dem einen Fall wollen die sich behaupten,
in dem andern knnen Ingolstadt und Landshut sich nicht vereinigen,
weil jedes den Lwenteil verlangt!  Ja, es ist die Frage, ob die auch
nur bis zu seinem Tode ruhig bleiben!  Denn, wenn sie jetzt mit ihm
liebugeln, so geschieht's, um mich zu rgern!

Preising.  Aber es ist doch auch entsetzlich, da sie sterben soll,
blo weil sie schn und sittsam war!

Ernst.  Das ist es auch!  Ja!  Darum stellt' ich's Gott anheim.  Er
hat gesprochen.  Ich warf mein eignes Junges aus dem Nest und legte
ein fremdes hinein.  Es ist tot!

Preising.  Und gbe es wirklich keinen anderen Ausweg?  Gar keinen?

Ernst.  Ihr greift mich hart an, Ihr meint, ich knnte noch mehr tun!
Und wahr ist's: in den Adern Ludwigs von Ingolstadt und Heinrichs
von Landshut fliet das Blut des Geschlechts ebenso rein, wie in
meinem eignen!

Preising.  Daran hab ich noch nicht gedacht!

Ernst.  Aber ich!  Zwar wr's so arg, da wohl auch ein Heiliger
fragen wrde: Herr, warum das mir?  Doch, wenn's nun wr'?  Der
letzte Hohenstaufe starb durch Henkers Hand, mit Gottes dunklem
Ratschlu kann viel bestehen, was der Mensch nicht fat.  Aber dies
kann Gottes Ratschlu nicht sein, denn es hlfe nichts, und das ist
mein Trost!  Sprche ich zu Heinrich: Komm, Fuchs, du hast mir mein
ganzes Leben lang Fallstricke gelegt und Gruben gegraben, nimm mein
Herzogtum zum Lohn! so fhre Ludwig dazwischen.  Sprche ich zu
Ludwig: Ich bin dir noch den Dank fr so manchen Schlag schuldig, der
von hinten kam, hier ist er! so griffe Heinrich mit zu, und einer
knnt's doch nur sein!  Oder ist's nicht so?

Preising.  Gewi!

Ernst.  Es bliebe also immer dasselbe, alles ginge drunter und drber,
und die Tausende, die im Vertrauen auf mich ins Land kamen und meine
Mrkte zu Stdten erhoben, meine Stdte so weit emporbrachten, da
selbst die stolze Hansa ihnen nicht mehr ungestraft den Rcken kehren
darf, wrden mich und mein Andenken verfluchen!

Preising.  Ich meinte nicht das!  Lat sie entfhren und dann
verschwinden!  Das geht jetzt leichter, wie sonst, er lt sie nicht
mehr so ngstlich bewachen.

Ernst.  Was wr' damit gewonnen?  Er wrde sie suchen bis an seinen
Tod!  Ihr wart ein schlechter Prophet in Regensburg!

Preising.  Man breitet aus, da sie gestorben ist.  Er fand den
Priester, der ihn mit ihr verband: kann Euch der Priester fehlen, der
einen Totenschein ausstellt?

Ernst.  Und ich sollte ihm das zweite Weib geben, solange das erste
noch lebte?  Nein, Preising, das Sakrament ist mir heilig, er soll
nicht am Tage des Zorns wider mich zeugen und sagen: Herr, wenn ich
mich mit Greueln befleckte, so wute ich nichts davon.  Hier hilft
kein Kloster, nur der Tod!

Preising.  Doch auch wohl der Papst, und wenn der sich weigert, der
Kaiser!  Friedrich Barbarossa schied sich selbst, Ludwig der Bayer
schied seinen Sohn!

Ernst.  Wie soll man scheiden, wenn keins von beiden will?  Preising,
ich hatte dritthalb Jahre Zeit, und das Kind, fr das jetzt die
Glocken gehen, war oft genug krank!  (Er greift wieder zur Feder.)
Nein, Gott will es so und nicht anders!  Und gerade jetzt geht es
leicht.  Er reitet heut oder morgen nach Ingolstadt zum Turnier hinab.
Dort soll er, ich mchte sagen, wieder ehrlich gesprochen werden,
und dies wird glcken, denn Ludwig hat alles zusammengerufen, was mir
feind ist, er denkt: je weiter der Ri zwischen uns beiden, je besser
fr ihn!  Nun, whrend sie die Fahne ber ihn schwenken, will ich
dafr sorgen, da sie sich hintendrein nicht zu schmen brauchen.
Nichts hat mich so verdrossen, als das Geprnge, mit dem er sie
gleich nach dem Regensburger Tag, einer Herzogin gleich, von Vohburg
nach Straubing fhrte.  Jetzt ist das gut!  Emeran Nusperger zu
Kalmperg ist Richter in Straubing, und Pappenheim kann mit hundert
Reitern in vierundzwanzig Stunden dort sein!

Preising.  Und nachher?  Gndiger Herr, Ihr habt recht, ich war in
Regensburg ein schlechter Prophet!  Wird er's tragen?  Wird er nicht
rasen und Hand an sich legen oder sich offen wider Euch empren?

Ernst.  Das eine vielleicht, das andre gewi, ich tu, was ich mu,
der Ausgang ist Gottes.  Ich setz ihn daran, wie Abraham den Isaak,
geht er in der ersten Verzweiflung unter, und es ist sehr mglich,
da er's tut, so lasse ich ihn begraben, wie sie, tritt er mir im
Felde entgegen, so werf ich ihn oder halte ihn auf, bis der Kaiser
kommt.  Dem meld ich's, noch eh' es geschieht, und er wird nicht
sumen, denn wie ich Ordnung im Hause will, so will er Ordnung im
Reich.  Es ist ein Unglck fr sie und kein Glck fr mich, aber im
Namen der Witwen und Waisen, die der Krieg machen wrde, im Namen der
Stdte, die er in Asche legte, der Drfer, die er zerstrte: Agnes
Bernauer, fahr hin!  (Er unterschreibt und geht, dann wendet er sich
und winkt.)  Kanzler!

(Ab, Preising folgt mit dem Blatt.)




Straubing.



Fnfte Szene

Burghof und daranstoender Garten.  Trring, Frauenhoven und
Nothhafft von Wernberg, alle gerstet, an einem steinernen Tisch, auf
dem Wein steht.  Der Kastellan geht vorber.

Nothhafft von Wernberg.  Nun, Alter, schon wieder in die Kapelle?
(Er erhebt seinen Becher.)  Komm, versuch einmal, damit du siehst, da
die Frommen noch immer nicht umsonst beten!

Kastellan.  Ich sto dich um, sagte der Ritter zum Becher, und tat's,
siebenmal hintereinander.  Aber der Becher stie ihn wieder um, und
da fiel er dem Teufel in die Arme, der schon lngst hinter ihm stand!
Htet Euch und spottet nicht!  (Ab.)



Sechste Szene

Frauenhoven.  Wo bleibt der Herzog?  Die Pferde werden ungeduldig!

Trring.  Er wird die Totengruft besehen, die sie sich bauen lie.
Sie ist gestern oder heut fertig geworden.  Ich sah sie beide zu den
Karmelitern hinbergehen.

Nothhafft von Wernberg.  Doch ein seltsamer Gedanke fr ein junges
Weib!  Eine Totengruft!

Trring.  Nun, im Anfang gerade so seltsam nicht!  Da mag ihr
beklommen genug gewesen sein, und mit Recht.  Jetzt freilich sieht's
anders aus!  Und doch kann man noch nicht wissen, wie's kommt!  Das
schwache Kind in Mnchen ist nicht stark dadurch geworden, da der
alte Herzog ihm die Krone aufsetzte.  Ja, er hat's vielleicht nur
getan, weil er sich darauf verlie, da sie schon von selbst wieder
herunterfallen wrde!

Frauenhoven.  Da irrt ihr!  Wie oft hat er Albrecht durch seinen
Bruder die frmliche Entsagung abzudrngen gesucht!

Trring.  Das war immer nur ein Stich, eine verkappte Anfrage, ob er
ihrer noch nicht satt sei!  Wenn Ernst keinen Hintergedanken hatte,
warum stellte er sich zwischen ihn und den Kaiser, als dieser wegen
der Regensburger Hndel Rechenschaft forderte?  Der alte Sigmund
meinte es sehr ernsthaft, das Podagra hat einen wackern Reichsvogt
aus ihm gemacht, und seine Kommissarien, wir drfen's uns wohl
bekennen, htten nicht einmal Brillen aufzusetzen gebraucht, um einen
offenen Aufruhr zu entdecken.  Warum kehrten sie so pltzlich in
Mnchen um?

Frauenhoven.  Ihr seht immer schwarz!

Nothhafft von Wernberg.  Sie kommen!  Steigen wir zu Pferde, da wir
den Abschied abkrzen!  Aber vorher--(Er ergreift den Becher.)

Trring.  Auf guten Ausgang!

(Sie stoen an und geben ab.)



Siebente Szene

Albrecht und Agnes treten auf.  Albrecht ist ebenfalls gerstet.

Agnes.  Also, die Ampel, die noch fehlt, bringst du mir mit, nicht
wahr?  Eine eherne, mit einer langen Kette, da sie hoch vom Gewlb
niederschweben kann.

Albrecht.  Lieber etwas andres, ich gesteh's dir offen.  Doch ich
hab's versprochen, und ich tu's!

Agnes.  Zrnst du mir?

Albrecht.  Wie knnt' ich!  Aber es ngstigt mich, da dir dies so am
Herzen liegt!  Hast du eine bse Ahnung?  Ich wte zwar nicht, woher
die dir jetzt noch kommen sollte, und dennoch mu es so sein!

Agnes.  Gewi nicht!  Ei, da wrd' ich von meinem Sarg reden, von den
Fackeln, dem Glockengelut und allem, was ich mir sonst noch wnschte!
Und wenn ich frchtete, dir weh zu tun, wrd' ich sagen: Denke dir,
mir hat getrumt, ich wrde begraben, und darber mut du dich freuen,
denn es bedeutet langes Leben, aber das Leichenbegngnis war so
schn, da ich's dereinst geradeso und nicht anders haben mchte.
Und dann wrde ich's dir beschreiben!

Albrecht.  So will ich dir die Ampel nach dreiig Jahren schenken!

Agnes.  Wenn du nicht anders willst!  Angezndet soll sie ja noch
nicht werden!  Aber, mein Albrecht, du kennst uns nicht, du weit
nicht, wie wir sind!  Ein brgerliches Mdchen macht sich das
Totenhemd gleich nach dem Hochzeitkleid, und sie tut wohl daran, denn
sie kann nicht wissen, wie sie's sonst in ihrem Alter bekommt!  Nun,
das liegt mir in der Art, und so lange bin ich noch nicht die
Gemahlin eines Herzogs, da sich schon alles an mir verndert htte!
Aber, du siehst, die Demut ist schon entwichen, denn ich habe nicht,
wie meine Gespielinnen, die eigenen Finger geplagt und mir das
Sterbegewand genht, ich habe den Maurer und den Zimmermann geqult
und mir eine Totenkapelle erbaut!  Nun steht sie, und es ist mir eine
Freude, da ich die Sttte, wo ich meinen lngsten Schlaf halten soll,
jetzt schon kenne, ja da ich sie betreten und dort im voraus fr
mich beten kann!  Darum mcht' ich auch die Ampel gleich aufhngen,
sonst wr' mir da in der letzten Stunde ja doch noch etwas fremd!

Albrecht.  Wenn es nur das ist!

Agnes.  Was sonst?  Ich seh schon bei Tage einmal nach meinem Bett,
weiter nichts!  Ei, merkst du denn noch etwas von jener Angst und
Beklommenheit an mir, die mich ergriff, als du so ungestm von
Regensburg zurckkehrtest und mich hierher fhrtest?  Damals zitterte
ich fr mich und dich!  Noch hatte ich mich an Vohburg nicht gewhnt,
noch lief ich, wie ein Kind, von Gemach zu Gemach und konnte keins
finden, das mir eng genug war, und schon mut' ich das kleine Schlo
mit diesem groen vertauschen, neben dem es sich ausnahm, wie mein
armes Vaterhaus sich neben ihm ausgenommen hatte!  Ach, die Musik
unterwegs, das wilde Lebehoch der Bauern, die sich mit ihren Sensen
und Pflugeisen um uns zusammenrotteten, die Blumen, die man uns
streute, alles entsetzte mich.  Du selbst kamst mir ganz fremd vor,
weil du's littest und dich darber freutest; ich erschrak zu Tode,
als du hier sogar die Glocken luten lassen wolltest!  Aber das ist
vorbei, lngst vorbei!  Du hrst ja, ich selbst nenne Vohburg jetzt
klein, ich wundere mich gar nicht mehr, wenn sich die Armen und
Bittenden des Morgens um mich drngen, ich kann fragen, wie eine
geborne Herzogin, ich kann den Kopf schtteln und fast abschlagen,
ich sollte mich schmen!

Albrecht.  So will ich dich!

Agnes.  Nur in meinen Trumen geht's anders her, sonst wrd' ich
gewi zu stolz!  Da kehrt die alte Zeit wieder, wo ich die Brotkrumen
sorgfltig auflesen mute, die zu Boden fielen, und wo mein
Geburtstagsgeschenk meistens darin bestand, da ich nicht gescholten
wurde, wenn ich etwas tat, was nicht ganz recht war.  Noch in der
letzten Nacht, du mit deiner immer offnen Hand wirst lachen, bat ich
meinen Vater glhend und stotternd um irgendeine Kleinigkeit, und er
sagte, was er gewhnlich zu sagen pflegte, wenn er eine Bitte nicht
zweimal hren wollte: gut, es sei, aber dann kann ich ein halbes Jahr
lang keinen Tropfen Wein mehr trinken!  Ich war noch recht unwillig
auf ihn, als ich erwachte, aber nun--Ich hab ihn doch wenigstens
einmal wiedergesehen!

Albrecht.  Du wirst ihn--(Er unterbricht sich.)  Da hab ich dich um
die berraschung gebracht!

Agnes.  Nein, mein Albrecht!  Ich hab's recht gut gemerkt, aber wenn
er kommen wollte, wr' er lngst dagewesen!  Ich kann mir auch denken,
was ihn abhlt, und du mut ihn darum ehren!

Albrecht.  Ich glaube doch, er wird diesmal nachgeben!  Sonst gehen
wir im Winter nach Augsburg zum Mummenschanz.



Achte Szene

Trring (tritt ein).  Verzeiht!

Albrecht.  Ich bleib Euch zu lange!

Trring.  Wenn Ihr berhaupt noch fort wollt-

Albrecht.  Wenn ich berhaupt noch fort will?  Ei, ich werde die Ritter
und Herren, die Herzog Ludwig so mhsam zusammenbrachte, nun doch nicht
zum Narren halten?

Trring.  Hrt Ihr die Domglocke nicht?

Albrecht.  Lngst, aber, was kmmert sie mich?

Trring.  Mehr, als Ihr denkt: Euer Vetter Adolph ist tot!

Albrecht.  Tot?

Trring.  Eben trifft die Trauerbotschaft aus Mnchen ein!

Albrecht.  Friede mit ihm!  Er lebte sich selbst nur zur Last und
keinem zur Freude!

Agnes.  Gott im Himmel!  Das ist nun in sechs Monaten der dritte!

Trring.  Ja, ja, edle Frau, Ihr versteht's!

Agnes.  So bin ich wieder schuld?  O freilich! freilich!  Wer sonst
wohl!

Albrecht.  Gott wei, da ich mich nicht freue!  Wie sollt' ich auch?
Fr mich war er nie da!  Aber weinen kann ich ebensowenig!  Ich denk
nur an eins!  Nun kann mein Vater mit Ehren zurck!

Trring.  Ich darf absatteln lassen?

Albrecht.  Was fllt Euch ein?  Zwar, ich mchte nicht, da jetzt aus
dem Turnier noch etwas wrde.  Aber ich bin doch wohl der letzte, der
ausbleiben darf!  Fort mu ich, und das gleich, doch gewi werd ich
nun viel frher wieder hiersein, als ich dachte!  Agnes, jetzt--(Er
sagt ihr etwas ins Ohr, dann hlt er seine Hand auf ihre Wange.)  Au,
ich brenne mich!

Agnes.  Verzeih dir's Gott, da dir das in den Sinn kommt!

Albrecht.  Amen!  Ich sag's mit!  Aber es wird sich zeigen!  Ich
hatte immer das Gefhl, mein letzter Wunsch knne nicht eher gekrnt
werden.  Ei, unser Sohn mute doch auch einen Grovater haben!  Und
nun--(Er umarmt sie.)  Siehst du, da du mir nicht aufrichtig zrnst?
Du hltst mich fest!  Oh, ich wei es ja lngst, da du erst dann an
Gottes Segen glauben wirst!  Darin bist du aberglubisch.  Aber ndre
dich ja nicht, ich lieb auch das an dir!  (Er kt sie.)  Mein Leben,
auf Wiedersehen!  (Er lt sie los und entfernt sich ein paar
Schritte von ihr.)  Seht Ihr, Trring, da man von seinem Leben
scheiden kann, und darum doch nicht gleich zu sterben braucht?  Also!
Werdet kein Hagestolz!  Aber freilich, man mu das Beste erst
abkssen!  (Er umarmt und kt sie noch einmal.)  So!  Nun bin ich in
Ingolstadt und du in Straubing!  Siehst du mich noch?  Ja?  Ich dich
nicht mehr!  (Ab.)

Trring (folgt).



Neunte Szene

Agnes (eilt in den Garten).  Da kann ich ihn zu Pferd steigen sehen!
(Sie kehrt wieder um.)  Ja, wenn er selbst mich in die Hhe hbe und
ber die Mauer kucken liee, wie damals, als die schwarzbraunen
gypter mit Zimbeln und Schellen vorberzogen.  Aber hren mu ich
ihn knnen!  (Sie eilt wieder fort.)  Still, still mit euren Trompeten!
Horch!  Das ist er!  "Ihr seid brav, Trring!" Gewi, aber warum
sagst du ihm das gerade jetzt?  Ach, da geht's schon fort!  Leb wohl,
mein--Halt!  Der Trab stockt!  Es ist doch nichts geschehen?  Da
redet einer!  Schwach, undeutlich--schweig du!  Nun noch einmal er!
"Fhrt ihn gleich zu ihr!" Zu mir?  Wen denn?  "Es wird ihr lieb sein!"
Mir lieb?  Nein, Albrecht, da kennst du mich nicht!  Ich wollte, es
wrde augenblicklich Nacht und erst in dreimal vierundzwanzig Stunden
wieder Tag!  Oder wr's mein Vater?  (Sie jauchzt auf.)  Mein Vater!
Gewi nicht!  Ach nein! jetzt sprengen sie weiter.  Hui!  Recht, ihr
Rosse, holt aus!  Um so eher seid ihr wieder mit ihm da.  (Sie horcht
auf.)  Ich hre nichts mehr.  (Sie horcht wieder.)  Doch!  (Sie pflckt
whrenddem gedankenlos eine Blume.)  Was soll's noch!  (Sie lt die
Blume fallen.)  Hab ich da was gepflckt?  Das tut mir leid!  Es ist
keine Zeit, Blumen vor die Brust zu stecken!  (Sie wandelt langsam
wieder herauf.)  Nun ist's denn so gekommen, wie sie alle vorhersagten!
Tot!  Ob das uns wirklich was Gutes bedeutet?  Was tu ich jetzt?
Zieh ich mich schwarz an?  Da bin ich wieder hochmtig und rechne
mich mit zur Familie, wie dieser unheimliche Mensch mit den kalten
Augen, der Richter, gespttelt haben soll.  Unterla ich's?  Da freu
ich mich ber das Unglck!  Ich folg meinem Herzen und das sagt:
traure mit den Traurenden!  Lacht nicht, Herr Emeran!  Man ist
manchem Dank schuldig, ohne da man's wei!  Es ist gut fr Euch, da
dies Herz so weich ist, wenn Ihr es auch nicht ahnt!



Zehnte Szene

Trring (tritt auf).

Agnes.  Ihr noch hier?

Trring.  Ich bleibe, edle Frau!  Es ist einer aus Augsburg da, ich
darf ihn wohl schicken?

Agnes.  Aus Augsburg?

Trring (geht ab, gleich darauf erscheint Theobald).

Agnes (ruft ihm entgegen).  Theobald!

Theobald.  Agnes--Frau Herzogin, wollt' ich sagen--Nicht?  So ist's
recht?

Agnes.  Lat das!  Kommt mein Vater auch?  Doch, was frag ich!  Wie
knntet Ihr Euch alle beide zugleich entfernen!

Theobald.  Nun, das--Aber Ihr wit, wie er ist!  Er meint, Ihr
solltet Gott danken, wenn Euch der Vater endlich vergeben und
vergessen sei, und ihm keine Boten weiter senden, es helfe doch
nichts, denn er seinerseits kenne seine Schuldigkeit und werde den
alten Bartkratzer hier nicht in Erinnerung bringen!  Es freue ihn
zwar von Herzen--und das tut's auch, ich wei es, darum kehrt Euch
nicht an ihn--da Ihr noch an ihn dchtet, und da auch Euer Herr
sich seiner nicht schme, aber er verstehe das besser, und Ihr
mchtet aufhren, ihn zu qulen!

Agnes.  Und das ist alles, was Ihr mir von ihm melden sollt?  Nur, um
mir das zu sagen, habt Ihr die weite Reise gemacht?

Theobald.  Nun, das gerade nicht!  Ich hatte wohl auch noch einen
anderen Grund!

Agnes.  Und der--mu er mir Geheimnis bleiben?

Theobald.  Ach, warum auch!  Wir hren nun seit Jahren so allerlei,
und da wollt' ich, da sollt' ich doch einmal sehen-

Agnes.  Ob ich auch wirklich glcklich sei?  Oh, wrt Ihr doch eine
Stunde frher gekommen!  Dann httet Ihr mit eigenen Augen--Doch nein,
nein, es ist besser so!  Und Ihr?  In Augsburg?

Theobald.  Wegen des Vaters braucht Ihr Euch nicht zu ngstigen!
Gleich nachdem Ihr fort wart, baute er sich den neuen Ofen, an den er
frher nie die Kosten wagen wollte, und das hat sich ihm belohnt.

Agnes.  Ich danke Gott dafr!

Theobald.  Er hat allerlei entdeckt, mehr als er zeigen darf, wenn er
nicht noch rger als Hexenmeister ins Geschrei kommen will.  Dinge,
sag ich Euch--es ist schade, da Ihr sie nicht sehen knnt.  Das wird
nun so wieder mit ihm untergehen.  Doch, es ist auch manches darunter,
was er nicht zu verbergen braucht, und dabei steht er sich schon gut
genug.  Er knnte sich nun gern ein Grtlein kaufen, wie Ihr es immer
wnschtet.

Agnes.  Und Ihr selbst, Theobald?

Theobald.  Mir gibt er jetzt doppelten Lohn!

Agnes.  Ach, das will ich nicht wissen!

Theobald.  Nun, ich lache noch zuweilen ber mich!  Und das recht von
Herzen, Ihr knnt mir's glauben!  Noch vorhin, als ich den Herzog,
Euren Gemahl, zu Pferd daherkommen sah.  Freilich, das ist ein Mann!
Und wie er Euch lieben mu, kann man schon daran sehen, da er seine
Leute so warten lt, was doch gar nicht Ritterart ist!  An denen kam
ich bereits vor einer Stunde vorbei, und sie muten schon lange
stehen, denn sie waren hchst ungeduldig.

Agnes.  Das ist ja nicht mglich!  Er hat sie ja bei sich!

Theobald.  Zehn oder Zwlf!  Ich meine die brigen!

Agnes.  Die brigen?  Ei, er reitet ja nur zum Turnier und nimmt
nicht einen Mann mehr mit!

Theobald.  Und doch sah ich eine Stunde von hier hinter dem
Fhrenwald, wo die Hgel sich senken, einhundertundfunfzig oder
zweihundert Gewappnete, den Fu im Bgel, die Lanze in der Hand und
das Gesicht gen Straubing gekehrt, als ob sie ihren Fhrer oder sonst
etwas von dort erwarteten!

Agnes.  Ich erschrecke.  Wo?

Theobald.  Ei, an der Mnchner Strae!

Agnes.  An der Mnchner Strae?  Er reitet nach Ingolstadt.

Theobald.  Auch sprengte ein Geharnischter, der von hier kam, in
wilder Hast an mir vorbei. Ich dachte, der sagte ihn an.  Jetzt
fllt's mir ein, da er verkappt war!

Agnes.  Das ist hchst verdchtig, das mu Trring wissen, das--Mein
Gott, hrt, der Burgwart stt ins Horn, da es
zerspringt--Trompetengeschmetter von allen Seiten--ganz nah--immer
nher--das ist nichts Gutes--das ist Herzog Ernst!

(Man hrt das alles.)

Theobald.  Es ist nichts Gutes!  Geschrei!  Waffengeklirr!  Gilt das
denn Euch?  Kein Zweifel, man strmt!  Und sie sind schon aneinander.

(Man hrt das alles.)

Agnes.  Das ist nicht mglich!  Das Schlo hat Mauern und Grben.



Elfte Szene

Der Kastellan (strzt herein).  Edle Frau--folgt mir in die
Totengruft--mich schickt der Trring!

Agnes.  Ich hoffe, er wird mich verteidigen.

Der Kastellan.  Die Brcke--ein Verrter hat die Brcke
niedergelassen oder gar nicht wiederaufgezogen, denn die Dummheit
kann nicht so weit gehen.  Die Feinde sind gleich hier!  Wie soll er
sie aufhalten!

Agnes.  Nun, so sind's keine Mrder, und ich, was bin denn ich?

(Das Getse kommt immer nher.)

Der Kastellan.  Kommt, kommt, ich beschwr Euch!  Wer wei, ob sie
Euch dort suchen!

Agnes.  Theobald, geht Ihr mit ihm!

Theobald.  Um eine Waffe zu holen, meint Ihr!  Es wchst wohl auch
eine auf'm Baum!  (Er reit einen Ast ab.)



Zwlfte Szene

Trring und Pappenheim treten kmpfend auf.  Im Hintergrunde kmpfen
Reisige und Burgknechte.  Auch Preising wird sichtbar, aber ohne das
Schwert zu ziehen.

Pappenheim.  Ergebt Euch, Trring!

Trring.  Ho!

Pappenheim.  So nehmt!  Ich hab Euch lange genug geschont!

Trring.  Pah!

Pappenheim.  War's nicht vom Besten?

Trring.  Ei was!  (Er holt aus, fllt aber in die Knie.)  Doch!  (Zu
Agnes hinber.)  Edle Frau, Ihr seht--Was hilft's Euch?

Pappenheim (beugt sich auf ihn nieder).  Ihr habt's nicht anders
gewollt!

Trring (fllt um).  Macht's Kreuz ber mich!  Freund oder--(Er
stirbt.)

Theobald (wirft den Ast weg, und strzt auf Trring zu.)  Da erb ich
was!

Agnes.  Theobald!

Theobald.  Wei wohl, es ist ein Hochmut von mir!  Aber--(Er nimmt
Trrings Schwert.)

Pappenheim (sich wendend).  Wo ist die Hexe, um die ich dies edle
Blut vergo?

Agnes (schreitet ihm entgegen).  Wen sucht Ihr?

Pappenheim (senkt unwillkrlich sein Schwert und greift an den Helm,
dann schlgt er sich vor die Stirn).  Teufel, was mach ich!

Theobald.  Ihr Knechte, schart euch um eure Gebieterin!  Sie hat
gewi jedem von euch Gutes getan!

Die Knechte (scharen sich).

Pappenheim (zu den Seinigen).  Ergreift sie!  Die ist's!

Theobald (tritt vor Agnes).  Solange ich lebe, geht's nicht!

Pappenheim.  Was willst du?

Theobald.  Es ist die Tochter meines Meisters!

Pappenheim.  Badergesell, kannst du zhlen?  Nieder mit ihm, wenn er
nicht weichen will, und fort mit ihr!

Die Reisigen (drngen sich um Agnes herum, aber mit Scheu, und ohne
sie anzurhren, weil sie von ihrer Schnheit geblendet sind).  Ha!
Ei!  Die!

Pappenheim.  Nun, was gafft ihr?  Hat sie's euch schon angetan, wie
dem armen Herzog, oder wollt ihr warten, bis ihr's weghabt?  Lat ihr
nur Zeit, kuckt ihr nur in die gefhrlichen schnen Augen, so lt
sie euch Borsten wachsen, statt der Haare, und Klauen, statt der
Ngel!  Ich dchte, ihr httet genug von ihren Knsten gehrt.  Mu
ich selbst den Schergendienst verrichten?  (Er dringt auf Agnes ein
und will sie ergreifen.)

Theobald (schwingt das Schwert, wie ein Rad, um den Kopf herum, so
da Pappenheim sich nicht nhern kann).

Pappenheim.  Ei, dich soll ja--(Er will Theobald durchstoen.)

Agnes (wirft sich zwischen beide).  Schont ihn!  Er denkt an meinen
alten Vater!  Ich folg Euch!  Aber verget nicht, es ist Herzog
Albrechts Gemahlin, die Ihr in seinem eigenen Schlo berfallt!

Pappenheim (will wieder auf Theobald eindringen).  Der Bursch hat
mich-

Preising (rasch hervortretend).  Im Namen des Herzogs, meines Herrn,
jedes Schwert in die Scheide!

Pappenheim (indem er sein Schwert einsteckt).  Warum auch nicht!  Ich
soll sie nur fangen!

Agnes.  Theobald, kehrt noch nicht nach Augsburg zurck!  Dies kann
das Ende nicht sein!  (Sie geht voran.)

Pappenheim (folgt ihr mit den Reisigen).

Theobald (will gleichfalls folgen, schlgt sich dann aber vor die
Stirn).  Nein!  Nach Ingolstadt!  Zu ihm!  Das erste Pferd, das ich
unterwegs treffe, ist mein!  (Strzt fort.)

Preising.  Gott gebe, da sie jetzt auf mich hre!  Noch kann ich sie
vom Tode retten, und ich will's.  (Ab.)




Fnfter Akt


Straubing



Erste Szene

Kerker.

Agnes.  "Ingolstadt ist weit!" Es knnte mich verrckt machen, das
schreckliche Wort!  Ingolstadt ist keine vierundzwanzig Stunden von
hier, und als Theobald eben vorbeistrzt, und der Marschall ihn mit
vorgestreckter Lanze aufhlt, sagt dieser Richter mit einem Blick auf
mich: lat ihn doch laufen, wohin er will, Ingolstadt ist weit!
Wren keine vierundzwanzig Stunden mehr mein?  Herr, mein Gott, so
kannst Du mich nicht verlassen!



Zweite Szene

Preising (tritt ein).

Agnes (ihm entgegen).  Was bringt Ihr mir?

Preising.  Was Ihr selbst wollt!

Agnes.  Was ich selbst will?  Oh, spottet meiner nicht!  Ihr werdet
mir die dstre Pforte nicht wieder ffnen, die man so fest hinter mir
verriegelt hat!

Preising.  Ich werde, wenn Ihr Euch fgt!

Agnes.  Und was verlangt Ihr von mir?

Preising.  Ich stehe hier fr den Herzog von Bayern.

Agnes (macht eine zurckweichende Bewegung).

Preising.  Aber ich meine es redlich mit Euch, und auch mein
erlauchter Gebieter ist nicht Euer Feind!

Agnes.  Nicht mein Feind?  Wie komm ich denn hieher?

Preising.  Ihr wit, wie's steht!  Herzog Ernst ist alt, und sein
Thron bleibt unbesetzt, wenn Gott ihn abruft, oder sein einziger Sohn
mu ihn besteigen.  Nun, Albrecht kann Euch nimmermehr mit
hinaufnehmen, und da er sich von Euch nicht trennen will, so mt Ihr
Euch von ihm trennen!

Agnes.  Ich mich von ihm!  Eher von mir selbst!

Preising.  Ihr mt!  Glaubt's mir, glaubt's einem Mann, der Euer
Schicksal schon kennt, wie Gott, und es gern noch wenden mchte!  Ihr
knnt kein Mitrauen in mich setzen; warum wr' ich gekommen, wenn
Euer Los mir nicht am Herzen lge?  Meines Arms bedurfte es doch
gewi nicht; Ihr habt's ja gesehen, wie berflssig ich war, und
welchen Gebrauch ich von meinem Schwert machte.  Ich zog mit, weil
Ihr mich erbarmtet; ich suche Euch jetzt im Kerker, im Vorhof des
Todes, auf, weil ich allein noch helfen kann, doch ich wiederhol's
Euch: Ihr mt!

Agnes.  Ihr habt den armen Menschen gerettet, der vorhin sein Leben
fr mich wagte, ich mu glauben, da Ihr's aufrichtig meint, aber Ihr
seid ein Mann und wit nicht, was Ihr fordert!  Nein, nein!  Das in
Ewigkeit nicht!

Preising.  Nicht zu rasch, ich beschwr Euch!  Wohl mag's ein
schweres Opfer fr Euch sein, doch wenn Ihr's verweigert, so wird
man--knnt Ihr noch zweifeln nach allem, was heute geschah?--aus Euch
selbst ein Opfer machen!  Ja, ich gehe vielleicht schon weiter, als
ich darf, indem ich Euch berhaupt noch eine Bedingung stelle, und
tu's auf meine eigne Gefahr!

Agnes.  Ihr wollt mich erschrecken, aber es wird Euch nicht gelingen!
(Sie hlt sich an einem Tisch.)  So leicht frchte ich mich nicht,
dies Zittern meiner Knie kommt noch von dem berfall!  Mein Gott,
erst die Trompeten, dann die blutigen Schwerter und die Toten!  Aber
fr mich besorg ich nichts, ich bin ja nicht in Ruberhnden, und
Herzog Ernst ist ebenso gerecht, als streng!  (Sie setzt sich.)  Seht
mich nicht so an, mir ward jetzt so wunderlich, weil der tote Trring
mir auf einmal vor die Seele trat, es ist schon wieder vorber.  (Sie
erhebt sich wieder.)  Was knnte mir auch wohl widerfahren!  Ist doch
selbst ein Missetter, solange der Richter ihn noch nicht verurteilt
hat, in seinem Kerker so sicher, als ob die Engel Gottes ihn
bewachten, und ich habe den meinigen noch nicht einmal erblickt!
Nein, nein, so hat mein Gemahl nicht von seinem Vater gesprochen, da
ich dies glauben drfte!  Doch, wenn's auch so wre, wenn der Tod--es
ist unmglich, ich wei es, ganz unmglich--aber wenn er wirklich
schon vor der Tr stnde und meine Worte zhlte: ich knnte
nimmermehr anders!

Preising.  Der Tod steht vor der Tr, er kommt, wenn ich gehe, ja er
wird anklopfen, wenn ich zu lange sume!  Schaut einmal durchs Gitter
zur Brcke hinber!  Was seht Ihr?

Agnes.  Das Volk drngt sich, einige heben die Hnde zum Himmel empor,
andere starren in die Donau hinab, es liegt doch keiner darin?

Preising (mit einem Blick auf sie).  Noch nicht!

Agnes.  Allmchtiger Gott!  Versteh ich Euch?

Preising (nickt).

Agnes.  Und was hab ich verbrochen?

Preising (hebt das Todesurteil in die Hhe).  Die Ordnung der Welt
gestrt, Vater und Sohn entzweit, dem Volk seinen Frsten entfremdet,
einen Zustand herbeigefhrt, in dem nicht mehr nach Schuld und
Unschuld, nur noch nach Ursach' und Wirkung gefragt werden kann!  So
sprechen Eure Richter, denn das Schicksal, das Euch bevorsteht, wurde
schon vor Jahren von Mnnern ohne Furcht und ohne Tadel ber Euch
verhngt, und Gott selbst hat den harten Spruch besttigt, da er den
jungen Prinzen zu sich rief, der die Vollziehung allein aufhielt.
Ihr schaudert, sucht Euch nicht lnger zu tuschen, so ist's!  Und
wenn's einen Edelstein gbe, kostbarer, wie sie alle zusammen, die in
den Kronen der Knige funkeln und in den Schachten der Berge ruhen,
aber ebendarum auch ringsum die wildesten Leidenschaften entzndend
und Gute, wie Bse, zu Raub, Mord und Totschlag verlockend: drfte
der einzige, der noch ungeblendet blieb, ihn nicht mit fester Hand
ergreifen und ins Meer hinunterschleudern, um den allgemeinen
Untergang abzuwenden?  Das ist Euer Fall, erwgt's und bedenkt Euch,
ich frage zum letzten Mal!

Agnes.  Erwgt auch Ihr, ob Ihr nicht verlangt, was mehr als Tod ist!
Ich entsage meinem Gemahl nicht, ich kann's und darf's nicht.  Bin
ich denn selbst noch, die ich war?  Hab ich blo empfangen?  Hab ich
nicht auch gegeben?  Sind wir nicht eins, unzertrennlich eins durch
Geben und Nehmen, wie Leib und Seele?  Aber ich verbrge mich fr ihn,
da er dem Thron entsagt!  Frchtet nicht, da ich verspreche, was
er nicht halten wird!  Ich hab's aus seinem eignen Munde, wie ein
Zauberwort fr die hchste Gefahr!  Zwar glaubte ich lngst nicht
mehr, da ich's noch brauchen wrde, aber diese Stunde hat's mir
entrissen, und nun braucht's, wie Ihr wollt!

Preising.  Das rettet Euch nicht mehr!  Herzog Albrecht kann die
angestammte Majestt sowenig ablegen, als Euch damit bekleiden, sie
ist unzertrennlich mit ihm verbunden, wie die Schnheit, die ihn
fesselt, mit Euch.  Will er's nicht seinen Segen nennen, so nenne
er's seinen Fluch, aber er gehrt seinem Volk und mu auf den Thron
steigen, wie Ihr ins Grab.  Euch rettet's nur noch, wenn Ihr Eure Ehe
fr eine sndliche erklrt und augenblicklich den Schleier nehmt.

Agnes.  Wie mild ist Herzog Ernst!  Der will doch nur mein Leben!
Ihr wollt mehr!  Ja, ja, das braucht' ich blo zu tun, so wr' ich
fr ihn, wie nie dagewesen; ich selbst htte mein Andenken in seiner
Seele ausgelscht, und er mte errten, mich je geliebt zu haben!
Mein Albrecht, deine Agnes dich abschwren!  O Gott, wie reich komm
ich mir in meiner Armut jetzt auf einmal wieder vor, wie stark in
meiner Ohnmacht!  Diesen Schmerz kann ich doch noch von ihm abwenden!
Das kann mir doch kein Herzog gebieten!  Nun zittre ich wirklich
nicht mehr!

Preising.  Oh, da Euer alter Vater neben mir stnde und mich
untersttzte!  Da er sprche: mein Kind, warum willst du einen Platz
nicht freiwillig wiederaufgeben, den du doch nur gezwungen einnahmst?
Denn ich wei ja, da dies Euer Fall war!

Agnes.  Gezwungen?  So also wird meine Angst, mein Zittern und Zagen
ausgelegt?  Oh, wenn Ihr mir Euer Mitleid geschenkt habt, weil Ihr
das glaubt, so nehmt's zurck und qult mich nicht lnger, ich habe
keinen Anspruch darauf.  Nein, nein, ich wurde nicht gezwungen!  So
gewi ich ihn eher erblickt habe, als er mich, so gewi habe ich ihn
auch eher geliebt, und das war gleich, als ob's immer gewesen wre
und in alle Ewigkeit nicht wiederaufhren knne.  Darum keine Anklage
gegen ihn, ich war frher schuldig, als er!  Nie zwar htt' ich's
verraten, ich htte vielleicht nicht zum zweiten Mal zu ihm
hinbergeschaut, sondern im stillen mein Herz zerdrckt und unter
Lachen und Weinen ein Gelbde getan.  Ach, ich schmte mich vor Gott
und vor mir selbst, mir war, als ob mein eignes Blut mir ber den
Kopf liefe, ich erwiderte ein Lcheln des armen Theobald, um mir
recht weh zu tun.  Doch, als er nun am Abend zu mir herantrat, da
wandte ich mich zuerst freilich auch noch ab, aber nur, wie ein
Mensch, der in den Himmel eintreten soll und wei, da er dem Tode
die Schuld noch nicht bezahlt hat!  Wenn ein Engel den mit sanfter
Gewalt ber die Schwelle ntigt: hat er ihn gezwungen?

Preising.  So ist es Euer letztes Wort?



Dritte Szene

Die Tre wird geffnet, man erblickt Hscher und Reisige, die jedoch
drauen bleiben, es tritt ein: Emeran Nusperger zu Kalmperg und
bleibt am Eingang stehen.

Agnes (ihm entgegen).  Herr Emeran, htte mein Gemahl je erfahren,
was ich von Euch wute, Ihr lebtet nicht, um mich zu verderben!  Er
hate Euch schon ohne Grund, wie keinen auf der Welt, ich htt' ihm
wohl einen Grund angeben knnen, aber ich tat's nicht!  Sinnt nach,
und wenn Ihr ein Mensch seid, so mu sich in Eurer Brust jetzt etwas
fr mich regen!

Emeran Nusperger zu Kalmperg (schweigt).

Agnes.  Herr Emeran, hin ich auf ehrliche Weise in Eure Hand
gefallen?  Bedenkt wohin Ihr mich ohne Vorbereitung schickt, lat mir
noch etwas Zeit, und Gott soll's Euch verzeihen, da Ihr einen Judas
mehr gemacht habt, ich will selbst fr Euch bitten!

Emeran Nusperger zu Kalmperg (schweigt).

Agnes.  Herr Emeran, wie ich in diesem Augenblick zu Euch, so werdet
ihr dereinst zu Gott um eine kurze Frist flehen, und er wird Euch
antworten, wie Ihr mir!  Seht mich an, wie jung ich noch bin, und
gebt mir von jedem Jahr, das Ihr mir raubt, nur eine Minute zurck!
Knnt Ihr mir's weigern?  Ich will ja nur von mir selbst Abschied
nehmen!

Preising.  Ihr verlangt von ihm, was er nicht gewhren kann!  Er wei
von Eurem Knecht, da Ihr gestern zur Nacht erst gebeichtet habt, und
die Stunde drngt!  Auch ist die eine ebenso schwarz, wie die andere,
glaubt's mir!  Aber willigt ein und-

Agnes.  Hebe Dich von mir, Versucher!

Emeran Nusperger zu Kalmperg (winkt einem Hscher).

Ein Hscher (tritt herein und nhert sich Agnes).

Agnes.  Fort, Mensch!  Willst du deine Hand an die legen, die noch
keiner, als dein Herzog, berhrt hat?  Nur dem Totengrber kann ich's
nicht mehr wehren!  (Sie schreitet zur Tr, bleibt dann aber stehen).
Albrecht, Albrecht, was wirst du empfinden!

Preising.  Ja!  Ja!  Und Ihr wollt diesen Stachel lieber in seine
Seele drcken, als--Noch ist's Zeit!

Agnes.  Fragt ihn, wenn ich dahin bin, ob er lieber eine Unwrdige
verfluchen, als eine Tote beweinen mchte!  Ich kenne seine Antwort!
Nein, nein, Ihr bringt Euer Opfer nicht so weit, da es sich selbst
befleckt.  Rein war mein erster Hauch, rein soll auch mein letzter
sein!  Tut mir, wie Ihr mt und drft, ich will's leiden!  Bald wei
ich, ob's mit Recht geschah!

(Sie schreitet durch die Hscher hindurch, Preising und Emeran
Nusperger zu Kalmperg folgen.)




Offenes Feld.



Vierte Szene

Herzog Ernst mit seinen Rittern und Reisigen, die man ziehen und sich
ausbreiten sieht.  Bauerhtten, wovon eine ganz in der Nhe ist.

Ernst (tritt mit Wolfram von Pienzenau, Ignaz von Seyboltstorff und
Otto von Bern hervor).

Ernst.  Ihr, Pienzenau, reitet zu Haydeck!  Er soll so weit
vorwrtsgehen, als er kann!  Ich mu hier haltmachen und auf den
Kanzler warten.

Wolfram von Pienzenau (ab).

Ernst.  Ihr, Seyboltstorff, schwenkt Euch gegen Straubing, und
besetzt die Hgelkette!

Ignaz von Seyboltstorff (ab).

Ernst.  Ihr, Bern, seht nach Euren Reitern und bleibt nchtern, damit
die auch nchtern bleiben.  (Wie Bern sprechen will.)  Ich wei wohl,
da Ihr behauptet, des Morgens immer benebelt aufzustehen und Euch
den Verstand erst nach und nach anzutrinken, wie andere Leute den
Rausch, aber ich halte nichts davon, und ich mu Euch heute zur Hand
haben, wie mein Schwert!

Otto von Bern (ab).



Fnfte Szene

Ernst.  Eine Bauerhtte!  Ich will doch einmal sehen, wie die Leute
leben!  (Er geht auf die Htte zu, findet sie aber verschlossen.)  Zu!
Alles auf'm Felde bei der Arbeit.  Wer kocht denn Essen?  Oder hab
ich sie schon verjagt?  (Er kommt zurck.)  Wenn's geglckt ist, mu
die Nachricht jeden Augenblick kommen!  Dies ist das erste Mal, da
mir die Zeit lang wird.--Ernst, frevle nicht!  Wer wei, welcher
Schatten jetzt schon zwischen Himmel und Erde umherirrt!



Sechste Szene

Preising (tritt mit Pappenheim auf).  Hier soll er sein!

Ernst (ihnen entgegen).  Ihr Preising?  Nun?

Preising.  Tot!

Ernst.  So sei Gott ihr gndig!--Pappenheim, Ihr mt gleich wieder
aufsitzen und Euch mit Pienzenau vereinigen, um Haydeck zu strken.
Der hat den ersten Sto zu erwarten, wenn's was gibt!

Pappenheim (ab).

Ernst.  Wie starb sie?

Preising.  Hat sie sich Euch um die elfte Stunde nicht angezeigt?

Ernst.  Das versteh ich nicht!

Preising.  Da war's!  Der Henker versagte den Dienst, Herr Emeran
mute einen seiner Hrigen entlassen, der strzte sie von der Brcke
herab.  Erst schien's, als ob sie aus Angst vor der Befleckung durch
seine Hnde freiwillig hinunterspringen wollte, doch dann kam die
Furcht des Todes ber sie, ihr schwindelte, und er mute sie packen.
Das Volk htte ihn gern gesteinigt, und doch wute jeder, da der
jmmerliche Mensch es nur fr seine Freiheit tat.  Nicht um die Welt
mcht' ich's zum zweiten Mal sehen.

Ernst.  Genug, Preising!  Es gibt Dinge, die man, wie im Schlaf tun
mu.  Dies gehrt dazu.  Das groe Rad ging ber sie weg--nun ist sie
bei dem, der's dreht.  Jetzt handelt sich's denn um ihn!

Preising.  Oh, er wird's schon wissen!  Es war gerade einer aus
Augsburg auf dem Schlo, als Pappenheim eindrang, ein braver Bursch,
der sich wacker hielt.  Der eilte fort, als sie in den Kerker gefhrt
wurde, und gewi nach Ingolstadt.  Es war ein Bote ihres Vaters!

Ernst.  Armer, alter Mann!  Nun ich setzte mein eigen Fleisch und
Blut ebensogut ein, wie das deine!  Wer wei, ob unser Los nicht
schon gleich ist!

Preising.  Und dann?

Ernst.  Dann werde, was will!  Ich habe das Meinige getan und sorge
fr die Grber.  Aber es kann auch anders kommen.  Der Frst schlief
nur in ihm, er war nicht tot.  Warum htt' er sonst nicht entsagt?
Warum so auf dies Turnier gedrungen?  Vielleicht erwacht er wieder,
und dann--Es ist tricht, mit den gemeinen Leuten von Zauberei zu
reden, wo ein Gesicht, das unser Herrgott zweimal angestrichen hat,
alles erklrt, aber es ndert sich viel, wenn Himmel und Erde sich
erst einmal wieder in solch ein Blendwerk von Mdchen geteilt haben,
und nur noch ein Leichnam daliegt, der nicht mehr durch rote Lippen
und frische Wangen an die Eitelkeiten der Welt, nur noch durch
gebrochene Augen an die letzten Dinge mahnt!

Preising.  Da brennt's!  Oder nicht?  Ja! ja!

(Man sieht in der Ferne ein Dorf in Flammen stehen.)

Ernst.  Das ist er!  So hat die Wut den Schmerz besiegt!  Nun wird
alles gut!  (Rufend.)  Nur zu, mein Sohn, nur zu!  Je rger, je besser!

Preising.  Aber das wolltet Ihr ja eben verhten!

Ernst.  Ei, jetzt ist's ein Tag!  Was in dem zerstrt wird, bau ich
schon wieder auf!  Und verlat Euch darauf, der Kaiser hat seinen
Adler schon fliegen lassen, und der wird ihm die Krallen zeigen, eh'
er's denkt!  Und dann--(Er erhebt seinen Herzogsstab.)  Preising, Ihr
werdet heut noch berrascht!  (Da Preising sprechen will.)  Kommt,
kommt, zu Pferde!  (Er ruft.)  Otto von Bern!

(Ab mit Preising.)



Siebente Szene

Bauern, Mnner, Weiber und Kinder tumultuarisch durcheinander rennend
und schreiend.

Einige.  Der Bhme!  Der Bhme!

Andere.  Der Kaiser!

Andere.  Ingolstadt und Landshut!

Alle.  Alle zusammen!  Alle zusammen!  Weh uns!  Wohin?



Achte Szene

Albrecht erscheint mit vielen Kmpfenden, worunter sich auch Theobald
befindet.

Albrecht (er tut bei jedem Ausruf einen Streich).  Agnes Bernauer!
Agnes Bernauer!  Hei, da ihr's wit, eh' ihr umfallt, der Tod heit
heute Agnes Bernauer und kennt kein Erbarmen!  Kein Geschlecht in
Bayern, hoch oder niedrig, das morgen nicht weinen soll!  Da liegt
ein Haydeck, da ein Pienzenau, da ein Seyboltstorff!  Aber noch immer
lebt Pappenheim!  Pappenheim, wo bist du?  Ruber, Verrter, Schurke,
versteckst du dich?  Ihr alle, ruft mit mir, da es ber die ganze
Erde schallt: Pappenheim, Ruber, Verrter, Schurke, hervor!

Pappenheim (tritt auf).  Wer sucht mich?

Albrecht.  Ich und der Teufel, wir beide zugleich!  Aber erst komm
ich!  Zieh und la sehen, ob ein ehrlich Eisen dir noch dient!  (Er
wirft Pappenheim zurck.)

Theobald (tritt hervor).  Und ich?  Ha, ha, ha!  Ich glaube, ich
frchte mich, es wird mir ganz schwarz vor den Augen.  Ei, ich mach
sie zu und steche darauf los!  Bring ich keinen um, so reiz ich doch
wohl einen, da er mich umbringt!

Albrecht (tritt wieder auf).  Abgetan!  Was nun?  Oh, da man mir ihn
wieder lebendig machte, und da ich ihn mit jedem Atemzug einmal
niederhauen drfte, von heute an bis zum Anbruch des Jngsten
Gerichts.

Theobald (tritt vor Albrecht hin.).  Haut mich nieder!

Albrecht.  Dich?  Wofr?  Ei, du bist's?  Was fllt dir ein!

Theobald.  Meint Ihr, da ich mit einer solchen Nachlebt nach
Augsburg zurck will?

Albrecht.  Guter, treuer Mensch, bleib bei mir!

Theobald.  Bei Euch?  Bei Euch!  Ha!  Wenn Ihr nicht gewesen wrt--Da!
(Er sticht nach Albrecht.)  Der kommt auch von Agnes Bernauer!  Und
der!  Und der!

Albrecht (wehrt ab).  Bist du verrckt?  Gib mir lieber die Hand!  Du
bringst mich nicht so weit, da ich dir ein Leid zufge!

Theobald (sticht wieder nach ihm).  Ihr sollt aber!

Albrecht.  So mu ich schon tun, was ich noch nie tat!  (Er wendet
ihm den Rcken.)  Wem gehrt denn das rote Gesicht?  Das ist ein
Degenberg, und an dem fehlt's noch!  (Strzt fort.)

Theobald.  Alles soll sterben, alles, Freund und Feind!  (Er wirft
sich seinem eignen Trupp entgegen, der Albrecht folgen will.)  Wohin?
Halt!  (Er wird durchbohrt.)  So!  Nun ist's genug!  (Fllt und stirbt.
)

Nothhafft von Wernberg (tritt auf).  Sieg!  Sieg!  Wo ist der Herzog?
Albrecht, sie laufen vor uns, als ob wir mehr als Menschen wren!

Albrecht.  Aber sie sollen liegen!  Ich will die Donau, die sie
erstickt hat, mit Leichen wieder ersticken!

Nothhafft von Wernberg.  Der im Bart wirft sich auf Straubing, Ihr
sollt's betrachten, als ob er's schon htte!

Albrecht.  Da er mir den Richter blo fngt, und ihm kein Leid
zufgt!  In dessen Blut will ich mir den letzten Rausch trinken!

Rolf von Frauenhoven (tritt auf).  Hurra!  Hurra!  Nun ist's aus!
Wir haben ihn!  (Zu Albrecht, wie er ihn bemerkt.)  Wir haben Euren
Vater, Ihr knnt ihm gleich guten Tag sagen!  Eben ward er gepackt!

Albrecht.  Wer hat das befohlen?

Frauenhoven.  Wer hat's verboten?  Seine eignen Leute rannten ihn
ber den Haufen, als er sich ihrer Flucht in den Weg stellte, und
Hans von Lubelfing--Da bringt er ihn mit dem Kanzler!  Seht!

Albrecht (wendet sich nach der entgegengesetzten Seite).  Er soll ihn
freilassen!  Gleich!

Nothhafft von Wernberg.  Ei, das kommt wohl morgen auch frh genug!

Albrecht.  Gleich! sage ich.  Mensch, fhlst du's denn nicht auch?

Nothhafft von Wernberg.  Eh' er Urfehde geschworen und uns wenigstens
die Kpfe gesichert hat?

Albrecht (stampft mit dem Fu).  Gleich!  Gleich!  Gleich!

Nothhafft von Wernberg.  So sagt's ihm selbst!



Neunte Szene

Ernst tritt mit Preising auf, von Hans von Lubelfing und seiner
Schar begleitet.

Ernst.  Da steht mein Sohn!  Wenn der den Degen seines Vaters will,
hier ist er!

Albrecht.  Ihr habt mir bei Alling das Leben gerettet!  (Mit einer
Handbewegung.)  Fort!  Fort!

Ernst.  Ich tat bei Alling, was ich schuldig war, und begehre keinen
Dank dafr!

Albrecht (indem er sich umkehrt).  So komme diese Stunde ber Euer
Haupt!  (Er bemerkt Preising.)  Ha, da ist noch einer!  Herr Kanzler,
Ihr seid frei, Ihr mgt wollen oder nicht!  Aber nur, um Eurem
Gefhrten, dem Marschall, gleich in die Hlle nachgeschickt zu werden!
(Er zieht gegen Preising.)  Oh, wr' auch der dritte da!

Ernst.  Pfui!  Willst du dich am Diener rchen, statt am Herrn?  Mein
Kanzler vollzog nur meinen Befehl, und ich mute ihn zweimal geben,
eh' er's tat!

Albrecht.  So seid Ihr's wirklich allein?  Ganz allein?  So kann ich
mich an niemanden halten, als an Euch?  Und Ihr tretet mir noch in
den Weg?  Ihr weicht mir nicht aus?

Ernst.  Warum sollt' ich?  Ich habe meine Pflicht getan, in Straubing,
wie in Alling, oder in Regensburg!

Albrecht.  Eure Pflicht!  Gott hat Euch in meine Hand gegeben!  Zeugt
er so fr den, der seine Pflicht tat?

Ernst.  Gott will dich versuchen!  Hab wohl acht, da du vor ihm
bestehst!  Er hat noch nie auf zwei Menschen herabgeschaut, wie jetzt
auf dich und mich!  (Er tritt Albrecht nher.)  Mein Sohn, du hast
dich mit meinem rgsten Feind verbunden, mit deinem falschen Ohm, der
dir zwar gern die Brandfackel vorantrug, als es galt, mein
unschuldiges Land zu verheeren, der dir aber nicht das Schwert aus
der Hand gerissen haben wrde, wenn du es gegen dich selbst gezckt
httest!  Kehre zu mir zurck, es ist besser.  Ich mute tun, was ich
tat, du wirst es selbst dereinst begreifen, und wr's erst in deiner
letzten Stunde, aber ich kann auch mit dir weinen, denn ich fasse
deinen Schmerz!

Albrecht.  Oh, sprecht nicht so!  Lat mich glauben, da Ihr nicht
mehr davon wit, als der kalte Flu, der sie verschlungen hat.  Wenn
ich Euch nicht fluchen soll, mu ich mir denken: ein neuer Tod ist in
die Welt gekommen, um den alten abzulsen, und das ist dein eigner
Vater!  Ein Mensch konnte ihr kein Leid zufgen; nicht bei Tage, denn
er htte sie gesehen, nicht bei Nacht, denn er htte sie gehrt, und
nur eins von beidem war ntig, um jeden zu entwaffnen!  Sagt: ich bin
kein Mensch und schickte auch keine Menschen, dann will ich mich vor
Euch bekreuzen und fliehn!

Ernst.  Ich bin ein Mensch, und htt's wohl verdient, da es mir
erspart worden wre.  Aber wenn du dich wider gttliche und
menschliche Ordnung emprst: ich bin gesetzt, sie aufrechtzuerhalten,
und darf nicht fragen, was es mich kostet!

Albrecht.  Gttliche und menschliche Ordnung!  Ha, ha!  Als ob's zwei
Regenbogen wren, die man zusammengefgt und als funkelnden
Zauberring um die Welt gelegt htte!  Aber die gttliche Ordnung rief
sie ins Leben und lie sie aus dem Staube hervorgehen, damit sie
wieder erhhe, was sich selbst erniedrigt, und erniedrigen was sich
selbst erhht hatte.  Die menschliche--(Er tritt Ernst nher.)  Die
menschliche--(Er wendet sich rasch um gegen die Seinigen.)  Vorwrts,
Ihr Freunde, vorwrts, wer wird schon am Mittag feiern!  Herzog Ernst
ist frei, niemand krmme ihm ein Haar, er kann keine Agnes mehr tten,
aber rasten wollen wir erst, wenn sein Mnchen in Flammen steht!
(Will fort.)

Ernst.  Recht so!  Dann wird der Bayer sie doch gewi verfluchen,
sonst htt' er sie vielleicht beweint.  Ihre Brder sind's, die du
erwrgst, nicht die meinigen, und ob du die ganze Menschheit
abschlachtest: in ihren Adern wird nicht ein Blutstropfe wieder warm
davon!  Aber dahin kannst du's bringen, da ihr eigener Vater die
Stunde vermaledeit, in der sie ihm geboren ward, und da sie selbst
sich aus dem Paradies, wenn sie's schon betreten hat, schaudernd und
schamrot wieder hinausstiehlt, die erste und letzte, die's tut, ohne
verdammt zu sein!

Albrecht (hlt inne und senkt sein Schwert).

(Man hrt Trompeten in der Ferne.)

Ernst.  Das ist Ludwig von Ingolstadt!  Der Wrgengel wird ungeduldig!
Folgt ihm doch, niemand kann besser zerstren, was ein andrer baute,
als er!  Aber lat euch alle mahnen: es ist einer ber euch im
Himmel und auch auf Erden, und beide werden furchtbar mit euch ins
Gericht gehen!

(Die Trompeten nhern sich.)

Stimmen.  Platz!  Platz dem Banner des Reichs!

Andere Stimmen.  Ein Herold!



Zehnte Szene

Der Herold des Reichs tritt mit Gefolge auf, das Banner wird vor ihm
hergetragen.

Der Herold (schwingt nach allen Weltgegenden sein Schwert).  Bei Acht
und Bann, kein blankes Schwert, als dies!

Alle Ritter (bis auf Albrecht stecken die Schwerter ein).

Der Herold.  Albrecht von Wittelsbach, Herzog von Bayern, erscheint
vor Kaiser und Reich!

Albrecht (tritt zgernd heran und steckt langsam sein Schwert ein).
Ist hier die Schranke?

Der Herold.  Sie ist berall, wo die Acht verkndet werden soll!

Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven.  Die Acht!  Ist's schon so
weit!

(Posaunenste.)

Preising (zu Ernst).  Was ist das noch?

Ernst.  Mehr, als ich verlangte, frcht ich!

Stimmen.  Ein Legat!  Ein Legat des Heiligen Stuhls!

Der Herold.  Und mit ihm der Bann der Kirche!

Viele Stimmen (von Rittern und Reisigen).  Acht und Bann zugleich!
Da ist's Zeit!  (Sie werfen die Waffen von sich.)

Der Legat (tritt mit Gefolge auf, eine brennende Kerze wird vor ihm
hergetragen, er stellt sich zur rechten Hand des Herolds).

Der Herold (entfaltet die Achterklrung).  Wir Sigismund, von Gottes
Gnaden erwhlter rmischer Kaiser, Knig von Ungarn, Bheim,
Dalmatien, Slawonien und Bosnien, Markgraf von Mhren und Schlesien,
Kurfrst von Brandenburg usw., Schirmvogt der Kirche, hchster
Schiedsrichter auf Erden, tun kund hiemit: Nachdem Du, Albrecht von
Wittelsbach, allbereits vor dritthalb Jahren zu Regensburg in offenem
Aufstand den Frieden des Reichs gebrochen und schwere Acht auf Dein
Haupt herabgezogen hast, die Wir damals, obgleich schon verhngt, auf
Frbitte Deines frstlichen Herrn und Vaters noch zurckhielten;
nachdem Du weiter, unwrdig solcher Frbitte und Unserer Gnade, in
Deinem Trotz wider menschliche und gttliche Ordnung beharrtest,
anstatt, Unserer gerechten Erwartung gem, in reuiger
Unterwrfigkeit Vershnung und Vergebung zu suchen; nachdem Du
endlich, um das Ma Deiner Frevel zu hufen, Unsere Langmut aber bis
auf den Grund zu erschpfen, zum zweiten Mal mit blanker Waffe
rebellisch im Felde erschienen bist: So gebieten Wir Dir durch diesen
Unseren offenen Brief, da Du angesichts desselben Dein Schwert auf
der Stelle zu den Fen Deines Herrn und Vaters niederlegen und als
sein freiwilliger Gefangener Unseren letzten Spruch in Demut abwarten
sollst.--(Er setzt ab und sieht Albrecht an.)

Albrecht (bohrt sein Schwert in die Erde und sttzt sich darauf).

Der Herold (fhrt fort).  Widrigenfalls setzen Wir Dich nunmehr aus
Kaiserlicher Machtvollkommenheit aus dem Frieden in den Unfrieden,
weisen Dich hinaus auf die vier Straen der Welt und erklren Dich
fr vogelfrei-

Ernst.  Willst du noch mehr hren, mein Sohn?  Sag nein, und ich
erhebe meinen Herzogsstab!

Frauenhoven.  Jetzt kommt das von den Tieren des Waldes und den
Vgeln unter dem Himmel und den Fischen im Wasser!

Nothhafft von Wernberg.  Schau dich um!  Sie gehen alle hinter sich!
Keiner wird's mit dir tragen, als wir!

Albrecht.  Wie sollten sie auch!  Fangen doch die Berge zu wandeln an,
um mich zu bedecken!

Ernst.  Soll auch die Kirche den Mund noch ffnen?  Soll die Kerze
ausgelscht, soll deine Seele dem ewigen Fluch bergeben, dein Name
im Buch des Lebens getilgt werden?

Albrecht (zu Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven).  Geht von mir,
da ich antworten kann!

Frauenhoven.  Haben wir das um Euch verdient?  Teufel, es brennt!

Albrecht.  Soll ich mich vor der Gewalt demtigen, weil ihr neben mir
steht?  Mich mag sie noch heute zermalmen!

Ernst.  Gewalt?  Wenn das Gewalt ist, was du erleidest, so ist es
eine Gewalt, die alle deine Vter dir antun, eine Gewalt, die sie
selbst sich aufgeladen und ein halbes Jahrtausend lang ohne Murren
ertragen haben, und das ist die Gewalt des Rechts!  Weh dem, der
einen Stein wider sie schleudert, er zerschmettert nicht sie, sondern
sich selbst, denn der prallt ab und auf ihn zurck.  Oder bin ich's,
der zu dir redet, ist's nicht das ganze deutsche Reich?

Albrecht.  Sei's so!  Ich wute nicht, da der Tod darauf steht, eine
Perle aufzuheben, statt sie zu zertreten, aber ich hab's getan und
will's ben.  Heran, Br und Wolf, schiet auf mich herab, Adler und
Geier, und zerfleischt mich!  Nicht mit der Hand will ich mich wehren,
wenn ihr tut nach des Kaisers Gebot!

Ernst.  Hast du solche Eil, vor deinem Richter zu erscheinen?  Noch
hat er diese Toten und ihre Wunden nicht gezhlt, und du weit so
gewi, wie er dich empfangen wird?

Albrecht.  Oh, ihn frcht ich nicht, er wird's schon vergeben, da
ich sein liebstes Kind bei der Hand gefat habe, er wei ja, wie
schn und edel er's gemacht hatte!

Ernst.  Mein Sohn, geh in dich!  Es ist wahr, du kannst deine Schuld
vergrern, du kannst dir den Tod ertrotzen, oder dich, wer will's
hindern, hinterrcks aus der Welt wegstehlen, du kannst aber auch
alles wiedergutmachen!  Tu's, o tu's, fasse einen Entschlu, da du
vor deinen Ahnen nicht zu errten brauchst, fge dich!  Dies
Schlachtfeld wird einst furchtbar wider dich zeugen, sie alle, die
hier blutig und zerfetzt herumliegen, werden dich verklagen und
sprechen: wir fielen, weil Herzog Albrecht raste!  Weh Dir, wenn sich
dann nicht eine viel grere Schar fr dich erhebt und deine Anklger
zum Verstummen bringt, wenn nicht Millionen ausrufen: aber wir
starben in Frieden, weil er sich selbst berwand!  Denn das hngt
davon ab, da du lebst, davon ganz allein!

Albrecht.  Die Unschuldige sollte modern, und ich--Welch ein Schurke
wr' ich, wenn ich auf Euch hrte!

Ernst.  Du bist nicht, wie ein anderer, der die Gerechtigkeit dadurch
vershnen kann, da er ihrem Schwert reuig den Hals darbietet, von
dir verlangt sie das Gegenteil!  Schau dies Banner an, es ist dein
Bild und kann dich's lehren!  Es ward aus demselben Faden gesponnen,
woraus der letzte Reiter, der ihm folgt, sein Wams trgt, es wird
einst zerfallen und im Wind zerstuben, wie dies!  Aber das deutsche
Volk hat in tausend Schlachten unter ihm gesiegt, und wird noch in
tausend Schlachten unter ihm siegen, darum kann nur ein Bube es
zerzupfen, nur ein Narr es flicken wollen, statt sein Blut dafr zu
verspritzen und jeden Fetzen heiligzuhalten!  So ist's auch mit dem
Frsten, der es trgt.  Wir Menschen in unsrer Bedrftigkeit knnen
keinen Stern vom Himmel herunterreien, um ihn auf die Standarte zu
nageln, und der Cherub mit dem Flammenschwert, der uns aus dem
Paradies in die Wste hinausstie, ist nicht bei uns geblieben, um
ber uns zu richten.  Wir mssen das an sich Wertlose stempeln und
ihm einen Wert beilegen, wir mssen den Staub ber den Staub erhhen,
bis wir wieder vor dem stehen, der nicht Knige und Bettler, nur Gute
und Bse kennt, und der seine Stellvertreter am strengsten zur
Rechenschaft zieht.  Weh dem, der diese bereinkunft der Vlker nicht
versteht, Fluch dem, der sie nicht ehrt!  So greife dann endlich auch
in deine Brust, sprich: Vater, ich habe gesndigt im Himmel und vor
dir, aber ich will's ben, ich will leben!

Albrecht.  Hngt das von mir ab?

Ernst.  Dies Wort ist mir genug!  Gott wird dich strken, und deine
Witwe selbst wird fr dich beten!

Albrecht.  Meine Witwe!?

Ernst.  Was ich ihr im Leben versagen mute, kann ich ihr im Tode
gewhren, und ich tu es gern, denn ich wei, da sie's verdient!
Deine Gemahlin konnte ich nicht anerkennen, deine Witwe will ich
selbst bestatten und fr ewige Zeiten an ihrem Grabe einen
feierlichen Totendienst stiften, damit das reinste Opfer, das der
Notwendigkeit im Lauf aller Jahrhunderte gefallen ist, nie im
Andenken der Menschen erlsche!

Albrecht.  Ich will--Ich will, was ich noch kann!  (Gegen den Herold.)
Kaiserlicher Majestt meinen Respekt!  (Zu Ernst.)  Euch, mein Herr
und Vater--(Er will ihm das Schwert berreichen.)  Euch-

Ernst (ffnet die Arme und streitet ihm entgegen).

Albrecht (weicht zurck, und zieht).  Nein, nein!  Die Hlle ber
mich, aber Blut fr Blut!

Ernst.  Halt!  Erst nimm den da!  (Er reicht ihm den Herzogsstab, den
Albrecht unwillkrlich fat.)  Der macht dich zum Richter deines
Vaters!  Warum willst du sein Mrder werden!

Preising.  Herzog!

Ernst.  So war's beschlossen!  Und nicht blo des Feierabends wegen!
Ich brauch sein Ja!  Kann er's mir in seinem Gewissen weigern, so
steht's schlimm um mich!

Albrecht.  Mich schwindelt!  Nimm ihn zurck!  Er brennt mir in der
Hand.

Ernst.  Trag ihn ein Jahr in der Furcht des Herrn, wie ich!  Kannst
du mich dann nicht lossprechen, so ruf mich, und ich selbst will mich
strafen, wie du's gebeutst!  Im Kloster zu Andechs bin ich zu finden!

Albrecht (will niederknien).  Vater, nicht vor Kaiser und Reich, aber
vor dir!

Ernst.  Wart! wart!  Mein Tagewerk war schwer, aber vielleicht leb
ich noch bers Jahr!  (Geht; zu Preising, als er folgen will.)  Bleibt!
An einem Mnch ist's genug!












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*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


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