The Project Gutenberg EBook of Gnsemtterchens Mrchen, by Charles Perrault

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Gnsemtterchens Mrchen

Author: Charles Perrault

Illustrator: Gustave Dor

Translator: Hans Krause

Release Date: June 9, 2013 [EBook #42900]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GNSEMTTERCHENS MRCHEN ***




Produced by Norbert H. Langkau, Martin Oswald and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net









Anmerkungen zur Transkription:

Die Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originals wurde weitgehend
bernommen, lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Die
Originalvorlage ist in Fraktur gedruckt. Davon abweichende, in Antiqua
gedruckte Textstellen sind (bis auf rmische Ziffern) in dieser
Textdatei _so_ markiert; gesperrt gedruckter Text ist =so= markiert. Der
Titel des Mrchens Riquet mit der Locke war in der Inhaltsbersicht
der Originalvorlage als Riquet mit dem Schopf angegeben, dies ist in
der transkribierten Fassung korrigiert worden. Am Ende des Textes
befindet sich eine Liste korrigierter Druckfehler.




[Illustration]


Charles Perrault

Gnsemtterchens Mrchen

Illustriert von

Gustave Dor

[Illustration]

bersetzt und herausgegeben von

Hans Krause

O. C. Recht Verlag / Mnchen




    Dieses Buch wurde im Auftrage des O. C. Recht Verlages in der
    Offizin der Mandruck A.-G., Mnchen in der Altschwabacher
    gedruckt. Es wurde eine Vorzugsausgabe von 100 Exemplaren auf
    Btten hergestellt. Nr. 1-25 wurden in Ganzleder, Nr. 26-100
    in Halbleder gebunden. Druckberwachung und Ausstattung von
    Ferdinand Kramer.




    Copyright 1921 by O. C. Recht Verlag / Mnchen




                 =Gnsemtterchens=
                      =Mrchen=

                     Rotkppchen
                      Blaubart
                       Die Fee
                Der gestiefelte Kater
                 Der kleine Dumling
                    Aschenputtel
                Riquet mit dem Schopf
                  Jungfer Eselshaut
                     Dornrschen

  bersetzung nach der ersten Buchausgabe von 1697.


[Illustration]




Rotkppchen


Es war einmal eine kleine Bauerndirne, die war hbscher, als man jemals
eine sah. Ihre Mutter war ganz verliebt in sie und ihre Gromutter noch
viel mehr. Diese brave Frau lie ihr ein rotes Kppchen machen, welches
ihr so gut stand, da man sie berall das Rotkppchen nannte.

Eines Tages, als ihre Mutter Kuchen gebacken hatte, sagte sie zu ihr:

Geh zu deiner Gromutter und sieh zu, was sie macht, denn man hat mir
erzhlt, sie sei krank. Nimm ihr einen Kuchen mit und dieses Tpfchen
mit Butter!

Rotkppchen machte sich gleich auf, um zu ihrer Gromutter zu gehen, die
in einem anderen Dorfe wohnte. Als sie durch einen Wald kam, begegnete
ihr der Gevatter Wolf, der groe Lust hatte, sie zu fressen; aber er
wagte es nicht wegen der Holzhauer, die in dem Walde waren. Er fragte
sie, wohin sie gehe. Das arme Kind, das nicht wute, wie gefhrlich es
ist, einen Wolf anzuhren, sagte:

Ich gehe meine Gromutter besuchen und bringe ihr Kuchen und einen Topf
Butter, den ihr meine Mutter schickt.

Wohnt sie weit von hier? fragte der Wolf.

Oh ja, antwortete das Rotkppchen, noch hinter der Mhle, die Ihr
dort in der Ferne seht, in dem ersten Hause des Dorfes.

Wohlan, sagte der Wolf, ich will sie auch besuchen; ich gehe auf
diesem Wege hin und du dort auf jenem, wir wollen sehen, wer zuerst da
ist.

Der Wolf lief so schnell er konnte und schlug den krzeren Weg ein, und
das kleine Mdchen ging den weiteren Weg; frhlich pflckte sie
Haselnsse, lief den Schmetterlingen nach und machte Strue aus den
Blmlein, die sie fand. Es dauerte nicht lange, da war der Wolf an
Gromutter Haus angelangt, und er pochte an die Tr: Bum! Bum!

Wer ist da?

Euer Enkelchen ist es, das Rotkppchen, sagte der Wolf, indem er seine
Stimme verstellte, ich bringe Euch einen Kuchen und ein Tpfchen mit
Butter, das Euch meine Mutter schickt.

Die gute Gromutter, die krank in ihrem Bette lag, rief ihm zu:

Zieh den Riegel zurck, dann springt das Schlo auf!

Der Wolf zog den Riegel zurck, und die Tr ffnete sich. Er strzte
sich auf die gute Frau und verschlang sie im Handumdrehen, denn er hatte
lnger als drei Tage nichts mehr gefressen.

Dann schlo er die Tr, legte sich in das Bett der Gromutter und
wartete auf Rotkppchen, das bald darauf kam und an die Tr pochte: Bum!
Bum!

Wer ist da?

Als Rotkppchen die laute Stimme des Wolfes hrte, bekam es zuerst
Angst; aber sie glaubte, die Gromutter sei erkltet, und antwortete:

Euer Enkelchen ist es, das Rotkppchen; ich bringe Euch einen Kuchen
und ein Tpfchen Butter, das Euch meine Mutter schickt.

Der Wolf rief ihr zu, indem er seine Stimme etwas dmpfte:

Zieh den Riegel zurck, dann springt das Schlo auf!

Rotkppchen zog den Riegel zurck, und die Tr ffnete sich. Als der
Wolf sie eintreten sah, versteckte er sich im Bett unter der Decke und
sagte zu ihr:

Stelle den Kuchen und das Tpfchen mit Butter auf den Backtrog und
komme zu mir ins Bett!

Rotkppchen zog sich aus und legte sich mit ins Bett. Sie war erstaunt,
wie verndert die Gromutter in ihrem Nachtgewand aussah, und fragte
sie:

Gromutter, was hast du fr groe Arme?

Damit ich dich besser umarmen kann, mein Kind.

[Illustration]

[Illustration]

Gromutter, was hast du fr groe Beine?

Damit ich besser laufen kann, mein Kind.

Gromutter, was hast du fr groe Ohren?

Damit ich besser hren kann, mein Kind.

Gromutter, was hast du fr groe Augen?

Damit ich dich besser sehen kann, mein Kind.

Gromutter, was hast du fr groe Zhne?

Damit ich dich besser fressen kann.

Und nachdem er dies gesagt hatte, strzte der bse Wolf sich auf das
Rotkppchen und fra es.


                Moral:

    Man kann an diesem Beispiel sehn,
    Wie's allen Mdchen wird ergehn,
    Die stets auf fremde Leute hren,
    Die sie beschwtzen und betren:
    So ist nun mal der Dinge Lauf,
    Es kommt der Wolf und frit sie auf.
    Ich meine andere Wlfe als den bsen,
    =Die= Wlfe haben ein ganz anderes Wesen,
    Es sind die hflichen, die zahmen,
    Sie folgen oft den jungen Damen.
    Pa auf, mein Kind, nimm dich in acht!
    Das sind die Wlfe schlimmster Art.




Blaubart


Es war einmal ein Mann, der hatte schne Huser in der Stadt und auf dem
Lande, goldenes und silbernes Tafelgeschirr, Mbel mit kostbaren
Stickereien und Karossen, die von oben bis unten vergoldet waren. Aber
er hatte einen blauen Bart, und das war sein Unglck. Denn der machte
ihn so hlich und abstoend, da alle Frauen und Mdchen vor ihm
davonliefen.

Seine Nachbarin, eine vornehme Dame, hatte zwei Tchter, die beide sehr
schn waren. Eine von diesen erbat er sich zur Frau und berlie es der
Mutter, die Braut zu bestimmen. Aber keine wollte etwas von ihm wissen,
jede wollte ihn der anderen berlassen; denn sie konnten sich nicht
entschlieen, einen Mann mit einem blauen Barte zu heiraten. Sie
frchteten sich auch vor ihm, weil er schon mehrere Frauen gehabt hatte,
und weil man nicht wute, was aus diesen geworden war.

Um sie nher kennen zu lernen, fhrte Blaubart sie mit ihrer Mutter und
drei oder vier ihrer besten Freundinnen sowie mehreren jungen Mnnern
aus der Nachbarschaft auf eines seiner Landhuser, wo man volle acht
Tage blieb. Da machte man Landpartien, ging auf Jagd und Fischerei und
vergngte sich bei Tanzereien, Festlichkeiten und Gelagen; ja man
schlief nicht einmal, sondern verbrachte die ganze Nacht mit Spen und
Spielen. Zu guter Letzt kam es so weit, da die jngere der Schwestern
fand, der Hausherr habe doch keinen allzu blauen Bart und er sei ein
sehr netter Mann; und als man in die Stadt zurckgekehrt war, wurde die
Hochzeit gefeiert.

[Illustration]

Einen Monat spter sagte Blaubart zu seiner Frau, er msse in einer
wichtigen Angelegenheit mindestens sechs Wochen lang in die Provinz
verreisen, und er bat sie, sich whrend seiner Abwesenheit gut zu
unterhalten: sie solle ihre Freundinnen einladen, sie mit aufs Land
nehmen, wenn sie wolle, und vor allem sich nichts abgehen lassen an
Speis und Trank.

Hier, sagte er dann, sind die Schlssel zu den beiden Vorratskammern,
hier der vom goldenen und silbernen Tafelgeschirr, das nicht tglich
benutzt wird, hier der meiner eisernen Truhe, in der mein Gold und
Silber liegt, der meiner Kassetten, in denen meine Papiere sind, und
hier der Hauptschlssel zu allen Zimmern. Aber dieser kleine Schlssel
hier, der fhrt in das Gemach am Ende der groen Galerie des unteren
Stockwerks. Du darfst alle Tren ffnen, berall hingehen, aber dieses
kleine Gemach darfst du nicht betreten; ich verbiete es dir aufs
strengste. Sollte es dir doch einfallen, diese Tr zu ffnen, so hast du
das Schlimmste von meinem Zorne zu erwarten.

Sie versprach, alles genau zu befolgen, was er ihr befohlen. Hierauf
kte er sie, stieg in seine Karosse und fuhr davon.

Die Nachbarinnen und die guten Freundinnen warteten nicht erst, bis man
sie zu der Jungvermhlten einlud, denn sie brannten vor Neugierde, alle
Reichtmer des Hauses zu sehen. Aber sie hatten nicht gewagt, zu ihr zu
kommen, solange der Gatte da war, weil sie sich vor seinem blauen Barte
frchteten. Gleich liefen sie nun durch die Zimmer, die Gemcher und die
Kammern, von denen eine schner war als die andere. Dann stiegen sie
hinauf in die Vorratsrume, wo sie nicht genug die vielen schnen
Stickereien bewundern konnten, und die Betten, Sofas, Sessel, Tischlein
und Tische und die Spiegel, in denen man sich von Kopf bis zu Fu sehen
konnte, und deren Rahmen, teils von Glas, teils von vergoldetem Silber,
schner waren und prchtiger, als man jemals welche sah. Alle waren
begeistert und hrten nicht auf, die Freundin in ihrem Glcke zu
beneiden. Aber diese wurde nicht froh beim Anblick all der Reichtmer,
denn sie konnte es nicht erwarten, das Gemach im unteren Stockwerk zu
sehen.

[Illustration]

Die Neugierde plagte sie so, da sie ihre Gste verlie, ohne sich ihrer
Unhflichkeit bewut zu werden. Sie lief eine Hintertreppe in solcher
Hast hinab, da sie drei- oder viermal glaubte, den Hals zu brechen. An
der Tr des Gemaches hielt sie eine Zeitlang inne und dachte an das
Verbot ihres Gemahls; sie berlegte, ob ihr nicht doch aus ihrem
Ungehorsam ein Unglck erwachsen knne. Aber die Versuchung war zu
stark: sie nahm den kleinen Schlssel und ffnete zitternd die Tr.

Zuerst sah sie nichts, weil die Fenster geschlossen waren; aber bald
bemerkte sie, da der Fuboden ber und ber von geronnenem Blute
bedeckt war. Darin spiegelten sich die Leichen von mehreren Frauen, die
aufgereiht an der Wand hingen. Es waren alle die Frauen, die Blaubart
geheiratet und eine nach der anderen abgeschlachtet hatte.

Sie glaubte sterben zu mssen vor Angst, und der Schlssel, den sie eben
aus dem Schlosse gezogen, fiel ihr aus der Hand.

Nachdem sie sich etwas gefat hatte, hob sie den Schlssel auf, schlo
die Tr wieder und stieg hinauf in ihr Zimmer, um sich ein wenig zu
erholen; aber es gelang ihr nicht, so sehr hatte sie sich erschrocken.

Als sie bemerkte, da der Schlssel des Gemaches mit Blut befleckt war,
wusch sie ihn zwei- oder dreimal. Aber das Blut ging nicht ab, sie
wischte umsonst; selbst mit Sand und Bimsstein rieb sie vergebens: der
Schlssel blieb immer blutig. Denn er war verzaubert und es gab kein
Mittel, ihn wieder ganz sauber zu machen. Wenn man das Blut auch auf
einer Seite weggebracht hatte, so kehrte es auf der anderen wieder
zurck.

Noch an demselben Abend kam Blaubart nach Hause und erzhlte, er habe
unterwegs durch Briefe die Nachricht erhalten, da die Angelegenheit,
wegen der er die Reise unternommen, schon zu seinen Gunsten erledigt
sei. Seine Frau tat alles, was sie konnte, um ihm zu zeigen, wie
entzckt sie ber seine schnelle Rckkehr sei. -- Am folgenden Tage
verlangte er die Schlssel, und sie gab sie ihm. Aber ihre Hand zitterte
so sehr, da er ohne Mhe erriet, was vorgefallen war.

Wie kommt es, fragte er, da der Schlssel zu dem Gemache nicht mehr
bei den anderen ist?

Ich mu ihn wohl, antwortete sie, oben auf meinem Tische liegen
gelassen haben.

Vergi nicht, sagte Blaubart, ihn mir alsbald zu geben!

Mehrere Male schob sie es auf, aber schlielich mute sie ihm den
Schlssel bringen. Blaubart betrachtete ihn und sagte zu seiner Frau:

Warum ist Blut an diesem Schlssel?

Ich wei es nicht, sagte das arme Weib, blasser als der Tod.

Du weit es nicht? schrie Blaubart, aber ich, ich wei es. Du
wolltest in das Gemach gehen! Wohlan, du sollst hinein! Du sollst deinen
Platz bekommen neben den andern Frauen, die du dort sahst!

Sie warf sich weinend ihrem Gatten zu Fen und bat um Verzeihung mit
allen Zeichen tiefer Reue ob ihres Ungehorsams. In ihrer Schnheit und
ihrer Verzweiflung htte sie einen Felsen rhren knnen, aber Blaubart
hatte ein Herz hrter als Stein.

Du mut sterben, Weib, sagte er, auf der Stelle!

Wenn ich sterben mu, so flehte sie, indem sie ihn mit trnenvollen
Augen ansah, so gebt mir noch ein wenig Zeit, um zu beten!

Ich gebe dir eine halbe Viertelstunde, erwiderte Blaubart, aber nicht
einen Augenblick mehr.

Als sie allein war, rief sie ihre Schwester und sagte zu ihr: Schwester
Anne (so hie diese), ich bitte dich, steige hinauf auf die Spitze des
Turmes und halte Ausschau, ob meine Brder noch nicht kommen. Sie haben
mir versprochen, mich heute zu besuchen; wenn du sie siehst, gib ihnen
ein Zeichen, damit sie eilen.

Die Schwester Anne stieg auf die Spitze des Turmes, und die Arme rief in
ihrer Angst von Zeit zu Zeit hinauf:

Anne, Schwester Anne, siehst du nichts kommen?

Und die Schwester Anne antwortete:

Ich sehe nichts als Sonnenstaub und Grsergrn.

Whrenddessen hielt Blaubart ein groes Messer in seiner Hand und schrie
aus Leibeskrften:

Steige sofort herab, oder ich komme dich holen!

[Illustration]

Noch einen Augenblick, bat seine Frau und rief leise:

Anne, Schwester Anne, siehst du nichts kommen?

Und die Schwester Anne antwortete:

Ich sehe nichts als Sonnenstaub und Grsergrn!

Steige sofort herab, schrie Blaubart, oder ich komme dich holen!

Ich komme, antwortete seine Frau.

Und dann rief sie:

Anne, Schwester Anne, siehst du nichts kommen?

Ich sehe, erwiderte die Schwester Anne, eine groe Staubwolke, die
von dieser Seite kommt.

Sind es meine Brder?

Ach nein, meine Schwester, es ist nur eine Schafherde.

Willst du nicht herunterkommen? schrie Blaubart.

Noch einen kleinen Augenblick, bat seine Frau.

Und dann rief sie:

Anne, Schwester Anne, siehst du nichts kommen?

Ich sehe, erwiderte diese, zwei Reiter, die von dort herkommen, aber
sie sind noch weit entfernt. Gleich darauf rief sie: Gott sei gelobt,
es sind die Brder. Ich gebe ihnen Zeichen, so gut ich kann, damit sie
eilen.

Blaubart fing an, so laut zu schreien, da das ganze Haus zitterte, und
die arme Frau stieg hinab und warf sich ihm trnenberstrmt mit
aufgelsten Haaren zu Fen.

Das ntzt nichts, sagte Blaubart, du mut sterben.

Dann packte er sie mit der einen Hand bei den Haaren und erhob mit der
anderen das groe Messer, um ihr den Hals abzuschneiden.

Das arme Weib wandte sich ihm zu, sah ihn mit todesngstlichen Augen an
und bat um einen Augenblick, damit sie sich sammele.

Nein, nein! schrie er, empfiehl dich deinem Gott! dann hob er den
Arm und ......

In demselben Augenblick pochte jemand so heftig an das Tor, da Blaubart
innehielt. Man ffnete, und sogleich sah man zwei Ritter, die mit Degen
in den Hnden eintraten und sich geradewegs auf Blaubart strzten.

[Illustration]

Er erkannte, da es die Brder seiner Frau waren -- der eine war
Dragoner, der andere Musketier -- und ergriff die Flucht, um sich in
Sicherheit zu bringen. Aber die Brder verfolgten ihn so schnell, da
sie ihn einholten, bevor er noch die Freitreppe erreicht hatte. Sie
stieen ihm ihren Degen mitten durch den Leib und lieen ihn tot liegen.
Die arme Frau war fast ebenso tot wie ihr Gatte; sie hatte nicht mehr
die Kraft sich aufzurichten, um ihre Brder zu umarmen. --

Es stellte sich heraus, da Blaubart keine Erben hatte, und so blieb
seine Frau Herrin aller seiner Gter. Einen Teil verwendete sie dazu,
ihre Schwester Anne mit einem jungen Edelmanne zu verheiraten, den diese
schon seit langem liebte; mit einem anderen Teile kaufte sie ihren
beiden Brdern Hauptmannsstellen; das brige brachte sie selbst einem
rechtschaffenen Manne mit in die Ehe, der sie bald die schlechte Zeit
vergessen lie, die sie mit Blaubart verbracht hatte.


                Moral:

    Die Neugier ist die allerschlimmste Plage;
    Sie reizt den Wunsch und bringt dann bse Pein.
    Man sieht das tausendmal an einem Tage. --
    Der Drang zum Neuen ist zwar stark, allein
    Das Wissen selbst enttuscht, und jedes Mal
    Ist die gerechte Strafe: bittre Qual.




Die Fee


Es war einmal eine Witwe, die hatte zwei Tchter. Die lteste glich ihr
von Ansehn und Wesen so sehr, da ein jeder, der sie sah, die Mutter zu
sehen glaubte: sie waren alle beide so unausstehlich und so hochmtig,
da man nicht mit ihnen zusammen leben konnte. Die jngere, in ihrer
Sanftmut und Rechtschaffenheit das wahre Ebenbild ihres verstorbenen
Vaters, war eines der schnsten Mdchen, das man je zu Gesicht bekam.
Wie man natrlich immer seinesgleichen liebt, so war die Mutter wie
vernarrt in ihre lteste Tochter; aber gegen die jngere hegte sie eine
schreckliche Abneigung. Sie lie sie in der Kche essen und ohne
Unterbrechung arbeiten.

Unter anderem mute das arme Kind zweimal am Tage eine gute halbe Meile
weit Wasser holen, jedes Mal einen groen Krug voll. Eines Tages, als
sie wieder bei dem Brunnen war, kam eine arme Frau zu ihr, die bat um
einen Schluck Wasser.

Gern, mein Mtterchen, sagte das gute Kind, splte sogleich den Krug
aus, schpfte an der schnsten Stelle des Brunnens und reichte ihr den
Trunk, wobei sie immer den Krug untersttzte, um ihr das Trinken zu
erleichtern. Als die gute Frau getrunken hatte, sagte sie:

Du bist so schn, so gut und so brav, da ich dir etwas schenken mu.
Es war nmlich eine Fee, die hatte die Gestalt einer armen Buerin
angenommen, um zu sehen, wie weit die Rechtschaffenheit des jungen
Mdchens gehe.

Ich schenke dir, so fuhr die Fee fort, die Gabe, da mit jedem Worte,
das du sprichst, eine Blume oder ein Edelstein aus deinem Munde kommt.

[Illustration]

Als das Mdchen nach Hause kam, zankte die Mutter, weil sie so lange
beim Brunnen geblieben war. Ich bitte um Verzeihung, Mutter, sagte das
arme Kind, da ich mich so versptet habe. Und whrend sie sprach,
kamen aus ihrem Munde zwei Rosen, zwei Perlen und zwei groe Diamanten.
Was sehe ich, rief die Mutter ganz erstaunt, mir scheint, Perlen und
Diamanten kommen aus deinem Munde! Woher hast du das, mein Kind? Es war
das erstemal, da sie zu ihr mein Kind sagte.

Das arme Mdchen erzhlte in ihrer Einfalt alles, was sich zugetragen
hatte, wobei wieder eine Menge Diamanten zum Vorschein kamen.

Wundervoll, rief da die Mutter, ich mu auch meine andere Tochter
schicken. Sieh nur, Fanchon, was aus dem Munde deiner Schwester kommt,
wenn sie spricht; wrst du nicht glcklich, dieselbe Gabe zu besitzen?
Du brauchst nur zum Brunnen zu gehen, um Wasser zu schpfen, und wenn
eine arme Frau dich um einen Trunk bittet, ihn ihr recht hflich zu
reichen.

Zum Brunnen zu gehen, antwortete jene grob, das stnde mir gut an!

Aber ich will, da du gehst, entgegnete die Mutter, und zwar auf der
Stelle!

Darauf ging sie, aber brummend und widerwillig. Sie nahm die schnste
Flasche mit, die im ganzen Hause war. Kaum war sie am Brunnen angelangt,
da sah sie eine prchtig gekleidete Dame, die aus dem Walde kam und sie
um einen Trunk Wasser bat. Es war dieselbe Fee, die ihrer Schwester
erschienen war, aber sie hatte jetzt Wesen und Kleidung einer Prinzessin
angenommen, um zu sehen, wie weit die Unhflichkeit dieses Mdchens
gehe.

Bin ich hierher gekommen, sagte barsch zu ihr die Hochmtige, um Euch
einen Trunk zu reichen? Sollte ich eigens ein silbernes Flschchen
mitgebracht haben, nur damit ich einer Dame daraus zu trinken geben
kann? Meinetwegen trinkt allein, wenn Ihr wollt!

[Illustration]

Du bist gar nicht hflich, antwortete die Fee, ohne in Zorn zu
geraten, und weil du so wenig gefllig bist, verleihe ich dir die Gabe,
da mit jedem Wort, das du sprichst, eine Schlange oder eine Krte aus
deinem Munde kommt.

Als ihre Mutter sie kommen sah, rief sie ihr entgegen: Wie ist es, mein
Kind?

So ist es, Mutter, antwortete die Grobe und spie zwei Vipern und zwei
Krten.

Himmel, was mu ich sehen, jammerte die Mutter, deine Schwester ist
daran schuld, sie soll es mir ben.

Und sogleich lief sie hin, um diese zu schlagen. Das arme Kind floh und
brachte sich in dem nahen Walde in Sicherheit. Der Knigssohn, der von
der Jagd zurckkehrte, begegnete ihr, und als er sie so schn sah,
fragte er sie, was sie allein im Walde mache und warum sie weinen msse.

Ach, Herr, meine Mutter hat mich aus dem Hause gejagt!

Der Knigssohn, der aus ihrem Munde fnf oder sechs Perlen und
ebensoviel Diamanten kommen sah, bat sie, ihm doch zu sagen, woher sie
das habe. Und sie erzhlte ihm ihr Abenteuer. Da verliebte sich der
Knigssohn in sie; und indem er berlegte, da eine solche Gabe mehr
wert sei als alles, was man einer anderen als Mitgift geben knne, nahm
er sie mit sich in den Palast des Knigs, seines Vaters, und heiratete
sie dort.

Ihre Schwester aber hatte sich so hassenswert gemacht, da ihre eigene
Mutter sie aus dem Hause jagte. Die Unglckliche lief lange Zeit herum,
ohne jemanden zu finden, der sich ihrer annahm und starb elendiglich in
einem Winkel des Waldes.


            Moral:

    Edelsteine und Dukaten
    Sind gar sehr begehrt;
    Milde Worte, edle Taten
    Haben hheren Wert.




Der gestiefelte Kater


Es war einmal ein Mller, der hinterlie bei seinem Tode seinen drei
Kindern nur eine Mhle, einen Esel und einen Kater. Das Erbe war schnell
geteilt. Kein Notar und kein Rechtsanwalt wurde gerufen. Die Kosten
htten auch die ganze Erbschaft aufgezehrt.

Der lteste bekam die Mhle und der Zweite den Esel. Der Jngste bekam
den Kater, und er war untrstlich ber das armselige Los, das er gezogen
hatte.

Meine Brder, sagte er, knnen sich jetzt anstndig ernhren, wenn
sie sich zusammen tun. Aber ich kann des Hungers sterben, wenn ich
meinen Kater aufgegessen und aus seinem Fell mir eine Weste gemacht
habe.

Der Kater hatte diese Worte gehrt, aber er lie sich nichts merken und
sagte mit wichtiger und ernster Miene zu seinem Herrn:

Seid nicht traurig, lieber Herr, gebt mir einen Sack und lat mir ein
Paar Stiefeln machen, damit ich in den Wald gehen kann, und dann sollt
Ihr sehen, da Euer Erbteil doch nicht so schlecht ist, wie Ihr glaubt.

Sein Herr gab nicht viel auf diese Rede, aber er hatte oft den Kater bei
seiner Jagd auf Ratten und Muse beobachtet und er hatte gesehen, wie er
sich an den Beinen aufhing, oder wie er sich im Mehl versteckte und sich
tot stellte. So hatte er Zutrauen und glaubte in ihm eine Hilfe in
seinem Unglck zu haben.

Als der Kater das bekommen, worum er gebeten hatte, zog er sich sofort
die Stiefeln an, hing sich den Sack um den Hals, nahm den Riemen in die
Pfote und ging in ein Dickicht, wo es viele Hasen gab. In den Sack
steckte er Klee und Disteln, stellte sich tot und wartete, ob nicht
irgendein junger, mit den Rnken dieser Welt noch wenig vertrauter Hase
sich in den Sack schliche, um an dem Leckerbissen zu naschen. Kaum hatte
er sich hingelegt, kam ein junges und unerfahrenes Hschen und kroch in
den Sack. Da zog Meister Kater die Schnre zu, packte das Hschen und
machte ihm ohne Erbarmen den Garaus. Stolz ging er mit seiner Beute zum
Knig und verlangte ihn zu sprechen.

Man fhrte ihn in das Gemach Seiner Majestt, wo er mit einer tiefen
Verbeugung eintrat und so zum Knige sprach:

Hier bringe ich Euch einen Hasen, Herr Knig, den Euch der Marquis von
Carabas (so war der Name, den er fr seinen Herrn ausgesucht hatte) als
Geschenk bersendet.

Sage deinem Herrn, antwortete der Knig, da ich ihm danke, und sage
ihm, er habe mir eine groe Freude bereitet.

Ein zweites Mal verbarg er sich in einem Kornfeld und legte den offenen
Sack wieder hin. Und als zwei Rebhhner hineingeschlpft waren, zog er
ihn zu und fing alle beide.

Dann ging er zum Knig und brachte ihm, wie frher den Hasen, die beiden
Rebhhner zum Geschenk. Der Knig nahm auch dieses Wildbret mit Freude
entgegen und lie dem Kater einen Trunk reichen.

So brachte er zwei bis drei Monate lang dem Knig von Zeit zu Zeit
irgendein Stck aus der angeblichen Jagdbeute seines Herrn. Als er aber
eines Tages erfuhr, da der Knig mit seiner Tochter, der schnsten
Prinzessin der Welt, am Ufer des Flusses spazieren fahren wollte, da
sagte er zu seinem Herrn:

Jetzt folgt meinem Rat, und Euer Glck ist gemacht. Ich zeige Euch eine
Stelle am Flu, da knnt Ihr baden. Das brige lat mich machen!

Herr von Carabas tat, wie ihm der Kater riet, ohne zu wissen, wozu es
gut sein sollte. Wie er nun badete, kam der Knig vorber, und der Kater
fing an, aus Leibeskrften zu schreien:

Zu Hilfe. Zu Hilfe! Der Marquis von Carabas ertrinkt!

[Illustration]

Als der Knig diese Hilfeschreie hrte, steckte er den Kopf zum
Wagenfenster heraus. Sofort erkannte er den Kater, der ihm des fteren
Wildbret gebracht hatte, und befahl seiner Leibwache, dem Marquis von
Carabas schleunigst zu Hilfe zu eilen.

[Illustration]

Whrend man den armen Marquis aus dem Flu zog, trat der Kater an den
Wagen heran und berichtete dem Knig, da Diebe gekommen seien und die
Kleider seines badenden Herrn gestohlen htten, trotzdem er ihnen, so
laut er konnte, zugerufen htte. In Wahrheit hatte der Schlauberger die
Kleider unter einem groen Steine versteckt.

Sogleich gab der Knig seinem Kammerdiener den Auftrag, einen seiner
schnsten Rcke fr den Marquis von Carabas zu holen.

Tausend Aufmerksamkeiten erwies der Knig dem Marquis, und da das schne
Gewand, das er ihm schenkte, seine Gestalt gut zur Geltung brachte,
gefiel er der Tochter des Knigs sehr, und kaum hatte der Marquis von
Carabas zwei bis drei bei aller Ehrfurcht doch ein wenig zrtliche
Blicke mit ihr getauscht, da war sie bis ber die Ohren in ihn verliebt.

Der Knig lud ihn ein, in den Wagen zu steigen und die Spazierfahrt
mitzumachen.

Froh ber das gute Gelingen seines Planes, ist der Kater vor dem Wagen
her. Als er zu Bauern kam, die eine Wiese mhten, rief er ihnen zu:

Ihr guten Leute, wenn Ihr nicht sagt, da diese Wiese, die Ihr mht,
dem Herrn Marquis von Carabas gehrt, so werdet Ihr alle miteinander zu
Pastetenfleisch zerhackt!

Richtig fragte sie der Knig, wem diese Wiese gehre, die sie mhten.

Dem Herrn Marquis von Carabas, riefen sie wie mit einer Stimme, denn
die Drohung des Katers hatte ihnen angst gemacht.

Da habt Ihr ein schnes Erbe, wandte sich der Knig an den Marquis von
Carabas.

Ja, Sire, antwortete der, die Wiese hier bringt alle Jahre schne
Ertrge.

Meister Kater, der immer vorneweg lief, kam zu Schnittern und rief ihnen
zu:

Ihr guten Leute, die Ihr da mht, wenn Ihr nicht sagt, da diese
Kornfelder dem Herrn Marquis von Carabas gehren, so werdet Ihr alle
klein gehackt wie Pastetenfleisch!

Als der Knig einen Augenblick spter vorberfuhr, wollte er wissen, wem
die Felder gehrten, die er da sah.

Dem Herrn Marquis von Carabas, antworteten die Schnitter, und der
Knig und der Marquis hatten ihre Freude an der Antwort.

Allen Leuten, die er traf, schrfte der Kater, der immer vor dem Wagen
her lief, denselben Spruch ein, und der Knig wunderte sich sehr ber
den groen Reichtum des Herrn Marquis von Carabas. Am Ende kam Meister
Kater an ein prchtiges Schlo. Das gehrte einem Riesen, dem Reichsten,
der weit und breit zu finden war, und alle Felder, bei denen der Knig
vorbergekommen war, gehrten zu dieser Schloherrschaft.

Vorsichtig erkundigte sich der Kater, wer der Riese sei und was er
treibe. Dann bat er um eine Audienz mit der Begrndung, da er bei
seinem Schlosse nicht vorbergehen wolle, ohne sich die Ehre zu geben,
seine Aufwartung zu machen.

Der Riese empfing ihn so hflich, wie es bei einem Riesen mglich ist,
und bat ihn, Platz zu nehmen.

Man hat mir versichert, sagte der Kater, da es in Eurer Macht
stnde, die Gestalt eines jeden Tieres anzunehmen, da Ihr
beispielsweise ein Lwe sein knnt oder ein Elefant.

Ganz recht, brummte der Riese, damit Ihr's glaubt, will ich jetzt ein
Lwe werden.

Der Kater erschrak, als er wirklich einen Lwen vor sich sah, und
kletterte schleunigst auf die Dachrinne, nicht ohne Mhe und Gefahr,
denn die Stiefel hinderten ihn beim Laufen. Als der Kater sah, da der
Riese wieder seine alte Gestalt angenommen hatte, kletterte er herab und
gestand, da er groe Angst gehabt habe.

Dann sagte er: Man hat mir auerdem versichert, was ich aber kaum
glauben kann, Ihr knntet Euch auch in die kleinsten Geschpfe
verwandeln, beispielsweise in eine Ratte oder in eine Maus. Ich mu
gestehen, ich halte das fr ganz ausgeschlossen.

Ausgeschlossen, hhnte der Riese, sieh einmal an, und in demselben
Augenblick verwandelte er sich in eine Maus, die auf dem Fuboden hin
und her huschte. Kaum hatte der Kater das bemerkt, da packte er die Maus
und fra sie auf.

Inzwischen war der Knig beim Schlosse des Riesen angekommen und zeigte
Lust, hineinzugehen. Als der Kater den Wagen ber die Schlobrcke
holpern hrte, lief er hin und sagte zum Knig:

Eure Majestt heie ich herzlich willkommen im Schlosse des Herrn
Marquis von Carabas!

[Illustration]

[Illustration]

Wie, Herr Marquis, rief der Knig aus, dieses Schlo gehrt Ihnen? Es
gibt nicht leicht etwas Schneres mit all diesen Gebuden ringsum. Wenn
Sie erlauben, gehen wir hinein.

Der Marquis reichte der Prinzessin die Hand, und sie gingen hinter dem
Knig her, der voranschritt. Sie kamen in einen groen Saal, wo ein
herrliches Mahl bereitet war, welches der Riese fr seine Freunde
bestimmt hatte, die ihn am selben Tage besuchen wollten, die aber nicht
gewagt hatten, zu kommen, als sie erfuhren, da der Knig da sei.

Der Knig war entzckt von dem vortrefflichen Herrn Marquis von Carabas,
und seine Tochter war in ihn verliebt, und wie der Knig die vielen
Reichtmer sah, die dem Herrn Marquis gehrten, da sagte er zwischen dem
sechsten und siebten Glase zu ihm:

Herr Marquis, es liegt nur an Ihnen, wenn Sie mein Schwiegersohn werden
wollen.

Der Marquis von Carabas verbeugte sich und nahm das ehrenvolle Angebot
des Knigs an und heiratete die Prinzessin noch an demselben Tage. Der
Kater aber wurde ein groer Herr und ging nur noch auf die Musejagd,
wenn er sich die Zeit vertreiben wollte.


                Moral:

    Es ist frwahr sehr angenehm,
    Vom Vater Geld und Gut zu erben.
    Der Arme hat's nicht so bequem;
    Er braucht jedoch nicht arm zu sterben:
    Mit Flei und mit Geschicklichkeit
    Kommt er bisweilen auch so weit.




Der kleine Dumling


Es war einmal ein Holzhacker und seine Frau. Die hatten sieben Kinder,
lauter Knaben. Der lteste war erst zehn Jahre alt und der jngste
sieben. Man braucht sich aber nicht zu wundern, da der Holzhacker in
der kurzen Zeit so viel Kinder bekam, denn seine Frau war sehr fleiig
und schenkte ihm jedesmal mindestens zwei.

Es waren arme Leute, und die sieben Kinder machten ihnen viel Sorge,
weil noch keines von ihnen sich sein Brot selber verdiente. Aber die
grte Sorge machte ihnen ihr Jngster; er war ein Schwchling und
konnte noch kein einziges Wort sprechen. Das war in Wirklichkeit ein
Zeichen seiner Schlauheit; aber die Eltern hielten ihn fr dumm.

Er war ein winziger Kerl und, als er zur Welt kam, nicht lnger ein
Daumen. Man nannte ihn deshalb den kleinen Dumling.

Das arme Kind war immer der Sndenbock zu Hause, stets gab man ihm
unrecht. Und doch war er der Schlaueste und Geriebenste von allen seinen
Brdern und wenn er auch wenig sprach, so hrte er um so mehr.

Eines Tages, als die Kinder schon zu Bett gebracht waren, sa der
Holzhacker mit seiner Frau auf der Ofenbank und sagte kummervollen
Herzens zu ihr:

Du mut einsehen, da wir unsere Kinder nicht lnger ernhren knnen.
Ich kann es nicht mit ansehen, wie sie vor meinen Augen verhungern. Wir
mssen sie im Walde aussetzen. Das ist nicht schwer; wenn sie Reisig
suchen, dann lassen wir sie allein und gehen davon.

Was!, rief da seine Frau, du brchtest es ber das Herz, deine
eigenen Kinder zu tten?

[Illustration]

Vergebens sprach der Mann von ihrer groen Armut, aber sie konnte ihm
nicht recht geben, denn wenn sie auch arm war, so war sie doch die
Mutter der Kinder. Doch als er ihr vorhielt, welcher Schmerz es fr sie
sei, zuzusehen, wie die Kinder verhungerten, da war sie schlielich
einverstanden und ging weinend zu Bett.

Der kleine Dumling aber hatte alles gehrt. Denn als er in seinem Bette
lag und die Eltern von ihren Sorgen sprechen hrte, da war er leise
aufgestanden und unter den Schemel seines Vaters gekrochen, wo er
unbemerkt lauschen konnte.

Er legte sich dann wieder hin. Aber er konnte nicht einschlafen und
dachte nur darber nach, was jetzt zu tun sei. Frh am Morgen stand er
auf, ging an den Bach, fllte sich die Taschen mit kleinen, weien
Kieselsteinen und kehrte ins Haus zurck. Bald brachen sie auf. Der
kleine Dumling verriet seinen Brdern kein Sterbenswrtchen von dem,
was er wute. Sie kamen in einen groen, dichten Wald, in dem man sich
schon auf zehn Schritte nicht mehr sehen konnte. Der Holzhacker fllte
Bume, und seine Kinder sammelten Reisig, das sie zu Bndeln banden. Als
der Vater und die Mutter sie so beschftigt sahen, da machten sie sich
heimlich auf einem kleinen Seitenpfade davon.

Auf einmal sahen sich die Kinder verlassen und fingen an zu weinen und
aus Leibeskrften zu schreien. Der kleine Dumling lie sie schreien,
weil er wute, wie sie nach Hause zurckfinden knnten. Denn unterwegs
hatte er die kleinen, weien Kieselsteine fallen lassen, die er in
seiner Tasche trug. Er sagte deshalb zu seinen Brdern:

Frchtet euch nicht! Vater und Mutter haben uns verlassen, aber ich
werde euch heimfhren. Folgt mir nur!

Und sie folgten ihm. Er fhrte sie auf demselben Wege, auf dem sie in
den Wald gekommen, zu ihrem Hause zurck. Zuerst wagten sie nicht,
hineinzugehen. Sie lehnten sich alle an die Tr, um zu hren, was Vater
und Mutter sprachen.

[Illustration]

Kaum waren der Holzhacker und seine Frau nach Hause gekommen, da
schickte ihnen der Herr des Dorfes die zehn Taler zurck, die er ihnen
schon lange schuldig war, und mit denen sie nicht mehr gerechnet hatten.
Das rettete den armen Leuten das Leben, denn sie waren am Verhungern.
Sogleich schickte der Holzhacker seine Frau zum Fleischer, und weil sie
schon lange kein Fleisch gegessen hatten, kaufte sie dreimal soviel, wie
sie fr sich zu einem Abendessen brauchten. Als sie nun satt waren,
sagte die Frau:

Wo mgen jetzt unsere armen Kinder sein? Wie wrde ihnen das schmecken,
was wir hier brig haben, aber du, Wilhelm, hast sie ja durchaus
umbringen wollen. Immer habe ich gesagt, wir wrden es noch bereuen. Wie
mag es ihnen jetzt in dem finsteren Walde gehen? Ach, mein Gott, die
Wlfe haben sie vielleicht schon gefressen! Du bist wahrhaftig ein
Unmensch, da du deine eigenen Kinder so umgebracht hast.

Der Mann verlor schlielich die Geduld, denn mehr als zwanzigmal
wiederholte sie, da sie recht gehabt habe und da er es noch bereuen
wrde. Am Ende drohte er ihr, sie zu schlagen, wenn sie nicht den Mund
halte.

Und doch war der Holzhacker nicht weniger betrbt als seine Frau. Aber
sie machte ihm den Kopf hei, und er gehrte zu jenen Mnnern, die
Frauen gerne haben, wenn sie sanfte Reden fhren, die aber emprt sind,
wenn sie immer recht haben wollen.

Bittere Trnen vergo seine Frau:

Ach, wo sind jetzt meine Kinder, meine armen Kinder?

Einmal rief sie das so laut, da die Knaben, die an der Tr horchten,
alle miteinander zu schreien anfingen:

Wir sind wieder da! Wir sind wieder da!

So schnell sie konnte, lief die Frau und machte ihnen die Tr auf. Unter
tausend Kssen rief sie:

Wie bin ich froh, da ich euch wiederhabe, liebe Kinder! Ihr seid gewi
mde und habt groen Hunger; und du, Peterle, wie schmutzig bist du
denn! Komm, ich will dich waschen!

[Illustration]

Peterle war ihr ltester Sohn, und sie liebte ihn mehr als alle anderen,
weil er von ihr die roten Haare geerbt hatte. Dann setzten sie sich zu
Tisch, und sie aen mit einem Appetit, der Vater und Mutter helle Freude
machte, und sie erzhlten, welche Angst sie im Walde gehabt hatten, und
einer schrie lauter als der andere.

Die guten Leute freuten sich, ihre Kinder wieder bei sich zu haben, und
diese Freude dauerte geradeso lange, wie die zehn Taler reichten. Aber
als das Geld ausgegeben war, kam wieder die alte Verzweiflung und mit
ihr von neuem der Entschlu, die Kinder auszusetzen. Damit es nicht gehe
wie beim ersten Mal, wollten sie die Kinder noch tiefer in den Wald
hineinfhren. Aber sie konnten darber nicht so heimlich sprechen, da
der kleine Dumling es nicht gehrt htte, und er wollte es jetzt wieder
so machen wie damals. Aber als er frh aufstand, um kleine Kieselsteine
zu sammeln, da fand er die Haustr doppelt verriegelt.

Nun wute er nicht, was er tun sollte. Doch als die Mutter jedem von
ihnen ein Stck Brot zum Frhstck gab, da fiel ihm ein, da er anstatt
der Steinchen das Brot nehmen knne, wenn er es in Krmeln auf dem Wege
ausstreute, den sie gehen wrden, und er steckte das Brot in seine
Tasche.

Vater und Mutter fhrten die Kinder in den dichtesten und finstersten
Teil des Waldes, und als sie dort angekommen waren, machten sie sich auf
einem Umweg davon und lieen sie zurck. Der kleine Dumling war nicht
ngstlich, denn er glaubte, den Weg mit den Brotkrmeln, die er berall
ausgestreut hatte, leicht zurckzufinden. Aber er war sehr betroffen,
als er nicht ein einziges Krmelchen entdeckte. Die Vgel waren gekommen
und hatten alle aufgepickt.

Da waren sie nun in groer Sorge, denn je weiter sie wanderten, um so
mehr verirrten sie sich und gerieten immer tiefer in den Wald hinein.
Die Nacht brach an, und es kam ein groer Sturm, der sie in Schrecken
setzte. Von allen Seiten glaubten sie das Geheul der Wlfe zu hren, die
sie fressen wollten. Sie wagten nicht mehr zu sprechen, noch sich zu
rhren.

Zu alldem berraschte sie ein groer Regen, und sie wurden na bis auf
die Knochen. Bei jedem Schritt glitten sie aus und fielen zu Boden. Ganz
beschmutzt standen sie da und wuten nicht mehr, was sie anfangen
sollten.

[Illustration]

Da kletterte der kleine Dumling auf einen groen Baum, um auszuschauen,
ob er keine Hilfe she. Nach allen Seiten drehte er den Kopf und sah
endlich ein kleines Licht, wie von einer Kerze, aber es war weit weg,
jenseits des Waldes. Er kletterte vom Baum herab, und wie er wieder auf
der Erde war, sah er das Licht nicht mehr. Das machte ihn trostlos. Aber
als er eine Zeitlang mit seinen Brdern in der Richtung gegangen war, in
welcher er das Licht gesehen hatte, da sah er es beim Austritt aus dem
Walde von neuem. Jedesmal, wenn der Weg sich senkte, verloren sie es
wieder aus den Augen, und das machte ihnen groe Angst. Aber schlielich
kamen sie an das Haus, wo die Kerze brannte.

Sie pochten an die Tr, und eine gute Frau machte ihnen auf und fragte
nach ihrem Begehr.

Der kleine Dumling sagte, sie seien arme Kinder, die sich im Walde
verirrt htten, und sie bten um Gottes willen um ein Nachtlager.

Wie die Frau die netten Kinder sah, fing sie an zu weinen und sagte zu
ihnen:

Ach, meine armen Kinder, wohin seid ihr geraten! Wit ihr nicht, da
hier ein Riese wohnt, der kleine Kinder frit?

Gute Frau, antwortete ihr der kleine Dumling, der ebenso wie seine
Brder am ganzen Leibe zitterte, was sollen wir jetzt anfangen? Gewi
werden uns die Wlfe heute im Walde auffressen, wenn Ihr uns nicht
aufnehmen wollt. Da ist es schon besser, da uns der Herr frit;
vielleicht hat er aber Mitleid, wenn wir ihn darum bitten.

Da lie die Frau die Kinder hinein, denn sie hoffte, sie bis zum
nchsten Morgen vor ihrem Manne verstecken zu knnen. Sie fhrte sie an
ein helles Feuer, damit sie sich wrmen konnten. Es wurde nmlich gerade
ein Hammel am Spiee gebraten als Abendessen fr den Riesen. Kaum fingen
die Kinder an, warm zu werden, da hrten sie es drei- bis viermal an die
Haustr donnern. Das war der Riese, der zurckkam. Schleunigst
versteckte die Frau die Kinder unter dem Bett und ffnete.

[Illustration]

Zuerst fragte der Riese, ob sein Abendbrot fertig und ob der Wein
abgefllt sei, und setzte sich zu Tisch. Der Hammel war noch ganz
blutig, aber das schien ihm gerade recht. Dann schnffelte er rechts und
links und sagte, es rche ihm nach frischem Fleisch.

Das wird wohl der Hammel sein, den ich soeben gebraten habe, meinte
seine Frau.

Ich rieche frisches Fleisch, sage ich dir nochmals, versetzte der
Riese und sah seine Frau von der Seite an:

Hier mu etwas sein, von dem ich nichts wei!

Mit diesen Worten stand er auf und ging geradenwegs auf das Bett zu.

Aha, du schlechtes Weib! Du hast mich also wirklich betrgen wollen!
Ich wei wahrhaftig nicht, warum ich dich nicht schon lngst gefressen
habe. Es ist dein Glck, da du so ein altes Tier bist. Der Leckerbissen
hier kommt mir gerade recht. Damit kann ich drei befreundete Riesen, die
mich in diesen Tagen besuchen, schn bewirten.

Dann zerrte er die Kinder eines nach dem anderen unter dem Bette hervor.
Die rmsten warfen sich ihm zu Fen und baten um Gnade. Aber es war der
Grausamste aller Riesen; er hatte kein Mitleid mit ihnen, und mit seinen
Augen verschlang er sie schon. Dann sagte er zu seiner Frau, das wrden
Leckerbissen werden, wenn sie nur eine gute Brhe dazu mache.

Er langte nach seinem Messer und fing vor den armen Kindern an, es auf
seinem Schleifstein, den er in der Linken hielt, zu schrfen. Schon
hatte er eines gepackt, da sagte seine Frau zu ihm:

Was willst du denn jetzt damit? Hast du nicht Zeit bis morgen?

Halt den Mund, schrie sie der Riese an, sie sind dann mrber!

Aber du hast ja noch so viel Fleisch, meinte seine Frau, ein Kalb,
zwei Hammel und ein halbes Schwein.

Du magst recht haben, brummte der Riese, gib ihnen aber gut zu essen,
damit sie mir nicht abmagern, und bring sie dann zu Bett!

[Illustration]

Die gute Frau war auer sich vor Freude und brachte den Kindern ein
schnes Abendessen. Doch sie konnten keinen Bissen anrhren, so sehr
zitterten sie vor Angst. In bester Laune setzte sich der Riese hin und
freute sich, fr seine Kumpane einen so schnen Leckerbissen erwischt zu
haben. Er trank und trank zwlf Glas mehr als sonst. Das stieg ihm in
den Kopf, und er legte sich zu Bett.

Der Riese besa sieben junge Tchter. Diese Riesinnen hatten alle eine
wunderschne Haut, da sie sich ebenso wie ihr Vater von frischem
Fleische nhrten; aber sie hatten kleine, graue, ganz runde Augen, eine
groe Nase und einen groen Mund mit langen, spitzen und weit
auseinanderstehenden Zhnen. Sie waren noch nicht sehr bsartig, aber
doch vielversprechend, denn sie fingen schon an, die kleinen Kinder zu
beien und ihnen das Blut auszusaugen.

Sie waren schon frh zu Bette gebracht worden und schliefen alle in
einem einzigen groen Bett. Jede von ihnen trug eine goldene Krone auf
dem Kopfe. In demselben Zimmer stand ein zweites Bett von derselben
Gre. In dieses Bett legte die Frau des Riesen die sieben kleinen
Jungen. Dann ging sie selbst zur Ruhe.

Der kleine Dumling hatte gesehen, da die Tchter des Riesen goldene
Kronen auf dem Kopfe trugen, und da er frchtete, es mchte den Riesen
reuen, da er sie nicht schon am selben Abend abgeschlachtet hatte,
stand er gegen Mitternacht auf, nahm sich und seinen Brdern die
Mtze vom Kopf und setzte sie, mit aller Vorsicht, den sieben
Riesentchterchen auf. Seinen Brdern und sich selbst setzte er die
goldenen Kronen auf, die er jenen genommen hatte. So mute der Riese die
Knaben fr seine Tchter und seine Tchter fr die Knaben halten, die er
schlachten wollte.

Es kam genau so, wie es sich der kleine Dumling gedacht. Der Riese
wachte um Mitternacht auf, und es tat ihm leid, da er bis zum anderen
Tage verschoben hatte, was er sofort erledigen wollte. Mit einem
mchtigen Satz sprang er aus seinem Bett und griff zu seinem Messer:

Nun wollen wir mal sehen, was unsere kleinen Schelme machen! So etwas
gibt es nicht zum zweiten Male.

[Illustration]

So sprechend, tappte er im Dunkeln hinauf ins Zimmer seiner Tchter und
trat an das Bett heran, in dem die kleinen Knaben lagen. Sie schliefen
alle fest, nur der kleine Dumling wachte. Ein Gruseln berlief ihn, als
er die tastende Hand des Riesen fhlte, der vorher schon alle seine
Brder abgetastet hatte. Wie der Riese die goldenen Kronen berhrte,
sagte er:

Donnerwetter, da htte ich beinahe etwas Schnes angerichtet! Ich habe
wahrhaftig am Abend zuviel getrunken.

Dann ging er an das Bett seiner Tchter, und als er hier die Mtzen der
Knaben fand, sagte er:

Da htten wir ja unsere Brschchen! Nun rasch an die Arbeit!

Mit diesen Worten schnitt er, ohne zu zgern, allen seinen Tchtern die
Kpfe ab.

Zufrieden mit seiner Tat legte er sich wieder ins Bett. Kaum hrte der
kleine Dumling den Riesen schnarchen, da weckte er seine Brder und
hie sie, sich schnell anzuziehen und ihm zu folgen. Vorsichtig stiegen
sie hinab in den Garten und sprangen ber die Mauer. Am ganzen Leibe
zitternd, liefen sie bis zum Morgen, ohne Weg und Steg zu kennen.

Als der Riese erwachte, sagte er zu seinem Weib:

Gehe hinauf und mache die kleinen Schelme von gestern abend zurecht!

Die Frau des Riesen war erstaunt ber die gute Laune ihres Mannes und
glaubte, er schicke sie, die Knaben anzuziehen. Sie ging hinauf und war
zu Tode erschrocken, als sie ihre sieben Tchter mit abgeschnittenen
Hlsen in ihrem Blute sah. Sie fiel in Ohnmacht, denn das ist das
einzige, was Frauen in dieser Lage tun knnen. Der Riese glaubte, seiner
Frau wrde die Arbeit zu schwer, die er ihr aufgetragen hatte, und ging
hinauf, um ihr zu helfen. Aber er war nicht weniger erschrocken als
seine Frau bei diesem grlichen Anblick.

Was habe ich da angerichtet, schrie er, aber sie sollen es mir auf
der Stelle ben, die Unglcklichen!

Er go seiner Frau einen Topf Wasser ber die Nase, und als sie wieder
zu sich kam, sagte er zu ihr:

Gib mir schnell meine Siebenmeilenstiefel, da ich die Bande einhole!

[Illustration]

Er machte sich auf den Weg, und als er kreuz und quer gelaufen war, kam
er endlich auf die Strae, wo die Knaben gingen. Nur noch hundert
Schritte waren sie vom Hause ihres Vaters entfernt. Da sahen sie den
Riesen, wie er von Berg zu Berg schritt und die grten Strme
berquerte wie den kleinsten Bach. Der kleine Dumling fand in nchster
Nhe ein Loch in einem Felsen und versteckte darin seine Brder; auch er
selbst kroch hinein und gab acht, was der Riese tat. Der war von dem
groen Umweg, den er vergebens gemacht hatte, sehr erschpft und wollte
sich ausruhen. Zufllig setzte er sich gerade auf denselben Felsen,
unter dem sich die Knaben versteckt hatten. Er konnte vor Mdigkeit
nicht mehr weiter und schlief bald ein. Dabei fing er so schrecklich an
zu schnarchen, da die Kinder nicht weniger Angst bekamen wie damals,
als er zu seinem groen Messer griff, um ihnen den Hals abzuschneiden.

Der kleine Dumling war mutiger. Whrend der Riese in festem Schlafe
lag, sagte er zu seinen Brdern, sie sollten rasch nach Hause laufen und
sich um ihn keine Sorge machen. Sie folgten seinem Rat und erreichten
glcklich das Haus. Der kleine Dumling machte sich an den Riesen heran,
zog ihm vorsichtig seine Stiefel aus und schlpfte selbst hinein. Die
Stiefel waren zwar gro und weit, aber es waren Zauberstiefel: sie
hatten die Eigenschaft, grer oder kleiner zu werden, je nach ihrem
Trger, und sie paten ihm so gut, als seien sie fr ihn gemacht.

Schnurstracks lief er zum Hause des Riesen zurck und fand dort sein
Weib in Trnen bei ihren toten Tchtern.

Euer Gatte ist in groer Gefahr, sagte Dumling zu ihr, er ist von
Rubern gefangen, und diese haben geschworen, ihn zu tten, wenn er
ihnen nicht all sein Gold und Silber gbe. Gerade als sie ihm den Dolch
an die Kehle setzten, kam ich zufllig vorbei, und er bat mich, zu Euch
zu gehen, um Euch zu benachrichtigen und Euch zu sagen, Ihr solltet mir
alles aushndigen, was er an Vermgen besitzt, und sollt nichts
zurckbehalten, weil sie ihn sonst ohne Mitleid tten. Da grte Eile
ntig ist, gab er mir seine Siebenmeilenstiefel. Es soll zugleich ein
Beweis sein, damit Ihr nicht glaubt, ich sei ein Schwindler.

[Illustration]

In ihrem groen Schrecken gab die Frau ihm alles, was sie hatte, denn
wenn der Riese auch kleine Kinder fra, so war er doch immer ein guter
Vater und Gatte.

Schwer beladen mit den Schtzen des Riesen kehrte der kleine Dumling in
das Haus seines Vaters zurck, wo er mit groer Freude empfangen wurde.

Es gibt viele Leute, die nicht glauben wollen, da der kleine Dumling
den Riesen bestohlen habe. Er habe in Wirklichkeit sich nur deshalb
keine Gedanken darber gemacht, dem Riesen die Siebenmeilenstiefel
fortzunehmen, weil dieser sie doch nur dazu benutzte, um die kleinen
Kinder zu fangen. Diese Leute behaupten, sie wten es aus bester
Quelle, denn sie wren selbst im Hause des Holzhackers zu Gast gewesen,
und sie erzhlen, der kleine Dumling habe sich die Stiefel des Riesen
angezogen und sei damit an den Hof des Knigs gegangen, wo man in groer
Sorge um das Schicksal des Heeres war, das 200 Meilen entfernt in heiem
Kampfe lag. Man hatte keine Nachricht ber den Ausgang der Schlacht.

[Illustration]

Dumling ging nun zum Knig und erbot sich, ihm noch vor Tagesende
Nachricht von der Armee zu bringen. Der Knig versprach ihm eine groe
Belohnung, wenn er dies fertig bringe. Noch am selben Abend berbrachte
der kleine Dumling die ersehnte Botschaft, und dieser erste Lauf machte
ihn so berhmt, da er alles erreichte, was er wollte. Der Knig
belohnte ihn frstlich. Dumling brachte seine Befehle zur Armee, und
viele Damen gaben ihm alles, was er verlangte, um nur Nachricht von
ihren Liebhabern zu erhalten. Das war seine beste Einnahme. Es fanden
sich zwar auch einige Ehefrauen, die ihm Briefe fr ihre Gatten
mitgaben, aber diese zahlten schlecht, und er hielt es fr unter seiner
Wrde, mit dem ihm von dieser Seite zuflieenden Verdienste berhaupt zu
rechnen.

Auf diese Weise verschaffte er seiner ganzen Familie ein gutes
Auskommen. Seinem Vater und seinen Brdern kaufte er neugeschaffene
Amtsstellen, und sich selbst schuf er einen trefflichen Hausstand.


                Moral:

    Wenn einer nette Kinder hat,
    Die schn und wohl geraten sind,
    Dann zeigt er sie der ganzen Stadt. --
    Jedoch verliert er nicht ein Wort,
    Wird ihm geschenkt ein schwchlich Kind,
    Er qult's und tut ihm jedem Tort. --
    Doch oft ist so ein kleiner Mann
    Ein Kerl, der vieles wei und kann:
    Der kleine Dumling, wie gesagt,
    Hat der Familie Glck gebracht.




Aschenbrdel

oder

die Geschichte vom glsernen Pantffelchen


Es war einmal ein Edelmann, der hatte in seiner zweiten Ehe ein so
hochmtiges und stolzes Weib geheiratet, wie man noch niemals eines sah.
Diese Frau hatte zwei Tchter, welche ganz nach ihrer Art waren und ihr
in jeder Hinsicht glichen. Auch der Mann hatte eine Tochter mit in die
Ehe gebracht, ein Mdchen von holder Anmut und unvergleichlicher Gte,
das wahre Ebenbild ihrer verstorbenen Mutter, der besten Frau der Welt.

Kaum war die Hochzeit vorbei, da zeigte sich die Stiefmutter auch schon
von ihrer schlimmsten Seite. Sie konnte das junge Mdchen nicht leiden,
denn neben ihm erschienen ihre eigenen Tchter noch hlicher.

Deshalb trug sie ihm die schmutzigsten Arbeiten im Hause auf: es mute
das Geschirr reinigen, die Treppen fegen, es mute das Zimmer der
gndigen Frau scheuern und das der gndigen Fruleins, ihrer Tchter. Es
mute auf dem Speicher unter dem Dache auf einem elenden Strohsacke
schlafen, whrend seine Schwestern die herrlichsten Zimmer hatten, mit
den allermodernsten Betten und mit Spiegeln, in denen sie sich vom Kopf
bis zum Fu betrachten konnten.

Doch alles ertrug das arme Mdchen mit Geduld, es wagte nicht, sich bei
ihrem Vater zu beschweren, denn der htte ihm doch nicht recht gegeben,
weil er ganz unter dem Einflusse seiner Frau stand. Wenn es seine Arbeit
gemacht hatte, dann setzte es sich neben dem Kchenherd in die Asche,
und deshalb nannte man es im Hause nur noch die Kchenschabe; aber die
zweite Tochter, die nicht ganz so bse war wie ihre ltere Schwester,
gab ihm den Namen Aschenbrdel. Trotz allem war Aschenbrdel in ihren
schlechten Kleidern noch hundertmal schner als ihre Schwestern, wie
sehr sich diese auch putzten.

Eines Tages gab der Sohn des Knigs einen Ball und lud dazu alle
Personen von Rang ein. Auch die beiden Fruleins wurden eingeladen, denn
sie spielten im Lande eine groe Rolle. Darber freuten sie sich sehr,
und sie berlegten den ganzen Tag, wie sie sich am schnsten kleiden und
schmcken knnten und was ihnen am besten stnde. Da gab es neue Arbeit
fr Aschenbrdel. Sie mute die Wsche ihrer Schwestern waschen und
bgeln und die Manschetten ihrer Kleider kruseln. Man sprach von nichts
anderem, als was man anziehen wolle.

Ich, sagte die ltere, ziehe das rote Velourkleid mit dem englischen
Besatze an.

Und die Zweite meinte: Ich werde meinen gewhnlichen roten Rock tragen,
aber dazu nehme ich den Umhang mit den Goldblumen und meinen
Diamantschmuck, was mir auch nicht schlecht stehen wird.

Die berhmteste Haarkruslerin mute kommen, um die Spitzenhauben zu
ordnen und die niedlichen Schnheitspflsterchen zu kleben. Dann riefen
sie Aschenbrdel herbei, um ihr Urteil zu hren; denn sie hatte einen
guten Geschmack. Aschenbrdel gab ihnen die besten Ratschlge und erbot
sich sogar, ihnen das Haar zu machen. Das lieen sie sich gerne
gefallen.

Whrend sie die Schwestern kmmte, sagten diese zu ihr:

Aschenbrdel, httest du wohl auch Lust, mit auf den Ball zu gehen?

Ach, edle Damen, warum treibt ihr euren Spott mit mir? Die Ehre wre zu
hoch fr mich.

Da hast du recht, man wrde nur lachen, she man eine Kchenschabe, wie
du, zum Balle gehen.

Eine andere als Aschenbrdel htte nun sicher die Frisuren verdorben;
aber Aschenbrdel war zu gutmtig dazu und kmmte ihnen die Haare
wunderbar schn.

[Illustration]

Fast zwei Tage lang aen die beiden keinen Bissen, so zitterten sie vor
freudiger Erwartung. Mehr als ein Dutzend Bnder gingen beim Schnren
entzwei, da sie so schlank als mglich sein wollten. In einem fort
standen sie vor dem Spiegel.

Endlich war der ersehnte Tag gekommen, und sie fuhren ab.

Aschenbrdel folgte ihren Schwestern mit den Augen, solange sie konnte.
Aber als sie den Wagen nicht mehr sah, da setzte sie sich hin und
weinte. Ihre Patin sah ihre Trnen und fragte, was ihr fehle.

Ich mchte so gern, .... ich mchte so gern ....

Vor lauter Schluchzen konnte sie nicht zu Ende sprechen.

Du mchtest wohl gern auf den Ball gehen? sagte die Patin, die eine
Fee war.

Ach ja, antwortete Aschenbrdel und tat einen tiefen Seufzer.

Wenn du brav bist, dann will ich dich hingehen lassen.

Mit diesen Worten fhrte sie Aschenbrdel in ihre Kammer und sagte zu
ihr:

Gehe in den Garten und bringe mir einen Krbis!

Aschenbrdel ging sofort hinunter, pflckte den schnsten Krbis, den
sie fand, und brachte ihn der Patin, ohne zu ahnen, wie er ihr zum
Ballbesuch verhelfen knnte. Die Patin fing an, den Krbis auszuhhlen,
und als nur noch die Schale brig war, klopfte sie mit ihrem Zauberstab
daran, und auf der Stelle verwandelte sich der Krbis in einen schnen,
goldenen Wagen.

Dann sah sie in der Musefalle nach und fand sechs lebendige Muse
darin. Sie befahl Aschenbrdel, die Klappe ein wenig anzuheben, und gab
jeder Maus, die herausschlpfte, einen leichten Schlag mit ihrem
Zauberstab. Darauf verwandelte sich die Maus sofort in ein schnes Ro.
Das gab ein prchtiges Sechsgespann, sechs Pferde von herrlichem
Apfelgrau, geradeso wie die Muse gewesen waren.

Nun fehlte nur noch ein Kutscher, und Aschenbrdel meinte: Ich werde
einmal sehen, ob nicht eine Ratte in der Falle ist! Daraus knnten wir
wohl einen Kutscher machen.

Du hast recht, sagte die Patin, sieh einmal nach!

Aschenbrdel holte die Rattenfalle; da waren drei fette Ratten darin.
Eine von ihnen, die einen stattlichen Bart hatte, packte die Fee, und
kaum hatte sie die Ratte mit dem Stabe berhrt, da stand auch schon ein
dicker Kutscher da, mit einem so mchtigen Schnauzbart, wie man noch
keinen gesehen hatte.

Hierauf sagte die Fee zu Aschenbrdel:

Gehe in den Garten, dort wirst du hinter der Giekanne sechs Eidechsen
finden, die bringe mir her!

Kaum hatte sie die Eidechsen gebracht, da verwandelte sie die Patin in
sechs Lakaien in prchtig verbrmten Rcken. Sofort stiegen die Lakaien
auf ihre Sitze und benahmen sich dabei so geschickt, als htten sie in
ihrem ganzen Leben nichts anderes getan. Dann sagte die Fee zu
Aschenbrdel:

Siehst du, jetzt kannst du auf den Ball fahren; freust du dich nun?

O ja; aber soll ich denn so, wie ich bin, hingehen, in diesen
schlechten Kleidern?

Da berhrte sie die Patin leise mit ihrem Zauberstabe, und sofort hatte
sich ihr armseliges Kleid in ein gold- und silberglnzendes, mit
Edelsteinen besetztes Gewand verwandelt. Zum Schlu gab sie ihr noch ein
Paar niedliche glserne Pantffelchen.

So geschmckt stieg Aschenbrdel in den Wagen; aber vorher trug ihr die
Patin auf, ja nicht die Mitternacht vorbeizulassen, und drohte ihr, wenn
sie auch nur einen Augenblick lnger auf dem Ball bliebe, so wrde ihr
Wagen wieder zum Krbis werden, ihre Pferde zu Musen, ihr Kutscher zur
Ratte, und ihre stattlichen Lakaien wrden wieder ihre frhere Gestalt
annehmen.

Aschenbrdel versprach ihrer Patin, den Ball ganz gewi vor Mitternacht
zu verlassen, und fuhr ab, auer sich vor Freude. Als sie so prchtig
dahergefahren kam, benachrichtigte man den Sohn des Knigs, eine
vornehme Prinzessin, die niemand kenne, sein angekommen, und der
Knigssohn lief herbei, sie zu empfangen. Wie sie aus dem Wagen stieg,
reichte er ihr die Hand und fhrte sie in den Festsaal. Da war mit einem
Male groes Schweigen: alles hrte auf zu tanzen, und die Geigen
verstummten. Jeder sah nur noch die wunderschne Unbekannte. berall
hrte man raunen und wispern:

Ach, wie schn ist sie!

[Illustration]

Sogar der Knig, so alt er war, konnte sich nicht von ihrem Anblick
losreien und flsterte der Knigin zu, er htte lange keine so hbsche
und so liebenswerte Person gesehen.

Die Damen musterten Kopfputz und Kleiderschnitt der Fremden mit
groer Aufmerksamkeit, um es ihr schon am anderen Tage nachzutun,
vorausgesetzt, da sich so schne Stoffe finden lieen und so geschickte
Schneider.

Der Knigssohn fhrte die Fremde auf den Ehrenplatz und bat sie sofort
um einen Tanz, und sie tanzte mit so viel Anmut, da man nicht aus dem
Staunen kam.

Nun wurde ein kstliches Mahl bereitet, aber der junge Prinz konnte
keinen Bissen essen: er sah nichts anderes mehr als seine Dame.

Nach dem Mahl stand Aschenbrdel auf und setzte sich zu ihren
Schwestern, um ihnen tausenderlei Artigkeiten zu erweisen. Sie teilte
Orangen und Zitronen mit ihnen, die ihr der Prinz geschenkt hatte, und
setzte sie mit alldem in das grte Erstaunen. Denn sie erkannten
Aschenbrdel nicht.

Als sie noch plauderten, hrte Aschenbrdel drei Viertel auf zwlf
schlagen. Schleunigst erhob sie sich, machte vor der ganzen
Festgesellschaft eine tiefe Verbeugung und verlie den Saal so rasch,
wie sie konnte.

Zu Hause angelangt, suchte sie die Patin auf, dankte ihr herzlich und
sagte ihr, sie wnsche sich sehnlichst, am nchsten Tage nochmals auf
den Ball zu gehen, weil der Knigssohn sie darum gebeten habe. Als sie
gerade dabei war, ihre Erlebnisse zu erzhlen, da klopften die
Schwestern an die Tre, und Aschenbrdel machte ihnen auf.

Ihr kommt aber spt! sagte sie, rieb sich ghnend die Augen und reckte
sich, als sei sie eben aufgestanden.

Die eine der Schwestern sagte: Wrest du mit auf dem Ball gewesen, du
httest dich sicher nicht gelangweilt. Es war eine so schne Prinzessin
da, wie es auf der ganzen Welt keine zweite gibt. Tausend Artigkeiten
hat sie uns erwiesen und hat uns Orangen und Zitronen geschenkt.

Aschenbrdel war auer sich vor Freude; sie fragte, wie die Prinzessin
hiee. Aber ihre Schwestern antworteten, da kein Mensch sie kenne, und
da der Knigssohn sich den Kopf darber zerbrche und alles in der Welt
darum gbe, wenn er erfahren knne, wer sie sei.

Aschenbrdel lachte: War sie wirklich so schn? Mein Gott, wie ich euch
beneide! Knnte ich sie doch nur einmal sehen! Ach, Frulein Javotte,
leiht mir doch euer gelbes Kleid, welches ihr alltags tragt!

Das knnte mir passen, meinte Frulein Javotte, einer alten
Kchenschabe wie dir das Kleid leihen! Da mte ich ja nrrisch sein!

Aschenbrdel hatte diese Antwort erwartet und war froh darber, denn sie
wre in die grte Verlegenheit geraten, htte ihr die Schwester
wirklich das Kleid geliehen.

Als die beiden Schwestern am nchsten Tage wieder zum Balle fuhren,
erschien auch Aschenbrdel dort, aber diesmal noch herrlicher geschmckt
wie am ersten Tag.

Der Knigssohn ging nicht von ihrer Seite und sagte ihr die schnsten
Dinge.

Darber verga das junge Mdchen ganz, was ihr die Patin gesagt. Die Uhr
holte schon zum Schlag der zwlften Stunde aus, da glaubte sie noch, es
sei erst elf. Schnell sprang sie nun auf und flchtete so leicht wie
eine Hindin.

Der Prinz strzte ihr nach, aber er konnte sie nicht mehr erreichen. In
der Eile verlor Aschenbrdel einen ihrer glsernen Pantoffel, den der
Prinz behutsam aufhob.

Ganz auer Atem kam sie nach Hause, ohne Wagen, ohne Lakai, in ihren
schlechten Kleidern. Nichts war ihr von all der Herrlichkeit geblieben
als das zweite Pantffelchen, das genau so war wie das verlorene.

[Illustration]

Die Torwchter des Schlosses wurden gefragt, ob sie keine Prinzessin
gesehen htten. Doch diese sagten, sie htten nur ein junges Ding in
Lumpen gesehen, mehr von dem Aussehen einer Bauernmagd als einer
Edeldame.

Als nun die beiden Schwestern vom Ball heimkehrten, fragte sie
Aschenbrdel, ob sie sich wieder gut unterhalten htten, und ob auch die
schne Dame wieder da gewesen wre.

Ja, sagten diese, aber die schne Dame sei davongelaufen, als die Uhr
Mitternacht geschlagen habe. Sie sei so rasch gelaufen, da sie dabei
eines ihrer wunderschnen glsernen Pantffelchen verloren habe. Das
habe der Knigssohn aufgehoben und bis zum Ende des Balles kein Auge
davon gelassen. Sicher sei er ganz verliebt in das schne Mdchen, dem
das Pantffelchen gehre.

Sie hatten recht, denn wenige Tage darauf lie der Knigssohn mit
Trompetenschall bekanntgeben, er wrde das junge Mdchen zu seiner Frau
machen, an dessen Fu das Pantffelchen passe.

Zuerst probierte man bei den Prinzessinnen, dann bei den Herzoginnen und
bei der ganzen Hofgesellschaft, aber umsonst. Man brachte das
Pantffelchen zu den beiden Schwestern, die sich anstrengten, den Fu
hineinzuzwngen, aber sie brachten es nicht zuwege. Als Aschenbrdel
ihnen dabei zusah und ihren Pantoffel wieder erkannte, sagte sie
lachend:

Lat mich doch einmal sehen, ob er mir nicht pat!

Da fingen die Schwestern an zu lachen und ihre Witze ber sie zu machen.
Aber der Edelmann, der die Pantoffelprobe veranstaltete, hatte
Aschenbrdel aufmerksam betrachtet und fand sie sehr schn. Deshalb
sagte er zu ihr, ihr Wunsch sei berechtigt, denn er habe den Auftrag,
die Probe bei allen jungen Mdchen zu machen.

Er lie Aschenbrdel Platz nehmen, und als er den Pantoffel an
ihren kleinen Fu hielt, da schlpfte sie mhelos hinein, und das
Pantffelchen pate ihr wie angegossen.

Das Erstaunen der beiden Schwestern war gro, aber es wurde noch grer,
als Aschenbrdel aus ihrer Tasche das andere Pantffelchen hervorzog und
hineinschlpfte.

Darber kam die Patin hinzu und mit ihrem Zauberstabe berhrte sie
Aschenbrdels Kleid und verwandelte es in ein Gewand, das noch viel,
viel schner war als alle frheren.

Da erkannten die beiden Schwestern in Aschenbrdel die schne Fremde,
die sie auf dem Ball gesehen hatten. Sie warfen sich ihr zu Fen und
baten sie um Verzeihung fr alles Bse, was sie ihr zugefgt hatten.

Aschenbrdel hob sie auf, umarmte sie und beteuerte, da sie ihnen von
ganzem Herzen verzeihe und sie bte, immer lieb zu ihr zu sein.

Dann geleitete man Aschenbrdel, herrlich geschmckt, wie sie war, zu
dem jungen Prinzen, und dieser fand sie noch tausendmal schner als
zuvor. Wenige Tage darauf wurde die Hochzeit gefeiert. Aschenbrdel war
ebenso gut wie schn, lie die beiden Schwestern im Schlosse wohnen und
verheiratete sie noch an demselben Tage mit zwei vornehmen Herren vom
Hofe.


                    Moral:

    Ganz ohne Zweifel es von groem Vorteil ist,
    Wenn du nicht mutig nur, wenn du auch witzig bist,
    Vornehmen Standes und auch klug dabei,
    Und was an Gaben dir noch mehr beschieden sei.
    Jedoch vergebens sie zu eigen dir gehren,
    Dein Glck und Streben sie um keinen Deut vermehren,
    Wenn du nicht eine Patin hast und gute Paten,
    Die dich bei deinem Werk betreuen und beraten.




Riquet mit der Locke


Es war einmal eine Knigin, die bekam einen Sohn, der war so hlich und
migestaltet, da man lange im Zweifel war, ob er berhaupt ein Mensch
sei. Eine Fee, die bei der Geburt des Kindes erschien, versicherte, es
wrde sehr klug werden. Sie fgte noch hinzu, er knne dank einer
besonderen Gabe, die sie ihm verliehen habe, ebensoviel Verstand, wie er
selbst besitze, auf den Menschen bertragen, den er am meisten liebe.

Das trstete ein wenig die arme Knigin, die sehr betrbt war, einem so
hlichen kleinen Kerl das Leben geschenkt zu haben.

Aber kaum fing das Kind an zu sprechen, da konnte es auch schon tausend
Dinge bei ihrem Namen nennen, und bei all seinem Tun zeigte es einen so
groen Verstand, da jedermann von ihm entzckt war.

Ich verga zu erzhlen, da es mit einer kleinen Haarlocke auf dem Kopfe
geboren wurde und man es deshalb Riquet mit der Locke nannte, denn
Riquet war sein Familienname.

Sieben oder acht Jahre darauf gebar die Knigin eines Nachbarlandes zwei
Tchter. Die erste, die zur Welt kam, war schner als der Tag, und die
Knigin freute sich dermaen darber, da man schon frchtete, die allzu
groe Freude knne ihr schaden.

Dieselbe Fee, die bei der Geburt des kleinen Riquet mit der Locke
zugegen war, erschien auch hier und erklrte der Knigin, um ihre Freude
zu migen, die kleine Prinzessin wrde keinen groen Verstand haben,
ihre Dummheit wrde ebenso gro sein wie ihre Schnheit.

Das schmerzte die Knigin sehr, und doch hatte sie bald darauf einen
noch viel greren Kummer; denn die zweite Tochter, deren sie genas, war
ber die Maen hlich.

Seid darber nicht weiter traurig! sagte die Fee, Eure Tochter wird
entschdigt werden. Sie wird so klug sein, da man es fast vergit, was
ihr an Schnheit fehlt.

Gott gebe es! antwortete die Knigin, aber gibt es denn kein Mittel,
der lteren zu ihrer Schnheit auch ein wenig Verstand zu verschaffen?

Leider kann ich hierin fr Eure Tochter nichts tun, Frau Knigin,
sagte die Fee. Aber was die Schnheit angeht, das vermag ich alles; und
da ich Euch herzlich gern einen Gefallen tue, so will ich Eurer Tochter
die Gabe verleihen, dem Menschen, der ihr gefllt, Schnheit zu
verleihen!

Je lter die beiden Prinzessinnen wurden, um so deutlicher wurden ihre
Vorzge: berall sprach man von der Schnheit der lteren und von der
Klugheit der zweiten.

Aber auch ihre Fehler wuchsen mit den Jahren: die jngere wurde immer
hlicher und die ltere von Tag zu Tag dmmer. Sie gab nicht einmal
mehr eine Antwort, wenn man sie fragte, oder sie sagte eine Dummheit.
Dabei war sie noch so ungeschickt, da sie nicht vier Teller auf den
Ofensims stellen konnte, ohne einen zu zerbrechen, und kein Glas Wasser
konnte sie trinken, ohne die Hlfte auf ihr Kleid zu schtten.

Wenn auch Schnheit ein groer Vorteil fr ein junges Mdchen ist, so
war doch die jngere fast in jeder Gesellschaft beliebter als ihre
ltere Schwester.

Zuerst kam man immer zur Schnen, um sie anzustaunen und zu bewundern;
aber es dauerte nicht lange, da ging man zur Klgeren, um tausend
anmutige Dinge von ihr zu hren, und es war erstaunlich, da in weniger
als einer Viertelstunde die ltere keinen Menschen mehr auf ihrer Seite
hatte, und sich alle um die zweite scharten.

Trotz ihrer groen Dummheit entging ihr dies nicht, und sie htte ohne
Besinnen alle ihre Schnheit eingetauscht gegen die halbe Klugheit ihrer
Schwester.

Wie verstndig die Knigin auch war, so konnte sie sich doch nicht
enthalten, ihrer Tochter hie und da ihre Dummheit vorzuwerfen, so da
die arme Prinzessin vor Kummer fast gestorben wre.

Eines Tages, als sie in einen Wald gegangen war, um ihr Unglck zu
beklagen, sah sie einen sehr hlichen und unausstehlichen jungen Mann
auf sich zu kommen, der aber sehr vornehm gekleidet war.

Es war der junge Prinz Riquet mit der Locke. Als er die Bilder gesehen
hatte, die von der Prinzessin in aller Welt verbreitet waren, da hatte
er, in Liebe zu ihr entbrannt, das Reich seines Vaters verlassen, um sie
zu sehen und zu sprechen.

Erfreut ber diese einsame Begegnung, redete er sie mit aller Ehrfurcht
und aller nur denkbaren Hflichkeit an. Nachdem er die blichen
Komplimente gemacht hatte, sah er, da sie sehr traurig war, und er
sagte deshalb zu ihr:

Ich verstehe nicht, mein Frulein, da eine Dame, die so schn ist wie
Sie, so trbsinnig sein kann, wie Sie zu sein scheinen; denn wenn ich
mich auch rhmen darf, eine Unzahl hbscher Mdchen gesehen zu haben, so
habe ich doch noch niemals eine Schnheit gefunden, die der Ihrigen
gleichkme!

Das sagen Sie so, mein Herr! antwortete die Prinzessin und blieb
traurig wie zuvor.

Die Schnheit, fuhr Prinz Riquet mit der Locke fort, ist ein groer
Vorzug, der wichtiger ist als alles andere, und ich wei nicht, warum
jemand der so schn ist wie Sie, noch traurig sein kann.

Lieber mchte ich so hlich sein wie Sie, entgegnete die Prinzessin,
und Ihren Verstand haben, als meine Schnheit behalten und so dumm
sein, wie ich es bin!

Nichts beweist mehr, da jemand Verstand hat, als sein Glaube, er habe
keinen; es ist eine Eigentmlichkeit dieser Gabe, da man, je mehr man
davon besitzt, desto mehr glaubt, sie fehle einem.

Das verstehe ich nicht, sagte die Prinzessin, ich wei nur, da ich
sehr dumm bin, und das ist der Grund meines Leides, das mich noch tten
wird!

Wenn Sie weiter nichts bekmmert, mein Frulein, so kann ich Ihrem
Schmerze leicht ein Ende machen!

Und wie wollen Sie das tun? forschte die Prinzessin.

Ich habe die Macht, mein Frulein, sagte Riquet mit der Locke, auf
den Menschen, den ich am meisten lieben mu, so viel Verstand zu
bertragen, wie man eben braucht. Sie sind dieser Mensch, mein Frulein!

Es liegt also nur an Ihnen, und Sie verfgen ber so viel Verstand, wie
man nur haben kann, vorausgesetzt, da Sie mich gerne heiraten wollen!

Die Prinzessin war ber diese Worte ganz bestrzt und gab keine Antwort
darauf.

Wie ich sehe, fuhr Prinz Riquet mit der Locke fort, ist Ihnen mein
Vorschlag peinlich, und das wundert mich nicht; ich gebe Ihnen aber ein
ganzes Jahr Zeit, um sich zu entscheiden!

Die Prinzessin hatte so wenig Verstand und gleichzeitig so groe
Sehnsucht, Verstand zu besitzen, da sie sich einbildete, das Jahr wrde
niemals zu Ende gehen: deshalb nahm sie den ihr gemachten Vorschlag an.
Kaum hatte sie Riquet mit der Locke versprochen, ihn am gleichen Tage
des nchsten Jahres zu heiraten, als sie sich anders fhlte, wie sie
vorher war: sie bemerkte in sich eine unbekannte Fhigkeit, alles, was
sie sagen wollte, auf eine feine, heitere und natrliche Art zum
Ausdruck zu bringen; und sie begann mit Riquet eine artige und
wohlgesetzte Unterhaltung, die so geistreich war, da der Prinz glaubte,
ihr mehr Verstand gegeben zu haben, als er sich selbst behalten habe.

Als die Prinzessin ins Schlo zurckkehrte, wute der ganze Hof nicht,
was er zu einer so pltzlichen und auerordentlichen Wandlung sagen
sollte.

Noch kurz vorher hatte sie lauter albernes Zeug geredet, und jetzt hrte
man von ihr tiefempfundene, unendlich geistvolle Dinge.

Der ganze Hof hatte eine so groe Freude, wie man es sich nicht
vorstellen kann. Aber die jngere Schwester der Prinzessin freute sich
weniger: Jetzt, wo sie vor der lteren nicht mehr den Vorzug der
Klugheit voraushatte, erschien sie neben ihr wie ein recht unangenehmes
Affengesicht.

Der Knig gab viel auf ihre Meinung und hielt sogar fters den Staatsrat
in ihrem Zimmer ab.

Als sich nun die Kunde von dieser Wandlung verbreitete, gaben sich alle
jungen Prinzen der benachbarten Reiche Mhe, sich bei der Prinzessin
beliebt zu machen, und fast alle begehrten sie zur Frau. Sie fand aber
keinen, der ihr klug genug war, hrte sie alle an und entschied sich fr
keinen von ihnen.

Eines Tages aber kam ein so mchtiger, reicher, kluger und schner
Prinz, da sie sich einer Neigung fr ihn nicht enthalten konnte.

Als das ihr Vater merkte, sagte er zu ihr, er stelle ihr die Wahl eines
Gatten frei, sie brauche sich nur zu erklren.

Da nun, je klger man ist, es einen desto mehr Mhe kostet, in solcher
Angelegenheit zu festem Entschlu zu gelangen, dankte sie ihrem Vater
und bat ihn um Bedenkzeit.

Zufllig ging sie eines Tages in demselben Wald, in dem ihr Riquet mit
der Locke begegnet war, spazieren, um ungestrt darber nachzudenken,
was sie tun solle. Wie sie so in ihre Gedanken versunken dahinschritt,
hrte sie unter ihren Fen ein dumpfes Gerusch, als ob viele Leute
geschftig hin und her gingen.

Als sie aufmerksam lauschte, hrte sie, wie einer sagte: Bring mir den
Kessel! und ein andrer: Leg' Holz aufs Feuer!

In demselben Augenblick tat sich die Erde auf, und sie sah zu ihren
Fen eine Art groe Kche, voll von Kchen, Kchenjungen und allen
mglichen Kchenmeistern, wie man sie braucht, um ein prchtiges
Festmahl herzurichten. Etwa zwanzig bis dreiig Kche kamen hervor und
scharten sich in einer Allee des Waldes um einen langen Tisch, wo sie
sich, die Spicknadel in der Hand und den Lffel hinter dem Ohr, nach dem
Takte eines Liedes an die Arbeit machten.

Verwundert ber diesen Anblick fragte die Prinzessin, fr wen sie da
ttig wren.

Der Oberste der Schar gab zur Antwort: Fr den Prinzen Riquet mit der
Locke, der morgen Hochzeit macht!

[Illustration]

Die Prinzessin fiel aus allen Wolken, so berrascht war sie. Nun
erinnerte sie sich pltzlich, da es ja ein Jahr her war, da sie am
gleichen Tage dem Prinzen Riquet mit der Locke die Hochzeit versprochen
hatte. Sie hatte deshalb nicht mehr daran gedacht, weil sie noch ein
dummer Mensch gewesen war, als sie das Versprechen gab. Im Besitze der
von dem Prinzen auf sie bertragenen Vernunft hatte sie dann spter alle
ihre Torheiten vergessen.

Sie war noch keine dreiig Schritt weitergegangen, als Riquet mit der
Locke vor ihr erschien, stolz, prchtig, kurz: wie ein Prinz, der
Hochzeit machen will.

Wie Sie sehen, mein Frulein, habe ich pnktlich mein Wort gehalten,
und zweifelsohne kamen auch Sie hierher, um dasselbe zu tun und mich
durch Ihre Hand zum Glcklichsten aller Sterblichen zu machen!

Ich will Ihnen offen gestehen, antwortete die Prinzessin, da ich
noch keinen Entschlu gefat habe, und da ich kaum glaube, Ihren
Wnschen entsprechen zu knnen!

Sie setzen mich in Erstaunen, mein Frulein! sagte Riquet mit der
Locke zu ihr.

Ich glaube es, sagte die Prinzessin, und sicherlich wre ich jetzt in
der grten Verlegenheit, wenn ich es mit einem rohen, unvernnftigen
Menschen zu tun htte. Dieser wrde sagen, da auch eine Prinzessin nur
ein Wort zu vergeben habe und da sie einmal ihr Versprechen gegeben, so
msse sie es auch halten. Aber da der Mann, mit dem ich spreche, der
klgste Mensch in der ganzen Welt ist, so bin ich sicher, da er
Vernunft annehmen wird. Als ich nichts weiter war wie ein Dummkopf,
hatte ich mich trotzdem, wie Sie wissen, nicht entschlieen knnen, Sie
zu heiraten. Wie knnen Sie von mir erwarten, da ich heute, wo ich
infolge des von Ihnen erhaltenen Verstandes so viel anspruchsvoller bin,
einen Entschlu fassen soll, zu dem ich mich damals nicht aufraffen
konnte? Wenn Sie also darauf ausgingen, mich zu heiraten, dann war es
eine groe Ungeschicklichkeit von Ihnen, mir meine Dummheit zu nehmen
und mich klarer sehen zu lassen als frher!

Riquet mit der Locke gab zur Antwort: Wenn Sie es einem geistlosen
Menschen, wie Sie eben sagten, nicht verbeln wrden, Ihnen die
Nichterfllung Ihres Wortes vorzuwerfen, warum wollen Sie denn, mein
Frulein, da ich nicht ebenso verfahre, wo es sich doch um mein ganzes
Lebensglck handelt? Ist es vernnftig, da Menschen mit Verstand
schlechter daran sind als Menschen ohne Verstand? Wollen Sie das
wirklich behaupten, Sie, die Sie jetzt so viel Verstand besitzen und
sich so sehr danach gesehnt haben? Aber kommen wir zur Sache, wenn es
Ihnen beliebt! Abgesehen von meiner Hlichkeit -- gibt es da noch
irgend etwas an mir, was Ihnen mifllt? Nehmen Sie vielleicht Ansto an
meiner Abstammung, an meinem Verstande, an meiner Gemtsart, an meinen
Manieren?

Ganz und gar nicht! antwortete die Prinzessin, alles, was Sie eben
anfhrten, schtze ich an Ihnen.

Wenn dem so ist, fuhr Riquet mit der Locke fort, so werde ich
doch noch glcklich werden, denn Sie haben die Macht, mich zum
liebenswertesten aller Menschen zu machen!

Auf welche Weise? fragte die Prinzessin.

Es ist einfach! Wenn Sie mich nur genug lieben, um zu wnschen, da es
so sein mchte! Kurz, mein Frulein, damit Sie nicht lnger im Zweifel
sind, so hren Sie: Dieselbe Fee, die mir am Tage meiner Geburt die Gabe
verlieh, den Menschen, der mir gefllt, klug zu machen, gab Ihnen die
Gabe, den Mann schn zu machen, den Sie lieben, und an dem Sie diese
Gunst bettigen wollen!

Wenn es sich so verhlt, sagte die Prinzessin, so wnsche ich von
ganzem Herzen, da Sie der schnste und liebenswrdigste Prinz der Welt
werden sollen, und ich verleihe Ihnen von diesen Eigenschaften ebenso
viel, wie ich selbst besitze!

Kaum hatte die Prinzessin diese Worte gesprochen, als Riquet mit der
Locke sich in ihren Augen in den schnsten Mann der Welt verwandelte,
den bestgestalteten und liebenswrdigsten, den sie je gesehen hatte.

Einige Leute behaupten, es wren nicht die Zauberknste der Fee gewesen,
die da am Werke waren: die Liebe allein habe diese Wandlung vollbracht.
Sie sagen, als sich die Prinzessin der Beharrlichkeit ihres Bewerbers,
seiner Verschwiegenheit und aller seiner guten Herzens- und
Verstandesgaben bewut geworden wre, habe sie keinen Blick mehr fr
seinen migestalteten Krper und sein hliches Gesicht gehabt. Sein
Buckel wre ihr nur wie krumme Haltung vorgekommen, und in dem
schrecklichen Hinken, das sie frher an ihm wahrgenommen hatte, habe sie
jetzt nur eine gewisse reizvolle Nachlssigkeit erblickt. Es heit
weiter, da ihr sogar seine schielenden Augen als auerordentlich
strahlend vorgekommen wren, und ihre Unregelmigkeit nahm in ihrer
Vorstellung den Charakter gewaltiger Liebesleidenschaft an; endlich
hatte auch seine dicke, rote Nase fr sie etwas Kriegerisches und
Heldenhaftes.

Wie dem auch sei, die Prinzessin versprach ihm, auf der Stelle ihn zu
heiraten, vorausgesetzt, da er dazu die Einwilligung ihres kniglichen
Vaters erhalte.

Als der Knig erfuhr, wie sehr seine Tochter den Prinzen Riquet mit der
Locke schtzte, den er brigens als einen sehr vernnftigen und weisen
Menschen kannte, nahm er ihn mit Vergngen als seinen Eidam an.

Schon am nchsten Tag wurde die Hochzeit gefeiert, wie Riquet mit der
Locke es vorausgesehen hatte, und zwar nach den Anordnungen, die er
schon lange vorher dafr getroffen hatte.


                Moral:

    Nicht Dichtung ist's, was Ihr gehrt:
    Das Leben selbst Euch hier belehrt,
    Da schn und klug ist jedermann,
    Den eins von Herzen lieben kann.




Jungfer Eselshaut


Es war einmal ein Knig, der war so mchtig, von seinem Volke so
geliebt, von allen seinen Nachbarn und Freunden so geehrt, da man ihn
den glcklichsten aller Herrscher nennen konnte. Noch grer wurde sein
Glck, als er sich eine Prinzessin zur Braut erwhlte, die ebenso schn
wie tugendhaft war. In ihrer treuen Ehe wurde ihnen ein Tchterchen
geschenkt, welches so schn und so anmutig war, da sie niemals
bedauerten, nur dieses eine Kind zu haben.

Pracht, Reichtum und Geschmack herrschten in ihrem Palaste. Die Minister
waren weise und geschickt, die Hflinge tugendhaft und anhnglich, die
Diener treu und fleiig. Die schnsten Pferde standen reich gezumt in
den gerumigen Stllen. Aber was die Fremden, die die schnen Stlle
besuchten, am meisten in Erstaunen setzte, das war ein alter Esel, der
an einem besonderen Ehrenplatze im Stalle seine langen, groen Ohren
ausstreckte. Der Knig hatte ihm diesen bevorzugten Platz nicht etwa aus
irgendeiner Laune angewiesen, -- er hatte vielmehr einen guten Grund
dazu. Denn dieses seltene Tier verdiente eine solche Bevorzugung; es
hatte nmlich die sonderbare Eigenschaft, da seine Streu jeden Morgen
nicht etwa beschmutzt, sondern in verschwenderischer Flle mit schnen
Goldtalern und Dukaten aller Art bedeckt war, die man nur aufzusammeln
brauchte.

Da die Sonne des Lebens ihre Schatten nicht nur auf die Untertanen,
sondern auch auf die Knige wirft, und da Gutes und Schlechtes stets
beieinander wohnen, so wollte es der Himmel, da die Knigin pltzlich
von einer schweren Krankheit befallen wurde, gegen die man trotz aller
rztlichen Wissenschaft und Geschicklichkeit kein Heilmittel fand. Alle
waren untrstlich.

Der Knig, der trotz jenes berhmten Sprichwortes, welches die Ehe das
Grab der Liebe nennt, immer noch seine Gattin in Zrtlichkeit verehrte,
wute nicht, was er in seinem Kummer tun sollte. Allen Kirchen seines
Reiches machte er heilige Gelbde; er wollte dem Himmel sein eigenes
Leben opfern, um das seiner geliebten Gemahlin zu retten. Aber er rief
vergeblich Gott und die Feen an.

Als die Knigin ihr letztes Stndchen nahen fhlte, sagte sie zu ihrem
weinenden Gemahl:

Verzeiht, wenn ich vor meinem Tode eines von Euch fordere: Solltet ihr
jemals das Verlangen haben, Euch wieder zu verheiraten ... Bei diesen
Worten schluchzte der Knig gar jammervoll, fate die Hand seiner Frau,
versicherte mit Trnen in den Augen, da es berflssig sei, ihm von
einer zweiten Ehe zu sprechen.

Nein, nein, teuerste Knigin, sagte er endlich, sprecht lieber davon,
wie ich Euch folgen soll!

Darauf entgegnete die Knigin mit einer Entschlossenheit, die den
Schmerz ihres Mannes nur noch vermehrte:

Der Staat, der auf eine richtige Thronfolge bedacht sein mu, hat ein
Recht, von Euch Shne zu verlangen, die Euch gleichen. Trotzdem ich Euch
nur eine Tochter geschenkt habe, bitte ich Euch instndig bei aller
Liebe, die Ihr fr mich hegt: gebt dem Verlangen Eures Volkes erst dann
nach, wenn Ihr eine Prinzessin gefunden habt, die schner ist, als ich
gewesen bin. Schwrt mir dies, dann will ich ruhig sterben.

Man knnte meinen, die Knigin, die nicht ganz ohne Eifersucht war, habe
diesen Schwur gefordert, um sicher zu sein, da der Knig keine zweite
Ehe schlieen wrde. Glaubte sie doch bestimmt, da es auf der ganzen
Welt keine Frau gbe, die ihr gleich kme.

So starb sie denn. Niemals hatte ein Gatte grere Trauer gezeigt:
Weinen und Schluchzen bei Tag und bei Nacht, diese armseligen Rechte der
Verlassenheit waren seine einzige Beschftigung. Aber auch der grte
Schmerz dauert nicht ewig.

Es versammelten sich die Groen des Staates und kamen mit der
gemeinsamen Bitte zum Knig, er solle sich wieder verheiraten. Ihr
Vorschlag schien ihm grausam und lie ihn neue Trnen vergieen. Er
berief sich auf den Eid, den er der Knigin geschworen und gab allen
seinen Rten den Auftrag, erst einmal eine Prinzessin zu suchen, die
schner sei, als seine Frau es gewesen. Er war aber berzeugt, da sie
diese niemals finden wrden.

[Illustration]

Dem hohen Rate kam das Gelbde des Knigs lcherlich vor, und er
erklrte, Schnheit sei eine Nebensache; das Staatsinteresse verlange
eine tugendhafte Knigin, die Mutter werde; der Staat brauche fr seine
Ruhe und seinen Frieden Prinzen. Die Prinzessin habe zwar alle
Eigenschaften, die eine groe Knigin zieren, aber man msse ihr einen
Fremden zum Gemahl erwhlen. Dieser Fremde wrde sie entweder in seine
Heimat fhren, oder wenn er neben ihr im Lande herrsche, so wrden seine
Kinder immer fremdbltig bleiben. Das wre eine Gefahr, da die
Nachbarvlker eines Knigreiches, das keinen Thronfolger habe, Krieg
beginnen und den Untergang des Landes herbeifhren knnten.

Betroffen von solchen Erwgungen versprach der Knig, ihrem Rate zu
folgen und begann, unter den heiratsfhigen Prinzessinnen Umschau zu
halten, ob eine unter ihnen wre, die ihm gefallen knnte. Jeden Tag
brachte man ihm die reizendsten Bilder. Aber keines zeigte die Anmut der
verstorbenen Knigin, und so konnte er sich fr keine entscheiden.

Obwohl er sonst von gutem Verstande war, kam er unglcklicher Weise auf
den tollen Einfall, seine Tochter, die Prinzessin, zur Frau zu nehmen.
Da sie ihre knigliche Mutter, an Geist und Anmut bei weitem bertraf,
so glaubte er, sie allein knne ihn von seinem Eide erlsen.

In ihrer Tugendhaftigkeit und Scham wre die Prinzessin bei diesem
entsetzlichen Vorschlag fast in Ohnmacht gefallen. Sie warf sich ihrem
kniglichen Vater zu Fen und beschwor ihn mit der ganzen Leidenschaft
ihrer Seele, sie nicht zu einem solchen Verbrechen zu zwingen.

Der Knig aber hatte sich nun einmal diesen Wahnsinn in den Kopf gesetzt
und fragte, um das Gewissen der Prinzessin zu beruhigen, eine alte
Zauberin um ihren Rat. Dieses alte Weib, das ebenso gottlos wie
ehrgeizig war, opferte das Glck der unschuldigen und tugendhaften
Prinzessin der Ehre, die Vertraute eines mchtigen Herrschers zu sein.
Sie schmeichelte sich so sehr in das Herz des Knigs ein, schilderte ihm
das Verbrechen, das er begehen wollte, in so schnen Farben, da er der
festen berzeugung war, es sei ein Gott wohlgeflliges Werk, die Tochter
zu heiraten.

Ganz im Banne dieser Worte umarmte der Knig die Zauberin und bestand
nach seiner Rckkehr mehr als zuvor auf seinem Plan; er gab daher der
Prinzessin den Befehl, sie solle sich bereit halten, ihm zu gehorchen.

In ihrem schmerzlichen Unglck dachte die Prinzessin nach, wie sie die
Lila-Fee, ihre Patin, finden knne. In einem kleinen Wagen, der mit
einem Hammel bespannt war, welcher Weg und Steg kannte, fuhr sie noch in
derselben Nacht davon. So kam sie glcklich an ihr Ziel.

[Illustration]

Die Fee, welche die Prinzessin liebte, sagte, sie wisse schon alles, was
sie bekmmere, doch brauche sie sich keine Sorge zu machen. Nichts wrde
ihr schaden, wenn sie sich nur treu an die Vorschriften halte, die sie
ihr geben wrde.

Es wre freilich ein groes Vergehen, wenn Du Deinen Vater heiraten
wolltest, mein liebes Kind! sagte die Fee, aber ohne ihm zu
widersprechen, kannst Du seinen Absichten doch aus dem Wege gehen. Sage
ihm, er solle Dir einen Wunsch erfllen: er solle Dir ein Kleid schenken
von der Farbe des Wetters. Wie gro auch seine Macht ist, das wird er
nicht knnen.

Die Prinzessin dankte ihrer Patin von Herzen und schon am anderen Morgen
sagte sie zum Knige, ihrem Vater, das, was ihr die Fee geraten hatte,
und erklrte feierlich, sie wrde ihre Einwilligung erst dann geben,
wenn sie das Kleid von der Farbe des Wetters bekme.

Erfreut ber die Hoffnung, die sie in ihm erweckte, berief der Knig die
berhmtesten Schneider und befahl ihnen, das gewnschte Kleid zu machen,
und drohte ihnen, da er sie alle hngen lassen wrde, wenn sie es nicht
fertig bekmen. Doch dieses uerste blieb ihm erspart: schon am zweiten
Tage brachten sie das so hei begehrte Gewand herbei. Der Himmel selbst
hatte kein schneres Blau, wenn er umkrnzt ist mit goldenen Wlklein,
als dieses wunderschne Gewand, wie es da ausgebreitet lag.

Die Prinzessin war ganz untrstlich und wute sich keinen Rat. Der Knig
drngte zur Heirat. So blieb ihr nichts brig, als ein zweites Mal die
Patin aufzusuchen. Erstaunt, da ihre List nicht geglckt war, riet ihr
die Fee, sie solle es noch einmal versuchen, aber dieses Mal ein Kleid
von der Farbe des Mondes verlangen. Da der Knig ihr nichts abschlagen
konnte, rief er wieder die besten Schneider herbei und gab ihnen ein
Kleid von der Farbe des Mondes in Auftrag. So rasch sollten sie es
machen, da zwischen Auftrag und Lieferung nur vierundzwanzig Stunden
lagen. In groer Angst sa die Prinzessin bei ihren Frauen und bei ihrer
Amme und war mehr entzckt ber das neue herrliche Gewand, als ber die
Absicht ihres kniglichen Vaters.

[Illustration]

Die Lila-Fee, die das alles wute, kam der bedrngten Prinzessin zu
Hilfe und sprach zu ihr:

Ich mte mich sehr tuschen, wenn wir es nicht doch noch fertig
brchten, Deinem kniglichen Vater die Lust zur Heirat zu nehmen.
Verlange jetzt ein Kleid von der Farbe der Sonne! Ein solches zu
beschaffen ist ein Ding der Unmglichkeit. Auf jeden Fall gewinnen wir
aber Zeit.

Die Prinzessin war damit einverstanden und verlangte das Kleid von der
Farbe der Sonne. Da gab der verliebte Knig ohne Bedenken alle Diamanten
und Rubinen seiner Krone her, um ihr zu diesem herrlichen Gewande zu
verhelfen und er befahl, mit nichts zu sparen, um das Kleid der Sonne
gleich zu machen.

Als es dann geliefert wurde, muten alle, die es sahen, die Augen
schlieen, so wurde man geblendet. Aus jener Zeit stammen die grnen
Brillen und die schwarzen Augenglser.

Aber wie erschrak die Prinzessin bei diesem Anblick! Noch nie hatte man
ein so schnes und so herrlich gearbeitetes Kleid gesehen. Sie war ganz
verwirrt und zog sich unter dem Vorwand, Augenschmerzen zu haben, auf
ihr Zimmer zurck, wo sie die Fee erwartete. Das war eine schlimme
Sache. Wie diese das sonnenfarbene Kleid sah, war sie so beschmt, wie
man es nicht sagen kann; sie wurde rot vor Zorn und sagte zur
Prinzessin:

Nunmehr mssen wir die schmachvolle Liebe Deines Vaters auf eine
schwere Probe stellen. Wenn er auch noch so sehr nach dieser Heirat
strebt, so glaube ich doch, da er einen kleinen Schrecken ber die
Bitte bekommen wird, zu der ich Dir jetzt rate. Ich meine die Haut des
Esels, den er so sehr liebt und der ihm die Mittel zu seinen
verschwenderischen Ausgaben verschafft. Gehe hin und bitte ihn um die
Haut des Esels.

Froh ber dieses Mittel der verabscheuten Heirat zu entgehen und
berzeugt, da ihr Vater sich niemals dazu entschlieen wrde, des Esels
Haut zu opfern, ging die Prinzessin zum Knige und verlangte von ihm die
Haut des schnen Tieres. Der Knig war bestrzt ber diesen Einfall
seiner Tochter, aber er zgerte nicht, ihm zu gengen. Der arme Esel
wurde geschlachtet und die Haut feierlich der Prinzessin berbracht. Nun
sah sie kein Mittel mehr, ihrem Unglck zu entgehen und war in
Verzweiflung.

[Illustration]

Ihre Patin eilte herbei und als sie sah, wie sich die Prinzessin ihr
Haar raufte und ihre zarten Wangen zerfleischte, sprach sie:

Was tust Du da, mein Kind! Es ist doch der glcklichste Augenblick
Deines Lebens! Hlle Dich in diese Haut, verlasse den Palast und gehe so
weit, wie Dich die Erde trgt, denn wer alles seiner Tugend opfert, den
werden die Gtter belohnen. Mache Dich auf, ich werde Sorge tragen, da
Dir Deine Kleider berall folgen, wohin Du auch gehst. Der Kasten mit
Deinem Schmuck und Deinen Gewndern wird auf unterirdischem Wege Dich
begleiten. Hier gebe ich Dir meinen Zauberstab, klopfe damit auf die
Erde, wenn Du Deinen Kasten brauchst, und er wird Dir sofort erscheinen.
Doch Du mut eilen und darfst jetzt nicht mehr zgern!

Die Prinzessin bat ihre Patin unter tausend Kssen, sie niemals zu
verlassen; dann befleckte sie die Eselshaut mit Straenschmutz, hllte
sich hinein und verlie unerkannt den Palast.

Das Verschwinden der Prinzessin brachte alle in die grte Aufregung.
Der Knig, der gerade ein prchtiges Fest vorbereitete, war untrstlich
in seiner Verzweiflung. Er schickte mehr als hundert Gendarmen und ganze
Regimenter Soldaten aus, um seine Tochter zu suchen. Aber die Fee nahm
sie in ihren Schutz, machte sie unsichtbar und entzog sie den
geschicktesten Verfolgern. So mute der Knig sich mit ihrem Verluste
abfinden.

Die Prinzessin aber wanderte ihres Weges. Sie ging weit, weit und immer
weiter und suchte berall nach einer Stellung. Aus Mitleid gab man ihr
zu essen; aber jedermann fand sie zu hlich, um sie in seinen Dienst zu
nehmen.

Endlich kam sie an eine schne Stadt, vor deren Toren eine Meierei lag.
Die Pchterin dieser Meierei brauchte eine Magd, um die Wsche zu
waschen und um den Hhnerhof und den Schweinestall zu fegen. Wie nun die
Frau die schmutzige Wanderin sah, schlug sie ihr vor, in ihren Dienst zu
treten. Mit groer Freude war die Prinzessin damit einverstanden, denn
sie war mde von dem langen Wege.

Als Wohnung wies man ihr einen Verschlag an, der weit von der Kche
entfernt lag. Die andern Bedienten trieben in den ersten Tagen grobe
Spe mit ihr, weil sie in ihrer Eselshaut so schmutzig und abstoend
war. Aber bald gewhnte man sich an sie; und da sie ihre Pflichten sehr
gewissenhaft erfllte, nahm sich die Pchterin ihrer an.

Die Prinzessin lie die Schafe aus dem Stall und fhrte sie auf die
Weide. Auch die Truthhner htete sie mit so viel Verstndnis, da es
schien, als habe sie niemals etwas anderes getan. Alles gedieh unter
ihren zarten Hnden.

Eines Tages sa sie wieder an der klaren Quelle, wo sie oft ber ihr
trauriges Los weinte. Da kam sie auf den Gedanken, sich im Spiegel des
Wassers zu betrachten, und sie erschrak ber die grliche Eselshaut,
die ihren Kopf und Krper umhllte. Beschmt ber ihr Aussehen, wusch
sie sich Gesicht und Hnde, bis sie wei waren wie Elfenbein und bis
ihre zarte Haut wieder so frisch war wie frher. Erfreut ber ihre
Schnheit bekam sie Lust zu einem Bade. Aber dann mute sie wieder in
ihre unwrdige Haut schlpfen, um nach der Meierei zurckzukehren.

Glcklicherweise war der nchste Tag ein Sonntag, und fr sie ein Tag
der Mue. Sie lie ihren Kasten erscheinen, brachte ihre Kleider in
Ordnung, puderte ihr schnes Haar und zog das wunderbare wetterfarbene
Kleid an. Aber ihre Kammer war so klein, da die Schleppe des herrlichen
Gewandes keinen Platz darin hatte. Die schne Prinzessin betrachtete
sich im Spiegel und war ber ihre Schnheit so erfreut, da sie sich
vornahm, an Sonn- und Festtagen der Reihe nach alle ihre schnen
Gewnder anzuziehen.

Diesen Plan fhrte sie auch aus. Mit seltenem Geschmack steckte sie sich
Blumen und Diamanten in ihr schnes Haar, und oft seufzte sie, da
niemand sie in solcher Schnheit sah auer ihren Schafen und
Truthhnern, die sie aber nicht weniger liebten in ihrer hlichen
Eselshaut, wonach sie die Leute auf der Meierei Jungfer Eselshaut
getauft hatten.

An einem Sonntage hatte die Prinzessin das sonnenfarbene Gewand
angezogen, als gerade der Sohn des Knigs, dem die Meierei gehrte, dort
abgestiegen war, um sich auf der Heimkehr von der Jagd ein wenig
auszuruhen.

[Illustration]

Es war ein junger und schner Prinz, geliebt von seinem Vater und seiner
kniglichen Mutter und verehrt von seinem ganzen Volke. Es wurde ihm ein
lndliches Mahl bereitet, welches er mit Dank annahm. Danach bekam er
Lust, sich die Geflgelhfe anzusehen, und er durchstreifte sie bis in
die uersten Winkel.

Wie er sich so berall umsah, kam er in eine schattige Allee, an deren
Ende er eine verschlossene Tr fand. Neugierig sah er durchs
Schlsselloch. Aber wie erschrak er, als er hier die wunderschn und
reich gekleidete Prinzessin sah. In seiner edlen und bescheidenen Art
hielt er sie fr eine gttliche Erscheinung. Ohne die Ehrfurcht, die ihm
das bezaubernde Bild einflte, htte der Sturm der Gefhle, der ihn da
durchtobte, ihn sicherlich verfhrt, die Tr zu ffnen.

Es wurde ihm schwer, die dunkle, schattige Allee zu verlassen. Er tat es
nur, um sich zu erkundigen, wer in der kleinen Kammer dort hause. Man
gab ihm zur Antwort, es sei eine Magd, man nenne sie nur Jungfer
Eselshaut, nach dem Kleide, das sie trage. Sie sei so schmutzig, da
niemand sie anshe und niemand mit ihr sprechen wolle. Aus Mitleid habe
man sie aufgenommen, damit sie die Schafe und die Truthhner hte.

Diese Antwort sagte dem Prinzen so gut wie gar nichts. Er sah ein, da
die guten Leute von dem Geheimnis nichts wuten und er hielt es fr
zwecklos, sie weiter auszufragen.

So kehrte er ber alle Maen verliebt, in den Palast seines Vaters
zurck und behielt immer das herrliche Bild der gttlichen Erscheinung
vor Augen, das er durch das Schlsselloch gesehen hatte. Nun reute es
ihn doch, da er nicht angeklopft hatte, und er nahm sich vor, es beim
nchsten Male nicht zu versumen.

Aber der Sturm in seinem Blute, den die Liebe heraufbeschworen hatte,
warf ihn noch in derselben Nacht in ein so heftiges Fieber, da er fast
gestorben wre. Seine Mutter, die Knigin, deren einziges Kind er war,
geriet in Verzweiflung darber, da alle Heilmittel versagten. Umsonst
versprach sie den rzten frstlichen Lohn. Sie wandten alle Mittel an,
aber keines half dem Prinzen.

Schlielich ahnten sie, da ein schwerer Kummer die Ursache dieser
Krankheit war. Sie sagten es der Knigin, und diese beschwor ihren Sohn
in ihrer zrtlichen Liebe, ihr doch die Ursache seines Leides zu nennen.
Wenn es sich etwa darum handle, ihm jetzt schon die Krone zu geben, so
wrde sein Vater, der Knig, ohne Schwanken des Thrones entsagen und ihn
zum Knige machen. Sollte er aber irgendeine Prinzessin zur Frau
begehren, so wrde man, um seinen Wunsch zu erfllen, alle Rcksichten
opfern, selbst wenn man mit ihrem Vater im Kriege lebte oder auch andere
Grnde htte, eine solche Verbindung zu bedauern. Nur beschwre sie ihn,
am Leben zu bleiben, denn an seinem Leben hnge auch ihr Leben.

Als die Knigin diese zu Herzen gehenden Worte gesprochen hatte, wobei
sie das Antlitz des Prinzen mit Strmen von Trnen benetzte, sagte er zu
ihr mit erschpfter Stimme:

Liebe Mutter, ich bin nicht der Unmensch, da ich vom Vater die Krone
fordere; gbe Gott, da er noch viele Jahre lebe, und da ich immer sein
treuester und ehrfurchtsvollster Untertan bliebe. Auch an eine
Prinzessin denke ich nicht und auch nicht an eine Heirat. Ihr drft
berzeugt sein, da ich hierin wie bisher mich immer Eurem Wunsche fge,
was es mich auch kosten mag.

Ach liebster Sohn, erwiderte die Knigin, um Dein Leben zu retten,
gben wir gern alles hin, nur rette Du jetzt mein Leben und das Deines
kniglichen Vaters und offenbare mir, was Du begehrst. Du darfst
versichert sein: es wird Dir gewhrt.

Nun liebe Mutter, sagte der Prinz, da ich Euch meine geheimsten
Wnsche offenbaren soll, so will ich Euch gehorchen, um nicht zwei mir
so teure Menschen in Gefahr zu bringen: Ich wnsche mir, da Jungfer
Eselshaut mir einen Kuchen backen soll, und da man ihn so schnell wie
mglich herbringt.

Hchst erstaunt ber diesen seltsamen Namen, forschte die Knigin, wer
Jungfer Eselshaut sei. Einer ihrer Offiziere, der sie zufllig gesehen
hatte, antwortete: Es ist das hlichste Geschpf nach dem Wolf, ein
schmutziges Mdchen in einem schwarzen Stalle. Es haust in Eurer Meierei
und htet dort die Truthhner.

Und wenn es auch so ist, sagte die Knigin, mein Sohn hat vielleicht
einmal auf der Heimkehr von der Jagd von ihrem Kuchen gegessen. Es ist
der Wunsch eines Fiebernden, kurz, ich will, da Jungfer Eselshaut ihm
schnell einen Kuchen backe.

Man lief zur Meierei, holte Jungfer Eselshaut und trug ihr auf, fr den
Prinzen den allerschnsten Kuchen zu backen.

Einige Erzhler behaupten, Jungfer Eselshaut habe in dem Augenblick, als
der Prinz durch das Schlsselloch sah, diesen bemerkt, und als sie dann
durch das Fensterlein ihrer Kammer den jungen, schnen Prinzen gesehen
habe, sei sein Bild in ihrem Herzen geblieben, und die Erinnerung an ihn
habe ihr manchen Seufzer gekostet.

Wie dem auch sei, ob Jungfer Eselshaut ihn wirklich gesehen, oder ob sie
viel Rhmliches von ihm gehrt, jedenfalls war sie hocherfreut, der
Verborgenheit ihres Daseins zu entfliehen, schlo sich in ihr Kmmerlein
ein, warf die Eselshaut ab, wusch sich Gesicht und Hnde, kmmte ihr
blondes Haar, legte ein hbsches, silbernglnzendes Leibchen an, dazu
einen passenden Rock und machte sich daran, den Kuchen zu bereiten. Sie
nahm das feinste Mehl, viel Eier und frische Butter. Hierbei lie sie
einen Ring, den sie am Finger trug, sei es Absicht, sei es Zufall, in
den Teig fallen und mischte ihn darunter. Als der Kuchen gebacken war,
hllte sie sich wieder in ihre hliche Haut und brachte das Gebck dem
Offizier, bei dem sie sich nach des Prinzen Befinden erkundigte. Doch
dieser hielt es unter seiner Wrde, ihr eine Antwort zu geben, und lief
davon, um dem Prinzen den Kuchen zu bringen.

Hocherfreut griff der Prinz mit beiden Hnden nach dem Kuchen und
verzehrte ihn mit solcher Hast, da die anwesenden rzte nicht
verfehlten, diese Leidenschaft fr ein bedenkliches Zeichen zu erklren.
In der Tat wre der Prinz beinahe an dem Ring erstickt, aber er hielt
ihn noch rechtzeitig im Munde zurck. Sein Appetit verging ihm, als er
das kostbare Kleinod betrachtete. So zierlich war dieser Ring, da alle
berzeugt waren, er knne nur dem schnsten Finger der Welt passen.

Wohl tausendmal kte der Prinz den Ring und verbarg ihn unter seinem
Hemd, um ihn jedesmal hervorzuziehen, wenn er sich unbeobachtet glaubte.
Er qulte sich in dem Gedanken, wie er zu der gelangen knne, die diesen
Ring getragen. Doch er wagte nicht zu hoffen, da man ihm gestatten
wrde, Jungfer Eselshaut kommen zu lassen, die ihm den Kuchen gebacken
hatte. Er wagte auch nicht davon zu sprechen, was er durch das
Schlsselloch gesehen hatte, aus Furcht, man wrde ihn auslachen und ihn
fr einen Gespensterseher halten. Da alle diese Sorgen gleichzeitig auf
ihn einstrmten, nahm sein Fieber stark zu, und in ihrer Ratlosigkeit
erklrten die rzte der Knigin, der Prinz sei krank aus Liebe.

In Begleitung des Knigs, der schier verzweifelte, strzte die Knigin
zu ihrem Sohn.

Mein Sohn, mein lieber Sohn, rief der bekmmerte Herrscher aus, nenne
uns das Mdchen, das Du begehrst und wre es die niedrigste Magd, wir
schwren Dir, sie soll Deine Frau werden.

Unter vielen Kssen bekrftigte die Knigin den Schwur ihres Gatten.

Lieber Vater und liebe Mutter, sagte da der Prinz, ich denke gar
nicht daran, eine Ehe zu schlieen, die Euch mifallen knnte. Um Euch
das zu beweisen, werde ich das Mdchen heiraten, dem dieser Ring gehrt,
wer sie auch sein mag. Aber wer einen so schnen Finger hat, da ihm
dieser Ring pat, der drfte allem Anschein nach kaum von geringer oder
buerischer Herkunft sein.

Bei diesen Worten zog er das Kleinod unter seinem Hemd hervor. Der Knig
und die Knigin nahmen den Ring, prften ihn neugierig und stimmten dem
Urteil ihres Sohnes zu, da er nur einem jungen Mdchen von edler
Herkunft gehren knne. Der Knig umarmte seinen Sohn und beschwor ihn,
gesund zu werden und dann ging er hinaus, um die Trommler, Pfeifer und
Trompeter durch die ganze Stadt zu schicken und durch seine Herolde
bekanntzumachen, da alle Mdchen in den Palast kommen sollten, um einen
Ring zu probieren, und das Mdchen, dem er zu eigen gehre, die Frau des
Prinzen werde.

Zuerst kamen die Prinzessinnen, dann die Herzoginnen, die Marquisen und
Baroninnen. Aber sie zeigten umsonst ihre Finger vor: keiner von ihnen
pate der Ring. Schlielich lie man die Brgermdchen kommen, aber auch
diese hatten alle, so hbsch sie auch waren, viel zu dicke Finger. Da es
dem Prinzen besser ging, stellte er die Versuche selbst an. Endlich
kamen auch die Kammermdchen an die Reihe, aber auch sie schnitten nicht
besser ab. Nun gab es kein Mdchen mehr, an dem der Ring nicht probiert
worden wre. Dann lie der Prinz die Kchinnen und Hirtinnen kommen: all
das Pack fhrte man herbei, aber ihre dicken, roten und kurzen Finger
gingen erst recht nicht durch den Ring.

Hat man schon Jungfer Eselshaut kommen lassen, die mir neulich den
Kuchen backte? fragte der Prinz.

Da fingen sie alle an zu lachen, und man erklrte ihm: Die ist doch
viel zu hlich und zu schmutzig.

Man hole sie sofort, sagte der Knig, es soll nicht heien, ich htte
irgend jemanden ausgeschlossen.

Mit Spott und Hohn liefen sie fort, die Magd zu holen.

Als Jungfer Eselshaut die Trommler gehrt hatte und den Ruf der Herolde,
war sie sehr im Zweifel, ob ihr Ring wirklich all den Lrm verursache.
Sie liebte den Prinzen, und da die wahre Liebe immer furchtsam ist und
nicht stolz, so frchtete sie, da es doch eine Dame geben knne, die
denselben kleinen Finger habe, wie sie. Jetzt aber hatte sie groe
Freude, als man an ihre Tr klopfte und sie rief.

Seitdem sie wute, da man nach dem kleinen Finger suche, zu dem der
Ring passe, hatte sie eine unbestimmte Hoffnung auf den Gedanken
gebracht, ihre Haare noch schner zu kmmen als sonst, ihr schnes,
silbernes Leibchen anzulegen und dazu den Rock, der mit vielen Falten,
silbernen Spitzen und Edelsteinen besetzt war.

Wie sie nun an ihre Tr klopfen und nach ihr rufen hrte, sie solle zum
Prinzen kommen, da warf sie rasch ihre Eselshaut ber und ffnete.

Spttisch erklrten ihr die Leute, der Knig schicke nach ihr, damit sie
seinen Sohn heirate. Dann fhrten sie Jungfer Eselshaut unter
Hohngelchter zum Prinzen.

Als dieser das Mdchen in ihrem sonderbaren Aufputz sah, war er nicht
wenig betroffen und hielt es fr unmglich, da es dieselbe sei, die er
so stolz und schn gesehen hatte. Traurig und verwirrt, da er sich so
schwer getuscht, fragte er sie:

Wohnst Du dort unten in der dunklen Allee, im dritten Geflgelhof der
Meierei?

Ja, Herr, antwortete sie.

Zitternd und mit einem tiefen Seufzer sagte er. Zeige mir Deine Hand!

Wer war da am meisten berrascht? Das waren der Knig und die Knigin,
ebenso der Kammerherr und die anderen Hflinge. Aus der schwarzen,
beschmutzten Haut hervor kam eine feine, weie, rosenfarbene Hand, und
mhelos lie sich der Ring an den kleinsten und schnsten Finger der
Welt streifen. Dann schttelte sich die Prinzessin und die Eselshaut
fiel von ihr ab. Nun stand sie da, so bezaubernd in ihrer Schnheit, da
der Prinz, schwach wie er war, vor ihr niederfiel und sie mit einer
Leidenschaft in seine Arme schlo, die sie errten machte. Aber man
achtete kaum darauf, denn auch der Knig und die Knigin umarmten sie in
einem fort und fragten sie, ob sie ihren Sohn zum Gemahl nehmen wolle.
Die Prinzessin war ganz verwirrt von so viel Zrtlichkeit und Liebe, die
ihr der schne, junge Prinz bezeigte und wollte sich eben dafr
bedanken, als sich die Decke des Saales auftat und die Lila-Fee in einem
Wagen aus Zweigen und Blumen ihres Namens herabschwebte, und mit
unendlicher Anmut das Schicksal der Prinzessin erzhlte. In ihrer Freude
darber, da Jungfer Eselshaut eine so vornehme Prinzessin war,
verdoppelten der Knig und die Knigin ihre Zrtlichkeit. Aber noch
grer war die Freude des Prinzen ber die Tugendhaftigkeit der
Prinzessin und seine Liebe zu ihr wuchs noch mehr durch die Erzhlung
der Fee.

Die Ungeduld des Prinzen, seine Braut heimzufhren, war so gro, da er
sich kaum Zeit lie, um die Feier wrdig vorzubereiten. Ganz verliebt in
ihre schne Schwiegertochter, erwiesen ihr der Knig und die Knigin
Zrtlichkeiten ber Zrtlichkeiten und lieen sie nicht aus ihrem Arm.
Da die Prinzessin erklrt hatte, sie knne des Prinzen Frau nicht
werden, ohne das Einverstndnis des kniglichen Vaters, wurde zunchst
an diesen eine Einladung geschickt, ohne ihm dabei zu verraten, wer die
Braut sei. Dies geschah auf Wunsch der Lila-Fee, die alles zum Guten
lenkte.

[Illustration]

Aus allen Lndern kamen die Knige herbei, die einen in Snften, die
anderen in Wagen, die weiter wohnenden kamen auf Elefanten daher
geritten, auf Tigern und Adlern, aber der allerprchtigste und
allermchtigste war der Vater der Prinzessin, der gottlob seine
frevelhafte Liebe zu seiner Tochter berwunden und die sehr schne Witwe
eines kinderlosen Knigs geheiratet hatte. Die Prinzessin eilte auf ihn
zu. Da erkannte er sie und schlo sie mit groer Zrtlichkeit in die
Arme, noch ehe sie Zeit hatte, sich ihm zu Fen zu werfen. Der Knig
und die Knigin stellten ihm ihren Sohn vor, den er mit Beweisen seiner
Freundschaft berhufte. Nun wurde die Hochzeit mit aller nur denkbaren
Pracht gefeiert. Die jungen Gatten aber hatten kein Auge fr diese
Herrlichkeiten, der eine sah nichts als nur den anderen.

Noch an demselben Tage lie der Vater seinen Sohn zum Knig krnen und
setzte ihn mit feierlichem Handku auf den Thron; wie sehr er sich auch
dagegen wehrte, er mute dem Willen des Vaters gehorchen. Fast drei
Monate dauerten die Festlichkeiten, aber die Liebe der beiden Gatten
wrde noch heute dauern, wenn sie nicht hundert Jahre spter gestorben
wren.


                Moral:

    Dies Mrchen klingt so wunderbar,
    Da viele glauben, es wr' nicht wahr.
    Doch bleibt Jungfer Eselshaut immer beliebt,
    So lang es Gromtter und kleine Kinder gibt.




Dornrschen


Es war einmal ein Knig und eine Knigin, die waren traurig, da sie
keine Kinder hatten, so traurig, wie man es nicht sagen kann. Sie
reisten in alle Bder der Welt, legten Gelbde ab, machten Wallfahrten.
Nichts wollte helfen. Aber schlielich wurde die Knigin dennoch
schwanger und gebar ein Mdchen.

Man feierte eine schne Taufe und lud zu Patinnen fr die kleine
Prinzessin alle Feen, die man im Lande finden konnte; es waren deren
sieben. Jede sollte ihr ein Geschenk machen, wie es damals Brauch bei
den Feen war, damit so die Prinzessin alle nur denkbaren Vorzge
erhielte.

Nach der Tauffeierlichkeit kehrte die ganze Gesellschaft in den Palast
des Knigs zurck, wo ein groes Fest fr die Feen gegeben wurde. Man
legte vor jede ein herrliches Gedeck mit einem goldenen Besteck: Lffel,
Gabel und Messer von feinstem Gold, verziert mit Diamanten und Rubinen.
Aber als man sich zu Tisch setzen wollte, trat pltzlich eine alte Fee
ein, die man nicht eingeladen hatte, da sie seit mehr als fnfzig Jahren
nicht aus ihrem Turm herausgekommen war; man hatte sie fr tot oder fr
verzaubert gehalten.

Der Knig befahl, auch ihr ein Gedeck zu reichen; aber es war kein echt
goldenes mehr da. Man hatte fr die sieben Feen nur sieben machen
lassen. Die Alte fhlt sich beleidigt und murmelte leise drohende Worte.

Eine der jungen Feen, welche in ihrer Nhe sa, hrte es, und ahnte, da
sie der kleinen Prinzessin ein unheilvolles Geschenk machen wrde. Als
man nun von der Tafel aufstand, verbarg sie sich hinter einem Vorhang,
damit sie als letzte sprechen knne, um so das Unheil, das jene
anrichten wrde, nach Krften wieder gut zu machen.

Indessen begannen die Feen, der Prinzessin ihre Gaben darzubringen. Die
jngste wnschte ihr die grte Schnheit von der Welt, die zweite die
Klugheit eines Engels, die dritte eine wundervolle Anmut, die vierte
Zierlichkeit im Tanz, die fnfte den Gesang der Nachtigall und die
sechste Kunstfertigkeit in der Musik.

Als die Reihe an die alte Fee kam, sagte sie, wobei sie mehr aus Wut als
wegen ihrer Altersschwche mit dem Kopfe wackelte, die Prinzessin werde
sich mit einer Spindel in die Hand stechen und daran sterben. Dieser
schreckliche Spruch lie alle erschaudern, und es gab in der ganzen
Gesellschaft niemanden, der nicht htte weinen mssen.

In diesem Augenblick trat die junge Fee hinter dem Vorhange hervor und
sprach mit lauter Stimme:

Beruhigt Euch, Knig und Knigin, Eure Tochter soll nicht sterben; ich
habe zwar nicht genug Macht, um alles wieder gut zu machen, was die Alte
angerichtet hat: die Prinzessin wird sich mit einer Spindel in die Hand
stechen, aber anstatt des Todes wird sie in einen tiefen Schlaf fallen,
der hundert Jahre dauert. Dann wird der Knigssohn kommen und sie
erwecken.

Um das durch die Alte angekndigte Unheil abzuwenden, erlie der Knig
alsbald ein Gesetz, das bei Todesstrafe verbot, mit Spindeln zu spinnen,
ja berhaupt sie zu besitzen. --

Fnfzehn oder sechzehn Jahre spter waren der Knig und die Knigin
einmal auf eines ihrer Lustschlsser hinaus gefahren. Da geschah es, da
die junge Prinzessin, als sie durch den Palast lief und von Zimmer zu
Zimmer sprang, hinauf in ein kleines Turmstbchen kam, in dem eine alte
Frau ganz allein sa und ihren Rocken spann. Diese gute Frau hatte von
dem Verbote des Knigs, mit Spindeln zu spinnen, noch nie etwas gehrt.

Was macht Ihr da, liebe Frau? sagte die Prinzessin.

Ich spinne, mein gutes Kind, antwortete die Alte, die aber die
Prinzessin nicht kannte.

Wie hbsch das ist, sprach die Prinzessin, wie macht Ihr das? Gebt es
mir, ich mchte sehen, ob ich es auch so gut kann.

Kaum hatte sie die Spindel ergriffen, da stach sie sich in ihrer
lebhaften Unbesonnenheit gerade so, wie es nach dem Spruch der Fee
geschehen mute, in die Hand und fiel ohnmchtig zu Boden.

Die gute Alte hielt sie in ihren Armen und rief um Hilfe: von allen
Seiten kam man herbei, man spritzte der Prinzessin Wasser ins Gesicht,
schnrte ihr Mieder auf, schlug ihr die Hnde, rieb ihr die Schlfen mit
ungarischem Knigin-Wasser: aber nichts rief sie zum Leben zurck. Der
Knig, der auf den Lrm hin herbeigeeilt war, erinnerte sich alsbald an
die Weissagungen der Feen und in dem Gedanken, da es so kommen mute,
wie die Feen es einmal gesagt hatten, lie er die Prinzessin in das
schnste Gemach des Palastes bringen, in ein Bett, das mit Gold und
Silber bestickt war.

Man htte sie fr ein Englein halten knnen, so schn war sie; die
Ohnmacht hatte ihr die Farben des Lebens nicht genommen, ihre Wangen
waren wie Rosen so rot und ihre Lippen wie Korallen; nur ihre Augen
waren geschlossen, aber man hrte sie leise atmen und daran sah man, da
sie nicht gestorben war. Der Knig befahl, man solle sie in Ruhe
schlafen lassen, bis die Stunde ihrer Erweckung gekommen sei.

Als der Prinzessin dieses Unglck zustie, war die gute Fee, die ihr das
Leben gerettet und sie nur zu einem hundert Jahre langen Schlaf
verurteilt hatte, gerade in dem Reiche des Knigs Mataquin, zwlftausend
Meilen weit weg; aber in einem Augenblicke wurde sie durch einen kleinen
Zwerg benachrichtigt, der Siebenmeilenstiefel hatte. Das waren Stiefel,
in denen man mit einem einzigen Schritt sieben Meilen zurcklegte.
Sofort reiste die Fee ab; und kaum war eine Stunde vergangen, da sah man
sie in einem von Drachen gezogenen feurigen Wagen daherkommen.

Der Knig ging ihr entgegen, um ihr beim Aussteigen die Hand zu reichen.
Sie billigte alles, was er angeordnet hatte. Doch in ihrer weisen
Voraussicht dachte sie daran, wie sehr sich die Prinzessin ngstigen
msse, wenn sie ganz allein in dem alten Schlosse aufwache, und sie tat
dieses:

[Illustration]

Mit ihrem Stabe berhrte sie auer dem Knig und der Knigin alles, was
in dem Schlosse war, die Haushlterinnen, die Ehrendamen, die
Kammerfrauen, die Edelleute, die Offiziere, die Haushofmeister, die
Kche und Kchenjungen, die Laufburschen, die Wchter und Trsteher, die
Pagen und Diener; sie berhrte auch alle Pferde, die in den Stllen
standen und die Stallknechte, die groen Hofhunde und den kleinen Puff,
das Schohndchen der Prinzessin, das neben ihr auf dem Bette lag. Und
wie sie alle berhrte, so schliefen alle ein, um nicht eher aufzuwachen
als ihre Herrin, und um jederzeit bereit zu sein, ihr zu dienen, wenn
sie ihrer bedrfe. Auch die Bratspiee, die voll Rebhhner und Fasanen
am Feuer steckten, schliefen ein, und sogar das Feuer selbst. Alles das
geschah in einem Augenblick, denn die Feen brauchen nicht lange zu ihrer
Arbeit.

Der Knig und die Knigin kten noch einmal ihr geliebtes Kind,
ohne es dadurch aufzuwecken, verlieen dann das Schlo und machten
bekannt, da es verboten sei, sich dem Schlosse zu nhern. Doch dies
Verbot war nicht notwendig; denn es wuchsen in einer Viertelstunde um
den ganzen Park herum eine solche Menge von groen und kleinen Bumen,
von Brombeerhecken und innig verschlungenem Dornengestrpp, da weder
Tier noch Mensch hindurch gekonnt htte; nicht einmal mehr sehen konnte
man das Schlo auer den Spitzen der Trme, selbst nicht aus weiter
Ferne. Es bestand kein Zweifel, da auch dies eine Tat der Fee war,
damit die Prinzessin whrend ihres Schlafes nichts von Neugierigen zu
befrchten habe. --

Als die hundert Jahre um waren, kam der Sohn des Knigs, der damals
regierte, und der einer andern Familie als die schlafende Prinzessin
entstammte, auf der Jagd in diese Gegend und fragte, was fr Trme es
seien, die er ber dem dichten Walde erblicke. Jeder antwortete ihm so,
wie er gehrt hatte: die einen sagten, es sei ein altes Schlo, in dem
die Geister spukten, die andern, da alle Zauberer der Gegend dorthin
zum Sabbath kmen. Die Meinung der meisten aber war, es wohne dort ein
Menschenfresser und alle Kinder brchte er dorthin, die er erwischen
knne, um sie in Ruhe und sicher vor Verfolgern zu verzehren, da nur er
allein die Macht habe, sich einen Durchgang durch den Wald zu bahnen.

Der Prinz wute nicht, wem er Glauben schenken sollte, als ein alter
Bauer das Wort ergriff und sprach:

Mein Prinz, es ist mehr als fnfzig Jahre her, da ich meinen Vater
erzhlen hrte, es gbe in dem Schlosse eine Prinzessin, schner, als
man jemals eine sah. Hundert Jahre msse sie schlafen, dann wrde sie
erweckt von einem Prinzen, fr den sie bestimmt sei.

Feuer und Flamme war der junge Prinz bei diesen Worten. Ohne zu
schwanken glaubte er, diesem schnen Abenteuer ein Ende bereiten zu
mssen, und von Liebe und Ehrgeiz getrieben, beschlo er, auf der Stelle
zu sehen, was daran Wahres sei. Kaum nherte er sich dem Walde, da
gingen alle die groen Bume, die Brombeerstrucher und Dornenhecken von
selbst auseinander und lieen ihn hindurch. Er nherte sich dem Schlo,
das er am Ende einer groen Allee erblickte, und ging hinein. Er war ein
wenig erstaunt, als er sah, da niemand von seinen Leuten ihm hatte
folgen knnen, da der Wald sich wieder geschlossen hatte, nachdem er
hindurchgegangen. Aber er lie sich nicht abhalten weiterzugehen, denn
ein junger Prinz, der liebt, ist immer tapfer. Er trat in einen groen
Vorhof, wo alles, was er zunchst erblickte, dazu angetan war, ihn zu
erschrecken. Es war eine furchterregende Stille; ein Bild des Todes bot
sich ihm. Ausgestreckt lagen die Leiber von Menschen und Tieren, die
gestorben schienen. Doch erkannte er sehr bald an der sinnigen Nase und
dem roten Gesicht der Trsteher, da sie nur schliefen, und ihre Becher,
in denen sie noch ein paar Tropfen Wein hatten, zeigten ihm deutlich
genug, da sie beim Trinken eingeschlafen waren. Er ging weiter durch
einen groen, marmorgepflasterten Hof, stieg eine Treppe hinauf und trat
in eine Wachtstube, wo die Soldaten mit Karabiner auf Schulter in Reih
und Glied standen und um die Wette schnarchten. Er durcheilte mehrere
Zimmer voller Edelleute und Damen, die alle schliefen, teils stehend,
teils sitzend. Dann trat er in ein goldenes Gemach und sah auf einem
Bette, dessen Vorhnge nach allen Seiten geffnet waren, das schnste
Bild, das er jemals gesehen: eine Prinzessin von etwa fnfzehn oder
sechzehn Jahren, deren herrliche Schnheit in gttlichem Glanze
strahlte.

[Illustration]

Zitternd und voller Bewunderung nherte er sich ihr und fiel vor ihr
aufs Knie. In diesem Augenblick erwachte die Prinzessin: das Ende des
Zauberschlafes war gekommen. Sie sah ihn mit zrtlicheren Augen an, als
ein erster Blick es zu erlauben schien, und sprach:

Seid Ihr es, mein Prinz? Ihr lieet lange auf Euch warten.

Der Prinz war entzckt von diesen Worten und mehr noch von der Art, wie
sie gesprochen wurden. Er wute nicht, wie er ihr seine Freude und
Dankbarkeit beweisen knne und versicherte, da er sie mehr liebe als
sich selber. Seine Rede war schlecht gesetzt und gefiel deshalb um so
mehr; denn je geringer die Beredsamkeit, um so grer die Liebe. Er war
verlegener als sie, denn sie hatte ja lange Zeit gehabt, um darber
nachzudenken, was sie ihm sagen wrde. Man braucht sich darber nicht zu
wundern, denn obwohl die Geschichte davon nichts erzhlt, scheint es so,
als ob die gute Fee dafr gesorgt habe, da sie sich whrend des langen
Schlafes an schnen Gedanken erfreuen knne. Vier Stunden lang
unterhielten sich die beiden miteinander und sie hatten sich noch nicht
die Hlfte von dem gesagt, was sie auf dem Herzen hatten.

Indessen war mit der Prinzessin der ganze Palast aufgewacht. Ein jeder
versah wieder seinen Dienst; aber da nicht alle so verliebt waren,
hatten sie schrecklichen Hunger. Eine der Ehrendamen, die wie die andern
hungerte, wurde schlielich ungeduldig und rief laut der Prinzessin zu,
das Essen sei angerichtet. Der Prinz half der Prinzessin, als sie sich
erhob. Sie war mit einem herrlichen Gewande angetan; aber er htete sich
wohl, ihr zu sagen, da sie gekleidet sei wie eine Gromutter und einen
altmodischen Kragen umhabe: aber trotzdem war sie nicht weniger schn.

Sie gingen in einen Spiegelsaal und speisten dort, von den Offizieren
der Prinzessin bedient. Die Geigen und Hoboen spielten alte Melodien,
die wunderschn klangen, obwohl man sie seit hundert Jahren nicht mehr
gespielt hatte. Nach der Tafel traute sie, ohne Zeit zu verlieren, der
Hofkaplan in der Schlokapelle, und die Ehrendame zog ihnen den Vorhang
zu.

Sie schliefen nicht lange, denn die Prinzessin war nicht sehr mde, und
der Prinz verlie sie gegen Morgen, um in die Stadt zurckzukehren, wo
sein Vater in Sorge um ihn sein mute. Der Prinz erzhlte ihm, er habe
sich auf der Jagd im Walde verirrt, in der Htte eines Khlers
bernachtet und von ihm Schwarzbrot und Kse zum Essen bekommen. Der
Knig, sein Vater, war ein guter Mann und glaubte es. Aber seine Mutter
lie sich nicht so leicht berzeugen. Als sie sah, da er fast tglich
auf die Jagd ging und da er nie um eine Entschuldigung verlegen war,
wenn er zwei oder drei Nchte drauen geschlafen hatte, zweifelte sie
nicht mehr, da er irgendeine Liebschaft habe. Mehr als zwei Jahre lebte
der Prinz so mit der Prinzessin; und sie bekamen zwei Kinder. Das
lteste, ein Mdchen, nannten sie Morgenrot und das zweite, einen
Knaben, Tageshell, weil er fast noch schner war als seine Schwester.

Um hinter sein Geheimnis zu kommen, sagte die Knigin fters zu ihrem
Sohne, er solle doch mit seinem Leben zufrieden sein.

Doch er wagte nicht, sich ihr anzuvertrauen, denn er frchtete sich vor
ihr, obgleich er sie liebte. Sie entstammte nmlich dem Geschlechte der
Menschenfresser, und der Knig hatte sie nur geheiratet, weil sie so
reich war.

Man sprach sogar am Hofe ganz leise davon, da sie immer noch eine
Neigung zum Menschenfressen habe, und da sie sich mit aller Gewalt
zurckhalten msse, wenn sie kleine Kinder she, damit sie sich nicht
auf sie strze. Deshalb wollte der Prinz ihr nichts sagen.

Nach zwei Jahren starb der Knig, und der Prinz folgte ihm nach. Jetzt
machte er seine Heirat bekannt und lie unter groen Festlichkeiten
seine Frau als Knigin auf sein Schlo holen. Ein herrlicher Empfang
wurde ihr in der Hauptstadt bereitet, als sie mit den beiden Kindern
einzog.

Es trug sich zu, da der Knig gegen den Kaiser Cantalabutte, seinen
Nachbarn, in den Krieg ziehen mute. Er bergab die Regierung der
Knigin Mutter, und lie Frau und Kinder in ihrer Obhut zurck.

Den ganzen Sommer mute er im Felde bleiben. Als er aber abgereist war,
schickte die Knigin ihre Schwiegertochter und die Kinder in ein
Landhaus im Walde, um ungestrter ihrer frchterlichen Lust zu frhnen.
Einige Tage darauf begab sie sich selbst dorthin und sagte eines Abends
zu ihrem Haushofmeister:

Morgen will ich zum Mittagessen die kleine Morgenrot verspeisen!

Um Gottes Willen, Knigliche Hoheit, rief der Haushofmeister.

Ich will es, sagte die Knigin; und sie sagte es, wie ein
Menschenfresser, der Lust hat, frisches Fleisch zu essen. Ich will sie
sogar mit Roberttunke essen!

[Illustration]

Als der arme Mann sah, da man mit einer Menschenfresserin nicht gut
spaen knne, nahm er sein groes Messer in die Hand und ging hinauf in
das Zimmer der kleinen Morgenrot. Diese war gerade vier Jahre alt, und
sie warf sich tanzend und lachend ihm an den Hals und bat ihn um
Sigkeiten. Da fing er an zu weinen, und das Messer fiel ihm aus der
Hand. Er ging hinunter in den Stall, schlachtete ein Lmmchen und
bereitete es mit einer so guten Tunke zu, da seine Herrin ihm
versicherte, sie habe noch nie etwas so Gutes gegessen.

Gleichzeitig hatte er die kleine Morgenrot fortgetragen und seiner Frau
bergeben, damit sie dieselbe in seinem Hause verberge, das hinter dem
Stalle lag.

Acht Tage spter sagte die Knigin zu ihrem Haushofmeister:

Ich will den kleinen Tageshell zum Abendbrot essen!

Er erwiderte nichts und war fest entschlossen, sie ebenso wie das
erstemal zu tuschen.

Er suchte den kleinen Tageshell und fand ihn mit einem Florett in der
Hand, womit er gegen einen dicken Affen Krieg fhrte; dabei war er erst
drei Jahre alt.

Auch ihn brachte er zu seiner Frau, damit sie ihn mit der kleinen
Morgenrot verberge, und an seiner Stelle bereitete er ein zartes
Zicklein, welches die Menschenfresserin uerst wohlschmeckend fand.

Bis dahin war alles gut gegangen. Aber eines Abends sagte die bse
Knigin zum Haushofmeister:

Ich will die Knigin in derselben Tunke wie ihre Kinder essen!

Da verzweifelte der arme Haushofmeister, weil er nicht glaubte, sie noch
einmal tuschen zu knnen. Denn die junge Knigin war ber zwanzig Jahre
alt, ganz abgesehen von den hundert Jahren, die sie geschlafen hatte.
Ihre Haut war ein wenig sprde, obwohl sie schn und wei war. Aber wie
sollte man unter den Tieren eines finden, das eine ebenso sprde Haut
hatte?

[Illustration]

Deshalb fate er, um sein eigenes Leben zu retten, den Entschlu, der
Knigin den Hals abzuschneiden. Er stieg hinauf in ihr Zimmer, und war
fest entschlossen, es diesmal anders zu machen. Er brachte sich in Wut
und trat mit dem Dolch in der Hand in das Zimmer der jungen Knigin.
Trotzdem wollte er sie nicht berfallen und er erzhlte ihr mit allem
Respekt von dem Auftrag, den er von der Knigin Mutter erhalten hatte.

Tut, was Euch befohlen! sagte die Knigin zu ihm und hielt ihren Kopf
hin. Ich werde meine Kinder wiedersehen, meine armen Kinder, die ich so
geliebt habe!

Sie hielt ihre Kinder nmlich fr tot, seitdem man sie entfhrt hatte,
ohne ihr etwas zu sagen.

Nein, gndige Frau, antwortete der Haushofmeister ganz gerhrt. Ihr
sollt nicht sterben. Ihr werdet dennoch Eure Kinder wiedersehen! In
meinem Hause werdet Ihr sie sehen, wo ich sie verborgen habe. Ich will
nochmals die Knigin tuschen und ihr an Eurer Stelle einen jungen
Hirsch zu essen geben.

Dann fhrte er sie in seine Wohnung und lie sie kssend und weinend bei
ihren Kindern. Er selbst bereitete eine Hindin zu, und die Knigin
verzehrte sie mit demselben Appetit zum Abendessen, als wenn es die
junge Knigin gewesen wre.

Sie war sehr befriedigt von ihren Grausamkeiten und nahm sich vor, dem
Knig bei seiner Rckkehr zu sagen, da wtende Wlfe seine Frau, die
Knigin, und seine beiden Kinder gefressen htten. --

Eines Abends, als sie wie gewhnlich in den Hfen des Schlosses
herumstreifte, um dort nach frischem Fleisch auszuschauen, hrte sie in
einem Kellerzimmer den kleinen Tageshell, der weinte, weil ihn seine
Mutter wegen einer Ungehorsamkeit schlagen wollte; und sie hrte auch
die kleine Morgenrot, wie sie fr ihren Bruder um Verzeihung bat.

Die Menschenfresserin erkannte die Stimme der Knigin und ihrer Kinder
und geriet in Zorn, weil man sie getuscht hatte.

Am nchsten Tage in der Frhe befahl sie mit schrecklicher Stimme, die
alle erzittern machte, man solle in die Mitte des Hofes einen groen
Bottich bringen. Diesen Bottich lie sie mit Vipern, Krten, Nattern und
Schlangen fllen, um die Knigin und ihre Kinder, den Haushofmeister,
seine Frau und seine Dienerin hineinzuwerfen. Sie gab den Befehl, sie
herbeizufhren, die Hnde auf den Rcken gebunden.

[Illustration]

So standen sie da, und der Henker machte sich daran, sie in den Bottich
zu werfen. In diesem Augenblick kam der Knig, den man nicht so schnell
erwartet hatte, in den Hof geritten; denn er war auf schnellstem Wege
zurckgekehrt. Ganz erstaunt fragte er, was denn das schreckliche
Schauspiel zu bedeuten habe.

Niemand wagte, es ihm zu sagen. Die Menschenfresserin aber strzte sich
in ihrer Wut ber das, was sie sah, kopfber in den Bottich und war in
einem Augenblick von den schrecklichen Tieren, die sie selbst
hineingesetzt hatte, verschlungen. Der Knig war traurig darber, denn
es war seine Mutter. Aber er trstete sich bald mit seiner schnen Frau
und seinen Kindern.


                    Moral:

    Manch Mdchen wartet lange auf den Mann,
    Bis sich der findet, den sie lieben kann;
    Denn der mu reich sein, schn und sehr galant,
    Dem sie zum Ehebunde reicht die Hand.
    Doch zeige mir das Weib, das hundert Jahr
    In Ruhe wartet auf den Traualtar,
    Das auch noch sorglos schlft die ganze Zeit:
    Du suchst nach ihr vergeblich weit und breit.

    Es wird aus diesem Mrchen klar,
    Da, wer da wartet viele Jahr,
    Und wer trotz Wartens schlummern kann,
    Am Ende kriegt den besten Mann.

    Gern gb ich Euch den guten Rat:
    Wartet so lang, wie es Dornrschen tat!
    Doch wage ich nicht, diesen Rat zu geben,
    Ihr lieben Fruleins: ich kenne Euch eben.




  Charles Perrault

  1628 geboren, wird er zuerst Advokat; spter kommt er an den Hof
  und wird der treueste Gehilfe Colberts. 1683 zieht er sich in
  das Privatleben zurck und widmet sich ganz seinen literarischen
  Werken. Den Zeitgenossen gilt Perrault in erster Linie als der
  Verfasser der _Parallles des Anciens et Modernes_, die
  Nachwelt kennt ihn nur als den Dichter des ersten abendlndischen
  Mrchenbuches. Seine Sammlung _Les Contes de ma Mre l'Oie_
  kam 1697 in Buchform heraus; sie war der Auftakt zu einer
  unbersehbaren Mrchenliteratur.




  Gustave Dor

  Er wurde 1832 zu Straburg geboren. Sein Vater bestimmte ihn zum
  Ingenieur-Beruf, aber seine reiche Phantasie, seine erstaunliche
  Begabung drngte ihn zur Malerei. Mit zehn Jahren begann er Dante
  zu illustrieren. Mit elf Jahren schlo er seinen ersten Vertrag
  ab, der ihn verpflichtete, wchentlich eine Lithographie fr das
  _Journal pour rire_ zu liefern. Bald gab er die Vorbereitung
  zum Ingenieur-Beruf auf und widmete sich ganz der Kunst. 1854
  erschienen seine ersten groen Werke, _Rabelais_ und die
  _Contes drlatiques_ von Balzac, die seinen Ruhm weit ber
  Frankreich hinaus verbreiteten. 1862 illustrierte er die _Contes
  de Perrault_. Er findet in den phantastischen Kostmen und
  ritterlichen Lebensformen der Zeit Franz I. und Ludwig XIII. den
  geeigneten Ausdruck fr die bersprudelnde Flle seiner kstlichen
  Einflle. Dor starb im Jahre 1883; er wurde nur 51 Jahre alt.




Liste korrigierter Druckfehler


Seite 5, im Inhaltsverzeichnis der Originalvorlage stand Aschenputtel
an Stelle von Aschenbrdel sowie Riquet mit dem Schopf an Stelle von
Riquet mit der Locke.

Seite 24, fehlendes ffnendes Anfhrungszeichen vor ich mu߫ eingefgt
(Wundervoll, rief da die Mutter, ich mu auch meine andere Tochter
schicken.)

Seite 28, irdendein ersetzt durch irgendein (stellte sich tot und
wartete, ob nicht irgendein junger, mit den Rnken dieser Welt noch
wenig vertrauter Hase sich in den Sack schliche)

Seite 28, berflssiges Anfhrungszeichen am Satzende entfernt (Und als
zwei Rebhhner hineingeschlpft waren, zog er ihn zu und fing alle
beide.)

Seite 30, den durch dem ersetzt (Whrend man den armen Marquis aus
dem Flu zog)

Seite 52, hatt durch hatte ersetzt (Der war von dem groen Umweg,
den er vergebens gemacht hatte, sehr erschpft und wollte sich
ausruhen.)

Seite 56, in der berschrift Pantoffelchen durch Pantffelchen
ersetzt (Aschenbrdel oder die Geschichte vom glsernen Pantffelchen)

Seite 63, rangen durch Orangen ersetzt (Tausend Artigkeiten hat sie
uns erwiesen und hat uns Orangen und Zitronen geschenkt.)

Seite 68, trauig durch traurig ersetzt (Seid darber nicht weiter
traurig!)

Seite 86, ihren durch ihre ersetzt (da sie sich vornahm, an Sonn-
und Festtagen der Reihe nach alle ihre schnen Gewnder anzuziehen.)

Seite 97, fehlendes schlieendes Anfhrungszeichen eingefgt (Was macht
Ihr da, liebe Frau? sagte die Prinzessin.)





End of Project Gutenberg's Gnsemtterchens Mrchen, by Charles Perrault

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GNSEMTTERCHENS MRCHEN ***

***** This file should be named 42900-8.txt or 42900-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/4/2/9/0/42900/

Produced by Norbert H. Langkau, Martin Oswald and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License available with this file or online at
  www.gutenberg.org/license.


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
