The Project Gutenberg EBook of Hherzchtung des Menschen auf biologischer
Grundlage., by Paul C. Franze

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Title: Hherzchtung des Menschen auf biologischer Grundlage.
       Vortrag

Author: Paul C. Franze

Release Date: October 9, 2013 [EBook #43920]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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werden.




      Hherzchtung des
      Menschen auf biologischer
      Grundlage.

      Vortrag, gehalten auf der 81. Versammlung
      Deutscher Naturforscher
      und rzte in Salzburg, 1909, bedeutend
      erweitert und umgearbeitet. [4 Quadrat-Symbole]

      Von
      Dr. med. PAUL C. FRANZE.
      Bad Nauheim.

      Leipzig.
      Hof-Verlagsbuchhandlung Edmund Demme.

      Preis: M. 0,80.




~Edmund Demme, Hof-Verlagsbuchhandlung, Leipzig.~


~=Reformgedanken.=~ Von Dr. Meyer. Heft I. 1. Die =Umwertung des
bisherigen Krankheitsbegriffes=. 2. Surenaturen. 3. Wetterlage und
Gesundheit. 4. Wissenschaftliche Bedenken bezgl. der Geldreinigung an
den Kassen. (0,60 Mark.) Die kleine Broschre enthlt so viel
Wissenswertes und zum Teil Neues, da die Lektre jedermann empfohlen
werden kann.

~=Reformgedanken.=~ Von Dr. M. Meyer. Heft II. 1. =Besuch bei
einem Hundertdreijhrigen.= 2. Wesen und Behandlung der
=Gallensteinkrankheit=. 3. Das Rtsel der =Genickstarre=. (Preis 0,80
Mark.) Interessant ist die Schilderung des Besuches bei einem
Hundertdreijhrigen. Wir erfahren, wie der Mann gelebt, um dieses hohe
Alter erlangen zu knnen, ferner gibt der Verfasser ein klares Bild von
der Behandlung der Gallensteinkrankheit und lst endlich das Rtsel
ber Entstehung, Ursachen und Behandlung der Genickstarre, einer
Krankheit, die in letzter Zeit so vielfach bei uns auftrat.

~=Reformgedanken.=~ Von Dr. M. Meyer. Heft III. Ist der Typhus eine
Infektionskrankheit? (0,60 Mark.) In dem Wandel der Anschauungen,
welcher sich auf pathologischem Gebiete in letzter Zeit zu vollziehen
beginnt, hat man sich dazu verstanden, manches Krankheitsbild von einem
vllig anderen Standpunkte aus anzusehen. Dieses gilt auch fr den
Typhus, der bisher fr eine Ansteckungskrankheit angesehen wurde.
Verfasser bt an dieser Anschauung Kritik und sucht Gegenbeweise
anzufhren, wobei er wiederum das Hauptgewicht auf die Anregung der
Darmttigkeit legt, die Ursache in =Selbstvergiftung= und die Heilung
resp. Verhtung in Beseitigung der Schlacken oder Reinigung des Blutes
erblickt.

~=Reformgedanken.=~ Heft IV. 1. =Die Darmreinigung als Heilfaktor.=
2. Die Beziehungen zwischen Darmttigkeit und lokaler Krankheit. 3. Ein
Beitrag zur Behandlung der =Lungenentzndung=. Von Dr. med. Max Meyer.
(Preis 0,80 Mark.) Die Erkenntnis, da der krankhafte Zustand des
Krpers hufiger das Endergebnis fortgesetzter Schdlichkeiten ist,
beginnt in letzter Zeit immer mehr Anhnger zu gewinnen. Was man bisher
als Ursache ansah, die vermutete bakterielle Ansteckung, kann in vielen
Fllen nicht mehr als ausreichende Ursache gelten. rztliche Forscher,
wie: Dr. Bunge, Dr. Lahmann, Dr. Borchard, Dr. Hueppe, Dr. Haig, Dr.
Paczkowski, Dr. Walser etc. klren uns darber auf, da die meisten
Krankheiten in Darmgiftbildung, Kohlensurebildung und Stauung im
menschlichen Krper ihre Ursache haben. Den Vorgang dieser
Selbstvergiftung, sowie deren Einflu auf den gesamten Organismus sucht
uns die obengenannte Broschre zu erklren, sie ist deshalb sehr
lesenswert.

~=Reformgedanken.=~ Von Dr. M. Meyer. Heft V. 1. Die Bedeutung der
=Abkhlung und der Feuchtigkeit= fr die Entstehung von Krankheiten. 2.
ber das =Wesen der Erkltung=. (Preis 0,50 Mark.) Gemeiniglich wird
mit dem Ausdruck ungesundes Wetter das nakalte Wetter bezeichnet,
das wohl eigentlich den Inbegriff klimatischer Schdlichkeiten
darstellt, whrend man Perioden von andersartigem oder direkt
entgegengesetztem Charakter fr gesundheitlich gnstig oder zum
mindesten nicht krankmachend hlt. Ob und inwiefern das zutrifft,
darber gibt uns der Verfasser Aufschlu. Ebenso klrt er uns in kurzer
interessanter Weise auf ber das Wesen der Erkltung, worber noch
recht unklare Begriffe herrschen. Da nun aber die genannten Faktoren:
Abkhlung, Feuchtigkeit und Erkltung fr die Entstehung von
Krankheiten eine sehr groe und wichtige Rolle spielen, so ist die
Lektre der billigen Schrift zu empfehlen.

~=Reformgedanken.=~ Von Dr. M. Meyer. Heft VIII. =Wie entsteht der
Krebs und wie ist er zu behandeln?= (0,30 Mark.) Die schlimmste
Krankheit ist der _Krebs_, aber das Allerschlimmste ist, da sich die
Gelehrten ber Entstehung und Behandlung noch gar nicht einig sind,
deshalb ist es mit Freuden zu begren, wenn -- wie in vorliegender
Broschre -- von rztlichen Denkern der Versuch gemacht wird, Klarheit
zu schaffen.




      Hherzchtung des Menschen auf
      biologischer Grundlage.

      Vortrag,

      gehalten auf der 81. Versammlung Deutscher Naturforscher
      und rzte, 1909, bedeutend erweitert und
      umgearbeitet.

      Von
      Dr. med. Paul C. Franze
      Arzt in Bad Nauheim.

      1910
      EDMUND DEMME, Hofverlagsbuchhandlung
      Leipzig.




Nachdruck verboten.




Inhalts-Verzeichnis.


                                                           Seite

           Vorwort                                             5

        I. =Aufstieg=                                          6

       II. =Biologische Grundlegung=                          12

           1. Das Material der Artbildung, die spontanen
              Variationen, und ihre Erblichkeit               12

           2. berschssige Fruchtbarkeit                     14

           3. Natrliche Auslese und Kampf ums Dasein         14

           4. Das Prinzip der natrlichen Prdestination    15

           5. Keimauslese                                     17

           6. Geschlechtliche Zuchtwahl                       17

           7. Isolation                                       18

           8. Zusammenhang vorstehender Grundstze mit der
              Fortentwicklung der Menschheit                  19

      III. =Anwendung der Grundstze auf die Rassenzucht
           beim Menschen=                                     24

           1. Das Material                                    25

              a. =Die geistigen Eigenschaften=                25

              b. =Die krperlichen Eigenschaften=             34

              c. =Die Auserlesenen=                           44

              d. =Das Organ des Geistes=                      47

           2. Die Erblichkeit                                 62

           3. Gengende Fruchtbarkeit                         64

           4. Auslese und Reinzucht                           65

              a. =Mittel, durch welche die Auserlesenen
                 einander als solche erkennen knnen=         65

              b. =Die formale Seite der Auslese=              68

              c. =Die Reinzucht=                              71

           5. Blutmischung und Herkunft der Varianten         72

           6. Der Instinkt                                    75

      IV. =Das System des Geistes=                            75

[Illustration]




Vorwort.


Auf der 81. Versammlung Deutscher Naturforscher und rzte in Salzburg,
1909, hielt ich unter dem gleichen Titel, den diese Broschre trgt,
einen Vortrag. Der Aufforderung meines Herrn Verlegers, die
Ausfhrungen der Allgemeinheit zugnglich zu machen, bin ich gern
nachgekommen. Freilich mute dabei ber den Umfang des ursprnglichen
Vortrags, fr den nur etwa 20 Minuten zur Verfgung standen, bedeutend
hinausgegangen werden.

Einerseits erhielt demnach das dort Gesagte hier in der Broschre eine
grndlichere Bearbeitung; anderseits kam in dieser vieles Neue hinzu,
das mit dem Inhalt des Themas eng zusammenhngt. So sind z. B. die
Abschnitte ber die krperlichen Eigenschaften, das Organ des Geistes,
die Ehereform, das System des Geistes hier zum ersten Male
verffentlicht worden.

Mge die Schrift der Verbreitung der Erkenntnis dienen, da der Mensch
ein noch durchaus unvollstndig durchorganisiertes Wesen ist, und da
er daher seinen bewuten Willen zur Erlangung hherer Organisation im
Sinne des entwicklungstheoretischen Fortschrittes verwenden sollte!

  _Bad Nauheim_, 19. Januar 1910.

      =Dr. Paul C. Franze.=




I. Aufstieg.


onenhafte Zeitlufe blicken herab auf das Aufstreben lebendiger
Materie auf unserm Planeten nach edleren und hheren Formen des
Daseins: das ist die Entwicklungsgeschichte der Organismen. Und mitten
drin in diesem gewaltigen Ringen steht der Mensch, der Schpfung Krone,
-- doch dies nur auf Zeit, und nimmermehr ihr Ende, vielmehr die bloe
Vorstufe eines Geschlechts von Halbgttern auf Erden!

Oder vielleicht richtiger: der jetzige Mensch ist nur ein unfertiges
Produkt auf dem Weg zu wahrem Menschentum. Der Mensch als ein in
seiner Art vollendeter Organismus mu erst noch kommen. Der _wahre_
Mensch wird dann eben jener Halbgott sein.

Dann aber haben wir mit Unrecht unser Augenmerk bisher fast nur auf die
Vergangenheit der Entwicklung gerichtet statt auf die Zukunft des
Menschen.

Mchte doch daher das Licht eines neuen Tages ber die Menschheit
aufgehen, ja, mchte sogar diese Stunde schon seine Morgenrte
sein!------

Dieser Wunsch hat aber nur dann Aussicht auf Erfllung, wenn die
hchsten und heiligsten menschlichen Erkenntnismittel den Pfad
erleuchten, der gewandelt werden mu, und wenn reiner Wille die
Menschheit beseelt.

Dreifach nmlich ist der Hauptweg der Erkenntnis.

_Erstens: Eingebung aus den Tiefen des Unbewuten_, Intuition, die von
selber kommt und ihr Licht vorauswirft. Auch Verla auf diese
selbstttige Sprkraft des Geistes bei der Deutung der Eindrcke: denn
Deuten immerhin, und beileibe nicht ideenlose Aufschichtung von
Tatsachen, wie die Moderne es oft wohl mchte.

Die Ideen und Eingebungen kommen dem genialen Denker unwillkrlich
zumeist bei der Beobachtung von Tatsachen, und anderseits geht er
absichtlich von diesen aus, um zu Ideen zu gelangen, um den Sinn des
Daseins zu erfassen und den rechten Weg zu finden.

_Zweitens: Naivitt_, so weit als mglich, in der unmittelbaren
Auffassung der Tatsachen. Naivitt ist nichts anders als vollkommene
Aufrichtigkeit. Bei der Wahrnehmung ist sie daher das Hinnehmen der
unverflschten, durch kein eigenes Hinzudenken vernderten Erfahrung,
einerseits also das impressionistische Einwirkenlassen der
Sinneseindrcke aus der Auenwelt und anderseits die Erfassung der
reinen Seelenvorgnge, wie sie gerade im Menscheninnern von selbst
verlaufen: gleichwie ein Kind, klug, mit seelenvollen Augen den bunten
Wechsel der Natur aufnimmt, rein von eigenen Beimengungen des
Verstandes, also tut es auch derjenige, der von Irrtmern frei bleiben
will.

_Drittens: Logisches Schlieen_ ebenfalls bei der Deutung der
Erscheinungen und zur Herstellung des vernnftigen Zusammenhangs
zwischen ihnen.

Intuition, Naivitt und Logik, das ist das Heiligtum unter den
Erkenntnismitteln.

Und wir bedrfen des Besten auf dem jetzt zu betretenden Wege: denn
steil sind zwar immer der Vollendung Pfade; doch diese, die hier
begangen werden, sind _furchtbar_ in ihrer Steilheit und Hhe!------

Seit den kosmogonischen Theorien von _Kant_ und _Laplace_ und seit den
Lehren von _Lamarck_ und _Darwin_ betrachtet die Wissenschaft, ja, man
darf sagen die gebildete Menschheit, Entwicklung als ein
allgemeingltiges Gesetz, dem alles, was wir kennen, unterliegt: sowohl
die in ihrer Pracht am Himmel glnzenden Sterne, als auch die Gefe
des Lebens einschlielich des Menschen.

Mgen jene Theorien auch noch so unzulnglich sein -- gleichviel: sie
haben unsere Erkenntnis unzweifelhaft erweitert.

Der Inhalt der Deszendenztheorie im engeren Sinne ist dieser: Von den
niedersten Lebewesen bis hinauf zum Menschen hat eine allmhliche
Entwicklung stattgefunden. Es werden die Bedingungen dieser
Entwicklungsrichtung aufgesucht und eben dadurch, da sie gefunden
werden, wird der Weg zur organischen Vervollkommnung des Menschen
gewiesen. Zunchst geschieht das fr die Vergangenheit, dann aber auch
fr die Zukunft. Denn die Kenntnis der zurckgelegten Strecke gestattet
gewisse Schlsse fr die bevorstehende.

Demnach stellen wir fest, da die Entwicklung eine bestimmte Richtung
hat; sie geht von einfachsten und unvollkommensten zu immer
zusammengesetzteren und vollendeteren Formen des Lebens. Innerhalb
dieser allgemeinsten Richtung treten aber beim Menschen noch besondere
Merkmale als auffallende hervor. Das sind einerseits die Steigerung des
Bewutseins, des Geistes oder der Vernunft und die Ausbildung des
Charakters, des sthetischen Gefhls und der knstlerischen
Gestaltungskraft, anderseits die Entfaltung der dem Menschen
eigentmlichen Krperschnheit.

Das aber ist innerhalb des Reiches der Lebewesen der _Lauf der Natur,
die Stromesrichtung des Weltgeschehens_: Aufstieg, Vervollkommnung,
Steigerung und Bejahung des Daseins, Ttigkeit, Umformung von Energien,
welch letzteres mit Lust betont ist, wenn es flieend und leicht von
statten geht, mit Unlust dagegen, wenn es gehemmt wird oder schwer
verluft.

Rein naiv und impressionistisch knnen wir sogar das eben Gesagte als
das _Gesetz des Lebens_ aussprechen.

Erst ein Zurckgehen im Denken hinter die reine Erfahrung lt Aussagen
machen ber den Wert der Welt hinsichtlich ihres innersten Prinzips und
wirklichen Wesens. Der Naive fllt keine solchen Werturteile darber:
er nimmt vielmehr im Erkenntnisakt die Wirklichkeit hin, wie sie
erscheint, und gelangt so zur Formulierung des Gesetzes des Lebens, in
dem allerdings noch kein utopistischer irdischer Optimismus
ausgesprochen ist, sondern lediglich die Lebensbejahung, die
Notwendigkeit ttiger und freudiger Mitarbeit an allen Problemen der
Vervollkommnung, mit andern Worten die frhliche Kampfesstimmung des
mutigen Streiters. Denn Kampf ist das Erdenleben. Aber es kann und
soll sein ein freudiger, siegesgewisser Kampf, in dem es Friedenspausen
und Ruhmestage gibt, dann nmlich, wenn jeweils der Lorbeer um die
Schlfen des Siegers sich windet.[1]------

Wenden wir dann den Blick ab von der Auenwelt und nach innen, so
finden wir in unserm Seelenleben mchtige Auftriebe, Impulse nach der
Hhe, gleichsam als drngte uns etwas ber unsere ererbte Organisation
hinaus: es ist ein Streben nach Vervollkommnung, das wir da in unserer
eigenen Tiefe erleben.

Diese Feststellung beruht auf der _Psychologie der unmittelbaren
Erfahrung_: der Mensch ist einfach so eingerichtet, da er in seinen
besseren Individuen dem Willen zur Vollkommenheit nimmer zu entrinnen
vermag. Hier haben wir an einem Punkte das Seelenleben rein erfat:
unmittelbar und ohne alle berlegung steigt in dem Tchtigen die
Sehnsucht nach hherem Dasein empor bis an die Oberflche des
Bewutseins!

Das sind zwei vllig stichhaltige Grnde dafr, da das
Vervollkommnungsstreben auch _bettigt_ werden mu, und beiden wohnt
eine innerlich ihnen anhaftende Beziehung auf die Allgemeinheit inne.
Ich wiederhole die Grnde und setze die genannte Beziehung hinzu: 1.
_Das Gesetz des Lebens_, das von der Beobachtung des Naturlaufs
unmittelbar abgeleitet wurde, besagt, da die Hauptrichtung der
Entwicklung auf Steigerung der Organisation geht. Fr den Menschen geht
daraus hervor, da es in der Richtung der Entwicklung liegt, wenn er
seine vornehmsten Eigenschaften weiter entfaltet. Diese aber sind die
spezifisch menschlichen. Da die Gesamtheit und nicht etwa nur ein
einzelner davon betroffen wird, versteht sich von selbst. 2. Die
Erscheinungen der inneren Wahrnehmung bei hher stehenden Menschen
besttigen durchaus das, was von derjenigen der Auenwelt abgeleitet
wurde: der Mensch findet in sich einen zwingenden Wunsch nach
Vervollkommnung vor. Das bezieht sich zunchst auf sein Selbst, aber
zugleich auch auf die Gesamtheit und uert sich in idealen
Bestrebungen der Wissenschaft, Philosophie, Kunst, Religion und
Nchstenliebe, in der Verteidigung des Vaterlands und Mehrung seiner
Macht, in dem Nachjagen nach Ruhm, Ehre und Reichtum. All dem liegt
mehr oder weniger bewut in erster Linie das Verlangen zugrunde, sich
selber als Persnlichkeit hherer Ordnung, als Vollmenschen auszubilden
und zu bettigen: die Wege der Vollendung des Selbstes und der
Gesamtheit fallen in ihrem Verlaufe zusammen.

_Nach allem_: Es drstet der Mensch nach Vervollkommnung, und er blickt
hinaus in das Getriebe des Weltgeschehens und liest von der Natur den
gleichen Willen ab.

Was aber bedeutet Vervollkommnung? _Ich definiere: Vervollkommnung ist
weitere Entfaltung der hchsten Eigenschaften._ Denn das gehrt zum
Begriff der Vervollkommnung.

Jetzt aber entsteht _das Problem des Weges_: Wie kann am sichersten,
wirksamsten und schnellsten das Vervollkommnungsstreben des Menschen in
die Tat umgesetzt werden?

_Die Analysis der Vervollkommnung ergibt, da sie in traditionelle und
erblich-organische zerfllt._

Wie die berschrift aussagt, ist es die Aufgabe dieser Schrift, die
letztere zu behandeln. Nur ein flchtiger Blick sei daher der
Vollstndigkeit halber auf das Wesen der Tradition geworfen.

Durch sein hochentwickeltes Bewutsein, sowie kraft seiner Fhigkeiten
der Sprache und der Schrift vermag der Mensch die Erfahrungen seines
ganzen Geschlechts aufzubewahren, zu sichten, zu ordnen, zu vermehren
und auf seine Nachkommen bergehen zu lassen. So bildet sich ein in
stetem Flu und fortdauernder nderung begriffener Niederschlag der
Erfahrung der gesamten Menschheit. Diesen Niederschlag nennen wir die
_Tradition oder berlieferung der Menschheit_. Sie umfat Sitten und
Gebruche, die naive berlieferung des Volkes (folklore), Natur- und
Geisteswissenschaften.

Insbesondere sind es einzelne hervorragende Mnner, die von Zeit zu
Zeit entstehen, welche die Tradition sprungweise auf eine hhere Stufe
heben und dadurch die Menschheit veredeln. Solche Mnner heien
_Genien_: sie sind die Lichtbringer und Fhrer der Menschheit.

Einigermaen steigert ja auch die Wissenschaft als solche ohne die
direkte Arbeit der Genien die geistigen, sittlichen und krperlichen
Werte der Gesamtheit. Denn sie mehrt unsere Erkenntnis von der
Wirklichkeit; Gewinn aber an Wissen und an Einsicht in die wahren
Vorgnge der Natur gereichen natrlich den Menschen zum sittlichen und
krperlichen Wohle. Das darf man nicht zu gering veranschlagen. Die
Vorteile, die unserer Gesundheit aus der Wissenschaft erwachsen, liegen
allen klar vor Augen. Weniger Verstndnis jedoch haben viele dafr, da
auch die Sittlichkeit durch Wissen gewinnt; deshalb seien zwei
Beispiele dafr angefhrt: die humane Gestaltung der Rechtspflege und
Irrenfrsorge ist sicherlich mehr ein Ergebnis wissenschaftlicher
Aufklrung als etwa der kirchlichen Religion.

Freilich scheint es mir, ein noch mehr in die Tiefe dringender Blick zu
sein, wenn man einsieht, da die genannten Erscheinungen mit dem von
innen heraus wirkenden Vervollkommnungstrieb in Zusammenhang stehen.
Diese Kraft befindet sich natrlich in steter Wechselwirkung mit der
ueren Erfahrung und offenbart sich an ihr.

Doch kann bei aller Gerechtigkeit gegen die allgemeine
wissenschaftliche Ttigkeit nicht eindringlich genug vor ihrer
berschtzung gewarnt werden. Es ist unmglich, hier eine exakte
Rechnung vorzulegen: aber viel ist es jedenfalls nicht, was alle die
Nicht-Genien zusammen der Menschheit an wirklichen und bleibenden
Werten gegeben haben. Sicherlich ruht jeder bedeutende Fortschritt auf
den Schultern der Genien!------

_Der Gegenstand dieser Abhandlung aber ist die Steigerung der erblichen
Organisation des Menschen, seine generative Hherentwicklung. Es soll
die Richtung der Entwicklung dadurch fortgesetzt werden, da wir
Menschen mit Hilfe unseres Bewutseins den Weg zu neuen und hheren
Formen der Kreatur einschlagen, als es deren eine bisher berhaupt auf
der Erde gegeben hat!_

Wie wir sahen, steht diesbezglich das Gebot der inneren Stimme im
Einklang mit demjenigen, das die Naturbeobachtung ergibt.

Ich wende mich nunmehr zu unserm soeben nochmals klar definierten
Thema.




II. Biologische Grundlegung.


1. Das Material der Artbildung, die spontanen Variationen, und ihre
Erblichkeit.

Das Material der Bildung von Rassen, Varietten und Arten sind sowohl
in der Natur, als auch bei der knstlichen Zchtung und beim Menschen
die spontanen Variationen. Die Voraussetzung dafr, da aus ihnen
Dauerformen hervorgehen knnen, ist ihre Erblichkeit. Dies gilt fr
spontane Variationen greren und kleineren Betrags. Erstere nennt man
nach _de Vries_ Sprungvariationen und Mutationen. Inwiefern sie zur
Artbildung beitragen, bleibe dahingestellt. Letztere sind die spontanen
Variationen im engeren Sinne des Wortes. Auf ihnen beruht sicherlich
der grte Teil der Artbildung. Es verhlt sich mit ihnen
folgendermaen:

Jedes Lebewesen kommt mit gewissen Abweichungen seines Baues von
demjenigen seiner Artgenossen auf die Welt. Dies betrifft nicht nur den
ganzen Organismus, sondern sogar auch seine einzelnen Teile: keine zwei
Bltter an einem Baume sind einander ganz gleich, und so ist es bei
allen Organen.

Diese Grundtatsache bildet den Ausgangspunkt und die Voraussetzung des
_Darwinismus_. Darwin nennt eben jene individuellen Verschiedenheiten
an Pflanzen und Tieren spontane Variationen, d. h. von selbst
entstehende Abnderungen. Er untersucht nicht die Ursache ihrer
Entstehung, sondern fngt bei ihnen an. Sie sind erbliche
Eigenschaften, da es sich bei ihnen um Angeborenes und nicht um
Erworbenes handelt.

Es besteht nmlich in der Wissenschaft eine Kontroverse darber, ob nur
angeborene oder auch erworbene Merkmale erblich seien. Sie ist bis
jetzt dahin entschieden worden, da erstere es sicher, letztere im
allgemeinen es nicht sind. Jedoch bezieht sich das nur auf Erworbenes
im engeren Sinne des Wortes, z. B. auf Verstmmelungen, Resultate der
bung und Vernachlssigung von Organen, z. B. der Muskeln usw.
Zweifellos prgen sich aber die Eindrcke des Lebens mehr oder weniger
auch den Keimzellen auf und sind dann erblich, wie alle Vernderungen
an den Keimzellen. Das ist eine Voraussetzung der Variabilitt selbst,
die Darwin eben ununtersucht lt. Darber haben andere, insbesondere
_Semon_[2] gearbeitet. Darnach knnen die Reize aus der Auenwelt eine
dauernde Vernderung im Organismus hinterlassen, was Semon
_Engraphie_ nennt. Die Vernderung selbst ist das _Engramm_. Die
Reizwirkungen strahlen nun im ganzen Organismus aus, und zwar nicht nur
im Nervensystem. Denn sie spielen gerade bei Pflanzen eine wichtige
Rolle. Forel sagt: Auf diesem Wege kann eine, wenn auch kolossal
abgeschwchte Engraphie schlielich auch die Keimzellen treffen. .....
Und so lt sich die Mglichkeit einer kolossal langsamen Vererbung
erworbener Eigenschaften, nach unzhligen [? Verf.] Wiederholungen
durch das mnemische Prinzip erklren, ohne da die von _Weismann_
betonten Tatsachen ihre Richtigkeit einben. Denn die Einflsse der
_Kreuzungen_ (Konjunktionen) und der Zuchtwahl wirken natrlich
ungeheuer viel rascher und intensiver verndernd als individuell
vererbte mnemische Engraphien.[3]

Die engraphische Wirkung braucht aber nicht immer die gleiche
kolossale Langsamkeit zu besitzen. Bei Pflanzen geht die Umwandlung
oft recht schnell von statten. Auch bei Tieren und Menschen wird es
sich verschieden verhalten, je nach der Art des Reizes und der
Wichtigkeit der Erfahrung: das Lebendige kann vielleicht in elektiver
Weise reagieren.


2. berschssige Fruchtbarkeit.

Ein groer Geburtenberschu ist natrlich der Entstehung
verschiedenartiger Variationen gnstig.


3. Natrliche Auslese und Kampf ums Dasein.

Unter dem Kampf ums Dasein versteht man die Gesamtheit der Einwirkungen
der Auenwelt, sowohl diejenigen der anorganischen Natur, als auch die
aus der Konkurrenz mit andern Lebewesen entstehenden. Man kann ihn in
den aktiven und passiven Kampf ums Dasein einteilen. Unter ersterem
verstehe ich dann gewaltttige Einwirkungen aller Art, sofern sie
berhaupt Auslesewert (positiven oder negativen) besitzen, also vor
allem den echten Kampf als solchen mit andern Geschpfen. Unter
letzterem fasse ich die Einflsse der toten Umgebung und die des mehr
friedlichen Wettbewerbs um die Existenzmittel zusammen.

Darwin nimmt nun an, da von den spontanen Variationen die einen im
Kampf ums Dasein ntzlich, die andern hinderlich seien. Die Trger der
ersteren haben daher mehr Aussicht, in ihm zu siegen, als diejenigen
der letzteren. Jene werden daher im Gegensatz zu diesen bis zum
fortpflanzungsfhigen Alter erhalten bleiben und Nachkommen erzeugen,
somit ihre Eigenart weitergeben, whrend die andern aussterben. Das ist
die _natrliche Zuchtwahl_ im Kampf ums Dasein. Demnach sind die
Voraussetzungen fr die natrliche Zuchtwahl: 1. Der Kampf ums Dasein,
2. Erblichkeit der Merkmale, 3. Variabilitt, 4. groe Fruchtbarkeit.

Auf die Kritik der Darwinschen Theorie will ich hier nicht nher
eingehen, sondern nur bemerken, da der Kampf ums Dasein sich als
unzulnglich zur Herbeifhrung von Auslese und Reinzucht erwiesen
hat.[4]

Mgen aber die Eindrcke, die das Individuum im Laufe seines Lebens
empfngt, auch in geringem Mae durch Engraphie die Keimzellen
beeinflussen und dadurch erblich werden, mgen andere besondere
Prinzipien eingefhrt werden mssen, um die Auslese und Reinzucht in
der Natur zu deuten -- gleichviel: in jedem Fall ist es sicher, da
durch dauernde Auslese besonderer angeborener Merkmale und die
Reinzucht der sie besitzenden Individuen neue Rassen und Varietten
sich hervorbringen lassen. Das ist durch die Erfolge der knstlichen
Zchtung bei Tieren und Pflanzen bewiesen. Ferner sind diese
angeborenen Eigenschaften in der berwiegenden Mehrzahl der Flle
sicher erblich. Daher bilden sie ein zuverlssiges Material fr die
Reinzucht und Bildung von Dauerformen. Darin besteht also ein
bleibendes Verdienst _Darwins_ und seines Mitarbeiters _Wallace_,
gezeigt zu haben, da die angeborenen spontanen Variationen das
hauptschlichste, zuverlssigste und daher wertvollste Material fr die
Bildung neuer Formen darstellen.

Jedenfalls gilt das fr die Tierwelt, whrend es bei Pflanzen den
Anschein hat, als ob die sogenannte unmittelbare Bewirkung durch
Reaktion auf die Umgebung nach dem Prinzip der Engraphie eine
bedeutsame, vielleicht wichtigere Rolle spiele. Damit stimmt es denn
auch berein, da die Zoologen heute meistens Darwinianer, die
Botaniker vielfach Neu-Lamarckianer, d. h. Anhnger der letztgenannten
Theorie, sind.


4. Das Prinzip der natrlichen Prdestination.

Die spontane Variation, die ein Individuum mit auf die Welt bringt,
bedingt in erster Linie seine Eigenart. Das aber ist gleichbedeutend
mit einer Art natrlicher Vorausbestimmung. Im wesentlichen ist es
schon bei der Geburt eines Geschpfes ausgesprochen, ob es einen
Beitrag zur Veredelung oder Verschlechterung seines Geschlechts
bedeutet.

Das gilt auch fr den Menschen: seine Abstammung von einem bestimmten
Elternpaare bedingt seine Tchtigkeit oder Minderwertigkeit vor allen
nachtrglichen Einflssen, die spter auf ihn durch Umgang und
Erziehung einwirken. Wir sehen das tatschlich auf allen Gebieten,
vornehmlich auf denen der Erziehung, der Rechtspflege, des genialen
Schaffens, der Beibringung neuer Werte in Wissenschaft, Ethik, Kunst
usw., dann aber auch im Alltagsleben: auch hierin offenbaren sich nur
allzu deutlich die besonderen angeborenen Gaben und Mngel der
Einzelnen. Alle, die eine grere Anzahl Untergebener unter sich haben,
werden das besttigen knnen, vor allem also Offiziere und Leiter
groer industrieller Betriebe. Selbstverstndlich trifft das auch fr
die krperlichen Eigenschaften im engeren Sinne ebenso zu, fr
Gesundheit und Schnheit. Nichts ist bezglich ihrer wertvoller fr ein
Individuum als die Abstammung von einem kerngesunden Elternpaare. Denn,
wenn nicht sehr ungnstige Umstnde spter auf es einwirken -- z. B.
mutwillige Untergrabung der Gesundheit --, so wird es dann die grte
Aussicht auf eigene dauernde Gesundheit und Langlebigkeit haben und
selbst nachteiligen Einflssen gegenber sich widerstandsfhiger
erweisen als andere. Umgekehrt knnen auch die besten hygienischen
Manahmen schlechte Erbwerte der Gesundheit und Widerstandskraft nur
mangelhaft ausgleichen, gerade wie die Schnheitspflege keine Resultate
zu liefern vermag, die angeborener Schnheit gegenber in die Wagschale
fallen.

Freilich lt sich die natrliche Anlage des Menschen modifizieren. So
knnen ungnstige Umstnde die Ausbildung guter Eigenschaften
hintanhalten. Anderseits vermgen eine sorgfltige Erziehung von Jugend
auf und eine geeignete Umgebung einen von Natur Minderwertigen oft so
zu bessern, da er nicht direkt auf Abwege gert. Aber _im
wesentlichen_ schlagen die angeborenen Eigenschaften durch. Ebensowenig
kann die beste Erziehung aus einem dummen und unbegabten Menschen einen
Entdecker, Erfinder oder Knstler, aus einem charakterlosen einen
Propheten und Besserer des Menschenlooses machen, als umgekehrt ein
hartes Geschick im allgemeinen den Genius zu unterdrcken oder am
Durchbrechen zu hindern vermag.

So hngt denn auch die Zukunft der Rasse von den Erbwerten der Eltern
ab, da sie mehr oder weniger auf die Kinder bergehen. Wir gelangen
also auch fr den Menschen auf Grund des sicher zutreffenden Teiles des
Darwinismus und der Erfahrung innerhalb der Menschheit selbst zur
These, da jedes Individuum schon bei seiner Geburt die Grundlagen
seines spteren Wertes in sich trgt. Ich nenne das _Das Prinzip der
natrlichen Prdestination_.

Es gilt, wie schon bemerkt, hinsichtlich der Haupteigenschaften des
Geistes und Krpers. Beeinflubarkeit bleibt dennoch bestehen, tritt
aber an Bedeutung sehr in den Hintergrund.


5. Keimauslese.

Um gewissen Schwierigkeiten, in die der Darwinismus gert, zu begegnen,
hat _Weismann_ die Theorie der Keimauslese aufgestellt, nach der schon
die Keime des Lebens im Organismus einen Kampf zu bestehen haben. Davon
ist jedenfalls so viel richtig, da nur ein verschwindend kleiner Teil
aller entstehenden Keimzellen zur Hervorbringung neuen Lebens verwertet
wird und die andern wieder untergehen, und da Ursachen fr das
verschiedene Geschick derselben vorhanden sein mssen. Vielleicht sind
es auch hier die krftigeren Keime, die erhalten bleiben. Im brigen
besagt Weismanns Theorie anderes als dieses. Doch liegt das auerhalb
des Rahmens dieser Abhandlung.


6. Geschlechtliche Zuchtwahl.

Darwin fhrte das Prinzip der geschlechtlichen Zuchtwahl ein, um
gewisse Eigentmlichkeiten der mnnlichen Tiere zu deuten. So sollen
der Gesang und das schne Gefieder vieler mnnlicher Vgel durch
Bevorzugung seitens der Weibchen entstanden sein. Dafr spricht der
Umstand, da beides zur Zeit der Paarung die hchste Entfaltung
erreicht. Ferner sind die Waffen mancher mnnlichen Tiere wie der
Hirsche vorwiegend zum Kampf um die Weibchen da. Der besser Bewaffnete
siegt und wird dann zur Fortpflanzung zugelassen. Die Schwche dieser
Theorie ist jedoch handgreiflich, sofern sie die _Entstehung_ der
genannten Eigenschaften erklren soll. Wenn diese aber einmal auf einer
gewissen Ausbildungsstufe vorhanden sind, dann mgen sie gewi zur
Bevorzugung bei der Gattenwahl beitragen und dadurch erhalten und
weiter entwickelt werden.

Die Auslese findet also nach Darwin teils durch den Kampf ums Dasein,
teils durch die geschlechtliche Zuchtwahl statt.


7. Isolation.

Vielleicht hat geographische Absonderung von dem Standort der
Artgenossen, bezw. beim Menschen von dem gemeinsamen Wohnsitze, in der
Vergangenheit einen betrchtlichen Anteil an der Bildung von Rassen,
Varietten und Arten genommen. Fr den Menschen ist dies besonders
wahrscheinlich, wenn nicht sicher. _Moritz Wagner_ hat die Theorie der
Isolation vertreten. Er sagt u. a.: Die Bildung einer wirklichen
Variett, welche Herr Darwin bekanntlich als >beginnende Art<
betrachtet, wird der Natur immer nur da gelingen, _wo einzelne
Individuen_ die begrenzenden Schranken ihres Standorts berschreitend
sich von ihren Artgenossen auf Zeit rumlich absondern knnen.[5]

Arten, welche nicht wanderten, sich also nicht vernderten, starben
allmhlich aus.[6]

Die ttigeren und intelligenteren Menschenpaare isolierten sich ....,
schwchliche und dumme Menschenexemplare gingen damals wohl meist
zugrunde.[7]

Neue Menschenrassen werden [heute und in Zukunft. Verf.] nicht mehr
entstehen, nur Bastardrassen durch hufige Mischung der jetzt
bestehenden Hauptrassen. Vllige Isolierung einzelner Familien und
Stmme durch eine lange Reihe von Generationen ist bei den jetzigen
Verkehrsverhltnissen nicht mehr mglich. Damit fehlt aber die
Grundbedingung der Rassenbildung.[8]

Die geographische Absonderung htte demnach eine doppelte Bedeutung: 1.
Durch sie wrde Reinzucht innerhalb einer Sippe durchgefhrt werden. 2.
Die vernderten Lebensbedingungen wrden die Organisation der
Individuen, die sich ihnen durch die Aufsuchung der neuen Wohnsttten
ausgesetzt haben, modifizieren: Vernderte Lebensbedingungen, sagt
Wagner, geben den Ansto zu einer Steigerung der individuellen
Variabilitt. Isolierung von den Artgenossen beginnt dann den Anfang
einer Rasse.[9]


8. Zusammenhang vorstehender Grundstze mit der Fortentwicklung der
Menschheit.

Fr den Aufbau meines Plans zur generativen Hherentwicklung des
Menschen ist nun alles, was in den besprochenen Thesen der
Deszendenztheorie zweifelhaft ist, belanglos. Ich bedarf vielmehr nur
der feststehenden von ihnen. Dadurch gewinnen meine Voraussetzungen
Gewiheit.

Die Grundstze[10] der Bildung einer tchtigen Rasse, Variett oder Art
sind demnach:

1. Das Vorhandensein des notwendigen Materials in Gestalt brauchbarer
spontaner Variationen.

2. Die Erblichkeit dieser Variationen.

3. Gengende Fruchtbarkeit.

4. Auslese.

5. Reinzucht.

6. Blutmischung (hierauf wird spter bei der Behandlung der
menschlichen Rassenbildung eingegangen werden).

Beim _Menschen_ sind nun, wie sofort ersichtlich, alle diese
Erfordernisse ohne weiteres gegeben mit Ausnahme der Auslese und der
Reinzucht. (Von der Blutmischung sehen wir vorlufig ab, da die Frage
spter erledigt wird).

_Das Problem lautet also_: Welche Prinzipien fhren Auslese und
Reinzucht herbei? Zunchst unterscheide ich bei dem Angehen dieses
Problems nicht zwischen Menschen und Tieren. Es gibt folgende mgliche
Prinzipien der Auslese und Reinzucht:

1. _Den Kampf ums Dasein._ Er zchtet rein mechanisch von dem
Zeitpunkte an, wo die Eigentmlichkeiten der Einzelindividuen eine so
hohe Ausbildung erlangt haben, da sie tatschlich von Vorteil oder
Nachteil im Leben sind. Wahrscheinlich ist dabei die negative Seite die
Hauptleistung des ganzen Kampfes ums Dasein, d. h. die Ausmerzung der
Unfhigen.

2. _Geographische Absonderung._ Dieses Prinzip wurde von Moritz Wagner
eingefhrt, um zu deuten, wie die Auslese und Reinzucht zustandekommen
knnen, ohne allein auf den unzulnglichen Kampf ums Dasein angewiesen
zu sein.

3. _Keimauslese._

4. _Instinkt._ Es ist durchaus denkbar, da die Individuen, die vermge
ihrer erblichen Eigenschaften zur Bildung neuer Formen besonders
geeignet sind, den Instinkt besitzen, sich untereinander zu paaren und
Reinzucht durchzufhren. Letzten Endes kommt man keinesfalls um eine
derartige Annahme herum. So haben denn Naturforscher auch in der Tat
von einem Rasseninstinkt der Tiere gesprochen.

5. _Geschlechtliche Zuchtwahl_, die solchen Instinkt schon voraussetzt.

Das sind die Mittel, die fr die Herbeifhrung der Auslese und der
Reinzucht denkbar sind; zugleich machen sie das Strittige im
Darwinismus, bezw. in seiner Fortbildung seitens anderer aus.

Von jenen kommen zwei fr die _menschliche_ Rassenzucht nicht in
Betracht, nmlich der Kampf ums Dasein und die Isolation.

_Der Kampf ums Dasein_ tritt als auslesender Faktor im Kulturzustand
immer mehr zurck. Unsere humanen Tendenzen gehen im Einklang mit dem
Sittengesetz dahin, ihn mehr und mehr auszuschalten. Es kann vom
sittlichen Standpunkt aus keine Rede davon sein, etwa absichtlich in
Zukunft die Hrte des Kampfes ums Dasein aufrecht erhalten oder gar
wieder vermehren zu wollen. Vielmehr mu jeder humane und sittliche
Mensch sein Zurckgehen im Kulturzustand freudigst begren. Dazu kommt
noch, da es hier gerade hinsichtlich seiner zu einer _Umwertung der
Werte kommt_: _Unsere_ hchsten Werte sind neben Gesundheit und
Schnheit vor allem die wissenschaftlichen, sittlichen und sthetischen
sowie ihre Beziehungen zum Leben. Wie schon erwhnt, sind es
insbesondere die Genien, die uns diese vermitteln. Nun sind diese
keineswegs immer -- oder auch nur hufig -- gerade diejenigen Menschen,
die in einem rcksichtslosen Kampf ums Dasein am besten bestehen
wrden. Von Krperschwche will ich ganz absehen. Schon ihre
Charaktereigenschaften hemmen sie in einem solchen Kampfe: gerade weil
sie nicht skrupellose, sondern gewissenhafte, die Kapital- und
Geldwirtschaft aus angeborenem Idealismus hassende und daher wenig von
ihr verstehende Menschen sind, sind sie fr den brutalen Daseinskampf
schlechter ausgerstet. Sie aber zu pflegen als das wertvollste alles
Menschenmaterials ist unsere Hauptaufgabe. Die Genien sind Menschen,
die in eine weit fortgeschrittenere, vollkommenere Umgebung passen, und
die daher der Stufe der Unvollkommenheit, in der sie jeweils leben,
nicht adaptiert sind. Nun ist es aber das Hauptgesetz des Kampfes ums
Dasein, da diejenigen, die sich nicht der Umgebung anzupassen
vermgen, untergehen. Der Genius jedoch ist deswegen seiner Umgebung
nicht angemessen, weil er vollkommener als sie ist. Die _Schuld_ liegt
also an der Umgebung und nicht an ihm. Durch seine Vollkommenheit
nimmt er die Tradition der Zukunft vorweg, wodurch er gerade seine
Mitmenschen spteren hheren und edleren Formen des Daseins
entgegenfhrt. Er macht ferner die wissenschaftlichen Entdeckungen, die
in der Technik verwertet die ueren Grundlagen der Kultur bilden. Er
gibt den Menschen die herrlichen Werke der Kunst, an denen sie sich
erfreuen.

Der Kampf ums Dasein kann demnach als zchtender Faktor von irgendwie
erheblichem Belang im Kulturzustand nicht in Betracht kommen, weil: 1.
er ohnehin abnimmt, 2. Sittengesetz und Humanitt uns verpflichten,
dies zu untersttzen, 3. eine Umwertung der Werte stattfindet
dahingehend, da im Kulturzustand der Vlker der Kampf ums Dasein
geradezu negativen Auslesewert erhlt.

Freilich ist auch das sinngem zu verstehen. Der passive Kampf ums
Dasein scheidet auch innerhalb des Kulturzustandes ununterbrochen
die _Minderwertigsten_ aus, insbesondere die Abkmmlinge von
Alkoholikern, Tuberkulsen, Syphilitischen. Tot-, Fehlgeburten und
Kindersterblichkeit rumen hier mit furchtbarer Strenge auf. Der Kampf
ums Dasein verhindert so das Festwerden von Degenerationsmerkmalen. Er
zeigt sich also auch hier in seiner Wirkung als einen ausmerzenden
Faktor.[11]

brigens kam Darwin selber zur berzeugung des rcklufigen Wegs des
Kampfes ums Dasein bei den Kulturvlkern. Nach _Ploetz_ berichtet
Wallace ber des alten Darwin Meinung: In einer meiner letzten
Unterhaltungen mit Darwin sprach er sich wenig hoffnungsvoll ber die
Zukunft der Menschheit aus, und zwar auf Grund der Beobachtung, da in
unserer modernen Zivilisation eine natrliche Auslese nicht zustande
komme und die Tchtigsten nicht berlebten. Die Sieger im Kampf um das
Geld sind keineswegs die Besten oder die Klgsten, und bekanntlich
erneuert sich unsere Bevlkerung in jeder Generation in strkerem Mae
aus den unteren als aus den mittleren und oberen Klassen.[12]

_Da Isolation_ ausscheidet, hat schon Wagner selber betont: die
heutigen Verkehrs- und Industrieverhltnisse, die zunehmende
Internationalisierung aller menschlichen Interessen in Wissenschaft,
Ethik, Kunst und Handel machen den Gedanken an Absonderung einfach
absurd. Dazu kommen wieder besondere sittliche Grnde: 1. Die fr die
Absonderung behufs Reinzucht zur Bildung einer neuen hheren Rasse in
Betracht kommenden Individuen mten die edelsten und besten sein:
gerade sie sollen aber zur Hebung der Tradition unter der Masse
bleiben; denn diese braucht das Beispiel und die Lehre der
Vollkommeneren. Diejenigen Menschen, welche blo die _Fhigkeit_ zum
intellektuell-sittlichen Aufstreben mit auf die Welt bringen, aber des
_Anreizes_ zur _Entfaltung_ dieser Eigenschaften bedrfen, brauchen die
Vollkommensten, die eben solche Anreize geben. 2. Die sich Isolierenden
und ihre Nachkommen wrden selbst der Kulturwerte, die in der Tradition
der hheren Vlker aufgespeichert sind, verlustig gehen, was allein
schon den Gedanken an solche Absonderung von der brigen Menschheit zu
einem unsinnigen macht. 3. Die hchste irdische Idee berhaupt ist die
der knftigen Einheit und Verbrderung der ganzen Menschheit. Das ist
der _Humanittsgedanke_ oder _die Idee der Menschheit_ schlechthin. Ihr
durch Absonderung entgegenzuarbeiten, wrde also der Ethik und der
Vernunft widersprechen. Vielmehr mu es uns auch von ihrem Standpunkt
aus mit aufrichtiger Freude erfllen, da wir in der Tat jetzt schon
die Menschheit in Handel, Verkehr, Wissenschaft, ja sogar auch schon in
der Politik auf einander sich nhernden Pfaden dahineilen sehen.

_Ich fasse das zusammen_: Rumliche Absonderung der tchtigsten
Menschen behufs Reinzucht kann heute aus folgenden Grnden nicht mehr
in Frage kommen: 1. Handel, Verkehr und die Notwendigkeit der Teilnahme
an den Kulturgtern machen es unmglich. 2. Sittengesetz und
insbesondere der Humanittsgedanke verbieten es.

_Geschlechtliche Zuchtwahl und Instinkt_, nmlich der fr den
geeigneten Gatten, worauf ich spter zu sprechen komme, sind aber beim
Menschen vllig gesicherte Mittel zur Herbeifhrung von Auslese und
Reinzucht. Ferner unterstehen auch die _Keime_ in gewissem Grade dem
Einflu des bewuten Willens.

_Kurz_: Diejenigen Prinzipien der Deszendenztheorie, die anfechtbar
sind, scheiden hinsichtlich der menschlichen Rassenzucht entweder aus
oder verlieren hier ihre Ungewiheit und erlangen bezglich des
menschlichen Problems Zuverlssigkeit.

Es werden also hierbei diejenigen Faktoren verwertet, die entweder
_berhaupt_ feststehen, oder es doch wenigstens _bezglich des
Menschen_ tun.

_Demnach erhalten wir folgende =Tafel von=_ =Grundstzen= _fr die
menschliche Rassenzucht_:

1. Das gute Material in Gestalt tchtiger spontaner Variationen.

2. Ihre Erblichkeit.

3. Gengende Fruchtbarkeit.

4. Geschlechtliche Auslese der geeigneten spontanen Variationen.

5. Ihre Reinzucht.

6. Blutmischung.

7. Instinkt.




III. Anwendung der Grundstze auf die Rassenzucht beim Menschen.


Der folgende Teil der Schrift widmet sich nunmehr der Lsung des
Problems der _Vervollkommnung der erblichen Organisation des Menschen_.
Die Lsung liegt in der Befolgung der Grundstze der Rassenzucht, die
soeben aufgestellt worden sind. Wir haben diese also jetzt in ihren
_besonderen_ Beziehungen auf den Menschen zu betrachten.

Zunchst sei die _Hauptthese_ ins Gedchtnis zurckgerufen; sie lautet:
_Der Mensch mu nach Vervollkommnung streben, was durch Entfaltung
seiner hchsten Eigenschaften verwirklicht wird. Diese sind
Erkenntnisfhigkeit, Charakter und hhere Gefhle, sowie die dem
Menschen eigentmliche Krperschnheit._

_Diese Eigenschaften stellen also das Zuchtziel dar._

Auch will ich gleich vorausschicken, da ich _keine Voraussetzungen
hinsichtlich der Gte bestehender Rassen_ fr den Zweck der Auffindung
der zu zchtenden Merkmale des Vollkommenheitsideals mache.
Nachtrglich wird es bisweilen ntig sein, Hinweise auf Rassen und
Vlker zu geben, von denen die ganze _Erfahrung_ in der Geschichte und
der Vlkerpsychologie einfach die _Tatsache_ feststellt, da sie
gewisse hchste menschliche Eigenschaften in vollkommenster Ausbildung
besitzen. Auf die Erleichterung jedoch, von diesen Tatsachen als
Voraussetzungen auszugehen, verzichte ich und suche die Kennzeichen
geistiger und krperlicher menschlicher Vollkommenheit auf _ohne_ die
_Voraussetzung_, da es noch Hhenunterschiede innerhalb der
Kulturvlker gebe.


1. Das Material.

Das Material bilden diejenigen spontanen Variationen von Mnnern und
Frauen, welche die besten Merkmale des Geistes und des Krpers tragen.


a) Die geistigen Eigenschaften.

Hier wird zunchst eine terminologische Klarstellung dem Leser fr das
leichtere Verstndnis alles nachfolgenden erwnscht sein.

1. Geist, geistig bedeuten gegenber Krper, krperlich den
Inbegriff _alles_ Geistigen, Seelischen, Psychischen berhaupt.

2. Geist, geistig gegenber dem _Rest_ des Seelischen, Psychischen
bedeuten die _hhere_ geistige Sphre, das Vernnftige, Logische.

3. Das Geistige berhaupt zerfllt in die Sphren der Erkenntnis, des
Willens und des Gefhls.

4. Innerhalb _jeder_ dieser drei Sphren gibt es eine hhere und eine
niedere Stufe. Die hhere Stufe auf allen drei Sphren heit Vernunft
(oder Geist im Sinne von No. 2), also Vernunft in der Erkenntnis,
vernnftiger Wille und vernnftiges Gefhl. Damit ist das rein
Logische, Unbedingte gemeint. Die niedere Stufe auf _jeder_ Sphre
umfat demgegenber das Psychologische. Auf der Erkenntnissphre
besteht das Psychologische aus Intellekt, Verstand, berlegung,
Reflexion, Wahrnehmung, Vorstellung. Auf der Willenssphre besteht es
aus allen Trieben, allem Streben, Wnschen, Sehnen und allem Wollen
berhaupt, sofern sie nicht auf das rein Logische, Allgemeingltige
gehen. Auf der Gefhlssphre umfat die psychologische Stufe die
sinnlichen Gefhle der Lust und Unlust, sowie Lust an mangelhafter
Erkenntnis oder an der Lge, am mangelhaft Guten oder am Bsen, am
mangelhaft Schnen oder am Hlichen.

Im nachfolgenden werde ich nun Geist im Sinne von No. 1 gebrauchen
und Vernunft, vernnftig fr den Sinn von No. 2.------

_Die geistigen Merkmale, die der Auslese und Reinzucht unterliegen
sollen, sind: 1. Eine hochentwickelte Fhigkeit der Erkenntnis und des
wahren Urteilens, des Denkens, des Verstandes oder der Intelligenz; 2.
Gte des Charakters, Strke des Willens, Energie, Entschlossenheit; 3.
sthetisches Gefhl und Benehmen, knstlerische Gestaltungskraft._

Darin ist das Ideal begriffen. Wir werden spter sehen, da das Ideal
natrlich nicht als unerlliche Mindestforderung im praktischen Leben
aufrechterhalten werden kann.

Es gibt _besondere Merkmale_ der geistigen Vollkommenheit, die zu
kennen wichtig ist, weil es die Mglichkeit der rechten Gattenwahl
erleichtert. Ich fhre sie daher an, jedoch ohne allen Anspruch auf
Vollstndigkeit.

Solche _Kennzeichen der Geistes- und Seelengre_ sind:

1. =Idealismus.= Die Bettigung von Idealismus ist gleich dem Streben
nach Vollkommenheit. Denn, wer Idealen nachjagt, bekundet dadurch, da
er -- annhernd -- erreichbare Vollkommenheit voraussetzt, nach der er
strebt. Er ist also in der allgemeinen Grundrichtung seiner Gesinnung
vollkommen. Er bedarf rechter Erkenntnis, um die Ideale zu erfassen,
der Intelligenz fr die Kleinarbeit auf dem Wege, der Energie und
Charakterfestigkeit, um unentwegt recht zu wollen und das Gewollte
durchzusetzen. Endlich ist ihm auch Formgebungskraft unerllich, wenn
er _bleibende Werte_ fr die Menschheit schaffen soll. Denn die Ideale
haften nur dann in den Seelen der Mitmenschen, wenn sie in eine
anschauliche Form gegossen worden sind.

2. =Altruismus.= Er ist ein Bestandteil des Idealismus und betrifft die
hchste Eigenschaft des Charakters, Gte. Denn unter Altruismus
versteht man Nchstenliebe. Sein psychologischer Untergrund ist das
unwillkrliche Mitgefhl mit fremder Freude und fremdem Weh. Er ist des
weiteren ein praktisch sehr wichtiges Kennzeichen der Seelengre, weil
er leicht auffindbar ist: niemand kann lange seinen Altruismus oder
Egoismus verbergen.

Da im nachfolgenden viel von Selbstverleugnung die Rede sein wird, so
mu ich, um nicht miverstanden zu werden, meinen diesbezglichen
Standpunkt klarlegen. Das kann jetzt so gut geschehen als spter. Im
Mittelpunkt aller Vervollkommnungslehre steht die Persnlichkeit, das
Individuum. Nichts, was den wirklichen Persnlichkeitswert steigert,
gehrt zum Begriff des Egoismus. Dies Wort bezieht sich nur auf die
Befriedigung des Selbstes mit materiellen Gtern und in seinen niederen
Begehrungen. Aber auch die Gesamtheit soll vervollkommnet werden. Dies
geschieht, wenn sie aus einer mglichst groen Zahl vollkommener
Individuen besteht. Ferner ist Selbstverleugnung sowohl das wirksamste
Mittel zur Steigerung des wahren eigenen Persnlichkeitswerts -- es
wchst der Mensch mit seinen Zielen! --, als auch zur Hebung der
Gesamtheit. So fllt der Weg zu den wahren Werten des Individuums und
zu denen der Gesamtheit zusammen. Selbstverleugnung bedeutet also nicht
Aufgebung des _wahren_ Selbstes, sondern nur diejenige seiner Behaftung
mit niedrigem Wollen.[13]

3. =Ein melancholisch-ernster Grundzug des Wesens gepaart mit
Lebhaftigkeit.= Schon den Alten war der schwermtige Ausdruck der
Geistesgewaltigen bekannt. Denn _Cicero_ lt _Aristoteles_ sagen:
Omnes ingeniosos melancholicos esse.[14] Das heit auf deutsch: Alle
Genien sind Melancholiker. Weitere Belege fr dieses merkwrdige
psychologische Phnomen fhrt _E. v. Hartmann_ an. _Platon_ und _Kant_
haben sich entsprechend geuert. Schelling, schreibt von Hartmann,
sagt (Werke I. 7. S. 399): >Daher der Schleier der Schwermut, der ber
die ganze Natur ausgebreitet ist, die tiefe unzerstrbare Melancholie
alles Lebens.< Ferner hat er (Werke I. 10. S. 266-268) eine sehr schne
Stelle, welche ich ganz durchzulesen empfehle; hier kann ich nur einige
Bruchstcke anfhren: >Freilich ist es ein Schmerzensweg, den jenes
Wesen, ... das in der Natur lebt, auf seinem Hindurchgehen durch diese
zurcklegt, davon zeugt der Zug des Schmerzes, der auf dem Antlitz der
ganzen Natur, auf dem Angesicht der Tiere liegt ...< u. s. w.[15]

Weitere Stellen, welche die Tatsache der Melancholie der Genien
besttigen, finden sich bei _Schopenhauer_. _Woher_ sie stammt, brauche
ich hier nicht zu erlutern, da es nur auf den Nachweis ihres
Vorhandenseins ankommt. Sie _mu_ als ein Kennzeichen der Geistesgre
angefhrt werden, weil es einfach Wahrheit ist, da die Genien es
besitzen. Damit will ich natrlich nicht die Hervorbringung eines
Geschlechts von Melancholikern befrworten. Vielmehr ist jener
schwermtige Ernst der Geisteshelden sehr verschieden von der
krankhaften Melancholie, wie sie Gegenstand der Nervenheilkunde ist.
Es ist nichts anderes als die Erkenntnis der Wahrheit und das Gefhl
der Einsamkeit in einer ihnen unterlegenen Welt, was sich im Antlitz
jener widerspiegelt. Deswegen ist der Zug der Schwermut auch mit jenem
andern vergesellschaftet, der ihre Geistesfrische ausdrckt, demjenigen
der Lebhaftigkeit. Auf diesen letzteren hat _Schopenhauer_ aufmerksam
gemacht.[16]

4. =Objektivitt.= Auch dies hat Schopenhauer mit den Worten
hervorgehoben: So ist denn Genialitt nichts anders als die
vollkommenste Objektivitt.[17]

Bei allem Erkennen ist nmlich stets Interesse mit im Spiel: schon die
bloe Besttigung einer Wahrnehmung als einer richtigen enthlt einen
kleinen Willensakt, der mit Lust betont ist. Es ist unbewute Freude
dabei, und daher auch der unbewute Wunsch, da sich kein
nachtrglicher Irrtum herausstellen mge. Weit mehr noch ist dies
jedoch bei Erkenntnissen hherer Art der Fall, die durch das
eigentliche Denken zutage gefrdert werden. Auerdem hat der Mensch
ohnehin ein Interesse an der Tatschlichkeit gewisser Dinge und an dem
Nichtvorhandensein anderer. Deswegen besteht denn auch bei ihm die
weitverbreitete Neigung, selber seine Urteile zu flschen. Es ist daher
die hchste Stufe der Erkenntnisfhigkeit, unabhngig von den genannten
psychologischen Erscheinungen nach reiner Wahrheit zu streben und das
Erkannte im gleichen Sinne weiterzugeben. Das aber versteht man unter
Objektivitt. Deswegen hat Schopenhauer recht, wenn er Objektivitt des
Urteilens als Merkmal der Geistesgre anfhrt.

5. =Selbstbeherrschung.= Auf hheren Stufen der menschlichen
Entwickelung wird der Mensch zum Herrn ber seine Gemtsbewegungen, ist
nicht mehr ihr willenloser Spielball. Er ist stark im Schmerz, besonnen
in der Freude, ein Beherrscher des Zornes, der Liebe und des Hasses und
aller Leidenschaften.

6. =Begeisterungsfhigkeit.= Gleichwohl aber ist die Fhigkeit tiefer,
bis auf den Grund der Seele reichender Erregbarkeit ein
unveruerliches Erbstck wahrer Geistesgre. Es ist die Fhigkeit der
Begeisterung fr die Ideale, fr das Wahre, Gute und Schne, sowie die
der Entrstung ber deren Gegenteile, ber Lge, Bosheit, ja sogar
schon ber das blo Niedrige und Philistrse, sowie ber das
Unsthetische. Nicht zu verwechseln mit jener Begeisterung fr die
wirklichen Werte sind gewisse hysterische Entladungen in der
Massenpsychologie des Volkes oder sentimentale Schwrmerei, beides
durchaus minderwertige Erscheinungen. Echte Begeisterung und Entrstung
sind kraftvoll, gehen entschlossen alsbald in Taten ber, stehen unter
der Herrschaft der Vernunft.

Die Entstehungsursache der Begeisterung und Entrstung gerade bei
hochwertigen Individuen ist in dem Umstand zu suchen, da das ganze
Nervensystem einem Resonanzboden gleicht, der _im ganzen_ bei jedem
neuen Bewutseinszustand mitschwingt.

_James_ sagt: Der ganze Organismus kann als ein Resonanzboden
aufgefat werden, den jede noch so geringe nderung des Bewutseins im
ganzen zum Mitschwingen veranlassen kann.[18]

7. =Impulsivitt.= Forel fhrt diese unter den psychischen
Erscheinungen der Minderwertigen an.[19] Der sachverstndige
Irrenarzt hat auch zweifellos zunchst recht darin: impulsives, von
der Vernunft nicht beherrschtes Handeln ist sicherlich ein
Minderwertigkeitssymptom und oft die Ursache von Unglck. Anders
aber in Menschen, bei denen die Vernunft beim Impuls zugegen ist:
bei ihnen ist Impulsivitt ein Merkmal von Seelengre. Gerade die
Geistesgewaltigen fassen ihre Entschlsse rasch, augenblicklich. Bei
ihnen ist der Blick so klar, der Instinkt so gut entwickelt, da sie
kaum der berlegung bedrfen, um das Rechte zu sehen und zu tun. So
sind _die Ideen_ unter den Ideen und _die Taten_ unter den Taten
Kinder des Impulses und der Eingebung: nimmermehr wird das
Welterschtternde aus dem grbelnden Verstande herausgeqult! Aus
den Tiefen des Unbewuten zuckt ein Blitzstrahl durch das Bewutsein
eines Genius: die Idee ist geboren, die Tat beschlossen, der Weg
beleuchtet!

8. =Besonnenheit= ist nicht minder ein Kennzeichen der Geistesgre.
Gerade sie gestaltet die Impulsivitt zu einer Segenspenderin, was
diese ohne jene nicht ist.

9. =Naive Genialitt.= Naivitt kommt hnlich wie Impulsivitt auf zwei
verschieden hohen Stufen vor: einmal auf der kindlichen: dann beruht
sie auf Mangel an Erfahrung und berlegung; das andere Mal auf der der
Geistesgre: dann ist sie ein Zeichen geluterter Erkenntnisfhigkeit.
Naivitt, sagt Eisler, gehrt zu jedem wahren Genie.[20]

10. =Instinkt.= Zunchst die Definition: Eisler sagt: Instinkt ist
eine Art des Triebes, eine Regsamkeit des psychophysischen Organismus,
die, ohne Bewutsein (Wissen) des Endzieles eine zweckmige Handlung
(Bewegung) einleitet. Der Instinkt beruht auf einer Anlage des
Organismus, die als Produkt von Willens- und Triebbettigungen frherer
Generationen und der Vererbung jener aufzufassen ist.

Die Instinkte gelten bald als unbewute Intellekt- und
Willenshandlungen, bald als bloe Reflexbewegungen, sie werden bald
einer universalen Vernunft zugeschrieben, bald als Produkte
individueller Erfahrung und Gewohnheit, bald endlich als vererbte
mechanische Triebe und Dispositionen betrachtet. Im weiteren Sinne
heit >Instinkt< die >Sprkraft< des Geistes.[21]

_Ich unterscheide freie und feste Instinkte._ Erstere bestehen in
der unmittelbaren Eingebung und Leitung durch das Unbewute, letztere
zerfallen wieder in primre und sekundre: primre Instinkte sind
angeborene zufllige spontane Variationen, die im Laufe der
Geschlechter erhalten geblieben und fest geworden sind. Sekundre
Instinkte entstehen durch Engraphie, wenn im Laufe vieler Generationen
gewohnheitsmige Reaktionen, welche die Lebensverhltnisse in stets
gleicher Weise auszufhren zwangen, organisch einverleibt worden sind.

In diesem Zusammenhang meine ich mit Instinkt beim Menschen als
Kennzeichen der Geistesgre das unmittelbare Wissen um die Wahrheit,
das Rechte und Schne.

11. =Religiositt.= Es ist eine Tatsache, da die grten Mnner fast
alle ein religises Bewutsein irgendwelcher Art gehabt haben. Darum
mu Religiositt als ein Merkmal der Geistesgre verzeichnet werden,
weil die Erfahrung sie als solches aufzeigt.

So wird denn auch der Mensch der Zukunft nicht weniger, sondern mehr
religis sein als derjenige der Gegenwart.

12. _Schchternheit._ Ebenso ist es eine Tatsache, da dreistes,
sicheres Auftreten zwar oft den Handlungsreisenden, keineswegs aber
gewhnlich den Geistesgewaltigen auszeichnet. Freilich wird diese
anfngliche Schchternheit und Zurckhaltung, die er mit auf die Welt
bringt, spterhin dann berwunden und macht unbeugsamem
Selbstbewutsein Platz. Denn die Gre seiner Ideen senkt ihm nach
ihrem Durchbruch alsbald Selbstvertrauen in seine Seele nebst der Kraft
des Willens zu ihrer Ausfhrung.

13. _berschwenglichkeit._ Goethe sagte: Allein das berschwengliche
macht die Gre.

14. _Geniale Schpferkraft._ Das ist die hchste Fhigkeit des Menschen
berhaupt und rein auf den Mann beschrnkt. Das ist die Sprache der
Erfahrung der gesamten Menschheit. Da Frauen nur deswegen von der
Genialitt ausgeschlossen seien, weil sie bisher nicht gengende
Gelegenheit zur Bildung und Entfaltung ihrer geistigen Gaben gehabt
htten, ist leeres Gerede. Denn die Musik und Dichtkunst waren ihnen
von jeher zugnglich, und sie haben darin _nichts_ von Bedeutung
geleistet. Ferner hat man in den Vereinigten Staaten von Nordamerika
das gewaltige Experiment gemacht, den Frauen die gleichen
Voraussetzungen der Bildung und der geistigen Entfaltung zu verleihen
wie den Mnnern, ja, noch bessere, weil der Mann schon sehr frh vom
Geschftsleben absorbiert wird. Das Resultat aber hinsichtlich
geistiger Leistungen des Weibes in Amerika ist ein _Nichts_, eine
glatte Null! Ja, noch weit weniger: es zeigt sich eine bedeutende
Schwankung _unter die Nullinie_: die echte Amerikanerin ist klgelnder
Verstandesmensch geworden und hat dabei ihre spezifisch weiblichen
Tugenden, die der Selbstlosigkeit und Aufopferung fr Gatte und Kind,
des Mitgefhls, eingebt. Der Verstand aber ist ideenleer, kalt
berechnend, ohne jegliche Gre, auf den eigenen Vorteil bedacht. Man
vergleiche die Terminologie auf S. 26, um sich den Unterschied zwischen
Verstand und Vernunft, um welch letztere es sich also hier _nicht_
handelt, nochmals klar zu machen. Ferner empfehle ich die Lektre von
_Herricks_ neuem Roman Together,[22] in dem der scharf beobachtende
Verfasser eine sinnfllige Schilderung der modernen Amerikanerin gibt.

Dieses Experiment, das die Amerikaner am Menschen selber angestellt
haben, kann mit Recht als die Krnung der experimentellen
Forschungsmethode bezeichnet werden. Bereits ist der Zeitpunkt
herangekommen, wo das Experiment so weit gediehen ist, da der Forscher
dessen Resultate ablesen kann. Sie sind die eben erwhnten!------

_Ich definiere: Genie ist die Fhigkeit, groe neue Ideen von
bleibendem Werte zu finden und ihnen Form zu geben._ Dies ist die
allgemeinste und zugleich die bestimmteste Definition des Begriffs
Genie. Sie bezieht sich auf alle Arten von Genien. Immer handelt es
sich bei echtem Genie um jenes Zusammentreffen: Erfassung des
wertvollen Neuen und seine Gestaltung.

Die gestaltende Kraft ist einerseits das besondere Merkmal des
Knstlers und anderseits etwas sehr Charakteristisches am Genie
berhaupt. Doch gehrt bei ihm die bedeutende neue Idee dazu und mu
vorangehen. Demnach ist jeder Genius seinem Wesen nach auch Knstler:
die Gestaltungskraft _ist_ eben das Knstlerische an ihm. Doch ist
nicht jeder Knstler ein Genie: Gestaltungskraft macht den Knstler;
jedoch nur, wenn es Groes und Neues ist, das er formt, ist er ein
Genie. Wir mssen also hiernach Knstler im engeren und weiteren Sinne
unterscheiden: erstere werden ausgemacht von den Knstlern auf dem
Gebiete der eigentlichen Kunst, letztere von den Genien.

15. =Treue.=

16. =Aufrichtigkeit, Offenheit, Wahrheitsliebe.=

17. =Moralischer Mut.=

18. =Innere Freiheit.=


b) Die krperlichen Eigenschaften.

_Die krperlichen Merkmale, die der Auslese und Reinzucht unterworfen
werden sollen, sind Gesundheit und Schnheit._

Dabei bedeutet gesund nicht etwa robust und uerlich von Kraft
strotzend. Vielmehr ist eine gewisse Feinheit des Baues ein Zeichen der
Vollkommenheit. Gesundheit ist also hier im reinen Sinne des Wortes zu
nehmen, als Freiheit von Krankheiten und erblichen Nachteilen,
insbesondere hinsichtlich des letzteren Punktes von Tuberkulose,
Syphilis und Gehirnanomalien. Gesundheit mu in krperlicher Hinsicht
die Grundlage der Rassenzucht bilden.

Hinsichtlich der Schnheit des Krpers knnen in weitgehendem Mae die
Skulpturen der Griechen Anerkennung finden. Doch mu darauf aufmerksam
gemacht werden, da in den Gesichtern jener Statuen die Abwesenheit von
Charakterausdruck auffllt: die Griechen stellten die _reine_ Schnheit
als solche dar. Das erklrt jene Erscheinung. Demnach werden wir die
Gesichter ihrer Statuen nicht in allem als magebend ansehen knnen.
Die griechische Kunst ist ein _absoluter Idealismus_,[23] also
Idealismus des Schnen. Wir dagegen verlangen mit Recht im Gesicht des
Mannes auch den _Ausdruck_ des Charakters und der Geistesgre, wie ihn
ein scharfes Profil, feste Zge, hohe Stirn zuwege bringen, und wie er
sich tatschlich bei den groen Mnnern findet.[24]

Bei den Statuen von Frauen finden wir bei den Griechen, ebenso wie bei
denjenigen von Mnnern, das wohlbekannte griechische Profil: gerade
Nase, die sich unmittelbar in die gerade Stirnlinie fortsetzt. Zugleich
ist aber die _gerade_ Stirne nicht auch eine ganz _senkrechte_, sondern
neigt sich leicht zurck. In der Tat knnte das griechische Profil
nicht mit Schnheit in Einklang gebracht werden, wenn dies nicht so
wre. Denn bei _senkrechter_ Stirne wrde die Nase, wenn sie _nicht_
aus der Fortsetzung der Stirnlinie hervortreten soll, zu weit in das
Gesicht eingerckt werden mssen und daher dieses unschn erscheinen.
Betrachtet man aber moderne Frauen und Mdchen der weien Rassen, so
findet man fast allgemein, da sie eine ganz senkrecht emporsteigende
Stirne haben. Dabei tritt die Nase etwas hervor und verluft, auch wenn
sie selbst gerade ist, nicht genau in der Fortsetzung der Stirnlinie
wie bei den Skulpturen der Griechen. Diese _senkrechte_ Stirne aber
verleiht dem weiblichen Gesicht etwas Hoheitsvolles und Edles: sie ist
nichts anders als der sthetische Ausdruck des sittlich Reinen.
Biologisch wird sie zurckgefhrt auf das Stehenbleiben des weiblichen
Kopfes auf kindlicher Entwicklungsstufe.[25]

Beim Weibe werden wir also abweichend von den Griechen, zwar nicht wie
beim Manne scharfe Gesichtszge, wohl aber die senkrechte Stirn unter
Verzicht auf das rein griechische Profil verlangen. Denn die senkrechte
Stirnlinie deutet Charakter an, und zwar den mehr passiven Teil
desselben, die edle Gesinnung und Reinheit, whrend die scharfen
Gesichtszge beim Manne mehr die aktive Seite des Charakters, die
Energie und Willenskraft ausdrcken.

Wie einerseits die Erfahrung uns gezeigt hat, da die _grte geistige_
Hhe, das Genie, _nur_ beim Manne vorkommt, so lehrt sie nunmehr
anderseits, da die maximale Entfaltung von Krperschnheit auf das
Weib beschrnkt ist. Die Richtigkeit davon wird durch eine Reihe von
Tatsachen besttigt. So achten Mnner gegenseitig aneinander
Genialitt, Frauen aneinander Schnheit als die hchste Gabe ihres
eigenen Geschlechts. Umgekehrt fhlt sich der Mann am meisten von
Frauenschnheit, das Weib hauptschlich von hoher geistiger Begabung
des Mannes angezogen. Wenigstens gilt das Letztere fr hhere
Kulturvlker, whrend auf primitiveren Stufen krperliche Strke und
physischer Mut ihr am meisten imponieren. brigens entspricht auf
hherer Stufe die Kraft des Geistes derjenigen des Krpers auf
niederer.

Ferner kommt es allenthalben in Poesie, Kunst, Literatur und dem naiven
Bewutsein des Volkes zum Ausdruck, da die Menschen zu allen Zeiten
und an allen Orten das Weib als das Symbol der Schnheit schlechthin
betrachtet haben und es noch tun.

_Plo_ sagt, ber diesen Gegenstand: In _einer_ Hinsicht ist nun aber
allerdings das Weib dem Manne berlegen, nmlich in der _Schnheit der
ueren Krperform_. Nur wenige gibt es, die das bestreiten, z. B.
Schopenhauer, ... allein, auch dieser Vorzug des Geschlechts ist
ungemein ungleich auf die Weiber verteilt. Eine Annherung an das Ideal
weiblicher Schnheit, das wir uns unter dem Einflusse einer geluterten
sthetik gebildet haben, ist nur unter hchst gnstigen Verhltnissen
mglich.[26] Vom Genie beim Manne gilt das Entsprechende ja ebenso
sehr, oder noch mehr.

Unter Anfhrung von Arbeiten _Cordiers_ und _Ecksteins_ widerspricht
nun Plo der Annahme des Vorhandenseins allgemeiner Schnheitsgesetze.
Anders _Delauney_, den er dann nennt. Dieser behauptet, da es
allerdings allgemeine Schnheitsregeln gibt, sowohl fr die Menschen,
wie fr die Tiere; sie begrnden sich durch die von _Claude Bernard_
aufgestellten sogenannten organotropischen Gesetze, die in der
Entwicklung der Form eines jeden Organs gefunden werden; es gibt fr
jedes Organ ein Maximum der Entwicklung, welches die ihm eigene
Schnheit darstellt; und in betreff der Schnheit des ganzen
Individuums mssen die verschiedenen Organe in einer bestimmten
Beziehung und in einem gewissen Verhltnisse zueinander stehen.[27]

Die Schnheit des Weibes hngt auer von der Rasse auch etwas von ihrer
sozialen Stellung ab. Bei niederen Vlkern und in den unteren Schichten
der zivilisierten Nationen findet man sie seltener, bezw. weniger
entwickelt: In den >besseren< Teilen, sagt Plo, unter den gut
situierten Klassen der Bevlkerung erblicken wir fast berall auch
schnere edlere Gestaltung, nicht blo bei Mnnern, sondern namentlich
bei Frauen.[28] ... und so setzt sich oft in den mit Glcksgtern
hinreichend ausgestatteten Familien als Erbstck ein schnes und edles
Aussehen von Generation zu Generation fort.[29] Der Einflu der
Erblichkeit drfte hierbei zu gering veranschlagt sein. Doch haben
sicherlich die ueren Bedingungen, unter denen Menschen leben, einen
etwas umgestaltenden Einflu auf ihr Aussehen, wie es _Ranke_
hinsichtlich des Lngenwachstums fr die Nordamerikaner nachgewiesen
hat.[30]

Darwin fhrt die berlegene Frauenschnheit auf den Einflu der
geschlechtlichen Zuchtwahl zurck. Da die Frauen whrend langer
Perioden ihrer Schnheit wegen gewhlt worden seien, meint er, so sei
es nicht auffallend, da das Weib ihre Schnheit auch in grerem Mae
auf ihre weiblichen Nachkommen vererbt habe als auf die mnnlichen. So
seien denn die Frauen schner geworden als die Mnner.[31]

Die Mngel dieser Begrndung liegen auf der Hand. _Aus welchem Grunde_
zogen, um die Hauptsache zu erwhnen, die Mnner von jeher die
schneren Frauen vor? Wenn es wahr ist, was Eckstein sagt, nmlich da
Schnheit einfach ein Ausdruck von Zweckmigkeit und Gesundheit ist,
dann beantwortet sich die Frage von selbst, wie folgt: Die Mnner
kannten durch Instinkt und Erfahrung die Merkmale der Gesundheit und
der Zweckmigkeit fr die Ausbung des natrlichen Berufs der Frau.
Diese wren also identisch mit Schnheit. Ihnen entsprechend trafen
jene nun die Gattenwahl im Hinblick auf die bevorstehende Mutterschaft.

Auch _Stratz_ setzt Gesundheit und Schnheit einander gleich.[32]

Jedoch ist diese ebenso oberflchliche als gangbare Behauptung leicht
widerlegbar. Denn dasjenige an der spezifisch weiblichen Schnheit, was
zugleich fr die Leistungen der Frau als Mutter zweckmig ist,
beschrnkt sich auf die gute Entwicklung der Brste und des Beckens.
Nun werden freilich Mnner durch diese Krperteile, insbesondere durch
den Busen, sexuell angezogen. Jedoch zeigen sich darin immerhin nur die
primitivsten Triebe der Liebe.

Die hchsten uerungen weiblicher Schnheit haben nicht den geringsten
Zusammenhang mit Zweckmigkeit. Als solche verstehe ich: die Schnheit
und den Liebreiz des Gesichts, das prachtvolle Haar, die Zartheit der
Glieder, die Kleinheit der Hnde und Fe, die Rundung der Krperformen
durch die strkere Entwicklung des Unterhautfettgewebes als beim Mann,
das eigentmlich feine Inkarnat, die Schnheit der Bewegungen und der
Stimme. Dennoch ist all das zweifellos auch unter dem Einflu der
Zuchtwahl entwickelt worden.

Ebensowenig wie Zweckmigkeit ist Gesundheit die alleinige Grundlage
der Schnheit: Chinesen und Neger knnen hervorragend gesund sein.
Dennoch mangeln ihnen alle Merkmale fortgeschrittener Schnheit.
Demnach: Schnheit umfat Gesundheit dem _Begriffe_ nach -- nicht
immer im Einzelfall --, Gesundheit aber nicht umgekehrt Schnheit,
nicht nur nicht in der Erfahrung, sondern auch nicht dem Begriffe nach.

Es bleibt also nur die Annahme brig, da die Mnner von vornherein im
Geiste das Ideal weiblicher Schnheit, wenn auch zum grten Teil
zunchst unbewut, besaen und ihm gem ihre Wahl, getrieben durch den
Instinkt, trafen. _Dann aber ist Schnheit etwas durchaus Objektives,
eine Idee an sich._ Zur Sttzung dieses Resultats meiner berlegung
fhre ich einige Ansichten von Philosophen an[33]:

Nach Chr. Krause ist Schnheit die >reine, klare und lebensvolle
Gotthnlichkeit endlicher Naturen an ihrer Endlichkeit<. >Die Urquelle
aller Schnheit ist Gott selbst und seine Kraft, in der alle Dinge sich
regen.< (Urb. d. Menschheit, 3, S. 41). Nach Zeising ist die Schnheit
oder die Idee der Anschauung >die als _erscheinend_ aufgefate
Vollkommenheit<. (sthet. Forsch. S. 181.) J. H. Fichte erklrt:
>Alles Schne beruht ... auf der _inneren Zusammenstimmung_
(>Harmonie<) einer Mannigfaltigkeit von Teilen, durch welche
die Teile zu einem geschlossenen _Ganzen_ werden.< (Psychol. I,
S. 697). V. Cousin bemerkt: >Le sentiment du beau est sa propre
satisfaction  lui-mme< (Du Vrai, p. 141 ff.). Die Schnheit ist ein
Ausdruck der geistigen und sittlichen Vollkommenheit (vergl. d.
Arbeiten von Chaignet und L'Evque).

Das Wesen des Schnen liegt in der Harmonie, und zwar in einer Harmonie
zweifacher Art: 1. in der Harmonie des Wahrnehmbaren unter sich, also
Harmonie in Formen, Farben, Tnen und Bewegungen, und 2. in der
Harmonie zwischen Form und Inhalt, also der harmonischen Abstimmung des
Wahrnehmbaren auf seinen (geistigen) Inhalt. Die Schnheit des Menschen
ist also die harmonische Abstimmung der Krperteile (hinsichtlich
Formen und Farben) aufeinander und auf den Geist. Vollstndige
Harmonie zwischen Geist und Krper ist Vollkommenheit -- doch nur unter
der Voraussetzung, da der _Geist_ als solcher schon vollkommen ist.
Die Lust an solcher Harmonie ist Lust an der Vollkommenheit. Streben
nach Vollkommenheit bedeutet demnach Streben nach Harmonie zwischen
Geist und Krper als Inhalt und Form. Der hchste Inhalt des Menschen,
sein Geist, gegossen in die ihm angemessenste Form des Krpers: das ist
das vollkommene Menschheitsideal. Der sichtbare Teil davon ist die dem
Inhalt entsprechende Form, der Leib, der eben bei solcher Erfllung
seiner Bestimmung sthetische Lust erzeugt. _Das_ ist in wenigen Worten
die Wahrheit ber die Schnheit des Menschen, und nicht jene flache
Auffassung, die sie als bloes Ntzlichkeitsprodukt aus dem Kampf ums
Dasein hinstellen mchte!------

Das Weib ist es nun, wie wir schon sahen, welche die maximale Schnheit
vertritt. Das schne Weib erregt in geistig hochentwickelten Mnnern
uninteressiertes Wohlgefallen an ihrer Schnheit als solcher. Dies ist
insbesondere auch beim Knstler der Fall.------

Stratz gelangt zu einem Kanon der Schnheit durch Abzug alles ihr
Widersprechenden. Er sagt: Um lebende weibliche Schnheit objektiv zu
beurteilen, mu man auf negativem Wege vorgehen: die Fehler
ausmerzen.[34] Jedoch ist es klar, da das zum mindesten den
unbewuten geistigen Besitz des Schnheitsideals seitens des
Urteilenden schon voraussetzt. Denn, wie htte er sonst ein Kriterium
fr das Fehlerhafte?

Doch hier interessiert uns nur die Tatsache, da Stratz auf diesem Wege
zu einem Kanon objektiver Schnheitsmerkmale gelangt, die er am
Schlusse seines Werkes in einer Tabelle zusammenfat.[35]------

Die _bereinstimmung der verschiedenen Vlker_ in ihrer Beurteilung
idealer Frauenschnheit scheint vorwiegend die _Farbe_ zu betreffen.

Wir mssen zwei Arten von sthetischen Wirkungen unterscheiden: solche
durch Harmonie und solche durch Kontrast. Schnheit durch Harmonie wird
am vollendetsten von der _Blondine_ dargestellt. In ihr erblickt auch
Stratz, wenn ich ihn recht verstehe, den Typus maximaler
Frauenschnheit; denn er sagt: Da starke Pigmentanhufung ein
gemeinschaftliches Merkmal niedrig stehender Rassen ist, so kann man im
allgemeinen blondes Haupthaar als einen Vorzug betrachten, und
namentlich bei der Frau, bei der durch den schwcheren Gegensatz von
Blond und Wei die Harmonie der zarten Bildung erhht wird.[36] Der
Reiz der hellen Farben, Wei, Rosig, Hellblau und Blond, dem zarteren
Krper des Weibes eigen, wirkt an und fr sich schon so mchtig, da er
vielen gleichbedeutend mit Schnheit ist.[37]

In der englischen Sprache ist fair, blond, fr Frauen gleichbedeutend
mit schn.

Die Kontrastwirkung kommt zustande durch helle Haut und dunkle Haar-
und Augenfarbe: Eine brnette Haut, sagt Stratz, ist mit den dunklen
Augen und Haaren zusammengestimmt und wirkt durch Abtnung ebenso
harmonisch wie die weie Haut mit blondem Haar und hellen Augen. Bei
Zusammenstellung der weien Haut mit schwarzem Haar werden aber durch
den Kontrast die Vorzge beider Teile noch lebhafter sprechen.[38]

Wie wir oben fanden, _ist_ Schnheit Harmonie schlechthin, unter der
_Voraussetzung_ eines an sich vollkommenen Inhalts, der die Abstimmung
des uern auf ihn zu einem Wert erhebt! Ohne diese Voraussetzung
macht Harmonie noch keine Schnheit aus. Der Kontrast ist also mit der
Harmonie nicht als etwas Ebenbrtiges mebar, sondern nur eine Methode
der Erzielung von Wirkung auf das sthetische Gefhl. Auch handelt es
sich nicht um schne Haut, Augen, Haare als Einzeldinge, sondern um die
Schnheit des ganzen menschlichen Krpers. Es ist also unstatthaft zu
sagen, da eine helle Haut nebst dunklen Haaren die Schnheit der
einzelnen Teile hervorhebe: denn nach diesem Grundsatz mte eine
blonde Negerin ebenso schn sein (hinsichtlich Farbenwirkung) als eine
schwarzhaarige Europerin mit weier Haut: der Kontrast wre in beiden
Fllen der gleiche und wrde die Vorzge beider Teile hervortreten
lassen, nmlich in diesem Beispiel der blonden Haare und der schwarzen
Haut der so vorgestellten Negerin.

Ferner mte nach dem andern Beispiel von Stratz betreffend die
Harmonie bei der Brnetten eine Frau von vollkommenen Formen, aber mit
schwarzer Haut, schwarzen Haaren und Augen ebenfalls schn sein. Denn
Harmonie wre auch hier vorhanden. Offenbar wrden wir jene aber der
Blondine mit der _ihr_ eigentmlichen Harmonie nicht an die Seite
setzen. Warum nicht? Erstens, weil die hellen Farben der Blondine auf
den Inhalt des Menschen, seinen Geist, der als Lichtgestalt
vorgestellt wird, wenn man an einen wirklich edlen und hoheitsvollen
Charakter und Helden denkt, harmonisch abgestimmt sind. Zweitens, weil
die bei der Blondine in Frage kommenden Farben wei, blau und golden an
sich schner sind als die Farben braun und schwarz. Drittens, weil blau
und gelb annhernd sogenannte Komplementrfarben sind, die immer
Wohlgefallen erregen, weil sie zusammen passen (psychologisch: sich zu
wei ergnzen). Viertens, weil die genannten drei Farben auerdem noch
harmonisch zueinander passen. Der blonde Typ ist also als solcher
derjenige grter menschlicher Vollkommenheit, den wir kennen,
vielleicht, den es berhaupt geben _kann_.

Einige Stellen aus _Havelock Ellis_ mgen nun das noch weiter
bekrftigen. Auch sie beziehen sich vorwiegend auf die Proklamierung
der Blondheit als des am meisten auffallenden objektiven
Schnheitskennzeichens. Ellis schreibt:[39]

Renier hat das Frauenideal der provenalischen Troubadoure untersucht:
>Sie vermeiden jede Beschreibung der weiblichen Form; ihre
Beobachtungen beziehen sich zumeist auf die schlanke, gerade, frische
Erscheinung des Krpers, auf weie und rosige Farbe. Auch die Augen
werden viel gepriesen; sie sind s, liebevoll, hell, lchelnd und
heiter. Ihre Farbe wird nie erwhnt. Der Mund lacht, ist karminrot, und
wenn er bei sem Lcheln die weien Zhne zeigt, lockt er zur Wonne
des Kusses. Das Gesicht ist klar und frisch, die Haut wei, das Haar
stets blond. Vom brigen Krper ist selten die Rede.<

Ebenso sei nach _Rowbothams_ Schilderung des konventionellen Ideals der
Troubadoure die Dame stets von milchweier Haut weier und frischer
als frischgefallener Schnee, von einer besonderen Reinheit des Weien.
Ihr fast immer mit Blumen geschmcktes Haar ist stets flachsfarben,
seidenweich, vom Glanze feinsten Goldes schimmernd.

In den ltesten spanischen (!) Romanzen ist nach Ellis das Haar >von
reinem Golde< oder einfach blond ..., das Gesicht wei und rosig, die
Hnde wei ....

Er gibt ferner an, da Alwin Schultz das Ideal der deutschen Dichter
des XII. und XIII. Jahrhunderts folgendermaen schildert: Sie mu
mittelgro und schlank sein, ihr Haar blond wie Gold ... Dunkles Haar
finde keine Bewunderung. Die Augen mten hell, gewhnlich blau, die
Haut solle wei, bezw. zart rosig sein.

Adam de la Halle aus Artois schildert nach unserm Gewhrsmann in einem
Gedicht aus dem XIII. Jahrhundert seine Geliebte als goldhaarig,
schwarzugig. Das sind nur einige der in der genannten Quelle
angefhrten Schilderungen, die auf die Hervorhebung der Blondheit und
ihrer Attribute als des Ideals der Frauenschnheit ausgehen.

Ferner betonen nach Ellis die _italienischen_ Dichter den Vorzug des
blonden Haares.

Johanna von Aragonien, die schnste Frau des 16. Jahrhunderts, hatte
nach der Beschreibung ihres Arztes Niphus, des Philosophen am
ppstlichen Hofe und Freundes Leos X., langes goldiges Haar und blaue
Augen, rosig-weien Teint.

Gabriel de Minuts Geliebte hatte trotz ihrer sdlichen Heimat blondes
Haar und blaue Augen. Die Beschreibung stammt aus dem Jahre 1587.

Die griechischen Knstler vergoldeten das Haar ihrer Statuen. Gtter
und Menschen sind bei Homer oft blond: Venus ist es fast immer.

Ellis fhrt dann fort: Es ist interessant, da die Musterung der
weiblichen Schnheitsideale in vielen verschiedenen Lndern zeigt, da
sie alle Merkmale enthalten, welche dem sthetischen Gefhle des
modernen Europers entsprechen, und viele dieser Ideale enthalten kein
Merkmal, das mit unserm Geschmacke ganz unvereinbar wre.

Da die Schnheit ein Element der Objektivitt enthlt, ergibt sich
auch daraus, da Mnner niederer Rasse manchmal europische Frauen
schner finden als die ihres eigenen Stammes. Wahrscheinlich ist unter
den geistig und somit auch sthetisch am meisten entwickelten
Individuen niederer Rasse diese Vorliebe fr weie Frauen zumeist zu
finden.

_Nach allem: Menschliche Schnheit, gemessen am Weibe, weil diese sie
in maximalem Betrage besitzt, ist objektiv. Das allgemeinste Merkmal
dieser Objektivitt der Schnheit ist die Blondheit mit ihren
Attributen der weien Haut und blauen Augen._


c) Die Auserlesenen.

Nach diesem berblick ber die wertvollsten geistigen und krperlichen
Eigenschaften des Menschen bleibt es mir noch brig, im Zusammenhang
kurz den Gesamthabitus des fr die Auslese und Reinzucht tauglichen
Mannes und Weibes zu schildern. Das kann natrlich nur in groen
allgemeinen Umrissen geschehen und unter Leitung folgender
Gesichtspunkte, die im Vorhergehenden aufgefunden worden sind:

Die _hchsten geistigen_ Eigenschaften sind dem Manne zugeteilt worden.
Bei der Beurteilung der geistigen Merkmale werde ich daher vom Manne
ausgehen; denn ich kann sie nur bei ihm in vollkommenster Entfaltung
sehen.

Die _hchste krperliche_ Eigenschaft dagegen, Schnheit, ist dem Weibe
zugefallen. Hinsichtlich des Schnheitsideals werde ich also aus dem
entsprechenden Grunde wie oben mich am Weibe orientieren.

Wir werden also auch bei der _Auslese_ der Tchtigsten natrlich vom
Manne die hchsten geistigen Eigenschaften und von der Frau die grte
Schnheit verlangen.

Allein, sowohl in geistiger, als auch in leiblicher Beziehung gibt es
je einen Faktor, der an praktischer Bedeutung alle andern berragt. Auf
diese beiden Faktoren werde ich daher bei _beiden_ Geschlechtern den
gleichen Wert legen und auerdem ihr Vorhandensein als eine der
Mindestforderungen aussprechen, die erfllt sein mssen, um einen
Menschen noch als zur Auslese geeignet erscheinen zu lassen.

Dieser _geistige_ Faktor ist der _Charakter_ (Wille, Gesinnung): er
_ist der Kern des Menschen berhaupt, seine Seele_. Es unterliegt zwar
keinem Zweifel, da er in vollendetster Ausprgung beim Manne vorkommt;
doch ist der Unterschied gegenber dem Weibe bedeutend geringer als
derjenige hinsichtlich der brigen Geistesgaben. Es gibt
erfahrungsgem auch Frauen von auerordentlicher Seelengre.
Deswegen, und weil der Charakter den Kern _jedes_ Menschen bildet, ist
es besser, ber jenen kleinen Unterschied hinwegzusehen und bei beiden
Geschlechtern die hchsten Anforderungen an den Charakter zu stellen.

Jener oben genannte _krperliche_ Faktor ist Gesundheit. Sie ist die
leibliche Grundlage aller menschlichen Vervollkommnung.

_Vorzglichkeit des Charakters und Gesundheit sind also unerlliche
Bedingungen der Zulassung zur Auslese und Reinzucht._

Im brigen werden die Merkmale der Geistesgre, die beim Manne
gefunden worden sind, auch als Mastab fr das Weib genommen; jedoch
wird bei ihr nicht das Hchste hierin verlangt. Ebenso werden die
Kennzeichen der Schnheit des Weibes fr den Mann zugrunde gelegt, doch
auch wieder in untergeordneter Weise.

_Demnach_: Bei Mann und Weib stehen Charakter und Gesundheit im
Mittelpunkt; beim Mann kommt dann zunchst noch sonstige Geistesgre,
beim Weib Schnheit in Betracht.

Die bertragung der Merkmale des einen Geschlechts auf das andere gilt
nach allem Vorausgegangenen sinngem und nur bedingt und allgemein,
nicht im besondern.

_Das Idealbild des Mannes_ wre etwa folgendes: Schlanke, ziemlich
hochgewachsene Gestalt, hohe Stirn, schmales Gesicht, scharfes Profil,
ernster Gesichtsausdruck. Haare blond; doch tritt das hier etwas in den
Hintergrund. Charakterstrke, Gte, Idealismus, Altruismus,
Wahrheitsliebe, moralischer Mut, Intelligenz, Genialitt, sthetisches
Gefhl, Gesundheit.

Zur Erluterung mu ich hier nochmals auf den schon genannten Aufsatz
von O. Hauser verweisen: Der physische Typus des Genies des
Altertums. Hauser zeigt darin an der Hand der Beschreibung einer
groen Anzahl berhmter Mnner aus dem Altertum, da die hohe, schlanke
Gestalt, Blondheit und das scharfe Profil mit der groen, zumeist
gebogenen Nase das charakteristische Aussehen der Groen bilden.

_Das Idealbild des Weibes_ wre etwa dieses: Schlanke, ziemlich hohe
Gestalt, schmales Gesicht, gerade und senkrechte Stirn, deutliches,
aber regelmiges Profil, Anmut, Blondheit oder Annherung an sie. Gte
und Reinheit des Charakters, Wahrheitsliebe, Altruismus, Intelligenz,
moralischer Mut, sthetisches Gefhl, Gesundheit.

Alle Vervollkommnung findet nicht pltzlich, sondern durch Entwicklung
statt. Demnach knnen wir zunchst nicht die _hchsten_ Eigenschaften
des Geistes und Krpers, also nicht Genie und grte Schnheit, als
unerlliche Attribute derjenigen, die der Auslese und Reinzucht als
Material dienen sollen, verlangen, sondern mssen mit Bescheidenerem
zufrieden sein. Wie schon erwhnt, sollen daher ein vorzglicher
Charakter und Gesundheit das Mindestma des Notwendigen sein. Doch mu
selbstverstndlich krperliche Wohlgestalt, wenn auch nicht eigentliche
Schnheit, ebenfalls dabei sein, also eine schlanke, gut gebaute,
nicht zu kleine Statur, sowie ein Kopf und Gesicht, welche die im
Vorstehenden angegebenen Merkmale der Rasse noch deutlich erkennen
lassen.


d) Das Organ des Geistes.

Das Organ des Geistes ist das Gehirn. Von seiner Beschaffenheit hngen
daher offenbar auch die geistigen und Charaktereigenschaften ab, die
bei der Reinzucht der Vollkommensten ausgelesen und gesteigert werden
sollen. Wir mssen daher der Betrachtung des Gehirns noch einen
besonderen Abschnitt widmen.

Ploetz kommt zu dem Schlusse, da weder die Zunahme der
durchschnittlichen Lebensdauer, noch die Vergleichung von Schdeln der
jetzigen und frheren Geschlechter die Frage entscheiden lt, ob wir
uns seit dem Altertum vervollkommnet haben oder nicht. Die Zunahme der
Lebensdauer ist eine tatschliche. Aber sie ist fr die Beantwortung
der Frage nicht verwertbar, weil man nicht entscheiden kann, ob sie aus
gesteigerter konstitutioneller Kraft des Menschen oder aus
Erleichterung der ueren Bedingungen des Daseins herzuleiten ist.

Nach den vergleichenden Messungen zu urteilen, scheint eine
Vergrerung des Gehirns stattgefunden zu haben. Doch sind die
Statistiken aus verschiedenen Grnden, namentlich auch wegen des zu
geringen Zahlenmaterials, nicht endgltig beweisend. Ferner darf man
Zunahme des Hirngewichts nicht ohne weiteres mit Steigerung der Gte
gleichsetzen. Doch sprechen viele Tatsachen dafr, da beides in
weitgehendem Mae zusammenfllt. So ist das Wachstum des Gehirns durch
die Tierreihe hindurch bis zum Menschen die aufflligste Erscheinung
der ganzen Entwicklungsgeschichte. Im hheren Alter nehmen beim
Menschen Volum und Gewicht des Gehirns ab und Hand in Hand damit auch
seine geistigen Krfte. Sehr hervorragende Mnner haben oft besonders
groe Gehirne gehabt. Endlich hat man keinen Fall auffinden knnen, in
dem ein auergewhnlich hochstehender Mensch ein besonders kleines
Gehirn besessen htte.

Da die geistige Hhe nicht _nur_ von der Masse des Gehirns, sondern
auch von seiner sonstigen Beschaffenheit abhngt, ist ja Tatsache.
Anzahl und Tiefe der Furchen spielen eine groe Rolle, weil von ihnen
die Gre der _Oberflche_ des Grohirns abhngt, und weil hier der
Sitz der hchsten geistigen Fhigkeiten ist.

Die vergleichenden Messungen machen nun, wie schon erwhnt, eine
Zunahme der Hirngre, namentlich im Stirnteil, wahrscheinlich.[40]

Das weibliche Gehirn ist durchschnittlich etwas kleiner als das des
Mannes. _Browne_ fand, da das mnnliche Gehirn 29,71 Gramm mehr wiegt
als das weibliche. Dabei hatte er den Anteil in Abzug gebracht, der auf
den Unterschied der Krpergre zu setzen ist, wodurch bewiesen wird,
da der Unterschied nicht nur ein relativer, sondern ein absoluter
ist.[41] Dieser Unterschied tritt nach _Rdinger_ schon whrend des
Lebens im Mutterleibe auf. Er sagt: Alle drei Hauptdurchmesser des
Gehirns sind bei neugeborenen Knaben grer als bei Mdchen ...[42]
Auch die Windungen sind bei weiblichen Gehirnen whrend des Lebens im
Mutterleib bedeutend einfacher als bei mnnlichen; der ganze
Stirnlappen macht daher bei Mdchen den Eindruck der Gltte oder
Nacktheit. Trotz vieler individueller Ausnahmen, fhrt Rdinger fort,
welchen man sorgfltigere Bercksichtigung zuteil werden lassen mu,
kann man die Tatsache, _da ganz verschiedene typische Bildungsgesetze
fr die Grohirnwindungen der beiden Geschlechter bestehen und schon im
ftalen Leben sich geltend machen, nicht bestreiten_.[43]

Sehr bemerkenswert sind die Resultate, zu denen J. Ranke gelangt. Sie
beziehen sich auf die altbayerische Landbevlkerung. Nach ihnen ist
hier das Gehirnvolumen bei den Frauen im Verhltnis zu _ihrer_
Krpergre relativ etwas grer als beim Manne bezglich der seinigen.
Jedoch kommt es bei Mnnern hufiger vor, da die Hirngre den
Mittelwert berragt, als da sie hinter diesem zurckbleibt. Anders bei
den Frauen: bei ihnen besteht eine Neigung zum Zurckbleiben hinter dem
Mittelwert. Ranke sagt: Das psychische Organ der Mnner zeigt also
vorwiegend eine das Mittelma bersteigende Entwicklung, und die Zahl
besonders mchtig entwickelter Gehirne ist relativ viel grer als bei
Frauen.[44]

Ranke findet nun einen Zusammenhang zwischen diesen anatomischen
Unterschieden und den geistigen Leistungen der beiden Geschlechter:
beim weiblichen Gehirn sind sie fr das Durchschnittsweib etwas hher
als diejenigen des mnnlichen Gehirns fr den Durchschnittsmann.[45]

Browne untersuchte das _spezifische Gewicht_ der Marksubstanz des
Gehirns an verschiedenen Stellen und fand es berall bei beiden
Geschlechtern gleich, nmlich 1044. Das spezifische Gewicht der grauen
Hirnrinde aber, in welcher man den Sitz des Bewutseins zu suchen
hat, betrug bei Mnnern 1036-1037 (letzteres in den Stirnwindungen),
bei Frauen berall nur 1034.[46]

Plo schliet mit folgenden Stzen: Jedenfalls scheinen uns die bisher
aufgefundenen Differenzen wichtig und charakteristisch genug, um auch
den eifrigsten Verfechter der Frauenemanzipation aus dem Felde schlagen
zu knnen, besonders da, wie Rdinger gezeigt hat, diese Unterschiede
angeborene und nicht erst im spteren Leben erworbene sind.[47]

In Vorstehendem haben wir die anatomische Erklrung fr die
Erfahrungstatsache, da die hchsten Geistesgaben nur beim Manne
vorkommen.------

_Da es sich fr uns um Weiterentwicklung des Menschen handelt, so
mssen wir unsere Aufmerksamkeit nunmehr der Frage zuwenden, wie
dieser Fortschritt im Geistesleben und am Gehirn statthaben knnte._

Es mu sich um Hherentwicklung der _Vernunft_ als des Inbegriffs des
hheren Geisteslebens in allen seinen drei Sphren handeln. (S. die
terminologische Auseinandersetzung auf S. 26). Anatomisch mu eine
weitere Entwicklung der Grohirnrinde dem zugrunde gelegt werden. In
ihr haben wir also die anatomischen Bedingungen fr den Fortschritt der
Menschheit zu hheren und edleren Formen des Daseins zu suchen.

Von diesen berlegungen ausgehend bin ich zu der berzeugung gelangt,
da einige Bemerkungen, die _Schleich_[48] ber die mutmaliche
Weiterentwicklung des Grohirns gemacht hat, manches Richtige
enthalten. Er geht von der Beobachtung aus, da das Grohirn sowohl fr
das unbewaffnete Auge, als auch unter dem Mikroskop den Eindruck der
Unfertigkeit und Neuheit hervorruft gegenber den andern
stammesgeschichtlich viel lteren Teilen des Zentralnervensystems. Auch
seiner Beschaffenheit nach ist es viel weicher, breiartiger als
letztere. Nun sind die Ttigkeiten der lteren, festeren Abschnitte
automatische, unbewute: sie gehen mit der Unfehlbarkeit und Sicherheit
von statten, die uns im allgemeinen alle automatischen Funktionen
zeigen. Ganz anders verhlt es sich mit den Ttigkeiten des
Bewutseins, die an die jngsten, obersten Teile des Grohirns geknpft
sind: namentlich in unserm Denken und Erkennen irren wir fortwhrend.

Schleich nimmt nun in Anlehnung an den englischen Philosophen H.
_Spencer_ an, da es jeweils nur die jngsten, in der Entwicklungsreihe
also am weitesten vorgeschobenen Teile des Nervensystems sind, deren
Ttigkeiten mit _Bewutsein_ verknpft sind. Nach dieser Theorie waren
diejenigen Funktionen, die jetzt in uns und den hheren Tieren
unbewut, selbstttig, geworden sind, einst auch mit Bewutsein
verbunden: auch sie muten mhsam erlernt werden, ebenso wie wir jetzt
innerhalb der Sphre der uns bewuten Lebensuerungen lernend, bend,
prfend und tastend vorgehen. Das Riechen, die Atmung, die
Herzttigkeit, die Verdauung usw. htten also nach Spencers Ansicht
einst in der stammesgeschichtlichen Kindheit der Organismenreihe unter
der Leitung des Bewutseins erlernt werden mssen.

Dieser Ansicht trete ich nun allerdings nur sehr bedingt bei: im
allgemeinen stimme ich vielmehr James zu, der annimmt, da die
Reflexbewegungen zufllige angeborene Idiosynkrasien, die wegen ihrer
Ntzlichkeit im Kampf ums Dasein erhalten blieben, sind. Sie fallen
unter die Rubrik meiner primren Instinkte. Auer diesen mgen in
geringerem Grade auch bungsresultate im Laufe langer Zeiten
automatisch geworden sein. Sie bilden dann meine sekundren
Instinkte. Die Auslese der spontan entstandenen Reflexhandlungen halte
ich jedoch fr das Wichtigere.

Schleich glaubt ferner, da die Entwicklung des Grohirns in dem Sinne
fortschreiten wird, da auch unsere hheren geistigen Ttigkeiten einst
unbewut und automatisch sein werden, ebenso wie es jetzt die niederen
sind, die von den lteren Hirnteilen abhngen. Unser Denken und Handeln
wrde dann mit der Raschheit und Sicherheit selbstttiger Vorgnge
stattfinden.

Freilich darf der Schlu nicht gemacht werden, da das Bewutsein
_nichts_ anders ist, als der in der Entwicklung am weitesten
vorgeschobene, in Differenzierung begriffene Teil des nervsen
Apparates berhaupt ...[49] Wir werden vielmehr unten sehen, da
Bewutsein etwas Besonderes ist.

Abgesehen von diesen Punkten aber scheint mir Schleichs Ansicht richtig
zu sein und mit dem bereinzustimmen, was wir nach dem bisherigen Gang
der Entwicklung erwarten mten. Das ist folgendes: 1. Die Entwicklung
wird vorwiegend nach der geistigen Seite fortschreiten. 2. Dies mu von
der Organisation der Hirnrinde abhngig sein, in der also eine
Verbesserung zu erwarten ist. 3. Der Fortschritt mu seinen Ausdruck
finden in der Gewinnung grerer Sicherheit und Leichtigkeit im Denken
und Handeln seitens der Menschen.

Bringen wir nun diese anatomischen berlegungen mit der _Psychologie_
in Einklang, so ergibt sich etwa folgendes: Unser Bewutsein besteht
aus einem ununterbrochenen Flu von Vorstellungen, Gefhlen und
Strebungen, welch letztere beide den Vorstellungen angegliedert sind.
Da jede Hauptvorstellung stets durch Verschmelzungen und Assoziationen
von einem Kranz anderer Vorstellungen umgeben ist, der _ganze_ Komplex
jeweils das Bewutsein ausmacht und dieser ganze Komplex ein
fortwhrend sich verndernder ist, so gleicht unser Bewutsein von der
Wiege bis zum Grabe einem ununterbrochenen Flusse, in dem das einmal
Vorbergestrmte niemals zurckkehrt. Denn nie ist der Komplex als
Ganzes wieder der gleiche, der er frher einmal war; der _ganze_
Komplex aber macht das Bewutsein aus. Niemals treten einzelne
Vorstellungen, z. B. bei der Erinnerung, ins Bewutsein; sie haben
immer ihren Kranz zugeordneter Vorstellungen um sich, und dieser
wechselt ununterbrochen.[50]

Vorstellungen bilden die _Unterlage der Erkenntnis_: _sie_ sind also
das _Material_ des Erkenntnisaktes. Die Auenwelt ist uns ebenso wie
die Erinnerung zunchst als Vorstellung gegeben. Vorstellungen sind
aber noch keine Erkenntnis. Erst durch ihre Verarbeitung entsteht
letztere. Ein _Interesse_ besitzen wir jedoch nur an der Erkenntnis
selbst, whrend die Vorstellungen als solche nichts anders bedeuten als
eine Belstigung unseres Bewutseins.

Bei der Wahrnehmung von Gegenstnden zeigt sich nun der Idealvorgang
der Gewinnung von Erkenntnis: denn in demselben Augenblick, in dem uns
unsere Sinnesorgane die Empfindungen oder Vorstellungen bergeben,
haben wir auch schon die _Erkenntnis_ des Gegenstands. Die
_Vorstellung_ der Auenwelt und das _Wahrnehmungsurteil_ fallen also
zusammen; die _Erkenntnis_ aber liegt in letzterem. Daher
definiert auch _Hfler_, dem ich mich anschliee: Wahrnehmung =
Wahrnehmungsvorstellung + Wahrnehmungsurteil.[51] Auf der niedersten
Stufe der Denkttigkeit ist also der _vollkommene_ Vorgang bereits
erreicht: niemandem bereitet die Beurteilung und Erkenntnis der
Gegenstnde irgendwelche Schwierigkeit, sobald ihm einmal die
zugehrigen Empfindungen, bezw. Vorstellungen gegeben sind. Zum
Verstndnis trage ich hier nach, da ich auch diesbezglich die
Terminologie Hflers annehme, der definiert: Empfindungen sind
Wahrnehmungsvorstellungen von mglichst einfachem, physischem
Inhalte.[52] Deswegen setze ich also auch statt Empfindungen
Vorstellungen.

Bei den _hheren_ Graden des Denkens ist aber der Idealvorgang des
Erkennens noch lange nicht erreicht. Hierbei _stren_ uns vielmehr
folgende zwei Umstnde: 1. Nicht nur _der_ Vorstellungskomplex befindet
sich in unserm Bewutsein, der fr die zu gewinnende Erkenntnis
wertvoll ist, sondern auerdem sind uns noch eine grere oder
geringere Menge _anderer_ Vorstellungen bewut, welche jenem assoziiert
sind, aber mit dem Erkenntnisakt nicht zusammenhngen, sondern ihn
erschweren. Bei Neurasthenikern kann das auerordentlich hohe Grade
erreichen und sie zum Denken nahezu unfhig machen. 2. Es liegt ein
_Widerstand_ zwischen Vorstellung und Erkenntnis, der erst berwunden
werden mu. Beim hheren und fortgeschritteneren Denken folgt die
Erkenntnis, das Urteil, nicht sofort, blitzartig, automatisch auf das
Denkmaterial, die Vorstellungen, wie es bei der Wahrnehmung der Fall
ist. Dort bedarf es vielmehr einer gewissen Anstrengung. Die _geniale
Intuition_, die ja ebenso automatisch und blitzartig erfolgt wie das
Wahrnehmungsurteil, ist nichts anders als dieselbe Vollkommenheit auf
der Stufe der hheren Denkttigkeit. Whrend aber bei der Wahrnehmung
Sicherheit und Verla besteht, ist dies bei der genialen Intuition
nicht der Fall: sie kommt bisweilen und ein andermal wieder nicht und
ist berhaupt nur bei einzelnen besonders hoch konstruierten Gehirnen
vorhanden. Im brigen qult sich der Mensch mhsam von Erkenntnis zu
Erkenntnis durch.

Zu allem kommt noch die Qual, den der _Unlustanteil_ des im Bewutsein
befindlichen Vorstellungskomplexes bedingt: im Anschlu an eine
richtige Erkenntnis steigt ein ganzer Komplex von durch Assoziation
damit zusammenhngenden Vorstellungen in unser Bewutsein auf. Ein Teil
davon ist mit Lust -- ein anderer mit Unlust betont. Durch letzteren
entstehen teils ntzliche Warnungen; aber teils bringt er auch
unntigen Kummer und unberechtigte Sorge. Wiederum ist es der
Neurastheniker, bei dem das die hchsten Grade erreicht. Aber beim
Gesunden ist es mehr oder weniger auch vorhanden. Alle unsere
Lebenserinnerungen bestehen, wie _Wundt_ sagt, aus Dichtung und
Wahrheit: Unsere Erinnerungsbilder wandeln sich unter dem Einflu
unserer Gefhle und unseres Willens in Phantasiebilder um, ber deren
hnlichkeit mit der erlebten Wirklichkeit wir meist uns selbst
tuschen.[53]------

Wir mssen zwischen Bewutsein schlechthin und dem Sich-Bewutwerden
eines Vorgangs unterscheiden. Das letztere macht das dem Menschen
eigentmliche Bewutsein aus, wie ich zum Verstndnis vorweg betonen
will. Daher will ich zum Unterschied das _erstere_ mit dem
Kunstausdruck _Bewutsein an sich_ und das spezifisch menschliche
Bewutsein mit demjenigen _empirisches Bewutsein_ belegen.

Empirisches Bewutsein scheint nun nur dort vorzukommen, wo sich ein
_Widerstand_ geltend macht. Wir haben Bewutsein von einem Baume, den
wir sehen, aber wir werden uns seiner nicht bewut, solange nicht
etwas Besonderes an ihm unsere _Aufmerksamkeit_ erregt, weil der
Vorgang glatt und widerstandslos verluft.[54] Beim Reden oder Lesen
des weiteren ist man sich seiner Ttigkeit nicht bewut, bis ein
Widerstand eintritt oder sonst etwas die Aufmerksamkeit erregt.
Deswegen hat James wiederum recht, wenn er sagt: Alles Bewutsein
scheint von einer gewissen Langsamkeit des Prozesses in den
Gehirnzellen abzuhngen. Je rascher die Strme sind, desto weniger
Gefhl scheinen sie zu erwecken.[55]

Trotzdem aber entspricht es zweifellos dem tatschlichen
psychologischen Erfahrungsbestand, auch bei solchen schnell und glatt
verlaufenden Vorgngen von Bewutsein zu reden. Daraus folgt nun ein
_qualitativer_ Unterschied unserer Bewutseinszustnde: _Das_
Bewutsein, das wir beim flieenden Vorgang besitzen, ist identisch mit
dem Bewutsein an sich, das eben in unserer Hirnrinde zum Durchbruch
kommt. _Dasjenige_ Bewutsein dagegen, das wir dann haben, wenn
Aufmerksamkeit oder sonstiger Widerstand im Spiele ist, ist empirisches
Bewutsein. Trotz seiner qualitativen Verschiedenheit kann es natrlich
nur eine Modifikation des ersteren sein.

Demnach gibt es Erkenntnis mit und ohne empirisches Bewutsein.
Ersteres nennen wir _Aufmerksamkeit_. Dasselbe wre es zu sagen: Es
gibt Erkenntnis mit und ohne Aufmerksamkeit. Ersteres ist dann der
Fall, wenn ein Widerstand damit verbunden ist. Dies aber macht
empirisches Bewutsein.

_Nach allem_: Es gibt ein Bewutsein an sich. Wo es nicht gehemmt wird,
ist es auch im menschlichen Gehirn sich selber gleich (oder hnlich).
Wo es aber auf seinem Weg durch das Gehirn auf einen Widerstand trifft,
da wird es eben dadurch verndert und bildet dann das empirische
Bewutsein. Demnach ist Bewutsein an sich vergleichbar einem glatt
dahinflieenden Strome. Im Bette dieses Stromes aber befinden sich
Unebenheiten, wie sie in einem wirklichen Flusse durch Felsen und
Steine dargestellt werden. Diese Rauhigkeiten bietet die
Unvollkommenheit der Gehirnkonstruktion dar: auch an ihnen entstehen
daher Wirbel im Strome des Bewutseins an sich, wie sie im wirklichen
Wasser an entsprechenden Stellen vorkommen. Die Wirbel im
Bewutseinsstrome heben sich von dem glatten Strome ab und werden als
Besonderheiten kenntlich. Der Inbegriff dieser Besonderheiten, also der
Rauhigkeiten an Stellen des Widerstands, ist das empirische Bewutsein.
Wo aber der Bewutseinsstrom ohne Hemmungen durch das menschliche
Gehirn hindurchfliet, da erleidet er natrlich keine wesentliche
Vernderung: in diesem Teil ist demnach unser empirisches oder
menschliches Bewutsein nicht verschieden von dem Bewutsein an sich,
sondern bildet nur einen Ausschnitt aus ihm. Wo aber Wirbel entstehen,
da _werden wir uns_ des Bewutseins an sich _bewut_. Hier also ist
unser empirisches Bewutsein verschieden von dem Bewutsein an sich:
denn in diesem als solchem sind Hemmungen unbekannt.

Das ergibt die unverflschte Psychologie der unmittelbaren
Erfahrung!------

Bei der Wahrnehmung von Gegenstnden treten die Lust- und Unlustgefhle
auch in das Bewutsein ein.

Letztere entsprechen gefhrlichen oder unangenehmen Stellen in der
Auenwelt, denen wir daher zu entgehen suchen. Es stehe z. B. ein schn
blhender Baum am Rande eines Abgrundes: was wird bei der Wahrnehmung
stattfinden? Der Baum wird uns mit einem Lustgefhl erfllen, von dem
Abgrund aber werden wir uns fernzuhalten trachten. Hier begegnet uns
der Wille in seiner primitiven und ursprnglichen Form, nmlich als
Bewegung. In der Tat _ist Bewegung_ berhaupt das _Wesen_ des
Wollens. Denn bei Phantasievorstellungen (im Gegensatz zu
Wahrnehmungsvorstellungen) ist es analog: wir nehmen die lustbetonten
Vorstellungen dankbar an und wnschen, von den unlustbetonten
loszukommen. In beiden Fllen, dem der ueren Wahrnehmung und dem des
Phantasiebildes, hat der _Wille_ die Merkmale der Bewegung an sich,
nmlich _Richtung_. Allein, innerhalb des Umkreises der
Phantasiettigkeit gelingt die _Tat_, d. h. die Ausfhrung der Bewegung
oder die Einschlagung der Richtung, nicht so leicht als bei der
wirklichen Bewegung im ueren Raume, die, wie wir sahen, die
ursprngliche Willensuerung ist: mit unfehlbarer Sicherheit und ohne
merkbare Anstrengung vermgen wir, von dem Abgrund zurckzugehen,
sobald wir es wollen. Jedoch knnen wir nicht mit auch nur annhernd
hnlicher Sicherheit eine unangenehme Vorstellung unterdrcken, uns im
Geiste von ihr hinwegbewegen.

Wenn wir aber die uere Bewegung, den Willen auf primitiver Stufe,
vollstndig beherrschen, so ist nicht einzusehen, warum das auf hheren
Stufen nicht auch der Fall sein _sollte_: die hhere Willenssphre ist
eben nur noch zu unvollstndig in unserm Zentralorgan ausgebildet. Wir
sollten demnach beim _Erkenntnisakte_ im Gebiet der Phantasie annehmen
und behalten knnen: 1. die der Erkenntnis unmittelbar zugrunde
liegenden Vorstellungen, und 2. die begleitenden Lustvorstellungen;
dagegen sollten wir die Unlustvorstellungen, nachdem sie uns einmal
bewut geworden sind und zur Warnung gedient haben, verlassen knnen.
Der Zusammenhang mit dem Beispiele vom Baume bei der ueren
Wahrnehmung ist ja klar: das unter 1 Angefhrte entspricht den
Empfindungen des Baumes, das unter 2 Genannte denjenigen der schnen
Blte und das zuletzt Gesagte dem Abgrund.------

Die _Aufmerksamkeit_ ist mit einem Mischgefhl aus Lust und Unlust
verbunden: insofern, als sie uns ntzt, und als alle Steigerung der
Erfahrung von ihr abhngt, ist sie entschieden lustbetont; insofern
aber, als sie einen Widerstand im glatten Bewutseinsstrome bedeutet,
ist sie unlustbetont, wie solche Stellen es immer sind. Dieses
Mischgefhl kann man bei einiger bung in der Selbstbeobachtung
deutlich wahrnehmen. Wir knnen die Aufmerksamkeit der Stelle des
Bewutseins gleichsetzen, an der die Vorstellungen mit der Heftigkeit
von Geschossen einschlagen und das Wasser (im Beispiele des Stromes)
aufspritzen machen.

_Ich fasse zusammen_: In jedem Erkenntnisakt gibt es folgende angenehme
Faktoren, die wir daher beizubehalten wnschen: 1. den glatten Flu der
Erkenntnis, 2. die begleitenden Lustanteile, 3. die ntzliche
Aufmerksamkeit, und folgende unangenehme, die wir daher aus dem
Bewutsein lieber ausschalten mchten: 1. die Hemmungen der Erkenntnis,
das zeitliche Auseinanderfallen von Vorstellungskomplex und zugehrigem
Urteil, 2. die Unlustanteile, die Unfhigkeit, den Willen nach Belieben
von gewissen Vorstellungen loszureien.

Daraus folgen nachstehende Forderungen fr die Vervollkommnung unseres
Bewutseins: Der ntzliche und angenehme Anteil sollte ihm als sicherer
Besitz gegeben, der unntze und unlustbetonte ausgeschaltet werden.

Beseitigung der Widerstnde wrde beiden Forderungen entsprechen; _nur
der_ Widerstand, den die _ntzliche_ Aufmerksamkeit bildet, mu auf
allen Stufen der Entwicklung beibehalten werden, weil er fr ihren
Fortschritt ntig ist. Denken wir uns das Ende der Entwicklung
erreicht, so wrde natrlich auch dieser Teil der Aufmerksamkeit, als
der letzte Widerstand im Bewutsein, wegfallen: das Bewutsein eines
vollkommenen Wesens wre identisch mit dem Bewutsein an sich.

Die Erfllung jener beiden Forderungen, bezw. die Ausschaltung der
Widerstnde (mit Ausnahme der _ntzlichen_ Aufmerksamkeit), wrde uns
die Vorzge des _automatischen_ Denkens ohne dessen Nachteil sichern!
Als Nachteil wre zu denken die Festlegung der Erkenntnisfhigkeit auf
einer gewissen Entwicklungsstufe oder fr eine bestimmte Umgebung. Das
darf aber nicht geschehen: denn, wie James sagt, ist es das Fehlen von
festen Reaktionen in Gestalt von Instinkten, das die berlegenheit des
Menschen ber das Tier, ebenso wie diejenige des Mannes ber das Weib
ausmacht.[56] Doch sind natrlich gewisse instinktive Reaktionen
mglich, die _allgemeingltigen Werten_ entsprechen, z. B. denen der
Nchstenliebe und des Mitleidens, und die daher sehr wohl _fest_
werden drfen und werden. _Wir knnen also definieren: Ein vollkommenes
Vernunftwesen wrde teils durch die Feinheit seiner Hirnrinde, teils
durch Fixierung allgemeingltiger Willensantriebe und Gefhlsregungen
die Reaktionen auf die Werte des Wahren, Guten und Schnen als
Instinkte besitzen._ Ersteres wrde wiederum den freien, letzteres den
festen Instinkten entsprechen.

Doch _diese_ Art annhernder Automatie, die ich dargestellt habe, wre
nur in einem sehr bildungsfhigen und feinen Gehirn denkbar: denn nur
ein solches knnte so widerstandslos auf die Vorstellungen und
Willensantriebe reagieren, als es im Vorstehenden verlangt wurde: nur
durch ein so fein reagierendes Gehirn knnte das Bewutsein an sich so
glatt hindurchflieen, wie es ein Strom durch ein weiches, felsenloses
Bett tut.------

In weitgehendem Mae zeigt es sich nun bei nherem Zusehen, da die
Widerstnde durch Furcht und Besorgnis hervorgerufen werden, die ein
Ausdruck der Selbstsucht sind: Selbstverleugnung ist daher eins der
wertvollsten Mittel zur Ausschaltung der Widerstnde. Unlustgefhle und
die Beschftigung mit den eigenen Vorstellungen zerstieben vor der
Hinwendung des Wollens auf das Absolute und Allgemeine wie Spreu vor
dem Winde. So entsteht auch eine Art Passivitt des Bewutseins, die
das Denken und Erkennen sehr erleichtert. Demnach besitzen wir in
rckhaltloser Selbstverleugnung eine mchtige Handhabe zur Ausschaltung
der das empirische Bewutsein ausmachenden Wirbel im Strome des
Bewutseins an sich. Mu aber die Selbstverleugnung, um wirksam zu
sein, _rckhaltlos_ sein, so darf sie dennoch nicht _grenzenlos_ sein:
die Persnlichkeit soll bewahrt und erhht werden, das empirische
Bewutsein als ntzlicher Teil der Aufmerksamkeit erhalten bleiben;
denn der Mensch mu Erfahrung sammeln, wozu die Aufmerksamkeit dient.

Somit stehen die Resultate unserer psychologischen berlegung der
Hauptsache nach im Einklang mit denjenigen, zu denen Schleich auf Grund
seiner anatomischen und entwicklungstheoretischen Betrachtung gelangt
war: nmlich, da es auf Hherentwicklung der Hirnrinde und des von ihr
abhngigen Geisteslebens geht, und da sie zur Automatie des Denkens,
Wollens und Fhlens fhren wird -- wenigstens in hohem Grade.------

Die Menschen fhlen das empirische Bewutsein als etwas Qualvolles. Die
Ursache fr diese merkwrdige Tatsache erhellt aus Vorstehendem: es ist
ja der Inbegriff der Widerstnde im Gehirn. _Da_ es Tatsache ist, geht
daraus hervor, da die Menschen aller Zeiten mit seltener Einmtigkeit
die verschiedensten Mittel zu seiner Unterdrckung angewendet haben:
der indische Jogi hypnotisiert sich selbst, der Buddhist bt sich in
den hchsten Graden der Willensverneinung, alle Vlker bentzen
berauschende Mittel irgendwelcher Art.------

Nach _Eimers_ _Gesetz der mnnlichen Prponderanz_ treten bei Tieren
die neuen Merkmale zuerst bei lteren Mnnchen auf. Da _Genialitt_ den
fortgeschrittensten Zustand des Menschen bedeutet und sie rein auf den
Mann beschrnkt ist, so findet dieses Prinzip, wie man von vornherein
erwarten mte, beim Menschen eine glnzende Besttigung.[57]

Nach Vorstehendem mu jene in Zusammenhang gebracht werden mit der
Entfaltung des Gehirns in der Richtung nach Ermglichung einer mehr
automatischen Seelenttigkeit.

Fr den Fortschritt des Menschen zu hherer Organisationsstufe kme
dann sehr viel darauf an, da die bedeutendsten Mnner eine mglichst
groe Anzahl von Kindern erzeugten.

Wie stimmt unsere gegenwrtige Ordnung der Dinge mit der Erfllung
dieser Forderung berein? -- -- --

Ein berblick ber diese ganze psychologische Auseinandersetzung sei
noch zum Schlusse hinzugefgt:

I. _Unser Bewutsein hat Mngel; es sind das folgende_:

1. Die Langsamkeit des Denkens.

2. Die Unfhigkeit, den Willen nach Belieben von Vorstellungen
loszureien:

a) Von den Gedanken und Vorstellungen berhaupt, die einem zur Zeit
unerwnscht sind.

b) Von den eigentlichen Unlustgefhlen.

c) Von unntigem Achten auf sich selbst.

d) Von Vorstellungen, denen berhaupt kein quivalent in der
Wirklichkeit entspricht (die z. B. _unbegrndete_ Sorgen ausmachen).

II. _Diese Mngel sind gleichbedeutend mit Hemmungen oder Widerstnden
im Bewutseinsstrome._

III. _Diese Widerstnde erzeugen das empirische (spezifisch
menschlich-tierische) Bewutsein._

IV. _Aber Bewutsein besitzen wir auch dann, wenn die Hemmungen fehlen.
Daher unterscheide ich dieses letztere als Bewutsein an sich von jenem
empirischen Bewutsein. Dieses ist ein Spezialfall des Bewutseins an
sich, eine Modifikation von ihm._

V. _Den idealen Erkenntnisvorgang besitzen wir in der ueren
Wahrnehmung: denn hierbei folgt die Erkenntnis (das Urteil) sofort auf
die Vorstellungen. Ebenso besitzen wir im Verein damit den idealen
Willensvorgang in der Bewegung im Raume: denn wir knnen ihn mit
unfehlbarer Sicherheit und scheinbar mhelos ausfhren. Bei dieser Art
von Erkenntnis und Willenshandlung fehlen Widerstnde._

VI. _Dieses Ideal sollte daher auch im hheren Denken erreicht werden._

VII. _Der Weg dazu besteht einmal in dem Fortschritt der Organisation
der Hirnrinde. Das andere Mal knnen wir uns durch Selbstverleugnung
einigermaen dem Ziele nhern. Denn durch sie wird in hohem Grade der
Wille von den unerwnschten Vorstellungen (s. I, 2) losgerissen._

VIII. _Im brigen ist Auslese das Mittel zur Erreichung des Zieles
seitens der Menschheit._

IX. _Genialitt und Altruismus sind die Merkmale, die offenbar in
Zusammenhang stehen mit der Erreichung dessen, was unsere
psychologische Analyse als erwnscht aufgezeigt hat._

X. _Es lt sich annhernde Automatie der Bewutseinsvorgnge denken
ohne Aufgebung der Fhigkeit zur Bearbeitung neuer Erfahrungsdata und
neuer Probleme._

XI. _Niemals wird es sich handeln um Unbewutsein berhaupt: denn
Bewutsein ist an sich etwas Besonderes. Dagegen wird (wahrscheinlich)
das empirische Bewutsein immer mehr eingeschrnkt werden, in dem Mae
nmlich, als die Widerstnde im Gehirn mit seiner steigenden
Organisation abnehmen._

XII. _Die Menschen fhlen das empirische Bewutsein als etwas
Qualvolles und streben mit seltener Einmtigkeit nach seiner
Unterdrckung._

XIII. _Der hhere Mensch wird die Werte als Instinkte besitzen --
annhernd._

XIV. _Die Weiterentwicklung des Geisteslebens wird in der Richtung
stattfinden, da Selbstttigkeit auch in seinen fortgeschritteneren
Stufen Platz greift, wie es jetzt bei der Wahrnehmung der Fall ist. Die
Vorstellungen werden nicht mehr getrennt von und neben den
Erkenntnissen im Bewutsein bemerkbar sein._


2. Die Erblichkeit.

Zunchst sei auf das frher (S. 13) ber die Erblichkeit Gesagte
hingewiesen. Auch geistige Eigenschaften sind wie andere angeborene
Merkmale erblich, da ihre Eigenart beim Menschen von der Beschaffenheit
seines Gehirns abhngt, und diese mit auf die Welt gebracht wird. Das
stimmt auch mit der Erfahrung berein: nur das Genie scheint eine
Ausnahme zu machen. Doch sind uns die einzelnen Faktoren, die bei der
Beurteilung der Frage der Erblichkeit des Genies bercksichtigt werden
mssen, nicht gengend bekannt. Das Genie ist die hchste Spitze
menschlicher Entwicklung und ruht als solche auch auf der subtilsten
anatomischen Unterlage im Krper. Die geringste Inkongruenz in der den
Samen aufnehmenden Eizelle wird eine Ablenkung herbeifhren knnen.
Auch kommt es gar nicht auf die Vererbung derselben genialen Fhigkeit,
wie sie der Vater hat, an, sondern nur auf diejenige seiner geistigen
Hhe im allgemeinen. Ferner hat die Menschheit bisher nicht die
geringste Rcksicht auf eine in geistiger Hinsicht passende Gattenwahl
genommen. Die herrschenden Anschauungen haben auch die Hervorbringung
mglichst zahlreicher spontaner Variationen durch den genialen Vater,
wie es dem Manne ja die Natur ermglicht hat, und wozu ihn sein
polygamer Instinkt mit Macht antreibt, verhindert. Endlich wissen wir
nicht, ob jene Redensart wahr ist, die behauptet, da das Genie sich
immer Bahn breche: _vielleicht_ gehen viele Genien -- wenn auch nicht
die allergrten -- unter, ohne Gelegenheit gefunden zu haben, sich als
solche zu offenbaren.

Wie Forel angibt, hat brigens _Alphonse de Candolle_ in seiner
>Histoire de la science et des savants< den unzweideutigen
Beweis geliefert, da die Nachkommenschaft bedeutender und
tchtiger Menschen eine unverhltnismig grere Zahl wiederum
hervorragender und tchtiger Menschen aufweist als diejenige der
unbedeutenden, ...[58]------

Die Erblichkeit der Merkmale ist natrlich eine unerlliche Bedingung
fr die Bildung von Dauerformen. Da Milieumerkmale nur in geringem
Grade erblich sind, so kommt es fr die Verbesserung der Rasse weitaus
am meisten auf die angeborenen Eigenschaften an.


3. Gengende Fruchtbarkeit.

Je grer die Fruchtbarkeit ist, desto mehr verschiedene spontane
Variationen werden entstehen. Je mehr aber dies letztere der Fall ist,
desto grer wird wiederum die Aussicht fr das Vorhandensein von
wertvollen unter ihnen sein. So hat denn auch wahrscheinlich fr die
Bildung der Menschenrassen und verschiedenen Tierformen ein starker
Geburtenberschu in der Vergangenheit eine bedeutsame Rolle gespielt.

Bei dem hier zur Hervorbringung einer hheren Menschenform vorgelegten
Plane knnte jedoch die Forderung von berschssiger Fruchtbarkeit
weitgehende Einschrnkung erfahren, weil die planvoll, dauernd und
bewut durchgefhrte Gattenwahl allein schon die Entstehung
hochwertiger Varianten gewhrleistet. Dennoch darf man in der
Herabsetzung der Geburtenziffer selbstredend nicht zu weit gehen: ein
nicht allzu kleiner Geburtenberschu bleibt immerhin wnschenswert.
Denn _das_ ist ja gerade ein Unglck fr die Kulturvlker, da die
hheren Klassen so wenig Kinder haben im Vergleich zu den unteren.
Auerdem findet ein fortwhrendes Abstrmen der besten Elemente,
namentlich vom Lande, nach den hheren sozialen Schichten statt, in
denen sie, bezw. ihre Nachkommen, bald die Gewohnheiten der neuen
Umgebung annehmen. Darin liegt denn in der Tat ein unleugbarer
degenerativer Einflu: es ist eine Art Aufsaugung und Ausscheidung des
besten Materials. Auch hierin mte die neue Lebensordnung also
grndlichen Wandel schaffen. Doch wrde sie dann mit der Malthus'schen
Lehre, selbst bei Annahme der vollen Gltigkeit derselben, nicht in
Konflikt geraten: denn es sollen sich nur die tchtigsten Individuen
strker fortpflanzen und die minderwertigsten mehr oder weniger davon
abgehalten werden. brigens wird jene Lehre ja neuerdings auch stark
angefochten. Auch liegt keineswegs im Gesagten eine _bermige_
Inanspruchnahme der Frau.


4. Auslese und Reinzucht.


a) Mittel, durch welche die Auserlesenen einander als solche erkennen
knnen.

Soll der Plan, durch Auslese der Vollkommensten und Reinzucht zwischen
ihnen eine hhere Form des Menschen hervorzubringen, praktisch
ausfhrbar sein, so mssen die geeigneten Partner einander als solche
erkennen knnen. Ich deute daher einige Mittel an, die dazu dienlich
sein drften, jedoch ohne Anspruch auf Vollstndigkeit.

1. Anlegung von Stammbumen der geistigen Aristokratie seitens der
Gemeinden, in welche die Partner Einblick zu ihrer Vergewisserung ber
ihre gegenseitigen erblichen Eigenschaften nehmen knnten. Natrlich
mten diese Stammbume zugleich auch ber den krperlichen Zustand der
Vorfahren Aufschlu geben.

2. Beobachtungen der Leistungen und des Vorlebens des Partners. Daraus
sind gewisse Schlsse auf seine geistigen Eigenschaften mglich.

3. Einprgung der Merkmale der Geistesgre, wie sie in der
betreffenden Tafel niedergelegt sind.

4. Einprgung der krperlichen Eigenschaften, wie ich sie unter III, 1,
b und c angegeben habe.

5. Ausbildung der Fhigkeit, den Charakter zu beurteilen. Jeder Mensch
besitzt sie mehr oder weniger von Natur. Das Interesse an unserem Plane
wrde selbstttig diese Fhigkeit rasch bedeutend steigern;
Beschftigung mit Anthropologie und Psychologie, auch mit der
Geschichte, wrde das noch untersttzen.

6. Der _Instinkt fr den geeigneten Gatten_. Dieser bildet weitaus
das wichtigste Mittel zur Erkennung des passenden Partners. Zunchst
mu ich auf das in der Tafel der Kennzeichen der Geistesgre ber den
Instinkt im allgemeinen Gesagte verweisen (S. 31). Diesem sei noch
folgendes Nhere hinzugefgt: Jeder einigermaen gut organisierte
Mensch hat ein Bewutsein von einem bestimmten Typus des andern
Geschlechts, der zu ihm am besten pat, und zu dem er sich daher
geschlechtlich hingezogen fhlt. Selbstredend wird dieser Typus durch
eine Mehrheit von Individuen dargestellt. Trifft ein Mensch ein solches
an, so besteht die Gefahr, da er sich in es verliebt. Diese Art von
Liebe ist identisch mit der in den Romanen geschilderten. Sie ist das,
was die Menschen im landlufigen Sinne des Wortes Liebe oder
Verliebtheit nennen, und was sie fr etwas besonders Heiliges und
Ideales halten. Darin irren sie aber: jene Liebe beruht auf einer
Wahnidee, was beweisbar ist: sie erlaubt nmlich nur, das _eine_
Individuum als geeigneten Gatten anzuerkennen; es ist aber klar, da
andere Vertreter desselben Typs ebenso geeignet wren. Es ist diese
romanhafte Liebe also eine zur Gattung der Paranoia gehrige Wahnidee
oder Psychose.

Dagegen ist Zuneigung zu dem ganzen betreffenden Typus als solchem
berechtigt. Ebenso ist eine mehr geistige Liebe berechtigt, die zwar
auf dem Unterschied von Mann und Weib beruht, auf der gegenseitigen
Ergnzung, nicht aber auf dem Geschlechtstrieb, oder doch nur in sehr
lockerem Zusammenhang mit ihm steht.

Je bessere Rasse nun ein Mensch besitzt, desto deutlicher ist sein
Instinkt fr den geeigneten Gatten ausgebildet.[59]

_Nach allem_: Der Gatteninstinkt ist nicht identisch mit Liebe,
sondern leitet den Menschen in objektiver unbewuter Erkenntnis zu den
fr ihn tauglichsten Partnern. Die Liebe dagegen maregelt oft diesen
Instinkt und lenkt ihn ab: ein Mensch fngt an irgend einer, oft genug
nebenschlichen oder minderwertigen Eigenschaft eines Individuums vom
andern Geschlecht Feuer. Es erregt zum Beispiel irgend ein geistiger
oder krperlicher Zug an jemandem die fetischistische oder
masochistische Anlage des andern: rasende Liebe kann die Folge sein,
die doch dann ganz gewi mit der Erkenntnis eines geeigneten Gatten
nichts gemein zu haben braucht. Solch ein Verliebter steht unter dem
Banne von Auto- oder Fremdsuggestion, welch letztere als eben von dem
Gegenstand der Liebe ausgehend zu betrachten ist. Daraus erklren sich
denn auch die merkwrdigen Verirrungen des Gatteninstinkts. Sie kommen
ja nicht selten auch bei Frauen vor, die doch sonst einen besonders
feinen und sicheren Gatteninstinkt besitzen; gerade sie sind aber auch
suggestibler, was die Verirrung leicht verstndlich macht.

Normalerweise aber haben die Frauen einen prchtigen Instinkt fr den
geeigneten Gatten: sie merken die hervorragendsten Mnner sofort unter
der Masse heraus und sehnen sich innerlich nach der Vereinigung mit
ihnen.

Hochorganisierte Mnner haben auch einen recht guten Gatteninstinkt,
sind aber dennoch weniger whlerisch als Frauen.

Dieser eigentmliche Unterschied in der Strenge der Gattenwahl zwischen
Mnnern und Frauen findet seine Erklrung in der _natrlichen_
Verschiedenheit in der Beschaffenheit beider und ihrer Aufgaben fr die
Fortpflanzung. Mnner knnten leicht eine groe Anzahl von Kindern
erzeugen und haben nach dem Akte der Zeugung keinen Anteil mehr an der
Entstehung des Kindes. Migriffe in der Gattenwahl knnten sie daher,
was ihre physische Fhigkeit anlangt, leicht wieder ausgleichen. Frauen
dagegen gestattet die Natur hinsichtlich der Zahl nur eine
verhltnismig geringe Anteilnahme an der Hervorbringung der
Nachkommenschaft. Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch in der Entwicklung
des keimenden Lebens. Sie haben daher ein groes Interesse daran,
mglichst tchtige Vter fr ihre Kinder auszulesen.------

Die Mglichkeit, da die geeigneten Gatten einander erkennen knnen,
darf also nicht in Abrede gestellt werden. Der Mensch mu nur die, ihm
dazu verliehenen Mittel mit ernstem Willen anwenden. Freilich werden
Irrtmer vorkommen. Das ist aber auf allen empirischen Gebieten der
Fall und bedingt noch keine Undurchfhrbarkeit ihrer Aufgaben. Wenn in
einer gewissen Zahl von Fllen das Rechte getroffen wird, so gelingt
der Fortschritt, wie die allgemeine Erfahrung lehrt. Auch hinsichtlich
unseres Planes wird es daher nicht anders sein.


b) Die formale Seite der Auslese.

Die logischen Konsequenzen aus allem Vorstehenden wrden nun die
Forderung ergeben, da die wenigen hervorragendsten Mnner mit
mglichst vielen verschiedenen Frauen mglichst viele Kinder zeugen
sollten. Die praktische Durchfhrung dieses Postulats brauchte nicht zu
der beide Geschlechter entwrdigenden Polygamie zu fhren. Auerdem
wrde diese gar nicht einmal in idealer Weise den rein theoretischen
Schlufolgerungen aus unsern berlegungen gerecht werden. Vielmehr
wrde dies nur durch Promiskuitt geschehen. Die Durchfhrung der
Promiskuitt wre nicht etwa ein Rckfall auf niedere Stufen der
Entwicklung; denn, wie neuere Forschungen zu ergeben scheinen, besteht
sie nirgends als der anerkannte Zustand der formalen Regelung der
Fortpflanzung und des Geschlechtsverkehrs beim primitiven Menschen.
Vielmehr schliet sich dieser an seine nchsten Verwandten in der
Tierreihe, die menschenhnlichen Affen, an und lebt wie sie in Ehe. Es
lt sich daher viel eher vermuten, da Promiskuitt einem ganz weit
fortgeschrittenen Zustand der Menschheit entspricht. In der Tat lt
sich leicht der Gedankengang durchfhren, da die Verwirklichung der
hchsten sittlichen Idee, die es berhaupt in der Philosophie gibt,
nmlich derjenigen der _Humanitt_, d. h. der Einheit und Verbrderung
aller Menschen (nach Erreichung einer uerst hohen Organisationsstufe)
einzig und allein die Promiskuitt noch zur Regelung der
geschlechtlichen Beziehungen zult.

_Dennoch liegt es mir vollstndig fern, derartige Forderungen jetzt
schon aufzustellen_: denn, mag dem Gesagten sein, wie es will, so viel
mu jeder Praktiker auf den ersten Blick sehen: heute ist die
Menschheit dafr nicht reif. Die _Einehe_ birgt in sich zahlreiche
Faktoren von uerstem Wert fr die geistige, sittliche und krperliche
Integritt und fr den Fortschritt der Rasse, auf die im einzelnen
einzugehen, zu weit fhren wrde. Ich erinnere nur an das Vorhandensein
der Geschlechtskrankheiten, den Wert der geistigen Gemeinschaft
zwischen _einem_ Mann und _einer_ Frau, denjenigen der Erziehung durch
hochwertige Eltern fr die Kinder, den notwendigen Schutz, den Ehe und
Familie sowohl dem Manne, als auch dem Weibe gewhren usw.

_Demnach mu die Einehe als Grundlage der Gesellschaft (jedenfalls
vorerst noch auf absehbare Zeit) aufrecht erhalten bleiben, und es kann
sich nur um die Einfhrung von Reformen handeln, welche sie in dieser
ihrer zentralen Bedeutung nicht gefhrden._

Es liegt mir viel daran, in diesen beiden Punkten nicht miverstanden
zu werden: 1. Als Logiker sehe ich die Konsequenzen meiner Resultate
vllig klar. 2. Als Praktiker aber behaupte ich dennoch auf das
bestimmteste, da sie nicht in einseitiger Weise unser Handeln
beeinflussen drfen, da vielmehr die Einehe als Grundlage der
Gesellschaft bestehen bleiben mu. Der Grund fr diese Entscheidung
liegt in der Tatsache, da es eben hier wie immer, wo das Praktische in
Frage kommt, _nicht nur eine, sondern eine Reihe von Schluketten
gibt_. Das bersehen dieser Tatsache ist es, was so oft die
Reformatoren zu falschen und in ihrer Wirkung schdlichen
Schlufolgerungen verleitet: an _einer_ Stelle kommt pltzlich eine
andere Schlukette in Betracht, die der ersten Halt gebietet. Es
handelt sich dabei nicht etwa um Widersprche, sondern um die
Mannigfaltigkeit des Gebietes der Tatsachen, des Werdens und Vergehens,
der Erfahrung, der Natur, des Lebens, die sich nicht in die Zwangsjacke
eines vereinzelten logischen Gedankengangs einschnren lt.

Aber gewisser Reformen sind unsere, auf das Geschlechtsleben und die
Fortpflanzung sich beziehenden Sitten und Anschauungen freilich
bedrftig. Ich beschrnke mich bei ihrer Anfhrung streng auf den
Gesichtspunkt unseres _Zieles_, nmlich der Rassenveredelung. Da fllt
es zunchst auf, da die zahlreichen hochwertigen Frauen, die nicht
heiraten knnen, dennoch zur Fortpflanzung zugelassen werden sollten,
damit die hier schlummernden biologischen Werte fr die Menschheit
nicht verloren gehen. Ferner mu die Mglichkeit vorliegen, unpassende
und unfruchtbare Ehen ohne Nachteil fr die Beteiligten lsen zu
knnen. Ebenso mssen hochwertige Menschenexemplare freie Bahn zu ihrer
Verehelichung haben, eventuell durch staatliche Untersttzung.

_Demnach fasse ich kurz die notwendigsten Reformen, die eingefhrt
werden sollten, folgendermaen zusammen_:

1. _Frsorge fr Mtter und Kinder, zumal auerhalb der Ehe._

2. _Anerkennung der Gleichberechtigung unehelicher Mtter und Kinder._

3. _Erleichterung der Bedingungen fr Schlieung und Trennung der Ehen,
sofern dadurch dem Wohl der Rasse gedient wird._

Da immer das Interesse der _Gesamtheit_ vorausgesetzt wird, um den
Vorschlgen Berechtigung zu verleihen, so mu hervorgehoben werden, da
die staatliche Frsorge auch von Rechts wegen nur dann in Frage kommen
knnte, wenn es sich um hochwertiges Menschenmaterial handelt. Um aber
dann Enttuschungen zu vermeiden, mte dieser Punkt _vor_ der Zeugung
entschieden werden. Dies knnte wohl nur etwa so geschehen, da
Kommissionen bestehend aus rzten und Anthropologen eingesetzt wrden,
an die ein Paar (verheiratet oder ledig), das ein Kind zu zeugen
wnscht, sich zuvor wenden knnte, um ein Gutachten zu erlangen. Dieses
wre selbstredend fr den Staat bindend, auch dann, wenn sich nach der
Geburt das Kind entgegen menschlicher Berechnung als minderwertig
herausstellen sollte.------

Es ist durchaus eine Verkennung des Menschen zu behaupten, die
Einfhrung solcher gemigter und ganz vernnftiger Reformen wrde die
Sittlichkeit gefhrden. Es liegt vielmehr die einzige Mglichkeit zur
Rettung der Menschheit aus ihrem Egoismus und ihrer materialistischen
Versumpfung, ihrem Nachjagen nach niederer Lust, was alles zum
Untergang der Menschheit fhren mu, wenn ihm nicht grndlich Einhalt
geboten wird, in der Entfaltung einer groen neuen _Idee_. Nur unter
der Herrschaft von Ideen vermag sich die Menschheit zu behaupten und
fortzuschreiten. Unserer Zeit aber fehlen mchtig auf die Seelen der
Menschen einwirkende Gedanken! Hier ist jetzt eine solche Idee, welche
die Menschheit bezglich ihrer hchsten Werte bis ins Mark hinein
berhrt und Allgemeingltigkeit besitzt!

_So wird denn hier meines Wissens zum erstenmal die brennende Frage
der Ehereform unter dem Gesichtspunkt des Zieles behandelt,
desjenigen nmlich der Vervollkommnung der Menschheit, ihres
entwicklungstheoretischen Fortschritts._------

Wir drfen des weiteren die Augen nicht gegenber der Tatsache
verschlieen, da die Richtung, in der sich das moderne Weib
entwickelt, mit der Erhaltung der Rassentchtigkeit auf die Dauer nicht
vereinbar ist, geschweige denn mit deren Steigerung. Sie verliert immer
mehr die Liebe zu ihrem _natrlichen_ Beruf. Nur die Einstellung
unseres gesamten Lebens unter den Nimbus einer groen neuen Idee kann
sie wieder zur Besinnung auf ihre natrliche Bestimmung bringen: _sie
mu einsehen, da sie bei Erfllung ihres eigentlichen Berufs an der
Erreichung eines allgemeinen Endzieles der Menschheit mitwirkt_. Dann
wird sie die Freude an diesem ihrem Beruf zurckgewinnen. Dabei bleibt
ihr noch Zeit genug zu einer geistigen Entfaltung, die nicht ber das
hinausstrebt, was das Weib in dieser Hinsicht noch ohne Schaden
vertragen kann, und die in diesen Grenzen durchaus berechtigt und ein
Symptom des menschlichen Fortschritts berhaupt ist.


c) Die Reinzucht.

Nicht nur Auslese, sondern auch _Reinzucht_ ist fr die Entstehung der
neuen und hheren Menschenform ntig. Sie ist nicht mit Eng- oder
Inzucht zu verwechseln; darunter versteht man die Paarung zwischen
Blutsverwandten. Unter der Reinzucht der Vollkommensten verstehe ich
die Paarung zwischen den vollkommensten Mnnern und Frauen ohne
Kreuzung mit niederen Individuen. Dabei ist entfernte Verwandtschaft
freilich kein Hindernis. Nur darf sich die Gattenwahl nicht andauernd
auf denselben kleinen Kreis beschrnken. Denn fortgesetzte Inzucht,
sagt Chamberlain, innerhalb eines sehr kleinen Kreises, das, was man
>Engzucht< nennen knnte, fhrt mit der Zeit zur Entartung und
namentlich zur Sterilitt. Zahllose Erfahrungen der Tierzucht beweisen
das.[60]

Es mu sich bei den Vollkommensten ein Rassegefhl ausbilden, kraft
dessen sie die Paarung mit andern ablehnen. Vlker und Individuen, ja
wahrscheinlich schon Tiere, relativ reiner Rasse haben in der Tat ein
solches Rassegefhl. Fr uns sind heute die Englnder das beste
Beispiel dafr: wie mir ein gelehrter deutscher Weltreisender erzhlte,
heiratet ein Englnder in den Kolonien nur uerst selten eine
Nichtenglnderin, und dann meistens eine stammesverwandte Deutsche oder
Skandinavierin.


5. Blutmischung und Herkunft der Varianten.

Die Frage der Blutmischung erledigt sich nach unsern bisherigen
Ausfhrungen fast von selbst: zu vermeiden ist die Kreuzung mit
minderwertigen Individuen und mit niedrigen Rassen. Innerhalb der
europisch-nordamerikanischen Kulturvlker soll aber dann ein weiterer
Rassenunterschied nicht mehr magebend sein. Denn hier kommt es dann
nur noch auf die _individuelle_ Tchtigkeit an: lieen sich doch die
Merkmale geistiger und krperlicher Vollkommenheit ohne die
Voraussetzung bevorzugter bestehender Rassen auffinden; wer sie auch
immer besitzt, soll demnach als ein fr die Reinzucht der
Vollkommensten Auserlesener gelten.

Blutmischungen spielen bei der Entstehung einer vorzglichen Rasse
offenbar eine bedeutsame Rolle. Ich folge Chamberlains Ausfhrungen
hierber.[61] Darnach ist Vermischung mit nahe verwandten hohen Typen
gnstig; sie mu aber zeitlich eng begrenzt und dann von strenger
Reinzucht gefolgt sein. Mit zeitlicher Beschrnkung, schreibt
Chamberlain, will ich sagen, da die Zufuhr neuen Blutes mglichst
schnell vor sich gehen und dann aufhren mu; fortdauernde
Blutmischung richtet die strkste Rasse zugrunde (S. 284). Stehen die
sich vermischenden Formen einander fern, so mu vollends die
Vermischung eine seltene und von sorgfltigster Reinzucht gefolgte
sein. Dies sind die allgemeinen Grundstze, wie sie _bisher_ zur
Bildung der hochwertigsten Rassen gefhrt haben. Ihre Anwendung auf
unser Problem ist natrlich nur unter gewissen sinngemen
Modifikationen mglich.

Wir drfen nmlich, um Begriffsverwirrung nicht aufkommen zu lassen,
nie unsern _leitenden_ Gesichtspunkt aus den Augen verlieren. Es soll
eine neue und hhere Form des Menschen nach besonderen Grundstzen
hervorgebracht werden: die Hauptrichtung der Entwicklung soll
weitergefhrt werden. Diese Hauptrichtung besteht in der
Zunahme der geistigen Fhigkeiten; diese sollen also noch mehr
vervollkommnet werden. Auerdem kommt dazu die weitere Entfaltung der
menschlichen Krperschnheit als des sichtbaren Ausdrucks des
entwicklungstheoretischen Fortschritts. Daraus ergibt sich aber
naturgem ein freierer und unabhngigerer Standpunkt fr die Herkunft
des Auslesematerials, der so formuliert werden kann: _Wer auch immer an
Geist, Charakter und Krperschnheit hervorragt, bildet die Vorstufe
der neuen und hheren Form und sei als Auserlesener betrachtet_.

Doch habe ich in dem Abschnitt Die Auserlesenen angegeben, da
Hoheit des Charakters und krperliche Gesundheit bei guter
Durchschnittsintelligenz und Annherung des Krpers an die Merkmale der
Vollkommenheit praktisch als gengend erachtet werden sollen. Darber
bin ich dann im folgenden hinausgegangen, ebenso wie auch die letzte
Formel die Ansprche strenger fat. Ich bin mir des kleinen
Widerspruchs bewut; doch lst er sich bei sinngemer Auffassung
dessen, was ich meine, auf. Wir mssen einmal das _Optimum, das Ideal_
klar zeichnen und das andere Mal das _zunchst Erreichbare_ festhalten:
das Optimum wre es, wenn die hervorragendsten Individuen allein als
Auserlesene gelten wrden. Da es aber zu wenige Individuen von solcher
Vollendung gibt und die Durchfhrung des Postulats auch eine zu groe
Hrte gegen die brige gesinnungstchtige Menschheit enthalten wrde,
da schlielich aller biologische Fortschritt eben durch Entwicklung
geschieht, so sehe ich bei der praktischen Forderung von der
Durchsetzung des Optimums ab, mache also eine durch die Tatsachen sich
als ntig erweisende Konzession. Wenn die Menschheit einmal zielbewut
den rechten Weg berhaupt einschlgt, dann wird es auf diesem
allmhlich immer mehr der Vollkommenheit und der Erreichung des
Optimums entgegengehen.

Die Auserlesenen leben nun nicht rumlich auf bestimmten Teilen der
Erde zusammen, sondern knnen allenthalben in den hheren Kulturvlkern
gefunden werden. Demnach erhalten wir folgende _Formel fr die Herkunft
der Varianten: Zerstreut durch die ganze Kulturmenschheit findet sich
eine Anzahl geistig und krperlich hervorragender Individuen: sie
bilden das Material fr die Reinzucht der Vollkommensten._

Diese Forderungen wahren zugleich die Notwendigkeit der Blutmischung
und der Reinzucht. Denn nach ihnen werden sich innerhalb der hchsten
Kulturvlker Angehrige verschiedener biologischer Rassen
zusammenfinden. Das werden aber einander nahe verwandte hohe Formen im
Hinblick auf die Merkmale sein, die uns leiten. Diese Eigenschaften
kennzeichnen sie als eine Art Rasse fr sich trotz ihrer geographischen
Zerstreutheit innerhalb aller Kulturvlker. So haben wir bei
Innehaltung meiner Grundstze die Tatsache von Blutmischung in
biologischer Hinsicht und von Reinzucht bezglich der Eigenschaften,
die das wahre Wesen echten und hheren Menschentums ausmachen.----

Nicht zu verwechseln sind Intelligenz, Begabung, Weisheit, Genialitt
mit Gelehrtheit, nicht Tugend und Gte des Charakters mit bloer
Enthaltsamkeit von Lastern oder gar nur von dem, was zur Zeit
gesellschaftlich verpnt ist. Die ersteren sind angeborene Erbwerte,
die anderen anerzogene Eigenschaften. Es liegt mir fern, die Sache des
Bonzen und des Moralphilisters zu verfechten!

Ebensowenig darf sthetisches Gefhl mit dem modernen sthetentum oder
mit dem zusammengeworfen werden, was R. _Eucken_ sthetischen oder
knstlerischen Subjektivismus nennt.[62] Wiederum ist jenes vorwiegend
ein Erbwert, dieser dagegen eine nachtrglich angewhnte Haltung, und
zwar ein Entartungssymptom. Das sthetentum soll nach Preisgabe des
Idealismus als einer Weltanschauung den unrettbaren Untergang im
krassen und den, doch immerhin noch ehrlichen Materialismus decken.

Da nun die Werte, auf die es uns ankommt, erbliche sein mssen, so
kommen sie auch in allen Klassen der Bevlkerung vor, nicht etwa nur
bei den sozial hheren Schichten. Doch sind sie innerhalb derjenigen
Klassen, die Generationen hindurch einer hheren Bildung und
sorgfltigeren Charakterpflege teilhaftig gewesen sind, etwas hufiger
vorhanden als in andern. So fhren also die Grundstze der Reinzucht
der Vollkommensten nicht zur Beschrnkung des Auslesematerials auf die
hheren Bevlkerungsklassen. Vielmehr finden sich die geeigneten
Varianten in allen Schichten. Deswegen sei hier nochmals der Nachdruck
auf den Wert des Individuums gelegt. Wer auch immer tchtige Erbwerte
besitzt, der sei als ein Auserlesener, als die Vorstufe des Heros
betrachtet.


6. Der Instinkt.

In unserer Tafel der Grundstze (S. 24) ist als letzter noch der
Instinkt genannt. ber ihn ist aber nichts Besonderes mehr zu sagen, da
er bereits an andern Stellen behandelt worden ist.




IV. Das System des Geistes.


Im Vorausgehenden habe ich eine reinliche Scheidung zwischen geistigen
und krperlichen Eigenschaften durchgefhrt. Ein solcher _glatter
Dualismus_ zwischen Geist und Krper ist berall der Standpunkt der
reinen und unverflschten _Erfahrung_: als Erfahrung ist er Tatsache:
darber, da unsere Erfahrung uns nirgends Monismus, sondern auf allen
Gebieten den klar ausgesprochenen Dualismus zwischen Geist und Materie
gibt, gibt es nichts zu unterhandeln, zu diskutieren. Denn _Tatsachen_
stehen fest.

Fr die Psychologie besttigt James, der mit ungeheurer Strenge
beflissen ist, die wirkliche und reine psychologische Erfahrung ohne
Beimengungen unseres Denkens zu schildern, diesen Dualismus. Er sagt:
Die Stellung des Psychologen gegenber dem Erkennen ... ist ein
durchgreifender Dualismus. Sie nimmt zwei Elemente an, den erkennenden
Geist und das erkannte Ding und behandelt sie als nicht aufeinander
zurckfhrbar. ...[63]

Erst wenn man jetzt im Denken hinter die Erfahrung zurckgeht und
Metaphysik treibt, kommt man auf das Gebiet der Diskussion, nmlich
darber, ob man das Urprinzip der Welt noch als eine Zweiheit von Geist
und Stoff oder als eine Einheit auffassen soll. Im letzteren Fall
stehen -- allgemein gesprochen -- zwei Lsungen zur Verfgung, der
materialistische und der idealistische Monismus. Wenn man einmal zur
Annahme eines idealistischen Prinzips gelangt ist und dann noch
behauptet, es sei unstatthaft, noch Genaueres ber dessen Wesen
auszusagen, so beruht das auf erkenntnistheoretischer Vornehmtuerei:
vielmehr mu es dem gesunden Menschenverstand auf den ersten Blick klar
sein, da ein idealistisches Prinzip der Welt gleichbedeutend ist mit
einem geistigen. Das lt sich auch noch sonst sehr triftig begrnden;
darber aber kann ich mich hier nicht verbreiten.

Insbesondere erkenntnistheoretische Erwgungen fhren nun zur Annahme
eines einheitlichen Weltgrundes, also des Monismus, und zwar des
idealistischen oder _Monismus des Geistes_. Denn der _materialistische
Monismus_ spielt zwar in den unklaren Kpfen der Masse noch eine groe
Rolle, -- _existiert_ in der wissenschaftlichen Philosophie aber
_berhaupt nicht_ mehr! _Windelband_ z. B. bezeichnet den Versuch, das
Bewutsein als Nebenfunktion der Materie aufzufassen, als
Absurditt.[64]

Es hngen aber alle geistigen Vorgnge im Menschen von der
Beschaffenheit des Organs des Geistes in ihm, seines Gehirns ab. _Das_
ist wiederum Erfahrung, also Tatsache; darum habe ich auch an allen
Stellen des Vorhergehenden diesen Standpunkt streng festgehalten: er
ist ja berhaupt die Voraussetzung fr die Ntzlichkeit von
Hherzchtung des Menschen in geistiger und sittlicher Hinsicht. Nicht
aber _erzeugt_ das Organ des Geistes den Geist: dies ergeben
philosophische berlegungen -- und auch Intuition. Diesen Standpunkt
habe ich besonders in dem Abschnitt: Das Organ des Geistes vertreten:
ja, ich habe ihn hier gewissermaen von der Erfahrung ausgehend von
neuem begrndet, auf neue Art die alte Wahrheit wieder frisch
aufgefunden.

_Niemand kann_ leugnen, da in dieser Abhandlung zwei streng
wissenschaftliche Standpunkte in reinster Harmonie miteinander
dastehen: einmal der Standpunkt naturwissenschaftlicher Erfahrung, da
alle geistige Bettigung im Menschen von seinem Gehirn abhngt; das
andere Mal der Standpunkt wissenschaftlicher Philosophie und des
gesunden Menschenverstandes, da der Geist und das Bewutsein an sich
sind und nicht im Gehirn _erzeugt_ werden knnen.------

Ist der Monismus des Geistes Wahrheit, dann mu auch der Mensch sich
restlos als Geist auffassen lassen, -- und das geht in der Tat
zwanglos. Doch ist der Gedankengang, der dazu fhrt, ein unabhngiger
und beruht nicht auf der Voraussetzung des Monismus des Geistes.
Vielmehr hilft er ihn begrnden.

Ich erinnere zunchst an die terminologische Klarstellung (S. 26). Dort
sahen wir, da alles Geistige berhaupt aus den drei Grundklassen
Denken (Erkennen etc.), Wollen und Fhlen besteht.

Zum Denken gehrt das Gebiet der Wahrheit, zum Wollen das des Guten,
der Sittlichkeit, des Charakters und der Gesinnung, zum Gefhl das der
Schnheit. Denn das Schne ist Gegenstand des sthetischen Gefhls. Des
nheren ist es das Schne in Formen, Farben, Tnen und Bewegungen, das
den Gegenstand der sthetik ausmacht. Alles das aber ist _sinnlich_
wahrnehmbar, nmlich durch unsere zwei hchsten Sinne: Gesicht und
Gehr. Das liegt schon in dem Wort sthetik.[65] Dann aber ist das
Schne im Menschen nicht nur sein sthetisches Gefhl, sondern auch
seine eigene sinnliche Wahrnehmbarkeit: diese aber wird dargestellt von
seinem Leib. Demnach ist der Leib des Menschen eine Offenbarung des
Prinzips der Schnheit, also des Geistes, und _der Mensch ist restlos
begriffen als eine Funktion der drei ewigen Ideen des Wahren, Guten und
Schnen_. Denn sein Geist (Erkenntnis, Wille, Gefhl) und sein Krper
(Schnheit als zum sthetischen Gefhl gehrig) gehen rein in ihnen
auf.[66]

Um in der Terminologie keine Unklarheit aufkommen zu lassen, bemerke
ich, da hierbei Geist in beiden Bedeutungen gemeint ist: als Gegensatz
zur Materie und als hheres geistiges Prinzip. Wenn aber die
Zurckfhrung alles Krperlichen auf Geist als auf das an sich seiende
Prinzip der Welt gemeint ist, dann ist die zweite Bedeutung die
ausschlaggebende: denn der Geist an sich ist der reine Geist im
unbedingten, absoluten Sinne, gleichbedeutend mit Vernunft und Logik.
Nach der terminologischen Auseinandersetzung mu es jedem klar sein,
da Vernunft nicht Verstand ist: Vernunft umfat das ganze
Geistesleben, auch das Gefhl, nur ist hierbei aus ihm alles Niedere
und Unberechtigte ausgeschieden: Vernunft, Logik und Geist in seiner
hheren Bedeutung sind also der Inbegriff des vollkommenen und idealen
Geisteslebens in _allen_ drei Sphren, derjenigen der Erkenntnis, des
Willens und des Gefhls. Den Sphren entsprechend unterscheide ich denn
auch theoretische, praktische und sthetische Vernunft.------

Ist nun der Mensch eine Funktion der Ideen der Vernunft oder des
Geistes (jetzt immer in der zweiten Bedeutung gebraucht), dann geziemt
es ihm auch, sein Wollen und Handeln mit Geist zu durchdringen, logisch
zu gestalten. Wir haben das _Ziel_ und den _Weg_ zu diesem zu
unterscheiden. Das Ziel ist Vollkommenheit. Diese also besteht in der
vlligen Erhebung des Menschen auf die Hhe des Wahren, Guten und
Schnen, d. h. in der Verkrperung dieser Ideen in ihm.

Demnach kann ich nunmehr die letzte und genaueste Definition des
Zuchtzieles geben: _Das Zuchtziel ist die Einbettung des Geistes in den
Menschen._ Ist somit das Ziel alles Lebens auf der Erde die
Verwirklichung von Geist in der Kreatur, dann besteht das vorhin
Gesagte zu recht: auch der Weg dazu mu auf die Stufe des Geistes oder
der Vernunft projiziert werden. Dies geschieht, wenn _der_ Weg gewhlt
wird, den ich angegeben habe.------

Die _Liebe_ als die schaffende und erhaltende, also dem Gesetz des
Lebens entsprechende Manifestation des Geistes, wird auch in einer
durchgeistigten und nach logischen Grnden handelnden Menschheit
selbstredend bestehen bleiben: sie wird herrlichere Frchte tragen denn
je zuvor. Aber auch sie wird auf die Stufe des Geistes projiziert sein.
Dann wird sie sich uern in ihrer Reinheit, nmlich als
Selbstverleugnung: Selbstverleugnung der Gatten, berhaupt des Mannes
und des Weibes, voreinander -- das ist die Liebe zwischen Mann und Weib
auf die Stufe der Vernunft bertragen: das ist die Logik in der Liebe
der Geschlechter zueinander. Ein erbrmlicher Wicht, der sie in dieser
Reinheit fr etwas rmeres hlt als das, was die Menschen jetzt
gewhnlich unter Liebe verstehen!------

So ist der Mensch und all sein Treiben, alles, was ihn angeht, als ein
Ausschnitt aus einem groen System des Geistes restlos begriffen, und
dies geschah in drei Aussagen:

1. Der Mensch ist selber ganz eine Funktion des Geistes.

2. Deshalb soll auch sein Wollen und Handeln durchgeistigt, vernnftig
sein.

3. Die Liebe uert sich auf dieser Stufe als Selbstverleugnung.

Der Mensch soll nach allem einsehen, da die Preisgabe seiner
kleinlichen sentimentalen Rcksichten und der Aufschwung auf die Hhe
reinen Geisteslebens ihn nicht rmer, sondern weit reicher machen, das
Dasein erst zu wahrem Leben gestalten. Freilich bedarf es dazu einer
heroischen Auffassung des Lebens von Mann und Weib und entschlossener
Abwendung vom Philistertum, der Hinlenkung auch des Willens auf das
Allgemeine und Absolute, auf die wahren Werte der Persnlichkeit.

So mge denn die Blte der Menschheit unter dem Banner des Geistes ber
das Philistertum hinwegschreitend den Aufstieg zu grerer Vollendung
antreten!

[Illustration]


FUSSNOTEN:

[1] Den Leser, der sich fr meine Weltanschauung interessiert, verweise
ich auf mein Buch: Idealistische Sittenlehre und ihre Grndung auf
Naturwissenschaft, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig, 2 M.

[2] _Richard Semon_: Die Mneme als erhaltendes Prinzip im Wechsel des
organischen Geschehens. Leipzig, 1904, Verlag Wilh. Engelmann. Ich
benutze Forels Wiedergabe der Lehre in seiner: Die sexuelle Frage.
1907, S. 13-18.

[3] Forel, a. a. O., S. 16 und 17.

[4] Eine kurze Zusammenfassung der Kritik findet sich in meiner
Idealistischen Sittenlehre auf Seite 25 und 26.

[5] Moritz Wagner: ber die Darwin'sche Theorie in Bezug auf die
geographische Verbreitung der Organismen (Sitzungsberichte der K.
Bayer. Akademie der Wissenschaften, 1868, Bd. I, Seite 373).

[6] Seite 385.

[7] Wagner, a. a. O., Seite 386.

[8] Seite 394.

[9] Seite 375.

[10] Vergl.: _H. S. Chamberlain_: Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts,
1907, Seite 277-289 und _W. Schallmayer_: Vererbung und Auslese im
Lebenslauf der Vlker. III. Bd. von Natur und Staat, 1903.

[11] _G. Vacher de Lapouge_: ber die natrl. Minderwertigkeit der
niederen Bevlkerungsklassen. Politisch-Anthropologische Revue, VIII.
Jahrgang, No. 9, Seite 462.

[12] _A. Ploetz_: Die Tchtigkeit unserer Rasse und der Schutz der
Schwachen, 1895, Seite 128 und 129.

[13] Siehe darber meine Idealistische Sittenlehre Seite 92ff.

[14] Tusc. disp. I. 33, zitiert nach _R. Eisler_: Wrterbuch der
Philosophischen Begriffe, 1904, I, Seite 372.

[15] _E. v. Hartmann_: Philosophie des Unbewuten, 1872, S. 631.

[16] _A. Schopenhauer_: Die Welt als Wille und Vorstellung, 1877, I.
Band, Seite 219.

[17] A. a. O., Seite 218.

[18] _James_: The Principles of Psychology, 1891. Im Original heit es:
.... the entire organism may be called a sounding-board, which every
change of consciousness, however slight, may make reverberate. H.
Band, Seite 450.

[19] Sexuelle Ethik, Seite 28.

[20] A. a. O., I, Seite 705.

[21] A. a. O., I, Seite 515.

[22] Bei Mac Millan & Co., New-York etc., 1908.

[23] M. Sauerlandt: Griechische Bildwerke, 1908.

[24] Vergl. _O. Hauser_: Der physische Typus des Genies des Altertums;
Politisch-Anthropolog. Revue, VIII. Jahrgang No. 9, und _H. S.
Chamberlain_, a. a. O., Seite 486 und 500-501.

[25] _H. Ploss_: Das Weib, 1896, Seite 13.

[26] A. a. O., Seite 52.

[27] A. a. O., Seite 52.

[28] A. a. O., Seite 54.

[29] A. a. O., Seite 55.

[30] _J. Ranke_: Der Mensch, 1889, II. Band.

[31] Ploss, a. a. O., Seite 57.

[32] _C. H. Stratz_: Die Schnheit des weiblichen Krpers, 1908 Seite
2.

[33] Aus Eisler, a. a. O., II, Seite 299.

[34] A. a. O., Seite XVII.

[35] A. a. O., Seite 360 ff.

[36] A. a. O., Seite 276.

[37] A. a. O., Seite 278.

[38] A. a. O., Seite 280.

[39] _Havelock Ellis_: Die Gattenwahl beim Menschen, deutsch, 1906,
Seite 181-190.

[40] _Ploetz_, a. a. O., Seite 117-127.

[41] _Ploss_, a. a. O., Seite 22.

[42] _Ploss_, a. a. O., Seite 23.

[43] _Ploss_, a. a. O., Seite 24.

[44] _Ploss_, a. a. O., Seite 25.

[45] _Ploss_, a. a. O., Seite 25.

[46] _Ploss_, a. a. O., Seite 25.

[47] A. a. O., Seite 25.

[48] C. L. _Schleich_: Schmerzlose Operationen, 1906, Seite 88-97.

[49] A. a. O., Seite 97.

[50] _James_, a. a. O.

[51] _A. Hfler_: Grundlehren der Psychologie, 1905, Seite 66.

[52] A. a. O., Seite 9.

[53] _W. Wundt_: Grundri der Psychologie, 1907, Seite 323.

[54] _James_ sagt: There is a general principle in Psychology that
consciousness deserts all processes where it can no longer be of use.
(A. a. O., II, Seite 496).

[55] All consciousness seems to depend on a certain slowness of the
process in the cortical cells. The rapider the currents are, the less
feeling they seem to awaken. (A. a. O., II, Seite 104).

[56] A a. O., II, Seite 367-369.

[57] G. H. Th. _Eimer_: Die Entstehung der Arten auf Grund von Vererben
erworbener Eigenschaften; 1888, Seite 31, 43, 44, 65, 66. (Ich verwerte
hier nur die angefhrte tatschliche Beobachtung Eimers als solche).

[58] _Forel_: A. a. O., Seite 29 und 30.

[59] Vergl. meinen Aufsatz: Grundzge der Rassenveredelung,
Politisch-Anthropolog. Revue, VIII. Jahrg., No. 9. (Dezember 1909).

[60] A. a. O., Seite 282.

[61] A. a. O., Seite 279-287.

[62] R. _Eucken_: Grundlinien einer neuen Lebensanschauung, 1907.

[63] A. a. O., I, Seite 218: _The psychologists attitude towards
cognition .... It is a thoroughgoing dualism._ It supposes two
elements, mind knowing and thing known, and treats them as
irreducible.

[64] W. _Windelband_: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie, 1903,
Seite 527.

[65] sthetik kommt von dem Griechischen: aisthanomai:
ich nehme mit den Sinnen wahr, oder aisthtos: sinnlich
wahrnehmbar.

[66] Ich verweise hinsichtlich alles dessen nochmals auf meine
Idealistische Sittenlehre und ihre Grndung auf Naturwissenschaft,
Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig, 1909, Preis M. 2--.





End of the Project Gutenberg EBook of Hherzchtung des Menschen auf
biologischer Grundlage., by Paul C. Franze

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