The Project Gutenberg EBook of Die Bagdadbahn, by Paul Rohrbach

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Title: Die Bagdadbahn

Author: Paul Rohrbach

Release Date: August 28, 2014 [EBook #46713]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE BAGDADBAHN ***




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    Die Bagdadbahn

    Von

    Dr. Paul Rohrbach

    Mit einer Karte

    2. Auflage

    [Illustration]

    Berlin 1911
    Verlag von Wiegandt & Grieben (G. K. Sarasin).




Inhalt.


                                                  Seite

    Vorwort                                           5

    I.   Politische Gesichtspunkte                    7

    II.  Die Trace und die Landschaften der Bahn     37

    III. Wirtschaftliche Erwgungen und Tatsachen    49

    Karte                                            84




Vorwort.


Die erste Auflage dieses Schriftchens erschien im Jahre 1902 als Frucht
zweier in den Jahren 1898 und 1900/01 unternommener Reisen nach dem
Orient, die zusammen mehr als ein volles Jahr beansprucht hatten.
Lngere Studien ber die politisch-geographischen Verhltnisse, ber
die gegenwrtige Wirtschaftslage und ber die alte Kultur der Lnder
zwischen dem Mittelmeer und dem Persischen Golf waren vorangegangen
und folgten. Seitdem habe ich noch zweimal, zuletzt 1909, die Gebiete
besucht, die von der anatolischen Bahn, von der Anfangsstrecke der
eigentlichen Bagdadbahn und von der Trace des jetzt in Angriff
genommenen neuen Bauabschnitts durchzogen werden. Die groe Mehrzahl
der Orte und Gegenden, durch welche die zuknftige Weltverkehrslinie
laufen wird, habe ich also selbst gesehen; manche Stcke, namentlich
die wichtigeren, sind auf verschiedenen Routen zwei- bis dreimal von
mir zurckgelegt worden. Der Verlauf und die wichtigsten Beobachtungen
der Reise von 1900/01 wurden in einer Reihe von Berichten in den
Preuischen Jahrbchern, April bis November 1901, ausfhrlicher
geschildert. Das meiste davon ist hernach in Sonderausgabe erschienen,
unter dem Titel: Um Bagdad und Babylon. Vom Schauplatz deutscher
Arbeit und Zukunft im Orient. (Hermann Paetel, Berlin, 1909.) Auf diese
Verffentlichungen bitte ich alle diejenigen Leser verweisen zu drfen,
die, ber das eigentliche Thema von der Bagdadbahn hinaus, Nheres
und auf eigener Anschauung Beruhendes von Land, Leuten und Zustnden
im Bereich des zuknftigen Bahngebietes erfahren wollen, soweit nicht
durch andere Beschreibungen dafr gesorgt ist.

Jahrelang hat es geschienen, als ob der groe Plan in ein bedenkliches
Stocken gekommen sei. Jetzt endlich hat der Weiterbau energisch
begonnen und die Gesamtheit der mit ihm zusammenhngenden Fragen
bewegt wiederum in einer Weise wie nie vorher das politische und
wirtschaftliche Interesse, nicht nur in Deutschland und der Trkei,
sondern auch in England, Ruland, Frankreich, Persien und anderen
Lndern. Was vor einem oder vor zwei Jahrzehnten nur dem tiefer
blickenden und besser orientierten Politiker deutlich war: da die
Bagdadbahnfrage aufs engste mit Problemen verknpft ist, die das
Lebensinteresse groer Nationen und Reiche stark bewegen -- das fngt
heutzutage an Gemeingut des ffentlichen Urteils zu werden. Um so
notwendiger erscheint es, die einzelnen Faktoren, die hier in Frage
kommen, so objektiv wie mglich zu untersuchen und zur Darstellung zu
bringen.




Erstes Kapitel.

Politische Gesichtspunkte.


Jedermann, der die Sache der Bagdadbahn absichtlich schdigen will
oder unabsichtlich dafr wirkt, sie zu diskreditieren, bringt sie in
Verbindung mit dem Gedanken deutscher Kolonisation in Kleinasien,
Mesopotamien usw. Vor 50 Jahren hat ein deutscher Reisender in
Anatolien, Ludwig Ross, Professor aus Halle, zum erstenmal den Gedanken
ausgesprochen, da Kleinasien ein zuknftiges Kolonisationsland fr
das Deutschtum sei. Mehr als ein Menschenalter hat diese Idee dann
ein ziemlich beschauliches Dasein gefhrt, bis sie vor etwas ber
zwei Jahrzehnten wieder ausgegraben und, seit sich engere politische
Beziehungen zwischen Deutschland und der Trkei knpften, von den
verschiedensten Seiten neu aufs Tapet gebracht wurde. Schlielich
verging kein Jahr, ohne da Leute, die oft nicht einmal in Kleinasien
gewesen waren, in Wort und Schrift die Vorzglichkeit des dortigen
Bodens und Klimas priesen und die Verhltnisse so darstellten, als ob
das Land nur auf eine deutsche Masseneinwanderung warte, und trotz
des kurzen Zeitraums, ber den sich das deutsche Orientinteresse
einstweilen erst erstreckt, war es noch vor kurzem fast unmglich,
ein Wort zur Sache zu uern, das einem nicht schon frmlich im Munde
zugunsten des Kolonisationsgedankens umgedreht wurde, auch wenn man mit
aller Deutlichkeit und Ausfhrlichkeit das Gegenteil gesagt hatte.

So viel ist sicher: wenn die Trken es auch nur von ferne fr mglich
halten, da hinter unseren Bemhungen um ein gutes Verhltnis zu ihnen
die Idee stecke, Zehntausende oder gar Hunderttausende unserer Bauern
auf osmanisches Territorium bersiedeln zu lassen, so wre es von dem
Augenblick mit all unserer Politik im Orient auf lange hinaus zu Ende,
ganz besonders, wenn dabei von Kleinasien die Rede ist. Freilich
ist auch dieser Begriff Kleinasien in der Vorstellung des deutschen
Publikums etwas so Schwankendes und Unbestimmtes, da es schwer hlt,
fr die Errterung der darauf bezglichen Probleme die geographische
Grundlage herzustellen. Man begegnet in unseren ersten Zeitungen
Berichten und Darstellungen, die das Land zwischen dem oberen Euphrat
und Tigris, ja sogar die unteren Stromgebiete nahe dem persischen Golf,
endlich auch syrische Landschaften, ganz harmlos auch als Kleinasien
bezeichnen. Demgegenber mag hier, so selbstverstndlich es vorkommen
will, ausdrcklich betont werden, da unter Kleinasien oder Anatolien
nur die eigentliche Halbinsel westlich einer Linie, die von Trapezunt
am Schwarzen Meer nach dem Golf von Issos oder Alexandretta verluft,
zu verstehen ist; da stlich dieser Grenzlinien Armenien und Kurdistan
liegen und sdlich von diesen beiden das ebene Stromland des Euphrat
und Tigris: in seiner nrdlichen Hlfte herkmmlich Mesopotamien
genannt, in seiner unteren Babylonien oder das arabische Irak; das
ganze Kstenland dagegen vom Golf von Alexandretta bis zur Grenze
gyptens fassen wir heute wie vor alters unter dem Namen Syrien
zusammen.

Auf diesem ganzen weiten Gebiet mu man zwischen der anatolischen
Halbinsel und den brigen Lndern insofern eine sehr starke Scheidung
machen, als jene von osmanischer Bevlkerung in ziemlich kompakter
Masse besiedelt ist, diese aber von dem osmanischen Trkentum nach
Rasse und Sprache getrennt sind. Das kurdisch-armenische Hoch- und
Gebirgsland kme schon wegen seiner schwierigen Bodenbeschaffenheit
fr europische Besiedelung nicht in Betracht. Es verbleiben also das
_arabische_ Sprachgebiet, d. h. Syrien, Mesopotamien und Babylonien,
und das _trkische_, d. h. Anatolien. Dieses letztere beherbergt etwa
6 Millionen Osmanen, die zum greren Teil als Bauern auf dem platten
Lande, zum kleineren als Gewerbetreibende in den Stdten leben. Es ist
der nationale und materielle Kern des trkischen Reiches, die einzig
zuverlssige Basis seiner politischen und militrischen Existenz.
Eine sehr bedeutende und der Trkei sehr wohlwollende Autoritt hat
daher einmal den Trken den Rat gegeben, sie mchten allmhlich, je
eher desto lieber, ihren ganzen berseeischen Besitz, d. h. alle
schlecht an Anatolien angegliederte Reichsteile, abstoen. Gerade
auf diese Weise wrde es der Trkei mglich sein, eine feste und
stabile Weiterexistenz inmitten des europischen und orientalischen
Staatensystems zu fhren, whrend die Aufgabe, wesentlich mit den
Krften, d. h. mit dem Menschenmaterial Anatoliens, das ganze ber
drei Erdteile ausgedehnte Reich zu verteidigen, leicht eine auf die
Dauer verhngnisvolle beranstrengung jenes einen tragenden Teils
herbeifhren knnte. Allerdings ist zu sagen, da es auf jeden Fall
unntz sei, solche Gedanken zu diskutieren, weil sich doch keine
trkische Regierung finden wird, die von der Notwendigkeit einer
derartigen Selbstamputation berzeugt werden knnte. Unter dem alten
Regime wre daher die Katastrophe auch ber kurz oder lang eingetreten,
weil nicht nur die berlastung des osmanischen Elements zu gro
war, sondern auerdem noch die Krfte des Staates teils sinnlos
unterbunden, teils frivol verschleudert wurden. Das neue Regime hat
auch in dieser Beziehung seine Einsicht bewiesen, indem es sich zu dem
Versuch entschlo, auch die Christen zum Militrdienst heranzuziehen.
Ich habe ber diese allerdings sehr schwierige Frage mit fhrenden
militrischen Persnlichkeiten der neuen Trkei eine Unterhaltung
gehabt und aus dieser entnommen, da nicht die Vergrerung der
Truppenmacht in Bezug auf die Zahl der Mannschaften, _sondern die
Entlastung des mohammedanischen und in erster Linie des trkischen
Elements_ die Absicht dabei ist. Das ist absolut notwendig, aber es
mu noch mehr geschehen. Bisher haben nicht nur die Christen, sondern
auch ein groer Teil der _nichttrkischen mohammedanischen_ Untertanen
des Sultans keine Militrdienste geleistet, weil die Regierung zu
schwach war, um die Stellung von Rekruten berall durchzusetzen. Die
Nomaden in Mesopotamien und Babylonien sowie in den syrisch-arabischen
Grenzgebieten stellten keine Rekruten, die Kurden auch nicht und
die albanesischen Stmme berwiegend auch nicht. Der Versuch Abd ul
Hamids, die militrische Kraft der Kurden durch die Organisation der
sogenannten Hamidiregimenter, die etwas hnliches sein sollten wie
die russischen Kosaken, fr die Reichsverteidigung nutzbar zu machen,
hatte nur einen sehr geringen Wert, da die Hamidis im Ernstfall
schwerlich htten bewogen werden knnen, auf grere Entfernung von
ihrer Heimat ins Feld zu rcken. Jetzt greift die Regierung krftiger
durch; Albanien ist unterworfen und zum groen Teil auch entwaffnet;
wie es scheint, ist man auch schon mit den Drusen im Hauran, einem
kleinen, aber krftigen Stamm, fertig geworden, und zweifellos wird
bald Kurdistan an die Reihe kommen. Diese Erfolge der neuen Regierung
sind grer als man sie vorher fr mglich zu halten geneigt war,
und sie verdienen aufrichtige Bewunderung. Trotzdem wird es aber
noch lngere Zeit dauern, bis jene eben gebndigten oder noch zu
bndigenden Vlkerschaften in ein neues organisches und allgemein
trkisches Staatsgefhl hineinwachsen, und wenn ihre Heranziehung
zum Militrdienst auf der einen Seite dazu beitragen wird, die
Osmanen noch weiter zu entlasten, so wird ihre dauernde Beruhigung
und Kontrollierung vorlufig immer noch einen Teil der militrischen
Kraft des Reiches absorbieren. Selbst aber, wenn diese Sorge in
Zukunft einmal nicht mehr existieren sollte, so mte der Gedanke
an irgendeine Kolonisation von Europa aus nach der Trkei hinein,
d. h. an Masseneinwanderung buerlicher Elemente, an einer anderen
Erwgung scheitern. Entweder wrden nmlich die Einwanderer Untertanen
einer auslndischen Macht bleiben, und das mu jede trkische
Regierung als eine schlechthin unmgliche Zumutung ablehnen, oder
sie mssen trkische Untertanen werden. Welche inneren und ueren
Schwierigkeiten das fr deutsche Ansiedler htte, liegt auf der
Hand, und selbst wenn diese Schwierigkeiten in Wirklichkeit kleiner
wren, als sie sind, so mte es den Trken doch im hchsten Grade
unratsam erscheinen, zu den schon vorhandenen, nichtmohammedanischen
Angehrigen ihres Staatswesens hinzu noch neue frnkische, christliche,
Einsprengungen zu schaffen. Selbst beim besten Willen von beiden Seiten
wrden sich aus dem bloen Versuch, eine deutsche Einwanderung nach
Kleinasien zu organisieren, so starke und so zweifellose Konflikte
ergeben, da in Wirklichkeit der deutschen Sache im Orient gar kein
schlechterer Dienst geleistet werden kann, als wenn die Leute, die
sich flschlich dazu berufen glauben, ihre wirklichen oder angeblichen
Erfahrungen und berzeugungen betreffs deutscher Einwanderung in
trkisches Staatsgebiet fr die weitere ffentlichkeit zum besten
geben. Sie knnen sicher sein, da eine jede derartige uerung
von den Gegnern Deutschlands, von den Feinden unserer legitimen
Bestrebungen im Orient, sorgfltig aufgesucht, verzeichnet und bei
geeigneter Gelegenheit den Trken in mglichst tendenzis zugestutzter
Form zu unserm Schaden prsentiert wird. Mitrauen gegen uns kann in
der Trkei trotz aller augenblicklichen Beliebtheit des Deutschtums
immer hervorgerufen werden. Ich habe selbst bei mehr als einer
Gelegenheit die Erfahrung gemacht, da gerade unter den gebildeteren
und einsichtigeren Trken die fremden Bahnprojekte manchmal als die
Einleitung zur Besitznahme des Landes angesehen wurden. Jetzt ist
unsere Freundschaft ja gro, aber ich frchte, im Grunde seid ihr
doch nicht besser als die Russen und Englnder und wollt doch unser
Land gleich diesen nehmen. Die Eisenbahn aber wird der Strick sein,
mit dem ihr es an euch zieht. -- Mit diesen Worten kennzeichnete mir
ein alter gebildeter und vornehmer Mohammedaner whrend meiner Reise
in Mesopotamien 1900/01 seine Anschauung von der deutsch-trkischen
Politik und von der Eisenbahnfrage. Es bedarf also wirklich nicht
solcher politischen Ungeschicklichkeiten, wie es manche Journalartikel
ber deutsche Kolonisation im Orient sind, um unsere ohnehin nicht
leichte Stellung und Aufgabe am Bosporus zu erschweren.

In politisch-nationaler Beziehung lgen die Dinge, wenn es nur hierauf
ankme, im arabischen Sprachgebiet allerdings anders. Zwar ist von
wirklichem rassenreinem Arabertum in der arabisierten, syrischen und
babylonischen Bevlkerung von Beirut und Jaffa bis Mossul und Basra
nur sehr wenig vorhanden. Aber weil die Leute arabisch sprechen,
bilden sie sich ein, weitaus etwas Besseres zu sein als der Trke,
den sie tief innerlich als einen rohen Barbaren verachten, obwohl
er ihnen an Energie und manchen anderen Eigenschaften seines Wesens
weit berlegen ist. Viel trgt zu dieser Stimmung, die am schrfsten
in Damaskus und berhaupt in Syrien ist, der Umstand bei, da nur
wenige von den hheren Provinzialbeamten aus den Eingeborenen des
Landes genommen werden, sondern fast alles vom einfachen Kaimakam
(etwa Landrat) an wird von Konstantinopel hergeschickt. Selbst aber,
wenn die Trken in Syrien-Mesopotamien an Kolonisation von auerhalb
dchten, um das arabische Element in Schach zu halten, so hlfe
uns das aus dem Grunde wenig, weil nur in sehr beschrnkten Teilen
jener Gebiete Ackerbaukultur und berhaupt schwerere Arbeit fr den
Deutschen mglich ist -- aus klimatischen Grnden. Die schwbischen
Kolonisten in Palstina, die sogenannten Templer, machen scheinbar
davon eine Ausnahme, aber erstens hat es Jahrzehnte gedauert, bis ihre
Ansiedelungen zu der jetzigen Blte gelangt sind, zweitens beschftigen
sie sich meistens nicht mit dem schweren Feldbau, sondern mit den
leichteren landwirtschaftlichen Kulturen, Sdfrchten und anderem Obst,
Bienenzucht, Weinbau und hnlichem, und drittens sind sie bekanntlich
trotz allem heftigen Angriffen ausgesetzt, und da ihre Ansiedelungen
irgendwie zu betrchtlicheren Grenverhltnissen gediehen, ist durch
die ganze Lage der Dinge ausgeschlossen.

Die Besorgnis vor der politischen Einflunahme Deutschlands in den
von der Bagdadbahn durchzogenen Landesteilen der Trkei ist es auch
offenbar gewesen, wodurch es, von den finanziellen Schwierigkeiten
in der Garantiefrage abgesehen, den Gegnern Deutschlands Jahre und
Jahre hindurch erleichtert wurde, in trkischen Kreisen selbst
Stimmung gegen die deutschen Eisenbahnbauten zu machen. Auch von uns
anscheinend nicht belwollender Seite in England, und ebenso auch in
Ruland, hrt man fters die Meinung uern, Deutschland _msse_ bei
dem starken Anwachsen seiner Bevlkerung doch irgendwo auf den Erwerb
eines wirklichen Kolonisationsgebietes bedacht sein. Die Leute, die
das meinen, bersehen erstens, da wir im Durchschnitt noch lange
nicht eine Volksdichte erreicht haben, bei der von bervlkerung
die Rede sein kann. Selbst aber, wenn das nach langer Zeit wirklich
einmal der Fall sein und starker innerer berdruck ein Steigen der
Auswanderungsquote hervorrufen sollte, so wird man bei uns nie daran
denken, die Bewegung in die Lnder am Euphrat und Tigris abzuleiten.

Diese Vorbemerkung ber die jetzt glcklicherweise etwas mehr in
den Hintergrund tretende, aber immer noch nicht ganz abgetane
Kolonisationsfrage war notwendig, um fr die weitere Behandlung
des ganzen Bagdadbahnproblems nach der politischen wie nach der
wirtschaftlichen Seite hin freie Bahn zu bekommen.

       *       *       *       *       *

Unter das Stichwort Bagdadbahn gehrt ein fr Deutschland sehr
weittragender, umfassender und nicht einfacher Zusammenhang von
Tatsachen und Erwgungen der groen Politik. Als zuerst der Gedanke im
Ernst auftauchte, unter Fhrung deutschen Kapitals und mit magebender
Beteiligung der deutschen Industrie einen Schienenweg zu erbauen,
der am Bosporus beginnen und am persischen Golfe endigen sollte,
da dachte man in weiteren Kreisen zunchst nur an die sogenannten
rein wirtschaftlichen Vorteile, die sich hieraus fr das deutsche
Wirtschaftsleben ergeben wrden. Wer seine Gedanken weiter schweifen
lie, der stellte sich vor, da in Zukunft auch die Versorgung des
europischen, zum Teil also auch des deutschen Marktes mit Getreide,
Baumwolle und anderen Produkten aus dem zuknftigen Gebiet der
Bagdadbahn wrde stattfinden knnen, sobald dort infolge des Bahnbaues
Bodenertrag und Bevlkerung wieder auf einen hnlichen Stand gelangt
sein wrden, wie einst im Altertum. Man braucht diese Erwgungen
keineswegs auszuschlieen, ja man kann und mu sie sogar stark
unterstreichen, aber der eigentliche Ausschlag in der Gesamtheit der
Fragen, um die es sich hier handelt, liegt nicht bei ihnen, sondern
auf anderem Gebiet. Um ihn seiner Natur nach zu verstehen, ist es
notwendig, von ziemlicher Ferne her auszuholen, und zwar von dem
Wechsel in den Prinzipien der deutschen auswrtigen Politik, der bald
nach 1890 durch das vernderte Verhltnis zu England offenbar wurde.

Von 1870 an ist unsere Politik etwa ein Vierteljahrhundert lang ganz
berwiegend durch das Verhltnis zu Frankreich bestimmt worden. Als
der Frankfurter Friede geschlossen war, sagte Moltke, die Festhaltung
des Errungenen wrde dem neuen deutschen Reich fnfzig Jahre
Waffenbereitschaft kosten. Bismarck fhrte in seinen Gedanken und
Erinnerungen mehrfach aus, wie das Prinzip der Gefahr fr Deutschland
hierbei in der Mglichkeit der Konstellation des Siebenjhrigen
Krieges lge, d. h. in einem Bndnis Frankreichs, sterreichs und
Rulands gegen uns. Aus diesem Grunde, sagt er, msse die deutsche
Politik so gefhrt werden, da Deutschland zwischen sterreich und
Ruland sich mindestens mit einem dieser beiden Staaten, womglich aber
mit beiden, in einer dauerhaften Verstndigung befinde. Sehr hufig
findet sich bei Bismarck, angedeutet oder ausgesprochen, der Gedanke,
da -- vom Standpunkt Deutschlands aus betrachtet -- der politische
Zusammenschlu der drei Kaiserreiche im Grunde das ideale europische
System sei, immer mit Rcksicht auf das Revanchebedrfnis Frankreichs
und auf die von dort ausgehende, den alten Monarchien unbequeme
Agitationskraft der demokratisch-republikanischen Idee.

Eine verhltnismig sehr geringe Rolle spielt dagegen in dem
politischen Gedankensystem Bismarcks das Verhltnis zu England.
Persnlich empfand er England gegenber eher Abneigung als Zuneigung,
aber die Mglichkeit eines akuten Zusammenstoes der deutschen und der
englischen Interessen sah er nirgends, und tatschlich bestand sie auch
zu seiner Zeit noch nicht. Die englische Politik in Europa zur Zeit
Bismarcks war in erster Linie Orientpolitik, und der Orient war damals,
wie Bismarck selbst gesagt hat, fr Deutschland nicht die Knochen
eines pommerschen Grenadiers wert. Abgesehen hiervon trieb England
eine Politik der groen berseeischen Interessen, und solche kamen fr
Deutschland noch wenig in Frage. Bismarcks praktischer politischer
Standpunkt gegenber England war bestimmt durch die Erwgung, da
Deutschland bei England eine Versicherung seiner Errungenschaften
von 1870/71 nicht suchen knne: erstens deshalb nicht, weil die
Interessenkreise beider Staaten auseinanderfielen, und zweitens, weil
die englische Verfassung Bndnisse von gesicherter Dauer nicht zulasse.
Dem entsprachen auch auf der englischen Seite die Vorstellungen ber
das Verhltnis zu Deutschland. Man glaubte so wenig an die Mglichkeit
eines ernsthaften Interessenkonflikts mit diesem Staate, da man
ohne Bedenken gegen gewisse territoriale Zugestndnisse in Afrika
die wichtige seestrategische Position von Helgoland an das Deutsche
Reich berlie: 1890. Unter den heutigen Verhltnissen wrde der bloe
Gedanke, Helgoland an die Deutschen abtreten zu sollen, jedem Englnder
als eine Absurditt erscheinen. So sehr hat sich die Lage in den
letzten 20 Jahren verndert.

Die nderung im politischen Verhltnis zwischen England und Deutschland
war bedingt durch die nderung der wirtschaftlichen Gesamtstruktur
Deutschlands. Das deutsche Wirtschaftsleben entwickelt sich mit
der Notwendigkeit und Unaufhaltsamkeit eines Naturprozesses in
derselben Richtung, die das Wirtschaftsleben Englands schon seit
einem Jahrhundert eingeschlagen hat. Unser Boden vermag schon seit
einem Vierteljahrhundert das Volk, das auf ihm lebt, nicht mehr zu
ernhren, und es gibt keine andere Mglichkeit, unsere Volkswirtschaft
zu erhalten, als Beteiligung im groen Stil an der Weltwirtschaft und
am Welthandel. Deutschland mu nicht nur die Nahrungsmittel, die es
importiert, sondern auch den grten Teil der industriellen Rohstoffe,
die es gleichfalls aus fremden Lndern einzufhren gentigt ist, mit
dem Gewinn aus seiner Beteiligung an Welthandel und Weltwirtschaft
bezahlen, und mit jedem Jahre beruht ein grerer Teil unserer Existenz
auf unseren Beziehungen zu berseeischen Lndern und fernen Erdteilen.

Dasselbe in noch hherem Grade ist in England der Fall, und England
hat daher schon seit langem in politisch-militrischer Beziehung die
einzig mgliche Folgerung aus seiner Lage gezogen. Es hat eine Flotte
gebaut, die imstande ist, ihm die Sicherheit seiner berseeischen
Beziehungen zu garantieren, und es hat hintereinander die Flotten
derjenigen Mchte, die allein oder in Verbindung ihm htten gefhrlich
werden knnen, vernichtet oder bedeutungslos gemacht. Wenn aber England
aus der Tatsache, da es auf die Sicherheit seiner Seeverbindungen
schlechthin angewiesen war, die Folgerung zog, da es eine starke
Seemacht haben msse -- welches Schicksal droht dann Deutschland, wenn
eines Tages eine zur See strkere fremde Macht es in ihrem Interesse
fr ratsam finden sollte, die berseeische Bettigung Deutschlands
einzuschrnken? Welch ein ungeheures und gefhrliches Pressionsmittel
wrden diejenigen Staaten und Vlker, denen ein zur See ohnmchtiges
Deutschland gegenbersteht, in der Hand halten, wenn sie die
Mglichkeit besen, durch die bloe Drohung mit einem Seekriege auf
die Entschlsse der deutschen Politik mit Zwangsgewalt einzuwirken!
Auch fr Deutschland ist also die Notwendigkeit gegeben, eine Flotte zu
bauen, die stark genug ist, um den Platz, den die Nation innerhalb der
Weltwirtschaft errungen hat, wirksam zu verteidigen. Von dem Augenblick
an, wo wir danach zu handeln anfingen, war aber eine tiefgreifende
nderung des Verhltnisses zu England unvermeidlich, und damit
entstand auch die Notwendigkeit einer nderung in den Grundprinzipien
der deutschen Politik. An und fr sich wre es fr Deutschland am
vorteilhaftesten gewesen, wenn die politischen Verhltnisse dauernd
so htten bleiben knnen, wie sie zur Zeit Bismarcks waren. Damals
war Deutschland nach Bismarcks Ausdruck saturiert; es besa was
es brauchte, und war mehr als irgendeine andere Gromacht an der
Erhaltung gerade der bestehenden Zustnde und Machtverhltnisse
interessiert. Seitdem eine beachtliche deutsche Flotte da ist, bildet
ihr bloes Vorhandensein fr die englischen Interessen zweifellos
eine Unbequemlichkeit, nach Meinung der Englnder sogar eine Gefahr.
Die deutsche Seemacht kann zwar nicht daran denken, fr sich allein
der englischen entgegenzutreten und sie zu besiegen, aber sie ist
doch stark genug, um der englischen Politik gewisse Rcksichten nahe
zu legen. Daher begannen seit dem Regierungsantritt Eduards VII. mit
besonderem Nachdruck unternommene Bemhungen Englands, uns politisch
zu isolieren, einzukreisen, wie man in den letzten Jahren meistens
gesagt hat.

Was soll Deutschland dagegen tun? Das Wachstum des deutschen Volkes
und der deutschen Interessen schreitet unaufhaltsam fort, und mit ihm
die Notwendigkeit, der deutschen Industrie einen steigenden Anteil
am Weltmarkt zu sichern. Eine Reduktion oder ein Stillstand in der
Entwicklung der deutschen Seemacht wrde die Lage wahrscheinlich
fr den Augenblick sehr erleichtern, aber was dann, wenn der Moment
eintritt, wo England von seiner berlegenheit und von Deutschlands
Schwche zur See glaubt Gebrauch machen zu sollen? Eine Lage, wie die
Deutschlands in einem solchen Augenblicke wre, kann kein groer Staat
freiwillig fr ertrglich halten und das Risiko auf sich nehmen, in sie
zu geraten.

Es ist nicht schwer einzusehen, da die Aufgabe der deutschen Politik
durch den Hinzutritt der Spannung von der englischen Seite her zu
dem franzsischen Revancheprinzip gegen frher bedeutend erschwert
ist. Frher war es Frankreich allein, auf dessen Untersttzung eine
dritte Macht im Falle eines Konflikts mit Deutschland rechnen konnte;
heute scheint es England fast noch mehr zu sein, als Frankreich.
Dabei geniet England den Vorzug, da die Initiative bei ihm steht,
denn es kann sicher sein, da Deutschland keinen Konflikt beginnen
wird, der es auch im gnstigsten Falle in die allergrten Gefahren
strzen mu. Unterliegt Deutschland, so ist sein Seehandel zertrmmert,
seine Stellung in der Weltwirtschaft auf lange verloren; siegt es,
so fordert es durch seinen Sieg die europische Koalition gegen
sich heraus. England ist also frei, sich zu entscheiden, ob es bei
gnstiger Gelegenheit den Versuch machen will, Deutschland gewaltsam
niederzudrcken, oder ob es weiter den friedlichen Konkurrenzkampf
bestehen will. Kme es zu einem Kriege, so wrde es sich fr
Deutschland schlechthin um Sein oder Nichtsein handeln. Die Mglichkeit
einer gnstigen Wendung hngt einzig und allein davon ab, ob es uns
gelingt, England selbst in eine gefhrliche Lage zu bringen. Das
kann keinesfalls durch einen direkten Angriff ber die Nordsee hin
geschehen; alle Ideen ber die Mglichkeit einer deutschen Invasion
nach England sind Phantasien. Man mu also eine andere Kombination
suchen, um England an einer verwundbaren Stelle angreifen zu knnen
-- _und hier sind wir an dem Punkte, wo der deutschen Politik das
Verhltnis zur Trkei und die Zustnde in der Trkei fr ihr neues
Grundprinzip, die Rcksicht auf England, entscheidend werden_.

Es gibt fr Deutschland im Grunde nur eine einzige Mglichkeit, einem
englischen Angriffskriege zu begegnen, und das ist die Strkung der
Trkei. England kann von Europa aus nur an einer Stelle zu Lande
angegriffen und schwer verwundet werden: in gypten. Mit gypten wrde
England nicht nur die Herrschaft ber den Suezkanal und die Verbindung
mit Indien und Ostasien, sondern wahrscheinlich auch seine Besitzungen
in Zentral- und Ostafrika verlieren. Die Eroberung gyptens durch
eine mohammedanische Macht wie die Trkei knnte auerdem gefhrliche
Rckwirkungen auf die 60 Millionen mohammedanischer Untertanen Englands
in Indien, dazu auf Afghanistan und Persien haben. Die Trkei aber
kann nur unter der Voraussetzung an gypten denken, da sie ber ein
ausgebautes Eisenbahnsystem in Kleinasien und Syrien verfgt, da
sie durch die Fortfhrung der anatolischen Bahn nach Bagdad einen
Angriff Englands auf Mesopotamien abwehren kann, da sie ihre Armee
vermehrt und verbessert und da ihre allgemeine Wirtschaftslage und
ihre Finanzen Fortschritte machen. Man braucht sich diese Tatsache nur
vor Augen zu halten, um zu begreifen, da es allein dem zwingenden
Gebot der Selbsterhaltung entspricht, wenn Deutschland sich bemht,
zur Strkung der Trkei beizutragen. Je strker die Trkei ist, desto
gefhrlicher ist es fr England, uns auf die Gefahr hin anzugreifen,
da die Trken sich an dem deutsch-englischen Konflikt auf seiten
Deutschlands beteiligen. gypten als Preis ist zweifellos das Risiko
eines Krieges fr die Trken, wenn sie an der Seite Deutschlands gegen
England fechten, wert. Auf der anderen Seite aber wrde die bloe
Erkenntnis, da die Trkei militrisch stark, konomisch gefestigt
und im Besitz gengender Eisenbahnverbindungen ist, _fr England
mglicherweise schon gengen, um auf den Gedanken des Angriffs auf
Deutschland zu verzichten, und das ist es, worauf die deutsche Politik
abzielen mu. Die Politik der Untersttzung, die Deutschland der Trkei
gegenber verfolgt, bezweckt nichts anderes als den Versuch, eine
starke Versicherung gegen die von England her drohende Kriegsgefahr zu
schaffen_.

Ich habe an anderer Stelle, in einem Buche, das sich auf breiterer
Grundlage mit den Fragen der deutschen auswrtigen Politik
beschftigt[1], den Gedanken ausfhrlicher entwickelt, da zu dem
Bndnis zwischen Deutschland und sterreich-Ungarn nur noch eine
gemeinsame Verstndigung der beiden europischen Zentralmchte mit
der Trkei hinzutreten mu, damit ein festes Gegengewicht gegenber
derjenigen Mchtegruppierung entsteht, die unter Fhrung Englands eine
nderung des gegenwrtigen europischen Gleichgewichts erstrebt. Fr
die ausfhrliche Begrndung dieses Gedankens bitte ich auf die genannte
Stelle verweisen zu drfen; nur seinen Grundzgen nach sei er in
folgendem kurz angedeutet. England ist, solange fr sein Verhltnis zu
den europischen Kontinentalstaaten die Rcksicht auf Deutschland noch
nicht magebend war, die Schutzmacht der Trkei gewesen und hat noch
1878 auf dem Berliner Kongre Ruland mit einem Interventionskrieg fr
die Trken bedroht, wenn die Friedensbedingungen von San Stefano nicht
erheblich revidiert wrden. Seine innere Stellung zur Trkei mute
sich aber in dem Mae verndern, wie diese anfing, als eventueller
Mitspieler Deutschlands in Betracht zu kommen, und wie auerdem die
englischen Interessen selbst eine Richtung erhielten, die, konsequent
verfolgt, zu einer mindestens teilweisen Liquidation der trkischen
Masse fhren mte. Auerdem war es eine Grundvoraussetzung der
englischen Protektion, da die Trkei ein nach auen hin schwacher
Staat, ohne die Befhigung zu eigener politisch-militrischer
Initiative, blieb. Schon unter dem alten Regime, vor der Beseitigung
Abd ul Hamids, war die Entwicklung in dieser Beziehung nicht dem
englischen Interesse gem. Zwar hinderte der korrupte Despotismus
des Sultans und die Herrschaft der Palastklique eine wirkliche
Besserung der Verhltnisse von innen heraus, aber in militrischer
Beziehung wurden unter dem Einflu der deutschen Armeeinstruktoren
doch zweifellose Fortschritte gemacht, und das Bagdadbahnprojekt
mute nach seiner Vollendung nicht nur die wirtschaftliche, sondern
auch die politische und militrische Lage der Trkei verbessern.
Gegen das erstere htte die englische Politik natrlich nichts
einzuwenden gehabt, wohl aber gegen das zweite und dritte. Je mehr
daher die Mglichkeit in den Vordergrund trat, da Deutschland, mit
sterreich-Ungarn verbndet, eines Tages auf dem Umweg ber die Trkei
die Einkreisungspolitik Englands durchkreuzen knnte, desto nher
rckte fr England die Frage, ob es nicht besser sei, wenn die Trkei
an der hierfr geeignetsten Stelle in dieser oder jener Form einer
Amputation unterzogen oder dortselbst eine feste englische Kontrolle
aufgerichtet wrde.

Whrend der Epoche der frheren Krfteverteilung in Europa, bis zum
russisch-japanischen Kriege, war freilich die Existenz einer halbwegs
widerstandsfhigen Trkei fr England notwendig, damit eine Vormauer
gegen Rulands Drngen nach den Zugngen des Mittelmeeres erhalten
blieb. Die russische Niederlage gegen Japan nderte dies aber.
Erstens verschwand der grte Teil der russischen Seemacht vom Meere
und zweitens offenbarten sich nicht nur zu Wasser, sondern auch zu
Lande so groe russische Schwchen, da England den russischen Faktor
lange nicht mehr mit demselben Gewicht in seine Rechnung einzustellen
brauchte, wie vordem. Unmittelbar nach dem Friedensschlu zwischen
Ruland und Japan erfolgte das englisch-russische Abkommen ber Persien
und den mittleren Osten. Ruland verzichtete formell auf seine
frheren Wnsche, auch in Sdpersien Einflu auszuben, einen Hafen
am sdlichen Meer zu erwerben, und eine Eisenbahn dorthin zu bauen,
und es erkannte Sdpersien samt dem persischen Golf als englisches
Interessengebiet an. Es ist nicht unwahrscheinlich, da der Vertrag
ber Persien auch noch geschriebene oder ungeschriebene Paragraphen
fr den Fall enthlt, da eine Krisis der Trkei eintreten sollte.
England verfolgt seit geraumer Zeit den Plan einer Eisenbahnverbindung
zwischen gypten und Indien auf dem Wege durch Nordarabien, das
Bagdadgebiet und das sdliche Persien, und dies Projekt, das die
nordostafrikanische und die sdasiatische Machtsphre Englands
miteinander in Verbindung setzen soll, versteht sich natrlich unter
der Voraussetzung, da auch die dazwischen liegenden Gebiete mit und
infolge der Eisenbahn in irgendeiner Form unter englische Kontrolle
kommen. Was Sdpersien betrifft, so ist diese Voraussetzung bereits
geschaffen. Auch Arabien kann mit Ausnahme der trkischen Provinzen
Hedschas und Yemen berwiegend als englisches Einflugebiet bezeichnet
werden. Die Sultanate und kleineren Herrschaften an der arabischen
Kste stehen tatschlich und meist auch formell unter englischem
Protektorat, und bei den unabhngigen Stmmen des Innern ist englischer
Einflu ebenfalls vorhanden. Ohne die indirekte Untersttzung von dem
englischen Aden aus wre auch der Aufstand in Yemen gegen die Trken
schon lange unterdrckt, und an der arabischen Kste des persischen
Golfes, wo die Landschaft el Hasa seit ber dreiig Jahren trkisches
Staatsgebiet ist, hat England sogar ohne Rcksicht hierauf den
Schech von Kuweit als unabhngigen Herrscher anerkannt. Daraufhin
beansprucht es, hier am projektierten Endpunkt der Bagdadbahn mit
ihm einen Vertrag schlieen zu knnen, durch den el Hasa gleichfalls
zum Reservatgebiet englischer Politik gemacht wird. Es bleibt also
eigentlich nur das Vilajet von Bagdad oder das trkische Irak, das die
Nil-Indusbahn notwendig kreuzen mu, als ein solider Fremdkrper in der
wohl vorbereiteten Zone des englischen Einflusses im mittleren Osten
brig. Auch wenn es im Augenblick noch nicht zu den festumschriebenen
Zielen der englischen Politik gehren sollte, gypten und Indien durch
Inkorporation der dazwischen liegenden Lnder in das britische Reich
zu verbinden, so mu es ihr doch in hohem Grade unbequem erscheinen,
wenn das wichtigste und zukunftsreichste Stck davon, das Gebiet am
Unterlauf des Euphrat und Tigris, sich im Voraus auf eine solche Weise
entwickelt, da es spter auf jeden Fall ein Hindernis bildet.

Es ist jetzt etwa ein Jahrzehnt her, da Willcocks, der berhmte
englische Wasserbauingenieur, seinen Vortrag ber die Wiederherstellung
der alten Kultur Babyloniens in der geographischen Gesellschaft in
Kairo gehalten hat. Das war die Zeit, wo das groe Programm Lord
Curzons, 1899 bis 1905 Vizeknig von Indien, fr die britische Politik
im mittleren Osten zum erstenmal ffentlich verlautbarte: nicht
zufllig gleich nachdem Eduard VII. den englischen Thron bestiegen
hatte. Willcocks gab, im Vorgefhl der kommenden Periode politischer
Aktivitt Englands im indisch-gyptischen Zwischengebiet, seinen
impulsiven und optimistischen Ausfhrungen eine direkte politische
Spitze, die deutlich erkennen lie, welches die englischen Ziele
waren. Er sprach von der Wiederherstellung eines gewaltigen antiken
Kanals am Tigris und stellte die verfngliche Frage, ob dieses Werk in
Zukunft der Kanal des Kaisers von Indien oder der Kanal des Kaisers
von Deutschland heien werde? Ja er ging noch weiter und verfocht
den Gedanken einer Besiedelung jener wiederzugewinnenden alten
Kulturlnder mit gyptischen und indischen Bauern, also mit britischen
Untertanen! Wenn das ein Mann von der Stellung und Autoritt sagte, die
Willcocks schon damals besa, so ist es klar, von welchen Ideen die
vorwrtsdrngende Richtung innerhalb der englischen Politik bewegt war
und heute noch bewegt ist.

Es erscheint daher nur natrlich, wenn England, sobald der Plan
einer Eisenbahn zum persischen Golf auftauchte und Gestalt gewann,
sofort seine Maregeln traf. Die erste war jenes bereits erwhnte,
die trkischen Hoheitsrechte ignorierende Abkommen mit dem Schech
von Kuweit, wodurch der Endpunkt der Bahn in englisches Machtgebiet
fallen sollte. Das zweite, was von englischer Seite geschah, was
das Erheben der Forderung, die untere Strecke der Bahn, etwa von
Mossul abwrts, solle mit englischem Kapital gebaut werden und unter
englischem Einflu stehen. Selbstverstndlich verbindet sich damit
der Plan, mit dem Bau am Golf anzufangen und aufwrts nach Bagdad
zu gehen. Ins Politische bersetzt wrde das bedeuten, da England
sich die Anmarschlinie von Indien in das Herz von Mesopotamien
sichert. Umgekehrt ist es ein absolutes Erfordernis fr das trkische
Interesse, da keine fremde Macht imstande sein darf, mit Hilfe
einer Eisenbahn Bagdad eher zu erreichen, als bis trkische Truppen
aus den Kernlndern der Trkei dorthin gelangen knnen. Wenn also
England bei seiner an sich ja sehr begreiflichen Forderung bleibt,
da die Strecke Kuweit--Bagdad mit englischem Gelde und zum Nutzen der
englischen Industrie gebaut werden soll, so kann die trkisch-deutsche
Gegenbedingung nur darin bestehen, da die englischen Schienen Bagdad
von Sden her nicht frher berhren, als die Bagdadbahn selbst
von Norden her. Wenn die Trkei erst ber eine ununterbrochene
Bahnverbindung zwischen Anatolien und dem Irak verfgt, so kann sie
sich schon die militrische Kraft zutrauen, auf jeden Fall in und um
Bagdad mit Nachdruck ihre Rechte zu wahren.

Bezeichnend fr die englischen Wnsche und Plne ist ein weiterer
Vorschlag, den Willcocks gemacht hat: eine Eisenbahn vom Golf nach
Bagdad _und von Bagdad direkt nach der syrischen Mittelmeerkste_ zu
bauen. Diese Bahn wrde nicht, wie die Bagdadbahn tut, dem Tigris,
sondern dem Euphrat folgen und nach Willcocks auf dem krzesten Wege
ber das alte Palmyra und Damaskus, also genau im Zuge der antiken
Karawanenstrae, der Kste zustreben. Die Kosten berechnet Willcocks
fr die Strecke Bagdad--Damaskus auf 45 Millionen Mark, die Lnge der
Strecke auf 550 englische Meilen, gleich rund 900 Kilometer. Das
macht pro Kilometer nur 50000 Mark, ein viel zu geringer Anschlag,
wenn Normalspur damit gemeint sein soll. Vielleicht sollen damit
aber in erster Linie die hohen veranschlagten Kosten der Bagdadbahn
diskreditiert werden. Willcocks lt sich nicht darber aus, ob und
wieweit das jetzt in der Verwirklichung begriffene Bagdadbahnprojekt
hierdurch berflssig gemacht werden soll; er sagt vielmehr nur,
da es aus Handelsrcksichten wnschenswert sei, den zuknftigen
Produkten Babyloniens einen mglich kurzen Weg ans Meer zu erffnen.
Wenn es sich aber nur um die Transporte aus dem Gebiet um Bagdad und
unterhalb Bagdads, dem eigentlichen Irak, handelt, so wird fr diese
die Seefracht um Arabien herum und durch den Suezkanal wohl immer noch
billiger sein, als die Frachtraten von Bagdad ber Deir es Zor und
Palmyra nach Tripolis oder sonst einem syrischen Hafen, und militrisch
wre diese letztere Linie fr die Trkei so gut wie wertlos. Fr
England wrde sie allerdings den Vorteil haben, da sie an einem unter
britischer Kontrolle stehenden Binnenmeer anfngt und zwischen zwei
seestrategischen Positionen Englands im stlichen Mittelmeer, Cypern
und gypten, endet.

Mit dem System der Bagdadbahn zusammen mssen in politischer
Beziehung auch die syrischen Linien betrachtet werden. Gegenwrtig
endet der von Haidar-Pascha am Bosporus ausgehende Schienenstrang
auf dem kleinasiatischen Hochlande dicht am Nordfu des Taurus, wo
die Arbeiten zur berwindung des Gebirges etwa seit einem Jahre im
Gange sind. Das syrische Bahnnetz dagegen reicht nach Norden bis
Aleppo. Zwischen Eregli und Aleppo klafft eine Lcke von rund 500
Kilometern, zu deren Schlieung es bei den groen Bauschwierigkeiten
im Gebirge noch mehrerer Jahre bedrfen wird. Sobald die Bagdadbahn
Aleppo erreicht, besteht eine ununterbrochene Schienenverbindung
durch ganz Anatolien, Syrien und Hedschas bis Medina, allerdings mit
verschiedener Spurweite, denn die anatolische Bahn und die Bagdadbahn
haben Normalspur, die syrischen Bahnen und die Mekkabahn Schmalspur.
In Syrien existierte, abgesehen von der kurzen isolierten Strecke
Jaffa--Jerusalem, ursprnglich nur die franzsische Linie ber den
Libanon von Beirut nach Damaskus. Diese hat aber von Damaskus aus
eine Verlngerung nach Sden ber Meserib nach dem Hafenplatz Haifa
erhalten, andererseits eine Abzweigung von der Station Rayak durch das
Tal zwischen Libanon und Antilibanon ber Homs und Hama bis hinauf
nach Aleppo. Von Damaskus nach Sden geht auerdem die Mekkabahn. Nach
einer im Jahre 1909 ausgegebenen Denkschrift der trkischen Regierung
beabsichtigt diese, sobald wie mglich -- wie es in der Denkschrift
heit  entreprendre immdiatement -- noch eine direkte Linie durch
Palstina von Rayak bis an die gyptische Grenze zu erbauen. Sobald
die Lcke zwischen Eregli und Aleppo zugebaut ist, wre alsdann
eine durchgehende Verbindung wie fr Bagdad so auch fr Syrien mit
Anatolien und der Zentrale vorhanden, und wenn die Bagdadbahn in
militrisch-politischer Beziehung die Sicherung des Irak fr die
trkische Herrschaft bedeuten wird, so liegt die politische Wichtigkeit
der syrischen Magistrale darin, da sie im gegebenen Falle das direkte
Instrument fr einen auf England auszubenden Druck wre. Wenn also
davon die Rede ist, da die Bahnbauten in der Trkei ein gewichtiges
Mittel fr die Aufrechterhaltung des Friedens zwischen Deutschland und
England, d. h. fr die englische Selbstbesinnung, sind, so mu man
sich dabei vergegenwrtigen, da von dem ganzen System der nach Bagdad
fhrende Strang das Verteidigungsmittel der Trkei gegenber etwa
auftretenden Amputationswnschen an der Mndung des Euphrat und Tigris
ist; die von Aleppo sdwrts gerichtete Abzweigung dagegen in dem Fall
wirksam werden wrde, da einmal eine deutsch-sterreichisch-trkische
Kooperation in der Richtung auf gypten notwendig wird. Ganz ebenso
aber, wie das Ziel der politischen Operationen Knig Eduards VII. nicht
der Krieg mit Deutschland, sondern die Herbeifhrung eines solchen
Verteilungszustandes der politischen Krfte war, da Deutschland sich
gezwungen sehen sollte, unter Verzicht auf die Entscheidung der Waffen
geschehen zu lassen, was geschehen sollte, so mu auch von unserem
Standpunkte aus das ganze trkische Regenerationsprogramm, von dem die
Eisenbahnen ein besonders wichtiges Stck bilden, _vor allen Dingen
als ein Stck Sicherung fr den Frieden mit Ehren_ angesehen werden.
Wir haben kein Interesse daran, da irgend jemand die Englnder in
gypten angreift, sondern nur daran, da Eisenbahnen existieren, auf
denen Truppen zur Abwehr eines englischen Angriffs auf Deutschland nach
gypten gelangen knnen.

Diese und noch eine Reihe verwandter Erwgungen hat man natrlich in
England schon angestellt, bevor weitere Kreise in Deutschland des
vorhin skizzierten Zusammenhanges der Dinge sich bewut wurden, und
es bedarf keines allzugroen Scharfsinnes, um zu sehen, da England
durchaus nicht nur der Bagdadbahn im Gebiet von Bagdad, sondern auch
der Bagdadbahn zwischen Eregli und Aleppo mit wenig gemischten Gefhlen
gegenbersteht. Vollends gegen eine Linie, die direkt an die gyptische
Grenze fhrt, wird es wahrscheinlich zunchst Widerspruch erheben.
Schon als die Trkei eine Zweiglinie der Mekkabahn von Maan nach dem
Meerbusen von Akaba bauen wollte, hinderte England das mit nichtigen
Vorwnden und mit der Drohung offener Gewalt. Trotz entgegenstehender
Darstellungen htte es daher auch im politischen Interesse Englands
gelegen, die Bagdadbahn nach dem bergang ber den Taurus, statt
nach dem ursprnglichen Plan von Adana aus direkt ostwrts ber
Bagtsche und Killis, vielmehr um den Golf von Alexandretta herum, ber
Alexandretta selbst und den Beilan-Pa, zu bauen. Es mag wohl sein,
da die Trace um den Golf in verkehrstechnischer und finanzieller
Beziehung Vorzge hat, aber entscheidend mu hier die Frage sein, ob
sie nicht in militrischer Hinsicht Gefahren enthlt, die alle anderen
Vorteile aufwiegen. Eine Bahn die auf lngere Erstreckung so nahe an
der Meereskste hinfhrt, da sie entweder direkt durch eine feindliche
Flotte beschossen werden kann oder der Zerstrung durch berraschend
gelandete Detachements ausgesetzt ist, mu durch Befestigungen sicher
gedeckt sein. Solche Werke am Golf von Alexandretta zu errichten, ist
wahrscheinlich mglich, aber sie wrden so viel kosten, da man mit
dem Aufwand die Bahn auch durch das Binnenland fhren und die Nachteile
des Betriebes ausgleichen knnte. Wenn wir eine Garantie fr den ewigen
Frieden htten, so wre es sehr schn, und man mte dann zweifellos
die billigste Trace whlen; wie die Dinge aber liegen, muten andere
Erwgungen hinter dem Ziel der grten militrischen Sicherheit
zurckstehen.

Die Geschichte des Planes der Bagdadbahn hat vom ersten Augenblick an
in hohem Grade unter der Wirkung politischer Gesichtspunkte gestanden,
trkischer wie auertrkischer. Nicht nur England, sondern auch
Ruland nahm von vornherein das Recht zu Einreden verschiedener Art
in Anspruch. Heute freilich ist seine Stellung gegenber der Trkei
sehr verschieden von der, ber die es vor dem unglcklichen Kriege
mit Japan verfgte. Damals war es imstande, eine Kriegsflotte vor
Konstantinopel erscheinen zu lassen, ehe man mglicherweise in Europa
davon erfuhr, da ein solcher Schritt geplant wurde. Die Befestigungen
am oberen Bosporus waren wenig wert und nicht imstande, das Passieren
der russischen Macht lnger als einige Stunden aufzuhalten, zumal sie
smtlich durch gelandete Abteilungen von ihrer unverteidigten Rckseite
gefat werden konnten. Auf der kaukasischen Seite hatte Ruland
durch die Erbauung der kaspischen Kstenbahn bis Baku und durch die
Verbesserung des transkaukasischen Straennetzes gut vorgearbeitet,
und auch der Bau einer Verbindungsbahn lngs der Kste des Schwarzen
Meeres nach Batum war beschlossen, als der Krieg mit Japan ausbrach.
Dagegen befand sich auf der trkischen Seite die Befestigung des
wichtigsten Platzes an der Ruland zugekehrten Front, Erserum, in
schlechter Verfassung. Man durfte damit rechnen, da sich die Russen
im Kriegsfall bald nach Beginn des Feldzuges im Besitze dieses
Schlsselpunktes befinden wrden. Demgegenber hatte die Trkei ein
dringliches Interesse daran, die Bahn nach Bagdad auf ihrem Zuge durch
die anatolische Halbinsel soweit wie mglich nordwrts verlaufen zu
lassen. Ursprnglich sollte sie daher ber Angora, Sivas, Charput
und Diarbekir nach Mossul gehen. Ruland erreichte aber nicht nur,
da dieser Plan sowie die spter aufgetauchte mittlere Variante
-- Angora, Kaisarie, Charput, Diarbekir -- fallen gelassen wurde,
sondern da die trkische Regierung sogar eine Verpflichtung einging,
knftighin Bahnen im nrdlichen und nordstlichen Kleinasien, wenn
sie solche nicht direkt aus Staatsmitteln baute, an keine anderen
als an russische Konzessionre zu vergeben. Fr die Bagdadbahn aber
wurde die sdliche Trace -- Haidar-Pascha, Eski-Schehir, Konia, Adana
-- gewhlt. Dabei betrachten wir die anatolische Eisenbahn mit ihrem
Endpunkt Konia von vornherein als den ersten Teil der zuknftigen
Gesamtlinie nach Bagdad und dem Golf. Bekanntlich beruht diese
finanziell auf dem System der sogenannten Kilometergarantie, d. h.
es wurden beim Beginn des Baues die voraussichtlichen Gesamtkosten,
Kapitalverzinsung, Betrieb usw., fr den Kilometer berechnet, und die
trkische Regierung verpflichtete sich, diejenige Summe, die an den
Betriebseinnahmen bis zu dem vorhin errechneten Betrage etwa fehlen
sollte, ihrerseits der Bahngesellschaft zu bezahlen. Bei den frheren
finanziellen Verhltnissen der Trkei bedurfte es aber fr diese
Kilometergarantie wiederum einer Garantie, nmlich der Bezeichnung
bestimmter verfgbarer Einnahmeposten des Staatsschatzes, durch die
der fllig werdende Garantiebetrag im voraus gedeckt war. Es ist keine
lange Erluterung ber die praktischen Schwierigkeiten dieses Systems
ntig: war doch die Geldklemme der Trkei infolge der Verschwendung im
Jildis, des mangelhaften Steuersystems und der vielfachen Unterschleife
eine chronische. Durchgreifend geholfen werden kann der trkischen
Regierung vorlufig nur auf dem Wege der Zollerhhung. Hierber ist
endlos mit den beteiligten Mchten verhandelt worden, denn die Trkei
ist bekanntlich in ihrer Zollpolitik nicht autonom, sondern durch
ewige Vertrge gebunden. Auf die Dauer knnen und werden sich
natrlich die Jungtrken nicht durch das Netz dieser Vertrge binden
lassen, sondern auf irgendeine Weise versuchen, ein so wichtiges
Stck der Staatshoheit, wie die Selbstndigkeit in der Zollpolitik,
zurckzugewinnen, und vermutlich wird man ihnen von deutscher Seite
dabei die wenigsten Schwierigkeiten in den Weg legen. Bisher aber und
auch heute noch ist die Trkei zur Rcksichtnahme auf die Vertrge
verpflichtet. England, und in seinem Gefolge Frankreich, haben von
Anfang an das ihrige getan, um eine Verstrkung der trkischen
Finanzkraft auf dem Wege der Zollerhhung zu hintertreiben oder
nur unter Bedingungen zu gestatten, durch die eine Verwendung der
Mehreinnahmen fr die Bagdadbahn ausgeschlossen werden sollte. Nher
auf dieses Gebiet einzugehen, empfiehlt sich aus bestimmten Grnden
nicht; es mag gengen, darauf hinzuweisen, da dieselben Tendenzen wie
vor Jahren, auch heute noch wirksam sind. So erklrt es sich auch,
da der Bau der Bagdadbahn bisher sehr langsame Fortschritte gemacht
hat. Im Dezember 1899 wurde in Konstantinopel der Vertrag ber den
Bau der Linie zwischen der trkischen Regierung und der anatolischen
Bahngesellschaft geschlossen, wonach die Gesellschaft im Laufe von
acht Jahren eine Eisenbahn von Konia ber Bagdad nach Basra zu
bauen bernahm, vorbehaltlich der Regelung der Garantiefrage. Diese
Garantiefrage aber und die hinter ihr stehenden feindlichen politischen
Einflsse machten so groe Schwierigkeiten, da im Anschlu an jenen
Vertrag nur die erste 200 km lange Sektion des Baues bis in die Nhe
von Bulgurlu, jenseits Eregli, zustande kam. Danach war bis 1908 kein
Fortschritt zu verzeichnen. Unmittelbar vor der Revolution vom Sommer
1908, am 2. Juli d. J., gelang es der Bahngesellschaft endlich, die
Vertrge ber den Weiterbau abzuschlieen, und zwar ber 840 km, von
Bulgurlu bis Helif, das direkt sdlich von Diarbekir zwischen Harran
und Nisibis in Obermesopotamien liegt. Der Ausbruch der Revolution
und die Errichtung des jungtrkischen Regiments haben nicht, wie man
erst befrchtete und wie von der Gegenseite auch angestrebt wurde, zu
einer Anfechtung der Konzession gefhrt, doch zog sich der Beginn der
Bauarbeiten an der Taurussektion noch um mehr als ein Jahr, bis zum
Sptherbst 1909, hin. Gegenwrtig ist das Werk dort in vollem Gange.




Zweites Kapitel.

Die Trace und die Landschaften der Bahn.


Die Gesamtlnge der Linie von Haidar Pascha am Bosporus bis Kuweit am
persischen Golf wird etwa 2500 Kilometer betragen. Diese Strecke, die
ja an sich ganz respektabel ist, aber im Vergleich zu der Ausdehnung
der amerikanischen Pazifikbahn, der sibirischen Magistrale oder
des Projekts vom Kap nach Kairo doch nicht so sehr gro erscheinen
kann, teilt man, einschlielich der bereits in den neunziger Jahren
erbauten, bis Konia reichenden anatolischen Bahn, am besten in fnf
von der Natur vorgezeichnete Abschnitte: 1. vom Bosporus bis an den
Fu des cilicischen Taurus, 2. vom Taurus bis an den oberen Euphrat,
3. vom Euphrat bis zum Beginn des babylonischen Niederlandes unterhalb
Tekrit, 4. von jenem Punkt bis Zubeir oder Basra am Schatt-el-Arab,
5. von Basra bis Kuweit. Die erste Strecke ist bereits bis Bulgurlu,
unweit Eregli, das schon dicht vor dem Taurus liegt, gebaut, fast 800
Kilometer lang. Die Linie durchschneidet hier, indem sie sich von
Eski-Schehir ab auf der Hhe des Plateaus hlt, das westanatolische
Vorland und luft dann nahe dem Sdrande der groen Salzwste des
inneren Kleinasiens bis an den Fu des Taurus. Im ganzen genommen
kann dies Stck nicht als voll rentabel bezeichnet werden, wenn auch
zahlreiche Distrikte in der Nhe der Hauptstadt fr den Getreide-,
Obst- und Gemseanbau geeignet sind und ein starker Aufschwung der
Agrikultur in jeder Beziehung schon jetzt unverkennbar ist. Anders
stehts in dieser Beziehung mit der Anschlulinie von Smyrna nach
Afiun-Karahissar, wo sich das schon seit lngerer Zeit bestehende
westliche Bahnnetz an den Strang der anatolischen Eisenbahngesellschaft
anschliet. Wie schon frher erwhnt, ist der Weg an den Euphrat
ber Konia nicht der ursprnglich geplante, aber es mag bei dieser
Gelegenheit doch bemerkt werden, da es nicht ganz allein politische,
sondern auch einige technische Grnde gewesen sind, die es vom
Standpunkt der finanziellen Rentabilitt aus wnschenswert erscheinen
lieen, von der Fhrung ber Siwas-Charput-Diarbekir Abstand zu
nehmen. Es wre diese Trace nmlich erstens um 200 Kilometer lnger
als die jetzt gewhlte sdliche Variante, auerdem aber fhrte sie
auf einer langen Strecke durch auerordentlich schwieriges Terrain,
wo kostspielige Kunstbauten grten Mastabes ntig gewesen wren.
Ausschlaggebend sind diese Erwgungen schwerlich gewesen, da die
trkische Regierung ja ein sehr groes militrisches Interesse an der
nrdlichen Fhrung hatte, aber sie htte sich dann allerdings auch
verpflichten mssen, die fr den Kilometer zu zahlende Garantiesumme
der Gesellschaft gegenber zu vergrern.

Das _zweite_ Stck, vom Taurus bis an den Euphrat, ist auch bei der
jetzigen Fhrung der Trace weitaus das schwierigste. Der Glek-Boghas,
der Hauptpa ber den cilicischen Taurus, ist zwar nur etwas ber
1400 Meter hoch, aber die Gestaltung des Terrains macht es trotzdem
unmglich, ihn zur berfhrung der Schienen zu benutzen. Man entschlo
sich daher fr die berschreitung des Gebirges etwas westlich von dem
alten Pa unter Anwendung eines mehrere Kilometer langen Tunnels. Abd
ul Hamid verlangte mit groer Bestimmtheit, da der Bahnkrper berall
mindestens eine halbe Tagereise vom Meere entfernt bleiben soll, aus
Furcht vor einer Zerstrung durch feindliche Landungstruppen. Um diesem
Wunsche Rechnung zu tragen, mu sich die Linie nach berwindung des
hohen Taurus mglichst nahe am sdlichen Fu des Gebirges halten, aber
doch so, da nach der berschreitung desselben _Adana_ im ebenen
Cilicien berhrt wird. Diese Stadt ist bereits durch eine ursprnglich
englische, jetzt von der Bagdadbahngesellschaft angekaufte kurze Bahn
mit dem Hafenplatz Mersina verbunden. Von Adana wird man durch die
Scharte zwischen dem Nordende des Amanus und dem Sdabhang des Taurus,
die schon in den siebziger Jahren als bequemster bergangspunkt fr
eine Bahn durch das nordsyrische Bergland ermittelt worden ist,
weiter ins Innere gehen, voraussichtlich ber Killis auf Dscherablus,
das alte Karkemisch, sdlich von Biredschik am Euphrat. Von dort
an hrt jede technische Schwierigkeit fr den Bahnbau auf, und die
projektierte Linie luft vom Euphrat an ber die nordmesopotamische
Ebene, nahe dem Fu einer hier den Taurusketten vorgelagerten niedrigen
und breiten Schwelle, auf den Tigris zu. Zuerst war daran gedacht,
die Schienen ber Urfa zu legen; spter hat sich die technische
Kommission dafr entschieden, berhaupt etwas sdlich von der frher
geplanten Trace zu bleiben und geradezu durch die Wste ber
Nisibis auf Mossul loszugehen. Der magebende Gesichtspunkt ist zum
Teil sicher die Kostenersparnis gewesen; andererseits kann man aber
auch geltend machen, da es vielleicht besser ist, das erst infolge
des Bahnbaues wieder urbar zu machende Land selbst gleich mitten zu
durchschneiden, als es erst von Norden her allmhlich aufzuschlieen.
Viel wichtiger aber als diese relativ geringe Abweichung von dem alten
Plane ist der Beschlu, berhaupt ganz auf dem rechten Tigrisufer
zu bleiben, anstatt schon oberhalb Mossul (bei Fleischabur) auf das
linke Ufer hinberzugehen, wie das ursprngliche Projekt lautete. Die
Landschaft auf dem _linken_ Tigrisufer zwischen dem Strom und dem
Rande des iranischen Hochlandes, das alte Assyrien, ist der Kern des
alten Groreichs der zu Ninive und Kalach residierenden Herrscher.
Von Mossul wre man nach dem alten Plan ber das Feld der Schlacht
von Gaugamela, weiter ber Arbela, den oberen und den unteren Sab,
nach dem Naphthabezirk von Kerkuk gelangt. Sdlich von Kerkuk beginnt
eine eigentmliche Bodenkonfiguration: teilweise ein unfruchtbares
mit vorzugsweise aus Kies bestehenden Hgelketten bedecktes Terrain,
teilweise aber zur Sumpfbildung geneigter, von reichlich und reiend
strmenden Wasseradern durchzogener Boden. Hier ist das Land von
Natur zum Reisbau gleichsam vorherbestimmt. Mit der berschreitung
des Dschebel-Hamrin, der sich von jenseits des Tigris in langer Linie
bis an den Fu des Puscht-i-Kuh jenseits der persischen Grenze
erstreckt, tritt man in das babylonische Niederland ein, das ganz
und gar aus den Anschwemmungen des Euphrat, des Tigris und dessen
linksseitiger Nebenflsse besteht. Bei Bagdad sollte dann der Tigris
wieder berschritten werden. Nach dem jetzt geltenden Projekt kommt
der Bahnhof fr Mossul nicht, wie frher geplant, jenseits des
Stromes auf die Sttte des alten Ninive zu liegen, sondern auf das
Westufer des Stromes, nach Mossul selbst, und der Strang luft dann
ber die Ruinensttte des alten Assur (Kalat Schergat) nach Tekrit,
das unmittelbar am Tigris liegt, und weiter nach Bagdad. Auf dieser
ganzen Strecke, vom Sdfu des Taurus bis Bagdad, sind auer der Bahn
von Adana nach Mersina, drei Abzweigungen vorgesehen: eine sdwrts
von der Magistrale nach Aleppo, eine nordwrts nach Urfa und eine
nordostwrts von einem Punkte zwischen Tekrit und Bagdad nach Chanikin
am Fu der iranischen Randkette, nahe der persischen Grenze, also im
Zuge der groen Strae auf das Hochland von Iran hinauf. Von Bagdad
biegt die Linie dann im stumpfen Winkel nach Westen, geht nrdlich
von den Ruinen des alten Babylon ber den Euphrat, berhrt die
schiitischen Wallfahrtsorte Kerbela und Nedschef, folgt dem rechten
Ufer des Euphrat am Rande des berschwemmungsgebietes und erreicht
schlielich Basra am Schatt-el-Arab, dem gemeinsamen Unterlauf der
beiden vereinigten Strme. Von Dscherablus bis Basra gibt es kaum
einen einzigen Kilometer, der nicht in fruchtbarem oder in anderer
Beziehung zukunftsreichem Lande lge, ohne die mindesten technischen
Schwierigkeiten fr den Bau, wenn man von der berwindung einiger
kleinerer sumpfiger Strecken und von dem notwendigen allerdings recht
stattlichen Brckenbau ber den unteren Euphrat absieht. Das fnfte
krzeste und letzte Stck endlich von Basra nach Kuweit am Golf fhrt
wesentlich durch eine Wste und dient einzig und allein der Gewinnung
eines Hafens am offenen Meere. Basra ist wegen der Barre an der Mndung
des Schatt fr Schiffe von mehr als 6 Meter Tiefgang in der Regel
nicht zugnglich. Im Hafen von Kuweit dagegen knnen groe Seedampfer
lschen und laden.

Nach dem Wunsche der trkischen Regierung, die sich auch heute nach
vorbergehendem Schwanken wieder fr das Prinzip des trotz all seiner
Fehler scharfsichtigen Abd ul Hamid entschieden hat, wird die Bahn wie
gesagt vom Bosporus bis zum Persischen Meerbusen an keiner einzigen
Stelle das Meer berhren. Eine Verbindung mit der See wird in Cilicien
durch die Adanabahn hergestellt. Auf die Dauer ist es aber unmglich,
da nicht von demjenigen Punkte aus, wo die Schienen, wenn man vom
Persischen Golf kommt, _zum erstenmal dem Mittelmeer sich nhern_, eine
Zweiglinie direkt an den Golf von Alexandretta gebaut wird. Wie diese
Linie zu liegen kommen wird, und ob vielleicht die alte Hafenstadt des
syrischen Antiochien, Seleukia, etwas nrdlich von der Orontesmndung,
ausersehen werden kann, das ist eine Frage zweiter Ordnung. Die
Tatsache, da die Verbindungslinie zwischen _Bagdad--Babylonien_ und
der Mittelmeerkste _in der Gegend von Antiochien_ die lteste,
grte und heute noch zukunftsreichste natrliche Handelsstrae
Vorderasiens ist, bleibt unabhngig von allen Bahnbauten bestehen und
kann durch die Vollendung einer den modernen Anforderungen gengenden
Verkehrsstrae nur um so deutlicher und entschiedener hervortreten.
Syrien ist von Natur dazu bestimmt, ein Durchgangsland fr den
Handelsverkehr zwischen Ost und West, zwischen den nach dem Persischen
Golf hin gravitierenden Lndern und dem stlichen Mittelmeerbecken
zu sein. In der Nhe des Punktes, wo der Umschlag des Verkehrs vom
Land- auf den Seeweg erfolgt, hat zu allen Zeiten ein Handelsplatz
erster Ordnung gelegen, im Altertum Antiochien, heute Aleppo. Die
Gter des Binnenlandes im ganzen Stromgebiet des Euphrat und Tigris,
soweit es in der mesopotamisch-babylonischen Ebene liegt, streben mit
Notwendigkeit der Ausfallspforte zum Abendlande zu, die sich hier
zwischen dem Amanusgebirge und den nordsyrischen Kstenketten ffnet.
Der natrlichste Durchgang war und ist das Tal, in dem der Unterlauf
des Orontes fliet; da die Fahrstrae heute ber den Beilanpa des
Amanusgebirges nach Alexandretta fhrt, ist durch Ursachen bedingt, die
ihre Wirksamkeit in dem Moment verlieren wrden, wo der Karawanendienst
durch den Eisenbahnverkehr ersetzt wird. Gerade diese Bedeutung als
Durchgangsland, sowie der Umstand, da eine groe Handelsstadt von
Natur gleichsam zur Beherrscherin der Gegend vorbestimmt ist, hat die
hohe materielle Blte des nrdlichen Syrien von den Tagen der Assyrer
bis auf den allgemeinen Niedergang der Kultur im Orient unter der
Herrschaft des Islam bedingt. Ich habe mit Staunen auf meinen Kreuz-
und Querzgen durch das Kalkgebirge sdlich von Aleppo und Antiochien
die ungeheure Menge alter Ruinenstdte, die Felderterrassierungen, die
Menge antiker Grabanlagen, die zahllosen lkelter und viele andere
Spuren einer bewundernswert dichten Bevlkerung konstatiert und habe
daraus entnommen, da Nordsyrien bis in die Zeit unmittelbar vor
der arabischen Eroberung eines der am dichtesten bevlkerten Lnder
der alten Welt gewesen sein mu, hnlich wie in Tunis die Menge der
alten lpressen allein den Beweis liefert, da fast das ganze Land
mit Olivenwldern bedeckt gewesen sein und groen Reichtum aus ihrer
Verwertung gezogen haben mu. Solange der Handelsverkehr des reichen
Ostens mit dem Abendlande dauerte, also z. B. noch zur Zeit der
Kreuzfahrer, hat Antiochien eine verhltnismige Blte behauptet. Das
heutige Trkenstdtchen Antakije mag 20 bis 30000 Einwohner haben,
aber der Mauerring der von den Kreuzfahrern eroberten Stadt, also das
Antiochien des 11. und 12. Jahrhunderts, umschliet allein in der
Ebene die sechs- bis achtfache Flche; von den Befestigungen auf der
nrdlichen die Stadt berragenden Bergkette ganz zu geschweigen. Hier
mu also auch ein groer zuknftiger Handelshafen fr alle Linien,
die ohne Zweifel sich entwickeln werden, sobald die wirtschaftliche
Neugeburt Mesopotamiens durch die Bagdadbahn anfngt eine Tatsache zu
werden, wiedererstehen. Der Umweg ber Adana nach Mersina, um dort die
Kste zu gewinnen, ist so gro, da er auf den Warenverkehr schdlich
wirken wrde.

Wollte man nur auf das wirtschaftliche und nicht auf das politische
Interesse sehen, so knnte man berhaupt die Frage aufwerfen, ob
es nicht vorteilhafter wre, die kleinasiatische Strecke ganz auf
sich beruhen zu lassen und erst bei Seleukia-Antiochien mit dem
Bau zu beginnen. Der sptere Transit, die Getreide-, Woll- und
Baumwollenausfuhr, wird doch ohnehin mit allen Mitteln danach streben,
den billigen Wasserweg zu verlngern und die Eisenbahnfrachtstrecke
entsprechend zu verkrzen. Unter Umstnden knnte es sonst dazu
kommen, da bis nach Mesopotamien hinauf die Frachten es vorziehen
werden, nach Bagdad und von dort zu Schiff auf dem Tigris und via
Aden-Suez nach Europa zu gelangen. Aus zwei Grnden ist man aber auf
alle Flle mit der Notwendigkeit belastet, auch das ostanatolische
Stck der Bahn zu bauen. Der eine ist in dem militrischen Interesse
der Trkei enthalten, der natrlich nur wenig damit gedient wre, wenn
sie ihre Truppen von Bagdad und Mossul nicht ganz per Bahn bis ins
Innere der Halbinsel bringen kann (und umgekehrt), und der andere ist
die Bedeutung der ganzen Linie fr den zuknftigen Schnellverkehr mit
Indien. Hierfr ist es natrlich notwendig, ber eine ununterbrochene
Schienenverbindung zwischen Konstantinopel, als dem Punkte, wohin die
west- und zentraleuropischen Routen nach dem Sdosten zusammenlaufen,
und der Mndung des Schatt-el-Arab zu verfgen. Die Reisenden und die
Post nach und von Indien werden natrlich vom Tage der Erffnung an die
Bahn auf ihrer ganzen Lnge benutzen, der Warenverkehr dagegen wird
voraussichtlich auf der Strecke von Konstantinopel bis an den Sdabhang
des Taurus immer oder doch auf eine recht lange Zeit hinaus sich in
bescheidenen Grenzen halten. Kleinasien, soweit es im Altertum reich,
bevlkert und blhend war, liegt zum greren Teil westlich von der
Anfangstrecke der dereinstigen Bagdadbahn im Gebiet der zum gischen
Meere hinabfhrenden Flutler und Eisenbahnlinien; andere ehemals
reiche Teile der Halbinsel werden von der projektierten Trace gar
nicht berhrt. Cilicien, d. h. die Ebene um Adana, Mersina und Sis, hat
seine groe wirtschaftliche Bedeutung; davon wird im dritten Kapitel
noch nher die Rede sein. Hier beginnt die trkische, d. h. osmanische
Bevlkerung schon von fremden Elementen stark durchsetzt zu werden. Es
gibt viele Armenier und auch das Arabische fngt an. Etwa von Aintab
bis Mossul geht die Bahnlinie durch berwiegend _kurdisches_ Gebiet,
wenn sich auch, namentlich im westlichen Teil der Strecke, trkische
und armenische Stcke dazwischen eingesprengt finden und in einzelnen
Stdten, wie z. B. Mardin, schon berwiegend arabisch gesprochen wird.

_Urfa_, das alte Edessa, durch seine natrliche Lage wie durch
seine Geschichte die eigentliche Hauptstadt von Obermesopotamien,
ist berwiegend trkisch. Als einzige Stadt des Inneren hat es eine
relativ bedeutende deutsche Kolonie. Whrend der schrecklichen
Christenmetzeleien in der zweiten Hlfte der neunziger Jahre war es
der Schauplatz eines der entsetzlichsten Ereignisse im Verlauf der
ganzen verhngnisvollen Bewegung: der Erstickung von 1500 Menschen
in der armenischen Kathedrale durch den giftigen Rauch mit Petroleum
getrnkter brennender Matten und Teppiche, welche die fanatisierten
Mohammedaner in die von Flchtlingen, namentlich Frauen und Kindern,
erfllte Kirche schleppten und anzndeten. Tausende von Armeniern
fielen auerdem in der Stadt unter den Kugeln, Sbeln und Kntteln der
Trken und Kurden. Als wieder etwas Ruhe eintrat und das unabsehbare
Elend der vielen Witwen und Waisen, die das Massakre berlebt hatten,
in Europa bekannt wurde, setzte bekanntlich fast in der ganzen
Welt eine krftige Hilfsbewegung unter christlich-philanthropischen
Gesichtspunkten ein und zog auch in Deutschland weitere Kreise. Ihre
Seele war und ist bis heute der bekannte Dr. Johannes Lepsius. Ohne
die Frage nach der Bedeutung dieses ganzen Hilfswerks fr den Orient
hier diskutieren zu wollen, kann man doch sagen, da in Urfa, wie ich
mich dort selbst genugsam berzeugt habe, jedenfalls ein vom humanen
wie nationalen Standpunkt gleich rckhaltlos zu begrendes Werk
geschaffen ist. Auer dem mehrere hundert Kinder zhlenden Waisenhause
ist erstens eine reich ausgestattete, fr alle Konfessionen ohne
Unterschied bestimmte Klinik mit einem Arzt, zwei Assistenten und einer
Apotheke erffnet, und zweitens eine Teppichfabrik mit Frberei und
Spinnerei begrndet worden, die nicht nur mehr als 400 Menschen Arbeit
und Brot gibt, sondern auch einen der lohnendsten zukunftsreichsten
Industriezweige des Orients in das Gebiet der dereinstigen deutschen
Bahn und des vorwiegenden deutschen Interesses verpflanzt hat. Die
Teppichfabrik hat einen so guten Aufschwung genommen, da diese
Industrie, die den englischen und sonstigen fremdlndischen Firmen in
Smyrna so enormen Gewinn bringt, schon jetzt in Urfa als eingebrgert
gelten kann; noch einige Jahre, so wandert die Kenntnis und Kunst des
Webens, die vorher hier fremd war, mit den Arbeitern und Arbeiterinnen,
die sie in der deutschen Fabrik sich angeeignet haben, in die Huser
der Stadt und auf die Drfer der Umgegend, und wenn eine Generation
vergangen ist, so wird das hausindustrielle Bild dieser Gegend
vielleicht ein hnliches sein wie in manchen Gegenden des vorderen
Anatolien. Fr das deutsche Interesse ist das insofern von besonderer
Bedeutung, als einerseits sowohl Rohmaterial als auch Arbeitskrfte
in Urfa viel billiger sind als in Smyrna, anderseits die herrschende
Liebhaberei fr Orientteppiche naturgem auf Erweiterung der
Produktionsgebiete fr diese Ware hindrngt.

Von dem Augenblick an, wo man die Tore von Urfa, sei es nach Sden, sei
es nach Osten verlt, hat man nach dem heutigen Stande der Dinge bis
ziemlich gegen Bagdad hin das Gebiet gesicherter geordneter Zustnde
hinter sich. Es ist nicht die geringste bertreibung dabei, wenn ich
nach meinen Erfahrungen im Lande sage, da unter Abd ul Hamid nicht
blo mehr die brgerliche Sicherheit, sondern die staatliche Autoritt
der trkischen Regierung mindestens in ganz Obermesopotamien auf das
drohendste durch die groen Kurdenchefs gefhrdet war. Namentlich
zwei von ihnen, Ibrahim von Veranschehir bei Urfa und Mustapha von
Dschesireh am Tigris, beide natrlich mit dem Paschatitel ausgezeichnet
und Generale der Hamidimiliz, benahmen sich gleichzeitig als
selbstndige Kriegsherren und Ruberhauptleute groen Stils. Ich habe
ber diese beiden interessanten, aber dem Ansehen der Pforte und
den Lebensinteressen der ansssigen Bevlkerung ihrer Zeit gleich
gefhrlichen Persnlichkeiten vor zehn Jahren in den Preuischen
Jahrbchern ausfhrlicher gehandelt und darauf hingewiesen, da sie
vor allen Dingen mit groartigen Bestechungen im Jildis arbeiteten, um
bei ihrer persnlichen Gewaltpolitik in Mesopotamien nicht gehindert
zu werden. Ibrahim setzte es auf diesem Wege sogar durch, da ihm
Regierungstruppen in seinen Fehden mit anderen Huptlingen zu Hilfe
geschickt wurden. So griff er z. B. 1902 die Araber vom Schammar- und
Abu Assaf-Stamme bei Rakka am Euphrat an, ttete eine Menge Menschen
und erbeutete 10000 Schafe und 300 Pferde. Die beiden Stmme wandten
sich um Hilfe an den mchtigsten der Araberhuptlinge in der Provinz
von Bagdad, Farreh Pascha, der ihnen auch sofort mit 10000 Mann zu
Hilfe kam und gegen Ibrahim zu Felde zog. Der letztere hatte nur
etwa 3000 Mann zur Verfgung, sah sich deshalb in die Enge getrieben
und wandte sich sofort an die trkischen Behrden, die ihm denn auch
ohne weiteres Verstrkungen von 1500 Mann regulrer Infanterie und
500 Kavalleristen zur Hilfe sandten. Nach einem mit Hilfe dieser
erfochtenen Siege fhlte sich Ibrahim Pascha mchtiger denn je und
trat unter fast gnzlicher Miachtung der trkischen Behrden als
unumschrnkter Gewalthaber im Lande auf, so da die Regierung in
Konstantinopel schlielich doch in Verlegenheit geriet, was sie mit
Ibrahim anfangen sollte. Farreh Pascha rstete sich zu weiteren
Operationen und Rachezgen, und sicherte sich die Untersttzung der
Araberstmme von Bagarat, Yoz, Scharaba und anderen, ja er trat sogar
in Unterhandlungen mit Ibn-el-Raschid, dem mchtigen Schech von
Nedschd, der ihm 8000 Mann gegen Ibrahim Pascha in Aussicht stellte.
Glcklicherweise wurde dieser Krieg noch beigelegt, bevor es zum
uersten kam, und der Tod Ibrahims schaffte wieder verhltnismige
Ruhe in Nordmesopotamien. Da aber ein Land, in dem solche Zustnde
herrschen, auch unter den besten natrlichen Verhltnissen keine
wirtschaftlichen Fortschritte machen kann, versteht sich von selbst,
und ebenso ist es nur natrlich, da die Kurden- und Araberhuptlinge
solchen Schlages entschiedene Gegner aller Eisenbahnplne am Euphrat
und Tigris waren.

Noch schlimmer, banditenmiger, als Ibrahim, der wenigstens ein Ruber
groen Stils war, trieb es Mustapha von Dschesireh. Es war bitter
kalt, als ich (im Januar 1901) in Mossul einritt; auf den Straen lag
Schnee und die Huser waren allesamt im Innern feuchtkhl wie schlecht
ventilierte Eiskeller, aber man mute wohl oder bel frieren, denn es
kamen keine Kelleks mit Kohlen mehr aus dem holzreichen nrdlichen
Gebirge herunter, weil die Leute erst dem Mustapha, wenn sie bei
Dschesireh passierten, ihre ganze Fracht noch einmal bar abkaufen
muten, bevor sie damit auf den Basar von Mossul gelangten. Ebenso
waren alle europischen Waren, die von Norden via Samsum-Diarbekir auf
der Fahrstrae und dann per Kellek eingefhrt wurden, unsinnig teuer
geworden; z. B. war das von Ruland bezogene Petroleum durch die Sperre
bei Dschesireh aufs Doppelte und Dreifache in die Hhe getrieben. ber
ein halbes Hundert Drfer, christliche wie mohammedanische, hatte
jener merkwrdige Diener seines Herrn, des Sultans, in den letzten
zwei Jahren zwischen Mossul und Dschesireh zerstrt, geplndert und
die Bewohner verjagt; im November, als ich zu Beginn meiner trkischen
Reise von Mossul kommend nordwrts ritt, sah ich die verwsteten Ruinen
tglich rechts und links am Wege liegen, und dazwischen weideten Leute
Mustaphas die den einstigen Besitzern geraubten groen Schafherden
auf den weiten Fluren des diesmal unbestellt gebliebenen Ackers.
Man braucht sich nur die Eisenbahn hier durchgelegt zu denken, um
sofort auch das Ende solch einer wahnsinnigen Wirtschaft zu sehen: wo
die Prosperitt des ganzen riesigen Zukunftswerkes an dem krftigen
Gedeihen der Bodenproduktion in dem durchschnittenen Rayon hngt, mu
den Mustaphas wohl oder bel das Handwerk gelegt werden.

Von Mossul sdwrts bis Bagdad waren die Zustnde etwas besser, aber
von hinreichender Sicherheit des Verkehrs, des Lebens und Eigentums
konnte auch nur unmittelbar in der Nhe der Garnisonstdte oder der mit
starken Gendarmerieabteilungen belegten Ortschaften die Rede sein.

Auf der linken Seite des Tigris, zwischen dem Strom und den
Grenzgebirgen gegen Persien, liegen sdlich von Erbil (Arbela) bei
Kerkuk anscheinend bedeutende Vorrte an Naphtha. Es scheint, als ob
eine ganze breite Zone, die sich, aus Persien herberstreichend, von
der Gegend des unteren Sab sdwestwrts ber den Tigris und Euphrat
hinber bis in die arabische Wste hineinzieht und hauptschlich durch
die Ortsnamen Kerkuk, Tekrit am Tigris und Hit am Euphrat bezeichnet
wird, von Bitumen, Naphtha und gasfrmigen Kohlenwasserstoffen
frmlich durchtrnkt ist. Ich habe die Naphthaquellen von Kerkuk
und die ausstrmenden brennbaren Gase in ihrer nchsten Nhe bei
Baba-Gurgur selbst besucht. Das eine wie das andere Phnomen
bertrifft an Massenhaftigkeit die gleichartigen Erscheinungen auf
der Halbinsel Apscheron im russischen Transkaukasien vor dem Beginn
der Bohrungen. Wenn man gesehen hat, welche Rolle z. B. in Ruland
die Naphtharckstnde als Heizmaterial fr Eisenbahnen, Dampfschiffe
und viele industrielle Anlagen spielen, wenn man erwgt, welch eine
Bedeutung als Brenn- und Leuchtmaterial dem Petroleum trotz aller
anderen in neuester Zeit erschlossenen Lichtquellen doch immer
verbleiben wird, so bedarf es keiner langen Darlegungen, um von der
eminenten Wichtigkeit dieses Umstandes eine Vorstellung zu geben, da
die Bagdadbahn in nchster Nhe des Naphtharayons vorbeifhren wird.
Das einzige, was zu befrchten bleibt, ist, da es fremdem Gelde,
fremden Spekulanten gelingt, sich ein Vorzugsrecht auf die Ausbeutung
der mesopotamischen Naphtha zu sichern, bevor deutsche Initiative hier
tatkrftig geworden ist. Nachrichten, die vor lngerer Zeit durch
die Presse gingen, legen leider die Befrchtung nahe, da bereits
viel versumt sein knnte. Vom Standpunkt der Trkei aus versteht man
eigentlich kaum, weshalb nicht schon lange alles nur mgliche geschehen
ist, um ein modernes Kommunikationsmittel bis an die Naphthaquellen
heranzubringen. Fr ein Staatswesen, dessen Einknfte sich in so
migen Grenzen bewegen, wie es in der Trkei der Fall ist, und dessen
Bedrfnisse namentlich fr militrische und Verwaltungszwecke gro und
dringend sind, wrde sich in einer geeigneten finanziellen Ausbeutung
des Naphthabaues eine so reich und sicher flieende Einnahmequelle
erffnen, da jeder Tag als verloren gelten mu, der noch vergeht, bis
die Lokomotive die Naphthagegend erreicht. Nimmt man die russische
Produktion bei Baku und die Einknfte, welche die russische Regierung
aus der ziemlich migen Besteuerung der dortigen Naphthagewinnung
bezieht, als Mastab fr das, was sich bei Kerkuk, Tekrit und Hit oder
auf allen drei Punkten zusammen fr die Trkei ergeben knnte, so kme
das einer Verbesserung des trkischen Staatsbudgets um viele Prozente
gleich. Die Naphtha wrde fr die Bagdadbahn eine um so grere und
wichtigere Rolle spielen, als Kohle lngs der Linie, wenigstens
soviel man bisher sieht, nicht viel vorhanden ist. Lagersttten in
der Nhe der Bahn finden sich nach den bisherigen Untersuchungen nur
am Flusse Chabur, der oberhalb Mossul von links her in den Tigris
fllt. Als einen Fingerzeig dafr, von welcher Bedeutung z. B. die von
mir besuchten Gasquellen von Baba Gurgur bei Kerkuk eventuell werden
knnen, sei nur angefhrt, da der Wert des in den Staaten Newyork
und Pennsylvanien ausstrmenden und seit Jahrzehnten zu gewerblichen
Zwecken in grtem Mastabe benutzten Naturgases auf _ber 70 Millionen
Mark_ jhrlich berechnet wird!

ber das alte babylonische Niederland, in das die Bahn bald nach
Durchquerung des Naphthagebiets eintritt, und ber die Vernderungen,
die hier im Zusammenhang mit dem Bahnbau zu erwarten sind, wird im
dritten Kapitel besonders zu handeln sein. Fr den unmittelbaren
Verkehr ist es von groer Wichtigkeit, da kurz oberhalb Bagdads die
groe Route von Persien hereinkommt, auf der auer dem Handelsverkehr
jhrlich die groen Pilgerzge nach Nedschef und Kerbela sich
bewegen. Vom rein politischen Standpunkt der Trkei aus brauchte die
Bahn berhaupt nicht ber Nedschef hinausgefhrt zu werden, und die
offizielle Denkschrift des trkischen Ministeriums der ffentlichen
Arbeiten vom Jahre 1909 ber die notwendigen Eisenbahnbauten behandelt
die Strecke von Nedschef bis zum Golf auch als eine solche minderer
Dringlichkeit. Trotzdem ist die Frage, wo am Golf der Endpunkt
gewhlt werden soll, wichtig, denn einmal wird man doch bis zum Meere
durchbauen. Seine Lage wird davon abhngen, ob von Bagdad aus, wie
offiziell geplant, die Linie nach Osten und unter berschreitung des
Stromes auf dem rechten Ufer des Euphrat bis ans Meer gefhrt wird,
oder ob man versuchen sollte, die zwar krzere, aber technisch wegen
der Sumpfstrecken schwierige Route direkt von Bagdad zur Mndung
der Strme einzuschlagen. Daran denkt z. B. teilweise Willcocks. In
diesem Falle wrde der Endpunkt vielleicht gar nicht auf die arabische
Seite, sondern in unmittelbare Nachbarschaft des persischen Gebiets zu
liegen kommen, was sich aus verschiedenen naheliegenden Grnden wenig
empfiehlt. Sicher aber wird England beanspruchen, ber die Endstation
ein entscheidendes Wort mitzureden. Der persische Haupthafenplatz
an der Mndung des Schatt-el-Arab ist Muhammera, an dem Kanal, der
vom Unterlauf des Karun in den Schatt geht und den schon die Flotte
Alexanders des Groen mit den mazedonisch-persischen Truppen an Bord
benutzt hat, um von Susa nach Babylon zu kommen. Bei Basra oder
Muhammera kann der Schlupunkt aber nicht liegen, der Barre an der
Strommndung wegen. Auf der persischen Seite des Golfes wrden am
offenen Meere groe Hafen- und Dammbauten ntig sein, um die berall
ganz flache Kste fr grere Schiffe berhaupt zugnglich zu machen,
am arabischen Ufer bietet Kuweit einen vortrefflichen und altbekannten
Hafen dar. Auf Kuweit aber hat England bereits die Hand gelegt. Kme
es in der Tat dazu, da es der trkischen Oberhoheit entfremdet und
formell in den englischen Machtbereich eingezogen wird, so mte das
als eine sehr schwere Schdigung sowohl der europischen als auch der
trkischen Interessen betrachtet werden. Wenn man nur den _nchsten_
wirtschaftlichen Nutzungswert der Bagdadbahn in Rechnung zieht,
so knnte man auch vom deutschen Standpunkt aus zu der Anschauung
gelangen, da es eventuell besser ist, die Eisenbahn nicht allzu
nahe an den Persischen Golf heranzufhren, und zwar aus dem Grunde,
weil es konomisch vorteilhafter sein knnte, die Wareneinfuhr und
Ausfuhr Mesopotamiens ber einen Mittelmeerhafen zu lenken. Wenn die
Bahn bei Bagdad oder Nedschef endet, so wre damit wie gesagt das
militrische Interesse der Trkei annhernd befriedigt, und die Hfen
an der syrischen Kste knnten mit Basra oder Kuweit in bezug auf die
Ausfuhr des Getreides, der Baumwolle und Wolle und die Einfuhr von
Manufakturprodukten und anderen Erzeugnissen der deutschen Industrie
erfolgreich konkurrieren. Ein Hafenplatz am Golf von Alexandretta
ist fr die internationalen Interessen sicherer, als die Mndung des
Schatt-el-Arab. Der Persische Golf wird doch immer ein berwiegend von
England kontrolliertes Gewsser bleiben. Luft die Bahn bei Kuweit
aus und ist Kuweit englisch, so bedeutet das, da England auch den
dritten, krzesten und schnellsten Weg nach Indien und Sdostasien
neben dem ums Kap der Guten Hoffnung und dem durch das Rote Meer
an der entscheidenden Stelle beherrscht und in der Lage ist, ihn
nach Belieben zu schlieen und offen zu halten. An dem rechtlichen
Anspruch der Trkei auf die Oberhoheit ber Kuweit kann gar kein
Zweifel existieren. Im Anfang der siebziger Jahre, als der Reformer
Midhad Pascha Generalgouverneur von Bagdad und Basra war, gelang es
ihm, den nordstlichen Kstenstrich Arabiens am Persischen Golf, die
Landschaft el-Hahsa, unter trkische Botmigkeit zu bringen. Man
gab dem neuen Kasa (Kreis) den pompsen Namen Nedschd, als ob die
groe und altberhmte Landschaft im Innern der arabischen Halbinsel,
deren Kstenvorland Hahsa mit Kuweit bildet, nun auch der weltlichen
Obergewalt des Padischah in Konstantinopel untertan geworden wre.
Faktisch hat man sich dann in Stambul um den neuen Bezirk wenig
gekmmert, weil die Einknfte von dort gering und Rekruten fr die
Armee berhaupt nicht zu beziehen waren. Man begngte sich damit,
da der jedesmalige Schech die bernahme der Herrschaft dem Sultan
anzeigte und um seine Anerkennung nachsuchte, was gewhnlich in
der Form geschah, da er den Titel und die administrative Gewalt
eines trkischen Kaimakam erhielt, desjenigen Beamten, der einer
Kasa vorgesetzt ist. Als ich im Frhling 1901 in Bagdad war, wehte
ber Kuweit die trkische Fahne und die Mitglieder der deutschen
Studienkommission waren ein Jahr vorher zur Untersuchung der Stadt und
des Hafens mit einem trkischen Ferman und unter trkischer Eskorte
gekommen, wie denn auch der Schech sie anstandslos empfing und sie
tun und treiben lie, was sie wollten. Wenn daher die Englnder
behaupten, Mubarek habe 1899 mit ihnen einen Vertrag abgeschlossen,
durch den er sich und sein Gebiet unter britischen Schutz stelle, so
htte diese Tatsache, selbst wenn sie wahr ist, nicht die geringste
rechtliche Bedeutung, da ein Vasall wie der Schech von Kuweit nicht in
der Lage ist, ohne Genehmigung seines Oberherrn, in diesem Falle also
des Sultans, ein verpflichtendes Abkommen mit einer andern Macht zu
treffen. Der Sultan aber ist weder um die Genehmigung zu einem solchen
Einverstndnis des Frsten von Kuweit mit England angegangen worden,
noch hat er sie erteilt.

Wie wir bereits im ersten Kapitel bei der Wrdigung der politischen
Seite der Bagdadbahnfrage gesehen haben, sind die englischen Wnsche
in bezug auf die untere Strecke und den Endpunkt der Bahn eine
Angelegenheit, die in erster Linie England und die Trkei angeht.
Das deutsche Interesse kommt erst in Frage, sobald von englischer
Seite irgendein Druck versucht werden sollte, um die Stellung der
Trkei direkt oder indirekt nach der militrischen oder politischen
Seite hin in Mesopotamien und im Irak zu schwchen. Solange es sich
bei den englischen Wnschen nur um finanzielle Beteiligung handelt,
wie bei Deutschland, sei es auch, da die Beteiligung sich speziell
auf das Bagdadgebiet konzentrieren soll, brauchen wir den Englndern,
wenn sie gleichwertige Gegenzugestndnisse auf einem hnlichen Gebiet
machen und die Trken einverstanden sind, nicht hinderlich zu sein.
Legen sie aber, sei es bei Kuweit oder an einem anderen Punkte, Hand
auf trkisches Gebiet oder wollen sie sich gar dort in strategisch
drohender Weise etablieren, so lge der Fall allerdings anders. Es
ist eine direkte Anmaung, wenn von England aus behauptet wird, weil
die Bagdadbahn einen neuen Weg nach Indien bilde, msse ihr Endpunkt
unter englischer Kontrolle stehen. Der Endpunkt der Bagdadbahn, die
eine vollkommen trkische Bahn ist, kann nur auf trkischem Gebiet
liegen, und auf solchem haben die Englnder schlechterdings nichts zu
suchen. Fr England mu es gengen, wenn sie den persischen Golf als
eine Art von Interessensphre haben und wenn sie die Meerenge von Ormus
oder Bender Abbas, die wirkliche Passage in die indischen Gewsser,
tatschlich kontrollieren.




Drittes Kapitel.

Wirtschaftliche Erwgungen und Tatsachen.


Die Bagdadbahn ist in erster Linie nicht ein deutsches oder
internationales, sondern ein trkisches Unternehmen, und fr die
trkische Regierung wie fr die ffentliche Meinung in der Trkei
knnen fr ein solches nur Gesichtspunkte des trkischen Interesses
magebend sein. Was der osmanische Staat braucht, das lt sich,
nachdem die Wurzel aller frheren bel, das Regiment des Jildis,
beseitigt ist, nach der materiellen Seite hin in drei Worte
zusammenfassen: eine schlagfertige Armee, moderne Verkehrsmittel,
Erhhung der Staatseinnahmen. Die Folgen des Bahnbaues aber, d. h.
die Verbesserung der Verkehrsverhltnisse, werden sowohl Volks- als
auch Einnahmevermehrung sein. In den von der Bagdadbahn durchzogenen
Landschaften wird sich die Kultur in hnlicher Weise wieder entfalten,
wie es im Altertum der Fall war, vor allen Dingen der Getreide- und der
Baumwollbau. Davon wird die Trkei den Vorteil haben, aber auer der
Trkei auch noch Deutschland und alle anderen Lnder, die zu den Trken
in freundschaftliche Beziehungen treten.

War es nicht nur miverstndlich und irrefhrend, sondern direkt im
hchsten Grade gefhrlich, von deutscher Kolonisation in der Trkei zu
sprechen, so braucht man darum doch die Frchte, die sich im Gefolge
der vollendeten Bagdadbahn fr unsere deutschen Interessen dort ergeben
werden, in keiner Weise geringer zu schtzen, als es selbst bei einer
wirklichen Ansiedelung im grten Mastabe der Fall sein knnte. Ich
will mich auf ein praktisches Beispiel beziehen: auf die Erfolge
der Russen mit der Baumwollkultur in Turkestan. Die Russen fanden
in ihren jetzigen mittelasiatischen Besitzungen bei der Eroberung
den von alters her dort bestehenden Baumwollenbau vor, desgleichen
Seidenzucht. General von Kaufmann, einer der genialsten Mnner, die an
der asiatischen Politik Rulands mitgearbeitet haben, erkannte die hohe
Wichtigkeit dieser Tatsache und tat alles dafr, um den Baumwollenbau
der Eingeborenen durch Einfhrung und Anpflanzung amerikanischen
Samens, durch Gewhrung von Vorschssen an die Grundbesitzer und
Kaufleute usw. zu heben. Die Folge dieser jetzt etwa 25 Jahre alten
Bestrebungen ist die, da gegenwrtig 0,6-0,7 Millionen Ballen
gereinigter Baumwolle zur Ausfuhr aus Turkestan nach dem europischen
Ruland gelangen, eine Menge, die hinreichend ist, um die Hlfte des
Baumwollenbedarfs der russischen Manufakturindustrie zu decken. Dieser
Aufschwung der Baumwollenkultur datiert aber von dem Augenblick an, wo
die transkaspische Eisenbahn die alten Baumwollengebiete jenseits des
Oxus (Amu-Darja) erreichte. Bis dahin wurde nicht mehr Baumwollenfaser
angebaut, als der lokale Bedarf erforderte, und alle Verbesserungen
des Samens, alle Kreditgewhrungen und Ermunterungen htten herzlich
wenig zuwege gebracht, wenn nicht durch die Bahn die Mglichkeit
des vorteilhaften Absatzes und der Ausfuhr gegeben worden wre. Die
russischen Spinner zahlen die rund 150 Millionen Mark, die sie vorher
an amerikanische und gyptische Plantagenbesitzer entrichten muten,
jetzt an die Bauern in Turkestan. Der Reichtum des Landes wchst daher
in merklicher Progression von Jahr zu Jahr, und die Eingeborenen werden
wohlhabend, werden kaufkrftige Abnehmer fr die russischen eben aus
dieser selben turkestanischen Baumwolle hergestellten Manufakturwaren
und andere Erzeugnisse der russischen Fabrikindustrie.

Etwas hnliches mu auch das Ziel bei der Erschlieung trkischer
Landesteile durch die Bagdadbahn sein. Das nordwestliche Mesopotamien
und die angrenzenden Teile Syriens sind im Altertum eines der
bedeutendsten Zentren der Baumwollkultur gewesen; sie sind es auch
bis ziemlich tief ins arabische Mittelalter hinein geblieben, und
vereinzelte praktische Erfahrungen, die heute noch gemacht werden,
beweisen ebenso wie schriftliche Nachrichten aus frherer Zeit, da
der Boden und das Klima der Landstriche z. B. am Belich und Chabur der
Baumwollenstaude auerordentlich zusagen. Gegenwrtig sind es zwei
Grnde, die nicht nur die Baumwollenkultur, sondern jede Nutzung des
Bodens berhaupt in gleicher Weise verhindern: die Unsicherheit und der
Mangel an Verkehrsmitteln. Eins wie das andere wird vor der Eisenbahn
weichen. Hat der mesopotamische Bauer erst die Sicherheit, da seine
Ernte ihm nicht von den Arabern der Steppe oder kurdischen Plnderern
aus dem nrdlichen und stlichen Berglande geraubt wird, da er sein
Produkt, so viel er davon ber den eigenen Bedarf hinaus erzeugt, an
sichere Abnehmer verkaufen kann, so wird er von selber wieder in die
Steppe hinaus ziehen und Baumwolle lngs den Flssen pflanzen, die
sie durchziehen; gleich seinen Vorfahren vor 700 und vor Tausenden
von Jahren. Selbstverstndlich werden es meist _fremde_ Kapitalien
sein mssen, die eine solche Entwicklung anbahnen helfen, denn ohne
finanzielle Untersttzung wird die Baumwollenkultur in Mesopotamien
eine rasche und gedeihliche Ausbreitung nicht nehmen knnen und
die trkische Kapitalkraft wird allein dazu nicht ausreichen.
Nicht deutsche Bauern, wohl aber deutsches Geld mssen den Boden
Mesopotamiens in weitestem Mastabe urbar machen helfen. Geschieht das,
so werden die Frchte davon in reichstem Mae uns und unserer Industrie
zugute kommen. Es mssen sich Plantagengesellschaften unter trkischer
Beteiligung bilden, die mglichst groe Landstrecken, am besten in
langjhriger Pacht, vom trkischen Staate, dem alles herrenlose
unkultivierte Land gehrt, an sich bringen; sie mten dann ihr Terrain
parzellieren und sei es an kleinere Pchter weiter geben, sei es auf
eigene Rechnung von eingeborenen Arbeitern bewirtschaften lassen.
Der erste Weg wird, glaube ich, der besser gangbare und wenigstens
fr den Anfang rascheren Erfolg versprechende sein. Gelingt es auf
diese Weise, mit der Zeit den Hauptbedarf Deutschlands an Baumwolle
statt aus Amerika aus Mesopotamien zu beziehen, so hat das den groen
Vorteil, da wir in der Bevlkerung des Landes die dadurch reicher
und kaufkrftiger gemacht worden ist, Abnehmer fr die Erzeugnisse
unserer Industrie haben. Amerika gegenber sind wir mit unserer
Handelswirtschaft sowieso stark im Nachteil, und die Amerikaner tun
alles, was ihnen mglich ist, um die Einfuhr europischer, insbesondere
deutscher Waren im Austausch gegen ihre Baumwolle zu erschweren. In
der Trkei kann von solchen Tendenzen, wie sie die amerikanische
Wirtschaftspolitik befolgt, zunchst natrlich noch nicht die Rede
sein, und es versteht sich von selbst, da, wenn das Land durch
deutsches Kapital erschlossen wird, die deutsche Industrie auch fr die
Lieferung der notwendigsten Dinge dorthin sich den Vorzug zu wahren
wissen wird. Insofern also kann die Entwicklung der Dinge, das ntige
Geschick von unserer Seite vorausgesetzt, in wirtschaftlicher Beziehung
hier eine durchaus hnliche werden, wie im russischen Mittelasien,
das auch nach einer langen und glnzenden Epoche der Kultur und des
Reichtums viele Jahrhunderte lang zum groen Teil wste und brach
gelegen hat, bis die russischen Ingenieure kamen, die Eisenbahner und
Wasserbautechniker, und danach Kapital und Unternehmungsgeist.

Schon wenige Jahre, nachdem die anatolische Bahn bis Eski Schehir und
Angora gefhrt worden war, zeigten sich ihre gnstigen Wirkungen auf
den Getreidebau in den von ihr erschlossenen Gebieten. Namentlich
die Weizenproduktion nahm ganz erheblich zu, und die Folgen davon
uerten sich sowohl in der Vermehrung der direkten Staatssteuern, des
sogenannten Zehnten (in Wirklichkeit Achten) vom Ertrage des Ackers,
den die Regierung erhebt, als auch in der Vermehrung der Transporte
und der sprbaren Verminderung der zu zahlenden kilometrischen
Garantiequote. Dabei handelte es sich aber nur um Lndereien, die
allein auf den vorhandenen jhrlichen Regenfall hin neu unter den Pflug
genommen worden waren. Ein groer Teil des anatolischen Hochlandes
liegt innerhalb der Zone gengenden Regenfalls, namentlich der Norden
und der Westen der Halbinsel. Anders dagegen steht es mit denjenigen
Strichen der Sdhlfte, die direkt im Regenschatten des hohen Taurus
hegen, der zwischen den alten Landschaften Cilicien und Lykaonien
als eine die feuchten Winde vom Mittelmeere her absperrende Mauer
aufragt. Infolgedessen dehnt sich hier ein groes Trockengebiet aus,
in dessen tiefster Stelle der mchtige Salzsee Tus Tschll liegt.
Zum Teil ist diese abflulose Depression eine salzige Wste, zum Teil
eine Steppe, in der es gar nicht oder nur schwer mglich ist, Ackerbau
ohne knstliche Bewsserung zu treiben. Schon im Altertum hie dieses
ganze Gebiet Axylos, d. h. das baumlose Land. Es ist daher kein
Wunder, wenn die sogenannte Koniastrecke der anatolischen Bahn und
das Anfangsstck der Bagdadbahn von Konia bis Bulgurlu allein fr
sich nicht eine hnliche Belebung der Ackerbauproduktion hervorrufen
konnten, wie eine solche an der Angoralinie stattgefunden hat. Soll
auch im Sden der Getreidebau gehoben werden, so mu Bewsserung
geschaffen werden, und um eine solche ins Werk zu setzen, hat man sich
schon vor einigen Jahren zu der Ausfhrung eines groen Projekts in der
Ebene von Konia, bei dem Dorfe Tschumra, 40 Kilometer stlich von Konia
gelegen, entschlossen. Seine physikalisch-technischen Voraussetzungen
sind im Grunde sehr einfach, aber die Ausfhrung der Idee erfordert bei
den Dimensionen der Verhltnisse doch groe Mittel. Etwa 90 Kilometer
nach Westen gegen den Taurus zu von Konia entfernt, liegt der See
von Beyschehir, eine bedeutende Wasserflche beinahe vom doppelten
Umfange des Genfer Sees. Der See hat bei der Stadt Beyschehir einen
krftigen Abflu, der die Richtung auf die Ebene von Konia zu nimmt.
Er gelangt aber nicht bis dorthin, sondern fllt noch nicht halbwegs
in ein zweites Becken, den See von Karaviran, dessen Boden in einer
felsigen Bucht nahe dem sdlichen Gestade groe, in unbekannte Tiefen
hinabfhrende Spalten im Gestein aufweist. Diese Schlote verschlingen
den grten Teil des vom Beyschehir-See hineinstrmenden Wassers. Wo
die Wassermenge in der Tiefe bleibt, ist bisher noch nicht bekannt
geworden. Ein anderer Teil des Wassers geht in dem teilweise von hohen
Bergen umschlossenen glhend heien Kessel des Karaviransees durch
Verdunstung verloren. Nur wenn sehr starke Regengsse die Menge des von
Beyschehir herkommenden Wassers bedeutend vergreren, fliet auch der
Karaviransee in der Richtung auf die Koniaebene zu ber und fhrt sein
Wasser durch ein wildes Felsental, die Tscharchambeschlucht, ab. Aus
dieser gelangt es etwas oberhalb des Dorfes Tschumra in die eigentliche
Ebene und verluft sich dort jenseits des Dammes der Bagdadbahn ins
Weite. Die Station Tschumra ist etwa 40 Kilometer von Konia entfernt.
Will man nun den Abflu des Sees von Beyschehir dauernd und in vollem
Umfange fr Bewsserungszwecke in der Koniaebene ntzlich machen, so
mu das Becken von Karaviran durch einen Kanal umgangen werden, der das
Wasser das ganze Jahr hindurch in die Tscharchambeschlucht und weiter
nach Tschumra fhrt. Die auszufhrenden Arbeiten zerfallen also in vier
Teile: 1. Die Erbauung eines Wehrs zur Regulierung der Ausflumenge bei
Beyschehir, 2. den Kanal um das Becken von Karaviran, 3. die Reinigung
der Tscharchambeschlucht von den hineingeschwemmten Gerllmassen
und 4. die Erbauung eines Systems von Zubringe-, Verteilungs- und
Abflukanlen in der Flche zu beiden Seiten der Eisenbahn. Vorlufig
ist dort fr die Bewsserung ein Areal von ca. 46000 Hektar in Aussicht
genommen. Zusammen mit dem in der Gegend bereits erzeugten Getreide
hofft man durch die Ausfhrung des Bewsserungsplanes die jhrlichen
Frachten von Konia zum Bosporus auf 20000 Waggons jhrlich steigern
zu knnen. Vielleicht ist das eine etwas optimistische Rechnung, aber
wenn es hernach auch etwas weniger Waggons sein sollten, so wird die
Vermehrung der Frachten in jedem Falle das finanzielle Betriebsergebnis
auf der sogenannten Konialinie der anatolischen Bahn gnstiger
gestalten. Dazu kommt die Verbesserung in der Verproviantierung von
Konstantinopel mit einheimischem trkischen Getreide, die Vermehrung
der Bevlkerung und die Erhhung der Staatseinknfte. Besitzerin des
zu bewssernden Landes ist im wesentlichen die trkische Regierung.
Die Regierung will auch, wenn alles fertig ist, die Ansiedlung von
Bauern im Bewsserungsgebiet vornehmen, und in ihrem Auftrage werden
die Arbeiten durch eine besondere, unter Leitung der Deutschen Bank
stehende Gesellschaft ausgefhrt. Der Kostenanschlag beluft sich auf
ca. 20 Millionen Franken.

Wenn man den Umfang des Projekts damit vergleicht, was im Gebiet von
Bagdad, dem alten babylonischen Alluvialland, geschehen soll, und
selbst mit den Projekten in der cilicischen Ebene, so scheint es sich
nicht um eine besonders groe Arbeit zu handeln. Nachdem aber seit
Jahrzehnten von der Wiedereinfhrung der alten Bewsserungskultur
im trkischen Orient die Rede gewesen ist, hat hier zum erstenmal
ein solches Projekt wirklich das Stadium der bloen Erwgungen und
Vorbereitungen berwunden und ist in der Ausfhrung begriffen. Es ist
kaum zu viel gesagt, wenn allerseits darauf hingewiesen wird, da der
Erfolg der Arbeiten von Beyschehir und Tschumra wahrscheinlich auf
lngere Zeit hinaus von entscheidender Vorbedeutung fr viele andre
hnliche Plne sein wird. Daran, da die Sache technisch zu machen
ist, kann natrlich nicht gezweifelt werden. Wie sich herausgestellt
hat und wie ich bei meinem Besuch an den verschiedenen Arbeitsstellen
in der Nhe von Tschumra auch selbst besttigt sah, hat man es schon
in frherer Zeit mit Erfolg versucht, das Wasser von Beyschehir in
die Koniaebene zu bringen. Die Ingenieure erzhlten mir, da im
Karaviranbecken sogar die Spuren dreier verschiedener Arbeitsepochen
sichtbar seien. Es haben sich dort Reste von knstlichen Verschlssen
in den Schlnden gefunden, durch die das Wasser unterirdisch abfliet,
und auerdem hat frher einmal ein Damm die Bucht des Karaviransees,
wo der unterirdische Abflu stattfindet, von der brigen Flche des
Sees abgesperrt; mindestens ist versucht worden, einen solchen Damm
aufzuschtten. Das letzte Experiment vor den gegenwrtigen Arbeiten,
gleichfalls ein Umgehungskanal, ist verunglckt. Die Rinne um den
Karaviransee war schon zum grten Teil ausgehoben, als bemerkt worden
sein mu, da man viel zu tief hinabgeraten war, um noch im richtigen
Niveau auf die Tscharchambeschlucht zu treffen; danach ist jene Arbeit,
die, nach dem scheinbaren Alter ihrer Spuren zu schlieen, kaum vor
sehr langer Zeit unternommen worden sein kann, liegengeblieben. Da in
irgendwelcher Vorzeit ausgiebige Wassermengen, sei es auf natrlichem,
sei es auf knstlichem Wege, aus dem See von Beyschehir in die
Ebene gelangt sind, wrde allein schon daraus hervorgehen, da sich
hier verschiedene recht groe, alte Siedelungshgel (arabisch Tell,
trkisch Hujuk) befinden. Die Stdte, deren einstiges Vorhandensein
derartige Tells jedesmal bezeugen, htten nie existieren knnen,
wenn ihre Bewohner nicht die Ebene in bedeutendem Umfange bewssert
htten. Die Reste einer schnen, alten Mauer aus Quadern, die
nichts andres gewesen sein kann, als die Basis eines groen antiken
Stauwerkes, und zwar fast genau an derselben Stelle, wo der jetzige
Hauptverteilungsdamm fr das Wasser erbaut wird, habe ich auerdem
selbst noch gesehen. Sie wurden gerade von Arbeitern weggesprengt,
um Platz fr das neue Kanalwerk zu machen. Nun kommt es aber darauf
an, wie gro sich die Unterhaltungskosten und der materielle Gewinn
fr die Regierung als die eigentliche Unternehmerin des Ganzen und
fr die Bauern als die Pchter des Wassers herausstellen wird. In
dieser Beziehung sind moderne Erfahrungen in hnlichem Umfange im
Orient bisher noch nicht gemacht worden. Das groe Nilstauwerk bei
Assuan in Obergypten kann deshalb nicht zum Vergleich herangezogen
werden, weil es sich um ganz andersartige Verhltnisse und um eine
mit unbeschrnkten Mitteln in direkter staatlicher Regie ausgefhrte
Sache handelt. Am hnlichsten liegen die Verhltnisse noch am Murghab
in der Oase von Merw im russischen Turkestan, wo die Russen versucht
haben, den alten Damm Sultan-Bend, der die Bewsserung von Merw im
Altertum und im Mittelalter regelte, mit den Mitteln der heutigen
Technik wiederherzustellen. Dieser Versuch ist gescheitert. Die
russischen Ingenieure sind nicht imstande gewesen, mit Zement, Beton,
Quadermauerwerk und Maschinen das zu erreichen, was die einheimischen
Wasserbaumeister vor Jahrhunderten und Jahrtausenden erreicht haben.
Was am Murghab schlielich, nachdem viele Millionen verloren waren,
zustande gebracht wurde, ist etwas viel Kleineres, als was ursprnglich
geplant war, und dem entspricht auch die mige daraufhin in Kultur
genommene Flche. Der Murghab, der die russischen Dammbauten mit seinem
Hochwasser zerstrt hat, ist aber ein sehr viel grerer Flu, als der
Ablauf des Beyschehirsees je werden kann. Das groe Seebecken wird auch
bei den strksten Regengssen immer einen gengenden regulierenden
Einflu ausben. Stellt sich also ber Jahr und Tag heraus, da die
finanzielle wirtschaftliche Kalkulation bei der Bewsserung von
Tschumra richtig war, so wird die sichere Folge die Vornahme solcher
Arbeiten noch an vielen andern Stellen sein, wo die Verhltnisse
hnlich liegen. Dann kann noch sehr viel Weizen an Orten, wo es jetzt
nichts gibt als drres Erdreich, aus Anatolien herausgeholt werden!

Zwei Punkte, auf die etwas skeptischere Stimmen mit Bedenken hinweisen,
sind brigens die vermehrte Malariagefahr in der Ebene infolge der
Bewsserung und die Schwierigkeit, die glcklich gewonnenen 46000
Hektar Weizenland schnell ausgiebig mit Arbeitskrften zu versehen,
d. h. zu besiedeln. Was das Fieber betrifft, so braucht man diese
Furcht wohl nicht weiter tragisch zu nehmen. Erstens kann durch
geeignete Manahmen stark vorgebeugt werden, und zweitens wrde es
ja, wenn diese Sorge ausschlaggebend wre, in keinem einzigen andern
Gebiet mit vorherrschender Bewsserungskultur (man denke an gypten,
Nordwestindien und Turkestan und an die Reisfelder in Japan und
China!) eine gesunde und leistungsfhige Bevlkerung geben. Die andere
Frage ist vielleicht etwas ernsthafter. Zur Bebauung von 46000 Hektar
Land sind sicher mehrere tausend Familien ntig. Gerade das Vilajet
von Konia ist aber wegen seines Mangels an Kulturland sehr schwach
bevlkert, und berflssige Hnde gibt es eigentlich in Anatolien
kaum. Man wird daher wohl die Ansiedlungsbedingungen so vorteilhaft
gestalten mssen, da auch von weiterher Zuzug von trkischen
Untertanen erfolgt. An andere Elemente als solche ist natrlich nicht
im entferntesten zu denken.

hnlich wie am See von Beyschehir und in der Koniaebene liegen die
Verhltnisse in kleinerem Mastabe noch an mehreren anderen Punkten
Kleinasiens. Bis zum Abschlu der Arbeiten bei Tschumra, die ich im
Sommer 1909 besucht habe, wird es wie gesagt noch mehrere Jahre dauern.
Ihr gnstiger Fortgang hat aber bereits eine wichtige Folge gehabt: die
trkische Regierung hat dieselbe Gesellschaft, die anatolische Bahn,
mit der Ausarbeitung eines bedeutend greren Projekts beauftragt:
_der Bewsserung der cilicischen Ebene_. Diese war im Altertum ein
sehr wichtiges Kulturgebiet, ein Babylonien oder gypten im Kleinen.
In Cilicien beruht die Bestellung des Bodens im wesentlichen auf
knstlicher Bewsserung, aber im Gegensatz zu dem wasserarmen
anatolischen Hochlande ist das Land hier sehr wasserreich. Es ist
durchweg Schwemmboden, ein Produkt der vom Taurus und Antitaurus mit
starker Sedimentfhrung herabkommenden Flsse, und die Schneeschmelze
im Hochgebirge bedingt, da die Flsse auch whrend der heien
Jahreszeit viel Wasser haben.

Eine Denkschrift des trkischen Ministeriums der ffentlichen Arbeiten
vom Jahre 1909[2], die ein ziemlich ausfhrliches Programm aller
geplanten Eisenbahnbauten und sonstiger Kulturarbeiten enthlt,
schreibt hierber:

Die Ebene von Adana, von Mersina bis nach Sis, ist eine Flche
von fabelhafter Fruchtbarkeit; sie eignet sich aufs beste zu den
verschiedensten Kulturen, besonders fr Zerealien und, was noch
wichtiger ist, fr Baumwolle. Drei bedeutende Flsse bewssern die
Ebene: der Berdan oder Tarsus-Tschai (Kydnus), der Adana-Tschai oder
Seihun (Sarus) und der Dschihan (Pyramus). Die Wasserfhrung dieser
Flsse ist bedeutend. Sie reicht, scheint es, whrend der Trockenzeit
im September und Oktober aus, um den Bedarf einer rationellen
Bewsserung zu befriedigen, whrend im Frhjahr die Wassermenge so
gro ist, da fr die Ernte schdliche berschwemmungen entstehen. Es
handelt sich also um Arbeiten fr Bewsserung und Eindeichung, sowie um
die Austrocknung von sumpfigen Gegenden. Das hiervon betroffene Areal
ist in der Ebene von Sis 1,1 Millionen Dnum gro und in der Ebene von
Adana 2,2 Millionen Dnum, zusammen 3,3 Millionen Dnum.

Ein Dnum ist ca. 0,09 Hektar gro. Die in der trkischen offiziellen
Denkschrift angegebene Flche von 3,3 Millionen Dnum entspricht also
einem Gesamtareal von rund 300000 Hektar fr Kulturzwecke gewinnbaren
Landes. Die Ausgaben fr die hierfr notwendigen Arbeiten werden in
der Denkschrift auf zwei Millionen trk. Pfund, also nahezu vierzig
Millionen Mark geschtzt. Sie werden sich aber gut rentieren, denn
die Landflche, die fr Kulturzwecke gewonnen werden soll, wird
voraussichtlich zum groen Teil unter ein sehr hochwertiges Produkt
kommen: unter Baumwolle. Die cilicische Ebene ist schon in ihrem
heutigen mangelhaft bewsserten Zustande das wichtigste Anbaugebiet
fr Baumwolle im ganzen westlichen Asien. Im Altertum lag das Zentrum
der Baumwollkultur etwas weiter sdstlich, im nrdlichen Syrien,
also einer Landschaft, die gleichfalls von der Trace der Bagdadbahn
mitten durchschnitten wird. Dort liegen zwischen Aleppo und Biredschik
die Ruinen der antiken Stadt Hierapolis oder Bambyke, nach der die
Baumwolle im Griechischen und Lateinischen (Bombyx) sowie im Arabischen
und Trkischen (Bambuk) genannt ist. Im Altertum galten baumwollene
Gewebe als eine Art Luxus und waren teurer als Wolle oder Leinen.
Immerhin spielten sie, namentlich im Zusammenhange mit der blhenden
syrischen Frberei, in der antiken Industrie eine bedeutende Rolle.
Die feinsten und teuersten Baumwollstoffe kamen aus Indien und man
nannte diese gangetischen (vom Ganges) Musseline, um ihre Feinheit
zu bezeichnen, gewebten Wind. Aus Indien oder Turkestan ist die
Baumwollkultur in grerem Mastabe wohl erst im Gefolge der Feldzge
Alexanders des Groen nach Syrien gelangt. In frheren Zeiten galt
sie in Westasien als so wertvoll, da der Verfasser des 1. Buches
Mosis (Kap. 41, Vers 42) erzhlt, der Pharao von gypten habe Joseph
mit einem baumwollenen Gewande (Byssus) bekleiden lassen. Auch die
letzten Erben der alten Kultur Vorderasiens, die Araber, pflegten den
Baumwollbau. Das hauptschliche Anbaugebiet befand sich whrend des
ganzen Mittelalters in Syrien und Mesopotamien, und der Mittelpunkt
der Baumwollindustrie war damals Mossul am Tigris. Von dort gingen
die Gewebe, nach ihrem Herstellungsort Musseline genannt, mit
Kamelkarawanen nach den syrischen und gyptischen Handelsstdten und
gelangten schlielich als besondere Kostbarkeiten nach dem Abendland.

Auf das Baumwollgebiet richten sich auch ganz besonders die
wirtschaftlichen Meliorationsplne der trkischen Regierung. Im Vilajet
von Adana, d. h. in Cilicien, betrug die Baumwollernte:

    1904/05      45500 Ballen (zu 200 kg)
    1905/06      50600   ,,
    1906/07      56000   ,,
    1907/08      60400   ,,
    1908/09      76400   ,,
    1909/10      59400   ,,
    1910/11      85000   ,,   (geschtzt).

Die cilicische Produktionsziffer von 1905/06 bis 1907/08 betrug also im
Durchschnitt ungefhr zehn Prozent der Gesamtproduktion im russischen
Turkestan, die ihrerseits ein Fnfundzwanzigstel der Weltproduktion
an Baumwolle ausmacht. 1908/09 wre die Baumwollernte in Cilicien
bereits erheblich grer ausgefallen, wenn nicht besonders heie
und trockene Winde aufgetreten wren. 1909 fanden im Vilajet Adana
die groen Armeniermassakers statt, und da die armenischen Bauern
auf dem flachen Lande ermordet wurden und es hernach an Hnden zur
Einbringung der Ernte fehlte, so zeigte die Saison 1909/10 ein starkes
Herabgehen der Produktion, 59400 Ballen gegen 76400 Ballen im Jahre
vorher. Fr 1910/11 schtzt die Direktion der Deutsch-Levantinischen
Baumwollgesellschaft in Dresden die zu erwartende Ernte auf ca. 85000
Ballen. Die Ertragsquote fr den Hektar Baumwolleland kann, wie es
heit, in Cilicien ebenso hoch angenommen werden, wie in gypten, d. h.
auf nahezu zwei Ballen. Natrlich ist es nicht denkbar, da die ganzen
300000 Hektar, von denen die Denkschrift der trkischen Regierung
berichtet, nach Durchfhrung des Bewsserungssystems ausschlielich
mit Baumwolle bepflanzt werden. Selbst aber wenn es nur mit einem
Drittel oder mit der Hlfte des gewonnenen Areals geschehen sollte,
so wrde die jetzige Jahresernte auf das Vierfache bis Sechsfache
steigen. Damit erhielte allein die cilicische Baumwollproduktion
ein nicht zu unterschtzendes Gewicht fr die Regulierung der
Weltmarktpreise und fr die Versorgung der deutschen Industrie. An
dem cilicischen Projekt und an der bertragung der Vorarbeiten an
die anatolische Bahngesellschaft zeigt sich brigens deutlich der
Einflu des neuen Regimes in der Trkei auf den Fortschritt der
Kultur. Eine Frage ist nur, ob es mglich sein wird, die von Natur
vorhandenen Aussichten voll zu verwirklichen, ohne der sehr schwierigen
Ansiedlungsfrage nherzutreten. Mit der Baumwolle steht es hier
gegenber dem Getreidebau insofern etwas besser, als sie in hherem
Grade Saisonarbeit bedingt. Am meisten Hnde sind zur Ernte ntig, und
fr diese kommen schon jetzt Wanderarbeiter, in erster Linie Kurden, in
ziemlicher Menge aus dem Gebirge herab. Hoffentlich wird man auf diese
Krfte in Zukunft noch strker zurckgreifen knnen als heute. Gesund
ist die cilicische Ebene nicht, denn wegen ihres Reichtums an Wasser
leidet sie recht stark unter der Malariagefahr.

Im Vilajet Aleppo ist die Baumwollkultur vorlufig noch gering; es
werden nicht mehr als im Durchschnitt 8000 bis 10000 Ballen jhrlich
erzeugt. Hier erfolgt der Anbau berwiegend auf Regen, und die
Hauptgefahr, unter der die Kulturen leiden, besteht weniger in der
Drre, als in den gelegentlich auftretenden Heuschreckenschwrmen.
Durch ein solches Migeschick kann es mitunter dahin kommen, da die
Ernte eines ganzen Jahres ausfllt, namentlich solange nur kleine
Parzellen mit Baumwolle bestellt sind. Wenn erst die Eisenbahn die
weiten Flchen zwischen Aleppo und dem Euphrat, die Region des
alten Bambyke, erreicht hat, so werden sich natrlich auch diese
Voraussetzungen ndern. Sobald Hunderttausende von Hektaren angebaut
sind, knnen Heuschrecken zwar Verluste, aber kaum noch einen
vollstndigen Ausfall der Ernte verursachen.

Unter den wirtschaftlichen Zukunftsaussichten im Gebiet der Bagdadbahn
mu auch die Bedeutung der Petroleumlager jenseits des Tigris erwhnt
werden. Von ihnen ist aber schon im zweiten Kapitel die Rede gewesen.
Genauer auf sie einzugehen und weiterblickende Erwgungen anzustellen,
ist solange nicht mglich, wie keine Bohrungen und sonstige
systematische Untersuchungen angestellt sind. Wir bemerkten bereits,
da es leider den Anschein hat, als ob auch hier wieder fremder
Unternehmungsgeist und fremdes Kapital mutiger und mehr vorausblickend
sind, als die deutschen fhrenden Kreise.

Bei weitem am wichtigsten fr die Abschtzung der kommenden Entwicklung
im Gefolge der Bagdadbahn sind natrlich diejenigen Gebiete, auf
deren Reichtum und Volkszahl im Altertum die materielle Kultur
Vorderasiens am meisten beruht hat. Dazu gehrten Kleinasien und
Cilicien, ungeachtet ihrer frheren Blte, nicht; auch Syrien kann
nur bedingt dorthin gerechnet werden, denn seine Bedeutung war mehr
die eines wichtigen Durchgangslandes fr Handel und Verkehr, als die
eines Gebietes wirtschaftlicher Urproduktion im groen Stil. Diese
Rolle spielten vielmehr die Euphrat- und Tigrislnder, Mesopotamien
und vor allen Dingen Babylonien. Hierbei mu betont werden, da
ihre alte Kultur im wesentlichen durchaus auf dem Ackerbau, auf dem
Getreidereichtum und der hierdurch bedingten Volksdichte beruhte. Die
Untersuchung darber, _welchen Stand materieller Kulturentwicklung
das heutige Bagdadbahngebiet im Altertum besessen hat_, ist daher eine
der wichtigsten, die berhaupt angestellt werden knnen, wenn wir die
Frage nach der Wiedererweckung dessen, was dort einst war, beantworten
wollen. Dabei haben wir leider mit der bereits mehrfach berhrten
Schwierigkeit zu kmpfen, da bei uns in Deutschland so beraus unklare
Vorstellungen von den vorderasiatischen Dingen herrschen, whrend z. B.
in England entschieden mehr Sachverstndnis weiterer Kreise gerade fr
dieses Gebiet vorhanden ist. Vor etwa einem Jahrzehnt, als wegen des
Abschlusses der Baukonzession das Thema von der Bagdadbahn zeitweilig
sehr im Vordergrund der Errterung stand, schrieb eine groe und sehr
angesehene Zeitung in einem Artikel: Die wirtschaftliche Bedeutung der
Bagdadbahn wrtlich folgendes:

Etwas genauere Beachtung beansprucht _Kleinasien_ als der einstige
Produzent, besonders von Getreide, um so mehr, als von beteiligter
Seite bereits das Land als ein sehr gefhrlicher Konkurrent unserer
heimischen Landwirtschaft bezeichnet worden ist. Es soll hier gleich
an erster Stelle betont werden, da die dort zu erwartende Produktion
allerdings eine sehr bedeutende sein wird, sobald das Land erst in
einen Kulturzustand versetzt wird, den es _vor ca. 3000 Jahren bereits
einmal eingenommen hat_, als der schwarze _Alluvialboden_, dort Sawd
genannt, durch ein Netz von beilufig 120000 Kanlen bewssert wurde.
Noch unter persischer Herrschaft war das Land die hchst besteuerte
Satrapie und selbst in der frheren Kalifenzeit vor ca. 1200 Jahren,
deren Steuerfolianten uns erhalten geblieben sind, bezifferten sich die
Steuerertrgnisse auf ca. 235 Millionen Mark, volle zwei Dritteile der
gesamten Staatseinnahmen der heutigen Trkei. Und dabei hatte damals
der Verfall schon jahrhundertelang bestanden. Das Resultat, das heute
durch bloe Wiederherstellung der alten Kanalisationswerke zu erzielen
ist, beziffert Aloys Sprenger, ein genauer Kenner der einschlgigen
Verhltnisse, in seinem Buche >Babylonien, das reichste Land der
Vorzeit<, auf rund zwei Milliarden Mark. Bercksichtigt man dabei,
da der _schwarze Sawd eine Ausdehnung von ber 24 Millionen Hektar
besitzt_ -- also etwa ein Gebiet _so gro wie Italien_ -- und da das
Land hinsichtlich der Betriebskosten die gepriesensten Vorzge Indiens
und Amerikas in sich vereinigt, so ist allerdings nicht ausgeschlossen,
da mit der Zeit ein bedeutender Rckgang der Getreidepreise zu
verzeichnen sein wird und da in diesem alten Kulturlande ein reiches
und kaufkrftiges Volk emporblhen wird.

Durch diese Ausfhrung zieht sich als leitendes Miverstndnis die
Verwechslung von Kleinasien und Sawd. Der Sawd, der dunkle
Alluvialboden, ist die frhere arabische Bezeichnung fr das
babylonische Tiefland am Unterlauf des Tigris und des Euphrat, das
Kernstck des Irak oder des heutigen trkischen Vilajets von Bagdad.
Kleinasien dagegen, d. h. die Halbinsel Anatolien, ist erstens kein
Land mit schwarzem Alluvialboden, zweitens ist es nicht von Tausenden
von Kanlen bewssert worden, und drittens war es vor 1200 Jahren nicht
ein Bestandteil des arabischen, sondern des byzantinischen Reichs und
zahlte seine Steuern nicht nach Bagdad, sondern nach Konstantinopel.
Auch ist es nie eine Satrapie des persischen Reichs gewesen, und
vollends nicht die hchstbesteuerte. In demselben Zeitungsartikel wird
dann weiter von den gewaltigen Petroleumquellen Babyloniens geredet,
die das russische Erdlgebiet am Kaspischen Meer an Ergiebigkeit um das
Zehnfache bertreffen sollen. Petroleumquellen sind in Babylonien nicht
bekannt, und da die weiter nrdlich liegende mesopotamische Naphtha-
und Asphaltzone zehnmal reicher sein soll, als die Lager von Baku,
wre interessant, wenn es bewiesen wre. Vorlufig aber ist es reine
Phantasie.

Wir mssen im Gebiet der Bagdadbahn und ganz besonders in dem
mesopotamisch-babylonischen Stromlande beachten, da es dort zwei
grundverschiedene Arten von Kulturland gibt. Die eine Art ist _vom
Regen bewssertes Land_; die andere bedarf zur Hervorbringung
irgendwelcher Frchte in jedem Falle _knstlicher Bewsserung_
vermittels flieenden Wassers. Ich habe auf vielerlei Kreuz- und
Querzgen im Winter 1900/1901 mein Augenmerk hauptschlich darauf
gerichtet gehabt, festzustellen, wieweit sich im Altertum die Zone der
auf Regenfall gegrndeten Ackerbaukultur in Mesopotamien erstreckt hat.
Ich kann fr die Einzelheiten auf die Beschreibung meiner Reise in den
Preu. Jahrb. verweisen und gebe an dieser Stelle nur ein kurzes
Resmee meiner persnlichen Studien, indem ich dabei das wesentliche
von anderen neuerdings bekannt gewordenen Forschungsreisen in jenen
Gebieten, die sich mit demselben Thema beschftigen, namentlich die
Verffentlichungen des Freiherrn Max v. Oppenheim, mit meinen eigenen
Erfahrungen verbinde. Unzweifelhaft ist ein viel grerer Teil
Mesopotamiens, als man gewhnlich bisher anzunehmen geneigt war, im
Altertum und whrend des frheren Mittelalters, d. h. bis ins achte
und zehnte Jahrhundert, bebaut und besiedelt gewesen, und ich habe als
Resultat aller darauf verwandten Studien gefunden, da in der _ueren
Natur seit jener Zeit keinerlei Umstnde eingetreten sind, aus denen
man gentigt wre zu folgern, jene blhenden Zustnde lieen sich heute
nicht mehr durch geeignete Manahmen_ herstellen. Da diese Tatsache,
die Nichtnderung des Klimas in historischer Zeit, von entscheidender
Wichtigkeit fr die Besiedelungs- und Kultivierungsfrage ist, braucht
wohl nicht erst besonders hervorgehoben zu werden.

Whrend heutzutage sich nur noch eine ganz schmale Kulturzone vom
Rande des iranischen Hochlandes stlich Mossul lngs des Tigris und
des sogenannten Tur Abdin westwrts ber den Euphrat hinber bis
nach Nordsyrien hineinzieht, eine Zone, die so schmal ist, da sie
fters fast vollkommen von der Wste unterbrochen wird, war der
ganze nrdliche und nordwestliche Teil Mesopotamiens, dazu das ganze
im engeren Sinne assyrische Gebiet, d. h. das Dreieck zwischen dem
Tigris, dem untern Sab und dem Hochlande, schon um das Jahr 1000 v.
Chr. so dicht bevlkert, wie wahrscheinlich nur noch ganz wenige Teile
der damals besiedelten Welt. Nur das Alluvialland am Unterlauf der
groen Strme mag schon zu jener Zeit eine noch strkere Bevlkerung
ernhrt haben. Die beiden Flsse Chabur und Belich, die heute fast
von ihren Quellen an bis zur Mndung in den Euphrat durch vllig
wstes Land flieen, strmten damals auf dem grten Teil ihres
Laufes durch eine breite Kulturzone, wie das zuerst Freiherr Max v.
Oppenheim whrend seiner im Jahre 1899 unternommenen Reise durch den
Nordwesten Mesopotamiens in Ergnzung zu meinen mehr nach Norden und
Osten gerichteten Studien in dankenswerter Weise festgestellt hat. Ich
meinerseits kann aus eigenem Augenschein berichten, da sich vom Tur
Abdin ab nach Sden sowohl in der Gegend von Veranscheher bei Urfa als
auch von Nsebin aus, dem alten Nisibis, als auch endlich noch weiter
ostwrts, das ganze Land weit und breit von einer solchen Menge alter
Tells erfllt zeigt, deren jeder die Lage einer antiken Stadt oder
eines Dorfes bezeichnet, da allein nach diesem Kennzeichen zu urteilen
die Bevlkerung Nordmesopotamiens zur assyrischen, rmischen und
sassanidischen Zeit mindestens so dicht gewesen sein mu, wie die einer
beliebigen Ackerbaulandschaft des damaligen Europa. Es spricht aber
nicht nur dieser direkte Augenschein fr die Quantitt und Qualitt
der alten Kultur, sondern wir knnen berhaupt erst dann, wenn wir die
Voraussetzung starker Bebauung und Bevlkerung in diesem Gebiete fr
das Altertum machen, die historischen Nachrichten begreifen, die wir
ber ihre Schicksale besitzen. Um nur eins zu nennen, so hren wir bei
rmischen wie bei orientalischen Schriftstellern in gleicher Weise
von langen und hartnckigen Kriegen erzhlen, die seit den Zeiten der
ausgehenden rmischen Republik bis auf die Epoche des aufkommenden
Islams hin zwischen dem rmischen Reiche und den stlichen Grostaaten,
Armenien, Parthien und dem sassanidischen Persien, gerade um dieses
Stck von Vorderasien gefhrt worden sind. Man kann ohne bertreibung
sagen, da ein halbes Jahrtausend lang wahre Strme von Blut um die
Landschaften, deren Zentren Urfa (das alte Edessa) und Nisibis sind,
vergossen wurden. Vom zweiten bis ins vierte Jahrhundert hinein
berwog in diesen Kriegen die Kraft des Abendlandes; danach die des
Orients. Trajan eroberte Mesopotamien und der Norden des Stromlandes
blieb seitdem beim Reich. Jovian, der Nachfolger des unglcklichen
Julianus Apostata, mute fast alles an die Perser abtreten, um sich
von den nachdrngenden Feinden, die ihn auf dem linken Ufer des
Tigris in der Gegend von Tekrit eingeschlossen hielten, um diesen
Preis den bergang zurck ber den Strom und die Heimkehr mit dem
Heere zu erkaufen. Von diesem fr Rom so verhngnisvollen Jahre 363
an haben die Kriege zwischen den Imperatoren und den Sassaniden
um Mesopotamien auch nicht whrend eines einzigen Menschenalters
aufgehrt, bis der hereinbrechende Arabersturm das persische Reich vom
Erdboden hinwegfegte und die Byzantiner ber den Taurus hinber in die
Defensive zurckwarf. Einen solchen Verlauf der Geschichte des Landes
kann man nur verstehen, wenn man wei oder annimmt, da es reich und
bevlkert gewesen ist. Bei dem Zustande, in dem sich Mesopotamien nach
Menschenzahl, Reichtum und Anbau heutigestags befindet, wre es sowohl
fr den Besitzer, der es verteidigt, als auch fr den Prtendenten,
der es erstrebt, eine Torheit, soviel Blut um das Land zu vergieen,
denn es ist zu mehr als neun Zehnteln eine Wste, in der nichts
wchst auer drrem Steppenkraut, und wo noch keine Viertelmillion
sehafter Einwohner und einige Zehntausende armseliger Beduinen leben.
Und dennoch bedrfte es auch heute keiner weiteren Vernderung,
als der politischen Sicherheit fr den Ackerbauer, damit der Pflug
wiederum wie vor 1000 und 2000 und wohl auch 3000 und 4000 Jahren
ber die tiefgrndige braune Ackererde geht und Weizensaat, Gerste
und Baumwolle abermals der Ernte entgegenreifen. Ich habe Tagereisen
weit in der sogenannten Wste fern von jeder dauernden Ansiedelung
kleine Stckchen Gerstensaat gefunden, die von den arabischen Nomaden
angelegt werden, um etwas Kraftfutter fr ihre Pferde zu bekommen. Die
Leute kratzen den Boden in der primitivsten Weise auf, streuen die
Gerste hinein und kommen wieder, wenn es Zeit zur Ernte ist. Das ist
ein Beweis dafr, da die Menge des jhrlich fallenden Regens heute
noch wie damals hinreichend ist, um Ackerbau zu ermglichen. Aber auch
wenn dieses Zeugnis nicht existierte, so mte man es doch den Leuten
im Lande glauben, die nach ihrer Erkenntnis und Erfahrung versichern,
da man Weizen und was man sonst wolle drinnen in der Wste ganz
ebensogut bauen knne, wie weiter nach Norden und Nordosten am Rande
des Berglandes auch noch unter dem freilich sehr ungengenden Schutz
der schwachen trkischen Regierungs- und Militrgewalt lngs der groen
Verkehrsstrae von Konstantinopel nach Bagdad. Die klimatischen wie die
Bodenverhltnisse sind hier wie dort dieselben. Wollte aber ein Bauer
den praktischen Versuch wagen, sich beispielsweise auch nur eine halbe
Stunde sdwrts von dem jetzigen mit einer kleinen Garnison belegten
Stdtchen Nsebin in der Wste anzusiedeln oder ein Stck Feld dort
zu bestellen, so wrden bei der ersten besten Gelegenheit die Beduinen
ihn aufgreifen und zur Erpressung eines Lsegeldes gefangen mit sich
fortschleppen, oder wenn nicht das, so wrden sie seine Saat, bevor
er sie geerntet hat, ohne Umstnde fr sich nehmen. Mehr aber als der
Beseitigung dieser politischen Unsicherheit bedarf es nicht, um das
alte Leben und den alten Segen des Landes wieder erstehen zu lassen.
Die Bevlkerung, d. h. die Bauernschaft, wrde mit Freuden, sobald
sie nur ihres Lebens und ihres Eigentums sicher wre, sich ausdehnen,
in die Wste hinein sich ausbreiten und Land unter den Pflug nehmen;
die Drfer wrden nicht zu Dutzenden, sondern zu Hunderten in wenigen
Jahren entstehen. Nur am Nordfue der das obere Mesopotamien in
weststlicher Richtung durchziehenden Sindschargebirgskette habe ich
eine mehrere Stunden breite Zone sterilen salzigen Bodens gefunden.
In diesem Landstrich fehlen aber auch die bis dahin den von Norden
her kommenden zu beiden Seiten bis an die Grenze des Gesichtskreises
in massenhafter Menge begleitenden Tells vollstndig -- ein Beweis
dafr, da die Gebiete wirklicher physischer Unfruchtbarkeit heute wie
im Altertum dieselben sind. Aber nicht nur im Norden und Nordwesten
des Landes, im Gebiet der vom Tur Abdin herabstrmenden wasserreichen
Flsse und Bche, deren Reichtum heute unbenutzt verbraust, hat im
Altertum eine starke Kultur existiert, sondern selbst noch auf der
Sdseite des Sindschargebirges, wo es keine das ganze Jahr ber
flieenden Wasseradern oder doch nur eine einzige grere dieser Art
gibt, den Flu Tharthar, reicht der Regen noch eine Strecke weit nach
Sden in die Steppe hinein aus, um dauernde menschliche Ansiedelungen
zu ermglichen. Die Menge der Tells, die man von den sdlichen
Vorhhen des Sindschar aus nach Sden in der Ebene erblickt, beweist
es deutlich, da mindestens noch eine und an manchen Punkten auch zwei
Tagereisen weit der Anbau in frherer Zeit dorthinein vorgedrungen
war. Auch die Lage der groen und reichen Stadt Hatrae, deren Ruinen
am Unterlauf des Tharthar das Staunen der Reisenden erregen, die in
dieses von Europern nur sehr selten besuchte Gebiet gelangen, beweist
dasselbe. Und was soll man vollends dazu sagen, da die Ursprungsgegend
der assyrischen Kultur, das Stammgebiet des spteren Groreichs von
Ninive, nicht etwa auf dem linken Tigrisufer in der wohlbewsserten und
regenreichen Hgellandschaft zwischen Tigris und Sab liegt, sondern
auf dem rechten. Es war Assur, heute Ruinen bei Kalat-Schergat. Man
sieht daraus deutlich, da am Ende des zweiten und zu Beginn des ersten
Jahrtausends v. Chr. Geburt, wo wir zuerst von der Existenz der Stadt
und des Reiches von Assur etwas hren, diese heutzutage fast vollkommen
wsten, unbevlkerten und unbebauten Bezirke eine so groe Ackerbau
treibende Bevlkerung ernhrt haben, da der Umfang ihrer Hauptstadt,
wie die heutigen berreste beweisen, nur um ein weniges kleiner war,
als der Raum, den die Wlle der groen Weltstadt Ninive umschlieen.

Alles vom Regen bewsserte Land in Mesopotamien harrt also, wie gesagt,
nur des Pfluges, der es wieder unter Kultur nimmt. Anders, auf der
einen Seite schwieriger, auf der andern Seite weit mehr versprechend,
liegen die Dinge im Sden des Stromlandes, im alten Babylonien. Die
Araber nennen das ganze Alluvialgebiet, so weit es von den Ablagerungen
der Strme und ihrer Tributre bedeckt ist, den _Sawd_, d. h. den
dunklen, den schwarzen Boden. Etwa von der Breite der Naphthastadt
Kerkuk an hrt die Menge des Regenfalles auf, fr den Anbau des Landes
zu gengen, und die knstliche Bewsserung tritt, erst ergnzend,
danach als Alleinherrscherin, an die Stelle. Vollends im eigentlichen
Babylonien kann nur durch ihre Hilfe von Kultur die Rede sein.

Die Kultur der alten Babylonier beruhte durchweg auf der Kanalisation
ihres Landes. Vom Euphrat und vom Tigris sowie von den westlichen,
dem Iranischen Hochland entstrmenden Nebenflssen des Tigris zweigte
sich eine Anzahl groer Magistralkanle ab und bildete zunchst ein
gromaschiges Netz breiter knstlicher Wasseradern. Die Hauptlinien
dieser alten Kanle erster Ordnung sind heute noch ausnahmslos teils
erhalten, teils in ihrem Lauf mit hinreichender Deutlichkeit zu
verfolgen; nur an einigen wenigen Stellen sind sie auch noch, wenn auch
in sehr bescheidenem Mae, in Funktion. Man knnte auch gegenwrtig
nichts Klgeres und Besseres tun, als im wesentlichen das alte Netz
wieder herzustellen. Allerdings mte man dabei mindestens fr die
erste Zeit der Wiederkultivierung des Landes darauf verzichten, es
in seinem ganzen Umfang wieder fr den Anbau zu gewinnen. Gut zwei
Drittel seines Areals sind durch die ber ein Jahrtausend whrende
Vernachlssigung in einen Zustand versetzt worden, der so kostspielige
und weitausgreifende Anlagen zur Beseitigung des herrschenden bels
erfordern wrde, da davon noch auf lange hinaus wird abgesehen werden
mssen. Sowohl der Euphrat als auch der Tigris sind so geartet, da
sie im Frhling alljhrlich zur Zeit ihres Hochwassers das ganze
Land an ihrem Unterlauf weit und breit berschwemmen und dabei eine
Menge Sedimente zurcklassen. Diese Schlammablagerungen sind an den
Rndern des Strombettes am strksten, und daher kommt es, da sich
zu beiden Seiten des Wasserlaufes eine Erhhung der Anschwemmungen,
hnlich einem breiten flachen Damme bildet, so da das umliegende
Land in weiterer Entfernung schlielich selbst tiefer zu liegen
kommt, als der Stromspiegel selbst. Bei diesem Sachverhalt kommt
alles darauf an, durch ein umsichtig angelegtes und unausgesetzt
berwachtes und erhaltenes System von Dmmen, Wasserdurchlssen und
Schleusen die namentlich zur Frhjahrszeit rasch und reiend strmenden
Wassermassen unter Kontrolle zu behalten. Es mten jederzeit groe
Menschenmengen auf einen Wink von leitender Stelle bereit stehen,
um an einem gefhrdeten Punkt in grtmglicher Eile die ntigen
Arbeiten, sei es ffnender, sei es schlieender Natur, vorzunehmen.
Zur Zeit Alt-Babylons, wohl auch zur frheren persischen und sicher
zur sassanidischen Zeit, funktionierten diese Anlagen gut. Nach der
arabischen Eroberung verfielen sie aber und es bildeten sich teils
Trockensteppen, teils Smpfe.

Fr die Wiederherstellungsarbeiten wre an folgende Gegenden zunchst
zu denken: 1. Das Zwischenstromland von Feludscha bis zu den Ruinen
von Kufa am Euphrat, von Samarra bis Kut el-Amara am Tigris. 2. Das
Land auf dem linken Tigrisufer von Tekrit bis Bagdad. 3. Der alte
Nihrawanbezirk zwischen dem Nahr Adhem, dem stlichen Gebirge und
dem Tigrislauf bis Kut el-Amara, in frherer Zeit hauptschlich
das Bewsserungsgebiet der Dijala. Innerhalb dieser drei Regionen
sind selbst heute noch hier und da grere berreste der einstigen
Bodenbebauung vorhanden; hier lt sich das Kanalnetz, das sich
Jahrtausende hindurch bewhrt hatte, bevor es in Verfall geriet,
berall noch in seinen Spuren verfolgen, ja was an funktionierenden
knstlichen Wasserlufen berhaupt noch vorhanden ist (wie klein
und drftig waren aber die wasserfhrenden Adern, ber die ich
zwischen Bagdad und Babylon gefahren bin!), das verluft in den
alten Betten; hier endlich spielt die Frage der Uferbefestigung und
Laufregulierung bei den Strmen selbst noch nicht entfernt die Rolle,
wie weiter unterhalb. Es handelt sich innerhalb des umschriebenen
Gebietes um sechs oder sieben groe Magistralkanle, die in ihrer
Richtung und Anlage allesamt noch wohl erkennbar, teilweise auch an
ihren Ausgangspunkten sogar noch wasserfhrend sind, nmlich 1. der
Isakanal, 2. der Sarsarkanal; diese beginnen beide nicht weit von dem
heutigen rtchen Feludscha am Euphrat und mndeten unterhalb Bagdad
nahe beieinander in den Tigris, 3. der mchtige Nahar Malka oder
Knigskanal, der unterhalb Feludscha sich aus dem Euphrat abzweigt
und frher die Hlfte des Euphratwassers in sdstlicher Richtung
direkt auf Seleukia-Ktesiphon zu und dort in den Tigris fhrte, 4. der
Nilkanal, der oberhalb Babylons beginnt und in frherer Zeit einen
Arm gleichfalls nach Seleukia, einen anderen nach der Gegend von Kut
el-Amara entsandte. Diese vier Kanle mit ihren Verzweigungen bildeten
das nordbabylonische Zwischenstromsystem. 5. Das groe Nihrawansystem,
dessen Hauptadern das Wasser der Dijala ber das ganze Gebiet zwischen
Bagdad, Kut el-Amara und dem Gebirge verteilten. Ein besonders
breiter und schiffbarer Arm mndete gerade gegenber dem Ausflu des
nrdlichen Zweiges des Nilkanals bei Seleukia-Ktesiphon und stellte
auf diese Weise eine ununterbrochene direkte Wasserverbindung fr
den Gtertransport vom Ausgang der medischen Psse bis nach Babylon
und Kufa samt allen Landschaften am unteren Euphrat her; ebenso auch
in umgekehrter Richtung. 6. Der Katulkanal -- von einem Punkte etwas
unterhalb Tekrit am Tigris in sdstlicher Richtung, den Nahr Adhem
schneidend, zur Dijala, die stlichen Uferbezirke des Tigris mit Wasser
aus dem Strome speisend.

ber den Umfang des babylonischen Kulturlandes im Altertum ist es aus
dem Grunde nicht leicht, zahlenmige Angaben zu machen, weil noch
keine gengenden Untersuchungen darber angestellt sind, wieweit
sich die berreste der frheren Besiedlung, die sogenannten Tells,
namentlich nach Osten und Westen gegen die arabische Wste und gegen
das iranische Hochland zu ausdehnen. Auf jeden Fall viel zu gro ist
die arabische, von Sprenger in seinem Buche ber Babylonien als das
reichste Land der Vorzeit bernommene Angabe, der Sawd sei, nach
modernem Flchenma, 24 Millionen Hektar, 240000 Quadratkilometer,
gro gewesen. Die Wiedergabe jener alten Berechnung durch Sprenger ist
lngere Zeit hindurch, auf Sprengers Autoritt hin, ohne Nachprfung
bernommen worden, so anfangs auch von mir, bis Hermann Wagner auf
Grund einer genauen Oberflchenberechnung nachwies, da die Vorstellung
von 240000 Quadratkilometer weit bertrieben war. Wenn man alles
Land, das aus dem Euphrat, dem Tigris und dessen Nebenflssen den
Hhenverhltnissen nach Wasser zugeleitet erhalten _kann_, in Betracht
zieht, so mu man die 240000 Hektar fast auf die Hlfte reduzieren, und
wenn man sich auf diejenigen Flchen beschrnkt, wo die Bewsserung
unter den heutigen Verhltnissen der Strmung praktisch mit Vorteil
erfolgen kann, so mu man noch weiter heruntergehen. Willcocks, die
erste Autoritt auf diesem Gebiet, berechnet Babylonien zwischen und
unmittelbar neben den Strmen auf 5,6 Millionen Hektar. Aus dieser
Gesamtsumme der Lndereien sondert er aber die Hlfte, 2,8 Millionen
Hektar, als vorzugsweise geeignet aus, und fr den Augenblick
beschrnkt er sein Programm sogar auf ein noch kleineres Areal: ca. 1,3
Millionen Hektar. Die trkische Regierung hat ihm noch unter dem alten
Regime die Ausarbeitung eines genauen Planes fr die Wiederherstellung
der alten Bewsserung im Irak aufgetragen und ihm die Leitung der zu
Ausfhrung gelangenden Arbeiten zugesagt. ber seine Plne hat er einen
kurzen aber inhaltreichen Bericht an das Gouvernement in Konstantinopel
eingereicht, der in der bereits erwhnten Denkschrift des trkischen
Ministeriums der ffentlichen Arbeiten ber Eisenbahnbauten und
Kulturarbeiten vom Jahre 1909 publiziert ist (franzsisch). Etwas
spter, am 15. November 1909, entwickelte Willcocks seine Ansichten
auch in einem Vortrag in der Kniglich Geographischen Gesellschaft
in London. Er ist gedruckt im Januarheft 1910 des Geographical
Journal der Gesellschaft. K. Ch. Christiansen hat im Septemberheft
der Hettnerschen Geographischen Zeitschrift, 1910, einen Artikel ber
die knstlichen Bewsserungsplne Babyloniens publiziert, der das
Wesentliche der Willcocksschen Plne wiedergibt.

Auch fr Willcocks handelt es sich im Prinzip um die Wiederherstellung
des frheren Zustandes innerhalb des antiken Kulturgebiets.
Ursprnglich nahm er sogar ziemlich genau die oben unter Nr. 1-6
aufgezhlten alten Kanle in Aussicht. In dem Vortrag in der
Geographischen Gesellschaft in London, den wir oben erwhnten, und der
anscheinend seine jetzigen Ansichten wiedergibt, findet sich allerdings
ein bemerkenswerter Wechsel vollzogen, und auch die Karte, die dem
Januarheft des Geographical Journal 1910 beigegeben ist, zeigt, da
Willcocks die Wiederherstellung gerade des berhmten Nihrawnkanals,
der vom Unterlauf der Dijala abzweigte und einen groen Teil des Landes
zwischen dem Gebirge und dem linken Tigrisufer bewsserte, aufgegeben
hat. Auch sonst fllt an dieser Karte auf, da sie in verschiedenen
Stcken nicht mit der offiziellen Denkschrift stimmt, die Willcocks
der trkischen Regierung berreicht hat. Nach dieser sollen z. B.
2000 Quadratkilometer durch Entwsserung des Sumpfgebiets von Kurna
gewonnen werden, wo ein Teil des Euphratwassers sich mit dem Tigris
vereinigt. Die zum Londoner Vortrag gehrige Karte zeigt hier nichts
von Bewsserungsplnen.

Die noch ausstehende genauere Durchforschung der alten Ruinengebiete
namentlich stlich vom Tigris und sdlich vom Euphratunterlauf wird
uns mglicherweise noch wichtige Erkenntnisse ber die dort einstmals
vorhandene Ausdehnung des Kulturgebiets bringen. Von viel grerer
Bedeutung, als die Frage nach dem rumlichen Umfang des alluvialen auf
Bewsserung angewiesenen Kulturlandes im Altertum und dementsprechend
nach der Gre der jetzt wiederzugewinnenden Flchen ist aber die
andere: welches die wirtschaftliche Leistungsfhigkeit Babyloniens und
des spteren Irak whrend der verschiedenen kulturellen Blteperioden
des Landes gewesen ist? Nach dieser Richtung hin unterliegt es gar
keinem Zweifel, da die Gebiete am Unterlauf des Euphrat und Tigris
in bezug auf Volkszahl, Wohlhabenheit und Steuerkraft immer den
Schwerpunkt Vorderasiens gebildet haben, solange und so oft hier
Grostaaten existiert haben, d. h. von der babylonisch-assyrischen Zeit
bis zum Niedergang des arabischen Kalifats um die Wende des ersten zum
zweiten Jahrtausend. Quellenmig und zahlenmig beweisen kann man
diesen Satz fr die Zeit des alten persischen, des sassanidischen und
des arabischen Reiches; indirekt erschlieen lt er sich auch fr die
davor- und dazwischenliegenden Epochen. Es scheint, da der Sawd, d.
h. das ganze Alluvium auerhalb und innerhalb der vom Unterlauf der
beiden Strme eingeschlossenen Region, den hchsten Stand der Kultur in
der zweiten Hlfte der Sassanidenherrschaft, im sechsten Jahrhundert
n. Chr., erreicht hat. Schon aus viel frherer Zeit ist aber bekannt,
da im alten persischen Reich, unter Darius I., das Euphrat- und
Tigrisland eine hhere Steuerfhigkeit besa, als gypten. Von dieser
Tatsache mu stets ausgegangen werden, wenn wir uns ein Bild davon
machen wollen, bis zu welcher Hhe der Entwicklung das Irak durch
Wiederherstellung des Bewsserungssystems gebracht werden kann, und
ihr Gewicht wird dadurch noch bestimmter und zuverlssiger, da sich
fast eineinhalb Jahrtausende spter unter den Kalifen, die zum ersten
Male seit den alten persischen Knigen wiederum Babylonien und gypten
gleichzeitig beherrschten, ein hnliches Verhltnis in der Steuerkraft
der beiden Lnder wiederholt. Babylonien und Assyrien, die im alten
Perserreiche zusammen eine Provinz bildeten, zahlten 1000 Talente in
den Knigsschatz und unterhielten den Hof whrend eines Drittels des
Jahres. Wie das Verhltnis zwischen den Leistungen Babyloniens, d.
h. des alluvialen Bewsserungsgebiets, und Assyriens, d. h. der vom
Regen getrnkten Landschaft im Norden gewesen ist, wird sich nicht
mehr ermitteln lassen, aber jedenfalls ist bei weitem der grere
Teil auf Babylonien entfallen. Die Leistung gyptens unter Darius I.
betrug 700 Talente an Steuern fr den Knig und auerdem den Unterhalt
fr die persische Garnison in der Festung von Memphis. Auf jeden Fall
war sie also die erheblich geringere. Unter Harun al Raschid zahlte
gypten ca. 65 Millionen Dirhem, Babylonien dagegen 135 Millionen.
Das Verhltnis ist also wieder ein ganz hnliches. Unmglich kann das
Zufall sein, sondern es mu sich darin die tatschliche, im Laufe der
Jahrhunderte im Verhltnis annhernd gleichbleibende Verschiedenheit
in der Steuerkraft der beiden Provinzen ausdrcken. Von dieser aber
drfen wir wiederum auf die Bevlkerung und auf den Umfang der
Anbauflche zurckschlieen. Die ueren Verhltnisse der Kultur waren
und sind am Tigris und Euphrat wie am Nil nahe miteinander verwandt,
und die Grundsteuer mu frher wie heute den Hauptbestandteil der von
der Regierung erhobenen Abgaben gebildet haben. Man wird es daher
nach den ausfhrlichen Untersuchungen Wagners[3] zwar ohne weiteres
zugeben mssen, da die Zahlen, die aus der sassanidischen Zeit fr die
Anbauflche und den Grundsteueretat berliefert sind, teils falsch,
teils nicht verwertbar sind, aber das Verhltnis zu gypten bleibt
bestehen und ist historisch einwandfrei bezeugt. Wenn also Wagner
meint, da 2-2 Millionen Hektar das Maximum der Flche darstellten,
die in ganz Babylonien je gleichzeitig bebaut gewesen sei, so kann
das schon aus dem Grunde nicht gut angenommen werden, weil der in
gypten unter Kultur befindliche Boden noch ein etwas greres Areal
reprsentiert. Wir haben berdies aus frherer Zeit eine Angabe, mit
der auch vom kritischen Standpunkt aus etwas anzufangen ist und die
auerdem gut mit den modernen von Willcocks herrhrenden Berechnungen
stimmt. Es heit nmlich in den arabischen Quellen, da zur Zeit des
Kalifen Omar (634-644), der das sassanidische Reich eroberte, die
Lndereien des Sawd vermessen worden seien, und das Ergebnis habe
fr das kultivierte Land 36 Millionen Djarb betragen. In heutiges
Flchenma umgerechnet bedeutet das soviel wie etwa 5 Millionen
Hektar. Willcocks gibt in dem bereits mehrfach erwhnten Bericht an
die trkische Regierung, wie wir sahen, drei verschiedene Zahlen: 1,3
Millionen Hektar fr die unmittelbar in Angriff zu nehmenden Arbeiten,
2,6 Millionen fr die mit etwas lngerer Frist zu beginnende, und 5,6
Millionen Hektar fr ganz Babylonien, worunter er aber immer nur die
Gebiete unmittelbar zwischen und neben den Strmen versteht, das, was
er das Delta des Euphrat und Tigris nennt; nicht den ganzen von
den Arabern sogenannten Sawd zwischen der Wste im Westen und dem
iranischen Randgebirge im Osten. Dieses ganze Gebiet berechnet Wagner
auf ca. 10 Millionen Hektar. In seinem Vortrag sagt Willcocks (Geogr.
Journ., Seite 9-11), das Delta der beiden Flsse sei 12 Millionen
acres gro, wovon ca. 9 Millionen Wste, d. h. zurzeit unbewsserte
Steppe und 2,5 Millionen Swassersmpfe. Der Rest entfiele demnach auf
das gegenwrtig kultivierte Land. _Ohne Zuhilfenahme von Reservoiren_,
d. h. Vorratsbecken, in denen der berflu der Hochwasserzeit
aufbewahrt werden kann, sagt Willcocks weiter, knne man von diesem
sogenannten Delta 6 Millionen acres auf Wintersaaten und 3 Millionen
auf Sommersaaten rechnen. 9 Millionen acres sind ca. 3,6 Millionen
Hektar. Etwas weiter heit es, da mit Hilfe des projektierten
Hauptkanals, der zwischen Tigris und Euphrat laufen soll, 3 Millionen
acres (1,2 Millionen Hektar) besten Landes bewssert werden sollen. In
Zukunft, jetzt allerdings noch nicht, werde dieser eine Kanal, der am
See von Akkar Kuf nordwestlich von Bagdad beginnen und in den Schatt
el Hai kurz vor dessen Vereinigung mit dem Euphrat mnden soll, 6
Millionen acres (2,4 Millionen Hektar) bewssern. Diese Ziffer fllt
natrlich in die oben genannten 9 Millionen acres hinein. Nimmt man zu
diesen Angaben von Willcocks diejenigen Teile des Sawds hinzu, die er
nicht bercksichtigt, und auerdem das jetzt noch kultivierte Land, so
kommt man reichlich auf die 5 Millionen Hektar Kulturland, die es unter
Omar im Sawd gegeben haben soll.

Willcocks sagt in seinem Vortrag, da man von den frs erste zu
gewinnenden 1,2 Millionen Hektar auf eine jhrliche Produktion von
1 Million Tonnen Weizen und 2 Millionen Zentner (400000 Ballen)
Baumwolle wrde rechnen knnen. Unter Zugrundelegung der fr spter von
Willcocks in Aussicht genommenen Verdreifachung des zu bewssernden
Areals, ferner der Lndereien westlich des Tigris und der jetzt
bereits kultivierten Flchen, kme man also fr die Zukunft auf
mehrere Millionen Tonnen Weizen und auf mehr als eine Million Ballen
Baumwolle als Gesamtproduktion des Landes. Im Altertum hat Baumwolle,
wenn berhaupt eine, so jedenfalls keine bedeutende Rolle in der
Kultur Babyloniens gespielt; was nicht von Grten und Palmpflanzungen
eingenommen war, stand unter Weizen und Gerste. Wenn wir auf Grund der
Willcocksschen Daten, unter Einsetzung von Getreide statt Baumwolle,
6 Millionen Tonnen Korn als durchschnittliche Jahresrente von ganz
Babylonien im Altertum annehmen, so wird diese Rechnung nicht zu hoch
sein. Wir wissen, da unter Chosru I. (531-578 n. Chr.) das Kafiz
Mischkorn (halb Weizen, halb Gerste) 3 Mithkal Silber kostete. Mit
voller Sicherheit ist das durch ein Kafiz reprsentierte Gewicht nicht
mehr zu bestimmen; es knnen je nach der Grundlage der Berechnung 42
oder 46 Kilogramm sein. Nehmen wir daraus das Mittel mit rund 44
Kilogramm, und das Gewicht von 3 Mithkal gleich 13,6 Gramm Silber,
so kostete der Doppelzentner Getreide 30 Gramm Silber, d. h. bei
einem Wertverhltnis von Gold zu Silber wie 15 : 1 nach heutigem
Gelde nominell 5,33 Mark. Nach den uns erhaltenen Nachrichten haben
die sassanidischen Knige ein Sechstel bis die Hlfte vom Betrage
der Ernte, je nach Qualitt des Bodens und der Pflanzungen, als
Grundsteuer genommen. Rechnen wir den Gesamtbetrag der Ernte gleich
6 Millionen Tonnen Getreide und den durchschnittlichen Steuerbetrag
gleich einem Drittel, so gibt das ca. 2 Millionen Tonnen Getreide; nach
altem sassanidischem Gewicht also 45 Millionen Kafiz und zum Preise
von 3 Mithkal fr das Kafiz 135 Millionen Mithkal. Nun haben wir eine
Nachricht, da unter Chosrus I. Vater, Knig Kobad[4], die Steuer des
Sawd 150 Millionen Mithkal betragen habe. Ebenso besitzen wir aus den
ersten 300 Jahren des Kalifats eine Reihe von Einnahmebudgets sowohl
fr das ganze Reich als auch speziell fr den Sawd. Die erste dieser
Angaben teilt mit, da der Ertrag des Sawd unter Omar I. auf 84
Millionen Mithkal oder nach dem neuen arabischen Mnzfu 120 Millionen
Dirhem veranschlagt worden ist. Wir wissen, da in den letzten
anderthalb Jahrzehnten der sassanidischen Monarchie unglckliche
Kriege mit Byzanz, verheerende innere Kmpfe und eine furchtbare
berschwemmung des Euphrat und Tigris im Jahre 627 nach Christus sehr
viel Schaden anrichteten und groe Strecken Land auer Kultur brachten.
Das Sinken der Einknfte hat also nichts Wunderbares. Dazu kam weiter,
da die erste Zeit der Kalifenherrschaft fr Babylonien zweifellos eine
Miregierung bedeutete. Unter Moawija 661-680, der die Regierung von
Medina nach Damaskus verlegte, sank die Summe auf 100 Millionen, dann
stieg sie wieder auf 135 Millionen und fiel unter den letzten Omaijaden
auf 60-70 Millionen Dirhem jhrlich. Unter den Abbasiden drckt sich
in dem Wiederansteigen der Ertrge des Sawd zunchst die Folge der
Verlegung des Regierungssitzes von Damaskus nach Bagdad aus. Harun al
Raschid konnte Steuern im Betrage von 135 Millionen Dirhem erheben,
ziemlich genau ein Viertel der Steuern des gesamten Kalifenreichs, das
sich von Nordafrika bis gegen das innere Hochasien hin erstreckte!
Wiederum wie in der altpersischen Zeit haben wir also das Bild, da die
Steuern Babyloniens unter dem Gesamtbetrag der Staatseinknfte eine
schlechthin berragende Stelle einnehmen. Nach Harun al Raschid geht es
mit dem Sawd reiend abwrts. Um die Mitte des neunten Jahrhunderts,
mit dem Beginn des Sinkens der Kalifenmacht und dem Aufkommen der
trkischen Prtorianer, fallen die Steuern des Sawds auf weniger als
80 Millionen. Unter den bujidischen Emiren, die seit der Mitte des
zehnten Jahrhunderts unter dem Kalifat herrschten, trieb man durch
Steuerverpachtung und Konfiskationen die Einknfte noch einmal bis auf
beinahe 100 Millionen in die Hhe, aber ums Jahr 985 hren wir bereits,
da durch den Steuerdruck und die Soldateska das Land zu verden
begann und die Stdte ein herabgekommenes rmliches Aussehen annahmen.
Allmhlich sank die Macht der Regierung so tief, da es nicht mehr
gelang, das noch bebaute Land vor den Plnderungen der von Norden und
Osten herandrngenden Nomaden zu schtzen. Im dreizehnten Jahrhundert
rumten dann die Mongolen vollends auf. Von da ungefhr datiert der
heutige Zustand des Irak, da die Bewsserungsanlagen, die Dmme,
Kanle und Schleusen, zum allergrten Teil zerstrt sind und nur noch
Reste der frheren Volkszahl existieren.

Interessant ist es schlielich noch, aus den Steuerlisten fr die
ersten Jahrhunderte der arabischen Herrschaft das Ertragsverhltnis
zwischen Babylonien und den nrdlicheren Lndern, dem eigentlichen
Mesopotamien, festzustellen. Unter Harun al Raschid zahlten: der
Distrikt von Mossul 24 Millionen Dirhem; Nisibis, Sindschar, Harran
und das obere Euphrattal 34 Millionen Dirhem; die Bergdistrikte am
Oberlauf des Adhem und der Dijala 5 Millionen Dirhem. Das sind zusammen
63 Millionen Dirhem, _also beinahe genau soviel, wie zur selben
Zeit ganz gypten bezahlte_! Der allergrte Teil der drei vorhin
genannten Steuerbezirke ist aber heute sogenannte Steppe und in dieser
wird nichts produziert, als etwas Schafwolle. Im Altertum und zur
Kalifenzeit mu eine Bevlkerung von Millionen von Ackerbauern dort
gesessen haben. Als Omar den Sawd eroberte, ergab die Zhlung der
zur Kopfsteuer verpflichteten Mnner 550000, d. h. Haushaltungen und
Selbstndige. Daraus ist eine Gesamtbevlkerung von mehreren Millionen,
einschlielich der groen Stdte, zu schlieen. Babylonien und
Mesopotamien zusammengenommen werden zur Zeit der arabischen Eroberung
5-6 Millionen Einwohner gehabt haben, gegen knapp anderthalb Millionen
heute, wobei die Nomaden sogar mitgezhlt sind.

Es wrde uns an dieser Stelle zu weit fhren, in noch genauere
Untersuchungen ber die frheren Verhltnisse des Landes einzutreten.
Zur Verdeutlichung der Hoffnungen, die Willcocks und mit ihm noch viele
andere Kenner der dortigen und hnlicher Verhltnisse aussprechen,
wird das Gesagte gengen. Vor allen Dingen aber wird der Leser einen
Eindruck davon gewonnen haben, was im Laufe der Jahre die Trkei aus
der Wiederherstellung des Irak erwarten darf. Allerdings nicht auf
einmal und auch nicht allzu schnell. Auch die Kosten werden keine
geringen sein. Die andere Frage ist die, woher die Menschen kommen
sollen, um die gewonnenen Flchen zu besiedeln und zu bebauen.
Als Willcocks vor zehn Jahren in Kairo dieses Problem berhrte,
antwortete er kurzweg: sie sollten aus Indien und aus gypten
kommen. Die Denkschrift des trkischen Ministeriums der ffentlichen
Arbeiten bemerkt an ihrem Schlusse, unmittelbar nach Wiedergabe des
Willcocksschen Projektes, da dessen vorlufiger Umfang sich ja nur
auf ca. 13000 Quadratkilometer belaufe. Das Programm umfasse nicht
alles, was in Mesopotamien geschehen knne, sondern nur diejenigen
Arbeiten, die im Laufe von sieben bis acht Jahren in dem Gebiet
zwischen Bagdad und dem Persischen Golf zu vollenden und ohne Sorge
um die Besiedelungsfrage in direkte Verwertung zu nehmen seien.
Zu gelegener Zeit msse ein Gesamtprojekt fr ganz Mesopotamien
verwirklicht werden, aber abgesehen von der Kostenfrage sei es klar,
da die betreffenden Arbeiten solange keine Berechtigung htten,
wie die Trkei diese groen Gebiete nicht kolonisieren knne, _und
an diese Frage knne man nicht eher denken, als bis es gelungen sein
wrde, die Kapitulationen abzuschaffen_. Das heit also, da nach
der Meinung der Denkschrift Arbeiten im groen Stil erst unternommen
werden knnen, wenn die von auswrts heranzuziehenden Kolonisten ohne
weiteres trkische Untertanen und damit der trkischen Rechtsprechung
unterworfen sein wrden. Diese Ausfhrungen klingen vom trkischen
Standpunkte aus nur plausibel, aber dann ist es seltsam, da die
Denkschrift sich so gibt, als ob ca. 15000 Quadratkilometer zwischen
Bagdad und dem Persischen Golf in Kultur genommen werden knnten,
ohne da man Ansiedler von auerhalb heranzieht. Schon bei dem
gegenwrtig in der Ausfhrung begriffenen Projekt in der Koniaebene,
das nur 400 bis hchstens 500 Quadratkilometer umfat, bildet die
Frage, woher die Ansiedler kommen sollen, um dieses neue Land ohne
zu groe Verzgerung in Bearbeitung zu nehmen, einen Gegenstand der
Sorge fr die beteiligten Stellen, und dasselbe ist bei dem groen
cilicischen Projekt der Fall. Wie soll es da bei einem Areal, das
dreiigmal grer ist, als die Irrigationsflche bei Tschumra, ohne
Heranziehung auswrtiger Elemente fr die Besiedelung abgehen? Wenn
also die amtliche trkische Denkschrift so tut, als ob fr bloe 13000
Quadratkilometer die Besiedelungsfrage noch keine Rolle spiele, so
befindet sie sich entweder in einer schwer begreiflichen Unklarheit
ber die Sachlage, oder sie erkennt die Situation zwar, wnscht sie
aber zu verschleiern. Sollte das letztere der Fall sein, so knnte man
es schwer anders verstehen, als da den englischen Interessen Vorschub
geleistet werden soll. Willcocks ist Englnder und das trkische
Ministerium der ffentlichen Arbeiten ist seit dem Beginn der neuen
ra in der Trkei von zwei anglophilen Armeniern verwaltet worden.
Man braucht natrlich nicht zu glauben, da diese Kreise tatschlich
eine indisch-gyptische Einwanderung nach dem Irak ins Werk setzen
wollen, aber man wnscht Willcocks und mit ihm ganz allgemein die
Bettigung englischer Persnlichkeiten und englischen Kapitals. Weiter
reicht die berlegung im Augenblick wahrscheinlich nicht. Es ist aber
klar, da es nutzlos sein wird, 150 oder 600 Millionen Mark in die
Wiederherstellung des Kanalsystems zu stecken, und das Land samt den
neuen Kanlen und Dmmen dann ohne Bebauer liegen zu lassen. Durch
innere Kolonisation kann die Trkei nicht gengend Ansiedler fr das
Irak bekommen, und die Heranziehung der mohammedanischen Auswanderer
aus Bosnien, Bulgarien, Kreta, dem Kaukasus usw. kann auch nicht in
solchem Mae geschehen, da damit geholfen wre. Auerdem wrden es die
Leute von dort im Irak klimatisch gar nicht aushalten. Es bleibt also
wirklich nichts anderes brig, als Einwanderung von Mohammedanern aus
anderen hnlich gearteten Lndern. Diese mssen dann aber trkische
Untertanen werden, und solange die gegenwrtigen Kapitulationen
zwischen den europischen Mchten und der Trkei gelten, knnte
das gerade fr indische Mohammedaner nicht geschehen. Die gypter
sind formell ja trkische Staatsangehrige; in Wirklichkeit wrden
Einwanderer von dort gleichfalls der englischen Politik als Instrumente
zur Ausbreitung des englischen Interessengebiets dienen mssen. Wie die
Dinge in der Trkei heute liegen, wird es aber schwerlich lange dauern,
bis die jungtrkische Regierung die Abschaffung der Kapitulationen
energischer aufs Tapet bringt. Da von unserer Seite, wie eingangs
ausgefhrt, an keinerlei Kolonisation in Kleinasien, Mesopotamien,
Babylonien oder sonst irgendwo innerhalb des trkischen Reichs gedacht
wird, so brauchten wir in dieser Beziehung einer Neuordnung der
Kapitulationsfrage keinen Widerstand entgegenzusetzen. Wir werden auf
keinen Fall in die Lage kommen, Kolonisten in die Trkei ziehen zu
lassen, denen es auf die Staatsangehrigkeit ankommt. Andererseits kann
die trkische Regierung die Abschaffung der Kapitulationen auch nicht
eher beantragen, als bis sie imstande ist, gengende Garantien fr die
Unparteilichkeit ihrer Verwaltungs- und Gerichtsbehrden gegenber
Auslndern, zumal Nichtmohammedanern, zu geben.

Diese Errterungen haben uns aber schon etwas ber unser eigentliches
Thema hinausgefhrt. Vielleicht sind sie trotzdem nicht ganz
berflssig gewesen, denn sie zeigen, wie umfassend der Kreis der
Probleme ist, die mit dem Thema von der Bagdadbahn zusammenhngen.
Auf der anderen Seite muten natrlich im einzelnen viele an sich
interessante und wichtige Details unbercksichtigt bleiben oder konnten
nur flchtig gestreift werden. Namentlich aber habe ich es bedauert, so
wenig von meinen persnlichen Eindrcken, Beobachtungen und Erlebnissen
in jenen alten Lndern zwischen dem hohen Iran und dem Mittelmeer hier
mit hineinnehmen zu knnen. Sind sie es doch gewesen, die berhaupt in
mir das Bedrfnis nach einer besonderen Darstellung der Bagdadbahnfrage
hervorgerufen haben!

       *       *       *       *       *

    Druck von Ramm & Seemann in Leipzig.




Funoten:


[1] Deutschland unter den Weltvlkern. 3. Auflage, 1911. Verlag der
Hilfe, Berlin-Schneberg.

[2] Ich habe die interessante Publikation in einem Aufsatz in den
Preuischen Jahrbchern, Dezemberheft 1910, besprochen. Wir werden sie
noch mehrfach im Laufe dieser Arbeit zu erwhnen haben.

[3] Hermann Wagner Die berschtzung der Anbauflche Babyloniens.
Nachrichten der Gttinger Gesellschaft der Wissenschaften 1902, Heft 2.

[4] Die Notiz, da unter Kobads Sohn Chosru die Steuer bis auf 287
Millionen gestiegen sei, mu seit Wagners Untersuchungen in der Tat als
bloe legendenhafte mndliche berlieferung angesehen werden. Dagegen
zeigt die oben angestellte Rechnung, die auf 135 Millionen fhrt, da
150 Millionen eine annehmbare Zahl ist.




[Illustration]




    Verlag von Wiegandt & Grieben (G. K. Sarasin)
        Berlin SW, Luckenwalder Strasse 1.


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        Zugleich ein Beitrag zur berbrdungsfrage. M. --.50.

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        Politisch-pdagogische Betrachtungen eines Modernen. 8. Aufl.
        M. 1.50; geb. M. 2.25.

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        Wnsche eines Lehrers. 5. Tausend. M. 2.--; geb. M. 3.--.

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    =-- Lateinisches Lesebuch (Quinta).= Mit Bildern. 2. Aufl. Geb.
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    =-- The English Scholar.= Special Edition of the English Student
        for Beginners in the Higher Forms. Unter Mitwirkung von Alfred
        Rohs. Geb. M. 2.75 (September 1910 erschienen).

    =-- Choice Passages= from representative English and American
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        Literatur, sowie in Landeskunde und Geistesleben der
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        erschienen).

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        eingeleitet und herausgegeben von Otto Buek. Mit 3 Portrts.
        M. 10.--; geb. M. 12.50.

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        Religionsunterricht= an Gymnasien und Realgymnasien (Tertia bis
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        M. 3.50; geb. M. 4.50.

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        von Lesestcken und Einleitungen zur homerischen Wort- und
        Formenlehre. 14. Aufl. Kart. M. --.40.

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        enthaltend. Vollstndig mit den Nachtrgen Montaignes aus dem
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    =TIECK, LUDWIG, Die Reise ins Blaue hinein.= Sechs romantische
        Novellen. Mit Einleitung von W. Miener. M. 4.50; in Halbleder
        M. 6.50.

    =VOLTAIRE, Erzhlungen= (=Romans=). Aus dem Franzsischen
        bertragen und eingeleitet von Ernst Hardt. Mit Portrt.
        M. 9.--; in Leder M. 12.--.

    =VOLTAIRIANA INEDITA.= Aus den Kniglichen Archiven zu Berlin
        herausgegeben von Wilh. Mangold. M. 2.50; geb. M. 3.50.

    =WIESE, LUDWIG, Sammlung der Verordnungen und Gesetze= fr die
        hheren Schulen in Preuen. 3. Ausg., bis zum Jahre 1887,
        besorgt von Otto Kbler. Anastat. Neudruck. M. 26.--; geb.
        M. 30.--.

    =-- Das hhere Schulwesen in Preussen.= Historisch-statistische
        Darstellung. Bd. IV. 1874-1901. Herausgegeben von Prof. Dr. B.
        Irmer. M. 26.--; geb. M. 28.--.

    =-- Lebenserinnerungen und Amtserfahrungen.= M. 9.--; geb. M. 11.--.

    =-- Deutsche Briefe ber englische Erziehung.= M. 7.50; geb.
        M. 9.--.

    =WUTTKE, ADOLF, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart.= Dritte
        Bearbeitung von Elard Hugo Meyer. M. 12.--; geb. M. 14.--.

    =ZEPLER, MARG. N., Vom innern Wesen.= Eine Schrift zum sinnen und
        schaffen. Mit 4 Bildern (kallisthenischen Studien). M. 4.80;
        geb. M. 6.--.




    Weitere Anmerkungen


    Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend
    korrigiert.

    S. 9: _muhammedanischen_ zu _mohammedanischen_
      ... ein groer Teil der nichttrkischen _mohammedanischen_ ...

    S. 11: _Einwandederung_ zu _Einwanderung_
      ... berzeugungen betreffs deutscher _Einwanderung_ ...

    S. 16: _lange_ zu _langem_
       ... und England hat daher schon seit _langem_ ...

    S. 20: _Abdul_ zu _Abd ul_
      vor der Beseitigung _Abd ul_ Hamids,

    S. 28: _Rckreise_ zu _Rckseite_
      ... von ihrer unverteidigten _Rckseite_ gefat werden konnten.

    S. 34: _Euprat_ zu _Euphrat_
      ... von Biredschik am _Euphrat_.

    S. 39: _nach_ zu _noch_
      ... wird im dritten Kapitel _noch_ nher die Rede sein.

    S. 39  _philantropischen_ zu _philanthropischen_
      ... unter christlich-_philanthropischen_ Gesichtspunkten ...

    S. 41: _von_ zu _vom_
      ... die Araber _vom_ Schammar- und Abu Assaf-Stamme ...

    S. 46: _das englische_ zu _den englischen_
      ... und formell in _den englischen_ Machtbereich eingezogen wird ...

    S. 53: _und und_ zu _und_
      ... alten Landschaften Cilicien _und_ Lykaonien ...

    S. 62: _wichstigsten_ zu _wichtigsten_
      Bei weitem am _wichtigsten_ fr die Abschtzung ...

    S. 64: _Sawad_ zu _Sawd_
      Der Sawd, der dunkle Alluvialboden, ...

    S. 65 _zufolgern_ zu _zu folgern_
      ... aus denen man gentigt wre _zu folgern_, ...

    S. 72: _Seleukia- Ktesiphon_ zu _Seleuka-Ktesiphon_
      ... Nilkanals bei _Seleukia-Ktesiphon_

    S. 77: _Sawad_ zu _Sawd_
      ... von den Arabern sogenannten _Sawd_ ...
      ... die Lndereien des _Sawd_ vermessen worden seien, ...

    S. 78: _Sawad_ zu _Sawd_
      ... diejenigen Teile des _Sawds_ hinzu,
      ... die es unter Omar im _Sawd_ gegeben haben soll.

    S. 79: _Sawad_ zu _Sawd_
      die Steuer des _Sawd_ 150 Millionen Mithkal ...
      ... als auch speziell fr den _Sawd_.
      ... Ertrag des _Sawd_ unter Omar I. ...
      ... Wiederansteigen der Ertrge des _Sawd_ ...

    S. 80: _Sawad_ zu _Sawd_
      ... geht es mit dem _Sawd_ reiend abwrts.
      ... die Steuern des _Sawds_ auf weniger ...

    S. 80 _Chalifat_ zu _Kalifat_
      ... des zehnten Jahrhunderts unter dem _Kalifat_ herrschten,

    S. 80 _das_ zu _da_
      ... das Bild, _da_ die Steuern Babyloniens ...

    S. 81: _Sawad_ zu _Sawd_
       Als Omar den _Sawd_ eroberte, ...

    Werbeseiten: Die Sperrungen bei _Ernst Dick_ und _Aug. Langmesser_
    wurden enfernt.





End of the Project Gutenberg EBook of Die Bagdadbahn, by Paul Rohrbach

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE BAGDADBAHN ***

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locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.


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will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org/license

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

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have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
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Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

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