The Project Gutenberg EBook of Wasserjungfern, by Hermann Lns

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Title: Wasserjungfern
       Geschichten von Sommerboten und Sonnenkndern

Author: Hermann Lns

Release Date: March 24, 2015 [EBook #48570]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WASSERJUNGFERN ***




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    Buches.




    Wasserjungfern

    _Geschichten von
    Sommerboten und Sonnenkndern_

    Von

    Hermann Lns

    _Vierte Auflage_

    [Illustration]

    _1919_

    _R. Voigtlnders Verlag in Leipzig_




Druck von Otto Regel in Leipzig




[Illustration]




Inhalt


                                   Seite

    Vorbemerkung                       5

    Sommerboten und Sonnenknder       7

    Am Strande                        15

    Auf der Wanderschaft              23

    Im Rhricht                       35

    Am Schilfe                        45

    Am Graben                         53

    ber dem Teiche                   65

    In der Mergelgrube                71

    ber der Bucht                    79

    Auf der Schneise                  89

    Am Ufer                           99

    Im Moore                         105

    Auf der Heide                    115

[Illustration]




[Illustration]

Vorbemerkung

    Rede mit der Erde,
    Die wird Dich's lehren.

    _Hiob_ XII. 8.


Hermann _Lns_, der uns Entrissene, ist uns ein Fhrer gewesen, der uns
half, die Schnheit der Welt zu sehen, uns zu befhigen, den groen
Rhythmus allen Naturgeschehens staunend zu erkennen.

Das vorliegende Bchlein ist eine seiner liebenswrdigsten
Naturstudien. Wie klein und eng scheint das Thema dem Uneingeweihten,
wie wenig kann darber geschrieben werden, dnkt es ihm wohl. Und
doch -- was hat Lns aus seinem Stoffe gemacht. Mit Verzicht auf alle
und jede wissenschaftliche Beschreibung und exakte Errterung will
er erst einmal die Wasserjungfern dem Leser nherbringen, ihn fr
diese bunten, schillernden Wesen interessieren. Er schildert ihre
Umwelt, ihr Leben, Leiden und Lieben. Der Knstler hat sich dabei
so restlos mit dem Zoologen verbunden, da wir beim Lesen ein Stck
Natur direkt zu erleben glauben und spielend Einblick und Verstndnis
gewinnen in diese wunderliche Kleinwelt. In zwlf Kapiteln stellt Lns
zwlf Wasserlandschaften vor uns hin, jede anders, jede intimsten
Lebens voll, jede ein Organismus fr sich. Mit unvergleichlichem
Einfhlungsvermgen und mit der Liebe des Knstlers und Naturforschers,
der drauen fr sein eigenes Leben immer wieder Balance, Sicherheit
und Glck fand, geht er allen groen und kleinen Erscheinungen nach,
baut er, ohne sich ins Kleinliche zu verzetteln, eine Miniaturwelt
auf, voll von Farben und Glanz. Sommerlich wirds uns zu Mute, und wir
glauben ganz ordentlich den strengen Ruch von Altwasser, den Duft von
Minze und Weidicht zu spren. Knabenzeit mit ihrem geheimnisvollen
Entdeckertum an Tmpeln und Bachlufen steigt wieder vor uns auf,
und mit ihr all die verlorene Phantasie jener Tage. Da Lns solche
Stimmung heraufbeschwren kann, das danken wir ihm ganz besonders, denn
nie waren wir reicher als damals, da wir mit brennenden Wangen und
klopfendem Herzen uns stundenlang ber einen grngolden durchsonnten
Wasserspiegel beugen konnten oder atemlos Vgeln und Faltern im
Dickicht nachpirschten und belauschten.

Da das liebe Buch vielen stilles Glck bringen mge, das wnsche ich
von ganzem Herzen.

    _Monti della Trinita_, Oktober 1918.

          =Karl Soffel.=




Sommerboten und Sonnenknder

[Illustration]


Alle Vgel sind zurckgekommen, jeder Baum blht, und die Wiesen
starren von Gold; der Wald ist erfllt von lustigen Liedern und die
Luft gesttigt mit frhlichem Gesumme; es rennt auf den Wegen und
krabbelt an den Stmmen, nagt an den Blttern und bohrt im Holze,
flattert ber den Blumen und flirrt durch die Halme, und doch ist es,
als wenn noch etwas fehle.

Da, wo das Wsserlein sich durch die Wiese schlngelt, von Schaumkraut
umblht, von Lichtnelken eingefat, von Hahnenfu begleitet, fhrt
ein silberner Blitz ber die Blumen hin, verschwindet, fhrt zurck,
beschreibt einen Kreis, senkt sich und steigt empor, bleibt auf dem
Fruchtstern der Dotterblume hngen, wirft silberne Strahlen um sich,
verlscht, blitzt wiederum auf, zieht einen goldenen Ring um den
Weidenbusch und jagt jetzt dahin, wo ein gleiches Wesen sein Spiel im
Sonnenlichte treibt.

Die ersten Libellen sind es; sie fehlten dem Landschaftsbilde noch.
Solange sie nicht da sind, vermit der Mensch sie kaum, und nicht
begrt er ihr Erscheinen wie das des ersten gelben Schmetterlings.
Aber er wrde den Sommer nicht so stark empfinden, wren die schlanken
Wasserjungfern nicht da; ohne das Funkeln ihrer schmalen Leiber, das
Schimmern ihrer knisternden Flgel wre der Sommer nicht so schn und
so lustig.

Ein Sommer ohne Libellen ist kein Sommer; milungen und verpfuscht ist
er. Die Wasserjungfern leben nur, wenn die Sonne scheint und die Luft
warm ist; dann fhlen sie ihre Kraft, zeigen sie ihre Pracht, treiben
sie ihr frhliches Spiel. Wenn aber graue Wolken am Himmel dahinfegen,
der Regen strmt und ein hohler Wind heult, verschwunden sind sie dann,
die Sonnentiere; matt hngen sie im Laube, kraftlos kleben sie im
Grase, unfhig, die Schwingen zu rhren zum frischen Fluge.

Der Mensch ist undankbar; dem Maikfer, der ihm als Engerling die
Saaten zerstrt und als Kfer die Bltter der Bume zerfrit, dem
wandte er seine Aufmerksamkeit zu. Mit Begeisterung wird der erste,
der durch den Garten fliegt, begrt, die Kinder jubeln, die Eltern
lcheln; es ist, als ob Wunder was fr ein herrliches Wesen dahinflge,
und es ist doch nur ein dicker, plumper Kfer, der dahinbrummt.
Der Mensch ist dumm; seine Augen werden blank und sein Mund breit,
sieht er den ersten Schmetterling fliegen; er bedenkt nicht, da der
lichte Falter einst eine dstere Raupe war, die Schaden ber Schaden
anrichtete.

Die Libelle aber sieht er kaum, und es fllt ihm nicht ein, sie als
Sommerboten und Sonnenknder zu gren. Mag ihr Leib auch in Edelerz
und Karfunkelgestein gekleidet sein, mgen ihre Flgel auch schimmern,
als wren sie aus Tautropfen und Sonnenschein gewebt, ist ihr Flug auch
herrlicher als der der Schwalben und vornehmer als der der Falter, er
denkt nicht daran, ihr mit bewundernden Augen nachzusehen, und wenn sie
sich auch dicht vor ihm niedersetzt, achtlos geht er vorbei, ohne ihren
seltsamen Bau zu betrachten und sich ihrer wunderbaren Farben zu freuen.

Sie sind fr ihn nicht da, wie die Sonne fr die Augen der Krte und
der Bchsenschu fr das Ohr der Fledermaus; sie sind zu schnell fr
seine Blicke, zu fein und zu leicht, als da er, der mit den Fen auf
der Erde haftet und nichts begreift als das, was er mit Hnden fassen,
mit Fingern fhlen kann, Obacht auf sie geben knnte. Vom Maikfer wei
er, da der erst ein feister Engerling war, und von dem Schmetterling,
da er als eklige Raupe ein Kohlblatt zerfra, und deswegen ist er
ihnen dankbar und widmet ihnen seine Aufmerksamkeit. Denn man kann doch
klug und weise ein langes und breites darber reden und tiefsinnige
Vergleiche von dem Wurm, so an der Erde kriecht, und aus dem doch
ein lichter Falter wird, mit dem Leibe und der Seele des Menschen
anstellen, und das macht sich in Vers und Prosa ausgezeichnet und ist
bei allen Vlkern ein beliebtes Thema aller flachen Poeten gewesen.

Wenn aber ein Tier ganz und gar Poesie ist, als ein Wesen sich
darstellt, scheinbar vllig unirdischer Art, wie aus Sonnenschein und
Wellenfunkel entstanden, schnell wie ein Gedanke und flchtiger denn
ein Traum, dann versagt der Mensch; er wei nicht, woher sie kommen
und wohin sie gehen; er kann keine gelehrten Gesprche darber fhren,
und mit ihrer Verwendung zu symbolischen Vergleichen hapert es erst
recht, und so sind sie ihm halb unheimlich, halb gleichgltig, er sieht
darber hinweg, und wenn er ihnen Namen zulegt, dann sind sie dummer
Art und aus Verlegenheit, Unwissenheit und Aberglauben entstanden.

Einst, als das deutsche Naturempfinden noch nicht mit
asiatisch-romanischer Brhe bergossen war, als wir noch mit klaren
Kinderaugen ber das blhende Land sahen, da galten die schnen Tiere
als Friggas, der Sommergttin, Vorboten. Vielleicht, da man ihnen
gerade darum Ekelnamen, belworte gab, denn alles, was unseren Urahnen
hold und heilig war, wurde durch den Kot gezerrt und in den Schlamm
getreten; aus lichten Gttinnen wurden dstere Hexen, aus lieben
Elfen und guten Wichtlein unholde Nachtmare und bse Kobolde, und wo
einstmals eine Sttte war, wo die Weidebauern den berirdischen fr ihr
Walten dankten, daraus wurde ein Platz, wo der Teufel sein Wesen trieb.

So wurden auch die lieblichen Wasserjungfern zu Teufelsbolzen und
Satansnadeln umgedeutet, gleich als ginge Unheil vor ihnen her und
folge Leid, wo sie fliegen. Man wei kaum, da sie vielerlei Geschmei
vertilgen, das Mensch und Vieh plagt, und gibt sich nicht die Mhe, sie
nher zu betrachten und an ihrer Pracht sich ebenso zu ergtzen wie an
der Schnheit der Blumen und an den Farben der Falter. Wenn auch ihre
Leiber glhen wie die Morgenrte oder blitzen wie die vom Abendrot
beschienene Welle, wenn auf ihren Flgeln auch alle Farben spielen, die
das Sonnenlicht in sich birgt, des Menschen Augen gehen so gleichgltig
ber die Sommerbringer und Sonnenboten hin wie ber die schwarzen
Schnecken auf dem Wege.

Die grauen Krhen, die dem Winter voranfliegen, und die schwarzen
Turmschwalben, die hinter dem Frhling herfahren, wrdigt er seiner
Aufmerksamkeit; den silbernen Sonnenvgeln, die ihm goldene Tage
verknden, schenkt er keinen Blick. Aber wrden sie nicht da sein, dann
wrde er sie doch wohl vermissen, de wrde ihm der Strand erscheinen,
langweilig das Rhricht, verlassen die Schilfbucht; der blumenumhegte
Wiesenbach dnkte ihm lange nicht so reizvoll und weniger schn der
stille Teich, ohne rechtes Leben die sonnige Waldstrae und tot die
blhende Heide. Er sieht sie nicht und erblickt sie doch, er hrt
nicht darauf hin und nimmt sie doch wahr, sein Verstand wei nichts
von ihnen, aber sein Gemt nimmt doch etwas mit von den silbernen
Sonnentieren, den zierlichen Libellen.

Hat er aber Augen im Kopfe, Schnheit zu sehen, so wird er ihnen erst
verloren nachblicken, bis ihm die Mannigfaltigkeit ihrer Formen und der
Reichtum ihrer Farben zum Bewutsein kommt; er wird sie unterscheiden
lernen, wird die beiden Gruppen trennen, die wilden Flieger und
die schchternen Flatterer, wird Art von Art trennen knnen, ihre
wunderlichen Liebesspiele beobachten und ber ihre Gewandtheit
erstaunen, mit der sie in der der Edelfalken und Schwalben, einzig
unter den Kerfen, ihre Beute im Fluge haschen; wird ihrem Vorleben
nachspren, das sie, bevor sie am Sonnenlichte sich freuten, auf dem
Grunde der Gewsser fhrten, die wichtige Rolle erkennen, die sie im
groen Haushalte der Natur spielen, sie schmerzlich vermissen, ist ihre
Zeit um, und sich freuen, weist ihm ein sonniger Maientag die erste
Wasserjungfer.




Am Strande

[Illustration]

Libellula depressa +L.+


Wo die letzten Huser der Stadt liegen, da ist der Strand kahl. Das
Gnsefingerkraut wuchert dort und schmckt den Sand mit goldenen
Blumen, Kriechseggen durchflechten ihn mit ihrem zhen Wurzelwerk, und
zwischen ihren harten Blttern rennen allerlei kleine hurtige Kfer.

Ein strenger Schwefelwasserstoffgeruch liegt ber dem ganzen
Strande, denn der Wellenschlag hat dicke Bnke der zerbrechlichen
Armleuchtergewchse auf das Ufer geschoben, und nun fault das
Wasserkraut, und sein Schwefelgehalt wird frei.

Ganz langsam und sacht fllt der Strand ab, so da die Kinder fnfzig
Fu in den See waten knnen, bis zu dem Abhang, wo die gewaltigen, ganz
von weien Blumen bedeckten Rankenmassen des Wasserhahnenfues auf den
Wellen treiben und die Stelle anzeigen, wo der Abgrund beginnt.

Aber die Kinder waten an dieser Stelle nicht gern in den See, sondern
viel lieber mehr nach der Stadt zu, weil dort der klare Sand unter
dem Wasser steht; hier aber bedeckt ein butterweicher, graublauer Ton
den Seegrund, in den die nackten Fe tief einsinken, und werden sie
herausgezogen, dann steigen dicke Blasen aus dem Wasser auf, die nach
Jauche riechen.

Weil nun die Kinder hier fast nie umherwaten, wird diese Strecke des
Strandes wenig beunruhigt, und da die lange, silbernleuchtende Bank,
die der Wasserhahnenfu bildet, den Wellenschlag abhlt, ist das Wasser
hier still. Laichkruter gedeihen hier, und in dichten Polstern wuchern
die Armleuchterpflanzen.

Oberhalb dieser Strecke ist die Stelle, wo das Vieh zu trinken pflegt,
wenn es von der Weide kommt; der Wellenschlag fhrt den aufgelsten
Dnger weiter und lagert ihn auf der Tonbank ab. Das ist das beste
Futter fr die Wasserflhe, und darum wimmelt es zwischen der Bank aus
Wasserhahnenfu und dem Ufer von ihnen, so da zu gewissen Stunden das
ganze Wasser rtlich aussieht, denn nach Millionen und Abermillionen
zhlt das winzige Getier.

Alles, was Wasserflhe frit und im flachen Wasser leben kann, ist
in Menge an dieser Stelle vertreten; kleine braune, gelbgefleckte
Schwimmkfer und ihre Larven, Wasserskorpione, Ruderwanzen,
Rckenschwimmer und vor allem Weifischbrut. In ganzen Schwrmen ziehen
die jungen Ukeleis, Pltzen, Rotfedern, Brassen, Gstern und Zhrten
dahin und fressen und nehmen zu, und eingewhlt im Schlamme liegen die
jungen Steinbeier und Grndlinge und fangen mit jedem Atemzuge die
hin- und herhpfenden Zwergkrebschen ein. Vor den Raubfischen ist die
Fischbrut hier sicher, denn der Wasserhahnenfu schtzt sie und der
niedrige Wasserstand.

Andre Feinde aber lauern auf sie, unheimliche Wesen, die zwischen dem
Gekrut in den Schlamm eingebettet sind und nur den breiten Kopf mit
den groen Glotzaugen herausstecken. Fast zollgro sind sie, hlich
graugrn, plump gebaut, faul und langsam. Regungslos liegen sie da,
nur ab und zu den Kopf nach der Richtung drehend, wo ein Schwarm von
winzigen Jungfischen auftaucht. Libellenlarven sind es und bse Ruber.
So plump sie sind, sie fassen nie fehl; ihre Schlammfarbe macht sie
unsichtbar, so da die Fischbrut arglos ber sie hinwegschwimmt.
Hunderte von ihnen liegen hier im Schlamme, die kleinsten nach dem
Lande zu, wo das Wasser kaum zollhoch ist, denn sie mssen sich vor den
greren Stcken in acht nehmen.

Es ist warm heute, das Wasser ist lau. Die Krebschen steigen in
ganzen Wolken vom Seegrunde, schwimmen dem Strande zu und erfllen
das flache Wasser mit rtlichem Gewimmel, gefolgt von groen Scharen
von Jungfischen, die Tausende und Tausende von ihnen verschlucken.
Unter ihnen lauern dickkpfig und glotzugig die Wasserjungferlarven,
regungslos, als wren sie Stcke zusammengeballten Schlammes. Ab und
zu schleudert eine die Zange hinaus und zieht sie mit einem Krebschen
wieder zurck.

Jetzt aber kommt ein Schwarm Fischbrut angeschwommen. Die vielen
Hunderte von Larvenkpfen drehen sich ihm zu, doch der Schwarm zieht
zu hoch. Ein zweiter kommt heran, mordet unter den Krebschen und
schiet wieder in das hohe Wasser hinein, denn der Schatten einer mit
klirrendem Rufe dahinjagenden Seeschwalbe verscheuchte ihn. Nun aber
naht, dicht ber den Schlammgrund hinziehend, ein dritter Schwarm, und
alle Libellenlarvenkpfe drehen sich langsam ihm entgegen. Hier wird
eine Fangmaske hervorgeschleudert, da auch eine, und dort wieder eine,
berall, wo der Fischschwarm erscheint, packen die grimmigen Zangen
zu, schnellen mit einem Fischchen zwischen den Widerhaken zurck und
langsam und bedchtig zerpflcken die scharfgezhnten Kiefer ihre
zappelnde Beute.

Aber nicht nur den Fischen stellen sie nach; alles, was sie bewltigen
knnen, fllt ihnen zum Opfer, die flinken, langgeschwnzten Larven
der Eintagsfliegen, der hurtige Bachflohkrebs, der sich an ihnen
vorberschiebt, die Schwimmkferlarven, die in den Wirkungskreis ihrer
schrecklichen Zangen gert, und der Wurm, der sich ber den Schlamm
schlngelt. Aber auch ihnen naht das Verderben. Es schiebt sich ein
platter Leib heran, so flach wie ein Blatt, mit Schlamm bedeckt, von
dnnen Fen vorangehaspelt. Die eine Larve, die sich eben gehutet
hat und von der Anstrengung ermattet noch nicht Zeit fand, sich
wieder einzuwhlen, fhlt sich von den Fangarmen des Wasserskorpions
ergriffen. Ein schrecklicher Schmerz durchzuckt sie und macht sie
wehrlos, denn der Rssel des unheimlichen Geschpfes, der sich ihr
zwischen die Leibesringel schob, spritzte ihr den tdlichen Giftsaft
ein und lhmte sie. Regungslos, keiner Bewegung fhig, verharrt sie in
ihrer Stellung, whrend der bse Feind ihr die Lebenssfte aussaugt.

Wenn aber auch der Wasserskorpion und seine noch schrecklicher
aussehende Verwandte, die unheimliche, klapperdrre Stabwanze, und der
blitzschnelle Rckenschwimmer manche Larve umbringen, es leben Tausende
an den flachen Stellen des Sees auf dem blauen Stinkton, und wenn
ihre Zeit gekommen ist, kriechen sie scharenweise an das Ufer, halten
sich an den silbernen Blttern des Gnsefingerkrautes, an den Ranken
des Vogelknterichs und an den harten Blttern der Sandsegge fest,
bis ihnen die Hlle auf der Brust zerreit und aus der scheulichen
Larve sich die reizende Wasserjungfer entwickelt, mit den silbernen,
kupferrot am Grunde gefleckten Flgeln und dem flachgedrckten, wie
ein griechisches Kurzschwert geformten, hellblauen Leibe.

Mgen auch lange schon die Lerchen auf den Feldern und um den See
gesungen haben, alle Blumen aufgeblht sein und viele Falter fliegen,
erst dann, wenn die Wasserjungfern knisternd ber die hren des Roggens
fliegen, silbern dahinblitzend und beim Umwenden golden aufleuchtend,
dann erst ist die wahre Sommerstimmung da.




Auf der Wanderschaft

[Illustration]

Libellula quadrimaculata +L.+


Heute wird es noch heier, als es gestern und vorgestern war; die Luft
hat sich ber Nacht kaum abgekhlt; sie ist geladen mit Hitze.

Ein Tag ist es fr alles, was die Sonne liebt, ein Bienentag, ein
Faltertag, ein Schwalbentag; hoch ist der Himmel und wolkenlos, und ein
weicher Wind geht ber das Korn.

Hoch im hellen Blau spielen die Schwalben; sie haben es heute gut. In
der letzten Woche, als der Himmel grau war und ein grmlicher Wind
heulte, muten sie sich, dicht an der Erde, hinter den Hecken und um
die Kronen der Bume flatternd, mhsam ihr Futter zusammensuchen.

Jetzt ist das anders. Alles, was Flgelchen hat und den Tag und die
Wrme liebt, kam hervor aus Moos und Mulm, Rohr und Ried, Gras und
Gestruch, entfaltete die Schwingen und lie sich emportragen von
der lauen Luft, hher, immer hher, und mit den Kurzflglern und
Rapskfern, Mckchen und Fliegen stiegen die Schwalben empor, und nun
jagen sie dort oben nach Herzenslust.

Auch den Schmetterlingen gefllt der blanke Tag. ber der Wiese, aus
der Hahnenfu und Kuckucksnelke einen grngelbroten Teppich machten,
ist ein lustiges Getmmel. Weilinge, Blulinge und Lischgrasfalter
tanzen bunt durcheinander, die bunten Widderchen schwrmen,
Schwalbenschwnze schweben, am Raine sausen die Karpfenschwnze hin und
her, und um die zerbohrten Pappeln fahren die Glasschwrmer.

berall ist auerdem ein eifriges Summen und Brummen, Schwirren und
Flirren; alle Bienen und Fliegen, Wespen und Hummeln sind unterwegs,
denn allerorts ist der Tisch gedeckt. Um die Brombeerblten geht es zu
wie um den Tanzplatz beim Schtzenfest; auf den Dolden des Schneeballes
drngt es sich wie um die Wrfelbuden beim Jahrmarkte; die Bienen
wissen nicht, welche Blte sie zuerst besuchen sollen, denn zu gro ist
die Auswahl; die Hummeln brummen vor Vergngen vor sich hin, und die
Schwebfliegen fhren vor lauter Wonne ihre wildesten Tnze auf. Selbst
der behbige Pappelbock fhlt sich veranlat, die Flgel zu lften,
und sogar der dicke rote Blattkfer lt sich zu einem Fluge herbei,
denn wenn ringsumher alle Heuschrecken fiedeln, dann kann man schlecht
widerstehen.

Die Dorngrasmcke findet auch, da heute ein Prachttag ist; alle
Augenblicke schwingt sie sich singend aus ihrem Brombeerbusche in
die Luft, und das Weikehlchen, das in dem Bandgrasgewirr bei dem
Weidenbusche wohnt, macht es genau so. Sogar das Dorndrehermnnchen,
das sich meist fr viel zu vornehm hlt, um zu singen, fngt mit einem
Male an, zu zwitschern, denn so gut, wie heute, ist es ihm lange nicht
gegangen; auf dem drren Schlehenzweige hat es schon fr mindestens
drei Tage Vorrte an Kfern und Heuschrecken aufgespiet, damit es ihm
nicht wieder so gehen soll wie in der vorigen Woche, wo es zufrieden
war, wenn es schlielich irgendwo ein mageres Frschchen erwischte.
Heute aber ist es anders; da ist eine dicke Hummel, hier ein fetter
Kfer, dort eine leckere Heuschrecke. Es lt sich heute schon leben.

Aber die groe Wasserjungfer, die dort in so sonderbar stetigem Fluge
einherzieht, mu er doch noch haben; schnell flattert er ihr nach,
holt sie ein, fat sie und fliegt mit ihr nach seinem Dornenzweige.
Eine Weile hlt er sie noch im Schnabel, dann spiet er sie neben den
blanken Laufkfer, wippt zufrieden mit dem bunten Schwanze hin und
her und fngt wieder zu singen an. Aber da ist ja schon wieder eine
Wasserjungfer, ganz dieselbe Art, und sie fliegt in derselben Richtung
und in derselben stetigen Weise. Der Wrger fliegt hin und holt sie
sich auch. Und eine dritte spiet er auch noch auf, aber als er dann
aufsieht, da fliegt schon wieder eine dahin, und noch eine, und jetzt
zwei, und dann drei, und immer mehr; die ganze Luft ist voll davon.

Hoch oben in der Pappel sitzt der Turmfalke. Ab und zu schiet er
herab, rttelt ber der Wiese oder lt sich in ihr nieder, um mit
einer Heuschrecke oder einem Kfer wieder nach seiner Warte zu fliegen,
sie zu krpfen und wieder zu lauern, bis er wieder eine Beute erspht.
Die Libelle kommt ihm gerade recht; ehe sie ihn erblickt, ist er ber
ihr und greift sie. Kaum hat er sie hinabgewrgt, da kommt schon wieder
eine an, und eben hat er sie gefat, da ist noch eine da und hinter ihr
abermals eine, und es will damit kein Ende nehmen, Libellen, nichts
als Libellen, neben- und hinter- und bereinander, alle von derselben,
groen, vierfleckigen, grnkpfigen Art, alle nach derselben Richtung
in derselben ruhigen Weise fliegend, wie es sonst nicht Sitte bei ihnen
ist. Ebenso verdutzt, wie der Wrger, sieht der Falke ihnen nach.

Und ebenso verblfft sind die Menschen des Stdtchens. Wasserjungfern
sind sie ja gewohnt, sehr viele sogar, denn um die Zeit, wenn die Tiere
flugreif geworden sind, wimmelt es am Ufer von ihnen, und mitten in den
Straen der Stadt trifft man sie oft an, fliegend oder ermattet an den
Hauswnden hngend. Das sind aber zumeist andere, mit dnnen, schwarz
und gelb gemusterten Leibern, und nicht diese Art, und selbst wenn
viele von ihnen da sind, in solchen Massen sind sie noch nie gekommen,
und sie flogen auch nie, wie diese hier, alle in derselben Richtung
und in einem geschlossenen Schwarme, der ber fnfzig Fu breit und
an zehn Fu hoch ist, und der anscheinend gar kein Ende nehmen will,
denn als die Jungens zur Schule gingen, erzhlten sie dem Lehrer schon
davon, und jetzt, wo die Frhstckspause ist, fliegen sie noch immer
und in noch grerer Menge.

Die Jungens vergessen ganz ihre Butterbrote, denn so etwas haben
sie noch nie erlebt; ganz unheimlich kommt ihnen die Sache vor.
Sie versuchen die Tiere zu zhlen, aber das geht nicht; Tausende
und Tausende sind es, die ber den Schulhof hinwegziehen, doch so
hoch, da das Werfen mit den Mtzen und Hten sich nicht lohnt.
Eine Viertelstunde dauert die Pause, und als sie aus ist, ist
noch kein Ende des Libellenfluges abzusehen. Der Lehrer, der auch
noch nie einen solchen Flug erlebt hat, sieht ein, da es mit dem
Mathematikunterrichte heute nichts gibt; die ganzen dreiig Jungens
haben die Augen, statt auf der Tafel, bei den Fenstern, und die so
sitzen, da sie nicht hinaussehen knnen, die flstern den anderen alle
Augenblicke zu: Fliegen sie noch immer?

Der Lehrer lchelt; ihm wre es nicht anders gegangen, als er noch
ein Junge war, und so macht er mit der Mathematik Schlu und holt
die Naturgeschichte aus dem Schranke und trgt den Schlern ber
die Wasserjungfern und ihre groen Wanderflge vor, die schon oft
beobachtet sind, von denen man aber nur wei, da es meist die
vierfleckige Art ist, die in solchen Mengen auftaucht, da aber
Ursache und Ziel dieser Auswanderungen noch unbekannt sind, denn
bestimmte Gesetze ber die Rolle, die der Wind dabei spielt, hat man
noch nicht herausfinden knnen, und auch fr den heutigen Flug fehlt
jede Erklrung. Man knnte vielleicht denken, die Libellen fhlten,
der See knne nicht alle die Millionen von Larven ernhren, wenn die
unzhligen Tiere in dem See ihre Eier ablegten; aber das sei nicht
der Fall, weil der See Milliarden von winzigen Krebstierchen, Larven,
Wrmern und Jungfischen enthalte; austrocknen knne er auch nicht, weil
er zu starke Quellen habe, und sonderbar sei es, da die Libellen nicht
nach dem nchsten, noch greren See, sondern in einer Richtung flgen,
in der auf Meilen hin gar keine Seen lgen.

Die einzige Erklrung, die es gbe, sei die: die kalte Witterung der
letzten Wochen habe das Ausschlpfen der Wasserjungfern verzgert.
Nun sei mit einem Male die starke Hitze eingetreten, und es habe eine
Massenentwickelung stattgefunden, und es sei eine alte Erfahrung,
da, wenn eine Tierart in auergewhnlicher Menge auftrete, sie
Neigung habe, zu wandern, wie man es bei dem Heerwurm, dem Lemming
und dem Baumweiling beobachtet habe, und da dann diese Massen sich
zusammenschlssen und alle nach derselben Richtung wanderten. Warum sie
das aber tten, das wisse man nicht.

Als es Mittag lutete, hatten es die Jungens noch eiliger als sonst,
und fast alle machten den Umweg am See vorbei, ehe sie nach Hause
gingen, denn vom See kam der Libellenzug her, und auch der Lehrer
ging zum Seeufer. Aber dort gab es auch keine gute Erklrung fr die
seltsame Erscheinung. Zwar saen berall am Ufer, an den Binsen und
an Rohr und Schilf, an den Balken der Waschbnke, an den Wnden der
Fischerboote die leeren Larvenhllen, und auf dem blauen Tongrunde des
flachen Seeufers krimmelte und wimmelte es von breiten, flachen Larven,
und berall sah man Wasserjungfern, die eben die Hlle verlieen, und
andere, die frisch ausgeschlpft waren und mit schlaffen, farblosen
Flgeln an Halmen und Treibholz hingen, und andere, die den ersten Flug
wagten; aber der Hauptflug kam von der anderen Seite des Sees, wo die
groen, flachen, kahlen Buchten waren.

Quer ber den Spiegel des Sees kamen sie geflogen in fnfzig Fu
breitem, zehn Fu hohem Bande, das so scharf abgegrenzt war, da nur
ganz selten einmal ein Stck auerhalb der Reihe flog. So wie sich
der Zug dem Ufer nherte, erhoben sich die frisch ausgeschlpften
Stcke, die schon krftig genug waren, und reihten sich ein, aber
immer nur, wenn sie zu der vierfleckigen Art gehrten, denn es flogen
auch solche mit den gelben Leibern, die aber dem Schwarme auswichen
und unter ihm herjagten, denn er hielt sich immer in Manneshhe ber
dem Wasserspiegel und hob sich noch hher, als er die ersten Huser
der Stadt erreichte, um sich wieder etwas zu senken, wenn er die Stadt
hinter sich hatte.

Htte der Zug seine Richtung ein klein wenig nach rechts genommen,
so htte er nicht ber die Huser zu fliegen brauchen, sondern wre
gleich im freien Felde gewesen; und noch eins war merkwrdig, die Tiere
flogen ganz anders als sonst, wenn sie am Ufer auf- und abjagen, so
ruhig, so stetig, und so gar nicht hastig. Auch sah man nicht, da
auch nur ein einziges Stck raubte, trotzdem es an Fliegen, Haften und
anderem Getier durchaus nicht mangelte; auch waren alle in demselben
Alter, denn die, welche die Leute mit langen Stangen, an die sie Zweige
gebunden hatten, herunterschlugen, die waren alle so frisch und hatten
so schimmernde Flgel, da man es ihnen ansah, da sie alle erst an
diesem Tage ausgeschlpft waren.

Den ganzen Tag ber dauerte der Flug; erst als die Sonne unterging,
nahm er ab, und an allen Hauswnden, an allen Bumen, Hecken und Zunen
hingen die Tiere die Nacht ber; als aber der Morgen kam und die Sonne
ber dem See stand, erhoben sie sich und schlossen sich dem Zuge an,
der wieder ber die Stadt zog; er war immer noch stark, wenn auch
nicht mehr so wie am Tage vorher, und noch am Tage darauf ging ein Zug
Libellen ber die Dcher, der noch schwcher war, und einzelne flogen
auch am vierten Tage noch in der alten Richtung, doch fielen sie kaum
mehr auf.

Weiterhin im Lande, in der Richtung des Zuges, waren die groen Massen
von Libellen auch beobachtet, wo aber das Ende des Zuges war, wo er
sich verteilte, das erfuhr man ebensowenig wie in frheren Fllen, und
unter der Bevlkerung des Stdtchens ging noch lange das Gerede von den
vielen Libellen, und eine alte Frau, die die Karten legte und das Vieh
besprach, prophezeite, da nun die Cholera oder ein groer Krieg kommen
msse wie jedesmal, wenn sich das fremde Ungeziefer sehen lasse.

Die Cholera kam aber nicht, und ein Krieg brach auch nicht aus, und es
war auch gar kein fremdes Ungeziefer, sondern es entstammte dem See bei
der Stadt und den vielen anderen Seen und Teichen in der Umgegend. Sie
ist ein hufiges Tier, die vierfleckige Jungfer, und wo ein Wasser ist,
da jagt sie, und auch ber den Feldern und auf den Wiesen. Aber wer
achtet auf sie? Den Lwen und den Tiger lernen die Kinder in der Schule
kennen, und einige sammeln auch Kfer und Schmetterlinge, besonders die
schnen und groen, und tragen in kindlichem Unverstande mit dazu bei,
die Natur zu verwsten. Aber die Wasserjungfer, die sie tglich sehen,
kennen sie nicht, denn auch der Lehrer wei meist nicht allzuviel
davon, obgleich es ein Tier ist, das seine Bedeutung hat, weil es
Unmengen von Ungeziefer vertilgt.

Sehr lehrreich wre es fr die Kinder, richtete der Lehrer ein
Schulaquarium ein und fhrte darin die seltsame, unheimliche Larve
vor, damit die Kinder beobachten knnten, wie sie den Bachflohkrebs
belauert und den Regenwurm anschleicht oder, an dem Stengel des
Wasserhahnenfues langsam emporkriechend, die Schmeifliege mit der
Fangmaske packt und verzehrt, oder aber, rgert der Lehrer sie mit dem
Bleistifte, durch Ausstoen und Einziehen von Wasser durch den Darm
sich schnell quer durch das Glasgef fortbewegt. Die Kinder knnten
beobachten, wie sie sich hutet, wie dann die Nymphe entsteht, die
im Gegensatze zu der Larve Flgelscheiden aufweist, wie die Nymphe
freunlustig wird, das Wasser verlt und aus dem plumpen, unheimlichen
Wesen die schlanke, schne Jungfer entsteht, wie sie sie tglich am
Seeufer und auf den Wegen beobachten knnen.

Mit ganz anderen Augen wrden die Kinder ihnen dann nachsehen, und
spter, wenn sie gro sind und einen Libellenflug erleben, wrden sie
wissen, da Seuche und Kriegsgefahr andere Ursachen haben als die
flinken Flatterer, die am Seeufer hin- und herflittern.




Im Rhricht

[Illustration]

Gomphus vulgatissimus +L.+


Hinter dem Galgenberge, der jetzt den Kirchhof trgt, erweitert sich
der See zu einer breiten Bucht, die von dichtem Rhricht umschlossen
ist.

Am Strande entlang wchst erst Riedgras und Schilf, mit Kalmus,
Froschlffel, Schwertlilie, Igelkolben und Bandgras durchmischt.

Dann beginnt das Kolbenrohr und dahinter das Rohr, und wo das Rohr
aufhrt, breitet sich die Seerose aus, bis endlich Laichkruter, von
den dicken Pferdebinsen berragt, und Wasserhahnenfu sich noch gegen
Wind und Wellenschlag behaupten.

In der Mitte der Bucht haben die Fischer eine breite Schneise quer
durch das Rhricht gehauen, und weil sie tglich hier auf und ab gehen
und ihre Khne landen, kann das Rohr hier nicht hochkommen, und so
ist das Wasser frei. Sein Grund ist mit faulenden Rohrstengeln, toten
sten und Binsenstcken best, zwischen denen es von Bachflohkrebsen,
Kcherwrmern, Egeln und Wasserkferchen wimmelt.

Die vielen Wasserjungferlarven, die hier leben, Hunderte und
Aberhunderte, brauchen sich nach Futter nicht weit umzusehen. Sind
sie noch ganz klein, so schwimmen ihnen genug Wasserflhe und winzige
Eintagsfliegenlarven entgegen, und sind sie erwachsen, so haben sie an
Flohkrebsen und Jungfischen Fra in Hlle und Flle. Faul und trge
sitzen sie an dem toten Gezweig, auf den untergetauchten Binsenstcken
und Rohrstengeln und warten, was die Bewegung des Wassers ihnen
zutreibt.

Sie sind fast alle von derselben Art, nicht so kurz und so plump wie
die Larven der blaubuchigen Jungfer, die auf dem blauen Tone des
offenen Strandes gleich hinter den letzten Husern der Stadt leben, und
nicht so schlank wie die Larven der Edellibellen, die weiterhin mit
den Kpfen nach unten an den Rohrhalmen und an den Blattstielen der
Seerosen hngen und auf Beute lauern.

Von allen Gren finden sie sich, ganz kleine und ganz groe, die schon
Flgelschuppen aufweisen und auf einen Tag warten, so hei, wie es
heute ist. Schon mehrere Tage haben sie nicht mehr fressen mgen, denn
sie sind das Larvenleben unter dem Wasser leid. Ihre Darmkiemen sind
eingeschrumpft, Atemlcher haben sich an ihren Seiten gebildet; sie
sind schon mehr Luft- als Wassertiere. An jedem weilich schimmernden
Zweige, der aus dem Wasser hervortaucht, an den Wnden der Khne, an
den Pfhlen, an die die Khne geschlossen sind, an dem Fischkasten, an
dem Netze, das zum Trocknen aufgespannt ist, haften sie.

Sie sehen scheulich aus mit ihren breiten Krtenkpfen, den dnnen
Spinnebeinen und dem plumpen, roh gezackten Leibe.

Ob sie, wenn sie sich an eine Beute heranpirschen, langsam kriechen,
oder, wenn der Fischer, der seinen Kahn auf das Land zieht, sie strt,
jh dahinschieen, oder, wie heute, wo es sie aus dem Wasser treibt,
sich mit eckigen Bewegungen an den Halmen und Stengeln emporhaspeln,
immer wirken sie hlich und unheimlich, und der Fischer, der sie doch
schon von Jugend auf kennt und wei, was es fr Wesen sind, schttelt
sie, als er das trockene Netz abnimmt, mit einer Gebrde des Ekels von
seiner Hose.

Die Sonne brtet nur so auf der Bucht; sie ist den Libellennymphen
gerade recht. berall wird ein feines Knistern vernehmbar, bei
einer nach der anderen reit die Hlle, und aus ihr taucht ein
nasser, klebriger, glotzugiger Libellenkopf auf. Das war eine groe
Anstrengung, und eine Weile ruht das sonderbare Doppelwesen. Dann
zerrt es Bein auf Bein aus der Scheide, aber die Mhe war zu gro, und
schlaff hngt die halbfertige Libelle mit dem Kopfe nach unten. Lange
hngt sie so; dann richtet sie sich auf, stemmt die Beine gegen die
halbleere Hlle und zieht den Hinterleib heraus, aus seiner Spitze
einige grne Tropfen fallen lassend. Schlaff, feucht und kraftlos, mit
Flgeln, so weich, da sie wie nasse Lappen im Winde flattern, hngt
sie auf der leeren Hlle.

Aber die Sonne, der Stern der Libellen, trocknet sie rasch ab und flt
ihrem Leibe Festigkeit ein. Luft fllt das Rhrenwerk der schlaffen
Flgel; es trennen sich die zusammengeklebten Schwingen, richten
sich auf, spreizen sich und breiten sich endlich wagerecht aus. Noch
aber hngt der Leib haltlos herab, noch hat der Hals keine Kraft, so
da der dickugige Kopf bald auf dieser, bald auf jener Seite hngt,
und die Beine entbehren auch noch der Sicherheit. Aber nach einigen
Stunden hat sich der Leib gestrafft, sind die Beine vollends erhrtet,
hat der Kopf Halt bekommen, und mit gespreizten Flgeln und weit von
sich gestrecktem Hinterleibe sitzt das Tier da, sich von der Sonne
bescheinen lassend.

Endlich wagt es den ersten Flug. Sehr plump fllt er aus, denn zu wenig
gefestigt ist noch der Leib, und die Atmung lt noch zu wnschen
brig. Manch eine fllt auf das Wasser und bleibt so lange hilflos
liegen, bis die Flut sie an das Ufer splt und sie sich mhsam an
einem Halme heraushaspelt. Andere sinken in das Ried oder auf den Sand
und bleiben dort liegen, bis sie sich krftig genug fr einen neuen
Flugversuch fhlen. So schn gefrbt wie die alten Libellen sind sie
aber noch nicht. Erst, wenn sie einige Tage zwischen dem Rhricht
umhergeflattert sind, sticht bei den Mnnchen das helle Gelb, bei den
Weibchen das lichte Grn scharf von der schwarzen Zeichnung ab, und
dann erst ist der Flug sicher und selbstbewut.

Tag fr Tag haben die Nymphen hier in der Bucht das Wasser verlassen;
berall an den Halmen und Stengeln hngen die leeren, offenen Hllen,
die einen noch braun und fest, andere schon abgebleicht und von dem
Winde zerfetzt, immer aber noch mit den leeren Krallenscheiden die
Stengel festhaltend und gespenstig mit den toten Augen in den breiten
Kpfen in die Sonne starrend. Neben ihnen, ber ihnen, unter ihnen,
auf ihnen sitzen frisch aus dem Wasser gekrochene Nymphen, haften eben
ausgeschlpfte, noch weiche und weie, kraftlose Libellen und andere,
die schon erstarkten, und noch welche, die sich vom Fluge ausruhen.

Die ganze Bucht ist erfllt von den schlanken Tieren. berall knistert
und raschelt es, allerorts schwebt und flattert, blitzt und schimmert
es. Es ist ein fortwhrendes Hin und Her, ein unaufhrliches Auf und
Ab von gelben und grnen, schwarzgemusterten Leibern und silbernen
Schwingen. Hunger und Liebe jagt die bunten Tiere hin und her.
Die Mcken und Fliegen, die ber dem Rhricht schweben, mssen zu
Tausenden sterben, denn sie sind heihungrig, die frisch geschlpften
Wasserjungfern, und ihre Verdauung ist rasch. Und liebestoll sind sie;
berall hngen die seltsam verknoteten Prchen, berall fassen die
Mnnchen die Weibchen und schleifen sie hinter sich her, bis sie mit
ihnen auf einem Rohrblatte niedersinken und sie ihnen ganz zu Willen
werden.

Andere aber sind der Liebe schon satt; die Mnnchen jagen auf dem
Lande, alle Augenblicke sich setzend, und die Weibchen tanzen ber
die Flut, ab und zu niederwippend und ihre Eier ablegend. Hier und
da treibt schon eins von ihnen halbtot auf dem Wasser oder flattert
hilflos im Ufersande; die Ameisen zerren daran herum, der groe,
bronzefarbige, goldgezierte Raubkfer, der unter dem Treibholzblock
wohnt, braucht nicht lange zu suchen, wenn er in der Dmmerung auf Jagd
geht, und die Spitzmuse haben gut zu leben.

Auch der rotrckige Wrger, der in dem Schlehenbusche unter der
Friedhofsmauer brtet, und der schwarzstirnige, der in einer der
Fichten gebaut hat, und der Raubwrger, der sein Nest in dem hohen
Wildbirnbaum hat, der bei dem Teiche im Felde steht, sind sehr
zufrieden, da es so viele Wasserjungfern gibt; fortwhrend kommen sie
angeflogen und fliegen wieder ab, ganze Bschel von halbreifen Stcken
in den Schnbeln, und berall im Grase liegen Libellenflgel umher.

Auerdem kommt Tag fr Tag der Eisvogel, der in der Steilwand des
Fliees, das das berflssige Wasser des Sees weiterfhrt, seine
Nesthhle hat, in der Bucht zu Besuch; mit hellem Schrei fhrt er ber
das Wasser hin, das seine mrchenhaften Farben widerspiegelt, fllt auf
dem Rande des Kahnes ein und streicht, den Schnabel voller Libellen,
wieder ab, mit den Leibern seine hungrigen Jungen ftternd, whrend die
silbernen Flgel liegenbleiben und schlielich den Boden der Nesthhle
mit einer dicken Schicht bedecken.

Solange die Sonne scheint, geht es den Wasserjungfern gut. Wenn sich
aber der Himmel bezieht, der Regen auf den See prasselt und der Sturm
das Rhricht peitscht, dann sind bse Tage fr sie da. Zu Hunderten und
Tausenden werden sie in die Wellen geworfen und an den Strand gesplt,
und wenn der Sturm ablt und die Sonne wieder scheint, glitzert
die ganze Uferkante von ihren Flgeln, und dazwischen kriechen, mit
Algenfden bedeckt und mit Sand beklebt, unbeholfen die Larven umher,
die die Schlagwellen auf das Ufer warfen, den Krhen ein willkommener
Fra.

Aber auch die Sonne hat ihre Tcken und der klare Tag seine Gefahren.
Zwischen dem Ufergebsch und den Halmen des Bandgrases haust die
bse Kreuzspinne, und jede Libelle, die gegen die klebrigen Fden
des Spinnennetzes anfliegt, bleibt hngen. Nichts helfen ihr die
starken Flgel, die krftigen Beine und das scharfe Gebi; trotz ihres
Flatterns und Zappelns wickelt die Spinne sie ein und saugt ihr bei
lebendigem Leibe den Lebenssaft aus.

Aber immer bleiben noch Tausende von Libellen brig, die um das
Rhricht flattern und das Knistern und Rascheln ihrer Schwingen in das
Rauschen des Rohres und das Klatschen der Wellen mischen, bis ihre Zeit
vorber ist.




Am Schilfe

[Illustration]

Calopteryx splendens +Harr.+, C. virgo +L.+


Wo der Seestrand so flach ist, da zwischen dem Rohre und dem Ufer ein
freier Raum bleibt, da bildet das Schilf groe Dickichte.

Nicht ganz allein herrscht es dort. Die Wasserminze bildet dichte,
blulich blhende Gebsche, die einen betubenden Geruch ausstrmen,
der Thyrsusstab prangt mit seinen goldenen Bltenkugeln, der
Wasserampfer reckt sich hoch empor, Wolfsfu schafft sich Platz, und
hier und da erhebt sich ein runder Weidenbusch.

Vielerlei Getier bietet das Schilfdickicht Unterschlupf und Nahrung.
Die Bltter sind mit Bernsteinschnecken und Rohrkfern bedeckt, in
ihren Winkeln verbergen sich Kcherfliegen und Motten, zwischen dem
Wurzelwerk wimmelt es von Kaulquappen und von Larven aller Art, Krebse
verstecken sich an den tieferen Stellen, mit Vorliebe liegen die Enten
dort, Wasserhuhn und Zwergtaucher vertrauen ihm ihre Nester an, in der
Dmmerung schlpft die Zwergrohrdommel zwischen den Halmen umher, nach
Egeln suchend, und die Wasserfrsche suchen zwischen ihnen Zuflucht
vor dem Reiher und dem Hechte.

Alle Libellen, die am See leben, lieben das Schilf und rasten gern
auf seinen Blttern oder an den brunlichen Rispen, am meisten aber
die prachtvollen Seejungfern. Als Larven wuchsen sie zwischen dem
faserigen Wurzelwerk des Schilfdickichtes auf, nhrten sich von
Flohkrebsen, Wrmern und Eintagsfliegenlarven, und wenn sie die
Nymphenhlle verlassen haben, bleiben sie dem Schilfe treu. Denn
es sind keine wilden, tollen Flieger wie die ganz groen Libellen;
schchterne Flatterer sind es, die sich nicht gern auf das offene
Wasser hinauswagen. Mit schwankendem Fluge, die Flgel hochhaltend,
als htten sie es den weien Faltern abgelernt, die am Strande entlang
tanzen, schweben sie von Stengel zu Stengel. Gleich als ob sie keine
Kraft in ihren herrlich gefrbten Flgeln htten, so sinken sie nach
kurzem Fluge mde auf ein Blatt hin, bleiben sie an einer Rispe kleben,
rasten ein Weilchen und flattern wieder weiter.

Es sind zarte, hinfllige, gebrechliche Tiere, in Flugbild und Form den
zierlichen himmelblauen Schlankjngferchen hnelnd, die um die Blten
der Wasserminze flirren, nur bedeutend grer und noch prchtiger
gefrbt. Ihre dnnen Leiber sehen aus, als wren sie aus blauem oder
grnem Stahl geschmiedet, ihre Flgel tragen mrchenhafte Farben und
spielen in den wunderbarsten Tnen, sehen im Schatten tiefblauschwarz
aus, leuchten grellblau in der Sonne auf oder schimmern auf einmal in
goldigem Seidenglanz, um im nchsten Augenblicke zu stumpfem Braun zu
verlschen oder zu trbem Grn abzubleichen.

Sie sind es, die dem Schilf seinen Zauber geben. Ob sie nun, Leib und
Flgel geradeausgestreckt, still an einem Blatte sitzen oder regungslos
an einer Blte hngen, oder ob sie, unsicher flatternd, zwischen den
Blttern hindurchhuschen, werfen sie ein fortwhrendes Blitzen und
Funkeln, Leuchten und Schimmern ber das hellgrne Blttergewirre und
die dunkelgrne Flut und mischen das leise Geraschel und Geknister
ihrer Schwingen mit dem Geruschel des Schilfes und dem Klucksen der
Wellen.

So blumenhaft zart sie aber auch aussehen, von Bltensaft leben sie
ebensowenig wie die wilden Libellen, die hastig ber sie herschieen.
Ihr Tndeltanz ist ebensosehr Raubflug wie der groen Jungfern
Dahinrasen, und alles, was langsame Flgel hat, fllt ihnen zur Beute.
Die schwerfllige blinde Fliege, die wie ein grauer Fleck auf dem
Ampferblatte klebt und das Blut verdaut, das sie den Khen, die am
Ufer entlang grasen, abzapfte, findet unter dem scharfen Gebisse der
blauen Seejungfern ebenso ihr Ende wie die frisch geschlpfte Mcke,
die in der Sonne ihre Flgel trocknet, wie die plumpe Kferlarve am
Weidenzweig und die zierliche Zikade, die massenhaft das Mannagras
umschwirrt.

So wild und gierig jagen sie freilich nicht wie die blauen Edellibellen
und die gelben Strandjungfern, die zwischen Wald und See auf- und
abschieen, und auch ihre Liebeskmpfe sind nicht so rauher Art. Fast
zaghaft naht sich das Mnnchen dem Weibchen und lt sich mehr als
einmal abschrecken, wenn dieses den goldgrnen Leib steil emporrichtet
und unwillig die braunen, seidenglnzenden Florflgel schttelt, da es
laut raschelt. Dann ist sofort ein zweites Mnnchen da, und ein drittes
naht und ein viertes, und das raschelt und knistert durcheinander
und schimmert und blitzt, bis das keckste Mnnchen die Nebenbuhler
beseitigt, sich des Weibchens bemchtigt und es sich trotz dessen
Strubens willfhrig macht.

Soweit das Schilf reicht, berall dasselbe Geflatter der blauen,
brunlichen und grnlichen Flgel, berall das Blitzen und Funkeln der
stahlblauen und erzgrnen Leiber, ein Leben, sorglos und lustig, wenn
auch einmal die groe Edellibelle jh herniederstt und mit einem
der zierlichen Tnzer davon schwirrt, oder eine gelbe Strandjungfer
zwischen die frhlichen Flatterer strzt und mitten aus der lustigen
Hochzeitsgesellschaft ein verliebtes Mnnchen herausgreift.

Unter dem Wasserspiegel aber, wo die langen, rosenroten Wasserwurzeln
der Erlen im leisen Wellenschlage hin und her wallen, umwimmelt von
glnzend braunen, goldgelb gestrichelten Kferchen, hausen die Larven
der Seejungfern. Sie sind nicht so breit und so plump wie die der
groen Raublibellen und nicht so zierlich und schlank wie die der
feinen Schmaljungfern; sie halten zwischen beiden die Mitte in Form
und Aufbau, denn sie atmen zugleich durch den Darm wie die einen und
mit Schwanzkiemen nach der Weise der Schmaljungferlarven, bis die Zeit
kommt, da sie das Wasser verlassen, denn kurz vorher entwhnen sie sich
der Larvenatmung und nehmen aus der Luft den Sauerstoff auf, von Zeit
zu Zeit an den Wurzeln emporklimmend und das Ende des Hinterleibes aus
dem Wasser streckend.

Sonst leben sie so versteckt wie mglich, denn zwischen den
Wasserwurzeln der Erlen wimmelt es von Bachflohkrebsen und
Eintagsfliegenlarven, so da es ihnen an Fra nicht mangelt, denn sie
mssen sich vor dem Barsch hten, der ihnen allzugern nachstellt,
besonders, wenn sie sich frisch gehutet haben und noch weich sind.
Auch den unheimlichen Wasserskorpion frchten sie, und wenn er, sich
langsam zu ihnen hintastend, heranschleicht, so ziehen sie den Leib
zusammen und spritzen das Atemwasser so jh von sich, da der Rcksto
sie weit durch das Wasser treibt; aber hastig bergen sie sich dann
wieder in dem Wurzelgewirre.

Wenn der Sturm den See aufwhlt, dann geht es ihnen schlecht. Der
Wellenschlag peitscht dann die Erlenwurzeln und wirft manche von ihnen
auf das Ufer, wo die Ameisen und Raubkfer ihnen den Garaus machen, und
wenn sie sich zwischen die berrieselten Tagewurzeln der Erlen retten,
so erwischt sie dort die Wasserspitzmaus oder die Erdratte. Aber zu
Tausenden leben sie im Schilf, so da genug von ihnen brigbleiben,
die steif und still ber Winter in den Uferlchern unter dem Randeise
verharren, bis die Sonne das Eis bricht, das Wasser erwrmt und sie
wieder erweckt, da sie sich huten und fressen und strecken und
schlielich das Schilf erklimmen, um sich aus hlichen Larven zu den
zauberhaften, mrchenschnen Seejungfern zu entwickeln, die flirrend
und flatternd, schimmernd und flimmernd der schnste Schmuck des
Schilfes sind.




Am Graben

[Illustration]

Agrion minium +Harr.+, A. elegans +Lind.+, A. cyathigerum +Charp.+


Unter dem Galgenberge mndet ein Graben in die Bucht des Sees; er kommt
von den Wiesen und ist das ganze Jahr ber in seinem unteren Teile mit
Wasser gefllt.

Seine Ufer tragen reichen Blumenschmuck, und allerlei Kruter wachsen
in ihm, Froschlffel, Wasserhahnenfu, Riesenampfer, Schwertlilie,
Binsen, Riedgrser, Vergimeinnicht, Bachlungenkraut und in der Nhe
des Sees auch Froschbi und Krebsschere.

Deshalb ist sein Tierleben reich; es wimmelt in dem Wasser von
Kaulquappen und Molchlarven, Kcherraupen, Kleinkrebsen, Wasserkfern,
Mckenlarven, Milben, Schwimmwanzen, Wrmchen, Polypen, Schnecken und
Mschelchen.

Auch Libellenlarven finden sich in Menge, besonders die Larven der
Schmaljungfern, zierliche, schlanke Geschpfe, die viel hbscher
aussehen als die Larven der groen Libellen und auch in ihren
Bewegungen netter sind, denn wenn sie gestrt werden, so schlngeln sie
sich schnell und gewandt durch das Wasser.

Meistens aber sitzen sie verborgen im Kraute, durch ihre Farbe vor
ihren Feinden geschtzt, deren es nicht wenige gibt. Nicht nur die
Stichlinge und Molche stellen ihnen nach, auch die Wasserskorpione
und Schwimmwanzen, die Wasserspinnen und die Schwimmkferlarven und
besonders die Larven der groen Libellen.

Deshalb halten sie sich in dem dichten Gewirre des Gekrutes verborgen,
meist regungslos hngend, die drei langen, bunt gebnderten Kiemen am
Ende des Hinterleibes weit auseinandergespreizt, und lauern auf Beute.

Zumeist sind es Wasserflhe, von denen sie leben. Tanzt eine Daphnie
oder ein Hpferling dicht an ihnen vorbei, oder zappelt eine
Mckenlarve bei ihnen vorber, so schnellen sie die groe, breite
Fangmaske vor, ziehen sie mit der darin festgeklemmten Beute zurck,
und die Kiefer zerpflcken sie.

Auch in den Uferlachen des Seeufers, in dem Teiche, in den
dichten Wasserhahnenfubnken, die im See treiben, wimmelt es von
Schmaljungferlarven, und wenn die warmen Sommertage kommen, hngen
berall an den Halmen und Blttern die leeren, durchsichtigen,
weilichen Nymphenhllen, und bei stillem Wetter flirrt und flimmert es
um alle Bsche.

Es sieht dann aus, als ob lauter goldgrne, himmelblaue und rubinrote
Nadeln in der Luft umherfliegen, denn viel dicker als Stecknadeln sind
die Leiber der Schmaljungfern nicht, und ihre Flgelchen sind so zart,
da sie in der Sonne nur wie ein Schimmer wirken.

Es sind niedliche Tnzer, die Schmaljungfern, schchterne Schweber,
ganz von Sonne und Windstille abhngig. Wenn das Wetter warm und die
Luft still ist, leben sie auf und flirren um die Bsche; bezieht sich
der Himmel, versteckt sich die Sonne, weht der Wind khl, dann hngen
sie mit fest an den Leib gedrckten Flgeln still und traurig an den
Blttern.

Sie jagen auch anders als die groen Wasserjungfern, sie erhaschen ihre
Beute nicht im Fluge. Sie flattern um die Zweige der Bsche, und wo sie
eine Blattlaussiedelung ersphen, da lassen sie sich nieder, pflcken
die saftigen Tierchen ab und verzehren sie. Da Tausende von ihnen in
den Bschen und im Grase umherschwirren, so wird durch sie tchtig
dafr gesorgt, da die Blattluse nicht berhandnehmen. Auch die eben
ausgeschlpften, zarten, winzigen Raupen haben in ihnen bse Feinde.

Doch auch ihnen selber mangelt es nicht an Nachstellung. Wenn sie dicht
ber den Boden hinflirren, werden sie von den Frschen fortgeschnappt,
die Eidechse erhascht sie im Sprunge, die Waldmaus greift sie, wenn
sie im Grase schlafen, und allerlei Vgel stellen ihnen nach. Ihre
schlimmsten Feinde aber sind die Spinnen; ist das Netz auch noch so
zart, die leichte Schmaljungfer bleibt darin hngen, und in allen
Spinnenweben an dem Graben entlang schimmern ihre silbernen Flgelchen
und blitzen ihre himmelblauen, goldgrnen und rubinroten Leiber in der
Sonne.

Daneben aber flirren die dahin, die den Spinnen entgingen, in lustiger
Liebesjagd. Hier fhrt ein goldgrnes Weibchen hinter einem dunkelen,
blaugeringelten Mnnchen her, dort hat ein glhrotes Mnnchen das
dstere Weibchen mit der Liebeszange gefat und flattert mit ihm dem
nchsten Blatte zu, da bildet ein Prchen eine seltsame Schlinge,
darunter zwingt ein Mnnchen das Weibchen, ihm zu Willen zu sein, und
auf jenem Blatte strubt sich ein Weibchen mit wildem Geflatter gegen
die Liebkosungen eines Mnnchens, das nicht von seiner eigenen Art ist.

Seltsam ist die Liebe der Libellen, ganz seltsam. Mit den Beinen
fat das Mnnchen das Weibchen am Rckenschild, und wenn es ihm
nicht mehr entgehen kann, dann packt die sonderbare Zange, die es
am Ende des Leibes trgt, den ersten Brustring des Weibchens. Hin
und her schiebt der Leib des Mnnchens das Weibchen, heftig flattern
beide, aber schlielich wird das Weibchen von der Erregung des
Mnnchens angesteckt, es krmmt den Hinterleib nach unten, schiebt
ihn unter seinen Beinen her, nhert das Ende seines Leibes der Brust
des Mnnchens und vereinigt sich mit ihm. So bildet das Prchen
eine merkwrdige Figur, eine eigenartige Schleife; des Mnnchens
Hinterleibspitze umfat den Rcken des Weibchens, und dessen Leibesende
ist mit der Unterseite des Vorderleibes des Gatten vereinigt.

Eine Wolke richtet sich vor der Sonne auf; mit einem Schlage ist das
Geflirre und Geblitze zu Ende. Matt, der Kraft beraubt, fallen die
zierlichen Tiere auf die Bltter und bleiben an den Halmen haften,
den Leib wagrecht ausstreckend und seine Farbenpracht mit den Flgeln
verhllend. Auch hierin hneln sie den anderen Jungfern nicht, die mit
gespreizten oder emporgerichteten Schwingen ruhen. Sie aber drfen das
nicht; zu zart sind sie, und die Brise, die die Wolke brachte, wrde
sie in das Wasser wehen, wo die Ukleis auf sie lauern.

Doch die Wolke ist schon wieder fortgezogen; eins nach dem anderen von
den Silberstbchen lftet die Flgel, und wieder blitzt und funkelt
es rot und blau und grn um die Erlenbltter und Grashalme, von neuem
beginnt das Getndel und Gekose, fngt der feenhafte Hochzeitsreigen
der mrchenhaften Tierchen an, die jeder Mensch gesehen hat, die aber
keiner kennt, mag er sie auch Tag fr Tag vor Augen haben.

Es lohnt sich aber schon, sich auf den Grabenrand zu setzen und ihnen
zuzuschauen fr den, der Augen hat, sich an Schnem und Prchtigem
zu freuen, auch wenn es fein und klein ist. Dieses Tierchen hier
mit den silbernen Flgeln, jeder vor der Spitze zierlich gefleckt,
und dem rubinroten, goldgrn endigenden Leibe, es hat soeben mit
den rotfunkelnden Augen eine Blattlaus erspht und sie mit Behagen
verspeist. Jetzt putzt es sich die Kiefer und die Taster und flattert
dahin, wo schon ein halbes Dutzend Mnnchen ein Weibchen umbalzen.
Zierlich, wie die Tiere selbst, sind auch ihre Liebeskmpfe; ein
bichen zorniges Flgelgeruschel, ein klein wenig Anrempelei, dann ist
das Duell zu Ende, der Besiegte flattert weiter, ein anderes Weibchen
zu suchen, und der Sieger mht sich um seine Schne, bis sie so will,
wie er es meint.

Vielerlei Arten gibt es von diesen reizenden Wesen; hier am Graben
flattern allein sieben bis acht durcheinander, und da die Weibchen
anders gefrbt sind als die Mnnchen, so ist der Farbenreichtum
gro. Da sind welche, deren Leiber fast ganz himmelblau mit schmalen
schwarzen Binden sind, bei anderen sind die dunklen Bnder breiter,
bei einer dritten Art haben sie sich so ausgedehnt, da nur schmale
blaue Ringe brigblieben. hnlich ist die grne Farbe bei den Weibchen
verteilt. Auch die Frbung der Augen ist verschieden; bei einigen
sehen sie wie rote, bei anderen wie grne, bei der dritten Art wie
hellblaue und bei der vierten wie goldgelbe Glasperlen aus, oder sind
gar zweifarbig, halb grn, halb rot.

Aber wer sieht das und wer sammelt Libellen? Man sammelt Kfer ohne
Zweck, denn die deutschen Kfer sind gut erforscht, man sammelt
Schmetterlinge, ohne da es viel Sinn hat, denn wir kennen ihre
Verbreitung gut. Die Verbreitung der deutschen Wasserjungfern ist
aber noch wenig bekannt, und ein aufmerksamer Forscher knnte manche
wichtige Tatsache feststellen. Es gibt Arten, die erst von wenigen,
weit voneinander entfernten Gegenden bekannt sind, und manche Lcke
unseres Wissens ist noch auszufllen, ehe wir die Grnde erkennen,
warum diese Art nur dort und jene nur da vorkommt.

Auch die Lebensweise dieser Tiere ist zum Teil noch wenig genug
erforscht, vor allem die Fortpflanzung und auch die Ernhrung, und
von vielen Arten kennt man die Larven noch nicht. Dabei ist es so
leicht, sie zu halten und zur Entwicklung zu bringen. Ein Standglas
mit einigen hbschen Wasserpflanzen, eine Zierde fr das Fenster oder
den Blumentisch, ab und zu eine Fliege, einige Daphnien oder bei den
Larven der groen Arten ein Regenwurm, das ist alles, was diese Tiere
verlangen, um zu gedeihen und sich zu entwickeln.

Obgleich sie nicht sehr beweglich sind, uninteressant sind sie darum
doch nicht. Es ist ganz lustig anzusehen, wie eine Libellenlarve
geduldig wartet, bis ein kleines Tier ihr naht, oder wie sie, dauert
es ihr damit zu lange, sich an die Beute heranpirscht und sie erfat.
Wenn eine groe Larve ein starkes Beutetier erwischt hat und dieses
sich wehrt, dann krmmt sie den Hinterleib ber den Rcken nach dem
Kopfe zu und fhrt damit einen Sto nach dem Opfer, es mit einem
krftigen Wasserstrahle aus den Darmkiemen betubend.

Dann sitzt sie vielleicht einen Tag stumpfsinnig da, ohne sich
zu rhren und ohne die Futtertiere, die ihr dicht vor dem Kopfe
umherschwimmen, zu beachten. Am anderen Tage sieht sie nicht mehr so
trbe gefrbt aus; ihr Rcken weist ein scharfes Muster auf, und ihre
Beine sind hell und dunkel geringelt. Sie hat sich gehutet; ber ihr
in den Ranken des Hornkrautes hngt die leere, durchsichtige Hlle. Ein
tchtiges Stck gewachsen ist die Larve und heihungrig und raubgierig.
Die Wasserflhe gengen ihr nicht mehr; sie dreht den Kopf hin und her,
ob nicht wieder ein Regenwurm angeschwommen kommt. Sie merkt die leise
Erschtterung, die der rmel des Menschen, der den Rand des Glases
streifte, hervorbrachte, und sie wei, was das bedeutet. Schnell dreht
sie den Kopf nach der Seite und erblickt den Wurm, der sich zwischen
den Ranken hin- und herwindet. Lange besinnt sie sich; endlich rckt
sie vor, aber langsam, sehr langsam geht das, und nun ist sie doch
zu spt gekommen, denn ehe sie dicht genug bei ihm ist, sank er auf
den Sand. Wieder mu sie sich lange besinnen; dann klettert sie mit
dem Kopfe nach unten dem Wurm nach, der auf dem Sande umherkriecht.
Jetzt ist sie dicht bei ihm; die Fangmaske kommt unter dem Kopfe
hervorgeschossen, und der Wurm hngt zwischen den Kiefern, die ihn
langsam und sicher zerreien.

Sie sind nicht so dumm und so langweilig, diese Tiere, wie es den
Anschein hat. Setzt man Schmaljungferlarven in ein Glas, das ihren
Todfeind, eine Larve der groen Art, beherbergt, so verstecken sie
sich in den dichtesten Quirlen des Hornkrautes und betreiben nur die
Anstandsjagd auf Daphnien, Cyklopse, Mckenlarven und junge Flohkrebse.
Sind aber nur ihresgleichen in dem Gefe, so haben sie es bald heraus,
da sie keinen Feind zu frchten haben, und sind die Futtertiere
sprlich, so gehen sie auf die Pirsche, kriechen auf dem Sande am
Boden und an den Glaswnden umher, da man mit dem Vergrerungsglase
alle Gefe in ihren durchsichtigen Leibern deutlich sehen und genau
beobachten kann, wie sie die Mckenlarve zerreien und verschlingen.

Nicht nur das, was gro und auffallend ist in der Natur, ist der
Beachtung wert, auch das Kleine und Feine und das, was in der
Verborgenheit lebt, und reizt es nicht zum sinnlosen Sammeln und Tten,
so lockt es zur liebevollen Beobachtung und lohnt die Zeit, die man
damit zubrachte, durch manchen unbeobachteten Vorgang, der mehr wert
ist als ein Kasten voll drrer Falter oder trockner Kfer.




ber dem Teiche

[Illustration]

Lestes viridis +Linden+ und L. nympha +Selys.+


An dem Teiche, der nicht weit von dem See vor dem Bauernwldchen in der
Feldmark liegt, geht es heute mittag hoch her.

Es ist so still und so warm, und deshalb halten die Schlankjungfern
heute Massenhochzeit.

Sie mgen keinen Wind; zu zart sind ihre Silberflgelchen, zu
gebrechlich ihre goldgrnen Leibchen, die so dnn wie ein Grashalm
sind; jeder strkere Windhauch weht sie in das Ried.

Aber heute brauchen sie den Wind nicht zu frchten; so kommen sie alle
aus ihren Verstecken zwischen den Blttern und Halmen hervor, flattern
an dem Ufergebsch entlang, wagen sich auch auf das Wasser, aber zu
weit fliegen sie nicht und suchen bald einen Binsenhalm oder ein
Grasblatt.

Manch eine verliert aber doch vor der Zeit die Kraft und fllt auf das
Wasser; dann ist sofort ein Stichling da, der sich ihrer bemchtigt,
oder ein groer Schwimmkfer packt sie, und die grnen Frsche, die auf
den Mummelblttern sitzen, schnappen viele von ihnen fort.

Auch auf dem Brombeerbusche und im Erlenlaube droht Gefahr, denn da
sitzt der Laubfrosch und wartet auf sie, Sumpfmeisen fhren dort ihre
Brut, und die zarten Libellen geben ein bequemes Futter. Sogar die
Waldeidechse, die unter dem Farrn ihren Schlupfwinkel hat, ist sehr
erpicht auf sie, und alle Augenblicke schnappt sie eine fort.

Aber es gibt genug Schlankjungfern hier, denn berall kriechen an den
Binsen und an den Riedgrasblttern die reifen Nymphen empor, und aus
vielen schlpfen eben die Libellen aus, um sich von der Sonne trocknen
und hrten zu lassen, bis sie krftig genug zum Fluge sind.

Andere aber, die schon lter sind, sorgen fleiig dafr, da es bers
Jahr genug von ihnen gibt; unzhlige Prchen haften an den Grasblttern
und im Gebsche, der Liebe sich freuend, bis ernstere Pflichten ihrer
warten.

Prchen auf Prchen flattert ber den Teich, einen Binsenhalm suchend
und daran hngenbleibend. Dann, whrend das Mnnchen das Weibchen noch
festhlt, macht dieses seinen Hinterleib frei, stochert mit der Spitze
an dem Binsenhalme herum, verwundet ihn mit dem Legebohrer und legt ein
Ei unter die Oberhaut des Halmes.

Dann kriecht es, das Mnnchen herabziehend, etwas tiefer, bohrt
wieder die Binse an, legt abermals ein Ei und fhrt so fort, bis es
den Wasserspiegel erreicht hat. Aber dort macht es noch nicht halt;
es klettert weiter, bis es im Wasser untertaucht, das Mnnchen mit
hinabziehend, und wie zwei groe silberne Blasen hngen die beiden
Tierchen dann unter dem Wasserspiegel an dem Binsenhalme.

Unten im Wasser, wo es einst als schlanke, flinke Larve lebte,
bohrt das Weibchen wieder den Halm an, legt ein Ei hinein und rckt
immer mehr nach unten, bis es das Ende des Halmes erreicht hat.
Dann klettert das Mnnchen wieder empor und zieht das Weibchen nach
sich, und ungefhrdet durch Stichling und Schwimmkferlarve, die die
silberglnzende Luftschicht, die das Prchen einhllt, scheuen, tauchen
sie ber dem Wasser auf und flattern dem Lande zu.

An der Stelle, an der das Weibchen den Binsenhalm anstach, liegt
in einer der gerumigen Luftzellen des Markes ein Ei, vor Feinden,
Sonnenbrand und Frost gesichert. Ist das Ei reif, so schlpft das
Lrvchen aus und sucht das dichteste Pflanzengewirre auf. In den
zerfaserten Blttern des Wasserhahnenfues hlt es sich verborgen und
mstet sich an winzigen Krebstierchen, hutet sich, wenn der alte Rock
zu kurz und zu eng wird, und lebt so, wie alle Libellenlarven leben.

Trotzdem es so zierlich und so schlank und mit so prchtigen Blakkiemen
am Ende des Leibes geschmckt ist und lange nicht so plump und so
unheimlich aussieht wie die Larven der groen Wasserjungfern;
ein schlimmer Ruber ist es doch, und der Wasserfloh wie die
Eintagsfliegenlarve, die ihm entgegenkommt, werden von der Fangmaske
erfat und mssen ihr Leben lassen. Wenn sie so gro wre wie die
Larve der anderen Libellen, so wre sie noch ein schlimmerer Ruber
als diese, denn sie wechselt fter ihren Platz und wei ihre Beute
geschickt anzuschleichen.

Meist aber hngt sie regungslos zwischen den Faserblttern und lauert
auf das, was zu ihr kommt, bis ihre Zeit um ist und sie das Wasser
verlt, ein Riedgrasblatt ersteigt und wartet, bis ihre Haut reit und
aus ihr ein silbern blitzendes, goldgrn funkelndes Jngferchen wird,
das in zierlichem Zitterfluge an dem Teiche entlang flattert, hier und
da, wo ein Blattluschen sie lockt, sich niederlassend, oder wo ein
winziges Rupchen kriecht, anfliegend, oder einen Gespielen suchend
zum Hochzeitsfluge, damit es an den Bschen im Teiche im anderen Jahre
wieder silbern blinkt und goldig blitzt.




In der Mergelgrube

[Illustration]

Libellula fulva +Mll.+, L. cancellata +L.+


Vor dem Bauernwldchen im Felde liegt eine groe, alte Mergelgrube,
deren ltere Teile zu Fischteichen umgewandelt sind.

Allerlei Buschwerk wchst an den Abhngen, und vielerlei Blumen
schmcken sie. In den Teichen wuchert das Kolbenrohr, hohe Seggen mit
schngeschwungenen Blttern streiten sich mit Schwertlilien um die
besten Pltze, und in einigen Buchten hat sich auch Rohr angesiedelt.

Der Wald schtzt die Mergelgrube vor dem Ostwinde, und auf der
Nordseite halten dichte Dorngebsche den Wind ab. Deshalb findet sich
hier, strmt es ber den See her oder aus der anderen Ecke, allerlei
leichtbeschwingtes Volk, das sich anderswo so lange verkriechen mu,
bis die Luft sich wieder beruhigt hat, und alles, was gern Fliegen
frit und Motten schnappt, nach Kfern lstern und auf Mcken hungrig
ist, stellt sich hier ein, weht drauen der Wind zu sehr.

Hier schwatzen die Grasmcken, schlpfen die Rohrsnger, trippeln die
Bachstelzen und rennen die Uferlufer, der Wrger lauert auf dem
Wildrosenbusche, auf dem Erlenzweige pat der Eisvogel auf, ob er nicht
eine Kferlarve oder eine Kaulquappe erbeuten kann, berall, wo die
Sonne hin kann, sitzen die grnen Frsche am Ufer, und im Ufergekrute
schnffelt die Wasserspitzmaus nach Beute umher, bis sie sich kopfber
in das Wasser strzt und mit einer fetten Kferlarve im Maule wieder
auftaucht.

Die Hauptjger aber sind hier die Wasserjungfern. Allerlei Arten
kommen bei der Mergelgrube vor, die kleinen Schmaljungfern, die
feinen Schlankjungfern, die dunkelblaugrnen, wunderbar schimmernden
Seejungfern, solche, die an ruhigeren Tagen nur am Strande des Sees
und ber seinem Spiegel jagen, und selbst die Edeljungfern aus dem
Walde finden sich hier ein, wenn es in ihrem Gebiete zu toll weht. An
solchen Tagen ist die Luft voll von schimmernden Flgeln und blitzenden
Leibern; so mancher dicke Frosch schnappt und schnappt, bis er nicht
mehr kann und mit dummem Gesichte dasitzt, whrend ihm die Hinterleiber
und Flgel von zwei Libellen zum Maule heraussehen.

Auch die Fische lieben die strmischen Tage. Ab und zu pustet der Wind
doch einmal um die Ecke und blst eine von Alter oder Liebe ermattete
Libelle oder eine, deren zerfetzte Flgel sie nicht mehr recht tragen
wollen, in das Wasser, oder ein eiferschtiges Libellenmnnchen rempelt
den Nebenbuhler so hart an, da er in den Teich fllt; ehe die
Libelle sich wieder erheben kann, haben feuchte Lippen sie erfat und
hinabgezogen.

Auer den kleinen Libellen und den Arten, die hier nur Gastrollen
geben, ist am meisten eine groe Jungfer vertreten, die grne Augen,
einen blaubereiften Leib und am Grunde der Flgel kleine rostrote
Flecken hat, und dann kommt hier noch eine andere viel vor, die fast
ganz so aussieht, nur da ihr Leib schmaler ist und da ihr die roten
Abzeichen auf den Flgeln fehlen. Beide sind wilde Flieger; husch, sind
sie hier, husch, sind die dort. Einen Augenblick rtteln sie ber dem
Wasser, fassen eine Fliege, und fort sind sie schon wieder.

Wer Libellen kennenlernen will, so da er sie mit ziemlicher Sicherheit
nach dem Fluge ansprechen kann, der mu hierher gehen; da hat er fast
alle zusammen, ausgenommen die Libellenknigin, die hier nur ganz
selten einmal erscheint, und die grne Edellibelle, die erst nach
Sonnenuntergang fliegt, lt sich auch nur ausnahmsweise hier blicken;
desgleichen kommen die Moor- und Heidelibellen, die jenseits des Sees
so hufig sind, hier nur vor, wenn ein starker, heier Wind lange Zeit
vom Moore geweht hat.

Die aber, die am kahlen Strande, hinter dem Rhricht und ber dem
See fliegen, die auf den Wiesen und ber den Feldern jagen, an den
Hecken zu rauben pflegen und ihre Beute an den Rainen packen, sind
meist auch hier zu finden; so schwirrt und flirrt es durcheinander von
groen und kleinen, langsamen und flinken, blauen und roten, gelben und
braunen Wasserjungfern, von ruhig dahinfahrenden, lange fliegenden,
von anderen, die nach kurzem, reiendem Fluge auf einer Erdscholle
einfallen, von solchen, die nur von Halm zu Halm, von Blatt zu Blatt
flattern, und von jenen, die rastlos, ohne sich einmal zu setzen,
stundenlang quer ber die Teiche schieen.

In allem sind sie untereinander verschieden, in Gestalt, Farbe und
Flug. Hier tanzt ein Weibchen der hufigsten Art dicht ber das Wasser,
alle Augenblicke niederwippend und das Hinterleibsende in die Flut
tauchend. Es ist kein miges Spiel, das es da treibt, und baden will
es auch nicht, denn das ist nicht die Gewohnheit der Libellen; es sorgt
dafr, da ihre Art nicht ausstirbt. Jedes Mal, wenn es den Hinterleib
in das Wasser stippt, lst sich aus der Legescheide ein mit einer
schtzenden Schleimhlle versehenes Ei ab und sinkt in das Gekrut.

Hier aber ist noch ein sonderbareres Bild. Ein Mnnchen mit schn
blauem Bauche hat ein Weibchen erwischt, es auf ein Schwertlilienblatt
gentigt und nach vielem Gehampel und Geflatter kirre gemacht. Hinter
ihm sitzt noch ein gleiches Prchen und dahinter noch eins, und
ringsumher noch mehrere. Sobald die Befruchtung vollzogen ist, das
Weibchen seinen Hinterleib wieder hngen lt, und das Mnnchen sich
etwas erholt hat, verlt es das Blatt, zerrt das Weibchen hinter sich
her und fliegt ber den Wasserspiegel, und dort wippt es auf und wippt
es nieder, taucht das Weibchen in das Wasser und zwingt es, seine Eier
fallen zu lassen.

So ganz ungefhrlich ist diese Art und Weise, fr Nachkommenschaft
zu sorgen, nicht; alle Augenblicke plantscht es, und dort, wo soeben
noch das Libellenpaar schwebte, zieht das Wasser Kreise, denn ein
Hecht hat das Weibchen erfat und es mit dem Mnnchen zusammen unter
das Wasser gezogen, und ab und zu fhrt auch ein hellgrner Pfeil mit
himmelblauer Spitze auf ein eierlegendes Libellenpaar hin, ein scharfer
Schrei ertnt, und fort streicht der Eisvogel, die Wasserjungfern
im Schnabel. Auch der Wrger macht sich ihre Sorglosigkeit zunutze,
rttelt ber ihnen, fat sie und trgt sie seinen Jungen zu, die ihn
mit durchdringenden Rufen bewillkommnen.

Am traurigsten aber ergeht es den ermatteten Libellen, die an den
seichten Stellen in das Wasser fallen. Es ruckt alle Augenblicke
an ihnen; bald werden sie halb, bald ganz unter Wasser gezogen,
denn vielerlei Feinde lauern dort auf sie. Da sind die Stichlinge,
ganz freche, unverschmte Gesellen, die zu zweien und dreien an der
halbtoten Libelle herumzupfen und ihr ein Stck nach dem anderen
aus dem Leibe reien; da sind die Schwimmkferlarven, unheimliche,
fingerlange Geschpfe, die wie ein Pfeil angeschossen kommen und
ihre Giftzangen in das zappelnde Tier schlagen; auch die groen
Larven der Frsche und der Knoblauchkrten zerren an ihnen herum, und
Wasserskorpione und Pferdeegel qulen sie gleichfalls zu Tode.

Leicht und lustig erscheint auf den ersten Anblick ein Leben, wie es
die Libellen fhren, dahinflatternd in Sonne und warmer Luft ber die
schimmernde Flut, ein Leben, frhlich wie ein Spiel, heiter wie ein
heller Traum. Aber hinter allem Leben steht der Tod, bei jeder Lust der
Schmerz, und die silbernen Flgel im Spinnennetze, die goldenen Kreise
auf dem Wasserspiegel, unheimliche Zeichen sollten es den leichten
Fliegern sein, die hurtig und behende ber den Teich huschen.

Sie aber wissen nichts von Not und Tod. Nur wenn tagelang der Regen
herniederrieselt und sie hilflos im Grase hngen, mag vielleicht ein
Schatten von Angst und Sorge auf ihr kleines Bewutsein fallen.

Vielleicht aber auch dann nicht einmal. Die Sonne und die Wrme ist ihr
Leben; fehlt ihnen beides, so mgen sie nicht viel mehr bewutes Leben
haben als das Blatt am Baum, als die Blte am Stengel.




ber der Bucht

[Illustration]

Anax formosus +Linden+.


Mit einer tiefen Bucht schneidet der See vor dem Walde ein; die dicken
Pferdebinsen, die an ihrem Eingange wachsen, sperren die Bucht gegen
das offene Wasser ab, so da sie wie ein kleiner See aussieht.

Der Wind kann nur wenig ihr Wasser aufwhlen, denn Weiden und
Zitterpappeln nehmen ihm die Kraft, und auch der Wellenschlag bricht
sich an der mchtigen Bank aus zhen Ranken, die der Wasserhahnenfu
vor dem Binsendickicht bildet.

So fate Bandgras, Schilf und Rohr, Froschkeule, Kalmus und
Schwertlilie an den Rndern der Bucht Fu, Riesenampfer und
Wasserliesch siedeln sich an, Uferwinde und Museholz durchflechten
das Ufergebsch, und in den Erlen schuf der Hopfen dichte Wnde. Die
Mitte der Bucht fllen Seerosen und Mummeln aus, ihre weien und gelben
Blumen der Sonne ffnend, und zwischen ihnen finden auch Laichkraut,
Wasserknterich, Froschbi und Entengrn Platz.

Eine heimliche Ecke ist diese Bucht, die ihr eigenes Leben hat. Hier
brtet der Haubentaucher, hier baut die Rohrdrossel; die Ralle fhrt
dort ihre Brut, und im dichten Halmgewirre lehrt das Zwergsumpfhuhn
seine Jungen die Schneckensuche. Riesengroe Frsche, wie sie sonst
im See kaum vorkommen, leben dort, denn fr den Storch ist das Wasser
zu tief, und so knnen sie alt werden, wenn sie der Rohrweih, der der
Bucht gern einen Besuch macht, nicht greift, oder der Milan, der auch
ab und zu zusieht, ob es da fr ihn nichts zu fangen gibt. Zumeist aber
ist es still und friedlich hier, zumal um die Unterstunde, wenn die
Sonne das Wasser in der Bucht erwrmt und es an den Rohrwnden flittert
und flattert von allerlei Wasserjungfern.

Mancherlei Arten kommen hier vor, die gemeinen mit den gelben,
schwarzgefleckten Leibern, die berall an den Ufern des Sees jagen,
zierliche mit goldgrnen Leibern und tiefblauschwarzen Flgeln, und
die ganz kleinen, himmelblauen und rubinroten, die so zart sind, da
sie nur bei ganz stiller Luft sich aus dem Schutze der Rohrwnde
herauswagen. Sie sind alle schn, alle ohne Ausnahme, und alle
miteinander sind sie Ruber, die mit scharfem Gebi Mcken und Fliegen,
Motten und Falter zerreien, die ihnen bei ihren Jagdfahrten begegnen.
Aber so schn sie auch sind und so keck sie auch fliegen, eine ist da,
die ist schner als sie alle und grer als die anderen und khner als
irgend eine Libelle.

Die Libellenknigin ist es; keine der anderen kommt ihr gleich; noch
schner und noch schneller ist sie als die groen Waldjungfern. Ihre
Flgel sind aus Goldfiligran, smaragdgrnen Schmuck trgt ihre Stirn
und ihr Leib ein Gewand aus lasurblauer, schwarzverbrmter Seide. Ihr
Flug ist kniglich sicher und reiend schnell, so da die Augen des
Menschen ihm kaum folgen knnen. Sie fhrt dahin wie ein Falke, blitzt
in der Sonne auf, taucht im Schatten unter, fhrt dicht ber das Wasser
und schiet in jhem Bogen hoch empor, um steil hinabzustrzen und
langsam dahinzugleiten, bis sie eine Beute erspht, rttelnd ber ihr
in der Luft stehenbleibt, sie erfassend und mit ihr davonstiebend.

Und unnahbar ist sie. Vergebens ist alle Mhe, sie zu fangen; sie
erspht jede Bewegung des Menschen, und wenn er glaubt, er brauche nur
zuzuschlagen, dann ist sie schon lngst aus dem Bereiche seines Netzes.
Aber sie ist nicht ngstlich und scheu wie die anderen Libellen, sie
ist nur vorsichtig. Von weitem erspht sie alles, was sich ihrem
Gebiete nhert. Sie will wissen, wer es ist, der sich in ihr Revier
wagt, sei es Tier, sei es Mensch. Im Nu ist sie ber dem Kopfe des
Anglers; erstaunt blickt er auf, denn ein hartes Rascheln traf sein
Ohr, aber schon ist die Libelle wieder in der uersten Ecke der
Bucht, im nchsten Augenblicke fliegt der himmelblaue, goldumsprhte
Pfeil unter der Krone der Espe her, ist jetzt ber den goldenen
Mummelblten, nun in den Binsen und sofort wieder am Ende der Bucht,
den weien Falter fassend, der harmlos um die rosenrote Dolde des
Wasserlieschs tnzelte.

Auf und ab, hin und her geht die wilde Raubfahrt. Die vier Flgel des
Falters flattern in das Wasser, und schon hat die Libellenknigin
eine dicke, fette Schlammfliege erwischt, die sich gerade auf einen
Binsenhalm setzen wollte, und eine Schilfmotte, die unvorsichtig ihr
Versteck verlie, fllt ihr auch zur Beute. Sie stt nie fehl, sie
greift nie vorbei, und dem gewaltigen grnen Frosche, der faul und
breit auf seinem Seerosenblatt sitzt, nimmt sie die Raupenfliege, die
sich ihm auf den Kopf setzte, weg, ehe er noch recht wei, was sich
begeben hat. Mehr als einmal kommt sie ihm ganz nahe, aber doch nie so
sehr, da sie in den Bereich seiner roten Klappzunge gert, und bevor
er sich nach ihr hinwendet, ist sie schon lngst anderswo.

Aber ihr Flug ist jetzt anders geworden. Nicht mehr fhrt sie unstt
ber den Wasserspiegel, sie streicht an den Rohrdickichten entlang,
hier und da rttelnd, denn es ist ein Mnnchen, und es sucht ein
Weibchen. Aber Weibchen sind selten, und sprde sind sie. Sie sitzen
oft stundenlang verborgen und lassen sich von den Mnnchen suchen.
Hin und her sucht das Mnnchen, bald am Rohr, bald am Kalmus, jetzt
zwischen Schilf und Wald, nun zwischen Binsen und Flut, im Sonnenlicht
hell aufleuchtend, im Schatten untertauchend, lautlos dahinschwebend
oder im jhen Umwenden hart raschelnd.

Mit einem Male wird ihr Flug anders. Schnurgerade stt sie nach dem
anderen Ufer herber, verschwindet hinter den tiefherabhngenden
Espenzweigen, blitzt einen Augenblick wieder auf und ist abermals da.
Und jetzt jagt sie einem anderen Stcke ihresgleichen nach, einem
Weibchen. In blitzschnellen Wendungen weicht es dem ungestmen Mnnchen
aus, bald nach unten hin, bald nach oben abschwenkend, geradeaus
schieend, im spitzen Winkel umkehrend, noch einen Haken schlagend, und
hinter ihm drein schiet das Mnnchen, und erstaunt sieht der dicke
Frosch dem wilden Liebesgetndel zu, sich um seine Achse drehend in der
Hoffnung, da eines der groen Tiere ihm doch einmal nahe genug komme.

Wilder wird der Liebesflug des Mnnchens, schneller der des Weibchens,
und jetzt wendet das Mnnchen pltzlich und biegt seitwrts ab, denn
vom Ufer her stob ein zweites Mnnchen heran. Mit geschickter Wendung
weicht es dem Angreifer aus und setzt hinter dem Weibchen her, aber
hinter ihm ist das erste Mnnchen. Jedesmal, wenn es zustoen will, um
den Eindringling zu fassen, weicht der aus, doch schlielich prallen
beide aufeinander, die Flgel knistern und rascheln, es klatscht auf
dem Wasser, das fremde Mnnchen wurde gefat, besiegt, in die Flut
gestrzt, und ehe es sich erheben kann, klappt des Frosches Zunge
heraus, leimt es fest und zieht es in den Rachen hinein.

Whrend der Frosch noch mit den Vorderfen den schlanken, hellblau
schillernden Leib und die goldenen Flgel des besiegten Mnnchens
hinabstopft, hat der Sieger das Weibchen ber das Rohrdickicht in das
Ufergebsch getrieben, sich mit schnellem Griffe seiner bemchtigt und
es mit sich in die Blumen gerissen.

Nicht nach der gemeinen Libellenweise, vor aller Augen, pflegt die
Knigslibelle der Liebe; im verborgenen Versteck, zwischen den Blttern
der duftenden Minze, treiben sie das se Spiel, und nicht zwischen
Rohrhalmen und im Schilfe verbringen sie die Nacht wie die anderen
Wasserjungfern, sondern hoch oben in der Krone der alten Espe, die sich
tief ber den Ausschnitt der Bucht neigt, den das Weidevieh getreten
hat. Dort wimmelt es von den Kaulquappen, aus denen einstmal groe
grne Frsche, die Todfeinde aller Libellen, werden sollen.

Trge liegen die unfrmlichen Tiere da, die modernden Rnder der
Froschbibltter benagend; sie fhlen sich sicher, denn rings um sie
her starrt das Rohr, und wenn die Hufe der Khe den Boden erschttern,
dann wimmeln die plumpen Geschpfe in das Rhricht hinein. Behaglich
sonnen sie sich und mummeln das faulige Kraut. Sie ahnen es nicht,
da der Tod dicht bei ihnen ist. Es ist nicht der Zwergreiher, denn
unter dem Wasser schleicht es heran, und der Hecht kann es auch nicht
sein, denn den lassen die Rohrhalme nicht durch. Es hngt kopfber an
einem schwimmenden Stengel, setzt ein langes, dnnes Bein vor, und
noch eins, dreht den Kopf nach der nchsten Kaulquappe, glotzt sie mit
den riesenhaften Augen stier an, ohne sich zu rhren, gleitet, ohne
das Wasser zu bewegen, nher, verharrt wieder lange Zeit unbeweglich,
setzt einen Fu voran, zieht einen anderen nach, gleitet noch ein
Stck voran, und da hngt sie regungslos und lauert, die Larve der
Knigslibelle, mit Mrderaugen nach der einen Kaulquappe stierend. Die
ist satt und lt sich langsam fallen, aber ehe sie den Grund erreicht,
schnellt der Feind die Fangzange vor, schlgt ihr die Widerhaken in den
weichen Leib und rcht das, was der groe Frosch seiner Sippe tat, an
ihr.




Auf der Schneise

[Illustration]

Aeschna cyanea +Mll.+, A. grandis +L.+


Auf die Landstrae, die von der Stadt aus durch den Wald fhrt, stoen
im rechten Winkel eine Anzahl von breiten Schneisen.

Eine davon ist besonders schn, denn zweimal durchschneidet sie der
Bach, der sich in vielen Krmmungen durch den Wald zieht, und bildet
bei den beiden Brcken breite Ausbuchtungen, und neben der Schneise
sind tiefe Grben, die niemals austrocknen.

ppig ist der Pflanzenwuchs hier. Die Grben sind umwuchert von
Schwertlilien und Igelkolben, hohe Disteln und Dolden erheben sich an
ihren Ufern, Spierstauden und Glockenblumen schmcken ihre Sume, ber
die das Vergimeinnicht herausragt und sich mit dem gelb blhenden
Schattenklee verschlingt, whrend Hopfen und Geiblatt das Unterholz
hinter den Grben umspinnen.

Darum geht es hier auch lustig her. Die ganze Schneise flattert von
Faltern, um alle Blumen summt und brummt es, die Luft blitzt von
blanken Flgeln, und Laubvogel und Mnch, Trauerfliegenschnpper und
Meise finden hier Futter genug fr ihre Schnbel, desgleichen die
grnen Frsche, die auf den Grabenkanten sitzen, und die braunen, die
im Grase umherhpfen.

Weil es hier von Beute wimmelt, ist nirgendwo im ganzen Walde die
blaue Edellibelle so viel zu finden wie hier. Auf allen Waldwegen ist
sie anzutreffen, aber hier doch am meisten. Zwar hat jedes Stck sein
festes Gebiet, in dem es kein anderes duldet, aber die Schneise ist
eine halbe Stunde lang und endet erst am Seeufer, und so haben viele
der schnen Ruber auf ihr Platz.

Wenn auch die Weilinge, die Lieschgrasfalter, die Perlmuttervgel,
Kaisermntel, Pfauenaugen und Trauermntel die Schneise mit buntem
Leben erfllen, und die Bienen, Wespen, Hummeln, Fliegen, Kfer und
Zwergjungfern erst recht, die Edeljungfern geben dem Bilde doch erst
den eigenartigen Zug. Das regellose Geflatter der Schmetterlinge,
das verworrene Geschwirre der anderen Blumengste, es bildet nur den
Hintergrund zu den strengen Linien, die die blaue Waldjungfer darber
zieht. Wie die vornehme Bltenrispe des stolzen Knabenkrautes gegen das
buntgeblmte Gras, wie der Ruf des Pfingstvogels gegen den Singsang
der Kleinvgel, so sticht ihre Erscheinung gegen alles ab, was hier
durcheinander schwirrt und umeinander flattert.

Ihr Bau ist herrlich und ihre Frbung prchtig. Ein kstliches Blau
bildet die Grundlage; es erfllt die Augen, wird auf der Brust von
lichtgrnen Flecken, auf dem Leibe von schwarzbraunen, schn gezackten
Binden gehoben, und damit die prchtige Frbung noch mehr herauskomme,
ist das Bruststck oberhalb der Flgel braunrot gefrbt, und die
Schwingen schillern in zartem Goldglanze. Anders, aber ebenso prchtig,
mit braunen und gelbgrnen Flecken geziert, ist das Weibchen.

Aber nicht die Farbe ist es, die die Edellibelle auszeichnet, sondern
ihr Flug. Er ist so sicher, so stetig, so zielbewut wie der des
Falken, und so schnell wie der der Schwalbe, und doch ist keine Hast
darin und keine Unruhe; Schnelligkeit und Ruhe verschmelzen sich in
ihm. Ob sie jagt, ob sie das Weibchen sucht, immer behlt sie in
ihrem Fluge die vornehme Sicherheit; das gerade Gleiten geschieht mit
derselben Ruhe wie die blitzschnelle Wendung; erhebt sie sich, so
geschieht es ganz gelassen, und wenn sie herabsinkt, geschieht es ohne
Hast, trotzdem ihre Geschwindigkeit so schnell ist, da es aussieht,
als zge sich ein himmelblauer Faden durch die von Silberpunkten
durchblitzte Waldluft.

Sie ist strker als die anderen Libellen; sie scheut den Schatten
nicht und braucht keinen Sonnenschein, um sich ihrer Flugkraft bewut
zu werden. Sie sinkt nicht wie die anderen Arten haltlos in das Gras,
stellt sich eine dicke weie Wolke vor die Sonne, und nun, da die
Sonne wieder die eine Hlfte der Schneise beleuchtet, hlt sie sich
nicht an diese gebunden; wenn sie auch die Sonne nicht meidet, so
flieht sie doch auch den Schatten nicht und jagt dort ebenso flink und
sicher wie auf dem hellen Streifen.

Unaufhrlich ist sie in Bewegung. Alle Augenblicke macht sie eine
kleine Schwenkung, fat mit den Vorderfen jetzt eine Mcke, schiebt
sie zwischen die Kiefer und greift sofort eine Fliege, die der Mcke
nachfolgen mu. Jetzt rttelt sie ein kleines Weilchen ber der
hohen Distel, auf deren Blte sich gerade ein frisch geschlpfter
Kohlweiling niederlassen will, stt zu und erfat den Schmetterling.
Er ist zu gro, als da sie ihn, wie sie es mit den Mcken und Fliegen
macht, im Fluge verzehren knnte; so hngt sie sich an eins der schn
geschwungenen Riedgrasbltter, die das Gewirr des Brombeerbusches
durchbrechen, und frit, bis die Flgel des Falters einer nach dem
anderen in das Gras fallen und sie wieder, nachdem sie sich sorgfltig
gesubert hat, auf neue Beute ausfliegt, bald in der Sonne, bald im
Schatten, hoch unter den Zweigen der Eiche her, die ihr Astwerk ber
die Schneise breitet, dicht ber den Bach hin, und nur dann an einem
Stamme oder an dem Brckengelnder rastend, wenn sie ein Beutetier
gegriffen hat, das zu gro ist, als da sie es im Fluge fressen knnte.

Hin und wieder, wenn eine andere Edellibelle in ihr Gebiet einbricht,
unterbricht sie ihren reienden und doch so ruhigen Jagdflug und strzt
sich laut raschelnd dem Eindringling entgegen, ihn vertreibend, ist es
ein Mnnchen, ihm den Hof machend, wenn es ein Weibchen ist. Dann aber
ist auch sofort ein zweites und ein drittes Mnnchen da, und es beginnt
ein wildes Hetzen und Kmpfen, bis das lteste, reifste, schnste
Mnnchen die Nebenbuhler abgekmpft hat und sich das Weibchen erringt.

Und wenn die Sonne Abschied von der Schneise nimmt, wenn das lustige
Faltergetmmel und der Fliegen Reigentanz zu Ende geht, dann fhrt die
blaue Edellibelle immer noch zwischen dem Bache und der Eiche hin und
her, und auch am Ende der Schneise, wo sie an den See stt, der tief
unter dem abschssigen Ufer liegt, ber das die Zweige der Espen weite
breite Lauben bilden, taucht dann noch ab und zu eine groe Edellibelle
auf, fliegt ein Ende in die Schneise hinein, zankt sich mit der blauen
Libelle und stiebt wieder von dannen.

Noch grer als die blaue Waldjungfer ist sie, die da rastlos unter
dem hohlen Ufer hin und her schiet und frchterlich unter den Mcken
haust, die dort schwrmen, und schn ist sie auch, doch in anderer
Art. In goldigem Braun schimmern ihre Flgel, lichtbraun, hier und
da mit sparsamen hellblauen Marken versehen, und mit gelben Flecken
geschmckt ist ihr schlanker Leib, und wenn sie ber jenen Stellen der
Flut erscheint, die von den letzten Strahlen der Abendsonne getroffen
werden, dann sieht es aus, als flge ein goldener Pfeil dahin. Hngt
sie sich aber im Schatten an einen Zweig, den Leib steif von sich
streckend, so wird sie zu einem drren, mifarbigen stchen.

Unter dem hohlen Ufer, wo die Spuren des Otters im Lehmboden abgedrckt
sind, ragt ein dicker Pfahl aus dem Wasser, von langen grnen Algen
umwedelt. Die Fischer haben ihn dort eingerammt, um ihre Khne daran
anzuschlieen, und dem Eisvogel damit einen Gefallen getan, denn gern
sitzt er hier und wartet auf die Ukleis. Auch der groen braunen
Waldlibelle steht der Pfahl recht. Ein Weibchen umschwirrt ihn, lt
sich dicht ber dem Wasser an ihm nieder, unbesorgt, da die leise
spielende Flut ihm den Leib benetzt, und tastet unter dem Wasser
mit der Hinterleibspitze an dem verrottenden, algenbedeckten Holze
umher, bis es einen Spalt gefunden hat, gro genug, den Legebohrer
aufzunehmen, durch den es Ei um Ei unter den Algenberzug schiebt.

Lange dauert diese Arbeit, und anstrengend ist sie, und ermattet erhebt
das Weibchen sich endlich, kriecht an dem Pfahle empor und schwingt
sich endlich ab. Aber da blitzt es von dem Pfahle herunter, blitzt
hellblau und goldgrn, und auf der berhngenden Wurzel des Ufers
sitzt der Eisvogel und schlingt die Libelle hinunter, ihr dasselbe
Geschick bereitend, das sie ber viele lustige Fliegen und frhliche
Mcken, flinke Motten und schnelle Falter brachte.

ber dem Eisvogel aber in dem Gezweig der Espe raschelt und ruschelt
es; da wehrt sich ein Libellenweibchen unter dem starken Griffe des
Mnnchens, und vor ihm, blitzschnell dahinfahrend, wie zwei goldene
Pfeile in den Abendsonnenstrahlen leuchtend, fhrt ein anderes
Paar dahin, Tod und Verderben unter den Mcken und Eintagsfliegen
verbreitend, whrend weiter oben im Walde die blauen Edellibellen den
Abendmotten nachstellen, bis sie sich zum Schlafen in die Kronen der
Eichen schwingen.




Am Ufer

[Illustration]

Aeschna viridis +Eversm.+


Es ist Abend geworden; rot und rund geht die Sonne ber dem Walde
unter, und der Spiegel des Sees frbt sich mit goldenen Lichtern.

Das Gezwitscher der flggen Vogelbrut hat aufgehrt, beendet haben die
weien Falter ihren Tanz ber der Uferlichtung, verschwunden sind die
flinken Eidechsen, die an der Grabenkante hin und her raschelten.

Lauter wird es im Rhricht; da werfen sich die Fische, da schlpft die
Rohrdommel von Halm zu Halm, da wagen sich die Enten auf die blitzenden
Blnken und gren mit breiten Lauten den Abendstern, unter dem behbig
ein Reiher dahinrudert.

Hier und da tickt noch ein Rotkehlchen im Unterholze, die Krhen rudern
hart quarrend zu ihren Ruhepltzen, der Bussard schwingt sich in seinem
Schlafbaume ein, mit gellendem Gezeter strzt sich die Amsel in ihren
Dornbusch.

Die Tiere des Abends erwachen. Lautlos schwebt eine Nachtschwalbe ber
die Flut hin, wo schon lngst im Zickzackfluge die Fledermuse jagen.
Bleiche Motten erheben sich aus dem Schilfe, und haltlos taumelt ein
heller Spanner an dem Brombeerbusche vorber.

Es ist sein erster Flug; am Nachmittage ist er aus der Puppe geschlpft
und versucht jetzt die lichten, zart gebnderten Schwingen auf der
Suche nach einem Weibchen. Er soll die Liebe nicht kennenlernen; sein
erster Flug ist seine letzte Fahrt. Er schwebt ber die goldenen
Weiderichblten hin, flattert an der leuchtenden Rispe der Spierstaude
vorbei, aber dann wird er mitten aus seinem tndelnden Fluge gerissen.

Die Abendlibelle war es, die grne Edeljungfer. Den Tag ber hat sie
in der Krone der Espe geruht, die Sonne fliehend, die aller ihrer
Schwestern Wonne ist. Sie aber will keine Sonne, sie meidet das grelle
Tageslicht. Wenn die anderen Libellen ihr Flugvermgen verloren, weil
der Tag vor dem Abend wich, wenn sie an den Halmen und Blttern wie tot
schlafen, dann verlt die Abendlibelle ihr Versteck.

Die Farben der Dmmerung hat sie sich erkoren, brunlich ist das
Adernetz ihrer Flgel, grn und braun und blau ihr Leib. In stetigem,
lautlosem Eulenfluge streicht sie unter den Bumen hin und her,
sich erhebend, wenn ihre groen gelben Augen eine Motte ersphen,
hinabstoend, wenn sie einen lichten Falter ber das Gekrut hintaumeln
sieht, im tiefen Schatten der Bume jetzt verschwindend und dann
wieder ber der leuchtenden Flut auftauchend, unbekmmert um die
kleinen Fledermuse, die dort auf und ab huschen.

Die lichten, zart gebnderten Schwingen des Spanners fielen, sich
langsam drehend, einzeln zu Boden. Eine graue Schilfeule weicht
auf ihrem hastigen Zickzackfluge dem letzten Flgel aus, der in
ihre Flugbahn hinabwirbelte. Aber so unstt und regellos auch ihr
Flug ist, die grne Edellibelle betrgt sie nicht. Jh strzt sie
herunter, rttelt einen Augenblick, stt zu und verschwindet mit ihr
im Schatten; und eine nach der anderen von den silbergrauen schmalen
Schwingen wirbelt in das taufeuchte Moos hinab.

Auf und ab durchstreift die Abendlibelle ihr Jagdgebiet. Ihren gelben
Mrderaugen entgeht nichts, was ber den Halmen schwebt und um die
Zweige flattert. Mag die graue Motte sich auch noch so dicht am Boden
halten, mag die Eintagsfliege sich auch noch so hoch in die Luft
erheben, das grne Gespenst erspht sie doch, saust bis zur Erde,
steigt hoch empor und entweicht, ehe die Nachtschwalbe wieder da ist,
in die Dunkelheit hinein, um sofort wieder ber dem hellen Strande zu
sein, wenn sich dort eine Beute zeigt.

Schon ruft hohl die Eule im Walde, schon klingeln die Enten ber die
Kronen, im Fallaube schrillen die Spitzmuse, und klatschend werfen
sich die Fische vor dem Rhricht, und immer noch jagt die Abendlibelle
lautlos unter den Espen hin und her, ab und zu, wenn sie eilig werden
mu, um eine Motte zu greifen, ganz leise mit den Schwingen knisternd,
oder lauter raschelnd, wenn es heit, einen Nebenbuhler in die Flucht
zu treiben. Denn kein zweites Stck duldet sie in ihrem Gebiete; einsam
will sie jagen, sich nicht mit einer ihresgleichen in das Getier
teilen, was hier fliegt und flattert.

Nur wenn die Liebe sie plagt, sucht sie nach Gesellschaft. Im
Bogenfluge untersucht sie die Kronen der Espen, bis ihre gelben Augen
den blauen Leib eines Weibchens ersphen und sie es vor sich hertreibt
im wilden Minnefluge, an den Weidenbschen entlang, ber das Rhricht
hin, vor den Kronen der Espen her, auf die freie Flut hinaus und zurck
in den tiefen Waldschatten, bis sie es fat und mit ihm in die Zweige
hineinraschelt, den sen Lohn sich zu holen und in inniger Verknpfung
mit ihm die Nacht zu verbringen.

Steigt dann die Sonne herauf, wird es still und laut in dem Gebsch,
beginnt am Ufer entlang das Geflirr und Geflatter der Tageslibellen,
verbirgt sie sich im schattigen Bltterverstecke und verschlft den
Tag, bis die Sonne sich wieder hinter den Bumen zur Ruhe begibt. Dann
erst, wenn alle anderen Libellen die Kraft zum Fliegen verlieren, kommt
ihre Zeit, dann erst beginnt ihren Raubflug die Abendlibelle.




Im Moore

[Illustration]

Cordulia flavomaculata +Vanderl.+, Aeschna mixta +Latr.+, Libellula
vulgata +L.+


Jenseits des Sees liegt das Moor; in der Nhe der Stadt ist es zu
ckern gemacht, weiterhin zu Wiesen; hier und da sind Tonlcher
ausgeworfen, besonders in der Nhe des Ufers, mehr nach dem Walde
zu liegen die Torfstiche, und dann kommen die drren, heidwchsigen
Sandberge.

Ein ganz anderer Pflanzenwuchs, ein ganz anderes Tierleben herrscht
hier als jenseits des Sees. Der Wiesenpieper erhebt sich, langweilig
singend, in die Luft, der Baumpieper schmettert sein krftiges Lied,
abends meckert die Bekassine, und in den gewaltigen Rohrdickichten am
Seeufer brummt die Rohrdommel zur Nachtzeit.

Meist ist es einsam hier, auer in der Zeit der Heuernte und wenn
Torf gestochen wird; darum liegt das Birkwild hier gern, horsten die
Mooreulen und Weihen im sumpfigen Ried, birgt sich der Fischotter im
dichten Weidengestrpp, und ab und zu erscheint der Schwarzstorch, der
tief im Walde sein Nest hat, und stellt den Musen und Kreuzottern
nach; oder der Gabelweih schaukelt ber die Torfstiche und sieht zu, ob
er nicht einen Frosch erwischen kann.

Zahllos sind die Falter, die hier fliegen, vom rostroten Spinner,
der unstt ber die Brombeerbsche an den Wegrndern zickzackt, bis
zum zierlichen Bluling, der ber das Ried tnzelt, und der winzigen
Motte, die scharenweise aus dem Grase hervorhuschen, wenn die Khe sie
aufscheuchen. Und die knnen den ganzen Tag Ohren und Schweife nicht
stillhalten, denn die Luft ist erfllt von Grillen, Stechfliegen,
Mcken, blinden Fliegen und Bremsen, die singend, summend und brummend
ber das Vieh herfallen.

Es wrde noch viel mehr des Geschmeies vorhanden sein, wenn die
Wasserjungfern nicht da wren und ihre Larven. In jedem Graben,
jeder Tongrube, in allen Torflchern hngen die Larven in den Ranken
des golden blhenden Wasserschlauches, zwischen den Blttern der
Sumpfprimel und in dem Gewirre des jungen Torfmooses, wo es von
Mckenlarven wimmelt. Alle Arten von Libellen sind dort als Larven
vertreten, zierliche, feine, grasgrne Geschpfchen und plumpe, dicke,
schlammbraune Wesen; die einen wie die andern tun den ganzen Tag weiter
nichts, als da sie ihre Fangmasken hervorschleudern und sie mit einer
Mckenlarve darin wieder zurckziehen.

Auch die Libellen, die berall umherschwrmen, sorgen dafr, da das
stechende Geschmei nicht berhandnimmt. Sobald die Sonne scheint,
sind sie zu Tausenden da und richten ein verheerendes Gemetzel unter
dem Ungeziefer an; mag auch die Bremse noch so schnell sein, die
dunkelrotbraune, blaugemusterte Edellibelle greift sie mitten im Fluge,
und ob sie auch noch so brummt und zappelt, ihr vom Blute der Khe bis
zum Platzen gefllter Leib verschwindet unter den zermalmenden Kiefern,
und die Ameisen tragen ihre Flgel fort, die auf den Weg herunterfielen.

Ebenso geht es der blinden Fliege, die, ihre schwarzweien Flgel
ausbreitend und mit den smaragdgrnen Augen vor sich hinstarrend, auf
der Spitze eines Grashalmes sitzt, satt vom gesogenen Blute; ber ihr
rttelt eine goldflgelige Libelle mit goldgrn schimmerndem, gelb
eingefatem Leibe und stiert mit grnen Augen auf sie hinunter. Ein
Sto, ein Zuschnappen, und die schwarzweie Fliege plagt keine Kuh mehr.

Auch die graue Fliege, die, angelockt von der Ausdnstung der
beiden Htejungen, die sich auszogen, um in der Tongrube zu baden,
dahinfliegt, wird die Jungens nicht peinigen; blitzschnell saust
eine kleine, gelbe Jungfer daher, packt sie und setzt sich auf ein
Weidenblatt, um sie hurtig zu zerpflcken und dann wieder da hin und
her zu flirren, wo ihre gelben und roten Genossinnen sich tummeln.
Sogar die Mcken und die Grillen, die sich im Grase versteckt halten,
werden von den blauen, grnen und roten Schlankjungfern erspht und
ergriffen.

Es ist schlimm hier mit dem Ungeziefer, so schlimm, da die Bauern,
wenn sie ihr Vieh zum ersten Male nach dem Winter auf die Weide
schicken, es am ganzen Unterleibe mit dickem l einsalben mssen, denn
in solchen Haufen fallen die Kriebelmcken ber die unglcklichen Tiere
her, da sie schwer krank werden und manchmal sogar an den Folgen der
unzhligen Stiche fallen. Darum ist die Ttigkeit der Wasserjungfern
nicht hoch genug einzuschtzen, denn bei ihrer Menge und ihrer
Gefrigkeit verringern sie die Scharen der Vieh- und Menschenpeiniger
betrchtlich, und was sie und ihre Larven davon vertilgen, bersteigt
das, was die Vgel darin leisten, wohl ganz bedeutend.

Ihr Heihunger kennt keine Grenzen. Die groe goldgrne Jungfer,
der der eine Htejunge aus Versehen mit einem Peitschenschlage den
Hinterleib abschlug, und die nun im Grase liegt, lt die Bremse nicht
fahren, die sie in den Kiefern hlt, und whrend schon die Ameisen
an ihrem zerrissenen Leibe hngen, frit sie ihre Beute doch noch
erst auf. ber der Tonkuhle zieht ein braunrotes Edellibellenmnnchen
seine Kreise, ab und zu zur Seite fahrend und eine bunte Blindfliege
erhaschend. Jetzt hat es im Blattwerk des Kolbenrohres ein Weibchen
erspht; treibt es aus dem Versteck, fat es und sinkt damit in das
Gras, aber whrend es das Weibchen zur Liebe zwingt, frit es darum die
letzte Fliege, die es fing, doch dabei auf. Seine Liebestollheit ist
gro, aber ebenso gro ist seine Fregier.

Wenn die Libellen hier nicht wren, bekmen die Ackerbrger keinen
einzigen Kohlkopf von ihren Feldern am Rande der Moorwiesen, denn viele
weie Schmetterlinge tummeln sich dort. Aber nicht sehr viele kommen
dazu, ihre Eier an die Kohlpflanzen zu kleben, denn ber den Feldern
schweben Libellen ber Libellen, und alle Augenblicke strzt sich eine
auf einen Falter, greift ihn und lt sich damit zu Boden fallen; nach
kurzer Zeit ist nichts mehr von ihm brig als die Flgel, die Fhler
und die Beine, willkommene Baustoffe fr die Ameisen, die schleunigst
damit abziehen.

Als Ruber schlpft die Libellenlarve aus dem Ei, als winziger Ruber,
der unter den allerjngsten Mckenlarven aufrumt und sich an immer
grere Tiere wagt, je mehr er wchst; kaum hat die Libelle die
Nymphenhlle verlassen, hat eben erst Flugkraft erlangt, hat sich noch
nicht halb ausgefrbt, so fliegt sie schon auf Raub aus, und sind ihre
Flgel auch schon zerfetzt und ausgefranst, da sie nur noch mhsam
dahinflattert, sie raubt weiter, bis es mit ihr zu Ende geht, und noch
im Sterben lassen ihre Kiefer die letzte Beute, die sie machte, nicht
los.

Kurzsichtige Menschen, die nicht weiter sehen, als ihre Nase reicht,
sind auf den groen Gedanken gekommen, die Mckenplage dadurch zu
bekmpfen, da man l auf die Grben und Teiche giet, so da die
Mckenbrut ersticken mu. Aber nicht alles, was sticht, entwickelt
sich im Wasser, denn die Larven der Kriebelmcken, blinden Fliegen und
Bremsen leben im Torfmoose und Mulm. Alles aber, was in den Grben und
Tmpeln lebt, die mit l begossen werden, mu sterben, die Kaulquappe
wie die Molchlarve und alle die vielen Libellenlarven, die weiter
nichts zu tun haben, als Mckenbrut zu vertilgen.

Es ist ein aberwitziger und kein kluger Gedanke, auf den der Mann
gekommen ist, der den lkrieg gegen die Mcken predigte, und
wahrscheinlich hat er seine Naturkenntnis aus trockenen Bchern
gewonnen und nicht daher, wo einzig und allein wahre Kenntnis der Natur
zu erringen ist, dort, wo die Wipfel rauschen und die Blumen blhen, wo
die Welle klatscht und das Rohr raschelt.

Freilich, die groen Libellenlarven fangen auch manchen Jungfisch und
rumen gewaltig unter den Kaulquappen und Molchlarven auf; aber der
See wimmelt von Fischbrut; blieben alle die Hunderttausende von jungen
Fischen am Leben, das Plankton des Sees wrde nicht ausreichen, sie
zu ernhren, und so sind ihnen die Libellenlarven und die Raubfische
gesetzt, damit ihre Anzahl nicht bergro wird.

Nutzen und Schaden, es sind zwei Begriffe, die die Natur nicht kennt;
erst der Mensch hat sie ihr untergelegt, aber da jeder Mensch die Natur
und ihre Wesen nur danach bemit, wie es sein eigener Nutzen ihm zu
fordern scheint, so strzt er sich aus Trugschlssen in Fehlurteile,
vernichtet sinnlos die eine, rottet zwecklos eine andere Tierart
aus, ohne zu bedenken, da die Natur sich ganz von selber regelt. Er
verfolgt den Eisvogel, der dem Fischzchter die Schwimmkferlarven
fortfngt, und zchtet den Staar, der Weingrten und Kirschbume
plndert, im bermae.

Er tte besser, nicht immer und berall den Vormund der Natur zu
spielen; sie ist nicht so leicht zu bersehen, und was heute als
schdlich erscheint, gilt morgen als ntzlich. Die Libelle, die hier
die Stechfliege und den Kohlweiling vertilgt, hat, als sie noch im
Larvenzustande in der Seebucht lebte, die Brut der gemeinen Weifische
gefressen. Es sei ihr gegnnt; sie macht es dreimal wieder wett.




Auf der Heide

[Illustration]

Libellula flaveola +L.+, L. sanguinea +Mll.+, L. scotica +Donov.+


Unmerklich geht das Moor in die Heide ber; der Boden hebt sich
langsam, statt der Moorbirken treten krppelige Kiefern auf, und an
Stelle des Riedes und der Wollgrser herrscht das Heidekraut.

Am schnsten ist es auf der hohen Heide. Da blitzt der Sand von bunten
Kieseln, da fiedeln die Grillen, steigt die Schnarrheuschrecke rasselnd
empor und prahlt mit ihren purpurroten Flgeln. Sandkfer fliegen auf;
ihre goldgrnen Hinterleiber blitzen in der Sonne, um jedes rosig
blhende Zweiglein tanzen die Blulinge und streiten sich mit den
Bienen, wer zuerst trinken soll.

Ein schwerer Honigduft mischt sich mit dem Kiengeruche, den die
Kiefern ausstrmen, deren ernste Kronen im heien Sptsommerwinde eine
seltsame Weise rauschen, whrend die Heidelerche, die hoch oben in den
Lften hngt, ihr Liedchen dudelt, aus der Ferne der Glockenruf des
Schwarzspechtes herberklingt, und in der Nhe die Haubenmeisen locken.

Es ist Leben genug hier auf der Heide. Es summt und brummt ringsumher
und rispelt und krispelt berall im Renntiermoose und Heidekraute.
Darberhin aber schwirren und flirren die Libellen in der heien
Nachmittagssonne, blitzen hier auf, verlschen im Heidekraut, umkreisen
sich, prallen voreinander zurck und rascheln weiter.

Fast immer sind es kleinere Arten; selten verlieren sich die
Strandjungfern und Uferlibellen hierher, niemals die Seejungfern und
die Schmaljungfern, und es mu schon ein Zufall sein, wenn sich eine
der wilden Edellibellen bis hierher verfliegt. Heidelibellen sind es,
die hier fliegen; als Larven lebten sie in den Riedsmpfen, die hier
und da am Grunde der Sandberge liegen, und jetzt, da sie das Wasser mit
der Luft, das Kriechen mit dem Fliegen vertauschten, wollen sie auch
auf der Heide bleiben.

Sie tragen auch Farben, wie sie in die heie Heide passen. Glhrot
schimmern ihre Leiber, und ber ihren Silberflgeln liegt ein gelber
Schein, als habe die Sonne sie versengt. Und da die Heide auch ein
ernstes Gesicht machen kann, fliegt auch eine dstere Libelle mit
trben Flgeln und schwarzem Leibe hier; aber auch sie blitzt silbern
in der Sonne, und scharf leuchtet ihr Leib, denn in der heien
Septembersonne schimmert heute alles, der Kiesel im Sande und der Stamm
der Kiefer, die drre Grasrispe und das trockene Renntiermoos, und der
halb verdurstete Riedsumpf zwischen den mageren Kiefern spielt in allen
Farben.

Das ist das groe Libellenstelldichein; da blitzt und schimmert es
lustig durcheinander von silbernen, goldig berhauchten Schwingen und
roten Leibern. Die einen haften an den Stmmen, fallen auf den grauen
Zweigen des toten Wacholderbusches ein, schwrmen ber dem silbern
blitzenden Preiselbeergestrpp; die anderen aber, die mit dem starken
Goldschein am Grunde der Flgel, spielen am liebsten ber dem Sumpfe
selbst, wo das Wasser vom Torfmoose erfllt ist, die hellen Motten
haschend, die hin und her flattern.

Ringsumher sind sie von Feinden umgeben. Zwischen allen Kiefernstmmen
haben die Kreuzspinnen ihre Netze ausgespannt, und der Wind lt
die Flgel der Libellen, die sich hier fingen und von den Spinnen
ausgesaugt wurden, lustig blitzen. Hier und da und dort ertnt ein
lautes Geraschel; eine Libelle, die sich eben verfing, nimmt Abschied
vom schnen Leben. Auf der langen Tagwurzel der Kiefer, die wie eine
Schlange ber den Sand kriecht, liegt die Eidechse auf der Lauer. Eine
goldflgelige, rotleibige Libelle setzt sich vor sie hin. Vorsichtig
schleicht die Eidechse nher, springt zu, und laut raschelt die
Libelle, denn die scharfen Kiefer der Echse packten ihren schlanken
Leib.

Unter der verkrppelten Kiefer liegt ein langes Stck Baumrinde, und
darauf ruht eine Libelle. Aber heute abend wird das Stck Baumrinde
emporflattern, einen gellenden Schrei ausstoen, klatschen, da es
weithin schallt, die Abendstille mit lautem Schnarren erfllen und
dann, auf und ab tanzend, bald hier unten von der Spitze des blhenden
Heidebusches, bald dort oben von der Krone der Kiefer die Libellen
fortnehmen, die dort mit taubeperlten Flgeln schlafen, denn es ist
kein totes Stck Baumrinde, die Nachtschwalbe ist es, die dort faul und
bequem im warmen Sande liegt und sich von der Sonne bescheinen lt.

Und das, was dort zwischen den weilichblauen Grasbscheln liegt, es
ist keine von den Schatten der Grasbltter gestreifte Sandscholle, denn
ab und zu ffnet es die Lider und sieht aus groen gelben Augen umher;
der Triel ist es, und wenn die Sonne zur Ruhe gegangen ist, rennt er
ber den Sand und pflckt mhelos die schlafenden Libellen von den
Heidekrautzweigen.

Auch der weie Fleck, der dort auf der Spitze des hohen Wacholders
leuchtet, bedeutet den Tod fr die frhlichen Schweber; der Raubwrger
ist es. Seine scharfen Augen sphen in die Runde; jetzt rttelt er ber
einer krausen Kiefer, stt zu und fliegt wieder auf seinen Busch, ein
Libellenprchen im Schnabel.

Aber es werden der Libellen nicht weniger. Die Heide ist reich an
Smpfen und Tmpeln, aus allen kriechen die Libellenlarven hervor und
verwandeln sich in die flchtigen Tiere, deren Blitzen und Funkeln
den Zauber der blhenden Heide ebenso verschnt wie das Geflatter der
Blulinge, und deren Flgelknistern und -rascheln zu der Stimmung,
die die sonnenbeschienene rosenrote Heide hervorbringt, nicht minder
ntig ist wie das Gesumme der Bienen und das trumerische Rauschen der
Kiefern.

       *       *       *       *       *

Aber ob in der drren Heide oder auf der ppigen Wiese, am schnellen
Wildbache oder am langsamen Flusse, im ernsten Moore oder im lachenden
Tale, mehr als alle anderen Insekten verleihen die Libellen der
Landschaft Leben. Achtet der Mensch auch wenig auf die flinken Flieger,
sieht er ihnen auch nur unbewut nach, wenn sie am Wege entlang
flirren, schenkt er ihnen auch kaum einen lngeren Blick, lt sich
eine von ihnen vor ihm auf der Hecke nieder, das Sonnenlicht in hellen
Blitzen mit dem Silberfiligrangewebe ihrer Flgel zurckwerfend --
fehlten die Libellen der Sommerlandschaft, halb so schn erschiene
sie uns. Nicht das, worauf wir bewuten Blickes die Augen richten,
wirkt am strksten auf uns; vieles, ber das unsere Aufmerksamkeit
hinweggleitet, spricht doch zu uns, hinterlt Eindruck auf Eindruck,
erweckt eine heitere Stimmung, ein beschauliches Gefhl in uns, lt
uns, ohne da wir es ahnen, den Tag schner finden und das Leben
leichter tragen, und sei es auch nur das Knistern und Schimmern der
Libelle, die unsern Weg kreuzt.




+R. Voigtlnders Verlag in Leipzig+


An Tiernovellen sind in gleicher Ausstattung ferner erschienen:

    _H. Lns_, Aus Forst und Flur.
      40 Tiernovellen mit 16 Einschaltbildern.

    _Fr. Bley_, Von wehrhaftem Raubwilde.
      7 Tiergeschichten mit 16 Einschaltbildern.

    _E. Soffel_, Der Steppenreiter und andere Tiergeschichten.
      Mit 16 Einschaltbildern.


In Vorbereitung befindet sich:

    _Fr. Bley_, Von edlem Hochgebirgswilde.
      8 Tiergeschichten mit 16 Einschaltbildern.
        Preis der schn ausgestatteten Bcher
          geh. je Mk. 5.--, geb. je Mk. 7.--


Werke geschichtlichen Inhalts

    _J. H. Albers_, Deutsche Gtter- und Heldensagen.
      Mit 8 Einschaltbildern      geb. Mk. 3.50

    _J. C. Andr_, Deutsche Geschichte.
      Dem Volke und der Jugend erzhlt. Mit 8 Einschaltbildern,
        geb. Mk. 4.--

    _Diesch-Kaulfu_, Das Buch der Reformation.
      Geschrieben von Mitlebenden. Mit 139 Abbildungen,
        fein geb. Mk. 8.--

    _H. Kohl_, Die deutschen Einigungskriege von 1864-1871.
      In Urkunden, Briefen und Berichten der fhrenden Mnner. Drei
        starke Bnde      geb. Mk. 12.--




    Weitere Anmerkungen zur Transkription


    Die Unterberschriften mit den lateinischen Bezeichnungen sind im
    Original in Antiqua gesetzt.

    Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend
    korrigiert.





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THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
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1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
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freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

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1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org/license

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from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
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1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
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1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
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work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

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distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
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that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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