The Project Gutenberg EBook of Schriften 13: Mrchen / Dramatische
Gedichte / Fragmente, by Ludwig Tieck

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Title: Schriften 13: Mrchen / Dramatische Gedichte / Fragmente
       Die Heymonskinder / Melusine / Aus: Knig Rother / Der
       erste Akt des Donauweibes / Magelone. Prolog / Ein Prolog
       / Der Autor

Author: Ludwig Tieck

Release Date: January 4, 2016 [EBook #50845]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHRIFTEN 13: MARCHEN ***




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                            Ludwig Tieck's
                              Schriften

                          Dreizehnter Band.




                               Mrchen.
                        Dramatische Gedichte.
                              Fragmente.


                               Berlin,
                            bei G. Reimer,
                                1829.

                                 Dem
                           Herrn von Quandt
                             in Dresden.

Diese Gelegenheit ergreifend, Ihnen ffentlich zu sagen, wie sehr ich
Sie, verehrter Freund, hochachte und wie nahe ich mich Ihnen, durch
Ihren schnen und gebildeten Sinn fr Kunst und Poesie, verbunden fhle,
fge ich den Wunsch hinzu, da Ihr Leben durch hergestellte Gesundheit
ganz frisch und erneut fr sich und Ihre Freunde alle Heiterkeit wieder
gewinnen mge. Zwar litten Sie alles so, als wenn Sie gar nichts
litten -- aber, so hoffen alle, es werden die Genien auch jene
Schmerzen und Leiden von Ihnen nehmen.

Ein chter reiner Sinn, ein Enthusiasmus fr unsern vaterlndischen
Goethe, so wie fr die Muster alter Skulptur, ein Verstndni des
Rafael, eine Liebe, die unbeschrnkt sich alles Edle aneignen will, wird
nicht hufig gefunden: noch seltner mit so vielen Kenntnissen und dem
Eifer, der Kunst selbst fortzuhelfen, vereinigt. --

                                                             L. Tieck.




                               Inhalt.


                               Mrchen.
                         _Die Heymonskinder._
                             _Melusine._

                        Dramatische Gedichte.
                            _Ein Prolog._
                  _Der Autor._ Ein Fastnachtsspiel.

                              Fragmente.
                         _Magelone_. Prolog.
           Aus dem alten Heldengedicht vom _Knig Rother_.
                   Der erste Akt des _Donauweibes_.




                            Die Geschichte
                               von den
                           Heymons Kindern,
                  in zwanzig altfrnkischen Bildern.
                                1796.




                         Kurze Vorerinnerung.


                            Lieber Leser,

Ich wei nicht, ob Dein Gemth zuweilen so gestimmt ist, da Du Dich
gern und willig in die Zeit Deiner Kindheit zurck versetzest, Dich
aller damaligen Eindrcke erinnerst, und ohne Bedauern vergissest, was
Du seitdem gelernt und erfahren hast. Es gewhrt einen eignen
sonderbaren Genu, Dein Jahrhundert und die Gegenstnde um Dich her aus
dem Gedchtnisse zu verlieren. Du bist vielleicht irgend einmal krank
gewesen, geliebter Leser, oder hast Dich einige Stunden hindurch in
einer unvermutheten Einsamkeit befunden; von allen Zerstreuungen
verlassen, kann man dann zuweilen an alten wunderlichen Zeichnungen oder
Holzstichen ein Vergngen finden und sich in ihnen verlieren; man
betrachtet dann wohl aufmerksam ein unzusammenhngendes und fast
unverstndiges Bild, wo vorn eine Rathsversammlung im kniglichen
Pallaste sitzt und man hinten das Meer mit Schiffen und Wolken, ohne
alle perspektivische Kunst, wahrnimmt. Mchtest Du doch, o mein Lieber,
ein solches und kein andres Vergngen in gegenwrtigen altfrnkischen
Bildern erwarten, die wir Dir jetzt vor die Augen fhren wollen. -- Lebe
wohl! --




                             Erstes Bild.
                     Die Pracht des Knigs Carl.


Um Pfingsten hielt Knig Carl, dem man den Zunamen des Groen beigelegt
hat, gewhnlich in Paris ein groes Fest. Allda erschienen alle Herren,
Baronen und Frsten, und goldne und silberne Geschirre standen auf den
Tafeln, und eine schne Musik klang durch die Gemcher. Es war bei
diesem Feste alles versammelt, was man nur prchtiges sehn mochte.

Der Knig sa in allem seinem Schmuck, mit seiner glnzenden Krone am
Tische, um ihn her seine Freunde, die Ritterschaft und die Damen, junge
Edelleute warteten auf, damit es nirgends, weder an Speise noch an
Trank, fehlen mchte.

Bei diesem Feste war auch _Heymon_, Graf von Dordone, gegenwrtig, ein
angesehener und tapferer Rittersmann, der in allem Kriegswesen beraus
erfahren war, so da auch jedermann Achtung vor ihm hatte. Mit ihm war
zugleich da sein Schwestersohn _Hugo_, ein Jngling von schnem
Angesicht und langen goldgelben Haaren. Dieser nherte sich mit
freundlichem und ehrerbietigen Anstande dem Knige, und sagte ihm, da
der Graf Heymon auch gegenwrtig sei; er erinnerte ihn, da der Graf der
einzige wre, der keine Wohltat von Seiner Majestt genossen htte, er
mchte ihn wenigstens mit den Gtern wieder belehnen, die dem Grafen
gehrten, und die er ihm aus Ungnade entzogen htte.

Ueber diese Anrede ward Knig Carl sehr ergrimmt; er antwortete: da er
dem Grafen Heymon nie in etwas willfahren wolle. Hugo sagte hierauf sehr
ernsthaft, da jedes redliche Gemth das Betragen des Knigs tadeln
msse. Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, so sprang Carl auf, zog
sein Schwert und hieb den Jngling nieder, da er sogleich todt blieb.
Alles gerieth in die grte Verwirrung, Ritter und Edle sprangen auf,
die Tische fielen ber den Haufen, die Musik verstummte, und die
Spielleute entflohen, kurz, aus der grten Freude entstand pltzlich
die grte Traurigkeit.




                            Zweites Bild.
               Krieg; endlich wird Friede geschlossen.


Der Graf Heymon verlie sogleich mit seinem Anhange die Stadt; er bot
alle seine Freunde auf und berfiel das Land, um den Tod seines Vetters
Hugo zu rchen. Da war gro Rauben und Morden allenthalben; da sah man
verwstete Drfer und geplnderte Klster, die Leichen der Erschlagenen
lagen auf den Heerstraen, denn Heymon war in gewaltiger Wuth entbrannt.
Carl stellte sich dem Feinde entgegen, aber sein Volk mute immer der
Tapferkeit des Grafen weichen.

Carl versammelte seinen Rath und verbannte den Grafen im zornigem Muthe
aus seinem Lande, so da er aller seiner Gter und Titel verlustig war
und gleich einem armen Flchtlinge umherirrte. Dadurch wurden Heymon und
seine Freunde nur noch mehr aufgebracht, sie verbrannten und verheerten
das Land noch rger als zuvor, sie raubten alles Gold und Silber das sie
fanden, und streuten allenthalben das Elend des Krieges aus. Malegys,
ein Vetter Heymons, that besonders groen Schaden, denn er war in der
schwarzen Kunst ein wohlerfahrner Mann. Dieser Krieg whrte sieben
Jahre, und die Einwohner des Landes kamen endlich demthig zum Knig
Carl und baten ihn, da er mit dem furchtbaren Heymon einen Frieden
schlieen mchte. Carl war anfangs ber diese Vorstellung unwillig,
schickte aber doch Gesandten mit freundlichem Anerbieten an seinen
Feind, denn er sah selbst ein, da ihm ein solcher Krieg sein Land
verderbe. Heymon, der jetzt im Vortheile war, wollte von keinem Frieden
hren, aber Carl schickte eine zweite Gesandtschaft, und lie ihm sogar
seine Schwester Aya zur Gemahlin anbieten, wenn er sich vershnen wolle.
Hierauf ging Heymon den Vertrag ein und der Friede ward geschlossen.




                            Drittes Bild.
               Carlmann soll zum Knige gekrnt werden.


Heymon fhrte nun seine Braut in die Kirche, wo sie eingesegnet wurden.
Roland begleitete sie dorthin. Das hochzeitliche Mahl sollte eingenommen
werden, und Heymon bat Knig Carl, bei ihm zu bleiben; dieser aber brach
schnell wieder auf, und zog nach Paris zurck. Heymon ward ergrimmt, und
zog nach seinem Schlosse, wo er mit seinen Freunden die Hochzeit in
vierzig Tagen und vierzig Nchten auf's prchtigste feierte. Heymon
hatte immer noch die abschlgliche Antwort des Knigs im Sinne, und als
er mit seiner Gemahlin das Bette besteigen wollte, zog er sein Schwert
und schwur darauf, den Tod Hugo's an allen Nachkommen Carls zu rchen.
Seine Hausfrau Aya erschrak, denn sie sah die ernsten und zornigen
Geberden, und frchtete sehr das Gemth des Ritters.

Sie ward schwanger, und als sich die Zeit ihrer Entbindung nahte,
gedachte sie an Heymons Schwur. Er war grade auswrts in einen Krieg
verwickelt. Sie begab sich daher in ein Kloster und gebar einen Sohn,
den sie _Ritsart_ nannte, Bischof _Turpin_ und Graf _Roland_ waren die
Pathen: darnach lie sie ihn heimlich erziehn.

Heymon kam zurck und seine Gemalin ward zum zweitenmale schwanger, sie
gebar einen zweiten Sohn, _Writsart_, als Graf Heymon wieder auswrts
war. Eben so geschah es noch einmal, und der Sohn ward _Adelhart_
genannt. Alle diese Kinder wurden heimlich Sugammen bergeben, und
nachher wurden sie in einem verborgenen Zimmer des Schlosses erzogen.

Graf Heymon zog von neuem in den Krieg gegen die Unglubigen, und dieser
Krieg dauerte ganzer sieben Jahre. Nach dieser Zeit kam er wieder in
sein Vaterland zurck, und hatte sieben tiefe Wunden an seinem tapfern
Leibe und dennoch sa er geharnischt mit Helm und Schild zu Pferde, so,
als wenn ihm nichts zugestoen wre, aber sein Sinn war gro, denn er
hatte gesiegt, und brachte eine kostbare Reliquie, die Dornenkrone
unsers Heilandes, mit sich. Seine Hausfrau empfing ihn mit groer
Freude, beide gingen in das Schlafzimmer und sie gebar nach neun Monaten
wieder heimlich einen jungen Sohn, der _Reinold_ getauft wurde. Nun
hatte Graf Heymon vier Shne, von denen er allen nichts wute, denn
seine Gemahlin frchtete immer noch, da er sie diesem Eide gem
umbringen wrde, wenn sie ihm die Sache entdeckte. Knig Carl hatte auch
einen Sohn, Namens _Carlmann_, dieser war mit Reinold von einem Alter
und von einer Gre, aber in seinem funfzehnten Jahre wuchs Reinold
dergestalt in die Hhe, da er einen Fu lnger war, als Carlmann. Schon
damals war Reinold der grte und strkste von seinen Brdern.

Knig Carl war jetzt ein Greis geworden und gedachte seinem Sohne
Carlmann die Krone aufzusetzen. Er berief daher die Vornehmsten des
Reichs, sammt den zwlf Genossen von Frankreich und dem berhmten
Bischofe Turpin. Als alle versammelt waren und eine Stille ausgerufen
war, erhob sich Knig Carl und hielt eine Rede, wie er nun schon alt
sei, und das wahre Einsehn in das Reich nicht mehr besitze, er habe
daher alle gegenwrtige Herren versammelt, um seinen Sohn, der jung und
stark sei, zum Knig krnen zu lassen. Die Frsten waren sich dieses
Antrags nicht vermuthet und wuten daher lange nicht, was sie antworten
sollten, bis endlich Turpin, der weise Bischof, aufstand und sagte: Mein
Knig, es fehlt in dieser Versammlung noch ein Mann, der zu dieser
Krnung unentbehrlich ist, denn er ist fast der tapferste Ritter im
ganzen Lande. -- Gewi meint Ihr, antwortete Carl, den Grafen Heymon von
Dordone, der mir so groes Leidwesen zugefgt hat, mit Rauben, Brennen
und Plndern, aber ich mu es bekennen, er ist ein tapfrer Mann, so da
er fast seines Gleichen nicht hat. Nun, ich will nach ihm schicken, wenn
Ihr meint, da es so besser sei.

Die Krnung wurde hierauf noch vierzig Tage verschoben, und man
beschlo, den Grafen Roland mit einigen andern Herren abzusenden, mit
denen der Graf Heymon immer in Frieden und Freundschaft gelebt hatte;
denn Knig Carl traute seinem vershnten Feinde immer noch nicht, auch
wute er es wohl, wie bel es der Graf empfunden, da er bei der Heirath
mit seiner Schwester sein Mahl verschmht hatte. Er gab daher den
Abgesandten allerlei kstliche Geschenke mit, und einem jeden einen
Olivenzweig in seine Hand.

So nherten sie sich dem Schlosse Heymons, und Frau Aya gewahrte ihrer,
denn sie sa am Fenster; sie erkannte alle sogleich und war fr das
Leben der Abgesandten besorgt, weil sie der Gemthsart ihres Herrn wohl
wissend war. Als die Ritter daher in den Saal getreten waren, verfgte
sie sich auch dort hin, um zu sehen, wie es wrde, sie hie sie dort
willkommen, und brachte ihnen einen Becher mit Wein; dann sprach sie bei
ihrem Gemal fr die Herren, die in der grten Ungewiheit da standen,
denn sie hatten schon einigemale ihr Begehren angebracht, aber Heymon
hatte auch nicht mit einem einzigen Laute geantwortet.

Da ihm nun jetzt seine eigene Gemahlin zuredete, so ging er ergrimmt im
Saale auf und ab, so, da alle zitterten, dann schlug er sich mit der
Faust vor die Stirn, lehnte sich an einen Pfeiler des Gemachs und weinte
bitterlich. Da das die anwesenden Ritter an einem solchen Helden gewahr
wurden, so htten sie beinahe mitgeweint, ohne zu wissen, was ihm sei,
so erschtternd war der Anblick; aber die Hausfrau, die eines solchen
Anblicks ungewohnt war, zerflo in Thrnen und warf sich zu seinen Fen
nieder, und beschwur ihn, da er doch Rede und Antwort geben mchte.

Steh auf, unglckselige Frau, sagte er so leutselig, wie sie ihn noch
nie hatte sprechen hren; wohl mag ich Dich, so wie mich selber
unglckselig nennen, denn ich habe graues Haar davon getragen, ohne
einen Sohn von mir zu sehn, dem ich meine Haabe hinterlassen knnte.
Keines Siegs, keines Ruhmes mag ich mich freuen, denn alles stirbt mit
mir weg, keiner aus meinem Geschlechte erwhnt dankbar meiner, und
Fremde theilen sich in meine Gter, in die Fahnen und Waffenrstungen,
die ich so mhselig erbeutet habe, und nun soll ich hingehn und
Carlmann, den Erben Carls, krnen helfen, ich selbst ohne Erbe, ohne
Sohn. Ich wei, er meints noch schlimmer mit mir, als der Vater; drften
sie mit mir handeln, wie sie wollten, sie lieen mich nimmermehr am
Leben.

Heymon konnte vor Grimm und vor Thrnen nicht weiter sprechen, aber
seiner Gemahlin ging das Herz vor Freude auf, sie wute erst nicht, was
sie sprechen sollte, aber sie erinnerte ihn an den schrecklichen Eid,
den er in der Nacht nach der Hochzeit geschworen hatte; doch Heymon
sagte: o Frau, solche Eide zu halten, ist nichtswrdig, htt' ich nur
einen Sohn, und es knnte ein Held aus ihm werden, so wollt' ich ihn so
lieben, wie Carl seinen Carlmann nimmer lieben kann. Nun entdeckte ihm
Aya ihren verborgenen Handel, darber wurde Heymon froh und drckte den
angekommenen Rittern die Hand von Herzen; dann verlie er sie, um seine
Kinder zu besehen.

Er kam mit seiner Hausfrau vor das verschlossene Gemach, in dem sie
lebten, da stand er still, um ihr Gesprch mit anzuhren. Reinold tobte
drinnen, und schrie ber den Speisemeister, da er ihnen nicht genug zu
essen, und keinen guten Trunk bringe; Adelhart verwies seinem Bruder
diese Heftigkeit, und sagte ihm, da er sich vor Heymon hten msse, der
ihn gewi umbringen liee, wenn er dem Speisemeister etwas zu Leide
thte.

Was kmmert mich Heymon, der graue Hund! rief Reinold erbot, wenn ich
ihn hier htte, ich wollte ihn so mit Fusten zusammenschlagen, da er
liegen bleiben sollte!

Dieser ist gewi und wahrhaftig mein Sohn, sagte Heymon, aber jetzt will
ich's probiren, ob es auch die andern sind. -- Ohne weiteres stie er
also mit seinem Fu an die verschlossene Thr, so da sie zersprang.
Kaum aber stand er im Zimmer, so lief Reinold auf ihn zu und schrie: Was
hast Du, alter Graubart, hier zu schaffen? und mit diesen Worten warf er
ihn zu Boden. Die andern Brder kamen auch herzugelaufen, und Heymon,
der sich nichts Gutes versahe, rief: o ihr jungen Helden, schlaget mich
nicht, denn ich bin Euer Vater, haltet Ruhe, und ich will Euch alle zu
Rittern machen. Als Reinold hrte, da das sein Vater sei, hob er ihn
vom Boden auf und trstete ihn ber seinen harten Fall, darauf umarmte
der Vater seine Kinder nach der Reihe, mit besondrer Inbrunst aber
schlo er Reinold, den jngsten, in seine Arme, so da diesem die Nase
zu bluten anfing. -- Wrt Ihr nicht mein Vater: rief Reinold, seht, so
wollt' ich Euch dafr schlagen, da Ihr solltet liegen bleiben. -- Aber
Heymon ward ber dergleichen Reden noch mehr erfreut, und Frau Aya stand
drauen, und wute nicht, ob sie lcheln oder weinen sollte.




                            Viertes Bild.
                           Das Ro Bayart.


Die Shne muten sich nun in dem Saal versammeln, wo sie ihr Vater zu
Rittern schlug, erst den Ritsart, dann Writsart, hierauf Adelhart, und
endlich Reinold. Als er zu diesem kam, hatte der sich die goldnen Sporen
schon angelegt, und das Schwert umgehngt, und so ging er stolz und
bermthig einher. Der Vater schenkte ihm seine Schlsser Pirlapont und
Falkalon, weil er ihn fr den wrdigsten hielt.

Heymon lie nun seinen Shnen mehrere schne Pferde vorfhren, und das
schnste gab er dem Reinold; dieser sah es an, und da es ihm schwach
vorkam, schlug er es mit der Faust vor dem Kopf, da es gleich todt
niederfiel: hierauf sagte er zu seinem Vater: das Ro ist viel zu
schlecht, mich zu tragen, gebt mir ein bessres. Seine Mutter sagte: auf
die Art mein Sohn, mchtest Du wohl alle Pferde zu todte schlagen, und
keins knnte Dir gerecht seyn. Aber Heymon lie ein greres und
strkeres vorfhren; dem that Reinold eben wie dem vorigen, man brachte
ein noch hheres, da sprang er hinauf, da er dem Pferde den Rckgrad
zerbrach, so da es bald nachher starb. Vater, sagte er betrbt, was
soll ich machen, wenn sich keins der Pferde fr mich schicken will!
Heymon aber war ber die ungemeine Strke seines Sohnes sehr erfreut,
und sagte: mein Sohn, ich wte wohl noch ein anderes Pferd fr Dich,
wenn Du es nur zhmen knntest, es ist in einem festen Thurm verwahrt,
mein Vetter Malegys hat es mir geschenkt, und heit Ro Bayart; es ist
schwarz wie ein Rabe, und hat kein Haar und Mhne, und ist wohl strker,
als zwanzig andre Pferde. -- Gebt mir das Pferd, rief Reinold, und ich
will es bezhmen.

Der Vater rieth ihm hierauf einen Harnisch anzulegen, dessen Reinold
sich erst schmte, da er es nur mit einem Pferde zu thun haben sollte;
wie er aber hrte, da Bayart Steine wie Heu zerbeien knne, panzerte
er sich doch und ging dann mit einem tchtigen Prgel nach dem Thurme,
in dem Bayart stand. Viele Ritter und Frauen folgten ihm, um zu sehen,
wie er mit dem Ro handthieren wrde.

Als er in den Thurm gekommen war, stellte er sich hin, um Bayart zu
betrachten, wie er es mit den brigen Pferden gemacht hatte, aber Bayart
gab ihm einen solchen Schlag, da er zu Boden fiel. Die Mutter weinte
und schrie: Ach, mein Sohn Reinold ist todt, Bayart hat ihn erschlagen,
nachdem er selbst drei andre Pferde erschlagen hat. -- Heymon trat auf
Reinold zu, und schttelte ihn und sprach: Sei wohlgemuth, mein Sohn,
ich schenke Dir das Ro, wenn Du es bezwingst, denn ich gnne es keinem
lieber, als Dir. Nun, sagte Aya, wie soll er denn das Ro bezwingen, da
er todt ist? -- Schweig, Frau, antwortete Heymon, er ist mein Sohn, so
wird er gewi wieder aufstehn. -- Indem ermunterte sich Reinold wieder,
und ging mit seinem Prgel auf Bayart lo, Bayart aber nahm ihn und warf
ihn vor sich in die Krippe. Es entstand hierauf ein gewaltiger Kampf
zwischen dem jungen Ritter und dem Rosse; endlich packte Reinold Bayart
beim Halse, und schwang sich auf ihn. Dann lie er ihm die Sporen
fhlen, so da Bayart mit gewaltigen Sprngen zum Thurm hinausarbeitete,
und ber das Feld hin und ber breite Grben setzte. Dann ritt Reinold
mit dem Pferde zurck, stieg ab, streichelte es und wischte ihm den
Schwei ab, und Bayart stand und zitterte vor dem Ritter; so hatte
Reinold das Pferd bezwungen, und er legte ihm nun auch ein schnes Gebi
an, und putzte es so auf, wie man mit andern Pferden zu thun pflegt.




                            Fnftes Bild.
                       Reinolds Hndel am Hofe.


Heymon ritt nun mit seinen Shnen und den Abgesandten nach Paris, und
Knig Carl kam ihm entgegen, und freute sich ihn zu sehen, denn es war
in zwanzig Jahren das erstemal, da er ihn unbewaffnet sah. Carlmann
folgte ihm sehr ungern, denn er hatte einen Ha auf Heymon und sein
ganzes Geschlecht. Nach einem freundlichen Empfange ritten alle nach
Paris zurck. Die Ritterschaft und alle Damen bewunderten Reinolds
Schnheit und Strke, worber Carlmann sehr ergrimmt ward, weil er sich
fr den schnsten und tapfersten Ritter im Lande hielt. Er ging zu
Reinold, und sagte zu ihm: Vetter, schenket mir Euer Pferd, so will ich
Euch eine andre Gabe dagegen verehren. Reinold antwortete: Es thut mir
leid, da ich Ew. Majestt fr jetzt diese Bitte abschlagen mu, denn
ich finde sonst kein ander Pferd, das fr mich stark genug wre.
Carlmann ging zornig beiseit und sagte: Nun wohl, soll er auch, wenn ich
gekrnt bin, kein Lehn empfangen, so wie die brigen. Da Reinold dies
hrte, ging er wieder zu ihm und sagte: Ich danke Gott, da mir mein
Vater so viel gegeben hat, da ich Eurer Lehne nicht bedarf.

Als die Tafel gehalten ward, befahl Carlmann, da man den Heymons
Kindern nichts zu essen geben sollte. Alle Ritter und Edle setzten sich,
da erscholl Musik, und einem jeden ward aufgetragen, so viel nur sein
Herz begehrte; nur die Kinder Heymons erhielten nichts, und man that,
als wren sie gar nicht zugegen. Als Reinold dieses inne wurde, ging er
hinaus, stie mit einem Fu die Thr der Kche auf, und nahm von den
dastehenden Schsseln so viel als ihm beliebte. Der Koch wollte ihm die
Schsseln nicht verabfolgen lassen, aber Reinold schlug ihn sogleich,
da er zur Erden fiel. Nun hatte er mit seinen Brdern genug; und Knig
Carl, der den Vorfall hrte, sagte: er hat Recht gethan. Der Marschall
nherte sich Reinold und sagte: Junger Herr, Ihr habt gro Unrecht
gethan, den Koch zu erschlagen, wenn ich einer seiner Verwandten wre,
so wrde ich das schwer an Euch rchen. Dazu habt Ihr keinen Muth, sagte
Reinold, und der Marschall ward ber diese Antwort erzrnt, und schlug
nach Reinold; aber dieser schlug ihn mit der Faust sogleich zu Boden,
und stie den Leichnam mit dem Fu, da er weit in den Saal
hineinrollte. Knig Carl gebot Ruhe, und da die Kurzweil und die Musik
ungestrt fortwhren solle; worauf denn alle guter Dinge waren, und so
der Tag zu Ende ging.

Carlmann gebot, da man in der Nacht den Heymons Kindern kein Bette
anweisen sollte, so da sie in Ruhe schlafen knnten. Als dies Reinold
inne ward, machte er in der Nacht ein solches Getse mit seinen Waffen,
da alles im Schlosse aus den Betten fuhr, und bekmmert war und durch
einander lief. Nun legte sich Reinold mit seinen Brdern in die Betten,
die ihnen am besten gefielen, und diejenigen, die so vertrieben waren,
brachten die Nacht unter Klagen und Murren hin.

Am folgenden Tage ward Carlmann in der Kirche feierlich zum Knige von
Frankreich gekrnt. Ein schne Musik ward aufgefhrt, und der
ritterliche Bischof Turpin las die Messe, und dem jungen Knige ward ein
kostbares Schwert umgegrtet, und eine beraus kstliche Krone auf das
Haupt gesetzt.

Reinold war vom Knig Carl zum Speisemeister ernannt, Adelhart zum
Mundschenken, und sie versahen ihre Dienste sehr wohl, als der Zug zum
Pallaste zurckgekommen war; auch Ritsart und Writsart warteten beraus
geschickt bei der Tafel auf, so, da jedermann die adeligen Sitten
bewunderte. Nach der Mahlzeit versammelte Knig Carlmann alle Edlen im
Garten, und theilte die Lehen aus, aber den Heymons Kindern gab er
nichts, worber Heymon ergrimmt zu Knig Carl lief, und ihm diesen
Vorfall kund that. Carl schalt in Gedanken die Unart seines Sohnes, und
gab allen drei Brdern sehr ansehnliche Grafschaften zur Lehen, worber
Carlmann, als er es erfuhr, uerst erbot ward. Er sagte: ich will
jetzt probiren an einem Steinwurfe, ob die Edeln meines Landes auch
stark und gewaltig sind; ich vermesse mich, der strkste im Werfen im
ganzen Knigreich zu sein. -- Alle Ritter und Edle schwiegen still, und
Carlmann wiederholte die stolzen Worte noch einmal. Der alte Heymon
konnte diese Vermessenheit nicht anhren, und sagte: Ew. Majestt
sollten Gott im Stillen fr seine groe Gnade danken, wenn dem also ist,
aber ich kenne einen jungen Helden von zwanzig Jahren, der diesen Stein
wohl weiter werfen knnte, wenn er nur wollte, als Ihr es je im Stande
seid. -- Holt nur Euren Sohn Reinold! rief Carlmann ergrimmt, damit Ihr
selbst gewahr werdet, wie Ihr mit Euren prahlerischen Reden zu Schanden
werden sollt. Da ging Heymon abseits seinen Sohn Reinold aufzusuchen,
und weinte bitterlich, denn die Rede Carlmanns hatte ihn gar zu sehr
innerlich verdrossen. Reinold sah seinen Vater auf sich zu kommen, und
verwunderte sich ber die Thrnen, die diesem von den Wangen
herunterliefen. Heymon erzhlte ihm den Vorfall, und bat seinen Sohn,
den Stein doch ja weiter zu werfen, weil er sonst als ein Lgner
bestehen msse, welches ihm in seinem ganzen Leben noch nicht begegnet
sei. Reinold wandte ein, da Carlmann sein Knig sei, und da er ihn
nicht erzrnen wolle; worauf Heymon sagte: nun gut, mein Sohn, wenn Du
Deinen alten Vater umsonst hast weinen lassen, so mu ich sterben, denn
ich kann als Lgner nicht weiter leben. Darauf rief Reinold aus: Nein,
sterben sollt Ihr nicht, ich will den Stein weiter werfen, und wenn
gleich mein Gegner der Teufel wre. So folgte er seinem Vater zur
Gesellschaft.

Carlmann warf den Stein weit weg, die brigen Ritter warfen auch, aber
keiner erreichte Carlmanns Ziel. Reinold nahm ihn und warf ihn viel
weiter, als der Knig gethan hatte. Darauf nahm Carlmann seine ganze
Gewalt zusammen, und warf den Stein noch weiter als Reinold, Reinold
aber ergriff ihn wieder, und warf ihn mit groer Leichtigkeit so weit
ber das Ziel hinaus, da Carlmann den Muth verlor.

Da der junge Knig sehr erbot war, so versuchte es der falsche Ganelon,
ihn zu trsten. Er schlug ihm vor, dem Adelhart auf den Kopf zuzusagen,
da er sich ermessen habe, ihn im Schachspiel zu berwinden, er sollte
also mit ihm spielen und dabei ausmachen, da derjenige, der fnf Spiele
hinter einander gewnne, dem andern das Haupt abschlagen drfe. Dem
Knige gefiel dieser falsche Rath, und er lie Adelhart kommen; dieser
weigerte sich lange, um einen so hohen Preis zu spielen, aber Carlmann
zwang ihn dazu, und Ganelon bezeugte, da er sich vermessen habe, den
Knig im Schachspiel zu besiegen. Carlmann gewann drei Spiele
hintereinander, und Adelhart war seines Lebens wegen sehr besorgt. Aber
er nahm allen seinen Verstand zusammen und gewann das folgende Spiel und
eben so noch vier andre, womit er eigentlich das Haupt des jungen Knigs
gewonnen hatte. Er neigte sich gegen Carlmann, und sagte: Ich begehre
nicht den Vertrag zu erfllen, aber hte sich Ew. Majestt vor
Demjenigen, der Euch diesen Rath gegeben hat, denn er meint es wahrlich
nicht gut mit Euch. Carlmann aber ergriff das silberne Spielbrett, und
schlug damit Adelhart ins Angesicht, da er blutete. Adelhart ging
traurig fort in den Stall, lehnte seinen Kopf an Bayart und weinte; dort
traf ihn Reinold und fragte ihn, was ihm fehle; er wollte es anfangs
verschweigen, weil er den Grimm seines Bruders frchtete, da ihn aber
Reinold selber zu ermorden drohte, wenn er ihm die Wahrheit nicht
gestnde, so erzhlte er ihm aus Furcht den ganzen Verlauf des
gefhrlichen Spiels. Da ward Reinold sehr zornig, und sagte: Wie? darf
man einem Bruder von mir so begegnen? Kann ich es leiden, da ich so das
brderliche theure Blut zu Boden flieen sehe? Du hast sein Haupt
gewonnen, und ich will es Dir bringen.

Er lie hierauf Bayart nebst den andern Pferden heimlich aus der Stadt
schaffen, dann ging er in Carlmanns Zimmer, bei dem sich Carl und viele
Edle befanden; mit grimmigem Gesicht packte er den jungen Knig bei den
Haaren und schlug ihm sein Haupt mit dem Schwerte ab; worauf er es
seinem Bruder Adelhart gab und sagte: Hier hast Du Deinen Gewinnst!

Dann verlieen die Brder mit ihrem Vater die Stadt Paris.




                            Sechstes Bild.
                    Die Brder in der Verbannung.


Knig Carl war von Schmerz und Erstaunen ganz bewutlos, er versammelte
schnell seine Ritter, und eilte den Flchtigen nach. Vor dem Thore
begann ein hitziges Gefecht. Heymon hielt sich mit seinen Shnen sehr
tapfer, doch wurden allen die Pferde unter dem Leibe umgebracht. Da
sprangen die drei Brder hinter Reinold auf sein Pferd Bayart, das sie
alle viere so schnell davon trug, da keiner sie ereilen konnte. Aber
Heymon blieb zurck, und stritt noch lange zu Fu, und gebrauchte sich
ungemein tapfer. Aber endlich konnte er der Macht nicht lnger
widerstehn, und gab sich ritterlich gefangen in die Hnde des Bischofs
Turpin, weil er dem Knige Carl nicht allerdings traute und eine schwere
Rache von ihm besorgte.

Als Carl daher den Gefangenen wollte hngen lassen, widersetzte sich
Turpin und die brige Ritterschaft, so da Heymon nur schwren mute,
seine Shne in die Gefangenschaft zu berliefern, so bald als es ihm
mglich wre.

Reinold kam mit seinen Brdern auf seinem Schlosse an, sie nahmen
zrtlichen Abschied von ihrer Mutter, und beluden sich mit vielen
Kostbarkeiten und so entflohen sie nach Spanien; ihr Vater war ein
Freund des Knigs, und hatte ihm lange gedient, sie hofften daher dort
eine gute Aufnahme zu finden.

Der Knig sah sie in der Ferne kommen, und erkannte sie sogleich an
ihrem Familienwappen; er wunderte sich darber, da ihrer viere auf
einem Pferde ritten, und beschlo, sie sogleich in seine Dienste zu
nehmen, weil er sich erinnerte, wie treu und tapfer ihm ihr Vater Heymon
ehemals gedient hatte. Er nahm sie daher sehr gndig auf, versprach
ihnen Sold und Unterhalt; sie freueten sich, und gaben ihm dafr ihren
Schatz in Verwahrung, den sie mit sich gebracht hatten.

So lange sie am Hofe etwas Neues waren, wurden sie gut gehalten, aber
bald wurde man ihrer und ihres treuen Dienstes berdrssig, dazu warf
man ihnen auch immer vor, da sie ihren Vetter Carlmann erschlagen
htten, und deshalb Landes flchtig wren.

Reinold war im Herzen ergrimmt, da man ihrer mit jedem Tage weniger
achtete; nach drei Jahren gab man ihnen gar keinen Sold, noch Kleider,
noch Unterhalt. Reinold schickte einen Knappen Wendelin an den Knig,
und lie sich wenigstens seinen Schatz ausbitten, um weiter ziehen zu
knnen; aber der Knig lie den Abgesandten mit Schlgen zum Pallast
hinauswerfen, und Reinold bekam diese ble Botschaft. Er lie daher sein
Ro Bayart satteln, und vor die Stadt fhren, nahm seinen Bruder
Adelhart mit sich, und ging so in den Pallast des Knigs.

Der Knig sa gerade bei der Tafel, Reinold verbeugte sich demthig, und
begehrte in hflichen Ausdrcken seinen Schatz, um sein Glck in einer
andern Gegend versuchen zu knnen, aber der Knig schwieg
tckischerweise still, und gab keine Antwort. Reinold wiederholte sein
Gesuch in denselben Ausdrcken, aber der Knig schlug die Augen nieder,
und that, als vernhme er kein Wort. Hierauf zog Reinold sein Schwert
und sagte: Ich sehe wohl, da bei Ew. Majestt keine Gte hilft, ich mu
daher mit Ew. Majestt auf eine andere Weise sprechen, ich will Euch das
Haupt abschlagen, wie ich meinem Vetter Carlmann gethan habe, und
solches als einen Schatz mit mir nehmen. Da der Knig das Schwert sah,
fing er an um Gnade zu bitten, aber es war zu spt, Reinold schlug ihm
das Haupt ab, und gab es seinem Bruder Adelhart, es an den Sattel zu
hngen, und es als einen Schatz mitzunehmen.

Es entstand ein groer Aufruhr in der Stadt und Reinold hatte genug zu
thun, um sich und seine Brder zu schtzen. Von ihrem Rosse Bayart
schlugen sie manchen Mann zu todt, und verwundeten manchen, aber sie
alle wurden ebenfalls verwundet. Doch hielten sie sich so tapfer, da
sie endlich davon kamen, und nun berlegten sie, was sie zu thun htten.
Der Entschlu fiel endlich dahin aus, da sie nach Tarragon zum Knige
Ivo gehen wollten; der ein abgesagter Feind des Knigs in Spanien war;
ihm wollten sie das abgeschlagene Haupt prsentiren, und er wrde sie
denn wahrscheinlich gtig und freundschaftlich aufnehmen.

Da sie nun in Sicherheit, und schon auf seinem Gebiete waren, da stiegen
sie vom Pferde, und verbanden einer dem andern die Wunden. Dann legten
sie sich nieder und schliefen, weil alle nach so hartem Drangsal der
Ruhe sehr benthigt waren.




                           Siebentes Bild.
                        Reinold vermlt sich.


Als die Brder ausgeschlafen hatten, gingen sie an den Hof des Knigs
Ivo, und Reinold trug auf seinem Speere das Haupt des Knigs mit der
Krone. Der Knig Ivo verwunderte sich ber die Maaen, als er diese
Herren alle auf einem Pferde ankommen sah, er rief seine Rthe an's
Fenster, und alle erstaunten gleich sehr ber diesen Anblick.

Reinold und seine Brder warfen sich vor dem Knige nieder, und gaben
sich zu erkennen, dann verehrten sie ihm das Haupt seines Feindes,
welches er mit groer Freude annahm. Es wurde ihnen ein kstliches Mahl
zubereitet, hernach gab man ihnen schne Kleider und wies ihnen ihre
Wohnungen an. Bald hernach fiel Ivo mit seinem Heere in Spanien ein, und
Reinold und seine Brder begleiteten ihn auf diesem Zuge. Das Heer war
siegreich, besonders durch die Hlfe der Heymons Kinder, und so zogen
sie endlich wieder nach Hause.

Knig Carl hatte in Erfahrung gebracht, da sich Reinold mit seinen
Brdern beim Knige Ivo aufhielte, er schickte also heimlich eine
Gesandtschaft dahin, um die Auslieferung dieser Ritter zu begehren. Ivo
wollte sich nicht gern gegen Knig Carl auflehnen, weil er dessen Macht
frchtete, aber auch nicht gern fr undankbar angesehen werden, weil er
durch die Hlfe der Heymons Kinder so siegreich gewesen war; er berief
daher seinen Rath zusammen, damit dieser entscheiden sollte, wie er sich
in einer so bedrngten Lage zu betragen habe. Die meisten der
Rathsherren waren den Heymons Kindern ihres tapfern Betragens wegen sehr
gewogen, nur einige waren ihnen entgegen, und da einer von diesen
vorschlug, da man sie ausliefern mchte, schlug ihn ein anderer von den
Rthen zu Boden, weil es ein unedler Antrag sei.

Reinold erschien nun selber in der Rathsversammlung, er lie sich vor
dem Knige auf ein Knie nieder, und begehrte von ihm die hohe einsame
Steinklippe im Meere, um sich dort eine Wohnung zu bauen, und sicher zu
seyn. Knig Ivo bedachte sich eine Weile, und sein Rath untersttzte
Reinold's Gesuch, aber einer war dagegen, und bestand darauf, da man
die Brder zum Besten des Landes ausliefern solle, aber ein anderer
redlicher Rath schlug ihn ebenfalls zu Boden. Knig Ivo sagte endlich:
Lieben Herren, lasset mir das, ich will dem tapfern Reinold die
Steinklippe geben, wenn er mir verspricht mein ehrlicher Vasall zu sein,
und mich in Kriegen und Ueberfllen zu beschirmen, dazu will ich ihm
gleichfalls meine Tochter Clarissa zum ehelichen Gemal geben, wenn er
mir solches verspricht. Reinold versprach es, und die Hochzeit ward in
Kurzem auf das prchtigste gefeiert.




                             Achtes Bild.
                   Die feste Steinklippe Montalban.


Bald nach der Hochzeit versammelte Reinold eine Menge von Maurern und
Zimmerleuten, und grndete so eine Festung, die bald aufgebaut war und
die er Montalban nannte. Knig Ivo kam und besah die Festung, er
verwunderte sich ber den Bau und ber die Unberwindlichkeit der
Steinklippe, denn sie lag im Meer, und der steile Fels war schwer zu
erklettern. Da oben hauste nun Reinold mit seinem Gemal und seinen
Brdern, und er hatte viele Unterthanen und auch ein ansehnliches Stck
Land vom Knige bekommen. Knig Carl wollte eine Reise nach St. Jago
machen, da fuhr er an dieser Klippe vorber, und verwunderte sich ber
ihre Festigkeit. Da er hrte, da das Schlo Montalban heie und Reinold
angehre, ward er ergrimmt, und lie es durch Roland auffordern, und da
sich Reinold mit seinen Brdern auf Gnade und Ungnade ergeben sollte.
Reinold aber verlie sich auf die Festigkeit seines Schlosses, und lie
zurcksagen, da er sich nichts um Knig Carl kmmere, und da er ihn
belagern mchte, wenn er wollte. Das verdro Carln inniglich; er war
daher kaum von seiner Wallfahrt zurckgekommen, als er eine Menge Volks
versammelte, und damit Reinold in seinem Castell belagerte; aber es war
zu fest, und er mute unverrichteter Sache wieder abziehn.




                            Neuntes Bild.
              Reinolds Brder kommen in Gefangenschaft.


Als eines Tages Reinold mit seinen Brdern zu Tische sa, ward er
pltzlich traurig und lie den Kopf sinken, so da sich alle ber ihn
wunderten. Adelhart fragte ihn, was ihm fehle, und Reinold antwortete:
Lieben Brder, ich mu mich gar sehr ber Euch wundern, da keiner von
Euch an unsre vielgeliebte Mutter denkt. Ich habe sie nun in sieben
Jahren nicht gesehn, und wei nicht, wie es ihr geht, wie sie aussieht,
ob sie in der Zeit nicht schon zum ftern krank gewesen ist. Sie denkt
vielleicht oft an uns, und ich mu Euch sagen, ich habe keine Ruhe, bis
ich gen Pirlapont gereiset bin, und sie wieder mit Augen gesehn habe.

Die Brder erschraken, und suchten ihm diesen Vorsatz auszureden, weil
eine solche Reise thricht und gefhrlich wre: denn Aya und Heymon
hatten schwren mssen, die Kinder gefnglich auszuliefern, wenn sie sie
je in die Hnde bekmen.

Was ist das Leben, rief Reinold, wenn wir unsre liebsten Wnsche nicht
erfllen sollen? Und ich sage Euch, da ich doch sterbe, wenn ich meine
Mutter nicht zu sehn bekomme, ich mag nun hinziehn, oder nicht.

Da wurden die Brder traurig, weil sie sahen, da er seinen Sinn fest
darauf gesetzt hatte, und da kein Ausreden etwas fruchten wrde. Sie
gingen daher fort, und im nchsten Walde begegneten ihnen vier
Pilgrimme, in der Pilgerkleidung und mit Palmzweigen in den Hnden. Mit
diesen verwechselten die Ritter die Kleider und kamen so an die Thore
von Pirlapont. Aber die Thore waren verschlossen, und als sie deshalb
anklopften, fragte der Thorhter von den Zinnen der Burg, wer da sei?
Wir sind vier Pilgrimme, antwortete Reinold, wir sind viele merkwrdige
Stdte durchwandert, und kommen nun hieher, und haben groen Hunger und
Durst; bitten deshalb, Ihr wollet uns einlassen.

Hier ist viel Jammer im Hause, antwortete der Thorhter, weil wir
gestern die Zeitung bekommen haben, da die vier Shne Heymons in
gefnglicher Haft von Knig Carl gekommen sind.

Ich bitte Euch um dieser vier Herren willen, antwortete Reinold, da Ihr
uns einlassen wollet.

Der Thorhter sprach: Wenn Ihr nicht einen so langen Bart trget, mchte
ich Euch fast selber fr den stolzen Reinold ansehn; und somit stieg er
hinunter und ffnete ihnen das Thor.

Sie gingen zu ihrer Mutter als Pilgrimme, und baten um eine Mahlzeit,
weil sie eine weite Reise gemacht htten. Sie saen nun zu Tische, und
Reinold betrachtete seine Mutter sehr genau, endlich bat er sie, ihm
auch einen Trunk Wein zu geben, weil er lange keinen guten Wein
getrunken habe. Die Mutter holte ihm selber eine Kanne mit Wein aus dem
Keller, und schenkte ihm ein. Reinolds Herz ward frhlich, da er seine
Mutter selber ihm einschenken sah, und trank ber die Maaen, so da er
ordentlicher weise betrunken ward. Er taumelte umher und begehrte einen
Becher nach dem andern, so da sich Frau Aya ber den lustigen Pilgrim
verwundern mute. Er lie sich immer noch mehr Wein einschenken, so da
sich wohl ihrer vier davon htten satt trinken mgen, dann taumelte er
umher, und sagte zu seiner Mutter: Nun gebt mir noch einen Becher und
ich will meinem Vetter Carl nichts achten. Adelhart erschrak, als er
diese Worte hrte, er wollte seinen Bruder anstoen, um ihn zu warnen,
aber Reinold, der trunken war, fiel gleich der Lnge nach in den Saal
hin. Die Mutter warf sich auf ihn nieder, und umhalsete ihn, und wollte
vor Freuden gar nicht wieder von ihm lassen, so da sie Adelhart endlich
vom Boden aufheben mute; dann umarmte sie auch die brigen Shne.

Es war aber einer im Saal zugegen, der dem Knige Carl sehr gnstig war,
er ging daher zu Frau Aya und sagte: Gedenket Eures Eides, und liefert
nun Eure Kinder Eurem Bruder aus, der auf Euch ergrimmt ist; wo es aber
nicht geschieht, will ich selbst nach Hofe reiten, und anzeigen, da sie
sich hier befinden. -- Als Aya diese Worte hrte, fing sie bitterlich an
zu weinen, und klagte: O du arger und gottloser Verrther, hast Du so
lange mein Brodt gegessen, und darfst nun dergleichen Reden gegen mich
fhren? Und wenn mein Bruder auch noch viel ergrimmter wre, so will ich
ihm dennoch meine Kinder nicht ausliefern.

Der Verrther lief hierauf zum Grafen Heymon, und gebrauchte gegen ihn
dieselben Worte, aber Heymon erwischte von ungefhr einen tchtigen
Prgel, und schlug damit den Verrther zu Boden, und sagte: Nun darf ich
doch versichert seyn, da Du es nicht bei Hofe anzeigen wirst. Dann ging
Graf Heymon zu seinen Edlen und versammelte sie und viel Volks, da sie
ihm seine Kinder sollten fangen helfen, damit er sie seinem Eide gem
ausliefern knne.

Die Brder sahen die Macht auf sich zukommen, und waren in groen
Aengsten, sie wuten sich nicht zu rathen, aber endlich trugen sie den
trunknen und schlafenden Reinold in ein Gemach, wo sie ihn verschlossen,
dann nahmen sie ihre Waffen zur Hand, und widersetzten sich dem Volke
des Grafen, das eindrang, um sie gefangen zu nehmen. Der Streit dauerte
lnger als einen Tag, denn die Brder gebrauchten sich sehr tapfer, und
schlugen viel Volks darnieder.

Reinold erwachte nun wieder und war nchtern, er sah die Bedrngni
seiner Brder, und eilte sogleich hinzu, um ihnen beizustehn. Er sprang
sogleich in das Volk hinein, wo es am dicksten stand, und vor seinem
guten Schwerte strzte alles nieder und entfloh; worauf Heymon sagte:
Ich sehe wohl, da meine Kinder diesmal werden ungefangen bleiben, denn
Reinold hlt sich besser, als alle zusammen. Reinold kam in Wuth und
drang auf seinen Vater ein, um ihn niederzuhauen; als Adelhart das
gewahr ward, eilte er auf ihn zu und hielt ihn zurck. La mich nur,
rief Reinold aus, ich will ihn lehren seine Kinder fangen. -- Aber
Adelhart sagte: Bedenke, Bruder, da man dann bis in die sptesten
Zeiten von uns, als von Bsewichtern sprechen wird, da kein edles
Gemth mit uns wird Gemeinschaft pflegen wollen; nein, es ist
schndlich, lieber Bruder, und gegen die Religion, warum willst Du den
Vater tdten? Es ist ja sonst noch Volks genug da, das Du umbringen
kannst.

Reinold sah die Worte seines Bruders ein, und lie von seinem Vorhaben
ab, aber er wthete desto rger gegen die Uebrigen, so da alles umkam
oder flohe, und sich ihm sein Vater gefangen geben mute. Reinold nahm
nunmehr seinen Vater und band ihn rcklings auf sein Pferd, dann gab er
den Zgel einem Knaben in die Hand, der es so an den Hof des Knigs Carl
fhren mute. Der Thorhter am kniglichen Pallaste verwunderte sich
sehr, als er den Grafen so ankommen sah; er fragte erstaunt: Wer ist so
khn, Herr Graf, da er es wagen darf, Euch als ein Prsent an den Hof
zu schicken? Ach, das haben mir meine Kinder gethan, antwortete Heymon,
darum, da ich sie habe fangen wollen.

Knig Carl ward ungemein betrbt, als er diese Nachricht empfing, er
brachte schnell eine Macht zusammen, um die Brder zu belagern und sie
in seine Gewalt zu bekommen.

Reinold sah, wie sich die Schaaren versammelten, und ward in seinem
Gemthe sehr betrbt. Er stand auf der Zinne der Burg und sah wie das
feindliche Heer seine Gezelte aufschlug, um ihn und seine Brder zu
belagern. Er ging zu seiner Mutter und fragte sie, ob sie keinen Rath
wte, denn nun wre an kein Entrinnen mehr zu denken, er mte sich dem
Knig gefangen geben. Frau Aya weinte, da sie ihren tapfern Sohn so
reden hrte, er war der jngste und ihr der liebste, und sie gedachte,
da er noch am ersten seine Brder retten knne, wenn sie ihm zur Flucht
behlflich wre. Sie lie ihn daher sein Pilgerkleid wieder anziehn,
dann schaffte sie ihn heimlich zu einer verborgenen Thr hinaus, und so
entkam Reinold.

Die brigen Brder aber waren in der grten Betrbni, denn sie
frchteten sich sehr vor Knig Carl, besonders da sie jetzt ihren Bruder
Reinold nicht mehr bei sich hatten. Die Mutter schlug ihnen vor,
barfig und in wollenen Hemden in das Lager des Knigs zu gehn, und
fufllig um Verzeihung zu bitten; sie folgten ihrem Rathe, und stellten
sich vor dem Knig Carl, ihren Feind. Carl war sehr ergrimmt, und fragte
gleich nach Reinold; sie sagten da er entwischt sei, worber der Knig
noch mehr aufgebracht wurde, und schwur, sie alle hngen zu lassen, wenn
der Reinold erst zur Gesellschaft hinzugekommen wre.

Reinold war indessen auf Montalban angelangt, und voller schwermthigen
Gedanken. Er warf sich vor, da er an der Reise seiner Brder Schuld
sei, und sie jetzt feigherzigerweise verlassen habe. Er bestieg sein Ro
Bayart und beschlo sie zu erretten. So ritt er mit diesem Gedanken bis
vor die Stadt Paris, wo er im Wald stille hielt, und bemerkte, da ihm
ein Jngling nachgekommen sei, der in seinen Diensten war. Bist Du
nachgekommen, mich zu verrathen? rief Reinold. Wie sollt ich, antwortete
der Jngling, zu einer so schndlichen Absicht einen so weiten Weg
zurckgelegt haben? Nein, ich bin Euer Diener und Ihr knnt meiner
vielleicht gebrauchen.

Gut, sagte Reinold, so sollst Du ein Abgesandter von mir an Knig Carl
sein, doch sieh Dich ja gut vor, da Du Dir einen guten Brgen setzen
lssest, denn Du sollst ihm harte Worte berbringen. Sage ihm von
meinetwegen, da ich es wei, da meine Brder in seiner Haft sind, aber
er solle sich wohl vorsehen, ihnen einiges Leid zuzufgen. Wir sind alle
erbtig Sr. Majestt treu und ehrlich zu dienen, auch in wollenen Hemden
und barfig demthigst um Verzeihung zu bitten, aber er soll sie
freilassen, und uns in seine Dienste nehmen. Will er sie aber nicht los
und ledig geben, so sag ihm nur, wollt' ich meine ganze Macht daran
strecken, und nicht eher ruhen und rasten, bis ich ihm so, wie dem
Knige Carlmann gethan htte.

Der Jngling wollte gehn, aber Reinold rief ihn zurck. Nein, sagte er,
Gott bewahre meinen Arm, da ich Seine Majestt, meinen Knig und Vetter
umbringen sollte; das sei fern von mir, denn es wre ein grausames und
unmenschliches Beginnen. Aber sage mir meine Botschaft gut und
verstndig, da er meine Brder soll freigeben und da wir ihm treu
dienen wollen, aber er mu uns vergeben; will er aber meine Brder
hngen lassen, so will ich meine ganze Macht daran strecken und es soll
ihm dann nimmermehr gut gehn.

Der Bote verfgte sich nun in die Stadt, und ging an den Hof zu Knig
Carl, wo er seinen Auftrag ausrichtete. Er lie sich aber vorher den
Knig Carl selber zum Brgen setzen, da er frei zurckknne, und es war
gut, da er es gethan hatte, denn Knig Carl wurde ungemein ergrimmt
ber Reinold und seinen Abgesandten, so da er ihn gewi wrde habe
hngen lassen, wenn er ihm nicht so sichere Brgschaft zugesagt htte.

Reinold wartete im Walde auf seinen Boten, er war vom Pferde gestiegen
und ging unter den Bumen auf und ab, sein Pferd hatte er an einen Stamm
gebunden. Indem er so wartete und ber das Schicksal seiner Brder
nachdachte, berfiel ihn eine Schlfrigkeit. Er legte sich nieder, und
ehe er es noch bemerkte, war er unter dem Rauschen der alten Bume fest
eingeschlafen. Indem bekam Bayart ein Gelste nach dem frischen Grase,
weil er hungrig war, er schttelte sich also so lange, bis er vom Baume
los war, dann ging er nach seiner Lust auf der Weide, weil er seinen
Herrn schlafen sah. Dreiig Bauerknechte waren von ohngefhr im Walde,
wo sie Holz fllten, diese wurden das Ro Bayart gewahr und erkannten es
sogleich, da es Reinolds Pferd sei. Sie machten den Plan, das Ro zu
fangen, und umgaben es mit Bumen und Zweigen von allen Seiten, so da
es nicht davon kommen konnte. Dann banden sie es und fhrten es nach
Paris. Carl war erfreut, da er das Ro erobert hatte, er schenkte es
sogleich dem Grafen Roland, der sich im Herzen heimlich darber
betrbte, da man es seinem Vetter Reinold entwendet hatte.

Reinold erwachte und sah, da sein treues Ro fort war, er suchte es
lange im Walde und war beraus bekmmert. Als er es aber nicht
wiederfand, ward sein Jammer gro, er zog den Harnisch aus und warf ihn
in's Gebsch, eben so sein Schwert und seinen Schild. Wohl bin ich nun
wie ein Thor bestraft, rief er aus, ich Unglckseliger! der ich dem
Knige Carl so groe Worte sagen lasse, und nun nichts davon in's Werk
richten kann. Was fr Macht soll ich nun daran strecken, um sie zu
befreien? Bayart ist mir gestohlen, und ich mchte hier im wilden Walde
lieber gleich umkommen, denn meine Brder sind verloren, und ich kann
gar nichts thun um sie zu erretten.

Solche Klagen trieb Reinold und warf sich dann auf den Boden und machte
die wunderlichen Geberden eines Menschen, der in Verzweiflung ist.




                            Zehntes Bild.
                        Die Kunst des Malegys.


Indem trat ein alter Pilgrimm aus dem Gebsche und ging auf Reinold zu.
Er hatte weie Haare und einen langen Bart, seine Augenbraunen hingen
ihm ber das Gesicht, so da er durch die Haare sehen mute, und man von
ihm glauben konnte, da er wohl an zwei hundert Jahr alt sei. Er ging an
einem Pilgrimmsstabe und hinkte langsam daran einher. Reinold
verwunderte sich ber die alte Gestalt, die auf ihn zukam.

Der Alte sagte: ei, junger Herr, worber trauert Ihr denn so sehr? Ich
bin weit und breit die Lnder durchzogen, aber nirgends, das mag ich
sagen, habe ich eine Person angetroffen, die so traurig gewesen wre,
als Ihr es zu sein scheint. -- Ich habe auch die grte Ursache zur
Traurigkeit, antwortete Reinold, denn meine Brder sind verloren, und
ich kann ihnen nunmehro auch nicht helfen, weil man mir mein Ro Bayart
gestohlen hat. Ich hatte mir groe Thaten vorgesetzt, und wollte sie
befreien, aber Gott hat es anders gelenkt, darum will ich auch nicht
lnger widerstreben, sondern mich fr berwunden erkennen und mein
ganzes Leben aufgeben, denn ich fhle eine groe Lust in mir zu sterben.
-- Das mu nie sein, antwortete der alte Pilgrimm, richtet Euch wieder
auf, die Hlfe ist oft am nchsten, wenn man sie am wenigsten vermuthet,
und verehret mir ein Almosen, damit ich fr Euch und Eure Brder beten
knne.

Reinold bedachte sich, weil er kein Geld bei sich hatte, da fielen ihm
seine goldenen Sporen ein, die ihm jetzt gar nichts mehr ntze sein
konnten, da er Bayart verloren hatte. Er band sie also los und gab sie
dem Pilgrimm, der sie sogleich in einen Sack steckte. Wenn Ihr mir noch
etwas zu geben habt, sagte der alte Pilgrimm, so gebt es mir, und ich
will in meinem Gebete Eurer dafr gedenken. -- Wenn ich mich nicht
schmte, fuhr Reinold auf, so wollte ich Dich das Bettlerhandwerk
lehren, da Du daran gedenken solltest. Er meinte nemlich, ihm mit dem
Schwerte eins zu versetzen, wenn der Pilgrimm nicht zu alt und hinfllig
gewesen wre.

Warum werdet Ihr bse? fuhr der Alte fort, der guten Gaben kann man
niemalen zu viele sammeln, und im Alter kommen sie einem gut zu statten;
darum, wenn Ihr noch etwas zu geben habt, so gnnt es mir lieber, als
einem andern.

Reinold zog hierauf sein kostbares Unterkleid aus, und sagte: siehe, ich
gebe Dir das, davon magst Du eine lange Zeit leben. Der Pilgrimm nahm
das Kleid und steckte es in den Sack und sagte: Ich danke Euch, Herr
Ritter, wenn Ihr noch etwas zu geben habt, so gebt es mir, ich will
Eurer Brder dafr in meinem Gebete gedenken. Da ward Reinold zornig,
und zog sein Schwert und hieb nach dem Pilgrimm; der aber sprang zurck
und verwandelte sich in einen schnen Jngling von zwanzig Jahren, aber
gleich darauf war er wieder der Alte. Reinold erstaunte, und holte noch
einmal mit dem Schwerte aus, der Pilgrimm sprang aber wieder zurck und
stand als ein schner Jngling da. Darauf wurde Reinold verwirrt und
sagte: Jetzt ist mein Unglck auf das Hchste gestiegen, meine Brder
sind todt, dazu ist mein Ro Bayart gestohlen, mich selber wird man
aufhngen, und der Teufel kmmt nun gar noch und fngt an mich zu
vexiren: das kann und soll nicht so sein! Er strzte mit Wuth auf den
Jngling zu, um ihn niederzuhauen, der aber frchtete sich und rief:
Seht Euch vor, was Ihr thut, denn ich bin Euer Vetter Malegys!

Kaum hatte Reinold diese Worte vernommen, so fiel er auf seine Kniee
nieder und bat um Verzeihung und Beistand. Malegys nahm ihn nun in die
Arme, trstete ihn mit krftigen Worten und versprach ihm, ihm sein Ro
Bayart wieder zu verschaffen. Reinold wurde wieder froh und so machten
sich beide Ritter auf den Weg nach Paris.

Malegys verwandelte den Reinold in einen ganz alten und schwachen
Pilger, und so machte er sich auch selber wieder zu einem alten Mann. So
kamen sie in die Stadt und setzten sich auf die groe Brcke nieder, und
die Vorbeigehenden gaben ihnen Allmosen, denn sie sahen gar zu
erbrmlich aus, besonders Reinold, der fr einen Todtkranken in einer
Ecke der Brcke lag. Es war grade an demselben Tage, an welchem Roland
sein geschenktes Pferd probiren wollte und es lief viel Volks zusammen,
und viele Ritter und Damen, um den Kurzweil mit anzusehn. Reinold hatte
sich seine Sporen wieder anlegen mssen, ohne da man sie sehn konnte,
um desto besser gerstet zu sein.

Es kam nun Knig Carl ber die Brcke mit dem Grafen Roland, und Bayart
ward hintennach gefhrt. Der Knig sah die Pilgrimme, gab dem Malegys
ein Allmosen und lie sich mit ihm in eine Unterredung ein. Malegys
erzhlte viel von den Lndern, durch die er gereiset war, eben so auch
von der seltsamen Krankheit seines Gefhrten; indem so kam Bayart nher,
weil er seinen Herrn witterte, und schnupperte den Reinold freundlich
an. Da Malegys das sah, schlug er das Ro mit seinem Stabe zurck,
gleichsam als wenn sich sein Gefhrte davor frchtete. Darauf sagte er
zum Knige, da ihm ein weiser Einsiedler gesagt htte, sein Geselle
wrde sogleich gesund werden, wenn er nur einmal so glcklich sein
knnte, auf dem Rosse Bayart zu reiten. Der Knig antwortete: welch ein
glcklicher Zufall, denn das ist eben das Ro Bayart, welches wir mit
uns fhren, und seht, das unverstndige Thier schnuppert immer nach
Eurem Gesellen hin, das mu frwahr ein wunderbarer Mann sein.

Darauf befahl er, da Graf Roland den kranken Pilgrimm nehmen und auf
das Pferd setzen mchte; es geschah, aber der Pilgrimm fiel sogleich
wieder ab. Roland setzte ihn zum zweitenmal hinauf, und der Pilgrimm
fiel von der andern Seite wieder ab, endlich als Reinold zum drittenmale
in den Sattel gesetzt ward, blieb er aufrecht sitzen und das Ro sprte
nun seinen Herrn wieder und bumte sich, und wollte von dannen laufen.
Da gab ihm Reinold noch die Sporen und lie ihm den Zgel schieen, und
das Ro sprang gar behende davon und kam den Rittern bald aus den Augen.
Malegys erhob ber seinen Gefhrten ein groes Klagegeschrei, der gewi
den Hals brechen wrde, und Turpin der Bischof, Roland, Olivier und
Ogier ritten dem entflohenen Pferde nach.

Im Walde hielt Reinold still, weil er diese Herren nachkommen sah, und
gab sich ihnen zu erkennen, denn er wute, da sie es alle gut mit ihm
meinten. Sie versprachen ihm auch, bei dem Knige fr seine Brder zu
bitten, und ritten so zur Stadt zurck. Zum Knige sagten sie, sie
htten das Ro nicht ereilen knnen, worber Malegys ein noch lauteres
Klagegeschrei erhob; der Knig bedauerte ihn und gab ihm eine Verehrung.
Dann entfernte sich der listige Zauberer, als wenn er zum Besten seines
verlornen Gefhrten eine heilige Wallfahrt vornehmen wollte.




                            Eilftes Bild.
           Malegys errettet die Brder aus dem Gefngnisse.


Knig Carl lie nunmehr seinen Rath versammeln, um ber die drei
gefangenen Brder ein Urtheil zu sprechen. Er lie sie in den Saal
bringen und ihnen wie Missethtern die Hnde auf den Rcken binden.
Darwider setzte sich Bischof Turpin und behauptete, da sich das nicht
gezieme, weil diese Herren von frstlichem Geblte seien. Carl aber that
einen Schwur, da er sie wollte henken lassen, weil sie seinen Sohn
Carlmann umgebracht htten. Turpin versetzte dagegen, da er es
nimmermehr zugeben wrde, und da gewi der grte Theil der
Ritterschaft seiner Meinung wre, weil die meisten mit den Gefangenen
verwandt wren. Darber wurde Knig Carl zornig und schlug nach Bischof
Turpin, der Bischof aber ergriff den Knig beim Halse und htte ihn
beinahe erwrgt, wenn nicht Roland und andre Genossen hinzugesprungen
wren und die Einigkeit wieder hergestellt htten. Es wurde endlich
beschlossen, da die Gefangenen noch auf einige Zeit verwahrt gehalten
werden sollten, worauf man sich denn nachher noch einmal bedenken
wollte.

So entgingen die Brder noch dem Tode, denn dieser Tag war fr sie ein
gefhrlicher Tag gewesen, und sie hatten ihr Leben schon fr verloren
geachtet.

In der Nacht machte sich Malegys auf und ging nach dem Gefngnisse. Vor
seiner Kunst sprangen sogleich alle Thren auf, auch fielen den
Gefangenen die Ketten von den Hnden. Er gab sich ihnen zu erkennen und
fhrte sie bis an die Brcke vor Paris, dann sagte er: ich mu nun noch
zum Knig Carl gehn, denn ich habe vergessen ihn um Erlaubni zu fragen.
Ritsart antwortete: Ach, Vetter, diese Erlaubni wird er Euch nimmermehr
geben, denn er hat seine Freude daran, da er uns will henken lassen.

Aber Malegys ging vor das Bett des Knigs Carl, der noch im tiefsten
Schlafe lag, und fragte ihn, ob er ihm erlauben wolle die Brder aus dem
Gefngnisse zu fhren. Carl antwortete: Fhre sie, wohin Du Lust hast,
denn mich kmmert es nicht; es wute nmlich der Knig nicht, was er
redete oder sagte. Somit nahm Malegys zugleich auch das Schwert und die
Krone Carls, so da dieser es sah, dann verlie er ihn und eilte mit den
erretteten Brdern nach Montalban.

Knig Carl war sehr ergrimmt, als er am Morgen seine Krone, sein Schwert
und seine Gefangenen vermite.




                            Zwlftes Bild.
                     Ein Wettrennen mit Pferden.


Knig Carl bekam Lust, das beste Pferd in seinem ganzen Lande kennen zu
lernen, um es fr Roland zu kaufen, damit dieser sich dann desto
zuverlssiger dem Reinold widersetzen knne, denn durch Ro Bayart war
Reinold selbst dem mchtigen Roland berlegen. Der Knig setzte also die
neue Krone, die er sich hatte machen lassen, zum Preise aus, fr
denjenigen, der mit seinem Pferde zuerst das Ziel erreichen wrde, er
wollte demjenigen Ritter dann die Krone fr den vierfachen Preis
abkaufen, dazu auch das Ro; auf diesem Wege hoffte er das beste Ro zu
erhalten.

Malegys und Reinold hrten von diesem Turnier, und sie machten sich
alsbald mit den Brdern auf den Weg nach Paris. Unterwegs aber
verwandelte Malegys den Reinold in einen Jngling von vierzehn bis
funfzehn Jahren, so da ihn Niemand erkennen mochte; eben so vertrieb er
dem Rosse Bayart die schwarze Farbe und machte ihn zu einem groen und
starken Schimmel: ber welche Kunststcke Reinolds Brder sehr lachen
muten, denn sie erkannten selber ihren Bruder und das Ro Bayart nicht
wieder. So zogen sie fort und kamen in Paris an, die Brder aber blieben
auerhalb der Stadt.

Als sie in der Herberge abgestiegen waren, ging Malegys in den Stall und
band Bayart den einen Schenkel fest, so da er nicht recht gehen konnte,
dazu verwandelte er ihn auch so, da er ein ganz drres und mageres
Ansehn hatte. Der Wirth war hchlich darber verwundert, und sagte
schmhlend zu Malegys: O du bser Geselle, der du dieses gute Ro also
verdorben hast, ganz gewi bist du Malegys und dein Geselle dort der
verbannte Reinold, ich will gleich zum Knige gehn und es anzeigen. Als
Reinold diese Worte hrte, zog er sogleich sein Schwert und hieb dem
verrtherischen Wirthe das Haupt ab.

Es war nun der Tag, an dem das Turnier gehalten werden sollte. Malegys
ritt auf der andern Seite zur Stadt hinaus, und Reinold kam mit seinem
drren und hinkenden Klepper auf den Turnierplan. Alle Ritter spotteten
des Jnglings und seines Pferdes, nur ein schalkhafter Knecht war unter
ihnen, welcher sagte: wenn ich anders den Reinold je gesehen habe, so
ist es dieser Jngling, und dieses sein Ro mu Ro Bayart sein. Bayart,
der diese Worte verstand und fr seinen Herrn besorgt war, schlug von
hinten aus, so da der Knecht todt niederfiel. Die Ritter sagten: das
Ro hat Recht gethan, warum hat er es also belogen?

Der Wettlauf nahm nun seinen Anfang, und die brigen Ritter waren mit
ihren Pferden schon weit voraus; da lste Reinold dem Bayart heimlich
den gebundenen Schenkel, und von Stund an bekam das Pferd sein frisches
und gesundes Aussehn wieder, und der Knig und sein ganzes Gefolge
verwunderten sich ber die Maaen. Das Ro trieb nun ein Springens und
Laufens, wie es fast noch nie gethan hatte, so da es bald allen brigen
Pferden zuvorkam, worber sich Reinold ungemein erfreute, denn er hatte
eine groe Begierde zu der Krone. Als er endlich an das Ziel gekommen
war, nahm er die Krone von dem Orte weg, wo sie aufgestellt war, sprang
mit dem Rosse in die Seine und schwamm behende an das jenseitige Ufer.
Knig Carl war erstaunt und erschrocken, er rief dem Ritter nach, aber
Reinold hatte drben schon seinen Vetter Malegys gefunden und rief
zurck: seht, ich bin Reinold, und dieses hier ist mein Ro Bayart, kein
beres giebt's in der ganzen Welt mit Laufen und Springen, es ist daher
nur vergebene Mhe von Ew. Majestt, ein besseres aufsuchen zu wollen.

Knig Carl erschrak heftig und bat ihn zurckzukommen, er wolle ihm und
seinen Brdern vergeben und ihnen Aemter ertheilen, darneben ihm die
Krone fr den vierfachen Werth mit Gold abkaufen. Aber Reinold sagte:
Ich traue Eure Majestt nicht so viel, berdies, was wollt Ihr mit einer
Krone? Ihr seid ja ein Rotuscher geworden und drft also keine Krone
tragen. Mit diesen Worten ritt er mit der Krone fort, und keiner wagte
es, in die Seine zu springen, weil sie die Kunst des Zauberers Malegys
frchteten.

Die Brder waren sehr erfreut, als sie den Reinold mit der kostbaren
Krone ankommen sahn; aber Knig Carl war sehr betrbt, da er nun auch
seine zweite Krone verloren hatte, die er sich erst neu hatte machen
lassen.




                          Dreizehntes Bild.
                       Knig Ivo ein Verrther.


Es nahte sich jetzt das Pfingstfest, an dem Knig Carl immer seine Edle
und Frsten zu versammeln pflegte; er mute sich daher zu dieser
Feierlichkeit eine neue Krone verfertigen lassen, damit er in seinem
Schmucke und dem schicklichen Glanze erscheinen knne. Dann lud er alle
zum Feste ein, vorzglich aber den Knig Ivo von Tarragon. Als sie
erschienen waren, wurde jeglichem sein Sitz angewiesen, und eine beraus
schne Musik erklang; Knig Ivo aber a mit Knig Carl an einem
besondern Tische, so da ihm also dadurch eine groe Ehre widerfuhr.

Nachdem man die Tafel aufgehoben hatte, nahm Carl den Knig Ivo bei der
Hand, und beide gingen im Garten spazieren. Carl sagte: Mein Knig, es
wird Euch bewut sein, wie Euer Eidam meinen Sohn Carlmann erschlagen
hat, es ist mir unmglich, den Mrder in meine Gewalt zu bekommen; so
Ihr ihn mir aber ausliefern wollt mit seinen Brdern, will ich Euch eine
groe Summe Goldes dafr verehren.

Knig Ivo freute sich, als er diesen Vorschlag hrte, denn er liebte das
Gold ber die Maaen, dazu so schmeichelte ihm das Vertrauen und die
Freundschaft Knig Carls, auch hatte er nun schon die treuen und
redlichen Dienste der Heymons Kinder vergessen, so da er dieserwegen
den Handel einging, und die vier Brder ohne Wehr und Waffen nach
Falkalon zu liefern versprach. Hierauf umarmten sich beide Knige von
Herzen, und Ivo zog sogleich nach Montalban, Carl aber schickte viel
Volks nach Falkalon, um die Brder gefangen zu nehmen, und sie sich todt
oder lebendig berliefern zu lassen, damit die verdrlichen Hndel ein
Ende gewinnen mchten.

Reinold war mit seinen Brdern auf die Jagd gezogen, und er ritt nun mit
ihnen nach seinem Schlosse Montalban zurck. Aber pltzlich berfiel ihn
eine groe Traurigkeit, so da er den Kopf sinken lie, und gebckt und
bekmmert auf seinem Pferde sa. Die Brder wurden besorgt und fragten
ihn, was ihm fehle, da er sich also in Gedanken verliere. Reinold
antwortete: ach, meine lieben Brder, ich kann es Euch nicht sagen, wie
es geschieht, da ich allen meinen Muth so pltzlich verliere, so da
ich sagen mchte, mir ist wie einem schwachen Greisen zu Sinne, der das
Ende seines Lebens wnscht. Der Wald hier, in dem ich so oft gejagt
habe, kmmt mir so finster und traurig vor, ich freue mich auf nichts
und frchte innerlich ein Uebel, das uns bevorsteht. -- Die Brder
sagten: Du bist mde, Reinold, denn wir haben den ganzen Tag gejagt.

Indem kamen sie aus dem Walde und Reinold gewahrte viel Volks auf den
Zinnen seiner Burg. Heiliger Gott! rief er aus, wie viel Volks seh ich
da oben? Was mgen sie wollen, und wo mag mein Gemal und mein Vetter
Malegys sein? Ein Bote kam ihnen entgegen und sagte ihnen, da Knig Ivo
auf dem Schlosse wre, worber sich Reinold sehr erfreute, denn er
gedachte nicht, da ihm sein Schwiegervater einen solchen Possen spielen
knne.

Reinold wollte den Knig Ivo kssen, aber dieser sagte: La das, mein
Sohn, ich kann das Kssen jetzt nicht vertragen, denn ich habe einen
Flu am Haupte. Reinold erkundigte sich nun nach der Ursach seines
Besuchs, und Ivo sagte ihm, da er bei Knig Carl gewesen wre, und
zwischen ihm und den vier Brdern einen Frieden geschlossen htte.
Reinold freute sich sehr, als er diese Neuigkeit erfuhr, denn er
wnschte nun endlich in Sicherheit leben zu knnen; die andern Brder
aber setzten ein Mitrauen in die Rede des Knigs. Reinold wollte mit
tausend Mann aufbrechen, um doch einigen Schutz zu haben, wenn Carl
gegen sein Wort handeln sollte, aber Ivo sagte ihm, da der Vertrag so
gemacht wre, da sie ohne alle Waffen und baarfig nach Falkalon auf
Eseln reiten sollten, dann sollten sie vor Knig Carl auf die Kniee
fallen und so wrde er ihnen dann vergeben. Darber wurde Reinold auch
nachdenklich und er antwortete: da er darber erst mit seiner
Hausfrauen Clarisse und mit seinen Brdern rathschlagen wolle; worber
Ivo erschrak, denn er frchtete, da ihm seine List nicht gelingen
werde.

Clarisse fiel ihrem Gemal Reinold um den Hals und weinte und beschwur
ihn, da er nicht wegreisen mchte, weil ihr ihr Herz irgend ein Unglck
weissage. Reinold fragte: Was sollte mir begegnen? Euer Vater hat einen
guten Frieden geschlossen, und wir werden hinfhro in aller Sicherheit
leben knnen. Ach, antwortete Clarisse, ich sehe wohl, Ihr kennt meinen
Herrn Vater noch nicht, denn ich mu Euch sagen, er ist sehr geldgeizig
und hat Euch ganz gewi an den Knig Carl verrathen. Hierauf wurde
Reinold zornig und sagte: Ihr seid eine sehr schlechte Tochter, da Ihr
also von Eurem leiblichen Vater reden drft, nein, nun will ich ihm um
so mehr vertrauen und khnlich nach Falkalon zu Knig Carl ziehn; denn
warum soll mich Ivo, mein zweiter Vater, verrathen? Hab' ich ihm doch
von jeher nichts als lauter Gutes erwiesen und treue und redliche
Dienste geleistet, das wird er nicht also geschwinde vergessen knnen,
da er mich verrathen sollte, will mich also stracks auf den Weg machen.

Clarisse wurde sehr betrbt, da sie ihren Herrn so entschlossen sah; sie
rief heimlich Ritsart zu sich und sagte: Ritsart, ich halte dafr, da
Euch allen Vieren groes Unglck begegnen wird, nimm deshalb diese vier
Schwerter, aber la meinen Herrn Reinold nichts davon merken, darunter
ist eins, Florenberg, das an Vortrefflichkeit seines Gleichen sucht.

Ritsart nahm die Schwerter und verbarg sie unter seiner Kleidung, und
nun zogen die Brder aus auf vier Eseln und barfu und in wollenen
Hemden. Es war am frhen Morgen, und Reinold fing an mit lauter Stimme
ein Lied zu singen, um sein trauriges Herz etwas zu erheitern, welches
ihm aber sein Bruder, der betrbte Adelhart, heftig verwie.

So zogen sie fort und kamen gen Falkalon. Schon in der Ferne sahen sie
viel Volks stehen, das bewaffnet war und auf sie wartete. Da wurde
Reinold betrbt und sagte: Ach, meine Brder, ich sehe nun wohl ein, da
uns mein Schwiegervater Ivo verrathen hat, denn dort sind viele
gewaffnete Leute, die auf uns warten, dazu haben wir keine Rstung und
Waffen, auch kein Pferd als unsre Esel. Indem kamen die Feinde nher,
und der Anfhrer der Schaar rennte mit seinem Speere voraus, um Reinold
nieder zu stechen, indem er rief: Ergieb Dich nun, stolzer Reinold, denn
Dein Schwiegervater hat Dich um eine groe Summe Goldes dem Knige
verkauft. Reinold lie sich schnell von seinem Esel zur Seiten ab, aber
der Speer traf ihn doch, so da er fr todt auf der Erden lag. Darber
wurden die Brder sehr bekmmert, aber Reinold richtete sich bald wieder
auf: da ging Ritsart zu ihm und gab ihm das Schwert Florenberg in die
Hand und sagte: sieh, mein Bruder, das hat mir Deine Hausfrau Clarisse
zu unserm Schutze gegeben; gab auch den andern Brdern jedem ein Schwert
und behielt auch fr sich eins. Als Reinold das Schwert sahe sagte er: O
Bruder, nun ich meinen Florenberg in der Hand habe, bin ich voll guten
Muths, und ich will nicht mehr Reinold heien, wenn ich alle diese
frchte.

Das Volk war indessen mit seinen Anfhrern angerckt, und es entstand
ein blutiges Treffen; alle vier Brder gebrauchten sich so tapfer, wie
es nur je die grten Helden haben thun knnen, vorzglich aber Reinold,
der mehr Thaten that, als sonst ein Mensch zu thun im Stande ist. So
dauerte das Gemetzel bis in die Nacht; da zogen die Brder die Harnische
der Erschlagenen an und stiegen auf die Pferde.

Am Morgen erneuerte sich der Kampf, und Writsart wurde im Gedrnge
gefangen genommen, denn das Pferd war ihm unter dem Leibe zu Tode
gekommen. Eine Schaar fhrte den Gefangenen weg um ihn Knig Carln zu
berliefern; Adelhart wurde es zuerst inne, da ein Bruder fehle und
sagte es dem Reinold; dieser wurde wthend und drang darauf, da man
Writsart wieder frei machen msse; aber Adelhart sagte: Lieber Bruder,
es ist uns fr dieses mal unmglich, wenn wir ihnen nachsetzen, wird uns
die Menge umzingeln und berwltigen; immer noch besser, da der eine
verloren geht, als wir alle. Aber Reinold wurde zornig und sagte: Sollen
wir es dulden, da ein Bruder von uns gehenkt werde? da man nachher
sage: sehet, das sind die Brder, die so lange gegen Knig Carl
gestritten haben, und es doch am Ende haben leiden mssen, da man einen
von ihnen gehenkt hat? Nein, lieber will ich mein Leben daran setzen,
denn frwahr, das wre uns eine sehr schlechte Ehre.

Er ritt also durch das Gedrnge und traf auf die Schaar, die seinen
Bruder Writsart wegfhrte; der eine von ihnen sah sich um und sagte:
seht, da kmmt Reinold und geberdet sich nicht wie ein Mensch, sondern
wie ein wahrer Teufel, lasset uns alle davon fliehen! Reinold kam
herangesprengt und hieb die ersten nieder, die brigen flohen, und so
war Writsart wieder frei; worauf Reinold sagte: Bruder, ich habe Euch
diesmal wieder frei gemacht, aber ich sage es Euch, es geschieht nicht
wieder; warum lasset Ihr Euch so gar leichtlich fangen? Writsart sagte:
Bruder Reinold, es war nicht meine Schuld, mein Pferd war todt, dazu so
hatten sie mir im Handgemenge mein Schwert zerschlagen. Nun, es soll
Euch fr diesmal vergeben sein, sagte Reinold; und so ritten sie wieder
in den Kampf hinein.

Die Schlacht dauerte fort, aber es kam zu den Feinden eine Verstrkung.
Ritsart war schwer verwundet, und so mute endlich Reinold mit seinen
Brdern die Flucht ergreifen.




                          Vierzehntes Bild.
                    Die Belagerung auf dem Berge.


Reinold nahm den verwundeten Ritsart hinter sich aufs Pferd und er und
die andern Brder flohen auf einen nah gelegenen Berg. Derselbe Berg war
sehr hoch und steil und ganz aus Marmorstein, und so beschaffen, da nur
immer ein Mann heraufgehn konnte. Von oben warf Reinold nun mit
gewaltigen Steinen herunter, so da Ro und Mann starb und Niemand sich
dem Berge zu nhern getraute. Graf Calon, der das Heer anfhrte, sprach
mit Ogier, der gerne seinen bedrngten Verwandten beigestanden htte,
wenn ers gewagt htte, ohne fr einen Verrther angesehn zu werden. Er
ging dem Berge nher, um mit Reinold Unterhandlungen zu pflegen und ihn
zu fragen, ob er sich ergeben wolle, oder noch lnger zu fechten
gedchte; er rief daher hinauf, da Reinold mit Steinwrfen inne halten
solle, er habe etwas mit ihm zu reden. Als er oben kam, sah er, da die
andern drei Brder auf ihren Knieen lagen, und Gott um Hlfe anflehten,
und da Reinold nur noch allein wacker sei. Er rieth ihnen hierauf, den
Berg nicht zu verlassen und ging wieder fort, indem er sie in den Schutz
Gottes befahl.

Reinold hatte auf Montalban einen Jngling zurckgelassen, der die
Wissenschaft verstand, in den Sternen des Firmaments bei der Nacht zu
lesen; dieser stand oben auf der Burg und sah aus dem Laufe der
Gestirne, da Reinold sich mit seinen Brdern in der grten Gefahr
befinde, und da er auf einem Berge belagert sei, imgleichen, da Knig
Ivo ihn um eine groe Summe Goldes an Carl verrathen habe. Er lief
sogleich zu Malegys, um es ihm anzusagen; dieser stand lustig in der
Kchen und ordnete ein Abendessen an, weil er glaubte, da die Brder
noch in dieser Nacht wiederkehren wrden. Da Malegys das Unglck hrte,
wollte er sich selber erstechen, so sehr war er in Verzweiflung; aber
der Jngling sagte: Malegys, was sollte Euch das helfen, wenn Ihr Euch
umbrchtet? Suchet lieber Eure Vettern zu erretten, und nehmt derohalben
Kriegesknechte mit Euch und setzt Euch auch auf das gewaltige Ro
Bayart. Malegys fand den Rath gut, er foderte die Knechte auf und ging
in den Stall, um auf Bayart zu steigen. Aber Bayart schlug und bi um
sich, wollte Niemand aufsteigen lassen, denn allein Reinold; Malegys
aber erwischte einen Prgel, in der Meinung, das Ro mit Gewalt zu
bezwingen, aber Bayart setzte sich auf die Hinterbeine und htte den
Malegys fast zerrissen, wenn er nicht schnell zurckgesprungen wre. Da
wurde Malegys betrbt und sagte: O du schndliches Ro! willst du nun in
der Noth deinen Herrn Reinold verlassen, der sich in Lebensgefahr
befindet? Kaum hrte Bayart diese Worte, so lie er sich demthig auf
seine Kniee nieder, so stieg Malegys auf und der Zug folgte ihm.

Oben auf dem Berge lagen nun die vier Heymonskinder und waren von einer
groen Macht belagert, Ritsart lag schwer verwundet und konnte sich
nicht aufrichten. Adelhart und Writsart waren auf ihren Knieen und
flehten zum barmherzigen Gott um Rettung und Hlfe, nur der starke
Reinold war noch wacker und munter und hielt den Feind von dem steilen
Berge zurck, indem er bestndig groe Felsensteine hinunterwarf. So
verging ein Tag und eine lange Nacht und keine Hlfe war sichtbar. Auch
der mchtige Reinold wurde schon ermdet und alle Brder waren in ihren
Herzen tief betrbt, so da sie endlich beschlossen, sich zu ergeben und
zu sterben. Indem gewahrt Reinold in der fernen Morgensonne einen Reiter
und verkndigte seinen Brdern: ach, theure Brder, rief er aus, ich
erkenne mein Ro Bayart und meinen Vetter Malegys. -- Da erhoben sich
Writsart und Adelhart von den Knieen und sahen hin und erkannten
ebenfalls das Ro und seinen Reiter. Da wurden sie voll Muths, und
jauchzten und dankten Gott dem Herrn. Ritsart, der alles gehrt hatte,
sagte: meine lieben Brder, ich bin sehr schwer verwundet, da ich mich
nicht durch eigene Kraft auf meine Beine stellen kann, ich bitte Euch,
Ihr wollet mir aufhelfen, damit ich doch auch zu meinem Troste das Ro
Bayart gewahr werde. Da hoben sie ihn auf und hielten ihn brderlich in
ihren Armen, und er sah ebenfalls das Ro Bayart, worauf er sagte: Ach!
mich dnkt, ich bin nun schon ganz gesund und von allen meinen Wunden
genesen, seitdem ich dieses gute Ro gesehn. -- Bayart aber machte sehr
groe Sprnge, um zu seinem Herrn zu kommen, es warf mit einem
gewaltigen Sto den Malegys ab, senkte dann vor Reinold seine Kniee und
lie ihn aufsteigen.

Es entstand ein neues blutiges Gefecht, Reinold brachte den Grafen Calon
um, und die Kriegsknechte, die Malegys gebracht hatte, hielten sich sehr
tapfer, so da der Feind endlich die Flucht ergreifen mute. Die Brder
waren ungemein erfreut und dankten Gott aus tiefem Herzen; aber Reinold
schwur: den verrtherischen Knig Ivo mit dem Schwerte hinzurichten.
Dieser aber hatte schon Nachricht erhalten, und war in ein Kloster
geflohen, dort war er ein Mnch geworden, um seine Snden abzuben.

Als Reinold zurckkam auf Montalban, wollte er erst seine Hausfrau
Clarissa nicht ansehn, weil ihr Vater ihn ohne Ursach verrathen habe.
Aber sie vershnten sich bald und aen und tranken, und Reinold gedachte
der verlaufnen Thaten nicht mehr.




                          Fnfzehntes Bild.
                      Reinolds Kampf mit Roland.


Roland wurde sehr zornig auf Knig Ivo, da er nun sein Wort doch nicht
gehalten habe, die Brder auszuliefern; es war ihm lieb, da sie auf die
Art errettet waren, aber er wollte durchaus eine Rache an Ivo nehmen. Er
zog daher mit den Genossen vor das Kloster, in welches Ivo geflohen war
und hielt es belagert, in der Meinung, Ivo aufzuhngen, sobald er ihn in
seiner Gewalt haben wrde. Ivo vernahm die traurige Botschaft und
schrieb einen beraus klglichen Brief an Reinold, seinen Schwiegersohn,
da er ihm helfen mchte, weil er sonst eines schmhlichen Todes sterben
msse. Reinold wollte sich nichts um den Verrther kmmern. Clarisse,
seine Hausfrau, sa mit ihrem jngsten Shnlein, das sie Adelhart
genennt hatte, grade neben ihm, als dieser klgliche Brief ankam, und
sie weinte ber das Unglck ihres Vaters so heftig und so von Herzen,
da Reinold dadurch ber die Maaen gerhrt wurde und sogleich seinen
Harnisch anzog, und auf Bayart stieg, um den Verrther zu retten.

Als er vor das Kloster kam, war es schon erobert, und Roland machte eben
Anstalt, den Knig Ivo aufzuhngen. Reinold ritt schnell hinzu, nahm im
zornigen Muthe seinen Schwiegervater hinter sich auf's Pferd und floh
mit ihm davon. Roland verfolgte ihn, weil er seinen Raub nicht fahren
lassen wollte, hatte aber kein so gutes Pferd als Bayart war, deshalb
entkam ihm Reinold. Darber wurde er sehr ergrimmt und schalt Reinold
einen Verrther, und die beiden Ritter setzten sich einen Tag fest, um
ihre Sache auszukmpfen.

Reinold brachte daher seinen Schwiegervater nach Montalban, und wollte
dann bald wieder zurck, weil er mit Roland einen Streit halten msse.
Clarisse weinte sehr, als sie diese Nachricht hrte, denn Roland war ein
Mann, der, wenn er gepanzert war, weder von Schwert und Spie verwundet
werden mochte. Aber Reinold lie sich nicht irre machen und reiste ab.

Er bezeugte sich erst demthig gegen Roland, weil er ein Vetter war, da
aber Roland trotzig war, sagte er: Ihr mt nicht etwa glauben, da ich
mich vor Euch frchte, nein wahrlich nicht, und wenn gleich Eurer fnfe
wren, und zog gleich seinen Harnisch an und stieg auf Bayart. Sie
stieen heftig auf einander und mit solcher Gewalt, da Roland sammt
seinem Pferde zu Boden strzte, welches ihm sonst noch in keinem Kampfe
mit keinem Ritter begegnet war. Er erstaunte selber darber, und raffte
sich wieder auf, aber die brigen Genossen litten es nicht, da der
Kampf fortgesetzt wurde.

So ritt Reinold mit frohem Herzen nach Montalban zurck, und Roland that
eine Wallfarth zum heiligen Jakob von Compostella.




                          Sechzehntes Bild.
               Reinold errettet seinen Bruder Ritsart.


Als Roland von seiner Wallfahrt zurckkam, traf er in einem Walde den
Ritsart, der dort jagte. Roland ritt auf ihn zu und sagte, da er sich
gefangen geben msse. Ritsart wollte sich ihm anfangs widersetzen, aber
da ihm Roland versprach, ihn gegen Knig Carl zu schtzen, so ergab er
sich in sein Geleit und zog mit ihm nach Paris.

Malegys, der im Walde verborgen war, brachte diese Kundschaft sogleich
den Brdern auf Montalban, sie machten sich bereit, Ritsart zu erlsen;
Malegys aber ging nach Paris, um zu sehen, wie es mit Ritsart werden
wrde.

Malegys kam als ein kranker Pilgrimm mit geschwollenem Bein und einem
dicken Bauche, dazu in einen rauhen Mantel gehllt, ganz alt und
unansehnlich zu Knig Carl und begehrte um Gottes Barmherzigkeit willen
eine Mahlzeit von ihm. Carl aber schlug ihn derbe mit einem Stecken und
sagte: ich traue keinem Pilgrimm mehr, seit mich Malegys betrogen hat.
Da geberdete sich Malegys gar klglich und fing als ein kranker Mann an
zu weinen und zu schluchzen, so da es Knig Carl wieder gereute, da er
einen heiligen Pilgrimm geschlagen hatte, der noch berdies krank war.
Er lie ihn also an einen Tisch niedersetzen und Speise und Trank
reichen, dazu bediente er ihn selbst, aus demthiger Reue. Malegys
dachte in seinem schalkhaften Sinne: ich sollte dir wohl gerne deinen
Schlag wieder vergelten; als ihm daher der Knig einen so schmackhaften
Bissen in den Mund stecken wollte, ergriff er gar behende mit den Zhnen
dessen Finger und bi ihn tchtig. Der Knig setzte sich vor Schmerzen
abseits und sagte: Du schelmischer Pilgrimm, warum thust du mir also? Du
httest mir beinahe den Daumen abgebissen, wenn ich dich htte gewhren
lassen. -- Malegys sagte: Verzeihen mir Ew. Majestt, ich war so gar
sehr hungrig, da ich nicht recht Acht darauf gab, ob es die Speise oder
Euer Daumen war, daher geschah es ohne meinen Vorsatz.

Indem kam Roland mit dem gefangenen Ritsart in den Saal; Knig Carl war
sehr ergrimmt, als er ihn sah, und schwur, ihn sogleich aufhngen zu
lassen. Roland aber wollte es nicht zugeben, weil er ihm sicheres Geleit
zugesagt htte; eben so waren auch die brigen Genossen dagegen. Der
Knig fragte alle nach der Reihe herum, ob keiner es ber sich nehmen
wolle, den Ritsart aufzuhngen, aber alle schlugen es ab. Da that sich
einer her, genannt Rype von Rypemont, der sagte, da er es sich
unterstehen wolle, wenn die Genossen ihm alle angeloben wollten, deshalb
keine Rache an ihm zu nehmen. Alle sagten es ihm zu, auer Ogier, der
unwillig im Saale auf und abging. Der Knig wurde ergrimmt, da dieser
es nicht auch versprechen wollte, gleich den andern; Ritsart sah inde
den Malegys in einer Ecke sitzen, er nherte sich dem Ogier und sagte:
Ogier, gebt nur Euer Wort, denn ich sehe dort Malegys sitzen, und so
komme ich gewi nicht an den Galgen. Ogier gab also auch sein
Versprechen, und Carl setzte nun den Tag fest, an welchem Ritsart zu
Falkalon sollte aufgehngt werden.

Malegys begab sich indessen in groer Eile nach Montalban zurck, und
sagte den Brdern den Tag an, und da sie sich rsten sollten. Sie
ritten also aus, und lagerten sich nahe bei in einem Walde, von wo sie
den Galgen genau sehen konnten. Sie stiegen ab und setzten sich in das
Gras, wo Malegys ihnen die Geschichte erzhlte, wie er dem Knig Carl in
Finger gebissen habe, und indem sie noch sprachen, berfiel sie eine
Schlfrigkeit, so da sie alle einschliefen.

Der Zug mit Ritsart kam indessen zum Galgen, und Rype spottete seiner
und sagte, da er nun weiter auf keine Hlfe zu hoffen habe. Ritsart
aber schaute sich sehr betrbt nach seinen Brdern und Malegys und
Bayart um, da sie ihm helfen sollten, und da er keinen von ihnen allen
gewahr ward, brach er in Thrnen aus und ergab sich in sein Schicksal,
denn sie schliefen alle im Walde, auer Bayart, der noch munter war. So
mute nun Ritsart wie ein Verbrecher auf die Leiter steigen, und als er
fast oben war, sah ihn Bayart aus dem Walde heraus. Das Pferd fing ein
groes Geschrei an und wthete und tobte so lange, bis Reinold
aufwachte. Der sagte: Ei, du bser Schalk, das bin ich an dir ungewohnt,
und wollte es schlagen, aber da sah er seinen Bruder oben beim Galgen
und schnell stieg er auf Bayart und weckte die brigen, und alle rannten
mit voller Gewalt aus dem Walde heraus. Reinold schlug unter das Volk,
so da sie flohen oder umkamen, und Ritsart war wieder frei, und Rype
ward genommen und an den Galgen gehangen, weil er sich unterstanden
hatte, den Ritsart aufzuhngen.

Ritsart war so froh und guten Muths, da er sich noch die Rstung des
Rype anzog und auf sein Pferd stieg, um sich vom Knig Carl den
versprochenen Lohn auszahlen zu lassen. Reinold mute lachen, da er
seinen Bruder noch so gutes Muthes sah, er folgte ihm von ferne mit
Malegys und den brigen Brdern.

Carl sah mit Ogier grade aus dem Fenster, als sie in der Ferne einen
Ritter ber den Plan reiten sahen, den sie fr Rype hielten. Carl war
sehr erfreut, weil er glaubte, Ritsart sei nun gewi und wahrhaftig
gehangen, aber Ogier ward zornig und ging fort, um ihm entgegen zu
reiten und mit ihm handgemein zu werden. Carl versammelte seine
Ritterschaft, weil er frchtete, da Ogier den Rype umbringen wrde,
ritten ihm also allesammt nach. Aber Ritsart gab sich dem Ogier zu
erkennen, als sie zusammen kamen, und der war nun zufrieden. Indem kam
Knig Carl mit seinem Gefolge nher, und lobte den vermeintlichen Rype,
da er sein Versprechen so wacker ausgefhrt habe. Darber wurde Ritsart
zornig und sagte: ich bin nicht Rype, der hngt am Galgen, sondern
Ritsart! und rennte mit seinem Speer auf Carl zu und gab ihm einen guten
Sto auf die Brust. Darber wurde ein Gefecht und Reinold kam mit seinem
Gefolge heran und alle wurden mit einander handgemein. Reinold sprang
von Bayart und ergriff Knig Carl und warf ihn hinter sich auf's Pferd,
in der Meinung, ihn mit sich nach Montalban zu nehmen. Als die brigen
sahen, da Knig Carl gefangen war, setzten sie dem flchtigen Bayart
nach und das Gefecht ward noch hitziger; Reinold aber sah zurck und
sah, da seine Brder mitten unter den Feinden kmpften, er warf daher
den Knig Carl wieder von sich, so da er weit in's Feld hinein flog,
und meinte, das Herz im Leibe wre ihm gesprungen; und so ritt Reinold
wieder unter die Feinde und focht tchtig, bis er seine Brder salvirt
hatte. Dann ritten sie alle nach Montalban.




                          Siebzehntes Bild.
                       Kunststck des Malegys.


Olivier war einst auf der Jagd und stand mit seinem Pferde auf einem
hohen Berge. Da sah er unten nach dem Flu hinunter und gewahrte einen
Mann, der am Berge herum kroch, und Kruter zu suchen schien; er
gedachte gleich daran, da es wohl Malegys sein knnte, ritt also
hinunter und sagte ihm, da er sich gefangen geben sollte. Malegys
setzte sich zur Wehre, aber Olivier schlug ihm das Schwert aus der Hand,
und so mute jener sich gefangen geben und dem Olivier nach Paris
folgen, zornig zwar, aber doch nachgebend.

Knig Carl freute sich sehr, da Malegys in seiner Gewalt sei, er wollte
ihn sogleich aufhngen lassen, aber Malegys sagte: lasset mich noch bis
Morgen leben, das ist nicht lange, und mir ist es lieber. Das glaub'
ich, antwortete Carl, Du denkst vielleicht mir zu entwischen, aber
diesmal soll es Dir nicht gelingen, deshalb kann ich Dich wohl bis
morgen leben lassen, dann aber sollst Du dafr gestraft werden, da Du
mir neulich beinahe den Daumen abgebissen httest. -- Wenn ich morgen
hnge, antwortete Malegys, so werd' ich nun wohl Ew. Majestt nicht mehr
beissen. Das denk' ich auch, antwortete der Knig.

Es wurde zur Tafel geblasen und die Genossen saen paarweise an kleinen
Tischen; der Knig aber speiste allein; worauf Malegys sagte: fr alle
diese Herren ist gedeckt, auer fr mich nicht, ich denke, ich setze
mich zu Ew. Majestt, so machen wir auch ein Paar. -- Du bser Schalk,
antwortete Carl, darfst Du noch so lose Reden fhren, ich dchte, Dir
sollte die Lustigkeit wohl vergehn, da Du morgen sterben mut. Aber die
Reden des Malegys gefielen dem Roland, und er lie den Malegys neben
sich niedersetzen und sie aen und tranken mit einander. Malegys wurde
immer lustiger und sang einige Lieder, worber sich alle verwundern
muten, da er so bald sterben sollte. Aber Malegys trank immer
fleiiger, und sang:

   Sollt' ich denn frhlich nicht sein?
   Schmeckt mir doch Essen und Wein,
   Morgen ist lange nicht heut,
   Sterben hat doch seine Zeit,
   Jedermann thut es ja leid,
   Stirbt doch auch mancher noch heut.

Der Knig sagte: Du denkst Dich wohl vielleicht vom Galgen los zu
singen, aber darin sollst Du Dich verrechnen, und sogleich lie er ihn
in einen festen Kerker fhren und in Ketten legen und viel Eisen an die
Fe binden, damit er durchaus nicht entlaufen knne. Gebt Ihr mich
frei? sagte Malegys; gewi nicht, antwortete der Knig. Nun, so gebt nur
gut auf mich Acht, redete darauf der Schalk, denn um Mitternacht denke
ich Euch zu entlaufen. Damit wird es nun wohl keine Noth haben, sagte
der Knig und lie die festen eisernen Thren doppelt zuschlieen, und
die Genossen muten mit bloen Schwertern die Nacht hindurch vor dem
Gefngnisse Wache halten; meinte der Knig, er solle ihm nun gewi nicht
entrinnen.

Aber um Mitternacht schttelte Malegys die Schlsser von sich und die
Eisen fielen ihm von den Fen; darauf machte er durch seine Kunst die
Schlsser und die eisernen Thren auf und machte, da die Genossen in
einen festen Schlaf fielen und einer ber dem andern lag. Worauf er ihre
Schwerter und vieles kostbares Gerthe mit sich nahm und so schwer
beladen nach Montalban eilte. Reinold war sehr erfreut, da er die zwlf
kostbarsten Schwerter in seiner Gewalt habe.

Am Morgen wollte Knig Carl den Malegys zum Tode fhren lassen, stand
deshalb ziemlich frh auf. Da fand er die Genossen schlafend, wie einer
ber dem andern lag, auch waren ihnen die Schwerter gestohlen und alle
Thren offen, und kein Malegys im Kerker, aber die Ketten und das Eisen
war drin geblieben, worauf Knig Carl sehr erbot wurde und einen Eid
that, er wolle Montalban belagern und mit eigner Hand die Schwerter
erobern.




                          Achtzehntes Bild.
         Montalban belagert; Frau Aya schliet einen Frieden.


Knig Carl brachte nun eine groe Macht zusammen und zog mit allen
seinen Genossen vor Montalban und hielt es belagert. Roland mute
hineingehn und die Festung auffodern, da sie sich auf Gnade und Ungnade
ergeben solle; aber Reinold wollte das nicht thun, sich aber ergeben,
wenn Knig Carl ihm Verzeihung und Sicherheit versprche. Das aber
wollte Knig Carl wieder nicht eingehn, und so dauerte der Krieg wieder
einige Jahre hintereinander, und ward auf eine blutige Art fortgefhrt,
so da auf beiden Seiten viele Leute todt blieben.

In einer Schlacht stach Reinold den Knig vom Pferde und htte ihn
gefangen genommen, wenn ihn die Genossen nicht errettet htten; aber an
demselben Tage wurde Malegys entwaffnet, und fr einen Gefangenen in das
Lager des Feindes gefhrt. Der Knig wollte ihn am folgenden Morgen
hinrichten lassen.

In der Nacht aber brauchte Malegys seine Kunst und ging vor das Bett des
Knigs und sagte zu ihm: Ew. Majestt, Reinold hat gebeten, da wir
beide zu ihm kommen sollen. Der Knig war bezaubert und antwortete:
Schon gut, ich wnsche nur, wir wren erst unterwegs. Darauf nahm
Malegys den schlafenden Knig auf seine Schultern und trug ihn so gen
Montalban. Dort legten ihn die Brder in ein kstliches Bette und
warteten dann, bis er aufwachen wrde.

Der Knig war sehr verwundert und erschrak heftig, als er alle seine
Feinde um sein Bette stehen sah. Reinold redete ihn an, er mchte ihm
verzeihen und er wollte ihn sogleich freilassen und ihm mit seinen
Brdern dienen. Aber Knig Carl wollte nicht nachgeben, so viel gute
Worte ihm auch Reinold gab, worber Ritsart ergrimmte und sein Schwert
zog, und den Knig umbringen wollte; aber Reinold hielt ihn zurck und
sagte: Das sei ferne von Dir, Bruder, da Du unsern Knig umbringen
solltest. Alle Brder baten drauf und auch Malegys; aber Carl bestand
auf seinem stolzen Sinn, da sie sich ihm alle auf Gnade und Ungnade
ergeben sollten. So viel wollte aber Reinold dem Knige auch nicht
trauen, er lie ihn daher frei in sein Lager zurck, aber der Krieg ward
immer noch mit groer Wuth fortgesetzt, obgleich alle Genossen,
insonderheit der Bischof Turpin, fr Reinold baten.

Das Schlo Montalban war so fest, da es der Feind durchaus nicht
einnehmen konnte, aber der Proviant war den Belagerten gnzlich zu Ende
gegangen, so da sie in die grte Noth geriethen. Alle brigen Pferde
waren schon verzehrt, Reinold war in der grten Verzweiflung und rief:
Nun mu Bayart sterben. Er ging mit einem Messer in den Stall, um das
Ro todt zu stechen; aber sein Bruder Adelhart folgte ihm und hielt ihn
zurck und bat fr das treue Ro. Bayart selbst fiel demthig auf seine
Kniee, als wenn er um sein Leben bitten wollte. Darber wurde Reinold
sehr gerhrt, so da er weinte und lie dem Bayart Gnade widerfahren.

Turpin hrte von dem groen Mangel, der in der Vestung herrschte und
wurde sehr darber betrbt, da seine Verwandten solche Noth leiden
sollten. Er vermochte daher den Roland dahin, da er beim nchsten
Angriff sich die Ehre ausbat den Vortrab anzufhren, und als das
geschah, schaffte er den Brdern wieder eine groe Menge Proviants in
die Vestung. So bekam auch Bayart wieder viel Futter und wurde wieder so
stark als er nur je gewesen war.

Aber Reinold sah ein, da er sich am Ende nicht gut auf Montalban wrde
halten knnen, weil der Proviant immer schnell verzehrt war; er beschlo
daher, sich mit seinen Brdern nach seiner Burg Ardane zu begeben, weil
er sich dort besser schirmen knne. Er lie also Bayart zu einer
heimlichen Pforte hinausbringen; dort stiegen alle Brder auf und ritten
schnell nach Ardane. Malegys begab sich auf sein festes Castell.

Als Knig Carl diese Nachricht gehrt hatte, zog er mit seiner Macht vor
Ardane und hielt es belagert, denn es war sein ernstlicher Wille, die
Brder in seine Gewalt zu bekommen. Der Streit wurde heftig fortgesetzt
und es blieb viel Volk und viele Ritter. Am Ende kam Reinold auch hier
in sehr bedrngte Umstnde und er sah ein, da er sich mit der Zeit
wrde ergeben mssen.

Aber seine Mutter Frau Aya kam mit einem groen Gefolge in das Lager
ihres Bruders, Knigs Carl, um fr ihre Shne zu bitten. Sie lie sich
vor ihm auf die Kniee nieder und weinte heftig und bat um das Leben
ihrer Kinder, und da er sich mchte rhren lassen. Knig Carl hatte
seine Schwester in so langer Zeit nicht gesehn, dazu so rhrte ihn ihr
Knien und ihre bitterlichen Thrnen, so da er ihr versprach, einen
guten Frieden zu machen und alles zu vergessen, wenn die Shne ihm das
Ro Bayart in die Hnde liefern wollten, damit zu schalten wie er Lust
htte, weil es ihm gar zu groen Schaden gethan habe. Frau Aya war von
Herzen froh und ging sogleich in die Vestung zu ihren Kindern, ihnen die
Botschaft anzusagen. Adelhart setzte sich dagegen, da man das Ro
ausliefern sollte; aber Reinold sagte: wir wollen es thun, lieben
Brder, wir mgen vielleicht fr das Ro auch Gnade erlangen.

Und so war denn nach einem langen Kriege der Friede geschlossen.




                          Neunzehntes Bild.
                    Das Ro Bayart wird ertrnkt.


Die Brder fielen im Beiseyn ihrer Mutter dem Knige zu Fue, er hob sie
gndig auf und alle waren sehr erfreut, besonders ihre Mutter Aya.
Hierauf nahm Reinold das Ro Bayart und gab es in die Hnde Carls. Der
Knig lie ihm sogleich zwei Mhlsteine an den Hals binden, und es, wie
er gelobt hatte, von der groen Brcke in's Wasser strzen. Bayart sank
unter, kam aber bald wieder in die Hhe und sah nach seinem Herrn
Reinold; dann arbeitete er sich mit Schwimmen an's Ufer, schlug die
Mhlsteine von sich und ging zu Reinold und liebkosete ihm. Der Knig
sagte: Reinold, gebt mir das Ro zurck; Reinold nahm es, und gab es dem
Knige, der lie ihm zwei Mhlsteine an den Hals henken und an jedem
Fue einen und so wurde es von neuem in das Wasser geworfen. Es sank
wieder unter, kam aber bald wieder oben, sah Reinold an, stieg an's Ufer
und schlug alle Steine von sich, so da sich alle ber die Strke
Bayarts verwundern muten. Bayart stand wieder bei Reinold und liebkoste
ihm, wie zuvor, wodurch Reinold sehr gerhrt war. Adelhart sagte:
Bruder, verflucht mut Du sein, wenn Du das Ro wieder aus Deiner Hand
giebst! O Bayart, wird Dir nun so gelohnt, da du deinen Herrn und uns
alle so oft errettet hast? Aber Reinold sagte: Brder, sollt' ich um des
Rosses willen die Gunst des Knigs verscherzen? nahm Bayart wieder und
bergab ihn dem Knige mit den Worten: Wenn das Ro noch einmal wieder
kmmt, kann ich es Ew. Majestt nicht wieder fangen, denn es geht meinem
Herzen gar zu nahe. Da wurden dem Bayart wieder zwei Mhlsteine an den
Hals gebunden und an jedem Fu zwei, und er wurde zum drittenmal von der
Brcke hinuntergestrzt. Reinold aber mute fortgehn, damit ihn das Ro
nicht wieder she und dadurch neue Kraft bekme. Bayart blieb diesmal
lnger unter Wasser, dann kam er aber doch wieder mit dem Kopfe hervor
und streckte ihn weit von sich, weil er seinen Herrn Reinold suchte; da
er ihn aber nirgends gewahr werden konnte, verlieen ihn nach und nach
die Krfte, er sank unter und kam nicht wieder ans Tageslicht.

Alle Brder weinten und Reinold war im innersten Herzen betrbt; er
verschwor es, Zeit seines Lebens wieder Sporen an den Fen zu tragen,
oder ein ander Pferd zu besteigen, zugleich wollte er das ganze
Ritterleben aufgeben. Die Brder blieben bei Hofe, er aber ging nach
Montalban, wo er seiner Hausfrauen Clarisse den Tod Bayarts erzhlte;
sie fiel in Ohnmacht, als sie diese Nachricht hrte, wurde aber dadurch
wieder etwas getrstet, da die Brder nun vllig mit Knig Carl
ausgeshnt wren. Hierauf schlug Reinold seinen ltesten Sohn Emmrich
zum Ritter und gab ihm die Veste Montalban, auch den brigen Shnen
schenkte er Land und Leute, dann kte er sie alle nach der Reihe und
verlie sie in der dunkeln Nacht.




                          Zwanzigstes Bild.
                         Reinold ein Eremit.


Reinold empfand die Eitelkeit alles menschlichen Treibens, begab sich
deshalb in einen abgelegenen wilden Wald, weil ihm die ganze Welt
nunmehr zuwider war. Da traf er einen Einsiedler, von dem lernte er das
eremitische Leben und brachte so seine Zeit mit frommen Gebeten und
stillen Betrachtungen zu. Allenthalben lie man Reinold suchen, man fand
ihn aber nirgends, bis er nach einigen Jahren wieder freiwillig
hervorkam, weil er gern seinen Vater Heymon sehn wollte und seine
Mutter, Brder und Kinder, in Summa, die Seinigen, die ihm theuer waren.
Dann ging er wieder in seinen Wald zurck und fhrte sein stilles Leben
weiter und that Bue fr die mannichfaltigen Snden, die er jemals im
Laufe seines Lebens begangen hatte. Dann lebte er noch lange in der
Einsamkeit und kam aus seinem Walde in die Welt, um seine Freunde zu
sehn, und nach vielen Jahren starb er als ein frommer Waldbruder, als
Roland schon bei Ronceval gefallen war und Carl gestorben und sein Vater
todt, und viele der Helden sich zerstreut und verloren hatten.

Und hier endigt sich die Historie von Reinold und den brigen Heymons
Kindern.




                       Sehr wunderbare Historie
                               von der
                              Melusina.
                        In drei Abtheilungen.
                                1800.




                          Erste Abtheilung.


Wie oftmals durch Gunst der Frauen Mnner zu hohem Glck und Ehre
gelangt sind, davon findet man in der Geschichte viele Beispiele, unter
andern auch in folgender sehr wunderbaren Historie, die vielen nur ein
Mhrchen dnken mchte, weil einige Umstnde zusammen treffen, die fast
an das Unwahrscheinliche grnzen.

Zu alten Zeiten lebte in Frankreich ein Graf _von Forst_, er hatte viele
Kinder, war arm und lebte in einem anmuthigen Walde. Dieser Graf hatte
viele Noth seine Kinder adelich und nach ihrem Stande zu erziehn, weil
es ihm am Vermgen fehlte. Sonderlich that ihm dieses um seinen jngsten
Sohn Reymund leid, der schon frh ein hochstrebendes Gemth in sich
spren lie, denn er sprach am liebsten von Rittern, die sich durch
wunderbare Begebenheiten und groe Thaten zu den hchsten Ehren empor
geschwungen hatten, auch lie er sich vom Vater gern alte Geschichten
erzhlen, von solchen Leuten, die aus Armuth Frsten und Knige geworden
und wnschte sich ein gleiches Schicksal. Darber wurde der Vater oft
betrbt und fhrte ihm zu Gemth, da es nicht mehr die Zeit sei, an
derlei Wunderwerke zu glauben und er mchte sich nur frh in seinen
beschrnkten Stand finden lernen. Reymund aber sagte: lieber Herr Vater,
es ist noch nicht aller Tage Abend, so knnen wir auch nicht wissen, was
aus mir noch werden mchte. Worauf der Vater antwortete: Nun, Gott mge
Dich segnen, mein Kind, denn ich sehe wohl, Dein Sinn steht nach hohen
Dingen.

Nicht weit vom Walde hatte der Graf _Emmerich_ seine groen,
weitluftigen und reichen Gter; dieser war der Mutter Bruder des armen
Grafen von Forst und also sein naher Vetter und Verwandter. Dieser Herr
war neben seinem Reichthum in vielen Wissenschaften wohlerfahren,
sonderlich in der Kunst der Astronomie, denn er wute alle Abtheilungen
des Jahrs, Mondwechsel, auch Sonnen- und Mondfinsternisse, konnte alles
daraus wahrsagen und die schwersten Rechnungen machen: auch war ihm
durch astrologische Weisheit das Firmament mit seinen Sternen nur wie
ein lieber Freund, den er um Rath fragen durfte, wute auch genau
anzugeben, wo die Planeten standen und wann sie auf und wann sie
untergehn, in Summa er war von allen Leuten im Lande wegen seiner
Kenntnisse und groen Reichthums sehr hochgeachtet. Dieser Mann hatte
nur zwei Kinder, einen Sohn, welcher Bertram hie, und eine Tochter. Er
rechnete mit seiner Kunst aus, und wute es auch schon vorher, da
seinem armen Vetter, dem Grafen von Forst, die Erziehung seiner vielen
Kinder zur Last falle, nahm sich also in seinem gromthigen Herzen vor,
eins davon zu sich zu nehmen. Machte also ein groes Gastmahl und lud
dazu auch seinen Herrn Vetter ein, der auch mit drei von seinen Shnen
kam, unter welchen sich Reymund, der jngste, befand. Graf Emmerich sah,
da sich alle hflich betrugen und alle in guter Kleidung zu ihm kamen
und war damit sehr zufrieden. Whrend der Mahlzeit warf er eine besondre
Liebe auf Reymund, der sehr geschickt und artig sein Htlein beim Beten
vor das Gesicht zu halten wute, wie wohl die andern sich auch andchtig
bezeigten, nachher zierlich und sauber a, seinem Herrn Vetter in allen
Dingen aufwartete und sich berhaupt als ein feiner Gesell betrug.

Nachdem alle abgespeist hatten, gingen der Graf Emmerich und Graf Forst
beiseit und Emmerich sagte zu seinem Vetter: ich danke Euch vielmals,
mein Herr Vetter, da Ihr zu meinem Gastgebot habt erscheinen wollen,
auch alle so hflich und in neuen Kleidern gekommen seid, welches suchen
werde, bei einer andern Gelegenheit zu vergelten. Ihr habt auerdem
viele und wackre Kinder, und viele wohlerzogene Kinder besitzen, ist von
je an fr einen Segen des Himmels gerechnet worden; doch giebt es einen
Fall, wo man sich lieber deren einige mit Freuden abthun mchte, wenn
man nmlich sehr viele hat und sich selber dabei in Armuth befindet,
denn alsdenn mssen die Kindlein der ihnen zukommenden Erziehung
entbehren, wodurch sie nicht nur kein Vermgen, welches nicht sonderlich
zu achten, bekommen, sondern selbst ihren zuknftigen guten und
tugendhaften Lebenswandel verlieren. Will dieses brigens nicht von
Euch, Herr Vetter, gesagt haben, denn mir ist nicht unbekannt, da einem
so verstndigen Manne fast alles mglich zu machen ist, wie Ihr es denn
auch mit der That beweiset; wollte Euch dennoch hflichst und
instndigst um Euer jngstes Shnlein Reymund gebeten haben, mir solchen
zur Erziehung zu berlassen, denn er hat mir doch gar zu artlich
gednkt, sowohl mit Beten, als saubern Mundwischen, auch allem brigen
gottgeflligen Betragen, will ihn wie meinen eignen Sohn halten, ihm
auch Vermgen hinterlassen.

Als der Graf von Forst diese Rede seines Herrn Vettern verstanden hatte,
berkam er eine groe Freude und antwortete: mein Herr, Euer edles Herz,
wie Eure weltbekannte groe Wissenschaft leuchten gleich sehr aus dem,
was Ihr gesagt, herfr, und so geschieht es denn auch zu meiner grsten
Zufriedenheit, da ich Euch mein jngstes Shnlein, den Reymund, ob er
mir gleich das allerliebste Kind, bergebe und ausliefere, denn bei mir
hat er, wie Ihr wit, kein groes Glck zu hoffen, darum will ich ihm
mit meiner vterlichen Liebe nicht im Wege stehn. Nehmt ihn hin, und
mge er Euch nur am letzten Tage noch eben so gut gefallen, als am
ersten, mge er in der Gottesfurcht aufwachsen, damit Euch Eure
Wohlthtigkeit und Liebe zu ihm nicht dermaleinst gereut.

So gaben sie sich die Hnde und waren mit einander einverstanden. Der
Reymund wurde von dem Handel unterrichtet und weinte viel, welches dem
Grafen Emmerich wieder sehr gefiel, weil er daraus seine Liebe zum Vater
erkannte und sich auch dergleichen versprechen durfte. Endlich schieden
sie und der Graf von Forst reiste nach seinem Walde zurck.

Der Reymund war von nun an immer in Gesellschaft seines Herrn Vetters,
der Grafen Emmerich, bei dem er alle adlichen Sitten, auch reiten und
stechen lernte. Der Graf war ihm wegen seiner Tugenden so zugethan, da
er ihn fast seinem Sohne vorzog, worber dieser aber auch nicht neidisch
war, weil Reymund ihm hflich und freundlich begegnete, und berhaupt
der Liebling des ganzen Hauses wurde. Wo er konnte, diente er jedermann,
dabei war er niemals trotzig und hochmthig, mit keinem znkisch,
sondern immer nachgebend. So wuchs er auf und der junge Graf Bertram war
mit ihm von einem Alter.

Graf Emmerich war ein groer Freund von der Jagd und Reymund mute ihn
fast immer auf allen seinen Zgen begleiten. So waren sie auch eines
Tages mit groer Gesellschaft in den Wald hinaus gezogen, mit Jgern und
Hunden und allem Zubehr. So kam ein wildes Schwein daher, das sie
alsbald niederlegen wollten, dieses aber haute viele von den Hunden zu
Schanden, eilte wieder fort und zog die ganze Jagdgesellschaft nach sich
in den Wald, so da der Graf und Reymund allein zurck blieben. Es war
schon Mondschein und Nacht in demselben Walde und nicht lange whrte es,
so waren sie verirrt, worauf Reymund zu seinem Herrn Vetter sagte: wir
sind in der Nacht von unsern Leuten gekommen, haben auch die Hunde
verloren, uns selber verirrt, darum wre es wohl gut, einen Ort zu
finden, wo wir unterkommen mchten. Worauf der Graf zur Antwort gab: Du
rathest wohl, knnen wir es doch versuchen, denn der Himmel ist gestirnt
und der Mond scheint helle genug. Darauf ritten sie im Holze hin und
her, um einen geraden Weg zu finden, fanden ihn aber nicht und wurden
verdrlich; endlich geriethen sie auf eine schne Strae und Reymund
sagte: dieses drfte wohl die Strae nach unserm Schlosse sein; jetzt
wollen wir nur einige von unsern Leuten aussuchen, die die Wege besser
kennen: worauf der Graf mit den Worten erwiederte: es kann sein, ich
will Deinem Rathe folgen.

Indem sie noch so ritten, betrachtete der Graf mit Aufmerksamkeit das
Gestirn am Himmel, seufzte bei sich und sprach: O Gott, wie sind doch
deine Wunder so gro und mannichfaltig, wie hast Du die Natur in solcher
Gestalt zugerichtet und wie magst Du es zulassen, da ein Mann durch
seine Missethat zu so groem zeitlichen Glck und hohen Ehren gelangen
mge? Komm hieher, mein Sohn, fuhr er gegen Reymund fort, und betrachte
einmal die Gestalt des Himmels, sieh jenen rthlichen Stern, der herauf
kommt und sich dem weien nhert, sie machen zusammen ein wunderliches
Licht und seltne Stellung und bedeuten, da in dieser Stunde ein
undankbarer Diener seinen Herrn und Wohlthter erschlgt, und dadurch zu
allem zeitlichen Glcke gelangt.

Wie ist dieses mglich, antwortete Reymund, da Ihr es aus den Gestirnen
erkennen mgt?

Die Natur, sagte Emmerich, ist wunderseltsam mannichfaltig und auch
wieder sehr einfach, der Himmel ist ein Spiegel der Erde, die Erde des
Himmels, ja ein jedes Ding spiegelt sich im andern wieder, erschafft
jenes und wird erschaffen, dieselben Krfte in vielen Gestalten,
dieselben Bildungen aus verschiedenen Krften, wie tausend Strme die
durcheinander flieen, sich verwirren und in schner Ordnung regieren,
wie tausend Geister, die sich spielend einer im andern bewegen und so
die Welt im Wechsel darstellen und festhalten; mir und meinesgleichen
ist die Kunst gegeben, den Abgrund an der Hhe des Firmamentes zu
erkennen, ich finde die Gestirne in mir und im Abgrunde wieder, unser
Herz zieht die Liebe der Geister an sich und so mgen wir im groen
Spiegel Vergangenes und Knftiges wahrnehmen.

Dieses ist zu verwundern, sagte Reymund; worauf sie weiter ritten und
ein Feuer fanden, das die Hirten im Holze angezndet hatten. Sie stiegen
von den Pferden ab, suchten Holz zusammen und legten es auf das Feuer,
weil es in der Nacht sehr kalt war, um sich an der Flamme zu wrmen. Als
sie noch damit beschftigt waren, sich zu wrmen, hrten sie durch das
Holz etwas kommen, mithin ergriff Reymund sein Schwert, und der Graf
seinen Spie, und sie konnten nicht damit geschwinde genug sein, denn es
kam ein groes Schwein, klopfete mit seinen Zhnen an den Bumen und
schnaubete sehr. Da schrie Reymund seinem Vetter zu und sprach: O Herr
Vetter, schont Euer Leben und steigt lieber in aller Eile einen Baum
hinauf. Der Graf aber that dieses nicht, sondern sagte: Solches ist mir
noch nie vorkommen noch widerfahren, soll mir auch, wenn es Gott will,
niemals frgehalten noch bewiesen werden, da ich vor einem Schweine so
schndlich fliehe, oder mich auf die Bume begebe. Dem Reymund that es
Leid, da sein guter Rath nicht befolgt wurde; der Graf hielt hierauf
den Spie vor, das Schwein lief daran, schlug aber den Stich ab, indem
es sich nur wenig verwundete, und den Grafen zur Erden niederwarf.
Darauf nahm Reymund seines Herrn Vetters Spie, wollte damit das Schwein
niederlegen, fehlte aber und stie damit in seines Herrn Vetters Leib,
zog ihn aber gleich wieder heraus und brachte das Schwein um, kehrte
sich wieder zu seinem Herrn Vetter, fand ihn in Todesnthen liegen und
sah, wie er alsbald verschied.

Wie nun Reymund das jmmerliche Unglck, so er angerichtet, recht
bedachte, fing er eine laute und bittere Klage an, raufte seine Haare
aus, rang die Hnde und weinte von Herzen, indem er ausrief:

   Ach Glck! wie hast Du mich so arg belogen,
   Reich machst Du arm, und Arme oft zu Reichen,
   Dem magst Du Trost, dem andern Jammer reichen,
   Dem bist Du Feind, und jenem dort gewogen.

   Bs Glck! welch Leid hast Du mir zugewogen?
   Ist noch ein Jammer meinem zu vergleichen?
   Mu so der edle Vetter mein erbleichen?
   Wollt' ihn erretten, wurde schlimm betrogen.

   Ich stie ihn undankbar in sein Verderben,
   Das Auge mute, so die Hand auch fehlen,
   Der eigne Speer von seinem Blut gerthet:

   O knnt' ich doch an seiner Seite sterben,
   Denn so wird der Verdacht mich ewig qulen,
   Ich habe gar mit Vorsatz ihn getdtet.

So klagte er in der Nacht und alle seine Sinne kamen in Verwirrung, er
wute nicht mehr, ob er die Mordthat mit Flei begangen hatte, und
klagte sich selber auf das hrteste an. Dann setzte er sich in Leid und
Betrbni wieder auf sein Pferd, wute nicht wohin und lie es ohne
Lenkung und Fhrung freiwillig dahin gehn, wohin es nur wollte.

Es befand sich ein Brunnen im Walde, auf einem schnen freien Platz, der
aus einem Felsen entsprang und den man gewhnlich nur den Waldbrunnen
nannte; hieher ging das Pferd mit Reymund, und beim Brunnen standen drei
schne Jungfrauen, die aber Reymund in seiner tiefen Betrbni nicht
bemerkte. Die jngste und schnste von den dreien ging ihm entgegen, und
sagte: nie ist mir ein solcher Ritter vorgekommen, der vor Damen vorbei
reitet, ohne sie anzureden. Reymund aber trieb sein Klagen und Jammern
weiter, so da er gar nicht hrte, was sie sagte, worauf sie das Pferd
beim Zgel fing und sprach: Ihr mt wohl nicht aus adelichem Blute
sein, denn sonst wrdet Ihr uns nicht so stillschweigend vorber reiten.

Nun erwachte Reymund erst aus seiner Betubung und erschrak, als er ein
so schnes Frulein vor sich sah: er wute nicht, war er lebend oder
todt, oder war sie ein Gespenst, oder ein Frulein. Er stieg aber
alsbald mit der grten Behendigkeit vom Pferde herunter und sagte: ich
bitte, Ihr wollet mir verzeihen, denn ich bin wohl ein Ritter und aus
adelichem Blut, aber meine Unglcksflle haben mich dermaen
erschttert, da ich vor tiefster Betrbni Artigkeit gegen Damen aus
den Augen zu setzen mich genthigt sehe.

Sie antwortete: lieber Reymund, Euer Klagen und Euer Unglck thun mir
sehr leid. Worber er sich verwunderte, da sie seinen Namen wute und
sagte: Wie knnt Ihr doch meinen Namen wissen, da ich Euch nicht kenne?
Wie ist es denn mglich, da Ihr Euch mit dieser groen Schnheit, edlem
Leibe und trefflichen Angesichte hier allein im Walde befindet? Und wie
kmmt es, da mir mein Gemth sagt, es wrde mir durch Euch einiger
Trost zukommen, ja da ich schon, indem ich mit Euch rede, den sen
Klang der Stimme von diesen holdseligen Lippen vernehme, in zauberischer
Gegenwart Eurer Lieblichkeit, meine Leiden gelindert fhle?

Das Frulein sagte hierauf: theurer Reymund, habt Ihr gleich Euren Herrn
Vetter und das Schwein umgebracht, und seid dadurch in groe Noth
gerathen, so ist dieses doch gegen Euren Willen geschehn und ich sage
Euch hiermit, da Euch Glck, Reichthum und Macht wird zu Theil werden,
wie noch keinem jemals in Eurer Familie geschah, denn was Euer Herr
Vetter geweissagt hat, das mu an Euch selber in Erfllung gehn und es
wird auch mit gttlicher Hlfe vollbracht werden.

Wie Reymund hrte, da sie von gttlicher Hlfe sprach, wurde er noch
beherzter, weil er nun glaubte, da das Frulein kein Gespenst, auch
keine Heidin, sondern eine Christin sei, und sagte daher: aber mein
schnstes Frulein, wie wit Ihr doch meinen Namen, oder welch ein
Unglck mir begegnet ist, da ich Euch vorher niemals mit Augen gesehn
habe, denn Ihr wart nicht zugegen, als das Unglck geschah, noch habe
ich Euch vorher jemals bemerken knnen.

Sie sagte: trstet Euch nur und seid allerdings unbekmmert, denn ich
bin eben diejenige, durch welche das in Erfllung gehn mu, was Euer
Herr Vetter kurz vor seinem Tode geweissagt hat: zweifelt auch nicht
daran, da ich eine gute Christin sei, wie ich denn in der That merke,
da Ihr daran zweifelt, denn ich glaube alles, was einem guten Christen
zu glauben zukommt, als da Christus fr unser Heil gestorben und an das
bittre Kreuz genagelt ist, da er nach dreien Tagen auferstanden,
^item^, da er der eingeborne Sohn Gottes ist, und so weiter, gen Himmel
gefahren, nebst allen Dingen, die zu unsrer heiligen Religion gehren.
Darum vertraut mir nur, und Ihr sollt so weise, reich und mchtig
werden, wie es noch keiner je in Eurem Geschlechte gewesen ist.

Als Reymund dies gehrt hatte, bekam er seinen Muth und auch seine Farbe
wieder, denn alle Zweifel waren nun bei ihm verschwunden; er antwortete
daher: holdseligstes und schnstes Frulein, nunmehr bin ich bereit,
alles das zu thun, was Ihr mir gebieten werdet, denn ich sehe wohl, da
es eine Schickung Gottes ist, und nichts anders: darum sagt mir nur, was
ich thun soll, und wenn es nicht mein Vermgen oder meine Krfte
bersteigt, soll es gewi in Erfllung gesetzt werden.

Worauf das Frulein antwortete: Reymund, Ihr sollt mir schwren, da Ihr
mich zum ehelichen Gemal nehmen wollt, aber an keinem Sonnabend weder
nach mir fragen drft, noch Euch sonst um mich bekmmern, sondern diesen
Tag mu ich ganz ausdrcklich fr mich behalten, worauf ich Euch aber
wieder schwre, nichts zu thun, noch mich an selbigem Tage irgend an
einen Ort zu verfgen, der Eurer Ehre nachtheilig sein knnte.

Reymund schwur sogleich und sie fuhr fort: wenn Ihr diesen Euren Schwur
jemals brecht, so wird es Euch selbst zum Nachtheil gereichen, denn Ihr
werdet dadurch an Gut und Ehre, an Land und Leuten merklich abnehmen;
auch werdet Ihr mich selbst verlieren. Reymund schwur noch einmal und
versprach, ihr in allem zu gehorchen, worauf sie ihm sagte, da er nach
dem Schlosse zurck reiten mge, und sagen, da er seinen Herrn Vetter
im Walde verloren habe und nicht wisse, wohin der gekommen sei, man
werde diesen hierauf suchen, finden und mit vielen Wehklagen begraben.
Dann wrden alle Vasallen erscheinen, den jungen Grafen Bertram fr
ihren Lehnsherrn erkennen, und die Lehn von ihm begehren, zu diesen
solle er sich auch begeben und zum Lohn fr seine Dienste nur so viel
Landes bitten, als man mit einer Hirschhaut umschlieen knne, welches
ihm jener gewi nicht versagen wrde; er solle aber nicht vergessen,
sich hierber eine schriftliche Versicherung mit allen Siegeln
ausfertigen zu lassen. Reymund wrde hierauf einem Manne mit einer
Hirschhaut begegnen, dem er sie abkaufen msse, ohne zu handeln, diese
msse er in die dnnsten Riemen schneiden lassen, sie in einem Bschel
zusammenlegen, und sich am Tage der Vergabung damit nach dem Waldbrunnen
begeben, hier solle er mit dem Riemen dann so viel Land umfassen, als
ihm nur mglich wre. Nach allem diesen zeigte sie ihm noch den rechten
Weg nach dem Schlosse und bestimmte ihm einen Tag, an welchem er sie
wieder am Brunnen im Walde sprechen knne.

Reymund empfahl sich ihr, versprach alles auszurichten, wie sie es ihm
befohlen und eilte alsdann nach dem Schlosse zurck. Als er des Morgens
dort ankam, fragte ihn jedermann nach dem Grafen seinem Herrn; er aber
sagte, er habe ihn im Walde verloren, wisse nichts von ihm, knne also
auch keine Nachricht ertheilen. Endlich kamen des Grafen Diener alle von
der Jagd wieder zurck, keiner von allen wute vom Grafen. Da entstand
im Hause ein groes Wehklagen, besonders von den Kindern und der Grfin
ihrer Mutter. Die Diener wurden ausgeschickt, das Holz wurde durchsucht
und endlich fand man auch den Leichnam neben dem todten Schwein. Sie
brachten ihn in das Schlo und das Wehklagen und das Jammern vermehrten
sich noch um ein Groes: wurde dem todten Grafen hierauf ein kstliches
und ehrliches Begrbni angestellt, die Glocken gelutet, alt und jung
versammelt und in Thrnen, der Mann allgemein bedauert, und Mnner und
Frauen, Geistliche und Weltliche in schnen Trauerkleidern zugegen, alle
hoch und tiefbetrbt, vorzglich Reymund, wie es ihm das Frulein im
Walde gerathen hatte.

Als der Graf begraben war, kamen alle Vasallen und Lehnsleute zu seinem
Sohne, um die Lehn von ihm zu empfangen, unter diesen auch Reymund, der
so, wie ihn Melusina unterwiesen hatte, nur um so viel Landes beim
Waldbrunnen bat, als er mit einer Hirschhaut umschlieen knne. Dem
Bertram schien dies fr seine langen und getreuen Dienste eine geringe
Belohnung, hielt ihn berhaupt fr im Kopfe verwirrt, und sagte ihm also
mit verbinem Lachen dieses Erdreich zu. Lie hierber auch ein Dokument
mit seinem Siegel und Petschaft ausfertigen, so da nachher kein
Streiten darber mglich war. Denselben Morgen noch kaufte Reymund die
Hirschhaut, die er in einen langen und ganz dnnen Riemen schneiden lie
und als dies gethan war, ging er wieder zum Grafen Bertram, ihn zu
bitten, ihm nunmehr die versprochne Gabe durch einige seiner Rthe
berantworten zu lassen.

Sogleich wurden einige von den Rthen mit ausgeschickt, und Bertram
lachte innerlich, da jener sein Besitzthum einer Hirschhaut so eifrig
betrieb. So kamen die Rthe mit Reymunden zum Waldbrunnen, und
verwunderten sich ber die maen als sie sahn, da er die Hirschhaut zu
einem ganz dnnen Riemen geschnitten hatte. Zwei unbekannte Mnner
nahmen hierauf den Riemen, steckten einen Pfahl in die Erde, und umzogen
nun mit den Faden viel Holz, Wiesen und Felsen, den Waldbrunnen und eine
groe Weite des Thals, in welchem ein angenehmer Bach flo. Die Rthe
waren gar sehr erstaunt, muten aber den Vertrag halten, welchen Graf
Bertram mit seinem Wappen untersiegelt hatte. Die Rthe kamen hierauf
zum Grafen zurck und erzhlten ihm, was vorgefallen, die Hirschhaut sei
ganz in einen dnnen Riemen zerschnitten, zwei unbekannte Mnner htten
damit viel des Gebiets beim Waldbrunnen umschlossen, es habe geschienen,
als wenn der Riemen sich immer mehr auseinandergezogen, je weiter sie
gegangen, auch sei ihnen das ganze Revier viel grer vorgekommen, als
es ihnen wohl ehemals geschienen. Worauf der Graf antwortete: Es ist
eine fremde Sache und mag wohl ein Gespenst sein, denn ich habe oft
sagen hren, da fremde Wunder bei dem Waldbrunnen geschehn sein, gebe
Gott nur, da es zu seinem Besten ausschlage, denn er ist doch unser
Vetter und naher Verwandter, ist immer besser, als wenn er im Haupte
verwirrt wre, wie ich anfangs gedachte, so ist er aber klger, als man
von ihm denken mochte, drfen es ihm auch nicht mit Gewalt wieder
nehmen, weil er unsre Unterschrift und Siegel hat. Reymund ging hierauf
selber noch zum Grafen, um ihm fr die empfangene Gabe Dank zu sagen,
der ihn auch sehr freundschaftlich empfing.

An dem bestimmten Morgen ging Reymund ganz in der Frhe wieder zum
Waldbrunnen, wo er auch schon seine geliebte Melusina, seiner wartend,
antraf, die ihm mit den Worten entgegen kam: sei mir gegrt, Reymund,
Du bist ein weiser und vernnftiger Mann, denn Du hast alles so
ausgerichtet, wie ich es Dir gerathen habe. Hierauf gingen sie in eine
Kapelle, wo sie viel schnes Volk, Frauen, Ritter, Knechte, Priester und
kostbar gekleidete Leute sahen. Reymund verwunderte sich und fragte, wo
alles das Volk hergekommen sei? Melusina antwortete: wundere Dich nicht
darber, denn es ist alles das Deinige und sie sollen Dir auch ihre
Ehrerbietung bezeigen. Hierauf wendete sie sich zu den Leuten und befahl
ihnen, den Reymund als ihren Herrn anzuerkennen, und ihm Treue, Gehorsam
und Liebe zu geloben, welches sie auch alle sogleich mit groer Freude
und aller Unterwrfigkeit thaten.

Reymund wollte noch immer nicht seinen Augen trauen, dachte: wo krieg'
ich all dergleichen Volk her? wobei er innerlich zu Gott betete, weil er
meinte, es drfte das ganze Wesen nur ein schlimmes Gespenst sein.
Melusina weckte ihn bald aus diesen Gedanken, indem sie zu ihm sagte:
Reymund, nicht eher sollst Du ganz meinen Stand und mein Wesen erkennen
und erfahren, bis ich Dein ehliches Gemal bin. Worauf Reymund sagte: ich
bin bereit, Euren Willen zu allen Zeiten zu erfllen. Nun wohlan, sprach
Melusina, so wollen wir unsre Hochzeit auf knftigen Mondtag ansetzen,
doch mu es dabei eine ganz andere Gestalt haben und ehrlich zugehn, so
da wir alle Gebruche erfllen, die dabei blich sind; lade daher Gste
und Zeugen ein, und sorge nicht, da es an Speis und Trank, oder irgend
einer Ergtzlichkeit fehlen drfte, denn ich will alles besorgen.

Reymund ritt hierauf wieder nach dem Schlosse seines Vetters, des Grafen
Bertram, zurck, er fand ihn bei seiner Frau Mutter, trat vor beide hin,
machte einen zierlichen Reverenz und sagte: Gndiger Herr Vetter, auch
gndige Frau, es ist billig, da ich Euer Verwandter und Diener bin, Euch
meine Geheimnisse nicht lnger verborgen zu halten, mu Euch also sagen,
da ich mir eine Frau nehmen will, und die Hochzeit am nchsten Mondtage
beim Waldbrunnen zu feiern gesonnen bin, bitte Euch also beiderseits
demthig, mir die Ehre zu gnnen und dabei Eure persnliche hohe
Gegenwart zu schenken.

Der Graf antwortete hierauf: Mein lieber Herr Vetter, Euch zu Ehren und
zu Liebe will ich herzlich gern dahin kommen, auch mit anstndigem
Gefolge, hoffe auch, da meine Frau Mutter mit mir gehen wird; doch mu
ich fragen: wer ist Dero Frau Gemalin, oder von wannen ist sie, denn es
wre nicht gut, wenn sich mein Herr Vetter durch eine zu schnelle
Heirath unglcklich machte. Aus welcher Gegend und von welchem
Geschlechte ist sie? denn ich mchte auch gern wissen, ob sie denn wohl
adlich sei, da ich Euch zu Ehren mit Gefolge und meiner Frau Mutter auf
Eure Hochzeit kommen will.

Reymund antwortete: Herr Vetter, es kann nicht geschehn, es jetzt zu
sagen, denn ich wei es dermalen selber noch nicht, ich wei auch nicht
von wannen sie ist, oder was sonst ihr Wesen sein mag, begngt Euch
damit, sie Mondtags in ihrem Stande zu sehn.

Der Graf antwortete: Herr Vetter, das ist ziemlich wunderlich, da Ihr
ein Weib nehmt, welches Ihr selbst nicht kennt, ich frchte, da Ihr
angefhrt werdet, wie es schon so manchem ergangen ist, und komme fast
auf meine erste Vermuthung zurck, da Ihr im Haupte verwirrt sein mgt.
Ihr nehmt mir diesen meinen guten Rath nicht zum beln, denn es
geschieht nur deswegen, weil ich zu Eurer Hochzeit kommen soll und da
fiele die Schande nachher auch mit auf mich.

Reymund antwortete: Herr Vetter, Eure Warnung nehme nicht sonderlich
bel, weil Ihr meine Gemalin nicht kennt, die so schn und klug ist, da
sie ohne Zweifel von hoher Abkunft sein mu, bin brigens im Haupte
recht gescheidt, trotz dem Besten im ganzen Lande und zu jeder Probe
erbthig, will brigens die Frau selber heirathen und keinen andern dazu
berreden, steht sie mir an, so ist es gut, ist sie mir schn und edel
genug, so hat Niemand weiter etwas darnach zu fragen, grme mich auch
nicht bermig, wenn Ihr nicht zu meiner Hochzeit kommen wollt, denn
ich werde schon andre und nicht minder gute Gste zu finden wissen.

Es war nicht so gemeint, mein lieber Herr Vetter, antwortete hierauf der
Graf behende, denn er furchte sich; ich und meine Frau Mutter und die
meinigen wollen zur Hochzeit kommen, und rechnen es uns zu sonderbarer
Ehre dazu geladen zu sein. Wofr sich denn Reymund mit vielen und
hflichen Worten bedankte.

Am Mondtag Morgen ritt der Graf Bertram mit seiner Mutter und seinem
Hofgesinde aus, nach dem Waldbrunnen zu; man unterredete sich unterwegs
davon, wie man wohl keine Herberge finden drfte, weder fr Pferde noch
Menschen, noch auch Speise und Trank in gehrigem Maa, oder andre
Ergtzlichkeit, indessen trstete sich der Graf und meinte, ein
schlimmer Tag wrde bald vorbergehn. So zogen sie durch den Wald und
als sie auf den offnen Platz zu den Felsen kamen, zeigten sich zwischen
den Bumen viele schnen Zelter auf dem grnen Boden aufgebaut,
allenthalben sah man einen groen Rauch aufsteigen vom Kochen und vom
Braten, eine Menge Volks in schnen Kleidern war zugegen, die Zelter
prangten mit Fhnlein und buntgemalten Wappen, liebliche Musik erscholl,
die Kche waren bei den Backfen und in den Kchen geschftig, adliche
Herrn und Damen sah man auf dem reizenden Plan hin und wieder spazieren.
Alle dachten, es mchte wohl ein Gespenst sein, was sie sahen, als ihnen
sechszig treffliche Ritter entgegen kamen und sie im Namen des
Brutigams und der Braut begrten, worauf sie sie zu Reymunden selber
brachten, der ihnen vor allen brigen Gsten die zugegen waren, die
grte Ehre erwies.

Die Pferde wurden ihrerseits an die Krippen gezogen, wo man ihnen
schnen Haber vorlegte, Frauen und Jungfrauen kamen der Grfin entgegen,
um sie zu empfangen, worber sich diese nicht genug verwundern konnte,
da sie sich an diesem seltsamen Orte dergleichen Aufnahme nicht versehn
hatte. Reymund fhrte hierauf die Gste in seine Wohnung, wo auch eine
Kapelle war, reich mit mancherlei Kleinodien ausgeziert. Nun wurde zur
Brautmesse gelutet, und das schne Frulein Melusina trat in allem
ihrem Schmucke herfr, so da aller Augen von ihrem Glanze wie von ihren
Reizen geblendet wurden; ein feines Gewand schlo sich an den edlen
Wuchs der Glieder, und wie die Sommerlfte spielend um sie wehten,
flossen in zarten Wellen die Falten des Gewandes, als wenn die Gttin
aus dem Meere gestiegen wre und so eben die letzten Wogen von ihr
niedergleiten wollten: ein Blumenkranz verschnte das Haupt, und den
Busen trug sie frei, auf dessen Glanz die reichen Kleinodien mit
unterschiedlichen Farben schimmerten. Nun erhoben sich auch die
frhlichen Saitenspiele, auch Musik mit Flten und Posaunen, alle Sinne
der Gste waren geblendet und in Entzcken und der Graf Bertram sagte in
seinem Herzen: dieses ist warlich eine Hochzeit, die sich sehen lassen
darf.

Hierauf wurd Reymund in der Kapelle von einem vornehmen Bischoffe mit
seiner geliebten Braut vermlt. Dann verfgte man sich an die Tafel, wo
die kstlichsten Speisen und die schnsten Weine fr alle im Ueberflusse
da waren. Allen gefiel das und es war keiner, der nicht mit Appetit das
Essen zu sich genommen, denn es war berdies vortrefflich zubereitet.
Nach der Tafel wurde man erst frhlich, da fing auf dem Plan ein Stechen
und Thurnieren an, bei welchem sich Reymund mit seiner Geschicklichkeit
vorzglich auszeichnete. Hier wurden viele kstliche Kleinodien
gewonnen, welche die edle Melusina zu Preisen ausgesetzt hatte; die
Damen empfanden ber die Uebungen der jungen Ritter ein groes
Vergngen.

Am Abend war wieder ein herrliches Mahl zubereitet, man setzte sich
wieder zu Tische, a und trank und machte mit schnen Worten Spas, der
selten ist. Darnach wurden die Tnze angefangen, die bis tief in die
Nacht whrten.

Als nun die Zeit gekommen war, da die Braut zu Bett gebracht werden
sollte, so wurde sie von schnen Frauen in das Schlafgemach gefhrt.
Hier stand ein prchtiges Bett, das mit Lilien besteckt war, schne
Teppiche und Vorhnge von der seltensten Stickerei zierten das Gemach,
nicht minder treffliche Mahlereien. Hier sah man in den lebhaftesten
Farben die nackte, badende Leda und den schneeweien Schwan, der sich
liebkosend an sie schmiegte, inde sie verwundert und entzndet mit
durstenden Lippen in der Luft nach erwiedernden Kssen suchte: hier
entsprang die Gttin der Liebe aus der Flut und schwimmende Najaden
brachten ihr Korallen und Lobgesnge entgegen. Dort war Mars im Netze
mit der Venus in einer Stellung festgehalten, die die Blicke der
lsternen Gtterschaar entzckte. Hier badete Galatea und die Wellen
schmiegten sich zrtlich zu ihren Fen und ein schelmischer Widerschein
fing das Bildni der lieblichen Gestalt auf. So waren noch andre
treffliche Gemlde und Darstellungen und das Zimmer war auerdem reich
und kostbar verziert. Die edlen Frauen entkleideten die Braut, wobei sie
sich selber ber ihre Schnheit verwunderten und dem Brutigam Glck
wnschten, worauf sie sie in das Bett legten. Nun wurde auch Reymund
hereingefhrt, der sich alsbald zu seiner Melusina begab, worauf der
Bischoff hereintrat, um sie beide einzusegnen. Er erstaunte ber die
Trefflichkeit des schnen Gemachs und sagte: Ihr habt da gar herrliche
Schildereien, edler Herr, es ist ein wahres Wunder fr die Augen. Als er
dieses gesagt hatte, segnete er sie ein und betete viele schne Gebete
ber ihnen.

Einige von den ltern Gsten begaben sich nunmehr auch zur Ruhe, die
jungen aber blieben beim Tanzen munter, andre lustwandelten einsam mit
ihrer Geliebten in dem grnen Labyrinth der Bsche, andre Damen und
Ritter versammelten sich in der Nhe des Brautgemachs, um den
Neuvermlten einige se Lieder zu singen. Eine Stimme begann bei einem
leisen Klang der Instrumente:

   Wann die Rosenzeit gekommen,
   Spielt um sie die warme Luft,
   Ihnen ist die Furcht benommen,
   Sie ergieen sen Duft.

   Winde buhlen mit den Rosen,
   Willig bricht die Knospe los,
   Eilt entgegen sem Kosen,
   Oeffnet lachend ihren Schoos.

Hierauf sang eine andre Stimme:

   Zarte Arme zum Umarmen,
   Lippen fr den sen Ku,
   Busen daran zu erwarmen,
   Leib zum herrlichen Genu.

   Rosen, Lilien, sind verstreuet
   Auf den wundersen Leib,
   Und der Liebe Gunst erfreuet
   Brutigam und junges Weib.

Das Chor der Frauen sang lieblich, indessen die Instrumente ihre Tne
erhoben:

   Du bist nun ohne Hlfe eingefangen,
   Und mut dich, Braut, dem strkern Mann ergeben,
   Drum sei zufrieden, unterla dein Bangen,
   Gekt gieb Ksse wieder ohne Beben,
   Die Zeit des Mdchenstandes ist vergangen,
   Du lernst ein liebend und geliebtes Leben,
   Drum magst du dich wohl seiner Weisung fgen,
   Anfangs besiegt wirst du am Ende siegen.

Das Chor der Mnner stimmte an:

   Nein, keiner wird den Sieg von beiden haben,
   Und beide werden schnen Sieg gewinnen,
   Sie theilen ohne Neid die sen Gaben,
   Und jeder reit des andern Geist von hinnen,
   Sie kriegen nun, am Frieden sich zu laben,
   Indessen sie auf neue Tcke sinnen,
   Doch keiner hat des Friedens Ruh verschworen,
   Aus Zwietracht wird die Eintracht hold geboren.

Nun vereinigten sich die verschiedenen Stimmen in einen einzigen Chor
und sangen frohlockend:

   Es streift die Liebe durch den Duft der Linden,
   Der Glanz der Sterne kt die Blum' im Stillen,
   Sehnsucht und Lieb' des Himmels Rum' erfllen,
   Innbrnst'ger Wunsch seufzt in den nchtgen Winden.

   In einen Ku mt ihr all' Sinne binden,
   In einen durstgen Blick Begier und Willen,
   Nun gilts nicht Seel' und Leib mehr zu verhllen,
   Und wunderse Gaben sollt ihr finden.

   Ein s Erstaunen fesselt Herz und Sinnen.
   Die Liebe brennt in Augen, Lippen, Hnden,
   Die Ksse kssen sich, nicht mehr verschieden.

   Ungleiche Waffen? Wer wird da gewinnen?
   Der Sieg will sich nach keiner Seite wenden,
   Sie sind im Kmpfen einger als im Frieden. --

Dergleichen Lieder wurden noch mehr gesungen. Melusina lag indessen beim
Reymund und sagte zu ihm mit lieblicher Stimme: ich bin nun ganz die
deinige, mein herzliebster Gemal und Freund, und mu mich in allen
Dingen deinem Willen fgen, nur mut du deinen Schwur, den du mir
gethan, niemals brechen, sonst kommst du von Glck in Unglck, von Ehre
in Elend. Reymund besttigte ihr seine Treue noch einmal, worauf sie in
dieser Nacht von ihm mit einem Sohne schwanger wurde, den sie nachher
_Uriens_ nannten.

Diese Hochzeit whrte mit allen ihren Festlichkeiten zwei Wochen
hindurch, nach welcher Zeit Melusina aus einem helfenbeinernen Schranke
eine Menge kostbarer Kleinodien nahm und jedem der anwesenden Gste ein
herrliches Stck verehrte, vorzglich aber dem Grafen und seiner Frau
Mutter, auch die Dienerschaft wurde mit Geschenken bedacht, worauf sich
denn alle Gste wieder unter vielen Danksagungen entfernten. Auch der
Graf Bertram und die Seinigen nahmen freundlichen Abschied, welche
Reymund mit vielen von seinen Leuten zu Pferde begleitete. Der Graf
htte den Reymund gern nach dem Stande der Melusina gefragt, aber er
furchte sich vor ihm, von wegen seiner neulichen Antwort; Reymund dankte
ihnen nochmals fr die erwiesene Ehre, beurlaubte sich mit aller
Hflichkeit und ritt zurck.




                          Zweite Abtheilung.


Reymund kam zurck zur Melusina, kte sie freundlich und sagte:
Allerliebste Gemalin, womit sollen wir uns nunmehr die Zeit vertreiben?
Melusina antwortete: ich hoffe, Gott wird uns mit allem dem versehn, was
wir nur bedrfen.

Nach einigen Tagen fing Melusina einen groen und prchtigen Bau an,
ber welchen sich die ganze Nachbarschaft verwunderte, denn noch niemals
hatte man ein so mchtiges Kastell und in so geringer Zeit aus seinem
Fundamente heraufsteigen sehen. Sie bezahlte die Arbeiter reichlich und
auch gleich baar, wodurch sie alle die Lust zum Baue behielten. In
weniger als einem Jahre stand ein groes und festes Schlo mit seinen
Zinnen, Wllen, Zugbrck und sehr tiefen Grben da, welches nach seiner
Festigkeit fast fr unberwindlich gehalten wurde, und welches sie
_Lusinia_ nannte, wodurch sie gleichsam auf ihren eignen Namen
anspielend deutete.

Nach neun Monaten gebar Melusina einen Sohn, der _Uriens_ genannt wurde,
und der sonst wohlgestaltet war, nur befand sich sein Angesicht seltsam
eingerichtet, denn dieses war kurz und breit, mit einem rothen und einem
grnen Auge, einem sehr weiten Mund, und hatte darneben noch groe
herabhangende Ohren: sonsten war seine brige Gestalt adelich und fein
und er wuchs nachher zu einem schnen und tapfern Ritter auf.

Im folgenden Jahre gebar Melusina wieder einen Sohn, der _Gedes_ getauft
wurde; dieser hatte eine solche Rthe in seinem Antlitze, da sie
ordentlich einen Widerschein gab, sonst war er brigens von edler
Bildung. Hierauf wurde von der Melusina ein anderes Schlo, Favent,
gebaut, hernach legte sie der Mutter Gottes zu Ehren ein Kloster aus
Andacht an, welches sie Malliers nannte; zuletzt aber baute sie eine
ganze Stadt, Portenach.

Darauf gebar sie wieder einen Sohn, der war zwar schn, doch stand ihm
das eine Auge hher als das andre, und wurde _Gyot_ genannt. Worauf sie
wieder ein Schlo bauen lie, mit einer sehr schnen und kunstreichen
Brcke ber den Strom allda. Dann brachte sie wieder einen Sohn zur
Welt, der _Antoni_ geheien wurde und der eine Lwenklaue auf dem Backen
mit auf die Welt brachte, auch war er sehr wild und ganz rauch von
Haaren, und als er grer wurde, mute sich jedermann vor ihm frchten,
welcher ihn sah.

Dann gebar sie wieder einen Sohn, den _Reinhardt_, der nur ein Auge
mitten auf der Stirne hatte, damit aber so viel sah, wie andre mit
zweien und nachher sehr brav und tapfer wurde. Nicht lange gebar sie
wieder einen andern Sohn, den _Geoffroy_; dieser kam mit einem groen
Zahn zur Welt, der ihm fast wie ein Eberzahn aus dem Munde heraus stand,
dieser wurde nachher ein sehr tapfrer Ritter, hatte aber einen mehr
wunderlichen Sinn, als alle seine Brder zusammen genommen. Reymund
sagte bei dieser Gelegenheit zu seiner liebsten Gemalin: werthe Frau,
was bringst du mir doch fr seltsame Kinder zur Welt? soll denn kein
einziger ohne einen Makel erfunden werden? Sonderlich betrbt mich
dieser Geoffroy mit dem Zahn, denn er erinnert mich an mein ehemaliges
Unglck mit meinem Herrn Vetter und an das Schwein; ich frchte immer,
da uns durch diesen Sohn irgend ein Leid zustoen wird. Melusina
antwortete: wir wollen ihn in der Furcht des Herrn erziehn und er wird
ein wackrer Ritter werden.

Darnach gebar sie wieder einen Sohn, den _Freymund_, der von schner
Leibesgestalt war, aber auf der Nase einen haarigen Fleck, fast wie ein
Stck Wolfshaut, hatte. Nicht lange, so bekam sie noch einen Sohn,
_Horribel_, derselbe hatte drei Augen und war von bsen Sitten und argem
Gemth. Dann kam der _Dietrich_ zur Welt, der ein groer Ritter wurde,
und zuletzt ein Sohn, den sie _Reymund_ nannten.

So hatte Melusina nun zehn Shne, als:

    1)  _Uriens_, mit schlechtem Antlitz, einem rothen Auge und langen
           Ohren.
    2)  _Gedes_, mit der Rthe im Angesicht.
    3)  _Gyot_, ein Auge hher als das andre.
    4)  _Antoni_, eine Lwenklaue auf der Wange.
    5)  _Reinhardt_, nur ein Auge auf der Stirn.
    6)  _Geoffroy_, mit dem Zahn.
    7)  _Freymund_ mit der Wolfshaut auf der Nasen.
    8)  _Horribel_, der drei Augen hat.
    9)  _Dietrich_, ohne Fehl.
   10)  _Reymund_, ohne Fehl.

Als der lteste Sohn _Uriens_, der mit dem schlechten Antlitz und langen
Ohren, zu seinen erwachsenen Jahren gekommen war, begehrte er ein
berhmter Ritter und Kriegsmann zu werden und sein Glck in der weiten
Welt zu versuchen. Da ihm nun sein Sinn darnach stand, so rstete er ein
Schiff aus, welches er eine Galeere nannte, nahm viel Volks mit, von
seinen Eltern Abschied, und ihn begleitete sein jngerer Bruder Gyot,
dem ein Auge hher, als das andere stand. So begaben sie sich auf das
hohe Meer, und versahen sich auch mit Gold und Silber, von dem Segen
Reymunds, wie der Melusina begleitet.

Sie richteten ihre Seefahrt nach Famagusta, der Hauptstadt des
Knigreichs Cypern, wo sie Anker warfen und an das Land stiegen. Hier
vernahmen sie, da ein heidnischer Knig diese Stadt mit einer groen
Menge Volks belagert hielt und den christlichen Knig von Cypern hart
bedrngte, worauf sie sich vornahmen, diesem beizustehn. Schlugen also
ihr Lager im Angesicht der Feinde in der Nhe der Stadt auf, und
erwarteten eine gnstige Gelegenheit, ihre Tapferkeit zu zeigen; die
Heiden aber waren ungewi, ob sie dieses fremde Volk fr Heiden oder fr
Christen halten sollten. Der Heide zog daher aus Vorsichtigkeit sein
Volk zusammen, ob er etwa berfallen werden mchte, worauf der Knig von
Cypern, der dieses aus der Stadt wahrnahm, meinte, jener wolle sich zur
Flucht bereit machen, daher er die Thore aufmachen, Fahnen vortragen und
die Trompeten frhlich blasen lie, indem er mit aller Macht in das
heidnische Lager einbrach. Die Heiden aber wehrten sich tapferlich, und
brachten viele der Christen um, der Knig von Cypern selbst wurde von
einem vergifteten Pfeile getroffen, so da er augenblicklich sprte, die
Wunde wrde tdtlich sein. So muten sie sich alle mit groem Verlust in
die Stadt zurck begeben.

Der Knig hatte eine schne Tochter, Hermina genannt, welche heftig
erschrak, als sie ihren Herrn Vater auf diese Weise zurck kommen sah,
von dem vergifteten Pfeile verwundet, besonders, da sie hrte, da er
von dieser Wunde nicht wieder aufkommen knne; sie klagte und weinte,
aber ihrem von dem vergifteten Pfeil getroffenen Vater war damit nicht
geholfen, sondern seine Leiden wurden dadurch nur vergrert.

Indessen der Knig auf dem Kranken- und Sterbelager klagte, griff Uriens
nebst seinem Bruder die Heiden mit solcher Tapferkeit an, da sie bald
erschraken und nicht wuten, wie ihnen geschah, so da sie sich
genthigt sahen, zurck zu weichen, weil ihnen eine solche Tapferkeit
bis dahin noch nicht vorgekommen war. Uriens aber that noch mehr, er
drang bis zu dem Heidenknig hindurch, schwang sein Schwert, und hieb
ihm ohne weiteres den Kopf herunter, so da der brige Leib ebenfalls
gezwungen wurde, aus dem Sattel zu fallen. Wie die Heiden dergleichen
Beginnen wahrnahmen, verloren sie vollends gar den Muth und suchten ihr
Heil in einer unordentlichen und bereilten Flucht; damit war ihnen aber
wenig geholfen, denn nun schlugen die Christen dermaen unter sie, da
die meisten auf dem Platze blieben und nur die wenigsten mit dem Leben
davon kamen. Nachdem so der Streit geendigt war, ruhte Uriens mit seinem
Bruder Gyot im Lager der Feinde von dem vielen Fechten aus, denn die
Helden waren von dem Erschlagen der Heiden mde geworden.

Als der Knig diese Thaten und die Niederlage seiner Feinde vernahm,
freute er sich, ob er gleich dem Tode so nahe war, schickte also seine
Abgeordneten nach den beiden Brdern, die um Entschuldigung bitten
muten, da er nicht selber komme, um ihnen seine persnliche Aufwartung
zu machen, er liege aber an einer Wunde von einem vergifteten Pfeile
dermaen darnieder, da es ihm unmglich falle; sie mchten daher von
der Gte sein, ihn in seinem kniglichen Pallaste zu besuchen, bevor er
gar gestorben wre. Die beiden Brder antworteten: da sie ihre
Schuldigkeit nicht unterlassen wrden, vor der hohen Gegenwart seiner
kniglichen Majestt zu erscheinen, worauf sich die Abgeordneten zurck
begaben, und Uriens sich mit seinem Bruder Gyot alsbald in die Stadt
Famagusta verfgte. Als sie in die Stadt anlangten, verwunderte sich das
Cyperische Volk sehr ber das seltsame Aussehn des Uriens und da er,
ohnerachtet seines Angesichtes, solche Wunder der Tapferkeit zu
verrichten im Stande sei: er merkte, da sie ber ihn erstaunten und
begab sich in den Pallast des Knigs, wo er diesen bel zugerichtet und
von dem vergifteten Pfeile am ganzen Leibe geschwollen im Bette liegend
antraf. Er grte den Knig und beklagte ihn wegen seines Unfalls,
worauf ihm der Knig dankte und sagte, da ihm die ganze Christenheit
Preis, Lob und Verbindlichkeit schuldig sei, indem er auf solche Weise
unter die Heiden gewthet, da sie es auf lange empfinden wrden.
Zugleich fragte der Knig, von wannen sie beiden gebrtig wren? Uriens
sagte, wie er Uriens heie und in Lusinien geboren sei. Worauf der Knig
wieder antwortete: da ich nun meines tapfern Herrn Namen und Geschlecht
so umstndlich wei, so will ich nicht lnger eine Bitte zurck halten,
die ich vorzutragen habe: ich bin nmlich des Willens, Euch, mein edler
Ritter, ein groes Glck, viel Ehre und Reichthum zuzufgen; ich habe
nur eine einzige Tochter, Hermina genannt, an welche mein Reich, so wie
mein ganzes Vermgen fllt, wenn ich, will's Gott bald, an meiner vom
vergifteten Pfeil empfangenen Wunde gestorben sein werde, dabei wnschte
ich, mein Reich in den Hnden eines tapfern Ritters zu wissen, weil es
dem Heidenthum so nahe liegt, da es durch dieses tglich beschdigt
werden kann; ich wei keinen bessern Ritter als Ihr seid, darum bin ich
gesonnen, Euch mein Reich so wie meine Tochter zu bergeben.

Uriens bedankte sich hflich, sagte: er wre es zwar durchaus nicht
wrdig, wolle sich aber nicht weigern, die kniglichen Befehle zu
vollfhren. Ueber diese Antwort war der Knig sehr froh und zufrieden,
er lie alsbald seine Tochter zu sich kommen und auch die Rthe seines
Reichs vor sich versammeln, zu welchen er sprach: Ihr wit, wie ich
bisher mein Reich mit bewaffneter Hand gegen die Heiden beschirmt habe,
doch dieses kann von nun an nicht mehr geschehn, indem ich durch einen
vergifteten Pfeil auf den Tod verwundet bin, ich verlange also von Euch,
da Ihr meine Tochter Hermina als Eure Oberherrschaft in meiner
Gegenwart, bevor ich sterbe, anerkennt, denn sie ist meine einzige und
rechtmige Erbin. Die Rthe und Landesherren thaten, was er begehrte,
worauf der sterbende Knig also fortfuhr: ein Weib aber kann unmglich
durch ihre eigene Kraft ein Knigreich beschtzen, welches eine so
gefhrliche Lage hat, indem es fast zu nahe an das wilde Heidenthum
grnzt, ich verlange daher, da meine einzige Tochter Hermina sich mit
einem Ehegemal verbinde und da wte ich keinen tapfrern, und bessern,
wenn ihm gleich die Schnheit des Angesichts abgeht, als den
unvergleichlichen Ritter Uriens aus Lusinien, der die Heiden so
trefflich bezwungen, ja ihrem Knige das Haupt heruntergeschlagen hat,
ob ich gleich diese Freude nicht lange genieen werde, da ich auch durch
einen vergifteten Pfeil auf den Tod verwundet: Ich verlange also meine
Tochter Hermina, da Du diesem Ritter als Deinem Gemale die Hand
reichest, und da alle meine Rthe und Landesherren ihm als ihrem
zuknftigen Knige huldigen sollen.

Die Landesherren thaten solches sehr gern, auch gab Hermina dem Uriens
freiwillig ihre schne Hand, worber dieser im Herzen ungemein erfreut
war. Das Volk in Cypern, als es diese Neuigkeit erfuhr, war sehr froh
und vergngt, denn Uriens gefiel ihnen allen, sie folgten ihm daher alle
in die Hauptkirche, wo er mit seiner Braut Hermina vermlt wurde.
Zugleich lie sich der verwundete Knig das heilige Sakrament geben,
worauf er selig verschied, so da die Hochzeit ohne Tanz und Saitenspiel
gefeiert werden mute; doch wurde der verstorbene Knig herrlich und mit
aller Pracht in seinem Begrbnisse beigesetzt. Dann wurde Uriens zum
Knige gekrnt.

Um diese nmliche Zeit fgte es sich auch, da der Knig von Armenien
sterben mute, welcher ein naher Verwandter des Knigs von Cypern war.
Er hinterlie eine einzige sehr schne Prinzessin, welche den Namen
Florie fhrte; die hinterlassenen Rthe beschlossen, diese mit dem
tapfern Gyot, dem Bruder des Uriens, zu vermlen, worein die Prinzessin
selber auch gern einwilligte. Als es so weit gekommen war, schickte man
eine Abgesandtschaft zum Knige Uriens von Cypern, die ihn ersuchen
mute, dem Reiche Armenien seinen Bruder Gyot als einen Herrscher zu
berschicken, welches dieser auch sehr gern that, weil er dem Glcke
seines Bruders nicht im Wege sein wollte. Worauf Gyot nach Armenien
ging, sich mit der Prinzessin Florie verheirathete und zum Knig gekrnt
wurde.

Beide Brder unterlieen es nach diesen glcklichen Vorfllen nicht,
Boten mit Briefen zu ihren Eltern nach Lusinien zu schicken, wodurch
diese alles erfuhren, was ihren lieben Shnen begegnet war und sich von
Herzen freuten, so da auch Melusina, um sich gegen Gott dankbar und
gefllig zu bezeigen, eine neue Kirche stiftete, nachdem sie schon viele
andre gebaut hatte. Um die Zeit verheiratheten sie auch ihren Sohn
Gedes, den mit der hohen Rthe im Angesichte, mit einer vornehmen Grfin
aus dem dortigen Lande.

Es whrte nicht lange, so nahm auch _Reinhardt_, der nur ein Auge hatte,
von seinen Eltern Abschied, um sein Glck in der Welt zu versuchen. Ihn
begleitete _Antoni_, der zum Zeichen eine Lwenklaue auf der Wange trug;
sie nahmen ebenfalls viel Volks mit sich. Diese tapfern Ritter gelangten
auf ihrem Zuge nach Ltzelburg, welches damals eben der Knig von Elsa
mit einer ansehnlichen Armee belagert hielt und schon im Begriff stand,
die Stadt gar zu gewinnen. Dieser Knig hielt die Stadt aus bloem
Muthwillen belagert, denn er wollte durchaus die Herzogin von
Ltzelburg, die in der Stadt regierte, zu seiner Gemalin haben, sie aber
war nicht dieser Meinung und deshalb suchte er ihre Stadt zu erobern, um
sie selber dadurch zu gewinnen. So war also diese Prinzessin eine arme
verlassene Waise und in grter Bedrngni, welches die beiden Brder
von Lusinien nicht sobald gehrt hatten, als sie, von Mitleid ergriffen,
den Entschlu faten, dieser unglckseligen Prinzessin mit ihrer ganzen
Macht beizustehn. Sie wickelten also die Fahnen auf, stellten ihre
Vlker in eine gute Schlachtordnung, und griffen nun mit der Loosung
Lusinien die Elsasser so beherzt an, da viele von diesen in die Pfanne
gehauen wurden. Antonius kam im Treffen mit dem Knige von Elsa in ein
einzeln Gefecht, worauf dieser entwaffnet wurde, und sich der Knig dem
Antonius gefangen geben mute. Reinhardt that hierauf noch dem brigen
Volke groen Schaden, so da die Brder eine herrliche und glnzende
Schlacht gewonnen hatten.

Die Brder lieen hierauf den gefangenen Knig durch sechs von ihren
Rittern der Prinzessin von Ltzelburg berantworten, welche sich ber
ein solches Prsent hchlich erfreute und dem Himmel, so wie den beiden
tapfern Helden den besten Dank abstattete; sie erkundigte sich auch nach
den Namen, Herkommen und Geschlechte der beiden Brder und war sehr
zufrieden, als sie solches alles erfahren hatte, denn sie fate nun den
Entschlu, in ihren Staatsgeschften nichts ohne Mitwissen und
Beistimmung der beiden Herren zu thun oder zu unternehmen. Sie lie
hierauf diese beiden tapfern Ritter nebst den vornehmsten aus ihrem
Gefolge zu sich in die Stadt bitten, welche sich auch sogleich fertig
machten, ihr in Ltzelburg aufzuwarten. In der Stadt empfing sie das
Volk in schner Frhlichkeit mit auserlesener Musik und trefflichem
Klang von Instrumenten, Jubelgeschrei und dergleichen, weil sie durch
die Brder von dem Elsassischen Knige erlst waren, der ihnen viel zu
schaffen gemacht hatte. Zwei vornehme Landesherren aus Ltzelburg
erschienen hierauf und fhrten die beiden Herren auf das Schlo, wo die
Frstin ihnen mit den schnsten Damen, Frulein, Pagen und Gefolge
hflich entgegen kam und ihnen in den wohlgesetztesten Redensarten ihren
Dank abstattete, auerdem aber eine prchtige und beraus kstliche
Mahlzeit zurichten lie, so da nicht genug zu sagen ist, wie vergngt
die beiden Brder waren.

Am Tische wurde der gefangene Knig von Elsa oben an gesetzt, dann
folgten die beiden Herren Antonius und Reinhardt, dann die vornehmsten
Landesherren und die brigen Gste nach ihren Wrden, den Brdern aus
Lusinien gegen ber sa die schne Frstin, und so war man beim Essen
und Trinken ausnehmend vergngt, ausgenommen der gefangene Knig, der
den groen Verlust seiner Leute und seiner Reichthmer nicht
verschmerzen konnte.

Nach dem Essen wurde gebetet und darauf fing der gefangene Knig zu den
Brdern an: tapfre Ritter, bitte, mir nunmehr zu sagen, um welche
Ranzion ich der Gefangenschaft entledigt sein soll, die ich gern
entrichten will, um meine Freiheit nur wieder zu gewinnen. Antonius
antwortete: Ew. Knigliche Majestt ist nicht unser Gefangener,
dieselben sind der Frstin Durchlauchtigkeit von Ltzelburg als ein
Prsent bermacht, so da wir nicht mehr ber Euch schalten knnen,
sondern Ihr gnzlich in die Willkhr dieser hohen Frstin gestellt seid.
Darber erschrak der Knig ber die maen, denn er wute, da er durch
sein Betragen die hchste Ungnade der Frstin verdient hatte, frchtete
also gar, als ein gottloser Mann und unverschmter Liebhaber sein Leben
zu verlieren. Da die Frstin seine Verlegenheit sah, wandte sie sich
wieder zu den beiden Brdern, und sagte, da die Ranzion des Knigs
gnzlich in ihrem Belieben stehe; sie htten ihn gefangen, mchten daher
auch seinen Preis bestimmen, gebe ihnen also hiemit ihr Prsent wieder
zurcke. Worauf die Grafen antworteten: sie wollten ihn aller Ranzion
entledigen, er solle fufllig die Frstin um Verzeihung bitten,
versprechen, ihr nie in Zukunft mehr zur Last zu fallen, und allen ihrem
Lande zugefgten Schaden zu ersetzen. Wie das der Knig hrte, wurde er
froh und that sogleich freiwillig alles, was von ihm verlangt wurde.

Als dies geschehn und in Richtigkeit gebracht war, berlegte der Knig
von Elsa bei sich selber, wie fromm die beiden Brder aus Lusinien
wren, und wie edelmthig sie sich gegen ihn bezeigt htten, erinnerte
sich auch, wie nach dem Boethius Undankbarkeit eins der grten Laster
sei, nahm sich daher in seinem Gemthe vor, nicht fr undankbar zu
gelten und sagte daher ffentlich im Beisein aller Landesherren: Wollte
Gott, da diese beiden Brder die Sttzen und Anfhrer des Frstenthums
wren, so wrde weder ich noch ein andrer Feind jemals sich unterstehn,
dieses Land feindlich zu berziehn; wenn ich rathen sollte, so mchte
die durchlauchtige Prinzessin einem von diesen tapfern Brdern ihre Hand
und ihre Liebe reichen. Als die Landesherren dies hrten, freuten sie
sich und waren derselben Meinung, redeten auch der Frstin von Herzen
zu, solches auszurichten, sie aber antwortete, da sie dergleichen
Vorschlge erst berlegen msse.

In der Nacht erwgte die Frstin alles bei sich, was sich zugetragen
hatte, und da sie genau auf ihre Gedanken achtete, merkte sie, da sie
eine sonderliche Neigung zum Grafen Antonius in sich habe, dieses
offenbarte sie auch am folgenden Tage und Antonius gab ihr seine Liebe
zu erkennen, die er gleich im ersten Augenblicke zu ihr gefat hatte; so
wurden sie dann einig und nach weniger Zeit mit einander getraut. Die
Hochzeit whrte unter vielen Ergtzlichkeiten eine ganze Woche hindurch
und that sich beim Stechen der Knig von Elsa ganz besonders hervor.

Als die Hochzeit vorber und man eben unter vielen Danksagungen von
einander scheiden wollte, erschien am Hofe ein schnellreitender Bote,
der sogleich nach dem Knige von Elsa fragte. Als dieser sich gemeldet,
empfing er von dem Boten Briefe, ber deren Inhalt er sehr erschrak und
schmerzlich seufzte, worauf sich Antonius erkundigte, was in den Briefen
enthalten sei. Der Knig sagte: ach Gott! mein Herr Antonius, mein
Bruder, der Knig von Bhmen, schreibt mir hier, da ihn der Trkische
Kaiser mit einer gewaltigen Macht in seiner Hauptstadt Prag belagert
halte, und da er sich keiner Hlfe oder Entsatzes zu versehn habe, drum
wende er sich in seiner Bedrngni an mich und beschwre mich bei meiner
brderlichen Liebe, zu seinem Beistande herzu zu eilen, denn sonst sei
es gewi um ihn, wie um sein Reich geschehn. Und nunmehr, fuhr der Knig
von Elsa fort, ist es meine eigne Schuld, da fast alle mein Volk durch
Euch, tapfre Frsten, in die Pfanne gehauen ist, so wei ich nun in der
Eile meinem Bruder nicht sonderlich zu helfen.

Graf Antonius antwortete hierauf: Ew. Knigliche Majestt kann sich
versichert halten, da die Trken aus dem Lande Eures Herrn Bruders
herausgeschlagen werden sollen, denn mein Bruder Reinhardt soll mit Euch
ziehn, mit der ganzen Macht, die wir aus Lusinien mit uns genommen; dazu
will ich ihm noch Hlfsvlker aus meinem neuerworbenen Reiche geben, so
da es Euch beiden mit Gottes Hlfe gelingen soll, den Knig von Bhmen
von seinen Feinden zu befreien. Sollte dieses aber noch nicht
hinreichend sein, so lat es mich nur durch einen schnellen Boten
wissen, und alsbald will ich Euch selbst mit einer neuen Macht zu Hlfe
ziehn.

Hierauf dankte der Knig mit sehr freundlichen Worten, und sagte: Sollte
es uns gelingen, wie ich denn nicht zweifle, den Trken zu besiegen, so
hat mein Bruder, der Knig von Bhmen, eine einzige Tochter, die er ohne
meinen Rath und meine Einwilligung nicht verheirathet; diese verspreche
ich hiemit, sie dem Grafen Reinhardt, Eurem Bruder, zu einer ehlichen
Gemalin zu geben, wodurch er dereinst nach meines Bruders Tode Knig von
Bhmen wird, da mein Bruder kein andres Kind hat.

Beide Grafen dankten hierauf dem Knige fr seinen guten Willen, und
Antonius war sehr vergngt darber, da sein Bruder Reinhardt eine
Aussicht auf ein Knigreich hatte, welches er ihm von Herzen gerne
gnnte. Er beschlo daher, um die Sache noch gewisser zu machen,
sogleich mit seinem Bruder und dem Knige nach Bhmen dem Trken
entgegen zu ziehen. Es wurde hierauf von ihnen eine groe Macht zusammen
gebracht und sie zogen damit durch Deutschland bis vor die Stadt Prag,
welche der Trke eng belagert hielt.

Es war gerade an dem, da der Knig von Bhmen einen khnen und tapfern
Ausfall gegen die Unglubigen that, um sie von der Stadt abzutreiben, da
wurde von beiden Seiten sehr tapfer gefochten, viele Heiden, aber auch
viele Christen erschlagen und endlich muten die Christen der trkischen
Uebermacht weichen. Ja, was noch schlimmer war, der Knig von Bhmen,
der sich sehr tapfer hielt und ungern den Rckzug anstellte, wurde mit
einem Pfeile dergestalt durch den Leib geschossen, da er sogleich todt
zur Erden niederfiel. Wie die Bhmen ihren Knig gefallen sahn, wurden
sie vllig sieglos und die Trken triumphirten, die Bhmen zogen sich in
die Stadt zurck und die Unglubigen blieben Meister vom Felde, worauf
sie der Stadt Prag noch hrter mit Belagern zusetzten.

Die heidnischen Trken nahmen hierauf in ihrem Uebermuthe den Leichnam
des Knigs von Bhmen, legten ihn vor den Augen der bhmischen
Landesherren, die auf der Mauer standen, auf einen Scheiterhaufen und
brannten ihn zu Pulver, welches jene nicht ohne Thrnen ansehn, aber
dennoch nicht verhindern konnten. Am meisten aber war die knigliche
Prinzessin Eglantina betrbt, als sie diese klglichen Neuigkeiten
vernommen hatte; sie rang die Hnde, seufzte und sprach: ach! was soll
ich arme, Vater- und Mutterlose Waisin doch wohl anfangen? Meine Mutter
ist gestorben, so haben mir die Trken meinen Herrn Vater gar zu Pulver
verbrannt, verderben mir Land und Leute, nehmen mein Knigreich weg, und
ich mu am Ende noch, ich Unglckseligste, den christlichen Glauben
verlugnen und zum Heidenthume bergehn, um nur beim Leben zu bleiben,
vielleicht mu ich gar einen Sohn oder Anverwandten des trkischen
Kaisers heirathen, um nur bei Ehren zu bleiben.

Dergleichen Klagen verfhrte die Prinzessin Eglantina sehr viele und
hufige, und es kam beinah so weit, da sie sich in die Verzweiflung
ergab, als ein Bote kam, der ihr zu ihrer grten Freude die Nachricht
berbrachte: da sich der Knig von Elsa mit zwei Brdern aus Lusinien
in Frankreich und einem groen Heere der Stadt nahe, um sie zu
entsetzen. Da dankte sie Gott von Herzen und hrte wieder auf den Trost,
den ihr ihre Freunde zusprachen, brachte auch ihre Kleider und Haare
wieder in Ordnung, die sie zuvor zerrissen hatte.

Die Trken waren eben dabei, im Sturm die Stadt gar zu ersteigen, als
sie die Nachricht durch einen andern Boten erhielten, ein groes
christliches Heer sei im Anzuge; darauf verwunderten sie sich, lieen
vom Strmen ab, beriefen die Trompeter zur Schlacht zu blasen, stellten
sich in Ordnung, und wehrten sich gegen den tapfern Angriff der
christlichen Heerschaaren. Das Treffen war sehr blutig, doch behielt
endlich die gerechte Sache die Oberhand, sonderlich durch das
gromthige Betragen der beiden Brder Antonius und Reinhardt, die
unglaublich viel heidnisches Volk mit eignen Hnden todtschlugen. Der
trkische Kaiser wurde wthend, da er seine Armee verlieren sah, und
brachte wieder viele der Christen um, doch ersah ihn endlich Graf
Reinhardt, strzte sich auf ihn und hieb ihm nach einem kurzen Kampfe
und einiger Verwundung seinen Kopf vllig herunter. Als das die Trken
wahrnahmen, wurden sie ganz sieglos und begaben sich auf die Flucht; so
behielten die christlichen Fahnen das Feld, und der Knig von Elsa lie
hierauf auch einen groen Scheiterhaufen errichten, den trkischen
Kaiser sammt allen getdteten Unglubigen darauf legen und sie zur
Wiedervergeltung ebenfalls zu Pulver verbrennen.

Der Knig von Elsa zog hierauf in die Stadt Prag, wo ihm die Prinzessin
traurig und weinend entgegen kam; der Knig aber trstete sie und sagte:
gieb Dich nur zufrieden, liebste Muhme, das Geschehene ist nicht mehr zu
ndern, Dein Vater ist zwar mit Tode abgegangen und Dein Land ist Dir
von den Feinden einigermaaen verderbt worden, indessen haben wir doch
auch durch Gottes Gnade unsre Rache erhalten, denn ich habe den
trkischen Kaiser und die Seinigen wieder zu Pulver brennen lassen. Die
Prinzessin antwortete: somit habe ich doch immer meinen Herrn Vater
verloren, und um ihn mu ich klagen und trauern. Das geziemt sich, sagte
der Knig, indessen ist es auch vernnftig, Trost anzunehmen, war er
doch mein Bruder und ich mu mich darin finden, so magst Du es denn auch
thun, wir wollen ihm ein ehrliches und schnes Begrbni zurichten, mehr
kann er nicht verlangen.

Bei dem Begrbni beschaute das Volk von Bhmen die beiden Brder aus
Lusinien, und es dnkte ihnen wunderbar, da der Graf Antonius eine
Lwenklaue auf der Wange und der Reinhardt nur ein Auge habe, doch
gefielen sie den Leuten sehr wegen ihres edlen Anstandes und weil sie
wuten, da diese Brder sie meistentheils von den Trken erlst hatten.
Nach dem Begrbnisse versammelte der Knig von Elsa alle Landesherren
des bhmischen Reichs und stellte ihnen vor, wie sie nunmehr ihren guten
Knig verloren, so da sie sogar sein Leichenbegngni ohne Leiche
htten feiern mssen, das Knigreich sei nun an die Prinzessin
Eglantina, seine Tochter, gefallen, aber ein Weib sei zu schwach, das
Land auf die gehrige Weise zu beschtzen, sie mchten sich daher nach
einem frommen Knige umthun, dem sie alle gern gehorchten, und dem die
Prinzessin ihre Hand und Liebe schenken mchte.

Die Landesherren antworteten, da sie alles in sein eignes hohes
Belieben stellen wollten, er mchte nach seiner trefflichen Vernunft
alles einrichten und das Reich entweder selber als Knig in Besitz
nehmen, oder ihnen einen andern tugendhaften Mann vorschlagen, dem sie
dann alle gern dienen wollten. Herauf wandte sich der Knig gegen die
beiden Brder aus Lusinien und sagte: nun ist die Zeit gekommen, da ich
mein Wort halten kann, Euch, tapfrer Reinhardt, zum Knige von Bhmen zu
machen; hier, Ihr Landesherren ist der Frst, den ich Euch ausgesucht
habe und der Euch gewi immer gut beschtzen wird, denn er hat sich
schon dermalen gut erwiesen, indem er dem trkischen Kaiser den Kopf
herunter gehauen und sein Volk zerstreut und erschlagen hat.

Die Landesherren waren mit der Wahl des Knigs vollkommen zufrieden,
worauf sich die beiden Brder, insonderheit Reinhardt bedankten. Die
Prinzessin war vergngt, einen so tapfern Helden zum Gemal zu bekommen,
der ihren Herrn Vater so schn gerochen, indem er den heidnischen Kaiser
und die Seinigen zu Pulver verbrannt. Man feierte die Hochzeit prchtig,
aber ohne Tanz und Saitenspiel, weil man noch den gestorbenen Knig
betrauerte, doch wurde ein groes Thurnier gehalten, wo sich beim
Stechen Reinhardt sonderlich hervorthat, so da die Bhmen wahrnahmen,
welch einen tapfern und in Waffenbungen geschickten Knig sie erhalten
hatten. Antonius zog hierauf in sein Herzogthum, zu seiner Gemalin
zurck, und der Knig von Elsa begab sich ebenfalls in sein Knigreich,
nachdem alle herzlich von einander Abschied genommen hatten.

Indessen war Geoffroy mit dem Zahn auch zu einem starken und mchtigen
Ritter herangewachsen und sprte auch die Lust in sich, groe Thaten zu
thun, um seinen Namen berhmt und unsterblich zu machen. Die
Gelegenheit, einigen Ruhm zu erwerben, zeigte sich bald, denn an den
Grnzen des Landes lie sich ein gewaltiger Riese spren, der ein
ziemliches Unwesen trieb mit Morden und Rauben, auch Leute Beschdigen
und Plndern, so da selbst die Schlsser nicht sicher waren, die die
edle Melusina in dortiger Gegend gebaut hatte und sich jedermann vor ihm
furchte. Diesen Riesen beschlo Geoffroy anzugreifen, und auch mit
Gottes Hlfe umzubringen, ber welchen Entschlu sich aber sein Herr
Vater Reymund heftig entsetzte und ihn von seinem gefhrlichen Vorhaben
abzumahnen suchte, stellte ihm das Beispiel seiner Brder vor Augen,
welche auch Ruhm gesucht und durch ihre Thaten sogar Knige geworden,
aber doch nie darauf gefallen waren, sich mit Riesen einzulassen. Aber
der Geoffroy bestand auf seinem festen Sinn und sagte: wird dem Riesen
nicht Einhalt gethan, so verbt er immer mehr Schaden an den Lndereien,
und das soll nicht sein. Reiste mithin ab, ohne sich sonderlich an die
Bitten seines Vaters Reymund und die Thrnen seiner Mutter Melusina zu
kehren.

Der Freymund mit der Wolfshaut auf der Nasen war nun auch zu seinen
erwachsenen Jahren gekommen, und schien sich fast gnzlich den
Wissenschaften zu ergeben, denn er las sehr viel, trieb auch keine
Waffenbung, wie seine brigen Brder von ihrer frhen Jugend gethan
hatten. Es whrte nicht lange, so zeigte sich seine Begierde zum
geistlichen Stande, denn er lag seinen Eltern dringend an, ihm zu
erlauben in dem Kloster Malliers, welches die Melusina aus Andacht
gestiftet hatte, ein Mnch zu werden. Als sein Vater Reymund diese Bitte
verstanden hatte, wurde er einigermaen unwillig und sagte: Freymund,
alle Deine Brder haben nach Ehren und Wrden gestrebt, und sind tapfre
und berhmte Ritter geworden, und ich sollte nun noch unter meinen
Kindern einen Pfaffen haben? Solches will mir gar nicht gefallen; Du
sollst auch nach Tapferkeit und nach Ritterschaft streben.

Nach Ritterschaft will ich nicht streben, antwortete Freymund, auch will
ich Zeit meines Lebens keinen Harnisch an meinem Leibe tragen, oder ein
Pferd besteigen, sondern hier im Kloster Malliers Gott als Mnch dienen.
Sind alle meine Brder edle und tapfre Herren und verrichten groe
Thaten, so ist es auch nicht unrhmlich, wenn sie einen andern Bruder
haben, der fr alle betet, da ihnen oft die Zeit dazu in ihren
verwirrten Hndeln gebrechen mag. Ich bitte Euch daher um Gottes Willen,
Ihr wollet mir in meinem Verfahren nicht hinderlich, sondern
befrderlich sein, denn mein Sinn ist so darauf gerichtet, da ich auf
andre Weise keine Ruhe fr meine Seele finde.

Da Reymund diese groe Begierde seines Sohnes sah, Gott zu dienen, ging
er seinetwegen mit seiner Gemalin Melusina zu Rath, was sie wohl ber
ihn beschlieen mchten. Diese sagte, da sie es gnzlich in Reymunds
Wohlgefallen stelle, doch sei es ihr gar nicht zuwider, unter ihren
Kindern auch einen geistlichen Herrn zu haben.

Darauf wandte sich Reymund wieder zu seinem Sohn und sagte: mein
Freymund, ich und Deine Mutter haben es nun berlegt, da wir Dir in
Deinem gottseligen Vorhaben nicht wollen hinderlich, sondern vielmehr
befrderlich sein, aber berlege Du, da der Orden in Malliers sehr
strenge ist; ich kann Dich ja leicht zu einem Domherrn machen, so hast
Du es besser, oder ich habe es auch wohl um unsern allerheiligsten
Vater, den Pabst, verdient, da er Dir ein Bisthum ertheilt, wenn ich
darum bei ihm nachsuche, so hast Du doch mehr Ehre und kein so hartes
und strenges Leben.

Aber Freymund sagte: nein, ich will sonst nichts weiter, als zu Malliers
im strengen Orden ein Mnch werden.

Wie bist Du nur von diesem Gedanken so eingenommen? fragte Reymund.

Freymund sagte: liebster Herr Vater, die Welt mit ihren Hndeln ist sehr
verworren, so frchte ich, wenn ich mich da hinein begebe, gar meine
Seele darber zu verlieren, denn hinter Ehre und Ruhm, Wohlleben und
Pracht lauert der Satan, wie er den Schwachen berrasche, und ihn von
sich selber abtrnnig mache. Bin ich im Kloster zu Malliers, so bin ich
keiner dergleichen Gefahren ausgesetzt, meine zeitlichen und weltlichen
Sorgen sind mir entnommen, ich kann unaufhrlich an Gott denken, und mir
seine Wunderwerke recht lebendig vorstellen, dabei wei ich, in diesen
Stunden schlfst du, in diesen issest du, in diesen wird Handarbeit
gethan, oder im Garten gegraben und Blumen und Gemse auferzogen, so
viele Stunden dienst du Gott, und da das jeden Tag wiederkommt und
keine Aendrung leidet, da keine Strung und Irrsaal in diesem schnen
einfachen Lebenslaufe vorfllt, seht, das hat mir so beraus
wohlgefallen, da ich gar zu gern im Kloster Malliers, im strengen
Orden, Mnch werden mchte.

Reymund sah ein, da sein Sohn weise war und Recht hatte, darum gab er
seiner Bitte nach, und freudig begab sich Freymund zu den Patribus, und
wurde alsbald Mnch in dem Kloster Malliers, welches seine Mutter
gestiftet hatte, in dem strengen Orden.

Jetzt erhielten auch Reymund und Melusina Nachrichten von ihren Shnen
Antonius und Reinhardt, wie der eine Knig von Bhmen, der andre Herzog
zu Ltzelburg geworden sei, durch ihre Ritterschaft und ihre khnen
Thaten: darber dankten sie Gott sehr und freuten sich ber ihr eignes
und ihrer Kinder groes Glck, denn drei von den Shnen waren zu Knigen
gekrnt, der vierte ein Herzog geworden, und der fnfte ganz nahe bei
ihnen im Kloster zu Malliers ein Mnch, um fr alle brigen Gott zu
bitten.

Es fgte sich, da Reymund an einem Sonnabend wieder die Melusina
vermite, denn sie pflegte an diesem ganzen Tage nicht zu erscheinen,
doch gedachte er seines Eides, sich nie um sie zu bekmmern und sie
ungestrt gewhren zu lassen. Der Vater des Reymund, der alte Graf von
Forst, war damals schon gestorben, und sein ltester Sohn, der jetzt
Graf von Forst genannt wurde, legte einen Besuch bei seinem Bruder
Reymund ab. Reymund lie dieses Besuches wegen viele und vornehme Gste
zu sich einladen, die alle dem Reymund ihren ergebensten Respekt
bezeigten; doch als sich Melusina den ganzen Tag nicht zeigte, sagte der
Graf von Forst zu seinem Bruder: Bruder, la doch Deine Gemalin
erscheinen, damit sich Deine vielen und vornehmen Gste nicht darber
verwundern, da sie so lange auen bleibt. Reymund antwortete: lieber
Bruder, heute kann solches nicht geschehn, aber morgen sollst Du sie zu
sehn bekommen.

Als die Mahlzeit geendigt war, gingen die beiden Brder beiseit, und der
Graf sagte zu Reymund: lieber Bruder, ich mu Dir ein Ding erffnen,
welches mir schon seit lange auf dem Herzen liegt. Man sagt allgemein im
ganzen Lande, da Du mit Deiner Gemalin bel angekommen seist, sie
sagen, Du seist bezaubert, da sie sich alle Sonnabend abseitiget, und
Du an solchem Tage gar nicht einmal nach ihr fragen darfst; wunderlich
ist es immer, da Du nicht weit, was ihr Thun und Lassen sei, als ein
redlicher Bruder seh ich mich gezwungen, Dir zu sagen, da Du davon
groe Schande haben kannst, denn die meisten Leute meinen, sie treibe an
diesen Tagen Hurerei, welches doch gegen deine Ehre liefe, andre sagen
wieder, sie mchte berhaupt wohl ein Gespenst und alles mit ihr nur ein
ungeheures Wesen sein, darum ist es mein demthiger Rath, Du erkundigst
Dich etwas mehr um ihr wahres Befinden und suchst es zu erforschen,
damit Du nicht Gefahr lufst, fr einen Narren gehalten zu werden.

Als Reymund diese Rede verstanden hatte, wurde er vor Zorn ganz bleich
und dermaen wthig, da er sich und seinen Schwur gnzlich verga; die
Worte seines Bruders schienen ihm recht und gut, in der grten
Grimmigkeit lief er fort und griff ein Schwert, womit er sich in die
Kammer begab, in die er noch nie gekommen war, weil er sie der Melusina
zu ihrem heimlichen Aufenthalte absonderlich hatte erbauen lassen. Hier
kam er an eine fest verschlossene eiserne Thr und er besann sich nun,
was er thun sollte; es fielen ihm wieder die Worte seines Bruders ein,
da seine Gemalin in Unehren lebe. Darber beschlo er, alles selber zu
sehn, und dann, nachdem er es befinden wrde, seine Schmach zu rchen.
Er nahm also das Schwert, und bohrte mit der Spitze desselben ein
kleines Loch in der eisernen Thr, wo er hindurch sehn mochte.

Als Reymund nun stand, und durch die Oeffnung schaute, verwunderte er
sich ber die maen, denn er sah Melusina im Bade, wie sie von oben bis
auf den Nabel ein schnes Weib sei, dann aber in den Schweif einer
bunten gesprengten Schlange endigte, der azurblau war und mit
Silberfarben darunter gesprengt, so da diese Farben wundersam in
einander schimmerten. Das Zimmer war eine tiefe Grotte, die Wnde waren
mit allerhand seltsamen Muscheln ausgeziert und ein Springbrunnen, in
welchem sich Melusina befand, war in der Mitten. Von oben ergossen sich
auch Wasserstrahlen und trpfelten wie Perlen durch einander, bei
welchem wunderbaren Getse Melusina sang, indem sie eine Zitter in der
Hand hielt:

   Rauscht und weint ihr Wasserquellen
   In der stillen Einsamkeit,
   Die Erlsung ist noch weit,
   Meine Thrnen mehren eure Wellen.

   Ach! wann wirst du, Trauer, enden,
   Von mir nehmen meine Schmach?
   Immer ist die Strafe wach,
   Keiner kann das bs Verhngni wenden.

Bei diesen Worten vergo sie einen Strom von Thrnen und Reymund war auf
das innigste bewegt und erschttert. Nun fiel ihm auch bei, wie er
seinen Eid gebrochen und eine Untreue gegen seine tugendvolle Gemalin
begangen habe, dabei konnte er ihre seltsame Verwandlung nicht begreifen
und furchte sich auch, da nun sein Elend anfangen wrde, da er seinen
Schwur nicht gehalten, wie sie ihm vor der Hochzeit prophezeit hatte,
denn er glaubte, da sie nach ihrer verborgenen Wissenschaft recht gut
um seine Untreue wissen wrde. Endlich aber verstopfte er die gemachte
Oeffnung wieder mit Wachs, und ging im hchsten Zorne zu seinem Bruder
zurck. Da dieser ihn also wthend kommen sah, glaubte er, Reymund habe
die Melusina auf einer Unehre betroffen, und sagte zu ihm; siehe, mein
Bruder, es hat sich also besttigt, da Deine Gemalin Dir und ihrer Ehre
ist abtrnnig geworden.

Reymund aber sagte: Du hast mir Unwahrheit vorgebracht und bist mir ein
schdlicher Bruder, Du bist zu einer unglcklichen Stunde in mein Haus
gekommen, denn deinetwegen bin ich nun in Elend gerathen, da ich meinen
allertheuersten Eid gebrochen habe, darum geh, verweile Dich nicht
lnger hier, sonst mchte es Dein Leben kosten, und komme mir auch
niemalen wieder in mein Haus, oder vor mein Angesicht!

Ueber diese unvermuthete Anrede erschrak der Graf, so da er sich eilig
zu Pferde satzte, und schnell wieder nach Hause ritt; auch die brigen
Gste wuten nicht, was sie aus Reymund machen sollten, denn er
geberdete sich, als wenn er ohne Sinnen wre, weshalb sie sich auch
wieder fort begaben.

Reymund aber war im allergrten Jammer, er glaubte, da er seiner
Untreue halber nun seine geliebte Melusina nimmermehr wieder sehn wrde,
und da er sie auf Zeitlebens verloren habe, er schrie und klagte: ach,
du unglckselige Stunde, in welcher ich armer Mann geboren bin, da ich
nun mein allerliebstes Gut entbehren soll! In seiner groen Betrbni
zog er seine Kleider aus und legte sich zu Bett, denn er fhlte sich
matt und krank, er beschlo, als ein Einsiedler sein knftiges Leben
zuzubringen, wenn er Melusina verlieren sollte. So trieb er die ganze
Nacht sein Klagen, indem er sich von einer Seite nach der andern
wendete, indem erffnete Melusina mit einem Schlssel die Kammer und
trat zu ihm, zog sich nackt aus und legte sich neben ihm in das Bett,
sie fhlte, da er kalt und krank war, umfing ihn zrtlich mit ihren
Armen und fragte ihn: was fehlt Dir, mein liebster Gemal? Er klagte ihr,
da ihn ein Fieber berfallen habe, war aber doch froh, da Melusina
wieder da sei und sich gegen ihn freundlich bezeigte, worauf er auch
wieder von ihren Kssen und liebreichen Umarmungen besser wurde.

Indessen war Geoffroy mit dem Zahn nach dem Lande geritten, wo man ihm
gesagt hatte, da sich der groe Riese aufhielte und seinen Unfug
triebe. Er ritt hin und her und fragte die Leute nach der Wohnung des
Riesen, weil er gekommen sei, ihn umzubringen. Die Leute sagten: das
wolle Gott, Herr Ritter, da ihr dieses in's Werk setzt, denn er ist ein
ungeschlachter Mann und fgt uns so viel Leides zu, da es nicht zu
sagen ist; worauf sie ihm auch das Schlo des Bsewichts zeigten.
Geoffroy kam hierauf an einen steilen Berg, auf welchem ein festes
Schlo lag, in welchem der Riese seinen Aufenthalt hatte. Hier stieg
Geoffroy von seinem Rosse ab, legte den Harnisch an, hngte den
sthlernen Streitkolben an seinen Sattelbogen, grtete das Schwert um
sich, nahm die Lanze in seine Hand, hielt seinen schnen mit Gold
ausgezierten Schild vor sich, setzte den Helm auf und stieg wieder zu
Pferde, worauf er gegen das Schlo ritt und den Riesen mit khner und
lauter Stimme ausfoderte, indem er sprach: wo bist Du nun, Bsewicht,
der mir mein Land verdirbt, und den Meinigen so groen Schaden zufgt?
komm nur schnell heraus, damit ich Dir den Garaus mache. Der Riese war
oben im Schlo und fuhr mit seinem Kopfe heraus, welcher so gro wie ein
Ochsenhaupt war, um zu schauen, wer da sei, der ihn so khnlich
ausfodre. Er erstaunte, als er nur einen einzigen Mann gewahr wurde, und
duchte ihm, es sei kaum der Mhe werth, ein Gefecht mit ihm anzufangen;
doch zog er seinen Harnisch an, trat vor das Schlo heraus, und brachte
einen sthlernen Schild mit sich, und drei eiserne Stangen, und drei
Hmmer in seinem Busen.

Als der Riese hervor kam, sah Geoffroy, da er wohl bei funfzehn Schuh
lang war, worber er sehr erstaunte, aber dennoch den Muth nicht verlor,
sondern jenen mit erschrecklicher Stimme anschrie. Der Riese aber
sprach: Wer, und von wannen bist Du? Worauf Geoffroy ausrief: ich bin
Geoffroy mit dem Zahn, wehre Dich, denn Du sollst allhier Dein Leben
lassen. Der Riese sagte: kleines Kerlein, mich jammert Deiner, geh nach
Hause, Du scheinst mir ein guter junger Mensch, aus dem mit der Zeit
wohl noch etwas werden kann. Gehst Du aber nicht, so schlage ich Dich
mit einem einzigen Streich zu Tode, Geoffroy aber achtete nicht darauf,
sondern schrie immer fort: wehre Dich, Hollunke, wenn Dir Dein Leben
lieb ist! Zugleich ritt er zurck, um Feld zu gewinnen, legte seine
Lanze ein, und rannte mit solcher Gewalt auf den Riesen, da dieser von
diesem einzigen Stoe zur Erden niederfiel. Die Erde bebte unter dem
gewaltigen Fall des Riesen, aber er stand schnell wieder auf, und war
sehr erbost, da ihn ein einziger Sto eines Ritters dermaen hatte
umwerfen knnen, er nahm daher seine sthlerne Stange und schlug gegen
Geoffroy, der schon das zweite Rennen gegen ihn vornahm, womit er dessen
Pferd traf, und ihm beide Vorderbeine abhieb. Das Pferd fiel zu Boden,
und Geoffroy sprang pltzlich aus dem Sattel, zuckte sein Schwert, lief
den Riesen an, und gab ihm einen so harten Schlag, da dieser seinen
Schild aus der Hand fallen lie. Hierauf nahm der Riese die sthlerne
Stange und schlug so auf den Geoffroy ein, da dieser vom Schall des
Schlages ganz betubt wurde, er erholte sich aber schnell, nahm den
Streitkolben vom Sattelbogen und schlug damit dem Riesen die Stange aus
der Hand. Da ergriff der Riese einen von seinen Hmmern, und schmi ihn
so mchtig nach Geoffroy, da dieser den Streitkolben auch mute fallen
lassen. Der Riese bckte sich nach dem Kolben, aber Geoffroy nahm sein
Schwert wieder zur Hand und hieb damit dem Riesen einen Arm von Leibe
herunter: darber erschrak der Riese und fate seine Stange mit der
andern Hand und schlug nach Geoffroy, der aber sprang diesem Schlage
behende aus dem Wege, der Riese fiel wieder auf die Knie und Geoffroy
gab ihm nun einen solchen Hieb auf das Bein, da er vllig zu Boden
strzte, entsetzlich schrie und seine heidnischen Gtter um Hlfe
anrief. Nun blieb dem tapfern Ritter nichts weiter brig, als ihm den
Kopf nur vllig herunterzuhauen, welches er auch in aller Schnelligkeit
that, und so ber den ungeheuren Mann den Sieg davon getragen hatte.

Geoffroy nahm hierauf das Horn des Riesen und blies so lange darein, bis
sich viele Leute aus den umliegenden Gegenden versammelten, die sich
alle entsetzten, da er den groen Heiden mit seiner Kraft hatte
umbringen knnen. Bald breitete sich im ganzen Lande und auch in den
andern Reichen die Nachricht aus, wie Geoffroy den Riesen bezwungen
habe; er aber schickte einen Boten zu seinen Eltern, der auch diesen die
erfreuliche Nachricht bringen mute.

Weil die Rede von seinem Siege schnell weit herum gekommen war, so
gelangten Boten aus dem entfernten Lande Norhemen an Geoffroy, die ihn
im Namen der dortigen Landesherren demthig ersuchten, zu ihnen zu
kommen, und ebenfalls einen ungeheuren Riesen umzubringen, von dem sie
so sehr geplagt wrden, da sie sich nicht zu lassen wten; wenn er ihn
mit Gottes Hlfe bezwnge, so wollten sie ihn auch gern fr ihren
Oberherrn erkennen, und ihm das ganze Land bergeben. Geoffroy
antwortete: er wolle kommen und den Riesen umbringen, nicht aber um Land
und Leute zu gewinnen, sondern er thue dieses nur aus Barmherzigkeit,
und weil er es fr seine Pflicht halte, alle Riesen umzubringen, so weit
er sie nur erreichen mchte. So rstete er sich, um zu Schiffe nach dem
Lande Norhemen zu fahren, voll von hohem Muth und feuriger Begier,
Wittwen und Waisen zu beschtzen, allen Unterdrckten beizustehn, und
alle Unglaubigen vom Angesichte der Erde zu vertilgen, so da alle ber
seinen hohen Eifer und treffliche Vorstze in Verwunderung geriethen.




                          Dritte Abtheilung.


Als Geoffroy abreisen wollte, kam ein Bote zu ihm mit einem Brief von
seinen Eltern, worin sie ihm meldeten, da sie gesund wren, auch
Nachrichten von ihren Shnen htten, die sehr erfreulich, dabei sei ihr
Sohn Freymund im Kloster Malliers, nahe bei ihnen, ein Mnch geworden,
um Gott fr alle zu bitten. Wie Geoffroy las, da sein Bruder Freymund
ein Mnch geworden sei, ward er so zornig und wthend, da er nicht
anders, wie ein wilder Eber schumte, und alle die zugegen waren, vor
Furcht schwiegen und nicht wuten, was sie sagen sollten. Er rief aus:
die schelmischen und nichtswrdigen Mnche haben meinen Bruder bezaubert
und betrogen, da er nicht, wie wir alle gethan haben, die Ritterschaft
ergreifen will; mu ich mich mit Riesen herumschlagen, und soll er
indessen ein Mnch werden? Nun warlich, es soll ihnen und dem Abte bel
gerathen, denn ich will sie alle zusammen verderben und verbrennen!

Ueber diese Rede entsetzten sich alle; den Boten aus dem Lande Norhemen
aber befahl er seiner an dieser Stelle zu warten, denn er werde bald
wieder kommen. So ritt er im Grimme fort und kam bald auf seinem Wege
nach dem Kloster Malliers. Wie der Abt und die Mnche ihn kommen sahn,
gingen sie ihm hflich entgegen, um ihn zu begren und ihm Willkommen
zu sagen, aber Geoffroy fuhr sie gleich zornwthig an und schnaubte
ihnen entgegen: Ihr bsen Mnche, warum habt Ihr meinen Bruder also
verfhrt, da er ein Mnch geworden und die Ritterschaft verlugnet hat?
Daran habt Ihr bel gethan und ich will Euch bestrafen, denn Ihr sollt
alle Euer Leben hergeben.

Ueber diese Rede erschraken der Abt und die Mnche; der Abt erwiederte:
wir haben mit nichten Euren Bruder verfhrt, er ist aus freiem Willen
und aus Andacht in unser Kloster gekommen, hier steht er gegenwrtig und
Ihr knnt ihn selbst darum fragen.

Freymund sagte hierauf: lieber Bruder, ich schwre Dir, da mich Niemand
berredet hat, sondern da ich hierin blo meinem eigenen Triebe gefolgt
bin, so ist es meine eigne Schuld, da ich bin ein Mnch geworden, denn
ich tauge nicht zum Ritter, ich habe in mir ein Verlangen zum
gottseligen Leben gesprt, so habe ich denn nichts bessers gewut, als
mich hieher zu begeben, wo ich fr alle und auch fr Dich beten will.

Geoffroy aber blieb in seinem Zorn und kein Zureden und Bitten vermochte
etwas ber ihn; er stieg von seinem Pferde ab, besetzte das Kloster mit
seinen Leuten, lie einen groen Haufen Heu, Stroh und Holz auf einen
Platz bringen, zndete dieses gegen den Wind an, und verbrannte so
seinen leiblichen Bruder nebst hundert Mnchen, die alle in die Kirche
geflohen waren.

Als die That vollbracht war, sah Geoffroy ein, da er Unrecht gethan
hatte; er bereute sie heftig, weil er glaubte, sich an Gott versndigt
zu haben, schalt und fluchte auf sich selber, und verwnschte sich in
den Abgrund der Erden hinein, da er niemals mehr das Tageslicht
erblicken mchte, doch war es nun zu spt mit seiner Reue und seinem
Wehklagen. Setzte sich deshalb wieder zu Pferde, und ritt nach der
Stelle in grter Eile zurck, wo er den Boten aus dem Lande Norhemen
gelassen hatte, fuhr mit ihm in einem Schiffe ab, der Wind war gnstig
und so ging die Fahrt nach dem Lande Norhemen glcklich von Statten.

Reymund und Melusina saen bei Tische und nahmen eine frhliche Mahlzeit
in schner Huslichkeit und Freundlichkeit zu sich, als ein Bote mit
verwirrten Mienen und thrnenden Augen zu ihnen hereintrat, und ihnen
sagte, er habe eine erschreckliche Neuigkeit zu sagen, wolle sie aber
nicht gerne vorbringen. Reymund sagte: er solle sie sagen, denn er habe
sich nun schon in Gottes Namen auf etwas Betrbtes gefat gemacht; so
sprach auch Melusina, denn sie wuten noch nicht, was vorgefallen war.
Drauf sagte der Bote: so mu ich Euch nur Meldung thun, da eins von
Euren Kindern nicht mehr am Leben. So segne ihn der Herr, antwortete
Reymund, doch welcher von meinen Kindern ist es? Der Bote sagte: es ist
Freymund. Reymund war sehr betrbt, doch sprach er weiter: Gott hat ihn
zu sich genommen; doch ist er selig gestorben, sind ihm alle
christlichen Rechte widerfahren? Der Bote antwortete: Nein, er konnte
kein christliches Recht bekommen, denn er ist mit allen andern Mnchen
im Kloster zu Malliers verbrannt worden.

Darber entsetzte sich Reymund und rief aus: Bote, nimm Dich in Acht,
da Du keine Lgen vorbringst, denn dergleichen sollte Dir bel gelohnt
werden; wer hat sich unterstehn drfen, ihn und das Kloster zu
verbrennen?

Der Bote sagte demthig: gndiger Herr, es sei ferne von mir, da ich
mit Lgen umgehn sollte, dergleichen habe ich in meinem ganzen Leben
nicht gethan, und werde nun nicht mit Euch den Anfang machen. Nein,
Geoffroy mit dem Zahn hat in seiner Bosheit das Kloster sammt allen
Mnchen verbrannt, dazu seinen leiblichen Bruder, weil er erzrnt
gewesen, da er ein Mnch geworden und geglaubt, der Abt und die Mnche
htten ihn mit List dazu berredet. Hierauf erzhlte er den ganzen
Vorgang, was Geoffroy gesprochen und was ihm der Abt erwiedert, und wie
der Geoffroy sich nicht daran gekehrt, sondern in seinem Zorn das ganze
Kloster sammt allen Mnchen verbrannt habe.

Da entsetzte sich Reymund recht in seinem innersten Herzen, wurde auch
voll Grimms und im ganzen Gemthe bewegt, deshalb stieg er pltzlich zu
Pferde, um selbst nach der Brandstelle des Klosters Malliers
hinzureiten. Unterwegs hrte er von allen Leuten ein groes Klagen ber
den Geoffroy, da er das schne Kloster also verderbt habe, sammt allen
Mnchen. Er kam selber an den Ort, wo das herrliche Gebude gestanden
hatte, und sah nun die betrbten rauchenden Trmmern vor sich. Er wurde
hierauf sehr zornig und schwur, da, wenn er den Geoffroy habhaft werden
knne, er ihn auch eines gewaltsamen Todes wolle sterben lassen. So ritt
er wieder im allerheftigsten Zorne nach seinem Hause zurck.

Er stieg vom Pferde ab, ging in seine Kammer, schlo sich ein, setzte
sich in hchster Betrbni nieder, seufzte, weinte und klagte:

   Ach Gott! so hat Geoffroy im bsen Muthe
   Den eignen Bruder Freymund umgebracht,
   Der wollte Mnch sein, dienen Gott, der Gute,
   Doch starb er bald, und ruht in schwarzer Nacht.
   Ich selber habe mich befleckt mit Blute
   Und meinen eignen Vetter todt gemacht,
   Ich wollte damals nur das Schwein verderben,
   Und lie am eignen Spie den Vetter sterben.

   Drum hat der mit dem Zahne dies verbrochen,
   Der wthete so wie ein wildes Schwein,
   Ich hatte erst den Vetter mein erstochen,
   Und ein Meerwunder mu meine Gattin sein;
   Sie hat mir Reichthum, Ehre, Glck versprochen,
   Ich zeugte Shne, zehne nannt ich mein,
   Davon ist mir der liebste nun verbrannt,
   Das that des eignen wilden Bruders Hand.

   Und wie Geoffroy nun wthend angefangen,
   So wird er auch niemals das Gute thun,
   Htt' ich ihn hier, so mt' er warlich hangen,
   Nie knnt' ich eh, bis er gestorben, ruhn;
   Den Bruder morden! frevles Unterfangen!
   Nein, strafen mu ich ihn, hin fahr' er nun,
   Boshafter wird er stets, gottloser werden,
   Am besten man vertilgt ihn von der Erden.

Als Reymund in diesen schweren Klagen war, schlo Melusina mit einem
Schlssel die Kammerthr auf, und ging mit ihren Rittern, Frauen und
Jungfrauen zu ihm hinein, um ihn zu trsten, worauf sie ihn auf dem
Bette liegend fanden, indem seine Grimmigkeit noch durch den pltzlichen
Anblick seiner Gemalin vermehrt wurde. Melusina trat lieblich auf ihn zu
und sagte: Nicht, Reymund, mut Du Dich ber Dinge also sehr betrben,
die Du nicht verschuldet, und welche Du nicht mehr ndern kannst,
betrbe Dich, aber sei geduldig in Deinem Gram und empfiehl Gott Dich
und Deinen Schmerz, der wird alles nach seinem Willen vollbringen und er
verlangt vielleicht jetzt, da wir auf unsre Snden und schlimmen
Leidenschaften achten und sie ablegen sollen. Unser Sohn Geoffroy hat
gesndigt, aber er wird seine Missethat beweinen und Bue thun, und Gott
wird ihm nach seiner unendlichen Barmherzigkeit vergeben, denn er will
nicht den Tod des Snders, sondern da er leben bleibe.

So vernnftig und schn Melusina sprach, so schaute sie Reymund doch mit
boshaften Augen an, war seiner selbst im Zorn nicht mchtig und sagte
laut und vor allen Gegenwrtigen: O Du Schlange und giftiger Wurm,
kmmst Du hieher, mir eine solche Rede zu halten und bist nur ein
liederlicher Fisch? Ja, ich habe gesehn, da Du ein Meerwunder bist und
kein menschliches Geschpf, darum mssen die Kinder von Dir Bsewichter
werden, es ist Deine Schlangenart, die in ihnen zum Vorschein kommt,
sieh nur, welchen schnen Anfang der Geoffroy mit dem Zahne gemacht hat!
hat er nicht meinen liebsten Sohn, und den Abt, und dazu alle Mnche
verbrannt?

Whrend dieser Worte verwandelte Melusina ihre schne Farbe und wurde
ganz todtenbla; mit einer Stimme, die allen durch das Herz drang,
sprach sie hierauf: Ach Reymund! wie lssest Du Dich so sehr von der
Unvernunft dahinreien! welche Worte hast Du gesprochen? Ist mein
Schmerz nicht so gro, wie der Deinige? Mein Leiden nicht dem Deinigen
gleich? O wie hielt ich Dich lieb und werth! wie vertraute ich Dir mein
Heil und meine Wohlfarth! aber Du hast Dein Gelbde gebrochen und so mu
nun auch eintreffen, was ich Dir dazumal vorhergesagt, da Du mich
verlieren wrdest. O Reymund, Deine Wohlfarth, Dein Glck, alle Deine
Freude und Ehre mu leider nun ein Ende nehmen.

Mehr konnte sie nicht sprechen, sondern sie fiel nach diesen Worten
ohnmchtig zur Erde nieder. Die Herren und Diener erschraken sehr und
liefen eilig hinzu, ihr beizustehn, worauf sie auch wieder zu sich kam
und mit hchstklglicher Stimme sagte:

   Ach Gott! ach! Herr! o Reymund! wehe mir!
   Die Zeit ist da, ich scheide nun von Dir,
   Wie mut' ich doch von Deinem Werth, Geberden
   Also im Herzen mein bezaubert werden?
   O weh! mein Leiden sei Gott angesagt!
   O weh! es sei dem hchsten Herrn geklagt!
   O wehe mir, da ich beim Bronnen rein und kalt,
   Dich fand, mein Reymund dort im grnen Wald!
   O weh, da ich gefhlt nach Dir Verlangen,
   Weh mir, da ich den schnen Leib umfangen!
   Der Stunde weh, da ich mein Leib und Leben
   In Deine Macht Dir gnzlich bergeben!
   Ha Deine Falschheit und Verrtherei,
   Dein Unverstand bricht alles nur entzwei,
   Dein zornger Grimm, Dein boshaft schlimmer Mund
   Richt' mich und Dich, mein Wohlfarth ganz zu Grund,
   Ich komme nun in Arbeit, Angst und Noth,
   Und kann nicht hoffen, da der bald'ge Tod
   Von meinen Quaalen mich befreien mag,
   Sie whren fort bis an den jngsten Tag.
   Gottloser Schalk! untreuer Bsewicht!
   So wei Dein Herz nicht, was Dein Mund verspricht?
   Wie hltst Du mir Dein heiliges Versprechen?
   Wie magst Du so Dein Wort und Schwren brechen?
   Gern wollt' ich Dir, untreuer Mann, verzeihn,
   Wenn Du nur noch verschwiegen konntest sein,
   Du hattest mich am Bade schon gewahrt,
   Es war verziehn, denn keinem offenbart
   Als Dir, war noch mein Schmach und groes Leid,
   Nun ist es offenbar, nun kommt die Zeit
   Der Angst, der Pein, der Quaal und Herzenswehen,
   Wo Glck, Lieb, Heil und Wohlfarth mu vergehen.
   Htt'st Du den Eid gehalten treu und wahr,
   So blieb ich bei Dir, Reymund, immerdar,
   Bis endlich uns der bittre Tod geschieden,
   In Erde ruhte dann mein Leib im Frieden,
   Die Seele wr' aus Leid im Freud gekommen,
   Aus Fegefeur in Himmelslicht genommen.
   Nun aber bleiben Leib und Seel beisammen
   Bis glht der jngste Tag in seinen Flammen,
   In Dir nimmt seinen Anfang schweres Leiden,
   Auch Du nimmst Abschied nun von Deinen Freuden,
   Vermindert und zertheilet wird Dein Land,
   Kommt niemals wieder unter eine Hand,
   Unglck trifft manche, die von Dir abstammen,
   Und auch wir beide bleiben nicht beisammen,
   Ich mu von Dir, von Schlo und Kindern scheiden,
   Und knftig Mann und Schlo und Kinder meiden.

Die trauernde Melusina wandte sich hierauf zu drei Landesherren, fhrte
sie zu Reymund und fuhr in ihrer Rede fort:

   Reymund, bei Dir ist meines Bleibens nicht,
   Doch nimm in Acht, was, wenn ich fort, geschicht,
   Horribel, unser Sohn mit dreien Augen,
   Ist bs und kann in dieser Welt nicht taugen,
   Erwchst er gro, wird er das Land verderben
   Mit Krieg und Hunger, lat ihn vorher sterben.
   Da Geoffroy hat den Abt, die Mnch verbrannt,
   Erfahre, da auch hierin Gottes Hand,
   Sie schlugen ihre Regel in die Schanz
   Und hielten nicht des Klosters Observanz,
   Auch wird den Geoffroy schwere Reue plagen
   Er wird alsdann frommthig in sich schlagen,
   Ein neues Kloster baun, das schner ist,
   Worauf er auch zum Dienste Jesu Christ
   Mehr Mnche wird zum frommen Werk einsetzen,
   Sie unterhalten auch von seinen Schtzen.
   Es wird mir schwer von meinem Schlo zu scheiden,
   Das ich gebaut anmuthig und mit Freuden,
   Ich mchte fast in Thrnen drum vergehn,
   Doch kann's nicht anders sein, es mu geschehn.
   Ach Reymund! wars nicht Lust und Freudigkeit
   Als wir so schn beisammen allezeit?
   Aus Freud wird Leid, aus Scherzen wird nun Schmerz,
   Aus Strke Ohnmacht, das zerbricht mein Herz.
   Wie hatten wir so schnes Wohlgefallen,
   Das wandelt sich nunmehr in Migefallen,
   Wohlfarth wird Gram, zu Sorge Sicherheit,
   Zu Unglck Glck, Freiheit wird Dienstbarkeit.
   So dreht sich denn des Glckes Kugel rund,
   Kehrt all in's Gegentheil in einer Stund,
   Doch ist es Reymund Deine eigne Schuld,
   Da Du verleurst des Glckes Lieb' und Huld.
   Ich mu zu meinen Leiden von Dir scheiden,
   Doch mag Dir Gott die Missethat verzeihn,
   Da ich aus Lust in Gram, in Schmerz aus Freuden
   Bis an den jngsten Tag mu immer sein;
   Nun mu ich wieder fort, in Angst eingehen,
   In der ich, Arme, einmal schon gewesen,
   Und wieder mu die Quaal an mir geschehen,
   Und niemand darf und kann mich nun erlsen.

Wie Reymund diese Klagen anhrte und sah, da sich seine geliebteste
Gemalin zum Hinscheiden fertig machte, berfiel ihn eine solche
innerliche Angst, da er nicht ein Wort zu sprechen vermochte; er
meinte, das Herz im Leibe mte ihm vor groem Weh zerspringen und er
wrde sterben, begehrte auch nicht lnger zu leben und wnschte sich den
Tod. Er stand auf und ging mit klglichen Geberden zu Melusina, kte
sie mit hchster Betrbni und weinte bitterlich. Vor groem
unaussprechlichen Herzeleid, das sie beide des Scheidens halber hatten,
fielen sie nieder auf die Erde. Die Landesherren und Hofbediente, Frauen
und Jungfrauen waren ebenfalls sehr traurig, huben sie beide auf,
weinten und alles Volk mit ihnen. Reymund fiel vor Melusina nieder auf
die Knie, und bat sie unter Schluchzen und Herzensangst um Vergebung,
da er seine Gelbde so bslich gebrochen htte. Melusina antwortete:
ich kann dem Verhngni nicht Einhalt thun, welches es nun so
beschlossen hat, darum mssen wir uns drein ergeben. Vergi nun Deinen
Sohn Freymund, aber gedenke Deines Sohnes Reymund, der einst an Deines
Bruders statt Graf zu Forst werden soll. Auch Deines jngsten Sohnes,
Dietrich, nimm Dich an, der noch an der Brust der Amme liegt, denn er
soll einst ein tapfrer Ritter werden.

Nachdem Melusina diese Worte gesprochen hatte, schwang sie sich auf das
Fenster, wandte sich noch einmal um und sagte:

   Gesegn' Dich Gott, mein Herz und wahrer Freund:
   Gesegn' Dich Gott, holdseligster Gemal!
   Gesegn' Dich Gott, Du liebstes Kleinod mein!
   Gesegn' Dich Gott, Du schne Kreatur!
   Gesegn' Dich Gott, Du meine schnste Freude!
   Gesegn' Dich Gott, Du Lust in dieser Welt!
   Ach segn' Dich Gott, mein liebster Trost und Hort!
   Auch Euch gesegne Gott, mein liebes Volk!
   Gesegn' Dich Gott, Lusinia, schnes Schlo,
   Das ich gebaut und selbst gestiftet hier!
   Gesegn' Dich Gott, Du Preis von dieser Welt!
   Gesegn' Dich Gott, Reymund, mein liebster Freund,
   Leb' ewig wohl, zu tausend gute Nacht!

Mit diesen letzten Worten scho Melusina zum Fenster hinaus und
verwandelte sich vor den Augen alles Volks, denn sie wurde von den
Hften an wiederum ein feindlicher, langer und ungeheurer Wurm. So
umfuhr sie in der Luft das Schlo, indem sie aus der Hhe herunter ein
entsetzliches Geschrei ausstie, das so seltsam und unerhrt klang, da
allen das Herz im Leibe bebte, und sie sich vor nichts so furchten, als
diesen Ton noch einmal zu hren, so zerschmetternd und zerreissend klang
es, so tiefbetrbt, als sollte nun gar die ganze Welt vergehen, als wr
alle Lust erstorben und sollte der Jammer nun auf Erden auf immer
einheimisch sein. Dreimal lie sie dieses entsetzliche Geschrei von sich
hren, dann vernahm man nichts mehr und sie war verschwunden.

Reymund stand bei den Seinen in groen Leiden und schwerer Quaal, er
schrie und weinte bitterlich, raufte sich die Haare aus und wnschte
niemals geboren zu sein; da er wieder vor seinem groen Herzeleid
sprechen konnte, rief er ihr die Worte nach:

   Nun so gesegn' Dich der allmcht'ge Gott,
   Mein schnes Weib und Freundin, Ehrenkrone!
   Gesegn' Dich Gott, mein Reichthum, meine Freude!
   Gesegn' Dich Gott, Du meine liebste Lust!
   Gesegn' Dich Gott, mein einziges Verlangen!
   Gesegn' Dich Gott, Du Frau von hohem Preis!
   Gesegn' Dich der allmcht'ge, ewge Herr
   Und unsrer theurer Heiland Jesus Christus!
   Ach alle meine Tage sind vergangen,
   Da ich Dich ferner nicht erblicken soll.

Reymund klagte so sehr, da alle die Seinigen mit ihm klagen und weinen
muten. Doch gab es einige ltre Leute, die sehr redlich waren und ihn
zu trsten suchten, weil sie auf das Wohl des Landes ihre Absicht
gerichtet hatten. Sie hielten ihm herrliche Beispiele vor, von andern
groen Mnnern, die vieles Unglck erlitten, sich aber nachher getrstet
hatten. Einer von den allerredlichsten aber erinnerte ihn an den Befehl
seiner abgeschiedenen Gemalin Melusina, seinen Sohn Horribel mit den
drei Augen nicht leben zu lassen, weil dieser sonst das ganze Land
verderben wrde. Reymund antwortete: lieben Freunde, berlat mich nur
meinem Schmerze und thut brigens nach Eurem Wohlgefallen und wie Euch
meine edle Gemalin Melusina befohlen hat.

Hiemit entfernte sich Reymund und verschlo sich in einer einsamen
Kammer, wo er trauerte und weinte und ein solches Wehklagen trieb, da
es nicht zu sagen ist. Die Herren und Diener aber nahmen den kleinen
Sohn Horribel, der schon als Knabe ein sehr bses Gemth in sich spren
lie, und sperrten ihn zum Besten des ganzen Landes in einen abgelegenen
Keller, worauf sie so viel brennendes Stroh hineinwarfen, da der junge
Bsewicht ersticken mute; so war das Land fr die Zukunft gerettet.
Nachdem sie dieses vollbracht hatten, nahmen sie den Leichnam und legten
ihn heimlich in ein Bette, sagten er wre todt, und begruben ihn
ffentlich nach einigen Tagen, als wenn er eines ordentlichen Todes
gestorben wre.

Reymund hatte noch zwei junge Kinder, die ihre Ammen hatten und die
Brust sogen. In der Nacht sahen die Ammen oftmals, wenn es finster war,
da Melusina in die Kammer kam, in welcher die Kinder schliefen, eins
nach dem andern aufhub, nmlich den Reymund und den Dieterich, sie am
Feuer wrmte und lieblich sugte und dann wieder sie liebkosend in ihre
Wiegen legte. Darnach war Melusina wieder verschwunden, und die
Dienerinnen wagten es aus Furcht nicht, zu ihr zu gehn, wann sie zugegen
war, doch nahm das Kind Dieterich so sehr zu, da alle Menschen, die es
nur sahen, darber erstaunen muten.

Geoffroy war indessen mit dem Schiffe und seinem Boten glcklich in das
Land Norhemen angelangt. Gleich beim Schiffaussteigen kamen ihm die
betrbten Landesherren entgegen, empfingen ihn sehr freundlich,
bewillkommten ihn mit grter Hflichkeit, und erzhlten so grausame
Thaten von dem Riesen, die der ungeheure Wthrich an jedem Tage
verrichtete, wohl oft an einem Tage an die hundert Ritter erwrge, das
Volk nicht anders als nach tausenden umbringe, das Land verwste, das
Vieh verderbe, und so weiter, da Geoffroy antwortete: ei, meine Herren,
dieses ist ja kein Mensch, sondern ein rechter eingefleischter Teufel,
doch wenn ich ihn anders nur finde, so hoffe ich ihn mit Gottes Hlfe zu
berwinden, bin auch deswegen ausdrcklich hergekommen, denn ich habe
schon vorher, obgleich nicht so umstndlich, von seinen Freveleien
gehrt. Gebt mir deshalb nur einen Boten mit, der mir den Weg zu diesem
Unmenschen zeigt.

Die Landesherren schafften ihm bald einen Boten, der des Wegs kundig war
und auch die Wohnung des Riesen wute, worauf Geoffroy sehr kurz, aber
doch mit seiner mglichsten Hflichkeit von den Landesherren Abschied
nahm. So ritten sie beide, er und der Bote nach dem Berge zu, wo der
Riese seine Wohnung hatte. Da sprach der Bote: Hier auf diesem Berge hat
nun der Riese seine Wohnung. Du mut mich zu ihm fhren, antwortete
Geoffroy, denn dazu bist Du mir mitgegeben; und so ritten sie auch den
Berg hinan, und als sie oben waren, sah sich der Bote um, und erblickte
den groen und mchtigen Riesen, der an einem Baume, auf einem
Marmorsteine sa.

Als der Bote sah, da der Riese so gar nahe bei ihm war, zitterte er vor
Furcht an Hnden und Fen, wobei er ohne Unterla die Farbe
verwandelte. Geoffroy, der sich nicht umgesehn hatte, merkte daraus, da
der Riese etwa in der Nhe sein msse, er sagte daher lchelnd zum
Boten: frchtet Euch nur nicht, mein lieber Freund, denn ich bin
gekommen, diesen Riesen umzubringen und Euch alle zu erlsen. Der Bote
sagte: Herr, ich bin Euch als ein Bote mitgegeben worden, denenselben
den Riesen zu zeigen, da ist er nun vor uns gegenwrtig, und sitzt auf
einem Marmorsteine, nun verleihe Euch Gott der Herr Kraft und Strke,
denn hier kehr' ich um, und mchte um alle Schtze in der Welt, um alles
Gold und Silber nicht weiter mit denenselben hinauf reiten; also, Gott
befohlen, denn ich war blo dafr gedungen, Euch den Riesen zu zeigen,
und da ist er.

Der Riese _Grimhold_ sah, da zwei Leute zu ihm den Berg hinan ritten,
blieb also sitzen, um zu sehn, was es geben solle, denn er dachte wohl,
da sie sich an ihn machen und eins mit ihm wagen wollten. Geoffroy bat
den Boten lchelnd, da er doch noch bleiben und ihrem Gefechte zusehn
mchte, indem er bald wahrnehmen wrde, welcher unter ihnen beiden der
beste sei. Der Bote aber sprach: was seh' ich doch an Dero Fechten, will
lieber wieder nach Hause gehn, indem ich das nunmehr vollbracht habe,
was mir ist anbefohlen worden. Geoffroy aber redete ihm wieder zu und
sagte nochmals: lieber Freund, la es Dir nicht leid sein, noch eine
kleine Weile zu verziehn, denn Du wirst alsbald gewahr werden, welchen
Ausgang es nimmt, worauf Du dann dem brigen Volke sagen kannst, wie es
sich begeben hat, und wer oben oder unten gelegen; willst Du dieses aber
nicht thun, so denke ich Dir selber eins zu versetzen, da Du wohl hier
bleiben mut.

Der Bote antwortete und sprach: gndiger Herr, Ihr bittet so, da man
Euch nichts abschlagen kann, doch wollte ich gebeten haben, das Ding
nicht lang zu machen, weil ich mich gar zu sehr vor dem Riesen frchte,
denn er kommt mir nicht wie ein Mensch, sondern wie der leibhaftige
Teufel vor. Wenn Ihr so dchtet, wie ich, so wrdet Ihr gegen den groen
ungeheuren Riesenkerl nicht so unbedachtsam Euer junges Leben wagen.
Geoffroy aber sagte: sorgt fr mich nicht, denn ich will dem Leben des
Riesen bald ein Ende machen.

Geoffroy schied nun von dem Boten und kam an den Berg. Da ihn Grimhold
ganz allein herauf reiten sah, verwunderte er sich sehr, da sich ein
einzelner Mann dergleichen unterstehn sollte, doch gedachte er wieder,
es werde vielleicht ein Unterhndler zwischen ihm und dem Lande sein,
daher stand er auf, ging ihm an dem Berge auf einer schnen Wiese
entgegen und nahm eine lange hlzerne Stange in seine Hand, mit der er
wie mit einem Stblein spielte. Wie nun Geoffroy nahe genug gekommen
war, so schrie ihn der Riese an: Wer, oder von wannen seid Ihr, da Ihr
es wagt, so gegen mich den Berg herauf zu reiten? Was habt Ihr hier zu
schaffen und zu suchen? Geoffroy schrie ihn wieder an: Du groer
Schreihals, mein Gewerbe ist ganz krzlich dieses, da ich Dir Deinen
gottlosen Kopf vom Leibe herunter hauen will, weiter habe ich hier
nichts zu suchen, darum halte Dich bereit, solches in Gottes Namen zu
erleiden.

Da fing der Riese an zu spotten und sagte: ei, mein kleiner Herr, lat
mir doch noch mein armes Leben, nehmet mich lieber gefangen und verkauft
mich fr Geld, damit ich doch nur meinen Leib behalte. Wie Geoffroy
merkte, da er seiner spottete, schrie er ihn wieder an: Nun warte, Du
groer Hund, alsbald sollst Du fr Dein Spamachen den Lohn bekommen.
Pltzlich ergriff er seinen Schild, legte die Lanze ein und rennte mit
solcher Gewalt auf den Riesen los, da, wenn dieser nicht von seinem
sthlernen Harnisch wre geschtzt worden, er ihn durch und durch
gestoen htte; aber der Sto traf den Riesen doch so gewaltig, da er
zur Erden fiel und den Hintern und die Beine dem Himmel zukehrte. Er
sprang aber geschwinde wieder auf und wollte nach Geoffroy mit seiner
Stange schlagen; wie dieser das merkte, sprang er schnell vom Pferde
herunter, in Besorgni, er mchte ihn und das Pferd zu gleicher Zeit zu
Tode schlagen. Der Riese betrachtete hierauf den Geoffroy und
verwunderte sich sehr ber dessen Strke, und sagte zu ihm: ich wei
nicht, wer oder von wannen Ihr seid, Ihr habt mir einen so starken Sto
gegeben, da ich meine Fe und meinen Hintern dem Himmel habe zukehren
mssen, solches ist mir zuvor in meinem Leben noch nicht begegnet, wenn
Ihr also ein frommer Ritter seid, so begehre ich von Euch, mir Euren
Namen nicht zu verschweigen.

Geoffroy antwortete: ich heie Geoffroy mit dem Zahn und bin weit und
breit bekannt. Der Riese sagte: ich habe schon viel von Euch gehrt, Ihr
seid also derselbe, der einen andern Riesen, meiner Mutter Bruder,
erschlagen hat, und nun hieher zu mir gekommen seid, um Euren Lohn dafr
zu empfangen, den ich Euch auch alsobald richtig auszahlen will. Damit
nahm der Riese die Stange und schlug mit groer Gewalt gegen Geoffroy,
in der Meinung, ihn zu treffen, Geoffroy aber sprang geschwind zurcke
und die Stange fuhr einen Schuh tief in den Felsen hinein. Zu gleicher
Zeit gab Geoffroy dem Riesen mit seinem Schwert einen solchen Hieb durch
seinen sthlernen Harnisch, da die Ringe davon fielen und das rothe
Blut durch den Harnisch abwrts flo. Darauf wurde der Riese ber die
maen wthig, er nahm seine Stange und holte damit einen mchtigen Hieb
aus; aber Geoffroy sprang wieder zurcke, und der Streich war so
gewaltig, da die Stange drei Schuhe tief in den Felsen hinein fuhr,
wovon ihm auch der Arm heftig erschtterte und seine Stange in Stcke
zersprang. Darber ward Geoffroy sehr froh und lief wieder gegen den
Riesen, und fhrte einen so starken Hieb auf dessen Helm, da er ihn
davon betubte. Wie der Riese nun wehrlos war, so brauchte er seine
Faust und versetzte damit dem Geoffroy einen so harten Schlag auf seinen
Helm, da er ihn damit beinah von Sinnen brachte, doch erholte er sich
bald und gab dem Riesen noch einen Hieb, da ihm der Panzer versehrt
wurde, er ihm eine tiefe Wunde beibrachte und das Blut zu seinen Fen
niederstrmte. Darber fing der Riese an grlich zu fluchen und seine
heidnischen Gtter zum Beistand herbeizurufen. Dann sprang er auf
Geoffroy zu und packte ihn um den Leib, hierauf rungen die beiden aus
allen Krften und Geoffroy war so mchtig, da dem Riesen der Athem
verging, ihn seine Wunden sehr schmerzten und er beinahe ohnmchtig
geworden wre. Hierauf wollte Geoffroy wieder nach seinem Schwerte
laufen, um ihm vollends den Rest zu geben, aber der Riese nahm dieses
Augenblickes wahr und nahm mit groer Schande die Flucht in den Felsen
hinein.

Der Riese war hinter dem Felsen in ein finstres Loch gesprungen und
Geoffroy konnte ihn nicht wiederfinden, so sehr er auch suchte, er
setzte sich also wieder zu Pferde und ritt zu seinem Boten zurck, der
seiner in groen Aengsten erwartet hatte. Dieser freute sich sehr, als
er ihn sah, und Geoffroy erzhlte ihm den ganzen Verlauf des Zweikampfs,
denn jener hatte sich doch aus Furcht entfernt, als er gesehn, wie der
Riese zu handthieren angefangen. Er sah nun auch, wie dem Geoffroy sein
Helm voll Beulen und sein guter Schild zerschlagen war, woraus er wohl
abnehmen konnte, da er nicht leichte Arbeit gehabt hatte. Indem sie
noch mit einander sprachen, kamen die Landesherren und eine groe Menge
Volks herbei, die sich ber den Sieg Geoffroy's hchlich erfreuten; doch
wurden sie wieder bekmmert, als sie hrten, da der Riese nicht ganz
todt, sondern in den Felsen entronnen sei, und wenn er von seinen Wunden
wieder aufkme, so mchte er hernach schlimmer werden, als er zuvor
gewesen.

Einer von den Landesherren fragte ihn hierauf, ob sich der Riese bei ihm
etwa erkundigt habe, wer, oder von wannen er sei. Geoffroy antwortete:
ja, er hat recht eigentlich darnach gefragt und ich habe ihm solches
auch nicht verschwiegen. Darauf sagte dieser Herr: tapfrer Ritter, Ihr
knnt versichert sein, da dieser Riese nicht wieder aus seinem Berge
hervor kommt, so lange Ihr hier gegenwrtig bei uns bleibt, denn er hat
es durch eine Weissagung, da er von Eurer Hand sterben werde. Darauf
schwur Geoffroy einen Eid, nicht eher von dem Lande zu weichen, bis er
den Riesen wieder gefunden und ihn vollends getdtet htte.

Ein andrer Landesherr fuhr hierauf fort: Herr Ritter, in jenem Berge
sind berhaupt viele Gespenster, und fremde Dinge, die man wohl recht
seltsam nennen knnte. Wir sind ehedem von einem Knige _Helmas_ regiert
worden, derselbe hatte eine schne und weise Gemalin _Persina_ genannt,
welcher er einen Eid schwren mute, sie in ihrem Wochenbette nicht zu
besuchen, er brach aber diesen Eid und sah nach der Frau im Kindbette,
worauf er auf sonderbare Weise von ihr und von den Kindern pltzlich
getrennt wurde. Die drei Prinzessinnen haben darauf ihren Vater in
diesem Felsen verschlossen, und wohin nachher die Mutter mit den
Tchtern gekommen, hat Niemand erfahren knnen, seitdem aber der Knig
im Felsen verschlossen, hat sich hier immer ein Riese aufgehalten und
den Berg gehtet. Dieser ist der fnfte und alle haben uns unsgliche
Drangsal angethan, das Land verwstet und alle Menschen so sie nur
erwischt, jmmerlich erschlagen, dabei hat es keiner gewagt, sich ihnen
zu widersetzen. Jetzt aber hoffen wir, da Euer tapfrer Arm uns von der
Furcht erlsen wird. Geoffroy schwur ihnen nochmals, nicht vom Lande zu
weichen, bis er den Riesen gar umgebracht, und hiemit ritten sie alle
nach Hause.

Die Sonne war kaum aufgegangen, als Geoffroy sich wieder auf den Weg
nach dem Gebirge machte. Er kam an den Felsen, wohinein der Riese
geflohen war, suchte lange die Schluft, und fand sie endlich, worauf er
von seinem Pferde stieg, und mit seinem Spie in die Oeffnung hinunter
langte. Er sagte: da er nun hinab steigen wollte, um den Riesen
umzubringen, weil er berdies ein Heide und Unglubiger sei. Die
Landesherren wnschten ihm Glck und den Beistand des Himmels: Geoffroy
machte hierauf ein Kreuz fr sich und lie sich an seinem Speer in den
finstern Felsen hinunter. Unten ging er lange herum, fand aber den
Riesen nicht, endlich ersah er einen Schein, nahm seinen Spie und
fhlte damit so lange, bis er auf eine Thr traf, in diese ging er
hinein und trat in einen kostbaren Saal, wo er viele Reichthmer fand,
die Wnde waren mit Gold und allen Arten von Edelgesteinen
ausgeschmckt, in der Mitte aber stand ein erhabenes Grabmal, welches
auf sechs gldenen Pfeilern ruhte, und mit den kstlichsten Edelsteinen,
die in demselben Berge reichlich wuchsen, hufig besetzt war. Auf dem
herrlichen Grabmal lag die Gestalt eines Knigs aus Chalcedonen
gearbeitet, der auch von Edelsteinen glnzte, neben ihm war das Bildni
seiner Gemalin, welche eine Tafel in ihren Hnden hielt, worauf
geschrieben stand:

   Dies ist der Knig Helmas, hier begraben,
   Der mich zu seiner Gattin einst erwhlte,
   Doch mut' ich einen Eid zuvor noch haben,
   Den er treulos des Wortes brach, dann fehlte,
   Statt Lieb' und Treu, um mein Gemth zu laben,
   Er mich und meine Kinder lange qulte;
   Er schwur, so ihm es sollte wohlergehen,
   In meinem Wochenbett mich nie zu sehen.

   Als er mir diesen hohen Eid geschworen,
   Ich mich durch Himmels Huld gesegnet fhlte,
   Drei schne Tchter hatt' ich mir geboren,
   Doch der Gemal den theuren Eid nicht hielte,
   Drauf ging ich ihm, die Kinder auch verloren,
   Die ich zu meinem Trost bei mir behielte,
   Ich habe sie an meiner Brust gesogen
   Und sie nachher zur Weisheit auferzogen.

   Als sie gekommen zu Verstand und Jahren,
   Sprach ich zu ihnen von der Treue Bruch,
   Die ich vordem von dem Gemal erfahren,
   Die jngste, Melusina, fein und klug,
   Sprach gleich von Rache, und die Schwestern waren
   Behende zu bestrafen den Betrug,
   Worauf sie ihren Vater unverdrossen
   Hieher in diesen wsten Felsen schlossen.

   Er hat sein Leben endlich hier gelassen,
   Worauf ich ihn hier in sein Grab bestellt,
   Auch hab' ich dieses Bildni fert'gen lassen,
   Das diese Tafel in den Hnden hlt,
   Damit ein jeder wei, der kmmt, wasmaen
   Er vordem war ein mchtger Frst der Welt,
   Ich wei, da keiner hieher kommen mchte
   Es sei er stammt von unserem Geschlechte.

   Den Riesen hab' ich auch zur Wacht gegeben,
   Damit kein Fremder dieses Grab betritt,
   Ein jeder bt sogleich mit seinem Leben
   Wer frechen Muthes das Gebirg beschritt.
   Nur einem unsers Stamm's ist es gegeben,
   Zu kommen unversehrt, er fhret mit
   Im Innern eine Macht und Eigenschaft,
   Der nichts vermag des Riesen groe Kraft.

   Mit Straf' hab' ich die Tchter heimgesucht,
   Weil sie sich an dem Vater so vergangen,
   Die jngste, Melusin, ward so verflucht,
   Da sie den Schweif von einer groen Schlangen
   Sonnabends fhrt; wer sie zum Weibe sucht,
   Mu schwren, sie des Tags nie zu verlangen,
   Zu lassen sie in ihren stillen Zimmern
   Und sich nicht um ihr Wesen zu bekmmern.

   Wenn ihr Gemal den Schwur ihr treu gehalten
   So sollte sie in Glcke wie in Freuden
   Recht lange froh auf dieser Erden walten,
   Im Tode endlich spt nur von ihm scheiden;
   Die zweite konnt' ich nicht so umgestalten,
   Doch mute sie auch die Verwnschung leiden,
   Meliora heit sie, sie ist schn gebaut,
   Wie jeder sieht, der einst ihr Wesen schaut.

   Ich habe sie in das Armensche Land,
   Um dort auf immer ein Gespenst zu sein,
   Ein hoch und steil Gebirg hinauf gebannt,
   Dort sperrt' ich sie in festen Schlssern ein,
   Ein Sperber ist ihr dorten zuerkannt,
   Den mu ein jeder, den das Glck fhrt ein,
   Bewachen fort drei Tag und auch drei Nchte,
   Ohn' da ein Schlaf ihn berraschen mchte.

   Kmmt einer nun zu sehn die seltnen Sachen,
   Der vornehm ist, geborner Rittersmann,
   Mu er drei Tag' und Ncht' beim Sperber wachen;
   Doch kmmt der Schlaf ihm nur ein Stndchen an,
   So wird er nie im Leben wieder lachen,
   Er ist alsdann wohl ein verlorner Mann,
   Er bleibt alldort zum jngsten Tag gefangen,
   Verschlossen unter Pein und Angst und Bangen.

   Doch wer drei Tag' und auch drei Nchte wacht,
   Kann von der Frstin eine Gab' begehren,
   Und wenn er sich als weiser Mann bedacht,
   Wird sie ihm selbst das Grte gern gewhren,
   Nur nehme sich der Rittersmann in Acht,
   Nicht ihres schnen Leibes zu begehren,
   Es sind ja dorten Gold und Edelstein,
   Rubin und Perlen, alles ist wohl sein.

   Auf einem Berge wohnt das ltste Kind,
   Plantina ist mit Namen sie genannt,
   Und auf dem Fels gar groe Schtze sind,
   Es liegt der Berg im Arragonschen Land,
   Bis einer unsern Stamms den Schatz gewinnt,
   Dann ist der Zauber von ihr abgewandt;
   Ein solcher Mann erobert auch zugleich
   Jerusalem, das ganze heil'ge Reich.

   Die Bue mut' ich auf die Kinder legen,
   Weil sie zu groer Ding' sich unterfingen,
   Und ihrer ungezhmten Thorheit wegen,
   Da sie so schwer am Vater sich vergingen,
   Ihn durften sie in diesem Berge hegen
   Bis er gestorben, also bsen Dingen
   Folgt alsbald auf dem Fu die Strafe nach,
   Und Gott's Gerechtigkeit bleibt immer wach.

   Mein Name ist Persina, der Gemal
   Hat sich an mir wohl gro und schwer vergangen,
   Doch blieb die Lieb' im Herzen doch zumal,
   Zu ihm gerichtet Sehnsucht und Verlangen,
   Drum gab ich auch die Kinder in die Quaal,
   Weil sie ihn schmerzlich hielten eingefangen:
   An Eltern darf kein Kind die Hnde legen,
   Es folgt der Fluch, wer also sich verwegen.

Als Geoffroy diese auerordentlichen Dinge auf der Tafel gelesen hatte,
konnte er sich nicht genug darber verwundern, denn er sah ganz
deutlich, da die Melusina, von welcher in der Schrift gesprochen wurde,
seine leibliche Mutter, mithin der Knig Helmas sein Grovater, und
Persina seine Gromutter gewesen sei. Doch ging er wieder aus der Kammer
heraus und suchte den Riesen allenthalben; er kam an einen groen Thurm,
wo er hineinging, und unten ein Gefngni gewahr wurde, wo mancher
redliche Mann gefangen lag, und sich alle Gefangenen ber Geoffroy's
Ankunft sehr verwunderten. Einer darunter sagte: mein sehr werther Herr,
geht ja fort von hier und verbergt Euch in einer Hhle, damit Euch der
Riese nicht sieht und gewahr wird, denn wenn Euch der ungeheure Riese
findet, so mt Ihr Euer Leben verlieren und erschlagen werden.

Geoffroy fing aber hierber an zu lachen und sagte: ich suche eben
diesen Riesen, denn ich mchte mich gar gerne mit ihm schlagen. Da sagte
ein andrer Gefangener: nun, Ihr werdet ihn bald sehn, denn er wird gewi
gleich kommen, und dann wird es Euch gereuen, Ihr mt umkommen, denn er
ist gar zu erschrecklich.

Indem sie noch sprachen, kam der Riese, eilte geschwind in eine Kammer
und schlug die Thr sehr eilig hinter sich zu. Geoffroy sah ihn, sprang
nach und trat so stark wider die Thr, da sie in Stcke zersprang. Der
Riese hatte einen Hammer bei sich, mit welchem er so heftig auf
Geoffroy's Helm schlug, da, wenn der Helm nicht so gar gut gewesen
wre, er damit den Geoffroy erschlagen htte. Geoffroy aber besann sich
schnell, und gab ihm mit dem Schwerte einen so gewaltigen Hieb, da der
Riese sogleich zur Erde fiel. Darauf that der Riese einen so
erschrecklichen Schrei, da der ganze Thurm erbebte und er sogleich todt
war. Hierauf steckte Geoffroy sein Schwert ein, ging wieder zu den
Gefangenen und fragte sie: ob sie aus dem Lande Norhemen gebrtig wren.
Sie sagten: Ja. Er fragte ferner: warum sie dorten gefangen sen. Sie
sagten: um Schatzung und Tribut, die wir dem Riesen schuldig sind.
Geoffroy sagte: so danket Gott, da er es mir vergnnt hat, diesen
Riesen ganz und gar umzubringen. Ueber diese Nachricht wurden die
Gefangenen sehr froh und lobten Gott, wobei sie Geoffroy baten, ihnen
doch aus dem Gefngnisse zu helfen. Geoffroy wollt' es von Herzen gern
thun, aber keiner wute, wo die Schlssel lagen; endlich fand sie der
tapfre Ritter, nachdem er allenthalben gesucht, schlo alsbald die
Thren auf, und lie die Gefangenen heraus, deren mehr als zweihundert
waren. Geoffroy erlaubte ihnen von den Edelgesteinen und dem Silber und
Golde zu nehmen, welches im Berge sei, denn er begehre nichts davon fr
sich selber, wofr sie ihm noch mehr dankten.

Sie beschlossen darauf, den Riesen aus der unterirrdischen Schluft
hervor an das Tageslicht zu ziehn, und ihn allen Leuten im Lande zu
zeigen, welches sie auch sogleich in's Werk richteten: die Gefangenen
nahmen einen groen Karren, schroteten den ungeheuren Riesen darauf,
banden ihn so, da er aufrecht sa, gleich als wenn er lebte, und fuhren
ihn so durch das ganze Land. Als das Volk im Lande den ungeheuren Riesen
sah, konnten sie sich nicht genug verwundern, sie dankten alle laut Gott
von Herzen, da er sie durch Geoffroy von einem solchen ungeschlachten
Bsewicht erlst hatte. Bei diesem bedankten sich auch die Landesherren
hflich fr den ihnen und dem Reiche erwiesenen Dienst, auch das Volk
erzeigte ihm die grte Ehre und alle baten ihn instndigst, bei ihnen
als ihr Knig und Herr zu bleiben, welches er aber nicht annahm, sondern
bald darauf von dannen zog, denn er trug ein Verlangen, seinen Vater und
seine Mutter wieder zu sehn.

Er setzte sich also zu Schiffe und fuhr nach seinem Vaterlande. Als sein
Vater Reymund seine Zurckkunft erfahren hatte, ritt er ihm entgegen;
denn es war schon bekannt geworden, welche groe Thaten er in dem Lande
Norhemen ausgebt hatte, deswegen legte Reymund seinen Kummer um seine
geliebte Melusina ein wenig bei Seite. Als er mit seinem Sohn allein
war, erzhlte er ihm sein ganzes gehabtes Unglck unter Vergieung
vieler Thrnen. Als Geoffroy das hrte, erschrak er heftig und merkte,
da alles dies von seiner Missethat hergekommen sei, indem er seinen
Bruder Freymund im Kloster Malliers verbrannt habe; doch sammelte er
sich wieder und erzhlte, welche Tafel, Schrift und Nachrichten er in
dem bezauberten Berge gefunden habe, woraus Reymund merkte, von welchem
hohen Geschlechte seine Gemalin Melusina abgestammt sei. Geoffroy erfuhr
nun zugleich von seinem Vater, da sein Bruder, der Graf von Forst, ihn
zuerst dahin vermocht habe, die Melusina an einem Sonnabend zu
belauschen und so sein theures Gelbde zu brechen, worauf Geoffroy einen
hohen Eid schwur, da der Graf von Forst dafr sterben solle. Ritt auch
eilig hinweg, und Reymund blieb in grter Betrbni zurck, da sein
Sohn Geoffroy wieder eine neue Missethat begehn wollte.

Geoffroy kam bald vor dem Schlosse des Grafen von Forst an, er stieg
sogleich von seinem Pferde und ging in das Schlo hinein, ohne da ihn
einer gewahr wurde, worauf er in den Saal kam, wo sein Vetter war. So
wie ihn Geoffroy sah, schrie er ihn ungestm an und zog sein Schwert:
Bsewicht, Du mut hier Dein Leben lassen, weil ich durch Dich meine
Mutter verloren habe. Der Graf war sich wohl bewut, was er gethan
hatte, erschrak also und wollte ihm entfliehen, sprang auch zum Fenster
hinaus, fiel aber auf die harten Felsen und war todt. So hatte Geoffroy
das Unrecht gerochen, welches jener an seiner Mutter verbt hatte.
Zugleich kam dadurch die Grafschaft an seinen jngern Bruder Reymund.

Sein Vater hrte den Tod seines Bruders, und grmte sich sehr, da sein
Sohn von neuem eine solche Missethat begangen hatte; er nahm sich vor,
nicht mehr zu regieren, sondern nach Rom zu wallfahrten, seiner Snden
wegen Bue zu thun, sich alsdann von der Welt abzusondern, in ein
Kloster zu gehn und dort sein bekmmertes Leben zu beschlieen. Geoffroy
kam zurck, und sah die groe Traurigkeit seines Vaters, fiel auf seine
Kniee, bekannte seine Missethaten und bat um seines Vaters Vergebung.
Reymund verzieh ihm und ertheilte ihm seinen Segen, worauf er zu ihm
sagte: doch, mein Sohn, mut Du vor allen Dingen das Kloster Malliers
wieder auferbauen, und mehr Mnche darein setzen und stiften, als vorher
gewesen sind, sonst kann Dir Deine Schuld nicht verziehn werden. Welches
Geoffroy versprach und sich Reymund darauf zu seiner Reise nach Rom
rstete; doch berief er noch vorher alle Vasallen und lie sie seinem
Sohne Geoffroy huldigen. Darauf schied Reymund auch von seinen brigen
Kindern, setzte sich zu Schiffe und fuhr nach Rom.

Geoffroy baute indessen das Kloster Malliers wieder auf und machte es
schner, als es zuvor gewesen war, stiftete auch mehr Mnche zum
Gottesdienst, worber sich alles Volk im Lande sehr verwunderte, da er
das Kloster erst verbrannt hatte und nun wieder so herrlich neu
errichtete.

Reymund kam in Rom an und beichtete vor dem allerheiligsten Vater Pabst,
welcher ihm eine gelinde Bue auferlegte. Dann nahm er Abschied, nachdem
er dem Pabste vorher gesagt, er wolle nach unsrer lieben Frauen zu
Montserrate in Arragonien gehn, und dort ein Einsiedler werden, weil
daselbst ein schner Gottesdienst sei. Er kam in Montserrate an, lie
sich Kleider eines Einsiedlers machen und diente allhier Gott in
strenger Andacht und vielen Bubungen.

Geoffroy reiste nun auch nach Rom, um seine Bue vor dem allerheiligsten
Vater abzulegen, auch zugleich von ihm zu erfahren, wo sein Vater
Reymund geblieben sei, welcher nicht wieder kam. Der Pabst berichtete
ihm: da sein Vater zu Montserrate, im Gebirge, ein Einsiedler geworden;
dabei legte er ihm eine harte Bue auf, weil er so schwere Missethaten
begangen hatte, verordnete auch: da er im Kloster Malliers hundert und
zwanzig Mnche einsetzen und stiften msse, wenn er fr seine Snden
Vergebung von Gott erlangen wolle. Geoffroy versprach alles zu thun,
lie sich die Absolution ertheilen und reiste hierauf ab, um seinen
alten betrbten Vater in der Einsiedelei im fernen, seltsamen Gebirge zu
Montserrate aufzusuchen.

Geoffroy reiste zu seinem Vater, um ihn zu bewegen, in die Welt zurck
zu kehren, aber der alte Reymund wollte in seiner Einsiedelei bleiben,
und so schied Geoffroy ungern von ihm, nachdem er einige Tage bei ihm
gewesen, und seinen Gottesdienst mit angesehn hatte. Es whrte nicht
lange, so fhlte sich Reymund zum Tode matt, darum kam Geoffroy noch
einmal zu ihm, wartete sein Ende ab und lie ihn dann herrlich und mit
groem Geprnge zur Erden bestatten. Nachher machte Geoffroy das Kloster
Malliers zu dem schnsten im Lande und setzte auch die Anzahl Mnche
hinein, die ihm der Pabst vorgeschrieben hatte.

Im Knigreiche Armenien hatte Gyot indessen lange regiert, war alt
geworden und hatte nach seinem Tode das Reich seinem jungen und tapfern
Sohne hinterlassen, welcher auch Gyot genannt wurde.

   Ein steil und hohes Schlo
   Lag in demselben Land,
   Und drinnen Schtze gro
   Wie jedermann bekannt.

   Im Schlo war ein Gesichte,
   Gar schn und wundersam,
   Das manchem armen Wichte
   Zu Leid und Unheil kam.

   Wer gern die Schtze wollte,
   Die auf dem Schlo da lagen
   Von Gold und Stein, der sollte
   Ein seltsam Ding drum wagen.

   Ein Sperber sa wohl dorten,
   Den er bewachen soll,
   An einsam hohen Orten
   Drei Tag und Nchte wohl.

   Und keiner durfte schlafen
   Bei Tag' und in der Nacht,
   Sonst folgten harte Strafen,
   Da er so schlecht gewacht.

   Wem dieses mocht gelingen,
   Der konnte wohl begehren,
   Von allen seltnen Dingen,
   Man mute sie gewhren.

   Beim Sperber war in Ehren
   Ein trefflich schnes Weib,
   Konnt einer all's begehren,
   Nicht ihren schnen Leib.

   Gyot, der junge Knig
   Rst sich im kecken Muth,
   Er dnkte sich nicht wenig
   Zum Abentheuer gut.

   Er sprach zu sich im Herzen:
   Gelingt der Zeitvertreib,
   So fodr' ich ohne Scherzen
   Doch nur das edle Weib.

   Zog aus mit vielen Leuten
   Und mit Gefolge gro,
   Da sahen sie von weiten
   Das wundersame Schlo.

   Auf grner Wiese milde
   Lie er die Diener sein,
   Und ging mit Schwert und Schilde
   Keck in's Burgthor hinein.

   Da kam ein alter Mann,
   Gar klein und krumm und bleich,
   War schneewei angethan,
   Sein Bart war licht zugleich.

   Der sprach: was sucht ihr hier?
   Still blieb der Knig stehen,
   Und sprach: ich komme schier
   Um die Gesicht' zu sehen.

   Der Alte ernsthaft sprach:
   Kommt ihr zu diesen Dingen,
   So folgt mir kecklich nach
   Will euch zu ihnen bringen.

   Der Alte ging voraus,
   Der junge hinterdrein,
   Sie treten in das Haus
   Und in den Saal hinein.

   Es glnzt der Saal von Pracht,
   Von Gold und Edelstein,
   Wo ihm entgegen lacht
   Der grn' und rothe Schein.

   Es war im schnen Zimmer
   Von tausend Farben Glanz
   Wie nur ein einzger Schimmer,
   Es war ein Kleinod ganz.

   Der Knig sprach: zu Hause,
   Hab' ich viel Sle licht,
   Doch gegen diese Klause
   Ist alles nur ein Wicht.

   Auf einer gldnen Stangen
   Sah er den Sperber dann:
   Tragt ihr nun noch Verlangen,
   So sprach der alte Mann,

   Das Abentheu'r zu wagen,
   Der Sperber sitzet hie,
   In Nchten und drei Tagen,
   Drfet ihr schlafen nie.

   Knnt ihr nicht Schlaf vertreiben,
   Und euch erhalten wach,
   So mt ihr allhier bleiben
   Bis an den jngsten Tag.

   Doch knnt ihr es vollbringen
   So steht euch dafr frei,
   Zu nehmen von den Dingen,
   Was es auch immer sei.

   Doch eins ist untersaget,
   Das ist der Frstin Leib:
   Nun geht mein Herr und waget
   Den edlen Zeitvertreib.

   Der Knig sprach: ich habe
   Zum Wachen mich gestellt,
   Ich bitte um die Gabe,
   Die meistens mir gefllt.

   Er dacht' in seinem Sinne
   Nur an das schne Weib,
   Und wenn ich die gewinne,
   Bitt' ich um ihren Leib.

   Der Alte ging zurcke,
   Es blieb der Junge da,
   Und wagte nun sein Glcke,
   Er blieb dem Sperber nah.

   Er schaut bei Tag wie Nachte,
   Nur diesen Sperber an,
   Und unermdet wachte
   Der bermth'ge Mann.

   Nie ward es Nacht und dunkel
   Beim Sperber im Kastell,
   So glnzte der Karfunkel
   Roth durch die Zimmer hell.

   Darzu erklangen schne
   Gesnge durch den Saal,
   Es sangen in die Tne
   Auch Vgel drein zumal.

   Und Speise war zugegen
   Und auch der se Wein;
   Nur durft' er sich nicht legen,
   Mut' immer wachend sein.

   Noch waren viele Zimmer,
   In die ging er hinein,
   In allen glnzt der Schimmer
   Von Gold und Edelstein.

   Gold waren alle Wnde
   Und bunte Blumen drauf,
   Es rankten aller Ende
   Sich Zweig' und Krnz' hinauf.

   Und Rubin und Smaragden,
   Demant und auch Sapphir
   Sah man erschimmernd prachten,
   Als Blumen herrlich hier.

   Auch war in Farben schne
   Dort in dem Glanz und Schein,
   Die sangen zarte Tne,
   Wohl tausend Vgelein.

   Auch Ritter abgebildet
   Im wahren Conterfei,
   Gehelmt und auch beschildet
   Und wer ein jeder sei.

   Darneben war geschrieben,
   War keiner blieben wach,
   Drum waren sie geblieben
   Bis an den jngsten Tag.

   Drei andre Bilder standen,
   Von Rittern, und dabei
   Die Schrift von welchen Landen
   Und Namens jeder sei.

   Die hatten Tag und Nacht
   Und ohne zu ermden
   Den Sperber wohl bewacht,
   Drum waren sie geschieden.

   Und hatten Gaben viele
   Mit sich hinweggenommen,
   Gar mannlich bis zum Ziele,
   Glcklich zurck gekommen.

   Wie er dies all betrachtet,
   Ging er zum Sperber wieder,
   Den er drauf wohl beachtet,
   Und stark sind seine Glieder.

   Drei Tage sind vergangen,
   Der vierte Morgen kam,
   Worauf die Angst und Bangen,
   Sein Amt ein Ende nahm.

   Mit lchelnden Geberden
   Mit Schmuck in schner Seide
   Tritt nunmehr zu dem werthen
   Im allerschnsten Kleide

   Die Frstin in den Saal,
   Das berschne Weib,
   Er sieht der Augen Stral
   Und ihren schlanken Leib.

   Sie sprach: ein schn Gelingen
   Hat euch das Glck bescheert,
   Erwhlt nun von den Dingen
   Was euer Herz begehrt.

   Der sah nur ihre Schne
   Und stand in sich entzckt,
   Er sprach: das Ende krne
   Was mir so wohl geglckt.

   Drum mag ich keine Steine,
   Was frommte mir das Gold,
   Ich wnsche nur das eine,
   Das seid ihr Frstin hold.

   Drum will ich nichts begehren,
   O wunderschnes Weib,
   Doch sollt ihr mir gewhren
   Den schlanken sen Leib.

   Mit zornigen Geberden,
   Sprach drauf die Prinzessin:
   Mein Leib kann euch nicht werden,
   Whlt anderen Gewinn.

   Der Knig sprach: an Schtzen,
   An Edelstein und Gold,
   Mag jeder sich ergtzen,
   Ich hab' es nie gewollt.

   Drum will ich keine Gabe,
   Als nur den zarten Leib,
   Ihr seid die schnste Habe,
   O edles holdes Weib.

   Sie sprach: ihr seid vermessen
   Und redet wie ein Thor,
   Habt alle Punkt vergessen,
   Die man euch sagt' zuvor.

   Verndert euren Sinn,
   Kein Mann darf meine werden,
   Ihr habt des nicht Gewinn,
   So lang ihr lebt auf Erden.

   Es schadet eurem Glcke,
   Es schadet eurer Macht,
   Drum kehrt, mein Freund, zurcke,
   Seid witzig und bedacht.

   Was ist die Weisheit ntze?
   Verderben mag mein Leib,
   Sprach jener drauf in Hitze,
   Ich will euch, goldnes Weib.

   Sie sprach: ihr habt gesprochen,
   Und gleicht dem Reymund sehr,
   Der auch den Schwur gebrochen,
   Zu Krnkung seiner Ehr.

   Ihr habt die Gab' verloren
   Wie er das Weib verlor,
   Er hatte falsch geschworen,
   Ihr seid ein junger Thor.

   Und was ich nunmehr sage,
   Das trifft gewilich ein,
   Von heut soll Gram und Plage
   Nur euer Erbtheil sein,

   Dein Vater, Gyot hie er,
   War meiner Schwester Sohn,
   Und als er starb, da lie er
   Dir seinen mchtgen Thron.

   Der Schwestern waren drei,
   Und Melusina eine,
   Sie machte Reymund frei,
   Und wurde drauf die seine.

   Wir hatten uns verbndet,
   Am Vater uns zu rchen
   Und haben schwer gesndet,
   Ich mag davon nicht sprechen.

   Die Mutter hie Persina,
   Sie straft das Unterfangen,
   Samstag's wird Melusina
   Zu einer wsten Schlangen.

   Sie den Tag nie zu sehn
   Hat Reymund ihr geschworen,
   Er bricht den Eid, die Wehn
   Sind da, sie geht verloren.

   So sind wir alle drei
   Gespenster fr das Wthen,
   Ich mu im Schlosse frei
   Den schnen Sperber hten.

   Die dritte ist Plantina,
   Sie ward wie wir verflucht,
   Wie ich und Melusina
   Von Strafe heimgesucht.

   Weil sie wie wir gewthet,
   Ist Arragon ihr Land,
   Wo sie die Schtze htet
   Auf einen Berg gebannt.

   Von unserm Stamme ihr
   Habt euch nun schwer vergangen,
   So da euch fr und fr
   Folgt Angst und Pein und Bangen.

   Der Knig sah die Schne,
   In seinem jungen Muth
   Hrt er nicht ihre Tne,
   Er fhlt nur seine Gluth.

   Er schaut die zarten Glieder,
   Den edlen schnen Bau,
   Und ihn entzndet wieder
   Das holde Bild der Frau.

   Er springt und will sie fassen
   Um ihren schlanken Leib,
   Doch schnell mu er sie lassen,
   Es schwand das se Weib.

   Gespenster stehn im Saal,
   Die schlagen auf den dreisten
   In wilder Wuth zumal
   Mit ihren grimmen Fusten.

   Der Knig rief: Erbarmen,
   Ihr schlagt mich ja zu todt!
   Sie hrten nicht den Armen,
   Und brachten ihn in Noth.

   Sie stieen ihn wohl mchtig
   Hinaus dann vor das Thor,
   So da er lag ohnmchtig
   In bitterm Schmerz davor.

   Halb todt schleicht zu den Seinen,
   Der Frst, im Antlitz bleich,
   Die Herrn und Diener weinen,
   Sie fragen ihn zugleich:

   Ist euch bei Tag und Nacht,
   Das schwere Amt gelungen?
   Habt ihr dort gut gewacht,
   Den groen Schatz errungen?

   Er sprach: zu bsem Glck
   Hatt' ich es unternommen,
   Bin hin zum Schlo, zurck
   Zu meinem Leid gekommen.

   Er ging, sein Regiment
   Nahm nun von Stund' an, ab,
   Der Feind das Reich zertrennt,
   Jung geht er in sein Grab.

                   *       *       *       *       *

   Es hatte auch Persina,
   Im Arragoner Land
   Die Tochter, hie Plantina,
   Auf einen Berg verbannt,

   Die muten ob Schtzen theuer
   Dort wohnen und sie hten,
   Und Wurm und Ungeheuer
   Lief um den Berg mit Wthen.

   Es waren grause Schlangen,
   Unthier und wilde Drachen,
   Die trugen all Verlangen,
   Die Schtze zu bewachen.

   Es kamen viele Ritter,
   Den'n nicht der Weg gelungen,
   Sie wurden allsammt bitter
   Von dem Gewrm verschlungen.

   So kam von Engelland
   Auch einst ein tapfrer Mann,
   Er war als Freund verwandt
   Dem herrlichen Tristan,

   Mitglied der Tafelrunde,
   Von Knig Arturs Leuten,
   Er wollt zu guter Stunde
   Die reichen Schtz' erbeuten,

   Mit Kraft und khnem Muthe
   Hinauf zum Berge gehen,
   Er wollt' mit Leib und Blute
   Das Abentheur bestehen.

   Der Bote ritt im Zagen
   Mit ihm den Berg hinauf,
   Allein im schnellen Jagen
   Nahm er rckwrts den Lauf.

   Der Degen blieb alleine
   Und war in groer Noth,
   Er sprach: ich seh das eine,
   Das ist mein naher Tod.

   Wo ich die Augen wende
   Ist Dampf und wildes Wthen
   Und Wrmer ohne Ende,
   Die diesen Berg behten.

   Frisch auf und sei gerstet,
   Behalt den Muth, du Schwert,
   Weil mich des Kampfs gelstet,
   Die Sache ist es werth.

   So ging er ohne Zagen,
   Ihm sprangen Wrm entgegen,
   Doch kein Thier durfte wagen
   Zu stehn dem tapfern Degen.

   Er schlgt sie alle nieder
   Und dringt den Berg hinauf,
   Es kommen andre wieder
   Und sperren seinen Lauf.

   Ein schmaler Pfad sich wandte
   Zum steilen Berg hinan,
   Wo manche wilde Bande
   Bedroht den werthen Mann.

   Er ging auf lauter Schlangen,
   Auf Natter und Skorpion,
   Er hat sich's unterfangen
   Und spricht dem Grausal Hohn.

   Schmal sind und steil die Wege,
   Kaum Platz fr seinen Schritt,
   Weit hallen seine Schlge,
   Laut klingt sein erzner Tritt.

   Da woll'n zwei wilde Drachen,
   Im Sprung her zu ihm dringen,
   Der zahnbewehrte Rachen
   Klafft weit, ihn zu verschlingen.

   Es rasseln ihre Flgel,
   Und scharf sind ihre Klauen,
   Womit sie in den Hgel
   Und harten Felsen hauen.

   An seinem Schild sie klirren,
   Nicht bebt der tapfre Mann,
   Er lt sich gar nicht irren
   Und schreitet risch hinan.

   Der Drachen Auge blicket
   Ihn an mit rother Glut,
   Doch bleibt sein Schwert gezcket,
   Im Busen scharf der Muth.

   Mit zwei gewaltgen Schlgen
   Haut er die Hupter runter.
   Drauf stt der wackre Degen
   Zum Abgrund sie hinunter.

   Den Weg ging er nun weiter
   Zum steilen Berg hinan,
   Der wurde nirgends breiter
   Nur enger wird die Bahn.

   Ein Br kam ihm entgegen
   Gar gro und ungeheuer,
   Auf engen Felsen-Wegen,
   Ein schlimmes Abentheuer.

   Der Br hat scharfe Klauen,
   Und ist im Grimme wild,
   Die in den Harnisch hauen
   Ihm zerren ab den Schild.

   Der Ritter mu sich wehren,
   Er kmpft mit Mannes Muth,
   Er trifft das Maul des Bren,
   Weit spritzt das dunkle Blut.

   Der Br aufbrllt im Grimme
   Und richtet sich empor,
   Weit tnt die rauhe Stimme,
   Er springt zum Ritter vor.

   Der schreitet keck entgegen,
   Und gab ihm manchen Schlag,
   Bald vor dem khnen Degen
   Die groe Tatze lag.

   Der Br thut auf ihn dringen
   In allergrimmster Wuth,
   Es mute mit ihm ringen
   Der edle Ritter gut.

   Der Harnisch reit und trennet
   Sich ab dem Ritter werth,
   Mit Schrecken das erkennet,
   Verliert zugleich sein Schwert.

   Der Dolch mu ihn bewehren,
   Den nimmt er tapferlich
   Und giebt damit dem Bren
   Gar manchen scharfen Stich.

   Worauf des Bren Stimme
   Noch einmal brllt empor,
   Er zuckt in seinem Grimme,
   Das Leben er verlor.

   Der Held sucht seinen Degen,
   Er fat ihn freudig an,
   Und hher steigt verwegen,
   Der wunderkhne Mann.

   Ein jeder Schritt war Kmpfen,
   Streit jeder Athemzug,
   Die Ungeheur zu dmpfen,
   Fand er da Kampf genug.

   Er hrt ein fern Getse
   Und tritt beherzt hinzu,
   Da hielt der Wurm, der bse
   Im Schatten seine Ruh.

   Vor einer Thr von Stahl,
   Lag breit das schlimm Gewrm,
   Drinn war der Schatz im Saal,
   Der Wurm der letzte Schirm.

   Er schlief, sein Athem brauset,
   Er selber ein Gebirge,
   Der Ritter sieht, ihm grauset,
   Tritt zu, da er ihn wrge.

   So wie er schnarcht geht Feuer
   Aus seinem offnen Schlund,
   Es glnzt das Ungeheuer
   Von vielen Farben bunt.

   Die Zhne groe Steine,
   Den'n keine Waffen halten,
   Die scharfbeklauten Beine,
   Knnen wohl Felsen spalten.

   Mit Brllen thut er wachen
   Und grimmt den Ritter an,
   Sperrt seinen grausen Rachen
   Thorweit dem tapfern Mann.

   Das Schwert thut khnlich blitzen,
   Ihn schirmt das Schild zugleich,
   Doch mag es ihm nicht ntzen,
   Das Thier fhlt keinen Streich.

   Es fat mit seinem Munde
   Das Schwert im Augenblicke,
   Zerbeit es auch zur Stunde,
   Speit wieder aus die Stcke.

   Drauf schrie's, es bebt der Wald,
   Und an den Mann sich drang,
   Den es im Schlund alsbald
   Mit leichter Mh verschlang.

   Den Freunden bracht der Bote
   Die Kund nach Engelland,
   Von dieses Ritters Tode,
   Der sich dem unterwand

   Plantina zu erlsen,
   Die auf dem Schlosse harrt,
   Doch leider von dem bsen
   Gewrm verschlungen ward.

                   *       *       *       *       *

Geoffroy erhielt von diesem Thiere, auch von dem Tode des Ritters aus
Engelland Nachricht, wunderte sich, da es ein solches Ungeheuer in der
Welt geben knne und nahm sich vor, es zu bekmpfen, und das wunderliche
Abentheuer zu bestehn. Er rstete sich, zog aus, ward aber unterwegs so
gefhrlich krank, da ihm kein Arzt helfen mochte: als er dieses merkte,
sagte er: ich habe zwei Riesen umgebracht, aber dieses wilde Thier wird
meinem Schwert entgehen, will mich daher zu Gott wenden, und alle
weltlichen Gedanken fahren lassen.

Legte sich hiemit auf sein Sterbebette, beichtete, machte sein
Testament, bezahlte seine Schulden, und empfing alle Christliche Rechte,
worauf der tapfre Mann selig und in dem Herrn verschied.

Dieses ist die Geschichte von der Melusina, die wohl recht ein Spiegel
alles menschliches Glckes genannt werden kann.




                            Knig Rother.
                              Fragment.
                                1806.




           Knig Rother zieht einer Jungfrau die Schuhe an.


   In der Kammer ward es stille,
   Da sprach die Kniginne:
   O weh, Fraue Herlind,
   Wie gro meine Sorgen sind
   Um den Herren Dietheriche,
   Den htt' ich sicherliche
   Verstohlen gern gesehn,
   Und mcht' es fglich geschehn
   Um den tugendhaften Mann,
   Fnf Ringe lustsam
   Die mchte ein Bothe schier
   Um mich verdienen,
   Der den Held balde
   Brchte zu meiner Kammer.
   In Treuen sprach Herlind:
   Ich will mich heben geschwind,
   Ich geh zu der Herbergen sein,
   Es bringe Schaden gro oder klein,
   Doch pfleget er solcher Zucht
   Da wir seyn drfen ohne Furcht.

   Herlind ging balde
   Zu einer Kammer
   Und nahm ein theuerlich Gewand,
   Wie manche Fraue hat,
   Darin zierte sie den Leib,
   Da ging das listige Weib
   Zu dem Herrn Dietheriche.
   Er empfing sie frommliche,
   Viel nahe sie zu ihm sa,
   Dem Recken sie in das Ohre sprach:
   Dir entbietet holde Minne
   Meine Frau, die Kniginne,
   Und ist dir mit Freundschaft unterthan,
   Du sollt hin zu ihr gahn,
   Dorten will die Magd
   Dich selber wohl empfahn,
   Nur um deine Ehre,
   In allen Treuen Herre.
   Du magst das wohl gewi sein
   An der Jungfrauen mein.

   Also redete da Dietherich:
   Fraue du versndigest dich
   An mir elenden Manne,
   Ich bin auch zu Kammern gegangen
   Hievor da das mochte sein,
   Warum spottest du mein?
   Leider, so that man dem Armen ja,
   Eure Fraue gedacht der Rede nie,
   Hie sind so viele Herzogen
   Und Frsten in dem Hofe,
   Da ihr mit einem anderen Mann
   Euren Scherz mchtet han,
   Des httet ihr minder Snde,
   Ihr verdienet die Abgrnde
   Da ihr mich so thricht wolltet han,
   Ich bin ein so armer Mann,
   Doch ehemals ich war
   Daheim ein reicher Graf.

   Herlinde sprach dem Herren zu,
   Sie konnte ihre Rede wohl thun:
   O nein, mein Herre Dietherich,
   Nicht verdenke du also mich,
   Ich habe dieses, wei Gott, nicht gethan,
   Mich hie meine Fraue hieher gahn,
   Es nimmt sie groes Wunder,
   Da du so manche Stunde
   In diesem Hofe seiest gewest
   Und sie doch niemals wolltest sehn,
   Das ist doch selten nur gethan
   Von einem so stattlichen Mann,
   Nur verweist mir die Rede nicht,
   Der Kniginne wre lieb
   Welche Ehre dir gescheh
   Wie du sie auch nie gesehn,
   Wolltest du aber hingehn
   So thtest du nichts beles daran.

   Dietherich zu der Frauen sprach:
   (Er wuste wohl, da es ihr Ernst war)
   Hie sind so viele der Merker,
   Wer behalten will seine Ehre
   Der soll mit Klugheit gahn,
   Es whnet der elende Mann
   Da er nimmer so wohl thu,
   Da sie es alle fr gut
   Halten, die in dem Hofe sein;
   Nun sage der Jungfrauen dein
   Meinen Dienst, will sie ihn nehmen,
   Ich mag sie jetzt nicht sehen
   Vor der Helle des Tages,
   Ich frchte, da es erschalle
   Lsterlich uns Beiden,
   So verbietet mir das Reiche
   Constantin der Herre,
   So mu ich immermehre
   Flchtig sein vor Rothere
   Und mag mich nirgend erretten.

   Herlind wollte von dannen gahn.
   Der Herre bat sie da bestahn
   Und hie schnell seine Goldschmiede
   Zween silberne Schuhe giessen,
   Und zween von Golde.
   Als er sie geben wollte
   Da bat er Asprianen,
   Da sie nur zu einem Fue kamen,
   Da er die beiden nehme
   Und sie der Frauen gebe,
   Und einen Mantel viel gut,
   Zwlf Ringe Gold roth:
   So soll man wohl belohnen
   Einer Kniginne Bothe.
   Da sprang die frhliche
   Von dem Herren Dietheriche.

   Herlind kam balde
   Zu ihrer Frauen Kammer
   Und sagete ihr von dem Herren,
   Er pflege seiner Ehren
   Sehre fleiigliche:
   Das wisset wahrliche,
   Ihm ist die Huld des Kniges lieb,
   Er mag dich darum sehen nicht,
   Weil es sich nicht will fgen,
   Nun schaue an diese Schuhe,
   Die gab mir der Held gut
   Und that mir auch Liebes genug,
   Und einen Mantel wohlgethan,
   Wohl mir, da ich je zu ihm kam,
   Und zwlf Ringe die ich han
   Die gab mir der Held lustsam,
   Es mochte nie auf der Erden
   Ein schnerer Ritter werden
   Als Dietherich der Degen
   Gott la es mich erleben,
   Ich gafft ihn an ohn' danken,
   Da ich mich des immer mag schmen.

   Es scheint wohl, sprach die Kniginne,
   Da ich nicht seliglich bin,
   Nun er mich nicht will sehen
   Magst du die Schuh mir geben,
   Um des Herren Hulde,
   Schnell ward der Kauf gethan,
   Sie zog den goldenen an,
   Dann nahm sie den silbernen Schuh,
   Der ging an denselben Fu.
   O weh! Sprach die schne Kniginn
   Wie wir nun gehhnet sind,
   Denn mit den Schuhen lustsam
   Ist ein Missegriff gethan,
   Ich bringe ihn nimmermehr an,
   In Treuen du must zurcke gahn
   Und bitten Dietheriche
   Sehre gezogenliche,
   Da er dir den anderen Schuh gebe,
   Und mich auch sehen wolle selber
   Wenn er unter seinen Verwandten
   Je gut Geschlecht gewanne.

   O weh, sprach Herlind,
   Wie doch der Schade nun ist
   Fraue unser beiden,
   Nun wisset es in Treuen
   Sollt' ich immer Schande han
   Ich mu wieder zurcke gahn.
   Da hub die Fraue wohlgethan
   Ihr Kleid lustsam
   Hoch auf an die Knie,
   Denn sie gedachte der Zucht nicht,
   Frauelichen Ganges sie verga,
   Wie schnelle sie ber den Hof gelaufen was
   Zu den Herren Dietheriche,
   Er empfing sie frommliche
   In allen den Geberden
   Als wenn er sie nie gesehen,
   Da wuste der Held wohlgethan
   Warume sie zurcke kam.

   Herlind sprach zu dem Herren:
   Ich must immermehr
   In Botschften gahn,
   Mit dem Schuh ist Missegriff gethan,
   Sie sind der Kniginne
   Gegeben um deinetwillen,
   Noch sollten wir den einen haben,
   Das heit dich meine Fraue mahnen,
   Da du ihr den andern Schuh wolltest geben,
   Und shest sie auch selber
   Wenn du unter deinen Verwandten
   Je gutes Geschlecht gewannst.

   Ich tht' es gerne, sprach Dietherich
   Nur die Kammerere die melden mich.
   Nein, sprach Herlind,
   Mit Freuden sie in dem Hofe sind,
   Die Ritter schiessen den Schaft
   Da ist groen Spieles Kraft,
   Ich will hin vor dir gahn,
   Nun nimm zween deiner Mann
   Und hebe dich viel balde
   Nach mir zu der Kammer,
   Mit dem groen Schalle
   Vermissen sie dein alle.
   Herlind wollte von dannen gahn,
   Da sprach der listige Mann:
   Nun warte des Kammerers,
   Ich will nach dem Schuhe fragen.
   Schnelle kam Asprian,
   Er sprach: O weh, was habe ich dir gethan,
   Die Wege ich nicht erleiden mehr mag,
   Du bemhest mich diesen ganzen Tag
   Immer mit neuen Mhren,
   Mehr als du sonst thatest, Herre,
   Ihrer war hier ein groer Theil geschlagen,
   Die haben die Knechte zu tragen,
   Nimm nach deinem Gefallen,
   Ich bringe sie dir alle.
   Da nahm Asprian
   Die anderen Schuhe lustsam,
   Und einen Mantel sehr gut,
   Und auch zwlf Armkrnze roth,
   Und gab alles der alten Bothin,
   Da ging sie also verstohlen
   Viel sehre frhliche
   Von dem Herren Dietheriche,
   Und sagete auch schnelle
   Ihrer Frauen liebe Mhre.

   Des Mgdleins Schauen war sehnlich.
   Sich berieth der Herr Dietherich
   Mit Berther, dem alten Mann,
   Wie es mit Fuge mchte gahn.
   Verstndig sprach der Herzoge:
   An dem versammelten Hofe
   Will ich machen groen Schall,
   Der zieht die Leute berall,
   So bemerket dich kein Mann.
   Er hie die Riesen ausgahn,
   Selber bedeckt er sein Ro,
   Sich hub der Laut da auf dem Hof,
   Da fhrte der alte Jngeling
   Tausend Ritter in den Ring,
   Widolt mit der Stangen
   Fuhr her mit Klange
   In aller der Geberde
   Als ob er thricht wre,
   Da berwarf sich Asprian,
   Der war der Riesen Spielmann,
   Grimme hin zwlf Klafter sprang,
   So thaten die anderen alle mit sammt,
   Er griff einen ungefgen Stein,
   Da von den Merkeren kein
   Mann Dietherich vernahm,
   Da sie begunnten umher gahn.

   In deme Fenstere die junge Kniginne stund,
   Schnelle kam der Held jung
   Ueber Hof gegangen.
   Da ward er wohl empfangen
   Mit zween Rittern herrlich,
   Hin ging der Recke Dietherich,
   Da wurde die Kammer aufgethan,
   Darein ging der Held wohlgethan,
   Den hie die junge Kniginn
   Selber willkommen sein,
   Und sprach was er dort gebte
   Da sie das gerne thten
   Nach ihrer beider Ehren:
   Ich habe dich gerne, Herre,
   Um deine Biederkeit gesehn,
   Und um etwas anderes ist es nicht geschehn,
   Diese Schuhe lustsam
   Die sollt du mir ziehen an.
   Viel gerne, sprach Dietherich,
   Nun ihr es geruhet an mich.
   Der Herre zu ihren Fen sa,
   Viel schne seine Gebrde was,
   Auf sein Bein satzte sie den Fu,
   Es wurde nie Fraue besser beschuht.
   Da sprach der listige Mann:
   Nun sage mir, Fraue lustsam
   Mhre auf die Treue dein
   So wie du Christin wolltest sein,
   Dein hat nun gebeten mancher Mann,
   Wenn es in deinem Willen sollte stahn
   Welcher unter ihnen allen
   Dir am besten gefalle.

   Das saget er, da sprach die Fraue:
   Viel ernstlicher im Treuen
   Herre, auf die Seele mein,
   So wahr ich getaufet bin,
   Der aus allen Landen
   Die theuren Wigande
   Zu einander hiesse gahn,
   So wrde doch nie kein Mann
   Der dein Genosse mchte sein,
   Das nehm ich auf die Treue mein
   Da niemals eine Mutter gewann
   Ein Kind also lustsam,
   Darum mit Zchten Dietherich
   Mag ich lieben und ehren dich,
   Denn du bist in Tugenden ein ausgenommner Mann,

   Sollte ich aber die Wahl han;
   So nhm' ich einen Helden gut und stark
   Dessen Bothen kommen her in dies Land,
   Die noch hie leben
   In meines Vaters Kerker,
   Der ist geheissen Rother
   Und sitzet westlich ber Meer,
   Ich will auch immer Jungfrau gahn
   Mir werde denn der Held lustsam.

   Als das Dietherich vernahm,
   Da sprach der listige Mann:
   Willt du Rother minnen,
   Den will ich dir balde bringen,
   Es lebet in der Welt kein Mann,
   Der mir so Liebes htte gethan,
   Er minderte ofte meine Noth,
   Das lohne ihm noch Gott,
   Wir genossen frhliche das Land
   Und lebten frliche mitsamt.
   Er war mir immer gndig und auch gut,
   Es hat mich auch nie vertrieben der Held gut.

   In Treuen, sprach die junge Kniginn,
   Ich verstehe nicht die Rede dein,
   Dir ist Rother also lieb,
   Er hat dich auch vertrieben nicht,
   Von wannen du auch fhrest Held stark,
   Du bist ein Bothe hergesandt,
   Dir ist des Kniges Huld lieb,
   Nun verheele mir die Rede nicht,
   Was du mir heute wirst anzeigen,
   Das will ich immer verschweigen
   Bis an den jngesten Tag.
   Der Herre zu der Frauen sprach:
   Nun stell' ich alle meine Ding
   In Gottes Gnade und bei dir,
   Ja, es steht dein Fu
   In Rotheres Schoo.

   Die Fraue sehre erschrack,
   Den Fu sie aufzog
   Und sprach zu Dietherich
   Sehre freundlich:
   Nun war ich doch nie so ungezogen,
   Mich hat mein Uebermuth betrogen,
   Da ich meinen Fu
   Sazte in deinen Schoo,
   Und bist du Rother so hehr
   So mchte kein Knig nimmermehr
   Bessere Tugend gewinnen,
   Der ausgenommenen Dinge
   Hast du von Meisterschaft List,
   Welches Geschlechtes du aber auch bist,
   Mein Herze sehnend,
   Und htte dich Gott nun hergesendet
   Das wre mir inniglicher lieb,
   Aber ich mag dir doch vertrauen nicht
   Du bescheinest mir denn die Wahrheit,
   Und wr' es dann aller Welt leid
   So rumte ich sicherliche
   Mit dir das Reiche,
   So ist es aber ungethan,
   Doch lebet kein Mann
   So schne, den ich dafr nhme,
   Wenn du der Knig Rother wrest.

   Also redete da Dietherich,
   Sein Gemthe war sehre listig:
   Nun hab' ich Freunde mehre,
   An denen armen Herren
   In dem Kerker,
   Wann die mich shen,
   So mchtest du daran verstahn,
   Da ich dir wahr gesaget han.
   In Treuen, sprach die Kniginn,
   Die erwerb' ich von dem Vater mein
   Mit adelichem Sinne,
   Da ich sie aus gewinne,
   Er giebet sie aber keinem Mann,
   Er mu sie denn auf den Leib han,
   Da ihrer keiner entrinne,
   Bis man sie wieder bringe
   In den Kerker,
   Wo sie waren in Nthen.

   Des antwortete da Dietherich:
   Ich will sie nehmen ber mich
   Vor Constantine dem reichen
   Morgen sicherliche
   Wann er wird zu Hofe gahn.
   Die Fraue also lustsam
   Kte den Herren,
   Da schied er von dann mit Ehren
   Aus von der Kammern
   Zu der Herbergen balde,
   So wie Berther das ersah,
   Wie schnell der Ring zerlassen war.
   Da sagete der Herre Dietherich
   Die Mhre also wunniglich
   Dem theuerlichen Herzogen,
   Des begunnten sie beide Gott loben.

   Die Jungfraue lag ber Nacht
   Da sie in vielen Gedanken war,
   Als es zu dem Tage kam,
   Einen Stab sie nahm
   Und kleidete sich in ein schwarz Gewand,
   Als wollte sie pilgern ber Land,
   Eine Palme sie auf ihre Schulter nahm
   Als wenn sie aus dem Lande wollte gahn,
   So hob sie sich viel balde
   Zu ihres Vaters Kammer
   Und klopfete an das Thrlein.
   Auf that da Constantin,
   Als er das Mgdelein ansach
   Wie listiglich sie zu ihm sprach:
   Nun lebet wohl, Herr Vater mein,
   Mutter, ihr sollt gesund sein,
   Mir traumte in der Nacht
   Es sende des hohen Gottes Gewalt
   Seinen Bothen mir herab,
   Ich mu in den Abgrund gahn
   Mit lebendigem Leibe,
   Daran ist gar kein Zweifel,
   Dessen mag mich Niemand erwenden,
   Ich will nun das Elende
   Bauen immermehre
   Zum Troste meiner Seele.

   Traurig sprach da Constantin:
   O nein, liebe Tochter mein,
   Sage mir, was du wllest,
   Dich davon zu erlsen.
   Vater, es bleibt immer gethan,
   Mir wrden denn die gefangenen Mann,
   Die will ich kleiden und baden,
   Da sie Genade mssen haben
   An ihrem armen Leibe
   Ettelicher Weile,
   Ich begehre sie nur auf drei Tage,
   Dann sollst du sie wieder haben
   Zu deinem Kerker.
   Constantin der edle
   Sprach, da er das gerne thte,
   Wenn sie einen Brgen htten,
   Der die auf den Leib drfte nehmen
   Und sie ihm wieder mchte geben,
   Da ihrer keiner entrunne.
   Da sprach die Magd, die junge:
   Ich bitt' es heute so manchen Mann
   Da sie ettelicher mu bestahn
   Des Leib ist also tugendhaft
   Deme du sie mit Ehren geben magst.
   Da sprach Constantin:
   Das thu ich gerne, Tochter mein.

   Es war die Stunde
   Nunmehr gekommen
   Da Constantin zu Tische ging,
   Dietherich nicht unterlie
   Er kam mit seinen Mannen
   Vor den Knig gegangen.
   Da man das Wasser nahm
   Die Jungfraue lustsam
   Ging um den Tisch flehend
   Mit heissen Thrnen,
   Ob sie jemand so liebes htte gethan,
   Der die gefangnen Mann
   Auf den Leib durfte nehmen;
   Ihr keiner durfte sie des gewhren.
   Die Herzogen, die reichen,
   Entzogen sich allgeleiche,
   Bis sie zu dem Recken kam,
   Mit dem der Rath war gethan.
   Da sprach die Magd herrlich:
   Nun gedenke, Held Diethrich,
   Aller deiner Gte
   Und hilf mir aus den Nthen,
   Nimm die Bothen auf dein Leben,
   Die heisset dir der Knig geben,
   Verzaget sind meines Vaters Mann,
   Sie drfen sich des nicht unterstahn,
   Doch soll die Eitelkeit dein
   Mit samt mir getheilet sein,
   Da ich der geniesse,
   Und wenn du's gerne liessest,
   So erlst es dir nicht dein tugendhafter Muth,
   Du sollst mir das gewhren Held gut.
   Gerne, sprach Dietherich,
   Was Du geruhest an mich
   Das gehe mir nur an meinen Leib,
   Doch werde ich dein Brge schnes Weib.

   Die Bothen gab da Constantin
   Dietheriche auf den Leib sein,
   Der Herre sie da bernahm,
   Da folgeten ihm des Kniges Mann
   Zu dem Kerker,
   Wo sie waren mit Nthen,
   Die elend Verhaften
   Lagen in Unkrften
   Und lebeten erbrmliche.
   Berther der reiche
   Stund und weinete,
   Da er den Schall erhrete.
   Den Kerker man aufbrach,
   Darein schien da der Tag,
   Schnelle kam ihnen das Licht,
   Des waren sie gewhnet nicht.
   Erwin war der erste Mann
   Der aus dem Kerker kam,
   As ihn der Vater ansah,
   Wie gro seine Herzens-Reue war,
   Herum er sich kehrte
   Und rang seine Hnde,
   Er durfte nicht weinen
   Und war ihm doch nie so leide
   Seit ihn seine Mutter trug.
   Erwin der Held gut
   War von dem Leibe gethan,
   So wie mit Recht ein armer Mann.
   Sie nahmen die Grafen zwlfe
   Her aus dem Kerker,
   Und jegelich seine Mann,
   Die Ritter sonst so lustsam,
   Sie waren beschmuzt und schwarz,
   Von groen Nthen bleich gefarbt,
   Leopold der Meister
   Der hatte keine Kleider
   Als nur ein dnnes Schrzelein,
   Das wand er um den Leib sein,
   Da war der edele Mann
   Zum Erbarmen gethan,
   Zerschunden und zerschwellt.
   Dietherich der gute Held
   Stund traurig von Leide
   Und wollte doch nicht weinen
   Um die gefangnen Mann.
   Berther der alte Mann
   Ging allenthalben
   Die Gefangnen betrachtend,
   Da reuete ihn keiner hier
   Mehr als seine schnen Kind.
   Dietherich der Herre
   Hie die Bothen edel
   Fhren zu den Herbergen sein,
   Nur Leopold und Erwin
   Die lie man alleine gahn,
   Zurcke blieb kein Mann.
   Da sprach Erwin der edle:
   Leopold, traut Herre,
   Sahst du einen grauen Mann
   Mit dem schnen Barte stahn,
   Der mich beschauete
   Und viel trauerte?
   Herum er sich kehrte
   Und rang seine Hnde,
   Er durfte nicht weinen
   Und war ihm doch nie so leide;
   Vielleicht da Gott der gute
   Durch seine Barmunge
   Ein gro Zeichen will begahn,
   Da wir kommen von dannen.
   Das ist wahr, Bruder mein,
   Es mag wohl unser Vater sein.
   Da lacheten sie beide
   Von Freuden und von Leide.

   Die elenden Gste
   Waren frei nicht lnger
   Bis an den anderen Tag.
   Die Jungfraue ihren Vater bat
   Da er sie dahin gehen liesse
   Sie wollte ihnen selber dienen.
   Urlaub ihr der Knig gab,
   Wie schnelle sie ber den Hof hintrat,
   Zu dem Herren Dietheriche.
   Da hie man allzugleiche
   Die fremden Ritter ausgahn,
   Darinne blieb kein Mann
   Als der Bothen Magen,
   Die ber Meer waren gefahren.
   Denen gefangnen Mann
   Legete man gut Gewand an
   Und kleidete sie fleissigliche,
   Das kam von Dietheriche,
   Der Tisch war bereitet,
   Berther der reiche
   War Truchsae,
   Die weile seine Kind aen.

   Als nun die Herren saen,
   Ihres Leides ein Theil vergaen,
   Da nahm der Recke Dietherich
   Eine Harfe, die war herrlich,
   Und schlich hinter den Umhang,
   Wie schnell eine Weise daraus klang.
   Wellicher begunnte trinken,
   Dem begunnt' es nieder sinken,
   Da er's auf den Tisch vergo, welcher aber schnitt das Brod,
   Dem entfiel das Messer durch Noth,
   Sie wurden vor Freuden sinnelos,
   Wie mancher sein Trauern verlohr.
   Sie saen alle und hrten
   Woher das Spiel zu ihnen kehrte.
   Laute die eine Weise klang,
   Leopold ber den Tisch sprang
   Und der Grafe Erwin,
   Sie hiessen ihn willekommen sein
   Den reichen Harfner
   Und kten ihn sehr.
   Wie rechte die Fraue da sah,
   Da es der Knig Rother war.




                            Der erste Akt
                                 des
                             Schauspiels:
                            das Donauweib.
                                1808.




                             Erster Akt.


                             Erste Scene.

                               (Saal.)

         Herzbold tritt mit Christoph und andern Dienern auf.

                              Herzbold.

   Nun rhrt Euch, rhrt Euch, da es einmal wird,
   Der Junker schilt, da Ihr so lange trentelt.

                            Erster Diener.

   Man kann nicht hier und allenthalben sein.

                              Herzbold.

   Ich will Dir Beine machen, Tagedieb!
   Und nichts vergessen, was zum Putz gehrt,
   Geschirre fr die Pferde, denn zur Hochzeit gehn wir;
   Ich mu nachher nach allem selber sehn.

                              Diener ab.

                              Christoph.

   Ihr thut so gro, und wenn nun endlich alles
   In Ordnung ist, wird's erst an Euch gebrechen.

                              Herzbold.

   Hans Dampf! Du klug Dich Dnker! Meister Christoph! --
   Hast Recht; geh fort, mein Sohn, pass' auf: zum Glck
   Hat keiner von den Schlingeln Dich gehrt. --

                  Christoph ~ab,~ Jakob ~tritt auf.~

   Da kommt mein lieber Kellermeister her;
   Freund Jakob, habt Ihr noch ein Glas vom Guten?

                                Jakob.

   Da, trink, wir steigen wohl nachher zum Keller,
   Noch zum Valet den Unger zu versuchen. --
   Doch warum nun so schnell, warum nicht lieber
   Noch etwas Ruhe? Ein'ge Tage spter
   Wrd' ihm das Herz nicht abgestoen haben.

                              Herzbold.

   Du kennst ja wohl die Jugend, alter Graubart,
   Das treibt, das ngstet sich, zu eng ist's ihm,
   Er denkt, er trumt, er athmet nur die Braut;
   Da hat er sich im Krieg etwas getummelt,
   Sich hie und da von Bhm'schen Schwertern Hiebe
   Geholt, die Trennung von dem Vaterlande
   Hat nun die Gluth im Herzen mehr geschrt, --
   Je nun, da's sein soll, ist es gut, recht bald:
   Er ist und bleibt doch ein verdorbner Mensch.

                                Jakob.

   Wie so?

                              Herzbold.

   Was ntzt dem Rittersmann das Weib?
   Er ist entzwei gebrochen, unbrauchbar,
   Wie die geknickte Lanze, hin der Muth,
   Die Jugendfrische: nein, ich dacht' es nicht,
   Da er so bald des eignen Glckes satt sei;
   Da rennt er in sein Joch; ade nun Schwert

   Und Lanze, Abentheuer, Krieg und Jagd,
   Nun hngt er an dem Halse seines Weibes,
   Verzehrt sein Leben in langweil'gen Mauern,
   Zeugt fromme Kinder und erzieht sie still,
   Kt eins und putzt dem andern seine Nase,
   Lehrt sie Gebete und moral'sche Flausen,
   Dnkt sich so wichtig wie der Grosultan,
   Wenn er dem ruft: stich dich nicht mit dem Messer!
   Um Gotteswillen Kaspar, Konrad, fallt
   Vom Schemel nicht! Franz, du liegst ja im Quark! --
   Verflucht die matte, freudenleere Trgheit,
   Die sanfte Zrtlichkeit, die recht im Mark,
   Im Innersten des Mannes zehrt, mit Wehmuth
   Und Leid und Liebe ihm sein Herz zerfrit!

                                Jakob.

   Nun, nun, es hat die Ehe auch ihr Gutes,
   Dcht' jeder so wie Du, die Welt strb' aus.

                              Herzbold.

   Warum denn das? Ich hasse nicht die Weiber.
   Da draus im Orient hab' ich's wohl gesehn,
   Wie man sie halten mu; was Leben heit.
   Der Mah'med, sonst vielleicht ein bser Schelm,
   Hat hierin doch das Wahre recht getroffen;
   Da haben sie drei, vier der schmucken Weiber,
   Und Sklavinnen, so viel nur jeder mag,
   Die sitzen all und warten auf den Herrn,
   Und mucksen nicht, und sprechen in nichts mit;
   Da macht er seine Runde, bald zur braunen,
   Zur weien dann, zur dicken und zur schlanken
   Trgt er sein Herz, und jede bleibt ihm neu;
   Doch ein' und immer ein, das taugt nichts, Freunde;

   Dann wei auch so ein Trk nichts vom Erziehn
   Und Kindern, das wchst auf wie junge Bcke,
   Und hat er mal die Laun', so pfeift er nur,
   Da springen zwlf ihm an den Vaterhals.

                                Jakob.

   Du bleibst ein wilder Kauz, Freund.

                              Herzbold.

   Was da, wild!
   Du zahmes Huhn! komm in den Keller jetzt,
   Da taugst Du was, da nur bist Du zu Hause,
   Das Bischen hier hat mir App'tit gemacht;
   Nachher hab' ich zu thun, ist doch des Teufels
   Gepck und Flitterstaat, und fehlt dann was,
   So fllt doch alle Schuld auf mich. Komm' nur,
   Ich hre schon den jungen gnd'gen Herrn,
   Duck' unter! schnell! da mir nicht Redensarten,
   Verliebter Unsinn in den Hals gerathen.

                              Beide ab.

                  Albrecht und Ulrich treten herein.

                              Albrecht.

   So bist Du wieder da? Ich halte Dich
   Und meine Hedewig im Arm, die Liebe
   Und holde Freundschaft; ist dann noch ein Wunsch
   In diesem Leben brig? Mgen andre suchen
   Nach fernem Glck, nach Reichthum und nach Ruhm,
   Mir ward hier alles, alles ist geendigt,
   Wonach wohl sonst in kind'schen Jugendtrumen
   Des Herzens Arme griffen, und nun fngt
   Der Frhling meines neuen Lebens an.

                               Ulrich.

   Beglckter Freund, der Du vom Himmel selbst
   Dein Loos als freundliches Geschenk empfingst,
   Der Du zu sagen weit: dies wollt' ich haben!
   Und dem nun ungetrbt ward, was er wollte.
   Nicht finstre Tage, Sorge nicht, nicht Kummer,
   Kein Vorwurf Deines Herzens, noch Gewalt
   Hat Dir Dein Glck im schweren Kampf errungen,
   Nichts trbt den Glanz des Kleinods; wie ein Lcheln
   Geht Dir die Zeit vorber. O mein Albrecht,
   Wr' ich rein, so froh, so einfach doch
   Im Leben nur wie Du, in allen Wnschen!
   Doch fernhin dehnt sich ungewisse Zukunft,
   Ich spiele mit Verzweifeln und mit Hoffen,
   Die Liebe scherzt mit losem leichten Finger
   Auf allen Saiten meines Herzens, oft
   Tnt Wahnsinn aus der Tiefe, fremde Rthsel
   Erzeugen sich wie Wolkenbilder, fliehend
   Ist Sonnenschein und Nacht im irren Wechsel.

                              Albrecht.

   Kann denn der Dichter wohl das Leben haschen?
   Ist etwas ihm ein Wahres? Soll sein Trumen,
   Das ihm die Nacht und die Gestirne senden,
   Des Wahnsinns leichtes goldenes Gespinnst,
   Das Liebe von der raschen Spindel dreht,
   Dem Ird'schen weichen? O beglckter Freund,
   Wer hat die Wahrheit? Wer besitzt das Leben?
   Entweder greifen wir mit Wnschen weit aus,
   Und finden niemals, niemals was wir suchten,
   Oder beschrnken uns einfach in Demuth,
   Und wollen nicht was uns unmglich ist,

   Empfangen, wie der Bettler, auch mit Dank
   Die karge Gabe, trumen nur von Glck,
   Darben in Gegenwart, vergessen was
   Vergangen, denken nur gering von Zukunft,
   Und sterben so gleichgltig hin, uns selbst
   Vergessend.

                               Ulrich.

   Das kannst Du nicht sagen,
   Du machst es wie der Reiche, der sich arm stellt,
   Um seinen Reichthum mehr nur zu empfinden,
   Und andre daran prahlend zu erinnern:
   Du liebst und wirst geliebt; die schnste Braut
   Harrt Dein in Sehnsucht, Du bist jung, wie sie --

                              Albrecht.

   Was mehr als alles, sie ist meine erste
   Und einz'ge Liebe: Freund, ich lsterte
   Den Himmel, denn mein Leben ist der Himmel:
   Ich fhl' es ja, aus Tausenden erlesen
   Und hoch beglckt bin ich, der Kette los
   Armsel'ger Aengstlichkeit, die alle fesselt;
   In Glck ward nun der Bhmenkrieg geendigt,
   Mit Ruhm zwar nicht gekrnzet, doch geehrt,
   Geliebt von meinem Frsten kehr' ich heim,
   Nun heim zu ihr, die ich seit zweien Jahren
   Nicht sah. Wie sie wird anders sein,
   Wie jungfrulich, wie sich bewut der Liebe,
   Die in ihr schlief im schnsten Himmelsbette
   Und Lcheln trumte; wie wir Engel sehen
   Im Schlaf zuweilen, Unschuld halb, halb Schalkheit,
   Da sich die rosenrothen Lippen fragen,
   Was sie denn meinen? Und die klaren Augen,
   Die sanften Geisterbrunnen, denen Gru
   Und Blick entsteigen, wie die holden Feen
   Aus ihrem Bad die schnen Glieder heben!
   O Liebste! Und Du Liebster! Jugendfreund!
   Du meine Seele! la uns Lieder singen
   Durch alle grnen Thler lustberauscht.

                               Ulrich.

   Wer ganz beglckt, wie Du, wird nimmer dichten,
   Die Liebe gab mir freilich das Gescho
   Des Reims und sen Tons, doch nur im Unglck:
   Ruht' ich an ihrer Brust, in sel'ger Ruhe,
   Im Ku wollt' ich die Melodie auslschen,
   Die jetzt aus meinem Herzen zehrend brennt.

                              Albrecht.

   Doch sollst Du mir oft Deine Lieder singen,
   Denn keiner liebt sie so als ich, es spiegelt
   Mein Herz sich drein, und alles, was ich je
   Versucht, war doch nur schwacher Widerhall
   Von Deinem Ton. Weit Du, wie ich einst sang?
      O Augen! wohin fhren mich die sen Scheine?
      Ich meine, da ich nur zu ben ein mu saugen
      Der Augen lieblich Gren; wie ich freudig weine
      Und mich der Deine fhl' im Kssen, fragen mich die Augen
      Mit sanftem Schimmer: wird auch immer dieses Glck mir lachen?
      Sie machen,
      Da die Freuden Leiden gleich mir sind: --
      O liebstes Kind,
      La Dieses Fragen, sagen kann ich's nie und weint' ich mich auch
         blind.

                   Herzbold tritt taumelnd herein.

                              Herzbold.

   Die Pferd' sind da und stampfen ungeduldig.
   Wird's bald, Herr Ritter? Erst die Angst und Noth:
   Mach schnell, und: eile Dich! ei, spute Dich!
   Und wenn nun alles da und fix und fertig --

                              Albrecht.

   Geh nur voran, gleich schwingen wir uns auf. --
   Komm, Liebster! nun dem schnsten Glck entgegen,
   Umarme mich noch einmal: Du bist mein,
   Ich fhl' in mir des Himmels reinsten Segen,
   Und trete in des Paradieses Schein.

                             Sie gehn ab.


                            Zweite Scene.

                             (Am Strom.)

                           Hans und Peter.

                                Hans.

Die Arbeit wird Dir wieder sauer, nun die Sonne ein wenig scheint. Das
reckt und dehnt die faulen Glieder und kann nicht aus der Stelle.

                                Peter.

Wir haben aber auch noch wenig gefangen, es ist heut ein unglcklicher
Tag.

                                Hans.

Weit Du, Schlingel, warum es ein unglcklicher Tag ist? Weil Du die
Sinne nicht beisammen hast, weil Du nichts als die Grethe denkst und
siehst; die Fische knnten zu Hunderten kommen, und Du wrdest sie mit
Deinen Kalbsaugen nicht einmal gewahr werden. Wie wird es mit der
Hochzeit dort oben aussehn, wenn wir keine Fische liefern.

                                Peter.

Ihr sprecht von der Hochzeit. Wann wird sie denn sein?

                                Hans.

Je nu, morgen oder bermorgen; was schiert's mich weiter?

                                Peter.

Ach, ich dank' Euch, lieber Vater, da Ihr endlich Euer Einwilligung
gegeben habt.

                                Hans.

Talk! Talk! was spricht der Lmmel? Kannst die Ohren nicht aufthun? Von
Deiner Hochzeit ist Gottlob noch nicht die Rede. Von des Fruleins
Ehrentage, vom alten Grafen da droben. Nein, so lange ich lebe, oder der
alte Mller, der krauskpfige Brand, kann aus der Sache nichts werden.
-- Die Sonne kommt schon ber die Berge, sing und breite die Netze aus.

                                Peter.

   Es war einmal ein Junggesell,
   Der tht hin fischen gehn,
   Die Wasser schienen klar und hell,
   Die Sonne gar so schn,
   Er schaut wohl in die nasse Fluth,
   Er denkt an sie und klagt und fhlt den Liebes-Muth.
   Und willst Du mich mit Netzen stehlen?
   So singt es aus dem Flu:
   Zum Liebsten wollt' ich Dich erwhlen,
   Komm her, komm her zum Ku!
   Er zieht das Netz mit groer Pein,
   Und schau! da zappelt und lacht die Liebste drein.

   Da fllt sie ihm an seinen Mund,
   Und halst und drckt ihn sehr,
   Da war er froh und ganz gesund,
   Und klagte nimmer mehr,
   Sankt' Peter segnet' ihm den Zug,
   Er hat mit seinem lieben Fisch der Lust und Freude berg'nug.

                                Hans.

Alberner Junge, nichts als skandalse unvernnftige Lieder hat er im
Kopf! -- Die Netze da oben mssen in den Strom gezogen werden; komm
hinunter in den Kahn. -- ~Man hrt Jagdhrner.~ -- Da jagen sie schon so
frh im Walde.

                                Peter.

Die haben's besser, als wir, und wie herrlich das Horn die Felswand
hinab klingt und widerhallt, ich wette, da sie es unten in der Mhle
hren. Heut Abend darf ich doch in die Mhle?

                                Hans.

Komm, Hasenfu, Liebesnarr, Dummkopf! der Donaustrom knnte Dir wohl
unter den Beinen weglaufen, und Du wrdest es doch nicht gewahr werden.
--

                               Gehn ab.

                      Christoph ~kmmt blasend~.

Wo mein Herr nur geblieben ist, und die ganze Gesellschaft. Den tollen
Herzbold hab' ich sehn vom Pferde fallen, aber ich konnt' ihn nicht
erreiten. ~Er blst.~ Sie mssen sich doch zusammen finden. Das hei'
ich Lust und Liebe zur Jagd, da man die Bren nicht in Ruhe lassen
kann, wenn man zur Hochzeit reitet. Holla! ~Er blt.~ Da oben ragt
schon den Wald das alte Felsenschlo herber; je nun, ich kann den Weg
ohne sie, sie knnen ihn ohne mich finden.

                Er blst und geht in den Wald zurck.

                              Albrecht,

                  aus dem Walde mit einem Jagdspie.

   Hier war das Blasen, doch ich sehe Niemand. --
   Ha! seid gegrt, gegrt ihr alten Mauern,
   Gesegnet seid da droben, liebe Steine,
   Die mir mein Theuerstes, die sie umschlieen!
   Seh ich euch wieder nach so manchen Tagen?
   Dort ist ihr Fenster, in der Sonne glnzend:
   Nun schaut sie wohl hernieder, schaut die Donau
   Und spht nach mir: oder sie geht im Grtchen,
   Pflckt Rosen, hebt sich auf den zarten Fchen,
   Beugt sich die Brustwehr ber weit, seufzt: Albrecht!

                             Eine Stimme.

   Albrecht!

                              Albrecht.

   Wie, war es nicht, als wenn es aus dem Strome,
   Vom Felsen drben meinen Namen riefe?
   Es war nicht ihre Stimme!

                               Gesang.

      Auf Bergen nicht und nicht im Thal
      Wohnt Liebesglck,
      Von Thal und Bergen treibt die Quaal
      Dich bald zurck,
      Die Heimath weicht, die Ruhe flieht
      Wie Sehnsucht dich in ihre weiten sanften Kreise zieht.

                              Albrecht.

   Welch Tnen! Wasser, Berg und Wald erklingen,
   Mein ganzes Herz hallt wieder, und dies Echo
   Ruft laut im Innersten die Trume wach.
   So tnt nicht ihre Stimme; nein, die Wlbung
   Des Himmels und die Luft und Erd' und alles
   Ein Zaubersang! O voller Donaustrom,
   Du rauschest drein und jede Woge hpft
   In Wollust und Entzcken.

                               Gesang.

      Sehnsucht hat ein Thor erbaut,
      Drinnen lacht das Lachen, schmachten
      Se Blicke, dir entgegen schaut
      Der Ku, die Arme dir entgegen trachten,
      O komm zum Schlo, auf Bergen nicht und nicht im grnen Thal,
      O endlich, endlich komm zum trauten Kmmerlein einmal.

                              Albrecht.

   Was weil' ich? Immer heller wird der Strom,
   Als wollten Blumen alle Wellen werden,
   Als strebte zu mir her das se Wort,
   Mit Flstern es dem Herzen zu verknden,
   Was es entbehrt, und lngst gesucht, gewnscht,
   Und doch den Wunsch, sich selber nicht erkannte.

                               Gesang.

      Rubinen glnzen in dem Saal,
      Dir winkt das Hochzeitbette,
      O kt' ich dich ein einzigmal,
      O da ich dich in Armen htte,
      Dir in die lieben Augen tief zu sehn,
      Und Ku auf Ku in Wollust zu vergehn.

                              Albrecht.

   Ich will, ich mu hinweg, sie ist es nicht,
   Ich kenne wohl die zarten Laute Hedewigs,
   Das Schlo verbergen dort mir Wetterwolken,
   Sie ziehn zum Felsen oben dicht und dichter.
   O Hedwig! ~Will gehen.~

                               Stimme.

      Albrecht! Albrecht!

                              Albrecht.

   Es ruft! Mich tuscht kein Irrthum. -- Wer?
   Hier bin ich! -- Weit und breit kein Mensch --
   Ich bin allein, einsam ein Klaggeschrei
   Im Wald, die Felsen hallen wieder
   Gebrochne Tne von der Woge, Grauen
   Ergreift mich, greift durch Mark mir und Gebein.

                  Siglinde erscheint auf dem Wasser.

   Welch Frauenbild dort lchelnd in der Fluth?
   Die tiefen dunkeln Augen! Wehend weit
   Ihr Schleier -- und sie winkt -- wo bin ich, Himmel?

                              Siglinde.

   Albrecht! mein Albrecht! komm zu meinem Schlosse!

                              Albrecht.

   Wohin?

                              Siglinde.

   Tief unten, wo kein Neid Dich findet,
   Kein Argwohn --

                              Albrecht.

   Weh!

                              Siglinde.

   Kein Ueberdru, Ermatten.

                              Albrecht.

   Zu Dir? -- ~Siglinde versinkt.~
   Wo bleibst du Bild? Versank das Augenpaar?
   Ward in der Fluth dies Lcheln ausgelscht?
   Spiegeln herauf nicht die Korallenlippen?
   Jetzt will ich gehn, -- wie mich das Wasser ruft --
   Wie mich der Strom anschaut, wie heibedrngt
   Die Wellen meines Bluts die Wogen gren,
   Und Khlung, Khlung suchen, -- fort! O Hedwig! --
   Bist du gestorben? du im Strom versunken?
   Hinauf zum Wald! hinauf in ihre Arme!
   Es donnert fern, -- im Donner ihre Stimme,
   Mein Herz erschtternd.

       Siglinde schwebt auf dem Wasser, ein Kind in den Armen.

                              Siglinde.

   O mein Albrecht!

                              Albrecht.

   Wieder!

                              Siglinde.

   Du gehst?

                              Albrecht.

   Ein Kind! das winkt und nach mir greift,
   Wie Gold die Locken.

                                Kind.

   Willst mich nicht kssen, mit mir spielen, Vater?

                              Albrecht.

   Welch Wort!

                              Siglinde.

   Albrecht! Leb wohl! vergi uns nicht! --

                              Versinken.

                              Albrecht.

   Wie? Vater? -- Albrecht schallt' es hier? -- Wohin,
   Wohin sind sie gekommen? Wo ist die Erde?
   Wo bin ich denn? Mir wankt der Fu,
   Die Sinne schwindeln, alles lt mich los
   Und bricht und strzt in, auer mir zusammen,
   Und hlflos ich!

                            Ulrich kommt.

                               Ulrich.

   Wo weilst Du, Freund? Schon lange such' ich Dich.

                              Albrecht.

   Ha! Freund sagst Du? Mein Freund? Wie? War's nicht so?
   Du bist mein Freund? Du willst mein Bruder sein?
   Du lebst und bist mir nah? Ich kann Dich halten,
   Und nimmer wirst Du in den Strom versinken,
   Dich nimmt die Fluth nicht mit wie einen Gedanken,
   Den wir nicht wieder finden, der nun fort ist,
   Versunken, eingeschlungen in das Chaos,
   Das in uns ruht?

                               Ulrich.

   Was ist Dir, Liebster? Deine Augen glhen,
   Die Wange brennt, was klammerst Du so ngstlich
   Mich an?

                              Albrecht.

   Und wie der Schleier wehte,
   Als schon die Augen tief, tief eingesunken!

                               Ulrich.

   Besinne Dich, Geliebter, fasse Dich;
   Was widerfuhr Dir?

                              Albrecht.

   La mich.

                               Ulrich.

   Komm zum Schlosse,
   Es harrt Dein die Geliebte.

                              Albrecht.

   La mich, -- nur sammeln, -- nur --

                         Geht an das Wasser.

   O holder Strom!
   Ich wei, -- ich kenne dich, -- nur gieb mir wieder
   Mich selbst. --

                      Steht in tiefen Gedanken.

                               Ulrich.

   Was kann ihm sein? So sah ich ihn noch nie.
   Ist die Gesundheit unsers Leibes nur
   Der Elemente Spiel, des Zufalls Gunst,
   Und so des Geistes Kraft? -- Wie starr er steht
   Und in die Wogen schaut. -- O mein Geliebter,
   Du thust mir weh, besinne Dich, mein Albrecht.

                              Albrecht.

   Bist Du hier, Ulrich? Kommst Du von der Jagd?
   Ich suchte Dich.

                               Ulrich.

   Schon lange weil' ich hier --

                              Albrecht.

   O Freund, nur Dir, nur Dir kann ich's vertraun,
   Wem sonst? Nie darf es meine Hedwig wissen,
   Ha! sie zuletzt! --
   Kannst Du es denken, trumen, ahnden nur --
   O ich wei nicht, noch hab' ich meine Sprache
   Noch wieder nicht gefunden, keine Worte. --
   Du weit, Geliebtester, wie ich schon frh
   Hieher zum Schlosse kam, als meine Eltern
   Gestorben, kaum nur war ich funfzehn Jahr,
   Hedwig um ein'ge Jahre jnger, froh
   Und heiter flo mein spielend Leben hin,
   Nur Krieg und Ruhm war mein Gedanke, khn
   Trumt' ich mich als der Abentheuer Helden. --
   Nun, -- o vergieb, nur was Du weit, erzhl' ich --
   Nun kam die Zeit, -- o wonnevolle Tage,
   Als ich in Hedwigs Blick war neu geboren,
   Dem unschuldvollen Lcheln flohn die Trume,
   Nur Liebe dacht' ich: nun las ich die Bcher,
   Die unsre deutschen Meister einst gedichtet,
   Nun sang ich Liebesreime, ruhte nicht
   Bis ich Dich kennen lernte, -- meine Jugend
   Verknpfte sich der Deinen, Du mein Freund,
   Dein Bruder ich -- drei Jahr verschwanden so --
   Darauf --

                               Ulrich.

   Du zgerst jetzt, o sprich, Geliebter.

                              Albrecht.

   Drauf, o mein Freund, was ist der schwache Mensch? --
   Von Liebe trunken, in des Frhlings Blthe,
   Als Blumen auf die pp'ge Flur gegossen,
   Als so wie jetzt die Nachtigall zerflo
   In Liebesklagen und den Hain mit Feuer
   Und schmelzendem Gesang durchrieselte, --
   Hier, eben hier, als eben so die Donau
   Erklang, den Busen voll von Liebesfeuer, --
   Schon hatten wir die Sehnsucht uns gestanden,
   Schon hatt' ich ihren sen Ku gekostet, --
   Da fhrte mich mein Glck, mein Unstern, Schicksal,
   An dieses Ufer, und ein Lied zu dichten
   Schaut' ich die Fluth mit brnstgen Augen an, --
   Ich bog hier um die Felsenecke, -- Augen!
   Was saht ihr? Glanz und Licht die Blumen all,
   Ein Frauenbild, wie aus dem Himmel selbst,
   So gro, so klar und leuchtend, sa in Schne,
   In bermenschlicher, an diesem Stein,
   Vom reichen leuchtenden Gewand umflossen, --
   Sie redete mich an, -- ich nahm die Hand
   Die zarte, sah den pp'gen weien Busen,
   Mein Auge wurzelte auf ihren Lippen, --
   Im Walde waren wir, in eine Htte
   Eintretend schwand mir rings die weite Welt
   In ihren Armen, und zum erstenmal
   Lernt' ich des Weibes hohe Schnheit kennen,
   Und trank zum erstenmal den Rausch des Wahnsinns
   Wild aus dem Wollustbecher, alles Holde
   Und Schauerliche, Mhrchen, Sehnsucht, Wonne,
   Zog Feind und Freund bunthin durch mein Gemth --
   Ich kam zum Schlo zurck, noch klang der Wald,
   Das Wasser rauschte noch, die Stimme tnte
   Empfindlich rhrend noch im Ohr, ich mied mit Angst
   Die Blicke Hedwigs, -- drauf sucht' ich bald alles
   Was mir geschehen zu vergessen, wagte
   Zu sprechen, sie zu kssen, anzublicken,
   Und aus der Unschuld blauen Kinderaugen
   Go sanfter Schein Verzeihung auf mich hin,
   Mein Geist ward in dem Blicke neu gelutert, --
   Ich mied den Ort, wo ich die Fremde fand, --
   Gespenster schienen mir an dieser Sttte
   Zu hausen, da verga ich ihn, und endlich
   Nach langer Zeit verirrt' ich mich hieher,
   Ein Grauen hielt mich fest, ich kehrte wieder,
   Nur fragen wollt' ich sie, ihr zrnen, fluchen, --
   Und nichts, nichts lie sich sehn, -- dann rief der Krieg mich. --
      --
   Und nun nach langen mhevoll durchlebten
   Vier Jahren tret' ich aus dem Wald hieher, --
   Und wie ein heimlich Feuer pltzlich aufschlgt,
   Und rings das ganze Dach die Flamme frit;
   Wie die Lauwine pltzlich nieder schmettert;
   Wie ungesehn die Wasser aus der Tiefe
   Oft springen und die Wiesen all' ertrnken,
   Eh noch der Schnitter nur den Quell bemerkt,
   Wie sie die Dmme nieder reien, Stdte, Drfer,
   Pallast und Kirchen in den Wogensturz
   Krachend begraben, -- so, auf einmal ganz
   Den Sinn umfangend nahm es meine Seele,
   Nur sie glaubt' ich zu hren und zu sehn, --
   Als wre jenes Schlo dort ein Gefngni,
   Hedwig wildfremd und kalt und berlstig,
   Als mt' ich suchen jenes einz'ge Glck,
   Mich werfen in den Strudel fremder Wunder-
   Begebenheiten, als sei sie die Gttin
   Des Schicksals, Leben, Blume, Schnheit, Reichthum,
   Und ew'ges, inn'ges Glck, als -- o mein Freund,
   Was Du in Liedern sangst, was Dichter suchten,
   Was Heiden von dem Wunderland der Gtter
   Gefabelt, und von Venus und Cupido,
   Als sei es hier bei jener Unbekannten,
   Als lebe Hedwig nicht, als sei die Liebe
   Zu ihr nur Phantasie und Heuchelei, --
   O komm! hr nicht die gift'gen Wogen rauschen,
   O komm, da wir hier auf der Erde bleiben,
   Hinauf zum Felsenschlo, den Wolken nher,
   Den Wald hinein, da alle grnen Bltter
   Im Sturm und im Gewitter brausen mgen,
   Da wir den Wellenklang nicht mehr vernehmen!

                     Er zieht ihn mit sich fort.

                     Herzbold ~kmmt betrunken~.

Holla! kein Mensch hrt, und das Waldhorn hab' ich auch verloren. --
Kann sein, da sie auch schon alle oben auf mich warten. -- Das war ja
des Teufels Reiterei! -- Aber auch nur einem hasenfigen Verliebten,
und einem Poeten, der an sich schon verrckt ist, ohne alle Ursache,
kann es einfallen, wenn sie auf die Hochzeit reiten, sich mit Bren
einzulassen, und so im Walde auf und ab, bald zu Fu, bald zu Pferde.
Ich, der ich mich noch zuvor mit einigen Flaschen guten Ungarschen Wein
gestrkt hatte, verliere unversehens die Bgel, darauf verliert das
Pferd unversehens mich und schmeit mich mit dem Kopf gegen eine
ziemlich harte Eiche, da ich im ersten Augenblick, mein Seel, nicht
wute, ob ich fluchen oder in Ohnmacht fallen sollte. Wie ich wieder ein
weniges zu mir komme, war ich in der einsamsten Einsamkeit, ohne Weg und
Steg. Nun, Gottlob, bin ich doch wieder an das Tageslicht gekommen, und
sehe dort oben unsre Herberge. Wenn ich nur erst droben wre, denn ich
bin so grausam durstig, da mir die Zunge am Gaumen klebt; ich wre im
Stande Wasser zu trinken; ein gutes frisches Quellenwasser ist unter
gewissen Umstnden nicht ganz zu verachten. -- Nun wird da droben bald
Hochzeit in aller Frmmigkeit und Eintrchtigkeit gehalten werden, und
mein junger Herr wird sich im Himmel dnken, denn er hat ein so stilles
und khles Blut, da ich wohl darauf schwren mchte, er ist noch ein
Junggesell.

                     Lautes Gelchter vom Strom.

Wer lacht denn? Was hrt' ich denn? Irgend ein unverschmter, naseweiser
Gelbschnabel! -- Ich sage, ja, er ist noch ein Junggesell, denn ich habe
ihn schon als einen kleinen Jungen gekannt, und er war nie hinter die
Mdchen drein, er war immer eine weichgeschaffne stille Seele, die sich
schmte, wenn ihn die jungen Weiber nur anredeten, oder gar kssen
wollten; nun wird er aber die alten Frauen nicht mehr so gern haben, wie
damals.

                       Noch lauteres Gelchter.

Aber nein, das klingt ja wie eine ganze Spinnstube voll schkernder
Mdchen, die sich erzhlen, was der und der zu jener gesagt hat, wenn
sie sich Nachts besuchen. -- Was Satan! bin ich blind? -- Nein, ich sehe
zu viel! Der ganze Strom voll Mdchen, nackt und wiegend und tanzend. --
Sind wir etwa unwissend in Mahomeds Paradies gekommen? -- ~Alle lachen
und tauchen unter.~ Weg! -- o Herzbold! Herzbold! nun seh' ich, da du
alt wirst! Mach dich nur auf eine rothe Nase und zitternde Kniee gefat,
denn noch niemals haben drei oder vier Kannen dein Gehirn so betuben
knnen; armer Mensch, dein Lauf ist vollendet! Oder hat es etwa der Fall
gegen die Eiche gemacht, da dir solche Hirngespinste aufsteigen? Die
Doktores sagen, da heftige Erschtterungen, oder selbst
Gemthsbewegungen, den Menschen zum Narren machen knnen. Auch giebt es
wohl Flle, da durch dergleichen Ansto sich neue seelische Krfte
aufthun, und der Geist einen Blick in das verborgene Reich der Wahrheit
versucht. So hab ich mir von einem erzhlen lassen, der, als er eine
hohe Treppe herunter geworfen wurde, unten auf einmal griechisch
sprechen konnte, als er wieder aufgestanden war, oben konnt' er kaum
deutsch; ein andrer, dem man einen tchtigen Hieb ber den Schedel ma,
war durch den Kloben mit einemmale Musicus geworden; und so knnt' ich
jener Eiche auch vielleicht als meinen aufmunternden Schulmeister zu
verdanken haben, Blicke in das Reich der Natur zu thun, und da Weiber
und Mdchen zu sehn, wo andre kaum Fische und Krebse finden. Ein Weiser
oder ein Narr mu ich auf jeden Fall sein, der Mittelstand vertrgt sich
mit solchen Gesichten nicht. Scherzweise habe ich vorher vom Wasser
gesprochen, und hier springt eine allerliebste Quelle aus dem Felsen,
ich will jetzt im Ernst davon schpfen, um die Phantasien zu vertreiben.
-- ~Er schpft in seinem Huthe, und so wie er trinkt, tritt das Kind aus
dem Berge und stellt sich an ihn.~ Ha! das thut gut! Nun sind mir die
Augen heller als erst, -- aber was Kuckuk! Ei! ei! so hat Frau Fortuna
noch nicht mit mir Armen Versteckens gespielt, als heute; -- immer
besser! bist Du ein kreatrliches Wesen, -- eine wirkliche Figur, -- ein
gebornes Geschpf, so sprich, Du kleine Krabbe!

                           Das Kind weint.

                              Herzbold.

Warum weinst Du denn, Du schmuckes Thierchen? -- Sprich, kleines
allerliebstes Mdchen. Wein' nicht, mir wird so bang um's Herz. Hast Du
Hunger?

                           Kind ~weinend~.

Ich habe keine Eltern, beide todt, ich komm' aus dem Gebirge schon weit
her.

                              Herzbold.

Armes Wurm! Was die kleine Krte schon hat erleben mssen. Was willst Du
denn?

                                Kind.

Einen Vater, eine Mutter mcht' ich haben?

                              Herzbold.

Wie alt bist Du denn?

                                Kind.

Drei Jahr und zwlf Wochen. Bring mich zu Frulein Hedwig; will sie
bitten, da sie meine Mutter wird.

                              Herzbold.

Ja, mein Engel, schon gut, aber die denkt jetzt auf eigne Kinder.

                                Kind.

Die sollen meine Brder und Schwestern sein.

                              Herzbold.

Das geht nicht so schnell, Du hast keine Erfahrung, Du kennst die Welt
nicht. Was so verliebtes Volk Kinder in die Welt setzt, und lt sie
dann auf gut Glck im wsten Gebirge herum laufen, andern zur Last zu
fallen.

                                Kind.

Bist Du nie verliebt gewesen?

                              Herzbold.

Nein, Gott hat mich in Gnaden davor bewahrt; ich habe immer mehr zu thun
gehabt.

                                Kind.

Ja, Du Spitzbube, Du hast es eben gemacht, wie so mancher andre
Taugenichts; gelt? Armen Mdchen etwas vorgeschwatzt und gelogen, und
sie dann mit ihrem Jammer sitzen lassen, und nachher noch obendrein
hbsch mnnlich gethan mit dem starken Herzen? So sind wir armen Mdchen
immer die Betrogenen. Und Du, Herzbold, hast ganz die Miene dazu.

                              Herzbold.

Ha! wie? Was? bin ich verhext? da nur stehn kann ich und das Maul
aufsperren, nichts sagen, nichts denken. Das wird ein Zeitalter werden,
in dem die dreijhrigen Kinder schon so rsonniren: das hei' ich
Fortschritte in Kultur und Bildung. Dagegen sind wir nur Backfische
gewesen. Und der Kobold wei meinen Namen. Bald frcht' ich mich, so
klein dies Ding ist. Um Gottes Willen, bist Du ein Kind, oder ein Rind,
oder der Satan selber, der mich narren will?

                           Das Kind lacht.

                              Herzbold.

Und ich trume es doch nicht; nein, es hat seine Richtigkeit.

                           Kind ~weinend~.

O fhre mich auf das Schlo, mich hungert sehr. Erbarme Dich einer armen
Waise.

                              Herzbold.

Komm, Wahrsager, Zigeuner, ich mag Dir nichts abschlagen. Mgen die
droben sehn, wie sie mit Dir fertig werden. Was geht's mich an? darf ich
mir die Hand ausbitten?

                                Kind.

Hier, mein Lieber. Ach, Du bist doch nicht so bse.

                              Herzbold.

Fahre nur fort in Deiner geistreichen Unterhaltung, und wenn Du manchmal
zu hoch sprechen solltest, so la Dich herab, die dunkeln Stellen
einigermaen zu erlutern. ~Sie gehn ab.~

                    Hans und Peter kommen zurck.

                                Hans.

Nichts gefangen. Da, nimm die Netze auf den Buckel, es ist schon Mittag.

                                Peter.

Es ist hei.

                                Hans.

Fort, Du Langsam. An Dir liegt alle Schuld. Sogar die unvernnftigen
Fische, so stumm sie sind, haben gemerkt, da Du ein verliebter Narr
bist, und sind Dir mit Verachtung aus dem Wege gegangen. Der Bengel ist
noch mein Unglck, er ruinirt mich. Auf den Abend wieder her, die Nacht
mu einbringen was der Tag eingebt hat.

                                Peter.

So hat man denn gar keine freie Stunde.

                                Hans.

Wer hat Schuld als Du? Halt's Maul! Fort, nach Hause, die Mutter wartet
mit dem Essen!

                               Gehn ab.


                             Dritte Scene

                              (Zimmer.)

                           Ulrich, Hedwig.

                               Ulrich.

   Mein schnes Frulein, mein theure Freundin,
   Sogleich eilt Albrecht her in Eure Arme,
   Drum zrnet nicht, vergnnt ihm noch Erholung.

                               Hedwig.

   O Gott! wie hab' ich diesen Augenblick gewnscht, --
   Seht nur, ich kam fast ungeschmckt, mir war
   Jedweder Augenblick, der unsre Trennung
   Vermehrte, wie ein Tod, -- und nun, -- er liebt mich nicht,
   Er hat mich wohl vergessen. --

                               Ulrich.

   Keine Thrnen
   Geliebtes Kind, macht nicht die schnen Augen
   Mit Weinen roth, -- er wird sogleich sich finden,
   Ihm war nicht wohl, nun sitzt im Hof er drunten
   Im Schatten jener Linde, schaut sich um,
   Erinnert sich der alten guten Zeit
   Und sammelt sein Gemth.

                               Hedwig.

   So lat uns ihm
   Entgegen eilen, da ich dort ihn frage,
   Da ich ihm nur in seine Augen schaue,
   Dann ist ja alles gut.

                               Ulrich.

   Hier kommt er selbst.

    Er geht ab. Albrecht tritt ein und sinkt stumm in die Arme der
                            Hedwig. Pause.

                               Hedwig.

   Du weinst?

                              Albrecht.

   O la mich, la mich, Se, Dir
   Zu Fen hin in Thrnen, Seufzern rinnen,
   Es bricht mein Herz, -- o zu gewaltsam, -- Gott! --

                               Hedwig.

   Wie ist Dir?

                              Albrecht.

   Gut und wohl; -- da sind wir wieder,
   Stehn wieder auf der alten Stelle! sieh doch
   Die alten Sessel da, -- die Bank im Fenster,
   Von wo wir oft das Thal hinab geschaut, --
   Ha! noch der Einschnitt auf dem runden Tische,
   Die eingeschlungnen Namen Hedwig, Albrecht, --
   Gewi, mein Herz, ich wei nicht was ich sage, --
   Mir geht das Zimmer rund, -- auch Du weinst, Hedwig?

                               Hedwig.

   Ach, alles ist noch so, und Du, mein Albrecht, --
   Ach lieber Gott, was soll der Mensch doch wnschen --
   Ja, dieser Augenblick, er stand seit Jahren
   Verklrt vor meiner Seele wie ein Himmel,
   Da fliegst Du wie ein Engel her vom Himmel,
   Nahmst mich in Deinen Arm, in mir der Himmel --
   Und nun, -- wie dunkle Schwermuth, Angst und Furcht,
   Welch Todesbangen zuckt durch meine Seele --
   Ah, sieh, da hast Du noch den lieben Ring
   An deinem Finger, hier die kleine goldne Kette,
   Die ich an jenem Abend Dir geschenkt,
   Als Du einmal so traurig warst, so fremd, --
   Ha! weit Du noch? -- Ach, liebster, liebster Albrecht!
   Kennst Du mich denn, liebst Du mich denn, wie sonst?

                              Albrecht.

   So senk' Dich denn mit aller Zrtlichkeit
   In dieses kranke Herz, so blhe denn
   In allen tiefen Schmerzen in mir auf,
   Du Liebste, Einz'ge, -- lange war ich weg,
   Nun bin ich da, nun wollen wir nicht weinen.
   Hat denn Dein Mund das Kssen nicht verlernt?
   Wie diese Thrn' aufgeht im hellen Auge
   Mit Lcheln ringend, glnzend schwillt, und hngt
   Wie ein Demant, nun fllt, nun fllt sie nieder,
   Entrinnt dem Kfig dieser schnen Wimper,
   Und so im Ku verlsch ich Deinen Seufzer
   Der ihr will folgen, wie ein Vgelein
   Das andre sucht in freier Luft.

                               Hedwig.

   Mein Albrecht!

                              Albrecht.

      Wer kennt der Sehnenden
      Thrnenden
      Freudvollen Schmerz?
      Ein bangender Scherz
      Spielt Freiheit ringend,
      In Seufzern klingend
      Durch's bebende Herz.
      Ich kann mich nicht fassen,
      Mich dnket verlassen,
      Verstoen zu sein;
      Nur Lieb' hat empfunden,
      Wie innig verbunden
      Die Wonnen und Wunden
      Im sel'gen Verein.

                               Hedwig.

   Das war Dein erstes Lied, das Du mir sangst.

              Ulrich tritt ein mit dem Kaplan Johannes.

                               Ulrich.

   Der Herr Kaplan sucht Euch im ganzen Hause.

                              Johannes.

   Da seid ihr wieder, lieber gnd'ger Herr!
   Der alte Graf wird auch sogleich erscheinen,
   Euch Willkomm sagen; Euch ist ja bekannt,
   Wie ernst und finster, und wie menschenscheu
   Er immer der Gesellschaft sich entzieht,
   Und diese Schwermuth hat noch zugenommen,
   Und ganz vorzglich jetzt seit wen'gen Tagen. --
   Doch wie ist Euch? Mich dnkt, Ihr seid verndert,
   Ihr glht, Euch ist doch wohl?

                              Albrecht.

   Ich bin gesund.
   Du alter theurer Pfleger meiner Jugend,
   Doch diese Hitze, -- ja der Tag ist hei, --
   Wo ist denn Wolf? Lebt noch der alte Knecht?

                              Johannes.

   Wolf! Wolf! Euch ruft der gnd'ge Junker Albrecht.

                             Wolf kommt.

                              Albrecht.

   Mir ist so hei, bring' schnell etwas zur Labung.

                              Wolf geht.

                              Johannes.

   Da kommt der Graf.

                        Graf Erhard tritt ein.

                               Erhard.

   Lat Euch umarmen, seid mir hoch begrt.

                              Albrecht.

   Mein theurer Vater, nehmt mich gern zum Sohn.

                          Wolf kommt zurck.

                                Wolf.

   Hier Wasser aus dem khlen Felsenbronn.

                               Albrecht

                   setzt an, wirft den Becher weg.

   Nein, Wasser khlt nicht diesen heien Durst,
   Gieb Wein mir, goldnen, glutherfllten Wein,
   Mich schaut aus dem krystallnen kalten Na
   Ein wildes Auge an mit Feuerblick.

                                Wolf.

   Wie Ihr befehlt.

                              Johannes.

   Ein Fieber plagt Euch, Ritter.

                               Erhard.

   Die wilde Jugend, wie wir alle waren.

                              Trompeten.

                                Wolf.

   Da hlt der Zug des Herzogs vor der Burg.

                               Erhard.

   Kommt ihm entgegen, unserm gnd'gen Herrn.

                            Alle gehn ab.

                               Ulrich,

                      der zurck geblieben ist.

   Sie ist es. Wie das bange Herz mir klopft.
   Sie steigt vom Pferde, nickt mit liebem Gru
   Den Freunden zu; die hohen Federn schwanken
   Vom Huth ihr nieder ber goldne Locken,
   Den edlen Leib deckt herrliches Gewand,
   Weit nach folgt dienend ihres Kleides Saum
   In Lieb' um ihren schnen Fu zu wallen.
   Was zgr' ich noch? Ich geh' ihr rasch entgegen,
   Und wenn ein sanfter Blick mich dann bemerkt
   Und freundlich unterscheidet, bin ich selig.

                               Geht ab.

                  Hedwig und Albrecht kommen zurck.

                               Hedwig.

   Ja, nun kenn' ich Dich wieder, nun erst bist Du
   Der alte, ja, das sind die treuen Augen,
   Das stille Lcheln um den kind'schen Mund:
   So lieb' ich Dich, so solltest Du mir bleiben,
   Nicht klug, nicht fremd, -- nicht -- ach, ich schwatze so,
   Nun hab' ich zu Dir so wie sonst Vertraun, --
   Nicht wie Du warst solltest Du jemals sein.

                              Albrecht.

   Nur wie ein Fieber hat es mich befallen,
   Und so verlassen. Liebes, holdes Mgdlein,
   Dein bin ich doch in jeglichem Gedanken,
   Ja jeder Puls in mir klingt Dir nur Liebe.
   Wie war ich so verlassen ohne Dich,
   Wie ist mir wohl, wenn ich Dein Auge sehe.

                               Hedwig.

   Der Vater ist seitdem recht schlimm geworden.

                              Albrecht.

   Es ist die alte Krankheit, die ihn drckt,
   Er meint es immer gut mit Dir und mir.
   Doch mssen wir nicht zur Gesellschaft wieder?

                               Hedwig.

   Ich schme mich vor dieser hohen Frau,
   Der Herzogin, sie ist so schn, so gro,
   Sie sieht so mchtig drein und so verstndig,
   Ich werde roth, wenn ich mit ihr mu sprechen.
   Ja, Albrecht, schon vorher fiel es mir ein,
   So eine solltest Du zur Frau Dir nehmen,
   Ich armes Kind bin Dir nicht schn genug.

                              Albrecht.

   Du liebes Herz, mit Dir nur bin ich glcklich,
   Denn Deines Wesens holde Lieblichkeit
   Ist mehr als jener Herrlichkeit und Pracht.

                    Herzbold kommt mit dem Kinde.

                              Herzbold.

Nur herein, nur herein hier, Du kleines Unkraut, hier ist die
Herrschaft. Gott gr Euch, gndiger Herr, und meine schne, junge,
schmucke Grfin; hier bring' ich Euch das Neuste vom Jahr, das ich
drauen im Walde, wie eine Erdbeere, aufgelesen habe.

                               Hedwig.

Was will das Kind?

                              Herzbold.

Bei Euch bleiben, vor der Hand Euer eigen werden. Es ist eine arme
verlassene Waise aus dem Gebirge.

                               Hedwig.

Komm zu mir, kleines Mdchen.

                                Kind.

   Willst Du mich hegen,
   Mtterlich pflegen,
   Wird meinetwegen
   Des Himmels Segen
   Dir allerwegen
   An's Herz sich legen.

                               Hedwig.

Ein hbscher Spruch. -- Sieh, mein Albrecht, wie schn, wie klug, -- ich
nehme sie an, als mir vom Himmel gegeben.

                                Kind.

Ach Du liebes Frulein! Du bist so schn, und dabei auch so gut.

                              Albrecht.

Wie heiest Du?

                                Kind.

Sie nannten mich Adelfriede.

                               Hedwig.

Herzbold, fhre die Kleine in meine Kammer. -- Komm, mein Albrecht, in
den Saal zu dem Herzog, der Vater schmhlt sonst. ~Beide ab.~

                              Herzbold.

Siehst Du, kleine bse Sieben, nun hast Du Dein Glck gemacht, wenn Du
hbsch artig und folgsam bist.

                                Kind.

Sorge Du nur fr Dich selbst. ~Sie gehn ab.~

                       Graf Erhard ~tritt ein.~

   Zu eng ist mir mein Haus; die stummen Wnde
   Stehn mir wie Schwtzer da. -- Du dunkles Nest,
   So mu aus dir ein Sammelplatz von Thoren
   Auf deine alten Tage werden, Lachen
   Und Neckerei, Gesang in dir sich tummeln?
   Und diese Fremden! Mcht' ich doch, -- he Wolf!

                             Wolf kommt.

                               Erhard.

   Sind sind im Saale?

                                Wolf.

   Ja.

                               Erhard.

   Nun, ich mu hin.
   Nur diese sieben Tage, dann begr' ich
   Die alte liebe Einsamkeit von neuem.

                                 Ab.

                                Wolf.

   Der alte Griesgram ist doch nie zufrieden. --
   Bin ich's denn aber? Nein, die Knechtschaft hier,
   Das sauertpfsche Leben, all der Zeter,
   Mu bald in helle Lust ausschlagen, ja,
   Ich halt's nicht aus; dann will ich jubeln, schrein,
   Die alte Haut vor Lust und Wonne schtteln.

                               Geht ab.




                         Prolog zur Magelone.
                                1803.


                              Die Nacht.

   Absteigen mu ich jetzt von meinem Thron,
   Des heil'gen Lichtes Ankunft ahnd' ich schon,
   Die goldne Heerde merkt die Abschiedsstunde
   Und kehret heim vom dunkeln Thalesgrunde;
   Die Schatten zittern, die mein Leben fhlen,
   Die Morgenrthe will mit Wolken spielen,
   All' meine Kinder wollen mich verlassen,
   Hlflos, erschreckt, wei ich mich nicht zu fassen;
   Verfolgt, durchbohrt vom scharfen Strahl, dem glhenden,
   Sink' ich betubt und strze mit den fliehenden.

                             Die Trume.

   Mutter! Die Kinder, die schwebenden,
   In Aengsten erbebenden
   Nimm sie mit dir! --
   Weh! wohin fliehen? --
   Was uns deckte, wiegte, bewehrte, entziehen
   Die glhenden, blhenden Lichter uns hier.
   So enteilt, so flieht zu den dunkelsten Gestaden,
   Die unterird'schen Brunnen zu trinken, zu baden
   Im Geriesel tiefer Quellen -- -- wohin entrckt sind wir? --

                             Die Wolken.

   Uns kommt in sen Gren ein stilles Leben,
   Wir wachen und flieen in Kssen zusammen,
   Da schieen liebende Flammen
   Und zieh'n uns fort, dem heil'gen Strahl uns hinzugeben.

                       Der Jngling ~erwacht~.

   Ich war gefangen! Wer hat mich befreiet
   Und aufgelst des Hauptes dstre Binde?
   Mein Geist, mein Muth war mit sich selbst entzweiet,
   Angst, Trbsal, Furcht nahmen zu ihrem Kinde
   Das bange Herz, zu fremder Noth geweihet;
   Es floh das wste Heer im Morgenwinde,
   Ein Hauch hat Traum und dunkle Nacht verzehret,
   Und mein Gemth im Morgenlicht verklret.

                              Die Sonne.

   Ich will zu meinem hohen Thron aufsteigen:
   Morgenroth, Diener, leg' die gldnen Decken,
   Zum Futritt durch die lichtazurnen Strecken,
   Ruf durch den weiten Raum ein heil'ges Schweigen:

   Schn will ich mich den Unterthanen zeigen,
   Wald, Berg, Thal, Flu mit meinem Glanz bedecken,
   Das Luftgefieder schnell zum Gru erwecken,
   Der Pracht soll Niedres sich und Hohes neigen.

   Die Vgel singen, Wasser rauschen, hallen
   Gebirg' und Wald, mein Auge dringt zum Dunkeln;
   Geblendet, trunken, kommt mir Dank von allen:

   Ein khler Thau soll ihre Inbrunst lindern;
   Wie Wald, Strom, Thal und Berg von Pracht erfunkeln,
   Blht doch mein Bild nur in den Blumenkindern!

                             Die Wasser.

   Wie grn neigt sich das Gras in unsre Wellen,
   Wie lieblich schaut die Blum' in unsre Fluth,
   Vom Himmel will sich Duft zu uns gesellen,
   Glanz dringt und Luft in unser khles Blut,
   Wir fhlen in uns Lieb' und Leben quellen;
   O wie uns wohl der blaue Himmel thut!
   Wir gehn wie Gedanken, wie ses Gefhl, die enteilenden;
   Uns drngen die Schwestern vorber den Ufern, den weilenden.

   Denn ach! Du Ufergrn, du Blumenroth, du Scheinen
   Vom lieben Licht, das grend uns umfngt,
   Ihr mchtet euch so gern mit uns vereinen,
   Wie ihr euch tief in unser Auge drngt,
   Ihr spiegelt euch in Thrnen, die wir weinen,
   Hrt Schluchzen, das sich in die Rede mengt;
   Nur Bildni, Erinnrung, in lieben Gedanken, sehnschtigen,
   Begleitet uns still, die vertriebenen Wandrer, die flchtigen.

                             Die Blumen.

   Wer je mit Wollust schaute
   In seinem goldnen Strahl
   Den hohen Himmelssaal,
   Und seinem Licht vertraute;
   Wer in der tiefen Nacht
   Die goldnen Lichter fhlte,
   Mit Augen sehnend zielte
   Nach ihrer Liebes-Macht;
   Gern Mond und Sonne dann,
   Die Stern' all im Gemth
   Verklrt als Liebe sieht:
   Der schau' uns Blumen an.
   Wir sind nicht hoch, nicht ferne,
   Tief, wie ein liebend Herz,
   Sich regt ein heitrer Schmerz
   Beim Anblick unsrer Sterne.

                              Der Wald.

   Als der Frhling gekommen,
   Die Erde die Wrme empfunden,
   Die Luft durch Strahlen gelutert,
   Ist des Himmels Dunkel erheitert,
   Das Eis von den Wassern entschwunden,
   Sind grne Pflanzen entglommen:
   Da haben meine Kinder
   Sich wiederum besonnen,
   Und ihren Schmuck nicht minder
   Wie Blumen rings gewonnen;
   Es sprangen tausend Bronnen
   Mit grnen Strahlen empor,
   Da wuchsen die dunkeln Schatten,
   Die khle liebliche Nacht
   Aus drren Zweigen hervor,
   Da schwebten ber den Matten
   Die Dmm'rung, die Dfte, die Klnge,
   Die grnenden Betten der Liebesgesnge;
   Sie hat der Frhling in rauschender Pracht,
   Ein tnend Gezelt,
   Mit lieber Hand wieder aufgestellt.

                            Der Jngling.

   O Wald, was sagst du, welch ein ses Blicken
   Von Blumen will mein Leben in sich ziehen?
   Wasser, steht still, mir dnkt, es will entfliehen
   Ein Wort in eurem Strom, mich zu beglcken.

   Sonne, du willst mir Licht hernieder schicken,
   Die Farben, die in Blumen sterbend blhen,
   Glanz, der im Grn erlschend nur kann glhen, --
   Wozu Gesang, Strom, Licht und Blumenpflcken?

   Wie tiefe Nchte dehnt es sich im Innern,
   Wie Morgenroth will es die Nacht verschlingen,
   Wie milder Abend flieen mde Scheine.

   Uneinig trennt sich alles im Vereine:
   Wie alle Krfte zur Besinnung ringen
   Kann ich nicht, was ich bin, mich selbst erinnern.

                              Die Sonne.

   Empor zum reinen Himmelslicht, dem blauen,
   Sieh' auf und fhl' in dir des Segens Flle,
   Durch dunkle Nacht blitz' auf ein khner Wille,
   Dann wirst des Herzens Reichthum du vertrauen!

                             Die Wasser.

   Dann senken sich durch die verklrten Auen
   Die milden Wogen, flieen durch die Stille;
   Ahndend, was khl in deinem Geiste quille,
   Wirst du dich s im klaren Spiegel schauen.

                             Die Blumen.

   Dann regt ein ser Trieb sich liebetrunken,
   Wasser und Licht sie wollen sich begatten,
   Es spielen vor dir Farb' und Freude schwebend.

                              Der Wald.

   Angst, Zweifel, Furcht ist in die Nacht versunken,
   Friede, Vertrauen wchst auf in dichten Schatten,
   Ser Gesang erfrischt das Laub froh bebend.

                            Der Jngling.

   Vernehm' ich nicht die allgewalt'gen Schwingen,
   Die der Natur erhabner Geist bewegt,
   Und wie er Berg, Wald, Luft und Strme schlgt,
   Die Harf' im dunkeln Heiligthum erklingen?

   Aus Wollustdmmrung will ein Bild sich ringen,
   Das in der tiefsten Brust mein Geist gehegt,
   Und wie es Haupt und Glieder wachsend regt,
   Mu es in Schmerz und Lust zum Tag hindringen.

                  Die Jungfrau tritt aus dem Walde.

   Sie nah't, von der die Blumen mir gesprochen,
   In der des Lichtes Lieblichkeit erglnzt,
   Aus deren Aug' ein selig Dunkel blickt:

   Nun ist mein Herz als Frhling aufgebrochen,
   Und jeder Sinn ist dicht mit Wonn' umkrnzt,
   Mein bist du, Himmel! denn ich bin entzckt.

                            Die Jungfrau.

   Und Thrnen, Liebster, wollen dich begren,
   Denn dieses Glck, das seine ros'ge Hand
   Holdlchelnd beut, das leuchtend blickt mit sem
   Errthen, ach! ist es wohl hergesandt
   Mit Schmerz und Leid die flcht'ge Lust zu ben,
   Ist dieser Gru zum Scheiden schon gewandt?
   Vielleicht verharrt der Gast, sieht er die Demuth
   Und wie Entzcken sich verklrt in Wehmuth.

                                Beide.

   O heilige Thrnen,
   O ser Schmerz!
   Es bricht das Herz
   In Glck und Lust,
   Doch fhlt die Brust
   Ein stilles Kranken,
   Ein zitternd Sehnen,
   Sich hin zu senken
   In ew'ges Licht,
   Das nicht Gedanken,
   Entzcken nicht
   Und Schmerzen denken.




                             Ein Prolog.
                                1796.




                                Scapin
                     als Vorredner an den Leser.


                               Scapin.

   Willkommen! und verzeiht, da ich Euch ennuyire,
   Mich als ein Prologus im Prologus prostituire:
   -- Wie Scapin? -- und du wagst es, ohn' Errthen,
   Als Vorredner der Vorred' aufzutreten?
   Begreift, wenn man heut zu Tag ein Original sein soll --
   Es ist so schwer -- und drum wird man zuweilen toll,
   Die meisten Leute nehmen's auch fr neu;
   Ist's ihnen recht, so ist's ja einerlei.
   Je toller drum man's treibt, je origineller,
   Man macht den Boden flugs zum Keller,
   Und alle die vorbergehn, schrein:
   Ein seltner Mensch! er scheint original zu sein,
   Scheint's doch wenn man's Prolog zu manchen Werken liest,
   Da dem Prologen grad ein Prolog nthig ist.
   Drum kann, was ich jetzt thu, auch mit Vernunft bestehn,
   Ich kann satisfaisirt also von dannen gehn.
   Und untersucht ihr nur die Sach etwas genauer,
   So seht ihr ein, da auch vom Frsten bis zum Bauer
   Jedweder Vorred' nur zu einer Vorred' macht,
   Und weder gro noch klein darber lacht,
   Denn der hat's warlich schon im Leben weit gebracht,
   Der in dem groen oder kleinen Staat
   Sich nur dem wirklichen Prologe naht.
   Ich wollt' Euch also nur von Eurem eignen Leben
   Durch mein Bemhn 'ne kleine Zeichnung geben,
   Ihr seht, ich zwinge mich, moralisch recht zu sein,
   Drum mt Ihr unbesehn 's Aesthetische verzeihn.
   Hofft Ihr nun doch, statt kalter Kche Braten,
   Statt den Prologs ein durchgefhrtes Stck,
   So ist Euch warlich nicht zu rathen,
   Ich wasche meine Hnd' und zieh mich so zurck;
   Doch glaubt nicht, da ich dieserwegen meine
   Da ich ^illotis manibus^ erscheine,
   Ihr mt Euch nach der Poesie bequemen,
   Metaphern nicht gleich ernstlich nehmen,
   Sonst seht Ihr Schtze und es sind nur Scherben,
   Ihr taugt gleich schlecht zum Lesen, Leben und Sterben.

                               Geht ab.

                   *       *       *       *       *

   Ein dunkles Parterre, keine Lichter brennen, das Orchester ist noch
         leer, einige Herren und Damen sitzen auf den Bnken.

   Peter und Michel kommen hereingestolpert und stoen mit dem Kopfe
                  an die Frisur des Herrn Polykarp.

                               Michel.

   Verzeihen Sie, mir kmmt es dunkel vor.

                              Polykarp.

   Schon gut, -- mir brummt das ganze Ohr.

                                Peter.

   Man mu doch auch 'mal in's Theater gehn.

                               Michel.

   Man sagt es wr' hier viel zu sehn.

                              Polykarp.

   Bis jetzt sind wir noch sehr im Trben.

                              Melantus.

   Ich wollt' ich wr' zu Haus' geblieben.

                                Peter.

   Doch hoff' ich es soll besser kommen,
   Sonst htt' ich kein Billet genommen.

                              Melantus.

   Ich sitze hier nun schon so lange,
   Ich glaube gar es wird mir bange,
   Die Finsterni macht viel Beschwerden,
   Ich mein' doch, es soll heller werden.

                               Michel.

   Die Stimme ist mir so bekannt, --
   Ei, guten Abend, Herr Melant.

                              Melantus.

   Ihr Diener: wie ist's Wohlergehn?

                               Michel.

   Gottlob! man kann jetzt doch schon etwas sehn.

                              Melantus.

   Belieben Sie nicht Platz zu nehmen?

                               Michel.

   Wir werden uns nun schon bequemen.
   Hier ist auch mein Vetter vom Land,
   Von der Mutter her mit mir verwandt.

                              Melantus.

   Freu' mich, da ich Sie kennen lerne.

                                Peter.

   Gehorsamer Diener, 's geschieht gar gerne. --
   Sobald nur erst die Lichter scheinen,
   Mu man hier gut sehn, sollt' ich meinen.

                               Michel.

   O schaun Sie, schaun Sie doch die vielen Leute!
   Was fr ein Stck giebt man denn heute?

                              Melantus.

   Der Himmel wei, ich darf es nicht entdecken,
   Vielleicht: Irrthum an allen Ecken.

                              Polykarp.

   Verdammt! da soll man nun hier sitzen
   Und vor Erwartung frieren und schwitzen,
   Mchte man doch nur den Kuchenjungen schicken,
   So knnte man sich doch an irgend was erquicken.

                                Peter.

   Wie einem nun die Augen helle werden!

                              Melantus.

   So gehts mit allen Dingen auf Erden.

                               Michel.

   Mich dnkt, Sie sprechen so betrbt;
   Wo fehlt's? wenn's Ihnen zu sagen beliebt.

                              Melantus.

   Ach, bester Mann, ich habe vielen Kummer,
   Wir sitzen am Ende hier im Dunst,
   Mir wird im Kopfe immer dummer,
   Und glaube dabei nicht recht an eine Kunst.
   Es kann wohl sein, da wir vergebens harren,
   Und, lieber Freund, dann sind wir rechte Narren.

                                Peter.

   Ja wohl, das wr ein schlechter Spa.

                               Michel.

   Mit Ihr'r Erlaubni, erklren Sie mir das.

                              Melantus.

   Sehn Sie, wer kann uns dafr stehn,
   Da man hier wirklich wird was sehn?
   Wir hoffen am Ende vergebens auf Lichter,
   's giebt vielleicht weder Direktor noch Dichter;
   Wird man den Vorhang aufwrts rollen?

                               Michel.

   Gevatter! das sind wunderliche Schrollen.

                                Peter.

   Es fehlt nicht viel, ich gehe gleich hinaus,
   Wir sen ja gleichsam hier in einem Narrenhaus.

                               Michel.

   Sie melankolen wohl zu Zeiten,
   Da Sie mit solchen Grillen streiten,
   Denn bedenken Sie nur mit allen fnf Sinnen,
   Was wrden wir dabei gewinnen?
   Nicht wahr? Sie wnschen was zu sehn,
   Sonst wrden Sie nach Hause gehn?
   Woher km Ihnen das Begehren
   Wenn endlich keine Stcke wren?
   Sie begreifen, da ich philosophisch spreche,
   Die Beweise nicht blo vom Zaune breche,
   Und darum sein Sie nur zufrieden,
   's wird uns gewi ein schnes Stck beschieden.

                                Peter.

   Ja das ist auch mein wahrer Glaube.
   Sie sehn, weil ich mich manchmal schnaube,
   Hat man Schnupftcher in der Welt,
   Um einzukaufen dient das Geld;
   Ich pflege immer so zu schlieen:
   's giebt Schuhe, sie passen zu den Fen;
   Und folglich mssen auch Fe sein.
   Wo Fe sind, da ist ein Bein;
   Und so schlie ich nun immer weiter,
   Am Ende find' ich den ganzen Reiter
   Und werde so mit jedem Tage gescheidter.
   Sehn Sie, man sollte doch bedenken:
   Warum sen wir auf diesen Bnken?
   Sie sind sogar mit Tuch beschlagen.
   Den Vorhang sehn wir vor uns dort,
   Er mu doch wozu sein und darum fahr' ich fort
   Meine Meinung deutlich vorzutragen,
   Da wenn wir nur geduldig hoffen,
   Wird das Theater endlich offen.

                              Polykarp.

   Gottlob! nun brauch ich nicht zu fluchen,
   Da kmmt ja der erwnschte Kuchen.

   Er kauft reichlich ein, setzt sich nieder und fngt an zu essen.

                              Anthenor.

   Nachbarn! mit Erlaubni, es thut mir leid,
   Allein Ihr seid alle nicht recht gescheidt,
   Ich will Euch zwar Eure Hoffnung nicht rauben,
   Doch scheint mir alles nur Aberglauben.
   Denn seht! ich schwr's bei meinem Leben,
   Es hat noch nie einen Direktor gegeben,
   Wie sollte also ein Stck entstehn?
   Die Idee, geb' ich zu, ist recht schn;
   Allein wer soll sie exekutiren?
   Wir zahlen, so mein' ich, unsre Gebhren
   Und sitzen dann hier und dichten und trachten;
   Und das ist schon fr ein Stck zu achten.
   Habt Ihr schon einen Direktor gekannt?

                                Peter.

   Lieber Gott, Ihr wit's, ich komme vom Land.

                              Anthenor.

   Knnt Ihr mir einen Direktor definiren?

                                Peter.

   Ich glaube, der Mann will uns vexiren.

                              Anthenor.

   Was ist also ein Direkteur?
   Ihr denkt und rathet hin und her,
   Verwirret Euch in die Kreuz und Quer,
   Und daraus folgt denn mir am Ende --

                              Melantus.

   O schliet nur ja nicht zu behende!

                              Anthenor.

   Da wenn man's grndlich berlegt,
   Sich dahinten kein Direktor rhrt noch regt,
   Da _hinter_ dem Vorhange nichts sich rhrt,
   Ein Stck wird _vor_ dem Theater aufgefhrt
   Von uns, die wir als wahre Affen
   Behaupten, alles sei nur geschaffen
   Um zu einem knftigen Zwecke zu nutzen
   Und darum verschleudern die Gegenwart.

                     Michel ~heimlich zu Peter~.

   Das ist ein Kerl von schlimmer Art,
   Man sollte ihm die Nase putzen.

                                Peter.

   Wie wenn man ihn mit Philosophie zu Boden legte,
   Da er sich weder rhrte noch regte?

                               Michel.

   Das hilft bei ihm nichts, er ist ein Block,
   Aber ich habe hier einen tchtigen Stock,
   Damit mcht' ich ihm eins versetzen,
   Da er die Zukunft lernte besser schtzen.

                                Peter.

   Doch, wenn Sie keinen Direktor annehmen,
   Wie knnen Sie sich denn bequemen
   Hier zu sitzen in aller Welt?

                              Anthenor.

   Weil's mir drauen noch wen'ger gefllt.
   Das Sitzen hier macht mir Vergngen,
   Ich betrachte die Menschen um mich her,
   Und dieses amsirt mich mehr
   Als wrde uns ein Stck angefhrt,
   Das nur die Leute ennuyirt.

                               Michel.

   Hinterm Vorhang ein Licht! seht her!
   Was gilt die Wette, der Direkteur
   Arrangirt schon alles zum Stck
   Und bald hebt sich der Vorhang.

                              Anthenor.

   Nun, viel Glck!
   Wenn's so weit kommt, doch dann nur und nicht ehe
   Glaub' ich, da etwas Aehnliches geschehe.

       Ein Lampenputzer tritt auf mit einem Licht in der Hand.

                                Peter.

   Der Direkteur!

                           Mehrere Stimmen.

   Wo? wo?

                                Peter.

   So wie er leibt und lebt
   Steht er ja da, seht hin! was gebt
   Ihr mir, wenn ich zu sprechen wage
   Und selber nach dem Stcke frage?

                              Polykarp.

   Wir alle sind Euch sehr verbunden,
   Es whrt vielleicht noch ein'ge Stunden.
   Zum Amusiren hab' ich vor der Hand
   Wohl auf 'ne Stunde noch Proviant.

                           Mehrere Stimmen.

   Nun fragt ihn, denn das kann nicht schaden.

                          Peter ~steht auf~.

   Verzeihen Sie, ich bitt' in Gnaden,
   Sie mchten unsre Bitte gewhren
   Und uns in Unterthnigkeit belehren,
   Was, wie und wo das Stckchen wird gespielt,
   Nach dem ein jeder ein Begehren fhlt?

                            Lampenputzer.

   Was schwzt denn wohl da unten? he?

                               Michel.

   Nun, Peter, hrst Du wohl? O weh!
   Ein schwbischer Dialekt? -- oder irrt sich mein Gehr?
   Nein schwbisch spricht wohl nicht der Direkteur.

                                Peter.

   Wir dachten, weil Sie mit dem Lichte
   Die dunkle Finsterni vertreiben,
   Sie wren irgend einer vom Gewichte,
   Sie knnten uns vielleicht beschreiben,
   Von was fr Ton, von welchen Arten
   Das Stck sei, das wir hier erwarten.

                            Lampenputzer.

   Wie? Schie erwarte da ein Stck?
   Das istchs das erste, wasch ich hre.

                              Polykarp.

   Das scheint noch alles weit zurck,
   Indessen zieh' ich draus die Lehre,
   Da man sich halte an dem was wir besitzen.
   Was kann das Hoffen und Erwarten ntzen?

                            Lampenputzer.

   Man schikte mich, um ein'ge Lichter anzuznden.

                               Michel.

   Nun wird es sich ja doch wohl finden,
   Der Oberste schickt ihn gewi hieher;
   Nicht wahr? der _man_, der ist der Direkteur?

                            Lampenputzer.

   Der Direkteur? der schickt? der _man_, --
   Nein, nein, Schie irren schich in mir,
   Scho viel ich von begreifen kann
   Istch's blos etwasch zu finster hier.

                                Peter.

   Doch sagt, wer kmmert sich darum?

                            Lampenputzer.

   Nun, nehmen Schie's nur halt nicht krumm,
   Wenn Schie's Dunkelsein besser gustiren,
   Scho will ich mich geschwinde retiriren.

                               Geht ab.

                               Michel.

   Der Kerl kann wirklich nicht kapiren.

                              Anthenor.

   Kommt Ihr nicht bald auf meine Hypothese?

                               Michel.

   Herr! sei er still, er macht uns bse,
   Man mu hier keine solche Reden fhren,
   Er wei den Henker vom Dirigiren.
   Wie kann er den Direktor lugnen?
   Da wir ihn nicht so derbe zeichnen,
   Damit er sich nicht wieder untersteht
   Und andern mit solchen Exempeln vorgeht:
   Was wrde aus dem ganzen Theater,
   Km jedermann auf sein Geschnatter?

                              Anthenor.

   Doch mit Erlaubni, seid so gtig nur,
   Zeigt vom Direktor mir die kleinste Spur.

                               Michel.

   Gottloser Mensch! wie kann er alles so verachten,
   Muthwillig zu verleugnen trachten?
   Hat er kein Geld am Eingang denn gegeben?
   Sieht er den Vorhang nicht? war nicht so eben
   Ein Mann, ein edler Mann, ein Abgesandte
   Vor unsern Augen da, der den Direktor kannte?
   Fing nicht schon an ein schnes Licht zu leuchten?
   Bis wir den edlen Mann mit unsern Reden scheuchten?
   Was kann er dazu sagen? he?
   Er wird sich nun auf's Leugnen legen.

                              Anthenor.

   Das wr ein wenig zu verwegen;
   Doch wenn ich anders Logik recht versteh,
   So knnen Sie daraus nicht schlieen,
   Da ein Direktor hinten sei.

                               Michel.

   Nun warte, ha! Das sollst Du ben.

                       Er hebt einen Stock auf.

                                Peter.

   Je, schlagt den Kerl doch zu Brei!

                               Stimmen.

   Was ist denn da fr ein Rumoren?

                                Peter.

   Meine Herrn, wir werden von 'nem Kerl geschoren,
   Der uns beweist, wir wren hier unntze,
   Der manchen hier mit seinem Witze
   In seinem Glauben -- irre leitet,
   So weit in seinem Irrthum schreitet,
   Da er behauptet, vom ganzen Direktor
   Gucke noch kein Hrchen hervor,
   Und der zu uns sagt, wir sind nicht gescheidt,
   Wenn einer sich auf's Schauspiel freut,
   Er sagt, es wre nur alles Trug,
   Wir wren uns selber Komdie genug.

                                Baal.

   Warum werft Ihr ihn nicht hinaus?

                               Stimmen.

   Er gehrt gar nicht in dieses Haus.

                              Anthenor.

   Aber Leute, es gefllt mir noch weniger da draus.

                                Baal.

   Wir werden ihn nicht lange fragen.

                               Michel.

   Ich habe ihn schon hier beim Kragen.

                                Baal.

   Hinaus mit dieser Lsterzunge.

                    Anthenor wird hinausgeworfen.

                              Polykarp.

   Doch -- sagt, wo ist der Kuchenjunge?
   Das verzehrt sich schneller als man denkt.

                                Baal.

   So haben wir's nun zum besten gelenkt,
   So knnen wir doch nun nach dieser harten
   Bekmpfung wieder in Ruhe erwarten
   Was uns das gt'ge Schicksal bescheert,
   Und mancher wird noch durch seinen Fall belehrt.

   Das Orchester fngt an sich zu fllen, die Musikanten stimmen auf
                         ihren Instrumenten.

                                Peter.

   Sagt doch, was soll denn das bedeuten?

                               Michel.

   Sie wollen eine Musik bereiten.

                                Baal.

   Bereiten? 's ist ja schon Koncert,
   Ihr seid der Harmonie nicht werth.
   Hrt, wie ein Ton mit dem andern kmpft
   Und jeder sich doch selber dmpft.
   Wer, ach! bei diesem Klang nichts fhlt,
   Fr den ist nie ein Stck gespielt.

                              Melantus.

   Sie bereden mich nicht, da Melodei
   In diesem Schariwari sei.

                                Baal.

   Je mehr Schariwari, je besser,
   Der Genu ist drum um so grer.
   Sie scheinen nichts von zu verstehn,
   Drum will ich als Exempel vorgehn,
   Und damit nur jeder gnzlich schweige:
   Ich spiele selber etwas auf der Geige,
   Doch hab' ich's noch nie weiter getrieben,
   Bin immer beim Schariwari stehn geblieben.

                              Melantus.

   So drften Sie auch gar nicht wagen
   Ihr Urtheil hier so dreist zu sagen,
   Ein jeder, der nur Ohren hat,
   Ist dieses Kreischens lange satt.

                                Baal.

   Was gehn fr Laster hier im Schwunge?
   Herr, mit der groben Lsterzunge,
   Sie verdienten, da Sie's wissen,
   Sie wrden wie Anthenor 'rausgeschmissen.

                              Melantus.

   's ist keiner, der sich's unterstnde,
   An mich zu legen seine Hnde.

                                Baal.

   Hier ist er! denn es ist bekannt,
   Auch davon bin ich Dilettant.

                      Er ergreift den Melantus.

   Meine lieben Zuschauer und Freunde,
   Entled'gen wir uns schnell unsrer Feinde,
   So haben wir dann desto grre Ruh
   Und sehn den Werken des Direktors zu,
   Und werden im lieblich himmlischen Koncert
   Nicht mehr von Flegeln der Art gestrt.

                    Melantus wird hinausgedrngt.

                                Peter.

   Das geht hier streng zu, wie ich merke.

                               Michel.

   Der Kerl hat 'ne groe Strke.
   Man darf nun nicht mehr disputiren,
   Will man nicht seinen Platz verlieren.

                                Peter.

   Die Leute waren zu ungenirt,
   Drum wird an ihnen ein Exempel statuirt.

                              Polykarp.

   O weh mir! -- ach! mein Herz will brechen --
   Bin kaum im Stand -- ein Wort zu sprechen --
   Was fang' ich armer -- geschlagner Mann
   In diesen -- groen -- Nthen an?

                                Baal.

   Da seht Ihr nun, was unsre Sinnen
   Mit uns fr schlechtes Spiel beginnen,
   Ihr knnt gar leichtlich es ermessen,
   Der Snder hat sich berfressen.

                              Polykarp.

   Ach nein! -- es ist mein schlimmes Glck,
   Ein hartes unverdient Geschick --
   Sie meinen wohl die wen'gen Kuchen --
   Ach! knnt' ich irgendwo Hlfe suchen.

                                Baal.

   Das ist die Strafe der Sinnlichkeit!

                              Polykarp.

   Und ist es denn nicht Grausamkeit,
   Die armen Dinger von Sinnen, uns angeschaffen,
   So unerhrt fr Sinnlichkeit zu strafen?
   Ach! -- vor den Augen wird mir's trbe,
   Helft mir, o helft -- aus Nchstenliebe!

           Er sinkt um und wird von einigen hinausgetragen.

                                Peter.

   Sollt' das noch eine Weile whren
   So wird das Theater sich bald wieder leeren.

                               Michel.

   Wenn immer nicht neue wiederkmen,
   So mcht' das Publikum bald ein Ende nehmen.

                                Baal.

   Merkt's Euch, Ihr lieben Nachbarsleute,
   Da seht Ihr ein Exempel heute,
   Wohin elende Sinnlichkeit uns fhrt,
   Da man Hoffnung zum Stck und alles verliert.

                       Ein reisender Englnder.

   Der Henker hol' ein solches Publikum,
   Ich scheere mich den Teufel nichts darum,
   ^God dam!^ macht Essen so viel Beschwerden,
   Wird aus der Hoffnung auch nichts werden,
   Und eben fllt mir's ein: da ich mich ennuyire,
   's ist besser, da ich mein Eintrittsgeld verliere,
   Als hier unter abgeschmackten Narren
   Nichts thu' als auf was Abgeschmacktes harren.

                                Baal.

   Sie wollen, mein geliebter Freund,
   Von dannen gehn, so wie es scheint.

                            Der Englnder.

   Nicht anders!

                                Baal.

   Haben Sie berlegt,
   Was dieser Schritt fr Folgen hegt?

                            Der Englnder.

   Das hab' ich nicht in Acht genommen,
   Ich will den Narren hier entkommen.

                                Baal.

   Die Narren werden nicht verschwinden,
   Auch anderswo sind welche zu finden.

                            Der Englnder.

   So ist's doch eine neue Sorte,
   Ich geh von dem verwnschten Orte,
   Wo der dicke Kerl fr sein bischen Geld
   Sich fr den Allerklgsten hlt. ~Er geht ab.~

                                Baal.

   Wer wird das wen'ge Warten scheuen?
   Es wird ihn warlich noch gereuen. --
   Die Strer sind nun weggebracht,
   Nicht wahr, nun hoffen Sie mit Macht?

                                Peter.

   Sein Sie nur so gut mir vorzuschreiben,
   Ich hoffe, und ich la es bleiben,
   Wie Sie es gtigst haben wollen,
   Damit Sie mich nur nicht 'rausschmeissen sollen.

                               Michel.

   Nein, nein, hier sitzt sich's gut und schn,
   Wir werden gewi bald etwas sehn,
   Wenn ich nur wte, ich mu mich schmen
   So zu sprechen, -- was fr Sachen kmen.

                              Gottfried.

   Sehn Sie, ich will's Ihnen deutlich machen:
   Vor's Erste ist es nichts zum Lachen,
   Vor's Zweite, ist es nichts zum Spaen,
   Vor's Dritte, schn ist es ber die maaen,
   Und Viertens, keine Schlgerein,
   Und Fnftens, keine Znkerein,
   Dann Sechstens ist es uerst schn,
   Und schlielich, werden Sie's ja selber sehn.

                                Peter.

   's ist mir doch lieb, ich bin geblieben,
   Er hat wohl selbst das Stck geschrieben.

                               Michel.

   Mich wundert, wie der gute Mann
   So klar und deutlich davon reden kann,
   Als htt er's ehmals schon gesehn --
   's ist aber doch gewi recht schn.

                 Ein zweiter Lampenputzer tritt auf.

                               Michel.

   Da seh ich wieder ein Licht erscheinen.

                                Peter.

   Was wird Herr Baal dazu meinen?

                               Michel.

   Herr Baal, wir sind gar sehr geqult,
   Weil es uns an einer tchtigen Meinung fehlt,
   Wollten Sie nicht etwas fr uns denken?
   Und uns dann Ihre gt'ge Meinung schenken?

                                Baal.

   Lieben Freunde, das kann gar leicht geschehen,
   Mu mir den Mann erst nher besehen.

          Der Lampenputzer hat indessen Lichter angezndet.

                                Rpel.

   Das ist doch gleich ein andres Wesen,
   Man kann nun die Avise lesen.

                            Lampenputzer.

   Ich zndete die Lichter an,
   Und sieh, das war sehr gut gethan,
   Vorher war alles nur Schattenreich,
   Jetzt sieht das Publikum doch Menschen gleich.

                            Das Publikum.

   Wir sind Ihnen dafr in allen Stunden
   In tiefer Unterthnigkeit verbunden.

                            Lampenputzer.

   Ich hoffe, das Stck soll bald beginnen.

                                Peter.

   Wir trachten darnach mit allen Sinnen.

                            Lampenputzer.

   Ich bin so dreist und will es wagen,
   Ihnen krzlich meine Meinung zu sagen,
   Ich kenne den Herrn Direktor persnlich,
   Es ist ein guter Mann, gewhnlich
   Seh ich ihn einmal Tag fr Tag,
   So da ich wohl so von ihm sprechen mag.
   Sein einzger Wunsch ist Ihr Vergngen.
   Ja er hat mir es nicht verschwiegen,
   Da wenn sie nur noch etwas sich gedulden wollen,
   Sie sich gewi verwundern sollen.

                               Michel.

   Ob man das alles darf so glauben?

                                Peter.

   Es ist noch manches loszuschrauben.
   Wenn nur Herr Baal voller Gte
   Sich mit einem kleinen Wink bemhte.

                            Das Publikum.

   Herr Baal, wir sind sehr verlegen,
   Sie wissen wohl, der Meinung wegen.

                                Baal.

   Ganz recht und mir wird's auf die Dauer
   Wahrhaftig doch ein bischen sauer,
   Fr alle zu glauben, fr alle zu denken,
   Und so geschickt die Gemther zu lenken.
   Indessen mein' ich, da dieser Mann
   Wohl schwerlich vom Direktor wissen kann.
   Der Direktor macht sich nicht so gemein,
   Er ist fr solche viel zu fein,
   Ich halte dafr, er macht mir Wind,
   Und wir sind Thoren, wenn wir geduldig sind.

   Ein Theil des Publikums wirft mit Aepfeln nach dem Lampenputzer,
                   worauf sich dieser zurckzieht.

                                Rpel.

   Mir kommen jetzt Ideen nagelneu,
   Und ich sage sie Ihnen ohne Scheu.
   Wenn ich das Ganze berlege,
   So knnen wir Nachbarn allewege
   Hier gar nicht im Theater sein,
   Es ist nur Lug und Trug und Schein.

                               Michel.

   Sie fhren uns auf neues Eis;
   Doch wo bleibt denn nun Ihr Beweis?

                                Rpel.

   Ein Beweis so klar wie der Tag,
   Wer ihn nur begreifen mag.
   Wir bilden uns nmlich ein, _wir sind_,
   Und daraus folgt denn nun geschwind,
   Da alle Dinge, die wir so erleben,
   In uns nur als Phantome schweben.

                                Peter.

   In uns? Es schwebte nur in mir
   Das ganze groe Theater hier?

                                Rpel.

   Nicht anders.

                                Peter.

   Mit allen diesen Bnken?

                                Rpel.

   Natrlich!

                                Peter.

   Das wird mir den Verstand verrenken.

                               Michel.

   Die Meinung verdirbt uns alle den Magen,
   Wir haben genug an unsrer Seele zu tragen.

                                Rpel.

   Sie empren sich gegen meine Grnde,
   Was gilts, da ich's mir noch komm oder erfinde?
   Ich bin der einz'ge hier, der existirt,
   Und sich die andern nur imaginirt,
   Dann steht es billig kaum zu begreifen,
   Wie ich so kann Erfindung auf Erfindung hufen,
   Und da ich hier so eingepresset sitze,
   Und das Gedrnge macht, da ich schwitze,
   Und doch kann ich's verfluchte Imaginiren
   Nicht lassen, ich mu dies alles produciren.

                  Michel ~giebt ihm eine Ohrfeige~.

   Darin scheint mir kein Menschenverstand,
   Und drum bestraft Sie diese Hand.

                                Rpel.

   Da ich mir diese Ohrfeig' nur erdenk', ist Ihr Glck,
   Sonst brch ich warlich Ihr Genick.

                               Michel.

   Wo hab' ich ein Genick? Sie stellen sich's nur vor.

               Rpel ~giebt ihm wieder eine Ohrfeige~.

   Sie haben Recht und drum schlag ich Sie auch ans Ohr,
   Es ist nur meine eigne Seele,
   Die ich dadurch ein wenig qule.

                                Peter.

   Das ist ein wahres Ungeheuer.

                               Michel.

   Hier ist der gute Rath nun theuer.

                                Peter.

   Nur zugeschlagen, ich helfe mit,
   Denn bei dem Kerl ist doppelter Profit,
   Denn erstlich kriegt er allewege
   Von uns schwer abgewogne Schlge,
   Dann kriegt er auch noch die, Ihr hrt's ihn selber sagen,
   Die wir aus diesem Kampfe tragen.

                               Stimmen.

   Ruhig, wozu soll das Gelrme?

                                Rpel.

   Es ist nichts, meine Herrn, als da ich ein wenig schwrme.
   Wir leben in aller Einigkeit,
   Ich fingire mir nur 'ne Streitigkeit,
   's ist nur um ein wenig Geduld zu thun,
   So wird die Imagination wohl wieder ruhn.

                 Baal, ~der aus dem Schlaf erwacht~.

   Nun wei ich alles, lieben Leute,
   Ein Familienstck giebt man uns heute,
   Der Lampenputzer ist dem Direktor verwandt,
   Wir haben gnzlich ihn verkannt;
   Wenn der Vorhang sich nun endlich hebt,
   So sehen wir, was jeder in seinem eignen Hause erlebt,
   Wie der Obre sich um die Familie bemht,
   Die Kinder durch Lohn und Strafe erzieht.
   Am Mittag it er sich wacker satt,
   Beim Verdauen er Langeweile hat,
   Lt sich dann ein'ge Arien singen,
   Und thuts in allen mglichen Dingen
   Wie wir es immer haben gethan;
   Und das sehn wir zur Erquickung an.
   Wie wird es uns ergtzend laben,
   Unser langweilig Leben im Spiegel zu haben!

                              Gottfried.

   Ich freue mich schon jetzt darauf,
   Ging' doch der Vorhang endlich auf!
   Doch hoff' ich, werd' ich auch erfahren
   Was gestern fr Leute beim Nachbar waren,
   Und wer in das neue Haus gezogen,
   Man hat so manches darber gelogen.

                                Peter.

   Wir sehn vielleicht auch Herrn Melante
   Und manche andre Bekannte,
   Meine Muhme die wollte nicht mit mir kommen,
   Sie hat vielleicht auf'm Theater Platz genommen.

                               Michel.

   Mir ist ein Knecht jngst echappirt,
   Der wird vielleicht mit aufgefhrt:
   Man sollte dann aber darnach streben,
   Ihm ein'ge wenige Prgel zu geben.

                               August.

   Ich glaube vielmehr, da wir etwas sehen
   Was vor noch nimmermehr geschehen,
   Gemlde, die doch nicht Gemlde zu nennen,
   Maschinen, die sich bewegen knnen,
   Und bunte tausendfarbge Strahlen
   Die alles schn und herrlich mahlen,
   Da wir vor Wolken und schimmernden Dunst,
   Vor unbegreiflich schner Kunst,
   Am Ende nichts vom Theater werden gewahr;
   Das ist meine Meinung auf ein Haar.

                               Philipp.

   Meine Vernunft kann sich durchaus nicht bequemen,
   Nur eine der Meinungen anzunehmen.
   Es so zu glauben ist nur dumm,
   Ich find' einen andern Weg mir weit herum,
   Denn ohngefhr glaub' ich dieselben Sachen,
   Nur mu ich mir darber ein Systemchen machen,
   Und da bei Leibe sich nur nicht der Vorhang hebt
   Bis mein System ist fertig ausgewebt,
   Da ich nicht unvorbereitet, wie ein Schwein,
   In all die Freude plumpe hinein.

                         Baal ~zu Hanswurst~.

   Mein Sohn, Du sprichst kein einzig Wort,
   Hab' ich Dich dazu unterricht?
   Nun sprich, bist gern an diesem Ort?
   Wie? oder liebest Du ihn nicht?

                              Hanswurst.

   Verzeiht, mein Vater, ich habe sacht
   Inde ber alles nachgedacht,
   Das ist noch nichts und zeigt von keinen Gaben
   Irgend eine lumpige Meinung zu haben,
   Doch das, dnkt mich, verrth Geschick,
   Mit einem khnen Adlerblick
   Durch das ganze mannichfaltige Gebiet zu streifen,
   Was roh ist, niedlich glatt zu schleifen,
   Von Eichen Birnen abzuessen,
   Den leeren Raum genau zu messen,
   In jedem Unsinn Wahrheit auch zu finden,
   Und alles zu einem Ganzen zu verbinden.
   Eure Meinung, Vater, ist bekannt,
   Ich nehme sie an und mache sie etwas galant,
   Dazu nehm ich ein bischen vom Anthenor hinein,
   So vermeid' ich dadurch der Einseitigkeit Schein.
   Auch ist Herr Polykarp nicht gnzlich zu verachten,
   Nur mu man fleiig dahin trachten,
   Es mit Herrn Philipps Stzen zu vereinen,
   Und auch zugleich, was Rpel meint, zu meinen.
   Ich nehme mich auch Herrn Melantens an,
   Auch Gottfried und Herr August ist ein guter Mann.
   Es mu uns allenthalben glcken,
   Von einem zum andern zu legen Brcken,
   Und so meine Freunde, bleibt es uns offen,
   Auf die wunderlichste Weise zu hoffen,
   Auf Sachen, die uns jetzt im Augenblick
   Unsinnig scheinen, aber wir kommen schnell zur Ueberzeugung zurck.
   Ich dchte, das wre der beste Schwank,
   Und die Zeit wrde uns so am wenigsten lang.

                            Das Publikum.

   Ja, ja, das ist die beste Methode,
   Wir sind schon alle in der Mode.




                              Der Autor.
                       Ein Fastnachts-Schwank.
                                1800.


                     Der Autor ~in seiner Stube~.

   Wie mir's in allen Gliedern liegt!
   Die Augen kann ich kaum erheben,
   Bin durch und durch recht mivergngt
   Und fhre ein meschantes Leben.
   Von allen geneckt, von keinem gefhlt,
   Vergebens Poesie ausgespielt --
   Da kommen sie dann und loben, wie's scheint,
   Ist eigentlich als Tadel gemeint,
   Und drehn sich und winden sich nrrisch herum,
   Sind berklug, deswegen unterdumm. -- --
   Wo bist du, herrliche Frhlingszeit?
   Wie liegst du von diesen Mauern so weit!
   Kommt Sonne ber die Dcher geflossen,
   Scheint mitleidsvoll in die Kammer herein: --
   Ich habe noch keine frohe Stunde genossen,
   Mich nicht ergangen im lieblichen Schein,
   Statt aller frohen freien Natur,
   Druckfehler um mich in Korrektur,
   Gewhne mich alles zu korrigiren,
   Die ganze Welt zu rektifiziren,
   Schau ich von der Hh hinab in die Thler,
   Seh ich allenthalben nur Schpfungsfehler,
   Und fange zu brummen an, endlich zu hassen,
   Mchte bogenweis umdrucken lassen,
   Kmmt mir alles nur wie Stmperwerk vor,
   Und fhle recht gut, ich werd' ein Thor. --
   Warum seid ihr entschwunden
   Ihr frhlichen Jugendstunden,
   Als noch Baum und Blume mit mir spielten,
   Und Erd' und Himmel mit mir fhlten,
   Mich alle als ihres Gleichen hielten?
   Jetzt bin ich unter der Presse
   Und leide schlimmen Druck,
   Verhandelt auf der Messe,
   Und komme tglich weiter zuruck.
   Da ist an keine Ergtzung zu denken,
   Kein Volksfest, kein frhlich Gelag,
   Man mu sogar am Feiertag
   Mit Sorgen sein Gemth nur krnken.
   Will ich zum Wald die Schritte lenken,
   So folgt mir die Erinnrung nach,
   Und alle Sorgen werden wach,
   Will nichts mir die Erquickung schenken.
   Kurzum, soll andre amsiren,
   Da sie vergessen ihr prosaisch Leben,
   Und mu mich selber ennuyiren,
   Vor mir will keine Hoffnung schweben,
   Und da hilft auch kein Sperren und Zieren,
   Ich mu es nur so dulden eben. --

                              Es klopft.

   Herein!

                      Ein Fremder tritt herein.

                               Fremder.

   Verzeihen, da ich so dreist gewesen,
   Ich habe gar manches von Ihnen gelesen,
   Du mut auch sehn den Mann so dacht ich,
   Betrachten ihn mit groem Flei,
   Bin jetzt auf einer gelehrten Reis',
   Einen Umweg von einer halben Meile macht' ich.

                                Autor.

   Bin Ihnen trefflich obligirt.

                               Fremder.

   Sie sind doch wohl nicht occupirt?

                                Autor.

   Ich bin es niemals, oder immer.

                               Fremder.

   Sie deuten auf das Frauenzimmer,
   Das im Meister die schne Rolle spielt,
   Natalie, die nie oder immer Liebe fhlt:
   Hab' bei dem Buche gar manches gedacht,
   Geschaudert, geweint, mich erfreut und gelacht,
   Es ist doch gar ein trefflich Werk,
   Versteht man's, ist berstiegen mancher Berg.

                                Autor.

   Sie scheinen der Dichtkunst sehr ergeben.

                               Fremder.

   Ich kann wohl sagen, sie ist mein Leben,
   Doch lieb' ich auch den Ernst daneben.

                                Autor.

   Ganz Recht, der Ernst, den mu man lieben,
   Treibt man ihn nicht, wird man von ihm getrieben.

                               Fremder.

   Ach Lieber! es giebt so viel zu lernen,
   Die Wissenschaften tglich um sich fressen,
   Da darf man sich nur ein bischen entfernen,
   Hat man das Beste gleich vergessen,
   Und wenn man dann mit dem Zeitalter nicht geht,
   Kommt man nur allenthalben zu spt.

                                Autor.

   Die Unruhe sich jetzt schneller regt,
   Die volle Stunde hufger schlgt,
   Da mu die Uhr wohl vorwrts kommen,
   Das Repetirwerk ist herausgenommen,
   Eine neue Feder hinein endlich kam,
   Die alte war etwas gar zu lahm.

                               Fremder.

   Sehr wahr, und werth, sich zu notiren, --
   Ich darf Sie doch wohl auch zitiren,
   Wann ich die Reisebeschreibung edire,
   Und Sie dort namentlich auffhre?

                                Autor.

   Sie werden mir dadurch viel Ehre erzeigen,
   Doch mehr noch, wenn Sie gnzlich schweigen.

                               Fremder.

   So wenig mein Werklein wird bedeuten,
   Kommen Sie doch zu lauter ehrbaren Leuten.
   Was haben Sie jetzo unter der Feder?

                                Autor.

   Jetzt hat die Feder mich unter sich.

                               Fremder.

   Es scheint, mein Herr, Sie scherzen entweder,
   Oder ich bin ihnen hinderlich.

                                Autor.

   Das Erste so wenig wie das Zweite,
   Es ist nur meine Art so heute:
   Doch weil sie's wissen wollen zumal
   Arbeite an einem Poetischen Journal,
   Vielleicht ist's Ihnen auch schon bekannt.

                               Fremder.

   Ei! ei! das ist ja ganz charmant!
   Poetisch? das heit, wie ich es fasse,
   So gleichsam Gedichte von Zeit zu Zeit,
   Das Ganze wird aber in der Masse
   Ganz unpoetisch weit und breit,
   Wir haben der Journale lngst genug,
   Poetisch Journal ist ein Widerspruch.

                                Autor.

   _Es_ wird sich eben nach jedem bequemen,
   So wie er will, kann's jeder nehmen.

                               Fremder.

   So hab ich's unter andern selber gern,
   Der eine will die Schaale, der andre den Kern,
   Mssen's nur nicht am Interessanten fehlen lassen.

                                Autor.

   Wenn man nur wte, was interessirt.

                               Fremder.

   So intressirt zum Beispiel, ber die maen,
   Was da und da fr Komdien aufgefhrt,
   Wie der und der die Rolle genommen,
   Was fr Witz von Paris und London gekommen.

                                Autor.

   In dergleichen Dingen bin ich unerfahren.

                               Fremder.

   So mssen Sie sich mit andern paaren,
   Um Korrespondenz und Konnexionen,
   Karikaturen und Spionen,
   Um Neuigkeiten, aus Wien und Berlin
   Und dergleichen Amsanten bemhn.

                                Autor.

   Doch seh ich eben nichts Neues geschehen.

                               Fremder.

   Man mu nur von sprechen, man kann es nicht sehn;
   Wer wird die Dinge so schwerfllig nehmen?
   Man mu sich eben zum Glauben bequemen;
   Wer fodert, da Gilreys Bilder witzig wren?
   Es handelt sich drum, sie zu erklren.

                                Autor.

   Mein Herr, das ist mir nicht gegeben,
   Zu fhren ein solch erbrmlich Leben.

                               Fremder.

   Ja ja, sie glauben wohl, was sie leisten,
   Sind kaum ein Gilrey fr die Meisten,
   Und, Spa a part, wie meinen Sie das,
   Halten Sie denn ihren Spa fr Spa?
      Ihre Reime
      Und Trume,
      Dazwischen die Blumen und Bume,
      Und alles, man wei nicht geht man,
      Fllt, oder steht man,
      Kein Silbenmaas, Rhytmus durchaus nicht,
      Da alles so bunt und kraus herausbricht,
      Sammt den Aufputz vielerlei Plunders,
      Das halten Sie wohl fr was Besonders?

                                Autor.

   Ihr Eifer bringt Sie in's Parodiren.

                               Fremder.

   Ei man mu sich leider wohl enthusiasmiren,
   Wenn man sieht die Zeichen der Zeit,
   Den unntzen Stolz, die Ueberklugheit,
   Da sie anfangen, brave Leute zu hassen;
   Nein, selber leben und leben lassen!
   Der eine schreibt Journale und kritisirt,
   Der andre schreibt Journale und spintisirt,
   Ein dritter fngt's an und satirisirt,
   Ganz gut, doch mu man keinen verachten,
   Nicht meinen, das Gute fr sich zu pachten,
   Die andern zu verkleinern streben,
   Die Menge der Leser mu den Ausschlag geben.

                                Autor.

   Ich freue mich, da ein Patriot
   Sich annimmt seines Vaterlandes Noth.

                               Fremder.

   Ei schn! Sehn Sie, wie gut der Rest
   Von sanften Gefhlen ihnen lt,
   Das andre ist doch nur Saus und Braus,
   Kommt nichts bei alle dem heraus.

                                Autor.

   Sie sind wohl auch ein Schriftensteller.

                               Fremder.

   Es liest jetzt keiner, er schreibe denn auch,
   Das ist jetzt allgemein Gebrauch,
   Nutzt berdies fr Kch' und Keller.

                                Autor.

   Worauf ist ihr Bemhn gericht't?

                               Fremder.

   Mehr auszubreiten der Wahrheit Licht,
   Doch fang ich's sachtchen sachtchen an,
   Bin sehr der Menschenliebe zugethan,
   Suche zu befrdern Lieb' und Eintracht,
   Geh nicht auf die Gegner als ob man ein Schwein schlacht,
   So da man ihr Quieken gassenweit hrt,
   Denn dadurch wird selten einer bekehrt.
   Sie werden bald manches in der Nationalzeitung
   Von aller meiner Bemhung finden,
   Dann geb' ich mir noch mehr Ausbreitung,
   Such mich mit andern zu verbinden,
   Die auch fr die gute Sache glhen,
   Und sich zu Deutschlands Besten bemhen:
   So wirken wir dann zur Geselligkeit,
   Wie die Verfasser der Ruhestunden,
   Erzeigen Tausenden eine Geflligkeit,
   Die Nachwelt ist uns noch verbunden,
   Erschnappen wohl gar, o Herrlichkeit,
   Ein Bischen von deutscher Unsterblichkeit.
   Ich empfehle mich Ihnen, hab' sehr mich gefreut, --
   Mu gehn, besuche noch andre Leut. -- ~Geht.~

                                Autor.

   Man sagt wohl: la dich nicht erboen,
   Belache lieber die Narrenpossen,
   Doch kmmt's einem manchmal in die Glieder geschossen,
   Da man mchte mit Prgeln und Kntteln
   Diese Zartheit und Trefflichkeit durcheinander rtteln.
   Meinen sind Engel, und sind in der Regel
   Beim Licht besehn gar ordinre Flegel.
   Man nrrt sich nur, denn nimmer nie
   Verstehn sie, fhlen sie Poesie. --
   Was willst du nur das Geschriebne hufen,
   Durch wunderbare Lnder schweifen?
   Denkst du die Meister zu bertreffen,
   Deren Tne bei ihnen nicht wiederklingen?
   Wie kannst du dich nur selber ffen?
   Denkst du die goldne Zeit zurck zu bringen?
   Wie war es denn, als noch die starre Brust
   Geffnet war den Schmerzen wie der Lust?
   Welch Genius hat doch beflgelt
   Den dunkeln Kerker ehemals entriegelt?
   Jetzt sind sie zu, und kein Erwarmen,
   Kein Sonnenschein dringt zu den Armen,
   Sitzen drinn in ihrem dunkeln Haus,
   Man hrt sie aus der Ferne winseln,
   Und ihre Liebesmelodien pinseln.
   Gukt hchstens mal einer in der Schlafmtze raus,
   Und wundert sich, da draussen auch Welt,
   Die ihm aber wegen der Gre nicht gefllt.
   Der Schlssel zum Gefngni scheint verloren,
   Und wer wei, wenn der Held einst wird geboren,
   Der sie aus ihrer Marterkammer hebt
   Und sie zu Lust und Trauer neu belebt.
   Sie denken nichts, sie fhlen nichts,
   Sie wissen's nicht und entbehren des Lichts,
   Und auch die Sehnsucht ist ihnen versiegt,
   Sie sind nicht verdrlich, noch wenger vergngt.
   Was nutzt alles Dichten und Trachten,
   Da sie's so kecklich verachten?
   Mit aller Kunst, o wahres Wort!
   Man keinen Hund aus dem Ofen lockt.

   O htt' ich Flgel mich himmelan zu schwingen,
   Knnt' mir einer den flchtigen Pegasus bringen,
   Damit in den blauen Luftrevieren
   Mit aller Freude herum zu spazieren,
   Sonne und Mond und Sterne nher zu besehn,
   Und hier in Qualm und Dampf nicht zu vergehn!
   Da klopft es schon wieder an meiner Thr.
   Herein!

                   Die Muse tritt lchelnd herein.

                                Autor.

   O Himmel! ich vergehe schier,
   O du lieb holdes Angesicht,
   So schau ich wieder dein Augenlicht?
   Ich bin's nicht werth, unwrdger Knecht,
   Da du den Weg zu mir gericht.

                                Muse.

   Wie mu ich Dich in Unmuth finden,
   Was konnte so Deine Sinne binden?

                                Autor.

   Ich fhle die Schaam im neuen Erquicken,
   Ich erkenne mich wieder im hohen Entzcken,
   Dein Auge in mein Herz 'nein lacht,
   Hat allen Frhling wieder gebracht.
   Ich fhle mich jetzt von Geistern umgeben,
   Die Kraft von Himmel und Erd' um mich schweben,
   Und ihnen entgegen mein frhliches Streben,
   Es haben sich verjngt die Stunden,
   Die Vorzeit sich wieder mit mir verbunden,
   Ich habe mich auf mich selbst besonnen,
   Und richte wieder den Blick zur Sonnen.

                                Muse.

   Ich hrte Dich schrein, wie ein mrrisches Kind,
   Du wolltest Dich nicht in der Einsamkeit sehn,
   Drum kam ich Dich zu trsten geschwind,
   Da nicht in Aengsten mchtest vergehn.

                                Autor.

   Du bist so gut und freundlich mir.

                                Muse.

   Sei auch nur gut und freundlich Dir,
   Bedenk, da jeder der Nchste sich.

                                Autor.

   Ergeben bin ich dir ewiglich,
   Mein Herz, mein Sinn und all mein Blut,
   Dient ewig dir mit treuem Muth,
   Der Gedanke an dich mich hatte verlassen,
   Drum fing ich an die Welt zu hassen,
   Dein Gegenwart lt die verworrenen Schatten,
   Die dicht mich eingeenget hatten,
   Wie frhlich spielt Zukunft und Vergangenheit,
   Da es mich recht in's Herz hinein freut,
   Wie fhl' ich zu Muth und Lachen mich tchtig,
   Wie freun mich die grotesken Gestalten,
   Die mich fr ihres Gleichen halten.

                                Muse.

   Nun geht, mein Freund, Dein Puls wieder richtig.

                                Autor.

   Im Auge ist mir ein Aug' entstanden,
   Im innern Ohr ein neues Gehr,
   Nun ist mir alles ganz recht um mich her,
   Ich fhle, ich kam mir selbst abhanden.

                                Muse.

   Du mut nie selber werden ein Thor,
   Rckst Du die Thorheit andern vor.

                                Autor.

   Hat man auch noch so groe Antipathie,
   Und hat das Gemeine von Herzensgrund,
   So kommt doch pltzlich, man wei nicht wie,
   Eine trbe armuthseelge Stund,
   Sieh da, so hat man die Sympathie.

                                Muse.

   Bleib nur der Frhlichkeit ergeben,
   Und thu nicht mit Dir selber grollen,
   So fhlst Du schon das gute Leben
   Wie alle Menschen es leben sollen.
   Blick um Dich heiter und fhle Dich frisch,
   Im Dichten khn, und frhlich bei Tisch,
   Trink in Dich munter machenden Wein,
   So wirst Du immer ein Weiser sein.

                                Autor.

   Ja wrst du mir nur immer zur Seit,
   Erlschte wohl nie die Freudigkeit.

                                Muse.

   O Thor, hast Du mich nicht besser erkannt?
   Meinst wohl, ich sei in Gestalt gebannt?
   Schau an umher das grnende Land,
   Horch, wie der Vglein Lieder klingen,
   Wie se Dfte zu Dir dringen,
   Wie Hain und Flur, der Strom sich regt,
   Im ewigen Leben mit Wellen schlgt,
   Wie der Wind, ein Athem, niedergeht,
   Erfrischend durch Laub und Kruter weht,
   Schau auf zum hohen Himmelssaal,
   Erwge die ewige Blue zumal,
   Ja in Dir, Dein eignes Herz ersph
   Und warst Du nur mein Schler je,
   So siehst Du mein Bild, wohin Du blickst,
   Und Dich an meiner Lieb' entzckst.

                                Autor.

   So redlich willst du's mit uns meinen?
   Wer mchte sich so hart versteinen,
   Sich deinem Liebesdienst entziehen,
   Nicht licht in deinem Herzen blhen?

                                Muse.

   Ja, wer mich trgt in seinem Herzen,
   Den will ich auch im Herzen tragen,
   Er darf mir alle Wnsche sagen,
   Ich schenk' ihm Muth, das Hchste zu wagen,
   Ich will eine Wagenburg um ihn schlagen,
   Da feig vor ihm entfliehn die Schmerzen,
   Vershnt um ihn mit bunten Freuden scherzen.

                                Autor.

   Ich will auch knftig nie mehr lstern,
   Gedenk nur mein mit deinen Schwestern.

                                Muse.

   Verknde unsern Dienst nur weiter,
   Verzage nicht, es wird die Erde heiter,
   Vernimm in allen Stunden unser Wort,
   Und schau Dich um, Du hrst es da und dort.
   In allen Zungen, in allen Sprachen:
   Das neue Leben klingt durch alle Rume,
   Und Stein und Fels und Abgrund tnen,
   Und viel zum Fest, zur Blthenzeit erwachen,
   Es fliehn die schweren, dumpfen Trume,
   Wie Thal und Wald sich rings in Frhlingspracht verschnen.

                                Autor.

   Wenn ich in deiner Gegenwart mich fhle
   So denk' ich nur auf groe Dinge,
   Doch wenn ich dann die heilgen Spiele
   Beginnen will, dnkt alles mir geringe,
   Wo Jauchzen klang, ersteht ein todtes Schweigen,
   Es ist als brche unter mir der Grund,
   Dann fhl ich mich nicht froh und nicht gesund,
   Ich mu alsbald zur niedern Erde steigen,
   Die tnenden Geister fliehn, ich vernehme laut
   Des Volks Geschrei, laut tobende Windsbraut.

                                Muse.

   Du bist noch jung, wohn' immer mehr im Schein,
   So wirst Du nur die Gtter hren,
   Das Irdische alsdann verschwren,
   Und taub sein fr des Pbels Schrein,
   Wer einmal hrte Sphren klingen,
   Zu dem kann nie der Erde Wirrwarr dringen.

                                Autor.

   In deinem Lichte bin ich ewig jung,
   Zum Morgenroth wird alle Dmmerung,
   Den Freuden bin ich hingestellt zum Ziel,
   Leiden und Verdru werden ein lustig Spiel,
   Ich seh nur Masken um mich tanzen,
   Ein frhliches Possenspiel wird aus dem Ganzen.
   Doch da du fhlen und merken mgest,
   Wie einem oft zu Muthe wird,
   Wie man von den Affen wird turbirt,
   Wie wrs, wenn du dich zurcke zgest;
   Begieb dich hinter dem Schirm derweile,
   Es kmmt ein andrer schon wieder in Eile.

                       Die Muse verbirgt sich.

                    Ein Schauspieler tritt herein.

                            Schauspieler.

   Ist mir lieb, da Sie zu Hause geblieben,
   Denn ich habe gar nthig Sie zu sprechen. --
   Hren's, was haben's da fr ein Stck geschrieben?

                                Autor.

   Scheint Ihnen was dran zu gebrechen?

                            Schauspieler.

   Gar vielerlei; nur eins vor allen,
   Das mir im mindsten nicht will gefallen --
   Nicht wahr, ich bin der erste Held?

                                Autor.

   Wenn's Ihnen einmal so gefllt
   Den Mann als einen Helden zu nehmen,
   Er wird sich wohl darnach bequemen.

                            Schauspieler.

   Ei was! Sie mssen die Tragdie so zwingen,
   Da immer die Helden recht vorwrts springen,
   Da sie so recht, -- Sie verstehn mich schon,
   So tchtig und krftig, -- ich will nur sagen,
   Da sich das Spielen doch dann verlohnt,
   Und man kann Beifall von dannen tragen.

                                Autor.

   Ich wollte gern, da das Ganze rhrte,
   Nichts Einzelnes die Gemther irre fhrte,
   Da Neubegier nicht unntz spannte
   Und so das hhere Interesse verbannte,
   Es war mein Zweck, verschnert zu geben
   Ein Bild von dem groen verworrenen Leben.

                            Schauspieler.

   Nun seh mir ein Mensch nur solchen Zweck!
   Ei gehn Sie mir doch damit weg!
   Das Ganze, verstehn Sie, luft darauf ab,
   Ob aus dem Parterr erschallt: Klipp klapp!
   Ob's in die Hnde, in die Beine fhrt,
   Das ist, was die guten und schlechten Dichter bewhrt,
   Und werden Sie sich nicht anders richten,
   So frcht' ich, Sie werden fr die Beine dichten.

                                Autor.

   Sie haben da eine eigne Theorie.

                            Schauspieler.

   Mein Bester, die Praxis trgt uns nie,
   Sie mgen sich wohl mit kuriosen Idealen,
   Gar trefflich die Phantasie vollmahlen,
   Doch wenn man die Wirklichkeit etwas kennt,
   So hat's damit gar bald ein End.

                                Autor.

   Was ist denn aber die Wirklichkeit?

                            Schauspieler.

   Sie ist wirklich und in der That
   Nur auf dem Theater zur jetzigen Zeit,
   Das meiste im Leben ist bertrieben,
   Doch in der Kunst hlt man noch Rath
   Mit Enthusiasmus und mit Lieben. --
   Ihrem Helden fehlts an groer Gesinnung,
   Das pat auch nicht in unsre Innung.

                                Autor.

   Daran hab ich nicht Schuld gehabt,
   Er war damit nicht mehr begabt.

                            Schauspieler.

   Kurz, ndern sie ihn, da er sich fgt,
   Wenn Ihnen am Beifall des Zeitalters liegt,
   Er mu sich ja doch nach Ihnen geniren.

                                Autor.

   Doch wird dabei das Ganze verlieren.

                            Schauspieler.

   Was haben Sie denn fr ein Ganzes im Sinn?
   Sie wissen's ja selbst, kein Ganzes nicht,
   Ein Stck ist's, wie man immer spricht,
   Vielleicht lag sonst ein Ganzes darin,
   Das war fr die Dinger ein groes Glck,
   Doch jetzt ist jedes nur ein Stck;
   Man mu auch dran was spielen knnen,
   Sonst wird es keiner ein Schauspiel nennen,
   Kein Ganzes stellen wir nimmermehr dar,
   Was liee sich auch daran wohl spielen?
   Die Zuschauer wollen was tchtiges fhlen,
   Denn dafr bezahlen sie richtig und baar;
   Kmen wir nun mit einem Ganzen angestochen,
   Sie thten wahrhaftig im Ganzen pochen.

                                Autor.

   Ich habe mehr gedichtet fr die Welt,
   Auf Ihre Kunst nicht Rcksicht genommen.

                            Schauspieler.

   Da sind Sie ganz in die Irre gekommen,
   Die jetzige Welt ist immer das Geld,
   Jemehr Geld man hat, jemehr auch Welt,
   Welt ist nichts als eine falsche Aussprache,
   Das andre aber bezeichnet die Sache.
   Wollen Sie sich nun nicht korrigiren,
   So kann ich den Helden ihres Stcks nicht entrepreniren.

                               Geht ab.

                                Muse.

   Warum machst Du Dir solche Beschwer,
   Stehst mit den Thoren in Verkehr?

                                Autor.

   Ich that es nur, um auch im Weiten,
   Im Volke deinen Dienst zu verbreiten.

                                Muse.

   O la sie nur in ihrem Eigenthume,
   Denn sie sind fern von meinem Heiligthume.

                                Autor.

   Man kann sich freilich bereilen,
   Man wnscht doch fr die Menge zu schreiben.

                                Muse.

   Die Menge! gb' es eine Menge!
   Doch ziehn sich tausend in die Enge,
   Es scheint am Ende kaum noch Einer,
   Beim rechten Licht besehn, gar keiner.

                     Ein Recensent tritt herein.

                              Recensent.

   Ich bringe Ihnen das Buch hier wieder,
   Es war mir doch zu sehr zuwider.

                                Autor.

   Ich danke fr Ihre Aufrichtigkeit.

                              Recensent.

   Ja, lieber Mann, es thut mir leid,
   Ich sprche gern, wie sich's geziemt,
   Ein wenig, wie man's nennt, verblmt,
   Aber Ihre Schriften sind gar zu schlecht,
   Als da man's Ihnen nicht sollte sagen,
   Vielleicht kann's doch dazu beitragen,
   Da Sie sich kehren auf Wege, die recht,
   Und nicht auf Pfaden so kreuz und quer:
   Sie machen sich selber das Leben schwer.

                                Autor.

   Wollen Sie's mir nicht ein wenig erlutern?

                              Recensent.

   Daran wrde jede Bemhung scheitern,
   Alles was Sie suchen ist excentrisch,
   Alles was Sie wollen ist unverstndlich,
   Alles was Sie schreiben ist ohne Verstand,
   Und drum kann man nur vor der Hand
   Sie warnen, da Sie werden ein anderer Mann.
   Leben Sie wohl, ich habe meine Pflicht gethan. ~Ab.~

                                Muse.

   Was bedeutet diese Kreatur?

                                Autor.

   Er ist ein Wchter aller Poetischen Natur,
   Er zieht sich alle Kunst sehr zu Gemthe,
   Und meistert verstndig an jeder Blthe,
   Er studirt bestndig Poesie,
   Und glaubt doch, da sie da sei, nie,
   Hlt all Bemhn zu dichten fr verloren,
   Poeten und Knstler sind ihm Thoren,
   Doch wscht er immer an diesen Mohren,
   Er nimmt sich ihre Krankheit zu Herzen
   Und mchte sie bleichen und entschwrzen,
   Im gemeinen Leben man ihn nennt
   Wenn von ihm die Rede, der Recensent.

                                Muse.

   Dergleichen Erfindung ist gewi modern.

                                Autor.

   Sie nennen sich deine Priester gern
   Und meinen, sind von der Bildung der Kern,
   Ehemals gab es Prophetenschler,
   Jetzo hat man Recensirmhlen,
   Was sie unter sich haben mu brechen oder biegen,
   Vom Groen und Starken, das sie mhlen,
   Sagen sie stets: ich kann es nicht klein kriegen!
   Denn klein mu alles sein, was sie fassen und fhlen,
   Kommt ihnen ein Tchtiger unter die Hnde,
   Der sich nicht will verkleinern lassen,
   So schimpfen sie auf ihn aus der Maen,
   Beschlieen ihr Urtheil so am Ende:
   Ein Monstrum ist dieser, der Natur miglckt,
   Keiner kriegt ihn klein, er ist verrckt.

                                Muse.

   Die Maschinerie ist nicht bel erdacht;
   Aber werden diese Werkzeuge nicht verlacht?

                                Autor.

   Das Lachen sich bei uns Menschen fast verliert,
   Wir frchten, wir wrden dadurch gethiert,
   Und wenn man sich mit Gelchter beschwert,
   So ist es meistens der Mhe nicht werth.
   Sie wollen lachen mit Natur,
   Und ber eine Wahrscheinlichkeit,
   Das Lcherliche soll aber nicht sein lcherlich pur,
   Sondern drinn stecken eine Erbaulichkeit,
   Weil nun Recensenten ganz und gar lcherlich sind,
   Lacht ber sie kein Menschenkind.

                                Muse.

   Mcht einen Aristophanes unter sie schicken.

                                Autor.

   Nein, Beste, sie rissen ihn warlich zu Stcken,
   Denn er verletzt die feine Sitte.

                                Muse.

   Was nennt ihr so, das sag', ich bitte.

                                Autor.

   Ach was! es ist ein dummes Wesen,
   Du solltest es in den Bchern lesen,
   Es ist eben das, was ihnen fehlt,
   Und weil nun jeden das Gewissen qult,
   Da sie sich fhlen durch und durch gemein,
   So wissen sie nicht wo aus noch ein,
   Und finden in jedem Scherz, in aller Lust,
   Nur Spiegel ihrer verchtlichen Brust,
   Sie erschrecken vor jedem spahaften Spa,
   Und schreien: pfui! indecent und kra!
   Sie fhlen den Scherz nicht, nur ihre Gemeinheit,
   Drum finden sie nicht Verbindung und Einheit.
   Seitdem der Witz in den Brunnen gefallen
   Sind Steine drber gebaut von allen,
   Nun warnt man jeden, nicht nahe zu gehn,
   Viel wenger in den Brunnen zu sehn,
   Es heit: du knntest dich berprzen,
   Und ebenfalls wie der Witz 'nein strzen,
   So wrst du unten auf immer verloren,
   Und wohntest zeitlebens bei dem Thoren,
   Flieht was ihr knnt vor dem Witze weit!
   Das nennen sie ihre Sittlichkeit.

                                Muse.

   Du scheinst mir doch zu bertreiben,
   Wird doch irgend wer was Lust'ges schreiben.

                                Autor.

   Es giebt allerdings leichtfertige Vgel,
   Denn Ausnahme leidet jede Regel,
   Die haben gehrt, da geizige Leut
   Verwerflich sind zu aller Zeit,
   Das schildern sie denn, so wie den Neid,
   Habsucht und ander dergleichen Gebrechen,
   Wodurch sie diese Laster schwchen.
   Dann giebt es welche, die gehn schon weiter
   Und machen sich gleichsam ein Bischen breiter,
   Versuchen die Poesie hher zu fhren,
   Regenten aus der Ferne zu schikaniren,
   Tadeln verblmt die und die Anstalten,
   Halten sich aber immer aus dem Schu,
   Verschaffen dem Publikum groen Genu
   Und man mu sie fr ungeheuer witzig halten.

                                Muse.

   Ihr seid auf die Art im ganzen Land
   Mit aller Lustigkeit abgebrannt.

                                Autor.

   Gottlob! wir sitzen recht auf dem Sand.

                                Muse.

   Leb wohl und behalte guten Muth,
   So geht es Dir bestndig gut.

                               Muse ab.

                                Autor.

   O htte sie doch lnger verweilt,
   So lange sie mich angeschaut
   War ich recht durch und durch erbaut,
   Da sie nun wieder hinweggeeilt,
   So kommt die kleinliche Furcht zurcke,
   Ich bange, wenn ich um mich blicke,
   Die Huser umher, die wankenden Gestalten
   Mich drcken und keinen Trost enthalten,
   Sie bedeuten nichts und wandeln todt einher,
   Ich fhle die ganze Welt so leer. --

                     Ein alter Mann tritt herein.

                             Alter Mann.

   Der junge Autor wohnt wohl hier?
   Ich klopfte zweimal an die Thr,
   Doch keiner rief, wie gebruchlich: herein!
   Drum trat ich ohne weitres ein.

                                Autor.

   Verzeihn Sie mir, ich war zerstreut,
   Es geht mir manches im Kopf rum heut.

                             Alter Mann.

   A ha! wohl neue Plane gewi?

                                Autor.

   Ich wei nicht recht, es war das und dies.

                             Alter Mann.

   Ich mu Ihnen sagen, gegen dies und das
   Hab' ich eigentlich einen groen Ha,
   Man mu bestndig das Rechte wollen
   Und auch die rechten Mittel ergreifen,
   Denn wenn die schnen Wissenschaften reifen sollen
   Mu man nicht hie und dorthin schweifen,
   Man mu auf ebnen Straen bleiben,
   Fein grndlich, doch verstndlich schreiben,
   Den Plan von allen Seiten berlegen,
   So giebt nachher der Himmel seinen Segen,
   Da es die Leute lesen, verstehn und lieben,
   Und so mu man sich weiter ben,
   Und hher steigen und hher und immer hher noch,
   So kmmt man am Ende erstaunlich hoch.

                                Autor.

   Das kann ich mir wirklich so ziemlich denken,
   Es geht fast so, wenn sie einen henken,
   Doch hat's ein solcher noch keinem gedankt,
   Wenn er zu solcher Hh' gelangt.

                             Alter Mann.

   Ich meine, mein Freund, in der Literatur,
   Mu man durchmachen gar manche Kur,
   Erleiden manche bse Stund,
   Eh man sich glauben darf gesund.
   Man mu die Jugend berstehn,
   Eh man kann aus den Augen sehn,
   Dann mu man wieder rckwrts gehn,
   Dann wieder vorwrts ein'ge Schritte,
   So bleibt man trefflich in der Mitte:
   Das meiste ist doch die Bejahrung,
   Das allermeiste die Erfahrung.
   Haben Sie sich schon viel zu erfahren bemht?

                                Autor.

   Man sieht zuweilen das, was man sieht.

                             Alter Mann.

   Ei Teufel einmal! wozu ist denn die Welt,
   Wozu geschehn denn die trefflichen Thaten,
   Da wenden Sie sich an Mnner, die rathen
   Von Herzen gern, wo's Ihnen fehlt.

                                Autor.

   Ich habe die Welt schon lange gesucht,
   Doch scheint sie vor mir auf der Flucht.

                             Alter Mann.

   Wo dachten Sie sie denn zu attrappiren?

                                Autor.

   Ich wollte sie in meinem Innern spren.

                             Alter Mann.

   Da mute sie Ihnen wohl echappiren.
   Ich mu die Ehre haben, Ihnen zu sagen,
   Im Innern spr' ich nur den Magen,
   Und auerdem die schreckliche Phantasie,
   Und, wenn Sie wollen, ein Bischen Genie.

                                Autor.

   Ich bitte, ich will Sie gar nicht geniren.

                             Alter Mann.

   Doch all das Ding mu uns nicht irre fhren,
   Das mu man wissen zu bezhmen
   Und ihm sein wildes Feuer zu nehmen,
   Man mu es gleichsam pulverisiren;
   Geschieht diese Vorsicht nicht bei Zeiten,
   So wei ich manche, die 's zu spt bereuten,
   Man mute sie nachher trepaniren,
   Sie dachten, wie sich's nicht wollte gebhren.

                                Autor.

   Sie hielten sich immer wohl in den Schranken?

                             Alter Mann.

   Ha Gnade Gott jedem rebellschen Gedanken,
   Der nicht so denken wollte wie ich,
   Zum Unsinn macht ich ihn unbesehn,
   Das ist wohl tausendmal geschehn,
   So hielt ich mich stets fein suberlich.

                                Autor.

   Doch mit der Phantasie ward es Ihnen sauer?

                             Alter Mann.

   Im Anfang etwas, doch auf die Dauer
   Kam ich auch bald mit ihr in Gang,
   Auch sie begab sich unter den Zwang.

                                Autor.

   Das ist sonst gegen ihre Natur.

                             Alter Mann.

   Glauben Sie denn an die Kreatur?

                                Autor.

   Sie haben mich erst in dem Glauben bestrkt,
   Weil Sie sagten, Sie haben sie in sich gemerkt.

                             Alter Mann.

   Sie lassen sich, mein Seel, leicht bercken,
   Das ist nur eine Art sich auszudrcken.
   Ich habe eine lebhafte Phantasie,
   Und sehn Sie, darum bild' ich mir ein,
   Es mte eine Phantasie in mir sein,
   Hat aber dergleichen gegeben nie.
   Was man so nennt, ist nur ein Spa,
   Hat eigentlich nie was damit gemeint,
   Und damit es klingt nach irgend was,
   Und es ein wirkliches Wesen scheint,
   Hat man das Unding, wie bekannt,
   Zum Zeitvertreibe Phantasie genannt.

                                Autor.

   Was ist's denn, was den Dichter macht?

                             Alter Mann.

   Wenn ich Ihnen soll meine Meinung sagen,
   (Ja, bitte, geben Sie jetzo Acht,)
   So wr' es wohl Zeit in unsern Tagen,
   In denen man alle Sektirer veracht,
   Da man's mit Dichtern eben also macht;
   Sie sind doch alle nur schlechte Gesellen,
   Und besser bei Fabriken anzustellen:
   Ach Gott, da ist die Arbeit ohne Ende,
   Fehlen leider noch immer thtige Hnde.
   Ich bin zwar selbst ein Dichter gewesen
   Und wurde zu meiner Zeit gelesen,
   Schreib' auch noch mit unter was zum Spa,
   Doch trag ich gegen alle Dichter Ha,
   Es giebt in der Welt so viel zu thun,
   Da gilt kein Schwatzen, kein Miggehn,
   Wer da will zuschaun oder ruhn,
   Der mu von der Welt gar wenig verstehn,
   Das Vaterland fordert auch unsre Pflichten,
   Da ist nicht Zeit, dummes Zeug zu dichten.

                                Autor.

   Sie sind aber warlich gar zu strenge
   Und treiben die Dichter sehr in die Enge.
   Sie sprechen von Welt, wo ist sie zu finden?
   Ich mchte sie gar zu gern ergrnden.

                             Alter Mann.

   Man mu Welt haben, Welt anzutreffen,
   Sonst ist das ganze Ding ein Aeffen,
   Wie man mu einen Witz besitzen,
   Um zu verstehn der andern Witzen.
   Das ist berhaupt in der ganzen Welt
   Gar absonderlich bel bestellt,
   Da alles, was gut ist und tchtig,
   Da alles, was sauber geht und richtig,
   Man nur in mir vereinigt findt,
   Die andern Menschen sind alle blind.

                                Autor.

   Das ist doch aber zum Erstaunen.

                             Alter Mann.

   Es haben mir viele nicht glauben wollen,
   Sogar meine besten Freunde raunen
   Sich einer dem andern in die Ohren,
   Da mir davon die Ohren grollen,
   Ich gehrte eigentlich selbst zu den Thoren:
   Doch ist davon keine Silbe wahr,
   Wie sie wohl selber denken knnen,
   Man will mir meinen Ruhm nicht gnnen,
   Doch krmmt mir alles das kein Haar.
   Noch einmal von der Welt zu sprechen,
   So thut's der Welt itzt selbst an Welt gebrechen,
   Es ist gar eine grobe Zeit,
   Wo man mihandelt die schnsten Leut,
   Ja Mihandel ist der ganze Handel,
   Unwandel aller Handel und Wandel,
   Die guten Kpfe sterben ab,
   Und Schelme tanzen auf ihrem Grab,
   Kurzum, wenn ich, mein Lieber, nicht wre,
   So entstnde eine gewaltige Leere.

                                Autor.

   Mir ist noch nie ein Mann vorgekommen,
   Der so wenig ein Blatt vor den Mund genommen.

                             Alter Mann.

   Es geschieht auch in der That nur selten,
   Da einer so in sich vereint alle Welten.
   Ich hab's verkndigt und immer verkndigt,
   Doch haben sich alle so schwer versndigt,
   Da keiner mir glaubt, noch nach mir hrt,
   So sehr mein Mund sie auch belehrt,
   Will keiner an meine Bildung glauben,
   Meinen, mir hingen zu hoch die Trauben;
   So schwimm ich denn in Wassersnoth
   Und droht mir stets der nahe Tod;
   Will ich nur etwas oben bleiben,
   Mu ich in jeder Messe schreiben,
   Doch hilft mir nichts, da ich vermessen,
   Denn leider werd' ich mit jeder Messen
   Im Reich nur mehr und mehr vergessen.

                                Autor.

   Wenn Sie nun sterben, wie wird's da stehn?

                             Alter Mann.

   Sonder Zweifel mu die Welt dann untergehn,
   Gesprochen ganz aufrichtig und ehrlich
   Kann ich die Sache darthun klrlich,
   Dann widersetzt sich keiner der bsen Sache,
   Und so kommt denn des Himmels Rache,
   Verschlingt die Erde mit Mann und Maus,
   Und dann ist alles zusammen aus.

                                Autor.

   Freilich ist jetzt keiner ihrer Meinung,
   Drum kommt sie so besonders heraus,
   Es fehlt den Leuten jetzt an Vereinung.

                             Alter Mann.

   Das ist der Punkt, mein werther Herr,
   Darum ist was Gutes zu leisten so schwer,
   Darum ist Kritik zurckgegangen,
   Darum verstummen, die ehemals sangen.
   Ja vormals waren andre Zeiten,
   Da wollte die Sache mehr bedeuten,
   Da ward sie gefhrt von andern Leuten,
   Da galten noch die groen Mnner,
   Da gab es mich und andre Kenner,
   Seitdem hat alles sich verkehrt,
   Ist die Kunst keinen Schu Pulver mehr werth.
   O knnte nur Lessing wiederkehren,
   Der zeigte den Leuten, wie dumm sie wren,
   Und sie mich recht mten verehren.

                Lessing durch das Dach in einer Wolke.

                                Autor.

   O weh! das Haus bricht in einander,
   So mu ich's lassen repariren.

                             Alter Mann.

   O Lessing, groer Held, was kann Dich rhren,
   Von jenseit zu uns herber zu wandern?

                                Autor.

   Bewirth' ich einen so groen Herrn,
   So trag' ich auch die Kosten gern.

                               Lessing.

   Ich komme durch die Wolken nieder,
   Weil Ihr mir gar zu sehr zuwider,
   Verschont doch meinen guten Namen,
   Nie war ich eine Krcke fr die Lahmen,
   Nie nicht ein Esel fr die Zahmen.

                             Alter Mann.

   Bewahre! als wenn wir das nur glaubten,
   Contrr, wir wollen deine Ehre behaupten.

                               Lessing.

   Zum behaupten gehrt noch stets ein Haupt,
   Ihr aber, die ihr weder zweifelt noch glaubt,
   Nicht selber denkt und andre nicht versteht,
   Da ihr so schndlich mit meinem Namen umgeht,
   Das erregt mir noch oben meinen Zorn,
   Ist mir in der besten Seligkeit ein Dorn.
   Die ihr nicht kriegen knnt, haltet Friede,
   In der Dummheit Namen, seid ihr's noch nicht mde,
   Das alte Spiegelfechten fortzufhren,
   Bei jedem Quark meinen Namen zu zitiren?
   Ihr behauptet kein noch so dummes Ding,
   Keine Albernheit, sei sie noch so gering,
   So wird die Schwerflligkeit selber flink
   Und schreit: grade so meint es Lessing!
   Ihr Unmeiner, nein, ihr seid nicht die Meinen,
   Nun ich todt bin, denkt ihr, ihr knnt es mir bieten,
   Ich kann nicht mehr bejahn, nicht verneinen:
   Nun soll ich als eure Fahne erscheinen,
   Euer Feldgeschrei im pbelhaften Wthen,
   Und opfert mich auf, ihr barbarischen Scythen!
   Wodurch verdiente denn mein groer Sinn,
   Da ich der Dummheit Heilger bin?
   War dies von meinem ganzen Leben,
   Von meinem khnen miverstandnen Streben,
   Von meinem hohen Eifer der Beschlu,
   Da ich euch, Korporalen, zum Profose dienen mu?
   Ihr, die ihr nie das kleinste gefhlt,
   Wohin ich mit meinen Pfeilen gezielt,
   Die ihr nicht ahnden konntet, nicht fassen,
   Wie ich eures gleichen mute hassen,
   Wie ich immer, wo nach ihr mit allen Sinnen trachtet,
   Herzinnig und tiefsinnig habe verachtet:
   Nun sagt, was habt ihr denn mit eurem Geschrei?
   So redet dreist heraus und frei!

                             Alter Mann.

   Ach lieber Himmel, ich bin verlegen,
   Was kann dich nur so zum Zorn bewegen?
   Auf Erden hab' ich dich nie so schlimm gesehn;
   Kmmst scheltend aus der Seligkeit? das ist nicht schn!

                               Lessing.

   Im Himmel lernt man erst das rechte Zrnen,
   Weil es ist der Liebe erste That,
   Hier unten, bezwungen von allen Gestirnen,
   Wird oft der himmlische Zorn bald matt,
   Das Irdische hlt uns in seinen Schranken,
   Ertdtet zu oft die Gttergedanken.

                             Alter Mann.

   Ach wie denn, Freund? ich dachte nur Frieden
   Sei uns dort oben auf immer beschieden.

                               Lessing.

   Ja Frieden, den ihr nimmermehr kennt:
   In wem kein unsterbliches Feuer brennt,
   Wer hier nicht schon steigt zur Liebe hinan,
   Wird dort in Krieg, in ewgen Bann gethan.

                             Alter Mann.

   So wre auch nicht die Vergebung aller Snden
   Da oben im Himmelreich zu finden?

                               Lessing.

   Ja aller, auer wie die Schrift verheit,
   Der Snde gegen den heilgen Geist,
   Die ihr ohne Ruh und Rast begeht,
   In der euer ganzes Wirken steht,
   Ja Gott verfolgt ihr und seine Gerechte,
   Und seid des Satans leibeigene Knechte.

                             Alter Mann.

   Wir glauben eben an beide nicht
   Und halten das fr das wahre Licht,
   Das andre ist Finsterni, die uns sonst deckte,
   Und meinten, du wrst von unsrer Sekte.

                               Lessing.

   Wohl eurem falschmnzenden Stempel
   Dient jedes Gtterbild nur zum Geprge,
   Der Irrlehre nur zum neuen Exempel,
   Jedweder Weg wird euch zum Irrwege;
   Ja wohl brachte euch zu Tage nur,
   Ein Tagelhner der Natur,
   Nicht Menschen, Christen oder Heiden,
   Mt ihr verzweifeln an allen Freuden,
   Stumm bleibt's in euch, wird nimmer wach,
   Ihr ahmt zu schlecht die Menschheit nach.

                             Alter Mann.

   Ich bitte dich, verfolg uns doch nicht,
   Es hat dich keiner so sehr gepriesen,
   Den Leuten so umstndlich die Schnheit bewiesen,
   Die Trefflichkeit deiner dramatschen Gedicht.

                               Lessing.

   Das ist es, was ihr von mir wit,
   Alles andre ist euch verborgen blieben.
   Ich hatte immer ein heimlich Gelst
   Die Schne der Poesie zu lieben,
   Doch wollte sie mir ihren Genu nicht gnnen,
   Drum durft' ich die Holde niemals erkennen.
   Ich war eines Predigers Stimm' in der Wst,
   Doch kehrte sich keiner an mein Ermahnen,
   Ging jeder fort auf seinen Bahnen,
   Ich wollte, wie vieles, die Poesie verknden,
   Ich wute, sie mute sich bald entznden,
   Drum tauft' ich mit Wasser und mit Verstand
   Einige Wesen, Schauspiele genannt.
   Nach mir ist ein anderer grrer erschienen,
   Bestimmt als Priester den Musen zu dienen,
   Der hat getauft mit Feuer und Geist,
   Wie all sein Wirken und Dichten beweist,
   Er wandelt unter euch in Gttlichkeit,
   Doch wer erkennt sein strahlend Ehrenkleid?
   Verstockten Herzens bleibt ihr stets in blden Sinnen,
   Knnt weder Heil noch Trost, Verstand noch Vernunft gewinnen,
   So bleibt denn dumm, fahrt fort in eurem Zeitvertreibe,
   Doch bleibt honetten Leuten, absonderlich aber mir vom Leibe!

        Die Wolke erhebt sich wieder und verschwindet mit ihm.

                                Autor.

   Der Tausend! das ist ein gewaltiger
   Und beraus gestrenger Herr!

                             Alter Mann.

   Es ist nicht sein Ernst, er liebt das Uebertriebne,
   Das beweist so manches von ihm Geschriebne.
   Er war ein ganz vorzglicher Mann,
   Doch wandelte ihn schon oft im Leben die Grobheit an,
   Da er seine besten Freunde nicht wollte erkennen
   Und ihnen nicht auch die gehrige Gre gnnen;
   Da hatten wir manches auszubaden,
   Doch kamen wir immer wieder zu Gnaden. --
   Es rgert mich nur, da er mich hier blamirt,
   Und leicht den jungen Mann irre fhrt.
   Hren Sie, mein Freund, glauben Sie ihm kein Wort,
   Ich meine er war auch nicht mal hier,
   Denn er ging pltzlich wieder fort,
   Und die Decke ist ganz eben und schier,
   Da mte sich doch eine Oeffnung zeigen,
   Drum mein' ich, es war nur Lug und Trug,
   Wollen gtigst den ganzen Vorfall verschweigen,
   Ich habe schon sonst der Geister genug
   Gesehn in meinem verblendeten Sinn,
   Wohlverstanden, wenn ich nicht bei mir selber bin,
   Denn sonst in meinen gesunden Tagen
   Drfte weder Geist noch Geistesgleichen es wagen,
   Mir nahe zu kommen in mein Revier,
   Ich wies' ihm augenblicks die Thr. ~Geht ab.~

                                Autor.

   Es scheint heut ein kurioser Tag,
   An dem ich noch manches erleben mag,
   Es ist als wr' die Zeit in Ghrung
   Und trachtete nach einer seltsamen Gebrung.

                      Der Bediente kommt herein.

                              Bediente.

   Mein Herr, es ist ein Fremder draus,
   Der sagt, er sprche sie gar zu gern.

                                Autor.

   So sag' ihm nur, ich sei nicht zu Haus,
   Es giebt sonst wieder neuen Lrm. ~Bed. ab.~
   Ja wohl mag der ein Fremder sein,
   Von mir und allem, was ich denke.
   Da laufen sie in die Huser herein
   Und geben sich einen vornehmen Schein,
   Thun noch als brchten sie einem Geschenke,
   Da man die Zeit mit ihnen verliert,
   Da sich auf sechserlei Art ennuyirt.

                       Bedienter kommt wieder.

                              Bedienter.

   Der Herr sagt, er ginge nimmermehr,
   Er sei ein zu groer Bewunderer,
   Um eine Entschuldigung anzunehmen,
   Sie mten sich dazu bequemen
   Ihn in Guten oder Bsen zu sich zu bitten,
   Er ist auf einge Meilen umgeritten.

                                Autor.

   Was ist es denn fr eine Art von Mensch?

                              Bedienter.

   Er scheint ein wenig wetterwendsch,
   Hat feines Tuch zu seinem Kleide,
   Er thut gewi keinem Menschen was zu Leide.

                                Autor.

   So sag' ihm nur, er wr gebeten,
   Gtigst zu mir herein zu treten.

              Bediente ab, der Bewunderer tritt herein.

                             Bewunderer.

   Ach mein werther Herr, ich bin darin so eigen,
   Da ich ein wenig neugierig bin,
   Von Jugend auf stand darauf mein Sinn,
   Schon als Knabe lief ich zu manchem Spektakel hin,
   Wo sich nur irgend was mochte zeigen.
   Bitte ergebenst, sie wollen mir nicht verschweigen,
   Ob ich Sie in ihren Arbeiten stre,
   Denn sonst hab' ich sogleich die Ehre,
   Mich wieder gehorsamst zu empfehlen,
   Drum sein Sie so gut es nicht zu verhehlen.

                                Autor.

   Man mu sich um die Zeit nicht qulen,
   So lange man lebt, kann sie uns nicht fehlen,
   Und dann kommt vollends die Ewigkeit,
   So hat man dann noch mehre Zeit.

                             Bewunderer.

   Ich freue mich also, da ich Sie kennen lerne,
   Ich htte sie lngst gekannt gar gerne,
   Sie glauben nicht, wie ich mich an Ihren Schriften ergtzt,
   Wie sie mich in meine Jugend zurckversetzt.

                                Autor.

   Sie haben sie also bersetzt;
   Doch sind Sie auch jetzo noch nicht alt.

                             Bewunderer.

   Ach nein, ich meine aber nur der Sternbald,
   Ich schriebe dergleichen gar zu gerne,
   Auch solche freie gereimte Lieder,
   Sie tnen in meiner Seele wieder,
   Vielleicht gelingt's, da ich auch Ferne
   Einmal zusammenreime mit Sterne.

                                Autor.

   Sie scheinen die Sache schon inne zu haben,
   So kann es Ihnen nicht werden schwer.

                             Bewunderer.

   Doch bleiben meine Gedichte so leer,
   Mir ist's, als fehlen mir die Gaben.

                                Autor.

   Es findet sich alles, wenn man sich bt
   Und nur das Gute recht innig liebt.

                             Bewunderer.

   Auch fhl ich wohl, da ich durch meine Talente
   Mit der Zeit was Groes leisten knnte,
   Nur macht mir das die meisten Sorgen,
   Da es nicht geschieht heut' oder morgen.

                                Autor.

   Ja freilich ist es besser gethan,
   Man wird alsbald ein groer Mann,
   Die Geduld ist nicht allen gegeben,
   So lange in der Mitte zu schweben.

                             Bewunderer.

   Man mu nur jeden Vorsatz zur Religion machen,
   So kann man ber die ganze Welt lachen,
   Und das Lachen mu wieder Religion werden,
   Dazu die Natur, die wir haben auf Erden,
   Und dies mit gttlicher Liebe verbunden,
   Einge Blumen noch hineingewunden,
   Und alles in Poesie verschmolzen,
   Macht einen schon ziemlich zu einem Stolzen.

                                Autor.

   Mein werther Herr, ich versteh' Sie nicht.

                             Bewunderer.

   Haben Sie das Verstehn nie bis zur Religion getrieben?
   Ich dchte denn doch das sei das wahre Blumen-Lieben.
   Die Natur ist immer natrlich,
   So bin ich auch gleichsam figrlich,
   Ach Gott! die Rose ist ein schnes Kind,
   Mich entzckt zugleich die edle Lucind'.

                                Autor.

   Sie scheinen sie nicht verstanden zu haben.

                             Bewunderer.

   Ich habe so meine Art, mich dran zu laben,
   Denn jedweder Mensch hat seine Gaben,
   Ich verachte Gottlob! die Sittlichkeit.

                                Autor.

   Doch htten Sie dazu noch knftig Zeit,
   Man fngt doch erst gelinde an.

                             Bewunderer.

   Der erste, der's denkt, mag's also treiben,
   Doch ich, der ich die Sachen lesen kann,
   Mu nicht beim Anfang stehen bleiben,
   Ich mache mir alles zur Religion,
   Und sitze drin wie auf einem gepolsterten Thron.

                                Autor.

   Doch wenn nun alle auf die Erfindung geriethen?

                             Bewunderer.

   Das wre freilich ein bler Umstand,
   So htte man gar nichts Eignes mehr.

                                Autor.

   Das mte Ihnen dann ein andrer vergten,
   Vielleicht verbreitet sich dann im Land
   Schon wieder eine neue Lehre,
   Sie knnen sich immer zur neusten bekennen,
   Die Religion alsdann den andern gnnen.

                             Bewunderer.

   Ich habe mir das so schn angewhnt
   Und finde, da es ganz lieblich tnt,
   Auch sind noch alle dagegen in Emprung
   Und wie in allgemeiner Verschwrung,
   So da sie in selbstesten innersten Gemthen
   Im herzesten Herzen dagegen wthen,
   Da giebt es also noch keine Bekehrung.

                                Autor.

   Das sagen Sie nicht, es findet wohl Beifall,
   So hrt man die Dinge dann berall.
   Sie drcken sich aber kuriose aus.

                             Bewunderer.

   Es mu immer aus dem innersten Gemth heraus,
   Und oft will es nicht weichen und wanken,
   Oft fehlen wohl selber die Gedanken,
   Da mu man die Sprache recht bei der Wurzel kriegen,
   Aus dem Innersten sprechen, es mag brechen oder biegen.
   So ist es mir schon oft gelungen
   Zu gerathen auf treffliche Vorstellungen.

                                Autor.

   Es ist gewi, die Welt thut jetzt groe Schritte,
   Sie hat die rechten Sieben-Meilen-Stiefeln angezogen,
   Meint man, man ist in der Bildung Mitte,
   So ist man gewhnlich sehr betrogen,
   Sie rennt voraus und immer voraus,
   Man wird verdrlich und geht nach Haus.

                             Bewunderer.

   Somit wre alsdann die Bildung aus,
   Doch hoff' ich, Sie schreiben fr uns noch fleiig.
   Ich mu gestehn, ich ahme Sie nach,
   Habe auch hier bei mir mitgebracht
   Etliche artliche Lieder, an die hundert und dreiig.

                                Autor.

   Ich bitte, da Sie mich entschuldigen mgen,
   Sie anzuhren geht ber mein Vermgen.

                             Bewunderer.

   Nur eins und das andre, Sie werden sich wundern,
   Denn meine Poesie ist ein wahres Kunterbuntern,
   Sie haben mich auerdem begeistert,
   Drum wr' ich gern von Ihnen gemeistert.

                              Er liest.

      Stille, stille,
      Wie die Welle,
      In den Seen
      Blumen stehen,
      An dem Rande,
      Sanfte Bande,
      Und es flimmern
      In den Schimmern,
      Se Tne,
      Ach wie Schne!
      Komm und krne
      Mein Verlangen,
      Denn dein Bangen
      Ist so ferne
      Wie die Sterne,
      Liebesblicke,
      All mein Glcke,
      Binden Flammen,
      Sich zusammen,
      Da sie schwammen,
      Ach die schne Zeit,
         Weit! weit!

                                Autor.

   Ich mu Sie bitten, hier inne zu halten,
   Mir schwindelt vor den vielen Gestalten,
   Die sich so ungenirt entfalten.

                             Bewunderer.

   Nicht wahr, es geht recht kraus durch einander?
   Man sieht gleichsam nur lauter Lichter wandern.

                                Autor.

   Ein ungemein zarter Genius drinne haust,
   Es pat zusammen, wie auf's Auge die Faust,
   Da springen einem auch die Funken und Lichter
   Um so dichtrischer, als man darauf schlgt dichter,
   Da einem Hren und Sehen vergeht
   Und man sich doch vor purem Sehn nicht kann lassen: --
   Da nichts in seinem Zusammenhange steht,
   Das ist die Kunst es zusammen zu fassen.

                             Bewunderer.

   Ganz recht, das ist's eben, was ich von Ihnen lerne,
   Doch eh ich mich noch ergebenst entferne,
   Will ich noch zur zweiten Lektre schreiten
   Und Sie dadurch zur dritten vorbereiten.

                              Er liest.

      Wanke, wanke,
      Mein Gedanke,
      Tnt die Flte,
      Morgenrthe?
      Nein verschwunden
      Sind die Stunden!
      Wiederkehren
      Soll mir gewhren,
      Was ich verloren
      Eh' ich geboren.

                                Autor.

   Ich bitte Sie, ich sinke um,
   Mir wird im Kopfe gar zu dumm.

                             Bewunderer.

   Sie treiben wohl ihr Zuhren bis zur Religion?

                                Autor.

   Ach nein, ich fhle mich krank und matt,
   Mir ist, als mt' ich sterben schon,
   Des Lebens bin ich vllig satt.

                             Bewunderer.

   Ei! ei! das wre ein groer Verlust!
   So haben Sie's wohl auf der Brust?

                                Autor.

   Nein, nein, ich sterbe an meinen Liedern,
   Sie fangen mir an, so zu zuwidern,
   Sie sind mir eine so ekle Speis'
   Da ich mich nicht zu lassen wei.

                             Bewunderer.

   Treiben Sie Ihren Ekel bis zur Religion?
   Erlauben Sie mir jetzt einen andern Ton,
   Jetzt will ich Ihnen lesen, was im Spaen
   In ihrer Manier ich habe gethan.

                                Autor.

   Ach nein, ich bin ein verlorner Mann,
   Ich wei durchaus mich nicht zu fassen,
   Ich mu Sie bitten, mich zu verlassen.

                             Bewunderer.

   Nun nun, ich komme wohl morgen wieder
   Und lese Ihnen noch einige Lieder.
      Frh, frh,
      Ei sieh,
      Durch den Wald,
      Laut erschallt
      Vglein-Stimmen,
      Die verschwimmen
      Wie ein Flimmen
      Durch Gestruche
      Und die Eiche
      Sieht darein,
      Als mt' es so sein.
   Doch jetzt mu ich gehn, denn wenn ich bleibe
   Ich das Abschiednehmen bis zur Religion treibe.

                      Verbeugt sich und geht ab.

                                Autor.

   Ist das der Lohn von allem Bemhen,
   Von allen Fackeln, die wir glauben zu znden,
   Da wir dergleichen Blthen erziehen?
   Wie mu da alle Hoffnung schwinden!
   Wenn man das Rechte will ergrnden,
   Und mchte dringen bis zum innern Kern,
   Hingbe der Gottheit sein Leben gern,
   Die verlornen Geister mit schnem Bestreben,
   Die erstorbne Welt sucht zu beleben,
   So streut man nur Worte in den Wind,
   Die nachher zum Mibrauch gut genug sind.
   O edler Freund, was strebtest du Lucinden,
   Die Gluth dem Volke zu verknden?
   Sie laufen hinzu, und keiner dich kennt,
   Und es hilft kein Rufen: Rhre nicht, Bock, denn es brennt!
   Alle Mhe, alles ernste Ringen,
   Glauben sie besser zu entbehren,
   Sie meinen, es msse im Schlaf gelingen,
   Und stellen sich, als ob sie Titanen wren,
   Und wissen, da selbst Backen und Brauen
   Sich nicht lt mit dem Genie pur zwingen.

                      Ein Weltmann tritt herein.

                              Weltmann.

   Ich komme zu Ihnen mit Freundes-Vertrauen,
   Man hat mir gesagt, da Sie mancherlei dichten,
   Wodurch Sie wollen die Welt bekehren,
   Da mu man sich nach den Umstnden richten,
   Selbst lernen, will man andre belehren,
   Sie fhren aber scheint's, ein eremitisch Leben,
   Und sind wohl gar dem Spekuliren ergeben.

                                Autor.

   Ich will nichts, und mag mir nichts vornehmen,
   Es dient doch nur, es zu verfehlen,
   Man mu nur sich und andre qulen,
   Was hilft es, wilde Steine zhmen,
   Die Zeit des Orpheus ist verflossen,
   Man hlt dergleichen jetzt fr Possen.

                              Weltmann.

   Und auch mit Recht, mein werther Freund,
   Sie kennen die Welt nicht, wie es scheint,
   Sie wollen mit Geisseln drunter schlagen,
   Mit Posaunen wie zum jngsten Tage blasen,
   Doch mu man alles still gewhren lassen,
   Und kommt die Zeit, wird man den Sieg von dannen tragen.

                                Autor.

   Ich mchte mich lieber gleich in die Nichtigkeit ergeben,
   Denn ganz verdrlich fllt mir doch mein Leben.

                              Weltmann.

   Ei warum das! das thut nicht noth,
   Zeitig genug kommt immer noch der Tod,
   Auch mu man schaffen und wirken und thtig sein,
   Denn dergleichen wird immer rthlich sein,
   Nur nicht sich in sich zurcke ziehn,
   Das ist die schdlichste Medizin.

                                Autor.

   Ich verzweifle an allem, keiner versteht mich,
   Unbefangen in der Poesie keiner ergeht sich,
   Mir wird am Ende vor allen Worten bange,
   Jeder Schritt wird mir sauer auf meinem Gange.

                              Weltmann.

   Das macht, weil Sie die Welt nicht studiren.
   Sich nicht auf gehrige Vielseitigkeit appliziren,
   Denn wenn Sie sich selber so eng borniren,
   Das mu sie nothwendig irre fhren.

                                Autor.

   Die Irre! das ist das rechte Wort!
   Wo ist denn nicht zu irren ein Ort?

                              Weltmann.

   Nun, zum Beispiel, wenn man sich das Ganze vorhlt,
   Und, wie schon gesagt, beobachtet die Welt,
   Sich sucht von allen Seiten
   In allen Kenntnissen und Gedanken zu verbreiten,
   In Politik, Statistik, neuer Geschichte,
   Das sind die groen gewaltgen Gewichte,
   Die die Uhr der Welt in Bewegung setzen,
   Die Schleifsteine, die die Ingenia wetzen.

                                Autor.

   Wenn ich die alte Welt mit der neuen messe,
   So hat die neue fr mich kein Interesse.

                              Weltmann.

   Das ist es, wo Sie wieder irren,
   Das macht, weil sie das Interesse verwirren,
   Sie wollen kein reines Interesse haben,
   Sich immer an einem poetischen laben,
   Doch dauert das unmglich auf die Lnge,
   Man kmmt dabei gewaltig in die Enge.

                                Autor.

   Ach leider! bin ich schon in dem Gedrnge,
   Und sehe kein Mittel heraus zu kommen,
   Denn mir ist aller Muth genommen.

                              Weltmann.

   Ei, mein Werther, das mu sich alles fgen,
   Ihr richtiger Verstand wird gewi am Ende siegen,
   Man mu sich nur in die Zeiten schicken,
   So kann es nicht anders, es mu uns glcken,
   Einmal stolziren, und dreimal sich bcken,
   Das glauben Sie mir, so wie nun die Welt ist,
   Ist jetzt zumal das rechte Verhltni.
   Von allem, was da ist, ein wenig erhaschen,
   Und damit anfllen seine Taschen,
   Und mit jedem, den man vorber wandelt,
   Ein bischen mit der vielen Kenntni gehandelt,
   Zur rechten Zeit Allmosen spendirt,
   Und sich bescheiden dazu verneigt,
   Als sollt' es keiner sehn, doch da man es zeigt,
   Dann wieder mit allen Vieren handthiert,
   Gestoen in Hoboen und Posaunen,
   Da rings umher die Leute erstaunen.
   Doch niemals ohne Absicht gelobt,
   Noch weniger drein mit Kntteln geschlagen,
   Denn wer die gute Sache zu strmen strebt,
   Der kommt zu kurz in unsern Tagen.
   Darum bezhmen Sie ihren Unwillen,
   Oder schaffen Sie ihn lieber gnzlich fort,
   Und glauben Sie mir nur auf mein Wort,
   Schon dadurch wird sich manches erfllen.
   Nur frisch gelobt, so lobt man wieder,
   Vereingen sich zum Band die Glieder.
   Und hat man gar den Ruf von bescheiden,
   So loben sie einen mit tausend Freuden,
   Denkt jeder: hlt dich der Mann doch fr klger,
   Am Ende bleibst du immer sein Besieger.
   Hat man nun lange genug geschont,
   So sieht man, wie man oben thront,
   Von allen Seiten Feuerwerke brennen,
   Und jung und alt dann unsern Namen nennen;
   So ist die Welt, doch sind Sie grob,
   Emprt das Grobzeug sich darob,
   Und wenn Sie vollends dabei satirisch,
   Wird all das Mengelmus aufrhrisch,
   Und schreien: wir wollen ihn smmtlich nicht lesen,
   So ist seine Macht auf Erden gewesen.
   Ich bitte, Sie glauben, da ich nicht scherze,
   Und nehmen sich meinen Rath zu Herzen,
   Nur hbsch der Vielseitigkeit sich beflissen,
   Mssen scheinen so ziemlich um alles zu wissen,
   Dazu die liebe Humanitt,
   Die jetzt in allen Kalendern steht,
   So kann es Ihnen bei meiner Seelen
   In unsrer Welt gar niemals fehlen.

                               Geht ab.

                                Autor.

   So will man mir denn alles rauben?
   Soll ich an eine Welt noch glauben?
   Wohl gar noch an die Psychologie
   Und an ein nachahmendes Genie?
   Mir fllt mein ganzes Bewutsein um,
   Steht auf den Kopf und macht mich dumm,
   Da treten die Leute nur flugs herein,
   Und schreien mir zu: so sollst du sein!
   Ich wei mich nicht zu rhren und zu regen,
   Ja wohl ist mir die Welt zu berlegen,
   Ich kann an vielem nehmen kein Theil,
   Tausend Dinge machen mir Langeweil,
   Ich bin so unbeholfen und ungelenkisch,
   Einseitig sehr, noch mehr altfrnkisch. --
   -- Was kommt herauf die Treppe schollern,
   Mit schwerem Tritt herauf sich kollern?
   Warlich, der tritt nicht snftlich nieder,
   Es klingen alle Fenster wieder,
   Es scheint, er trgt Stiefeln mit Eisen beschlagen,
   Wenn der in meine Thr eintritt,
   So sprengt von ihm ein einzger Tritt
   Die Wnde wie die Pfosten ein;
   Was wird der Wirth zu meinen Visiten sagen?
   Da klopft das Ungethm. -- Herein!

                      Der Altfrank tritt herein.

                            Der Altfrank.

   Einen guten Tag, mein junges Kerlein.

                                Autor.

   Du lieber Gott, wer mag der Herr sein?
   Mit diesem langen weien Bart,
   Mit dieser Mtz, seltsamer Art,
   So wunderlich mit Schellen behngt,
   Da jede Bewegung wiederklingt,
   Mit diesem langen tchtgen Knttel,
   Den Dolch in seinem breiten Grtel?

                            Der Altfrank.

   Kennst mich wohl nicht, du kleiner Wicht?

                                Autor.

   Zeitlebens sah ich kein solches Gesicht.

                            Der Altfrank.

   Das wei ich Dir gar wenig Dank,
   So hre denn, ich bin, Gottlob, der Altfrank,
   Der alte Franke, den sie nicht lassen ruhn,
   Sondern wenn sie einmal was Gutes thun,
   Sehn ihren Nchsten in tiefen Nthen,
   Zu Gott dem Herrn inbrnstig beten,
   Wenn Kinder ihre Eltern lieben,
   Die Shne gehorchen, die Tchter in Tugend sich ben,
   So schreit das Volk, mit bsem Maule znkisch:
   Ei seht doch Leute, wie sind sie da altfrnkisch!
   Doch wer nach Huren fleiig geht,
   Den Freund verlumdend auf dem Markte steht,
   Gott's Wort nicht acht't, die Kirchen verhhnt,
   Am liebsten begeht, was am schwersten verpnt,
   Geizt, wuchert, das Geld zusammenscharrt,
   Der ist ein Kerl neumodischer Art,
   Und endlich verzweifelnd stirbt im Tode,
   Der ist ein artiger Mann nach der Mode.

                                Autor.

   Wie bist du nur darauf gefallen
   Mir deinen Besuch zu gnnen vor allen?

                            Der Altfrank.

   Weil du mir immer warst gewogen,
   Warst mir, ohne mich zu kennen, ergeben,
   Magst gern das alte deutsche Leben,
   Das hat mich nun zu dir gezogen.
   Du bist nicht fr das Moderne und Neue,
   Du liebst in der Natur das Weite und Freie,
   In aller Poesie das Volle und Tcht'ge,
   In allem Scherz das Wilde und Flcht'ge.
   Du hassest, was nicht redlich gemeint,
   Du verehrst, was gesund und brav dir scheint,
   Da hrt' ich dich nun aus der Ferne fluchen,
   Das bewog mich denn dich zu besuchen.

                                Autor.

   Du erzeigst mir warlich sehr viel Ehre,
   Wenn ich nur aufgelegter wre,
   So steht es um meine Laune milich,
   Ich bin verstimmt und fast verdrlich.

                            Der Altfrank.

   Ach was, verstimmt! das ist dummes Gezeug,
   Willst du nicht besser reden, so schweig!
   Treibt ber all's in der Welt ein Rsonniren
   Und kann seine eigne Laune nicht regieren?
   Wer heit dich doch von Laune sein?
   Das soll auch so was Neumodsches sein.
   Steht dir der Magen schief, auf frisch
   Setz dich an einen vollen Tisch,
   Ziehn dir die Leut ein schiefes Maul,
   So sei zum Fratzenziehn auch nicht faul,
   Will hndisch Volk dich wild anschrein
   So denk: da schlag' das Donnerwetter drein!

                                Autor.

   So was zu denken ist aber unschicklich.

                            Der Altfrank.

   So was dachten und sagten wir augenblicklich
   Wann uns was Dumms in die Quere kam
   Und sich zu viel herauer nahm.

                                Autor.

   Dafr sind wir auch besser erzogen.

                            Der Altfrank.

   Halt's Maul, denn das ist doch erlogen.

                                Autor.

   Ihr seid ein rauher, barscher Mann,
   Ich bitte ergebenst, fahrt mich nicht so an.
   Ihr habt gar keinen geselligen Ton
   Und seid der Grobheit zu sehr gewohnt,
   Man kann doch friedlich und freundlich sein,
   Und braucht nicht wie ein Br zu schrein.

                            Der Altfrank.

   So ist nun meine Art zu sprechen,
   Ich thu die Zhne weit auseinander brechen,
   Geh du mit deiner schwernoths Redensart,
   Holunken nur die murmeln in den Bart.

                                Autor.

   Treten Sie nur nicht meiner Ehre zu nah,
   Sonst mu ich Sie bitten, sich zu entfernen,
   Ich mchte nicht gerne mit Ihnen lrmen,
   Weil ich Sie heut zum erstenmal sah,
   Drum gehn Sie lieber fort im Stillen,
   Hab' auerdem schon meine Grillen.

                            Der Altfrank.

   Die werden aus deiner Narrheit quillen.
   So halt' doch, Kerl, die Nase in die Hh!
   Wann sah man einen Deutschen je
   Also die Schuh besehn und granzen,
   Auf so erbrmliche Weis' gramanzen?
   Hast ehrlichs Blut und bist kein Schuft,
   Schau dreist hinein in die freie Luft,
   Thu' mit Beinen strampfen, mit Hnden handthieren,
   Und steh nicht als gingst gewhnlich auf Vieren,
   Als wr dein Aufrechtwandeln Ausnahme nur
   Und gegen deine hndische Natur.
   Die Sonn' schaut auf dich, so schau sie auch an,
   Die Sterne betracht, so hast du wohl gethan,
   Erwge in deinem herzhaften Gemthe,
   Wie du und alles nur mancherlei Blthe,
   Und alles in einem groen Stamme steht
   Zurck in Gottes Krfte geht.
   Doch bist du allzusehr verdrossen
   Und steckst voll dummer irdscher Possen,
   So steck die Nas' in ein gutes Buch,
   So wirst du wieder gesund und klug,
   Da schau von unserm deutschen Mann
   Das Gedicht vom Faust mal wieder an,
   Da liegt fr dich noch manch Verstndni,
   Wovon viel Hundert nicht haben Kenntni:
   Und willst mal recht in die Tiefe schauen
   In allen Sinnen dich erbauen,
   Den Wein des Lebens schlrfen ein,
   So recht im Frhling heimisch sein,
   Wo aus allen Blthen Nachtigallen
   Und tausendfach Gesnge schallen,
   Unendlichfach die Geister quallen,
   So hab dir ja ein Buch erschlossen,
   Wo schon manch Himmelsstunde hast genossen,
   So gab ich dir noch auer Gthe,
   Auroram, jene Morgenrthe,
   Von dem Propheten, den sie schelten,
   Dem aufgeschlossen alle Welten,
   Des heilger unentweihter Mund
   Der Gottheit Tiefe hat verkundt,
   Den groen deutschen Jakob Bhme,
   Da er von dir die Schwermuth nhme,
   Jedwedes Wort in ihm dir lacht,
   Und all umzogen mit Glanz und Pracht,
   Er hat durchaus sich gesponnen ein
   In eitel Glori und Heiligenschein. --
   Nun sprich, was fehlt in der Welt dir noch,
   Da du mrmelst und brmmelst verdrossen doch?

                                Autor.

   Das alles will nicht recht erklecken,
   Es fehlt mir noch an hundert Ecken,
   Ich bin ungeschickt und ungewandt,
   Interessire mich nicht fr Welt und Land,
   Bin immer auf meine Vorstze erpicht
   Und habe kein recht Welt-Interesse nicht,
   Drum kann ich auch in meinem Leben
   Nie so recht Red' und Antwort geben,
   Von vielen guten Wissenschaften
   Will nichts in meinem Gemthe haften,
   Und kurz, ich bin mit meiner Seele
   Auf so gar wenig eingeschrnkt,
   Worauf sie ewig sinnt und denkt:
   Das ist es, worber ich mich qule.

                            Der Altfrank.

   Ei was! das ist eine schlechte Art
   In alles seine Nase zu stoen,
   Bei sich zu fhren eine Taschen-Allgegenwart,
   Und doch vom Kleinen wie von dem Groen,
   Das Rechte nicht zu wissen und zu erkennen,
   Und pur die Dinge mit Namen zu nennen.
   Auch will es sich nicht schicken und fgen,
   Das Universum in den Kopf zu kriegen,
   Bleibt doch jeder nur sein eigen.
   So schau die Bume mit ihren Zweigen,
   Schau Blumen an und alle Pflanzen,
   Sie sind die Theile des groen Ganzen,
   Doch jedes prangt in seiner Schne,
   Ins Fremde kein's hinber schweift
   Das Widerwrtge nie ergreift,
   Fr sich bestehn die mannichfaltgen Tne,
   Wollte sich Natur in Eins einrhren,
   Mte dann das Chaos zurcke fhren.
   Die Schpfung hat sich dadurch nur geboren,
   Weil jede Kraft sich aus dem Ganzen verloren,
   Und einzeln das Ganze figurirt:
   Der Mensch ward aus allen Theilen formirt,
   Innewohnend in ihm sind alle Geister,
   Drum ist er der Natur auch Meister,
   Doch hat er in sich einen Klang,
   Der tief sein Wesen ganz durchdrang,
   Wenn er den Ton nun wieder hrt,
   Wird gleich sein Innres ganz emprt,
   Alle Geister steigen auf in die Erinnrung,
   Der Ewigkeit Strahlen fallen in die Dmmrung.
   Er strebt in seine alte Wurzel zurck,
   Und erhascht seines Lebens Silberblick:
   So hat jedwedes in aller Natur
   Seine eigne bestimmte Signatur.
   Dich treibt es liebend zu umfassen,
   Was die meisten um dich verachten und hassen,
   So la denn deinem Geiste Raum
   Und bilde fertig deinen Raum,
   La dir den Muth niemals entgehn,
   Willst du nur sehn, so wirst du sehn,
   Dann glnzet dir im sen Geisterlichte,
   Die du gewnscht, die himmlischen Gesichte.

                                Autor.

   Und dann fhl' ich mich wieder so verloren,
   Da ich mir diese Liebe auserkohren;
   Hlt nicht fast jeder mich fr einen Thoren?
   Sie wollen nichts von dergleichen Dingen wissen,
   Und weit entfernt, da sie sind hingerissen,
   Noch mehr, da sie sich sollten darnach sehnen,
   So sitzen sie nur und ghnen.
   Wie soll das einen nun wohl strken,
   Wenn sie einen Autor gar nicht bemerken?
   Das ist doch wohl noch zu verzeihn
   Da man will gern verstanden sein.

                            Der Altfrank.

   Was nimmst du das nur so genau,
   Ob sie hei oder kalt sind, oder lau?
   Kannst sie doch nicht bei Haaren ins Verstndni reien,
   Nicht bei den Ohren hinberzerrn?
   Da sich um dich nicht kmmern die meisten,
   Das glaub' ich dir von Herzen gern,
   Allein das mu dich nicht bekmmern.
   Schreib's dir und deinem Sinne recht,
   Thu dich des Besten stets befleien,
   Und sei den Musen ein wrdger Knecht,
   So mags dann funkeln oder flimmern.
   Mgen sie dich tadeln oder loben,
   Das Gute bleibt am Ende oben.

                                Autor.

   So will ich mich denn niedersetzen
   Und ohne weiters mich ergtzen,
   Meine alte Arbeit wieder suchen,
   Und nicht mehr auf die Zeiten fluchen.

                            Der Altfrank.

   Das wird dir immer ntzlich sein,
   Auch will ich mich darber freun,
   Wann du zu Stande bringst was Tchtigs,
   Was Gutes, Groes und was Wichtigs;
   Erwrme dein Herz in alter Liebe,
   Erwecke in dir die alten Triebe,
   Wenn dir die neue Zeit nicht gefllt
   So gedenk der braven alten Welt,
   Mit Andacht geh zu den alten Ruinen,
   Die auf den hohen Bergen verwittern,
   Sie schaun dich an mit wehmthigen Mienen
   Und erzhlen dir von Thaten und Rittern,
   Besuche zumal die Wald-Kapellen,
   Wo sich heilge Geschichten vor dich stellen,
   Die alte katholische Religion,
   Als sie noch schmckte ihren Thron,
   Und schner die Welt durchstrmte,
   Ein selger Tod die Mrtrer krnte:
   Als deutsche Freiheit noch stolzirte,
   Vor ganz Europa hell pranchirte,
   Das alles magst du khnlich preisen
   Verkndigen in vollen Weisen,
   Was sonst erregte deinen Muth,
   Beseligte in Adern dein Blut,
   Lebt nicht noch alles in einzeln Spuren,
   Wandelst nicht noch auf denselbigen Fluren?
   Willst du ein Deutscher sein geacht't,
   Verknd' der Deutschen Stolz und Macht,
   La all das eitle Gewsch und Gramanzen
   Den Welschen oder flchtigen Franzen.
   Sei stolz, wie's einem Deutschen ziemt,
   Der seines Vaterlands sich rhmt,
   Der erkannt der alten Zeiten Adel,
   Die groen Mnner ohne Fehl und Tadel,
   Thu dann, was du schon lang gewollt,
   Was du auf mein Gehei schon lngst gesollt,
   Versuch es in lebendgen Bildern
   Die verwilderte Zeit zu schildern,
   Die die letzte deutsche war,
   Den heilgen Krieg der dreiig Jahr
   Das theure Mutterland verheerte
   Und seine letzte Kraft verzehrte,
   Dies stell in mancherlei Schauspiel dar:
   Da du der Mitwelt mgest geben,
   Erinnerung und Denkmal von deinem Leben.

                                Autor.

   Deine Worte erwecken die alte Lust,
   Den sonstgen Trieb in meiner Brust;
   Den Vorsatz will ich treu bewahren,
   Ich lasse Furcht und Zweifel fahren,
   Magst du nur ferner mein gedenken,
   Und mir, du treuer Mann, deine Liebe schenken.

                            Der Altfrank.

   Du hattest immer zu mir begehrt,
   Drum hab' ich deinen Wunsch gewhrt,
   Du hast mich endlich mit Augen gesehn
   Und darfst nun ber mich Rede stehn;
   Doch hr' ich dich wieder aus der Fern
   Wie ein Kindlein winseln, schrein und plrrn,
   Ueber Recensenten und Kritiker klagen,
   Dich mit Wehmuth und Demuth und Dummmuth plagen,
   So sag ich mich gnzlich von dir ab;
   Dann magst du andre Freunde treffen,
   Die mgen dich ngstigen oder ffen,
   Und stoen dich in die Grube hinab.
   Dann such in der Aufklrung Schutz und Schirm,
   Und treib' es wie das modernste Gewrm:
   Sieh ber das Bessere hhnisch hinweg
   Und liege bei Memmen und Narren im Dreck.

                          Geht stampfend ab.

                                Autor.

   Ein schwerer Fluch, den da der grobe Mann
   Gesprochen hat, ein frchterlicher Bann:
   Mu denn das Alte grob stets sein?
   Das will mir doch bei alledem nicht ein.
   Er meint am Ende, die rechte Witzesart
   Liege in dem verteufelt groben Fischart:
   Und wollt' ich davon das Bescheidenste schreiben,
   So wrde mir kein honetter Leser bleiben. --
   Das Feuer im Ofen brennt hell und knistert,
   Als wollt es den ganzen Ofen sprengen:
   Mir ist als ob es mit Stimmen flstert,
   Als lste der Ofen sich in Gesngen:
   Wenn alles Poesie und Musik noch wird,
   Gestaltet sich die Welt doch zu verwirrt. --
   Ich sehe den Ofen in seiner Basis wackeln,
   Es springen, meiner Seel, die Kacheln,
   Dampf und Gestank erfllt das Zimmer
   Und drinne steht ein Frauenzimmer.

             Der falsche Ruhm tritt aus dem Ofen heraus.

                                Autor.

   Wer bist du wunderbares Bild?
   Sag an, was du von mir haben willt,
   Mir steigt der Dampf in alle Sinnen,
   Ich mchte fort, kann nicht von hinnen.

                            Falscher Ruhm.

   Ich bin der Ruhm, der die Welt durchkreuzt,
   Der alle Helden mchtig reizt,
   Der Lohn fr alle Arbeit,
   Ich wohn' in Licht und Klarheit,
   Wo Feuer brennt, da brenn' auch ich,
   Drum kam ich aus dem Ofen suberlich
   Mit meinen Krnzen dir entgegen
   Dir zu ertheilen meinen Segen.

                                Autor.

   Doch deine Krnze, mit Verlaub,
   Bestehn ja nur aus drrem Laub.

                            Falscher Ruhm.

   Du Thor, geht man durch Feuer risch,
   So bleibt das grne Laub nicht frisch.

                                Autor.

   Wie kannst denn du der Ruhm doch sein?
   Ich dachte, der wohnte im lichten Schein,
   So kmmst du her in Qualm und Gestank,
   Das macht mir doch etwas mein Herze bang.

                            Falscher Ruhm.

   Nicht viel gezweifelt; ich hasse das Licht,
   Denn weil ich, leider, beim Lichte besehn,
   So gar sehr reizend bin eben nicht,
   So will ich lieber im Qualme stehn:
   Was du Gestank thust bslich nennen,
   Das ist ja eben mein Geruch,
   Woran die Menschen mich erkennen,
   Und der mir anzieht die Menge genug.
   Nun sprich, ich habe nicht Zeit zum Hnseln,
   Denn ich bin immer in Thtigkeit,
   Hier und da zu krnen treffliche Leut,
   Steht einer dir an von meinen Krnzen?

                                Autor.

   Sie sind aber alle voll Staub und Aschen.

                            Falscher Ruhm.

   Ich flle den Kopf nicht, sondern die Taschen,
   Geld mut du haben, willst du was gelten,
   Das Gold hat immer sehr gegolten,
   Dann mgen sie um dich lrmen und schelten,
   Eine volle Tasche wird nimmer gescholten.
   Willst dich zu meinem Dienst bequemen,
   So mut dich weder erzrnen noch schmen,
   Mut nie an keine Herrlichkeit glauben,
   Noch weniger dich mit Andacht verschrauben,
   Die Menge ist deiner Gottheit Stimme,
   Je dummer du mengst, je grer deine Menge,
   Und stehst du recht dicht im groen Gedrnge,
   So frchtest du dich vor keinem Grimme.
   Schau an, wie lieblich jetzt die Welt,
   In der Armuthseligkeit ist bestellt,
   Es fehlt ihnen allen von Osten nach Westen,
   Von Norden nach Sden an dem Besten,
   Drum wer die Leute halbwege ergtzt,
   Wird gleich in alle Sprach bersetzt,
   Noch niemals hatt' es ein Dichter kommoder,
   Fehlt ihm auch gnzlich der Menschenverstand,
   Sein Ruhm geht doch von der uersten Oder
   Bis an des Mittelmeeres Strand;
   Es kommen gelaufen die Irren und Britten,
   Der Poesie zu Enge Lnder und demthig bitten
   Sie dich und reichen genuine Guineen
   Fr sehr ungeniete Genien,
   Und sprechen: sei unser Shakespeare,
   Wir sehn, der unsrige ist ein Ksebier,
   Flugs wirst der berhmte Shakspeare du,
   Und wrst Du selber der Kotzebue.

                                Autor.

   Das Ding ist wahrlich so bel nicht,
   Wenn du mir hltst, was dein Mund verspricht.

                            Falscher Ruhm.

   Du mut nur, wenn es dir soll glcken,
   Dein Vorurtheil gegen den Dampf ersticken.

                                Autor.

   Wenn mich der Dampf nicht wird ersticken.

                            Falscher Ruhm.

   Der mu dein Element ja werden,
   Dann wandelst du auf dieser Erden,
   Als der berhmte groe Hans Dampf,
   Und berstanden ist aller Kampf,
   Die meisten halten's doch fr Rauch,
   In dem ja lebten die Gtter auch.

                                Autor.

   Was hr' ich oben fr ein herrlich Singen,
   Das durch das ganze Lustrevier erschallt?
   Es ist, als ob die Tne widerklingen
   Aus einem grnen Vgelvollen Wald,
   Und wie sie kommen se Dfte schwingen
   Hernieder sich, und gaukelnd mich umwallt
   In allen trunknen Sinnen die Bemeistrung,
   Ich mchte sagen fast, das ist Begeistrung.
   Ich seh das Dach sich oben wieder spalten,
   Das Haus mu heute wahrlich untergehn,
   Wie sich die Bretter alle dort entfalten
   Dringt durch sie her ein heller Lichtstrahl schn,
   Es brechen nieder mchtige Gestalten,
   Und fahren aus dem lieblichen Getn,
   Verwirrt wei ich mich wahrlich nicht zu fassen,
   Wo soll ich alle die Besuche lassen?

         Der wahre Ruhm schwebt von Genien getragen herunter.

                                Autor.

   O holdes Bild, ich strze in die Knie,
   Und bete zu dir im andchtgen Schweigen,
   Mein Herz erhebt sich, und noch nimmer, nie
   Sah ich die Majestt, wie du sie zeigen
   Mir willst in deinem Glanz, ich ehre sie
   Und mchte gern dir zugehren eigen,
   Mit Zittern ist das andre Bild entwichen,
   Es ist vor deinem vollen Glanz erblichen.

                              Der Ruhm.

   Nicht da du wirst von Thoren laut gepriesen,
   Nicht da die Welt, die eitle, dich verehrt,
   Nicht da du Schmeichler siehst zu deinen Fen,
   Da man dein Lob von allen Zungen hrt,
   Nicht Lohn und Gold hat sich als Ruhm erwiesen,
   Es hat dein eignes Herz dich schon belehrt,
   Da nur im Innern dir der wahre Ruhm,
   Ist dir dein Ziel und Streben Heiligthum.

   Und wollen sie dich hhnen und verkennen,
   Fllt dir auch nur ein mittelmig Loos,
   Will auch die Welt nicht deinen Namen nennen,
   Dnkt sich der Thor auch ber dir und gro;
   Wird nur im Herzen dir die Flamme brennen,
   Hegt dich die Andacht nur in ihrem Schoo,
   So blht im Herzen dir die goldne Blume,
   Auch ungekannt wohnst du im hohen Ruhme.

                                Autor.

   Die heut'gen Stunden will ich nie vergessen,
      Sie sollen tief in meinem Innern blhen,
      Nie will ich mich im Uebermuth vergessen:
   Ja ewig will ich, heilge Kunst dir glhen,
      Kein fremdes Bild soll in mir auferstehen
      Und von der vorgesetzten Bahn mich ziehen.
   Ich sehe vor mir wundervolle Hhen,
      Nach ihnen sei der feste Schritt geleitet,
      Und sollte rings um mich die Welt vergehen.
   Was thuts, wenn Pbel hinter mir auch schreitet,
      Sein Wthen mir den Weg verkmmern will,
      Von einem sen Licht bin ich geleitet.
   Die ewgen Strme werden nimmer still.
      Der freche Hohn sinkt unter bald in Schweigen,
      Die Nacht nimmt ihn in ihre schwarze Hll'.
   Bald mu das schne Morgenroth sich zeigen,
      Es dmmern schon die wolkigen Gestalten,
      Die Finsterni mu sich hinunter neigen. --
      Dann bitt ich noch: nicht Spa fr Ernst zu halten.




Anmerkungen zur Transkription


Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im
Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind,
wurden ^so^ und Bhnenanweisungen ~so~ markiert.

Die variierende Schreibweise des Originales wurde weitgehend
beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert,
teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben, wie hier aufgefhrt
(vorher/nachher):

   [S. 5]:
   ... standen auf den Tafeln, und eine schne schne Musik ...
   ... standen auf den Tafeln, und eine schne Musik ...

   [S. 15]:
   ... er legte ihn nun auch ein schnes Gebi an, und putzte ...
   ... er legte ihm nun auch ein schnes Gebi an, und putzte ...

   [S. 24]:
   ... mchte, schlug ihm ein anderer von den Rthen zu Boden, ...
   ... mchte, schlug ihn ein anderer von den Rthen zu Boden, ...

   [S. 25]:
   ... ich will dem tapfern Reinold die Steinkippe geben, ...
   ... ich will dem tapfern Reinold die Steinklippe geben, ...

   [S. 25]:
   ... zum ehelichen Gemal geben, wenn er mir solches verpricht. ...
   ... zum ehelichen Gemal geben, wenn er mir solches verspricht. ...

   [S. 25]:
   ... da das Schlo Montalban heie und Reinold angegehre, ...
   ... da das Schlo Montalban heie und Reinold angehre, ...

   [S. 34]:
   ... und ging auf Reinhold zu. Er hatte weie Haare und ...
   ... und ging auf Reinold zu. Er hatte weie Haare und ...

   [S. 35]:
   ... hatte, da fielen ihm seine goldene Sporen ein, die ihm ...
   ... hatte, da fielen ihm seine goldenen Sporen ein, die ihm ...

   [S. 45]:
   ... Hab' ich ihn doch von jeher nichts als lauter ...
   ... Hab' ich ihm doch von jeher nichts als lauter ...

   [S. 51]:
   ... die Malegys gebracht hatten, hielten sich sehr tapfer, ...
   ... die Malegys gebracht hatte, hielten sich sehr tapfer, ...

   [S. 56]:
   ... sie flohen oder umkamen, und Risart war wieder frei, ...
   ... sie flohen oder umkamen, und Ritsart war wieder frei, ...

   [S. 61]:
   ... so viel gute Worte ihn auch Reinold gab, worber ...
   ... so viel gute Worte ihm auch Reinold gab, worber ...

   [S. 64]:
   ... fangen, denn es geht meinen Herzen gar zu nahe. Da ...
   ... fangen, denn es geht meinem Herzen gar zu nahe. Da ...

   [S. 69]:
   ... Begebenheiten und groe Thaten und den hchsten ...
   ... Begebenheiten und groe Thaten zu den hchsten ...

   [S. 73]:
   ... Reymond zu seinem Herrn Vetter sagte: wir sind in ...
   ... Reymund zu seinem Herrn Vetter sagte: wir sind in ...

   [S. 77]:
   ... mit der grten Behendigkeit von Pferde herunter ...
   ... mit der grten Behendigkeit vom Pferde herunter ...

   [S. 146]:
   ... Tafel gelesen hatte; konnte er sich nicht genug darber ...
   ... Tafel gelesen hatte, konnte er sich nicht genug darber ...

   [S. 147]:
   ... da der ganze Thurm erbebte und er soglich todt war. ...
   ... da der ganze Thurm erbebte und er sogleich todt war. ...

   [S. 275]:
   ... Sie Sind wohl auch ein Schriftensteller. ...
   ... Sie sind wohl auch ein Schriftensteller. ...






End of the Project Gutenberg EBook of Schriften 13: Mrchen / Dramatische
Gedichte / Fragmente, by Ludwig Tieck

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THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
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While we cannot and do not solicit contributions from states where we
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against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
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outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
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Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
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