The Project Gutenberg EBook of Mitteilungen aus dem germanischen
Nationalmuseum. Jahrgang 1896, by Various

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Title: Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1896

Author: Various

Release Date: January 14, 2016 [EBook #50917]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MITTEILUNGEN AUS DEM ***




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                             Mitteilungen
                 aus dem germanischen Nationalmuseum.


                            Jahrgang 1896.

                            [Illustration]

                           Nrnberg, 1896.
              Verlagseigentum des germanischen Museums.

                             Mitteilungen
                               aus dem
                     Germanischen Nationalmuseum
                            herausgegeben
                           vom Directorium.

                            JAHRGANG 1896.

                           MIT ABBILDUNGEN.

                           NRNBERG, 1896.
              VERLAGSEIGENTUM DES GERMANISCHEN MUSEUMS.




                      Register zum Jahrgang 1896
                                 der
          Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum.


   Ein vergessener Schler Albrecht Drers, von Dr. Alfred             3
      Bauch
   Aus der Plakettensammlung des germanischen Nationalmuseums,  15 u. 97
      von Dr. F. Fuhse. I. II.
   Oswald und Kaspar Krell, von Dr. Th. Hampe                         23
   Zu Baldungs Madonna mit der Meerkatze, von Dr. Edm. Braun          28
   Der Meister der Nrnberger Madonna, von Gustav von Bezold          29
   Das Gedenkbuch des Georg Friedrich Bezold, Pfarrers zu             32
      Wildenthierbach im Rothenburgischen, von Dr. Th. Hampe
   Die letzten Tage des Malers Georg Pentz, von Dr. Alfred            43
      Bauch
   Initialen in Holzschnitt von dem Rechenmeister Paulus Frank        49
      (um 1600), von Dr. Th. Hampe
   Albrecht Drer und der Rahmen des Allerheiligenbildes, von         53
      Karl Schaefer
   Deutsche Pilgerfahrten nach Santiago de Compostella und das        61
      Reisetagebuch des Sebald Oertel (1521-22), von Dr. Th.
      Hampe
   ber ein Prosatrakttlein des Hans Folzens von der                 83
      Pestilenz, v. Dr. Th. Hampe
   Eine Nrnberger Labyrinthdarstellung aus dem Anfange des           91
      16. Jahrhunderts, von Dr. Edmund Braun. I.
   Notiz ber Drer aus den Nrnberger Ratsprotokollen, von           96
      Dr. Th. Hampe
   Das Nrnberger Mnzkabinet des Freiherrn Joh. Christ. Sigm.       108
      von Kre, von Dr. K. Schaefer
   Friesische Huser auf den Halligen, von Dr. Eugen Traeger         112
   Drer. Kleine Mitteilungen, von Dr. F. Fuhse                      120
   Das schleswig-holsteinische Frontale im germanischen              121
      Museum, von Gustav Brandt
   Geschnitzte friesische Thren im germanischen Museum, von         130
      Dr. Eugen Traeger
   Das Bildnis des Hans Perckmeister, von Dr. Hans Stegmann          134




             Ein vergessener Schler Albrecht Drers[1].


In der Gemldegallerie des Germanischen Nationalmuseums befindet sich
unter Nr. 273 ein Bildnisdiptychon, das, wie aus dem rckseits
angebrachten Familienwappen zu entnehmen ist, den Nrnberger Brger Hans
Straub und seine Gattin Barbara Pirkheimer darstellt[2].

                            [Illustration]

Die Straube waren eine Kaufmannsfamilie, deren Ahnherr Bernhard Straub
im Jahre 1495 in Nrnberg das Brgerrecht erwarb[3] und spter Genannter
des greren Rats wurde[4], womit seine Familie in den Kreis der
Nrnberger ehrbaren Geschlechter eintrat. Einer seiner Shne, der
obengenannte Hans Straub vermhlte sich am 8. Februar 1518 mit Barbara,
der jngsten Tochter des Nrnberger Staatsmanns und Gelehrten Wilibald
Pirkheimer und dessen Gemahlin Crescentia Rieter[5]. Die Pirkheimer
fhrten eine Birke, die Rieter ein Meerweib im Wappenschilde. In der
goldenen Halskette, mit der Barbara auf dem Bildnis geschmckt ist,
wechseln diese Wappenfiguren mit einander ab; die Kette war also sicher
ein Familienerbstck, das Barbara aus dem Nachlasse ihrer (1504)
verstorbenen Mutter zugefallen war.

[Funote 1: _Anm. der Redaktion._ Die Urheberschaft des Georg Schlenk an
dem Bilde Germ. Mus. Nr. 273 ist zwar mit den folgenden Ausfhrungen
nicht zweifellos erwiesen, wir glaubten aber, eine weitere Untersuchung
der Frage durch Aufnahme des Artikels ermglichen zu sollen, der neben
dem im engeren Sinne kunstgeschichtlichen, auch manichfaches
kulturgeschichtliches Interesse bietet.]

[Funote 2: Vorzglich entworfene Wappen der Familien Straub und
Pirkheimer im Wappenbuch der Nrnberger Geschlechter vom Jahre 1583. M.
S. 144/159 im k. Kreisarchiv Nrnberg.]

[Funote 3: Brgerbuch M. S. 230, Fol. 13r]

[Funote 4: Ratsgang M. S. 105, Fol. 64b]

Wie die Aufschriften des Diptychons besagen, wurde es im Jahre 1525
gemalt. Das Monogramm des Knstlers fehlt. Die Portrts rhren aber
zweifellos von einem Maler her, der sich an Drer gebildet hatte; sie
wurden daher der Schule Drers und insbesonders dem Maler Georg Pentz
zugewiesen[6].

Von bekannten Nrnberger Malern aus Drers Schule kmen auer Pentz noch
die beiden Brder Hans Sebald und Barthel Beham in Frage; allein im
Jahre 1525, wo die Bildnisse entstanden sind, knnen die drei Maler
berhaupt nur verschwindend kurze Zeit in Nrnberg thtig gewesen sein.
Im Winter 1524 auf 1525 hatte es der Nrnberger Rat mit einer
gefahrdrohenden Bewegung religiser und sozialistischer Natur zu thun.
Unter den Aufwieglern befanden sich auch Pentz und die beiden Beham, die
sogenannten drei gottlosen Maler. Sie wurden Anfang Januar 1525
gefnglich eingezogen und dann zur Strafe aus der Stadt gewiesen[7]. Die
Verbannung wurde wahrscheinlich in der blichen Weise gegen sie
ausgesprochen, da sie nur in einer Entfernung von einer bestimmten
Anzahl Meilen sich niederlassen durften. Nachdem die drei Maler hierauf
wiederholt vergebens um Erla der Strafe gebeten hatten, wurde zunchst
dem Maler Pentz vom Nrnberger Rate gestattet, in der Stadt Windsheim,
die von Nrnberg zwlf Stunden entfernt ist, seinen Wohnsitz zu
nehmen[8]. Schlielich aber erhielten alle drei Maler auf Frbitte
Melchior Pfinzings, des Probstes von St. Sebald, Verzeihung: es wurde
ihnen durch Ratsbeschlu vom 16. November 1525 erlaubt, wieder
zurckzukehren[9]. Hiernach knnen also die Maler kaum vor dem 19. oder
20. November nach Nrnberg zurckgekommen sein; und da nach damaliger
Rechnung das Kalenderjahr mit dem 24. Dezember abschlo[10] so ist es an
sich schon wenig wahrscheinlich, da gerade in dieser kurzen Zeit am
Ende des Jahres 1525 beide Portrts von der Hand eines dieser Maler
geschaffen sind.

[Funote 5: Ratsbuch 11, Fol. 121a: Item herrn Wilbolten Birkhaimer sind
vergonnt zu seiner tochter junkfrauen Barbara vorhabenden hochzeit mit
Hans Strauben, Ber(n)hardin Strauben sun, auf montag nach Dorothee
schirst der stat pfeiffer, auch das rathaus zum tantz und schenk. Actum
secunda post Anthonii XVIII (1518). -- Nrnberger Geschlechterbuch M. S.
164, II. Band. Fol. 75a.]

[Funote 6: Gemldekatalog des Germanischen Nationalmuseums vom Jahre
1887 unter Nr. 255 und vom Jahre 1893 unter Nr. 273.]

[Funote 7: Die Prozeakten sind verffentlicht von Theoder Kolde,
Beitrge zur Reformationsgeschichte. Leipzig 1888. Separatabdruck aus
den Kirchengeschichtlichen Studien, S. 228-250. Vgl. auch Friedrich
Roth, die Einfhrung der Reformation in Nrnberg, Wrzburg 1885, S. 250
ff. -- Die Ausweisung der drei gottlosen Maler erfolgte Ende Januar
1525: Der Proze begann am 10. Januar 1525, am 12. Januar saen bereits
alle drei Maler im Gefngnis und blieben darin fnfzehn Tage, wie dies
aus einem Beleg zur Stadtrechnung 1524/25 hervorgeht: Lochhueter quarta
Brigite (1. Februar) 1525. Barthel Beham hat 15 tag ... 6 [Pfund].
Sebold Peham hat 15 tag ... 6 [Pfund], Jorg Pencz hat 15 tag ... 6
[Pfund]. -- Das Pfund wurde gleich 30 Pfennigen gerechnet.]

[Funote 8: Briefbuch Nr. 39, Fol. 239r und 240a. Der Brief ist datiert
von sontags 28. may 1525.]

[Funote 9: ber die Zeit, wann es den drei gottlosen Malern gestattet
wurde, wieder nach Nrnberg zurckzukehren, finden sich in der
kunstgeschichtlichen Litteratur nur vage Vermutungen. Vgl. Adolf
Rosenberg, Sebald und Barthel Beham, zwei Maler der deutschen
Renaissance, Leipzig 1875, S. 11, und S. K. Wilhelm Seibt, Hans Sebald
Beham, Maler und Kupferstecher und seine Zeit, Frankfurt a. M. 1882, S.
13. -- Bestimmte Nachricht gibt ein Ratsverla: Quinta Ottmari 16.
novembris 1525. Auf herrn Melchior Pfintzings, brobst, furpeth Sebolt
und Bartholmes den Behaim und Jrg Benntz, maler, ir straf von der stat
begeben mit dem beding, das man ein sonder achtung und aufsehen haben
woll, wie sy sich halten werden; und sover sy sich voriger weis
unschicklich halten werden, woll man sy wider von hinnen weysen. --
Burgermeister. -- Ratsmanuale 1525/26, Heft 8 Fol. 11a. -- Vgl. hierzu
Th. Kolde, Andreas Althamer der Humanist und Reformator in
Brandenburg-Ansbach, Erlangen 1895, S. 17, Anm. 3.]

Doch noch ein weiterer Umstand spricht gegen die Autorschaft eines der
genannten drei Maler: weder bei Pentz, noch den beiden Beham lassen sich
irgendwelche Beziehungen zu der Familie Straub oder Pirkheimer
feststellen.

Wohl aber ist dies der Fall bei einem anderen Maler, der nicht blo wie
Pentz und die Brder Beham wegen der Malweise der Schule Drers
beizuzhlen ist, sondern auch _dokumentarisch_ sich als Schler Drers
nachweisen lt[11]. Wir meinen den Maler, dessen in einem Verla des
Nrnberger Rats vom 8. Oktober (sabbato post Francisci) 1524 mit den
Worten Erwhnung geschieht:

   Albrecht Durers Knecht Jergen, der sein Mayd zur Ehe genommen,
   um 2 Guldin Werung zu Burger auffnemen.

                                                         H. Volkamer.

Unter diesem Knechte wurde bisher Georg Pentz verstanden[12]. Pentz aber
hatte bereits am 8. August 1523 und zwar gegen eine Aufnahmegebhr von
vier Gulden in Nrnberg das Brgerrecht erworben[13], und seine Frau
hie Margareta, whrend doch Drers Magd, wie bekannt, den Vornamen
Susanna fhrte[14]. Demnach kann Pentz unmglich mit diesem Knecht Georg
identisch sein.

[Funote 10: Dies ist aus den Daten der Ratsverlsse in den Nrnberger
Ratsmanualen zu entnehmen. Erst vom Jahre 1558 ab wurde in Nrnberg das
neue Jahr vom 1. Januar an gerechnet. Vgl. auch Edmund Goetze, Hans
Sachsens Gemerkbchlein in der Festschrift zur Hans Sachs-Feier,
gewidmet vom Herausgeber und Verleger der Zeitschrift fr vergleichende
Literaturgeschichte, Weimar 1894, S. 49 und 50.]

[Funote 11: Sonst gibt es nur noch einen dokumentarisch beglaubigten
Schler Albrecht Drers, den Malerjungen Friedrich, den der Kurfrst
Friedrich von Sachsen zu Drer in die Lehre gab. Er war bei Drer in den
Jahren 1501/2. C. Gurlitt, zur Lebensgeschichte Albrecht Drers, in dem
von H. Thode und H. von Tschudi redigierten Repertorium fr
Kunstgeschichte, 1895, Hand XVIII, Heft 2, S. 112.]

[Funote 12: Moritz Thausing, Drer, Leipzig 1884. II. Band, S. 262.
Anton Springer, Albrecht Drer, Berlin 1892, S. 143, spricht von nheren
Beziehungen, die Georg Pentz mit dem Drerschen Hause unterhielt. -- Das
kann nur auf diesen Knecht Georg zielen. Friedrich Leitschuh, Albrecht
Drers Tagebuch der Reise in die Niederlande, Leipzig 1884, S. 125 Anm.
zu S. 60, Z. 9. -- K. Lange und F. Fuhse, Drers schriftlicher Nachla,
Halle a. S. 1893, S. 126. Anm. 2.]

[Funote 13: Brgerbuch de 1456-1534, M. S. 237, Fol. 122a.]

Den Familiennamen des Knechtes Georg erfahren wir aus dem Brgerbuche,
wo unter anderen neu aufgenommenen und vereideten Brgern zum selben
Tage, sabbato post Francisci 1524, aufgefhrt ist[15]:

           Gorg Schlenck, Maler, dedit ... 2 fl. werung.

_Wir haben es also hier mit einem bisher vllig unbekannten Schler
Albrecht Drers zu thun_; und wenn er auch als Knstler keinen Ruhm
erlangt hat, so sind doch seine Schicksale deshalb von ganz besonderem
Interesse, weil sie, im Zusammenhang mit anderen Erscheinungen aus
Nrnbergs Kunstwelt betrachtet, es erst erklrlich machen, warum in
Nrnberg der Malerei nur eine so kurze Bltezeit beschieden war.

Es drfte sich daher wohl verlohnen, eine biographische Skizze dieses
Mannes zu entwerfen.

Wir begegnen ihm zum ersten Male gelegentlich seiner Verheiratung mit
Susanna. Sie hatte schon lngere Zeit in Drers Hause als Magd gedient,
mu aber bei der Eheschlieung noch jung gewesen sein, weil sie im Jahre
1520 noch als Mgdlein bezeichnet wird[16]. Bei dem Ehepaar Drer, das
sich keiner Nachkommenschaft erfreute[17], wurde sie wie zur Familie
gehrig behandelt; sie machte 1520 und 1521 mit Drer und seiner Frau
Agnes die Reise in die Niederlande mit und wurde dort sogar zu
Festlichkeiten mit eingeladen, die man zu Ehren ihres Herrn
veranstaltete.

Als Schlenk das Brgerrecht erwarb, gewhrte ihm der Rat einen Nachla
an der Aufnahmegebhr[18]; er hatte nur zwei Gulden zu zahlen, whrend
sonst die Mindestgebhr vier Gulden betrug. Vier Gulden wurden von denen
gefordert, deren Gesamtvermgen nicht ber 100 Gulden an Wert geschtzt
wurde. Er war also von Haus aus arm, und seine Drftigkeit wird ihn
daher bewogen haben, noch weiterhin bei Drer zu arbeiten; wenigstens
wird noch im Jahre 1526 ein Diener Albrecht Drers erwhnt[19].

[Funote 14: Drer nennt ihren Namen in seinem Tagebuch der Reise in die
Niederlande. Leitschuh a. a. O. S. 204. -- Lange und Fuhse, S. 416.]

[Funote 15: Brgerbuch de 1456-1534, M. S. 237, Fol 126b: Sabbato post
Francisci 1524 ... Hans Renner, plattner, Friedrich Pruckner,
schwertfeger, dedit, quilibet 4 fl. werung, _Georg Schlenck, maler_,
Hans Wolleben, peckschlagerjunger ... dedit quilibet 2 fl. werung,
juraverunt.]

[Funote 16: Lange und Fuhse, a. a. O. S. 116.]

[Funote 17: Springer, S. 124 hlt die Magd Susanne irrtmlich fr
Drers Tochter. -- Albrecht Drer hatte von seiner Frau berhaupt keine
Kinder, und auch sein Bruder, der Goldschmied Endres Drer, hinterlie
keine Nachkommenschaft, denn Constantia, die angebliche Tochter Endres
Drers, war kein leiblicher Sprling, sondern eine Stieftochter Endres
Drers, wie sich dies aus dem I. Ehebuch von St. Sebald ergibt: Gilg
Prager von Dresen, Constantia Hirnhoferin, 14. Februarii 1531. Auch
bezglich dieses Gilg (Kilian) Prager herrschen Irrtmer. Er stammte
nicht, wie Lochner (Anzeiger fr Kunde der deutschen Vorzeit 1863, S.
231) aus seinem Namen geschlossen, aus Prag, sondern aus Dresden. Prager
war unbemittelt aus Nrnberg eingewandert. Der Rat gewhrte ihm einen
Nachla an der Brgeraufnahmegebhr. Ratsmanuale 1531/32, Heft 3, Fol
6b: Samstag 17. juny 1531. Gilg Preger (!), goldschmid, 2 fl. am
burgerrecht nachlassen. Herr B. Baumgartner. Brgerbuch M. S. 237, Fol.
162a: Gilg Kilian Prager, goldschmidt, dedit 2 fl. werung, juravit.
Secunda post Viti 1531. Meisterbuch de 1456-1534 Fol. 39b: Gilg Kilian
Prager, goltschmid, juravit et dedit x fl. werung sabbato Magdalena
1531.]

[Funote 18: Den Nachla hatte er vermutlich einer Frsprache Albrecht
Drers zu verdanken, wie ja auch einmal ein anderer Maler Hans Hofmann
auf Drers Verwendung unentgeltlich in Nrnberg als Brger aufgenommen
worden war. Ratsmanuale 1520/21, Heft 7, Fol. 4r: Quarto post Michaelis
(3. Oktober) 1520. Einen frembden berumbten maler Albrecht Durer zu eren
umbsunst zu burger aufnemen. Burgermeister. Am selben Tage fand keine
Vereidigung von Neubrgern statt; er wurde daher erst ein paar Tage
spter vereidet. Brgerbuch M. S. 237, Fol. 112r: Sabbato post Francisci
(6. Oktober) 1520. _Hans Hofmann, maler_, dedit o, Hans Kraft von Ulm
dedit 4 fl. werung, juraverunt.]

ber Schlenks Thtigkeit als Maler ist wenig zu sagen. Mit einiger
Gewiheit wird man ihm nur die bereits oben besprochenen Portrts des
Nrnberger Kaufmanns Hans Straub und dessen Gattin Barbara, der jngsten
Tochter Willibald Pirkheimers, zuweisen knnen.

Zwischen den Familien Pirkheimer und Drer herrschten die
freundschaftlichsten Beziehungen. Auch Barbara stand bei Drer in
besonderer Gunst: er gedachte ihrer auch auf seiner Reise in die
Niederlande und brachte ihr von dort Geschenke mit[20]. Dann war Drer
aber auch der Berater seines Freundes Pirkheimer in Kunstsachen und
lieferte ihm im Jahre 1525, also gerade in der Zeit, wo die oben
erwhnten Bildnisse entstanden sind, mehrere Zeichnungen zu einer
Ausgabe des Ptolomaeus[21]. So waren also bei diesem intimen Verkehr
viele Anknpfungspunkte zwischen den Gliedern der Familie Pirkheimer und
Drers Hausgenossen, d. h. seinem Gehilfen Georg Schlenk und dessen Frau
Susanna, vorhanden.

Ebenso sicher ist, da die Portrts von einem Maler aus Drers Schule
herrhren. Da aber, wie schon dargethan wurde, Pentz und die beiden
Beham nicht wohl in Frage kommen knnen, so wird man sein Augenmerk auf
einen andern Schler Drers richten mssen.

Schlenk hatte im Herbst 1524, also kurze Zeit, bevor die Portrts gemalt
wurden, sich einen eigenen Hausstand gegrndet. Er war von Haus aus
unbemittelt; um so eher werden ihm seine Gnner einen Verdienst
zugewendet haben.

Da es Schlenk auerdem nicht an Talent gefehlt hat, um die Portrts zur
Zufriedenheit auszufhren, dafr ist Beweis, da ihn ein Drer in seiner
Werksttte heranbildete. Ein Meister wie Drer wrde sicher keinen
Stmper um sich geduldet haben.

Nach alledem wird man kaum fehlgehen, in Georg Schlenk den Maler des
Bildnisdiptychons zu suchen.

Der Tod Drers beraubte Schlenk seiner Sttze. Drer starb am 6. April
1528. Nicht lange darauf finden wir Schlenk in einer ganz unerwarteten
Lage: er bewarb sich im Mrz 1529 um eine Anstellung als stdtischer
Aufdinger[22]. Die Aufdinger waren die Auf- und Ablader der
Kaufmannsgter, die in Nrnberg zur Verzollung kamen. Sie wurden nach
den Haupthandelsstraen bezeichnet: es gab Aufdinger auf der polnischen
Strae, dann Aufdinger auf den Straen nach Sachsen, Franken, Schwaben,
Bayern und Ungarn[23]. Das mtchen als Aufdinger mu, allerdings wohl
zumeist wegen der Trinkgelder, ein recht eintrgliches gewesen sein;
denn es war immer ein groer Zudrang dazu, und wiederholt mute der Rat
einschreiten und fremden Eindringlingen, die keine Bestallung hierzu
hatten, das Aufdingen bei Strafe verbieten[24]. Als Schlenk um einen
Aufdingerposten anhielt, lie der Rat Erkundigungen einziehen, ob er
sich dazu eigne. Sei es nun, da er fr so eine schwere Arbeit
krperlich zu schwach war, oder da keine Vakanz bestand, er erreichte
seinen Wunsch nicht und versuchte es das Jahr darauf, wenn auch wiederum
vergebens, als Nrnberger Landbote eine Stelle zu erlangen[25]. Endlich
aber glckte es ihm doch, in stdtische Dienste zu kommen: er wurde im
April 1532 zum Zllner am Vestnerthor ernannt und noch im selben Jahre
ans Tiergrtnerthor versetzt. Vorher aber hatte er zusammen mit seiner
Frau Susanna sich eine Zeitlang seinen Unterhalt als Inhaber einer
Garkche erworben[26]. Das Geschft, dessen Seele jedenfalls seine in
der Kochkunst bewanderte Ehegattin gewesen sein wird, mu aber doch wohl
ihren Erwartungen nicht entsprochen haben, und der Posten eines
stdtischen Thorzllners mu Schlenk erwnschter gewesen sein.

[Funote 19: J. Baader, Beitrge zur Kunstgeschichte Nrnbergs,
Nrdlingen 1890, S. 10]

[Funote 20: Leitschuh, S. 77 mit Anm. auf S.163. Lange, und Fuhse, S.
153, Anm. 7.]

[Funote 21: Thausing II., S. 223.]

[Funote 22: Ratsverlsse vom 13. und 15. Mrz 1529.]

[Funote 23: Manuscript Nr. 184, Fol. 717, im k. Kreisarchiv Nrnberg.]

[Funote 24: Ratsverlsse vom 29. April und 4. Mai 1531.]

[Funote 25: Ratsverla vom 8. August 1530: Zu erkundigen, ob das
landpotenambt mit Jorg Schenken (!), maler, versehen und ime dann
dasselbig verlassen. Wo mangel herunderbringen. -- Schenken ist hier
offenbar ein Schreibfehler fr Schlenken; denn ein Maler Georg Schenk
ist gleichzeitig weder durch Archivalien, noch durch Kirchenbcher
nachzuweisen.]

[Funote 26: Amtbuchlein allerlay geschwornen Amt und Handwerk, so vor
den Herrn, zu des Pfendtners Rug verordent, Gehorsam thun vom Jahre
1532: _Koch allhie_: Jorg Schlenck, Susanna uxor ... _Zoller auf
der vesten_: Jorg Schlenck, Susanna uxor ... [Zollner am]
_Thyergartnerthor_: Jorg Schlenk, N. uxor. -- Ein Amtbchlein, in dem
auch, wie hier, die Kche (-- gemeint sind Garkche -- man denke ans
heutige Bratwurstglcklein, das damals bereits als Garkche unter der
Bezeichnung Glcklein bestand --) aufgefhrt sind, ist aus der Zeit
vor 1532 im k. Kreisarchiv Nrnberg nicht vorhanden. Die mterbchlein
wurden bald vor Beginn jeden Jahres neu gefertigt, da jedes Jahr die
darin Eingetragenen, wenigstens war dies bei den Buchdruckern und
Formenschneidern der Fall, von neuem Gehorsam oder Pflicht thun muten,
also von neuem auf die Vorschriften und Gesetze verpflichtet wurden. Der
Bestand des vorhergehenden Jahres wurde dann immer in das neu angelegte
Amtbchlein des folgenden Jahres, in das Amtbchlein zum _neuen_ Rat,
wie sonst diese Amtbchlein betitelt sind, bertragen. Die im Laufe des
neuen Jahres neu Hinzukommenden wurden am Schlusse der betreffenden
Gruppe nachgetragen, wie man das an den Schriftzgen und der
abweichenden Tinte erkennen kann. Schlenk ist nicht unter den Kchen,
die erst im Laufe des Jahres 1532 nachgetragen worden sind, _er mu also
schon mindestens im Jahre vorher, 1531, Koch gewesen sein_. -- Die im
Laufe des Jahres Abgehenden wurden in dem mterbchlein gestrichen.
Schlenk ist im Jahre 1532 im Amtbchlein unter den Kchen gestrichen, er
schied also im Laufe des Jahres 1532 als Koch aus; und nunmehr findet
sich sein Name wie auch der seiner Frau unter den Thorzllnern --
zunchst am Vestnerthor -- nachgetragen, wann er zum Zllner am
Vestnerthor ernannt wurde, erfahren wir aus einem Ratsverla vom 17.
April 1532: Zu einem zollner undter das spitaler thor ist der zollner
undter dem vestenthor ertailt, und zu ainem zollner des vestenthors ist
ertailt Jorg Schlenk, zollner (!). -- Der Protokollirende hat hier
irrtmlich Schlenck, _zollner_ geschrieben: denn Schlenk war, wie aus
den Amtbchlein zum neuen Rat aus den vorhergehenden Jahren zu entnehmen
ist, noch nicht vorher Zllner gewesen. Wahrscheinlich hat der
Protokollirende das Wort moler hier schreiben sollen. -- Im
Amtsbchlein von 1532 ist dann Schlenk wieder als Zllner am Vestnerthor
gestrichen, und ist als Zllner am Tiergrtnerthor nachgetragen worden.
Vom Tiergrtnerthor wurde er durch Ratsverla vom 4. Oktober 1533 ans
Frauenthor versetzt.]

Im ersten Augenblick will es kaum glaublich erscheinen, da ein Schler
Albrecht Drers als Zllner sein Fortkommen suchte. Allein es war nichts
Ungewhnliches, da Handwerker, denen ihr Gewerbe keinen gengenden
Unterhalt gewhrte, sich nach einem Nebenverdienst umschauten; so finden
sich gleichzeitig ein Rotschmied und ein Nadler unter den Zllnern. Zu
den Handwerkern zhlten aber damals auch noch die Maler: es war noch
keine Scheidung eingetreten zwischen Kunst- und handwerksmiger
Malerei. Ja, nach damaliger sozialer Auffassung wurde ein Maler noch
nicht einmal einem Handwerker gleich geachtet; denn die Malerei war noch
eine freie Kunst, die jeder ausben konnte, der den Beruf dazu in sich
fhlte. Die freie Kunst aber galt erst als Vorstufe des Handwerks,
hatten ja doch die meisten freien Knste sich erst allmlich zu
organisierten Handwerken mit vorgeschriebenen Lehr- und Gesellenjahren,
mit Meisterstcken und festen Gesetzen und Ordnungen entwickelt. Es ist
daher erklrlich, da die Nrnberger Maler immer und immer wiederum,
auch zu Drers Zeit, und zwar nicht blo, um unliebsame Konkurrenz fern
zu halten, sondern auch um ihren Stand sozial zu heben, an den Rat die
Bitte stellten, aus ihrer freien Kunst ein Handwerk zu machen.

Das Bestreben durch ein stdtisches mtlein sich ein gesichertes
Nebeneinkommen und so eine bessere Existenz zu verschaffen, mu einen
groen Umfang angenommen haben: so beschwerten sich einmal die Tncher,
da Handwerksgenossen, die ein Amt von der Stadt hatten, auch noch das
Meisterrecht ausbten; doch der Rat wies sie barsch ab und drohte ihnen:
falls sie bei ihrem Anliegen beharrten, werde er ihre Gesetze wieder
aufheben und ihr Gewerbe wieder zu einer freien Kunst erklren[27]. Doch
gehen wir zu Beispielen aus der Malerwelt ber. Im Jahre 1510 erhielt
Sebald Baumhauer, der nach dem Zeugnisse Neudrfers selbst von Drer als
Maler hochgeschtzt wurde, den Posten eines Kirchners bei St.
Sebald[28]. Ferner wurde im Jahre 1531 der Maler Lienhard Schrstab
Knecht in der Wage[29], und doch kann er als Maler nicht ganz
unbedeutend gewesen sein, da ihm einmal fr ein Tafelbild 53 Gulden
ausgezahlt wurden[30]. Endlich rckte im Jahre 1532 der Maler Sebald in
die Stelle eines Stadtpfeifers ein[31]. Nrnberg war berhaupt kein
gnstiger Nhrboden fr die Malerei. Kein Geringerer als Albrecht Drer,
der noch dazu nicht blo von seiner Kunst, sondern auch vom Kunsthandel
lebte, ist hierfr ein klassischer Zeuge. In einem Briefe an den
Nrnberger Rat vom Jahre 1524 uert er sich mit Bitterkeit[32]: Hab
auch, wie ich mit Wahrheit schreiben mag, die dreiig Jahr, so ich zu
Haus gesessen bin, in dieser Stadt nit um fnfhundert Gulden Arbeit, das
ja ein Geringes und Schimpfliches und dannacht von demselben nit ein
Fnfteil Gewinnung ist, gemacht, sunder alle mein Armut, die mir, wei
Gott, sauer ist worden, um Frschten, Herrn und ander frembde Personen
verdient und erarnt, also da ich allein dieselben mein Gewinnung von
den Fremden in dieser Stadt verzehr. Und Georg Pentz, der zweitgrte
Maler, den Nrnberg in seiner Bltezeit hervorgebracht, kam nie aus
Geldnten heraus und nahm ein unrhmliches Ende. Auch die beiden hoch
begabten Maler Hans Sebald und Barthel Beham, die gleich gro als Maler,
Zeichner und Kupferstecher waren, fanden in Nrnberg kein lohnendes Feld
fr ihre Thtigkeit. Hans Sebald Beham wanderte nach Frankfurt aus, und
sein Bruder Barthel, der einst wegen seines religisen Radikalismus von
sich hatte reden gemacht, zog an den kunstliebenden Hof der streng
katholischen Herzoge von Bayern in Mnchen. Vermochten also schon so
bedeutende und vielseitige Maler in Nrnberg keine ausreichende Existenz
zu erringen, so wird man sich nicht mehr wundern, da Schlenk, der
ohnehin von Haus aus unbemittelt war und also in verdienstloser Zeit
nichts zuzusetzen hatte, nach dem Beispiele anderer seine Hand nach
einem kleinen mtlein ausstreckte, um sich und seine anwachsende Familie
vor Not zu schtzen.[33]

[Funote 27: Ratsverla vom 27. September 1544 (Ratsmanuale 1544/45,
Heft 6, fol. 30r).]

[Funote 28: G. W. K. Lochner, des Johann Neundrfer, Schreib- und
Rechenmeisters zu Nrnberg, Nachrichten von Knstlern und Werkleuten
daselbst aus dem Jahre 1547. Wien, 1875, S. 180. -- Ratsbuch 9, Fol.
184r zum Datum: Actum secunda post omnium sanctorum 1510.]

[Funote 29: Ratsbuch 15, Fol. 189a, zum Datum: Actum mitwoch 10. Julii
1531.]

Aber er scheint auch nicht den Mut besessen zu haben, als Maler den
Kampf ums Dasein aufzunehmen; es fehlte ihm an festem Charakter: wir
finden etwas Unsttes und Haltloses bei ihm wie bei seinen Kindern.

Ueber seinen gleichnamigen Sohn Georg[34] ist nur Ungnstiges zu
berichten. Er heiratete 1546 in erster Ehe eine Tochter des Nrnberger
Gerichtsprokurators Georg Selnecker, mit der er vorher unerlaubten
Umgang gepflogen. Nach der Geburt des achten Kindes mihandelte er sie
derart im Wochenbett, da man ihren Tod ihm zur Last legte[35]. Sein
Lebtag brachte er es zu keiner ruhigen und sicheren Existenz. Bald
finden wir ihn als Hilfsschreiber bei den Amtleuten des Sebalder und
Lorenzer Waldes, bald als Profoschreiber in der Kriegsstube, bald als
Schreiber des Heuwgers. Seine Bitte aber um eine feste Anstellung wird
abgelehnt, und der Rat giebt den Auftrag, nach einem andern geschickten
Schreiber zu trachten, daraus kunftig ein Canzleyschreiber zu machen
und zu Mererm zuprauchen sein mcht. Nunmehr verschwindet er eine
Zeitlang vor seinen zahlreichen Glubigern aus der Stadt. Nach seiner
Rckkehr bittet er um Zulassung als Prokurator vor Gericht, erhlt aber
eine kategorische Abweisung. Gleichwohl mu er nachher doch
vorbergehend als Prokurator aufgetreten sein; denn der Rat lie die
Verfgung ergehen: Jrgen Schlenken seiner Leichtfertigkeit halben
hinfuro zu kainer Curation, noch dergleichen Sachen mehr am Gericht
zuzulassen. Was er aber offen nicht thun konnte und durfte, trieb er im
Geheimen: er wurde Winkeladvokat, befate sich aber mit so unsauberen
Sachen, da ihm 1565, weil er sich solcher bosen Hendel vielfeltig
beflissen, die Stadt Nrnberg und ihr Gebiet 10 Meil hinden sein
Lebenlang verboten wurde; doch gewhrte ihm der Rat einen Strafaufschub
von vier Wochen, und in dieser Zwischenzeit wute er sich einflureiche
Frsprache zu verschaffen: er wurde auf Bitten des Grafen Konrad von
Castell und dessen Gemahlin wieder begnadigt. Er besserte sich aber
nicht. Zwei Jahre darauf forderte er von neuem den Zorn des Rats gegen
sich heraus durch eine jedenfalls sehr unziemlich abgefate
Supplikation, die er fr einen Petzensteiner, der sich Jakob Neunburger
genannt, aufgesetzt hatte. Nunmehr wurde er auf fnf Jahre aus der
Stadt Nrnberg verbannt und richtete von Neuenmarkt aus Bettelbriefe an
den obersten Landpflegschreiber der Stadt Nrnberg Bonifatius Nttele
und die beiden Landpflegschreiber Johann Leikauf und Lorenz Ntzel[36]
mit dem Anliegen, ihm mit einem Zehrpfennig zu helfen, um sein und
seiner Kinderlein Notdurft anderswo zu suchen. Sie spendeten ihm zwei
Gulden, aber mit dem Vermerken, das Geld nicht seiner alten Gewohnheit
nach unntzlich zu verschwenden. Durch den Erfolg ermutigt, ersuchte er
sie dann noch um ein Frlehen von einem Thaler zu einer Zehrung nach
Wrzburg, da ihm mitleidige Personen im Lande zu Franken Conditiones
frgeschlagen[37]. Doch schon im Jahre 1569 ist er wieder in Nrnberg
zu finden und hat die Khnheit, den Rat nochmals um eine Anstellung in
stdtischen Diensten zu bitten, erhlt aber zur Antwort: meine Herren
wten kein Ampt, das fr ihn wehr ledig, darumb mcht er sich an andern
Orten umthun. Seit dieser Zeit lt er sich nicht mehr nachweisen und
ist jedenfalls auswrts gestorben und verdorben.

[Funote 30: Conservatorien, Band 29, Fol. 17b, im Stadtarchiv Nrnberg,
zum Datum: Actumia judicio quarta post Remigii. 2. octobris 1521.]

[Funote 31: Zu gemeiner stat pfeifer anzunehmen ist erteilt Sebald,
maler. Actum 13. novembris 1532 per herrn Math. Loffelholz. Ratsbuch 16,
Fol. 45a -- Es ist aber hier nicht etwa der Maler Sebald Beham gemeint,
sondern wie aus dem Jahresregister von 1533 zu entnehmen, Sebald Greyff,
der dort bei den Besoldungen als Trummelschlager und Pfeiffer
aufgefhrt ist.]

[Funote 32: Lange und Fuhse, S. 63.]

[Funote 33: Quellen hierfr, wo nicht anderes angegeben, die
Ratsmanuale.]

[Funote 34: Da dieser Georg Schlenk ein Sohn des Malers und Zllners
Georg Schlenk war, ergibt sich daraus, da der Zllner fter als Georg
Schlenk der ltere bezeichnet wird, so in einem Ratsverla vom 28. Mrz
1556 und bei der Erwhnung seines Begrbnisses im 1. Totenbuch von St.
Lorenz.]

[Funote 35: I. Ehebuch von St. Lorenz: Jorg Schlenk, Magdalena
Selneckerin, 16. novembris 1546. Kinder aus dieser ersten Ehe nach den
Taufbchern von St. Lorenz und St. Sebald: Georg (getauft im November
1546), Jorg (Mrz 1548), Magdalena (Dezember 1549), Hans (August 1551),
Gabriel (Mai 1553), Julianna (November 1554), Hans (Mai 1556), Michel
(August 1557). Seine erste Frau wurde nach dem Totenbuch von St. Lorenz
am 14. September 1557 beerdigt. ber ihren Tod meldet ein Ratsverla vom
18. September 1557: Item zu erfarn, welcher gestalt Jorg Schlengk sein
weib im kindpeth geschlagen, das sie hernach tods verschieden und
widerpringen. -- Gabriel Schlenck, Georgen Schlenken teutschen
schreibers und burgers hie eeleiblicher sohn hatte von seinem Ahnherrn
Georgen Selnecker einen Eigenzins von jhrlich elf Gulden auf Hansen
Srgels Haus geerbt. Dieser Eigenzins wurde von Srgel abgelst, worber
am 7. Januar 1578 Gabriel Schlenk seiner vollkommenen Jahre Quittung
leistete. Conservatorien 130. Fol. 69b. -- Georg Selnecker, im Jahre
1523 (Ratsbuch 12. Fol. 166a) noch Stadtschreiber in Hersbruck, wurde
spter Gerichtsprocurator in Nrnberg. -- In zweiter Ehe verheiratete
sich Georg Schlenk (der jngere) mit Magdalena Kolnerin am 29. November
1557 und zeugte mit ihr auch noch mehrere Kinder: Martha (getauft 1558),
Hester (Mai 1561), Hans (Februar 1563), Michel (26. September 1564).]

[Funote 36: Akt des k. Kreisarchivs mit der Signatur: S 1, L. 598, Nr.
183. In diesem Schreiben nennt er sich Georgius Schlenk der elter;
denn er hatte einen gleichnamigen Sohn, und sein Vater, der Zllner und
Maler Georg Schlenk, der frher diese Bezeichnung der ltere gefhrt
hatte, war inzwischen im Jahre 1557 gestorben.]

Georg Schlenk des lteren anderer Sohn Michel widmete sich wie sein
Vater erst der Malerei und wurde hierauf ebenfalls stdtischer
Thorzllner[38]. Im Jahre 1549, wo er sich -- in erster Ehe --
verheiratete[39], finden wir ihn zunchst als Zllner am Vestnerthor[40]
und dann seit August 1557 am Spittlerthor[41]. Hier gab er spter (1565)
aus unbekannten Grnden den Zllnerposten ganz auf[42] und zog
schlielich, Weib und Kind verlassend, als Soldat nach Italien, wo er
(1576) unter den Besatztruppen der Stadt Genua erwhnt wird[43]. Von
dort ist er nicht zurckgekehrt, und seine Frau, die auer fr ihre
eigenen Kinder auch noch fr Stiefkinder zu sorgen hatte[44], mute
schlecht und recht bis an ihr Lebensende sich als Hebamme durch die Welt
bringen[45].

[Funote 37: In diesem Schreiben bedient er sich bei der Versiegelung
eines Petschafts mit einer Hausmarke und den Initialen G. S. -- Da
dieses Petschaft vielleicht aus der Hinterlassenschaft seines Vaters,
des Malers Georg Schlenk, herrhrte, und also die Mglichkeit nicht
ausgeschlossen ist, da der Maler Georg Schlenk sich dieser Hausmarke
als Knstlerzeichen bedient hat, so geben wir hiervon eine Abbildung.

                            [Illustration]

[Funote 38: Da Michel Schlenk ein Sohn des Malers und Zllners Georg
Schlenk gewesen, lt sich daraus entnehmen, da er wie dieser den Beruf
eines Malers whlte und dann ebenfalls Zllner wurde. In den Nrnberger
Brgerbchern ist er unter den neu aufgenommenen Brgern nicht vermerkt;
Michel Schlenk mu also in Nrnberg geboren sein. Zu jener Zeit gab es
aber in Nrnberg nur einen Brger Namens Schlenk, dem er seinem Alter
nach als Sprling zugewiesen werden kann, nmlich den Maler Georg
Schlenk. -- ber weitere Nachkommen des Malers Georg Schlenk melden die
Nrnberger Kirchenbcher Folgendes: I. Taufbuch von St. Sebald: Georg
Schlenk ein tochter: _Susanna_ 12. Februarii 1533. -- I. Taufbuch von
St. Lorenz: Jorg Schlenck, Susanna: _Sixt_ (getauft in der Woche des)
dominica pasce 1534. Jorg Schlenck, Susanna: _Elizabeth_, dominica
palmarum 1536.]

[Funote 39: Michel Schlenck, Anna Linckin, 16. July 1549. II. Ehebuch
von St. Sebald. -- Kinder aus dieser ersten Ehe: _Johannes_ (getauft im
April 1556). _Hieronymus_ (Mai 1557), _Sebald_ (Oktober 1558), _Michel_
(Februar 1560), _Purkhart_ (Oktober 1561), _Anna_ (Oktober 1562),
_Michel_ (September 1564). -- Nach dem Totenbuch von St. Sebald (im
Kreisarchiv Nrnberg) wurde Anna Michel Schlenkin, Malerin und
Zollnerin under dem Spitlerthor, am 8. November 1564 beerdigt.]

[Funote 40: Amtbuch zum neuen Rat de 1549. Ratsverla vom 9. Januar
1550 (Ratsmanuale de 1549/50, Heft 10, Fol. 11a).]

[Funote 41: Ratsverla vom 6. August 1557 (Ratsmanuale 1556/57, Heft 4,
Fol. 32a.)]

[Funote 42: Im Amtbuch zum neuen Rat de 1565 ist er als Zllner am
Spittlerthor gestrichen.]

Doch kehren wir nunmehr zu Georg Schlenk dem lteren zurck. Vom
Tiergrtnerthor wurde er 1533 ans Frauenthor versetzt[46]. Hier fhrte
er bis zu seinem Tode das Leben eines Zllners. Die Thorzllner standen
unter dem obersten Zllner, dem hchsten Zollbeamten der Reichsstadt
Nrnberg. Soweit die Zlle, insbesondere fr feinere Waren, nicht vom
obersten Zllner oder dessen Gegenschreiber eingenommen wurden, geschah
dies durch die Thorzllner, die auerdem auch noch den Wegzoll zu
erheben hatten. Unter den Gegenstnden, die bei den Thorzllnern nach
einem festen Tarif, den jeder Zllner, auf Pergament geschrieben, bei
sich hatte, zu verzollen waren, finden sich z. B. Tierfelle, Werkholz,
Eisen, Kupfer, Blei, Zinn, Salz, Pech, Harz, Hopfen, Wein, Rben, Kraut,
Heu, Knoblauch, Zwiebeln, dann aber auch Glser, Teller, irdene Gefe
(Hfen) und Krausen. Der Zoll wurde teils in Geld, teils in natura
erhoben: so von einem Sack Zwiebeln vier Stck Zwiebeln und von einem
Wagen oder Karren, der mit Glsern oder Tellern das Thor passierte, je
zwei oder eins von diesen Gegenstnden. Von den in natura eingehenden
Zllen erhielt der Thorzllner den dritten Teil und von den in Geld
anfallenden den achten Teil oder, wie es heit, den achten Pfennig.
Neben diesen wechselnden und mehr zuflligen Einknften bezogen die
Thorzllner noch eine feststehende Besoldung, die jedoch nur sehr mig
war[47]. Auerdem gab es aber auch noch einigen Nebenerwerb: so war
ihnen gestattet, an Vorbergehende, aber nicht an sitzende Gste
Branntwein auszuschenken[48]; und da sie manches auch auf unerlaubte
Weise sich zu verschaffen wuten, das beweist das immer und immer wieder
ihnen eingeschrfte Verbot, den hereinfahrenden Holzbauern keine
Holzscheite wegzunehmen oder abzuntigen[49].

[Funote 43: In einer von seiner zweiten Frau Anna Michel Schlenkens,
malers, burgers hie eewirtin ausgestellten Urkunde heit es von ihrem
abwesenden Manne, welcher diser Zeit zu Genua in der besatzung lege.
Datiert ist die Urkunde: Actum 5, 1. martij 1576. Conservatorien 125,
Fol. 58b -- Aus dieser Urkunde geht zugleich hervor, da damals aus
erster Ehe des Michel Schlenk nur noch zwei Shne vorhanden waren.]

[Funote 44: Michel Schlenk hatte seine zweite Frau Anna Pognerin am 13.
Mai 1565 geheiratet. III. Ehebuch von St. Lorenz. -- Kinder aus dieser
zweiten Ehe: _Hans_ (Februar 1566), _Valentinus_ (April 1567), _Walpurg_
(Mrz 1570), _Kunigund_ (Februar 1572), _Margareta_ (November 1573),
_Johannes_ (Mrz 1576). Siehe auch die Anmerkung vorher.]

[Funote 45: Anna, Michel Schlenken verlassne wittib, hebam in der
weigerbergassen, wurde am 3. Oktober 1585 beerdigt. Ihr Schwager war
der Schlosser Melchior Gaismann, der laut Ehebuch von St. Lorenz am 12.
Oktober 1564 ihre Schwester Barbara Pognerin geheiratet hatte. Daher
erklrt es sich, da die Melchior Gaismannsche Begrbnissttte auf dem
Rochuskirchhofe in Nrnberg (Nr. 522) zugleich auch das Grab dreier
hinterlassenen Kinder des Michel Schlenken, Malers, und Anna seiner
Hausfrau seel. ist. Norischer Christen Freydhfe Gedchtnis, Nrnberg
1682, S. 15. St. Rochus Kirchhof. -- Michel Schlenk kehrte aus Italien
nicht mehr zurck; denn in den Nrnberger Totenbchern ist sein Name
nicht verzeichnet. -- Der erwhnte Schlosser Melchior Gaismann ist
bemerkenswert als Verfertiger von Weckeruhren. Ratsmanuale 1578/79, Heft
1, Fol. 29b und 30a.]

[Funote 46: Ratsverla vom 4. Oktober 1533 (Ratsmanuale 1533/34, Heft
7, Fol. 1b) und Amtbchlein zum neuen Rath 1533.]

[Funote 47: Quelle hierfr das Zollbuch de 1517-1580. M. S. 991 im k.
Kreisarchiv Nrnberg.]

Bei dieser Art der Besoldung war also der einzelne Zllner umso besser
gestellt, je lebhafter der Verkehr war. Zu den verkehrsreichsten Thoren
gehrte aber schon damals das Frauenthor; daher war der Zllnerposten an
diesem Thor, wie das die Bewerbungen bei Vakanzen erkennen lassen, wegen
seiner hheren Einnahmen auch immer viel begehrter als z. B. der Posten
am Tiergrtner- oder Spittlerthor.

Georg Schlenk, der innerhalb zweier Jahre vom verkehrsarmen Vestnerthor
ber das Tiergrtnerthor ans Frauenthor gekommen war, hatte also sein
rasches Aufsteigen einem glcklichen Zufall oder, was wahrscheinlicher
ist, einer besonderen Vergnstigung zu verdanken.

Allein die Gunst hatte keinen Bestand. Zum ersten Male (1538) forderte
er die Unzufriedenheit des Rats heraus durch eine berschreitung beim
Branntweinausschank und wurde gestraft[50]. Weiterhin (1546) wurde er
zur Rede gestellt wegen Unschicklichkeiten, die er sich gegen Bauern des
Patriziers Grundherr erlaubt hatte. Dann (1547) nahm er, was streng
verboten war, Juden bei sich in Herberge und erhielt deshalb vom Rat
einen sehr scharfen Verweis: man werde ihn vom Amte urlauben, wo er
dergleichen mehr be. Endlich (1554) fiel er nochmals wegen einer
Ungehrigkeit in Strafe. So hatte er also schon fter den Unwillen des
Rats sich zugezogen, da traf ihn ein weiteres Migeschick. In der Nacht
vom 14. zum 15. Februar 1556 kam die uere Mauer beim Frauenthor ins
Wanken; sie strzte in den Stadtgraben mitsamt dem Zollhuslein und
allem dem, das im Zollhuslein gewest auerhalb den Menschen, die Gott
genediklich und wunderbarlich daraus pracht und errett hat. Schlenk
erhielt als Schadenersatz 40 Gulden vom Rat geschenkt, und das
Zollhuslein wurde rasch wieder aufgebaut; aber verschiedene Wnsche,
die er hierbei aussprach, fanden kein Gehr. Seine Bitte, ihm einen
Keller einzurichten und ein Hflein zum Zollhuslein zu erbauen, wurde
barsch abgeschlagen: wenn er der Fliegen halber nicht bleiben knne, und
wenn ihm das Haus zu eng sei, werde man nach einem andern Zllner
trachten.

Nicht lange mehr sollte er im neuen Zollhuslein wohnen: er starb Ende
September 1557[51]. Um seine Stelle bewarb sich sein Sohn Michel; sie
wurde aber nicht ihm, sondern der Ordnung nach dem bisherigen Zllner am
Spittlerthor, Hans Eschenbach, als dem ltesten Zllner,
zugesprochen[52].

[Funote 48: Ratsverla vom 29. September 1533 (Ratsmanuale 1533/34,
Heft 6, Fol. 12a).]

[Funote 49: Dieses Verbot findet sich fast Jahr fr Jahr in den
mterbchlein, manchmal in sehr scharfer Form.]

[Funote 50: Quelle fr das Folgende die Ratsverlsse.]

[Funote 51: I. Totenbuch von St. Lorenz: Georg Schlenk der elter,
zolner unterm frauenthor 1. augusti 1557 (beerdigt).]

Es ist nunmehr noch die Frage aufzuwerfen, ob keine Anzeichen dafr
sprechen, da Georg Schlenk auch in der Zeit, wo er Garkoch oder Zllner
war, noch nebenbei sich mit der Malkunst beschftigt habe. Zieht man in
Betracht, da das Geschft eines Garkochs nur wenig Mue brig lie, da
ihm als Zllner bei dem beraus starken Verkehr, wie er sich durch das
Stadtthor bewegte, noch viel weniger freie Zeit blieb, auch wenn er ab
und zu von seiner Ehefrau vertreten wurde, da ferner die
Lichtverhltnisse in den kleinen niedrigen Zollhuslein nicht gnstig
und die Rumlichkeiten zumal bei anwachsender Familie beraus beengt
waren, so htte unter solchen Umstnden schon ein sehr energischer und
strebsamer Charakter, wie ihn allem Anschein nach Schlenk nicht besa,
dazu gehrt, um nebenbei noch hervorragende Kunstwerke zu schaffen. Man
kann sich daher nicht wundern, da von Georg Schlenk, obwohl er ein
Schler und Gehilfe Albrecht Drers gewesen, nichts weiter als Knstler
hervorgebracht wurde, das seinen Namen ruhmgekrnt auf die Nachwelt
gebracht htte. Immerhin scheint er aber der Malerei nicht ganz untreu
geworden zu sein, da seine Witwe Susanna, die ihn noch fnf Jahre
berlebte, bei ihrem Tode ausdrcklich als _Malerin_, gewesene
Zollnerin am Frauenthor bezeichnet wird[53].

[Funote 52: Ratsverlsse vom 4. und 6. August 1557 (Ratsmanuale
1557/58, Heft 4, Fol. 26 und 32.)]

[Funote 53: I. Totenbuch von St. Lorenz: Susanna Jorg Schlenkin,
malerin, gewesne zolnerin am frauenthor, pey dem psen prunnen
verschieden, (beerdigt) 31. Julii 1562. -- Die Beerdigung fand damals in
Nrnberg am zweiten Tage nach dem Ableben statt. Susanna starb also am
29. Juli 1562. Vgl. hierzu Alfred Bauch, Barbara Harscherin, Hanns
Sachsens zweite Frau, Nrnberg, 1896, S. 13, Anm. 1.]

_Nrnberg._

                                                   _Dr. Alfred Bauch._




     Aus der Plakettensammlung des germanischen Nationalmuseums.


Unter dem Namen Plaketten fat man die kleineren, meist gegossenen
Metallreliefs zusammen, die entweder als Schmuckgegenstnde oder als
Teile kunstgewerblicher Arbeiten direkte Verwendung fanden, oder aber
den Goldschmieden vornehmlich, den Hafnern, Bildhauern und Erzgieern
als Modelle dienten. Bisweilen benutzte man sie auch, unverndert oder
vergoldet, mit Holz- oder Metallrahmen versehen, als willkommenen
Wandschmuck. -- Das Geburtsland der Plaketten ist Italien, von dort
fanden sie, in ausgedehnterem Mae wohl erst gegen Ende des 15.
Jahrhunderts, Eingang in Deutschland. --

Die berwiegende Mehrzahl der deutschen Plaketten stellt sich als
Bleigu dar, und diese Thatsache erklrt sich vielleicht, abgesehen von
der greren Billigkeit, aus dem Umstande, da sie besonders als
Vorbilder fr Treibarbeit dienten. Denn fr den Gu bietet ein Modell
aus hrterem Metall, das die einzelnen Linien, die Details, schrfer und
deutlicher hlt und wiedergibt, weit greren Vorteil, whrend bei einem
zum Treiben dienenden Vorbilde die Hand des nachschaffenden Knstlers
selbstndig ergnzt, was bei einem mechanischen Reproduktionsverfahren
verloren gehen wrde.

Die Plaketten des germanischen Museums stammen zum greren Teile aus
der Sammlung der Freiherrn C. J. W. C. J. Haller von Hallerstein, die im
Jahre 1840 vom Handelsgerichtsassessor Joh. Jak. Hertel zu Nrnberg
ersteigert wurde und spter in den Besitz des Kaufmanns Arnold daselbst
berging. Von diesem, der die Sammlung noch bedeutend vermehrt hatte,
erwarb sie das germanische Museum. Eine andere Kollektion ging dem
Museum als Geschenk von der mittelalterlichen Sammlung zu Basel zu. Sie
entstammt indessen nicht, wie im Katalog der Originalskulpturen S. 57
irrtmlich angegeben ist, einer Modellsammlung, die 1881 in Basel
gefunden wurde. Herr Professor Heyne hatte die Gte, ber ihre
Provenienz folgende Mitteilung zu machen: Es ist gar kein Fund einer
Goldschmiedewerkstatt zu Basel 1881 gemacht worden; sondern das wird
verwechselt mit einem Fund, der gegen diese Zeit in der Seine zu Paris
unter der alten Goldschmiedebrcke zu Tage kam, der an Hndler
verzettelt wurde und von dem Bossard in Luzern manches erwarb; von
diesem kam wieder einiges an die mittelalterliche Sammlung in Basel. Den
Hauptbestandteil der dortigen Kollektion, von dem ich, so viel ich mich
erinnere, auch Doubletten an Essenwein fr das germanische Museum
abgegeben habe, bildet aber nicht dieser Fund, sondern Stcke, die ich
sonst, namentlich auch von Bossard erworben habe, und ber deren
Provenienz nichts ermittelt werden konnte.

Unsre Sammlung ist besonders reich an deutschen Plaketten, unter denen
die Arbeiten Fltners den hervorragendsten Platz behaupten. Auf einen
Teil derselben hat Domanig im Jahrbuch des allerh. Kaiserhauses Bd. XVI,
S. 1 ff. bereits hingewiesen, vollstndige Verffentlichung werden sie
demnchst erfahren durch eine umfassende Arbeit ber Fltner von Lange.
Daneben aber hebt sich noch eine groe Reihe knstlerischer Arbeiten
heraus, die der zweiten Hlfte des 16. Jahrhunderts angehren und mehr
oder minder stark durch die fltnersche Art beeinflut sind. Besondere
Gruppen lassen sich mit Sicherheit ausscheiden, wenn es auch kaum
gelingen drfte, die Namen der einzelnen Meister, die hauptschlich
Nrnberger gewesen zu sein scheinen, zu ermitteln. Eine dieser Gruppen
bietet uns wenigstens die Anfangsbuchstaben, das Monogramm des
Knstlers: H. G. mit den Jahreszahlen 1569 und 1570. Aus der Bemerkung
Naglers, Monogramm. III, Nr. 974 geht hervor, da er ein Goldschmied
gewesen sei. Die starke Beeinflussung seiner Technik durch Fltner, die
Verwandtschaft seiner Kompositionen mit Virgil Solis, der Umstand
endlich, da gerade Nrnberg im 16. Jahrhundert die meisten und
vorzglichsten Goldschmiede in Deutschland aufzuweisen hatte, berechtigt
zu der Vermutung, H. G. sei Nrnberger Knstler gewesen. Stockbauer
fhrt Bayerische Gewerbe-Zeitung 1893 Nr. 12, Beilage S. 6 in der Liste
der Goldschmiede unter dem Jahre 1560 einen Heinrich Garn auf, der also
eventuell in Frage kommen knnte. Mir ist indessen in Nrnberger
Urkunden niemals eine Goldschmiedsfamilie Garn, sehr hufig dagegen die
der Gar begegnet, die bei Stockbauer sich berhaupt nicht findet. Da die
von ihm abgedruckte Liste erst 1652 zusammengestellt wurde, so ist es
mglich, da ein Irrtum vorliegt, da aus H. Gar -- Heinrich Garn
gemacht wurde. Die Gar waren verwandt mit Veit Sto. Sebald Gar,
Goldschmied, war vermhlt mit Ursula, der Enkelin Sto' (Nrnb.
Stadtarchiv. Cons. 47 fol. 108). Er ist mir begegnet 1534 (a. a. O.
Cons. 46 fol. 91 u. fol. 67) 1536 (Cons. 47 fol. 108), 1546 (Cons. 62
fol. 1486), 1549 (Cons. 69 fol. 87). Unter dem letzten Jahre werden
seine Kinder aufgefhrt (cf. auch Cons. 57 fol. 125): Jorg, Barbara,
Kungund, Cunrad, Hanns und Steffan. Letzterer ist damals noch unmndig.
Conrad Gar wird als Goldschmied genannt in einer Urkunde vom 16. Juli
1573 (Cons. 118 fol. 109b). Es wre also nicht unmglich, da der von
Stockbauer aufgefhrte Heinrich Garn identisch ist mit Hans Gar, dem
Urenkel Veit Sto', dem jngeren Bruder Conrad Gars, da wir in diesem
Hans Gar den Monogrammisten H. G. zu erkennen htten.

Wir finden in den Werken des H. G. alle jene Stoffe behandelt, die die
Kleinmeister in der zweiten Hlfte des 16. Jahrhunderts bevorzugten:
Darstellungen aus der klassischen Gtter- und Sagenwelt, biblische
Scenen, symbolische Vorwrfe und Jagdstcke. Die mit kurzem
verstndlichem Text begleiteten Emblemata, die Neuwen Figuren,
Biblische, Ovidische, Livische etc. allen Knstlern, als Malern,
Goldschmieden, Bildhauwern, Steinmetzen, Schreinern etc. fast dienstlich
vnd ntzlich, gaben neben den greren illustrierten Werken und den
zahllosen Einzelblttern auch dem weniger Gebildeten reichlich
Gelegenheit und Anregung zur Behandlung derartiger Stoffe. Das Gewissen
der Kleinmeister, selbst der vermgendsten, war nach modernen Begriffen
sehr weit: wenn sie sich auch meist eine gewisse Originalitt in der Art
der Behandlung des Stoffes wahren, den Gedanken, einzelne Teile des
Ganzen eignen sie sich ohne Bedenken an[54]. Auch bei dem Meister H. G.,
der sicherlich den besten seiner Zeit zuzugesellen ist, knnen wir diese
Erfahrung machen. Die Art und Weise, wie er seine figrlichen Scenen in
tiefe, abwechslungsreiche Landschaften hineinkomponiert, die Behandlung
der Bume, besonders auch der Baumstmme, der blumen- und grasbedeckte
Untergrund, die fadenartige Wiedergabe des Rauches, weisen unbedingt auf
Fltner als sein Vorbild hin, nur da uns Alles berladener, manirierter
entgegentritt. In dem Wasser, das selten seinen Landschaften fehlt,
schlagen Delphine, Schiffe und Khne schwimmen darauf, Inseln und
Gestade sind bedeckt mit teilweise phantastischen Gebuden. Von den
Blumen, mit denen der Boden berst ist, bevorzugt er eine stilisierte
Tulpenart mit weit hervortretendem Stempel oder groe Anemonen. Die
Baumstmme sind hufig stark gebogen, wie vom Sturme gepeitscht.
Besonders charakteristisch aber sind seine Wolken, die, in der Weise des
Moderno, aus einzelnen Teilchen bestehen, deren jedes aussieht, wie ein
auf einen Spie gesteckter Darm. Das Relief seiner Figuren ist
durchschnittlich hher, als bei Fltner. Die Personen, in antiker
Gewandung, die Mnner meist brtig, sind schlank und muskuls, elegant
in Haltung und Bewegung, die Gestikulation der Hnde von dramatischer
Bewegtheit, ohne da ein strend unruhiger Eindruck hervorgerufen wrde.
Die Tiere, die meist gallopierend dargestellt werden, sind ebenmig und
natrlich gebaut. Bei dem Anblicke der Werke des H. G., die sich
ausnahmslos durch vorzgliche Komposition und Perspektive auszeichnen,
wird man sich des Eindruckes nicht erwehren knnen, da man es mit einem
hervorragenden Knstler zu thun hat.

                            [Illustration]

[Illustration: Taf. I.

Aus der Plakettensammlung (I.).]

[Funote 54: Ein interessantes Beispiel einer Compilation aus
verschiedenen Vorlagen zu einem Gesamtbilde bietet eine Plakette im
Goethemuseum (Schuchardt, Goethes Kunstsamml. II, S. 23. Nr. 34) zu
Weimar, die von einem Meister herrhrt, der sich in seinen smtlichen
Arbeiten eng an Jost Amman anschliet und von dem auch unser Museum eine
Reihe von Plaketten besitzt. Dargestellt ist die Erbauung Carthagos
durch Dido. Fast smtliche Vorbilder halten die Neuwen Liuischen Figuren
des Jost Amman, Frankfurt 1573, geliefert. Dido und Knig Jarbas, zwei
mit dem Zerschneiden der Kuhhaut beschftigte Mnner und die beiden, die
mit den Lederstreifen das gekaufte Land umziehen, sind Tafel XL
entnommen. Die Begleitung Didos ist nach Tafel XLIIII Amilcar wirt von
den Carthaginensern beschickt gearbeitet, der Krieger links hinter Dido
findet sich Taf. VII Numa Pompilius der andere Knig in Rom, whrend
uns der barhuptige Mann mit hohem Stehkragen und Schnrenrock auf Seite
J 2b (Psalmo I) der Neuwen Biblischen Figuren von Amman, Frankfurt 1569,
begegnet. Und obgleich die einzelnen Teile auf diese Weise
zusammengesucht sind, sind sie doch in einer Art zusammengestellt, die
uns vor dem Kompositionstalente des Knstlers die grte Hochachtung
abntigte.]

Unsere Sammlung besitzt von H. G. nachfolgende Stcke vgl. Taf. I:

1) Scylla und Minos. K. P. 203. Katal. 528 (dort irrtmlich Aeneas und
Dido bezeichnet). Rund. Durchm. 0,182 m. Bleigu.

In der Mitte der Platte Minos, nach links gallopierend, mit Helm
bedeckt, in der Linken den Feldherrnstab haltend, den er auf die Hfte
sttzt. Links von ihm ein barhuptiger Mann in begrender Stellung,
rechts ein Krieger mit Helm und Lanze. Im Vordergrunde zwei sitzende
Krieger, den Rcken dem Beschauer zugewandt. Weiter im Hintergrnde
sieht man rechts die Krieger des Minos, links drei Frauen der Scylla.
Letztere ist zweimal vertreten: wie sie von einem Turme aus Minos
zuwinkt und wie sie, von einer Frau begleitet, ihrem Geliebten das
Lebenshaar ihres Vaters Nisos zutrgt. Smtliche Personen in antiker
Gewandung. Im Hintergrunde Meer mit Delphinen und Schiffen, Architektur
etc. Vorn unten auf der Platte befindet sich ein Baumstumpf mit der
Inschrift: 1569 H G. Geflechtartige Umrahmung.

Das Vorbild zu dieser Darstellung finden wir in Johan. Posthii
Germershemii tetrasticha in Ovidii metamor. lib. XV. quibus accesserunt
Vergilii Solis figurae elegantiss. & iam primum in lucem editae.
Frankfurt, Feyerabent. 1563. 8. S. 91. Die Scenerie ist hier allerdings
bedeutend einfacher, da Solis den Gegenstand in zwei Holzschnitten
behandelt. Solis ist aber auch nicht der Erfinder, sondern er hat fast
smtliche Abbildungen zu den Metamorphosen aus La vita et metamorfoseo
d'Ovidio, Figurato & abbreuiato in forma d'epigrammi da M. Gabriello
Symeoni. A Lione per Giouanni di Tornes, 1559. 8. bernommen[55].

                            [Illustration]

[Funote 55: Die Holzschnitte in der Ausgabe des Posthius sind
dieselben, wie die in der gleichfalls 1563 bei Feyerabent erschienenen
Ausgabe der Metamorphosen, die Nagler, Monogr. III, N. 570, 5 citiert.
Die Abbildungen des Virgil Solis sind im Vergleich zu der Lioner Ausgabe
von 1559 gegenseitig, vergrert und nur vereinzelt mit geringen
nderungen versehen. (ber die Offizin des Jean de Tournes in Lion cf.
J. Reimers, Peter Fltner. 1890. S. 33 ff.). Solis hat aus der Lioner
Ausgabe die Abbildungen S. 36, 43, 57, 67, 77, 80, 84, 85, 88, 101, 118,
127, 176, 181, 182, 186, 187 nicht bernommen. Entweder sind die
betreffenden Scenen gar nicht, oder selbstndig von Solis bearbeitet. Zu
den letzteren, die also nicht auf die Lioner Ausgabe zurckzufhren
sind, gehren in der Ausgabe des Posthius die Holzschnitte: S. 71, 72,
74, 83, 101, 109, 113, 117. Holzschnitt S. 27 (bei Posthius) hat unten
in der Mitte das Monogramm des Holzschneiders -BV- mit dem Schnitzmesser
links, was bei Nagler, Monogr. I. N. 2096 nachzutragen ist. Ebenso gibt
Nagler, Monogr. III, N. 570, 5 nur 6 Holzschnitte an mit dem Zeichen des
Holzschneiders [Zeichen: b]. Dieses Zeichen findet sich indessen, in
verschiedenen Gren, auch auf den Schnitten: Met. IV, 9 Perseus befreit
Andromeda. V. 4 Pyreneus von den Musen gestraft. V, 7 Ceres verwandelt
einen Knaben in eine Eidechse. IX, 7 Byblis verfolgt ihren Bruder. XII,
1 Opferung der Iphigenie. XIII., 10 Aeneas trgt seinen Vater aus dem
brennenden Troia.]

Fr die weitere Verbreitung und Benutzung der Plakette stehen mir zwei
Beispiele zu Gebote. Erstens besitzt unsere Kupferstichsammlung unter
Nr. 4015 eine Punzenarbeit (siehe die verkleinerte Abbild, im Text), die
von einer nicht sehr geschickten Hand nach der Plakette gearbeitet
wurde. Der Stich erscheint natrlich gegenseitig, die Perspektive
mangelhaft, auffallend schlecht besonders in der Gruppe der Krieger, an
die Stelle von Grsern und Bschen hat der Copist hufig einfach Steine
treten lassen. Monogramm und Jahreszahl auf dem Baumstumpf fehlen.
Solcher Punzenarbeiten sind uns eine groe Anzahl erhalten. Sie
entstammen den Goldschmiedewerksttten und dienten als Vorlagen fr
Treibarbeiten. Die Zeichnung wird auf die Kupferplatte bertragen und
die Umrilinien mit Punzen eingeschlagen. Die Linien bestehen daher aus
einzelnen Punkten, und, um dem Treiber anzugeben, welche Partien hher
und welche flacher im Relief gehalten worden sollen, werden die Punkte
je nachdem tiefer oder flacher, dichter an einander, oder weiter von
einander abstehend eingetrieben. Schattengebung ist fr die Zwecke der
Punzenarbeiten berflssig, und erst, als auch diese Gattung in der
zweiten Hlfte des 16. Jahrh. sich zu selbstndigen Kunstwerken
ausgestaltete, finden wir auch den Schatten beigefgt. Bei unserem
Stich, der nach der Art seiner Behandlung lediglich den Zweck einer
Vorlage gehabt hat, ist auffallend die Ursache seines Entstehens. Wozu
war ein Stich ntig, nachdem das Vorbild in Form einer Plakette, also
eines brauchbareren und praktischeren Modells schon gegeben war? Es mag
wohl der Grund darin zu suchen sein, da mit der Vervielfltigung einer
Plakette immerhin manche Umstndlichkeiten verknpft waren, da ihre
Aufbewahrung grere Sorgfalt verlangte, wenn die Einzelheiten,
Baumschlag, Gesichtszge etc., nicht, wie wir es an vielen Beispielen in
unsern modernen Sammlungen noch sehen knnen, gedrckt, abgerieben und
unkenntlich gemacht werden sollten. Wir mssen annehmen, da die
Goldschmiede der damaligen Zeit ausnahmslos gewandte Zeichner und
geschickte Techniker waren, die Umsetzung einer Plakette in eine
Zeichnung ging ihnen leicht von der Hand und das Arbeiten nach einem
Stich bereitete ihnen keine Schwierigkeit. Es tritt uns hufig die
Erscheinung entgegen, da plastische Arbeiten nach einer Plakette im
Gegensinne erscheinen. Ich glaube, da wir in solchem Falle stets einen
Stich als Zwischenglied anzunehmen haben. Auch nach unserer Plakette
existiert eine Goldschmiedearbeit im Gegensinne, zu der aber nicht die
angefhrte Punzenarbeit unserer Kupferstichsammlung die Vermittelung
gewesen sein kann, sondern zu der wir einen anderen Stich als Vorlage
voraussetzen mssen. Die Arbeit, eine silber-vergoldete Schale, befand
sich im Besitze Spitzers, und ist abgebildet in La collection Spitzer
III, orfvrerie civile Pl. VIII. Die Beschreibung lautet dort (S. 25 Nr.
66): A I'intrieur de la coupe est figure la lgende de Scylla. Nisus
(?), vtu en guerrier antique, mont sur un cheval au galop, occupe le
centre de la composition. A droite et  gauche, des groupes de guerriers
(!). Au fond, on aperoit Scylla tenant  la main la mche de cheveux
qu'elle a coupe a son pre; on la voit encore sur le haut d'une tour
qui fait partie de l'enceinte d'une ville, au dernier plan: fond de
paysage et de fabriques. Sur le bord de la coupe,  l'intrieur, est
grave l'inscription suivante qui explique le sujet: Quid non cogit amor
testis Niseia virgo | ausa in purpurea regna pater[56] coma | fatali
tondere manu quid moenibus hostem | arces, hoste magis nata timenda tibi
est. Heu quanto stetit unius tonsura capilli Scylla tibi en tecum patria
versa tua est nil agis at vobis male sit nox somne cupido quorum opera
tantum suscipere ausa scelus. (?)

Sur le bord de la coupe,  l'intrieur, un poinon: un cusson charg
d'un V.

In Bezug auf die Landschaft ist der Meister dieser Arbeit sehr
selbststndig vorgegangen, sie hat durch seine vereinfachende
Behandlungsweise eher gewonnen, als verloren. Die manirierten Wolken
sind verschwunden, die Architekturteile aber sind sehr mig
ausgefallen. Der linke Eckturm der Stadt im Vordergrunde ist vllig
miraten. Scylla hat, in nherer Anlehnung an Solis, einen groen Busch
Haare in der Rechten, damit an der Bedeutung ihrer Person kein Zweifel
sein kann. Der Baumstumpf mit dem Monogramm und der Jahreszahl fehlt.

[Funote 56: Auf der Platte steht deutlich und richtig paterna.]

2) Verkleinerter Ausschnitt aus der unter 1) angefhrten Darstellung von
Scylla und Ninos. Copie. K. P. 888. Kat. 531. 0,05  0,45 m. Bleigu.

3) Eberjagd. K. P. 461. Kat. 530. Rund. Durchm. 0,17 m. Arabeskenartige
Umrahmung. Bleigu.

Ein nach links gallopierender Reiter in antiker Gewandung, mit Federhut,
in der Linken einen Jagdspeer schwingend und ein Jger mit der Saufeder
dringen auf einen von 4 Hunden angefallenen Eber ein. Im Vordergrunde
rechts auf einem Baumstumpf 1570 H. G.

4) Tod des Adonis. Von Jagdscenen umgeben. K. P. 204. Kat. 605. Rund.
Durchm. 0,159 m. Bleigu.

Adonis, nackt, liegt nach rechts im Schoe der bekleideten Venus, von
links beugt sich Amor zu ihm nieder, im Vordergrunde Schild, Horn,
Jagdspeer und Mantel. Im Hintergrunde sieht man nach rechts den Eber
enteilen. Durchm. des Mittelstcks incl. des umrahmenden Kranzes 0,065
m. Der Rand ist in einer Breite von 0,042 m von Jagdscenen bedeckt,
unter denen sich die bei 3) aufgefhrte mit geringen nderungen rechts
oberhalb der Venus wiederholt. Der Jger steht nicht links, sondern
rechts vom Eber und hat die Saufeder bereits dem Wild in die Seite
gestoen. Den Reiter sehen wir, etwas verndert, links von der Gruppe.

5) Der Angler. K. P. 205. Kat. 529. Durchm. 0,17 m. Umrahmung wie bei
1). Bleigu.

Im Vordergrunde links sitzt ein nach rechts gewandter Mann am Ufer eines
Flusses und angelt. Ein Korb hngt ber einem Zweige im Wasser, ein
zweiter steht am Ufer. Der Flu ist belebt durch Vgel, Fische und
Khne. In der reichausgestatteten Landschaft bemerkt man rechts eine
Mhle, links antike Gebudeteile. Rechts dem Angler gegenber befindet
sich auf einem Baumstumpf die Inschrift: 1570. H. G.

6) Vulcan und 3 Cyclopen mit schmieden beschftigt. K. P. 202. Kat. 602.
Rund. Durchm. 0,17 m. Kranzartige Umrahmung. Bleigu.

Vulcan, vor einem Ambos in offener Landschaft sitzend, und 3 stehende
Cyclopen schmieden. Links die Feueresse, rechts Venus, die ihre rechte
Hand auf Amors Haupt gelegt hat. Smtliche Personen sind nackt.

7) Das Urteil Salomonis. K. P. 208. Kat. 603. Rund. Durchm. 0,17 m.
Umrahmung hnlich wie bei 3). Bleigu.

Salomo, bartlos, sitzend in freier Landschaft, mit Scepter in der
Rechten, vor ihm ein Scherge, der in der linken Hand das lebende Kind am
Bein, in der Rechten das Schwert hlt. Im Vordergrunde die beiden
klagenden Weiber, zwischen ihnen noch einmal das Kind, liegend. Im
Hintergrunde zwei brtige Mnner, deren einer das Liktorenbeil trgt.
Rechts turmartiges Gebude, von dessen Brstung, hnlich wie bei 1), ein
Weib herunterschaut. Aus der Thre, von der eine Treppe zum Erdboden
fhrt, tritt eine Person mit einem Korbe in der Hand.

                         Schuchardt. Goethes Kunsts. II. S. 26 Nr. 74.

8) u. 9) Hirsch- und Eberjagd in der Art des H. G. K. P. 254 u. 253.
Kat. 548. 549. 0,022  0,093 m. Bleigu.

Ein Hirsch, nach links entfliehend, wird von Jgern und Hunden verfolgt.
Ein Reiter mit Jagdhorn. Im Vordergrunde links ein Kreuz.

In der Mitte ein Reiter mit Jagdspeer, rechts ein von Hunden
angefallener Eber, links laufender Mann mit zwei Hunden.

Nagler, Monogr. III. Nr. 974 erwhnt: In der frstlichen Sammlung zu
Wallerstein befindet sich ein Pulverhorn mit einer runden getriebenen
und vergoldeten Platte, welche den Saturnus vorstellt, wie er die nackte
Wahrheit der aufgehenden Sonne entgegenfhrt. Ein dsterer Dmon sucht
sie vergebens wieder niederzuhalten, denn schon schwebt die
Friedenstaube ber dem Lande. Die Umschrift besagt: Abstrusum Tenebris
Tempus Me Educit In Auras. -- H. G. 1570.

Leider konnte mir eine Abbildung oder nhere Beschreibung dieses
Pulverhorns nach gtiger Mitteilung des Herrn Bibliothekar Dr. Grupp
augenblicklich nicht zur Verfgung gestellt werden, wohl aber ist mir
durch die Liebenswrdigkeit der Verwaltung der archaeologischen
Abteilung des Darmstdter Museums der Abgu einer Plakette zugegangen,
die zweifellos das Modell zu der Platte des Pulverhorns darstellt. Die
Plakette, rund, hat einen Durchmesser von 0,083 m., ohne den mit der
Inschrift versehenen Rand 0,063 m. Die Darstellung entspricht genau der
Beschreibung Naglers. Aber das erste Wort der Umschrift lautet nicht
Abstrusum, sondern ABSTRVSAM, auerdem steht noch in der inneren
Plakette mit kleineren Buchstaben: VERITAS FILIA TEMPORIS Wenn Nagler
also richtig zitiert, so htten wir hier einen Beweis dafr, da die
Plakette nicht als Andenken von einer ausgefhrten Treibarbeit
abgegossen ist, sondern da der Meister zunchst die Plakette
herstellte, um nach ihr zu arbeiten, dann aber bei der Platte fr das
Pulverhorn den Fehler des Modells nicht nachahmte, sondern korrigierte.
Ein zweites Exemplar dieser Plakette, weit besser erhalten als das
Darmstdter, aber ohne Rand, also auch ohne das Monogramm, befindet sich
in Kassel. Eine Photographie davon verdanke ich Herrn Prof. Dr. K.
Lange. Es gehrt dieses Stck zu den besten Arbeiten des Meisters H. G.

Von den Nachfolgern Fltners steht unserem Plakettisten in der
Behandlung von figrlichen Darstellungen der durch eine groe Reihe von
Punzenarbeiten bekannte Meister J. S. am nchsten. Was A. Winkler im
Jahrbuch der kgl. preu. Kunstsammlungen Bd. XIII, S. 100 von diesem
schreibt:

Besonders charakteristisch ist die Behandlung der Landschaft, zumeist
eine Verbindung deutscher Flu-, Dorf- und Stdtelandschaft mit
antik-rmischen Reminiscenzen pat ebenso auf Fltner und H. G. Auch die
Wassermhle, die brigens auch Jost Amman gern verwendet, ist ein
bevorzugtes Motiv beider. Endlich erinnere ich noch an die hnlichkeit
der Wolkenbehandlung zwischen H. G. und I. S. Lauter _hnliche_ Motive,
die doch von jedem einzelnen Meister in origineller Weise wieder
durchgebildet sind, die aber auf eine gemeinsame Schule schlieen
lassen, welche von Fltner ausgegangen ist.

_Nrnberg._

                                                       Dr. _F. Fuhse_.




                       Oswald und Kaspar Krell.
        (Vergl. Drers Portrt Oswalds in der Mnchener Alten
                             Pinakothek.)


Wie bei jedem Kunstwerk das Verstndnis des Gegenstandes, des Inhalts,
dessen, was der Knstler hat ausdrcken wollen, eine der
Hauptbedingungen des knstlerischen Genusses ist, so auch beim Portrt:
richtig beurteilen und voll wrdigen knnen wir eine Leistung auf diesem
Gebiete erst, wenn wir mit dem Gegenstande -- hier also der
Persnlichkeit des Dargestellten -- bekannt gemacht sind. Aus diesem
Grunde werden auch einige Aufschlsse ber Oswald Krell, die sich mir
bei Gelegenheit anderer Studien in den hiesigen Archiven ergeben haben,
vielleicht um so mehr willkommen sein, als bisher ber diesen Mann
nichts weiter bekannt war, als da Drer im Jahre 1499 sein Bildnis
gemalt hat[57]. Wohl mit Recht vermutet Thausing (Drer I, 193), da es
das erste Portrt war, das von dem jugendlichen Meister auf
ausdrckliche Bestellung gemalt wurde, denn schon das Aussehen des
Mannes ist nicht der Art, da man sich dadurch htte angezogen fhlen
knnen. Es ist keine einnehmende Persnlichkeit, sagt Thausing, die
hier in aller Herbigkeit ihrer Erscheinung dargestellt ist. Der
knochige, bartlose Kopf des jungen Mannes ist etwas nach links gewandt,
und ernst, fast mrrisch, blicken die Augen aus den uersten Winkeln
heraus. Diese von dem in der knigl. Pinakothek zu Mnchen befindlichen
Bilde abgelesene kurze Charakteristik wird durch einen Blick auf die
Thatsachen, die wir aus dem Leben Oswald Krells und ber seine
Familienverhltnisse beibringen knnen, im wesentlichen besttigt --
gewi ein Zeichen fr die hohe Kunststufe, welche Drer als Portrtist
bereits zu Ausgang des 15. Jahrhunderts erreicht hatte.

Das Geschlecht der Krell oder Kreel gehrt zu den Nrnberger Ehrbaren
Familien. In einer Urkunde vom 16. August 1490 kommt ein Franz Krell mit
dem Zusatz der Erbar als Mitglied des greren Rates vor[58]. Oswald
erscheint in den im Kreisarchiv Nrnberg verwahrten Ratsprotokollen
zuerst im Jahre 1497, wo ber ihn und Wolf Ketzel vom Rat eine Strafe
verhngt wird, weil sie einen ehrsamen Brger[59], den Hans Zamasser, in
einem Fastnachtsspiel als Narren verhhnt haben. Sie sollen dafr einen
Monat auf einen versperrten Turm wandern, es wird ihnen aber
freigestellt, sich von der Hlfte dieser Strafe mit Geld loszukaufen.
Alles bittliche Ansuchen hilft dagegen nichts, nur ein Aufschub der
Strafe, d. h. ihrer Abbung, wird den beiden belthtern endlich
gewhrt[60]. Freilich kommt in den Notizen, die sich auf diesen Fall
beziehen, der Name Krell berhaupt nicht vor. Es heit nur Oswald, der
Gesellschaft von Ravensburg Diener; da aber nach einer ziemlich
gleichzeitigen Urkunde im Nrnberger Stadtarchiv Oswald Krell damals in
der That ein diener vnd handler (an anderer Stelle heit es: factor
vnd handler) der gesellschafft zu Rauenspurg war, so ist an seiner
Identitt mit jenem losen Sptter nicht zu zweifeln[61].

[Funote 57: Vgl. T. de Wyzewa in der Gazette des Beaux-Arts 1890, 1.
August: Oswald Krell ralise l'idal de l'obscurit et du peu
d'importance; on n'a pu dcouvrir ni d'o il venait, ni qui il tait, et
rien ne nous est rest de lui,  part son nom et son image.]

[Funote 58: Freiherrl. von Holzschuhersches Archiv (im Germanischen
Museum) Perg.-Urk. vom 16. Aug. 1490.]

[Funote 59: Nach Aufzeichnungen Lochners im Nrnberger Stadtarchiv,
deren genauere Bezeichnung -- es handelt sich um eine Randbemerkung in
den sogenannten Selekten -- ich mir leider nicht gemerkt habe, besa ein
Zamasser ein Haus am Markt in der Nhe der Fleischbrcke.]

Viele Jahre hren wir nichts mehr von ihm. Dann taucht sein Name
pltzlich wieder auf; aber inzwischen ist aus dem Handlungsdiener, der
die Interessen einer fremden kaufmnnischen Gesellschaft[62]
wahrzunehmen hatte, ein selbstndiger Mann, wie es scheint ein
angesehener Kaufherr zu Lindau im Bodensee[63] geworden, dessen
Brgschaft in einer Kriminalsache von dem Rat zu Nrnberg gewnscht
wird. Wiederum ist es keineswegs ein sauberer und fr seine Familie
ehrenvoller Handel, in den Oswald hineingezogen wird, wenn diesmal auch
nicht er, sondern sein Bruder Kaspar Krell der Schuldige war. Der
ziemlich abenteuerliche Hergang dieser Angelegenheit bietet manches
sittengeschichtlich Interessante, und so will ich ihn hier in Krze
erzhlen, obgleich dabei fr das Verstndnis des Drerschen Gemldes,
von dem unsere Betrachtung ausging, nicht mehr viel zu gewinnen ist.

[Funote 60: [R(ats)-P(rotokolle) 1497 (Heft) II, (Blatt) 15b] Tercia
post domini oculi (_28. Febr._) _1497_:

Es ist bey einem erbern Rat erteylt wolff ketzel vnnd den owalt der
geselschafft von Rafenspurg diener, yr yden ein monat vff ein versperten
thurn, zu straffen, den halben teyl mit dem leyb zuuerpringen aber den
anndern halben teyl mag Ir yder mit dem geltt darauff gesetzt ablosen,
Darumb das sie Hannsen Zamasser, mit einem fanacht Spil als ein narren
gehondt haben.

[R.-P. 1497, II, 17a] Quinta post domini Oculi (_2. Mrz_) _1497_.

Es ist erteylt, In der sachen Zwischen dem Zamesser, vnd wolffen ketzel
auch dem owalt, das es ein erber Rat bej der straff die In vormalen Im
Rat erteylt ist entlich sol pleyben, vnd kein enndrung dar Innen thun
lassen.

[R.-P. 1497, III, 9b] Tercia post domini palmarum (_21. Mrz_) _1497_:

Es ist abermalen Im Rat erteylt das es bej der straff die [man] dem
ketzell vnnd dem Owallt von wegen des Zamasser auffgelegt hat,
nochmalen sol pleyben.

[R.-P. 1497, IV, 13b] Quinta post misericordiae dominj (_13. April_)
_1497_:

Owallten der gesellschafft von Rafenspurg diener ist frist zu seiner
straff geben bis vff pfingsten.

[R.-P. 1497, VI, 16b] Tercia post Viti (_20. Juni_) _1497_:

Wo der owalt sein straf itzo halbe wil verpringen sol [man] Im zu dem
anndern Halben teyl bi vff Jacobj frist geben.

[R.-P. 1497, VII, 4a] Tercia post Johannis Baptiste (_27. Juni_) _1497_:

Es ist abermalen erteylt das Owalt sein straff verpringen sol wie am
nachsten im Rat erteylt ist.]

[Funote 61: Stadtarchiv. Libri litterarum. Bd. X. Fol. 82b, leider ohne
Datum, aber ohne Zweifel in die neunziger Jahre des 15. Jahrhunderts
gehrend. Es handelt sich um Summen, welche Hieronymus Behaim, Brger zu
Nrnberg und Blasius Krieg zu Breslau verschiedenen Leuten fr
gelieferte Kaufmannswaren schuldig sind. Unter den Glubigern erscheint
auch Oswald Krell, der 248 Gulden zu fordern hat.]

[Funote 62: Ohne Zweifel jene groe patrizische Handelsgesellschaft zu
Ravensburg, an deren Spitze im 15. Jahrhundert die uralte Familie
Hundbi stand. Vgl. darber F. Hafner, Geschichte von Ravensburg (1887)
S. 94, 269, 441 u. .]

Im Februar des Jahres 1511 wurde Kaspar Krell von Lindau wegen
mancherlei Diebereien pltzlich festgenommen und unter Androhung der
Folter verhrt. Welcher Art seine Diebsthle gewesen sind, geht aus den
Ratsprotokollen nicht mit Sicherheit hervor. Er gestand sie aber ein und
wrde auf dem fr ihn angesetzten ernstlichen Rechtstag vermutlich zum
Tode durch den Strang verurteilt worden sein, wenn sich nicht
hochgestellte Persnlichkeiten: der Bischof von Regensburg, Kurfrst
Friedrich von Sachsen, die kaiserliche Majestt selbst fr ihn verwendet
htten. Die Wichtigkeit, welche der Sache beigelegt worden zu sein
scheint, dann der Umstand, da wir Kaspar Krell einmal im Verein mit
einer ganzen Anzahl anderer Hftlinge erwhnt finden, lt vermuten, da
wir es in ihm mit keinem gewhnlichen Diebe, sondern eher mit einem
Strauchritter, sogenanntem Placker, oder etwas hnlichem zu thun haben,
der sich vielleicht guter Beziehungen zu den verschiedenen frstlichen
Hfen erfreute. Kaiser Maximilian befrwortete sogar seine Freilassung.
Darauf aber konnte sich der Rat nicht einlassen. Er sicherte ihm zwar
auf das Drngen der Frsten das Leben zu, lie aber Kaspar Krell bis auf
Weiteres im Loch liegen. Der Probst von St. Sebald wurde beauftragt, der
kaiserlichen Majestt die Grnde fr dieses Verhalten des Rates
auseinander zu setzen und sein Schreiben gleich so einzurichten, da Ir
Mt an ainen Rate ainich weitter Mandata nit augeen lass, denselben
Caspar frey ledig zu geben, in ansehung was sich ain Rate bey Ime
besorgen m. Aber im Grunde wre man doch -- gegen die ntige
Sicherheit -- des gefhrlichen Menschen gern ledig gewesen, zumal man
nicht recht wute, was man nun mit ihm anfangen sollte. Man lie ihn
Urfehde schwren, glaubte sich aber dadurch noch keineswegs gengend
gegen neue Schdigung und Anfeindung von seiner Seite gedeckt und trat
daher gleichzeitig in Unterhandlungen mit den von Kaspar Krell selbst
vorgeschlagenen Brgen. Seiner Freundschaft, die sich wohl
gleichzeitig fr ihn verwendet hatte, ward angesagt, man sei geneigt,
falls auer ihnen noch Kaspars Eltern, sowie sein Bruder Oswald Krell in
Lindau zur Stellung der ntigen Sicherheit zu bewegen sein wrden,
solche Brgschaft gelten zu lassen. Das aber machte Schwierigkeiten. Die
Krellen in Lindau konnten sich mit dem Rat nicht so bald ber die als
Brgschaft zu zahlende Summe einigen, und whrend die Verhandlungen noch
schwebten, geschah etwas, das eine wesentliche Verschlechterung der Lage
Kaspars im Gefolge haben sollte. Die Maid des alten Lochhters --
gemeint ist wohl seine Tochter -- hatte sich in den Gefangenen verliebt,
und mit ihrer Hilfe machte Kaspar einen Fluchtversuch, der aber milang.
Gebunden ward er in das Loch zurckgeschafft, dort in Ketten gelegt und
aufs Neue mit der Folter bedroht. Vielleicht hat man sie ihm auch zu
kosten gegeben, doch reichte wahrscheinlich die Beschaffenheit des
Lochgefngnisses allein hin, auch einen starken Mann mrbe und den
gesundesten krank zu machen; das knnen wir aus einigen Andeutungen
schlieen.

[Funote 63: Wenn zu Anfang des 16. Jahrhunderts von Lindau ohne
weiteren Zusatz die Rede ist, ist wohl immer Lindau i. B. gemeint. ber
dessen Bedeutung fr den damaligen Handelsverkehr s. L. v. Ranke, Zur
deutschen Geschichte (Smtliche Werke. 3. Aufl. 1888. VII. Bd.) S. 34.]

Inzwischen war es wieder Winter geworden. Zu Anfang des neuen Jahres
1512 bat der Gefangene, beichten und das heilige Sakrament empfangen zu
drfen. Beides wurde ihm gewhrt und auerdem zugelassen, da er alle
Samstag ein Licht in seinem Kerker brennen mge, ein Gnadengesuch seiner
Geliebten jedoch, von der es hie, da Kaspar sie im Loch zur Ehe
genommen habe, abschlgig beschieden. Zugleich lie der Rat unter der
Hand und durch allerlei Mittelspersonen erneute Versuche machen,
namentlich Oswald Krell zu den gewnschten, volle Sicherheit
verbrgenden Zugestndnissen zu bewegen. Sogar dem Lochhter ward einmal
ein Wink gegeben, Gelegenheit zu bieten und zu verstatten, da Kaspar
Krell wieder an seine Freundschaft schreibe. Aber Oswald blieb hart. Im
September erkrankte Kaspar; so drfen wir wohl aus der Mitteilung
schlieen, da ihm eine Hauptwaschung und Aderla erlaubt wurde. Ein
Schermesser, besagte die Verordnung, drfe aber nicht an ihn kommen.
Vermutlich wollte man ihn in recht verwahrlostem, bejammernswrdigem
Zustand seinen Verwandten gegenbertreten lassen, deren Ankunft man
erwartete. Aber noch bis zum November blieben diese aus. Dann erst, als
die Brder Kaspars -- ob Oswald darunter war, wird nicht gesagt --
eingetroffen waren und im Beisein Nikolaus Hallers eine Unterredung mit
ihrem elenden Bruder gehabt hatten, kamen endlich die Unterhandlungen
ber die zu leistende Brgschaft in rascheren Flu. Die nchste Folge
davon war, da Kaspar aus dem Loch in das obere Stbchen umquartiert
wurde; doch blieb er auch hier noch mit einer Kette an die Wand
geschlossen. Immerhin fehlte nicht viel und es wre unter vergeblichen
Hin- und Herschreibereien zwischen Nrnberg und Lindau auch dieses Jahr
zu Ende gegangen. Da kam kurz vor Jahresschlu die Befreiung. Auf Grund
welcher Vereinbarung sich der Rat dazu verstand, ist uns nicht
berliefert. Wir hren nur, da am 29. Dezember dem Kaspar Krell sein
Geld und seine Kleider, die ihm bei seiner Einlieferung ins Gefngnis
abgenommen worden waren, wieder ausgehndigt wurden. Nur ein Becher, der
vermutlich zu den ehemals geraubten Gegenstnden gehrte, verblieb
zunchst in den Hnden des Rats, ob sich vielleicht jemand finde, dem
er zustehe. Das ist die letzte Notiz ber Kaspar Krell, und auch
Oswalds Name kommt seitdem in den Nrnberger Ratsprotokollen nicht
wieder vor[64].

[Funote 64: Ich gebe hier im Zusammenhang diejenigen Ratsverlsse,
welche der vorstehenden Darstellung des Falles Kaspar Krell, zu Grunde
liegen:

[R.-P. 1510, XII, 4a] Secunda Scolastice (_10. Febr._) _1511_:

Casper Krell vmb weitter dieberey zu red hallten, wo er gutlich nit
sagen will weethun.

[ebenda, 5a] Tercia post Scolastice (_11. Febr._) _1511_:

Caspar Krellen von Lindaw ist vmb sein geubter vnd bekandte dieberey
auff nachsten Pfincztag ein ernstlicher recht tag gesatzt.

[ebenda 7b] Quinta post Scolastice (_13. Febr._) _1511_:

Herzog Friedrichen von Sachsen Churfursten anzaigen das vff sein und de
Bischoffs von Regenspurgs Furbitt Caspar kreel de lebens gesichert sey.

[ebenda 10b] Tercia post Juliane (_18. Febr._) _1511_:

Die vrfehd vnd purgschafft Caspar krells soll man allso seiner
freuntschafft, wie die gelesen Ist, furhallten, vnd Inen ain abschrifft
dauon geben.

[ebenda 13b] Sabato Petrj ad kathedram (_22. Febr._) _1511_:

Vff furbitt Herczog Friedrichs von Sachsen Churfrsten sind diese
hernach geschribne personen begeben vnd Ihnen Ir uffgelegte straff
nachgelassen vnd gesichert nemlich Steffan Fellnstain desgleichen Hans
banntzer wo er sich mit de entleibten freuntschafft vertregt,
degleichen Bernhardin Mewes wo er sich mit der widerparthey vnd ainem
Rate vertrgt.

[14a] Aber diser Person halben Ist de Herczogen furbitt gelaint nemlich
Hanns Schrecken Leonhardten werner Margrethe wegerheim Hansen
Krafftshofer, Mathes Henlin Kungund Gollnerin Hannsen Widmann zue
klainrewt Conntzen Schmid Fritzen gast Hannsen Ennter Fritzen kolben.

Vnd Caspar Krell soll Im loch bis vff vollziehung der purgschafft ligen
bleiben.

[R.-P. 1510, XIII, 18a] Sabato post Oculj (_29. Mrz_) _1511_:

Caspar Krellen freundschafft Soll man ansagen, wo Sy irn Freund Owald
Krellen zu Lindaw vermugen, so woll man den zusampt Inen vnd des Caspars
vater und mutter zu prgen annemen.

[R.-P. 1511, II, 4b] Secunda post vocem Jocunditatis (_26. Mai_) _1511_:

Caspar krellen bruder sagen Soll morgen wider vmb antwt manen.

[ebenda 5a] Tercia post Vrbanj (_27. Mai_) _1511_:

Caspar Krellen soll man noch (vnentschlossen was enndtlich mit Ime zu
handeln sey) allso ligen lassen, vnd dem Brobst Sebaldj schreiben ainen
Rate vff der k. Mt schrifft seiner halben zuuerantworten vnd zufurkomen
das Ir Mt an ainen Rate ainich weitter Mandata nit augeen lass
denselben Caspar frey ledig zu geben In ansehung was sich ain Rate bey
Ime besorgen m.

Vnd Casparlins freunden Anntwt zu geben ain Rate wll vff Ir schrifft
selber anntwurt geben, vnd dann der angepotten purgschafft halben hab
ain Erber Rate Inen vor lawttern beschaid vnd anntwt geben dabey lass es
ain Rate bleiben.

[R.-P. 1511, III, 1b] Sabato post corporis Christi (_21. Juni_) _1511_:

Den krellen zu Lynndaw so ytzo Irs Sons vnd brvders halben Caspar krelln
geschriben haben antwt zu geben ain Rate hab denselben Caspar de lebens
vff furbitt der fursten vnd gnugsam purgschafft so man ainem Rate
verwendt hab gesichert vnd darumb sey ainem Rate Ir angepottne
purgschafft alls vngnugsam nit annemlich.

[ebenda 8b] Secunda post pet. & paulj (_30. Juni_) _1511_:

Caspar Krellen weitter der maid halben Im Loch die Ime zu seiner
erledigung hanndtreich gethan haben soll zu red hallten, pynnden vnd
bedroen.

[ebenda 7 u. 9] 2 Notizen ziemlich des gleichen Inhalts.

[R.-P. 1511, X, 11a] Secunda post Erhardj (_11. Jan._) _1512_:

Caspar Krellen soll man vergonnen zu peichten vnd das heylig Sacrament
zu empfahen.

Degleichen Ist Ime zuglassen das er alle Samstag ain liecht Im loch
geprauchen mag doch das Ime allweg ain ketten an das pain gelegt werde.

Vnd soll bey dem Blarer haimlich angregt werden damit ain Rate seiner
erledigung halb durch owald Krellen stattlich angesucht werde vnd das
soll thun Caspar Ntzel.

[R.-P. 1511. XII, 22a] Quarta post Oculj (_17. Mrz_) _1512_:

Des alten Lochhters maid ir begern vmb entledigung Caspar Krellen der
Sy im loch zu der Ehe genomen haben soll ablainen.

[R.-P. 1512, III, 23a] Secunda post Visitacionis (_5. Juli_) _1512_:

Dem Lochhter soll man wincken das er Caspar Krell zula an sein
freundschafft zu schreiben.

[R.-P. 1512, V, 15b] Quinta post crucis Exaltacionis (_17. Sept._)
_1512_:

Dem Casperla Krell Soll man vergonnen da habt waschen ader lassen aber
Ime mit keim messer nit Scheren Mit gter gwarsam.

[R.-P. 1512, VIII, 14 a] Tercia Othmari (_16. Nov._) _1512_:

Des Casperlas Crellen brder gestatten mit Im zu reden doch In beywesen
N. Hallers.

[ebenda 14 b]:

Casparn Krell soll man In das ober stublin an ainer Ketten verwarn so
lang die Verschreibung wider von Lynndaw kompt.

[1512. X, 4a] Quarta thome Canthuariensis (_29. Dez._) _1512_:

Caspar Krellen soll man sein gelt vnd claider so in seinem fenglichen
annemen Zuuerwarung genommen sind wider zustellen Aber den Pecher
derweil er den nicht geuordert lennger behalten, ob sich ymand finden
wollt, dem er Zustund.]

_Nrnberg._

                                                          _Th. Hampe._




               Zu Baldungs Madonna mit der Meerkatze.


Herr Dr. Stiassny hatte die Liebenswrdigkeit mich darauf aufmerksam zu
machen, da das neue Bild des germanischen Museums, welches ich im
letzten Hefte des vorigen Jahrgangs Hans Baldung zuwies, bereits in der
Litteratur erwhnt ist. Es ist dies von Seiten Scheiblers (Repertorium
X, 28) und Stiassnys (Wiener Kunstchronik XI. Nr. 28, S. 721) geschehen,
aber allerdings in so wenig detaillierenden Ausdrcken, da eine
Identifikation unmglich war, zumal in Anbetracht der unzhligen Bilder
einer Madonna mit Kind aus der ersten Hlfte des 16. Jahrhunderts. Ich
hatte mir allerdings schon lngere Zeit diese Madonna bei Postrat
Beisch in Stuttgart auf Grund dieser Zitate notiert, aber da von Seiten
des Verkufers s. Zt. keine Angaben gemacht wurden, so war die Identitt
der Beisch'schen Madonna mit unserem Bilde in der That absolut
unersichtlich. Ich habe nun unser Bild vor ganz kurzer Zeit nochmals mit
Hauptwerken des Meisters in Freiburg und Frankfurt verglichen, ferner
mit den Handzeichnungen, Stichen und Holzschnitten und mu auf meiner
Ansicht beharren: das Bild ist meines Erachtens sicher in Baldungs
Atelier entstanden und hchstwahrscheinlich ein Werk seiner eigenen
Hand.

_Nrnberg._

                                                   _Dr. Edmund Braun._




               Der Meister der nrnberger Madonna[65].


Treten wir vor ein bedeutendes Kunstwerk, so ist eine der ersten Fragen,
die sich uns aufdrngen, wer hat es gemacht. Die Frage ist begreiflich
und gerechtfertigt, nicht nur vom Standpunkte des Historikers aus,
sondern fr jeden verstndnisvollen Beschauer. Was uns interessiert, was
uns anzieht oder abstt, ist nicht nur das Kunstwerk als solches,
sondern auch die Individualitt des Knstlers, welche aus ihm spricht.
So viele Irrtmer unvermeidlich unterlaufen, wenn Knstlernamen einzig
aus stilistischen Kriterien bestimmt werden, man wird da, wo
schriftliche Nachrichten oder gute Traditionen fehlen, immer wieder auf
diese Bestimmungsweise gefhrt werden.

Unter den plastischen Werken der beginnenden deutschen Renaissance wird
die nrnberger Madonna (G. M. 314, Stdtische Kunstsammlung Plastik 5)
stets in erster Linie genannt. Vielfach wird sie als das bedeutendste
Werk der deutschen Plastik des frhen 16. Jahrhunderts bezeichnet, oft
ist sie besprochen, in Abgssen und Abbildungen ist sie allgemein
verbreitet und bewundert.

Die Bezeichnung eines Kunstwerkes als bedeutendstes ist stets eine
relative, insbesondere besteht zwischen Kunstwerken, bei welchen in
erster Linie der intensive Ausdruck der Empfindung angestrebt wird und
solchen, welche mehr die formal harmonische Schnheit der Erscheinung
betonen, eine sthetische Antinomie. Erstere haben eine hhere
individuelle, letztere eine mehr typische Bedeutung, und unvermeidlich
muss bei ihnen der Ausdruck der Gemtsbewegungen um einige Grade
herabgestimmt werden. Und doch knnen zwei Werke dieser beiden Gattungen
die gleiche Vollendung besitzen und bezglich der Gattungen selbst sind
wir nicht berechtigt, die eine der anderen berzuordnen. Wohl aber sind
wir darber klar, da erstere mehr dem malerischen, letztere mehr dem
plastischen Ideal entspricht. Die nrnberger Madonna, welche wohl mit
Recht als Teil einer Kreuzigungsgruppe betrachtet wird, gehrt zu
letzterer Gattung. Die Figur ist das Werk eines groen Knstlers,
welcher an formaler Begabung, an reinem Schnheitssinn alle seine
Zeitgenossen berragt. Eine so ungewhnliche Sicherheit des plastischen
Knnens ist Niemanden angeboren, sie wird nur allmhlig in ernster
Arbeit erworben. Es ist ganz ausgeschlossen, da der Meister nur diese
eine oder nur wenige Arbeiten geschaffen habe. Solche sind aber bis
jetzt nicht bekannt geworden. Ob ihm die Piet in der S. Jakobskirche in
Nrnberg zugewiesen werden darf, ist zum mindesten fraglich.

Da aber das ganze Werk eines so groen Meisters bis auf eine Figur zu
Grunde gegangen sei, ist hchst unwahrscheinlich.

                 [Illustration: Nrnberger Madonna.]

Halten wir daran fest, da die Figur eine nrnberger Arbeit ist, und es
ist kein ausreichender Grund vorhanden, sie einer anderen oberdeutschen
Schule zuzuweisen, so ist lngst erkannt, da sie weder von Veit Sto,
noch von Adam Kraft sein kann. Beide Knstler halten an dem
sptgotischen, plastisch malerischen Stile des 15. Jahrhunderts fest,
ihre Arbeiten sind von starker und tiefer Empfindung durchweht, welche
selbst vor gewaltsamen Stellungen nicht zurckschreckt. Von einer
Zuweisung der Madonna an einen von ihnen kann keine Rede sein. Anders
stellt sich ein Vergleich mit den Arbeiten Peter Vischers, ein
Vergleich, der bis jetzt nicht angestellt wurde. Peter Vischer ist seit
den groen Meistern des 13. Jahrhunderts der erste deutsche Bildhauer,
in dem die strengsten Stilgesetze der Plastik lebendig sind. Es ist
etwas Objektives in seiner Kunst, seine Figuren haben gattungsmige,
typische Bedeutung. Gegenber den scharf individualisierten
Persnlichkeiten Krafts oder gar Drers haben seine Menschen etwas
Allgemeines. Er individualisiert nicht mehr, als sich mit der harmonisch
linearen Schnheit der Gesamterscheinung vereinigen lt, auf welche
sein Absehen in erster Linie gerichtet ist. Demgem sind auch die
Bewegungen mavoll und die Gewandung ist von klassischer Einfachheit,
die Krperform mehr hebend als verhllend. Von den untersetzten
Verhltnissen der Apostelfiguren am Grabmale des Erzbischofs Ernst von
Magdeburg geht er spter zu schlanken Proportionen ber. Die Apostel am
Sebaldusgrab haben sieben und mehr Kopflngen.

[Funote 65: Auf die stilistischen Eigentmlichkeiten der Figur, welche
dieselbe mehr der Metall- als der Holzplastik zuweisen, hat Dr. H.
Stegmann schon frher aufmerksam gemacht.]

Die charakteristischen Merkmale von Peter Vischers statuarischen
Arbeiten, namentlich von den Aposteln des Sebaldusgrabes finden sich
wieder an der Nrnberger Madonna. Die plastischen Motive und der Flu
der Linien sind von einer Harmonie und Klarheit, wie sie die deutsche
Schnitzkunst vorher nie erreicht hatte. Das Bewegungsmotiv ist von oben
bis unten einheitlich durchgefhrt, hier stren keine Verrenkungen und
Hrten wie bei anderen Schnitzwerken der gleichen Zeit. Eine milde
Stimmung beherrscht das ganze Werk.

Nun sind diese bereinstimmenden Momente an und fr sich noch kein
Beweis fr Vischers Autorschaft, sie gewinnen aber dadurch erheblich an
Gewicht, da Vischer mit seiner plastischen Auffassung in seiner Zeit
ganz allein steht. Beobachtungen von Einzelheiten kommen hinzu. Vischer
liebt in der Gewandbehandlung lang gezogene Falten, der Fall der
Obergewnder ist breit, zuweilen etwas schwer. Auch an der Madonna ist
der Faltenwurf hnlich behandelt. Man vergleiche den Fall des Mantels in
beistehender Skizze mit dem der Schwester des Lazarus vom Epithaph der
Margareta Tucher. Von der Knitterigkeit, von den barock gebauschten
Rndern der Gewnder, wie sie noch Veit Sto liebt, ist hier keine Spur
mehr zu sehen. Auch die Behandlung der Hnde und das rund vorspringende
Kinn hat in anderen Werken Vischers seine Analoga.

                [Illustration: Tucher'sches Epitaph.]

                 [Illustration: Nrnberger Madonna.]

Endlich aber ist die Figur -- worauf schon Dr. Stegmann aufmerksam
gemacht hat -- berhaupt nicht im Holzstil, sondern im Metallstil
gedacht und ausgefhrt.

Die unruhigen, knitterigen und gebauschten Falten der Holzfiguren zielen
auf eine malerische Wirkung ab, welche Polychromie und Vergoldung zur
Voraussetzung hat; bei unserer Figur ist eine Steigerung der Wirkung
durch farbige Behandlung kaum denkbar. Schon die Verteilung von Ober-
und Unterkleid ist eine solche, da durch ein Auseinanderhalten mittels
Farbe nur eckige und unschne berschneidungen entstnden, welche der
plastischen Erscheinung nicht zum Vorteil gereichen wrden. Die groen
Flchen des Mantels wrden in anderer als der dermaligen grnlichen
Farbe eben auch nicht viel anders erscheinen als jetzt.

Wohl aber wrde die ganze Gewandung bei einer Ausfhrung in Bronze durch
die Glanzlichter auf den Hhen und die dunkeln Schatten in den Tiefen
der Falten sehr wesentlich belebt werden.

Es sei noch darauf hingewiesen, da der grnliche Anstrich der Figur
nicht modern, sondern alt und mehrmals erneuert ist.

Mit dem Gesagten ist eine ziemliche Wahrscheinlichkeit fr Peter
Vischers Autorschaft gewonnen. Es darf indes nicht verschwiegen werden,
da zur Gewiheit manches fehlt.

Wenn auch Vischer von den kurzen Verhltnissen der magdeburger Figuren
spter zu schlankern bergeht, so berschlanke Figuren, wie die
nrnberger Madonna sind von ihm doch nicht bekannt. Und die Ausfhrung
ist sorgfltiger, als wir es sonst von Vischer gewhnt sind.

Man mchte vielleicht, wenn man die Autorschaft Peter Vischers
bezweifelt, an einen seiner Shne denken, allein solange wir deren
knstlerische Individualitt nicht genauer kennen, wird sich auch nicht
entscheiden lassen, ob etwa statt des Vaters, einer der Shne, als
Meister der Figur in Frage kommt.

_Nrnberg._

                                                  _Gustav von Bezold._




        Das Gedenkbuch des Georg Friedrich Bezold, Pfarrers zu
                 Wildenthierbach im Rothenburgischen.


Durch Schenkung seitens des Herrn Direktors von Bezold ist das
germanische Museum letzthin in den Besitz einer Handschrift gelangt,
die, wie eine kurze Charakterisierung des Inhalts zeigen wird, manchen
willkommenen Beitrag zur Kenntnis insbesondere der Kulturgeschichte des
18. Jahrhunderts liefert. Viele Eintragungen freilich knnen nur ein
beschrnktes, lokalgeschichtliches Interesse erwecken, andere dagegen
verdienen auch in weiteren Kreisen ohne Zweifel Beachtung. Diese
Doppelnatur unseres (mit Ausschlu des Registers und eines spter
hinzugebundenen Heftes von 41 Seiten mit allerlei biblischen Zitaten und
Nachweisen) 658 nummerierte Quartseiten zhlenden Manuskripts erklrt
sich leicht aus der Lebensstellung und Sinnesart des Sammlers und
Schreibers.

Es ist der reichsstdtisch rothenburgische Pfarrer Georg Friedrich
Bezold, welcher den Codex um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, aber
gewi im Laufe mancher Jahre zusammengeschrieben hat. Seine Familie, die
seit dem 15. Jahrhundert in Rothenburg nachweisbar ist, gehrte zu den
ratsfhigen Geschlechtern und sein Oheim Georg Christoph Bezold stand
noch zu Ende des 17. Jahrhunderts dem Rate der freien Reichsstadt als
Consul d. h. Brgermeister vor. Er selbst aber (geb. 1710) hatte, wie
sein Vater Johann Albert, der Pfarrer an der Kirche zum heiligen Geist
gewesen war, die Theologie zum Lebensberuf erwhlt und die Tochter des
Pfarrers Johann Michael Stock zur Frau genommen, dessen Geschlecht
bereits seit mehreren Menschenaltern der kleinen evangelischen Gemeinde
von Wildenthierbach -- auch einfach Thierbach genannt -- ihre Seelsorger
gegeben hatte. 1734 starb der alte Pfarrherr, wie es in den
genealogischen Notizen auf S. 67 des Gedenkbuches, aus denen wir unsere
Kenntnis schpfen, heit: ex improviso bombardae ictu militis
Wrzburgensis, und im Amte folgte ihm sein Schwiegersohn, der die
Pfarrei bis zu seinem im Jahre 1771 erfolgten Tode bekleidet zu haben
scheint. Wenigstens folgte ihm, wie eine sptere Eintragung a. a. O.
ergibt, in diesem Jahre als Pfarrer von Wildenthierbach sein Sohn Ernst
Albert Bezold.

Von seinem stillen Erdenwinkel aus hat der Schreiber unserer Handschrift
Jahrzehnte lang dem Treiben der Welt zugesehen. An beschaulicher Mue
wird es ihm wohl nicht gefehlt haben, sonst wrde er schwerlich groe
Abschnitte seines Gedenkbuches in zierlicher Druckschrift ausgefhrt
und, wo etwa seine Vorlagen grere oder kleinere Vignetten und
Zierleisten aufwiesen, auch diese mit sorgfltiger Feder wiedergegeben
haben. Bewunderungswrdig ist in der That die Ausdauer und Hingabe, mit
der er selbst umfnglichere Flugschriften bis auf die Form der
Buchstaben getreu kopiert hat.

Von ihm selbst rhrt in dem Codex nur wenig her. Es sind da vor Allem
Aufzeichnungen ber Wind und Wetter, Beobachtungen, wie sie dem
Landgeistlichen besonders nahe liegen muten, zu nennen. Die Einkleidung
ist zuweilen originell genug und verrt uns bereits die ausgesprochene
Vorliebe des Pfarrers fr absonderliche, curieuse Gegenstnde und
Geschichten. So zhlt er auf Seite 85 in seinen Anmerkungen ber das
1766ste Jahr der Nachwelt zum unvergelichen Angedenken acht
Merkwrdigkeiten des Winters 1766 auf 67, die sich alle lediglich auf
die Witterung beziehen, auf. Da er aber zugleich mit feinem Sinn fr
Witz und Humor begabt war, zeigen sogar seine Dicta quaedam breviter
explicata (S. 377 ff.), teils eigene teils fremde Auslegungen von
Bibelstellen, in welchen ein schalkhafter Humor nicht selten das
theologische Element berwiegt. Da notiert er sich beispielsweise:

   1. Tim. VI, 9: Denn die da reich werden wollen, die fallen in
   Versuchung und Stricke und in Viele thrigte und Schdliche
   Begierden, welche die Menschen Versenken ins Verderben und
   Verdammni; den der Geitz sey eine Wurtzel alles bels, und
   durchstechen sich selbst mit Vielen todes Schmertzen

und bemerkt dazu:

   Aus diesem Dicto hat eine nachsinnende Feder, Von denen See-Wrmern
   in Holland und deren Vermuthender ursach folgende courieuxe
   Observation gezogen: .... Der heil. Geist Brauche durch den
   Apostel das Wort Schdliche, und dieses Wort heie nach dem
   Grund Text [Griechisch: blaberos], deen derivation von
   [Griechisch: blipt] oder [Griechisch: eapt] und [Griechisch:
   ipt], noceo, ich schade, DaVon dan herkomme [Griechisch: ips,
   ipos] vermis cornua corrodens, ein Wurm der Hrner durchnaget,
   mit Hrnern armiret. -- Weilen nun in Holland in sonderheit die
   Geldgierigkeit und Begierde reich zu werden durch die Handlung zu
   waer und zu land, wie bekandt herschet, so hat Gott zur straffe,
   wie sie selbst bekennen, .... diese schdliche Wrmer ...
   gesandt, welche ihre hornharte Pfhle an den Teichen
   durch-Brechen und das Land in uerste Gefahr der berschwemmung
   und des Verderbens setzen.

Man hrt frmlich bei dieser an den Haaren herbeigezogenen,
umstndlichen Erklrung den wackeren Pfarrherrn von Wildenthierbach
hinter seinem Buche leise lachen.

Im brigen besteht der Inhalt so gut wie ausschlielich in Abschriften,
deren Vorlagen nicht immer leicht festzustellen sind. Es wurde bereits
erwhnt, da ihm mehrfach Flugbltter und Flugschriften als solche
gedient haben, die heute teilweise zu den Seltenheiten zhlen. Vieles
auch entnahm er der Frankfurter gelehrten Zeitung, die er sich
gehalten zu haben scheint, oder der Erlanger Realzeitung, der
Berliner Zeitung etc., anderes ist aus Chroniken zusammengetragen, aus
den Werken gleichzeitiger Dichter, wie Gellert, Gleim, Gottsched u.
a. abgeschrieben. Es verrt keinen besonders entwickelten
historisch-wissenschaftlichen Sinn, da Angaben ber das Woher den
einzelnen Abschnitten und Gedichten nur selten hinzugefgt sind.

Gleich der erste umfngliche Eintrag in sein Gedenkbuch (S. 1 ff.) zeigt
ihn zwar als guten Rothenburger Patrioten und berzeugten,
glaubenseifrigen Protestanten, aber als schlechten Historiker, denn zu
einer Sammlung von Nachrichten von der geseegneten Reformation allhier
in Rotenburg htten ihm wohl bessere Quellen zu Gebote gestanden als die
ziemlich wertlose Kompilation Albrechts[66] aus der er seine Weisheit
geschpft hat. In einer anderen hnlichen Sammlung allerhand
merkwrdiger Sachen, die sich auf Franken, insbesondere aber wieder auf
Rothenburg beziehen (S. 397 ff.), wird ein Lobgedicht auf Rothenburg
angefhrt, welches folgendermaen beginnt:

   Rotenburg die Edel Berhmte Stadt
   Von Schlo und Burg den Nahmen hat.

Ich kenne dies Gedicht auch aus einem dem 16. und 17. Jahrhundert
angehrenden Sammelbande, Ms. 153 fol. der groherzogl. Hofbibliothek zu
Darmstadt, wo es auf Bl. 39 f. jedoch in sehr vernderter und bedeutend
erweiterter Fassung erscheint und sich fr ein Werk Hans Sachsens
ausgibt, der in den Schluversen als Dichter genannt wird. (Dz wunscht
von Nurmberg Hans Sachs, Gott geb dz sein kirch darinnen wachs). Wenn
nun auch das Gedicht in der Form, wie es uns heute vorliegt, alle
Zeichen des Apokryphen an sich trgt und keine Spur von dem Geist des
Nrnberger Dichters erkennen lt, so wre doch immerhin mglich, da es
in Erinnerung und unter Zugrundelegung eines verloren gegangenen Hans
Sachsischen Poems entstanden wre. Und selbst wenn dies nicht der Fall
sein sollte, wre das in der Darmstdter Handschrift enthaltene Gedicht
als eine frhe Unterschiebung -- die Hand, welche es schrieb, gehrt der
zweiten Hlfte des 16. Jahrhunderts an -- nicht uninteressant und ein
Gegenstck zu dem bekannteren Lobspruch auf die Stadt Rostock, der
gleichfalls Hans Sachs flschlicherweise zugeschrieben ist[67].

[Funote 66: Vgl. _Bensen_, _Historische Untersuchungen ber die
ehemalige Reichsstadt Rotenburg_ (Nrnberg 1837), S. 19.]

Doch zurck zu dem Gedenkbuch des G. F. Bezold! Was dasselbe sonst ber
Ereignisse und Verhltnisse im Rothenburger Lndchen enthlt, ist von
keinem besonderen Belang. Allenfalls drfte die Aufzhlung smtlicher
Landpfarrer der Rothenburger Dicese von den Zeiten der Reformation bis
zu Lebzeiten des Schreibers (S. 45 ff.) fr die Rothenburger
Lokalgeschichte hin und wieder als Quelle benutzt werden knnen.
Zuweilen wird auch ein Gelegenheitsgedicht oder ein Spottlied, wie das
auf den bestraften Nachtigallenfnger und deutschen Schulmeister Vester
in Rothenburg (S. 35 f.) wiedergegeben, aber von dem eigentlichen Leben
und Treiben in und um Rothenburg oder von der Politik der freien
Reichsstadt whrend des 18. Jahrhunderts erfahren wir nichts. Wir wissen
freilich zur Genge aus Bensens vortrefflicher Schilderung (a. a. O. S.
383 ff.), wie traurig es in dieser Beziehung seit lange, ja eigentlich
seit dem Ausgang des Mittelalters, um das Rothenburger Gemeinwesen
bestellt war, wo sich im Kleinen wiederholt, was zur selben Zeit auch
grere Reichsstdte allmhlich in eine ganz unhaltbare Lage geraten
lie: rcksichtslose Interessenpolitik, Protektionswesen und
finanzieller Verfall im Innern, kraftlose, feige Nachgiebigkeit nach
auen. Man erinnere sich nur an die Geschichte von dem preuischen
Lieutenant Stirzenbecher aus dem Jahre 1762, die Bensen erzhlt, oder an
jene andere Episode von 1800. Siebzehn franzsische Soldaten waren
damals auf einem Beutezuge in die Stadt eingedrungen und verlangten eine
Brandschatzung von 40,000 fl. Bereits saen die gengstigten Rte
beieinander, um ber die Aufbringung der Summe zu beraten, als eine
kleine Anzahl beherzter Brger, ber solche Schmach erbittert, sich
erhob und die Franzosen mit Heugabeln aus der Stadt hinaustrieb[68].
Zwei Jahre spter wurde bekanntlich die Stadt vom Reichstage dem
Kurfrsten von Bayern bergeben.

Es ist kein Wunder, wenn unter solchen Umstnden die Blicke der
Nachdenklicheren, tiefer Angelegten ber die engen Grenzen ihres kleinen
in Verfall geratenen Freistaates hinberschweiften, die groen
Weltereignisse mit Spannung und lebhaftestem Anteil verfolgend, als
knne fremde Gre ihnen einen Ersatz bieten fr die rmlichkeit der
kleinlichen Verhltnisse, welche sie umgaben.

Zu starkem eigenen Denken freilich oder auch nur zu berlegtem,
verstandesmigem Politisieren konnte man sich schwer erheben, und so
ist es denn auch hier wieder in erster Linie der Treppenwitz der
Weltgeschichte, das Anekdotenhafte und Absonderliche an den groen
Ereignissen und Persnlichkeiten der Zeit, das den Schreiber unseres
Codex interessiert. Kleine Charakterzge, satirische und witzige Exkurse
aller Art finden sich in Menge in sein Gedenkbuch eingezeichnet, und da
es sich dabei groenteils um Dinge von allgemeinerem Interesse handelt,
so mgen einige Proben solcher Eintragungen hier folgen:

[Funote 67: Vgl. _Giske_ in _Schnorrs Archiv fr Litteraturgeschichte
X_ (1881) S. 13 ff.]

[Funote 68: _Bensen_ S. 397.]

S. 506 notiert er sich:

   Al der Knig von Preuen Zu Ende des 1756sten Jahrs an einem
   Sonntag in Dreden den Herrn D. am Ende in der Evangelische Kirche
   mit Vergngen predigen hren, auch in der Catholische Schlo Capelle
   der Music bey einer halben Stunde zugehrt und darauf in die
   Reformirte Kirche gieng, wo H. Dietrich prediger war, und
   besagter Dietrich Bey dem Knigl. Eintritt, mitten unter Rede
   anfieng: _Halber Gott! groer Friedrich!_ sprach der Knig von
   Verdru ber diese bertriebene Rede aus dem Steg Reif Zu ihm,
   laut: _Gantzer Narr, kleiner Dietrich!_ und gieng sogleich mit
   seinem Gefolge wieder aus der Kirche.

S. 507 liest man:

       _Teutschland als ein kranckes Frauenzimmer Vorgestellt_
         in einem Gemhlde, von P:P. aus dem Englischen 1757.

   _Teutschland_ sitzet unter der Gestalt eines prchtig gekleideten,
   und mit allerhand Kleinodien ausgezierten Frauenzimmers, auf
   einem Stuhl, in der rechten Hand hlt sie den Scepter, in der
   Lincken den Reichsapffel. Sie gleichet einer krancken Person, die
   in eine ohnmacht zu sincken beginnt, und den Kopff ber den Stuhl
   hangen lt, aus ihrem Mund gehen die worte: _Ihr Kinder helfft
   mich doch!_

   Eine Menge umstehender Personen Zeigen sich in geschftiger Stellung

   1) _der Kayser_, in steiffer Kleidung, nimmt ihr mit beeden Hnden
   den Scepter und den Reichsapffel aus den Ihrigen, mit diesen worten:
   _Ich will dich leichter machen!_

   2) _der Knig von Franckreich_ trennt mit einer Hand die breiten
   Treen von ihrem Rock und lt mit der andern ihre Armbnder Von
   den Hnden und spricht: _wozu dienet der viele Schmuck an einer
   krancken Person, er Beschweret sie nur._

   3) _der Knig von Preuen_ in einem frchterlichen Harnisch dringet
   hiezu, reiet ihr das Halsband vom Hals, hlt ihr den Sbel an die
   Kehle, mit denen Worten: _Machet Platz, ihr Herren! Ihr met
   Lufft machen wann es angehen will._

   4) _der Churfrst von der Pfaltz und der Landgraf von Hessen
   Cael_ stehen dem Kayser zur Seiten, und schttet ein jeder ein
   Brech-Pulver in den Lffel mit den Worten: _wir wollen ihr was zu
   brechen geben._

   5) _der Knig Von Engelland_ hlt ein Glgen Gold Tinctur in
   Hnden und zeiget sie der krancken Person von weitem, und spricht
   mit den worten: _das wre wohl die beste Panace!_

   6 _die Republic Holland_ als ein Apotheker Gesell gekleidet, stehet
   hinter der Krancken ihren Stuhl, hlt in der Hand einen groen
   bndel Recepte, und in der andern Hand eine Clistir Spritze, aus
   seinem Mund gehen die Worte: _Ich kan nicht darzu kommen, und wer
   wei ob meine Artzney bezahlet wird?_

   7) _Der Churfrst von Sachsen_ langet mit der Hand ber die
   Vorstehende hinweg, und reibet dem Patienten Balsan unter die
   Nase, mit den worten: _Ich helffe so gut ich kan, ich kan mir
   selber nicht helffen._

   8) _die Kayserin von Ruland_ stehet von ferne u. siehet mit einem
   Perspectiv oder fern Gla auf die krancke Person und spricht: _Sie
   erholt sich wieder!_

   9) _der Trckische Kayser_ stehet in der Thr des Zimmers, und
   schttet einen Lffel Voll Magentropffen in den Hals, ber ihm
   stehen die worte: _ich brauche meine Medicin selber!_

   10) _Ein sterreicher_ lt ihr am lincken Fu, _Ein Ungar_ aber am
   rechten Fu Zur ader, ber ihm stehen die Worte: _in desparaten
   Kranckheiten mu man desparate Mittel brauchen._

   Auf der andern Seite siehet man _Teutschland_ mit Vielen Wunden
   getdet, auf der Erde in seinem eigenen blute liegen, mit der
   berschrifft: _also mu man heutzutag die Patienten curiren!_

Ob es sich bei vorstehender Beschreibung in der That um einen
Kupferstich, bezw. ein Flugblatt mit einem solchen, oder ob es sich nur
um eine Fiktion handelt, vermag ich im Augenblick nicht zu sagen[69].
Freuen wir uns vor Allem, da unser Vaterland die lange zum Spott und
zum Vorteil der Nachbarn gespielte Rolle der kranken Person seit dem
Anbruch des neuen deutschen Reiches und hoffentlich fr immer
ausgespielt hat.

S. 277 bietet eine satirische Kleinigkeit von hnlicher Tendenz, die
sich in erweiterter Fassung auch auf S. 588 f. wiederfindet:

                          _Friedens-Congre
                         d. 15ten Jan. 1761_

   Die letztern Briefe von Pari verkndigen einen nahen allgemeinen
   Frieden, und da der Congre wird hier gehalten werden.

   Man hat Quartiere gemietet, nemlich

   1) Vor den Kayser .... zur Gnade, in der Gae von Bourbon.

   2) vor die Kayserin .... zur bsen Allianz, in der Invaliden Gae.

   3) vor den Knig von Engelland .... zum Glck, auf dem Sieges-Platz.

   4) vor den Knig von Preussen .... zu den 4 Winden, in der
   Fuchs-Gasse.

   5) vor den Knig in Pohlen .... zum Opfer Abrahams, nahe bey den
   Unschuldigen.

   6) vor den Knig in Schweden .... zur Chimre, nahe bey der Strasse
   der lebendigen Bren-Hute(r).

   7) Vor die Kayserin von Ruland .... zum Berg Vesuvius, in der
   Hllen-Gaen.

   8) vor die Frsten des H. R. Reichs .... zur Brille, nahe bey den
   Unheilbaren.

   9) Vor die Hollnder .... zur Waage, nahe bey der Stern-Warte.

   10) Vor den Marschall de Broglio .... zum hlzernen Degen, in der
   Gae, Hochmuths-Berg.

   11) Vor die Madame de Pompadour .... zur Magdalene, in der
   Salpeter-Sieders-Gae, welche nach Rochelle gehet.

[Funote 69: Flugbltter aus der Zeit des siebenjhrigen Krieges sind
nicht eben hufig. Fr jede Ergnzung seiner reichen Sammlung
historischer Bltter nach dieser Richtung hin wrde das germanische
Museum den gtigen Spendern zu groem Danke verpflichtet sein.]

Es ist bei der Abfassungszeit des Codex fast selbstverstndlich und
ergibt sich auch schon aus den mitgeteilten Proben, da der
siebenjhrige Krieg durchaus im Vordergrunde des Interesses steht. Bald
sind es mehr oder minder witzige Auslassungen der angedeuteten Art,
nicht selten auch Chronogramme, etwa eine Friedensweissagung enthaltend
(z. B. S. 270), am hufigsten aber politische Gedichte, vornehmlich
Kriegs- und Siegeslieder, die wir mit bekannter Sorgfalt in das Buch
eingetragen finden. Eben diese politischen Dichtungen -- auch die
meisten der oben erwhnten Flugschriften gehren hierher -- scheinen mir
den eigentlichen Wert der merkwrdigen Sammlung auszumachen und ihr eine
allgemeinere Bedeutung zu gewhrleisten. Wenig bekannte Volkslieder, die
in neueren Sammlungen solcher Gedichte nicht zu finden sind, wechseln
hier mit den Oden und Gesngen gefeierter Poeten, und deutsches Wesen,
deutsches Fhlen durchdringt sie fast ohne Ausnahme und lt auch einen
verklrenden Schimmer auf die Persnlichkeit des Schreibers, auf den
schlichten Pfarrer in jenem kleinen Dorf im Rothenburgischen fallen. In
der Brust Georg Friedrich Bezolds fanden alle groen Ereignisse den
lebhaftesten Wiederhall, in dem stillen Pfarrhause zu Wildenthierbach
wurden alle Schlachten und Siege noch einmal geschlagen und gesiegt,
wenn auch nur auf dem Papier und in den zierlichsten geschriebenen
Lettern von der Welt. Ganz unverkennbar ist seine hohe Bewunderung fr
den groen Preuenknig, die er mit den meisten seiner sddeutschen
Amtsbrder teilte. Es geht aus zahlreichen Eintragungen deutlich hervor,
da man Friedrich in diesen Kreisen als den Verfechter der
protestantischen Sache ansah, seine Siege als Triumphe des
Protestantismus ber den Katholizismus feierte. Aber der Pfarrer von
Wildenthierbach ist doch nicht so sehr Politiker oder Fanatiker, da er
nicht auch in den Reihen der Gegnerpartei entstandene Lieder in sein
Gedenkbuch aufgenommen htte, wenn sie sich auch freilich in der
Minderzahl befinden. Aus der groen Masse des vorhandenen Materials
knnen wieder nur einige wenige Stcke probeweise hervorgehoben werden:

S. 264:

                          _Herr Pfarr M...r
                               in H--ch
                                 auf
                        den Knig in Preuen_

      Sinn't, Zeiten, auf ein Wort, daran man _Friedrich_ kennt;
   Nicht _Gro_, nicht _Menschen Lust_, nicht _Sieger_ nicht den
      _Weisen_,
   So mag ein Theil von Ihm, in kleinen Frsten heien
      Nennt Ihn den _Einzigen_, dann ist er gantz genennt.

S. 233:

                             _Helden-Lob
                        Friedrichs des Groen
                        Knigs von Preussen._

   Vor diesem war, wann ein Pote sang,
   Ihm jeder Held gedoppelt gro und lang,
   Und sicherlich, je grer und je lnger,
   Dem Held er log, je besser war der Snger;
   Offt war der Held, mit samt des Helds Verrichtung,
   Im Grunde nichts, als seines Dichters Dichtung.
   Der brave Hector, Ajax und Achill,
   Sind nicht so brav, als der Pot es will.
   neas htt an keine Schlacht gedacht,
   Wann nicht Virgil ein Buch davon gemacht
   Printz Satan selbst ist nur ein Funffzen huth [?],
   Mahlt Milton ihn gleich voller Trotz und Wuth;
   Ja mancher spricht die Existenz ihm ab,
   Und die mit Recht, wie sie ihm Milton gab.
   Doch posito: es wren alle Gaben,
   Die in dem Reim, auch ohn ihn, Beyfall haben,
   Vereint in ein und nemlicher Person,
   Sagt, welche wohl fehlt Preuens groen Sohn?
   Solch Treffen hat, wie Er aufs neu gewonnen,
   Kein Alter nicht, kein Neuer nicht ersonnen!
   Drum folgt mir nur, packt euren Kram hier ein,
   Poten Volck! Lat Friedrich, Friedrich seyn!
   Ihm wird, Trotz Epico, Trotz Lyrico,
   Die Wahrheit selbst zum Panegyrico.

S. 443:

                           _Harte Ausdrcke
                                Wieder
                  Friederich, den Knig von Preuen_
    communic. von Mons. Bttcher, Fourier, unter dem Platz. Regim.
                          d. 18t Aug. 1758.

   Als Feldherr, Rechts-Gelehrt, und Zierde der Poten,
   Gab Dich, O Friederich! die Fama anzubeten;
      Allein, o Wunder Ding! da Coccejus gestorben,
      So war zugleich an Dir der Doctor schon verdorben.
   Du bist auch kein Pot, seit dem Voltair entwichen;
   Kein Feldherr von der Stund, als Dein Schwerin erblichen.

   Wilst Du, o Friederich! durch das, was Du gethan,
      Der Alten Helden-Lob in diesem Krieg erreichen?
   Der Alten Helden Lob? Di geht so leicht nicht an.
      Doch bistu ihnen noch in etwas zu vergleichen.
   Denn als Du den August aus seinem Land gejagt,
   Da warstu Pharao, der Isral geplagt.

   Als Broun das vor'ge Jahr die Vlcker commandirte,
      Da warstu Hannibal, und Broun war Fabius.
   Und als letzthin nchst Prag der Daun das Kriegs-Heer fhrte,
      Da warstu Attila, und Daun war tius.
   Und endlich wirstu auch (stimmt Gott mei'm Wnschen ein)
      Der durch die Tamyris besiegte Cyrus seyn.

S. 263:

                                 _Auf
                    Die Bataille bey Hoch-Kirchen
                          d. 14. Oct. 1758._

   In finstrer Nacht zu berfallen,
   Wo nicht einmahl Trompeten schallen,
      Das ist fr Dich kein Ruhm, o Daun!
   Im Finstern sich den Sieg zu stehlen,
   Und doch den Zweck noch zu verfehlen,
      Das wird Dir kein Trophaeum bau'n.

   Wann Friedrich kommt, kommt Er am Tage,
   Wann Friedrich schlgt, kommt mit dem Schlage
      Zugleich die Sonne und der Sieg.

   Die _NachtEul_ [Randbemerkung: Graff Daun fhrt eine NachtEule]
      sucht nur Finsternien;
   Der Adler [Randbemerkung: Preuen fhrt einen schwartzen Adler]
      will die Sonne wien;
      Und dieser ist der Friederich.

   Mein Friedrich kommt der Tag bricht an,
      Merck doch, o Schlesien! die Stunden,
   Was jngst die dunckle Nacht gethan,
      Das hastu nun beym Licht empfunden.

   Was denckt wohl Daun von Tag und Nacht?
   Er denckt, das htt ich nicht gedacht,
      Da Zeit und Stunden also wandern!

   Ja wohl, das zeiget eben euch,
   Er sey dem grten Helden gleich,
      Pompejen, Caesarn, Alexandern.

[Randbemerkung am Schlu: Der Verfaer davon ist Herr Wolzhofer,
Pro-Decanus und brandenburgischer Pfarr zu Rostall.]

S. 265:

                                _Probe
                        vom Catholischen Witz!
                  GeneraLIs DaVn CoepIt FrIngILLaM!_

   Der Finck, auf seiner Locke, gieng, Lerchen aufzufangen,
   Und wolt' auf RebenTisch mit diesen Braten prangen,
      Doch Wunsch gieng nicht Wunsch, die Lerchen hielten Stich,
      Und nahmen Rebentisch, Wunsch und den Lock mit sich.

   Nun sitzt im Garn der Finck, und mu den Lerchen singen,
   Er pfeiffet: stinck, stinck, stinck! weils ihm nicht wolt gelingen.
      Hingegen schwingen sich die Lerchen mit _Gesanger_:
      Es lebe unser Nest! Es leb der _Finken Fanger_!

                           _Gerechter Eyfer
                                 ber
                     das elende Cathol. Deutsch._

   Wer mit solchem tollen G'sanger
      Sich des Feindes Unglck freyt,
   Der gehrt mit Recht an Pranger,
      Der wird billig angespeyt.

                        _Antwort eines Preuen
                auf die Spttereyen eines Oestreichers
                                 ber
                      Finckens Gefangen Nehmung_

   Der Preusich Adler wird noch manchen Lerchen fangen,
   Obwohl es dimahl schlecht und nicht nach Wunsch gegangen.
      Gold Fincken haben wir unzhlig groe Hauffen,
      Wofr sich Lerchen gnug und Hahnen lassen kauffen.

   Um einen Fincken will man so viel Lermen machen,
   Und soll die gantze Welt hierum mit Oestreich lachen!
      Das Lerchen-Nest wird doch von Hahnen noch besch...n;
      Der einfach Adler wird dem Dopplen helffen men,
   Da dieser Federlo nicht endlich gar verfriere,
   Und sich der stolze Hahn mit seinen Federn ziere.

                           _Schaden-Freude
                                 ber
                       den Preusichen Verlust._

   Der schnste Vogel-Heerd im gantzen Lande Sachsen,
   Ist auf dem Marmor Berg, ohnweit vom Dorffe Maxen.
      Da fieng auf einen Zug, Graf Daun zum Spott der Preuen,
      8 Gimpel und ein' Finck, nebst 15m Meisen.

                              _Parodie._

   Gedult, mein lieber Freund, man fngt noch lnger Vgel,
      Und Friedrich lauert nur auf die gelegne Zeit.
   Was gilts! Er fngt vielleicht noch manchen solchen Flegel,
      Der so, wie Ihr, mein Herr, sich seines Unglcks freut.

S. 276

                                 _Auf
                        Den Knig in Preuen._

   Fritze! schmstu dich nicht deiner?
   Alle Tage wirstu kleiner;
      Aendre deinen stolzen Sinn,
      Wirf die stolzen Waffen hin.

   Deine groe Enacks-Kinder
   Stehen hier wie arme Snder;
      Schaaren-weise fngt man sie,
      Das vergiest du dahie?

   La dich nicht den Groen nennen,
   Lerne dich und and're kennen;
      Sieh! nach Maxen und Landshuth!
      Sieh! was Daun und Laudon thut!

                              _Antwort:_

   Schmt euch fnffmal grre Mchte,
   Ihr habt Gottes kleinen Knechte
      Lngst zersthrt in eurem Sinn,
      Werfft die schlechten Waffen hin.

   Meine groe Enacks-Kinder
   Bleiben eure berwinder;
      Allzu theuer fangt ihr sie!
      Gott und Fritze steht noch hie!

   Durch Den bin ich Gro zu nennen,
   Lernet Ihn und andre kennen!
      Schweigt von Maxen und Landshuth!
      Merkt, was Fritz bey Liegnitz thut!

S. 270:

                      _Post Pugnam ad Torgaviam_
                           d. 3. Nov. 1760.

   Vivat Rex Boruiae!
   Tutor hic Ecclesiae,
   Et Defensor Patriae!
   Victor sit Theresiae,
   Atque Regis Galliae,
   Copiarum Sueciae
   Barbarorum Ruiae
   Corporis Germaniae,
   Nec non Regis Sueviae
   Vivat Rex Boruiae!

Auch unter den zahlreichen Gedichten und sonstigen Eintragungen nicht
politischer Art findet sich noch manches Stck, das kulturgeschichtlich
nicht ohne Interesse und zugleich -- infolge der ausgesprochenen Neigung
des Sammlers zu Scherz und Satire -- recht unterhaltend und belustigend
ist, wie etwa (S. 473):

     _Schwbischen Bauren ihr Gebet, als viele durch ansteckende
                Kranckheit schnell hingerien worden._

   Ach! du liaba Heara Gott! was hab'n wir Dia gethaun?
   Da Du uns arma Schwabla wilt gar nimma leben laun?
      Wir wolla nimma betha, wolla nimma in Kircha gaun,
      Wir wolla Di scho natha, da d' uns must lebe laun!

oder eine prchtige Satire -- es ist noch nicht einmal ausgemacht, ob
der Brief, um den es sich handelt, nicht auch wirklich in hnlicher
Weise geschrieben worden ist -- auf den Mibrauch und Miverstand der
Fremdwrter (S. 464) u.a.m. Doch ein weiteres Eingehen auf den Inhalt
des interessanten Codex scheint hier um so weniger erforderlich, als
diese Bltter lediglich den Zweck haben sollten, den Leser unserer
Mitteilungen mit der willkommenen Bereicherung, welche die Bibliothek
des germanischen Museums erfahren hat, bekannt zu machen, insbesondere
auch den Spezialforscher darauf hinzuweisen und zum Studium des Buches
und genauerer Prfung seines Inhalts einzuladen.

_Nrnberg._

                                                              _Th. H._




               Die letzten Tage des Malers Georg Pentz.


Die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums besitzt eine fr die
Lebensgeschichte der Nrnberger Knstler des 16. Jahrhunderts ungemein
wichtige Quelle, das handschriftliche Totengelutbuch von St. Sebald in
Nrnberg aus den Jahren 1517 bis 1572. Darin findet sich auch eine
Nachricht ber das Ableben des Malers Georg Pentz, die in diesen
Mitteilungen (Jahrg. 1893, S. 39 u. 40) bereits zum Gegenstande einer
lngeren Errterung gemacht wurde[70].

Den dort gegebenen Ausfhrungen lt sich zur Ergnzung noch einiges
hinzufgen.

Nach dem Totengelutbuch von St. Sebald ist Georg Pentz im Jahre 1550 in
_Breslau_ verschieden[71]. Nachforschungen, die in Breslau gepflogen
wurden, besttigten jedoch diese Nachricht nicht oder, genauer gesagt,
sie fhrten zu keinem Ergebnis: Die Breslauer Totenbcher gehen nmlich
nicht bis zum Jahre 1550 zurck, und auch in den Breslauer Archiven, dem
kniglichen Staatsarchiv und dem Stadtarchiv, lie sich keine auf Pentz
bezgliche Notiz ermitteln.

[Funote 70: Eine Biographie des Malers Georg Pentz gedenkt in nicht
ferner Zeit Albrecht Kurzwelly zu verffentlichen. In seiner zu Leipzig
1895 erschienenen Inaugural-Dissertation Forschungen zu Georg Pencz
kommt Kurzwelly noch nicht auf den Tod des Malers zu sprechen.]

[Funote 71: Die Eintrge in diesem Totengelutbuche sind nach Quartalen
gruppiert, weil die Abrechnung ber die gezahlten Lutgelder quartalweis
erfolgte. Der Eintrag ber das Totengelut, das zu Ehren des Malers
Georg Pentz von den Thrmen der Sebaldskirche erklang, ist im Quartal
von Crucis bis Lucie des Jahres 1550, also zwischen dem 15. September
und 13. Dezember und zwar an 16. Stelle mit den Worten verzeichnet:
Jrg Penntz, moler, zu Pressla verschieden.]

Wren die Totengelutbcher eine durchaus zuverlssige Quelle, so wre
es unangebracht, die Angabe des Nrnberger Totengelutbuches von St.
Sebald, Pentz sei _in Breslau_ gestorben, in Zweifel zu ziehen. Allein
die Totengelutbcher hatten nicht den Zweck, ber die Personalien der
Verstorbenen genaue und sichere Ausweise zu bieten, sondern sie waren
lediglich dazu bestimmt, _als Rechnungsbcher_ ber die bezahlten oder
nicht bezahlten Totengelutgelder zu dienen. Auerdem mgen aber auch
fter die Anmeldungen nicht von den Hinterbliebenen selbst, sondern von
ferner Stehenden, von Seelfrauen u.s.w., hinterbracht worden sein.
Hieraus erklrt es sich zur Genge, da in den Totengelutbchern nicht
gar selten irrige Eintrge namentlich bezglich der Vornamen sich
finden. Die Personalangaben der Totengelutbcher wird man daher immer
mit einer gewissen Vorsicht aufnehmen und, wo es geht, andere
gleichzeitige Quellen zur Kontrolle heranziehen mssen.

Nagler hat als Pentz' Todesort Breslau verworfen und dafr -- jedoch
ohne Quellenzitat -- Knigsberg (in Preuen) eingesetzt[72]. Aus einer
gleichzeitigen Knigsberger Quelle kann er jedoch nicht geschpft haben;
denn auch die Knigsberger Totenbcher reichen nicht bis zum Jahre 1550
zurck, und die Knigsberger Archivalien enthalten zwar einzelnes ber
Pentz aus dem Jahre 1550, berichten aber nicht, da er dort gestorben
sei. Immerhin aber ist Naglers Angabe wegen der Beziehungen, die Pentz
gerade in seinen letzten Lebenstagen zu Knigsberg hatte, nicht ganz aus
der Luft gegriffen.

Bei meinen Studien ber Nrnberger Knstler stie ich nun auf bisher
unbeachtete Nachrichten, die ber Pentz' letzte Lebenszeit vllig neue
Aufschlsse geben. Hiernach ist Pentz weder in Breslau, noch in
Knigsberg gestorben.

Ehe ich jedoch hierauf weiter eingehe, mu ich noch etwas zurckgreifen.
Georg Pentz war als Fremder in Nrnberg eingewandert und dort am 8.
August 1523 gegen Zahlung von vier Gulden Whrung als Brger aufgenommen
worden[73]; er war also nicht begtert, da vier Gulden als
Aufnahmegebhr von denen gezahlt wurden, deren Gesamtvermgen nicht ber
100 Gulden an Wert ausmachte. Nach der Sitte der Zeit wird er damals
sich verheiratet haben. Seiner Ehe entspro eine sehr zahlreiche
Nachkommenschaft: zwar erfahren wir nichts ber seinen Nachwuchs aus den
ersten neun Jahren seiner Ehe, da die Nrnberger Taufbcher erst mit dem
Jahre 1533 einsetzen, da aber seine Ehe auch anfangs eine sehr
fruchtbare gewesen sein mu, lt sich daraus schlieen, da ihm spter
nach 1532 laut der Nrnberger Taufbcher noch neun Kinder geboren
wurden[74]. Er hatte also fr eine sehr groe Familie zu sorgen, und es
ist daher kein Wunder, da er bei seiner Vermgenslosigkeit und bei dem
geringen Verdienste, wie ihn zu seiner Zeit die Maler in Nrnberg
hatten, sich oft in sehr milichen Verhltnissen befand. Am 31. Mai 1532
erhielt er eine Bestallung als Nrnberger Stadtmaler, dem Rate mit
seiner Kunst zum Reien, Malen und Visiermachen gewrtig zu sein, und
dazu ein festes jhrliches Wartgeld von 10 Gulden[75]; aber schon nach
vier Tagen wurde ihm dieses Wartgeld, so ber ein Jar fellig, aus
angezeigter Not im Voraus gezahlt[76]. Und das Jahr darauf verfgte der
Rat am 1. September: Jorgen Benntzen soll man seine jhrliche Pension
vor heraus geben alle Jar, so lange ime die zuraichen einem Rate
gefellig ist, und gleichzeitig wurden ihm fr eine Visierung vier
Gulden ausgezahlt[77]. Im Jahre 1542 mu er sich wieder in sehr groer
Not befunden haben; denn am 7. Mrz verkaufte er zusammen mit seiner
Frau Margareta, die damals ihrer Entbindung entgegensah[78], an den
Maler Michel Graff um fnfunddreiig Gulden Hausrat, Kleider und andere
Fahrnu߫[79]. Weiterhin im Jahre 1548 verehrte er nach damaliger Sitte,
um sich Geld zu verschaffen, dem Nrnberger Rate ein knstliches
Gemlde Sant Jeronimus Pild und erhielt dafr 80 Gulden als
Gegengabe[80]. So sehen wir ihn also immerwhrend mit einem widrigen
Geschick kmpfen. Zuletzt wute er sich nur noch durch Schuldenmachen zu
helfen. In diese ble Lage war er aber nicht ohne eigenen Fehl geraten;
denn er besa ein unruhiges Temperament und eine ausschweifende
Phantasie, wie dies schon seine Beteiligung an der radikal-religisen
und sozialistischen Bewegung im Jahre 1525 beweist, und dazu hatte er
eine Frau, die durch ihre Trunksucht ihn noch mehr ins Verderben
brachte.

[Funote 72: Nagler, Monogrammisten, Mnchen 1863, III. Band. S. 69.]

[Funote 73: Brgerbuch de 1496-1534, M. S. 237, Fol. 12a: Sabbato post
Sixti 1523 .... Herman Unfug, gertner. _Jorg Pentz, maler_, juraverunt
et dedit quibibet 4 fl. werung.]

[Funote 74: Ein Kind aus den ersten Jahren seiner Ehe drfte jenes
Shnlein gewesen sein, durch welches Pentz am 24. Mrz 1543 ein von
sich gemaltes Portrt des Kardinals Granvella in die Losungsstube
schickte, um es den Losungherren zu zeigen. Nrnberger Jahresregister
1543, 1. Frage, im k. Kreisarchiv Nrnberg. J. Baader, Beitrge zur
Kunstgeschichte Nrnbergs, Nrdlingen 1860, I, S. 40, bringt hier die
unrichtige Jahresangabe 1544. -- Der von Campe erwhnte Sohn Egidius ist
sonst nicht nachzuweisen. Vgl. hierzu G. W. K. Lochner, des Johann
Neudrfer, Schreib- und Rechenmeisters zu Nrnberg, Nachrichten von
Knstlern und Werkleuten daselbst, Wien 1875, S. 137. -- ber Kinder,
die dem Maler Georg Pentz nach 1532 geboren wurden, melden die
Nrnberger Kirchenbcher Folgendes. I. Taufbuch von St. Sebald: Georg
Pentz ein Sohn: _Gedeon_, (getauft) 12. Septembris 1533. Georg Pentz ein
Tochter: _Rachel_, 22. Octobris 1534. Georgius Pentz ein Tochter:
_Hester_, 29. July 1538. Georgius Bentz ein Son: _Georgius_, septimo
decembris 1539. -- I. Taufbuch von St. Lorenz: Jorg Penz, Margaretha:
_Martha_, (getauft in der Woche des) dominica exaudi 1542. Jorg Pentz,
Margaretha: _Vergilius_, dominica decima post trinitatis 1543. -- II.
Taufbuch von St. Sebald: Georgius Pentz ein Son: _Walterus_, tertio July
1546. Georgius Pentz ein Son: _Albertus_, 17. Juny 1547. Georg Pentz ein
Son: _Longinus_, 30. Augusti 1548. -- Es mge hiebei noch bemerkt
werden, da der Tufling den Namen in der Regel nach seinem Paten
erhielt. Der Maler Vergilius Solis, die einzige Persnlichkeit, bei der
sich in dieser Zeit der Vorname Vergilius in Nrnberg nachweisen lt,
hat also wahrscheinlich bei Pentz' Sohne Vergilius Paten gestanden.]

[Funote 75: Ratsmanuale 1532/33, Heft 3, Fol. 1r. Ratsbuch 16, Fol.
13a. Der ber diese Bestallung von Jorg Benntz, Maler, Burger zu
Nurmberg unterm 31. Mai 1532 gefertigte Revers befindet sich im k.
Kreisarchiv Nrnberg. Signatur: S 5 44/1r Nr. 532, Bd. 6. Seinem
Wortlaut nach ist er verffentlicht von E. Mummenhoff in den
Mitteilungen des Vereins f. Gesch. d. Stadt Nrnberg, 8. Heft, 1889, S.
246.]

[Funote 76: Ratsbuch 15, Fol. 13r.]

[Funote 77: Ratsmanuale 1533/34, Heft 5, Fol. 20r und Ratsbuch 16, Fol.
103.]

[Funote 78: Wenige Wochen darauf wurde ihm seine Tochter Martha
geboren, die in der Woche des Sonntags Exaudi (21. Mai) ihre Taufe
empfing. S. Anm. 5.]

[Funote 79: Conservatorien, Band 55, Fol. 106b im Nrnberger
Stadtarchiv. Lochner a. a. O. S. 138.]

[Funote 80: Nrnberger Jahresregister 1548, fnfte Frage, zum 9. Juli.
-- J. Baader a. a. O. zweite Reihe, S. 54.]

Unter diesen Umstnden wird es ihm wie eine Erlsung vorgekommen sein,
als er eine Bestallung zum Hofmaler des als Freund der Knste und
Wissenschaften bekannten Herzogs Albrecht von Preuen erhielt. Die
Bestallung, in Knigsberg ausgefertigt, datiert vom 6. September
1550[81].

Es liegt auf der Hand, da Pentz sich sogleich auf den Weg gemacht haben
wird. Die Nachricht von seiner Ernennung zum preuischen Hofmaler traf
aber sicher selbst bei schneller Befrderung nicht vor Ende September in
Nrnberg ein. Pentz kann daher erst um diese Zeit die Reise nach
Knigsberg angetreten haben. Da er jedoch, wie dies bereits von anderer
Seite auf Grund des Totengelutbuchs von St. Sebald festgestellt
wurde[82], schon vor Mitte Oktober seinen Tod gefunden hat, so mu er
noch vor Erreichung seines Zieles unterwegs gestorben sein. Der Ort, wo
er verschied, kann aber demnach nicht Breslau gewesen sein, da es viel
zu abseits von der Hauptstrae liegt, die von Nrnberg nach Norden
fhrt.

Nun liee sich allerdings einwenden: es ist doch wohl mglich und
denkbar, da Pentz schon vor Oktober oder September nach Breslau gezogen
war, um dort Verdienst zu suchen. Hiegegen wre zu erwidern: wenn es
Pentz in Nrnberg, das an Reichtum, Bedeutung und Verkehr die Stadt an
der Oder damals noch weit berragte, schon recht sauer geworden war, fr
sich und seine zahlreiche Familie das tgliche Brot zu erringen, so
htte er sich schwerlich in Breslau eine bessere Existenz versprechen
knnen. In Nrnberg hatte er ja zudem auch noch durch seine Stellung als
Stadtmaler einen Rckhalt.

Nach dem Vorhergesagten wird man also mit grerer Berechtigung als
Pentz' Todessttte einen Ort zu vermuten haben, der mit Pentz' Ernennung
zum Hofmaler des Herzogs Albrecht von Preuen und mit einer Reise des
Knstlers nach Knigsberg sich in Beziehung bringen lt, einen Ort, der
an der von Nrnberg nach Norden gehenden Hauptverkehrsstrae zu suchen
und nicht gar zu entfernt von Nrnberg anzunehmen ist, weil Pentz, nach
der Zeit seines Ablebens zu schlieen, nicht allzuweit auf seiner Reise
gekommen sein kann.

Diese Vermutungen finden ihre Besttigung durch einen Eintrag der
Nrnberger Ratsmanuale. Hiernach brachte am 17. Oktober 1550 Hans Zeser,
der zusammen mit Pentz die Vormundschaft ber die Kinder des Hans
Wolf[83] fhrte, bei dem Nrnberger Rate zur Anzeige, da in Abwesenheit
des Georg Pentz, _so yetzo zu Leiptzigk mit Tod abgangen_, eine Truhe,
die den bevormundeten Wolf'schen Kindern gehrte, in Pentz' Behausung
aufgesperrt, und da daraus etliche Ding' entwendet worden seien.

[Funote 81: Mitteilung des k. Staatsarchivs zu Knigsberg i. Pr.]

[Funote 82: Hans Bsch, der Todestag des Malers Georg Penz, im Jahrgang
1893 dieser Mitteilungen, S. 40.]

Die Angaben Zesers verdienen vollen Glauben, weil er als einer der
Nchstbeteiligten gute Kenntnis hatte, und weil er dem Rate gegenber
sich nur auf zuverlssige Nachrichten gesttzt haben kann.

Die Kunde von Pentz' Tode brauchte bei dem schnellen Postverkehr, der
damals zwischen Nrnberg und Leipzig durch reitende Boten geschah, kaum
fnf Tage um zu den Hinterbliebenen zu gelangen.

Nach all dem wird man also kaum fehl gehen, wenn man den zu Leipzig
erfolgten Tod des Malers Georg Pentz in die Tage vom 11.-13. Oktober
1550 verlegt.

Der Nrnberger Rat verfgte auf die Anzeige Zesers eine Untersuchung,
die den Verstorbenen schwer belastete. Die Haltung aber, die der Rat und
alle Beteiligten in dieser Sache zeigten, lt deutlich erkennen, da
Pentz trotz seiner menschlichen Schwchen bei seinen Mitbrgern beliebt
und als Knstler hoch geachtet war.

Doch lassen wir nunmehr die Quellen selbst sprechen:

   Freitags, 17. octobris 1550. Dieweil nach anzaig Hansen Zesers, als
   vormund Hansen Wolfs kinder, in abwesen Jrg Pentzen, seines
   gewesnen mitvormunds seligen, so yetzo zu Leiptzigk mit tod
   abgangen, ain truhen, in soliche vormundschaft gehrig, in sein,
   des Pentzen behausung geffent und etlich ding daraus entwendt
   sol worden sein, sol des Pentzen wittib beschickt und derhalb zu
   red gehalten, ir antwurt wider pracht und ir eingepunden werden,
   weiter nichts aus dieser truhen entwenden zulassen, weil die nit
   ir oder irs manns gewest, sonder in berurte vormundschaft gehrig
   sey. -- C. Grolandt.

                              [Ratsmanuale 1550/51, Heft 7, Fol. 34a.]

   Sambstags, 18. octobris 1550. Auf Jrgen Pentzen seligen verlassener
   wittib verantwurtung, das nit sy, sonder ir verstorbner hauswirt
   seliger die truhen vor seinem hynnen raysen aufgespert, etliche
   pecher heraus gethan, versetzt und die schlssel mitsampt den
   hausschlsseln mit ime hinwegk genomen hab etc., sol dieselb
   truhen von gerichts und ampts wegen in beysein der wittib und
   Hansen Zesers geffent, was darinn, inventirt und beschryben,
   auch volgends wider darinn verspert und verpetschirt, dem Zeser
   und der wittib yedem ain abschryft gegeben und solichs alles ime dem
   Zeser angesagt, auch auf ine gestelt werden, sein clag und vorderung
   gegen der wittib und des Pentzen kinder vormundern, die in aufs
   frderlichst von oberkait gesetzt werden sollen, zuthun, und
   frzunemen, wie das sein gelegenhait und notturft ervordern oder
   in rathe befynden werde. -- C. Grolandt.

                              [Ratsmanuale 1550/51, Heft 7, Fol. 36r.]

   Donerstag, 13. novembris 1550. Margareten (Jrg) Pentzin ir
   supplicirn ableinen und sagen, das meine herren ir eingangs
   halben nit wilfarn knden. -- Joch. Haller.

                              [Ratsmanuale 1550/51, Heft 8, Fol. 29a.]

   Freytag, 30. january 1551. Margretha Jrg Pentzen wittib auf ir
   suppliciren in ansehung irer vyl kinder und grossen armut, das
   auch ir man ain feyner knstner, mit dem meine herren wol
   zufriden gewesen, zu bezalung irer brigen schulden, die man ir,
   weils unmndige kinder betryfft, nit nachlassen kan, aus ainem
   guten willen mit den begerten 66 fl. zustatten kumen und
   dargeben[84], doch den zwayen vordersten frbittern, als dem abt
   Egidi und dem prediger zu sandt Sebaldt, sagen, das solichs nit ir
   der frauen, weil man wol wiss, das sy iren man seligen redlich
   zum verderben geholfen und alles, das sy berkumen, vertrunken
   hab, sonder iren armen kindern zu gutem und irem man seligen, als
   ainem knstner undter der erden, zu eeren geschehe, mit beger, ir
   und den andern frbittern solichs also anzuzaigen und dabey, wan
   sy wider mit dergleichen begern kumen, wurd man in weiter nit
   wilfaren, sonder sy die frauen zum almusen weysen, das zaichen
   zutragen, wie andere burger auch thun. -- J. Schrstab.

                             [Ratsmanuale 1550/51, Heft 11, Fol. 30r.]

   Zwischen Petern Eppenbach und Hansen Marschalck, beden als
   vormundern weiland Jorgen Petzen, molers, seligen verlassner
   kinder, an ainem und Margarethen, seiner verlassnen wittibin, am
   andern thailn ist darumb, ob die vormundere sich umb der kinder
   vatterlichen erbthail von der frauen an einer gemainen caution
   uff allen iren hab und gutern settigen zulassen schuldig seien
   oder nicht, uf der frauen furbringen, das sie niemand hie hab,
   den sy zur burgschafft zuvermgen wesst, und das gemein irs mans
   seligen glaubiger ir alle schulden nachgelassen haben, auch nach
   besichtigung des aufgerichten inventarii und allerlei gelegenheit
   diser sachen erkannt, das di vormundere sich an der frauen
   erbieten der gemeinen caution halb uf allen iren hab und guetern
   settigen zulassen schuldig sein sollen. Actum in judicio (feria)
   quarta 22. aprilis 1551ten jar.

                                 [Conservatorien, Band 71, Fol. 219r.]

[Funote 83: Die Persnlichkeit dieses Hans Wolf konnte ich dem Stande
nach nicht feststellen, da es gleichzeitig vier Brger Namens Hans Wolf
in Nrnberg gab.]

[Funote 84: Die Angabe Baaders, Beitrge II, S. 54: der Rat habe im
Jahre 1550 sechszig Gulden bezahlt, die Pentz einer Vormundschaft
schuldig war, ist vor allem, was Jahr und Geldsumme betrifft, unrichtig.
Sie entstammt nicht den Ratsmanualen, sondern den Jahresregistern und
lautet: Item LXVI gulden den Georgen Pentzen seligen vormundt, nemlich
Peter Eppenbach und Hans Marschalk, die Pentzs seliger in ein
vormundtschafft schuldig worden und seine glaubiger in kein vertrag geen
wollen, solich schult sei dan bezalt. Solichs dan (!) weib und kindt in
ansehung der armutt propter deum beschehen. Actum sabbato adi ultimo
january 1551.]

_Nrnberg._

                                                   Dr. _Alfred Bauch_.




   Initialen in Holzschnitt von dem Rechenmeister Paulus Frank (um
                                1600).


Herr Geheimrat Dr. von Hefner-Alteneck in Mnchen hat dem germanischen
Museum vor einigen Wochen eine Sammlung von 46 Blatt Initialen in
Holzschnitt aus der Wende des 16. Jahrhunderts zum Geschenk gemacht, die
in der That, was Schwung und Bravour der Ausfhrung betrifft, ihres
Gleichen suchen und von einem hoch entwickelten Sinn fr ornamentale
Schnheit zeugen, wenn auch die Deutlichkeit der Buchstaben hin und
wieder zu wnschen brig lt. Die Initialen gehren im ganzen fnf
verschiedenen Alphabeten an. Eines derselben ist jedoch nur durch einen
Buchstaben, ein W, vertreten, welches offenbar aus der Schule Neudrfers
stammt und im Folgendem unbercksichtigt bleibt. Von den vier anderen
Alphabeten sind die prachtvollen Initialen des einen fast in kl.
2-Format ausgefhrt, die Buchstaben des zweiten nur etwa halb so gro
und diejenigen des dritten und vierten wiederum halb so gro als die
Buchstaben der zweiten Folge. Das dritte Alphabet unterscheidet sich von
dem vierten wesentlich dadurch, da die Initialen des einen in
gewhnlichem kl. 8-Format, die des andern in kl. qu. 8-Format
angeordnet sind.

                       [Illustration: Fig. 1.]

Alle diese vier Alphabete rhren, wie schon die oberflchlichste
Betrachtung mit vollkommener Deutlichkeit lehrt, von einem und demselben
Meister her, der auch seinen Namen auf allen Holzschnitten der groen
Folge mit nur einer Ausnahme und auf den meisten Blttern des mittleren
Alphabets durch ein verschlungenes PF in gotischen Lettern -- nur
einmal stehen beide Buchstaben gesondert -- angedeutet hat.

Wer war dieser Meister PF? Diese Frage beantwortet uns ein zu Nrnberg
bei Christoff Gerhard im Jahre 1655 gedrucktes Buch, welches den Titel
trgt: Kunstrichtige Schreibart Allerhand Versalien oder Anfangs
Buchstaben Der Tetschen Lateinischen und Italianischen Schrifften, aus
unterschiedlichen Meistern der Edlen Schreibkunst zusammen getragen.
Nrnberg Bey Paulus Frsten Kunsthndlern daselbst, und welches in
seiner zweiten Hlfte die vier Alphabete vollstndig enthlt. Auch die
beiden Holzschnittfolgen des kleinsten Formates, die in unserer Sammlung
nur durch ein, bezw. zwei Bltter vertreten waren, weisen hier meistens
das Monogramm PF auf.

Man wrde nun aber sehr irren, wollte man dasselbe etwa auf Paul Frst
beziehen und aus dem Buchhndler zugleich den Formschneider oder
Zeichner fr den Holzschnitt konstruieren. Die bereinstimmung der
Anfangsbuchstaben des Namens ist nur zufllig. Den wahren Verfertiger
dieser Alphabete lernen wir vielmehr erst aus der Vorrede zu dem
genannten Buche kennen, in der es auf S. 14 zu Anfang des V. Abschnittes
(Von diesem Wercke) heit:

                       [Illustration: Fig. 2.]

FErners ist zu wissen, da dieses Wercke von Paulo Francken, weiland
Modisten und Rechenmeistern zu Memmingen angefangen, und 1601 in Druck
gegeben worden, nachmals hat solches jetziger Verleger an sich erkaufft,
und es nun der lehrgierigen Jugend zu guten, mit etlicher Autoren Hand
vermehret, wider aufflegen lassen, nicht zweifflend, es werde allen
Liebhabern der zierlichen Schreibkunst, damit bedient seyn; sonderlich
aber den Schulhaltern, welche sich durch diese Vorschrifften vieler Mhe
entheben knnen.

Damit wren wir nun bei Paulus Frank als dem Autor unserer Sammlung von
Initialen angelangt. Da an dieser Autorschaft in der That nicht zu
zweifeln ist, ergiebt sich noch aus einer Reihe weiterer Umstnde, die
zugleich einiges Licht ber die Persnlichkeit des kunstreichen
Modisten und Rechenmeisters verbreiten.

Das R, welches er bei dem L der mittleren Folge seinem Monogramm
hinzugefgt hat, bedeutet ohne Zweifel Rechenmeister. Eine weitere
Hinzufgung findet sich auf dem X der mittleren Folge (s. Fig. 1)[85],
nmlich die Zahl 97, welche wohl nichts anderes als die Jahreszahl 1597
bedeuten kann. Es ist also anzunehmen, da Paul Frank die Zeichnungen zu
diesen Holzschnitten um das Jahr 1597 angefertigt hat. Ob sich
vollstndige Exemplare des von ihm dann 1601 in Druck gegebenen Werkes,
dem, wie die trefflichere Erhaltung, die klarere und schrfere
Ausfhrung zu verraten scheint, auch unsere Bltter angehren mgen,
noch erhalten haben, vermag ich nicht zu sagen. Es kann jedoch als
wahrscheinlich gelten.

[Funote 85: Die Abbildungen sind in  der Originalgre gegeben.]

Zeitlich noch weiter zurck fhrt uns eine in Leder gebundene
Handschrift in kl.-qu.-fol., welche der im germanischen Museum
deponierten Merkelschen Sammlung angehrt[86] und auf 16
Pergamentblttern die kstlichsten kaligraphischen Schreibvorlagen von
Paul Franks Hand enthlt[87]. Das Titelblatt lautet: Anweiung
Kunnstlichs vnnd artlichs schreibens Daraus dann ein Jeder Junger die
Fundament der gebreuchligisten Lateinischen Teutschen Fractur Cantzley
vnd Currentschrifften begreiffen vnd lernnen kan Durch Paulum Franckh
von Gfre Allen liebhabern dieser Kunst zum besten verordnet. Im Jar
Jhesu Christi Anno 1587.

                       [Illustration: Fig. 3.]

Jedenfalls ist auch diese Anweiung auf den Druck berechnet gewesen,
mit dem Buch von 1601 hat sie aber wohl nichts zu thun, da sie mit
unseren Holzschnitten keine direkten Berhrungspunkte bietet,
beispielsweise auch das Monogramm Paul Franks auf keiner der
handschriftlichen Schreibvorlagen erscheint, von ihm also wohl erst um
etwa zehn Jahre spter in seine zur Reproduktion bestimmten Arbeiten
aufgenommen wurde. Ein gedrucktes Exemplar ist mir von der Anweiung
ebenfalls nicht bekannt. Wie sehr sich dieselbe aber im Stil unseren
Holzschnittfolgen nhert, wird am besten durch die Gegenberstellung
eines F der Handschrift (Fig. 2) mit einem Holzschnitt-F (Fig. 3),
welches zu dem Alphabete mittlerer Gre gehrt, veranschaulicht werden.
Hier wie dort der gleiche prchtige Schwung der Linien und Schnrkel,
die gleiche Vorliebe fr schn verlaufende Spiralen, fr allerlei
Vergitterungen und fr die wie krftige gotische m-Striche aussehenden
Quer-Einschiebsel, die fr Paul Franks Art besonders charakteristisch
sind. Nur ist, wie zu erwarten, die ganze Ausfhrung in den
Handzeichnungen auf Pergament noch eine ungleich sorgfltigere, feinere
und reichere, als die Holzschnitte aufweisen. Auch das ergiebt sich
bereits aus einem Vergleich der beiden hier reproduzierten F.

[Funote 86: Hs. Nr. 301 der Merkel'schen Sammlung.]

[Funote 87: Auerdem ist ein Doppelblatt (Papier) mit einem
prachtvollen, zum Teil mit metallisch glnzenden Farben ausgezierten J,
ebenfalls von Paul Frank, mit eingeheftet.]

Zur Biographie des Paul Frank erfahren wir aus der Pergamenthandschrift
der Merkelschen Sammlung vor Allem, da er aus Gefrees in Oberfranken
gebrtig gewesen ist. Als er seine Anweiung schrieb, im Jahre
1587[88], war er aber wahrscheinlich bereits in Memmingen ansssig. Es
wre sonst wenigstens auffallend, da der Inhalt seiner Schreibvorlagen
mehrmals[89] gerade auf Memminger Verhltnisse Bezug nimmt. Acht Jahre
spter (1595) ereignete sich mit Paul Frank in Memmingen ein tragischer
Fall: er wurde zum Mrder. Christoph Schorer berichtet darber in seiner
Memminger Chronik: Den 3. October hat Paulus Franck, Modist vnd
Teutscher Schulmeister allhier, so mit andern Teutschen Schulmeistern
auff dem Stadt Weyher (welcher den vorigen Tag gefischet worden)
gewesen, im herein gehen zwischen den Grten den David Lochbichler,
sonst Girtler genand, Schulhaltern mit einem Faust-Hammer am Haupt also
verletzet, da er den 13. October hernach gestorben[90]. Welches die
Veranlassung zu dieser That gewesen, ob berhaupt eine vorstzliche
Verwundung vorgelegen oder nur ein unglcklicher Zufall obgewaltet hat,
hren wir nicht. Mglich, da Konkurrenzneid oder verletzte Eitelkeit
dabei im Spiel gewesen sind, denn -- um schlielich auch noch ein Wort
ber den mutmalichen Charakter unseres Mannes zu sagen -- ein etwas
bertriebenes Selbstgefhl scheint Paul Frank eigen gewesen zu sein und
verrt sich auch in seinen Arbeiten. Ist es schon ein seltenes
Vorkommnis, da ein Rechenmeister fast jedes seiner fr den Holzschnitt
gefertigten Bltter mit seinem Monogramm signiert, so kennzeichnen ihn
auch mehrere der fr seine Anweiung Kunnstlichs vnnd artlichs
schreibens gewhlten Vorlagen oder Beispiele durch ihren Inhalt als
eitel und von unverhltnismigem Stolze auf seinen Knstlerberuf
erfllt. Verschiedentlich ist darin von den Rechenmeistern oder
Schreibknstlern die Rede, namentlich von dem durch seine Ehrbarkeit,
Redlichkeit, gute Sitten, Tugend und Vernunft berhmten kaiserlichen
Kammer-Kanzleischreiber Veit Sto aus Schweinfurt, von dem weiterhin
einmal[91] in der sehr gemainen vngebrochenen Canntzleyschrifft,
nebenher, aber wohl sehr geflissentlich mitgeteilt wird, da ihm Konrad
Lang von berlingen Ein Schlo Hummelburg gnant widerkaufflichen
verkaufft habe[92] u. s. f.

[Funote 88: Der braune Ledereinband des Manuskripts ist auf der Vorder-
und Rckseite mit sehr geschmackvoller Goldpressung verziert. Die
Vorderseite weist u. a. die Inschrift PFVG (Paul Frank von Gefrees)
und die Jahreszahl 1585 auf. In letzterer haben wir vielleicht den
Zeitpunkt fr die erste Anlage, fr den Beginn des Buches zu erblicken.]

[Funote 89: Blatt 9b, 12a und 13b.]

[Funote 90: Chr. Schorer, Memminger Chronick. Ulm 1660. S. 114.]

ber den spteren Lebensgang des Paul Frank habe ich bisher nichts
weiter ermitteln knnen, als was sich aus seinen Holzschnitten und der
Vorrede zu der Kunstrichtigen Schreibart des Paulus Frst ergab und
oben mitgeteilt worden ist.

[Funote 91: Blatt 10a.]

[Funote 92: Der Sinn der Urkunde, die hier zu Grunde liegt, kann
schwerlich ein anderer gewesen sein, wenn auch in der Abschrift das
Satzgefge nicht ganz in Ordnung ist.]

_Nrnberg._

                                                          _Th. Hampe._




        Albrecht Drer und der Rahmen des Allerheiligenbildes.


Vom Lauferschlagturm bis hinauf gegen den Egidienberg erstreckte sich um
das Jahr 1500 noch ein Rest des alten Nrnberger Befestigungsgrtels mit
Stadtgraben und Zwinger. Davon erwarb ein Stck der wohlhabende Rot- und
Bildgieer in der Beckschlagergasse, Mathus Landauer; er lie daselbst
ein stattlich Bruderhaus mit einer Kapelle, mit Hof und Garten anlegen,
dem er den Namen zu Allerheiligen gab. Ein Alchimist Erasmus Schildkrot,
ein geborner Englnder, der sich von Knigsberg in Preuen nach Nrnberg
gewendet, hatte in Landauers Werksttte ein Pltzchen fr sein
Laboratorium gefunden; und da ihm seine Kunst Segen brachte, konnte er
durch ein groes Vermchtnis den Grund zu der wohlthtigen Stiftung
Mathus Landauers legen; so etwa berichtet Andreas Wrfel in seiner
ausfhrlichen Beschreibung aller und jeder Kirchen, Klster, Kapellen
und der annoch in denenselben befindlichen merkwrdigen Monumenten vom
Jahre 1766.

Das Haus steht, manchmal umgebaut und seit Mitte unsres Jahrhunderts als
Kunstgewerbeschule bentzt, noch heute; die Kapelle, ein hohes Gela von
fast quadratem Grundri, hat als einzigen Schmuck ein sechsteiliges
Netzgewlbe von mannigfach abwechselnder Rippenfhrung. Zwischen den
beiden spiralig kannelirten knauflosen Pfeilern, die das Gewlbe tragen,
und der Ostwand, senken sich die Rippen von der Decke zu einem
eigenartigen Hngewerk, an dessen unterem Ende das Wappenschild der
Landauer hngt[93]; es mag wohl sein, da die ganze, eigenartige
Anordnung nach den Angaben des damaligem Meisters auf der Peunt, des
hochbegabten Hans Beheim getroffen wurde.

[Funote 93: Das Wappenschild der Landauer, wie es noch mehrmals an dem
Bruderhaus wie an der Predella des Altars angebracht wurde, enthlt in
rotem Feld eine geschweifte silberne Spitze, darin in verwechselten
Farben [...] gestellt drei Lindenbltter.]

Hier an der Ostwand, gegenber der Eingangsthr, war der Platz fr den
Altar, vor dessen Stufen in der Mitte seines Kirchleins Mathus Landauer
sich die letzte Ruhesttte bestimmt hatte. Albrecht Drer sollte die
Altartafel ausfhren. Die Bestellung mu schon bald nach der Rckkehr
des Meisters aus Venedig erfolgt sein; denn schon im Jahre 1508 ward dem
Besteller ein sorgfltig mit der Feder ausgefhrter, mit Wasserfarben
leicht getnter Entwurf vorgelegt, der offenbar Landauers volle
Billigung fand[94]: ber einer flachen anmutigen Seelandschaft umgibt
die Schaar der Heiligen in anbetender Verehrung den dreieinigen Gott,
der in den Wolken schwebt; nur dies eine groe Fest aller Heiligen,
denen das Bruderhaus ja geweiht sein sollte, keine Flgelbilder, kein
Gemlde in der Predella sollte dazu kommen. Dagegen wollte Drer die
ganze Kraft seiner Dekorationsgabe an die Fassung des Gemldes wenden:
ein reich geschnitzter Rahmen mit Sulen in antikischer Art und statt
der aufstrebenden gotischen Fialen und Trmchen ein krftiges Gesims mit
einer Rundbogennische darber, sollte die Tafel umschlieen. Und hier
lie sich auch wie eine Ergnzung der Hauptdarstellung eine zweite groe
Scene aus der heiligen Geschichte anbringen, eine Andeutung des jngsten
Gerichts. Das Ganze dieser Komposition ist auerordentlich feinsinnig
erdacht und knstlerisch abgewogen.

Drei Jahre dauerte es noch, bis der fertige Altar aufgestellt werden
konnte. Drer hatte damals das Gemlde fr Jakob Heller in Frankfurt
auszufhren, an das er so lange Monate seinen besten Flei wandte, und
aus seinen eigenen Worten drfen wir wohl schlieen, da ihm damals
seine kleine Kunstware, seine Stiche und Holzschnitte mehr Freude
machten als die groen Gemlde. 1511 wurde das Werk vollendet, und schon
1515 starb der Stifter und ward in seiner Kapelle beigesetzt, nachdem er
sich schon frher mit dem Probst von S. Sebald, Erasmus Toppler,
auseinandergesetzt wegen der an der Sebalduskirche erst erworbenen
Begrbnissttte[95].

[Funote 94: Die Handzeichnung befindet sich in der Sammlung des Herzogs
von Aumale, und ist bisher noch nicht in Farben wiedergegeben worden.
Abb. siehe bei _Ephrussi_, Albert Durer et ses Dessins zu Seite 172 und
danach in Hirths _Formenschatz_ 1889 Nr. 136. Abbildungen des Rahmens
und einiger Einzelheiten seiner Ornamentik enthlt _Thausing_ Albrecht
Drers Leben und Werke II/27. Ferner _Bucher & Gnauth_ Das Kunsthandwerk
I. S. 32 und danach der Katalog der Originalskulpturen des germanischen
Museums S. 43. Sie haben alle den Mangel, da sie vor der
Wiedervereinigung des Frieses mit dem Rahmen gezeichnet, jenen nur
andeutungsweise und ungenau wiedergeben. Eine gewissenhafte Kopie des
Gemldes samt Rahmen hat die Familie von Tucher der Gemldegalerie des
germ. Museums geschenkt. Die alte Bemalung des Rahmens ist nur noch an
den kstlichen Friesfiguren erhalten, dadurch da diese zur Zeit der
Restauration durch Keim vom Hauptstck entfernt waren, und erst spter
unter Heideloffs Nachla sich wiederfanden. Unter dem heutigen
lfarbanstrich lassen sich Reste der Bemalung noch berall feststellen.
Demnach gibt die nach Angaben des Dr. von Essenwein angefertigte Kopie
des Rahmens im ganzen die richtige Vorstellung von dem ehemaligen
Farbenglanz des Ganzen. Da Gold zusammen mit einem matten Blau die
indifferentesten Farbtne sind, die am wenigsten die aus krftigen
Lokaltnen zusammengesetzte Farbenwirkung des Gemldes zu
beeintrchtigen vermgen, das wuten die Italiener schon lange; und auch
diesseits der Alpen bte man schon im 15. Jahrhundert diese Technik der
Gemldefassung: vergoldetes Laubwerk auf blauem Grunde, die abgefasten
Ecken und Hohlkehlen gelegentlich auch dunkelrot, bei den Figuren
goldene Gewnder mit blauen umgeschlagenen Sumen, das war z. B. in
Wohlgemuts Werkstatt Regel. Wenn uns heute an der erst vor wenigen
Jahren angefertigten Kopie des Allerheiligenbildes die Vergoldung zu
aufdringlich erscheint, so mag man dagegen erwgen, da fr das
gedmpfte Licht eines Kirchenraumes strkere Effekte ntig waren, als
sie ein moderner Oberlichtsaal zult; und berdies that der
ausgleichende Einflu der Natur bald das Seine, um die bergroe
Leuchtkraft der Farben zu dmpfen.]

Das Gemlde kam an Rudolph II. und befindet sich nun in den k. k.
Kunstsammlungen in Wien, der Rahmen ist seltsamer Weise leer stehen
geblieben und als eines der wichtigsten Stcke der stdtischen
Sammlungen ins germanische Museum gekommen, nachdem er zuletzt in der
Zeit Heideloffs ausgebessert und mit graugelber lfarbe berstrichen
worden war.

Von der ersten dem Besteller vorgelegten Skizze bis zur Vollendung des
Altars war ein weiter Weg, und manches kam anders zur Ausfhrung als es
entworfen war. Rechnen wir zunchst das ab, was ungeschickte
Restauration dem Werke anthat -- das leere Mawerk an Stelle des
prachtvollen Bildfrieses, der sich merkwrdiger Weise spter erst in
Heideloffs Nachla wiederfand, und das Stabwerk am untern Sturz des
Architravs, so knnen wir vom Gesamteindruck sagen, der Rahmen ist
entschieden gotischer geworden als er im Entwurf gedacht war. Nicht im
Gerst, in der Grundidee des Aufbaus, sondern in den Zierformen: Die
Sulen, die in der Zeichnung ungegliedert als krftige Masse vor dem
ebenfalls glatten Grund stehen, sind im oberen Dritteil des Schaftes mit
krftigen, blau in gold gefaten Kanneluren versehen und darunter
umsponnen von ppigen Reblaubranken in halb gotischer, halb drerischer
Stilisirung; das beliebte gerollte Distelblattband fllt die Rckleisten
und die Hohlkehle nach dem Gemlde hin. Dagegen fehlen in der Ausfhrung
die echt drerisch gezeichneten Rankenleisten am unteren Rande des
Bildes und oben an der Schmiege des Hauptgesimses. Am auffallendsten
tritt die Umgestaltung an der Umrahmung des Rundbogenaufsatzes zu Tage:
an Stelle des mageren gotischen Mawerks und der Zinnenleiste hatte
Drer eine dreifach gegliederte Archivolte vorgesehen: auen ein
schmales Gesimsprofil mit einer Art Perlstab, dann ein Ornamentband mit
Ranken, wie sie etwa auf dem Rahmen einiger Bltter vom Marienleben sich
finden, und innerhalb davon ein Band mit radialen Einschnitten, die den
Eindruck der Rundnische betonen sollen, genau so wie sie Drer in der
Thronlehne auf dem Mittelbilde des Lorenz Tucher'schen Triptychon
anbrachte, das 1511 Hans von Kulmbach nach seines Meisters Zeichnung fr
den Chor von S. Sebald ausfhrte, vgl. Lippmann Handzeichnungen Albr.
Drers.

Aus diesen an sich geringfgigen nderungen lassen sich, wie ich meine,
Schlsse ziehen: Wenn Drer den Rahmen fr das Allerheiligenbild in
dieser neuen, von den landesblichen Formen so stark abweichenden
Fassung entworfen hatte, wird man annehmen mssen, da er auch die
Ausarbeitung in seiner Werkstatt berwachte und leitete; dabei
verfertigte der Bildschnitzer die Ornamentstcke offenbar meist ohne
weitere Detailzeichnungen seines Meisters in den ihm gelufigen
gotischen Mustern. Nur da sie so dem Schnitzer handgerechter waren,
erklrt dies Abgehen vom Entwurf. Fr andere Stcke wieder, wie fr das
Fllornament am Sockel der Sulen oder fr die Sulenknufe, hat
zweifellos Drer ausfhrliche Zeichnungen angefertigt, wie wenig diese
letzteren auch mit irgend welchen italienischen Kapitellformen
bereinstimmen. Gerade ihm und nur ihm eigentmlich ist diese ganz
persnliche Zierkunst, die wir gerade in diesen Jahren seiner
Knstlerentwicklung in den Blttern des Marienlebens[96] in den
Randzeichnungen zum Gebetbuch des Kaisers Max am schnsten ausgesprochen
finden.

[Funote 95: Vgl. _Wrfel_ a. a. O. In der Zeit, da Landauer vor der
Grndung des Bruderhauses noch Pfleger von S. Sebald war, hatte er sich
zusammen mit seinem Amtsgenossen Sebolt Schreyer am Chor der
Sebalduskirche ein Familienbegrbnis bestellt, dessen berhmte
Reliefplatte Adam Kraft zur Ausfhrung bertragen worden war.]

Es wre wirklich vergebene Mhe, zu erforschen, bei welchem Italiener
Drer eine Anleihe gemacht haben knnte, denn er ist nie Kopist, er ist
immer Drer. Aber eine andere folgenreiche Neuerung hat der
Allerheiligen-Altar der deutschen Kunst gebracht, die unmittelbar auf
italienische Eindrcke zurckgefhrt werden mu; es war der erste
Angriff auf den in seinem weitlufigen Aufbau entschieden
unknstlerischen nordischen Flgelaltar. In Deutschland war man bis
dahin gewhnt den Hauptaltarschrein, das Mittelfeld, dem Bildschnitzer
zu berlassen; eine Reihe von Heiligengestalten unter zierlichen
Baldachinen oder eine Scene des biblischen Dramas unter einem flachen
Korbbogen voll wilden gotischen Rankenwerks war das bliche; zwei-
und dreifache Flgel jederseits mit einer bilderbogenartig
nebeneinandergestellten Reihe von Darstellungen der Legende des
Kirchenpatrons fgte der Maler dann an die Seiten des Schreins, ber dem
eine ganze Architektur von Trmchen und Fialen in die Hhe strebte. --
In Italien war das anders: die monumentale berlieferung, in der dort
die Malerei gro geworden war, zwang schon, das Wandgemlde mit der
umgebenden Architektur als ein Ganzes zu behandeln; den Ausblick in das
Blau des Himmels, in dem eine Schaar von Putten sich tummelt, an eine
Gewlbdecke malen, heit doch die Architektur der Halle zum Rahmen des
Gemldes machen. Und wo man solche Aufgaben mit so viel Geschick zu
lsen vermochte, da lag es auch nahe, das freistehende Altarbild durch
einen Rahmen von Sockel, Pfeilerstellung und Gesimsstcke als eine
Architektur im kleinen zu behandeln. Der streng symmetrische Aufbau der
Gruppen, dem die spteren Quadrocentisten huldigen, mag diese Neigung zu
einer so knappen Fassung in strenggegliedertem Architekturrahmen
begnstigt haben. Und gerade derjenige Meister, von dem wir aus Drers
eignem Munde wissen, da er ihn unter den Venezianern am hchsten
schtzte, dessen glnzende Werke damals die Dogenstadt in Staunen
versetzten -- Giovanni Bellini -- zeigt uns, wie sehr er gewohnt war,
Bild und Rahmen als ein knstlerisches Ganzes zu denken und zu
komponieren.

In S. Maria dei Frari zu Venedig steht eines der Hauptwerke Bellinis,
der 1488 entstandene Marienaltar[97]: Die Madonna mit dem Knaben und
zwei musizierenden Engeln in der Mitte und auf den feststehenden
Seitenflgeln zwei Paare ehrwrdiger Heiliger in ruhiger Haltung. Die
drei Gemlde werden durch vier breite Pilaster umrahmt, die in der Mitte
mit einem hohen Rundbogen, zu beiden Seiten mit geradem Gesims
berdeckt, den ganzen prchtigen Aufbau wie eine Vorwegnahme Palladios
erscheinen lassen.

[Funote 96: Vgl. das gotische Portal aus der Scene der Beschneidung.]

Und der architektonische Eindruck dieses mit reichem Reliefschmuck
gezierten Rahmens wird erhht bis zur Tuschung, indem der Maler den
Hintergrund des Mittelbildes eine in ihren Formen dem Rahmen ganz
angepate Nische um den Thron der Maria bilden lt und anderseits auf
den beiden Flgeln Geblk und Pfeiler einer Halle in sorgfltig
festgehaltener Perspektive darstellt, als hingen sie mit dem Pilaster
des Rahmens zusammen. Dieser hchst eigenartige knstlerische Gedanke,
den Hans Holbein fr seine Fassadenentwrfe aufnahm, und den die
Dekorateure des 18. Jahrhunderts in ihrer Weise so vorzglich
auszubeuten verstanden, ist fr Bellinis Auffassung von Bild und
Bilderrahmen hchst bezeichnend: In dem Kreise von Knstlern, in dem
Drer in Venedig verkehrte, legte man Gewicht auf derartige
knstlerische Fassung der Gemlde; Drer sah ihre Werke, hrte den
Gedanken aussprechen, und als er wieder nach Nrnberg kam, verarbeitete
er ihn in seiner Weise zu dem Landauer Altar.

Man hat bisher auf diese innere Verwandtschaft zwischen Drers
Neuschpfung und der in Italien schon lange gebten Art nicht geachtet;
dagegen hat Thausing auf eine andere Gattung von Denkmlern dekorativer
Bildhauerkunst hingewiesen, unter denen Drers Vorbild zu suchen sei,
auf die Grabmonumente Venedigs. Es ist wahr, der oberitalienische
Grabmaltypus, wie er am Ende des Quattrocento sich ausgereift hat, diese
Nischenarchitektur mit Pilastern und Rundbogen, die den Sarkophag des
Entschlafenen dekorativ umschliet, baut sich aus denselben Elementen
auf, und kleine Verschiedenheiten lieen sich unschwer aus Material und
Bestimmung erklren. Thausing hat sogar das unmittelbare Vorbild Drers
zu finden geglaubt, ein Werk, das allerdings dein Meister ebensowohl
bekannt sein mute als Bellinis Marienaltar -- das Grabmal des Dogen
Pasquale Malipiero in SS. Giovanni e Paolo, das bald nach 1462
entstanden sein drfte. Auch abgesehen von der typischen hnlichkeit des
ganzen besticht dieser Vergleich wirklich durch die bereinstimmende
Anordnung eines dreifigurigen Reliefs -- Christus als Schmerzensmann,
gesttzt von zwei Engeln -- im Bogenfeld und der akroterartigen
Anbringung dreier Freifiguren am Scheitel und an den Seiten der
Archivolte. Weiter geht aber die hnlichkeit nicht, und die
akroterartigen Aufstze hatte Bellinis Marienaltar ebenfalls; beiden ist
die ungemein geschickte Art, wie Drer die berdies feinsinnig in die
Komposition hineingezogenen drei Engelchen anbrachte, weit berlegen.

[Funote 97: Neuerdings verffentlicht im _klassischen Bilderschatz_
Bruckmann 1896, Nr. 1102. Ich whle unter manchen verwandten
italienischen Altarwerken dieser Zeit gerade Bellinis Gemlde, weil
Drer dieses zweifellos in Venedig gesehen hat.]

Wenn Drer in diesem Altarwerk zum ersten Male die epische Breite der
bisherigen deutschen Wandelaltre vermied, wenn er statt der bisher
blichen zahlreichen Heiligenlegenden und dramatischen Bibelscenen hier
eine einzige knappe aber erschpfende Komposition vorzog, so konnte er
sich doch nicht versagen, das angeschlagene Thema, da wo der Rahmen
Platz zu figrlichen Darstellungen bot, weiter auszuspinnen durch den
Hinweis auf das jngste Gericht. Es ist nun hchst lehrreich zu sehen,
wie er den Stoff verarbeitet:

Wie oft war seit dem Wandgemlde in der S. Georgskirche auf der
Reichenau oder seit der ersten groen plastischen Darstellung des
Weltgerichts in der Vorhalle des Freiburger Mnsters der Stoff im Lauf
der Jahrhunderte auf deutschem Boden zur Darstellung gekommen, und wie
wenig war der einmal eingelebte Typus abgewandelt worden. Die Reihe der
aus den Grbern auferstehenden, die Reihe der Seligen und Verdammten,
darber die Schaar der Apostel und endlich Christus als Weltenrichter,
umgeben von den Engeln, die durch Posaunenste den Tag des Gerichts
verkndigen -- so wiederholte sich gut und recht in lehrhaftem Schema
der Bilderzyklus, und wer etwa davon abzuweichen versuchte wie in seiner
Rosenkranztafel Veit Sto -- sonst ein Meister der Beschrnkung in der
Komposition -- scheiterte, weil er die groe Figurenzahl nicht zu
bemeistern, auf das plastisch Darstellbare zu beschrnken wute. Drer
griff nun die beiden wesentlichen Gruppen heraus: Im Bogenfeld sitzt
Christus auf dem Regenbogen, seine Fe ruhen auf der Weltkugel, die
rechte hat er segnend erhoben, die linke weist hinab zu den Verdammten;
anbetend knien zur Seite Maria und Johannes in den Wolken. Zwei
Posaunenengel, echt drerische Putten, sitzen an den Seiten des
Rundbogens und geben zusammen mit dem im Original verloren gegangenen
Engelsfigrchen, das ehemals die Bekrnung des ganzen bildete, eine
anmutige Belebung des sonst streng architektonischen Aufbaus.

Unter dem Hauptgesims folgt dann im Fries der in flachem Relief
ausgefhrte Zug der Seligen, die Petrus in die Himmelspforte -- eine
Strahlensonne -- einfhrt, und die von grotesken Teufelsfratzen an einer
Kette in den Hllenrachen gezogenen Verdammten. Noch nie war in der
deutschen Kunst eine Komposition so plastisch gedacht, so im Sinne des
antiken Reliefstils erfunden worden. Am dichtesten gruppieren sich die
Gestalten an den beiden Enden des Frieses, wo unter den vordersten der
Reihe der Verdammten ebensowohl wie der Seligen dem demokratischen Geist
der Zeit gem Papst und Kaiser, Bischof und Kardinal, an ihrer
Kopfbedeckung kenntlich ihrem Bestimmungsorte zugefhrt werden. Nach der
Mitte werden die Reihen lockerer, die einzelnen Gestalten stehen fast
ohne berschneidung nebeneinander; dafr ist aber hier die strkste
dramatische Bewegung ausgedrckt in der groartigen Kampfgruppe: der
letzte in der Reihe der Seligen, der sich eilt, dem Zuge nachzukommen,
hat einen am Boden liegenden Freund am Arme gefat, um ihn mit sich zu
ziehen; von der andern Seite fat ein Teufel nach den Beinen des Mannes,
den er herberreien mchte, indem er zugleich um Hilfe schreiend den
Kopf zurckwirft. Wie die Bewegungsmotive in all diesen Figuren variiert
und jedes einzelne durchgebildet ist, wie das sanfte Geleiten auf der
einen Seite in Haltung und Geberde der beiden Engel, im Faltenwurfe
sogar zum Ausdruck kommt, alles das sind Feinheiten in formaler Natur
sowohl wie in Bezug auf den Gedankeninhalt des ganzen, wie sie kein
deutsches Bildwerk bis dahin aufweisen konnte.

Wer war aber der Knstler, dessen Schnitzmesser sich so ganz Drers
Zeichnung anzupassen vermochte, da wir keine andere als Drers Hand
noch heute darin erkennen? Manches, wie die auffallende Flachheit der
Reliefbilder im Tympanon, lt fast einen Dilettanten vermuten; ich
meine, berhaupt kann es kein im Beruf des Bildhauers gereifter Mann
gewesen sein, da ein solcher Spuren seines eigenen Stils in seinem Werke
htte hinterlassen mssen. Im Katalog der Originalskulpturen des
germanischen Museums steht der Rahmen des Allerheiligenbilds als Nr. 318
neben dem Reliefbild der Krnung Mariae und der groen Rosenkranztafel
an dritter Stelle unter den Werken des Veit Sto. Da man dem
berhmtesten, oder richtiger gesagt, dem einzig bekannten Nrnberger
Bildschnitzer dieser Zeit dies zweifellos zu den hervorragendsten Werken
deutscher Plastik gehrige Stck zuweisen wollte, ist begreiflich;
jedenfalls verdient diese Annahme mehr Beachtung als die seltsame
Meinung des sonst so feinsinnigen Thausing, der sich an die Art Albert
(sic!) Krafts erinnert fhlt. Adam Kraft mu um Weihnachten 1508 im
Spital zu Schwabach gestorben sein[98]; und da er oder einer seiner
Gehilfen, die doch Steinmetzen von Beruf waren, in Holz gearbeitet und
unbekleidete Figuren von hnlich klassischer Bildung wie die des
jngsten Gerichts geschaffen habe, mte doch erst nachgewiesen werden.

Aber auch Veit Sto, fr den sich Bergau und Lbke entschieden haben,
hat mit der Ausfhrung von Drers Skizze nichts zu thun. Denn gerade er
hatte seinen auerordentlich ausgeprgten persnlichen Stil nach seiner
Rckkehr von Krakau in keinem seiner Werke verleugnet und wrde es als
Mann von weit ber 50 Jahren, wie er damals war, auch nicht mehr
vermocht haben.

brigens besitzen wir ja ungefhr aus den gleichen Jahren und im
gleichen Grenverhltnis ausgefhrt in der Rosenkranztafel eine
Darstellung des jngsten Gerichts und einige Gruppen aus der
Schpfungsgeschichte, die uns von der ungelenken derben Durchbildung des
nackten Krpers bei Veit Sto eine Vorstellung geben[99]. Es klingt
etwas befremdlich wenn wir in Neudrffers Nachrichten hren, Sto habe
fr den Knig von Portugal zwei vielbewunderte Statuetten von Adam und
Eva gefertigt; denn die Behandlung des Nackten war nie seine Strke. Die
in ihrer Eckigkeit sehr bertriebene, oft berflssig erregte Bewegtheit
seiner Figuren, die eingeschnrten Leiber und verrenkten Hften, die
flachen typischen Gesichter stehen ganz gewi der hohen Formenschnheit
im Fries des Altarrahmens kontrr entgegen. Und die drei Figuren des
Tympanons geben Falte um Falte die Gewandanordnung von Drers Zeichnung
wieder, ohne da man irgendwo eine Spur des sonst doch leicht wieder zu
kennenden stoischen Faltenschwungs wahrnehmen knnte.

[Funote 98: Vgl. _Alfr. Bauch_ im Repertorium fr Kunstwissenschaft.
Bd. IXX. Heft 1.]

[Funote 99: Vgl. die Werke des Veit Sto in Photographien mit
begleitendem Text von _Bergau_, Nrnberg Soldan, und K. _Schaefer_,
Meisterwerke deutscher Bildschnitzerkunst im germanischen Museum, wo
auch eine vollstndige Wiedergabe des Frieses vom jngsten Gericht.]

Ein einziges Denkmal deutscher Bildhauerkunst ist uns bekannt geworden,
das mit den Figuren des Altarfrieses aufs engste verbunden werden mu,
das nicht nur durch die ganze eminent plastische Auffassung und die
Durchbildung des nackten Krpers, sondern auch durch Einzelheiten, wie
die originell behandelte Haartracht mit den beiden bers Ohr gelegten
Zpfen dieselbe Hand verrt, wie die Seligen des jngsten Gerichts --
das ist die Plakette mit dem Flachrelief einer nackten Frau mit Drers
Monogramm und der Jahreszahl 1509. Es gibt davon zwei Platten in
Kelheimer Stein, von denen eine wohl das grte Recht hat, als Original
angesehen zu werden; denn da Metallabgsse nach diesen gefertigt worden
seien, ist jedenfalls wahrscheinlicher als das umgekehrte. Nach welchem
der Originale Thausing seine Abbildung der Plakette herstellen lie, ist
fraglich, da er das Imhofsche Relief nicht gesehen hat. Auch mir ist es
nicht gelungen, das Kstchen, zu dessen Schmuck das Silberrelief
gefertigt sein soll, zu sehen, da der Familienlteste Major Frhr. von
Imhof versichert, da er trotz wiederholter Bemhungen nicht habe
feststellen knnen, ob und wo das Kunstwerk existiere. Das Relief im
Nationalmuseum zu Mnchen ist in zahlreichen Gipsabgssen, das zweite
durch eine Lichtdrucktafel XVII im Katalog der Sammlung Felix bekannt.
Das Relief ist der Technik entsprechend flacher als der holzgeschnitzte
Fries, die Modellirung hier der Fernwirkung wegen krftiger[100].

Thausing suchte bekanntlich gerade dieses Relief als Zeugen und zwar als
einzig brigen Zeugen von Drers Versuchen in der Bildhauerkunst
festzuhalten; mir scheinen seine Schlsse nicht unglaubhaft, und
jedenfalls hat sich noch niemand gefunden, der sie widerlegte. Die ganze
Frage nach Drers etwaigem Anteil an der Plastik seiner Zeit hier wieder
aufzugreifen, ist mig, da wesentlich neue Beweisgrnde seit Thausings
kritischer Enquete auf diesem Gebiet nicht herbeigebracht wurden. Nun
liegt es mir gewi fern, zu behaupten, Albrecht Drer msse mit eigener
Hand das figrliche Schnitzwerk zum Rahmen des Landauer Altars
angefertigt haben; wir bedenken berhaupt viel zu wenig, welche groe
Anzahl namhafter und namenloser Knstler noch zwischen einem Adam Kraft,
Veit Sto und Albrecht Drer stand, von denen wir nur deshalb nichts
wissen, weil sie Neudrffers Aufmerksamkeit entgangen sind; aber das
steht wohl fest: ebensowohl wie an der Imhofischen Silberplakette ist an
dem Fries der Seligen und Verdammten das Beste, das stilistisch Groe,
den gleichzeitigen Werken z. B. Veit Sto' weit berlegene, Drers
geistiges Eigentum, und wenn eine Gehilfenhand dabei beteiligt war, die
sich von des Meisters Geist fhren lie, so fllt ihr nichts weiter zu,
als die handwerkliche Arbeit, nichts von dem Stil, der hohen Schnheit
des Werkes.

[Funote 100: Einige, vielleicht allerdings nur uerliche hnlichkeit
mit den Figrchen des Frieses zeigt eine kleine kreisrunde Komposition
einer thronenden Maria, die untersttzt von zwei ber ihr schwebenden
Engeln an die versammelten Vertreter der Christenheit Rosenkrnze
austeilt. Das bemalte und vergoldete Relief, das 31 cm Durchmesser hat,
ist irrtmlicher Weise in den Katalog der Originalskulpturen des
germanischen Museums als Nr. 156 aufgenommen. Es ist keine Terrakotta,
sondern ein Abgu in einer Thonmasse, die des besseren Anhaftens der
Farben wegen, wie es scheint, ein wenig gebrannt wurde. Das nicht
uninteressante Original dazu im Besitz der Kunsthandlung Fleischmann in
Nrnberg ist ein lgemlde auf Holz, in dessen Mitte umrahmt von einem
Kranze gemalter Rosen das Relief eingelassen ist. Das ungefhr 1515
entstandene Werk soll aus einer Kirche im bayerischen Schwaben stammen.]

[Illustration: Taf. II.

Fragment vom Rahmen des Allerheiligenbildes von Albrecht Drer.]

Bis auf die einfachen gotischen Distelblattleisten ist das ganze
Altarwerk, der Aufbau, der figrliche Schmuck und das Zierwerk ganz und
echt Drer.

_Nrnberg._

                                                      _Karl Schaefer._




     Deutsche Pilgerfahrten nach Santiago de Compostella und das
              Reisetagebuch des Sebald rtel (1521-22).


                                  I.

Whrend die deutschen Pilgerfahrten nach dem heiligen Lande in den
letzten Jahren vielfache Behandlung erfahren haben, ist den Reisen
deutscher Wallfahrer nach Santiago de Compostella, dem Jerusalem des
Occidents, bisher nicht die gleiche Beachtung zu Teil geworden. ber
jene sind wir durch die Schriften von Rhricht, Meisner, Kamann u. a.
gut unterrichtet, fr diese fehlt zur Zeit noch eine zusammenfassende
Monographie und ist auch das Material bisher nur ungengend bekannt
geworden. Und doch lassen sich aus diesen Reisen nicht minder
willkommene Aufschlsse nicht allein ber geographische und kulturelle
Verhltnisse, sondern hin und wieder auch in kunstgeschichtlicher
Hinsicht gewinnen. Als eine der fr ein so umfassendes Thema
unerllichen Vorarbeiten zu dienen, ist der Zweck der folgenden
Bltter. Die Reisebeschreibung, um deren Verffentlichung es sich dabei
vornehmlich handelt, stammt allerdings bereits aus der Periode des
bergangs vom Mittelalter zur neuen Zeit, steht aber der Sinnesart ihres
Verfassers Sebald rtel nach noch ganz auf dem Boden der alten Zeit und
bietet berdies so mancherlei Interessantes von der oben angedeuteten
Art, da ein diplomatisch getreuer Abdruck des bisher ganz unbekannt
gebliebenen Diariums nicht ungerechtfertigt erschien, zumal es aus jener
Zeit nur wenige gleich ausfhrliche und genaue deutsche
Reisebeschreibungen durch die Schweiz, Frankreich, Spanien und Portugal
geben wird.

Bevor ich indessen zur Mitteilung dieses Tagebuches selbst bergehe, sei
es gestattet, einige Bemerkungen ber deutsche Heiligtumsfahrten nach
Santiago de Compostella im Mittelalter berhaupt vorauszuschicken.

Obgleich schon frh von solchen berichtet wird[101], sind uns doch
ausfhrlichere Reisebeschreibungen erst aus dem 15. Jahrhundert
erhalten. Es hngt das ohne Zweifel zusammen mit dem greren Gewicht,
das seit dieser Zeit dem Sammeln von Reliquien der Heiligen beigelegt
wurde und dem regen Interesse, das sich noch bis tief ins 16.
Jahrhundert hinein berall dafr kund that. Zu der religisen Verehrung
gesellte sich die eben in jener Zeit erwachende Lust am Sammeln als
solchem. Die Menschen von damals empfanden diesen berresten gegenber
etwa die gleiche Piett, wie sie heutzutage noch bei den
Autographensammlern gegenber ihren Schriftstcken besteht, oder von den
Museen der verschiedensten Art durch sorgsame Aufbewahrung von Andenken
an historische Persnlichkeiten, an Helden des Schwertes oder des
Geistes, mit Recht genhrt wird. Ja, man wird sogar behaupten drfen,
da man die groen Sammlungen von Heiligtmern, wie sie zu Anfang des
16. Jahrhunderts bestanden und auch in Abbildungen ihrer bedeutendsten
Stcke publiziert wurden[102], in gewissem Sinne geradezu als Vorlufer
unserer heutigen Museen betrachten kann. Da sich das Interesse eben der
Gebildeten seitdem auch in katholischen Lndern in solchem Mae von den
Gegenstnden der Sakralgeschichte auf die der Profangeschichte
zurckgezogen hat, dafr knnen wir eine Erklrung nur in dem so sehr
vernderten Zeitgeiste finden.

Die Aufzhlung von Reliquien, die man zu sehen bekam, spielt denn auch
in allen diesen Reisebeschreibungen des 15. Jahrhunderts, soweit sie
sich berhaupt auf Einzelheiten einlassen, eine groe Rolle.

1428 pilgerte der Nrnberger Peter Rieter nach Santiago, um von dort aus
ber Monteserrato nach Rom zu reisen. Er hat darber eine kurze
Aufzeichnung hinterlassen, die uns in Abschriften erhalten ist[103].

1436 folgte ihm ein anderer Nrnberger Patrizier, Georg Pfintzing. Wie
Peter Rieter hat auch er auerdem eine Pilgerfahrt ins heilige Land
unternommen. Diese wurde von ihm ausfhrlich beschrieben; der Reise nach
Sant Jobs dagegen, auf der er sieben Wochen abwesend war, erwhnt er
nur mit wenigen Worten[104]. Weit ausfhrlicher ist ohne Zweifel die
Reisebeschreibung eines Augsburgers, von 1439-40, die sich in einer
Handschrift des Brittischen Museums erhalten hat, ber die aber meines
Wissens nhere Angaben bisher nicht gemacht worden sind[105].

[Funote 101: In Rossels Urkundenbuch von Eberbach 1, 114. 141 werden
Wallfahrten aus dem Rheingau nach St. Jakob schon aus dem Jahre 1203
erwhnt (vgl. Zeitschrift fr die Geschichte des Oberrheins XVI, 1864,
S. 490); nach dem Lbecker Urkundenbuch III, 199 ff. wurde 1354
bestimmt, da die Mrder des Knappen Marquard von Westensee zur Bue je
einen Pilger nach Aachen, Rom, Santiago und Jerusalem schicken sollten.
(Vergl. Rhricht und Meisner, Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen
Lande, Berlin 1880, S. 486).]

[Funote 102: Das Haller Heiligtumsbuch, das Wittenberger
Heiligtumsbuch, Einzelblatt mit den Abbildungen der Heiligtmer, die in
St. Ulrich und Afra zu Augsburg aufbewahrt wurden, etc. Auch von den
Heiligtmern in St. Sernin zu Toulouse mu es solche Abbildungen gegeben
haben, wie aus der Reisebeschreibung rtels (_.. vnd sonst viel
Heilthumbs, als ich auff ein Zettel gedruckt hab_) hervorgeht. Ob noch
Exemplare davon existieren, vermag ich nicht zu sagen.]

[Funote 103: Vgl. Rhricht und Meisner, a. a. O. S. 476. Eine Abschrift
auch in dem sogen. schwarzen Rieterbuch der Nrnberger Stadtbibliothek
Bl. 393a. Die Aufzeichnung umfat nur wenige Stze. Der Schlu lautet
nach der Nrnberger Handschrift: _vnd thet das In einer gutten maynung
mein Nachkommen Andacht zu haben dy heylige stett zu besuchen ob sie
gott ermant er hett es aber gelobt zw thun._ --]

Peter Rieter hatte am Schlu seiner kurzen Aufzeichnung betont, da er
seine Pilgerreisen nach den heiligen Sttten auch zur Nacheiferung fr
seine Nachkommen unternommen habe[106]. Seine Mahnung fiel in dem Herzen
seines Sohnes Sebald Rieter auf fruchtbaren Boden. Er ist nach Rom, St.
Jakob und zum heiligen Grab gepilgert. Die Wallfahrt nach Santiago und
zum Cap Finisterre unternahm er in Gemeinschaft mit einigen andern
Pilgern im Todesjahre seines Vaters (1462), reich mit Empfehlungsbriefen
(fuderprieff) ausgestattet, die den Wallfahrern eine freundliche, ja
ehrenvolle Aufnahme bei den Knigen von Spanien und Frankreich und der
Herzogin von Savoyen sicherten. Herolde geleiteten sie durch die von
Kriegsunruhen aufgeregten Gebiete. Im Ganzen bietet auch Sebald Rieters
Reisebeschreibung[107] obgleich erheblich ausfhrlicher als die des
Vaters, nicht eben viel des Interessanten und auch die Reiseroute ist
nur in groen Zgen angegeben, nicht im Einzelnen beschrieben.

Von ungleich grerer Bedeutung sind die Beschreibungen, die uns von der
Ritter-, Hof- und Pilgerreise des bhmischen Herrn Leo von Rozmital
(1465-1467) erhalten geblieben sind, eine lateinische von einem
unbekannten Verfasser und eine deutsche von dem Nrnberger Patrizier
Gabriel Tetzel, der im Gefolge Leos an dessen Fahrt durch die Abendlande
teilgenommen hatte[108]. Die Genauigkeit in der Angabe der Stationen
lt freilich auch hier hin und wieder zu wnschen brig. Die Reiseroute
stimmt auf groe Strecken mit derjenigen Sebald rtels berein[109].

Mit bergehung der Reisen des St. Galler Brgers Daniel Kauffmann (vor
1491)[110] und des Dominikaners Felix Fabri (vor 1492)[111] ist dann
weiterhin vor allem zu nennen die Pilgerfahrt des niederrheinischen
Ritters Arnold von Harff (1496-1499), die von ihm selbst ausfhrlich
beschrieben und uns in mehreren Handschriften erhalten ist[112]. Sie hat
in der Anlage und in der genauen Angabe der Meilen von Station zu
Station so manche hnlichkeit mit dem hier zu verffentlichenden
Reisetagebuch des Sebald rtel, da man wohl der Ansicht zuneigen
knnte, rtel habe eine Handschrift der Reisebeschreibung des Ritters
von Harff gekannt. Inhaltlich jedoch bieten beide Beschreibungen nur
geringe Berhrungspunkte, wie sich denn auch die von Arnold von Harff
eingehaltene Reiseroute nur fr wenige grere Strecken annhernd mit
derjenigen Sebald rtels deckt[113].

[Funote 104: Rhricht und Meisner a. a. O., S. 66 u. 95.]

[Funote 105: Papierhandschrift 14326, wahrscheinlich Autograph; vgl. G.
Waitz im Neuen Archiv der Gesellschaft fr ltere deutsche
Geschichtskunde IV (1879) S. 350.]

[Funote 106: S. oben Anm. 3.]

[Funote 107: Ebenfalls im sogen. schwarzen Rieterbuch der Nrnberger
Stadtbibliothek 395 ff. Vgl. auch Rhricht und Meisner, a. a. O. S. 484
f.]

[Funote 108: Herausgegeben von J. A. Schmeller im 7. Bande der
Bibliothek des Stuttgarter litterarischen Vereins (1844).]

[Funote 109: Sie deckt sich damit ziemlich genau in folgenden
Abschnitten: Dax bis Tolosa; Santiago bis Ponte de Lima;
Porto--Coimbra--Thomar; Evora--Badajoz--Guadalupe--Talavera de la Reina;
Madrid--Zaragoza--Fraga; Igualada--Barcelona--Perpignan--Narbonne;
Avignon.]

[Funote 110: Erwhnt von Dietrich von Schachten, bei Rhricht und
Meisner S. 224.]

[Funote 111: Vgl. Rhricht und Meisner S. 279 ff.]

1506 unternahm der Breslauer Peter Rindfleisch, der schon zehn Jahre
zuvor nach Jerusalem gepilgert und dort zum Ritter des heiligen Grabes
geschlagen worden war, von Antwerpen aus eine neue Wallfahrt nach
Santiago, wo er den Herzog Heinrich von Sachsen mit seinen Begleitern,
von Colditz und Hans Roch, antraf[114]. Seine Beschreibung dieser
Reise[115] kann sich an Bedeutung weder mit der des Ritters Arnold von
Harff, noch mit der Sebald rtels messen. Mit der letzteren deckt sie
sich, was die innegehaltene Route betrifft, fr die Strecke von Bayonne
bis Santiago.

Wir wissen noch von manchen anderen Fahrten deutscher Pilger nach St.
Jacob de Compostella aus dem Mittelalter und dem beginnenden 16.
Jahrhundert[116], knnen es aber fr unseren Zweck bei den oben
angefhrten wichtigsten derselben, von denen zumeist noch eine
Beschreibung vorhanden ist, bewenden lassen.

                   *       *       *       *       *

Wie an den Pilgerfahrten nach dem heiligen Lande sind auch, wie wir
gesehen haben, an den Reisen nach Santiago de Compostella Nrnberger in
hervorragender Weise beteiligt gewesen, und einer alten Nrnberger
Familie, die zu den Ehrbaren gerechnet wird, gehrte auch der Schreiber
unseres Reisetagebuches an. Sebald rtel, dessen Bildnis wir dieser
Abhandlung beigeben[117], war als dritter von sieben Shnen Sigmund
rtels und seiner Frau Margaretha, einer Tochter des Philipp Gro, 1494
geboren. Auer den Brdern, unter denen ihm der im Diarium mehrfach
genannte Florentius im Alter am nchsten stand, hatte er, wie aus einem
rtelschen Geschlechterbuch[118] hervorgeht, noch acht Schwestern. Die
rtel sollen namentlich einen starken Handel mit Berkwercken getrieben
haben[119] und mssen frh zu ansehnlichem Reichtum gelangt sein. Auch
Sebalds Vater, Sigmund (+ 1525), war sehr vermgend, er besa zu Ausgang
des 15. Jahrhunderts ein Haus in der Kotgasse, je ein weiteres in der
Derrergasse, Bindergasse und unteren Schmiedgasse, sowie ein Gut zu
Galgenhof, das er eben im Geburtsjahr Sebalds, 1494, von der Gerhaus
Kohler gekauft hatte[120]. ber Sebald rtel selbst erfahren wir nicht
eben viel. Whrend einige seiner Brder (Andreas, Florentius, Sigmund)
in der ersten Hlfte des 16. Jahrhunderts verschiedene stdtische mter
bekleidet haben[121], wird ein Gleiches von ihm nicht berichtet.
Unmittelbar nach der Rckkehr von seiner weiten Reise hat er sich am 11.
Februar 1522 mit der Tochter des Hans von Ploben und der Barbara
Hallerin, Anna von Ploben, vermhlt, die ihm drei Shne gebar,
Christoff, Abraham und Paulus[122]. 1552 ist Sebald rtel 58 Jahre alt
gestorben.

[Funote 112: Herausgegeben von Dr. E. von Groote. Kln, 1860.]

[Funote 113: Toulouse. Von Burgos ber Leon nach Santiago; und von
Burgos bis Bayonne.]

[Funote 114: Vgl. Rhricht und Meisner, S. 316 und 345 ff.]

[Funote 115: s. ebenda.]

[Funote 116: So von der des Thomas Voglin 1503 (vgl. Zeitschrift fr
die Geschichte des Oberrheins XVI. 1864, S. 490), Heinrich und Hans
Peters aus Ilsenburg, zwischen 1481 und 1516 (vgl. Urkundenbuch des
Klosters Ilsenburg, bearbeitet von Jacobs, Halle 1877, Nr. 452) u. a.
m.]

[Funote 117: Nach einer Radierung (P. 947 der Portrtsammlung des
Germanischen Museums), die allerdings nicht gleichzeitig ist, sondern
etwa aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts stammt, aber, wie man
aus der Tracht, insbesondere aus der Kopfbedeckung schlieen darf, auf
ein gleichzeitiges Bildnis zurckgeht und daher wohl auf
Portrthnlichkeit Anspruch machen kann.]

[Funote 118: Hs. 7057 der Bibliothek des Germanischen Museums, Bl. 13
u. 16.]

                            [Illustration]

Was nun sein Reisetagbuch betrifft, so liegen uns in der Handschrift 420
(kl. 8) der im Germanischen Museum deponierten Merkelschen Sammlung,
zwar kaum die Notizen vor, die er sich auf der Reise selbst gemacht
haben mag -- dem widerspricht die Gleichmigkeit und Sauberkeit der
Schrift -- ohne Zweifel aber haben wir es mit einer fast gleichzeitigen,
wahrscheinlich von Sebald rtel selbst bald nach seiner Rckkehr
unternommenen Abschrift oder Bearbeitung seiner Reiseaufzeichnungen zu
thun. Das so entstandene Werkchen umfat 2 Bogen oder 22 Bltter und
ist auf starkem, nur leider etwas schlecht geleimtem und daher die Tinte
durchlassendem Papier geschrieben.

[Funote 119: Nach der Topographia Reipublicae norimbergensis, Hs. 7178
der Bibliothek des Museums, S. 706.]

[Funote 120: Nach dem sog. Libri litterarum der Nrnberger
Stadtbibliothek Bd. 3. fol. 51 (1484); 9, 101 (1492); 11, 133 (1496);
13, 152 (1496) und 12, 40 (1494).]

[Funote 121: Topographia S. 707.]

[Funote 122: Nach dem rtelschen Geschlechterbuch S. 16.]

Interessant ist es, zu beobachten, was den Nrnberger Kaufmannssohn auf
seiner Reise vor Allem interessiert. Unternommen wurde sie, wie aus den
Eingangsworten hervorgeht, in erster Linie als eine Pilgerfahrt nach
Santiago und die Aufzhlung kirchlich bedeutsamer Sttten, die besucht,
die Beschreibung der Reliquien, die besehen und fromm verehrt wurden,
nimmt einen breiten Raum in der Erzhlung ein. Auch unterlt Sebald
rtel es nie, getreulich zu berichten, wo er Messe hat lesen lassen, ein
Almosen in den Stock gelegt hat u. s. f. Daneben aber verrt sich der
Zeitgenosse und nhere Landsmann so vieler groer Knstler, eines Drer
und Peter Vischer, deutlich in dem Eindruck, den hervorragende
Kunstwerke auf ihn machen, in der ausfhrlichen Schilderung, die er
beispielsweise der berhmten Chorbhne in der nicht minder berhmten
Kathedrale der heiligen Ccilia in Albi widmet. Aus seinen Notizen wird
vielleicht Manches fr die lokale Kunstgeschichte zu entnehmen sein,
doch mu ich die Verwertung des Tagebuchs nach dieser Richtung hin
besseren Kennern der mittelalterlichen Kunst in Frankreich und Spanien
berlassen.

Auch sonst bekundet rtel in seinem Tagebuch einen offenen Blick
namentlich auf praktischem Gebiete und ein vielseitiges Interesse. Wie
von vornherein ein Nebenzweck seiner Reise der gewesen war, seinen in
Lyon weilenden Bruder Florentius zu besuchen und spter die Rckreise
von Lyon aus mit ihm gemeinsam zu machen -- dieser Plan hat auch seine
Marschroute wesentlich beeinflut -- so verkehrt er auer zu Lyon, auch
in Lissabon, Saragossa und anderen Orten mit den dort anwesenden
Deutschen und lt es sich manchen Dukaten kosten, was alles
gewissenhaft verzeichnet wird. Ebenso genau wird ber die bezahlten
Zollgebhren Buch gefhrt. In Zrich zeigen ihm die Zricher Herren ihr
Zeughaus, ebenso besieht er sich das knigliche, reich ausgestattete
Zeughaus in Lissabon; in St. Juan de Luz, Lissabon und Marseille werden
die groen Schiffe, in letzterer Stadt auch die Docks in Augenschein
genommen -- Dinge, die den knftigen Handelsherrn, den vornehmen
Stdter, besonders interessieren muten. Daneben aber versumt er auch
nicht bei St. Galmier des dort aus der Erde quellenden, wie Wein
schmeckenden doppeltkohlensauren Wassers, oder der heien Quellen von
Dax Erwhnung zu thun, oder fr die kleine spanische Stadt Tolosa sich
voll Verwunderung anzumerken, da alle Straen mit Steinen gepflastert
seien. Derartige kleine Bemerkungen, die zum Teil ein willkommenes
Streiflicht auf die damaligen Verhltnisse fallen lassen, finden sich in
dem Tagebuch noch manche, wie man aus der Lektre desselben entnehmen
mag.

Nur von der Natur und ihren Schnheiten, die ihm doch im sdlichen
Frankreich, in Spanien und Portugal auf Schritt und Tritt entgegen
getreten sein mssen, findet sich in dem ganzen Bchlein auch nicht ein
Sterbenswort. Als die Reisenden, d. h. rtel und sein Diener, im
herrlichen Barcelona ankommen, heit es nur: Da lieen wir unsere Pferd
beschlagen und unsere Stiefel flicken, kostet mich 6 Real, und blieben
den Christabend und den Tag auch da und besahen viele Ding. Auch in
dieser Teilnahmlosigkeit gegen die ihn umgebende Natur zeigt sich der
Verfasser noch durchaus als ein Kind des Mittelalters. Weiteren Kreisen
das lange nach innen gekehrte oder nur auf die Bedrfnisse des tglichen
Lebens gerichtete Auge auch wieder fr die Reize der Natur geffnet und
empfnglich gemacht zu haben, ist wesentlich ein Verdienst der Kunst,
insbesondere der Renaissancekunst, und gewi keines ihrer geringsten.
Aber freilich: diese Entwicklung vollzog sich nur ganz allmlich und bei
dem Einen spter als bei dem Andern. Unser Sebald rtel scheint 1521 von
ihr noch so gut wie unberhrt gewesen zu sein.

Bei dem Abdruck des Diariums, das ich nunmehr buchstabengetreu folgen
lasse, glaubte ich auch die nach Schlu des eigentlichen Tagebuches noch
hinzugefgten verschiedenen Marschrouten in gleicher Weise unverkrzt
wiedergeben zu sollen; einmal weil unser Abdruck auch fr den Forscher
die Handschrift vllig zu ersetzen bezweckt, dann weil gerade auch diese
Verzeichnisse noch manches Wissenswerte enthalten und die in denselben
erscheinenden Ortsnamen nicht selten die oft sehr korrupte Schreibung
des Tagebuches zu erklren geeignet sind.[123] Die heutigen Namen der
Orte sind, soweit es ntig schien und soweit sie aus den mir zur
Verfgung stehenden Landkarten und Reisebchern zu ermitteln waren, in
den Anmerkungen hinzugefgt; Abkrzungen wurden in der Regel aufgelst.


                                 II.
                 Das Reisetagebuch des Sebald rtel.

                  In nomine domini Jesu Christi 1521

Item ich Sebolt Orttel reit zu Nrnperg aus gen sant Jacob an sant
Bartelmes abent d. 23 august. Da nam ich mit mir ein palbirers gesellen,
was bey Maister Nicklas Kun am pladenmarck, hies Christoff Melper. Sein
vatter sas zu Mnchen, den verzert ich mit mir aus vnd ein, vnd gab jhm
sonst nichts denn ein Rock in mein farb, vnd ich reit hie aus ein rots
fuchslein, was meines bruders Florentij [per] 20 fl. vnd ich gab meinem
diener ein clain schimle zu raiten, das kostet 14 fl. Kaufft ich es vom
Endres Rechen, der was bey dem Sebastian Melpar in gesellschalft. Item
so reit ich den ersten tag von Nurnperg aus mit meinem knecht gen
Guntzenhaussen an sant Bartolomeus abent, do lagen wir vber nacht was 6
meil da verzert ich 4 h. gelts, darnach gen tting[124] was 3 meil,
[1b] verzert ich 2 h. 20 [Pfennig], von dann gen Nrling[125] was 2
meil, verzerten 28 kreutzer, von dann gen Genge[126] was 4 meil,
verzerten 16 +er, von dann gen New [?] was 2 meil, verzerten 24 +er. Von
dann gen Ulm was 2 meil verzerten 16 +er. Darnach rait ich gen
Waltringen[127] was 3 meil, do verzert ich vber nacht 25 +er. Von dann
Rait ich gen Pibrach[128] was 1 meil da regnets als sehr, da ich den
halben tag dar belieb, da verzert ich 14 +er. Von dann gen waingarten
was 3 meil, verzerten 30 +er, von dann gen Mersperg[129] was 3 meil,
verzert 16 +er. Darnach fuhr ich vber den see, gab darvon 13 +er, da
lagen wir zu nacht zu Kotznitz[130] verzert 24 +er, Darnach blieb ich
den andern tag zu Koschnitz, dann wir kunten vor wasser nit auskummen,
verzert 1 fl., darnach rait ich mit ietzlichen von Zrch gen sant Anna,
die thutt auch groe Zaichen, vnd hatt gar hbsch geschnitten [2a] altar
taffel was 2 gros meil, da assen wir zu mittag, verzert ich 14 +er, von
dann gen Winterdurren[131] was 2 gros meil verzert 24 +er. Von dann gen
Zrch was auch 2 gro meil, verzert ich fr 6 mal, vnd fr 2 tag fr die
pferd, die ich stehn hat lassen 1 fl. vnd 3 patzen, vnd so fuhr ich mit
dem Christoff den see ab pi gen [_Lcke_][132] verzert ich 12 +er.
Darnach morgens fr an sant Egidijtag giengen wir gen einsidel was 1
meil vber ein hohen berg, da beichten wir, vnd namen da das heilig
hochwirdig Sacrament, vnd befahlen vns vnsern lieben herrn, vnd assen,
daselbst verzert ich 15 +er. Darnach giengen wir wider an See, vnd
fuhren wider gen Zrch, da gab ich den schiffleuten ein S[avoyer] fl. zu
lon. --

[Funote 123: Den Bdeker fr die Santiagopilger aus Deutschland,
welchen Rhricht (Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen Lande, Gotha
1889, S. 36, Anm. 11) erwhnt, mit dem Titel: De overen vnde meddelen
Straten van Brunswygk tho Snte Jacob in Galicien, Brunswygk 1518 8.
konnte ich leider bisher nicht zur Hand bekommen. Vielleicht wrden sich
aus demselben mancherlei Aufschlsse insbesondere auch ber die dem
eigentlichen Tagebuche angehngten Marschrouten gewinnen lassen.]

[2b] Da schenckten vns die Herrn von Zrch den wein, vnd liessen vns jhr
Zeughaus sehen vnd jhr geschos, beweisten vns viel ehr vnd
freundschafft, darnach reit ich zu mittag aus gen Lentzspurg[133] was 2
gros meil, verzert ich 24 +er: von dann gen Arburg[134] sind 2 gro
meil, verzert ich 4 batzen, von dann gen Doringen [?] 2 meil verzert ich
7 batzen. Von dann gen Purtdolf[135] sind zwei gros meil verzert 4
batzen. Item von Purtdolff gen Bern 2 meil, da verzerten wir 10 batzen,
von dann gen Freyburg ist 3 gro meil, da verzerten wir sieben Safoir g:
von dann gen Remund[136] ist 3 meil, da verzerten wir 16 Saffoir g. Von
dann gen Losanna[137] ist 5 meil, da verzerten wir 8 g., von dann gen
Ni[138] 4 meil, verzerten 7 g. Von dann gen Jenft[139], ist 3 meil, an
vnser lieben frawen abent. Da blieb ich den Sambstag, vnd vnser lieben
frawen [3a] tag zu Jenff, da verzerten wir bey dem Ulrich Embler 2 fl.
Item so ritten wir den montag zu Jenff wider aus, vnd ritten gen
Kolunge[140], das ist 4 meil, da verzerten wir 7 g. Von dann gen
Senpermann[141] ist 3 meil, verzerten wir 15 g. mit sambt den 2
Teutschen, die lud ich zu gast, von dann gen Scherdung[142] ist 4 meil,
do verzerten wir 6 g, von dann gen Samony[143] ist 3 meil, da verzerten
wir 14 g. Von dann gen Mulla[144] ist 3 meil, verzerten wir 7 g., von
dann gen Lion ist 3 meil verzerten wir nichts. Lagen bey meinem bruder
Florentius in seiner Herbrich bey 14 tagen, da zalt er fr mich. --

[Funote 124: ttingen.]

[Funote 125: Nrdlingen.]

[Funote 126: Giengen.]

[Funote 127: Baltringen.]

[Funote 128: Biberach.]

[Funote 129: Meersburg.]

[Funote 130: Konstanz.]

[Funote 131: Winterthur.]

[Funote 132: Vielleicht Pfffikon?]

[Funote 133: Lenzburg.]

[Funote 134: Aarburg.]

[Funote 135: Burgdorf.]

[Funote 136: Romont.]

[Funote 137: Lausanne.]

[Funote 138: Nyon (Neuss).]

[Funote 139: Genf.]

[Funote 140: Collonges.]

[Funote 141: Saint Germain de Joux.]

[3b] Item so luden mich die Teutschen zu Lion zu gast, nemlich der
Sebolt Schurstab, Schlisselberger, vnd der Hans Scheiffelein, der Hans
Schwab, vnd des Drrer diener, vnd der alt Hans jr. So lud der
Florentius mir zu lieb zu 2 tisch Teutsche in des Marx Rauschen Hau. So
sahen wir zu Sangust[145] 2 vnschuldige kindlein vnd ein stuck von der
seulen, da vnser Herr daran gegeisselt ist worden, vnd sonst viel
Heilthumbs von sant Anna.

Item so ritt ich zu Lion wider aus Adj 24 september, mit des Hans
Schwaben Sun, vnd sunst mit 2 Wallon, vnd ritten von Lion aus gen
Jfarung[146] ist 3 meil, da verzerten wir 7 , van dan gen
Sangervay[147] was 4 meil, da verzerten wir 14 , da selbens da hats ein
brunnen gehabt der hat geschmeckt als wein. Darnach ritten wir gen sant
bunet deschada[148], was 5 meil, da verzerten wir 7 , von dann gen pung
[4a] deperat[149] was 3 meil, verzerten wir 14 , von dann gen
Sassangen[150] was 5 meil, da verzerten wir 6 . Von dann gen allabantha
[?] was 3 meil, da verzerten wir 14 , von dann gen sant flor[151], da
verzerten wir 6 , was 5 meil, darnach blieben wir denselben tag dar,
vnd besahen ein grosse glocken, vnd ein stuck vom heiligen +, vnd ein
dorn von vnsers herrn kron, vnd 2 ohr von sant Johann vnd sunst viel
Hailthumbs. Im prediger closter da verzerten wir 14 , von dann gen
Schadesloy[152], was 4 meil, da verzerten wir 7 , von dann alla
giola[153] was 4 meil, da verzerten wir 7 , darnach ritten wir gen
Rodes[154] was 4 meil, da verzerten wir 22 . Da sahen wir in eins
pfaffenhaus, das hbschst selzamst ding von bildern vnd gemelden: vnd
hangen, niemands kan nit sehen war an. Darnach giengen wir, vnd besahen
vnsser lieben frawen schue, [4b] vnd ein seiden das sie selber gespunnen
hat, vnd 3 st. vom heiligen + vnd ein dorn von vnsers Herrn kron, vnd
mehr ein gar guldene Jungfraw Maria vnd sonst viel lblichs Hailthumbs,
von Rodes raiten wir alla motda [?] was 5 meil, verzerten 5 , von dann
gen Allerung[155] was 5 meil. Item do verzerten wir 12 . Von dann gen
Albis[156] was 3 meil verzerten wir 7 , da hats ein Hbsche kirchen,
vnd alle gemalt vnd vergult, vnd der kohr mit hbschen gehaunen steinen,
vnd man weisset vns den hohen altar, darinnen was vnssers herrn gepurt,
vnd die beschneidung, vnd die vnschuldigen kindlein, vnd die flucht in
Egypten, als von silbern bildern, vnd oben von sant Jorgen, von sant
Nicklas von sant Marta, von sant Barbara, von sant Steffan, von sant
Paul als in silber eingefast, vnd sonst 9 kopff von den 11 tausent
Jungfrawen, vnd sunst viel heilthumbs. Darnach wie man vns [5a] im
Sagra viel hbsche guldene, perlene vnd sammete vnd damaskatine
Megewant vnd 2 silberne mebcher, vnd ein guldes + mit viel hbschen
edelen steinen, vnd sunst viel silbernes gefe, das alssams hat ein
Bischoff lassen machen. Von dann ritten wir gen Gelieck[157] was 4 meil,
verzerten wir 4 , von dann gen Bausset[158] was 4 meil, verzerten wir 7
, von dann gen Tolosa[159] was 4 meil, da blieben wir ij tag vnd
verzerten 1 Ducaten, vnd wir besahen viel lblichs Heilthumbs, als
nemlich 6 Zwelffbotten, vnd der hailig Ritter Sant Jrg, vnd sonst viel
Hailthumbs, als ich auff eim Zettel getruckt hab. Mehr das buch
Apocalipsis vnd ein Zan von sant Christoff, vnd ein perlemutter, darein
ist gar hbsch ding geschnitten[160], vnd wir ritten Zu Tolosa wider aus
am Donnerstag an sant Franciscitag [4. Oktober] Zu mittag gen
Lillagordung[161] was 4 meil, verzerten wir 12  darnach gen Lysignan
[?] was 3 meil verzerten [5b] wir 6 , von dann gen Asch[162] was 4 meil
verzerten wir 12 , von dann gen Wick[163], was 4 meil verzerten wir 7 
von dann gen naxaro[164] was 4 gr. meil, verzerten wir 18  von dann gen
Kasaras[165] was 3 gr. meil verzerten wir 6 . Von dann gen Garnada[166]
was ij meil, da ritten wir vber ein bruck, da must man 6  Zu Zol geben.
Darnach ritten wir noch gen sant Sotber[167] was ij meil, verzerten wir
12 , von dann gen Munfort[168] was 3 meil, verzerten wir 7 . Von dan a
Dax was 3 meil verzerten wir 14 , da ist ein Hei wasser, das quilt von
der erden, als sunst ein quellender prun. Von dan gen sant Winssang[169]
was 3 gros meil verzerten wir 7 . Von dan gen Wayana[170] was 4 meil.
Da blieben wir ein gantzen tag stil liegent, vnd besahen die
befestigung, die der Knig von Franckreich lies machen mit pastey vnd
gro graben vmb das schlo, mehr besahen wir wie man die grossen ancker
macht, da einer 40 bis in 50 c. wigt, braucht man der fnff in ein gro
schiff, vnd die Jungfrawen sind alle beschoren, daselbsten verzerten wir
40 . Von dann ritten wir gen sant Jangdelus[171] [6a] was 3 meil,
verzerten wir 6 , ist ein port des Meers. Da besahen wir die grossen
schiff, vnd alle Zugehrung. Darnach ritten wir vber ein bruck vber das
Meer, da musten wir 6 [Pfennig] zu Zol Zalen. Darnach ritten wir noch 2
meil zu eim schlo, das ist des Knigs von Spania; vnd sein Herrschafft
hebt sich her genseit des wassers an, vnd man lest kain Kauffmann heraus
raiten, man besucht ihn vor, da er kein gelt mit ihm hraus frt.
Darnach ritten wir noch ein halbe meil in ein stetlein hies
Dirrong[172], da verzerten wir 12 , von dann gen Armany[173] was 3
meil, verzerten wir 8 , von dann gen Dolosada[174] was 3 meil. Die
Statt ist mit eitel clein steinlein gepflastert, da verzerten wir 16 ,
von dann gen Sigura[175] was 4 meil, da verzerten wir 8 . Ist daselbs
der weg 8 meil aneinander gepflastert. Darnach ritten wir gen
Sagama[176], was 1 meil. Da namen wir 2 essel oder meyler. Und ritten
den berg auff der ist fast hoch, vnd heit der berg sant Atrion[177].
Ist der weg durch ein fels gehauen wunderbarlich, da must [6b] ich 1
Real von eim Esel geben. Und lagen darnach vnten am berg in eim dorff
das hies Galareda[178]. Was 2 meil, da verzerten wir 4 Reall. Darnach
ritten wir gen Odygany [?] am suntag. Do hrten wir me, was 2 meil, da
verzerten wir 2 Real vnd 2 Darges, gilt ein Darges 8 Spanisch [Pfennig].
Von dann ritten wir gen Witdoria[179], was 3 meil, da beschreibt man die
Ro vnd die esel, die man hinein reit, da verzerten wir 4 Real. Von dann
alla punda Dormurug [?] was 4 meil, da verzerten wir 8 Darge, von dann
gen Mermiste[180] was 4 meil, verzerten wir l Real vnd 2 Darge. Von
dann gen Mestir Derodilla[181] was 3 meil, verzerten wir 2 Real vnd 2
Darge. Von dann ritten wir gen Wurges[182] was 5 meil. Do besahen wir
im Augustiner Closter ein Crucifix, [7a] das Nicodemus hat gemacht, das
thutt grosse Zaichen, vnd wenn man Ihm ein finger oder Zween beugt: So
richt es sich wider auff; Und niemand wai nit warvon es gemacht ist.
Darnach besahen wir die grossen kirch: Und bey 3 hundert st. Heilthumb
in eim altar. Und in der kirch ein fast hoch durchsichtig gewelb, vnd
fast hbsch ausgehauen. Mehr besahen wir des Knigs Spitall, vnd sonst
viel dings. Und wir blieben iij tag dar. Verzerten wir 15 Real. Darnach
ritten wir am sambstag wider aus, vnd ritten gen Hrvilles[183] was 3
meil, da verzerten wir 1 Real, von dan gen Casterseris[184], was 4 meil,
da verzerten wir 2 Reall 2 darge, von dan gen Formestein[185] was 5
meil, verzerten wir 2 Realen [7b] Von dann gen Carion[186] was 4 meil,
verzerten wir 3 Reall, von dann gen Kassadilla[187] was 4 meil,
verzerten wir 6 darges, von dann gen Sagona[188], was 3 meil, verzerten
wir 9 Darges. Von dann gen Gurgada [?] was 3 meil, verzerten wir 9
Darges. Von dann gen Mansille[189] was 4 meil, verzerten wir 10 Darges,
von dann gen Lion[190] in Spania, was 3 meil, verzerten wir 6 Darges. Da
namb ich 2 essel bis gen sant Jacob, gab ich darvon 24 Real, vnd dem
Knecht 11 Real, der die essel widerholet, dann das schimela was sehr
getruckt, von dann raiten wir noch gen noderdama daschaschinung [?] was
1 meil, verzerten wir 10 darges, von dan alla puntdy dorby[191] was 5
meil verzerten wir 7 darges. Von dan gen Sturges[192] was 3 meil, da
besahen wir ij Zan von sant Christoff sollen wegen 10 h , vnd ein st.
vom heiligen +, vnd ein rren von sant Blasius, vnd ein rren von sant
Barbara. Und man weist vns wie der teuffel einen verstorbnen reichen man
het aus dem grab geholet [8a] Und wir besahen die ringmauren, ist fast
die best in Castillia. Von dannen ritten wir gen Spidall dowasch[193]
was 2 meil, da verzerten wir 4 Reall: von dann an den berg Rafanell[194]
was 4 meil. Darnach vber den halben berg gen Lassebo[195] was 3 meil,
verzerten wir 2 Real, von dann gen Pungferade[196] was 3 meil, verzerten
wir 4 Real, von dann a Willa franca[197] was 5 meil, verzerten wir 2
Real. Von dann auff den berg Malafaber[198] gen santa Maria[199] was 7
meil, verzerten wir 4 Real, von dann gen Troi Castell[200] was 5 meil,
verzerten wir 2 Real, von dan gen Sorge[201] was 4 meil verzerten wir 3
Real, von dann gen Legunda[202] was 8 meil, verzerten wir 2 Real. Von
dann gen Millisse[203] was 5 meil, verzerten wir 4 Real, von dann gen
troy Cassa[204], was 4 meil verzerten wir ij Real. Von dan gen
Compostell gen sant Jacob[205] was 3 meil, da lagen wir iij tag still,
vnd am aller Hailigen [8b] tag da liessen wir vns bewaren, vnd verzerten
wir 2 Ducaten. Und ich lies fr 1 Ducaten me lessen, vnd gab eim armen
Teutschen Weber 1 Ducaten, da er aus der gefengnus kem. Und ich lies
des Zillers sohn, vnd den 2 Distlerren 1 Ducaten vnd gab den armen
leuten in dem Spital 1 Ducaten, vnd wir besahen den gantzen Spital, ich
habe kein hbschern nit gesehen. Darnach an aller seelen tag zu mittag,
Zugen wir zu St. Jacob wider aus, vnd ritten gen pattron[206], was 4
meil. Da ist St. Jacobs brun, vnd sein bett, vnd der fel da Sant Jacob
3 mal durch ist krochen, da jhn die baurn gejagt haben. Da verzerten wir
3 Real. Von dan gen Golda[207] was 3 meil, verzerten wir 7 Darge. Von
dan gen Pundafedar[208] was 3 meil verzerten wir 4 Real. Von dan gen
Rodinidella[209] 3 meil, verzerten wir 6 Darges. Von dann gen Duya[210]
was 5 meil, verzerten wir 3 Reall. Darnach am morgens frh fuhren wir
vber ein wasser haist Muga[211] do ligt ein statt [9a] zunechst darbey,
heist Valentie[212], vnd wir ritten gen Egalunga [?] was 3 meil,
verzerten wir 2 Real 2 Darges. Von dan gen punda do limy[213] was 3
meill, da ist ein hbsche lange bruck, ist iij Hundert roschritt lang,
da verzerten wir 3 Real. Von dann gen Warsselles[214] was 5 meil,
verzerten wir 60 portugal. Real, von dan in ein dorff heist gassy [?],
was 3 meil, verzerten wir 80 Real, von dan gen parda portugal[215] was 4
meil, da wolten wir auf das meer sein gesessen, da war kein schiff
vorhanden, das gen Lisabona gieng. Da verzerten wir 128 Real oder K. d.
Und am Donnerstag ritten wir gen Riffano[216], was 5 meil, da verzerten
wir 90 Real. Von dann gen Walantz [?] was 4 meil, verzerten wir 44 Real.
Von dann gen Albagaria[217], was 4 meil, verzerten wir 90 Real. Von dann
gen Quimer[218] was 5 meil, da verzerten wir 56 Real, da ist ein hubsch
Parfusser closter mit hbschen augehawen steinen. [9b] Von dann gen
Sarnoschka[219] was 2 meil, verzerten wir 66 Real. Von dann gen
Warges[220] was 4 meil verzerten wir 42 Real. Von dann in ein eintzlich
Hau was 3 meil, da verzerten wir 68 Real. Von dann gen Domner[221] was
3 meil, verzerten wir 42 Real. Von dann gen Woligany [?] was 4 meil, da
verzerten wir 70 Real, da machen die bauren gar eine hbsche kirchen.
Von dan gen Sant Darring[222] was 4 meil, da verzerten wir 48 Real. Von
dann gen Willa longa [?], was 4 meil, verzerten wir 90 Real, von dann
gen Willa noggra[?], was 5 meil, verzerten wir 48 Real. Von dann gen
Lissabona[223] was 5 meil, da blieben wir 6 tag dar stilligent, vnd
besahen die grossen schiff, die von Calecut kummen, vnd das ganze Haus
von India, vnd des Knigs Zeughau, gar viel hbsche bchssen, vnd die
Harnisch sollen sein fr 40 tausent [10a] man zu fus, vnd fr 10
taussent zu Ro, Und viel glocher zu den pferden, vnd ein Kalakudisch
Harnisch, vnd viel seltzamer waar, vnd fuhren zu dem newen schlo, vnd
zu dem newen Closter, das der Knig bawen lest, vnd besahen die gantz
statt, was darinnen zu besehen was. Da luden vns der Hirschvogd diener,
vnd der Welsser diener zu gast, vnd theten mir viel ehr vnd
freundschafft, Und ich lud die andern Teutschen auch all zu gast, kostet
mich das mal vnd Zerung was ich verzert hett 5 Ducaten. Darnach am
Erichtag vor sant Katharina tag [19. November] 7 stund nach mittag
sassen wir auff das meer, vnd fuhren vber 3 meil gen Aldegaloga[224],
[10b] Da assen wir zu nacht, vnd verzerten wir da 90 Real, von dann gen
Landera [?] was 5 meil verzerten wir 90 Real, von dann gen Schabarida
[?] in ein eintzlich Haus, was 3 meil, verzerten wir 125 Real, von dann
gen Munda mortnoua[225] was 4 meil, verzerten wir 38 Real, von dann gen
Ebrach[226] wz 5 meil, was die Kng. Mt. von Portugal dar, vnd namen ein
passaport vom Knig durch sein leut, kostet mich 1 Ducaten, vnd wir
sahen den Knig essen, vnd die Kunigin, vnd ich redet mit der Kunigin,
die fraget mich von wannen wir kemen, vnd sunst fraget sie mich von
jhres bruders vnsers H. Kaysser Karols wegen. Und wir besahen des Knigs
seine pferd, vnd seine grten, darinn was ein balsambaum, vnd besahen
sunst viel dings, da verzerten wir 2 Ducaten. Darnach ritten wir an sant
Catharina abent gen Estramos[227] was 6 [11a] meil, verzerten wir 126
Real, vnd an sant Catharina tag lies ich ein me lessen, vnd ritten
darnach gen Elssis[228] was 6 meil, verzerten wir 76 [Pfennig], vnd wir
antworten den brieff vom Knig, vnd sie gaben mir ein andern, darfr gab
ich 4 [Pfennig] oder Real, vnd dem auff der wart gab ich ein
Wintden[229], von dann ritten wir gen Wagado[230], Hebt sich da
Castillia an, da lies ich vnsere pferd, vnd das golt, vnd die ring
beschreiben, wie da ichs am Heraus raiten wolt verzollen. Darvon gab
ich 16 Marfadi, darnach macht mir einer ein Zaichen darauf, darvon gab
ich 12 [Pfennig], da verzerten wir 38 [Pfennig]. Von dann gen
Dallabarela[231] was 3 meil, verzerten wir 94 [Pfennig], von dann gen
alarua[232] was 4 meil, verzerten wir 42 [Pfennig], von dann gen
mereyda[233] was 2 meil, da ist ein heidnische bruck ist bey 60 joch
lang, von dann gen Dorsilon [?] was 1 meil, verzerten wir 96 [Pfennig].
Von [11b] dann gen Myasogada[234] was 6 meil, verzerten wir 87
[Pfennig]. Von dann gen Grusan[235], was 7 meil, verzerten wir 53
[Pfennig]. Von dann gen Kananero[236] was 2 meil, verzerten wir 86
[Pfennig]. Von dann ritten wir gen Gardalub[237]. Da blieben wir ij tag,
was 2 meil. Da besahen wir das gantz Gotzhau, vnd alle jhren vorrath,
den sie haben, gleich als wers in einer grossen Statt. Sie haben jhr
aigen Spital, vnd hohe schul, vnd schier die gantz statt gehrt zum
closter. Da legt ich 2 Real in stock vnd gab ein Real, vnd lies me
lessen. Darfr do verzerten wir 6 Real, von dann gen aspidal dekardedial
[?], was 3 meil. Da verzerten wir 78 d. Von dann gen Willa
petroysy[238], was 4 meil, verzerten wir 44 [Pfennig]. Von dann gen
alapunta arsabaschko[239], was 2 meil verzerten wir 65 [Pfennig]. Von
dann gen Dallabero[240], was 6 meil, verzerten wir 40 [Pfennig]. Von
dann gen Grussel[241], was 2 meil, verzerten wir 70 [Pfennig]. Von dann
den sant Silvester [?], was 5 meil [12a] verzerten wir 45 [Pfennig], von
dan gen Kassia Roy [?], was 4 meil, da verzerten wir 80 [Pfennig]. Von
dann gen Mulynes[242], was 3 meil, verzerten wir 50 [Pfennig], von dann
gen Matrill[243] was 4 meil, da verzerten wir 37 [Pfennig], von dann gen
Kallasfenod[244], was 6 meil verzerten wir 28 [Pfennig]. Von dann gen
wott de lagerra[245] was 4 meil, verzerten wir 86 [Pfennig], Von dann
gen Hytda[246], was ein hohes schlo, was 4 meil, verzerten wir 40
[Pfennig]. Von dann gen Wurgesherres [?] was 2 meil, verzerten wir 52
[Pfennig]. Von dann gen Weydes[247], was 2 meil. Da hrten wir me an
vnser lieben frawen tag [8. Dezember], verzerten wir 32 [Pfennig]. Von
dann gen Siganssa[248], was 2 meil, da ist ein fast hbsche kirchen, mit
eitel weis Merbelsteinen altar. Von dann gen Igossa [?] was 1 meil,
verzerten wir 63 [Pfennig], Von dann Modine delamunde[249] was 3 meil.
Da blieben wir den halben tag, vnd fragten darnach, wie wir vns halten
solten mit dem Zoll. Da verzerten wir hundert v siebentzig [Pfennig].
[12b] Von dann gen Arki[250] was 3 meil, da ist das endt des Castillia.
Da mu man die Ro, vnd gelt vnd ring verzollen. Gab ich von den 2
pferden 3 Ducaten, vnd von Ringen, vnd vom gelt 1 Ducaten, Da wurd mir
mein ring gestolen, Da verzerten wir 40 [Pfennig]. Von dann gen
Arrissa[251], do hebt sich Arrgon an, was dahin 4 meil verzerten wir 60
Arragonisch [Pfennig], von dan gen Wurbicka[252] was 4 meil, verzerten
wir 34 [Pfennig]. Von dan gen Kaladiff[253] was 3 meil, verzerten wir 80
[Pfennig]. Da liessen wir 10 Duckaten einschreiben, vnd 2 ringlein,
darvon must ich 1 Ducaten Zol geben, durch gantz Arragon. Von dann
ritten wir gen Rigla[254], was 5 meil, verzerten wir 32 [Pfennig]. Von
dann gen Molla[255], was 5 meil, da verzerten wir 68 d. Da regnets an
sant Luccia abent [12. Dezember] 5 stunt nach mittag. Von dan gen
Sarragossa was 4 meil, da blieben wir ij tag, vnd besahen die statt, vnd
die mutter Gotts de pillerin thutt auch grosse Zeichen. Und daselbst
macht man gar ein hbschen altar [13a] von eitel Allawassara, vnd der
Sebastian Scheperlein lud vns zu gast vnd leih mir 12 Ducaten, als ich
jhm ein schuldbrief gab, Zu Lion wider auszurichten. Da verzerten wir 8
Real. Von dan gen Otschery[256] was 3 meil, verzerten wir 28 [Pfennig]
Von dan gen Anfeda, was 3 meill. Verzerten wir 54 [Pfennig]. Von dann
gen Sandalusa [?] was 3 meil, verzerten wir 2 Real. Von dan gen
Pinalba[257], was 3 meil, verzerten wir 3 Real. Von dann gen fraga was 5
meil, verzerten wir 54 d. Von dann gen Durres[258] was 2 meil, verzerten
wir 64 [Pfennig]. Da namen wir ein brieff, da wir durch kein sterben
waren geritten, darfr gaben wir 10 [Pfennig]. Von dann gen Gunada[259]
was 3 meil gro. Da verzerten wir 34 [Pfennig]. Von dann gen Malta [?]
was 2 meil, da verzerten wir 53. Da wolt man vns weder durch Gotts
willen, noch von gelts wegen nit beherbrigen. Da giengen wir zu dem
herrn ins schlo, vnd batten jhn da er [13b] vns vnterhlff, da lies er
dem Richter gebieten, da er vns einhlff. Von dann gen Gumara[260], was
3 meil verzerten wir 42 [Pfennig], da namen wir wider ein brief, da wir
durch kein sterben waren geritten, kostet 10 [Pfennig]. Von dann gen
santa Kalana[261] was 2 meil, da verzerten wir 90 [Pfennig]. Von dann
gen Anguleda[262], was 3 meil, verzerten wir 60 [Pfennig]. Von dann gen
Munserat[263] was 3 meil, da blieben wir ij tag, vnd wir besahen auff
dem berg wol 10 armittes oder einsiedel, die wonen in den felssen, gar
wunderparlich ding, vnd wir besahen gar viel ding im Closter. Und die
Mutter Gotts thut gar grosse Zaichen, vnd sind da viel grosse wchsine
Krtzen, die einer kaum vmbgreiffen kan, vnd wol 43 silberne lampen, die
tag vnd nacht brennen, vnd sonst wol bey 100 silberne lampen, die nit
brennen. Da leget ich 5 Real in den stock. Da gibt man einem jeglichen
Reich oder armen brot wein [14a] ll vnd essig bevor. Aber was man fr
die Ro vnd essel bedarff, mus man bezallen. Da verzerten wir 8 Reall,
vnd lies mess lessen fr 1 Real. Und daselbst wurd mir mein 2 pferdten
die schwentz abgeschnitten. Von dann ritten wir gen Sant Endres[264],
was 4 meil, verzerten wir 54 [Pfennig]. Von dann gen Spidelat [?] was 2
meil, verzerten wir 74 [Pfennig]. Von dann gen Warsalona[265], was 1
meil. Da liessen wir vnsere pferd beschlagen, vnd vnsere stiffel
flicken, kostet mich 6 Real, vnd blieben den Christabent vnd den tag
auch dar, vnd besahen viel ding. Da verzerten wir die 3 tag dar 2
Ducaten.

[Funote 142: Cerdon.]

[Funote 143: S. Denis.]

[Funote 144: Montluel.]

[Funote 145: Saint Just.]

[Funote 146: Yzeron.]

[Funote 147: Saint-Galmier.]

[Funote 148: Saint Bonnet-le-Chteau.]

[Funote 149: Pont Tempera.]

[Funote 150: Chavagnac.]

[Funote 151: St Flour.]

[Funote 152: Chaudesaigues.]

[Funote 153: Laguiole.]

[Funote 154: Rodez.]

[Funote 155: Almeirac.]

[Funote 156: Albi.]

[Funote 157: Gaillac.]

[Funote 158: Buzet.]

[Funote 159: Toulouse.]

[Funote 160: Sebald Rieter berichtet von Toulouse (Nrnberger
Stadtbibliothek, schwarzes Rieterbuch Bl. 395b): ... darnach fugt wyr
vns genn dolosa In langendcken gelegen ist ein grose stat grsser dann
zwey Nrmberg vnd liegen Alda In der kirchen vntter dem kre dy lieben
Zwelffpotten sant philipp vnd sant Jacob In einem grab Sant Symon vnd
Judas auch In einem grab Sant barnabas Heroben In einer Mawr Sant Jorgen
des lieben Ritters Maysters leichnam Sant Seuerinus vnd ander vil
Heyligen vnd Heyltums Auch dy vber geschrifft von dem Heyligen Creucz.

Noch ausfhrlicher ist Arnold von Harff (ed. Groote S. 223), der u. a.
auch, hnlich wie rtel, eines Evangelienbuches Erwhnung thut. dat
gantz mit gulden litteren geschreuen was, dat man sait sent Johann
ewangelist mit sijner eygener hant greschreuen hatte.]

[Funote 161: l'Isle-Jourdain.]

[Funote 162: Auch.]

[Funote 163: Vie-Fzensac.]

[Funote 164: Nogaro.]

[Funote 165: Cazres.]

[Funote 166: Grenade.]

[Funote 167: St. Sever.]

[Funote 168: Montfort.]

[Funote 169: St. Vincent-de-Tyrosse.]

[Funote 170: Bayonne.]

[Funote 171: St. Juan-de-Luz.]

[Funote 172: Irn.]

[Funote 173: Hernani.]

[Funote 174: Tolosa.]

[Funote 175: Segura.]

[Funote 176: Segoma.]

[Funote 177: P. de Arlaban.]

[Funote 178: Galerota.]

[Funote 179: Vitoria.]

[Funote 180: Bribiesca, lter Birbusca; bei Peter Rindfleisch (Rhricht
und Meisner S. 346): Vermeseck.]

[Funote 181: Monast. de Rodillas.]

[Funote 182: Burgos.]

[Funote 183: Bei Arnold von Harff (ed. Groote S. 230): Hornilus.]

[Funote 184: Castrogeriz.]

[Funote 185: Fromista.]

[Funote 186: Carrion d. I. Condes.]

[Funote 187: Calcadilla.]

[Funote 188: Sahagun.]

[Funote 189: Mansilla de las Mulas.]

[Funote 190: Leon.]

[Funote 191: Harff (ed. Groote S. 231): ... Ponte de orfigo eyn dorff,
lijcht zo beyden sijden vff deme wasser Ortigo oeuer eyn steynen
bruck.]

[Funote 192: Astorga.]

[Funote 193: Harff (ed. Groote S. 231): Item van Storgis zo Hospitale
eyn dorff ij lijge.]

[Funote 194: Ravanella.]

[Funote 195: Luceno.]

[Funote 196: Pon-ferrada.]

[Funote 197: Villafranca.]

[Funote 198: Peter Rindfleisch: Malefaber. Nrdlich von Sa del Oribio
[Rhricht u. Meisner S. 347 Anm. 6.]]

[Funote 199: Harff S. 232: Item van Ala faba zo Marie de sebreo eyn
klein dorffgen vff deme berge Malefaber.]

[Funote 200: Harff S. 232: Trecastelle, auf lteren Karten: Tria
Castella.]

[Funote 201: Srria.]

[Funote 202: Harff, S. 232: Ligundi eyn dorffgen.]

[Funote 203: Mellid.]

[Funote 204: Harff S. 232: Trykasa eyn dorff: das Dos Casas der
lteren Karten (16.- 17. Jahrh.)?]

[Funote 205: Santiago de Compostella.]

[Funote 206: Padron.]

[Funote 207: Caldas d. Reyes.]

[Funote 208: Pontevedra.]

[Funote 209: Redondela.]

[Funote 210: Tuy.]

[Funote 211: Minho.]

[Funote 212: Valenca do Minho.]

[Funote 213: Ponte de Lima.]

[Funote 214: Barcellos.]

[Funote 215: Porto.]

[Funote 216: Leo von Rozmital (ed. Schmeller S. 93): Portu Rifanam
quinque milliarium itinere pervenimus.]

[Funote 217: Albergaria.]

[Funote 218: Coimbra.]

[Funote 219: Sernache.]

[Funote 220: Alvorge.]

[Funote 221: Thomar.]

[Funote 222: Santarem.]

[Funote 223: Lissabon.]

[Funote 224: Alda Gallega.]

[Funote 225: Montemor Novo.]

[Funote 226: Evora.]

[Funote 227: Estremoz.]

[Funote 228: Elvas.]

[Funote 229: So viel wie: eine Kleinigkeit.]

[Funote 230: Badajoz.]

[Funote 231: Talavera.]

[Funote 232: Arroyo.]

[Funote 233: Mrida.]

[Funote 234: Miajadas.]

[Funote 235: Logroson.]

[Funote 236: Caamero.]

[Funote 237: Guadalupe.]

[Funote 238: Villar del pedroso.]

[Funote 239: Puente del Arzobispo.]

[Funote 240: Talavera de la Reina.]

[Funote 241: Sta. Cruz del Retamar?]

[Funote 242: Mostoles.]

[Funote 243: Madrid.]

[Funote 244: Alcalde Henares?]

[Funote 245: Guadalajara.]

[Funote 246: Hita.]

[Funote 247: Baydes.]

[Funote 248: Sigenza.]

[Funote 249: Medinaceli.]

[Funote 250: Arcos.]

[Funote 251: Ariza.]

[Funote 252: Leo von Rozmital (S. 102): Monrealo Bubieream venimus
quatuor milliarium itinere. Is pagus, arci impendenti subjectus, inter
eosdem montes jacet, quem praeterfluit torrens nomine Schalun, primus ab
eo Aragoniae latere.]

[Funote 253: Calatayud.]

[14b] Und an Sant Steffanstag [26. Dezember] ritten wir wider aus mit 4
Frantzosen, vnd ritten gen alla Rocka[266] was 4 meil, da verzerten wir
3 Real. Da wurd mir mein pferd das fuchslein kranck, da lies ich jhm die
feuffel reissen[267]. Von dann ritten wir gen Fanssaloner[268] was 3
meil, vnd da wolt mein fuchslein nimmer gehn. Ligt ein halbe meil vor
der statt Und alsbald ichs in stall zug, da fiel es nider vnd starb von
stund an. Da verzerten wir 5 Real. Darnach luden wir vnsere stiffel vnd
claider auff das Schimelein, vnd luffen neben jhm her gen Vecacopy[269]
was 3 meil. Da verzerten wir 3 Real. Von dann gen Girona[270] was 4
meil, verzerten wir 5 Real. Da namen wir 2 essel, bi gen Parpion[271],
darvon gab ich 2 Ducaten. Von dem ritten wir gen Sigires[272], was 3
meil, verzerten wir 4 Real, von dann gen Wollang[273] was 4 meil, da
verzerten wir 2 Real. Von dann gen Parpion was 3 meil, da kaufft ich ein
Schimele [15a] pferd vmb 7 Ducaten, vnd verzerten 16 . Und ich namb 2
essel bis gen Narbona[274], darvon gab ich 1 Ducaten. Von dann ritten
wir gen Palma[275], was 5 meil, da must ich von 2 pferden vnd 2 Esselen
4  Zol geben, vnd verzerten dar 12 . Von dann gen Willa falssa[276],
was 2 meil, da must ich von 1 pferdt 1  Zollen, vnd von eim Esel 8
[Pfennig]. Darnach ritten wir noch folgent gen Narbona, was 2 meil. Da
verzerten wir mit sambt den 2 esell 24 . Von dann gen sant Dobery[277]
was 3 meil, verzerten wir 14 . Von dann gen Lopia [?], was 3 meil,
verzerten wir 7 . Von dann gen Willa noffa[278] was 4 meil, da blieben
wir 1 tag, vnd giengen alla Magalona[279] an das meer, vnd fuhren
hinvber, vnd besahen das hailthumb, vnd die kirchen. Da waschen sie alle
tag den Jngern, vnd den Jacobsbrdern jhre f. Da fuhren wir wider
vber, vnd verzerten dar 45 , vnd wir hatten einen man mit vns lauffen
von Pardalupa[280] bi [15b] gen Willa noffa, da wurd er mir krank, gab
ich jhm 2 Ducaten. Von dann gen Sanbegs[281] was 4 meil, da verzerten
wir 8 , von dann gen Wafer[282] was 4 meil, da verzerten wir 12 . Von
dann gen sant Gilg[283] was 4 meil da verzerten wir 8 . Und wir sahen
ein arm vnd das Haubt von sant Gilgen, vnd das ander Heilig gebain ligt
in eim sarch. Mer ein arm von sant Jorgen, vnd ein Finger von sant
Johans Wathisse [Johannis Baptista], vnd sunst viel Hailthumbs. Von dann
ritten wir gen sant Anthony Darles[284], was 3 meil, verzerten wir 12 ,
vnd sahen den kopff vnd das gebain als von Sant Anthony bi ohn ein arm,
der ist A wino[285]. Von dann bis gen sant Marding de kraub[286] was 3
meil verzerten wir 8 . Von dann gen sallung[287], was 4 meil, verzerten
wir 12 , von dann gen Laspena [?], was 5 meil, verzerten [16a] wir 19
. Von dann gen Marsilia[288], was 3 meil. Da lagen wir ein tag still,
vnd besahen das hailthumb zu Predigern, Sant Endres bart. Und in der
Pfarr St. Lasarus Haubt, vnd ein gantze Hand, vnd ein arm von sant
Atrion[289], Und ein rren von Sant Victor, vnd sunst viel Hailthumbs,
vnd zu sant Victor im closter sant Endres , vnd sant Victors Haubt, vnd
sein gebain gar hbsch in silber eingefat. Und dann Pabst Urbanus, der
ligt noch vnerhaben, vnd sonst viel hbsch Hailthumbs als in silber
eingefast, Und ist mehr ein Capellen, da rast die Mutter Gotts innen,
vnd brint sunst nichts nit darvor dann wax. [16b] Und darff auch kein
fraw darein gehn sie sturbe von stund an. Darnach besahen wir die
grossen schiff vnd gallern, die erst vom Trcken waren kummen. Sie
hatten nicht viel ehr eingelegt, waren wol bey 460 all erschlagen. Und
wir sahen auch das Haus, wie man sie hinnein zeucht, da verzerten wir 35
. Und von dann gen Rila [?] was 3 meil, verzerten wir 7 . Von dann
gen alla bama[290] da Maria Magdalena gebst hat bey 34 Jar. Was da hin
4 meil, vnd wir sahen den fel, vnd die wonung, vnd das bett, darauff
sie gelegen ist ein felsstein, da haut man ein stain darvon, vnd wir
besahen auch jhren brunn, vnd tropfft dz wasser vber all Hindan In jhr
bett nit. Da habens die Engel alle tag zu 7 mal auff gefrt auff die
Hhe des bergs. Da sang sie allweg eine der sieben freud. Und wir
verzerten alla bama bey den Mnchen 14 , von dann ritten wir gen sant
Melymy[291] was 3 meil. Da blieben wir ein tag, vnd besahen Maria
Magdalena haubt, das Gott der Herr hatt angerrt im garten [17a] da er
sprach: Noli me tangere. Das ist 13 Hundert Jar vnter dem ertrich
gelegen, vnd ist noch vnversehrt, was die finger angerrt haben, vnd
mehr das Haar, damit sie vnserm Herrn Jesu Christo die heiligen f mit
getrucknet hat, das ist als vnversehrt blieben. Vnd mehr ein arm, vnd
das grab, da Maria Magdalena innen gelegen ist, vnd mehr ein gllein,
darinnen ist ein blutstropff, den vnser Herr am stammen des Heiligen
Creutz hat lassen fallen, das hatt sie mit sand vnd stein aufgehaben,
das Zeugt man am Carfreytag, so wirds eben vol mit blut, bis man vnsern
Herrn in das grab legt, so verbrgt es sich wider. Das Zaigt man
jederman, vnd sonst fast viel Hailthumbs. Da gaben wir zu Hailhumb 6 ,
vnd wir verzerten 25 . Von dann gen Rossat [?], was 3 meil, verzerten
wir 6 . Von dann gen Seyb [?] was 3 meil, Da besahen wir in einem
frawen closter Knig Scharlamany von Franckreich seinen leib vnverwesen,
vnd vnser frawen grtel, ein [17b] fus von sant Endres, vnd ein fus von
sant Dobort[292], vnd ein spindel aus dem arm Maria Magdalena, vnd 3 Zan
von sant Johans, vnd sunst viel Hailthumb in silber eingefast. Da gab
ich 4  zum Heilthumb, da verzerten wir 12 . Von dann gen Kasiles[293],
was 3 meil, da verzerten wir 7 . Von dann gen Durgung[294] was 4 meil.
Da verzerten wir 12 , von dann gen Avinung[295] was 5 meil. Da wolt man
mich nit einlassen, da musten wir raiten gen pung de sorg[296], was 1
meil, verzerten wir 7 , von dann gen schatdea nofa de papa [?] was 1
meil, verzerten wir 2 . Vonn dann gen noderdame de plang [?] was 5
meil, da verzerten wir 9 . Thutt auch groe Zaichen. Von dann gen Does
orres[297] was 3 meil, verzerten wir 12 . Von dann gen Munda
Linnart[298] was 2 meil verzerten wir 18 . Von dann gen Lonnion[299]
was 4 meil verzerten wir 7 . Von dann gen den Gwa[300], 3 meil [18a]
verzerten wir 14 . Von dann gen sant Rambert[301], was 4 meil,
verzerten wir 14 . Von dann gen Wine[302], was 2 meil, da verzerten wir
8 . Da wurd mir mein pferd kranck. Da nam ich ein anders bis gen Lion.
Darvon gab ich ihm 12 , Und ritten gen Lion an sant Anthony tag [17.
Januar 1522] was 5 meil. Da kam mein bruder Florentius vnd der Marx von
Nurnperg. Und ich vnd mein knecht kamen all vnter der thur Zusammen vor
der Herbrig, vnd begerten als zu wissen. Gott hab Lob vnd Ehr.

[Funote 254: Ricla.]

[Funote 255: la Muela.]

[Funote 256: Osera.]

[Funote 257: Penalba.]

[Funote 258: Torres de Segre.]

[Funote 259: Juneda.]

[Funote 260: Guimera.]

[Funote 261: Sta. Coloma de Queralt.]

[Funote 262: Ignalada.]

[Funote 263: Olesa de Monserrat.]

[Funote 264: St. Andrs del Palomar.]

[Funote 265: Barcelona.]

[Funote 266: la Roca.]

[Funote 267: Die Speicheldrsen ausschneiden oder zerquetschen. Grimms
Wb. III. Bd. Sp. 1433 unter Feibel, Feifel.]

[Funote 268: San Cetoni.]

[Funote 269: Bei Leo von Rozmital (S. 112) steht an dieser Stelle
Castelricum (heute: Hostalrich).]

[Funote 270: Gerona.]

[Funote 271: Perpignan.]

[Funote 272: Figueras.]

[Funote 273: Boulon.]

[Funote 274: Narbonne.]

[Funote 275: la Palme.]

[Funote 276: Auf lteren Karten: Ville Falce.]

[Funote 277: Leo von Rozmital (S. 113): Narbona Santyberium septem
milliaribus distat.]

[Funote 278: Villeneuve.]

[Funote 279: Maguelonne.]

[Funote 280: Guadalupe.]

[Funote 281: St. Brs.]

[Funote 282: Vauvert.]

[Funote 283: St. Gilles.]

[Funote 284: Arles.]

[Funote 285: Vienne.]

[Funote 286: St. Martin de Crau.]

[Funote 287: Salon.]

[Funote 288: Marseille.]

[Funote 289: St. Hadrian.]

[Funote 290: la Ste. Baume.]

[Funote 291: St. Maximin?]

[Funote 292: Dagobert oder St. Aubert?]

[Funote 293: Cadenet?]

[Funote 294: Orgon.]

[Funote 295: Avignon.]

[Funote 296: Sorgues.]

[Funote 297: Donzre.]

[Funote 298: Montlimar.]

[Funote 299: Loriol.]

[Funote 300: So anstatt deng wa߫; Tain ist gemeint.]

Item so blieb ich 14 tag zu Lion, vnd wartet auff mein bruder
Florentius. Und darnach ritten wir auff Sant Glado[303] zu. --

[18b] Und zu Genff kam mein Bruder wider zu mir, vnd ritten miteinander
gen Nurnperg, so verzerten wir biher 15 fl., vnd wir kamen all beed
frisch vnd gesund aus vnd ein.

                        Gott hab lob vnd ehr.
    Und behut uns vor aller schwerer kranckheit, Amen, Amen, Amen.

Item hernach steht der Weg krtzlich aufgezaichnet wie ich geritten bin,
von einem halben Tag zu dem andern, wie viel meil von einander.

Item von Nrnperg aus gen[304].

   Guntzenhaussen                                              6 M.
   tting                                                      3
   Henerling                                                   2
   Genge                                                       4
   Aio                                                         2
   Ulm                                                         2
   Waltringen                                                  3
   Pibrach                                                     1
   Weingarten                                                  4
   Martdorff [Markdorf]                                        2gr.[305]
   Merspurg                                                    1
   Uber den see                                                2
   Von Koschnitz gen St. Anna                                  2 g.
   Winterdurren                                                1 g.
   Zrch                                                       2 g.
   Von Zrch fuhren wir den See ab 2 meil vber den berg gen    2 gr.
      Einsiedel, Darnach fuhren wir wider gen Zrch, was
      eben als weit, vnd darnach ritten wir von Zrch gen
      Lentzspurg
   Arburg                                                      2 gr.
   Dorringe                                                    2 gr.
   Purtdolff                                                   2 gr.
   [19a]
   Pern                                                        3 gr.
   Lossana                                                     4
   Morssa [Morges]                                             2
   Ny                                                         4
   Jenff                                                       4
   Kolunge                                                     4
   Sengerman                                                   3
   Schardung                                                   4
   Sanmony                                                     3
   Mula                                                        4
   Lion                                                        3
   Isarung                                                     3
   Sengermy                                                    4
   Santbunet de Schadea                                        5
   Pungdeperat                                                 3
   Saffangne                                                   5
   Alba bautha                                                 3
   Sant flor                                                   5
   Schades Egy                                                 4
   Alla giola                                                  4
   Spalion [Espalion]                                          3
   Rode                                                       4
   Alla motda                                                  5
   Alleros                                                     3
   Albis                                                       3
   Galliack                                                    4
   Baussett                                                    4
   Dolosa                                                      4
   Lilla gordung                                               4
   Lysigmen                                                    3
   Asch                                                        4
   Wick                                                        4
   Nagaro                                                      4
   Koseras                                                     3
   Garnada                                                     ij
   Sant Seber                                                  ij
   Munfort                                                     3
   Adax                                                        3
   Sant Winssang                                               3 g.
   Weyana                                                      4
   Sant Jongdelu                                              3
   Dirreng                                                     3
   a Arnaby                                                    3
   Dolosada                                                    3
   Segura                                                      4
   Sagona                                                      1
   Vber den berg S. Atrian gen Galareda                        2
   Odikany                                                     2
   Witdoria                                                    3
   Alla punda Dorumeng                                         ij
   Panckarbo [Pancorbo]                                        2
   Mermiste                                                    4
   Mestir de Rodille                                           3
   Wurge                                                      5
   Hornilles                                                   3
   Kasterferis                                                 4
   Formestein                                                  5
   Carion                                                      4
   Kalssadilla                                                 4
   Sagona                                                      3
   Gurgada                                                     3
   Lion in Spania                                              3
   Moder dama de scheschinge                                   1
   Alla punda dorby                                            5
   Sterge                                                     3
   Aspidal de wasche                                           2
   [19b]
   An den berg Rafanell                                        4
   Uber den ben berg gen Lasebo                                3
   Apungferada                                                 3
   a Willafrancka                                              5
   Uber den berg Malafab. gen sant Maria                       7 M.
   Troy Castell                                                5
   Seyrge                                                      4
   Legunda                                                     8
   Nullisse                                                    5
   Cassa                                                       4
   Compostell gen St. Jacob auff Lissabona zu gen Patron       4
   Golda                                                      3
   Pundafeder                                                  3
   A Rodundella                                                3
   Duya                                                        5
   Egalunga                                                    3
   Punda de liny                                               3
   Marselles                                                   5
   Passy                                                       3
   a Portu Portugall                                           4
   Riffano                                                     5
   Wallans                                                     4
   Albagaria                                                   4
   Quimir                                                      5
   Sarnescka                                                   2
   Warges                                                      4
   Einzlich Haus                                               3
   Von dann gen Domar                                          3
   Walligany                                                   4
   St. Dorring                                                 4
   a Willa longa                                               4
   a willa negra                                               5
   a Lissabona                                                 5
   Uber das meer gen Aldega Lega                               3
   Landera                                                     5
   Schabarida                                                  3
   Munda mortnova                                              4
   Ebrach                                                      5
   Estrames                                                    6
   Elssis                                                      6
   Abagado                                                    4
   Dalla barrla                                                3
   [20 a]
   Alarua                                                      4
   Mereyda                                                     2
   Derssiltung                                                 1
   Myasgada                                                    6
   Grusam                                                      7
   Kannanero                                                   2
   Gardaluba                                                   2
   gen spidal de kardenal                                      3
   a willa petroasy                                            4
   a la punda arsabisko                                        2
   Dallaberos                                                  6
   Grussel                                                     2
   Silfester                                                   5
   Kasyo Royg                                                  4
   Mulmes                                                      3
   Mattrill                                                    4
   Kalasofanada                                               6
   Wat de la gerra                                             4
   Hitda                                                       4
   Wurge herre                                               2
   Wayde                                                      2
   Siganssa                                                    2
   Isogossa                                                    1
   Modine de celis                                             3
   Arckes                                                      3
   Arrissa                                                     4
   Wur wicka                                                   4
   Kaladiff                                                    3
   Rigla                                                       5
   Molla                                                       5
   Sergossa                                                    4
   Otschany                                                    3
   Anseda                                                      3
   Santelusa                                                   3
   a Pinn alba                                                 3
   Fraga                                                       5
   Durra                                                      2
   Guneda                                                      3 g.
   Malda                                                       2
   Gunara                                                      3
   Santa kalona                                                2
   Angulada                                                    3
   Muserat                                                     3
   Sant Endre                                                 4
   Spidellat                                                   2
   Bersalone                                                   1
   Alla Rocka                                                  4
   [20 b]
   Sanssalonie                                                 3
   Verraropy                                                   3
   Girona                                                      4
   Sigires                                                     5
   Wollang                                                     4
   Parpion                                                     3
   Willa falssa                                                2
   Arbona                                                      2
   Wosir [Bziers]                                             4
   Sant Dobery                                                 3
   Lopia                                                       3
   Willa noffa                                                 4
   Sanbre                                                     4
   Waffer                                                      4
   Sant Gilg                                                   4
   Sant Anthoni darle                                         3
   Sant Martding de kraub                                      3
   Sallung                                                     4
   Laspena                                                     5
   Marsillia                                                   3
   Risola                                                      3
   Alla boma                                                   4
   Sant Mapymy                                                 3
   Rosset                                                      3
   Sey                                                        3
   Kasiles                                                     3
   Durgung                                                     4
   Avinung                                                     4
   Pung de sorg                                                1
   Schatdea nova de papa                                       1
   Moder dama de plang                                         5
   Dosses orres                                                3
   Mudalimart                                                  2
   Lorrior                                                     4
   Walansse [Valence]                                          4
   Deng                                                        3
   Sant Rambert                                                4
   Wine                                                        2
   Lion                                                        5
   [21 a]
   Item der weg von Dolosa au gen Sargossa zu zum ersten gen  2
      Plasansse
   Sant Veit                                                   2
   St. Matay                                                   3
   Punoy                                                       3
   Mangack [Magnoac]                                           4
   Pondons                                                     
   Petring                                                    1
   Jarba [Tarbes]                                              4
   Nag [Nay]                                                   4
   Ollerung [Oloron]                                           5
   Sarrasansa                                                  3
   Zantt                                                       3
   Canfrang [Canfranc]                                         5
   Jacke [Jaca]                                                3
   Cansa                                                       5
   Juba                                                        3
   Gorrea [Gurrea]                                             5
   Surra [Zuera]                                               4
   Willanofa [Villanueva de Gallego]                           2
   Sargosse                                                    3
   Item den andern weg von Dolosa auf Sergosse zu vber den     4
      portt da bonast [Benasque] zu von dann gen Barnossa
   Alla fitte [Laffitte]                                       3
   Matter [Martres]                                            2
    sant martire [St. Martory]                                2
    Wallantine [Valentin]                                     3
    Wandire [Bagnres]                                        4
   Uber den berg hat kein Herbrig bi gen Bonnast [Benasque]   6
   Castellong                                                  2
   Silles                                                      4
   Para Roga                                                   2
   Grans [Graus]                                               2
   Popla [la Puebla]                                           2
   Barbasta [Barbastro]                                        2
   Peratta [Peralta de Alfoca]                                4
   Conbre [Alcubierre]                                         4
   Perdigre [Perdiguera]                                       4
   Cergosse [Zaragoza]                                         2
   Der weg von Sargossa auff Wurges zu. Von dann gen Lugarda   5
   [21 b]
   Canryne                                                     1
   Lorsing                                                     2
   Gallore [Gallur]                                            2
   Corttes [Crtes]                                            2
   Riffa horrade [Ribaforada]                                  2
   Dodella [Tudela]                                            2
   Alfara [Alfaro] do man die ro verzollt                     4
   Hora [Calahorra]                                            4
   alla Gronna [Logroo]                                       8
   Nasyra [Najera]                                             5
   Sant Dominico [Sto. Domingo]                                4
   Grang Jang [Grannon]                                        1
   Ballorare [Belorade]                                        3
   Willa francka                                               2
   Waldafanies                                                 5
   Wurges                                                      3
   Item von Lion vber den Monssenir von dan gen
   Sant Lorentz [St. Laurent de Mure]
   Serpellire
   Bergeng
   da da pung
   a pung da boana wesung [Le Pont-de-Beauvoisin]
   Schanberie [Chambry]
   Egebelletta [Aiguebelle]
   Monsenir
   Der weg von Lion gen Mumpelgart zu Schallemang [Chalamont]  6
   Crusaw                                                      4
   Chawane                                                     4
   Sant Jullian [St. Julien]                                   4
   orgellot [Orgelet]                                          5
   a Schattellung [Chtillon sur Lison] Schrittene [?]         5
   a Werb                                                      4
   alla Wick                                                   6
   a anno                                                      5
   a Werst                                                     3
   a Landers                                                   3
   a Collombiek                                                4
   a Mumpelgart [Mmpelgard, Monbeillard]                      2
   [22a]
   Der Weg aus Nrnperg gen Lion, als hiemit verzeichnet
      steht die tagrei zu stunden.
   Erstlich von Schwobach [Schwabach] stund                    2
   Wasser Monnau                                               3
   No 1 Guntzenhaussen 14[306]                                 3
   Knotza                                                      1
   Westa                                                       1
   Osta                                                        
   Ottingen                                                    1
   2 Nordlngen d                                              2
   Khessingen [Essingen] 13                                    1
   No 2 Walperhoffen                                          1
   Genga d                                                     3
   Langenaw [Langenau]                                         1
   3 -- Ulm 12                                                 3
   Stetten                                                     2
   Wadttringen d                                               2
   Bibrach                                                     1
   No 4 Esendorff 11                                           3
   Walssee [Waldsee]                                           1
   Weingarten                                                  2
   Raffelsburg d
   Buchhorn 10                                                 3
   No 5 Mersburg                                               3
   Ubern See                                                   1
   Costnitz d                                                  1
   Steckhparan [Steckborn]                                     3
   Stain 9                                                     2
   No 6 Schaffhauen d                                         3
   Lottstetten [Lestetten]                                     1
   Raifitzerfeldt                                              1
   Kaisserstull 8                                              1
   Zum Newnhaus                                                1
   No 7 Pada d                                                 1
   Mollienga                                                   1
   Lentzburg 7                                                 2
   Aran                                                        2
   Arburg d                                                    2
   No 8 Morgental                                              2
   Langendorff
   Rittweil                                                    6
   Weiningran                                                  1
   Burttolff                                                   1
   No 9 Bernd                                                  2
   An die Senssa                                               2
   Freyburg 5                                                  2
   [22 b]
   No 10 Remandtt d                                            4
   Lossanna 4                                                  5
   Morsa                                                       2
   No 11 Roll                                                  2
   Nie d                                                      3
   No 12 Jenff 3                                               4
   Collonnge d                                                 4
   Seingermon 2                                                4
   No 13 Manttua [Nantua]                                      3
   Scherdung d                                                 2
   Sainct Jehan le vitu [St. Jean le vieux]                    2
   Sammoris [St. Denis] 1                                      2
   No 14 Mulluard [Montluel] d                                 4
   No 15 Lion                                                  4
   Sindt 15 Tag 130 stundt.

[Funote 301: St. Rambert.]

[Funote 302: Vienne.]

[Funote 303: St. Claude.]

[Funote 304: Im Folgenden sind nur bei den Hauptstationen, soweit sie
nicht schon in der vorstehenden Reisebeschreibung vorgekommen sind, die
heutigen Namen in [] hinzugefgt.]

[Funote 305: Bedeutet wohl groe Meilen, wie g gute Meilen bezw.
Meile.]

[Funote 306: Die Zahlen 14, 13 u. s. w. sollen die Tagesstrecken des
Rckweges andeuten. Was die mehrfach hinzugefgten d bedeuten sollen,
ist nicht recht klar.]

_Nrnberg._

                                                      Dr. _Th. Hampe_.




      ber ein Prosatrakttlein Hans Folzens von der Pestilenz.


Aus den Zeiten des ausgehenden Mittelalters ist uns eine ganze Reihe in
Deutschland entstandener Werkchen ber die Pestilenz und die Art, wie
man sich in Pestzeiten zu verhalten habe, erhalten geblieben, von denen
bisher nur sehr Weniges neugedruckt oder sonst allgemeiner bekannt
geworden ist. So besitzen wir aus dem Jahre 1483 einen zu Augsburg
gedruckten kstlichen und grndlichen Spruch von der pestilentz, wie
man sich mit allen sachen zu derselben zeyt halten slle ... In reymen
wei gesetzt, aus Straburg vom Jahre 1500 einen tractat contra pestem
Preservative vnd regiment, der 1519 zu Oppenheim in neuer Bearbeitung
erschien[307], u. s. f.

Andere Gedichte oder Schriften dieser Art weisen auf Nrnberg. So
zunchst ein 88 Verse umfassendes Spruchgedicht, das sich in der
Mnchener Handschrift cod. germ. 714 auf Blatt 274a-276a findet und wohl
dem Kreise Rosenplts angehrt, zwischen dessen Gedichten es steht.
Jedenfalls drfte es noch im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts
entstanden sein, denn weiter gegen das Ende des Jahrhunderts zu mchte
ich den Codex seiner Schrift nach nicht rcken. Es kann also als eines
der frhesten Gedichte ber die Pestilenz aus dem gedachten Zeitraum
betrachtet werden. Das Gedicht ist berschrieben: Dy Betilentz, und
der Anfang lautet[308]:

   ICh hab mich des wol vermessen:
   Ich wil meiner geselln nit vergessen,
   Ich wil sy au den pchern lern,
   Wie sy sich vor der pestilenntz schln ernern.
   Darmb hr was ich dir sagen wil,
   Wann sterben ist ain claines zil.
   Des ersten hallt den rat, den ich main,
   Wann der dnckt mich sicher clain,
   Das man in der sach Ernstlich schol
   Got an rffen, das hilfft wol;
   Das mainen all Mayster weis,
   Dye da sein in der schul zu Pareis.

Nachdem dann eine Reihe von Verhaltungsmaregeln gegeben und allerlei
Mittel empfohlen worden sind, unter denen natrlich auch der allheilende
Theriak nicht fehlt -- ich kann darauf hier nicht nher eingehen --
folgt noch der wohlgemeinte, aber etwas naive Rat, bei Zeiten weit davon
zu zu fliehen; das sei das Sicherste:

[Funote 307: Vgl. Goedeke, Grundri I, 393 Nr. IV, 3 und 4.]

[Funote 308: Ich benutzte eine Abschrift des Gedichtes, die mir Herr
Apotheker Peters in Nrnberg freundlichst zur Verfgung stellte und die
ich durch das liebenswrdige Entgegenkommen der knigl. Hof- und
Staatsbibliothek in Mnchen selbst noch einmal mit dem Original
vergleichen konnte. Der Abdruck geschieht hier, wie bei den folgenden
Zitaten, buchstabengetreu, doch sind etwaige Abkrzungen berall
aufgelst, die Interpunktion von mir hinzugefgt.]

   Noch einen rat dir ain Mayster geyt:
   Fleuh verr dauon vnd auch pey zeyt,
   Fliehen ist gar ain sicher ding.

Endlich schliet der Verfasser, wie folgt:

   Das hat Maister Hanns Thomauro gelert,
   Der manchs mit seiner kunst hat ernert,
   Vnd Junger Bernhart Jordanus genant,
   Des kunst yetzund laufft durch alle lant,
   Vnd auch anderr Mayster vil,
   Der ich yetzund nit nennen will.
   Nu Helff vns got au der not,
   Der durch vns hat geliden den tot.

[Illustration: Fig. 1.

Titelholzschnitt von dem fast kstlichen spruch von der pestilencz von
Hans Folz nach dem Mnchener Exemplar.]

1482 verfate dann Hans Folz seinen in der Litteratur mehrfach zitierten
fast kstlichen spruch von der pestilencz, der uns in ein paar
gleichzeitigen Drucken, die zu Colmar und Mnchen bewahrt werden,
erhalten ist[309]. Das ganze Schriftchen umfat 12 Quartbltter. Bl. 1a
ist leer; Bl. 1b wird von einem prchtigen, alten Holzschnitt
eingenommen, auf dem in sehr realistischer Weise ein Arzt dargestellt
ist, wie er eben einen von der Beulenpest Befallenen kuriert. Wir geben
dieses interessante Blatt vorstehend in 2/3 der Originalgre wieder
(Fig. 1).

[Funote 309: Hain, Repertorium Bibliographicum Nr. 7220. Vgl. Keller,
Fastnachtspiele aus dem 15. Jahrhundert III. Bd. (Bibliothek des
litterarischen Vereins in Stuttgart Bd. XXX) S. 1272.]

Bl. 2a folgt sodann ein kurzes Inhaltsverzeichnis, zugleich eine Art
Vorwort, in welchem es u. a. hnlich wie am Schlusse des Gedichtes
heit, da der Autor seine Lehren deswegen in reimen weis auf das alles
kurczest begriffen habe, damit sein dest leychter gedacht vnd
auswendig gelernt werd, dar durch die, welch nit erczt sint, yn vnd
andern trstlich sein mgen[310].

Die Einleitung auf Bl. 2b lautet:

   IN lob der heiligen trinitat,
   zu er got jhesu, den vns hat
   gepert die kngin aller trn,
   von der man schreypt, sie sey gancz schn,
   der sey besunder das ein eer
   vnd allem himelischen heer,
   die pit wir vns zu pey gestan[311],
   auch well der heilg sebastian[312]
   vns hilfflich sein mit seiner gunst,
   ob zu vns neht der gifftig dunst
   oder die pestilenczisch plag,
   das wir vor slcher nieder lag
   durch sein gepet versnet werden,
   alls er erworben hat auff erden,
   wer in heilgt, fast feyert vnd ert,
   das der werd vor der plag ernert.
   des heb ich an in seinem namen
   zu trstung aller christen, amen.

Im Verlauf der nun folgenden Unterweisungen kann er zwar auch nicht
umhin, der Ansicht, da Fliehen das beste und sicherste Mittel gegen die
Pest sei, Ausdruck zu geben:

   fleuch pald, fleuch ferr, kum wider spot [_komm wieder spt_]
   das sint drey krewter in der not,
   fr all apptecken vnd doctor,

indessen mit der berlegung doch mag yder nit flihen zwor geht er dann
alsbald dazu ber, ausfhrlich und augenscheinlich mit nicht geringer
Sachkenntnis darzulegen, welche Verhtungsmaregeln man anwenden msse
und welche Mittel bei Ausbruch der Krankheit die wirksamsten seien. Eben
darin unterscheidet er sich sehr wesentlich von dem Verfasser des vorhin
behandelten, nur handschriftlich erhaltenen Gedichts, der, ohne Zweifel
selbst nur wenig oder gar nicht pharmazeutisch geschult, sich zumeist
damit begngt, unter Berufung auf verschiedene Meister allgemeine
Verhaltungsmaregeln zu geben und einige Hausmittel anzufhren, whrend
sich bei Hans Folz, dem Barbierer und Wundarzt, ganze Rezepte in Reime
gebracht finden. Aus diesem Grunde wre gerade diesem Gedichte gegenber
auch eine Wrdigung vom pharmazeutischen Standpunkte aus wohl am Platze
und wrde gewi der Mhe verlohnen, da sich aus einem eingehenderen
Studium ohne Zweifel Manches ergeben wrde, was unsere Kenntnis von dem
damaligen Stande der medizinischen Wissenschaft zu frdern geeignet und
insbesondere fr die historische Heilmittelkunde von Interesse wre. Mir
mu eine Ausdehnung auf dies Gebiet selbstverstndlich ganz fern liegen;
ich werde bei dieser Arbeit lediglich von litteraturgeschichtlichen und
bibliographischen Gesichtspunkten geleitet, und vor Allem kommt es mir
darauf an, dem gleich zu besprechenden Bchlein seinen Platz in unserer
Litteratur anzuweisen. Zuvor aber will ich noch den Schlu des Gedichtes
mitteilen, wo sich Hans Folz bekanntlich[313] als Verfasser nennt. Er
lautet:

[Funote 310: Dieses und die folgenden Zitate nach dem Mnchener
Exemplar.]

[Funote 311: Fehler im Satzgefge, wie dieser, und andere
Nachlssigkeiten, die zum Teil auf Setzerversehen zu beruhen scheinen,
lassen vermuten, da Hans Folz, wie verschiedene andere seiner Werke, so
auch diesen Spruch von der Pestilenz selbst gedruckt habe.]

[Funote 312: Der Schutzpatron der Schtzen und Pestkranken.]

[Bl. 11b]

   also der siech geheylet wirt
   vnd auch erledigt von der swer.
   hie hat hans folcz barwirer
   aus der capitel samenung
   gesucht mit end vnd vrsprung
   von diser plag vnd ir erczney,
   vnd hat das durch sein fantasey
   gedicht gar in ein kurczes werck
   zu eren der stat nrmberck,
   vnd das dar vmb zu vers gemacht,
   das sein destleichter werd gedacht,
   vnd das die ding equaliter
   zu fassen seyen taliter,
   das yder doch ein stcklein merck,
   dar mit ein mensch das ander sterck.
   vnd wem die ler zu hilffe kum,
   den hofft der dichter also frum,
   das er got auch pit fr seyn sel.
   got frey vns all vor helle quell
      A  M  E  N 

Bl. 12a bietet dann wiederum zwei Holzschnitte, die offenbar aus
Wolgemuts Werkstatt stammen, mit dem oben mitgeteilten aber an
Genialitt der Ausfhrung und Unmittelbarkeit der Wirkung nicht entfernt
verglichen werden knnen. Sie stellen, als Gegenstcke gedacht und
dementsprechend neben einander gestellt, die berhmten rzte Hypokrates
und Galenus in ganzer Figur, jeden in einfachster architektonischer
Umgebung und mit einer unbeschriebenen Bandrolle in den Hnden, dar.
ber Hypokrates steht:

[Funote 313: Vgl. Hain a. a. O. Hain scheint aber die betreffende
Stelle miverstanden zu haben, da er unrichtigerweise eine
Satzverbindung herstellt, aus der man schlieen knnte, da Hans Folz
selbst von der Pest befallen gewesen, aber mit dem Leben davon gekommen
sei. Das geht aus unserem Gedichte nicht hervor.]

   Es werden fil me let versert
   von vbriger fll dan durch
   das schwert. Ipocras

ber dem Bilde des Galenus liest man:

   Sich hten vor der flerei
   ist die aller hchst ercznei.
      Galienus Mcccclxxxjj,

woraus wir also das Erscheinungsjahr des Gedichtes (1482) kennen lernen.

Bl. 12b ist leer. --

Wenn Hans Folz in seinem Spruchgedicht von der Pestilenz, wie wir
gesehen haben, mehrfach hervorhebt, da er die gereimte Form absichtlich
gewhlt habe, damit sich seine Lehren und Rezepte leichter dem
Gedchtnisse einprgen mchten, so hatte er ohne Zweifel Recht mit dem
Glauben, da nur auf diese Weise der groen Masse des Volkes mit seinem
Bchlein wirklich gedient sein knne. Hat doch das frhere Mittelalter,
von demselben Gedanken geleitet, gelegentlich noch ganz andere Dinge in
Reime gebracht, und verdanken wir doch noch heutzutage die schnen
Schmalzischen Genusregeln, den krzlich erschienenen ersten Teil einer
gereimten bertragung des neuen Brgerlichen Gesetzbuches fr das
Deutsche Reich und so manches Andere der gleichen menschenfreundlichen
Absicht. Aber Gefhl und Verstand der Gebildeten wird sich doch in der
Regel gegen eine solche mechanische Lernweise struben, und gerade in
der Zeit des erwachenden Humanismus und bei einem so schrecklichen
Gegenstande, wie es die Beulenpest war, konnten Folzens Reime dem
Geschmack der hheren Stnde nicht entsprechen. Andererseits aber mute
man sich doch sagen, da Folz mit seinem tchtigen rztlichen Wissen und
der groen Popularitt, deren er sich als Poet erfreute, der rechte Mann
zur Abfassung verstndiger und wirksamer Unterweisungen ber die Natur,
Verhtung und Behandlung der verheerenden Seuche sei. So ward denn der
Dichter, kurz nachdem er sein Gedicht von der Pestilenz hatte in Druck
ausgehen lassen, von Anton Haller, offenbar einem Angehrigen der
bekannten Nrnberger Patrizierfamilie, aufgefordert, noch einmal und
zwar in Prosa ein Trakttlein darber abzufassen von etlicher wegen,
den das vngereimt pas gewon ist; und dieser Bitte ist Hans Folz noch im
selben Jahre in der That nachgekommen. Ein Exemplar seines Prosatraktats
von der Pestilenz hat nun letzthin fr die Bibliothek des
historisch-pharmazeutischen Zentralmuseums erworben werden knnen,
und da ich dieses Schriftchen weder in den einschlgigen
litteraturgeschichtlichen Werken noch in den typographischen und
bibliographischen Handbchern irgendwo erwhnt gefunden habe, so
verlohnt es sich wohl, ber die neue Erwerbung an dieser Stelle etwas
ausfhrlicher zu berichten.

Es ist ein Heftchen von 16 Blatt in kl. 8o, mit genau denselben Typen
und auf dem gleichen, vortrefflichen Papier (Wasserzeichen: Ochsenkopf
mit Stande und Kreuz) wie das vorbesprochene Gedicht, und noch
augenscheinlicher als dieses von einem Dilettanten, d. h. von Hans Folz
selbst gedruckt. Bl. 1a enthlt in vier kurzen Zeilen den Titel:

   Item von der pestilencz ein hbsch
   nczlich vnd kurcz begriffes trac
   tetlin getrukt im mcccc vnd in
   dem lxxxii iare hans folcz

                       [Illustration: Fig. 2.]

Bl. 1b ist beifolgend in der Gre des Originals wiedergegeben (Fig. 2).
Anstatt der Anrufung des heiligen Sebastian als des Schutzpatrons der
Pestkranken, die sich in dem Spruchgedicht gleich zu Anfang findet,
sehen wir hier einen ziemlich rohen Holzschnitt, das Martyrium des
Heiligen darstellend dem Texte vorgedruckt. Dieser selbst ist in
mehrfacher Beziehung von nicht geringem Interesse. Zunchst mssen wir
noch einige Augenblicke bei dem Eingang verweilen, nach welchem oben
bereits die kurze Entstehungsgeschichte des Werkes mitgeteilt worden
ist. Folz nennt hier den Antonius Haller seinen besundern guten
freunt, was uns, da an der Zugehrigkeit Hallers zum Patriziat der
Stadt doch wohl nicht zu zweifeln ist[314], einen willkommenen Einblick
in die gesellschaftliche Stellung Folzens, die eine recht angesehene
gewesen zu sein scheint, gewhrt. Nur nebenbei sei bemerkt, da jener
Anthoni Haller wahrscheinlich identisch ist mit einem anderen Haller,
an den sich einmal der Schreiber eines Teils der Weimarer
Fastnachtpielhandschrift Q 566, -- es handelt sich um eine Version von
Folzens Pharetra contra iudeos -- in ein paar Zeilen wendet[315],
woraus dann wohl die Identitt jenes Schreibers mit Hans Folz gefolgert
werden knnte[316]. Weiter aber ergiebt sich aus den Eingangsworten
auch, wie bereits angedeutet wurde, ein Rckschlu auf das Ansehen,
welches Folz als Arzt geno. Und frwahr, wer diese kernige Prosa liest,
der wird sich der Einsicht, es mit einem bedeutenden Menschen, mit einem
tchtigen Charakter zu thun zu haben, nicht verschlieen knnen.

Zunchst wendet er sich -- vom Gedankengang des Gedichtes weicht der des
Trakttleins erheblich ab -- gegen die, welche auch aus religisen
Grnden meinen, da niemand durch menschliche Kunst der Seuche
widerstehen, der Krankheit vorbeugen knne. Dann also, sagt Folz

   hette got erczney vm sunst erschaffen, vnd also wrden die erczt
   verlossen, vnd so hette auch salamon vergebes geret: ere den arczt
   vm deiner notturfft willen. Dar vmb, heit es spter weiter,
   so sech ein yder auff, wan sich selbs sol niemant verkrczen, so
   er doch nit weys, ob die erczney hilflich sein mcht oder nit,
   vnd ob er sie verliesse vnd mste sterben, mcht er in sich
   schlaen, sich selbs verkrczt haben.

   hie mit ich bewert will haben, fil peer den arczat gesucht vnd die
   dtlich gifft geflohen, dan im selber des sterbes vrsach geben, so
   doch der mensch nicht dester minder got seinen willen heim
   seczt.

Nun folgen die Verhaltungsmaregeln und Rezepte, die einer genaueren
Prfung und Wrdigung zu unterziehen, ich wieder Anderen, solcher Sache
Kundigen berlassen mu. Dabei geht es gelegentlich krftig ber die
schlechten rzte und Quacksalber her, die nicht jeden einzelnen Kranken
nach seiner besonderen Individualitt behandelten:

[Funote 314: Namentlich wegen des Zusatzes eines regiments behtung
vnd beschirmung halben. In Biedermanns Geschlechtsregister des
Hochadelichen Patriciats zu Nrnberg habe ich ihn allerdings nicht
gefunden und neben der patrizischen existierte in Nrnberg auch eine
brgerliche Familie Haller.]

[Funote 315: Diese Zeilen lauten nach Victor Michels, Studien ber die
ltesten deutschen Fastnachtspiele (QF. 77. Heft), Straburg 1896 S.
235: _Lieber haller jch habe fast geeilt vnd ser poe geschriben pittue
mir daz nit verunclimpfen vnd wo ir e nit lessen konet So schickt nach
mir oppffere mich euch vnd all den euren zw allen wolgefallen wegenn vnd
potten allezeit vnvertrossen._]

[Funote 316: Der Beweis dafr wrde sich allerdings nur durch eine
Vergleichung der Schrift des betreffenden Abschnittes in Q 566, die
brigens sehr verblat sein soll, mit der von Hans Folz geschriebenen
ehemals Habelschen jetzt Conradyschen Sammlung seiner Gedichte erbringen
lassen.]

   wan sie weder die complex des krancken noch der kranckheit gancz
   kein vnter scheyt haben.

   vnd also leyt ein plinter den andern vnd fallen peid in die gruben,
   wen ich selbs einen gesehen hab, der mit einer purgaczen, die er
   yder man gab, sich selber schnel hin richtet.

   Slch erczt drfften eins eigen spitals oder kirchofs in einer stat.
   Aber ein weyser, frsichtiger rot solt ob einem slch sein vnd
   keinem rohen leyen fraw oder man besunder in der kunst vngept
   des nit zu sehen, so es den wissende vnd lang erfaren schwer ist
   -- ich sweig, das von slchen erczten mancher gichtig, vnsinig,
   contract, lam, auseczig oder in die hin faleden sucht felt oder
   an einer slchen purgaczen pald erstickt. aber als man den
   schuster vm hosen flickens willn suchen wolt, also sucht man nun
   erczney pey pecken, plattnern, rotschmiden, goldsmiden vnd alten
   weybern vnd fil andern lant bescheissern, die ir ercznei mit
   drechter zeignus der prif besteten weln, vnd das fil mer ist: so
   sucht man auch erczney pey den iden, der es keinem erlaupt ist
   pei verwerffung aus irer sinagog, dan allweg den zehenden zu
   erdten oder auf das minst erlemen oder eim ein gift ein zu
   fren, die sich ber ein iar zwey, drew erst fint; do claupt auf
   die puczpirn[317].

Sodann werden 14 Prservativmittel angefhrt und besprochen, hierauf
noch die Symptome der Krankheit und endlich das Sterben des von der Pest
Befallenen beschrieben:

   Item die zeichen des dots sint: differ atem, begerung des kuln
   luffts, vmsleglung mit henden vnd fssen, gro angst, steti vnru,
   truckner munt, swercz der zungen, drrer hust, endrung der
   vernunfft, kalter sweis, zeherung der augen, grosser graw, fil
   vndewung, scheissen vnd prunczen an das pet, schaumig stul,
   feucht oder schwarcz, heilstet suchen, kerung zu der wend, geher
   hunger, verswindung der aposten[318], vnsetiger durst, zitern dez
   pul, swarczer prun -- dan gnad im got

                              _A M E N_

Dieser Schlu des Tractats steht auf Blatt 16a. Bl. 16b ist leer, nur
hat in unserem Exemplar eine gleichzeitige Hand noch einen frommen
Spruch darauf geschrieben:

   O angele meus
   Angelus dei
   plenus misericordie
   Miserere mei.

Auf Hans Folzens sonstiges Leben und Wirken werde ich demnchst an
anderer Stelle Gelegenheit haben ausfhrlicher einzugehen.

[Funote 317: _do claupt auf die puczpirn_ augenscheinlich eine
sprichwrtliche Redensart, deren Sinn indessen nicht ganz klar ist. Das
Wort Butzbirne, eigentlich Birne mit dem Butzen, kommt gerade in
derartigen Redensarten mehrfach in der Bedeutung von Prgel, Ohrfeige
vor; vgl. Grimms Wrterbuch II, 588 unter Butzbirne, VII, 2282 unter
Putzbirne. Also etwa: da hebt denn die Prgel auf, da bedankt euch denn
fr die Prgel.]

[Funote 318: _aposten_ eine Pluralbildung von apostema. apostem --
Geschwulst.]

_Nrnberg._

                                                          _Th. Hampe._




     Eine Nrnberger Labyrinthdarstellung aus dem Anfange des 16.
                            Jahrhunderts.


                                  I.

Das germanische Museum erwarb fr sein Kupferstichkabinet auf der
Auktion der groen Bibliothek[319], die zum grten Teil aus der
stattlichen Bcherei des grflichen Schlosses Lobris in Schlesien
stammte, ein fliegendes Blatt aus den ersten Jahren des 16.
Jahrhunderts, das sowohl seines Inhalts als seiner Herkunft wegen einer
eingehenden Publikation wrdig ist.

                       [Illustration: Fig. 1.]

Der doppelseitig bedruckte Bogen in Folio enthlt auf drei Seiten ber
je einer Labyrinthdarstellung, die verschiedene Form, nmlich die eines
Quadrates, eines Dreieckes und eines Kreises (vgl. die Abbildungen, die
in der Hlfte der Originalgre hier wieder gegeben sind) mit
figrlichen Zuthaten zeigen, einen zweispaltigen lateinischen
Distichentext; die vierte Seite ist mit zweispaltigem lateinischem
Prosatexte bedruckt. Sowohl uere Grnde, die Typen, die
Holzschnittmanier und dessen Stil, als auch andere positive Fingerzeige,
wie Namen von nachweisbaren Persnlichkeiten, weisen auf Nrnberg als
den Entstehungsort des meines Wissens bisher unbeschriebenen und
unbekannten Blattes hin. Es entstammt den dortigen Humanistenkreisen und
bietet den Anla zu interessanten Beobachtungen aus denselben.

[Funote 319: Auktionskatalog von Ludwig Rosenthals Antiquariat in
Mnchen. Auktion 22. April 1895, Nr. 1182. Der Preis betrug 86 M. Herr
Ludwig Rosenthal hatte die Liebenswrdigkeit, dem Museum die hier
folgenden Abbildungen aus dem Katalog geschenkweise zu berlassen.]

Zuerst folge eine genaue Reproduktion des Textes.

                       [Illustration: Fig. 2.]

                         _Figura Labyrinthi._
                  Sebastianus Calcidius at lectorem.

   Ut varios flexus Labyrinthique ianua cernis
   Tensas multiplici tramite late vias
   Cernis et anfractus fallaci ambage recuruos
   Qui faciles gressus explicitosque negant
   Sic iaculis feriet blandus quem forte cupido
   Ducit in errores innumerosque dolos

   Que si vitassent multorum corda virorum
   Mars non strauisset sanguinolenta manu
   Non tot prodissent armate ex Aulide classes
   Non viribus danaum diruta Troia foret
   Sic qui tranquillam gestis traducere vitam
   Inceste veneris noxia tela fuge.
      Uive memor leti.

                (Hierunter steht im Originale Fig. 1.)

                          Figura Labyrinthi
                 Sebastianus Calcidius des Basilisco

   Debilis heu nimium subtili pendula filo
   Mortalis vita est / vndique pressa malis
   Mille habet hec postes: quibus est seuicia leti

   Usque adeo variis tradita plena modis
   Sybilo adest testis rauco terrens basiliscus
   Uiroso afflatu statim queque necans
      Uive memores leti.

                      (Hierunter steht Fig. 2.)

                         _Figura Labyrinthi._

   Joannes Stabius Austriacus
      ad labyrinthi inspectores.
   Dum varios flexus dum multiplices labyrinthi
   Conspicis errores / innumerasque vias
   Te vite humane cursum / seriemque / laborem /
   Et tristes curas / cernere cuncta puta
   Sic cum leticia / metu / spe / cumque dolore
   Optima queque dies / et mala queque fugit
   Flexibus ex illis queris / qui euadere possit
   Silua Achademie / quem fouet / ille potest
      Comite virtute / duce sapientia.

              Andreas Kunhofer Nurmbergensis ad eundam.

   Qui vacuus monstris / labyrinthi tutus in omnes
   Se recipit flexus / multiplicesque dolos /
   Egressu facili superat quia lumina cuncta /
   Omnia virtuti peruia namque patent
   Ast amor inuisus / thaurus / prolesque biformis
   Cui quatiunt mentem / cui quoque monstra prenunt
   Incidot errores varios / variosque rotatio
   Uoluitur in preceps / et mala multa subit
      Patere et sustine.

                      (Hierunter steht Fig. 3.)

Die vierte Seite nimmt ein Brief des bekannten Humanisten Johannes
Stabius ein, den derselbe ans Ingolstadt diuersorio nostro litterario,
wo er lehrte, dem doctissimo ac integerrimo viro domino Conrado
Hainfogel, Nurembergen, arcium et philosophie magistro, sandte. Er
bezieht sich zuerst auf die whrend seines Nrnberger Aufenthaltes
gepflogenen humanistischen Studien und Interessen und fhrt dann sein
Vorhaben aus, die Ansichten der hervorragendsten Autoren ber das
zwischen ihnen fters besprochene Labyrinth dem Freunde mitzuteilen und
dies kurze Blatt, dem Illustrationen beigegeben seien, zu widmen. Auf
diese Einleitung folgt die Aufzhlung der vier Labyrinthe, die Plinius
in der historia naturalis kennt, nmlich das gyptische, das kretische,
das leonische und das italienische, in dem Knig Porsenna beigesetzt
sein soll.

                       [Illustration: Fig. 3.]

Eine historisch-antiquarische Zusammenstellung der Notizen des Plinius,
Herodot, Strabo, Diodorus Siculus und Virgilius bildet den Beschlu des
Briefes, der in Florentissima Achademia Ingelstadiensi geschrieben
wurde.

Andreas Kunhofer Nurmbergensis ist uns sonst nur noch aus den Briefen
Drers aus Venedig bekannt. Er ist offenbar ein Nrnberger, wohl ein
Verwandter des Konrad Kunhofer[320], der 1424 zu Rom war, 1426 zu
Nrnberg dem Herzog Johann von Bayern, Graf Ludwig von Oettingen und den
Priestern auf dem Heilthumsstuhle die Reliquien zeigen half. In einem
Verzeichnis der alten Nrnberger Juristen wird er aufgefhrt als: a
1427. Meister Cunrad Kunhofer unser Jurist. Ferner war er Pfarrer zu
St. Lorenz, Dr. dreier Fakultten und Stifter des ltesten bekannten
Stipendiums (1445) fr je einen Theologen, Juristen und Mediziner. 1452
stiftete er ein Fenster im Chor von St. Sebald (das fnfte rechts),
dessen Zeichnung nach Thode (S. 117) vielleicht auf eine Zeichnung von
H. Pleydenwurff zurckgeht. Andreas Kunhofer, der Endres Kunhoffer
Drers in seinen venezianischen Briefen, wird in denselben, verschiedene
Male genannt. So schreibt Drer unter dem 28. Februar 1506 an Wilibald
Pirkheimer (Lange-Fuhse S. 24, 19): Lieber Herr, Euch lt Endres
Kunhoffer sein Dienst sagen. Er wird Euch itzt bei dem nchsten Boten
schreiben. Dasselbe schreibt er unter dem 8. Mrz 1506 (Lange-Fuhse 26,
25). Er erwhnt da einen Brief Kunhofers an Pirkheimer, der letztern
bitten will, ihn gegen die Herren (d. h. den Rath) verantworten, so er
nit zu Badow (Padua) wil beleiben. Er spricht, es sei der Lehr halben
ganz nix fr ihn. Am 25. April meldet er dem Freunde, da Kunhofer
todtlich krank ist (Lange-Fuhse 30, 32). Die Hauptstelle aber enthlt
das Postscriptum des Briefes vom 18. August 1506 (Lange-Fuhse 33, 10
ff.) die hier folgt: Item Endres ist hie, lt Euch sein willig Dienst
sagen, ist noch nit am schtrksten, hat Mangel an Geld. Warn sein lange
Krankheit und Verschuld hat ihms alls gfressen. Ich hab ihm selbs acht
Dukaten geliehen. Aber saget Niemands davon, da es ihm nit frkomm. Er
mecht sunst gedenken, ich thts aus Mistreu: Ihr sollt auch wissen, da
er sich also eins ehrberen weisen Wesens hlt, da ihm Jdermann wol
will.

[Funote 320: Roth. Verzeichni aller Genannten d. greren Raths. 1802.
S. 32. Dipt. Laurent. in der Beschrbg. der Lorenzer Kirche S. 35 f.
Waldau, Nrnberger Zion S. 21 f. Siebenkees Mat. Bd. II. 661. Literar.
Bltter II. 304. Lochner, Die Personennamen in Albrecht Drers Briefen
aus Venedig. S. 37. Die im Nrnberger Stadtarchiv aufbewahrten Libri
litterarum bringen ebenfalls verschiedene Male den Namen, so einen
Cunhofer 1492, so einen Fritz Knhofer von Unterrsselbach in den Jahren
1492 und 1493.]

Ob Andreas Kunhofer thatschlich auf dem Rosenkranzbilde mit abgebildet
ist, wie Neuwirth in seiner Studie angibt, kann nicht entschieden
werden. Aber soviel geht aus den Briefen und aus den Distichen des
Labyrinthflugblattes hervor, da Kunhofer kein Handwerker war, wie
Thausing (L 377.) annahm, sondern offenbar ein junger Gelehrter und
wahrscheinlich ein Jurist war, der aus dem Nrnberger Humanistenkreise
stammte und seine Studien in Padua fortsetzte, offenbar allerdings nicht
zu seiner Zufriedenheit. Seine wahrscheinliche Verwandtschaft mit dem
gelehrten obenerwhnten Konrad Kunhofer liee ebenfalls eher auf einen
Akademiker als einen Handwerker schlieen.

ber Sebastianus Calcidius war nichts, ber Konrad Hainfogel nichts
bestimmtes zu eruiren. Da Hainfogel Nrnberger war, geht aus der
Apostrophe des Johannes Stabius hervor. Auerdem treffen wir den Namen
verschiedene Male in den Geschichtsbchern der Stadt, den libri
litterarum, welche das stdtische Archiv aufbewahrt. So verkauft der
Priester Konrad Haynfogel, der also offenbar mit dem unsrigen identisch
ist, im Jahre 1492 aus einer am Markte liegenden Behausung 2 fl.
Eigenzins (L 8. 22b). Derselbe verkauft 1493 eine Badestube am weien
Thurm mit Nebenhaus an Gerhaus Fuchs (L 9. 241b); diese Badestube hatte
er in demselben Jahre dem Erhart Wagner abgekauft (L 9. 172). Wir knnen
also annehmen, da dieser offenbar begterte Priester Hainfogel, ebenso
wie Kunhofer, dem Nrnberger Humanistenkreise angehrt hat, der in den
letzten Jahren des 15. Jahrhunderts blhte und die glnzendsten Namen zu
den seinen zhlen durfte, so einen Conrad Celtes und einen Johannes
Stabius[321], der als Mitglied der von Celtes begrndeten Sodalitas
Renana und Danubiana sicher fters zu Nrnberg war. Einen direkten
Beweis dafr enthlt ja auch sein Brief an Hainfogel. Seit dem Jahre
1498 hchstwahrscheinlich lehrte er in dem nicht zu entfernten
Ingolstadt, das er im Jahre 1503 mit dem Lehrstuhl an der Wiener
Hochschule vertauschte. Spter als kaiserlicher Historiographus schrieb
er ja den lateinischen Text zur Ehrenpforte des Kaiser Maximilian und
im Jahre 1515 gab er, wieder im Verein mit Albrecht Drer, eine
Weltkarte heraus. Seine Beziehungen zu Nrnberg, sowohl die
litterarischen, als die knstlerischen, haben lange bestanden und waren
immer rege geblieben, denn sowohl der Druck als die Illustrationen des
in die Jahre 1500-1502 fallenden Labyrinthflugblattes sind Nrnberger
Ursprungs, wie die folgende Untersuchung erweisen wird.

Eine kurze Entwicklungsgeschichte der Ikonographie der
Labyrinthdarstellungen aus der Antike durch das Mittelalter bis zur
Neuzeit wird sich in Artikel II anschlieen. Sie soll einen berblick
geben ber die verschiedenen Deutungen und Darstellungen und wird eine
Lcke ausfllen, da sie in dieser Fassung bisher fehlte.

[Funote 321: Vgl. Krones in der Allgemeinen Deutschen Biographie XXXV
S. 337, wie weitere Literatur, ferner Prantl, Geschichte der
Ludwig-Maximiliansuniversitt in Ingolstadt, Landshut etc. I. S. 137;
vgl. auch II. 486 Nr. 16.]

_Nrnberg._

                                                   Dr. _Edmund Braun._




         Notiz ber Drer aus den Nrnberger Ratsprotokollen.


Fr Drers Verhltnis zu dem Rate seiner Vaterstadt ist ein Ratsverla
aus dem letzten Lebensjahre des Meisters recht bezeichnend, der hier,
ohne der Waschzettellitteratur der Goetheforschung oder Allers' Bismarck
im Schlafrock und hnlichen Unternehmungen, deren Ziel es ist, uns die
groen, siegenden Geister unserer Nation menschlich nher zu bringen,
irgendwie Konkurrenz machen zu wollen, wiedergegeben sei:

[Ratsprotokolle 1527, Heft II, Bl. 33b] _Tercia 18. Junj 1527:_

Albrecht Durern sagen man sey Ime mit guetem willen geneigt, aber seyns
heymlichen gemachs halb konn man es nit anders gegen Ime halten dann
andern.

Aber so pald er die straff entricht sol man Ime dj widergeben.

_Nrnberg._

                                                  Burgermeister Junior
                                                              _Th. H._




     Aus der Plakettensammlung des germanischen Nationalmuseums.


                                 II.

Im ersten Artikel habe ich bereits beilufig die in Weimar befindliche
Plakette eines Meisters erwhnt, der seine Vorbilder bei Jost Amman
sucht, die Selbstndigkeit der Composition aber sich zu wahren bestrebt
ist. Das germanische Museum besitzt 7 Plaketten dieses Meisters, den ich
den Meister der Jagdscenen nennen mchte, da der weitaus grte Teil
seiner Darstellungen eben Jagdscenen sind und es mir nicht gelungen ist,
irgend einen Anhalt fr die Person des Knstlers zu gewinnen. Nur so
viel kann man wohl vermuten, da er Nrnberger war. Sein Stil ist ganz
fltnerisch, jedoch bereits ausgestattet mit den bertreibungen, die wir
bei H. G. kennen gelernt haben, dessen Zeitgenosse er (eine Plakette
trgt die Jahreszahl 1580) war. Indessen ist weder seine technische
Fertigkeit, noch seine knstlerische Bedeutung mit der des H. G. zu
vergleichen. Er ist in jeder Beziehung abhngiger und unbeholfener.
Seine Hintergrnde hneln denen des H. G., das Wasser stellt er dar
durch zarte, ziselierte Wellenlinien, der Boden ist in mavoller Weise
mit Grsern bedeckt. Auch er hat eine Vorliebe fr Weiden mit
herabhngendem Laubwerke, die in gleicher Weise, wie bei Fltner und H.
G. behandelt sind; seine brigen Bume aber, besonders diejenigen, die
weiter im Vordergrunde stehen, zeigen eine so eigenartige Technik, da
sie allein schon auf den ersten Blick unsern Meister verraten. Das
Laubwerk wird dargestellt durch einzelne wagerechte, parallel laufende
Schuppenreihen, die dem Baume ein mosaikartiges Aussehen verleihen.
Diese Schuppenreihen werden zu einzelnen Gruppen vereinigt, die, meist
durch kurze Zweige mit einander verbunden, den Baum in verschiedene
Etagen einteilen. Knstlerisch betrachtet macht natrlich eine in der
Weise zusammengestellte Baumkrone einen hchst primitiven,
handwerksmigen Eindruck. -- Die Personen tragen meist das Kostm der
zweiten Hlfte des 16. Jahrhunderts, die schlanken, hohen, bisweilen
etwas steifen Gestalten gleichen denen des Jost Amman.

Von den 6 Jagdscenen gehren je drei zu einer Gruppe. Die Plaketten der
ersten verjngen sich nach unten und sind mit einer kartuschenartig
verzierten Umrahmung versehen. Beide haben offenbar als Vorlagen zur
Verzierung von kleinen truhenartigen Kstchen gedient.

   _Jagdscenen._ I. _Gruppe_. Br. 0,094-0,089 m., H. 0,057 m.
   Bleigsse.

   1) Hasenjagd. K. P. 901. Katal. 537.

   Links eine von rckwrts gesehene Frau, nach rechts reitend. Vor
   ihr steht ein Jger, der einen erlegten Hasen an den Hinterlufen
   emporhlt. Zu seinen Fen; ein Hund. Rechts ein Jger, der in
   der Linken Barett und Speer hlt. Tracht der zweiten Hlfte des
   16. Jahrhunderts. Oben in der Mitte der Umrahmung Engelskopf.

   Dieselbe Plakette in Bronze: Collektion Spitzer Bd. IV, S. 151,
   Nr. 93. Die Verjngung ist nicht erwhnt, geringe Grenabweichungen
   sind auf das Beschneiden der Bleiplakette zurckzufhren. (Ich
   will an dieser Stelle bemerken, da ich bei den Messungen den
   berstehenden unornamentierten Rand der Plakette nicht mitmesse.
   Bei jedem einzelnen Nachgu ergeben sich ganz naturgem schon
   durch das Bestreichen der nassen Form kleine Abweichungen). Bleigu
   in Kassel.

   2) Hirschjagd. K. P. 1913. Katal. 538. Tafel II.

   Ein Hirsch, eine Hindin und ein Hase eilen von links her gegen
   ein in Schlangenlinien die Mitte der Plakette durchziehendes
   Fangnetz, das im Vordergrunde von einem Baume begrenzt wird.
   Rechts zwei Jger, deren einer auf einem Baumstumpf sitzt und in
   der Rechten einen Jagdspeer hlt. Neben ihm sitzt ein Hund. Oben
   in der Mitte der Umrahmung gekrnter brtiger Kopf. Bleigu in
   Kassel.

   3) Jagd. K. P. 471. Katal. 540.

   Ein Reiter, der in der vorgestreckten Rechten eine Pistole hlt,
   galoppiert nach rechts, von zwei Hunden begleitet. Weiter im
   Hintergrunde eilt ein Jger mit Horn und Speer, ebenfalls in
   Begleitung von zwei Hunden, nach rechts. Oben in der Mitte der
   Umrahmung Frauenkopf.

   II. _Gruppe_. Br. 0,09 m. H. 0,043 m. Bleigsse.

   1) Kyparissus. K. P. 898. Katal. 534.

   Kyparissus erlegt durch einen Pfeilschu den am Boden liegenden,
   mit einem Perlenhalsband geschmckten Hirsch, in dessen Geweih
   ein Tuch geknpft ist (Ovid, Metam. 10, 111 ff.). Im Hintergrunde
   links eine von der Hfte abwrts bekleidete Gestalt mit
   emporgehobenem rechtem Arm (Apoll?) und ein nach rechts
   galoppierender Jger mit geschwungenem Jagdspeer, von zwei Hunden
   begleitet. Rechts ein Mann, der pflgt, und einer, der set.

   2) Brenjagd. K. P. 899. Katal. 535.

   Von links galoppiert in Begleitung eines Hundes ein Reiter heran
   mit dem Schwert in der Rechten. Dem Hintergrunde zu ein Jger mit
   Netz ber der Schulter. Rechts greifen drei Jger mit Speer,
   Sbel und Bogen einen Bren an, der bereits gegen vier Hunde,
   deren einer berwunden am Boden liegt, kmpft. Im Hintergrunde
   rechts sucht ein junger Br (?) einen Baum zu erklimmen.

   3) Falkenbeize. K. P. 900. Katal. 536.

   Links im Vordergrunde steht ein von rckwrts gesehener Jger,
   der auf seiner linken Hand einen Falken trgt: neben ihm zwei Hunde.
   Rechts ein Reiter, der einen Falken steigen lt, auerdem zwei
   Jger, deren einer einen Hasen in der Linken trgt. In der Mitte
   ein Falke, der einen Hasen ergriffen hat. Dahinter ein nach rechts
   galoppierender Reiter mit Schwert in der Rechten. Drei fliegende
   Falken. Kornfeld.

   III. Susanna. K. P. 462. Katal. 611. Oval, H. 0,045 m., Br. 0,039 m.
   Bleigu. Tafel II.

   Die nackte Susanna sitzt unter einem Baume in einem Bassin, die
   Fe im Wasser. Sie hat den Kopf nach rechts gewandt, den gekrmmten
   linken Arm zur Abwehr erhoben. Von rechts und links wird sie von
   den beiden Alten angegriffen. Links im Vordergrunde ein kleiner
   Hund. An dem Bassinsteine rechts die Jahreszahl 1580. Gezahnter
   Rand.

Whrend der Meister der Jagdscenen wenigstens in Bezug auf Komposition
Selbstndigkeit sich wahrt, begibt sich der Monogrammist L+D in
sklavische Abhngigkeit von seinem Vorbilde. Auch er gehrt der jngeren
Nrnberger Richtung an. Nagler (Monogr. Bd. IV, S. 332, Nr. 1015) deutet
das Monogramm auf Leonhard Danner, einen Nrnberger Mechaniker, der von
1497-1585 lebte, und die Art der bei den Plaketten von L+D angewandten
Technik scheint diese Deutung zu untersttzen. Das bertrieben hohe
Relief, die krftige harte, aber auerordentlich sichere Formengebung
weist entschieden auf eine schwere Hand, die in sprdem Material zu
arbeiten gewohnt ist. Zur Sicherheit wrde diese Vermutung, wenn es sich
besttigt htte, da eine im Berliner Kunstgewerbemuseum befindliche Uhr
(cf. R. Fischer, historisch-kritische Beschreibung der Kunstkammer in
dem Neuen Museum zu Berlin. 1859. S. 15, Nr. 1440), die mit Plaketten
von L+D geziert ist, auch wirklich von L. D. angefertigt wre. Das
scheint indessen nicht der Fall zu sein, denn nach brieflicher
Mitteilung des Herrn Geheimrat Lessing sind die Plaketten auf der
Tafeluhr nicht vllig identisch mit den Bleigssen. Sie sind sehr
energisch ziseliert und hierbei knnen die an sich kleinen Abweichungen
entstanden sein. Sie sind viel grber als die Bleigsse und haben keine
Marke.

Leonhard Danner scheint ein grbelnder Kopf gewesen zu sein, der groe
technische Probleme in seinem Hirne wlzte, ohne es zu verstehen, seine
Fhigkeiten zur Verbesserung seiner ueren Lage zu verwenden. Erst im
letzten Drittel seines Lebens wurde er bekannt und berhmt durch seine
Maschinen. So wenigstens ist wohl der Vers, der auf seinem Grabe sich
fand, zu verstehen (s. Neudrffer, ed. Lochner S. 54):

   Seht an die einfltig Gestalt,
   Doch sinnreichs Verstand und ward alt
   Acht und achtzig Jahr hatt sein Alter,
   Seine Bekannten hieen ihn Bettler,
   War allzeit dienstwillig Jedermann
   Durch sein Werk ward bekannt der Mann,
   Darnach verlangt ihn zu sterben,
   In Hoffnung das ewig Leben zu erben.

Gulden, Neudrffers Fortsetzer (s. Ausg. Lochner S. 213, Nr. 14)
berichtet ber ihn: Hat das Schraubwerk, wie auch den Druckzeug in
Holz, allerlei Figuren knstlich zu drucken, erfunden, Doppelmayr S.
294: Ein Mechanicus, war ebener massen, wie sein Bruder Hanns Danner,
wegen geschickter Zubereitung groser Hebzeuge und starcker
Schrauben-Wercke, wozu ihme seine ordentliche Profession des
Schrauben-machens Anla gabe, wohl bekandt und berhmt. Er erfande um A.
1550 eine Maschine, die er die Brech-Schraube (davon die 4. und 5. Figur
in der XIII. Kupffer-Tabellen zweyerley Gattungen, und zwar die letzte
eine geringere, zeiget) benennte, und zur Ausbung bermssigen Forcen
brauchte, da er mit Beyhlffe derselben die dicksten Mauren von Thrnen
und andern Gebuen zu brechen und ber einen Hauffen zu werffen vermgt,
gleichwie er so wohl in Nrnberg A. 1558 an einer starcken Thurn-Mauren,
als ausserwrts an denen dicksten Mauren alter Gebue, seine Proben
rhmlichst erwiesen. Erst bemeldte Invention gabe ihm auch Anla, da er
die messinge Spindeln zu mehrerer Befrderung der Buchdruckerey, dabey
ein Drucker alsdann nur seine halbe Strke anzuwenden hatte, am ersten
bey dergleichen Pressen gantz glcklich angebracht. Starb A. 1585 in dem
88. Jahr seines Alters.

Eine auf ihn geprgte Medaille ist bei Doppelmayr Taf. XIV abgebildet.
Sie zeigt ein kurzes breites Gesicht mit starker Nase, in dem nur die
groen Augen den sinnenden Geist verraten. Die Umschrift: Leonhart
Danner. . S. 54. A. 1561 enthlt einen Irrtum, der wahrscheinlich auf
den Stecher zurckzufhren ist. Statt 54 mu es heien 64, wie auch in
der darunter befindlichen Abbildung der Jamnitzer-Medaille aus 1563 1503
gemacht wurde. Da der Mechaniker und Maschinenbauer auch Plaketten
gearbeitet habe, kann bei der auerordentlichen Vielseitigkeit, durch
die die meisten Nrnberger Knstler sich auszeichnen, nicht auffallen.
Vielleicht gehrt diese Art der Thtigkeit vor die Zeit, die ihn mit
groen Maschinenplnen beschftigte. Ob unser L. D. identisch ist mit
dem Knstler, dessen Monogramm auf dem Holzmodell zu der Medaille eines
Anthonius Sanftl vom Jahre 1545 (s. Erman, Deutsche Medaill. S. 48) in
der k. Sammlung zu Berlin sich befindet, mu ich dahingestellt sein
lassen, da ich das Stck nicht gesehen habe.

                            [Illustration]

Das germanische Museum besitzt von L+D 4 Plaketten, die nach
Kupferstichen H. S. Behams, und 3, die nach Stichen Aldegrevers
gearbeitet sind. Charakteristisch sind die krftig hervortretenden,
stark versteten Bume deren Stmme meist eine wagerechte Riefelung
zeigen. Die Arbeiten nach Beham weichen nur in geringen Kleinigkeiten
von dem Stiche ab, die nach Aldegrever sind stark verkleinert und rund;
der Hintergrund ist bei den letzteren selbstndig behandelt: er ist mit
der bekannten Phantasielandschaft ausgestattet. Das Monogramm des
Stechers fehlt auf den Plaketten stets. Da die Stiche smtlich dem Jahre
1540 angehren, so haben wir in diesem Jahre den terminus a quo fr die
Entstehungszeit der Plaketten.

[Illustration: Taf. III.

Aus der Plakettensammlung (II).]

I. Der verlorene Sohn. K. P. 452. 225-227. Katal. 443-446. H.
0,051-0,054 m. Br. 0,087-0,09 m. Bleigsse. Nach den Stichen H. S.
Behams. B. 31-34.

   1) Abschied. Aufschrift in erhabenen groen lateinischen Lettern:
   Pater da mihi porcionem substancia qu ad me redit.

   2) Das Gastmahl. Bezeichnet: L+D. Aufschrift: Dissipavit substanciam
   suam vivendo luxuriose. Luce. XV.

   3) Der Sauhirt. Aufschrift: Cupiebat implere ventrem suum de
   siliquis. Luce. XV. (Tafel II).

   4) Rckkehr. Aufschrift: Filius meus mortuus erat, et revixit,
   perierat, et inventus est. Luce. XV.

Abschied (1) und Rckkehr (4) Collektion Spitzer Bd. IV, S. 149 Nr. 34
und 83, Bronze, mit Rand, ohne Aufschriften. -- Gastmahl (2) und
Rckkehr (4) Kunstgewerbemuseum in Berlin, Bleigsse. Nagler, Monogr.
IV, S. 332 Nr. 1015 ist (nach Mitteilung des Herrn Geheimrats Lessing)
dahin zu berichtigen, da Die Rckkehr das Monogramm L+D nicht hat. --
Ein Gipsabgu der Rckkehr, der auf keine der genannten Plaketten
zurckgeht, befindet sich im germanischen Museum, es lt sich aber
leider nicht feststellen, von welchem Original er genommen ist. Es
scheint ein Buchsrelief zu sein.

                            [Illustration]

II. Evas Schpfung. K. P. 447. Katal. 451. Durchm. 0,043 m. Bleigu.
Verkleinerte Nachbildung des Stiches von Aldegrever B. 1.

III. Sndenfall. K. P. 854. Katal. 452. Durchm. 0,043 m. Bleigu.
Verkleinerte Nachbildung des Stiches von Aldegrever B. 2.

IV. Adam und Eva. K. P. 448. Katalog 453. Durchm. 0,043 m. Bleigu.
Verkleinerte Nachbildung des Stiches von Aldegrever B. 6. (Tafel II.)

Die Darstellungen II-IV sind wahrscheinlich auf Brettsteine
zurckzufhren. Whrend der Korrektur des vorliegenden Aufsatzes hatte
Herr Direktor Bsch die Gte, mich auf einen, soeben von ihm fr das
Museum angekauften Brettstein von Leonhard Danner aufmerksam zu machen.
Der Stein (Durchm. O,045 m.) bietet sich dar als Empfehlungskarte in
modernstem Sinne. Die Vorderseite zeigt in der Mitte eine Tanne
(Anspielung auf den Namen Danner), umrahmt von einem Bltterkranze. Die
Umschrift (in groen, erhabenen lateinischen Buchstaben) lautet:
Leinhart Daner zv Nvrenberg. Auf der Rckseite befindet sich,
ebenfalls von einem Bltterkranze eingefat, ein Hobel und unter ihm
zwei kreuzweis bereinander liegende Schrauben. Umschrift: Schreiner
vnd Schravfenmacher. Der Brettstein ist gepret, wir haben es also mit
einem fabrikmig hergestellten Gegenstande zu thun, der wahrscheinlich
dutzendweise gefertigt und auf den Markt gebracht wurde, so da er fr
das knstlerische Knnen Danners keinen Beweis liefern, die Hypothese
also, da das Monogramm L. D. auf der Plakette mit Leonhard Danner
aufzulsen sei, nicht untersttzen kann.

Zeigten die Werke der Meister, die wir bisher betrachtet haben, eine
bestimmte technische und stilistische Verwandtschaft, die man als Schule
Fltners bezeichnen knnte, so mgen jetzt zwei Plakettenserien folgern,
deren Schpfer eine selbstndigere, originellere Stellung einnehmen.

Die Plaketten des einen Meisters, der den besten deutschen aus der
zweiten Hlfte des 16. Jahrhunderts an die Seite gestellt werden mu,
sind mit Ausnahme einiger Krperteile der Hauptfiguren in ziemlich
flachem Relief gehalten, soda schon aus diesem Grunde der Hintergrund
weniger energisch hervortritt und das Augenmerk ungeteilt an die im
Vordergrunde zur Darstellung gebrachte Scene gefesselt bleibt. Die Bume
zeigen eine vllig andere Technik, als die Fltnerschen. Sie sind
weniger plastisch, sondern breit, malerisch behandelt. Die Wolken werden
nur schwach, oft durch Spiralen, angedeutet. Vorzglich aber ist die
Darstellung der schlanken, eleganten Personen mit ihren lebhaften und
grazisen Bewegungen. Die nackten Krper sind ausgezeichnet modelliert,
bei den bekleideten liegt die antike Tracht so eng an, da man ebenfalls
jede Muskel und jede Linie des Fleisches erkennen kann. Die Arbeiten
erinnern an die besseren Schnitte Virgil Solis. Diesem Meister weise ich
folgende Plaketten unserer Sammlung zu:

   1) Hirschjagd. K. P. 897. Katal. 532. Br. 0,113 m., H. 0,05 m.
   Bleigu. Tafel II.

   Links Hirsch von drei Hunden angefallen, deren einen er aufspiet.
   Von rechts reitet ein Jger an in antikem Kostme, in der Linken
   den Jagdspeer schwingend. Rechts im Hintergrunde enteilt nach
   rechts eine Hindin, in der Mitte ein Jger mit Horn und Lanze,
   nach links laufend. Der Schwanz des einen Hundes links ragt ber
   den Rand hinaus.

   2) Lwenjagd. K. P. 896. Katal. 533. Br. 0,118 m., H. 0,051 m.
   Bleigu.

   Rechts wird ein Lwe von vier Hunden angegriffen. Einer liegt
   bereits berwunden unter ihm. In seinem Genick sitzt ein Pfeil.
   Von links kommt ein mit antikem Helm bedeckter, sonst nackter
   Reiter angesprengt, von einem Tuche umwallt, in der Rechten einen
   Sbel haltend. Neben dem Gaul luft ein Hund. Mitten im Hintergrunde
   nach rechts eilend ein Jger mit gespanntem Bogen.

   3) Vulkan, Amor Pfeile schmiedend. K. P. 864. Katal. 592. Oval.
   Br. 0,085 m., H. 0,107 m. Bleigu.

   Links, vor der Esse, sitzt Vulkan, hlt in der Rechten in Lendenhhe
   den Hammer, in der Linken einen Pfeil, der auf dem Ambos
   aufliegt. Rechts Venus, stehend, nackt, mit der Linken ein Tuch
   auf der Brust haltend, die Rechte gegen Vulkan vorgestreckt. An
   ihr rechtes Bein lehnt sich der nackte Amor, der in der Rechten
   den Bogen trgt. Links im Vordergrunde am Boden ein Helm, rechts
   am Ambos ein Hammer. Hintergrund: Flulandschaft, Brcke, Berge,
   Bume, antike und ruinenhafte Architektur.

   Die Plakette ist beschnitten. Das Original, Bronze, ist viereckig.
   S. Beschreibung der Bildwerke der christlichen Epoche. Berlin
   1888. (Knigl. Museen zu Berlin) S. 238, Nr. 1071. Abb. Taf.
   XLVIII. Molinier, Les Plaqu. No. 599.

   4) Akton. K. P. 869. Katal. 578. Oval. Br. 0,107 m., H. 0,077 m.
   Bleigu. Tafel II.

   Diana, die sich mit drei Nymphen links im grottenartigen Bade
   befindet, besprengt mit ihrer Rechten, whrend die Linke ein Laken
   vor die Scham hlt, Akton mit Wasser. Sein Haupt ist bereits in
   einen Hirschkopf verwandelt. Er sucht nach rechts zu enteilen. In
   der Linken trgt er einen Jagdspeer, rechts und links von ihm je
   ein Jagdhund. Den linken fhrt er an der Leine.

   5) Umarmung. K. P. 865. Katal. 591. Oval. Br. 0,09 m., H. 0,12 m
   Bleigu.

   Auf den Knieen eines nackten, nach rechts gewandten, sitzenden,
   vollbrtigen Mannes sitzt ein ebenfalls nacktes Weib mit
   emporgezogenem rechtem Knie, das er kt und umarmt. Sie sttzt
   ihre Linke auf sein linkes Knie. ber beiden schwebt der
   Liebesgott, der sie mit Blumen bestreut. Links im Vordergrunde
   zwei Gefe.

Ich habe bereits auf den erhhten Einflu der Litteratur auf die
bildende Kunst im 16. Jahrhundert hingewiesen. Waren es im Mittelalter
vornehmlich biblische Geschichten und Heiligenlegenden, welche die
Phantasie des Knstlers beschftigten, so wagen sich seit dem Ende des
15. Jahrhunderts auch die weltlichen Darstellungen immer dreister
hervor, bis sie innerhalb weniger Jahrzehnte die ersteren an Zahl weit
berflgeln. Andererseits werden auch viele der biblischen Stoffe in
einer Weise profaniert, da man sie von den weltlichen Dingen nicht mehr
scheiden darf. Es ist unntig, auf die allgemein bekannten Grnde dieser
Erscheinung nochmals hinzuweisen. Die Emblemata, die ovidischen und
livischen Figuren etc., die bewut fr den Knstler und besonders den
Kunsthandwerker geschaffen waren, hatte ich angefhrt. Daneben aber
existiert noch eine auerordentlich reichhaltige Anekdoten- und
Schwanklitteratur, die sich der weitesten Verbreitung erfreute und
hufig dem Knstler als Born diente, aus dem er schpfte. Dazu gehren
beispielsweise die Erzhlungen, die, bereits im Mittelalter
handschriftlich in den sogenannten Gesta Romanorum niedergelegt, im
15. Jahrhundert in lateinischer und deutscher Ausgabe erschienen, dann
Buch der Beispiele der alten Weisen, Boccaccios Decamerone, Pauli,
Schimpf und Ernst, Kirchhoff, Wendunmuth etc. etc. bis auf Samuel
Meiger, der in seinem Nucleus Historiarum 1598 eine systematisch
geordnete Zusammenstellung dieser Geschichten anstrebte. Manche dieser
Anekdoten, die frher sicherlich zum grten Teil ganz allgemein bekannt
waren, die also jeder Knstler auch, ohne befrchten zu mssen, da er
nicht verstanden werde, benutzen konnte, haben sich bis heute im
Bewutsein des Volkes erhalten, die groe Mehrzahl aber ist ihm im Laufe
der Zeit entschwunden. Da man auch in Gelehrtenkreisen nicht immer
diesem Anekdotenschatze die ntige Aufmerksamkeit schenkt, davon legen
die oft sehr wunderlichen Erklrungen von Bildwerken der Renaissance
Zeugnis ab. Als typisches Beispiel in dieser Beziehung kann die
Collektion Spitzer gelten. Es ist ja allerdings nicht immer leicht,
selbst wenn man die Geschichten kennt, die richtige Deutung zu finden,
da der Stoff ein sehr umfangreicher ist, die berlieferungen oft von
einander abweichen und der Knstler bisweilen sich nicht streng an die
schriftliche berlieferung hlt. Umsomehr wre es eine verdienstliche
Arbeit, das ganze Material einmal zu ordnen, eine Art Realencyklopdie
auf diesem Gebiete anzulegen, zumal dieselbe auch einen wesentlichen
Beitrag zur Erkenntnis der geistigen Interessen jener Zeit liefern
wrde. Ich berhre hier diesen Gegenstand, weil eine Anzahl von
Plaketten eines Meisters mir vorliegen, deren einzelne vllig falsche
Erklrung gefunden haben.

   1) Der ungerechte Richter. K. P. 250. Katal. 574. Br. 0,065 m., H.
   0,024 m. Bleigu.

   Links ber einem Stuhle, hinter dem ein nackter Krieger mit Helm
   und Lanze steht, liegt die Haut des ungerechten Richters. Rechts
   davon der Knig in antiker Tracht, auf die Haut deutend. Neben
   ihm der Sohn des Geschundenen. Des weiteren vier Personen, von
   denen drei bewaffnet sind. Rechts ein rundbogiger Eingang.

   Die Darstellung ist im Katalog der Originalskulpturen irrtmlich
   erklrt als: der des Kopfes beraubte Sohn vor dem Schatzhause.
   In Collektion Spitzer Bd. III, S. 15, Nr. 29 aber findet sich
   folgende treffliche Deutung: Plusieurs personnages vtus 
   l'antique regardant une sorte d'armure complte, compose d'une
   peau de lion pose sur un trne. In Wirklichkeit haben wir es
   mit einer Erzhlung zu thun, die sich in Gesta Romanorum ed.
   sterley S. 324, cap. 29, findet: Erat quidam imperator, qui
   statuit pro lege, quod sub pena gravi quilibet judex recte
   judicaret, et si contrarium faceret nullo modo misericordiam
   inveniret. Accidit casus, quod quidam judex muneribus corruptus
   falsum judicium dedit. Imperator cum hoc andisset, servis suis
   precepit, ut eum excoriarent. Et sic factum est. Pellem ejus in
   loco, ubi judex sedere deberet, posuit ad significandum, quod
   ille judex cogitaret, quod amplius falsum judicium non daret. Rex
   vero filium judicis defuncti judicem constituit dicens ei:
   Sedebris super pellem patris tui, ut judices populum meum. Si
   vero aliquis affert tibi donum ut declines a via recta, ad pellem
   patris tui respicias, ne tibi hoc idem contingat.

   2) Blendung (Zaleucus). K. P. 252. Katal. 576. Br. 0,065 m., H.
   0,024 m. Bleigu.

                            [Illustration]

   Links sitzt ein brtiger Mann, rechts ein bartloser, beide
   nackt. Jedem wird von einem nackten Schergen ein Auge
   ausgestochen. In der Mitte vier Personen in antikem
   Kostme.

   Der Darstellung liegt folgende Erzhlung (Gesta Roman., ed.
   sterley, S. 347, Cap. 50) zu Grunde: Refert Valerius, quod
   Zelongus consul edidit pro lege, quod, si quis virginem
   defloraret, utrumque oculum amitteret. Accidit, quod filius ejus
   filiam unicam cujusdam vidue defloravit. Mater hec audiens
   imperatori occurrens ait: O domine, legem quam fecisti, impleri
   faciatis. Ecce unicus filius vester unicam filiam meam rapuit et
   vi oppressit. Rex hoc audiens commota sunt omnia viscera ejus et
   precepit, ut duo oculi filii sui eruerentur. Dixerunt Satrape
   domino: Tantum unicum filium habes, qui est heres tuus. Toto
   imperio esset dampnum, si filius tuus oculos amittat. At ille:
   Nonne vobis constat, quod ego legem edidi? Obprobrium esset michi
   frangere, quod semel firmiter statui. Sed quia filius meus est
   primus, qui contra legem fecit, primus erit, qui penitencie
   subjacebit. Sapientes dixerunt: Domine, propter deum rogamus vos,
   ut filio vestro parcatis. Ille vero precibus devictus ait:
   Carissimi, ex quo ita est, audite me! Oculi mei sunt oculi filii
   mei et e converso. Dextrum oculum meum eruatis et sinistrum
   oculum fillii mei! Tunc lex est impleta. Et sic factum est, unde
   omnes prudenciam regis et justiciam laudabunt.

   3) Der Richter tdtet seinen Neffen. (Graf Archambeau). K. P. 251.
   Katal. 575. Br. 0,065 m., H. 0,024 m. Bleigu.

                            [Illustration]

   Links auf einem Bette sitzt ein nackten brtiger Mann, der in
   der emporgehobenen Rechten den gezckten Dolch hlt. Mit
   der Linken zieht er eine nackte, von rckwrts gesehene
   Gestalt ber sein Lager. Rechts vier Mnner.

   Derselbe Gegenstand in andrer Behandlung bei Aldegrever, B. 73.

   Pauli, Schimpf und Ernst, ed. sterley, S. 93 (CXXIX): Man liszt
   von einem Edelman, der was ein amptman ein richter in einer stat,
   der niemans vbersah, vnd was nach gottes gerechtikeit hiesch, dem
   gieng er nach. Vnd vff ein zeit ward er kranck, da er also an dem
   bet lag, da hert er ein dochter ein junckfraw schreien. Er fragt
   seinen diener einen, der da fr gieng warumb die dochter also
   geschruwen hat, er wolt es wissen. Der knecht sprach, euwer
   veder, euwers bruders sun hat mit ir geschimpfft. Tc. Der edelman
   verstunt es wol, vnd nam ein brotmesser, vnd legt es vnter das
   Kssen, vf ein mal erblickt er in, da er fr die kamer anhin
   gieng, er rufft im vnd hiesz in zu im kumen, vnd er kam zu im,
   vnd er truckt in an sein brust vnd stach im das messer zu dem
   rucken hinyn in das herz, vnd stach in zudot, vnd stiesz in von
   im, vnd hiesz in vergraben.

   4) Shne, die auf die Leiche des Vaters schieen. K. P. 248. Katal.
   572. Br. 0,065 m., II. 0,024 m. Bleigu.

   Links an einen Baum gebunden die von einem Laken verhllte Leiche
   eines brtigen Mannes. Ein Pfeil steckt in der Gegend des
   Herzens. Neben ihm, dem Hintergrunde zu, eine Tragbahre. In der
   Mitte die drei Shne. Zwei, brtig, stehen, mit Bgen bewehrt. Der
   dritte, bartlos, kniet vor dem rechts sitzenden Richter, der in der
   Rechten ein Scepter trgt. Im Hintergrunde die Ruinen einer Burg.

   Die Darstellung ist so bekannt und knstlerisch so oft verwertet
   (cf. z. B. Weltmann, Holbein S. 140, Mummenhoff, Das Rathaus in
   Nrnberg S. 336, v. Trey, die Handzeichnungen des Hans Baldung
   I, 45), da der Hinweis auf die Gesta Romanorum in der
   angefhrten Ausgabe S. 342 f. und S. 719, 45 gengen mag. In
   Collect. Spitzer, Bd. III, S. 15, Nr. 29 ist allerdings die Deutung
   trotzdem falsch.

   5) Ein Vater verurteilt seine Tochter. (S. Barbara?) K. P. 249.
   Katal. 573. Br. 0,065 m., H. 0,024 m. Bleigu.

   Links sitzt ein nackter brtiger Mann mit abgewandtem Haupte, in
   der vorgestreckten Linken das Scepter haltend. Rechts von ihm
   eine bekleidete Frau und ein brtiger Mann in antikem Kostm, der
   mit der Rechten auf den Richter zeigt. Ein anderer Mann in antiker
   Kleidung hat seine Linke auf die Schulter der Frau gelegt und hlt
   in der emporgehobenen Rechten das gezckte Schwert. Weiter rechts
   drei Krieger, die aus einem Thore kommen.

   Ob wir es wirklich mit der Geschichte der h. Barbara (vergl. den
   Holzschnitt von Aldegrever, Nagler, Monogr. I, S. 293, Nr. 32) zu
   thun haben, mag dahin gestellt bleiben. Die Auswahl ist in diesem
   Falle eine zu groe, um eine sichere Entscheidung zu erlauben.

   6) Mucius Scvola. K. P. 247. Katal. 571. Br. 0,065 m., H. 0,024 m.
   Bleigu.

   Links auf dem Throne sitzt Porsenna, in der Rechten das Scepter
   haltend. Vor ihm auf rundem Postament das Kohlenbecken, aus dem
   die Flamme schlgt, und in das Scvola seine rechte Hand hlt.
   Hinter ihm ein, rechts von ihm drei bewaffnete Krieger. Alle
   Personen in antiker Tracht.

   Bleigu in Kassel.

Drei der zuletzt beschriebenen Plaketten (1, 2 u. 4) befinden sich auf
einem Pokale, der im Besitze Spitzers war und Collektion Spitzer Bd.
III, S. 15, Nr. 29, folgendermaen beschrieben ist: (Argent dor) Le
vase se compose d'une partie cylindrique reposant sur deux disques
aplatis orns de mascarons d'hommes et de femmes, entours de
cartouches, spars par des godrons sur l'un desquels est grav un
dragon hraldique levant une pe, accompagn des lettres B. L. Sur la
partie cylindrique sont reprsentes en bas-reliefs fondus et cisels,
spars par des termes, trois scnes appartenant  une mme suite (folgt
die Beschreibung der Plaketten). Le pied, en balustre, est orn de
mascarons en forme de termes. Sur la platte, deux figures de fleuves et
deux sources couches, appuyes sur des urnes; sur le bord, des
arabesques graves.

Le couvercle est orn sur le bord d'un rang d'oves au-dessus duquel est
grave l'inscription suivante: CAVETE AVTEM VOBIS  NE GRAVENTVR CORDA 
VESTRA CRAPVLA. Au-dessus de cette inscription se droule une frise
reprsentant de petits gnies jouant sur les flots et des monstres
marins. Au-dessus d'une seconde frise est un sujet deux fois rpt: un
homme et une femme s'embrassant, accompagns de deux amours. Une
figurine d'enfant nu, tenant un cusson, termine le couvercle et forme
le bouton. Sur l'cusson, somm d'une mitre, d'une crosse et d'une pe,
on voit un trfle accompagn de deux toiles en chef (Wappen des Bistums
Sitten). Enfin  l'interieur du couvercle est rapporte une plaquette
repousse, reprsentant la Trinit. Sur le bord sont graves les
initiales L+L. Hauteur: 0,260 m.

Der Pokal trgt zwei Marken, deren eine einen senkrecht in zwei Felder
geteilten Schild zeigt, von denen das linke zwei Sterne bereinander
hat. Die andere Marke bildet ein schlsselartiger, nach unten
halbmondfrmig auslaufender Gegenstand. In dem halbmondfrmigen Teile
befindet sich ein Stern. Der auerordentlichen Liebenswrdigkeit des
Herrn Professor Dr. Marc Rosenberg verdanke ich die Erklrung der ersten
Marke: sie ist das Beschauzeichen von Sitten. Gleichzeitig aber
bersandte mir Herr Professor R., wofr ich auch an dieser Stelle ihm
meinen verbindlichsten Dank sage, Beschreibung und Abbildung eines
anderen Pokales desselben Sittener Meisters, der, in Genf zur
Ausstellung gebracht, eine feste Datierung giebt und im Verein mit dem
Spitzerschen das hervorragende Knnen des Meisters darthut. (Ich erflle
gern die Pflicht, das liberale Entgegenkommen der Genfer
Ausstellungskommission in dieser Sache dankend hervorzuheben.) R.
urteilt ber den Pokal: Auf der Ausstellung in Genf das beste
Renaissance-Becherchen.

Die Beschreibung aus dem Katalog Nr. 2130 lautet: Coupe sur pied 
couvercle, en argent repouss, cisel et dor; sur la coupe le massacre
des Innocents, des mascarons et des amours; sur le couvercle, surmont
d'un amour tenant un cu aux armes de la famille de Graffenried,
l'insription HOC SECVLVM EST IOCANTIS FORTVN LVDVS. M. D. LXII., 
l'interieur du couvercle les armes accoles et mailles des familles de
Graffenried et Michel dite Schwertschwendi. Poinon de Sion, marque
indtermine. 1562.

Cette coupe appartenait  Nicolas de Graffenried, Gouverneur d'Aigle et
banneret de la ville de Berne (1530-1580).

Beide Pokale zeigen in ihrem Aufbau groe hnlichkeit, nur da der
senkrechte, cylindrische Teil der cupa bei dem Graffenried'schen im
Verhltnis zum Gesamtma hher ist, whrend bei dem Spitzer'schen der
Schaft freier und schlanker emporstrebt. Der den Deckel abschlieende
Putto ist bei beiden Stcken derselbe. Die Darstellung des
Bethlehemitischen Kindermordes zeigt in der einfachen, uerst
geschickten Komposition, in den muskulsen, beweglichen Figuren eine so
augenscheinliche innere Verwandtschaft mit den Plakettendarstellungen,
da ich in weiterer Bercksichtigung der in jeder Beziehung knstlerisch
vollendeten Durchfhrung der beiden Pokale nicht im Zweifel bin, da wir
in dem Sittener Meister auch den Urheber der Plaketten zu sehen haben,
da er nicht etwa nach fremden Mustern gearbeitet hat. Hoffentlich
gelingt es der Lokalforschung, auch den Namen dieses bedeutenden
Knstlers festzustellen, der, 1560 in Sitten arbeitend, von Italien
stark beeinflut ist, seine Ausbildung aber zweifellos deutschen,
vielleicht Straburger Meistern, verdankt.

ber den Vorbesitzer unsrer Plaketten giebt Nr. 2, Blendung
interessanten Aufschlu. Auf der Rckseite nmlich hat Kinderhand Linien
zum Rechnen auf der Linie gezogen und in die Spacien Rechenpfennige
mit Hilfe des Zirkels eingetragen. Auerdem aber sind Schreibversuche
gemacht, die uns den Namen des jugendlichen Autors verraten. Oben lesen
wir die Buchstaben des Alphabets von h--m, unten all mechtiger, in der
Mitte aber carollus perckmann. Die Schrift gehrt der ersten Hlfte
des 17. Jahrhunderts an. Dieser Karl Perckmann ist, da die Plaketten
spter in den Hallerschen Besitz kamen, also wohl auch vorher
in Nrnberg waren, sicherlich ein Mitglied der Nrnberger
Goldschmiedefamilie gleichen Namens, aus der zwei Meister bekannt sind:
Andreas Berckmann 1651, und Johann B. 1691.

_Nrnberg._

                                                       Dr. _F. Fuhse_.




   Das Nrnberger Mnz-Kabinet des Freiherrn Joh. Christ. Sigm. von
                                Kress.


Zu der Zeit, als Hubert Goltzius der Kupferstecher und Antiquar aus
Amsterdam seine Reisen in Europa machte, um fr seine merkwrdige
Verffentlichung der alten Kaiserbildnisse nach den Mnzbildern Stoff zu
sammeln, gab es bereits -- wenn wir wenigstens Goltzens Angaben
vertrauen drfen -- ber 900 Mnz- und Medaillenkabinete, die den Besuch
lohnten. Allerdings handelte es sich bei den meisten vornehmlich um
Antikes, um rmische Kaisermnzen, wie sie der Niederlnder ja auch
hauptschlich fr seine Kupfer verwendete. In Deutschland war es
Kaiser Max, von dessen persnlichen Verhandlungen mit seinen
Mnzstempelschneidern uns noch manches erhalten ist, der das erste
Mnzkabinet, das zu Wien, begrndete.

In Nrnberg war der Sammeleifer schon zu Drers Zeit in dessen
Freundeskreis erwacht: Wilibald Pirkheimers Stolz war zwar in erster
Linie seine Bchersammlung, fr die ihm befreundete Humanisten aus allen
Stdten Europas die neuen Erscheinungen besorgten; aber seine Mnzen und
Kunstschtze wurden nicht minder bewundert und in den Briefen seiner
Freunde mit groem Lob genannt. Da der Gelehrte ohne mnnliche
Nachkommenschaft starb, kamen seine Schtze in den Besitz der Familie
Imhof und bildeten fr seinen Enkel, den berhmtesten Kunstsammler des
16. Jahrh. in Nrnberg, fr Wilibald Imhof, den Grundstock zu seiner
reichen Kunstkammer. Aber Wilibalds Freund und Gnstling war Hans
Hofmann, der erste und auch der begabteste unter jenen berchtigten
Malern, die es sich zum Berufe machten, Drers Gemlde und Zeichnungen
zu flschen. Aus der Freude am Sammeln ward ein immer mehr bedenklicher
und gewissenloser Kunsthandel, den die Familie Imhof mehrere
Menschenalter hindurch weiterbetrieb und ber den ihr Geheimbchlein
auf der Nrnberger Stadtbibliothek recht merkwrdige Aufschlsse giebt.
Wirklich gute Stcke enthielt die Kunstkammer damals gewi keine mehr;
denn als anno 1630 dem feinsinnigen Verehrer Albrecht Drers, dem
Kurfrsten Maximilian auf sein instndiges Anhalten die Hauptstcke der
Sammlung prsentiert worden waren, hat er dazu gar keine Lust getragen,
auch viel unter denselben nicht fr Originalien erkennen wollen, sondern
sie alle zurckgegeben und gar kein Gebot darauf legen lassen. Da die
Imhofsche Kunstkammer, die bald darauf in ihren unberhmten Resten nach
Wien und Amsterdam verkauft ward, auer den antiken rmischen auch eine
grere Sammlung von mittelalterlichen Mnzen enthalten habe, ist
nirgends gesagt und auch wenig wahrscheinlich[322].

Da es dagegen im Beginn des folgenden, des 18. Jahrhunderts, an
Interesse fr die mittelalterliche Mnzkunde in der alten Reichsstadt
nicht fehlte, das beweist das Erscheinen der ersten numismatischen
Zeitschrift der historischen Mnzbelustigungen, die sich 35 Jahre lang
am Leben erhielten und erst anno 1764 eingingen. Am Ende des
Jahrhunderts ist es wieder einer aus der alten ehrbaren Familie der
Imhof, den wir als hervorragenden Mnzkenner und Besitzer einer
auerordentlich reichhaltigen Sammlung von Nrnberger Mnz- und
Medaillenprgungen finden: Es war sein eigenes Kabinet, das Christoph
Andreas IV. Imhof in den Jahren 1780-1782 in zwei starken Quartbnden
mit vieler Mhe so vollstndig als mglich in wenig jahren
zusammengetragen und sodann auf das Genaueste beschrieben herausgab.
Eine Sammlung von dieser Vollstndigkeit und dieser systematischen
Anlage in wenigen Jahren zusammenzubringen, war damals gewi weit mehr
noch als heute ein Ding der Unmglichkeit; aber da der Besitzer in
seiner Verffentlichung selbst keine Angaben ber die Geschichte seiner
einzigartigen Sammlung macht, so mssen wir uns bescheiden bei der
Thatsache, da wenigstens von der alten Imhofischen Kunstkammer nichts
mehr bis auf diese Zeit im Besitz der Familie geblieben sein kann.

[Funote 322: ber die Geschichte der Imhofschen Kunstkammer haben in
ihren Drerbiographien Haller u. Thausing eingehend gehandelt.]

Der Sammler hatte sich weise beschrnkt, nicht mit dem grauen Altertum
begonnen und die entlegensten Lnder mit herangezogen in sein
Sammelgebiet; so gab er seinem Mnzkabinet einen fr die Wissenschaft um
so hheren Wert, je nher er der systematischen Vollstndigkeit in
seinem immer noch weiten, alle Nrnberger Reichsstdtischen
Mnzprgungen umfassenden Rahmen kam. Zum Glck ist uns der grte Teil
dieses unvergleichlichen Schatzes von Sammler- und Forscherflei
erhalten geblieben und nunmehr nach jahrzehntelangen Verhandlungen und
Erwgungen so wohl verwahrt und doch so leicht zugnglich untergebracht
worden, da man wohl annehmen darf, die Sammlung habe den Abschlu ihrer
merkwrdigen Geschichte erreicht und werde fr alle Zukunft da
verbleiben, wo sie jetzt sich befindet, im germanischen Museum.

Der anno 1818 im 89. Lebensjahre verschiedene Staatsrat Johann Christoph
Sigmund von Kre hatte das Imhofsche Kabinet, soweit es noch beisammen
war, an sich gebracht und hinterlie es seinen Erben als eine
unveruerliche Familienstiftung zum Studium der nrnbergischen
Mnzkunde. Der Erblasser, der brigens in seinen spteren Jahren
ziemlich vereinsamt lebte, hatte den Wert seiner Sammlung auf 2600 fl.
geschtzt und dazu noch 200 fl. gestiftet, aus deren Zinsen
gelegentliche Ergnzungen vorgenommen werden sollten. Nun fand sich aber
unter seinen Erben niemand, der die ntigen Geldmittel und die ntige
Mhe aufwenden wollte, welche eine Aufstellung und Versicherung des
Kabinets im Sinne des Verstorbenen verlangt htten; so kam es nach
vielen Mahnbriefen der Ansbachischen Regierung endlich 1821 dazu, da
der Senator Joachim Freiherr von Haller im Namen der Erben die ganze
Stiftung selbst an Stelle der Kaution der Stadt bergab mit einer
weitschweifigen und umstndlichen Begrndung, da ein Privatmann nie so
viel Zeit, Geld und mhsames Studium an die Sammlung wenden knnte, als
ntig wre, um sie wirklich nutzbar zu machen. Will er nicht in der
nchsten besten Reisebeschreibung andern zum Abscheu und Exempel als ein
ungeflliger Mann aufgestellt werden, so heit es da, so darf er wie
einer vor dem Guckkasten vor seinem Mnzkasten sitzen, um jeden Fremden,
der vielleicht kaum 24 Stunden in der Stadt verweilt, in solchen
hineinsehen zu lassen.

Am 27. August 1823 erfolgte denn auch endlich die bergabe des in dessen
von Haller selbst neu geordneten Kabinets an die Stadt. Aber dieser war
mit dem Geschenk auch wenig gedient: weder der Bibliothekar noch sonst
einer von den Beamten mochte die Verantwortung und die Sorge fr den
gefhrlichen Schatz bernehmen, fr dessen Aufstellung berdies nirgends
ein geeigneter Raum vorhanden war. Man wandte sich daher bald wiederum
an die Kreischen Erben, bald an die mittelfrnkische Kreisregierung in
Ansbach, um von dem lstigen Geschenk befreit zu werden; aber ohne allen
Erfolg zogen sich die Verhandlungen hin, bis im Dezember 1857 aus dem
Kreise des Gemeinde-Kollegiums dem Magistrat der Antrag vorgelegt wurde,
die ganze Sammlung dem wenige Jahre zuvor gegrndeten germanischen
Museum zur Aufstellung zu bergeben. Aber erst nach langen Verhandlungen
und nach dem der Magistrat, um endlich einmal von diesem Kabinet
befreit zu werden auch auf die Kaution verzichtet hatte, geschah im
Mrz 1866 die bergabe der ganzen Sammlung von 2547 Stcken nach
damaliger Schtzung im Werte von 3190 fl. an das Museum[323].

Aber auch hier hat das Kreische Mnz-Kabinet noch manche Sorge gemacht,
bis endlich nach 30 Jahren auch der letzte Wunsch des Stifters erfllt
und die Sammlung allgemein zugnglich gemacht werden konnte.
Mnzsammlungen dem Publikum zugnglich zu machen, ist eine schwierige
Aufgabe; meist hlt man sie wohl verschlossen in einem Kassenschrank,
der sich sehr selten nur fr einen Fremden ffnet, und legt einige
Beispiele, denn mehr erlaubt in der Regel der Raum nicht, in Glasksten
auf; so ist aber ein Betrachten der ganzen Mnze samt der Rckseite fr
den Sachverstndigen unmglich. Deshalb kam der als Nrnberger
Numismatiker bekannte Grohndler Joh. Chr. Stahl vor wenigen Jahren auf
die Idee einer neuen Aufstellungsweise, welche die Mnze aus nchster
Nhe und von beiden Seiten sehen lt, ohne sie doch dem Beschauer in
die Hnde zu geben. Die Kassenschrankfabrik von Hermann hat den Schrank
mit seinem scharfsinnig erdachten Mechanismus ausgefhrt, der es
gestattet, die nahezu 1600 Mnzen des Kreischen Kabinets mit einem
Raumaufwand von wenig mehr als zwei Kubikmeter zur Aufstellung zu
bringen. Auf 48 ungefhr quadratischen Holztafeln liegen die Mnzen in
chronologischer Folge nach der Regierungszeit der Kaiser, mit deren
Bilde die Reichsstadt so oft prgte, angeordnet so, da in die 5 mm.
starke Holztafel ein Ausschnitt entsprechend der Gre jeder Mnze
gemacht und in diesem die Mnze durch drei Klammern aus Zelluloid
sozusagen  jour gefat wurde. Die einzelnen Tafeln sind durch eine
Kette so verbunden, da sie der Reihe nach mittels Kurbeldrehung
heraufgehoben werden knnen bis dicht unter die Glasscheibe, welche in
der Tischplatte des Kastens eingelassen ist; ein eigener Mechanismus
bewirkt dazu noch, da jede Tablette beim Weiterdrehen der Kurbel sich
wendet und von der Rckseite zu sehen ist. Es ist begreiflich, da fr
eine in sich so gut wie abgeschlossene Sammlung wie das Kreische
Mnz-Kabinet, die keiner namhaften Ergnzungen mehr bedarf, eine
derartige Aufstellung die best mgliche Lsung gewhrt. Die Mnzen
erscheinen dem Beschauer in wohlgeordneter unvernderlicher Folge, in
nchster Nhe zu sehen, und bedrfen anderseits doch nicht bestndiger
berwachung.

[Funote 323: Die hier mitgeteilten Thatsachen verdanke ich der Gte des
Herrn Joh. Ch. Stahl, der sie aus dem weitschichtigen Aktenmaterial
auszog.]

ber die Bestnde der Sammlung, die nun endlich dem Wunsche des Stifters
gem aufgestellt sind, eingehend zu berichten, ist hier unmglich. Es
sei nur auf eine gerade dem heutigen Stande der numismatischen Forschung
besonders empfindliche Lcke hingewiesen, die der im brigen, namentlich
an Prgungen des XVII. und XVIII. Jahrhunderts erstaunlichen
Vollstndigkeit wenig entspricht. Einmal hat Andreas Imhof in seiner
Sammelthtigkeit bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts die Scheidemnze zu
gunsten der prachtvollen Goldprgungen dieser Zeit sehr vernachligt
und dann hat er alle diejenigen Stcke unbercksichtigt gelassen, die zu
der hchst interessanten Entstehungsgeschichte der stdtischen Mnze aus
der alten Reichsmnzsttte, zu dem Wechsel des Mnzrechts und zu den
Mnzkonventionen des XIV. Jahrhunderts aufklrende Beitrge bilden
knnten. Immerhin sind das Lcken, welche durch die Hauptsammlung des
Museums ausgeglichen werden knnen, und zum Teil schon ausgeglichen
sind, so da in absehbarer Zeit die Prgungen der Nrnberger Mnze von
ihren ersten Anfngen bis zu ihrer Auflsung im Jahre 1806 in
mglichster Vollstndigkeit dem Forscher zur Bentzung stehen werden.

_Nrnberg._

                                                             _K. Sch._




                 Friesische Huser auf den Halligen.


Es war einer der Lieblingsplne des verstorbenen Direktors v. Essenwein,
nach Analogie der sogen. altdeutschen Zimmer unseres Museums auch ein
friesisches Wohngemach nebst Kche in unseren Sammlungen einzurichten,
wobei er wahrscheinlich an Muster aus West- oder Ostfriesland gedacht
hat. Ein allzufrher Tod hat ihn an der Ausfhrung dieses Vorsatzes
gehindert, aber sein Gedanke wirkte wie ein Vermchtnis fort und wird
unter der gegenwrtigen Direktion seine Vollendung finden, wenn auch
nunmehr infolge mannigfacher Umstnde den Besuchern des Museums das
interessante Innere eines nordfriesischen, speziell eines Hallighauses
vorzufhren beabsichtigt ist. Wertvolle und charakteristische
Ausstattungsstcke dafr wurden bereits vor 3 Jahren von dem
Unterzeichneten, in diesem Jahre von Herrn Direktor Bsch an Ort und
Stelle erworben. Es drfte daher an der Zeit sein, den Lesern unserer
Mitteilungen die Beschreibung eines Hallighauses zu gewhren, wie sie
im Wesentlichen bereits in meiner Monographie die Halligen der
Nordsee, Stuttgart 1892, und im Maiheft der illustrierten
naturwissensch. Monatsschrift Himmel und Erde, Berlin Jahrg. 1895, in
meinem Aufsatz Halligbilder enthalten ist.

                       [Illustration: Fig. 1.]

   1) Diele.
   2) Wohnrume.
   3) Wandbetten.
   4) Durchgnge.
   5) Kche.
   6) Herd mit Backofen.
   7) Speisekammer.
   8) Kellertreppe.
   9) Dittenschacht.
   10) Bodentreppe.
   11) Stallrume.
   12) Schornstein.
   13) Gertkammer.
   14) Einlegerfen.
   15) Wandschrank.

Die wissenschaftliche Fachlitteratur ber das friesische Haus ist
einerseits nicht sehr umfangreich, andrerseits auch lckenhaft, indem
sie die Gebude auf den schleswig'schen Utlanden und speziell auf den
ganz eigentmlichen Halligen nur drftig behandelt. Lasius in seiner
kleinen Monographie das friesische Bauernhaus, Straburg 1885, und
Allmers in seinem Marschenbuch beschftigen sich nur mit dem
ost-westfriesischen Bauernhaus der _Marschen_, wie auch die von Henning
in seiner bekannten Arbeit das deutsche Haus, Straburg 1882, benutzte
Litteratur erkennen lt, da selbst diesem Autor nach seinen Quellen
und nach eigener Kenntnis das Hallighaus unbekannt geblieben war, was
bei der frheren Abgeschlossenheit dieser Inseln vom allgemeinen Verkehr
nicht zu verwundern ist. 1891 erschien dann zwar das Buch von
Hansen-Jensen ber die nordfriesischen Inseln, doch ist darin der kurze
Abschnitt ber die Halligen ohne jeden Wert. Henning weist brigens die
Gebude der Inseln im 5. Kapitel der anglo-dnischen Bauart zu und
meint, man finde auf den Werften der Inseln und der Halligen Gebude,
die in quadratischer Form unter einem gemeinsamen Dache mehrere
Wirtschaftsgebude umfassen, hnlich dem Eiderstetter Heuberge. Da diese
Auffassung geeignet ist, eine irrige Vorstellung von den Ansiedlungen
auf den Halligen zu erwecken, so habe ich sie bereits in dem Aufsatz
Halligbilder zu widerlegen versucht, wie ich auch hier bei der
Bedeutung des Henning'schen Buches nicht versumen will, sie als
unzutreffend zu bezeichnen. Nur die kleine Hallig Sderoog besitzt ein
quadratisches, sehr groes Haus (das einzige auf der Insel), dessen 4
Flgel einen kleinen, offenen Hof umschlieen, so da also auch in
diesem Ausnahmefalle die Gebude nicht unter einem Dache vereinigt sind.
Die wenigen Angaben, die Haupt in Bd. I seiner Bau- und Kunstdenkmler
der Provinz Schleswig-Holstein pg. 436 bringt, beruhen zwar auf
persnlicher Kenntnisnahme, sind aber gar zu knapp bemessen und bedrfen
deshalb der Erweiterung. Ltgens behandelt in seinem Werk Kurzgefate
Charakteristik der Bauernwirtschaften in den Herzogtmern Schleswig und
Holstein, 1847, pg. 16 und Tafel 36 und 37 die westfriesischen Inseln,
aber mit Ausschlu der Halligen, und nur bei R. Mejborg, nordiske
Bndergaarde finde ich in Band 1, Slesvig, 1892, eine zutreffende
Schilderung der Halligen, der ich auch bezglich der Huser beizustimmen
vermag; erhht wird der Wert dieses Werkes durch gute Illustrationen.

                       [Illustration: Fig. 2.]

   1) Diele.
   2) Wohnrume.
   3) Wandbetten.
   4) Wandschrank.
   5) Kche.
   6) Kellertreppe.
   7) Speisekammer.
   8) Bodentreppe.
   9 u. 11) Stallrume.
   10) Brunnenraum.
   12) Dngerrinne.
   13) Herd.
   14) Schornstein.
   15) Einlegerfen.
   16) Dittenschacht.

Die Halligen und die heutigen Inseln Nordstrand und Pellworm sind die
berbleibsel der alten Strandinger Marschlandschaft nrdlich vom
Heverstrom. Nachdem von Zeit zu Zeit durch verheerende Sturmfluten
einzelne Teile von ihr losgelst waren und als Halligen weiter
existierten, vollendete sich das Schicksal des Nordstrandes in der
schrecklichen Katastrophe des Jahres 1634. Nur die beiden groen
Fragmente Nordstrand und Pellworm erhielten nach derselben neue
Seedeiche, die brigen blieben abermals als niedrige Halligen den
weiteren Verwstungen preisgegeben, die mit elementarer Gewalt
wiederholt im 18. Jahrhundert und zum letzten Male im Jahre 1825 ber
sie hereinbrachen. Die Folge davon war, da eine Anzahl von ihnen
berhaupt spurlos verschwunden, auf den brigen aber alte Huser nicht
mehr erhalten sind. Man wird mit Sicherheit annehmen drfen, da sie vor
ihrer Isolierung dieselben Gebude trugen, wie die benachbarten
Festlandsmarschen und wie die genannten beiden Inseln, dann aber
bedingte die Vernderung des Wirtschaftssystems und die Notwendigkeit
des engen Zusammenbauens auf mhsam errichteten Werften eine andere
Bauart, die im allgemeinen wohl an der alten berlieferung festhielt,
aber den Bedrfnissen einer Hirten- und Schifferbevlkerung und den
physischen Bedingungen einer oft grandios furchtbaren Natur angepat
werden mute. Neuere wie ltere Hallighuser -- und kaum eins ist hinter
das Jahr 1717 mit seiner Sturmflut unseligen Andenkens zurckzudatieren
-- weisen daher einen bereinstimmenden Typus auf[324]. Sie sind
smtlich mit ihrer Front nach der Sdseite gerichtet, woselbst sich auch
der Eingang manchmal unter einem aus dem Rohrdache hervorspringenden
Giebel befindet. Durch die horizontal zweiflglige Thr betritt man die
mig breite Diele, von der rechts und links Thren in die meist
niedrigen Wohnzimmer fhren. Da die bestausgestattete Stube Pesel und
das gewhnliche Wohngemach Dnse genannt wird, ist hinlnglich bekannt,
eine bestimmte Norm aber fr die Lage dieser Rumlichkeiten, ob links
oder rechts von der Diele, ist nicht befolgt worden, sie richtete sich
in jedem Falle nach dem Gutdnken des Erbauers. Stets ist das Hallighaus
gleich dem frnkischen in erster Linie Wohnhaus; wie dort nimmt die
darin untergebrachte Viehstallung nur etwa einen Vierteil des
Gesamtraumes ein, selten eine Hlfte, vielmehr wird bei reichem
Viehstande lieber ein Flgel angebaut, mitunter vertritt den Flgel
sogar ein selbstndiges Stallgebude. Vergleicht man die hier und meiner
erwhnten Monographie beigegebenen Grundrisse von Hallighusern mit
demjenigen des frnkischen Hauses bei Meitzen, das deutsche Haus,
Berlin 1882, auf Tafel I, Fig. 2, in welchem i und k die Lage der Stlle
bezeichnen, so ergiebt sich unzweifelhaft eine hnlichkeit im Prinzip
der inneren Raumausntzung, andrerseits aber auch mit der
Wohnungsabteilung des friesischen Hauses bei Lasius, Fig. 6, wie ja das
friesische Haus in den Wohnrumen dem frnkischen, in den
Wirtschaftsrumen dem schsischen Hause nher steht. Die Halligfriesen,
die nach der Einbue des Deichschutzes ihrer Lndereien lediglich auf
Viehzucht und Schiffahrt angewiesen waren, mithin keiner Scheunen,
Pferdestlle und Gertschuppen bedurften, scheinen von jeher doppelten
Werth auf bequeme, gerumige Wohnungen gelegt zu haben, denn nur in sehr
kleinen Husern, welche die Minderzahl bilden, begngt man sich mit
Pesel und Dnse, in den greren Husern findet man auer dem Pesel zwei
Wohnzimmer nach der Sdseite, ja in den wohlhabendsten sogar zwei
Staats- und zwei Wohnstuben. Die Wnde zwischen ihnen und der Diele sind
fast ausnahmslos gemauert, 1 Stein stark, die Trennung der Zimmer unter
sich erfolgt dagegen hufig durch Bretterwnde, wo aber Mauern diesen
Dienst verrichten, sind Wandnischen in ihnen angebracht mit Glasthren,
hinter denen allerhand Ziergert aus Messing, Porzellan und Silber sowie
Andenken an ferne Lnder und Meere aufbewahrt werden. Die festen Wnde
sind mit kleinen quadratischen Kacheln belegt, in den Husern aus der
guten alten Zeit von Delfter Fayence, in den neueren aus minderwertigem
Material, das aus Hamburg bezogen wird. Auf weiem Grunde enthalten die
Kacheln blaue eingebrannte Bildchen mit den mannigfaltigsten
Darstellungen: Schiffe, Brunnen, Vgel und andere Thiere, Jagdbilder,
Landschaften und Stoffe aus der heiligen Schrift in reicher Abwechslung;
da die modernen Wandkacheln hufig wei und braun gehalten sind, sei
nebenbei erwhnt, jedenfalls bertreffen die echten alten die neueren an
Schnheit der Farbe und Glasur. In vielen Zimmern, besonders auf Hooge
und Langene-Nordmarsch, heben sich aus diesem bunten Wechsel
aneinandergereihter Einzelbildchen Kompositionen von Schiffen heraus,
zusammengesetzt aus 5  5 Kacheln, die nach einer Originalvorlage auf
besondere Bestellung gebrannt wurden; sie bilden Andenken fr Kapitne
an die Schiffe, welche sie im Dienste fremder Rheder gefhrt haben. Eine
solche Inschrift lautet beispielsweise:

                               Ao. 1750
                              Handelaar
                         gefoerd doer Skipper
                        Barend Frederik Hansen
                                 voor
                        De Heer John Notemann.

Um die Kompositionen herum luft gleichfalls aus Kacheln zusammengesetzt
eine Art Rahmen von Putten- und Rankenarabesken, wie auch zuweilen die
Thrrahmen von Bordren gleicher Art oder von zusammengesetzten Sulen
und Tieren eingefat sind. Bestehen die Scheidewnde aus Brettern, so
fehlen natrlich die Kacheln und an ihre Stelle tritt wie bei Thren und
Fenstern der Anstrich von weier lfarbe, in den ltesten Husern eine
Bemalung der Wnde mit Pflanzenornamenten in blauer, weier und roter
Farbe.

                       [Illustration: Fig. 3.]

   1) Diele.
   2) Wohnrume.
   3) Wandbetten.
   4) Brunnen.
   5) Kche.
   6) Kellertreppe.
   7) Herd.
   8) Einlegerfen.
   9) Speisekammer.
   10) Bodentreppe.
   11 u. 12) Viehverschlge.
   13) Schafstall.
   14) Dngerrinne.
   15) Futterkrippen.
   16) Deckensttzen.

[Funote 324: Derselben Ansicht ist Mejborg, der den Gebuden
hollndischen Charakter zuspricht: De gamle og de ny er omtrent ens;
Indretningen er naesten overalt den samme, og saavel det indre som det
ydre Udseende retter sig efter den hollandske Mode, der gr sig
gaeldende fra Fan til Helgoland (pg. 71).]

Wo die Art der Wnde und die Gre der Zimmer es erforderlich macht,
ruht die Decke auf Balkendurchzgen; darber liegen die dicht gefugten
Bretter, auf denen unmittelbar zugleich die Vorrte des Bodens
aufgestapelt sind. In lteren Husern sind Decken und Durchzge farbig
gestrichen[325], in den spteren wieder wei. Es scheint, da in der
Glanzzeit des Halligwohlstandes etwa in der ersten Hlfte des 18.
Jahrhunderts, wo die mnnliche Bevlkerung im Dienste von Hamburger,
Bremer, Flensburger u. a. Rhederfirmen dem noch sehr eintrglichen
Walfisch- und Robbenfang im Polarmeer nachging, die Freude an Farben
lebhaft gewesen sei; sie hat sich auch auf den Schmuck des Hausgertes
erstreckt, wie wir in einer spteren Mitteilung sehen werden. Mit dem
langsamen Versiegen dieser Quelle sehr reichen Verdienstes und der
rapiden Abnahme des Halliglandes, der Wirtschaftsstellen und der
Einwohner trat Nchternheit an die Stelle frohen Lebensgenusses, und
heut schwinden rasch die letzten Reste des schmuckreichen alten
Besitzes, um fr den Erls dringendere Bedrfnisse befriedigen zu
helfen.

In Husern des Festlandes und auf greren Inseln, die bei gleichen
wirtschaftlichen Bedingungen auch eine den Hallighusern ganz hnliche
Einrichtung zeigen, fand ich wiederholt in der Wohnstube die groe
Eckbank des frnkischen Hauses von ganz derselben Art, wie sie Henning
auf S. 10 durchaus zutreffend beschreibt; sie kommt auch auf den
Halligen vor, wo man indessen die zum Sitzen bequemeren Sthle
bevorzugt. Praktisch fr gewhnlich nicht sehr groe Zimmer sind die
Tische am Wandpfeiler zwischen den Fenstern: in unbenutztem Zustande
haben sie eine sehr schmale, etwa 1 m lange Platte, von der nach beiden
Seiten Klappen bis nahe an die Diele herabhngen. Zur Sttze der
letzteren dienen im Bedarfsfalle entweder aus dem Tischkasten
herausziehbare Arme oder eine sinnreiche Vorkehrung: jedes Brett der
Langwand des Tischkastens ist vertikal bis zur Mitte seiner ganzen Lnge
durchgeschnitten, so da es also bis dorthin aus 2 Brettchen von der
halben Strke der brigen Kastenwnde besteht. Das uere Brettchen lt
sich in Scharnieren vom Mittelpunkt des ganzen Brettes aus drehen und
mit ihm die Hlfte eines ebenfalls vertikal durchschnittenen
Tischbeines, in welches das drehbare Brettchen am oberen Ende
eingelassen ist. Werden also beide Klappen aufgeschlagen, so ruht der
Tisch auf 2 vollen und 4 geteilten Beinen und seine frhere Lnge
entspricht nun seiner Breite.

[Funote 325: Vergl. die Abbildung der Deckenmalerei des Knigshauses
auf Hooge bei Mejborg, pg. 75.]

Vielbeschrieben sind die den Schiffskojen ganz hnlichen Wandbetten in
tiefen Nischen mit Raum fr 2 Personen. Am Tage sind sie durch Vorhnge
geschlossen, von denen das germanische Museum ein altes Muster mit der
Opferung Isaaks besitzt, oder durch Bretterthren, die frher bemalt zu
werden pflegten. ber den Thren fehlen jetzt die alten sinnigen
Sprche, die noch das vorige Jahrhundert anzubringen liebte in der
Weise, wie Jessen das bei Haupt, Bd. I pg. 435 dargestellt hat. Wie das
Kojenbett kein bewegliches Gestell bildet, sondern organisch mit den
Schiffswnden verwachsen ist, so auch das friesische Wandbett, dessen
Kasten sich nahezu in Tischhhe ber der Stubendiele befindet. Da
whrend des Tages die Thren oder die Vorhnge geschlossen sind, so
bersieht zwar der Besucher, da er eigentlich in einem Schlafzimmer
empfangen wird, dafr aber ist die Lftung der Nischen eine sehr
mangelhafte. Wandbetten findet man sowohl im Pesel wie in der Dnse, in
greren Husern jedoch bleibt eins oder das andere Zimmer frei davon,
weil die nach Norden gelegenen Hinterstuben und Kammern gengende
Lokalitten dafr bieten. Wie brigens der Friese im allgemeinen sehr
berlegt und genau ist im Ausdruck, so entspricht es ganz besonders der
Ausdrucksweise einer Schiffer- und Inselbevlkerung, nicht von Vorder-
und Hinterzimmern zu sprechen, sondern die Lage der Rume geographisch
zu bezeichnen; man hat also Norder- und Sder-Stuben oder andere bi
Osten und bi Westen.

Bemerkenswerth sind sodann die eisernen Einlegerfen. Sie bestehen aus
eisernen Ksten in der Form eines Parallelepipedons, dessen eine
Schmalseite in die Wand nach dem Inneren des Hauses eingelassen ist. Die
drei freien Seitenwnde weisen in Flachrelief vorzugsweise Scenen aus
der biblischen Geschichte auf, sehr oft mit der Jahreszahl, von denen
die lteste, welche ich auf den Halligen las, 1593 lautete. Diese Zahl
entspricht natrlich nicht mehr zugleich dem Alter des betreffenden
Hauses, denn Sturmfluten vermgen wohl Gebude zu zertrmmern und ihre
schwimmbaren Bestandteile fortzufhren, die schweren Eisenfen dagegen
blieben auf den Werften zurck und fanden im Neubau wieder Verwendung.
Nicht ganz 1 m. in das Zimmer hineinragend, ruht hier der Ofenkasten auf
2 eisernen Fen, und auf den Ecken darber zieren ihn blankgeputzte
Messingkugeln. Geheizt werden die fen vom Herd aus, indem durch eine
ffnung in der Wand glimmende Ditten hineingelegt werden, andere fen,
die vom Herd aus nicht erreichbar sind, haben ihre eigene
Heizvorrichtung mit eigenem Schornstein. Unter dem Ofen bemerkt man in
jedem Hause Blechbchsen mit wohlschmeckendem Buttergebck, womit man
Gste zu bewirten pflegt. Verschwunden dagegen ist aus den meisten
Husern der messingne Stlp, der in der Form einer mitten
durchgeschnittenen lnglichen Wanne bestimmt war, unter ihm Speisen auf
der Oberplatte des Ofens warm zu halten. Von ganz einfachen, glatten
Exemplaren fortschreitend gab es solche mit mannigfach wechselnden ein-
bis mehrreihigen Bandornamenten, von welchen letzteren wir ein
treffliches Muster erworben haben.

Am Ende der Diele, also der gewhnlichen Orientierung entsprechend nach
Norden liegt die Kche mit groem, gemauertem, offenem Herde unter einem
mchtigen Rauchfang. An der rechten und linken Seite der Plattform sind
Zge fr die beiden Feuerungsstellen eingemauert, darber feste Roste
fr das Brennmaterial und bewegliche Roste, auf denen die Tpfe stehen.
Zwischen den Zgen liegt im Herdbau der Backofen, nur mit einem
Holzdeckel an seiner Zugangsffnung verschlossen, und vor ihm in dem
gepflasterten Kchenboden bemerkt man einen zweiten Holzdeckel ber
einer Vertiefung, in welcher die Hausfrau die Fe einstellt, whrend
sie beim Backen vor dem niedrigen Ofen auf der Diele sitzt. Oft ragt
neben dem Herd ein viereckiger Schacht durch die Decke nach dem Boden
empor, wo das Brennmaterial aufbewahrt wird, die Ditten; durch denselben
werden sie herabgeworfen und vermittelst eines Thrchens daraus
hervorgeholt. Neben der Kche finden wir eine Speisekammer und die
Norderstube oder eine Kammer mit Wandbett, unter einem dieser Rume den
Keller, nach der anderen Seite der nrdlichen Hlfte die Stlle, soweit
sie nicht wie in Figur 8 und 9 der Halligen der Nordsee in besonderen
Anbauten untergebracht sind. In unserem Grundri 2 berrascht in der
Stallabteilung ein besonderer Brunnenraum mit einer Erdsoodencisterne
zum Auffangen des Regenwassers fr das Vieh. Das sind vereinzelte
Anlagen, sowohl die aus Ziegeln gemauerten wie die Soodencisternen
liegen sonst auerhalb des Hauses, diese mit dem Trinkwasser fr die
Menschen in vestibulo domus, wie schon Plinius berichtet, d. h. in dem
gehegten Raume vor dem Hause, der jetzt von wohlgepflegten Grtchen
eingenommen zu werden pflegt, jene mit dem Trinkwasser fr das Vieh auf
der Nordseite.

ber dem ganzen Hause ruht das mchtige Dach, das einen einzigen,
ungeteilten Bodenraum umschliet. Die Balkenlage sttzt sich teils auf
das Gemuer des Wohngeschosses, teils auf die starken eichenen Stnder,
die tief in den Werfthgel eingelassen und an den 4 Ecken in die
Hausmauer eingeschlossen sind. Die Stnder haben den oft genug
thatschlich erfllten Zweck, den Dachboden als den wichtigsten Teil des
Hauses in Zeiten der Gefahr zu tragen, wenn die Mauern und Wnde durch
die Wucht hochgespannter Sturmfluten eingedrckt waren; denn in solchen
Zeiten retten sich die Bewohner mit ihren Schafen auf den Boden als
ihren einzigen Zufluchtsort. Das krftige Gesprr wird gesttzt durch
einen Firstrahmen mit Kehlbalken und Firstsulen, denn das auf
dichtgereihten Latten ruhende Rohrschaubendach hat den Druck von hufig
genug orkanartigen Strmen auszuhalten. Wo ein Haus mit den Giebeln an
Nachbarhuser stt, ist es mit einem einfachen Satteldach gedeckt, wo
es freisteht, mit einem Walmdach, dessen Walme entweder ganze oder
Krppelwalme sind. Nicht mehr so regelmig wie frher ragt auf den
Halligen ein Giebel aus dem Dache ber der Eingangsthr hervor, wie er
sonst charakteristisch ist fr das friesische Haus auch auf den
Utlanden.

Den grten Teil des Bodens nehmen festgestopft bis unter die
Rohrschauben die Heuvorrte ein, der einzige Ernteertrag, den die
Halligen bei ihren zu jeder Jahreszeit vorkommenden berschwemmungen
liefern knnen. Das Heu wird so fest eingelegt, da es das Dachgerst
sttzen hilft und zum Gebrauch mit scharfen Spaten abgestochen wird. Der
brige Theil des Bodens beherbergt Kisten und Kasten und vor allem
Wintervorrte fr den Haushalt, die im Herbst von Husum und Wyk auf Fhr
fr mehrere Monate beschafft werden mssen, weil mit Beginn der
Eisbildung auf den Watten die Halligen so gut wie von jedem Auenverkehr
abgeschnitten sind.

Das Innere eines Hallighauses in seiner ganzen Behaglichkeit hat in
letzter Zeit Jacob Alberts in mehreren lgemlden dargestellt; seine
Studien und ausgefhrten Bilder waren 1894 der Gegenstand einer
besonderen Ausstellung in Kiel, seit welcher sich sein bekanntestes
Bild, der Knigspesel auf Hooge, im Museum daselbst befindet. Das erste
Heft des Jahrganges 1895 der Graphischen Knste, hat vortreffliche
Reproduktionen seiner Arbeiten gebracht, auf die hiermit hingewiesen
sein mge. In einem spteren Aufsatz sollen die wichtigsten Stcke der
bisher erworbenen inneren Ausstattung besprochen und in Abbildungen
vorgefhrt werden. Vielleicht tragen diese Anregungen dazu bei, dem
Museum in seinen Bemhungen um die Aufstellung eines friesischen Zimmers
nebst Kche materielle Untersttzung zu verschaffen, deren es bei der
raschen Verschleppung der letzten alten Ausstattungsstcke in die Huser
vermgender Sammler und bei der Kostspieligkeit des Erwerbes wie des
Transportes dringend bedarf. Was im Privatbesitz sich ziemlich zwecklos
verbirgt, wrde im germanischen Museum den Tausenden von Besuchern aus
allen Teilen Deutschlands zur Freude und Belehrung zugnglich sein.

_Nrnberg._

                                                  Dr. _Eugen Traeger_.




                                Drer.


                         Kleine Mitteilungen.

Nach Lochner's Darlegungen im Korrespondenten von und fr Deutschland,
1858, Nr. 421, nimmt man allgemein an, da der Schwiegervater des
lteren Albrecht Drer Hieronymus Holper geheien habe, und nicht
Haller, obgleich alle uns erhaltenen Abschriften der Familienchronik die
letztere Lesart aufweisen. Es ist nicht zu leugnen, da Lochners
Hypothese groe Wahrscheinlichkeit fr sich hat, andererseits aber nicht
zu vergessen, da zwingende Beweiskraft dem von ihm beigebrachten
Material nicht innewohnt, da sehr wohl ein tckischer Zufall hier sein
Spiel getrieben haben kann. Es liegt mir fern, diese an sich
nebenschliche Frage zum Gegenstande einer eingehenden Untersuchung zu
machen, sondern ich mchte nur einiges Material ber die
Verwandtschaftsverhltnisse von Drers Schwiegereltern beibringen, die
zu allerhand Vermutungen Anla geben. Hans Frey, Drers Schwiegervater,
war vermhlt mit Anna, Tochter Wilhelm Rumels und dessen Ehefrau
Kunigund, geb. Hallerin oder Mnzmeisterin von Bamberg, Schwester von
Anton Haller, Genannten und Richter zu Whrd. Die Familie Frey war also
zweifellos mit einer Nebenlinie der Haller verwandt. Ist das gleiche
auch mit Drer der Fall, dann erscheint die immerhin auffallende
Thatsache, da der begterte und angesehene Hans Frey sich fr seine
Tochter um den jungen Malergesellen bewirbt, in ganz anderem Lichte: die
Familien waren bereits durch verwandtschaftliche Bande mit einander
verknpft und es herrschte demgem ein vertrautes Verhltnis zwischen
ihnen, das einen solchen Schritt erklrt. -- Gehrte auch Johann Haller
aus Rothenburg o. d. T., der Schler Kobergers, der 1491 das Brgerrecht
in Krakau erwarb und dort eine Druckerei grndete, zu dieser
Verwandtschaft? Hat er vielleicht Drers, des jungen Verwandten,
Wanderschaft beeinflut, so da Burckhardt mit seiner Annahme von Drers
Aufenthalt in Krakau Recht htte?

                   *       *       *       *       *

Der Entwurf zur Widmung der Befestigungslehre (Drers schriftlicher
Nachla S. 201) befindet sich noch auf dem stdtischen Archiv zu
Nrnberg (D. 394-397) und stammt, wie Campe richtig angibt, von
Pirkheimer.

                   *       *       *       *       *

Die Abschriften der Heller-Briefe, die sich zur Zeit der Herausgabe von
Drer's schriftlichen Nachla (S. 43) nicht auffinden lieen, befinden
sich nicht mehr auf der Hof- und Staatsbibliothek in Mnchen, sondern
nach Mitteilung des Herrn Konservators Bayersdorffer im kgl.
Kupferstichkabinett daselbst.

                                                                    F.


                           Leonhard Danner.

Zu dem Artikel Aus der Plakettensammlung II sei nachtrglich erwhnt,
da der unter Danner angefhrte Brettstein nebst einer Reihe anderer,
sicher auf diesen Knstler zurckzufhrender, von Stockbauer, Bayer.
Gewerbe-Zeitung 1888, Nr. 1, beschrieben wurde.

                                                                    F.




     Das schleswig-holsteinische Frontale im germanischen Museum.


Zu den wertvollsten Schtzen des germanischen Museums zhlt ein in der
Kirche aufgestelltes Frontale. Es drfte nicht berflssig sein, das
Interesse der Besucher der Sammlung auf dieses schon durch seine
Seltenheit und sein Alter kostbare Stck zu lenken.

Die Seitenwnde, vornehmlich aber die Vorderwand des Altares zu
schmcken, sei es durch Vorhnge, sei es durch eine Vorsatztafel
(antependium, frontale, antemensale) ist jedenfalls eine sehr alte
Sitte, welche bis in die frhchristliche Zeit zurckreicht. Auf dem bis
etwa zum Jahre 1000 gewhnlich vom Ciborium berdachten Altar durften
nur die notwendigsten Gerte aufgestellt werden, das Kruzifix, die
Leuchter, das Mebuch und auerdem Reliquienbehlter. Fr figurale
Darstellungen bot sich also kein geeigneterer Platz, als die Seitenwnde
und die Vorderseite des Altares. Letztere whlte man naturgem
vorwiegend zur Anbringung bildlichen Schmuckes. Meistens scheint man
sich dabei einer metallenen Tafel bedient zu haben, sehr hufig auch des
Holzes, oder in Rahmen gespannter Gewebe. In einzelnen Fllen wurde
Stein verwandt. Diese Altarvorstze waren beweglich und konnten nach
Bedarf entfernt oder gewechselt werden. Fr die weitere Entwicklung des
Altarschmuckes wurde die Neigung zur Aufstellung einer immer greren
Anzahl prchtiger Reliquienbehlter auf der Altarplatte (mensa) von
Bedeutung. Diese Gegenstnde beengten den Raum der Mensa. Um nun diesen
wieder fr ungehinderte Ausbung der heiligen Handlung zu gewinnen, ohne
doch den prchtigen Schmuck der goldenen und silbernen Reliquienbehlter
entbehren zu mssen, errichtete man hinter der Mensa eine sie
berragende Steinwand (retabulum) die zur Aufstellung kirchlicher
Prunkgefe diente. Das Retabulum selbst bot eine neue Flche fr
Anbringung figuraler Darstellungen, die man nicht unbenutzt lie. In
derselben Weise, wie beim Schmuck der Stirnwand des Altares verfuhr man
auch hier und so entwickelte sich ber dem Frontale ein
Superfrontale[326]. Aus dem Retabulum mit dem Superfrontale ging unter
der Herrschaft der Gotik der reichgeschnitzte und bemalte, in die Hhe
und Breite wachsende Flgelaltar hervor, whrend gleichzeitig das
Frontale mehr und mehr seinen bildlichen Schmuck verlor und sich in eine
ornamental verzierte Altarbekleidung umwandelte. Das metallene
Antemensale verschwindet im Laufe der ersten Hlfte des XIII.
Jahrhunderts, an seine Stelle tritt die zuweilen geschnitzte, meist
bemalte Holztafel und vor allem gewebte Antependien.

[Funote 326: Auerordentlich interessant ist ein Altar aus dem XII.
Jahrhundert in Lisbjerg (Dnemark). Er besitzt bei einem reich
figuralgeschmckten Frontale ein Superfrontale, das in einreihiger
Darstellung den thronenden Christus, zu seinen Seiten je sechs Apostel
in Bogenstellung zeigt. Darber wlbt sich auf medaillonverzierten
Unterstzen ein mchtiger Halbbogen, in dem der Kruzifixus mit Maria und
Johannes unter dem Kreuz sich befindet. Das Ganze wird gekrnt durch
einen Aufsatz, der unter einem mittleren greren Bogen den thronenden
Heiland enthlt, whrend in den nach beiden Seiten niedriger werdenden
drei Bgen anbetende Gestalten dargestellt sind.]

Aus der hier kurz gegebenen Entwicklung der Altarbekleidung ergibt sich,
da sich das metallene Frontale mit figuralem Schmuck allgemein nur bis
zum Beginn der Gotik findet[327]. Die erhaltenen romanischen
Antemensalien sind in ihrer greren Zahl gewebte, bemalte oder
gestickte Antependien, ferner bemalte, sehr selten geschnitzte
Holztafeln. Metallene Frontalien sind nur in geringer Anzahl berkommen.
Doch darf man daraus nicht den Schlu ziehen, sie wren seltener
angewandt worden, denn der Not und dem Kampfe der Zeiten muten solche
Stcke leichter als weniger kostbare zum Opfer fallen. Dieses Schicksal
hatte z. B. eine am Ende des XII. Jahrhunderts aus Gold und Silber
gefertigte Altartafel des Klosters Petershausen. So wurde auch im XVI.
Jahrhundert der mit Edelsteinen gezierte Altar aus dem Dom zu Merseburg,
ein Geschenk Kaiser Heinrich II., Kriegsbeute.

Doch sind einige metallene Altarvorstze in Deutschland erhalten
geblieben: Im Schatze des Mnsters zu Aachen 17 getriebene Goldplatten
aus dem X. Jahrhundert[328], ein goldenes Frontale, das Kaiser Heinrich
II. 1019 dem Mnster zu Basel gestiftet hat[329]. Jetzt befindet es sich
im Hotel Cluny zu Paris. In der Stiftskirche zu Komburg in Wrttemberg
ist ein kupfernes, vergoldetes, mit Emailarbeit und Edelsteinschmuck
versehenes Frontale aus dem XII. Jahrhundert[330]; ferner ist das
Antemensale der Ursulakirche in Kln zu nennen, von gleicher Arbeit und
aus gleicher Zeit wie das vorige[331]. Ein hervorragendes Werk deutscher
Emailarbeit ist das Frontale in Kloster-Neuburg, das in drei Reihen die
Heilsgeschichte zur Anschauung bringt[332].

Das zuletzt entdeckte unter der geringen Anzahl in Deutschland
erhaltener Frontale ist das im germanischen Museum aufgestellte, aus
Quern in Angeln (Kreis Flensburg, Schleswig-Holstein) stammende.

Erwhnt wird das Querner Frontale von Haupt in seinen Bau- und
Kunstdenkmlern der Provinz Schleswig-Holstein Bd. I. S. 321; ferner in
der schleswig-holsteinischen Kirchengeschichte, nach hinterlassenen
Handschriften von H. N. A. Jensen, herausgegeben von A. L. J. Michelsen
Bd. II. S. 267. Auch in Ottes Handbuch der kirchlichen Kunstarchologie
des deutschen Mittelalters Bd. I. S. 136 findet es eine kurze Erwhnung.
Eine ausfhrlichere Beschreibung widmet ihm J. P. Trap in seiner
Statistisk-topographisk Beskrivelse af Hertug-demmet Slesvig Bd. II. S.
500 und 501. Endlich darf wohl angenommen werden, da das von J. von
Schrder in seiner Topographie des Herzogtums Schleswig S. 414 erwhnte
kupferne Altarblatt mit dem Brustbild Christi und den vier
Evangelistenzeichen unser, hier allerdings ungenau beschriebenes
Frontale sein soll. Wenigstens haben meine Nachforschungen am Orte
selbst keinen Anhalt ergeben fr die Annahme, da noch ein zweites
kupfernes Altarblatt in Quern sich befunden habe.

[Funote 327: Von einem metallenen gotischen Antemensale mit figuraler
Darstellung spricht Bouillart in seiner Geschichte der Abtei von St.
Germain. Er berichtet von einem Frontale (1404) mit Sulenbndeln und
Fialen, in dessen Nischen die Bilder des Johannes, des Philippus, des
Germanus und der heiligen Catharina stehen. Laib und Schwarz, Studien
ber die Geschichte des christlichen Altars S. 19.]

[Funote 328: Abbildung aus'm Weerth. Tafel XXXIV. 1.]

[Funote 329: Abbildung Laib und Schwarz, Studien ber die Geschichte
des christlich. Altars. Tafel IV. Fleury, La messe Pl. LXXXVI. Anton
Springer, Handbuch der Kunstgeschichte Bd. II. S. 198 u. s. w.]

[Funote 330: s. Paulus. Kunstdenkmler von Wrtenberg. Laib und
Schwarz, Studien ber die Geschichte des christlichen Altars. Tafel V.
Boissere Denkmler Tafel XXVII.]

[Funote 331: Abbildung Bock, das heilige Kln. Tafel XVIII. 69.]

[Funote 332: siehe darber: Der Altaraufsatz im regul. Chorherrenstift
zu Kloster-Neuburg, von Dr. Gustav Heider. Karl Drexsler. Das Stift
Kloster-Neuburg.]

Das Frontale im germanischen Museum stammt aus der St. Nicolaikirche in
Quern, einem romanischen Quader- und Feldsteinbau, der in seiner
ursprnglichen Form dem XII. Jahrhundert angehren mag. Die Altartafel
wurde, wie Haupt mutmat, am Ende des XVII. Jahrhunderts mit Flgeln
versehen, die eine schlecht gemalte Darstellung des Abendmahls und der
Kreuzigung enthalten. In dieser Form diente sie als Altaraufsatz. Unter
dem 31. Oktober 1881 beschlo das Kirchenkollegium, das Antependium,
welches seit 1869 hinter dem Altar gehangen hatte, und dessen
Altertumswert niemand ahnte, nebst zwei messingenen Altarleuchtern fr
300 Mk. zu verkaufen[333]. Eine Zeit lang war das Antemensale im
Hamburger Museum fr Kunst und Gewerbe ausgestellt und wurde schlielich
vom germanischen Nationalmuseum in Nrnberg erworben.

Die Querner Altartafel ist zwei Meter lang und ein Meter hoch, von stark
vergoldetem Kupferblech, aus einzelnen unregelmig geschnittenen
Platten zusammengesetzt. Die Aureole in der Mitte der Tafel ist 580 mm.
hoch, 432 breit, der obere Rand hat 30, die innere Abschrgung 32 mm.
Die Bogennischen haben eine Hhe von 340 und eine Breite von 60 mm. Der
mittlere Ornamentstreifen ist 40 mm. breit. Die Figuren haben folgende
Maae: Die Christusfigur mit der Gloriole 400 mm., der geflgelte Mensch
290 mm., die brigen Figuren messen 270-280 mm. von der Hake bis zum
Scheitel. Die unbrtigen Kpfe haben ein Maa von 45-50 mm., die
brtigen von 60-70 mm.

Inhalt und Einteilung der Tafel sind die fr das Frontale um 1200
allgemein blichen. In krftig getriebenem Relief, das die Kpfe und
oberen Krperpartien besonders stark hervortreten lt, zeigt sie in
einer von den vier Evangelistensymbolen in der Reihenfolge Matthus,
Johannes oben, Marcus, Lucas unten, umgebenen, zugespitzten elliptischen
Aureole den Salvator auf tuchbehangenem Thron, die rechte Hand segnend
erhoben, die linke auf das Buch des Lebens gesttzt. Die Fe stehen auf
einem Schemel. Der brtige Kopf des Heilands ist von einer Gloriole
umgeben, welche die Kreuzform in bekannter Weise enthlt. Das Bild hebt
sich von schuppenartig gemustertem Grund ab. ber der Aureole ist die
Taube, unter der Aureole das Lamm mit Heiligenschein und Fahne in
typischer Darstellung gegeben. Zu beiden Seiten des groen Mittelfeldes
sind je sechs Apostel zu drei und drei ber einander in romanischer
Rundbogenstellung angeordnet. Petrus ist durch den Schlssel
ausgezeichnet, die brigen Apostel tragen das Buch. Die obere und untere
Bogenstellung werden durch einen Ornamentstreifen getrennt; ebenso ist
die Aureole durch Ornamentstreifen gebildet. Ein Rundstab scheidet die
Tafel von dem nach innen abgeschrgten Rand. Auf letzterem findet sich
in Beziehung auf das Salvatorbild die mit Gold gemalte Inschrift: Sum
lux eterna residens in sede superna. -- Lux ego sum vite per me sup
astra venite.

[Funote 333: Eine Mitteilung, die ich dem Herrn Pastor H. Flor in
Gro-Quern verdanke.]

Mit Bezug auf die Bestimmung des Altares heit es weiter: Est deus hic
regnans hic sacratur et ebibitur roseus cruor agni per quem sulphurei
tepuit violentia stagni. -- Die erste Umschrift beginnt ber der letzten
Bogennische links von der Aureole und endigt unter Petrus. Dort setzt
die zweite Umschrift ein.

Der Querner Tafel fast gleich nach Inhalt und Einteilung ist das dem
XII. Jahrhundert angehrende Antemensale aus der Stiftskirche zu Komburg
in Wrttenberg. In der Mitte zeigt es gleichfalls die Aureole in Gestalt
einer zugespitzten Ellipse mit der hier allerdings stehenden und auch
sonst abweichenden Heilandfigur. Durch gerade verlaufende
Ornamentstreifen wird das Mittelfeld von den Seitenfeldern abgetrennt.
In den so um die Aureole entstehenden vier Zwickeln sind die
Evangelistensymbole angebracht in derselben Reihenfolge wie auf der
Querner Tafel. Die Seitenfelder gleichfalls durch gerade verlaufende
Ornamentstreifen abgeteilt und darin von der Querner Tafel abweichend,
enthalten in gleicher Anordnung, zu drei und drei ber einander
beiderseits je 6 Apostel. Die Reihenfolge unter den Aposteln selbst ist
allerdings insofern eine andere, als in dem Komberger Antemensale
Petrus, der hier noch nicht mit dem Schlssel dargestellt ist, in der
oberen Reihe rechts zu nchst dem Mittelfelde steht, whrend er in dem
Querner Frontale an der entsprechenden Stelle in der unteren Reihe
rechts seinen Platz gefunden hat.

Dem Komburger Antemensale nahe verwandt ist die Altartafel in St. Ursula
in Kln. Die brigen von mir angefhrten metallenen Frontalien aus
Deutschland weichen vllig ab von dem Typus, den die Querner Tafel
zeigt. So stellt der berhmte goldene Altarvorsatz aus dem Mnster zu
Basel unter 5 hohen schmalen sulengetragenen Rundbgen Christus mit den
3 Erzengeln und dem heiligen Benedictus dar. Die Tafel aus
Klosterneuburg entbehrt ganz des plastischen Schmuckes, sie giebt in
vortrefflicher Emailarbeit die Heilsgeschichte wieder.

In Schleswig-Holstein selbst finden sich einige hlzerne Altarvorstze,
die bezglich ihrer Einteilung und des Inhalts ihrer Darstellung
bemerkenswerte hnlichkeit mit der Querner Tafel zeigen. Zunchst ist in
der alten Kirche zu Ekwadt (Kreis Apenrade) vor der Mensa ein
sptromanischer, um 1200 gefertigter Vorsatz[334], der genau dieselbe
Einteilung hat. Die Mitte nimmt die Aureole ein in Form einer
zugespitzten Ellipse, die hier freilich keinen Raum mehr fr eine
Darstellung der Taube und des Lammes (ber und unter sich) freilt.
Dagegen sind fr die Anbringung der 4 Evangelistenzeichen an gleicher
Stelle wie bei der Querner Tafel Teile von der Ellipse durchschnittener
Bgen ausgespart. Zu beiden Seiten des Mittelfeldes finden wir auch hier
in 2 Reihen je 3 Bgen. Leider sind die Figuren aus dem Frontale
verloren gegangen. Man darf jedoch bei der vlligen Gleichheit der
Einteilung des Rahmens auch annehmen, da der von ihr umschlossene
figrliche Inhalt derselbe war, wie ihn das Querner Antemensale besitzt.
Wir drfen das um so unbedenklicher thun, als sich in Hellewadt[335], in
der Nhe Ekwadts, ein dem Ekwadter gleiches Frontale befand, welches
zwar 1878 zerstrt ist, aus dem sich aber ein thronender Christus und 8
Apostel erhalten haben. Beachtenswert sind beide Stcke auch deswegen,
weil Bgen, Sulen und Figuren nicht nur gemalt, sondern in
Holz geschnitzt sind. Ein hnliches Stck soll sich in der
Universittssammlung zu Christiania befinden.

[Funote 334: Haupt Bau- und Kunstdenkmler der Prinz
Schleswig-Holstein. Bd. I, S. 24.]

[Illustration: Taf. IV.

Frontale aus der Kirche zu Quern in Holstein.]

Die Frontalien des XII. Jahrhunderts geben sehr oft Vorgnge aus der
Heilsgeschichte, meist in 3 Reihen von Bildern, wieder, so das
Antemensale aus Stroddetorp im Museum zu Stockholm[336] ferner die Reste
eines norwegischen kupfernen Frontale, das Bendixen in den Bergens
Museums Aarsberetning for 1890 bespricht. Um 1200 scheinen die frher
beliebteren scenischen Darstellungen der Anbringung einzelner Figuren in
umgrenztem Felde zu weichen und fr Letztere wurde Einteilung und Inhalt
der Darstellung, wie sie die Querner Tafel zeigt, typisch. Bis in die
Zeit der Gothik hinein hat sich diese Tradition, ohne freilich zur
ausschlielichen Herrschaft zu gelangen, erhalten. So finden wir in
einem hlzernen gotischen Antemensale in Riseby (Kreis Eckernfrde) das
Haupt in den Anfang des XII. Jahrhunderts setzt[337] bei gleicher
Einteilung Christus mit den Aposteln in gleicher Anordnung wieder.
Dasselbe ist in einem ungefhr gleichzeitigen norwegischen Frontale aus
der Kirche von Ulvik in Hardanger[338] der Fall, nur ist hier die
Aureole abweichend gestaltet.

Die Darstellung des Heilandes in der Aureole, umgeben von den
Evangelistensymbolen, ist in romanischer und frhgotischer Zeit eine
beraus hufige. Seit dem XII. und XIII. Jahrhundert scheint man meist
die, auch in unserer Tafel angewandte Reihenfolge der Symbole
(geflgelter Mensch und Adler oben, Lwe und Ochse unten) bevorzugt zu
haben.

Es wrde aber doch nicht unbedenklich erscheinen, die Reihenfolge der
Evangelistensymbole als weiteren Anhaltspunkt zur Datierung der Querner
Tafel zu bentzen. Ebensowenig drfte die Darstellung der Symbole in
ganzer Figur (wie in dem Querner Altarvorsatz) oder in halber Figur (wie
im Komburger Frontale) auf einen zu verschiedenen Zeiten allgemein
blichen Gebrauch zurckzufhren sein. Auch ist es mir zweifelhaft, ob
die anthropomorphe oder nichtanthropomorphe Gestaltung der Symbole ein
fr die Datierung zu benutzendes sicheres Merkmal bildet. Dagegen darf
zur Bestimmung der Entstehungszeit darauf hingewiesen werden, da Petrus
in dem uns vorliegenden Antemensale als Attribut den Schlssel in den
Hnden hlt. Das XII. Jahrhundert stellt die Apostel entweder mit einer
Schriftrolle oder mit einem Buch versehen dar. Die Gotik charakterisiert
die einzelnen Apostel durch bestimmte Attribute. Das XIII. Jahrhundert
beginnt damit, Petrus mit einem solchen zu versehen und zwar wird ihm
entweder das Schwert gegeben, wie die aus dem Frontale zu Hellewadt
erhaltene Figur des Apostels zeigt, oder man stellt ihn den Schlssel
tragend dar. Ich mchte glauben, da die letztere Art der
Charakterisierung des Petrus die jngere ist. Jedenfalls scheint die
Petrusfigur aus dem Hellewadter Frontale, die neben dem Schwert auch
noch die ursprngliche Schriftrolle trgt, lter zu sein, sie stammt,
wie oben gesagt, aus der Zeit um 1200. Das Querner Frontale wrde danach
in den Anfang des XIII. Jahrhunderts zu setzen sein.[339]

[Funote 335: Haupt Bau- und Kunstdenkmler der Provinz
Schleswig-Holstein. Bd. I, S. 34.]

[Funote 336: Fleury, la mes pl. LXXXVIII.]

[Funote 337: Haupt. Bd. I, S. 185.]

[Funote 338: Bendixen, Bergens Museums Aarsberetning for 1893.]

Dafr spricht auch der Stil der Figuren selbst. Auf den ersten Blick
erinnern die in lange Gewnder gehllten, wenig proportionierten
Gestalten, mit den schmalen, schrg abfallenden Schultern, den stark
herausgetriebenen Kpfen und den mehr in die Flche zurcktretenden
nackten Fen an die Plastik des beginnenden XI. Jahrhunderts, etwa an
die Erzthr im Dom zu Hildesheim. Bei aufmerksamerer Betrachtung
entgehen uns aber in dieser unbeholfenen und zum Teil rohen Arbeit nicht
die Zge, welche die Kunstblte im Anfang des XIII. Jahrhunderts
auszeichnen. Der Trieb nach treffenderer Wiedergabe des Wirklichen, nach
freierer Bewegung der Gestalten und die nicht ungeschickte Behandlung
des Stofflichen. Die rechte, segnend erhobene Hand des Heilandes ist
noch vllig konventionell. Sie steht fast in rechtem Winkel zum Arm,
eine Haltung, die in Wirklichkeit auerordentlich schwierig, wenn nicht
unmglich sein wrde. Die Stellung der Finger der segnenden Hand (der
kleine Finger und der Ringfinger sind eingeschlagen, whrend die brigen
3 Finger gestreckt sind) findet sich schon sehr frh, z. B. auf dem
erwhnten Buchdeckel des heiligen Bernward im Domschatz zu Hildesheim
und vielen anderen Stcken; ebenso noch in der sptromanischen Zeit, u.
a. in einer Miniatur in einem Evangelienbuch aus der ersten Hlfte
des XIII. Jahrhunderts in der Knigl. Schlobibliothek zu
Aschaffenburg.[340] -- Gut beobachtet dagegen ist die Stellung des
linken Beines; es ist stark angezogen, um dem Buche als Sttze zu
dienen. Bekleidet ist der Heiland mit einem langen, weitrmlichen
Gewand, das am Halse mit einem breiten, gemusterten Kragen abschliet
und in der Mitte des Krpers von einem breiten etwas nach oben
verschobenen Grtel gehalten wird. Nur ber die linke Schulter geworfen
ist ein Mantel, welcher das linke angezogene Bein bis bers Knie deckt.
In ganz derselben Weise finden wir den Salvator aus dem Antemensale zu
Hellewadt bekleidet, auch dort liegt der Mantel nur auf der linken
Schulter, ist dann freilich ber beide Beine geschlagen und rechts im
Grtel befestigt. Groe hnlichkeit mit dem Salvator in der Querner
Tafel zeigt der thronende Heiland in dem norwegischen Antemensale im
Museum zu Bergen, nur thront er dort auf dem Bogen und hat zu beiden
Seiten der Gloriole das Alfa und Omega. Leider ist in dem Querner
Frontale der Kopf des Heilandes eingedrckt, doch kann man deutlich
erkennen, da bei der Behandlung des Bartes und Haares zu feinerer
Ausarbeitung der Stichel angewandt ist. Seine Anwendung finden wir nur
noch einmal bei dem Apostel in der vom Mittelfeld aus ersten Bogennische
oben rechts im Frontale wieder. Die Figuren lassen ein gewisses Streben
nach natrlicherer und freierer Gestaltung nicht verkennen. Bei
Einzelnen wird der oft nicht ganz geglckte Versuch gemacht, durch die
Kleidung die Krperformen sehen zu lassen, so bei dem geflgelten
Menschen, dem Symbol des Matthus. Hier ist auch die Behandlung des
Faltenwurfes eine recht gute. Beim Petrus zeigen sich die Knie deutlich
durch das Gewand. Einer der Apostel (im Frontale rechts unten der
uerste), ist ganz in Profilansicht gegeben. Er schreitet eilend
vorwrts und die Kontouren seines Beines heben sich deutlich im Stoff
ab. berhaupt ist die Absicht unverkennbar, mglichsten Wechsel in
Haltung und Gebrden der Figuren eintreten zu lassen. Wenn dennoch
einmal 2 Gestalten groe hnlichkeit mit einander zeigen, wie die beiden
unbrtigen Apostel (in der oberen Reihe die uersten), so mu man zur
Erklrung in Betracht ziehen, da es gar nicht leicht ist, 12 Figuren,
die durch gleiche Bedeutung und gleiche Raumbeschrnkung gebunden sind,
berall in abweichender Stellung zu zeigen. Dazu kommt, da die Figuren
durch Sulen getrennt, keine Beziehungen zu einander haben. Allerdings
knnte es scheinen, als stnden die 3 Apostel oben rechts in einem
gewissen inneren Zusammenhang. Die beiden ueren Figuren wenden sich
der mittleren zu. Auch die Fustellung wrde mit solcher Annahme im
Einklang sein. Doch ist das wohl nicht mehr als ein zuflliges
Zusammentreffen, denn unter den brigen Aposteln ist irgend eine
Beziehung nicht zu konstatieren. -- Die meist brtigen Kpfe der Apostel
haben entschieden eine in die Augen fallende hnlichkeit, dennoch
besteht das Streben zu individualisieren wie in der Haltung und Bewegung
so auch hier; man betrachte z. B. den Kopf des Petrus, ferner den des
ber Petrus stehenden Apostels mit dem zugespitzten Vollbart. Hier ist,
wie bereits erwhnt, zur feineren Behandlung des Haares auch der Stichel
angewandt. -- Ein bemerkenswerter realistischer Zug zeigt sich in der
Wiedergabe der Tierleiber. So ist der geflgelte Ochse, wenn auch nicht
vllig richtig wiedergegeben, doch gut beobachtet in Bezug auf seine
Bewegung und nicht ungeschickt modelliert. Die Wendung des Kopfes mit
der herabhngenden Wampe findet sich freilich auch fter in romanischen
Werken frherer Zeit, ebenso das Hervortreten der groen und kleinen
Rippen. Beim Lwen, wo der Anfertiger auf Vorbilder oder seine Phantasie
angewiesen war, finden wir eine ganz typische Wiedergabe, die Fe sind
sogar stilisiert. Einen naturalistischen Zug bekundet dagegen wieder die
Bildung des Halses bei dem geflgelten Menschen. Hier zeigen sich
deutlich die Knorpelringe des Kehlkopfes. -- Nach Allem drfen wir wohl
im Stil der Figuren trotz ihrer augenflligen Mngel Zge der Kunst des
beginnenden XIII. Jahrhunderts als festgestellt annehmen.

[Funote 339: Abbild. u. a. Anton Springer, Handbuch der
Kunstgeschichte. Bd. II, S. 145.]

[Funote 340: Abbild. Knackfu deutsche Kunstgeschichte. Bd. I, S. 251.]

Der Mittelstreifen und der obere Rand der Aureole zeigen 2 einander
verwandte sptromanische Ornamente, die, zierlich in Zeichnung und
Ausfhrung, viel Verstndnis fr die Fllung des Raumes beweisen und in
ihrer Arbeit einen merkwrdigen Kontrast zu dem brigen groben
ornamentalen Schmuck des Frontales bilden. Von Letzterem fallen
besonders die urnenartigen Gebilde in den Bogenzwickeln auf. Sie
bestehen aus einem oberen, von einem Knopfe gekrnten, berquellenden
und einem sich nach unten, unter Anschlu an die Linien des
Bogenzwickels verengenden Teil. Dieser ist durch eine horizontale Linie
geteilt und lt unter ihr deutlich eine quadratische Vertiefung
erkennen. Der obere Teil zeigt vom krnenden Knopf abwrts verlaufende
Striche, mehr oder weniger deutlich unter der Farbe erkennbar. Ferner
luft eine Horizontale von einem Knopf zum anderen, nicht berall in
gleicher Hhe ber den Bgen. Unter ihr zu beiden Seiten der
vortretenden Bogenwlbung ist wieder je eine quadratische Vertiefung zu
bemerken. -- Die deutschen Frontalien geben uns keinerlei Analogien fr
diese eigenartige Dekoration. Wohl aber zeigen nordische Arbeiten
hnliches. In dem Superfrontale des Altares zu Lisbjerg (Dnemark)
findet sich eine sehr hnliche Bogenstellung, die in den Zwickeln klar
erkennbare Architektur zeigt. Bei mangelhafterer Ausfhrung knnte sie
recht wohl zu Formen fhren, wie sie die Querner Tafel ber den Bgen
hat. In dem norwegischen kupfernen Frontale im Museum zu Bergen lt
sich auch hierin eine nahe Verwandtschaft mit der Querner Tafel
konstatieren. Die Platten der zweiten und dritten Reihe haben dort
nmlich in den Bogenzwickeln fast vllig gleiche Gebilde, nur kann man
dort etwas deutlicher als hier erkennen, da Trme mit Fenstern
dargestellt werden sollten. So darf wohl angenommen werden, auch die
Dekoration ber den Bgen der Querner Tafel sollte Architektur
darstellen. Die Verwendung von Architekturformen, Kuppeln und Trmen,
ber der Bogenstellung ist ja eine keineswegs seltene, sie will in
naiver Weise gleichzeitig die Auen- und Innenansicht eines Domes geben.
Sehr oft findet sie sich in Miniaturmalereien, aber auch in der kleinen
und groen Plastik. Als Beleg fr letztere erinnere ich z. B. an die
Chorschranke der Michaelskirche in Hildesheim.

Die Kapitle und Basen der Sulen in dem Querner Frontale sind, wo sie
nicht verloren gingen, teils ornamentiert, teils glatt. Ein
systematischer Wechsel bei der Anwendung beider Formen lt sich nicht
feststellen. Die glatten Stcke bilden einfach einen von 2 Rundstben
eingefaten Wulst. Die ornamentierten Kapitle und Basen tragen
entschieden das Geprge der ersten Hlfte des XIII. Jahrhunderts. Auf
dem gleichfalls von Rundstben eingefaten Mittelstck wechseln
langgestielte Dreipabltter mit kurz gestielten, ber denen sich zur
Ausfllung des Raumes kugelartige Gebilde befinden, die unter der
bergoldung nicht deutlich zu erkennen sind. Besonders beachtenswert
ist, da in dem Sdportal der Querner Kirche selbst ein ganz hnliches
Kapitl vorkommt[341]. Das auch dort von 2 Rundstben eingefate
Mittelstck hat ebenfalls, allerdings etwas abweichend gestaltete
Dreipabltter. Das Sdportal gehrt offenbar dem Anfang des XIII.
Jahrhunderts an. Es ist spitzbogig, wechselt mit roten und schwarzen
Backsteinen, der innere Stab trgt das eben beschriebene Kapitl, seinen
Sockel bilden noch roh glasierte, schwarze, backsteinere Basen mit den
romanischen Eckblttern.

[Funote 341: Abbild. Haupt. Bd. I, S. 321, Fig. 458.]

Es haben in der Querner Kirche im Anfang des XIII. Jahrhunderts also
Umbauten stattgefunden. Nicht unwahrscheinlich ist die Annahme, da bei
dieser Gelegenheit auch das Frontale, welches, wie wir gesehen haben,
gleichfalls den Beginn des XIII. Jahrhunderts entstammt, zum Schmucke
des Altares angeschafft wurde.

Nach Stil und Technik gehrt die Querner Tafel dem Norden an. Und da
sich, wie wir sehen, hnliche, wenn auch nicht in Metall gearbeitete
Altarvorstze in Schleswig-Holstein gefunden haben (die Antemensale aus
Ekwadt und Hellewadt), drfen wir annehmen, da auch das Querner
Frontale im Lande selbst entstanden ist[342].

Leider ist das Querner Frontale mit Farbe dick berstrichen. Der Grund
der Aureole, sowie der Bogennischen ist blau. Die Figuren sind nochmals
bergoldet. Die Flchen ber den Bgen zeigen ein Braunrot, darin sind
die architektonischen Gebilde in den Zwickeln von hellerem Braun, unter
dem ein grner Anstrich liegt, mit vergoldetem oberen Teil. Die
Ornamentstreifen sind dunkelgrn mit Ausnahme eines links von der
Aureole durch ein glckliches Geschick dem Anstrich entgangenen Stckes
und des durchbrochenen vergoldeten Ornamentsstreifens in der inneren
Abschrgung der Aureole. Die Sulen sind rot und wei marmoriert und,
wie die Innenflche der Aureole, durch einen schwarzen Streifen
eingefat. Kapitle und Basen sind bergoldet. In den Bogennischen hat
man ohne Verstndnis fr die Bedeutung der Bogenstellung den Boden mit
gemaltem Pflanzenwuchs bedeckt. -- Die wenig schne Bemalung knnte etwa
aus der Zeit stammen, in der man das Antemensale mit den schlecht
gemalten Flgeln versah und zum Schreinaltar umbildete. -- Eine weitere
gewaltsame Umbildung mu der Altarvorsatz auch insofern erlitten haben,
als man ihm eine neue Unterlage, entschieden vor der Zeit seiner letzten
Bemalung gab. Die einzelnen unregelmig geformten Platten sind offenbar
nicht mehr auf der ursprnglichen Holzunterlage; sie sind nicht, wie es
in der Entstehungszeit der Querner Tafel geschah, mit Kupfernieten,
sondern mit groben geschmiedeten Ngeln befestigt. -- Jede Figur ist aus
einer Platte fr sich gearbeitet, die ausgetriebenen Formen wurden, um
dem durch die Bearbeitung dnn gewordenen Kupfer Halt zu geben, mit
einer Art Harz ausgegossen. Diese Fllungsmasse scheint stellenweise
verloren gegangen zu sein, wie der eingedrckte Kopf des Salvators
vermuten lt. Die die Figur umrahmenden Platten sind einfach
bergenagelt und zwar zum Teil so unachtsam, da ein Stck der Figuren
verdeckt wird, so der obere Rand des Nimbus bei dem geflgelten Menschen
und dem Apostel im erstem Bogen links. Die Platten, aus denen die Taube
und das Lamm gearbeitet sind, zeigen deutlich die schrg abgeschnittenen
Rnder. An einigen Stellen lassen die nicht ganz zureichenden
Metallstcke den Holzuntergrund sehen. -- Die Sulenkapitle und Basen
sind auf die ber einen runden Holzstab geschlagenen Sulen mit
geschmiedeten Ngeln leicht befestigt. Die verschiedene und nicht im
regelmigen Wechsel angewandte Form derselben legt den Gedanken nahe,
man habe die glatten Kapitle und Basen spter, als man das romanische
Ornament der Erhaltenen nicht mehr verstand, zur Ergnzung der etwa
verloren gegangenen Kapitle und Basen hinzugethan. Doch zeigen auch
andere nordische Frontale, so das norwegische im Museum zu Bergen,
denselben unregelmigen Wechsel zwischen glatten und ornamentierten
Stcken. -- Sptere Zuthat dagegen ist unzweifelhaft der
Ornamentstreifen der inneren Abschrgung der Aureole. Er zeigt in
durchbrochener Arbeit ein romanischen Stil imitierendes, von der
Feinheit der Ornamente auf den anderen Streifen weit entferntes,
bergoldetes Ornament auf schwarzem Grund. -- Alles brige ist
ursprnglich und echt. Ein Zweifel knnte hchstens bezglich des nicht
gestrichenen in seinem alten Glanze erhaltenen Ornamentsstreifens links
von der Aureole entstehen. Doch ergab die Untersuchung, da das Metall
dem bei den echten Teilen des Frontale verwandten Material gleich sei.

[Funote 342: Ob auch die von Haupt Bd. II, S. 320 erwhnten kupfernen,
stark vergoldeten Altre, die im Hl. Geisthaus in Schleswig gewesen sein
sollen, derselben oder einer spteren Zeit angehren, ist mir
unbekannt.]

_Nrnberg._

                                                      _Gustav Brandt._




        Geschnitzte friesische Thren im germanischen Museum.
                       (Mit 1 Lichtdrucktafel).


Im letzten Heft 5 unserer Mitteilungen hatten wir das speziell auf den
Halligen bliche nordfriesische Haus kennen gelernt, woran wir nunmehr
die Schilderung einiger in unserem Besitze befindlichen
Einrichtungsstcke schlieen, die im gegebenen Zeitpunkt bei der
Ausstattung eines friesischen Zimmers Verwendung finden sollen. Das
Glanzstck derselben bilden zwei geschnitzte eichene Stubenthren, das
bedeutendste Profanaltertum, welches die Halligen bargen und welches
sich eines nicht geringen Rufes erfreute. Die Thren stammen von
Nordmarsch, der Schwestergemeinde der Hallig Langene-Nordmarsch, einer
Insel, die lange Zeit durch einen mchtigen Schlot (Graben, der mit der
See in Verbindung stehend an Ebbe und Flut teilnimmt) in zwei annhernd
gleiche Hlften getrennt war. Das Haus, welches sie schmckten, war
eines der ltesten Halliggebude vom Anfang des 18. Jahrhunderts, in
welchem sich vortreffliche Wandkacheln und manches wertvolle Mbelstck
befanden, woraus insgesamt geschlossen werden darf, da es sich von
Anfang an eines behaglichen Wohlstandes erfreut habe. Die in die Thren
eingeschnitzten Inschriften bilden den Beweis, da sie in die Bltezeit
des Halligwohlstandes zurckzudatieren sind, von dem ich in meinem
vorigen Aufsatze sprach. Das Haus sah ich bei meinem Halligbesuch im
Jahre 1893 noch vollstndig eingerichtet, aber rettungslos dem Untergang
geweiht, weil die Werft, auf der es stand, die Peterswerft, schon damals
in gefahrdrohender Weise vom Wasser zerstrt war, so da sie in den
heftigen, andauernden Orkanen der beiden folgenden Jahre demselben
Schicksal verfiel, wie schon so viele Halligwerften: dem vlligen
Zusammenbruch und Hinabgleiten in die tobende Brandung schwerer
Sturmfluten.

Die beiden Thren, die wir mit A und B bezeichnen wollen, befanden sich
als Pendants in einem ziemlich kleinen Wohnzimmer von ungefhr 3-3 m.
Tiefe und Breite und kaum 2 m. Hhe. Vom Flur aus betrat man es durch
die Thr A, whrend B in eine Kammer fhrte. Das Haus war feucht,
weshalb die Flchen der vier greren Thrfllungen in der Mitte, die
geschnitzten Rahmen an den oberen Ecken auseinandergeborsten sind, die
Bretter der anschlieenden Holzwnde aber Spuren von Vermoderung
erkennen lassen, whrend das Eichenholz der Thren selbst der Fulnis
Widerstand zu leisten vermochte. Sie sind ein Produkt der in ganz
Friesland gebten Liebhaberkunst des Holzschnitzens, zu deren Ausbung
auf unseren Inseln der sehr geringe Verkehr mit dem Festlande
beigetragen haben mag, wodurch die Bewohner darauf angewiesen waren,
viele Gebrauchsgegenstnde selbst zu verfertigen, und die
Vertrautheit mit der Holzbearbeitung, wie sie bei der Ausbung des
Schiffzimmermanns-Gewerbes erforderlich ist. An Holz selbst aber gebrach
es trotz des mangelnden Baumwuchses auf den Inseln nicht, man fand es an
allen Sandplatten und Inselgestaden als Strandgut, das frher noch
hufiger gewesen sein mu als jetzt, wo Leuchttrme und ein
ausgebildetes Warnungssystem die Schiffe von den gefhrlichen Untiefen
fernhalten. Da kein Berufsschreiner sie angefertigt habe, scheint mir
schon aus den nicht ganz bereinstimmenden Maen hervorzugehen, denn der
Thrflgel A hat eine Hhe von 187.5, B von 189 cm., die geschnitzten
Rahmenleisten der letzteren auerdem auf der Angelseite 200, auf der
Schloseite 202 cm. Hhe, wie auch sonst noch kleine Unregelmigkeiten
festgestellt werden knnen, z. B. in der Breite der geschnitzten
Rahmenflchen, die bei A 10, bei B 9-9,3 cm. betrgt, u. s. w.

Jede Thr hat eine Breite von 82 cm. und ist durch eine doppelt
berschobene obere und untere und eine schmale einfach berschobene
Mittelfllung gegliedert, die also auf der Rckseite aus der brigen
Flche hervortreten. Die eigentlichen Bilder der oberen und unteren
Paneele von A und B haben je eine dreifach zusammengesetzte Umrahmung,
bestehend aus einem immer wiederkehrenden, beraus steif stilisierten
Pflanzenornament mit phantastischen groen roten Blumen in Breite von 8
cm. zwischen zwei Kehlstoleisten, die der doppelten Ueberschiebung
entsprechen. Das obere Paneel von A zeigt in 34,2:34,6 cm. zwei ganz
symmetrische Sulenhallen mit roter Stoffdraperie. Unter der linken
Halle sitzt der Evangelist Matthus auf einem hochlehnigen Polsterstuhl;
vor ihm kniet ein Engel und hlt ihm das Evangelienbuch, in welches er
schreibt, ihm zur Linken steht ein Tisch mit blumenerfllter, schlanker
Amphora. Unter der rechten Halle sitzt Markus hinter einem gotischen
gedeckten Tisch auf einem Bnkchen mit schwellendem Polsterkissen. Auf
dem Tische steht ein kleines Schreibpult mit dem Evangelienbuch, vor
welchem der Apostel, in tiefes Nachdenken versunken, sitzt, die Feder in
der Hand. Vor dem Tisch steht der Lwe und blickt zu seinem Herrn empor.
Oben mitten zwischen beiden Sulenhallen erblicken wir die Taube des
heil. Geistes in einem Strahlenkranze, wie auch die Hupter der
Evangelisten von einem goldenen Heiligenschein umgeben sind.

Die Mittelfllung besteht aus einer oblongen, glatten Kartusche mit dem
in Oelfarbe aufgemalten Namen Ebeneser; umrahmt ist letztere von einem
horizontal 4, vertikal 8,5 cm. breiten geschnitzten Pflanzenornament von
nicht ungeflligem Schwung in zierlicher Sptrenaissance, das sich in
seiner freieren Anmut vorteilhaft abhebt von den brigen
steifstilisierten Ornamentschnitzereien. Die Dimensionen des so
bearbeiteten Paneels sind 18:56 cm.

In der unteren Fllung tritt aus seiner Umrahmung ein Vollschiff heraus,
das mit geschwellten Segeln, wehender Flagge und Wimpeln durch die
Wellen streicht, wahrscheinlich der Walfischfnger, dessen glcklichen
Reisen der Verfertiger der Thren als eifriger Teilnehmer seinen
Wohlstand verdankte. Mven umflattern das stolze Fahrzeug, dessen
gedrungener, fester Bau sehr wohl geeignet erscheint, den Gefahren des
Eismeeres zu trotzen. Die Friesen lieben es noch heut, Bildnisse von den
Schiffen zu besitzen, auf denen sie gefahren sind, man findet sie als
Zeichnungen, Gemlde, Reliefschnitzereien und zierlich gearbeitete
Modelle in allen Husern, sogar als Kachelkompositionen, wie wir frher
gesehen haben. Da wir es hier mit einem Walfischfnger zu thun haben,
dessen blau-wei-rote Flagge auf Schleswig-Holstein hinweist, ersehen
wir aus den Inschriften, die in die oberen Querleisten des ueren
Thrrahmens eingeschnitten sind, und zwar auf jedem die Hlfte eines
milungenen Verses:

   DURCH GLUCK UND  -- WALFISCHFANGST (A)
   GIBT GOT MIR     -- HAUS UND LAND (B)

Grenverhltnisse des Schiffsbildes: 33,5  43 cm.

Die geschnitzten Umrahmungen der Paneelbilder der zweiten Thr B
gleichen ganz denjenigen von A. Die obere Fllung behandelt hier die
Apostel Lucas und Johannes in unverkennbarer Uebereinstimmung der
Auffassung und des Arrangements, wie in dem entsprechenden Paneel von A,
so da der Schnitzer nach Vorlagen desselben Knstlers gearbeitet zu
haben scheint. Wem diese Vorlagen aber zuzuschreiben sind, vermag ich
nicht zu entscheiden, vielleicht haben wir dabei an einen
Bibelillustrator zu denken. Links von dem Beschauer sehen wir, abermals
unter einer Sulenhalle, geschmckt durch eine schngeschwungene
Purpurdraperie mit goldener Franse, den Apostel Lucas auf einer mit
schwellenden Polstern belegten Bank vor einem Schreibtisch sitzen,
beschftigt mit der Niederschrift seines Evangeliums. Ihm zur Linken
ragt ein Crucifix bis zum Dache der Halle, zur Rechten liegt am Boden
sein Attribut, der Ochse, neben dem Tisch ebenfalls auf dem Boden steht
eine blumengefllte Amphora, doch niedriger als die auf dem Tische des
Matthus. Gegenber sitzt Johannes, sein Evangelienbuch auf den Knieen
haltend und ebenfalls eifrig mit Schreiben beschftigt. Den Hintergrund
erfllt hier eine von Bumen umgebene, hochragende Stadt mit spitzen
Trmen (wohl Jerusalem), links neben ihm steht sein Adler und ber ihm
in einer Wolke thront Christus, eine Hindeutung auf seine Eigenschaft
als Lieblingsjnger des Herrn. Zwischen beiden Evangelisten schwebt
wieder die Taube in goldenem Strahlenkranze, und goldene Nimben
verklren die Hupter der beiden Evangelisten, auf diesem Bilde sogar
die symbolischen Tiere, was bei A nicht der Fall ist.

[Illustration: Taf. V.

Thre von der Hallig Nordmarsch.]

Die Verhltniszahlen des Bildes sind 34,5:35 cm.

Die Mittelfllung ist ausgezeichnet durch ein hnlich zierliches
Rankenornament wie bei A, nur luft es in gleichbleibender Breite von
4,5 cm. um eine Schrifttafel, die in Schnitzerei die gotische Inschrift
enthlt:

   Der Ein Und Aus Gang Mein
   La Dier O herr Befohlen Sein.

Die Grenverhltnisse des Schnitzwerkes sind hier 17,5:66,5 cm.

Die untere Fllung von B ist einigermaen berraschend, denn der gelbe
Blumenkorb mit steifem, streng symmetrisch geordnetem Bouquet, mit
welchem sie geschmckt ist, erscheint mehr als ein Lckenber, denn als
charakteristische, der ganzen Veranlassung zu den beiden Pendants
entsprechende Verzierung. Da wie um alle brigen Paneelbilder auch um
dieses eine Umrahmung von Pflanzenornament luft, so ist hier des
vegetabilischen Motivs etwas zu viel gethan, und man wrde an Stelle des
Blumenkorbes lieber irgend eine Scene aus dem Seemannsleben dargestellt
sehen.

Um wieder die Verhltniszahlen anzufhren -- sie betragen 34,5:43,4 cm.

Jeden Thrflgel umschliet ein 17-18 cm. breiter Rahmen mit 10 cm.
breiter Schnitzerei, die sich wesentlich von den brigen umrahmenden
Ornamenten unterscheidet. In Wellenlinien luft hier von oben nach unten
eine scharf hervortretende Lianenranke, deren Wellenhhe bei B
betrchtlicher ist, als bei A, wodurch dann natrlich die Wellenlngen
in umgekehrtem Verhltnis stehen. An die Ranke setzen sich Bltter,
Blten und Frchte in naturalistischer Ausfhrung der exotischen Formen,
doch unterscheiden sich beide Rahmen noch dadurch, da bei A zahlreiche
buntgefiederte Vgel, die bei B ganz fehlen, einen Teil der Blten und
Frchte ersetzen.

Die Spruchbnder in den oberen Querleisten sind in der Mitte abgeteilt,
bei A durch eine Blte, aus der ein geflgeltes Engelskpfchen
herauswchst, bei B durch ein ganzes Figrchen, das mit erhobenen Armen
ein wehendes Band etwa in der Form eines Schiffswimpels hlt. Deutlich
hervortretend zieht sich die Lianenranke in organischem Zusammenhange
mit denjenigen der Seitenrahmen bei B auch durch die Querleiste, bei A
verschwindet sie mehr unter ppigerem Blattwerk. Durch das
Auseinanderbersten des Holzwerkes haben sich sptere Besitzer der Thren
veranlat gesehen, geschnitzte Keile in die breit klaffenden Fugen
zwischen Quer- und Seitenleisten einzusetzen, welche der Harmonie des
Ganzen leider in unschner Weise Abbruch thun.

Die Thrverschlsse bestehen aus ovalen Messingschilden mit
Bogenausschnitten an den Kanten und mit rechtwinkligen Griffbgeln. Von
wenig gebter Hand sind Anfangsbuchstaben von Namen in der Mitte
eingraviert und die Jahreszahlen 1774. Sie sind ganz augenscheinlich
erst nachtrglich aufgenagelt worden, denn die Farbe der Thr war hier
bereits merklich abgegriffen und die Schilde selbst passen der Breite
nach nicht auf die ungeschnitzte Leiste, so da sie bis auf die
Kehlste der Mittelfllung berragen.

Zu den Thren gehren Bretterwnde, die horizontal mit weien
akanthusartigen Arabesken auf blauem Grunde bemalt sind. Breite, reich
profilierte Leisten mit buntem Oelfarbenanstrich verbinden je zwei
Bretter und bilden auch oben und unten den Abschlu der Wnde.

Die Thren mit ihrem tiefen, ruhigen Farbenschmuck und die Wandbretter
harmonierten aufs Schnste mit den dunkelblau-weien Kacheln der brigen
Wandteile, so da im Verein mit dem ber das gewhnliche Ma
hervorragenden Mobiliar, das mit den Thren im Hause alt geworden war,
mit dem reliefgeschmckten Einlegerofen und der Bettnische das ganze
Zimmer ein ungewhnlich charakteristisches Ensemble bot, dessen
Zerstrung, ehe es ganz in unseren Besitz gelangen konnte, sehr zu
bedauern bleibt.

_Nrnberg._

                                                  Dr. _Eugen Traeger_.




                  Das Bildnis des Hans Perckmeister.


Gegen das Ende des Jahres 1894 gelangte durch Ankauf ein interessantes
Portrt, in l auf Holz gemalt, h. 51 cm, br. 41,5 cm in die
Gemldesammlung des germanischen Museums. Am obern Rande trgt das Bild,
dessen nhere Beschreibung unten folgt, auf dem olivgrnen Grund in
gelben lateinischen Majuskeln die Inschrift: ALS  MAN  M  CCCC 
LXXXXVI  IAR  ZALT  WAS PERCKMEISTER  LX  IAR  IN  DER  GE 
STALT  Am Rande der linken Seite in der Mitte das Monogramm W aus zwei
sich berschreitenden V gebildet. Der Dargestellte (Brustbild) blickt
dem Beschauer dreiviertel en face etwas nach rechts gewandt entgegen,
die beiden nicht mehr ganz sichtbaren Hnde sind gekreuzt, in der
Rechten hlt er einen Rosenkranz mit roten Perlen. Er trgt schwarze
Schaube und schwarze Mtze mit hinten herabhngendem Ende. Das Gesicht
ist schmal, mit krftiger, ein wenig gebogener Nase, vielfach von Falten
durchfurcht, das Haar graumeliert, der Ausdruck der eines klugen, dabei
etwas gutmtigen Mannes.

ber die Persnlichkeit des Dargestellten hat Hermann Peters in seinen
geschichtlichen Notizen ber die Mohrenapotheke das Wissenswerte
zusammengestellt. Darnach war er der Sohn des Meisters Conrad
Berkmeister, Besitzers der an Stelle des jetzigen Rathauses an der Ecke
der heutigen Theresienstrae dem seinerzeitigen Predigerkloster
gegenberliegenden Apotheke. Nach der mitgeteilten Inschrift ist Hanns
1436 geboren; 1470-1512 in welchem Jahre er starb, war er Genannter des
greren Rates. Die Apotheke am Predigerkloster, die er jedenfalls nach
seinem Vater bernommen, befand sich schon vor seinem Tode in andern
Hnden (1511) und es ist wahrscheinlich, da er, der mit seiner Frau
eine Stiftung fr die neue Spitalapotheke gemacht hatte, diese selbst in
seinen letzten Lebensjahren geleitet habe.

Das Bild ist gewi kein hochbedeutendes Kunstwerk, aber nach mehr als
einer Richtung von kunstgeschichtlichem Interesse. In der reichen
Litteratur ber Wolgemut ist es bisher nicht erwhnt, insbesondere auch
Thode unbekannt geblieben. Gehrt es wirklich Wolgemut an, so wre es
dessen bisher einzig existierendes bezeichnetes Gemlde. Da das
Monogramm W alt und echt ist, unterliegt nach Angabe von Geheimrat v.
Reber und Professor Hauser, die gelegentlich der Restauration
Gelegenheit hatten genau zu prfen, keinem Zweifel. Fraglich bleibt
zunchst nur, ob es Wolgemut bedeutet. Sind die verschiedenen W auf
Illustrationen des Schatzbehalters Hinweise auf den Knstler Michael
Wolgemut, so ist es das W auf dem vorliegenden Bilde sicher auch. Noch
mehr aber drfte fr Wolgemut die knstlerische Art und Weise sprechen.
Zum Vergleich heranzuziehen ist zunchst das in Gre und Ausfhrungsart
dem des Hans Perckmeister ganz gleiche Brustbild des Martin Rosenthaler
(Kat. d. Gem. d. Germ. Mus. Nr. 119). Leider ist das Bild schlecht
erhalten, mit Ausnahme des Gesichtes ist alles bermalt. Die
Persnlichkeit des Dargestellten geht aus einer fast verwischten
Inschrift der Rckseite, die bisher nicht beachtet wurde, hervor, und
heit: MERTEN ROSSENTAHLER IN DIESER GESTALT 72 IAR ALT. Sie ist nach
der Schrift (Wei auf schwarzem Grund) wohl im sechzehnten Jahrhundert,
vielleicht als das Bild eine bermalung erhielt, erneuert worden. Die
freie, kecke, an eine schnell gemachte Skizze erinnernde Art des
Portrts Perckmeisters wohnt ihm nicht inne, es ist sorgfltiger
behandelt, wie das Perckmeisters zeigt es aber dieselbe Auffassung und
dieselbe Art den Dargestellten gegen den Hintergrund zu setzen. Der
Dargestellte war nach urkundlichen Nachrichten 1493 gestorben, 1492 von
einer Reise in das gelobte Land zurckgekehrt. Vermutlich ist das Bild
kurz nach 1490 oder 1492-93 entstanden. Von diesem Martin Rosenthaler
existiert ein auch in der Portrtsammlung des Museums vorhandener
Kupferstich von J. F. Leonhardt (Ende des 17. Jahrhunderts). Dieser
enthlt auch die Notiz ber Rosenthalers Wallfahrt zum heiligen Grab,
welche in der betreffenden Litteratur bis heute nicht Erwhnung gefunden
hat. Es ist eine ebenfalls nach links gewandte Halbfigur in schwarzer
Schaube mit Rosenkranz in der Rechten. Das Haupt deckt ein
pelzverbrmtes Barett. Der Dargestellte trgt hier einen Bart und ist
jugendlicher, etwa als Fnfziger, wiedergegeben, so da die beiden auf
die Pilgerfahrt bezglichen Zeichen, Muschel und Stern wohl sptere
Zuthat sind. Die Gesichtszge sind trotz des Bartes unverkennbar
dieselben wie auf dem lgemlde und offenbar liegt dem Stich ein
gleichzeitiges Gemlde zu Grunde. Nicht so gro, aber doch leicht
erkenntlich ist die Verwandtschaft zu den neuerdings Albr. Drer
zugeschriebenen Tucherbildnissen der Casseler Galerie und des Weimeraner
Museums. In Auffassung und Technik stehen diese 1499 datierten Bilder
entschieden bedeutend hher als das vorliegende Portrt.
Nichtdestoweniger ist die zeichnende, die Konturen hervorhebende Art
beiden gemeinsam, auch die Art die Augen zu behandeln zeigt Verwandtes.
Da das Bildnis in die der Werkstatt Wolgemuts angehrende Gruppe zu
verweisen ist, wurde auch ohne Monogramm des Weiteren ein Vergleich mit
der Vorderseite der Predella des Peringsdorfferischen Altars
(Brustbilder Cosmas, Damian, Magdalena und Lucia, Kat. Nr. 113 und 114)
ergeben; die technische Behandlung des Haares und des Fleisches, der
Modellierung stimmt genau berein.

Ein erhhtes Interesse gewinnt das Bild durch den Umstand, da wir von
einem zweiten und zwar plastischen Bildnis desselben Mannes Kunde haben.
Wre nicht die ganz ausdrckliche Bemerkung dabei, da es
Bildhauerarbeit und zwar vermutungsweise eine solche von Veit Sto sei,
so wrde die Annahme, da wir es mit dem eben besprochenen Gemlde zu
thun haben, wohl kaum fehlgreifen. Joh. Christoph von Murr berichtet
nmlich in seiner Beschreibung der Marienkirche zu Nrnberg (v. J. 1804,
auf S. 15) bei Gelegenheit der Besprechung der Kunstweise von Veit Sto:
Ich habe von Veit Sto eine sehr schne Bste. Sie ist 12 Zoll hoch
(das entspricht auch ungefhr der Gre des gemalten Bildnisses), und
hat diese Aufschrift in goldenen Buchstaben:

   ALS MAN M  CCCC  LXXXVI IAR ZALT
   WAR HANS PERCKMEISTER IX IAR IN DER GESTALT.

Das in der Bibliothek des germanischen Museums befindliche Exemplar der
Schrift, stammt aus der Colmarischen Bibliothek und trgt von der Hand
dieses Sammlers wie so viele andere, auch die Bemerkung: Jetzt hat sie
(die Bste) Hr. Frst Rei-Lobenstein. Leider waren die Bemhungen den
weiteren Verbleib dieser Skulptur, die als deutsche Portrtbste des XV.
Jahrh. von grter kunstgeschichtlicher Wichtigkeit wre, festzustellen,
bis jetzt ohne Erfolg. Eine handschriftliche Bemerkung auf der Rckseite
des lgemldes, der Schrift nach aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts,
weist auf die alhier befindliche Praunsche Kunstkammer hin, und
beweist damit, da das Gemlde sich bis auf unser Jahrhundert in
Nrnberg befand. In den Besitz des Museums gelangte es aus der
nachgelassenen Sammlung des Appellationsgerichtsrates Lippart in
Sulzfeld a. M., wo es wohl wenigstens seit der Mitte des Jahrhunderts
war. Merkwrdig ist immerhin, da weder Murr, der doch die
Nrnbergischen Kunstbestnde sehr genau kannte, noch der Autor der
handschriftlichen Bemerkung von dem Vorhandensein des Bildes etwas
wuten. Vielleicht trgt diese Notiz dazu bei, der Bste des weiteren
nachzuforschen; dann kann auch entschieden werden, ob, wie zu vermuten
ist, beide Arbeiten zusammenhngen, resp. das eine nach dem Vorbild des
andern geschaffen wurde. Die lebenswahre, jedem Beschauer auffallende
Behandlung des Gemldes spricht vorlufig fr die Arbeit desselben nach
dem Leben.

_Nrnberg._

                                                      _Hans Stegmann._




Anmerkungen zur Transkription


Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Ende an den Anfang des Buches
verschoben.

Fehlende Funotenreferenzen im Text wurden dem Kontext entsprechend
hinzugefgt ([33] und [339]). Eine Referenz verwies auf keine Funote
und wurde entfernt (vor [38]).

Hervorhebungen wurden mit _Unterstrichen_ gekennzeichnet.

In der Vorlage wurde  als Kombination von langem und rundem s gesetzt.
Das hat offenbar zu Verwechslungen von  und ss gefhrt. In allen
unzweideutigen Fllen wurde dies stillschweigend entsprechend den
damaligen Schreibregeln korrigiert.

Weiter Fehler wurden korrigiert wie hier aufgefhrt (vorher/nachher):

   [S. 9]:
   ... vestenthors ist ertailt Jorg Scklenk, zollner (!). -- Der
       Protokollirende hat hier irrtmlich ...
   ... vestenthors ist ertailt Jorg Schlenk, zollner (!). -- Der
       Protokollirende hat hier irrtmlich ...

   [S. 10]:
   ... G. W. K. Lochner, des Johann Neundrfer, Schreib- uud
       Rechenmeisters zu ...
   ... G. W. K. Lochner, des Johann Neundrfer, Schreib- und
       Rechenmeisters zu ...

   [S. 12]:
   ... 69b. -- Georg Selnecker, im Jahre 1523 (Ratsbbch 12. Fol.
       166a) noch Stadtschreiber in ...
   ... 69b. -- Georg Selnecker, im Jahre 1523 (Ratsbuch 12. Fol.
       166a) noch Stadtschreiber in ...

   [S. 15]:
   ... willkommenen Wandschmuck. -- Das Geburtsland der Plaketten
       ist Italien ...
   ... willkommenen Wandschmuck. -- Das Geburtsland der Plaketten
       ist Italien, ...

   [S. 23]:
   ... Portrt: richtig beurteilen und voll wrdigen hnnen wir eine
       Leistung ...
   ... Portrt: richtig beurteilen und voll wrdigen knnen wir eine
       Leistung ...

   [S. 26]:
   ... [1512. X, 4a] Quarta thome Canthuariensis (29. Dsz.) 1512: ...
   ... [1512. X, 4a] Quarta thome Canthuariensis (29. Dez.) 1512: ...

   [S. 44]:
   ... und, wo es geht, andere gleichzeitige Quellen zur Kontrole
       heranziehen ...
   ... und, wo es geht, andere gleichzeitige Quellen zur Kontrolle
       heranziehen ...

   [S. 46]:
   ... war, um dort Verdienst zu suchen. Hiegegen wre zu erwiedern:
       wenn es ...
   ... war, um dort Verdienst zu suchen. Hiegegen wre zu erwidern:
       wenn es ...

   [S. 48]:
   ... Solichs dan (!) weib und kindt in ausehung der armutt propter
       deum beschehen. Actum ...
   ... Solichs dan (!) weib und kindt in ansehung der armutt propter
       deum beschehen. Actum ...

   [S. 52]:
   ... der Merkelschen Sammlung vor Allem, dals er aus Gefrees in
       Oberfranken ...
   ... der Merkelschen Sammlung vor Allem, da er aus Gefrees in
       Oberfranken ...

   [S. 55]:
   ... Thausing Albrecht Drers Leben und Werke II/27. Ferner Bucher
       & Gnauth das ...
   ... Thausing Albrecht Drers Leben und Werke II/27. Ferner Bucher
       & Gnauth Das ...

   [S. 55]:
   ... wuten die Italiener schon lange; und auch dieseits der Alpen
       bte man schon im ...
   ... wuten die Italiener schon lange; und auch diesseits der
       Alpen bte man schon im ...

   [S. 56]:
   ... da er ihn unter den Venezianern am hchten schtzte, dessen
       glnzende ...
   ... da er ihn unter den Venezianern am hchsten schtzte, dessen
       glnzende ...

   [S. 56]:
   ... Ganze zu denken und zu komponieren. ...
   ... Ganzes zu denken und zu komponieren. ...

   [S. 59]:
   ... Reliefbilder im Tympanon, lt fat einen Dilettanten
       vermuten; ich meine, ...
   ... Reliefbilder im Tympanon, lt fast einen Dilettanten
       vermuten; ich meine, ...

   [S. 61]:
   ... deutscher Wallfahrer nach Santiago de Compostella, dem
       Jerusasalem ...
   ... deutscher Wallfahrer nach Santiago de Compostella, dem
       Jerusalem ...

   [S. 64]:
   ... Rhricht und Meissner a. a. O., S. 66 u. 95. ...
   ... Rhricht und Meisner a. a. O., S. 66 u. 95. ...

   [S. 64]:
   ... de la Reina; Madrid--Zaragoza--Fraga;
       Igualada--Barcelona--Pergignan--Narbonne; ...
   ... de la Reina; Madrid--Zaragoza--Fraga;
       Igualada--Barcelona--Perpignan--Narbonne; ...

   [S. 65]:
   ... und 1516 (vgl. Urkundenbbuch des Klosters Ilsenburg,
       beabeitet von Jacobs, Halle 1877, ...
   ... und 1516 (vgl. Urkundenbuch des Klosters Ilsenburg,
       bearbeitet von Jacobs, Halle 1877, ...

   [S. 96]:
   ... [Ratsprotolle 1527, Heft II, Bl. 33b] Tercia 18. Junj 1527: ...
   ... [Ratsprotokolle 1527, Heft II, Bl. 33b] Tercia 18. Junj 1527: ...

   [S. 99]:
   ... Leonhard Danner scheint ein grbelnder Kupf gewesen zu sein,
       der ...
   ... Leonhard Danner scheint ein grbelnder Kopf gewesen zu sein,
       der ...

   [S. 100]:
   ... die dicksten Mauren von Thrnen nnd andern Gebuen zu brechen ...
   ... die dicksten Mauren von Thrnen und andern Gebuen zu brechen ...

   [S. 104]:
   ... dann Buch der Beispiele der alteu Weisen, Boccaccios
       Decamerone, Pauli, ...
   ... dann Buch der Beispiele der alten Weisen, Boccaccios
       Decamerone, Pauli, ...

   [S. 105]:
   ... ex quo ita est, andite me! Oculi mei sunt oculi filii mei et
       e converso. ...
   ... ex quo ita est, audite me! Oculi mei sunt oculi filii mei et
       e converso. ...

   [S. 107]:
   ...  une mme suite (folgt die Beschreibung der Plaketten). Le
       pied, en balustre, ...
   ...  une mme suite (folgt die Beschreibung der Plaketten). Le
       pied, en balustre, ...

   [S. 107]:
   ... marins. Au-dessus d'une seconde frise est nn sujet deux fois
       rpt: un ...
   ... marins. Au-dessus d'une seconde frise est un sujet deux fois
       rpt: un ...

   [S. 111]:
   ... von der Rchseite zu sehen ist. Es ist begreiflich, da fr
       eine in sich so ...
   ... von der Rckseite zu sehen ist. Es ist begreiflich, da fr
       eine in sich so ...

   [S. 112]:
   ... Stifters gem aufgestellt sind, eingehend zu berichren, ist
       hier unmglich. ...
   ... Stifters gem aufgestellt sind, eingehend zu berichten, ist
       hier unmglich. ...

   [S. 115]:
   ... jeher doppelten Werth auf bequeme, gerumige Wohnungen gelegt
       zn haben, ...
   ... jeher doppelten Werth auf bequeme, gerumige Wohnungen gelegt
       zu haben, ...

   [S. 119]:
   ... auszuhalten. Wo ein Haus mit den Giebeln an Nachbarhuer
       stt, ist es ...
   ... auszuhalten. Wo ein Haus mit den Giebeln an Nachbarhuser
       stt, ist es ...

   [S. 121]:
   ... den prchtigen Schmuk der goldenen und silbernen
       Reliquienbehlter entbehren ...
   ... den prchtigen Schmuck der goldenen und silbernen
       Reliquienbehlter entbehren ...

   [S. 123]:
   ... s. Paulus. Kunstdenkmler von Wrtenberg. Laib und Schwatz,
       Studien ber ...
   ... s. Paulus. Kunstdenkmler von Wrtenberg. Laib und Schwarz,
       Studien ber ...

   [S. 125]:
   ... 1878 zerstrt ist, aus dem sich aber ein tronender Christus
       und 8 Apostel ...
   ... 1878 zerstrt ist, aus dem sich aber ein thronender Christus
       und 8 Apostel ...

   [S. 125]:
   ... erhatten haben. Beachtenswert sind beide Stcke auch
       deswegen, weil Bgen, ...
   ... erhalten haben. Beachtenswert sind beide Stcke auch
       deswegen, weil Bgen, ...

   [S. 126]:
   ... oben gesagt, aus der Zeit um 1200. Das Querener Frontale
       wrde danach ...
   ... oben gesagt, aus der Zeit um 1200. Das Querner Frontale wrde
       danach ...

   [S. 129]:
   ... Umhauten stattgefunden. Nicht unwahrscheinlich ist die
       Annahme, da bei ...
   ... Umbauten stattgefunden. Nicht unwahrscheinlich ist die
       Annahme, da bei ...

   [S. 130]:
   ... den Halligen bliche nordfrisische Haus kennen gelernt, woran ...
   ... den Halligen bliche nordfriesische Haus kennen gelernt,
       woran ...

   [S. 132]:
   ... umflattern das stolze Fahrzeung, dessen gedrungener, fester
       Bau sehr wohl geeignet ...
   ... umflattern das stolze Fahrzeug, dessen gedrungener, fester
       Bau sehr wohl geeignet ...






End of the Project Gutenberg EBook of Mitteilungen aus dem germanischen
Nationalmuseum. Jahrgang 1896, by Various

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