The Project Gutenberg EBook of Sturz der Verdammten, by Johannes Urzidil

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Title: Sturz der Verdammten
       Gedichte

Author: Johannes Urzidil

Release Date: May 28, 2016 [EBook #52171]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK STURZ DER VERDAMMTEN ***




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                           JOHANNES URZIDIL




                         STURZ DER VERDAMMTEN


                               GEDICHTE

                               LEIPZIG
                          KURT WOLFF VERLAG

                 BCHEREI DER JNGSTE TAG, BAND 65

               GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRCKNER  WEIMAR




                         STURZ DER VERDAMMTEN


                                  I.

   Gott warf mich aus wie ein Kristall, ein Krnlein war ich schwebend
      in seinen Gewssern,
   ich spannte Tiefe und Hhe, und Hhe und Tiefe schufen mein
      Angesicht.
   Solch Angesicht schuf ich mir, da ich es trage untrstlich und
      unwandelbar,
   durch malos verwobene Vielfalt, da ich es trage ewig und
      unwandelbar.

   Du Fischer Gott, viel ist seither verflossen.
   Kinder trug man in Srglein silbernen Holzes zur khlen Erde.
   An Deinen Angeln winde ich mich verhhnt und hckerig,
   umkrnzte mich mit Wiese und Wald und Ebenma Deines Gelchters.

   Woge, die mich zerschlug, Berg, darin ich erstickt, Frost, daran ich
      zerbarst
   und ihr, Lste und Schmerzen, Ja und Nein, daraus ich mich wob und
      wirkte,
   ihr seid, ich aber bin nicht. -- An Gottes Angeln
   schwanke ich matt und verworfen, unwissend, was er mit mir fahe.

   Er irrt, ein Gelchter, mir ber die Flche des Herzens,
   er zehrt mir an Krippen der Seele und leert sie aus,
   er schlgt sich als Atem leise an meine Spiegel,
   er schreitet vorber und hat weder Gru noch Sinn.

   Schwer ist und trostlos unwandelbaren Antlitzes zu sein,
   zu verschumen im Dunkel, zu verhallen in eigener Weite.
   Finster schufen wir uns die Welt, erhaben, voll groer Geste.
   Doch eh'mals in silbernen Barken war Se und Licht.


                                 II.

   Weh uns, weh der Schwere, Schwere schwer ohne Boden, ohne Rast,
   weh uns, weh dem Sturze, unendlich entfielen wir Deiner Verneinung,
      Herr.
   Grenze setztest Du, Tod und Verwandlung,
   durch tausend Verwandlungen ewig strzen wir totwrts ins Dunkel.

   Unser Fall ist ab und auf, rechts und links, ohne Gegend, ohne Raum,
   unser Maloses hast Du zerrissen zu Vielfalt, verklebt in
      schmerzlichem Widerspiel,
   unser einiger Strahl brach sich an Deinen Flchen und sonderte sich
      in schwirrende Weltensysteme.

   Wehe, wer nimmt von uns Antlitz verzerrt und bresthaft,
   Verfluchung unserer Schnheit, die sich aufbaut wie Hohngelchter
      eines anderen Gottes.
   Verfelst sind wir gleich Erzadern in die Kurzatmigkeit Deiner
      Ordnung.
   Mit Dir, Gott, Palisade, haben wir uns gegen uns umgrtet.

   Siehe, es ist Frhling, bunter Frhling und alle Frauen werden
      schn.
   Siehe, es ist fahle Herbstzeit und das Gewsser orgelt klagend im
      Haine.
   Soweit ich mich weite in Unma der Mitternacht, die smaragden sich
      auftut:
   Zerspalten bin ich in Du und Ich, in Sinn und Gebilde.

   Dieses ist unser Sturz, den niemand von uns nimmt, der Sturz der
      Verdammten:
   Gefesselt sind unsere Hupter an diese Scholle Ordnung, die lastend
      uns mitreit.

   Wissend zu sein, ward uns nicht, Unwissenheit ward uns nicht,
   wie flackernder Pechkranz, geschleudert ins Dunkel versinkt unsre
      Seele.


                                 III.
                          (Chor der Pferde)

   Aus Mhsal der Verschirrung, spitzem Hetzwort, drhnenden Asphalten,
   aus Huserflucht, die engend uns umwlbt und dem Getn der
      kriegerischen Stdte
   auf leisem Flo entglitten wir durch fieberndes Gewsser, drauf der
      Mond
   wie eine Flte hing, die blanke Mnzen in die Wellen truft.

   In diesem Weideland, umsumt von dem Kristall der Nacht
   (Aquamarin ertnt, Topase lcheln da und dort),
   in sanften Umri hingelagert trumen wir durch Stundenflut,
   der Hufe Munterkeit ist eine Herde bunten kleinen Feldgetiers.

   In Stollen eingekantet und genhrt von Fulnis, drein sich bses
      Wort wie giftger Ampfer mengt,
   war unser Herz ein schwelend Grubenlicht, gehngt an rauhe Klippen,
      wo kein Halm ergrnt.
   Wir barsten in Kolonnen wiehernd schreckenvoll und trmten uns zu
      schauerlichem Babel der Vernunft.
   Wir brachen ein in fahler Vorstadt sonndurchglht und groer Zulauf
      zerrt an uns und Polizist.

   O Mensch, in Schwere eingebettet, Schwankung zwischen Auf- und
      Niedergang,
   Verwandlung, reinlich abgeteilt vom Grenzenlosen, angeufert an das
      Nichts,
   in sich gesondert weh in Ja und Nein, Versagung pflanzend in das
      Herz der Welt,
   o Mensch, abrei ich alle Riegel, weh, was zerrst Du meinen wunden
      Leib.

   Satanisch ist Dein Thule, abgeebbt von Gott!
   Versargt in schiefgefgte Satzung taumelst Du durch Maskenwirrsal
      unverwandt,
   indessen er, pfadlos und s im Zittern unserer Weichen bebt,
   parforcegehetzt von Dir, blutroter Reiter im Geheimnis Deiner Welt.


                                 IV.

   Auf den Boulevards Deiner Seele wirst Du, o Mensch, einstmals Dir
      selbst begegnen,
   auf den Boulevards und den Brcken, vergeblich beschritten von viel
      unkundigen Fen.
   Dich wirst Du finden, den dunklen Sucher, von allen verlassen,
   der seinen Schatten aufsammelt vom Boden, da er niemand verletze.

   Leise wird Dein Tritt sein von Haus zu Haus, alle Tore wirst Du
      versperren
   und alle Schlssel schleuderst Du hinter Dich, in die seufzende
      Schwrze des nchtlichen Flusses.
   Du lssest die Straen sich rollen wie hitziges Blech, Deine Hand
      zerdrckt die grnliche Frucht der Laternen,
   sogar den Hunden und Fledermusen wirst Du mit fahlem Messer und
      spitzem Steinwurf begegnen.

   Deine Gefhrten werden sein die Seellosen, die Bume und die
      Gestirne,
   alle Pfade wirst Du hinaustragen in die Wste und sie im Winde
      zerstreuen,
   zwischen Deinen Fingern werden die Dimensionen wie sprde Stbe
      zerbrechen
   und den Raum, darin Du verkapselt Dich mhtest, reiest Du auf nach
      allen Seiten hin, malos.

   Wohl Dir, Du guter Wlzer der Augen, des Eis nicht zerschmilzt zu
      zeitlicher Trne,
   den Gott nicht mehr einsam macht, nicht mehr das Weib mit sinnlos
      klaffendem Mantel umlauert.
   Wohl Dir, Maskenzertrmmerer, Finder eigenen Unheils,
      Selbstverneiner:
   Das schimmernde Sein hast Du zum Nichtsein gemacht und Dich gelst
      zu dstergroer Verklrung.

   Endlos ist Dir das wehe Gelnde des Schmerzes,
   darinnen Du schreitest und schwarzes Brot der Versagung issest,
   ewig ist Dir das phosphorfarbene Schlafwandlerlcheln,
   das nicht zerschellt in den hohlen Grften der Erde.




                    DER UNERLSTE SINGT ZUR NACHT


   Ich kann meinen Worten nicht mehr entfliehn, o Gott,
   sie kommen zu mir auf den Brcken, die Tag und Abend verbinden,
   es knnen meine Lippen die kostbaren Worte nicht
   mehr umklammern wie Schtze,
   so da nun jeder sie ergreift und hinhlt
   in den Bezirk seines zernagenden Lichtes. --
   Alle Gebilde haben ihre Namen,
   ein jegliches redet seine Sprache in allen Zungen der Erde,
   selbst Du, o Gott, entrtst nicht Deines Wortes.
   Ich aber will die nicht, so da lrmen und allen gemein sind.
   Ich unterwinde mich aus ihren Umgitterungen
   meine fastenden Hnde emporzudrngen, da Du mich lehrest
   alle die Dinge, die wortlos und ungeboren
   noch nicht in Zeit getaucht sind und schweben zwischen Dir und mir.
   Und meine Stimme ertnt an den Toren des Abends:
   Ist es das Rauschen Deines Mundes, oder die Schlankheit meiner
      Geliebten,
   da ich bin wie ein Gef und schamlos berfliee vor jedem?
   Was ist es, das mich erfllt wie ein Antlitz und ich vermag nicht
   es zu erlsen mit meinen Gesang, da es lebe und wandle?
   Siehe, ich suche Dich, Gott, jenseits der menschlichen Wasser,
   in den Gebrden der Dinge, da Du mir Antwort sagest,
   und ich entsetze mich, Du mchtest pltzlich
   hinschtten auf meine Torheit den Lawinensturz Deines Lachens.
   Denn ein Zecher bin ich an Deinen Bnken, o Gott,
   und kann mich nicht lsen aus der Umarmung der Dinge,
   die Du wie bunte Netze gestellt hast rings um mich her,
   da ich nimmer genese von der Unwissenheit Deines Anfangs.
   Doch ber das Nackte der Dinge streuest Du aus die Saat Deines
      Mundes,
   und alle singen ihr einfltiges Ich und sind und kreisen
   und Du schreitest unter ihnen wie ein Grtner oder ein Hirte.
   Mir aber tte not ein Zuchtmeister meiner Gedanken
   und fr meiner Brnde Springflut ein Herd und sorgliche Wartung,
   denn uferlos ist meine Rede unter den Menschen,
   die einander heimsuchen und tausendfacher Gesprche pflegen.
   Versage mir nicht, o Gott, Einkehr in Deine Gebilde!
   Unbndig bin ich und bin auer mir und reie mein Gewand ab.
   Ich zerbreche Deine Satzung, wer da kann, begreife meine Nacktheit.
   Meine entfalteten Hnde umtasten seit je Dich, den Verwandten,
   und streifen an alle die Dinge, die noch der Zeugung bedrftig
   jenseits der Worte wohnen und jenseits ihrer Vernichtung.
   Ich bin voll von ihnen, o Gott, und wei nicht sie zu erfassen
   und bin ein Tanzender ohne Bewutsein, mitten in ihrem Geheimnis.
   Es ertnt meine Stimme!
   Es ragen empor meine Schlfen!
   Ich strecke meine Hnde nach Dir in die schwarzen Flsse der Nacht.




                             DER STDTER


   Was denn bin ich, da meine Seele nicht mehr
   wie ein Gebirge ber die Wlder aufsteigt,
   da ich ausstrme und mein Gef zersprengt ist
   und aller Dinge Schmerz in mir erbraust?

   Nicht mehr sind mir sanfte Geschlechter der Blumen,
   aufgerafftes Lachen an bunten Pfaden,
   kindliches Leid, berdacht von Muttertrstung,
   ach, und verwaist ragt mir die entkrnzte Stirne.

   Nachtcafs begrenzen meine Tage,
   Marmorblitz der Sle und Billardsto,
   mnzenklangdurcheilte Kellnerhnde,
   schwarzbewegter Katarakt der Sche.

   Was denn bin ich, da ich nicht durchbreche
   Kampfesordnung feindlicher Gerte?
   Weltall donnert hinter Spiegelscheiben.
   Meine Seele reitet durch die Nacht.




                           DEM WAHNSINNIGEN


   Da meines Atems falbe Sule Dich streifte,
   legtest Du gro auf mich Deiner Augen Getse.
   Deine Gedanken: Verzacktes Getrm ber krachenden Schlfen,
   Deine Worte dem taumelnden Nachtschwalbenflug zu vergleichen.

   O, zu sein wie Du, ein Seiltnzer ber den Dingen,
   verschmht und verworfen von Leuten trben Geblses,
   mit aufgeworfener Lippe einsam zu sein in den Scharnieren des
      Lebens,
   zu sein wie Du und nicht zu verrcken des Grases holdselige Einfalt.

   Wenig ist, guter Taten kundig zu sein,
   nichts Weckerprasseln und kalte Gsse des Morgens!
   O, zu sein wie Du, verschrnkt in alle Gerte,
   zerschwankt und zerborsten an allen Gebilden der Welt.




                         DEM ENTSCHWINDENDEN


   Ich bin ein Sieb, durchschttet von dem Korn der Welt,
   darinnen alles Grobe sich verfngt
   und bin angefllt mit den Rauheiten der Menschen,
   ihr flchtiges Sein zu umklammern bleibt mir versagt.

   Auch Du bist bald geglitten in die Tiefe,
   immer weniger wirst Du auf meinem Boden,
   meine Maschen sind zu weit fr Dich,
   Du liebes Korn, Du lieber Mensch.

   Ich gebe Dir mit zartes Gerusch der Luterung,
   lese von Dir das Fremde, da Du rein seist,
   gebe Dir mit Sehnsucht, Dich zu behalten,
   Du streifst mich ab, unbekmmert und weit um nichts.

   Wann kommt endlich Gebilde, da ich es fasse,
   da meine Leere erfllt sei, da ich es trage,
   Korn, tausendfltig erwachsen, seltsamen Duftes,
   haftend, schwer und gesund, dem ich nicht mehr Sieb bin.




                              BESEELUNG


   Wer im blitzenden Chorus werkttiger Sekunden
   hinschreitet im Dreiklang des Raums, ein Zweikmpfer aller Gebilde,
   wenig wei der um den Dichter, der in den Schwrzen der Nacht
   endlos sich auftut ber allem, ein kosmischer Vershner.
   Denn, da er Gott errufe, singt er o Ding, o Fontaine, o rauhes
      Gestein der Straen
   und treibt das Gewerbe des Miggangs, voll Beschwerde und Demut,
   er nimmt alle Schwere auf sich und wirft die Dimensionen
      durcheinander
   und lt das Feindliche in chaotischer Umarmung erbrausen.
   Wer ist da, da er Erbarmen trage mit der Not aller Dinge und ihres
      Wieseins Schauder,
   da er ahne Beklommenheit vergossenen Weines,
   und Tiefsinn groer Seen, die blank wie Mnzen sich rnden?
   Mich aber siehe weinen! Zur Pforte bin ich geworden.
   Es raffen zum Leben sich tote Atome im Sturz meiner Trnen.
   Meines Atems Golfstrom umklammert
   die tanzende Heerschar der Nachtgestirne.




                          LIED DES UNSTETEN


   Ich hatte den wahnsinnigen Jngling verlassen und war durch Wlder
   vorbeigezogen an krummen Flssen und endlosem Hgelgelnde,
   durch viele Tler des Jammers, wo die Gewsser der Klage rauschen
   und der Mensch hinsinkt im Diskussturze der Stunden.

   Wer ist, der meinen Ruf hrt, wer krnzt meine Spur mit liebenden
      Blten,
   Wirrslig ist mein Gedanke, labyrinthisch die Rede, doch gut ist
      mein Wille.
   O, nicht mehr bin ich wagrecht, berflssig und voll berhebung.
   Recht tut, wer meinen Gesang schweigen heit vor dem abendlichen
      Zirpen der Grillen.

   Siehe, allen bin ich bereitet, ein Trank, eine Speise,
   ich, allverwoben, allfahrend auf den Flen der Erde,
   ich, berall reglos sitzend in den Kathedralen der Nacht,
   ich, windflchtiger Falter, durchtanzend den Lotos eurer Trume.




                          DER AUSSICHTSTURM


   Zwischen eisernem Geblk, daran der Wind frohlockend sich klammert,
   windet mein Tritt sich empor, spiralig zur glsernen Plattform,
   unter mir liegt Gedcher der Stadt, Krmme des Flusses, Grten und
      Rebengelnde,
   unter mir die Eile der Menschen, Wagengerassel und die keuchende
      Heerschar der Schlote und Dampfmaschinen.

   Hier ahne ich Dich, o Gott, sofern ich Dir nher bin um den Atemzug
      einer Henne,
   (ich bin vor Dir so klein, wie der winzige Angler, der in der Tiefe
      stillen Gedanken nachhngt)
   ich hufe Deine Sinnbilder im Dunkel meiner Gemcher,
   zugemessen ward mir der Tag und das Nchtliche nach meinem
      Verdienste.

   Dich erkenne ich, o Tod, Du Gleichnis alles Lebendigen,
   Du in allem Leben enthaltener, tausendfach verzweigter,
   brderlich immer nahe im Speichenflug der rasenden Automobile,
   verschlossen in der dunklen Selbstentuerung des brutlichen
      Beischlafs.

   Dich auch vielfltige Zeit, Zweikampf des Todes mit Lebendigen:
   Jetzt heben sich die Vorhnge der Theater und nackte Schultern
      neigen sich ber die Brstung,
   jetzt lauert der Gymnasiast vor dem Tor der Geliebten, und der
      Beamte schliet ghnend das Hauptbuch,
   jetzt brllen die Klber in den Stllen ein letztesmal, und das Rad
      der Lafette zerschneidet den Bauch des Gefallenen am
      Schlachtfeld.

   Ich aber will lernen demtig zu sein,
   denn wo der Verzckte nieder sich fallen lt, wie der Erlser von
      der Zinne des Tempels,
   wo der bermige auf unsichtbarer Spur weiterhin schreitet in das
      Geheimnis der Sphren,
   da will ich, Snder, an eisernem Gerst abwrts mich tasten zur
      gebrechlichen Erde,

   denn vielleicht da unten meiner jemand wartet. Ich will mich
      beeilen.
   Wer ballt mich zur Kugel, auf da ich rascher die Serpentine
      hinunter rolle?
   Wer schmilzt mich zu glhendem Bchlein ins Herze zu flieen den
      wartenden Freunden:
   Zu sein einer im andern und die vermessenen Hnde zu tauchen in
      Quelle der Einfalt.




                              ERNEUERUNG


   Nun haben meine Hnde alle Not umschlungen,
   auftanzet meiner Freude lichtumflatterter Delphin,
   da ich, emporgeschreckt aus diesen Niederungen,
   wieder ein Mensch, hinjauchzendes Gott-Tier geworden bin.

   Auftakt des Weltalls ist in meine Brust gestiegen,
   die toten Trume, die in ausgeblater Nacht
   am Horizont wie schwrzliche Gehlze liegen,
   sind schweren Atems nun in meinen Tag erwacht.

   Weintriefender Kentaur sind meine Sinnlichkeiten,
   Gedanke therfarben fat mich in Gestalt,
   auch kann ich ber Wasser ungefhrdet schreiten,
   Windstrahl sein und Gelchter, auf einem Mund geballt.

   Von meiner Stirn umlaubt sitzt ihr, erstaunte Gste,
   und jegliches in mir wird tausendfach verwandt,
   wenn ich mich, Baum, erlsend ob Erdenzwiespalt verste,
   Urtrost bin, nachbarlicher Bruderdruck der Hand.




                        UNRUHE IN TIEFER NACHT


   Oh, wohl sehnt ich in meinem schwanken Tritt
   aufbrausender Gestalten frohe Wiederkehr,
   oder sag, gehst auch Du suchend durch die weite Stadt,
   wenn Nacht ist?
   Glaubst Du, ich ahnt es nicht, da Du zuweilen
   aufschrickst in Dunkelheiten vor bangem Ton,
   um Deine Lippen die stumme Frage:
   Warum qulst Du mich?
   Aber ich wei,
   einmal noch wirst Du liebevoll
   zrtlich noch einmal Deine Hand auf meinen bebenden Scheitel legen
   oder mich suchen
   hinter dem Zittern der Fliederstruche.
   Vielleicht, da ich dann schon fortgezogen bin
   tief hinein, wo tausend Welten rollen,
   alles von mir werfend.
   Aber sollt ich wie ehmals
   unstet durch Gassen wandern und Dmmerungen,
   Oh da Du, Grenzenlose, dann in meine Einsamkeiten glittest
   schwer und dunkel
   und mich umschlssest, so wie damals,
   da mir der Gott
   glhenden Fittichs ins Antlitz strzte.




                    GEBET BEI ANBRUCH DES MORGENS


   Einst wohnt ich jenseits
   der Dmmerungen,
   weinte hinter Wassern
   in den Schoduft der Nacht
   den Klagelaut des Fortgedrngten,
   nun la mich beten:
   Oh, dir netzt den Fu
   opalfarbene Flut,
   mit schlankem Finger der Wind
   spielt in Deinem Haar.
   Deines Busens Duftschleier hab ich gesucht den langen Tag,
   bis drauen zwischen Gerll, zwischen Geklft die Sonne starb.
   Oh, warum bebt Dein Scho vor mir zurck?
   Lag meine Sehnsucht nicht wie ein Tiger Nacht um Nacht?
   Siehe, den Zorn des Lebens streift ich wie einen Traum von mir,
   bald gleiten, wehe, schon strzen
   in die zyanblauen Geschwader der Nacht
   blutrote Sonnenkatarakte.
   Dann ist dein Haar
   brutlich gekrnzt,
   dann ist alles fr mich dahin,
   fortgezogen die Freudenwelle
   ber das Meer.




                            DIE HSSLICHE


   Aus den vier Ecken der Finsternis
   aufwrts steigt die Schale meines Gesanges
   voll jauchzender Trauer
   herbrausend ber die Inseln Deiner Sehnsucht.
   Du auch liebst es, Dein rauhes Haar zu bekrnzen,
   Deiner zerklfteten Lippen
   stetes metallisches Lachen
   bricht zwischen Lichtern
   und weint vor hlicher Schnheit.
   Sieh, es hllte der Gott in Gebrden Dich
   gleich einem Miton fr die Verstndnislosen,
   oft auch senkst Du die Stirn in talentsprossene Dunkelheit
   oder schminkst Deine Wangen
   mit staunendem Kindergelchter.
   Denn unmndig sind vor Dir
   die einherschreiten auf lrmenden Vlkerstraen,
   wer nicht einmal gebar das Unergrndliche,
   der begreift Dich nicht.
   Ich aber bin Deinen Lippen gut,
   den immer enttuschten,
   und will Deine Hlichkeit hinjauchzen ber die Firmamente
   und singen ein Hundertopfer
   Dir, Pilgerin unter den Menschen.




                                VISION


   Du lastest gleich schwarzen Quadern
   auf allen meinen Gedanken,
   Deiner steilen Brauen
   gekrmmte Zypressen
   fassen wie Grtel
   die Wachsamkeit meiner Schlfen.

   Ich will, Du sollst
   zwischen Farbenrdern und bunten Halbmonden
   in den Falten meiner Seide
   nackte Menuette tanzen,
   oder hin mit mir auf goldnen Fen
   ber herbe Flachlandschollen rasen,
   in den weitgestreckten
   Flchen Deiner Hnde
   Lachen halten und das lockende Getn der Herden.

   Nirgends auf den Kanten dieser Welt
   ist mir Schlaf bereitet und Versterben,
   siehe, ewig ward mir
   Flgelschlag der Dmmerungen
   Ahnung wilden Torenrufs der Gottheit.




                           DER KRANKEN FRAU


   Wenn ich in der Nacht von Dir gehe,
   duften Deine Augen herb wie Wacholder,
   ich trage mit mir den leisen Druck Deiner Hnde,
   und Deiner Stimme Tonfall ist ber allen Geruschen.

   Voll ser Einfalt bin ich, wenn ich Dein gedenke,
   voll zarter Traurigkeit und seltsamen Entzckens,
   wenn ich fort mu von Dir, fiebert meine Seele,
   wie warmem Kindlein vor khlrauschender Badflut.

   Siehe, ich drcke mein Haupt in die Kissen und trume Dich
   und meine Lippen bilden dankbar Dein letztes Lcheln nach,
   ich trume von der sen Tulpe Deines Herzens
   und da eine Wrme ist von Dir zu mir.




                          DER SCHAUSPIELERIN


   Wo bleibt Dir nun Opheliens irrer Kranz?
   Zerflog tragische Flamme, dunkel auf Deine Brust geschminkt?
   Sterntief und zaudernd ist Dein Blick, wer hat Dich denn
   fernschtig Windspiel neben mich entrckt?

   Logenbrstung schnrte Dich ein, gewaltig tobt
   Ausbruch der Hnde in beklommenes Parkett.
   Ein weier Trost ist Deine Stirne mir, ein sanft-
   bestrahltes Lmmlein im Gebirge meines Traums.

   Ein Nachtgesicht ist meine Liebe. Entrtselt nun,
   vor deinem Ku aufjauchzt meine Lippe Vergttlichung.
   Huserreihe leitet uns heim, zerstrt auch ist
   gesalbte Ordnung bronzefarbenen Haars.




                              TOTENKLAGE


   Hohl blst des Todes schwarzer Wind auf meinen Wegen.
   Kristall der Stunde jhlings springt ins Grenzenlose.
   Verstrzen Augen dunkel in der Klage Wasser.
   Marmornen Krampfes abseits Du in blauer Mansarde.

   War sonst der Tritt nicht sicher und gut in erzenen Grten?
   Der Fe zwiefltiges Hasten und Ein und Aus Deines Atems?
   Verzehrt ich nicht meine Speise mit Demut und voll des Dankes?
   Abreien will ich Gott von den Masten und Mlern der Ungerechten!

   Starr stehe ich und grausam vor den erkalteten Herden.
   Es sterben die Frauen im Licht eines lchelnden Todes,
   gleich dem Duft geffneter Frchte erglnzt ihre Seele.
   Aber sie blhten so lieblich im silbernen Atem der Unschuld.




                              BEGEGNUNG


   Das wiegende Schreiten des Mdchens auf der Brcke,
   das schlicht erhabene, wovor das Herz mir beklommen still steht,
   immer fllt es mir ein im Kommen und Gehen der tnenden Cafs,
   oder wenn ich sonstwo einsam lehne und nachdenke.

   Wer wei, wo das Mdchen jetzt sein mag (ich habe ihr Gesicht und
      ihre Gestalt vergessen,
   sicher wrde ich sie nicht erkennen, se sie im Theater neben mir),
   aber die se Demut ihres Dahinwandelns erfllte mein Herz mit
      unsglicher Trauer,
   und mit Sehnsucht nach der trichten Einfalt ihrer gtigen Hnde in
      meinen Haaren.

   Denn ich wei, da die Zrtlichkeit ihres Blickes und ihre Stimme
      wie dunkles Cello, sanft und verzeihend,
   mir entgelten wrde den Unverstand der Welt und die Menschen bsen
      Willens,
   und da die siebenfache Umschnrung meiner Brust sich lste vor dem
      Frieden ihrer Tritte
   (ob ich sie gleich nicht kenne und ein Tor bin, diese Worte zu
      schreiben).

   Denn leicht ist der groe Gedanke, die Gebrde oder das Wort,
   das losem Pfennig vergleichbar unter dem Volk umherrollt,
   doch schwer ist die Demut, und unkundig zu sein des Glcks
   der ineinandergeflochtenen Hnde.




                               ABGESANG


   Verwurzelt bin ich in euere Nacht, ihr Frauen,
   legendenentsprungen ich, Ritter Roland, ich, Haimonskind meiner
      Trume,
   Glutbeere war euer Auge, austrufelnd dunkles Opiat der Wehmut,
   s besaitet war euere Stimme, wie leise Regung frhlinghafter
      Birken.

   Ohne Schwere waret ihr, lchelnde Schreiterinnen ber den Wohllaut
      der Fluren,
   wohl lebtet ihr in erzenen Stdten, in Hall und Schall, in
      wagenumrasselten Husern,
   ihr waret lichter Saum, grende Neigung des Hauptes, Spaziergang
      allabendlich durch farbige Ufergelnde,
   nicht dmpfte der Teppich des Wehs das saphirne Getn euerer Tritte.

   Weh mir, wo ist nun, da ich ihn fasse, akkordischer Sturz des
      Gewandes,
   wo zrtliche Mulde geffneten Schoes, mein Haupt darin zu
      vergraben,
   wo ist, mein Gott, Atem, der in den Kammern der Brust
   sich staut und ausgiet dann ber warmen Opal der Sinne?

   Ich bin, o Herr, verworfen wie purpurne Flamme im Abgrund,
   ich bin, o Herr, versunken wie reisiger Ritter im Strome,
   zu nichtiger Asche bin ich zerfallen an der Weiglut Deiner Hnde,
   verschttet ist meine Kraft und mein Rest verjhrt in trbem Gef.

   Aber wenn abends groen Getses rollende Zge in fernen Provinzen
      verbrausen,
   bau ich mich auf, ihr Frauen, und bin eine Gegend, darinnen ihr
      wandelt,
   freundlich benachbart wie mndende Flsse und sanft in den Buchten
   ablegt alle Beschwer aus dunklen Hfen des Lebens.




                        UNTERWELTLICHER PSALM


   Es mht sich der Reisende am Morgen in Vielfalt des Aufbruchs und
      Hoffnung ferner Sonnen,
   wer aber mitternchtig heimkehrt, schleppt hinter sich das doppelte
      Bewutsein seiner Armut.
   Denn nur dem ruhig Sitzenden, dem Denker auf dem Steine ist die
      Erkenntnis beschieden,
   nicht als Tochter der Begebenheiten, sondern als Weh, urtief
      aufkeimend, gegenstandslos und ohne Ma.

   Ich sehe den klagenden Obolos zwischen verwesten Lippen wehmtig
      schaukeln:
   Oh, wie lchle ich ber den Schmerz von auenher, den Schmerz der
      Liebe, des Hasses und der Versagungen der Erde,
   den unzulnglichen Schmerz der flehenden Hand und des dunkel
      umfriedeten Auges,
   nicht zu vergleichen der schwarzen Bitternis der kniglichen
      Schwermut, die ohne Leib geboren ist und trnenlos waltet.

   Denn nur die Verdrnger der Zeit aus ihrem Herzen, und die den
      sausenden Raum in ihre Brust gespannt,
   einwrts bogen den Tritt und das Schwarze des Auges hinwarfen in den
      verlassenen Schacht ihrer Seele,
   wissen ihr fernes Reich und die siebzehn Flsse des Jammers, die es
      umschlingen. Aber die Wandernden alle
   schreiten lieber, die Palmentrger, durch Tore des Lichts und der
      Freude.




                           KREISENDE MASKE


   Alles ward, nur ich bin brig geblieben,
   ich bin nicht und trage mich selbst durch die Nchte.
   Allen gabst Du Verwandlung und Gang durch tnende Reigen,
   gabst das umwerbende Wort und sandtest die lsende Trne.

   Auf dem Gesimse der Stirn da nistet die Schwalbe des Wunsches,
   in der geschlossenen Faust entwirkt sich die Blume der Tat,
   gabst ihren Herzen Schwermut, den Lippen sanftes Getse,
   wenn der Geliebte des Nachts tlerwrts wlderwrts zieht.

   Aber sie wandeln das Antlitz und tauschen Gestaltung der Hnde,
   aber sie wirren die Stimm' und wechseln das Mal der Geschlechter,
   spannen sich ein in viel schimmernde Zeit,
   spinnen der Rume umflatterndes Kleid,
   schnappen der Worte beschatteten Bissen
   einer dem andern vom Munde hinweg.

   Ich aber bin in mir aufgetan
   und Gott ist mein dunkles Gezelt,
   die Stirne in Klarheit, die Fe im Wahn,
   verstrt in den Strom seines Atems gestellt.
   Was trag ich Bewutsein der andern und Tod im Gelnde des Herzens?
   Was ists, das in Falten des Hirnes
   mir tosend ersteht und verfllt?

   Mein Wort ist ein Auge
   aufsaugend Gewsser der Nacht aus dem Raum.
   Nichts kann ich mehr sagen,
   kahl sprot mir der Rede verbitterter Baum.
   An Antlitzes Larve,
   nachschleppender Rest, hng ich ewig mir an,
   indessen die andern
   in brausendem Wandern
   Genge getan.




                     KLAGELIED DURCH DIE SPHREN


   Ihr Wissenden, Ihr Finder guter Jahrzeit, tiefe Schreiter der Seele,
   seht, meine Hnde sind einfach, ich breite sie her ber die Weie
      des Tisches!
   Woher aber nahm ich die Zwietracht meines Hauptes und da mein Tag
      sich ins Irre bog,
   woher den ungewissen Opal meiner Gedanken und die Schwere in meinem
      flackernden Sinn?

   Denn ihr habt die Brcken der Welt gebaut, entschlossene Brder seid
      ihr und Gottes mchtig,
   Euere Stunden sind wohlgefgt und die Stunden Euerer Brder sind
      erfllt wie gute Becher.
   Ich aber bin die geheime Krankheit Gottes, die Lge Gottes, das
      Hirnsieb aller Gestaltung,
   meine Nchte sind milungen in Gedanken und die Liebe des Tages
      wucherte auf zu unreiner Anschauung.

   Ich strme nach allen Seiten auseinander und habe keinen Raum.
   Fremd ist mir die Se der Grenzen und das Gestade des Todes
      erreiche ich nicht.
   Euch aber gab der Herr Gnade der Beschrnkung und das Ma
   setzte Feindschaft von Vorher und Nachher und gute Baumeister wurdet
      Ihr seinem Gesichte.

   Woher, Ihr tiefen Wisser, rufe ich auf die weien Wasser des
      Sanftmuts,
   darin die Zeit sich erschliet und Liebe zur Tat wird, abgekehrten
      Gesichtes,
   woher, woher denn Ihr vielen, kommt mir dereinst die finstere
      Windflut des Abschieds
   und zu vergreisen nach Euerem Gesetz und die Heimfahrt des Herzens.




                        KLAGE DES ERDGERECHTEN


   Ich entfuhr den Klften zerborstener Trume,
   beschwert mit dem Erbgut verworfner Gestaltung.
   Ich wandle seither, ein weher Verknder
   der tdlichen Grenzen und der Gesetze.
   Ich teilte mir Gott in Gewsser und Klippen
   s-bittere Landschaft lie er sich nieder.
   Ich trage den Mestab erdachter Entscheidung
   und spalte das Leben.

   Doch sah ich den Pilger,
   verschrnkt in Geburten und Tode,
   den Wanderer wahrhaft um Se der Wanderschaft willen.
   Leicht wiegt ihm das Leben, wie Atem der Schwalben im Sturme,
   ist Strom oder Mantel von zehntausend Strmen des Herzens.
   Allseitig sein Walten, der Einfalt des Lichtes vergleichbar,
   doch selten erglhend, wie leidenschaftlicher Kaktus,
   ihm tnen die Hnde von Wohllaut und Glanz der Erkenntnis.
   Das Antlitz des Weltalls durchschwebt Katakomben des Hauptes.

   Es raffen die Sterne das Ma des strzenden Lichtjahrs
   und stocken den Lauf, wo rauschend sein Blick sich entfaltet.
   Wir aber durchsausen in zischenden Liften den Abgrund
   durch Wahnsinnsetagen und branden in dunkle Bedrngnis.
   Und alle Gestirne, darein er kristallen verschmolzen,
   der schmerzlose Segler im Windstrahl des Gttlichen, sind uns
   lngst toter Systeme kaum schwankende fahle Reflexe,
   die magisch verbrdert hintanzen durch Raumlosigkeiten.




               MITTERNACHTSKANTATE AN ALLE VERLASSENEN


   Ihr nchtlichen Kavaliere, stahlugig mit Blicken der einsamen
      Steppenhyne,
   Ihr Demoisellen, vom Monde blulich getncht, in frevelhaftem Karmin
      erstrahlend auf Lippen und Wange,
   da Euer Atem schwer geht durch Finsternis und bitters duftet wie
      traurige Nachtschattenblte,
   werf' ich Euch zu den schwarzen Ball meiner Rede, da Ihr ihn fahet,
      Ihr guten und willigen Fnger.

   Oh, Ihr Kinder der Zahl, nur der Mchtige ber die Zahl kann Euch
      erlsen!
   Aus dem Vielen stammt der Tod und die Heerschar der Grenzen ist
      schwer zu berwinden.
   Aber im tglichen Orgelgetse der Stdte seid Ihr Vielfltigmacher
      und Hteschwenker,
   Tat schmiedet bleierne Ringe um Euere Augen und sitzt vermessen in
      Euerem kecken Monokel.

   Denkt an die Einfalt der Wimpel, die fremd auf Fregatten in
      mystischen Ozeanen
   unkundig sind des Steuermanns und der tnenden Hfen der Heimkehr!
   Safrangelb strahlt ihnen fernher der ewige Leuchtturm aus dem Gefrb
      der Nchte,
   doch unerreichbar schwimmt er dahin und malose Meerfahrer sind sie
      im Dunkel.

   Denkt, hinter den schwarzen Vierecken der Fenster nisten noch viele
      Schlfer in sorgloser Atemschwebe:
   Ausgenommen sind die Schlfer von allem Gericht. Wer stnde auf und
      fgte dem Schlafenden ein Unrecht?
   Die Wasser der Trume schlagen leise an ihren Strand und etwas
      lchelt immer ber ihr Antlitz
   und viel Demut findet Ihr in ihrem Wagrechtliegen, denn alles
      Aufrechte hat die Richtung zur Snde.

   Nchtlich gelehnt an bronzenen Kandelaber bin ich gepflanzt Euch
      allen ein trstlicher Versammler.
   Denn auch der spitzbrtig schleichende Detektiv hat eine Seele
      tiefbrausend in allen Registern.
   Oh, Ihr alle, breitet Euere Taten auf das Pflaster und setzet Euch
      in einen guten Kreis
   und sehet aus grauen Streifen falben Gedchers den Morgen aufsteigen
      in warmer und zrtlicher Rte.




                  VERKNDIGUNG AN DIE KNIGE DER TAT


   Immer ist die Tat in einem Sinne ungerecht. Wer ist so khn eine Tat
      zu tun?
   Zu sickern antipodenwrts und nach onen in fernen Begebenheiten auf
      fremden Inseln zu schwingen?
   Die Angst und die siebenfache Verfluchung, wie knnte der Ttige sie
      vermeiden?
   Aber er lst sich grausig von seiner Tat und fllt ab wie drre
      Kruste von bler Wucherung.

   Verworfen sind die Dramendichter und Ingenieure, die da wissen, da
      die Wahrheiten des Lebens nicht auf dieser Erde sind,
   und die Huserbauer und die Soldaten und die Verherrlicher der Zeit
      und des Breitegrades.
   Soviel Raum als zwei Sohlen bedecken gengt um nachzudenken und zu
      erkennen:
   Nur wer die Wahrheit der eigenen Erlsung erkannt hat, wird aller
      Wahrheiten Knig sein.

   O ihr Menschen! Das Gehirn in Politik zu tauchen frommt nicht.
      Sehet, wie rein die Hnde der Leidenden sind!
   Sie sitzen in sich selbst wie in der Tiefe eines Tempels. Wer kme,
      um sie daraus zu vertreiben?
   Sehet an die Strke der Leidenden: Alle Taten von Aufgang bis
      Niedergang haben sie berwunden.
   Euer Garten ist voll von Eisblumen des Todes, aber die Seele der
      Leidenden ist von ewig duftender Glut.

   Nimm Du, o grter Meister der Tat, Deine kleinste Demut an Deine
      Brust und senke die Stirne.
   Siehe, Dein vollkommenster Prophet sitzt mit zerbrochenen Gliedern
      auf einem Stein und fgt Dir ein Erbarmen.
   Bald wird die Angst Deines Herzens in Wlder fliehen und sich hinter
      Felsblcken ducken,
   denn, siehe, Deine Taten sind uneins untereinander worden und stehen
      wider Dich auf!




                             TODESGESANG


   Ich halte in meinen Hnden die dunkle Frucht der Erkenntnis und
      benenne sie: Frucht des Todes.
   Das Wort Tod hat drei Laute und leichthin fgt es die tanzende Lippe
      des Menschen.
   Gelchterbewimpelt, ein Ozeandampfer, brauset das Leben vorber.
   Im Wellenpalmblatt seines Kielwassers schaukeln wir auf, beklommene
      brchige Khne.

   Unkundig sind und schwer befallen, die da den Tod in der Ferne
      suchen.
   Es trgt der Erkennende seinen Tod mit sich fort durch die
      Maskenwanderungen der Erde.
   Er kennt weder Eile noch Vor- noch Rckwrts und schwebet in
      unermelichem Ausgleich.
   Leben und Tod sind ineinander verschlossen, Sein und Nichtsein
      gebren sich auseinander.

   Ich hege diesen meinen Tod wie ein kstliches Gewchs und nhre ihn
      mit meinem Leben.
   Er verzweigt sich als Baum in alle Glieder meines Wesens und trgt
      lastende Frchte.
   Die bunten Sommervgel des Lebens nisten in seinem Gest und sein
      Laub schttelt der Nachtwind,
   Aber unter dem Zelt meiner Stirne breitet sich seine schwarze Krone,
      mich ganz zu erfllen.




                        LIED DES ENTSPRUNGENEN
            (Aus der symphonischen Dichtung Die Strae)


    Ein Irrer, langhaarig, schiefen Mundes, eine Geige in der Hand

   Will mich Hand des Wrters halten,
   werd' ich mich zusammenfalten
   wie Papierchen, sanft umfassen,
   durch die Gitter wehen lassen.
   Wie das Ktzchen giebelschleichend,
   auf den Mauersimsen streichend,
   bin ich auf dem First geritten
   an der Ulme abgeglitten.
   Hab' mir auf dem Fiedelbogen
   weie Zwirne aufgezogen.
   Will mir keiner Saiten schenken,
   mu ich mir die Saiten denken.

                (Macht einige Striche durch die Luft)

   Herrlich klingt auf meinem Cello
   Arie von Paesiello.
   Wrtershand ist hinterm Hgel,
   fat sie mich, so droht sie Prgel.
   Ehmals war doch alles helle,
   war nicht Riegel, war nicht Zelle,
   nun ist alles mir zersplittert,
   bin gefesselt, bin vergittert.
   Leib ist dunkel eingewunden,
   aufgeschwollen, unentbunden.

   Bin ich nicht als Lamentoso,
   Pizzikato, Furioso,
   halb gespielt und halb gesungen
   einer Partitur entsprungen?

   Ehmals war ich ein Andante,
   das auf einer Flte brannte.
   Herrgott sprach zu mir sein _Werde_
   und ich ballte mich zur Erde.
   Nun seit fnfzighundert Jahren mu ich um die Sonne fahren,
   bis ich mich zu Nichts zertne, irgendwo zu Ende sthne.

                     (Schlgt sich ins Gebsch.)




                           INHALTSBERSICHT


                                            Seite
   Sturz der Verdammten                         5
   Der Unerlste singt zur Nacht               11
   Der Stdter                                 13
   Dem Wahnsinnigen                            14
   Dem Entschwindenden                         15
   Beseelung                                   16
   Lied des Unsteten                           17
   Der Aussichtsturm                           18
   Erneuerung                                  20
   Unruhe in tiefer Nacht                      21
   Gebet bei Anbruch des Morgens               22
   Die Hliche                                23
   Vision                                      24
   Der kranken Frau                            25
   Der Schauspielerin                          26
   Totenklage                                  27
   Begegnung                                   28
   Abgesang                                    29
   Unterweltlicher Psalm                       31
   Kreisende Maske                             32
   Klagelied durch die Sphren                 34
   Klage des Erdgerechten                      35
   Mitternachtskantate an alle Verlassenen     36
   Verkndigung an die Knige der Tat          38
   Todesgesang                                 40
   Lied des Entsprungenen                      41




Anmerkungen zur Transkription


Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit
Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet.

Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgefhrt
(vorher/nachher):

   [S. 11]:
   ... Siehe, ich suche Dich, Gott, jenseits der menschlischen
       Wasser, ...
   ... Siehe, ich suche Dich, Gott, jenseits der menschlichen
       Wasser, ...

   [S. 35]:
   ... ngst toter Systeme kaum schwankende fahle Reflexe, ...
   ... lngst toter Systeme kaum schwankende fahle Reflexe, ...






End of Project Gutenberg's Sturz der Verdammten, by Johannes Urzidil

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or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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