The Project Gutenberg EBook of Der unendliche Mensch, by Arthur Drey

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Title: Der unendliche Mensch
       Gedichte

Author: Arthur Drey

Release Date: May 30, 2016 [EBook #52191]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER UNENDLICHE MENSCH ***




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                             ARTHUR DREY




                            DER UNENDLICHE
                                MENSCH


                               GEDICHTE

                               LEIPZIG
                          KURT WOLFF VERLAG

                BCHEREI DER JNGSTE TAG BAND 68/69

              GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRCKNER IN WEIMAR




                            AUFBRUCH-MUSIK


   Die Luft bebt wie ein Schall, der mir gebietet,
   Da ich die Dsterheit der Zeit zersprenge,
   Da alle Stirn, von Sonnen berbltet,
   Zu einem lichten Menschentag gelnge.
   Gesang von Worten, menschenheiliges Gut,
   Die Harfe Ozean, der auferregt
   Den Segler Erdgefhrten, Strom und Blut
   Der Pulse: -- ist in meine Macht gelegt.

   Wie wird mein Atemdasein hei und schwer,
   Wenn ich mich tief besinne in die Pflicht,
   Da ich der Sprache nachtumtostes Heer
   Umfange im gesungenen Gedicht.
   Doch wie ich leise, lauter, heller singe,
   Erschwebt frohlockend meinem Licht und Blick
   Ein Wissen: Da ich in die Menschen dringe,
   Mein Urwunsch Gte in das arme Glck.

   Als sei ein Allumlieben zu erschwingen,
   Wird mir der Erde strmisches Gezelt
   Voll jubelnd khnen Lieds verliebtem Singen.
   Und schlanke Leiber, flackernd aufgehellt,
   Tollen den Tanz der Ksse ... im Gewhl
   So linienwild, bis sie, sich berbiegend,
   Hinsinken, mild, ein ausgespieltes Spiel,
   Dem weich verwirrten Fliederbild erliegend.

   Da ist Vergebung. Knaben sinnen treu
   Den Ritter wie den Ruber; denn der bse
   Entmenschte Feind ist ihnen fremd, und frei
   Aufbumt und beugt sich weite Herrschergre,
   Kein Wille klebt am eignen kleinen Weh.
   Und auch der rauhe Mann ist wie ein Kind,
   Voll froher Frommheit hlt er die Idee,
   Da Sonne, Erde, Mensch das Heilige sind.

   Oft hat mein Sehnen vor sich selbst gebebt!
   Mein Aufwrtswollen wird auch dann nicht still,
   Wenn ber meinen Kopf die Welt sich hebt
   Und wie ein giftiger See mich tten will.
   Wie ein gehetztes Gemsenwild der Felsen
   Errette ich den Stolz der freien Hhn.
   Und von den Himmeln, da sich Donner wlzen,
   Fhl' ich Berufung wogend mich durchwehn.

   Zurck! Hinab! Wo irrendes Entsetzen,
   Wo Schlacht aufheult und metzelndes Verwhlen,
   Geschrt von Fhrern, die die Vlker hetzen,
   Wo auf Ministerthronen Schurken spielen,
   Wo blhnde Leiber, hingefllt in Stcke
   Verklumpten Bluts, und Millionen Augen
   In Nacht versinken -- Eine Meuchlerclique
   Will Krieg, daraus Tyrannenmut zu saugen!

   Nicht sthne, Stimme! Weit wie Firmament
   Sei Zorn und Kraft und Heilung allem Drsten
   Des Volkes Mensch! Die waren nie getrennt,
   Nur mordgepeitscht von roh' und eitlen Frsten!
   Dein Wutwort, heller Snger, es zertrete
   Die Untat, die in Lgen sich verlarvt!
   Bis ein Homer des Friedens im Gebete
   Erwachse, weinend brausend hingeharft ...

   Wie Bltenflut aus tiefen Wiesen dringt,
   So bricht der Klnge Brandung aus dem Snger,
   Der blindgeboren noch die Sonne singt.
   Wie einer Krone gttlicher Empfnger
   Nimmt er die ganze buntgewirkte Zier
   Der endlos wilden Erde ... so geeint
   Mit jeder Blume, Pflanze, jedem Tier,
   Da Mensch zu sein uns wie ein Ruhm erscheint!




                               DU EWIGE


                                  I

   La mich deine Hnde kssen,
   La mich deine Hnde fhlen!
   Deine Lichtheit hat zerrissen,
   Mich erdrckt mit ihrem Zielen.

   O wie ist die Nacht der Augen!
   O die weiche Glut der Wangen!
   Immer will ich blhend saugen,
   Will ich deinen Hauch umfangen.

   Knnt' ich mich in Trume schwingen,
   Himmlisch wollt' ich dich erheben;
   Betend, weinend, jubelnd dringen
   Meine Lieder dir ins Leben.

   Ein von Blten s beschneiter
   Morgen ist in deiner Lust.
   Lse denn die losen Kleider,
   Weie Sonne deiner Brust!


                                  II

   Wie gefangen an den Lippen
   Kss' ich deines Atems Laut --
   Blickend, trinkend bin ich liebend
   Deiner Liebe tief vertraut.

   Wie Posaunen tnt die Erde,
   Wild und weich in deiner Macht.
   Wer hat dieses Bild der Treue,
   Deinen milden Blick erdacht?

   Oh, in deinen heien Armen
   Ist ein Pressen und ein Ziehen
   Wie zum goldenen Vergessen,
   Singen, Summen, Saugen, Blhen.

   Schweiget, wilde Erdentne,
   Lat mich sterben, wenn ich lebe,
   Lat mich leben, wenn ich sterbe,
   Da ich mich zum Himmel hebe!


                                 III

   Fhlst du dich noch allein,
   Mein wildgektes Kind?
   Wir wollen die Ewigkeit sein,
   Wie unsre Sterne sind.

   Wir kennen das dunkle Glck,
   Das an sich selbst zerschellt: --
   Wir wollen mit einem Blick
   Die ganze wehende Welt!

   Wir wollen blhend singen,
   Wie Kinder, die wandern gehn,
   Uns fliehend und knieend umschlingen
   Wie eine Welt so schn!

   Vom Jubel mitgerissen,
   Der ber die Erde weht ...
   Bis wir hinsinken mssen
   Auf dunkelnder Wiese Beet --

   Auch hier noch mde liebend,
   In seligem Empfangen
   Von Abend, weich und trbend,
   Von Trumen, die aufgegangen.




                             DER ZWEIFEL




                             TRAUERMARSCH


                                  I

   Wer hat das Schwefelschwarz der Todesnacht,
   Den Sturz der Leiber heimlich ausgedacht?

   Von Dunst beglitzert ziehen wir dahin,
   Unsinnig flackert unser Daseinssinn.

   Wir tappen Tnze wie im Singsangspiel,
   Am Bhnenhorizont zerplatzt das Ziel.

   Als Vagabunden, nur mit etwas Geld,
   Begaffen und begaunern wir die Welt.

   Selbst Glckesgrbler, Knstler, Staatenlenker,
   Die Welt-Erneurer -- sind nur Menschenhenker.

   Es ist das unheilbare Leidensmal:
   Der hchste Aufstieg zeugt die schwerste Qual.

   Nur dann erhht sich unser Menschenschritt,
   Wenn er die Schwachgebornen niedertritt.

   Doch wie wir uns auch in die Weiten dehnen,
   Wir sind verseucht vom engen Erdensthnen.

   Wir bleiben tolle Tlpel ohne Taten,
   Teils voller Wahn, teils in den Schlamm geraten.

   Das Erdentsetzen winselt weh und wund
   Wie ein getretener verheulter Hund.


                                  II

   Weiter als der Wolkenflle Strme
   Brechen unsre Wnsche ins Getrme

   All der dunkel brllend wilden Zeit,
   Die kein Wille von sich selbst befreit.

   Festgebunden an die Erdensperre,
   Angekettet an das Schmerzgezerre,

   Tragen wir den Ekel unsrer Lust,
   Pfeile wilder Wachheit in der Brust.

   Und wir beten, bitten, singen blind
   In den leer verstreuten Aschenwind.

   Und wir hngen an den milden Blicken,
   Die wir trumen, um uns zu beglcken.

   Freunde finden sich im Kmpfermut,
   Todverwundet fluchen sie dem Blut.

   Heulend, tosend tnen die Fanfaren,
   Die den Tod der Erde offenbaren.


                                 III

   Der Lrm des Lebens knattert, pfeift und singt,
   Ein Hagelsausen, das die Leiber dngt.

   Mu an der Erde wie an einem Stein
   Die unbegrenzte Brust gekreuzigt sein?

   O mchte doch Aufruhrmusik erklingen,
   In einen Taumeltraum die Leiber schwingen!

   Doch schweige, Lust! Dein Aug' ist nachtbenetzt,
   Dein Weg ist todwrts durch den Raum gehetzt.

   Wir knnen nicht die Erdenmacht zersprengen,
   Solang wir Tiere sind in Felsenhngen.

   Wir knnen nicht die Sonne niederreien
   Und nicht den Erdball in den Himmel schmeien.

   Wir sind gebannt, auch wenn wir rasend rennen,
   An unser Fleisch, das wir den Menschen nennen.

   Wir heulen einen tief zerstckten Schrei
   Nach einem Sein, das mehr als Dasein sei.

   Der kaum Geborne schreit schon Widerstand,
   Als frchte er den erdverfluchten Sand.

   Was bleibt an Mut im Elendeinerlei?
   Ein bichen Glck, ein bichen Narretei.

   Man kreischt und zittert in den Erdenklippen --,
   Und schweigt verbissen mit zerqulten Lippen.

   Die Erdenfreunde sinken Blick in Blick --
   Ein letzter Liebeha zerreit ihr Glck.

   Und ber allem brausen die Fanfaren,
   Den Tod der Erde grell zu offenbaren.




                           FRAGENDER MENSCH


   Das ist das Stumme meines Angesichts,
   Da ich nichts finde, was den Geist beseelt.
   Nicht Welt, nicht Ich, nicht Alles und nicht Nichts:
   Wohin mit mir? Mein Tag ist ausgehhlt.

   Was knnte ein Pistolenschu mir geben?
   Was ist der Tod? Ich kann nur immer fragen --
   Und wer am Tod verzweifelt, will das Leben;
   Ich bin geboren und ich mu mich tragen.

   Doch wenn ich Leben will, weil Tod verhllt ist,
   Dann mu ich immer neu mich selbst gebren;
   Dann ist das Lustgeheul, das nie gestillt ist:
   Mutter und Kind, ein Geben und Begehren.




                               PIERROT


   Ich will ganz leis anfangen: zu sprechen.
   ... Wenige Laute zuerst ... zitternd ...
   Hrt ihr das Kichern knacken und brechen,
   Das in der Luft ist, gewitternd --?

   Noch steh' ich wie mein eigenes Denkmal da,
   Bin mir selbst noch zu nah.
   Ich mu von mir wegschreiten,
   Lachend ... bis ich _laut_ lache.
   Bin ich nicht eine famose Sache,
   He?
   Ach, ich seh':
   Ihr seid alle dumm, zu dumm.

   Dumm seid ihr ...
   Hojoh! Wit ihr, was eine Nacht ist?
   Menschen, sagt es mir!
   Ihr wit nicht, was eine Nacht ist.
   Ihr wit nichts.
   Gar nichts.
   Ihr seid alle dumm, zu dumm.

   Ich mu mein Hirn peitschen, schmeien,
   Weil es trge wird, was es nicht sollte!
   Aber mein Maul kann ich noch aufreien --:
   Auweh! (Weiter war's als ich wollte.)

   Hui! ...
   Hui! Hui!
   Ich hab' ein Liebchen, das will ich fangen.
   Sie kriegt einen Ku auf die Wangen --
   Schade,
   Auch das Kssen ist fade.

                   *       *       *       *       *

   Ach Gott! Die Welt ist so weich und gebogen,
   Warum sind die Wlder nicht spitz
   Und noch spitzer der Himmel?
   Um solchen Witz sind wir betrogen.
   Alles ist nur immer Trauer
   Und schmeckt de und sauer
   Wie alter Schimmel.
   Und die Menschen sind ohne Projekte.
   Eine hilflose Sekte.

   Jetzt werd' ich mich ducken,
   Vielleicht auch hinlegen dann.
   Und ihr sollt gucken,
   Wie gut ich mich totstellen kann.




                             GUTE LATERNE


   Noch weiter gehn?
   Was will mir noch die Strae sein?
   Die Steine sind noch hrter als Matratzen,
   Doch auch ein enges Bett will ich nicht sehn.
   Verdammte Nacht! Ich hab' mich rumgestritten
   Mit bsen Freunden. Jetzt bin ich allein;
   Sie sind verrgert mir hinweggeglitten,
   Sie wollten mich an meinen Augen kratzen,
   Ich sah so treu sie an, da sie's nicht konnten.

   Ihr Blut ist Gift? Ich will davon nichts wissen.
   Was darf man wissen? Alles ist verschwommen.
   Alles ist Strom, in weiten Strom gerissen --
   Ach, wr' auch ich in Arme aufgenommen!

   Laternen schwimmen viele. Pflck' ich die gelben Rosen?
   Halt, halt, du Welt! Ich kann schon nicht mehr mit.
   An eine der Laternen werd' ich hingestoen.
   Wer gab mir in die Kniee diesen Tritt?
   Hab' ich zu viel schon Welt in mich getrunken?
   Oh! die Laterne, die mich halten konnte,
   Ist dicht an mich und ich an sie gesunken,
   So dicht, als ob sie mir, nur mir die Nacht besonnte.

   Bin jetzt fast ruhig und mir selbst vorber,
   Die Kraft entsinkt, ich bin zu sehr zerfleischt.
   Welt, strotzt dein Leib? Er ist Geschwr und Fieber,
   Kraft ist nur Tollwut, die in Luft sich kreischt.
   So sehr sah ich der Tage Wahnsinn nie,
   Die Tierischkeit des menschlichen Gestells.
   Was rasen Menschen? Und was schaffen sie?
   Sie tten sich den Kopf an einem Fels.
   Tut aus der Nacht sich nicht ein Mantel auf
   Und legt sich weich und bettend auf mein Hirn?
   Ach, kme nie der Morgen mehr herauf,
   Das kalte meuchlerische Bleichgestirn.
   Und doch, ich seh, die Nacht ist mir nicht weich,
   Die Nacht ist nichts, was mich nicht auch verlie.
   Ist gar nichts denn fr mich, macht mich nichts arm, nichts reich?
   Ist das der Tod? -- Ein Lebender fragt dies.

   Was soll ich jetzt mit mir beginnen?
   Der ich mich ganz an die Laterne gebe?
   Bin ich denn immer noch bei meinen Sinnen,
   Obwohl ich leerer als ein Toter lebe?
   Wohin auch sonst ich in der Welt mich bringe,
   Mich zieht doch gar nichts an, ich bin so grlich lose.
   Wenn mir die Zunge aus dem Munde hinge,
   Das wre wirklich keine dumme Pose.
   Was sind die Huser? Grnes Schafsgewimmel.
   Und alles schmeckt nach altem Mond und d.
   Und auch der khle dnne Himmel
   Ist fahl und bld.
   Ich hab' nur Angst, da ein Betrunkner kommt
   Wie ein erschreckend-greller Knall.
   Wr' ich ein Pferd, so brav und prompt,
   Ich schliefe still in meinem Stall.
   Wozu erst Wachsein noch, das doch nur ghnt?
   Wr' ich nicht Mensch, ich schliefe s und still.
   An die Laterne bin ich hingelehnt
   So sehr, da ich nicht weitergehen will.




                             DUMPFER TAG


   Nehmt endlich, Brder, mir von meinen Lippen
   Den schweren Daseinsschrei, den nie mein Kopf vergit.
   Denn sonst ersticke ich in den Gestrppen,
   In Stadt und Stacheln, die die Erde ist.

   Hrt ihr den Erdenwahnsinn lachend weinen?
   Ein Donner ist in mir, der will so wild erdrhnen!
   Der Lebende kann sich nicht selbst verneinen,
   Wer einmal Mensch, der mu ein Glck ersehnen.

   Kein Traum kann je uns vor uns selbst verschonen.
   Wir, Sklaven, sind gepeitscht und wissen keinen Retter.
   Wir sehen nicht, in welcher Welt wir wohnen,
   Und schwingen schwer in unerkanntem Wetter.

   Und ich, ich bin, dem solcher Tage Nacht
   Noch mehr als euch sich engt zu Gassen toller Trauer.
   Denn unsre Blindheit hab' ich ganz durchwacht.
   Ich denke keinen Himmel mehr, nur Mauer.




                              ERDENFAHRT


   Jahrelang ist nichts geschehen,
   Nur das Leben vieler Dinge,
   Erd' und Himmel war zu sehen
   Und des Himmels bleiche Ringe.

   Flatternd kann ich mich vergessen,
   Wie ein Kind, wie eine Mcke.
   Zeit und Ziel sind ungemessen,
   Wenn ich in die Sterne blicke.

   Auf die Fahrt auf dieser Erde
   Geht ein steter Regen nieder.
   Wie ein Sein, das nichts mehr werde,
   Sinken bald die Augen nieder.

   Alle, die im Kreise tanzen,
   Die in Stdten und auf Bhnen
   Ihre Fahnen lustig pflanzen,
   Knnen nur der Erde dienen.

   Jahrelang werd' ich die Stunden
   Der Sekunden tief begehren,
   Werde, ganz an mich gebunden,
   Bser Liebling, mich zerstren.




                             NACHTGEDICHT


   Ein Wind ist diese weite stumme Nacht,
   Und diese Strae, diese Wste schwebt,
   Die ich so lange schon in mich hineingedacht.

   Ist Denken denn ein Trieb, der uns erhebt?
   Er ttet alles, was in einer Brust
   Lebendig war und blhend unbewut.

   In welchen Kampf will ich mich schlagen?
   Erfolg und Macht -- es ist doch alles leer.
   Und Opfer sein? Wo nehm' ich Gtter her?

   Vielleicht die Menschen aufwrtstragen?
   Ich Narr! Ist Hherkommen denn schon je geglckt,
   Da stets Unendlichkeit uns niederdrckt?

   Euch Menschen helfen, die ihr elend seid,
   Wr' Wahnsinn. Helfen hilft nur falschem Schein,
   Denn wo ein neues Glck, ist auch ein neues Leid.

   Stets in sein Selbst, wie an den Pfahl gebunden,
   Bohrt sich dem Menschen neues Sehnen ein,
   Wenn er Beglckung irgendwie gefunden.

   Ich aber fhle Leere im Gesicht,
   Zu mde wird es mir, als da ein Glck
   Noch jemals Kraft erlange meinem Blick.

   Ich will nicht traurig sein und glcklich kann ich nicht,
   So bin ich nichts -- und fhle manchmal nur
   Die kleine Lust zu einem Nachtgedicht.

   Und wie an einer Schnur
   Geh ich den Schmerz entlang,
   Der diese Welt ist und ihr Miggang.




                      DIE UNGESTILLTEN DER SEELE




                              RITTERNARR


   Zu eng ward ihm der Raum der Daseinsfristung:
   So stieg er auf sein Ro und ritt die Erde,
   Der finstre Ritter in der grellen Rstung --
   Gefolgt von einer drren Menschenherde.

   Er ritt und ritt und suchte die Gefahr
   Voll Angst und Qual, voll Mut und hellen Flgen.
   Das ekle Dasein, das so heimlich war,
   Wollt' er mit seinem eigenen bekriegen.

   Er nahm sein Schwert und hieb es in die Luft
   Mit solcher Wucht und starrem Widerwillen,
   Da in der Welt vor ihm sich eine Kluft
   Zu ffnen schien, um seinen Ha zu stillen.

   Und als er lang genug das All durchquert
   Und sah, es werde wohl vergeblich sein, --
   Da hielt er an, und stieg von seinem Pferd,
   Und setzte sich auf einen nackten Stein.

   Und stierte in den blinden Dnsteraum,
   Als wollt' er dem Lebendigsein entsagen;
   Und stierte in den dstern Wolkenschaum,
   Als wr' nichts mehr zu sagen noch zu fragen.

   Die Wolken tanzten silberschwarz wie Srge
   In seinen Augen, die voll krankem Schauer
   In schwle Luft anschwollen: so viel Berge,
   Sie lagen ihn zu tten auf der Lauer.

   Die Leute hoben ihn in einen Karren
   Und fuhren ihren Held aus seinen Schmerzen
   Zum Thron. Dort zndeten ihm seine Narren
   Vor Glck die spitzen Finger an wie Kerzen.




                          GANG ZUM SCHAFOTT


   Ein Menschenkreis umstellt das Blutgerst
   Und hungert nach dem Folterakt der Kpfung --
   Da kommt der Mrder. Und sein Leben ist
   So bleich wie die unendliche Erschpfung.

   Nichts wollen seine hohlen Zge sagen.
   Er litt -- bis an den groen eignen Knochen
   Es nichts mehr gab fr ihn, um dran zu nagen.
   Die Augen liegen tief wie ausgestochen.

   Stumpf geht er. Pltzlich klingt die Snderglocke
   In dnnem Strahl, wie Lachen hell und kalt.
   Da hat noch einmal an dem Strflingsrocke,
   Kurz wie vom Blitz, sich ihm die Hand geballt!




                               AHASVER


   Mir hat die Welt auf meinen weiten Zgen
   Viel Lust geschenkt. Ich hab' sie stumm vergraben
   In meinen Augen -- die stets hungernd liegen.
   Mich sttigt nicht, was mir die Menschen gaben.

   Ich kann nicht ruhn, ich mu die Erde messen,
   Glhendes Folterrad an meinem Leibe --
   Erst dann wird Glck, wenn ich die Gier vergessen
   Und wie ein Fels erkaltet stehen bleibe.




                           JUNGER KNSTLER


   Kommt keine Sonne ber meine Augen,
   Die, noch so jung, schon hohl wie Grber lagen?
   Ich will den Freund mir aus den Bchern saugen,
   Die meine frh gepreten Qualen tragen.

   Und wie gedrosselt stockt mein tiefes Weinen
   Nach Armen, die ich um die Schultern fhren
   Wollte, ganz dicht. Auch nicht das tiefste Weinen
   Lst meinen Leib aus seinem groen Frieren.




                              DER DENKER


   Ich wei nicht, was ich bin. Mein Weg luft schief
   Um mich herum, ein wirres Kreiselspiel.
   Mein Denken, das zwar immer nach mir rief,
   Sagt mir nicht, was ich bin, sagt mir kein Ziel.

   Nie kann etwas in mir mich ganz begreifen.
   Denn wie begriffe ich dies Etwas dann?
   Ich kann Begriffe auf Begriffe hufen:
   Und wo man aufhrt, fngt's von neuem an.

   Wo mnde ich, wo ist mein Urbeginn?
   Stets bleibt ein Rest beim Spalten und Umspannen.
   Bld scheint der Schrei nach all des Daseins Sinn:
   Alldasein ist durch Denken nicht zu bannen.

   Knnen wir nichts als endlich wahr erkennen?
   Wir wissen nicht, ob wir Bestimmtes wissen.
   Wir drfen immer nur so weiterrennen,
   Wie Blinde fressend, hungernd und zerrissen.

   Und stets die Frage, die sich selber fragt
   Nach etwas, das man ist und hat und hlt!
   Es ist das Klagen, das schon nicht mehr klagt:
   Nicht als nur da zu sein und ohne Welt.

   Sonne ist Nacht, denn Freude ist nicht mehr!
   Was knnte ich mit Freude mir gewinnen?
   -- Doch der, der fragt: ist jede Flle leer?
   Kann der denn jemals in ein Nichts zerrinnen?

   Man lebt, ja, Ha in Menschen und in Herden,
   Als sei's ein Wert: grer zu sein als klein.
   Wer reicher wird, mu arm an Armut werden,
   Wer rmer wird, wird reich an Armut sein.

   Streck' ich mich noch? Ich Wurm. Was ist in mir,
   Das je sich selber berragen knnte?
   War je ein Mensch, war je ein wildes Tier,
   Das (wie ein Gott!) sich von sich selber trennte?




                                CLOWN


   Ich taumele in einem wirren Traum,
   Da ich doch nie mit mir am Ziele bin.
   Wie meine Krause bin ich nichts als Schaum,
   In hellen Farben schillernd ohne Sinn.

   Ich falle einen langsam steten Schritt,
   Wobei ich jedes Bein fr sich betone.
   So schlepp' ich mich herum, und jeder Tritt
   Ist wie der Ausspruch, da es sich nicht lohne.

   Doch niemand ist, der mich voll Trauer whnt
   Und Lge sieht in meinem Lachgebell.
   Und da dahinter eine Sehnsucht sthnt,
   Merkt niemand, denn ich scheine froh und hell.




                            ALTERNDER MIME


   Ich strmte jung voll Freiheit auf die Bhne,
   Berauscht von Sternen, die ich hell erdacht,
   Da ich der Erde wie ein Herrscher diene,
   Dem Kampf der Liebenden in Sturm und Nacht.

   In qualzerrissne Sinne wollt' ich dringen,
   Mein wildes Wort und Sonnenjubelspiel,
   Es sollte einen neuen Traum erschwingen
   Fr Menschenlust und Erdenmitgefhl.

   Es mag geschehen sein, was ich gewollt,
   Die Freunde haben meinen Kampf geteilt.
   Doch selber, scheint es, hab' ich mich vertollt
   In Nichts, ob ich gejauchzt, ob ich geheult.

   In Trauer mut' ich meine Frohheit schminken:
   Nun fhl' ich kaum noch meines Lachens Sinn.
   Es ist so leer, wenn mir die Leute winken,
   Da ich vergessen habe, wer ich bin.

   Mir dnkt jetzt nur noch eine einzige Geste
   Als wahr. Nicht, wenn ich eine Frau liebkose,
   Nicht, wenn ich ksse, tanze und mich mste --
   Nur die, wenn ich die Menschen von mir stoe.




                          DER KRANKE SNGER


   Wo nehm' ich die Geduld her fr mein Leben?
   Der Giftschwamm wuchert und zersaugt die Brust.
   Mein Blick ist stumpf und hohl dem Tod gegeben.
   Zertreten liegt die heitre Sngerlust.

   Wie anders frher! Als sich mir die Bhne
   Zur Welt geweitet und die Menschenklnge
   Noch voll aus mir erstrmten -- wie die khne
   Gewalt des Gottes, siegende Gesnge!

   Nun sthnt so heiser, mhsam, ohne Wert
   Mein matter Leib, der kaum sich aufrecht hlt.
   Vom Fra der Blutbazillen ausgezehrt
   Wankt mein Gerippe im Gerll der Welt.

   O knnte ich nochmal die Stunde kssen,
   Da sich der Tag hell in den Himmel schwang,
   In Segel tauchen, blhend hingerissen
   Vom eignen Spiel und liebenden Gesang.

   Und knnt' ich einmal noch die Bilder wecken,
   Die mich wie milde Farben berliefen --,
   Aus meinen Gliedern auf den Aufruhr schrecken
   Mit jenen Stimmen, die unendlich riefen.

   Doch dieses ganze Sehnen ist vergebens,
   Erinnerung bedeutet grere Not.
   Die unerfllte Flle meines Lebens
   Wird immer ausgehhlter fr den Tod.




                               AKROBAT


   Ich zieh' mit stumpfen Eltern und Geschwistern
   Von Stadt zu Stadt auf jeden Jahrmarktsrummel.
   Ich bin der drre Gliederclown, und lstern
   Begafft die Menge mich verbrauchten Stummel.

   Wie Schlangenwirbel mu ich mich bewegen,
   Da ich zerbrochen bin und viel geteilt.
   Ich mut' von Kind auf mich in Fratzen legen
   Und aus den Wunden schrei'n, die niemand heilt.

   Wenn stolz ich aufrecht stehe -- lge ich.
   Ich turn' am Reck und bin zum Tod bereit
   Ganz wie am Galgen. Oftmals trum' ich mich,
   Als sei mein loser Leib wie Sand verstreut.




                             ZIGEUNERLIED


   Wir sind die mageren Zigeunerkinder.
   Wir tanzen Seil und biegen jedes Stck
   Des jungen Leibes krumm. Und immer blinder
   Stellt sich die Welt zu unserm drftigen Glck.

   Wir sind gedorrt und bleich vom vielen Hoffen,
   Vom vielen Wandern schmhlich abgezehrt;
   Und nirgends haben wir aus all dem schroffen
   Applaus ein liebend gutes Wort gehrt.

   Kein ehrgerechter Zorn darf uns erhitzen.
   Wir mssen lcheln, wenn man uns verlacht.
   Wir mssen singen, springen, klingen, schwitzen --
   Und alle Tage sind wie schwere Fracht.

   Auf unsern Rippen spielen wir die Harfe.
   Die Leute lauschen, wie es knackt und bricht.
   Doch dieses Knochenspiel ist bloe Larve.
   Dahinter whlt ein Meer. Das sehn sie nicht.

   Wollt ihr an unseren Skeletten schrfen?
   Wozu? Das Knabbern stillt nicht eure Lippen.
   Hier ist kein Fleisch, und Blut ist keins zu schlrfen.
   Hier ist nur Meer, das ihr nicht seht, und Klippen.




                              MEERFAHRT


   Ich war noch jung, und konnte schon das Land
   Nicht mehr ertragen, da es von bigotten
   Bewohnern starrte, unbewegt. Am Rand
   Von Aschenhgeln schien man hinzutrotten.

   So suchte ich das Meer -- und fand es ganz!
   In dstertiefer Pracht, verwhlt und wild,
   Dann wieder friedlich gleitend, in den Glanz
   Der Sonne eingeflossen, tief und mild.

   Fr meine Nacktheit hatte ich als Hlle
   Den Himmel nur. Ich brauchte mich nicht bergen
   Und kleiden wie die Menschen, deren Flle
   Am Stein der Stadt verkmmert wie bei Zwergen.

   Ein heller Segler war mein Eigentum
   Und auer ihm die khne Himmelsweite.
   Der jungen Freiheit unbegrenzter Ruhm
   Schien unvergnglich wie das Weltgezeite.

   Ich stand am Bug und dehnte meinen Leib
   In glhnder Kraft tief in die Luft hinein.
   Wie hingejubelt war ich an ein Weib,
   Erschauernd s im Welt-Umschlungensein --.

   Da trieb ein giftiger Wind mich an das Land --
   Gleich kamen Menschen, meinen Stolz zu lhmen
   Mit Hohn. Ich warf mich weinend in den Sand
   Und fhlte mich der nackten Reinheit schmen.




                             DER BERUFENE


   Am Fensterrahmen wie ans Kreuz geschlagen
   Liegt schwer mein Kopf. Ich frchte ein Erdrcken.
   Ich mu den Himmel auf den Schultern tragen,
   Die tief verirrten Menschen zu beglcken.

   Ich sinne, wie die Wege sich verlaufen
   Und sich verkreuzen, wenn ich, um zu lehren,
   Auf ihnen folge dunklen Menschenhaufen --
   Die sind zu starr, um je sie zu bekehren.

   Die enge Erde scheint ein Widersinn,
   Da ich das grenzenlose Dasein trage.
   -- Ich selber glaube kaum an Glckgewinn,
   Der ich die Erde mit Beglckung plage.

   Ach, darf ich nie wie eine Barke gleiten,
   Mit mir im Tanz, beruhigt, frei vom Zweifel?
   Stets fhl' ich Kpfe nach verschiedenen Seiten
   Aus meinem Hals sich recken wild wie Teufel.




                              NIETZSCHE


   Was will die Zeit der aufgestrmten Tage,
   Da aus den Werken ihrer Shne werde?!
   Wenn sie ersticken in der eigenen Klage,
   Im Elend der Unendlichkeit und Erde.

   Ein Dichter sang! Und wie aus Orgelkehlen
   Erstrmten Grten blhender Musik --
   Doch heimlich schwoll der Neid der dster Scheelen,
   Die ihn solange hhnten, bis er schwieg.

   Und immer schwerer ward die Nacht der Tcke.
   Wo blieb der Jubel von den treuesten Jngern?
   Er fhlt jetzt um sich her zu weiter Lcke
   Die Menschen, die ihn liebten, sich verringern.

   So steht der Gott-Mensch in der Welt umher,
   Ein Schpfer, den die Schpfermacht enttuscht.
   Was soll er schaffen, wenn das Erdenheer
   Doch jeden Helfer wtend blind zerfleischt?

   Schon wirft das Volk ihm Steine ins Gesicht,
   Volk eines Lands, dem seine Gre gilt.
   Und jedes Wort, das sein Gedanke spricht,
   Verstummt im Sturm, der heulend ihn erfllt.

   Er eilt, und flieht das lebende Gewimmel,
   In fernes Felsgebirg, sein eigner Feind.
   Da stt er Trnentne in den Himmel,
   Ein Kind, das nichts mehr wei, als da es weint.




                            DER ANACHORET


   Menschersehnend, Menschenhasser,
   Riegelt mich mein Willens-Ring.
   Stets vertrbt wie Tmpelwasser
   War der Tag, in dem ich hing.

   Erdgebunden, dennoch suchte
   Himmlisches mein Hhlenblick.
   Alles, was ich oft verfluchte,
   Weinte ich mir oft zurck.

   Sehn' ich mich aus meiner Sperre
   In ein Tummeln mit Gespielen:
   Sind die Ketten, die ich zerre,
   Fast willkommen meinem Fhlen.

   Denn die Angst des Ruhverlustes
   Hemmt den Traum, mich auszuschwingen.
   Und mir bleibt ein stumpf bewutes
   Liederdenken ohne Singen.

   Wenn auch, Sonntags, Menschen kommen,
   -- Kommen nur, mich anzugaffen:
   An dem Steinbild eines frommen
   Narren steht ein Knuel Affen.




                          DER GTIGE MENSCH


   Guter Mensch; du rhrst an deiner Saite,
   Die wie ein Licht leidend in dir glht,
   Wie eine Bitte, um die du bittest,
   Leise und singend trumerisch,
   Rhrst du die Gte einer ganzen Weite.
   Und wo dein Fhlen erblich
   Vor Schreck, als du das Nichts im All
   Schaudernd erlittest:
   Da blieb kein Wall,
   Der das Ergieen der Traurigkeit
   Noch hemmen knnte.

   Dein Auge aber ist so schn
   Vom Glanz der dunklen traurigen Macht,
   Da der Raum zittert wie Vogelstimme
   Vor Lust fr dein Leid --
   Da er zittert, als wollt' er zerbrechen.
   Du weit, auch das Unglck mu,
   Mu wie ein bestraftes Kind.
   Und deine Lippen, blhend bleich,
   Ohne zu kssen, ohne zu sprechen,
   Sind Klage und Ku.

   Du siehst den Fremdling an
   In flehender Geduld;
   Tief verwundert, verwundet dich sein Lachen.
   Und du mchtest dann,
   Als sei alles, was ist, Schuld, deine Schuld,
   Noch das Gute wieder gutmachen.




                        WIR STERBEN DAS LEBEN




                                KRANK


   Die Leichentcher knnen mich nicht hten,
   Die Kissen, die wie weie Spiegel blenden,
   Sie helfen nur die Augen mir entblten --
   Mein Kopf wird leer, ein Kranz von hohlen Hnden.

   Warum hat man die Brust mir so gefeuert?
   Mit meinem Schrei will ich euch niederstechen
   Oh, alle euch, die ihr voll List erneuert
   Das Blut des Lebens, furchtbar zum Erbrechen.




                       AUFSCHREIENDER KNSTLER


   Hingeworfen bin ich in Welt!
   Khnheit und Zerrissenheit!
   Doch mein So-Wildsein ist Traurigkeit,
   Nur Finsternis ist erhellt.
   Was kann uns unendlich heben?
   Nichts. Wir altern immer, sind nie gesundet.
   Wir sterben das Leben,
   Alles Leben ist tdlich verwundet.

   Doch ich habe ja Khnheit in mir!
   Ich knnte ja khn sein!
   Wohin aber knnen wir
   Aufjauchzend streben?
   -- Es ist dumm, khn zu leben.
   Alle Pyramiden sind Wahnsinn und Stein.

   Zerfetzt die Schnheit in meinem Gesicht!
   Ach, alle Hnde sind zu zahme Tiere.
   Ich will mein verblhendes Blhen nicht!
   Leben ist Aas, mit dem ich mich beschmiere!

   Lach' ich ber mein Atmen?
   Ich sollte besser Stein sein.
   Doch einmal jetzt mu ich noch schreien
   Aus dieser Erde heraus, dieser Grube,
   Und mit Knochen und Gebeinen
   Mich hinwerfen und schreien!!

                   *       *       *       *       *

   In die Wnde meiner engen Stube
   Will ich mich weinen.




                              TRBE LUFT


   Wach auf! Aug' ber dem Tag!
   Wundes Vogeltier, mde zum Schlag.

   Aug' ist ohne Blick, Welt ohne Blick,
   Mensch kann nicht mehr auf, ist nur ein Stck.

   Knige, thront ihr auch, seid nur Gewimmel,
   Punkte berall, Kreise und Himmel.

   Hoffen zerflog in Luft, Menschelein hilf!
   Schlacke schuf ein Schalk, Chaos und Schilf.

   Qualen sind im Schlamm, Kraft ohne Mut,
   Feuer flackt und ertrinkt im hohlen Blut.

   Was uns ist, ist nicht, zieht immer vorbei,
   Jedes Ding ist morsch und dennoch neu.

   Schultern biegen sich ghnend zurck,
   Immer wimmert ein Greinen um Glck.

   Wach auf! Aug' ber dem Tag!
   Wundes Vogeltier, mde zum Schlag.




                    DUDELSACKWEISE DES STERBLICHEN


   Ins Grau des Tages bin ich hingestellt.
   Die Lebensstrae ist im Staub ein Strich.
   Allglck zerstrzt in die Novemberwelt.
   Nie war ein Blhen, das nicht bald erblich.

   Das Himmelsfenster kann ich nicht zerschlagen.
   Ich bin versperrt. Ich kann nur Schritte tun.
   Ich mu wie einen Sack mich weitertragen,
   Mu nachts im Bett wie eine Leiche ruhn.

   Mein Tod bezuckt mein Dasein heimlich fern;
   Er grinst in meinen Rcken sein Plaisir:
   Wie man sich schindet ohne Ziel und Kern
   Im Sterbetaghemd -- niemand wei wofr.

   Man trippelt sich die mden Sohlen wund
   Am Gngelband des Lebens. Gram und Graus
   Und Lust und Last sind tglich der Befund.
   Wir sind in Uns und knnen nicht heraus.

   Wir knnen nicht die Erde hher heben.
   Die Frage krchzt: Was soll der Wille wollen?
   Wir blicken nichts vom Leben als das Leben.
   Wir sind die Erde, fahrend und verschollen.




                              ERMATTUNG


   Der Tag war schwl.
   Ich schliee meine Augen wie ein gelebtes Buch.
   Die Bilder sind zu Ende,
   Zu wenig und zu viel --
   Ich bin nur noch der Fluch
   Aus einem Zorn.
   Und keine Wende wird sein,
   Die wie ein helles Horn
   Zum Aufschwung bliese --
   Ich klage wie ein Riese
   Und bin klein.




                               VERNUNFT


   Zerrissen ist das Tiefste, das wir sind,
   Und dennoch nur mit seinem Selbst vereint.
   Solch Leid hat keine Trnen ... wie ein Kind,
   Das am Ersticken ist, bevor es weint.
   Das Niedrige ist nichts, das Groe ist zu gro,
   Die Weisheit sagt: Hoffen ist hoffnungslos.

   Wir sind des Lichts umnachtete Begleiter.
   Ist nicht das Leben wie ein Gnadenbrot?
   Ob Ja, ob Nein: Es reit und peitscht uns weiter,
   Das All des Glcks versagt sich unsrer Not.
   Und ob wir weinen oder traurig lachen:
   Wir knnen uns nicht ungeboren machen.

   Auch khnste Trunkenheit ist nicht Erfllung.
   Was nutzt das bichen Zuversicht der Brust?
   Der hchste Himmel selbst ist nur Umhllung
   Von fahlen Dingen, keine Gtterlust.
   Die Schpfung ist ein Zirkel, irr umkreist,
   Ein Schattentanz, der keinen Ausweg weist.




                               O ERDE!




                             NACHTGESANG


   Falle in des Himmels Nacht,
   Glhend in die Schlucht der Straen,
   Schmerzenlichter sind entfacht,
   Greller, als Drommeten blasen.

   Nirgends, wo ich knieend bliebe;
   Gleite ber weiche Steine;
   Unerlsbar ist die Liebe,
   Die ich in der Stadt verweine.

   Zckt nur, Lichter, nach dem Mden,
   Bis ihr all' ihn umgebracht!
   Ach, mein Sinn weht in den Sden
   Mit den Wogen dieser Nacht!

   Dort erfllt den Himmel voll
   Ein geliebter Sternenbund,
   Ksse trum' ich tief und toll
   Meinem liebebleichen Mund.

   Liebste, da ich sinken werde,
   Wut' ich, da ich dich nicht fand.
   Nach dem Schiffbruch dieser Erde
   Splt das Meer mich an den Sand.

   Wr' doch die Umschlingung mein
   In den Sternendiademen!
   Immer ist das Erdensein
   Ein umarmtes Abschiednehmen.




                          ES WIRD EIN TRAUM


   Es wird ein Traum aus dem, was Tag noch war.
   O ser Abend, der die Augen kt!
   O Lichterschmuck, Musik und Harfenhaar!
   Verzckte Stadt, die wie ein Weihnachtsbaum beglitzert ist.

   Ein Lieben ist im tummelnden Bewegen.
   Viel' Frauen, nackt in Kleidern, ziehn vorbei.
   Das Gold der Sterne ist wie goldner Regen.
   Die Erde, die ihr Nachtfest fahrend feiert, atmet frei.

   Und unsrer schlanken Krper mde Fhrung
   In Straen, die wie Flsse nchtlich glnzen,
   Ist wie ein Mdchen trumender Berhrung
   Mit junger Nacht und Glck und Rausch von ferngefhlten Tnzen.




                                HYMNE


   Wenn hoch ein Stern die Tempelnacht beglht:
   Hlt nicht die kleinste Hand den Allpokal?
   Ist's nicht ein einziger Strom, der heimwrts zieht
   In Grotten leiser Wasser ... traumhaft wie Opal?

   Mein Musikant und deiner -- alle geigen
   Den Linienrausch, der raumlos uns verfhrt.
   So lst sich unser Halten in den Reigen,
   Der an die ewige Verzckung rhrt.

   Schmt euch des Weinens nicht! Ihr seid ja Kinder!
   Ein Lcheln ist im Trnenregenbogen.
   Vieltausendmal gekt sind eure Mnder
   Von Liebsten, blhenden in Welt und Wogen.




                           DAS HEIMATZIMMER


   Nun bin ich wieder heimgekehrt,
   Dort drauen war die Angst der Welt;
   Hier innen hat sich nichts vermehrt,
   Blieb alles ruhig aufgestellt.
   Und oben, hr' ich, spielt man noch Klavier,
   Jungsanfte Hnde schweben ber mir.

   Ich bin in meinem treuen Bett,
   Will lesen wie vor weiter Zeit.
   O liebes Glck! Ein Amulett
   Ist jede kleine Einzelheit.
   Ganz ferne schlagen Blitze um das Zelt,
   Wo Ha und Hast und Schreigelchter gellt.

   Hier ist das Glck umfat gekt!
   Mein Unruhblut ist liebewach,
   Als ob mich jemand kssen mt',
   Als stellten Menschen tausendfach
   Sich in der Liebe meiner Augen dar,
   Als sehnt' ich Ksse fr mein wildes Haar!

   Oft schien ich lebend eingebaut,
   Oft weint' ich ohne rechten Grund.
   Doch dieser Raum ist so vertraut
   Wie ein geflstert tiefer Bund.
   In Bett und Gondel fliet der nchtige Schein
   Und hllt die Fahrt des weiten Lebens ein.

   Komm, Liebste, in das Nahgefhl
   Von Welt und Menschen heller Nacht!
   Die Leiber wogen im Gewhl,
   Verheiung unerschpfter Pracht.
   O Melodie, die sich in Kssen neigt,
   Die s, in Glck verfhrend, uns umgeigt!




                                FRAUEN


   Frauen sind das Vertrauen,
   Wissende ohne Klgeln,
   Wehende Schiffe dahin --

   Fahrtverzckt im Erschauen,
   Lchelnd in Buchten und Hgeln,
   Trchtig von Sein und Sinn.

   Kssende Blicke fhren
   Glck der umarmenden Weite,
   Schmiegen sich deinem Mund.

   Sehnendes Nahberhren
   Glhen sie deiner Seite,
   Gotteskindlichen Bund.

   Farben, trunken und golden,
   Spiegeln sie in den Augen,
   Leiten sie deinem Lauf ...

   Frauen sind reichende Dolden,
   Lassen die Se dich saugen,
   Liebende himmelauf.

   Wo ihr Leib der Milde
   Breitet Brste und Hfte,
   Himmelwerden im Scho:

   Da umfaltet Gefilde
   Taumelnder Grten und Lfte
   Unsere Seele gro.




                          DER HIMMELFLIEGER


   Wund von Wundern und jung
   Ri dich ein Rausch in die Hhe,
   Da im sausenden Schwung
   Jubel und Ruhm bestehe.

   Nicht bedrftig der Erde
   Schien dein strmendes Steigen,
   Auf die kriechende Herde
   Sahst du aus hchsten Gezweigen.

   Sangst in die Sternonen
   All, was dein Eigen war,
   Lachtest drohender Zonen,
   Lhmender Hhengefahr ...

   Doch mit einemmal zuckte
   Zitternd dein Leib und Blut,
   Und die Kehle schluckte
   Mhsam nach Luft und Mut.

   Und in rasendem Drehen
   Fhltest du klemmende Not -- --.
   Konntest nicht lnger bestehen.
   Luft ohne Staub ward dein Tod.

   In der Leere der Lfte
   Brach die Seele der Glieder.
   In die Tiefen der Klfte,
   Tonlos, strztest du nieder.




                             MYRTENKIND!


   Ich umschlinge deine Hand und zerpresse alles Leiden,
   In schmiedenden Kssen den angstwachen Traum,
   Da keine Tage mehr sind und kein Raum
   Zwischen uns beiden.

   Ich zerksse deine Lippen, deine Stirn, deinen Blick,
   Da Grten erblhen und singen. Und die Wonne
   Und Schpfung der Welt kehrt zurck
   Zum ersten Morgen der Sonne.




                            GEDICHT IM MAI


   Ich dacht' es nicht, nie, da ich so verzcke,
   Wo Wiesen blhn wild in ihr eigenes Meer,
   Die junge Sonne an Gestruchen pflcke,
   Die Luft, die Lust umarme und die Brcke
   Der Erde leicht mich trage berher;

   ... und Flgel fhlend tausenden Gehusen,
   Der Unruh Linien findend ihre Bahn,
   Entring ich mich, unendlich in den Kreisen,
   Will Welt, dich, mich und alles an mich reien,
   Musik, wie Glaube glht, ist aufgetan!

   Weinen vertraut, wo so Versunkenheit
   Der Landschaft ist --, viel Farben fhren, erwidern
   Das Leid. Und Strmung, Jubel ist und weit
   Geffnet Flut groer Gemeinsamkeit;
   Herr bin ich von Brdern, Bruder von Brdern.

   So zieht wie ber alle Lnder mein Blick,
   Friede sinnend; tief in die Brust hinein
   Atmet der Raum. Nichts bleibt verarmt zurck --
   Denn allen ist und alles Unglcks Glck,
   Unter der einigen Sonne zu sein.

   Oft ging ich dumpf und blind; und hier ist Kunde,
   Brausender Dom, Sieg der Sonne, und Segen!
   Ich will nicht grbeln, warum. Meinem Munde
   Fhl' ich Ksse entstehn, geweihter Wunde!
   Zgle mein Hirn, o Gott, la mir den Segen!




                            AN DEN ANDEREN


   Du gehst zerschluchtet, Bruder, von tausenden Streiten.
   Ich seh dich gehen, blicklos blickend, dunkel schwer.
   Du kreisest die Erde, verfolgt vom eignen Begleiten:
   Dein entmenschtes Gesicht ist Krampf im begrabenden Meer.

   Dein Hhlenleib heult in fleischzerpeitschtem Zucken.
   Was du ersehnt, das Viele, einst jung, ist verloren.
   Hell wolltest du herrschen, dann wieder dich demutvoll ducken:
   So schienst du zum Fhren nicht und nicht zum Folgen erkoren.

   Hrte und Huld, erdstarken Aufstieg, aber auch Milde hast du
      gesungen,
   Gebietenden Geist und frei dennoch die menschenwogende Masse --
   Nun im Zerdenken des Ziels, bis das Licht, das dich lockte, in Dunst
      verklungen,
   Lufst du blind und entleibt von sich selbst fluchendem Hasse.




                        ICH DENKE EINEN FREUND


   Schon will der Tag im Zimmer untergehn.
   Mein Freund erzhlt, in weite Linien blickend,
   Von Wandernchten zu erwachten Hh'n,
   Zeit berwindend, Rume berbrckend.

   Wir gehen aus und treffen in den Straen
   So viele Menschen, die uns nicht verstehn.
   Wir wollen nicht in enger Hrde grasen,
   Komm, la uns zu den groen Bumen gehn.

   Ich fahr' mit dir in den Botanischen Garten --
   Doch ist nicht jeder Weg ein Doppelsinn?
   Fhl' ich nicht hinter mir Verlassne warten?
   Mein Blut ist Flut in weiten Weltbeginn!

   Wir gehen zwischen groen Baumkulissen.
   Hoch werden Wolken in die Nacht geschwemmt,
   Um uns ist alles willenlos umrissen.
   Wir sprechen laut und hei und ungehemmt.

   Ich wei, da wir uns alles Dasein gnnen.
   Die kleinsten Qualen darf ich dir erwhnen.
   Wenn wir am innigsten uns finden knnen,
   Ist das Beisammensein voll Sturm und Trnen.

   Den heien Kopf in khle Nacht geschmiegt,
   Erdenkt ein neuer Mut sein Weltsignal.
   Und wo der dsterhafte Druck zerfliegt,
   Strahlt eine Weite auf wie ein Choral.




                                FGUNG


   Der Abend erst hat meine Kunst gefunden,
   Ich war entartet schon in meiner Mh,
   Doch pltzlich durft' ich noch zum Licht gesunden
   Am Vollgelingen meiner Melodie.

   Da ging ich schnell zu meinem Bruderfreunde,
   Der auch in seiner Stube glcklich war,
   Gleich mir den ganzen Tag verloren meinte,
   Dann aber auch den hohen Sang gebar.

   Wir gingen aus, in Straen still umher --
   Es war kein Gehen, eher noch ein Fahren
   In Glck. Wir hatten keine Worte mehr,
   Die Klnge nur, die fast frohlockend waren.




                                 DUO


   Saen viele Stunden beide
   Immer an der Tre Schwelle,
   Du in deinem blauen Kleide,
   Beide wie an tiefer Quelle.

   Hrten stumm und sahen wieder
   Immer unsre Gegenbilder,
   Waren seliger denn Brder
   Und noch inniger und milder.

   S bedrckt, um Worte mhend,
   Sehnen war und kein Bewegen;
   Und wir htten uns doch glhend
   In die Arme sinken mgen.

   Doch ich zitterte und fhlte,
   Unheil sollte niederbrechen,
   Wnsche, die ich mir erzielte,
   Wollten mir das Herz durchstechen.

   Denn, noch ohne die Berhrung,
   Sprachst du schon das Abschiedswort;
   Und wie auer aller Fhrung
   Schwamm das ganze Leben fort.




                          DEM ENGEL DER ERDE


   Noch rhrt' ich nicht an deine Bltenhnde,
   Dein Bildnis zieht in flimmernden Gestalten --
   Ich aber geh' die Stube und die Wnde
   Und kann den Schritt an keiner Stelle halten.

   Denn alles ist wie aufwrts ausgegraben;
   Wie Schlangen greif' ich in die Gegenstnde
   Auf meinem Tisch, und will doch gar nichts haben --
   Denn der Gedanke sucht nur deine Hnde.

   Ihr Liebenden der Welt, wo soll ich hin?
   Oh, da die Jugend noch ein Jubel werde,
   Die Mitternacht gekrnt und heller Sinn! --
   Wie Muscheln schallt die dumpfe Zaubererde.

   Ich glaube, darf ich je die Hnde kssen,
   Die deine Unschuld so unendlich wahrt:
   Da, glaub' ich, bin ich wie vom Glck zerrissen,
   Ein seliges Opfer nach der weiten Fahrt.




                              ABENDGANG


   Des Tages Hirn wird dunkel und verdorben,
   Die Huser blutleer und wie stille Leichen.
   Schon ist in mir auch vieles ausgestorben,
   Und nichts Bestimmtes will ich mehr erreichen.

   O weiche Melodie der Mdigkeit,
   Bist du das Gift, das mich so ruhig macht?
   Ich geh', fr alle Menschen jetzt bereit,
   Mit halb geschlossnen Augen in die Nacht.




                 AUFRUHR DURCHWHLT DEN GTIGEN GEIST




                          LIED AUS DER NACHT


   Ist mein Bett das wilde Schiff,
   Das in strzenden Kreisen dreht?
   Ist die Wand verstrickend das Riff,
   Das krchzend entgegensteht?
   Doch drauen weit ist Meer und die Welt,
   Der gttliche Gesang!
   Ich komme, ich komme! und bin euer Held!
   Und bleibe euch treu mein Leben lang.

   Funkelnd richt' ich mich auf,
   Noch verlassen wie ein Stern.
   Doch im Fenster der Himmel dort
   Ist Weg und Gewhr,
   Und ber alle Maen fern
   Zieht der Begierde zitternder Lauf
   In das brtend dunkle rauschende Meer.

   Hell ruf' ich die Nacht zum Schwert.
   O du endlich gefundene Tat!
   Ich selbst mein Geleit und heiliger Wert,
   Der zwingend menschengtig naht.
   Ja! Hier ist Meer und Welt,
   Der gttliche Gesang!
   Ich komme, ich komme! und bin euer Held!
   Und bleibe euch treu mein Leben lang.




                                 DANK


   Man dankt mir viel und drngt mir Worte auf
   Und Arme voll von Hnden ... Stets war's noch
   Ein gleicher Arm, steif wie ein Flintenlauf,
   Aus dem die Hand wie eine Zunge kroch.

   Was soll mir euer Dank so kalt und stier,
   Er reicht doch nie an mein Gefhl heran:
   Das ist so glutvoll tief und wild in mir,
   Da nur das tiefste Sehnen nahen kann.

   O knnt' ich selber einmal Dank verknden,
   Ich wollt' die Hand zerdrcken, die ich hielte,
   Und wrde wogend solche Worte finden,
   Da jede Ader ihre Strmung fhlte!




                              BESINNUNG


   Du bist der Himmel und das Grab,
   Vertrumter Geist, der mich belebt.
   Ich wei nicht recht, wo ich mein Schicksal hab',
   Oft hab' ich wie ein Schatten nur gebebt.

   Das Erdensein ist der Versuch,
   Das Land des Glckes zu entdecken.
   Das Menschenleben ist ein Knabenbuch,
   Den Schlaf der Wnsche strahlend aufzuschrecken.

   Am heimlichsten ist unser Ich,
   Nur blitzend wie ein Blitz, der schon erlischt.
   Die Bilderdinge rhren dich --
   Sind wir dem All, dem Nichts vermischt?

   Das Leben hat nur in sich selbst den Sinn
   Und im Vertrauen in den eigenen Rat.
   Das ist die Antwort auf dein Wort Wohin:
   Zu dir, zu deiner Hhe, deiner Tat.




                         KNAPPE VOM BERGWERK


   Ist Jugend kranke Armut?
   Ist das geweinte frhe Leben
   So ohne jedes se Gut,
   Schon hingesunken, ohne sich zu heben?
   Was will die wilde Stadt,
   Die mir im Ohr erdrhnt?
   Schon hab' ich mich zu Tode matt
   Nach Menschen hingesehnt:
   Nach einem Inbegriff,
   Der berm Schmerz besteht
   Und nicht wie Wellen an dem Riff
   Der schwarzen Erde stumm verweht.

   Und dann, dann kam der Qualm,
   Der in der Hhlen sielt,
   Und losch den Bltenhalm
   Und Blick, den ich noch aufrechthielt.
   Dann immer neue Wolken und die Nacht
   Und Regen, Grauen und die letzten Schauer --
   Jetzt sind nur unermelich noch der Schacht
   Und meine groe Angst auf ihrer Lauer.




                           DER VERURTEILTE


   Am Morgen kam seine Mutter.
   Sie sa den ganzen Tag bei ihm.
   Er kniete an ihrem Scho,
   Weinte in ihr zrtliches Kleid,
   Lachte in ihre kssenden Hnde,
   Und weinte;
   Htte den ganzen Krper
   In sie hineinweinen mgen.
   Sie war ihm so hell wie ein einziger Stern.

   Sie sprach: Mein Kind,
   Mein liebes Kind.




                            DER GEKERKERTE


   Die tiefe Mauer, die mich starr umstellt,
   Ist wie das Grab der Grber. Hartes Stein-
   Gebilde ist der Mensch; mir gnnt die Welt
   Auch nicht das kleinste Trpfchen Sonnenschein.

   Es beugt sich niemand, mir in meinem Kerker
   Die dunkle Stirne himmelhell zu kssen.
   Und meine Wnsche werden immer strker,
   Wenn sie so langen Tod erleben mssen.

   Und manchmal trume ich von einer Rache,
   Nach der dann wie verglast die Hnde langen --
   Doch wenn ich zuckend wieder bald erwache,
   Bin ich umengt von Mauern wie von Schlangen.




                               NAPOLEON


   Himmel! Sinke den Augen!
   Ich bin zwar blind und berdeckt,
   Doch noch nicht blind genug in meinem Haupt:
   Mein Blick will Menschen saugen,
   Hat Tausende hingestreckt.
   Was ich dem Trieb verbiete,
   Hat sich mein Trieb erlaubt.

   Wer trug die Kraft in mein Gehirn?
   Wer gab mir Macht und Knnen schwerer Schlacht?
   Wer die Idee? -- Ich schlage mir die Stirn;
   Ich will nicht Krieg und Mord,
   Nicht Krieg, nicht Krieg,
   Nicht Mord!
   Ich sehne den Sieg!

   In meiner Stirn ist ein Adler, ein Geier,
   Rasend mit den Flgeln vor Ungeduld!
   Schweige, Tier! Ich fhl' es wie Schuld:
   ber der Vernunft ist ein Schleier.

   Ich bin von der eigenen Kraft zerrissen.
   Vlker, Volk, Frankreich,
   Ihr seid in meinem Blut;
   Ich blute mit euch,
   Mit dem Reich;
   Ich opfere, zum Ruhme gesandt,
   Euch das heiligste Gut,
   Mein Gewissen.




                            JUNGER SOLDAT


   Schon heult die Nacht. Die Schlacht brllt auf und brennt.
   Bald sind auch wir nur Fetzen.
   Noch in Reserve unser Regiment.
   Wir warten entseelt in Entsetzen.

   Brach wirklich hin, was kaum noch blhend sang?
   Fr wessen Habsucht-Rachen?
   O Gott! Warum der viehisch rohe Zwang,
   Totschlag und Qual und Nieerwachen!

   Wer ist mein wahrer Feind? Ich wurde Knecht
   Nur durch den eignen Staat.
   Sind aber Ruhmgier, Raubgelst im Recht?
   Jung sink' ich hin, jung ohne Tat.

   Mai, Juni, Juli, Monate der Blumen,
   Werd' ich euch wiedersehn?
   April ist jetzt. Heut' soll noch in den Krumen
   Der Erde all mein Herz zergehn.

   Ward die Geduld der Jugend und Gefahr
   So hinterrcks belauert?
   Mu Strafe sein, wo keine Snde war,
   Wo nur ein frh Sichsehnen schauert?

   Liebst du mich nicht, Macht meines Vaterlands,
   Da du mich niedertrittst?
   Nur um der Feldherrn willen und des Stands,
   Der eitel waltet und besitzt.

   Sind nicht auch wir wie ihr ein Heimatgut,
   Wohl wert auch, da es bleibt?
   Verachtet ihr uns so und unser Blut,
   Da ihr uns auf die Schlachtbank treibt?

   O Heimatland, das liebste, das ich wte,
   Des Lebens tiefster Lohn,
   Entweichst du mir? der dich gekt so kte
   Wie nur dein innigst junger Sohn.

   Du Freundeland, Land heier Jugendbriefe,
   Zu Trnen reit du hin,
   Du singst die Sprache meiner trunknen Tiefe: --
   Und du erfllst nicht ihren Sinn.

   Kehr' ich noch heim? Und wie? Zerschlagen, krumm,
   Ein Krppel, blind -- ganz blind?
   Hier ist kein Aufschrei mehr, nur kalt und stumm
   Ist Schutt und Dunst und Todeswind.

   Mu wirklich so die Pflicht erniedrigt werden,
   Um fremden Glanz zu grnden?
   Ist denn die Sonne nicht genug auf Erden?
   -- Oder war ich voller Snden?

   Ich darf nicht lnger von mir selber wissen,
   Schon hr' ich das Signal.
   Ich mu, mu, mu, und kann nur immer mssen,
   Und selbst zum Mut bleibt keine Wahl.

   So zieh ich fort, erloschen und verloren.
   Wohin? Nirgendwohin.
   Das Ewige ist tot. Ich ward geboren
   Fr meinen Mord und toten Sinn.

   Lebt wohl! Ich will nicht allzu feindlich scheiden --
   Da nicht zum Fluch noch werde,
   Was eine Jugend war voll milder Leiden.
   Lebt wohl! Ach! Mutter, Brder, Erde.




                           DER KRIEGSBLINDE


   Nicht mehr die Lust
   Des Taumelns im Getriebe;
   Nicht mehr voll Macht die Brust,
   Voll Ruhm und allgeliebter Liebe;
   Nicht mehr das Singen, Strmen in den Himmel,
   In wilder Wiesen blhendem Gewimmel,
   In der Gebsche grn verschlungnem Blhn;
   Nie jubelnd mehr das weite Land durchziehn;
   Zu nichts mehr als zum Erdbekriechen taugen;
   Nie mehr die Dfte einer Welt einsaugen:
   -- Verloren irgendwo auf drrem Pfad
   Steht der Soldat
   Mit den zerschossnen Augen.

   Er geht und macht nach jedem Schritte Halt.
   Was soll er gehn?
   Die Welt ist dumpf, ungtig kalt
   Wie schweres Winterwehn.
   Gerusche hrt er hohl vorberrauschen;
   Sein Hirn erstickt im Denken an ein Glck.
   Er will mit seinem Kopf der Sonne lauschen: --
   Der Alte Wahnsinn krallt ihn im Genick.

   Er weint in seinen Leib.
   O ses Weib,
   Mit Blumen, Blten, Krnzen im Haar,
   Mit Tanz und Spiel,
   Umschlingendem Gefhl,
   O alles, was im Licht voll Liebe war!

   Viel Tausende mit ihm
   Zerschlug die Schlacht und lie sie leben.
   Sie waren jung, in frohem Ungestm,
   Voll Wille wollten sie die Welt erheben.
   Nun schleppen sie den Leib wie eine Fracht,
   Die niemand will,
   Erstarrt und still
   Von Nacht zu Nacht.

   O kme Mord in diesen Qualenschacht!
   Ein Gnadensto
   In das verdammte Menschenlos,
   Das ihr zum Vieh-Dasein gemacht.
   Mord ist nicht grausam, wre willkommen jetzt,
   Wo ein zerwhltes Nichtsmehrsehn
   Die Sinne folternd fetzt!
   O km' ein unbegrenztes Untergehn!




                              ERBLINDUNG


   Nie fat ihr sehend Seligen den Trug
   Und Jammer, den die Blindheit birgt;
   Da, seit mich die Erblindung niederschlug,
   Ein Heulschrei immer meine Kehle wrgt.

   Seht her, wie wild verfiebert ich noch schwitze,
   Da ich vom Sonnenuntergang getrumt.
   Sah ich's denn nicht, wie eine goldne Litze
   Blaugraue Hgelwellen schn umsumt?

   Ich sah's und sah es nicht, -- und seh es nie.
   Es war das Wahnsinnslachen meiner Trauer.
   Ich bin im engen Stall der Welt ein Vieh,
   Die Luft ist steinig dick wie eine Mauer.

   Nacht oder Tag: ist all in eins verjammert,
   Da solch ein Leben ohne Leben ist.
   Mich hlt das tiefste Grauen tief umklammert,
   Das langsam sicher meinen Leib zerfrit.




                             DIE PHALANX


                                  I

   Was bleibt dem Menschen, wenn nicht ein Erbarmen,
   Das wunderttig greift in Angst und Sthnen?
   Ihr Mchtigen der Welt, von Millionen Armen
   Seid ihr umfleht nach Hilfe und Vershnen.

   Noch sind die Ebenen von Qual und Qualm vernebelt.
   Noch herrscht peitschlustig eine Dnkelbrut,
   Die jedes Aufschwung-Atmen niederknebelt,
   Verliebt in ihre eigne Wstlingswut.

   Kein Schimpf beirrt ihr nrrisches Genieen.
   Getreten liegt der Geist. Aufwollende Gedanken
   Sind eingekfigt mde in den Schranken.
   Des Hergebrachten blder Gtze ist gepriesen.

   Aus goldnen Schsseln schlrfen sie Erquickung,
   Indes, hohl in den Nchten, die Entblten wandern.
   Sie spinnen sich in lsterne Verzckung --
   Was kmmert sie der Aufschrei in den andern?

   Doch bleibt, in Not und Nacht, der Schrei nur nach Erbarmen?
   Wird nicht Tumult, Alarm? Aus Angst und Sthnen
   Ein Zornsignal? Und von Millionen Armen
   Des schmerzgeeinten Wollens donnerndes Erdrhnen?

   Europas Huptlinge! Marschlle und Magnaten!
   Zwingt selbst die Tat hervor, die um die Menschheit wirbt!
   Da eurer Untertanen Leib, versklavt, verraten,
   In Schlacht und stumpfer Wterei verdirbt.

   Verdammt, ihr selbst, die Eigenlust, die Kraftgebrde!
   Und kommt starkmild herab die stolzen Stufen,
   Die Macht als Mittel nur, begnadet und berufen,
   Fr eurer Vlker frohe Fahrt und Erde.

   Und ihr, Entehrte unter Willkrtritten,
   Bleibt nicht zum Rachesprung gekrmmt, zerqult im Fluchen!
   Ward auch der Aufwrtsweg von Bergen schwer geschritten:
   Erkennt die Kommenden, die euer Antlitz suchen.

   Und jene Harten, unbewegt im Bsen,
   Lat sie nicht eher los, umringt sie mit der Bitte,
   Bis sich die Herzen wie in Harfen lsen,
   Aufklingend mild, hinknieend eurer Mitte.


                                  II

   Noch ist es Orgelwehn.
   Noch ist der Flugblick ausgesandt,
   Nur um zu sphn.
   Und nur von fernem Kstenland
   Durchdringt ein Sto die Luft:
   Fanfarensto und Marsch.
   Denn fr ein Anderswerden,
   Erhebung und Erhellung, Kampf ohne Krieg, Sieg ohne Mord,
   Aufstrmt ein Menschenozean --
   Zwar dumpf noch wie ein Wahn,
   Doch wissend tief: Tat wird getan!

   Wenn ferner, Thronende, zu euch auf prunknen Sesseln
   Gefhl, frbittend, nicht hinauf kann dringen,
   Auftosen wird das Blut: Galeeren nicht und Fesseln
   Sind stark genug, Vulkane zu bezwingen!

   Bewegung wogt empor: Ein Sturm von Schreien zerreit die Nacht!
   Glaubt ihr, die Trauer bliebe ewig lahm,
   Am Grab der Hingeopferten, hilflos in Gram?!
   Schon ballt sich eine Riesenvlkermacht.

   Und aus dem Grund der Gassen, wachsend, hebt ein Heer
   Nach Licht, Kindheit und Frohheit Leib und Flgel auf;
   Umkreist die Stdtethrone wolkenschwer,
   Raubaugenwild, unwankelbarer Lauf.

   Posaunen tnen, eh' der Schlag geschieht:
   Zerschleudert euren Ha und ffnet der Erneuung
   Das ganze Auge! Seht, die gleiche Flle blht
   Den Tausenden! Bekennt euch zur Befreiung!

   Dann ringen Rassen edel um die Hhe.
   Kein Fleischzerkrallen whlt den Tag in Blut.
   Kampf heit jetzt Glck, das weithin auferstehe,
   Rein wie ein junger Gott, durchhellt von Mut.

   Raubhndel, Blutbrunst, Krieg, die Jnglingsschlchter, -schnder
   Sind fern, dumpfdstre Vorzeit, Tierischkeit.
   Kampf ist Beglckung jetzt. Umschlungen sind die Lnder.
   Der Fhrer Sicht und Wille erdenweit.

   Erkannt habt ihr den Feind und seid Gefhrten.
   Nun seiet Glubige, um Wollende zu sein!
   Lat eure Tat erstrahlen den Beschwerten.
   Durchglhung eine euch wie goldner Wein!

   Und so, von Licht umbrandet und dem Morgenmeer,
   Erwacht ihr zu des Daseins Fest und Spiel.
   O Bund der Bnde! Der das Menschenheer
   Zum Ruhme fhrt aus klglichem Gewhl.

   Vlkerlegion! Geschart dem Flammenzug
   Der Jnglinge des Lichts! Chorbrausend brecht die Stille
   Und reit die Starrgesinnten in den Flug,
   Da euer Recht und Rhythmus sich erflle!

   Mitatmende der Zeit, dem Menschenkreis gesellt:
   Seid ihr einander Freund, habt ihr gesiegt!
   Die Brust berauscht von Weiten, erdhaft starker Welt,
   Schallt euer Lied, das in die Freiheit fliegt!




                      O WR' SCHON MORGEN FRH!


   Bin ich ausgestoen
   Aus dem Ma des Groen?
   Ist nicht Geweihtheit
   ber dem Abend, bereit?
   Wie, wenn dem Blick sich erfllte,
   Was das Leben mir singe?
   Oh, wie oft hllte
   So bange Spannung die Schwinge.
   Und wird all' meine Wirklichkeit,
   Die wie Lge, ertappt, sich selbst bedrngt,
   Ein Kind sein, das willigweit
   Die Welt stets von neuem anfngt?
   Schon hebt ein Tatglaube an
   In meiner Stimme -- wie Melodie
   Sicher und s, der Ruf Voran.
   O wr' schon morgen frh!
   Da ich nicht trauernd mehr, verhangen,
   Mein Leben wie Snde begehe,
   Da immer ein Neuanfangen
   ber die Erde wehe.




                         AN DEN GESCHLAGENEN


                                  I

   Weh, grimmer Gigant.
   Was ist mit dir?
   Dein Leib wlzt ohne Wille und Regel
   Leblos lebend im Kot.
   Abgefallen, wie totgetroffne Vgel,
   Faulen die Hnde im schlammigen Sand.
   Gestrpp hngt im Gesicht und rot
   Die Augen, gedunsen, schleimig.
   Wo blieb dein seidenes Haar?

   Erwachend befhlst du dich schwer.
   Die Lippen frchten den Ausbruch der Trnen,
   Krampfen sich, schon zitternd weich.

   -- Da, wie aufgeschreckt: erhebt sich ein Meer,
   Und aufspringt mit zornigen Zhnen
   Du, tobend und heulend bleich.

   Dann krachend aber, schlgt der trotzige Held
   Hin auf den Stein.
   Hier barst die Leidensgewalt der Natur,
   Die Hlle der verkannten Welt.
   Und wie ein mder Schein
   Bleibt der Gedanke nur
   Von einem Leben, nicht das Leben selbst.
   Wieder zum Tier des trbenden Lichts
   Geschrumpft -- bist nirgendwo; nur schwer;
   Wohl mehr als nichts,
   Doch weniger als irgendwer.


                                  II

   Das Aufrichten gelingt dir kaum,
   Nur winselnd im Schwei;
   Immer ist ein Sinken, bis du stehst.
   Dann trostlose Schritte
   Gradeaus im Kreis.
   Als wr' nie mehr fr dich eine Bitte,
   Gehst du Linien ohne Punkt,
   Ohne Farben, ohne Raum.

   Wenn dir, stillstehend,
   Die Augen sinken zur Vision,
   Sprst du kalt wehend
   Den grinsenden summenden Hohn;
   Wie um Aas den Menschenschwarm.
   Dann, verloren in Trnen den Mund,
   Fhlst du, wechselnd eisig warm,
   Das Sausen im fallenden Grund.

   Und wo die Qual noch so sehr schwieg,
   Hier schreit sie weinend heraus
   Tne ohne Takt, ohne Musik.
   Wie ein Lawinenstrom ohne Damm
   Bricht die Klage aus,
   ber die Erde der Welt und den ewigen Schlamm.


                                 III

   Nun weit du es. Was Aufschwung schien,
   War Niedergang. Malos und blind
   Strmtest du die Erde; khn
   Whntest du dich und warst nur Wind.
   Kein Mitmensch war, kein Hindernis,
   Nicht Zukunft, nicht Vernunft:
   Nur brllendes spottendes Ereignis,
   Aber Feuer allein wollte nicht brennen,
   Verlosch, ward Asche fr den Wind.
   Nun bist du gefgt und kannst erkennen.

   Nun weit du, wo die Tat beginnt,
   Fhlst sie aufsteigen in dir wie ein Lied.
   Nicht im Rausch, tobschtig ungesinnt,
   Nrrisch lachend, entblt,
   Du ganz einzelnes wirbelndes Glied,
   Besinnlich nach Irrfahrt und Torheit,
   Gier, die gegen die Erde stt,
   Ohne Not, ohne Wert, nur ins Weite weit --
   Die Tat ist im Wert!

   Denn nur als Teil alles Menschengefhls
   Bist du ein ganzes Sein,
   Erschtternd und auferstanden gro.
   Nur im Gelbnis des innersten Ziels
   Ist auch der Zorn heilig und rein.


                                  IV

   Und in die Menschenheit eingestimmt
   Ziehst du zum Werk, von einer See
   Wie getragen, in fhlender Entfaltung.

   Siehst Jugend und Arbeit der Menschen-Idee,
   Dein Auge selbst ist sie, schon Gestaltung,
   Mild berscheinend und kniglich bestimmt.

   Denn die Idee ist brderlich, sinnvoll und bereit,
   Ist die Tiefe der Menschlichkeit;
   Ihr Wille ist Gre, die kein Ende nimmt.

   Tnend, namenlos erhrt dich und weitet die Schwebung,
   Jeder Ha vor dir ist ohne Halt;
   Denn deine Brust ist gelst in der Strebung.

   Helle Wirklichkeit atmet deine Gestalt,
   Als sei die Wahrheit selbst deine gtige Gewalt.
   Ureigen unbeirrlich ist dein Lieben.

   Du beherrschst allfhlend die Bewegung und Dauer
   Und findest, von wogendem Wollen getrieben,
   Die Trstung noch der wirresten Trauer.

   Der stampfenden Schpfung glubiger Ersprer,
   Lobpreisend, beseelend -- zu hebender Tat
   Fhlst du dich Fhrer.

   Und hellhoch ber das Volk, das gewaltig genaht,
   Und im ungeheuren Schweigen
   Aufblickt zu dir, um dann

   Hinzustrmen zum heilig zhen Erzeugen,
   Jeder beseligt, so gnnend, so machtvoll er kann:
   Braust, singender Sturm, deine Stimme:

   Weit Erschtternder ber der Welt!
   Wie ich, dein Kind, zum Tagwerk mhend mich krmme,
   Sei deines Kindes Tag zur Ewigkeit erhellt.

   Gewaltiger in der Welt! Heb' uns empor!
   La mitliebend mitklingen im Chor
   Alle Nation, mitleidend den Leiden;

   Da ihr Wille, unbesiegbarer Stern, bestehe,
   Und sie die Arme frei und gttlich breiten
   ber sich selbst in die Hhe!




                                INHALT


                                         Seite

   Aufbruch-Musik                            5

   Du Ewige                                  8

   Der Zweifel
   Trauermarsch                             11
   Fragender Mensch                         14
   Pierrot                                  15
   Gute Laterne                             17
   Dumpfer Tag                              19
   Erdenfahrt                               20
   Nachtgedicht                             21

   Die Ungestillten der Seele
   Ritternarr                               22
   Gang zum Schafott                        23
   Ahasver                                  24
   Junger Knstler                          25
   Der Denker                               26
   Clown                                    28
   Alternder Mime                           29
   Der kranke Snger                        30
   Akrobat                                  31
   Zigeunerlied                             32
   Meerfahrt                                33
   Der Berufene                             34
   Nietzsche                                35
   Der Anachoret                            36
   Der gtige Mensch                        37

   Wir sterben das Leben
   Krank                                    38
   Aufschreiender Knstler                  39
   Trbe Luft                               40
   Dudelsackweise des Sterblichen           41
   Ermattung                                42
   Vernunft                                 43

   O Erde!
   Nachtgesang                              44
   Es wird ein Traum                        45
   Hymne                                    46
   Das Heimatzimmer                         47
   Frauen                                   48
   Der Himmelflieger                        49
   Myrtenkind!                              50
   Gedicht im Mai                           51
   An den Anderen                           52
   Ich denke einen Freund                   53
   Fgung                                   54
   Duo                                      55
   Dem Engel der Erde                       56
   Abendgang                                57

   Aufruhr durchwhlt den gtigen Geist
   Lied aus der Nacht                       58
   Dank                                     59
   Besinnung                                60
   Knappe vom Bergwerk                      61
   Der Verurteilte                          62
   Der Gekerkerte                           63
   Napoleon                                 64
   Junger Soldat                            65
   Der Kriegsblinde                         67
   Erblindung                               69
   Die Phalanx                              70
   O wr' schon morgen frh!                73
   An den Geschlagenen                      74




Anmerkungen zur Transkription


Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit
Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet.

Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgefhrt
(vorher/nachher):

   [S. 5]:
   ... Ein Wissen: Da ich in die Menchen dringe, ...
   ... Ein Wissen: Da ich in die Menschen dringe, ...






End of the Project Gutenberg EBook of Der unendliche Mensch, by Arthur Drey

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER UNENDLICHE MENSCH ***

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