The Project Gutenberg EBook of Adelina oder Der Abschied vom neunzehnten
Lebensjahre, by Bohuslav Kokoschka

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Title: Adelina oder Der Abschied vom neunzehnten Lebensjahre
       Aufzeichnungen

Author: Bohuslav Kokoschka

Illustrator: Oskar Kokoschka

Release Date: July 3, 2016 [EBook #52486]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ADELINA ODER DER ABSCHIED ***




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                          Bohuslav Kokoschka




                               Adelina
                                 oder
                             Der Abschied
                     vom neunzehnten Lebensjahr.


                            Aufzeichnungen




                     Kurt Wolff Verlag  Mnchen




                Bcherei Der jngste Tag Band 76/77

              Gedruckt bei Poeschel & Trepte in Leipzig




               Mit einer Zeichnung von Oskar Kokoschka

             Copyright 1920 by Kurt Wolff Verlag, Mnchen




                         Mir selber gewidmet




                                Motto:

                       Hier liegt begraben ein neunzehntes Lebensjahr.
                       Was Leben war
                       Ward zum Kadaver
                       Unter einem Buchdeckel.
                       Mit dem versah er
                       Die Gruft,
                       Da in der Weltluft
                       Seines ferneren Lebens
                       Dies Leben sich nicht zersetze ...




                       Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten

                                                              (Goethe)

Ach, meine Kammer!

Ich bin jetzt Florestan in deinen Mauern, und Feuchtigkeitsflecken an
den Wnden und von mir behtete zarte Spinnenwebe in den Ecken nehm ich
als Trnen und Zeichen der Trauer, und da meine gtige Kammer Eins ist
mit mir und meinem Kummer ...

Odalisk, Plakatschnheit, langer Nagel an der Wand rostet ein in ihrer
weien Stirne ... Luise, Handelsschlerin, Lukretia, erblht, gro
geworden und vergiftet im Odem der Krntnerstrae, Franka H. und
zwlfjhrige Dorothea ... Flchtlinge vor dieser Welt, denen ich ins
Stammbuch schrieb: Wie dies Buch in meiner Hand, voll weier Bltter,
unbeschrieben ..., _et ceterae_, ihr alle seid mir wie: Aden, Freemande,
Brisbane, Amboina, Yokohama, Mah, seligstes Hinlallen, Erinnern des
greisen Weltreisenden, Einsamen im Lehnstuhle, bei dem kalten Schein der
Lampe, Junggesellenzimmer -- Museum, vor dem Schlafengehen zu Gott ...

Ich ziehe den weien Vorhang vom Fenster weg und ein lichter Einbrecher
kam in die Kammer ...

An einem Morgen war das, und ich stehe am Fenster und lchle meine
Kammer an.

Ja, diese Bltter werden davon berichten. -- -- --

Lateinischer Himmel ber den Telegraphendrhten von einem Dach zum
andern!

Wirklich!

als er den Saum des Vorhangs in der Hand hlt ... Sonntag, und die liebe
Amateurstimme, das ist ein bhmisches Dienstmdchen. Es hat noch keinen
Liebsten und deshalb lt es sich Zeit. Und zwischen seinem Singsang der
Klang von silbernen Lffeln, die gerade in die Schieblade verwahrt
werden.

Fenster sind smtlich offen, und die Stockwerke herunter an Fenster und
Wand brennt die Sonne. Julisonne im Mrz!




Ach ja, und von Adelinen ahnen Sie wohl nichts. Ich htte, ja,
ebensogut htte ich sagen knnen: Adelina.

Adelinen ...

Gehen wir, ich bitte Sie! Eindringlich sagt es Luise zu ihrem Galan.

Ja, es war ein Galan mit lila Strmpfen und dem Girardi in der Hand.
Denn seine Haare waren gebrannt.

Er blies seine Brust auf, schttelte das Hosenbein zurecht und erfllt
ihren Wunsch.

O, guten Tag, Frulein Emma! Entschuldigen Sie; ich wei es, ich habe
Sie heute schon mehrere Male gegrt, aber ich versichere, fr Sie habe
ich immer ein echtes, ja echt -- man nimmt so in die Hand und sagt echt
-- echtes Gefhl der Freundschaft gehabt. Sie waren es doch, die sagte,
zu kurzen Hosen paten gestreifte Strmpfe mit rotem Rand? Sie lachen?
Ja, Sie glauben doch nicht, ich htte etwas getrunken? Ach, Emma!

Aber Emma war schon weg.

Ja, er hatte pltzlich zu reden begonnen, ohne da es jemand geahnt
htte, zu wem.

Da verhielt sich ein Mensch die halbe Stunde, die er hier war,
vollkommen ruhig, einmal sieht er an seiner linken Achsel herab und an
seinem linken Mundwinkel zieht etwas, dann verhlt er sich wieder ganz
wie vorher.

Pltzlich aber redet er, redet, und ein junges Mdchen steht auf, sagt
etwas zu ihrem Begleiter, und beide gehen fort.

In diesem Augenblicke kommen Emma und Olga. Sie sind wieder da und haben
etwas Listiges auf dem Herzen. Sie haben etwas ausgeheckt, Emma und
Olga. Ach, man war gespannt, auf ihren Gesichtern stand geschrieben: Man
verspricht sich Erfolg von dieser Unternehmung.

Wir fragen Sie, in wen sind Sie eigentlich verliebt?

In wen? Wie?! Was?! Er springt auf. Das heit also ...

Pltzlich beruhigt er sich und sagt: Frulein Emma und Frulein Olga,
bitte setzen Sie sich da neben mich, so, links und rechts, ja?

Ich werde Ihnen eine Geschichte erzhlen:

Da hat jemand ein Schauspiel geschrieben. Gegen Schlu des vierten
Aktes, denken Sie sich -- geben Sie her den Schirm, bitte (es war ein
Riesenschirm), ich werde ihn halten -- gegen Schlu des vierten Aktes,
die erste Persnlichkeit der Stadt im Kreise ihrer Familie.

Im Hintergrunde ein leuchtendes Transparent: Es lebe hoch usw., die
usw., und Volk. Und jetzt, glauben Sie, Frulein Emma und Frulein
Olga, da ich es jetzt so machen werde, wie der:

Aufrecht: Was da auch kommen mag, bleich, die Hand ausgestreckt. Das
ist noch nicht alles, sagt die Hand. Er schttelt den Kopf.

Nein, der Kopf wei noch mehr!

Und die Augen schlieen sich wieder, und der Mund ffnet sich abermals,
dieser widerspenstige Mund, der alles ausplaudert.

Was sagt er? fragen viele Stimmen. Was fllt diesem Menschen ein?
liest man auf allen Gesichtern. Ja, ja, in der Tat, alles das hat mit
dem Transparent nichts zu tun ...

Er blickt zurck in den Kreis der Familie, da steht _die_, leuchtenden
Auges und ihr Auge sagt: Du herrlicher Mensch, stark sein!

Da mu er (ach er mu), er will es, der Dichter; leise mu er zu seiner
Frau sagen: Betty, fasse dich und ertrage was jetzt kommt. Und es ist
dies keine Regiebemerkung. Ja, das sagt er. Und Betty fat sich, die
Gute ..!

Dann wendet er sich zum Volk, und ein schwarzer Sprung im erbleichenden
Gesicht plaudert alles aus. Alles.

Wie hbsch sich das ausnahm von der dritten Galerie (dieses einzige Mal,
das ich in einem Theater war). Gleichsam ein Pointejunges, das auf der
Pointe selber sa, die sich vier Akte hindurch geschwollen vllerte. Und
jetzt, jetzt war es ihr endlich gegnnt, durch einen schwarzen Sprung
aus einem bleichen Gesicht zu platzen. Wie ein Donnerschlag!

Herr Rohrland mu sagen: Wie ein Donnerschlag! Und es ist dies keine
Regiebemerkung. Und sie tut es, die Pointe.

Selbst das Volk auf der Bhne zog ab.

Das ist die Tat der Pointe!

Emma und Olga sehen sich an. Ach, da sie beide denselben Gedanken
hatten! Ist er verrckt?

Sie sahen sich an und lachten, Emma und Olga.

Ja, in wen Sie eigentlich verliebt sind, wollten wir ja wissen?

Er holt tief Atem, lehnt sich zurck und steckt die Hnde in die
Hosentaschen.

Dann fing er wieder an:

Sie waren gespannt auf eine Pointe, die der ganzen Sache so
gewissermaen eine Krone aufzusetzen htte; sehen Sie, eine Pointe, und
er wog mit der Hand ...

Ich aber wrde Wahrheit erzhlen, liebes Frulein Emma und Frulein
Olga, o Wahrheit, sagte er glhend. Und Wahrheit hat keine Pointe.
Nein, sie bedarf ihrer nicht! Holla, sie geht nicht auf dem Schreibtisch
spazieren!

Er sprang auf und eilte fort.




Einmal sah ich sie beisammen sitzen. Sie und ihn. In einer Nische des
Hotelparks. Sie besahen sich gerade ein fadendnnes Goldkettchen, ein
Medaillon war daran.

Und er mute sie lehren, wie man das Medaillon ffnet und wieder
zumacht. Und gleich, gleich nimmt sie es ihm aus der Hand.

Ach, voll Eifer ist sie ...!

Da entdeckt sie etwas darin, und die Freudenrte breitet sich ber ihr
Gesicht. Strahlt sie nicht? _Sicuro_, sie strahlt ...

Und dann, was tat sie nicht alles mit ihrem Medaillon und in ihrem
Glck! Sie legt das Medaillon auf den Handrcken, lt es da eine Weile
so liegen und betrachtet es, das gelbe, glatte Gold, auf dem hellen
Handrcken.

Dann, als sie sich das Medaillon um den Hals hngen will, nimmt er es
ihr aus der Hand, schaut ihr in die Augen, hngt es ihr um.

Mit eigener Hand ...

Sie hlt sich still und willig. Es leuchtet aus ihren Augen, _frattanto_
sie vor sich hin auf den Boden blickt ..

Windstill war es im Garten.




Dieses Medaillon ist von ihm.

Wohl, wohl, ihm, dem kahlrasierten Herrn. Aber wartet nur bis die
Jahreszeit kommt, da man die Haare wachsen lt! Hh! ...

Aber wo gerate ich hin!? Elastizitt! Elastizitt!

Da sehe ich, wie ein Herr pltzlich in seinen Taschen sucht. Seine
Finger bereilen alle die Gegenden an seinem Leib, wo Taschen sein
knnten; da bin ich bei ihm und lchle: Bitte?

Er springt auf, nickt, nickt und brennt sich die Zigarette an, und die
Hand in der Rocktasche bleibt darin. Dann verbeugt er sich, ich sehe an
ihm vorbei und auf die Bank, und von da blicken mich zwei graue Augen
an. --

Ob man will oder nicht. Es ist nichts auszusetzen an ihm ... Und ich
gehe wieder fort und an der Brustwehr entlang.

Da bleibe ich stehen, gerade da, und aus der Brusttasche nehme ich die
Karte von Damenhand und lasse sie in das Wasser fallen.

Fast mchte ich sagen: Mit Elastizitt.

Es macht ein paar Ringe, das Wasser.

Es ist ihm ganz gleichgltig, dem Wasser.

Bitte, wre es vielleicht lblich, von einem Stck alten Papier, Anderer
(des Wassers), glckliche Ruhe zu stren?

Nein, das nimmermehr.

Und es ist schon so gut wie es ist, und ich lobe Gott den Herrn:

O mgest du mir dieses in meiner Einfalt so naseweis geredete, nicht als
Snde anrechnen ...!




Der, dieser glattrasierte Herr!

Wie lange ist es wohl, da ich mir ein Reklameschild gemerkt habe ...?
O, genau gemerkt ...

Eine Engelshand streicht ber mein Angesicht, wenn ich an dieses
Reklameschild denke ... Und es ist doch nur ein gewhnliches
Reklameschild, Wind und Wetter haben sich daran gut getan.

Freilich, es gehrt noch ein Stckchen Trottoir dazu und ganz, ganz
wenig von der Strae, _strada_, gerade genug fr einen schmalen Fu ...

Und meine Sehnsucht ist:

Wenn ich mich damals, damals an dieses Reklameschild gedrckt htte,
ganz platt daran ... Und wie mir spter einfiel, mit dem Kopf genickt
und mit dem Hut ...

Vielleicht ... Vielleicht ...

Aber fr diese meine Sehnsucht ist keine Erfllung mehr, nein. Und das
Datum, das knnte ich noch genauer aufschreiben. O, viel genauer!

Aber das brauche ich wohl nicht, nein, denn ich habe es ja im Gedchtnis
...




Auf der Promenade vor dem Hotel Viertelsiebenuhrsonne.

Der Asphalt ist wie mit rtlichem Goldpapier belegt. Eine Brustwehr ist
da, aus Schmiedeeisen, und ihr entlang eine Reihe wohlsituierter Bume.
Und da sitzen die Passagiere des Hotels bis spt in die Nacht. In
angenehmen Korbsthlen und die Bume machen: www ... Und dann reden die
Passagiere nur ganz gedmpft. Oder sie schauen auf das Meer hinaus. Auf
das Meer ...

Eine khle Windwoge kommt vom Meer, die Meerbrise, und fltelt den Saum
eines farblosen, spinnewebednnen Schleiers zwischen Zeige- und
Mittelfinger einer Sechzehnjhrigen.

Und die ist Frau ... Ihre Rechte aber ruht in der Hand ihres Mannes, der
mit ihr logis genommen hat im Hotel.

Als die Passagiere des Zuges Nr. 54 noch eine halbe Stunde zu ihrem Ziel
hatten, riefen sie: der See, der See! Also war es der See und nicht das
Meer? Aber als sie das riefen, war es ihr Thalatta. Und somit ist es das
Meer. -- Und weit weg von der Brustwehr taucht ein Dampfer auf. --

Alles sieht die Lichter und vielleicht auch noch den weigestrichenen
Schiffskrper. Das nicht mehr, da auf dem Bug Himmelsschlssel
aufgemalt ist und Blumen dazu, mit Liebe.

Und aller Augen begleiten das Schiff auf seiner Fahrt. Auf dem einsamen
Meere drauen, Ozean ...

Sie reden jetzt fast nichts, die Passagiere des Hotels, sie schauen nur
und horchen noch so nebenbei auch auf die (Miniatur-) Wogenkmme, die
sich unter der eisernen Brustwehr brechen.

Zerschellen Tag und Nacht!

Rote Feuerpunkte im Dunkel, unter den tiefen Baumkronen, in den
Strandkrben und hinter, d. h. ober den Lehnen der Rohrsessel. Aber das
ist nichts Gefhrliches, nein, das sind nur Zigaretten ... Viele von den
Herren haben weie Strandanzge und biegsame Stckchen, und einer ist
unter ihnen (von denen mit weien Strandanzgen und biegsamen
Stckchen), der seinen Schdel glatt rasiert hat, ganz glatt.

Aber ich wei es, warum er ihn so glatt rasiert hat. --

So eine kleine Schwche ist Schuld daran, eine kleine menschliche
Eitelkeitsschwche, wie ich in diesem Falle erklren mte ...

Hh!

Und ich stehe an der schmiedeeisernen Brustwehr und nehme einen Brief
aus der Tasche, den ich gestern geschrieben habe, um ein Uhr nachts, und
jetzt lasse ich ihn ins Wasser fallen, an einer ganz ruhigen Stelle. Das
Wasser macht ein paar Ringe, das ist seine ganze Aufregung ...




In fnf Minuten Abfahrt.

Und ach, die Trumer vom Hotel!

Jeder, der gerade nichts zu sagen hat, seine Gedanken schon weit und
dabei pltzlich tief aufatmet, versprt den leisen Schauer auf dem
Rcken und er sieht seinen Gefhrten an ...

Sogar die Apparate, ach die Apparate, auf dem Bahnhofe tragen etwas bei
und machen einen Hllenlrm.

Ich schreite die Waggons ab, in gemessener Ruhe, wie eine Ew.
Herrlichkeit.

Dann, da bleibe ich stehen, bei dieser Bank mache ich Halt. Es sind ja
so viele Bnke hier auf dem Perron, aber gerade, _accurato_ bei dieser
Bank machte ich Halt ...

Da sehe ich ja genau in einen Waggon hinein!? Bitte, alle Ehre seinem
Fabrikanten; eine junge Dame darin nimmt einem Herrn eine Hauskappe ab.
-- --

Hauskappe?! Reisekappe ...

Nein: Hauskappe, und nichts habe ich gesagt, nein ...

Jawohl, und sie haben auch faktisch ein kleines Zimmer fr sich in
diesem Waggon. Ein Zimmer mit Betten ...

Aber ich habe noch etwas zu sagen, ich bin noch nicht fertig, noch etwas
sah ich von meiner Bank aus, auf dem Perron ...

Kusch!

Die junge Dame streicht mit ihrer Hand ber sein Haupthaar ... Und was
war das fr ein Haupthaar ...?

Kusch!

Sie streicht darber hin und lchelt und der breite Ring glnzt an ihrer
Hand und ein Medaillon hing an ihrem Hals, das sah ich auch ...

Und er, was tat er?

Er, er schaut unter ihrer Hand ... Hand ... auf zu ihr ..., wie man das
so tut.

Und das Haupthaar, ja das Haupthaar ... weigefleckt ... wei-ge-fleckt.
Der Zug rollt davon.

Und whrend ich dem Verbot zum Trotz, just ber die Schienen steige, sag
ich zu mir: Guten Grund hast du, es zu bedenken, da noch windig deine
Erfahrungen sind ...

Da fat mich ein Uniformmann.




                                         Der Brief hinter dem Spiegel.

                                                        Paris, den ...

Mio Signore!

Ihren kleinen Brief, den Sie mir nach Trouville schrieben, habe ich
heute hier vorgefunden, er wurde mir nachgeschickt. Wir bleiben noch
einige Zeit in der Seinestadt, dann geht's nach Hamburg und von da
schauen wir, da wir nach Hause kommen, das heit von nun an Chigago.
Ich bin neugierig, wie ich mich in meiner neuen Heimat fhlen werde.
Jetzt werde ich wohl lngere Zeit meine Lieben und mein Goldorangenland
nicht sehen!

In Trouville war es ganz hbsch. Wir waren die ganze Zeit im Kasino beim
Baccarat, ich habe sogar ein wenig gewonnen. Courmachen ist dort nicht
blich, die Menschen haben nichts im Kopfe als das Spiel und _le neuf_
ist ihnen lieber, als die reizendste Frau.

Hier habe ich sehr viel zu tun. Herbsthte anschauen, Briefschreiben und
Dummheiten kaufen. Mein Mann ist furchtbar nett zu mir, er hat sich
bereits alle meine Gewohnheiten gemerkt und respektiert sie.
Augenblicklich schreibt er die Adressen auf unzhlige Karten, zu denen
ich Gre dranzuschreiben habe; an Sie ist auch eine darunter.

Also ich gre Sie herzlichst und verspreche Ihnen auch eine schne
Ansichtskarte aus Chigago zu senden.

                                                    Adelina Farweller.

_P. S._ Gren Sie meine Freundin, die Luise, von mir, wenn Sie wieder
einmal bei der Handelsschule warten, Sie Araber!




Ich will alles aufschreiben, der Reihe nach und wie es vorfiel!

Am 25. Dezember, am Weihnachtstage, war ich wieder im Hamerlingpark.
Luise war da und alle die anderen. Alle hatten sie Weihnachtsgeschenke
mitgenommen, zeigten sich die und besprachen. Luise brachte einen groen
schwarzen Muff, aus Astrachan in Sibirien.

Ein Neuling, Hella, war auch da, und ich fragte Lockenberg aus.
Lockenberg, der alle kannte.

Da promeniert Luise an uns vorbei, sie hat einen breiten, schwarzen
Samthut mit einem Kranz weier Samtrosen darauf. Die tiefschwarzen
Haare, romantisch um ein ophelienbleiches Antlitz, stark gewellt. Und
laut sage ich:

Heute ist die Luise schn.

Zu Lockenberg sage ich das und Luise geht an uns vorbei.

Sie hatte sich umgedreht und mich angeblickt. --

Ich fhlte: An Luise, oder: Ferne Lilie ... _etcetera etcetera_ ...

Dann, wie sie wieder an uns vorbeikommt, bleibt Luise stehen: Gute
Nacht, Herr Lockenberg ... -- und mir bot sie die Hand ... Sie sah weg,
lcheln mute sie ...

Zu ihrem Profil sagte ich einmal nchtens: Julia, Desdemona ...

(Nein, Luisenamen ist fr sie der seste.)

Die schnen, weien Rosen auf Ihrem Hut ... sage ich.

Sie sah noch immer weg. Ach, ich hielt noch immer ihre Hand ...!

Und die Schnbauer? fragt Luisens Freundin Mary pltzlich. (Ach, jetzt
konnte ich auch schreiben: Luisens ...)

Luise blickt Mary an. Mary hatte ihr von der Zunge gesprochen.

Niemals! sage ich langsam und dann: eine lange Pause ...

Frulein Luise, ich erkenne Sie heute nicht mehr ... Lockenberg sagt
es pltzlich und damit schneidet er sich eine lange Gedankenreihe in
seinem Kopfe ab. (Ich hielt noch immer ihre Hand ...)

Soll ich euch vielleicht Sessel herbringen!

Es war die Schnbauer. Sie war auf einmal da, in einer Entfernung von
fnf Schritten sagte sie dies und machte dabei einen Hofknix. Luise
wandte sich ab.

So, jetzt mu ich schon gehen, sagte sie schnell. Lockenberg bedenkt
laut: Es ist halb sieben!? Er hatte die Uhr in der Hand. Um halb sieben
mu ich schon zu Hause sein, antwortet Luise ...

Luise ging mit den Vglein schlafen ...




Werther hatte Luise geliebt, mit der ganzen Hingebung seines noch nicht
zwanzigjhrigen Herzens. Da geschah etwas und das kam so:

Es war der zehnte Mrz, ach, damals war ihr Herz noch der Buchenhain mit
der sen Melancholie des Vogelliedchens darin, und der khlen Gruft,
die so lange fr ihn bereit stand. In die er sich dann bestatten wollte,
die Hnde ber der Brust gekreuzt, und nach jener unglcklichen Liebe
...

Aber Luise rt: Und Mary?

(Von Adelinen ahnte sie nichts.)

Die Mary ist mir nichts, Luise ...!

Wie ein Pilgrim erschpft hinsinkt an den Stufen vor der sich
verschlieenden Pforte, auf der Fahrt ins gelobte Land. So war dieses
Luise.

Sie schwiegen beide, dann Luise:

Nein, ich kann nicht, Bob. Bob stammte aus dem Roman Starke Herzen
im Frauenjournal.

... Bob, Sie haben sich nur gespielt.

Es hatte sich nur gespielt Bobchen, und da war jetzt alles umsonst.

Es regnet.

Er, Bob, sah wie die weie Taube ohne lzweig zurckkam ... Luise blieb
unerschtterlich.

Aber das merkte Bob, es kam sie hart an, ja. -- Und da gibt er ihr
Bedenkzeit. (Ach, da schon alles verloren war.)

Zwei Wochen gibt er ihr.

Und Luise ist noch einmal gut zu Bob und ist es einverstanden. Also ja
nickt sie ...

Er sah, da sie in der Hand, die die Schultasche trug, Schneerosen
hatte. Eine liebe Schulfreundin hatte ihr die wahrscheinlich geschenkt.
Der Luise ...




Im Mrz, dem 28., war es, da ging Luise mit zwei Freundinnen, und es war
schon warm.

Er ging ihnen nach.

Nach einer Weile entdeckten sie ihn, aber Werther ging nur nach und ging
an ihnen vorbei, als sie zurckblieben.

Pltzlich kam Luise auf ihn zu, _directement_.

Sie fragte lieb: Wnschen Sie etwas von mir?

Luise, warum danken Sie mir nicht, wenn ich Sie gre?

Pause.

Wir sind gesehen worden, von jemanden von der Schule, und dann ...
nach einem Gedankenstrich erklrte sie, habe ich Ihnen schon gesagt:
Nein.

Warum: Nein?

Ich will nicht.

Da regte sich in ihm etwas:

Aber Sie htten doch frher einmal gerne gewollt? ... Mit den Fingern
streicht er geruschvoll ber Bartstoppel im Werden.

Sie werden doch nicht sagen, da ich Ihnen nachgelaufen bin? Sie
sttzt die linke Hand in die Hfte.

Nein, das nicht, und seine Hand fllt herab.

Eine Freundin kam auf Luise zu. Sie wollte sich empfehlen, die Freundin.

Also gute Nacht, ich habe keine Zeit, sagte Luise. Und sie bot ihm die
Hand.

Werther trat an sie heran: Luise, liegt Ihnen an Ihrer Freundin mehr
wie an mir? Und Gesichtsmuskel zucken, die Freundin war schon da.

Natrlich, sah sie ihre Freundin an. Also gute Nacht, und daran
ndert niemand etwas. Sie hielt ihm ihre Hand hin.

25. Dezember, denkt er ... und ihm, ohne ihn anzusehen, bot sie die
Hand. Und das war am 25., Monat: Dezember.

Er hatte es sich genau gemerkt. Seine Rede zu Lockenberg war: Heute ist
die Luise schn. Es war sechs Uhr, abends. Luise hatte sich nach ihm
umgedreht.

Und dann bei der nchsten Runde kam das mit der Hand.

Das im Hamerlingpark. Schnee und darauf Laternenlicht, und Mond um sechs
Uhr ...

Luise, ich kann Ihren Entschlu nicht so ruhig hinnehmen, sagt er
heftig.

Sie mssen, schliet sich ihr Mund.

Pltzlich war sie ganz anders. Um ihren Mund ein Lcheln und mssen
hingesagt, langsam, das war der Genu. --

Luisens Freundin sieht zuerst sie, dann ihn an.

Die Freundin war ernst und sicher blutarm, und ihre Augen waren, als ob
sie bestndig nachshen.

Also gute Nacht, sagt er kurz. Ihre Hand nahm er nicht.




                                                               5. Mai.

Inkognito schreibe ich jetzt an meinem Tagebuch. Mein Glck!

Ich mu es auf jemanden abwlzen, deshalb schreibe ich inkognito fortan.

Ach, mein an Leid gewhntes Herz!

Das wird gewi wieder mein lngstes Tagebuchblatt.

Ich werde nicht versumen, auch das kleinste Unbedeutendste
aufzuschreiben und mich daran freuen.

Heute, den fnften Mai, ist es bereits der dritte Tag.

Ich wollte alles schon am ersten Tage aufschreiben, aber es blieb nur
dabei, da ich die Feder in die Hand nahm.

Ich sah immer anderswohin, und die Worte fielen mir aus der Hand. Ach,
in welchem Fiebertaumel befand ich mich!

Jetzt, am dritten Tage, habe ich mich schon mehr gesammelt, kann nun
schreiben. Ach alles, alles!

Aufschreiben, und nichts vergessen ...

Diesmal war es im Schnbornpark. Und da ich Schnbornpark schreibe,
denke ich wieder an alles, was im Hamerlingpark geschah. Auf dem Boden
latern- und mondbeglnzt der glatte Schnee, um sechs Uhr ...

An das mit der Hand ...

Aber jetzt habe ich schon ein weies Blatt vollgeschrieben. Also:
Frulein Kammacher ging mit mir in der Allee und sagte: Jetzt sollte
ich daheim sitzen und lernen. Mineralogie. Wir haben ja so viel auf,
fing sie zu klagen an. Der Schremmer sagte: Besonders die Kammacher
werde ich mir am Freitag ausleihen. So ein ekliger Mensch!

Aber das gute Frulein Kammacher geht mit Herrn (pst!) spazieren. Ich
steh halt morgen um sechs auf.

Das sagte sie.

Er sah sie an und lachte und zog die Schultern ber die Ohren. In diesem
Augenblick kommt Luise mit ihrer Freundin.

Ach diese beiden, unzertrennlich waren sie!

Ich nehme die Gelegenheit wahr und gre. Sie dankte, aber sie sah ihn
nicht an ...

Das ganze Stck Weges, das sie ihn sehen mute, hatte Luise auf den
Boden geblickt und so geht Luise an ihm vorbei ...

Jetzt sah ich auch, da sie ein neues Kleid anhatte. Das stand ihr gut
...

Luise und Freundin kamen an die kleine Parkpforte, da will Luise die
Stufen hinunter und meine Fe bleiben stehen: Er hatte etwas gesehen
..., gleich bedenkt er sich aber und setzt seinen Weg fort.

Was er zu Frulein Kammacher sagte?

Gott mag wissen, was es war, sie lachte hell auf. An was haben _Sie_
jetzt gedacht, rief sie ...

Luise aber wird von ihrer Freundin am Arm gezogen und Luise mu wieder
herein in den Park.




Als Werther einige Stunden spter in sein Zimmer trat, begegnete er sich
in dem kleinen Wandspiegel, er sah bleich aus. Sein Blick verweilte
nicht darin; er sah berhaupt nirgends hin, obgleich er die Augen offen
hatte. Der Trschlssel fllt zu Boden ...

Er hatte die Tr mit aller Ruh zugedrckt? Werther stand eine Weile und
sah dorthin, wo der Schlssel fiel, dann geht er ans Fenster, lt den
Rollvorhang herunter und warf er sich aufs Bett.

Jetzt war Werther sich gewi, da er alles verdorben hatte. Sein
Schuhabsatz bohrt sich in die zarte Rohseidene, die er immer so
schonungsvoll behandelt hatte, aber pltzlich steht er auf, schlgt die
Bettdecke zurck und warf er sich wieder hin, und Messingbett kreischt
auf ...

Sein Gesicht drckt sich in den Polster, Schultern rissen am Krper. Er
weint: ...

Luise hatte wieder ihr neues Kleid an, sie war heute allein ... Es war
im Hamerlingpark, um 6 Uhr.

Als sie sich zum zweitenmal begegneten, kam sie auf ihn zu und machte
einen Scherz, sie sagte lieb: Soll ich Ihnen aushelfen, heute?

Sie lachte und sah ihn von der Seite an. Die linke
Halbschuh(...)schuhspitze stellte sich auf dem Wegsand auf und so blieb
Luise stehen, die linke Hand in den weien Spitzen am Hals. Und der
kleine emaillierte Amor hing daran und hielt sein Fllhorn ...

Da wurde in Werther ein bser Gedanke lebendig; er fhlte, wie dieser
seinen ganzen Krper angriff, und mit einer von tausend Gefhlen
gepeinigten Stimme sagt er langsam: Nein, danke ...

Luise stellte den linken Fu nieder, fast stampfte er, ihr Kopf machte
eine unvollendete Bewegung, die Finger lieen die Spitzen los, aber die
Hand blieb an der Brust. Selbst der kleine Amor wird konfus und verliert
das Gleichgewicht unter seinem Fllhorn. Luisens Mund ffnet sich, und
schweigt ...

Pltzlich fixiert sie ihn, einen Schritt zurcktretend, ihre Nasenflgel
beben, etwas Hartes liegt in ihrem Gesicht und sie macht
Kurzsichtigkeitsfltchen bei den Augen ...

Sie lachte auf, ha, ha!

Er verharrt auf seinem Platz.

Pause.

Luisens Freundin kam gerade die Stufen in den Park herauf. Luise ruft
sie an, und eilt ihr mit ausgebreiteten Armen entgegen ...

Er drehte sich langsam auf dem Absatz herum, die Hand auf dem Rcken und
schaut ihr nach, Lcheln im Gesicht ...




                                Einst


Mai, Firmlingssonntag.

Warum so traurig, fragte ein fnfzehnjhriges Frulein mich. Aber ich
wute es ganz bestimmt, ich war nicht traurig. --

Warum hre ich niemand heimlich hinter der Tr flstern: Heute hat er
wieder seinen melancholischen Tag.

Jeder geht darber hinweg, summt sein Liedchen und merkt nichts.

Ich hrte mich: Ach, das ist nur heute so. Und vielleicht ist es nur
Laune. Aber wie oft trstete ich mich so?

Nein, Launen knnen nur verwhnte Hndchen haben, oder doch nur
minderwertige Menschen. Und ich mchte doch kein minderwertiger Mensch
sein. Und wollt ihr jetzt noch, es sei Laune, kann ich euch erwidern:
Knnte da ohne jedes Arg sein, was ich sage, tue und denke? Aber alles
und alles habe ich lieb und so kann es wieder nicht Laune sein ...

In der Adriaausstellung hrte ich, wie die Kalanderlerche leise
trillert.

Aus einem kleinen, finstergemachten Bauer kam dies Vgleintrillern.

Aber es fand keine Beachtung, nein, man hrte es ja kaum.

Wenn sie aber viele Meter hoch oben in der Luft singt, unter dem Himmel,
im ther ... wer lauscht ihr da, der kleinen Kalanderlerche?

Der liebe Gott, basta.

Die Hnde gekreuzt ber die Brust, den Kopf auf die Seite geneigt, so
ist er ganz Ohr ... Dann sah ich einen Firmling ...

Blagelbe Halbschuhe. Und Strmpfe von blagelber Seide. Und ein
blagelbes Seidenspitzenkleid, darunter ein rosa ... War es wohl schon
ein sechzehnjhriges Frulein und das Kleid, schon etwas lnger war es
...

Schmale langse Beine, wie die der kaffeeschnkenden Luisen in den
Frhlingsgrten auf den Wandgemlden ... Offenes, kastanienbraunes Haar,
Langlocken, Locken der Jenny Lind.

Die Khne glitten unter den Seufzerbrcken weg, und die zahllosen
Wimpel, von einem Mast zum andern, flattern im Maiwind und die Schnre,
an denen Glhlampen aufgehngt waren, baumelten.

Ein Boot legt an, und in dieses wird er einsteigen, der Firmling ... der
Gondeliere, Plecha von der Donaulnde, grazis reicht er die Hand ihrem
Leben. Und die Augen des Firmlings glnzen, und unter seinen Augen glht
es hei ...

Ach, wie ich diesen Firmling gleich liebte und alles ...!




Westbahnhof. Im Gewhl der Menschen schreibe ich dieses:

Wir fahren aufs Land!




Ich machte die Milchglastr hinter mir zu. Das Milchglas zitterte leise
und die Milchglasgenie, mit dem Fruchtkorb auf dem Kopfe, zitterte mit.

Es war zwlf Uhr und ich ging schlafen.

Mein Grovater, der Herr Waldfrster, hatte gesagt: Trab, trab, Kinder,
schlafen gehen, und damit meinte er seine vielen Enkel, die alle in
Grovaters und Gromutters Stuben zusammengekommen waren, aus der Stadt
und von dort und von da.

Grovater und Gromutter hatten diamantene Hochzeit zu halten gehabt und
auch ein wenig getanzt. Und jetzt war es zwlf Uhr nachts und Wein,
Braten und Torten, Birnen und Nsse lagen verlassen auf der langen
Tafel.

Und als er das gesagt hatte, der Grovater, sagte ich auch gute Nacht
und fromme Wnsche, war folgsam und ging in das Zimmer, das Grovater
und Gromutter fr mich bestimmt hatten.

ber den Gang ging ich und hier war es schon lngst stockfinstere Nacht,
auch als in den Stuben noch heller Sonnenschein brannte und nicht die
vielen Lichter, die Grovater und Gromutter angezndet hatten, zu ihrem
Fest in der Augustnacht ...

ber den Gang ging ich und machte die Milchglastr hinter mir zu ...

Welch herrlich feuchter Grasduft, der das Zimmer erfllt!

Die Fenster waren offen und weie Vorhnge schwanken langsam und blhen
sich auf. Jedesmal, wenn ein Windzug drauen an den Baumblttern
herabglitt, der auch die Hirschzungen am Fenster nicht ruhen lie ...

Ich gehe einen Augenblick ans Fenster und spreite meine Ellenbogen auf
das weie Fensterbrett. Ach, alles hier war mir lieb und teuer.

Die Garten- und die Wiesenvgelchen wollten noch nicht schweigen!?

Von ganz hinten im Garten hrte ich einen Vogel. Aber es war keine
Nachtigall, nein, ich htte noch nie eine gehrt, antwortete ich einmal
auf eine Frage ...

Da trillert pltzlich irgendwo eine Lerche empor. Von meines Grovaters,
des Herrn Waldfrsters Graswiese!

Jetzt um zwlf!?

Was mochte ihr da eingefallen sein?

Aber ganz oben verstrickte sich ihr Gesang wie eine zarte Spinnwebe im
Buschgezweig und brach ab ...

Ich gehe vom Fenster weg und die Kommode (liebes altmodisches Wort), ein
Klavier, Sthle, Vasen und Photographien blickten mich freundlich an,
obwohl ich ja hier nur ein Fremdling war ...

Dann legte ich mich in das Bett. Auf dem Sofa.

Corra und ich hatten sie ausgefhrt, diese eine Improvisation.

Decken und Leintuch! Es frstelte einem beim Hineinlegen, so frisch
waren sie und die Zusammenlegefalten konnte man von der Tr aus sehen,
bei aller Dunkelheit -- --

Um zwei Uhr frh zndete ich die Kerze an, Adelina, dann las ich deinen
Brief ...




                            Der Trpfosten


Wenn ich zurckdenke, an den Pfosten der Tre zum Vorhaus mich erinnere!

Nachtfinsternis, drauen spielt sich ein Gewitter ab. Und Corra geht und
macht den einen Flgel der Vorhaustre zu. Damit der Regen nicht so
hereinkarttschte.

Mein Grovater, der Waldfrster, hat es aus dem Zimmer heraus
anbefohlen.

Ach, und was jetzt folgt, hat Corra wahrscheinlich einmal auf einem
Bilde gesehen: ... Corra stellt sich neben mich, fat meinen Arm und:

Schau das Gewitter an ...

Die Wolken hingen in dicken Fetzen und romantisch, braune Kupferkessel,
fast bis zur Erde, und die Bume bogen sich und pfiffen und schttelten
mit Riesenlaubbscheln, benahmen sich wie hysterische Weiber.

Ein reiender Bach fuhr bereits an den Vorhausstufen vorbei, in den der
Regen hineinprickelte. Bei jedem Blitze, mit Siebenmeilenstiefeln ber
Land, sah sie mich an ...

Ach, schaute zu mir auf. Und ich: Jedesmal aufwrtsblickend: Sie
vertraut sich dir an ... Sie vertraut sich dir an ...

Aber eine dritte Person in der Nachtfinsternis neben uns!?

Hans!?

Ach, er hat sogar ein Butterbrot!

Pltzlich fhle ich etwas an meinem Arm.

Butter!?

Mein neuer Anzug!!

Corra zieht mich ins Gewitterlicht. (Sie hpfen ordentlich vor
Ausgelassenheit, die zwei ...)

Und sie fat ihre blaue Schrze, Corra Komm, komm ...

und wischt sorgfltigst Butter von meinem rmel ...

Sie liest dabei in meinen Augensternen.

Auch das, was ich in meinem Innersten denke: Nie, nie werde ich dir dies
vergessen ...

(Der Anzug war mir nichts ...)

Wir gingen wieder auf unseren Platz in der Nachtfinsternis, ihr Arm
schlpft unter meinen: Ich beschwre mich: Pst ... Pst ... p.. p..

Ein weies Blatt Papier wirbelt in der Gewitternacht empor!!

Das ist das Blatt, das wir im Gartenhaus vergessen haben, das Blatt,
das wir im Gartenhaus vergessen haben!!!

Sie gert in Bewegung, sie klatscht in die Hnde, und auf drei Sekunden
ganz an mich gedrckt, wag ich's nicht, mich zu rhren ...

Ach, es wollte gewi zu den verlassenen Abendsternen, dieses weie Blatt
Papier ... Es kmpfte einen grlichen Kampf mit der Gewitternacht.

Liebes, weies Blatt Papier, diese deine Sehnsuchten nach den
Abendsternen, nie werden sie erfhlt werden ... vielleicht wirst du noch
aufgespiet von einem rechtwinkeligen Blitz. Auf dieser, deiner Irrfahrt
...!

Morgen finde ich dich in einer Feldlache, zerweicht, zerknittert,
beschmutzt ...




                            Sommerfrische


                                  1.

Der Regen hatte aufgehrt, man konnte wieder die Sonnenschirme
ausspannen, und also nahmen sie die, Mutter und Schwester, und gingen
aus.

Der Herr Sohn bleibt zu Hause?

Bei diesem schnen Wetter bliebe er zu Hause?

Er wolle ein wenig ben, sagte er ...

-- Nun so solle er ben.

Und damit hatten sie ihre Schirme genommen und waren gegangen, Mutter
und Schwester.

Er trank ein Glas Wasser, dann ging er auf sein Zimmer hinber.

Da waren die Fenster offen und er schlo sie. Nein, ein halbes konnte ja
offen bleiben und so lie er ein halbes offen.

Drauen liegt die Luft wie stille See. Eine graue Taube lt sich vom
Schlag herunter, sie hlt die Flgel ausgebreitet und bewegt sie nicht.
Dicht ber dem Boden beginnt sie mit den Flgeln zu schlagen und in
Bltter, die da liegen, kommt Leben; die Bltter gleiten einen
Menschenschritt an der Erde hin und das ist fr sie wie eine Erinnerung
an eine glckliche Zeit ...

Da sie noch an den Zweigen hingen, an dem schlanken Stengel!

Ja, die Bltter wollten es mit den Vgeln halten, das stille Leben da
auf dem Baume hatte ihnen nicht mehr behagt und im Winde sich schaukeln
war ihnen nicht genug. Hinflattern, wohin es ihnen beliebte, wollten
sie.

Da lagen sie nun, irregefhrt, im Staub und sprten die Lebenskrfte
schwinden.

Ja, da mochten sie jetzt sehen, wie es ihnen erging!

Die Sechsuhrsonne hing an olivengrnen Tapeten, an kastanienrotem alten
Germpel.

An dem wchsernen Christus unter dem Glassturz fliet ein dnner, gelber
Strahl vorbei.

Der kam durch ein Loch in der Gardine.

... Er blickt auf die glnzende, weie Tr; es war ihm so wohl ... Er
nahm seine Noten vor.

-- -- Chopin? ...

Ja, Chopin wrde er spielen.

Er legt das Heft auf das Pult und stimmt. Ein paar Striche, Griffe bers
Griffbrett herunter, dann fate er die Geige mit dem Kinn, stie mit der
linken Hand den rmel zurck und: Piano ...

Das rechte Handgelenk bog sich sanft, ruhig wie ein Schwanenhals und die
sen Triller flogen wie kleine Kalanderlerchen ans Fenster und setzten
sich dort auf dem Fensterhaken ...

Wer spielt denn da oben? -- Er hielt inne.

-- Ich! --

-- Ich? wer ich?

Pause.

... Ein Damenlachen beugt ihn zum Fenster heraus. Mit der Geige unter
dem Arm, da prallt er zurck, die Blonde in Trauer stand unten.

An der Hand hatte sie ein vierjhriges Mdchen. Das hielt eine Puppe im
Arm und sah dorthin, wo Mama hinsah ...


                                  2.

                                                      Nach vier Tagen.

-- Sie sind der Violinspieler?

-- Ja.

Er lchelt. Sein rechtes Knie zittert, er habe noch um Entschuldigung zu
bitten, sagt er.

-- Nein, der Herr nimmt dir deine Blumen nicht, sei still, Martha ...
Was war es, was Sie spielten?

-- Chopin. Ein Nocturne.

Sie berging ganz, was er vom Entschuldigen gesagt hatte.

-- Chopin ..., sie sah an ihm herunter. Ihr Blick hielt bei seinem Knie
und blieb da:

-- Ja, wie komme ich da jetzt aus diesem Wald heraus?

Er deutet mit der Hand:

-- Dann kommt eine Bank, von da geht ein Weg hinunter, gerade bis hinter
das Haus des Herrn Presoli.

-- Wie, Sie wissen sogar wo ich wohne? die schwarze Glachand am Kinn.

-- Sie standen unter dem Tor und redeten mit ihm, Herrn Presoli, er
hielt die Mtze in der Hand. Und dann gingen Sie mit ihm in die Zimmer
hinauf; an einem Freitag war es.

-- An einem Freitag? Ja, ja, da bin ich hiehergekommen.

Sie heftet die Augen auf einen Punkt und sagt das so hin, dabei klopft
sie mit dem Finger auf die weien Zhne.

-- Also guten Tag!

-- Gestatten Sie, da ich Ihnen den Weg bis zur Bank zeige?

-- Ach nein, danke! Jetzt finde ich ihn ja.

Sie lchelt und nickt, dann ging sie.

Er verschwand schnell. Hinter einem Baum sah er ihnen nach. Das Jckchen
des kleinen Mdchens war schwarz, kaum so gro wie ein Bilderbuch und
der kleine Hut war schwarz, nur das Rckchen war wei und die Strmpfe
und Schuhe waren wieder schwarz ...

So trippelt es einher neben seiner Mama, die behend und aufrecht
zwischen den Bumen hinuntersteigt ...

Er ging hinauf bis zum Kamm.


                                  3.

Der Sonnabend fiel aus den Bumen. Auf dem Waldboden, in den drren
Nadeln blitzte es, da es in den Augen weh tat.

Pltzlich wandte er sich um: Sie stand unten auf der Fahrstrae ...

Ein Holzweib sagt etwas zu ihr und die Frau ffnet die kleine Handtasche
...

Sie stieg langsam herauf.

Durch das Weggestruch mit ihren langsamen Schritten. Pltzlich ist sie
zwischen den Bumen verschwunden. Aber da kam sie schon wieder auf den
Weg heraus und er ist froh ...

Das Gesicht zurckgewandt, den einen Fu vorgestellt, verweilt sie und
schaut hinab zu den roten Dchern ...

Als sie wieder ihren Weg fortsetzt, tut er so, als wre er wegen der
Aussicht da und stellt sich auf.

Ein paar Schritte noch und sie war heroben.

Jetzt sah er auch, was sie in der Hand hatte, ein Babyhut war es, aus
weiem Leinen. Den hlt sie sich vor das Gesicht. Wie sie an ihm
vorbeikommt, hat sie ein graugrnes Kleid an und weie Handschuhe bis
ber den Arm hinauf.

Da setzt sie sich auf eine Bank und legt den Arm auf die Lehne.

Sein Herz klopft und treibt ihm das Blut ins Gesicht und als er sich der
Bank nhert, werden seine Beine unsicher. Er vermag es nicht, den Arm zu
heben und zu gren ...

Aber zwei Augen gingen mit ihm und um den Mund war ein Lcheln, das
sagte: Ja, ja, ich bin es, mein Lieber.

Die Schuhspitze klopft auf dem Boden ... Der Arm auf der Banklehne
spielt mit dem weien Htchen und der andere liegt wie eine schne,
weie Schlange im Scho ...

Er atmet auf, als er auf dem Plateau anlangt. Das hie der Kamm, und
es hat der Wind freies Feld da.

Er lchelt mit sich und blickt zu Boden; in seinem Hirn ging es drunter
und drber ...

Er sieht sich nach ihr um, da schaut sie zu ihm herauf: Er geht langsam
zurck.

Und vorbei ... Nein, er wagte es nicht.

Sie verzieht den Mund und du Kipfel heit das.

Nach zehn Minuten taucht er wieder auf. Aber er ging wieder bis zum
Plateau --

Sie schaut in den Wald hinein, fchelt mit dem weien Kinderhut, da
kommt Presoli.

Wie der auf dem Plateau ist, sttzt er sich auf seinen Stock, steht so,
betrachtet sich die zwei und denkt wohl: Ei ja ... Ein Blick nach ihm
hin, er trollt sich und verschwindet.

Das kleine weie Htchen auf dem Knie, spitzt sie den Mund, und sie
pfiff ...

Er wagt es; aber gerade jetzt stand sie auf und ging hinunter!

Er eilt ihr nach. Rechts von ihr: Verzeihen Sie, ich mchte Ihnen das
geben ...

-- Was? fragt sie im grbsten Dialekt.

Hinter ihrem Festungswall, dem Babyhut, und sie ist brennrot im Gesicht.

Er hlt ihr einen Brief hin mit der rechten Hand.

-- Haha!

Dasselbe glaubt auch der Wald, denn er wiederholt es.

Sie nimmt den Brief mit der Linken. Eine feine Hand ist in dem weien
Handschuh, hinter der weien Kappe lacht die Frau.

Nicht ganz so gro ist sie wie er. Ihre Schritte erinnern an die
blendender Stuten vor dem Leichenwagen, denen der Galopp versagt ist.

-- Er lt sie ber den Weg und sie geht hinunter.

... Nun war er wieder auf dem Plateau. Und viel weiter unten, da stand
sie, ihr graugrnes Kleid nach der neuesten Mode.

Das Krpergewicht ruht auf dem rechten Bein, so stand sie und las. Vom
Gemeindeplatz tnten die Glocken herauf. Dann geht sie rasch weiter und
ihre rechte Hand mit dem Blatt Papier schwenkt bertrieben stark in der
Luft.


                                  4.

Mondnchte, wie in dem Tanzmrchen, da das adelige Frulein Strohlendorf
pltzlich mitten auf dem Mrchen-Waldboden stand, hergeweht von den
Cephyren. Auf einem Bein, Kopf hintenber, erstarrt, in Hingebung ...
Unbekanntem ...

... Und eine Hoboe die Sterne herabfltet zu ihr ...

-- Auf dem Kamm hatte der Wind seine letzten Seufzer ausgehaucht. Kein
Hlmchen rhrt sich. Das einzige, was sich regt, das Flimmern der
Sterne. Da raschelt es im Laub und zwischen den Bumen kommen zwei
daher. Im grnen Mondlicht, das an den Bumen herabfliet, am Boden
weiterrieselt und irgendwo unter dem modernden Laub in die Erde lautlos
hineinrinnt. Puck, Bohnenblte, Oberon.

Langlangsam ...

Kommen zwei daher, eng aneinander, sie stehen Brust an Brust, dann gehen
sie wieder ...

Warum hast du mir das nicht gesagt? fragt sie. Keine Spur von Dialekt.
Das Lcheln mit geschlossenen Augen, das zittert in ihre Stimme hinein
...


                                  5.

Auf dem Fuweg im Lrchenwald kollert ganz pltzlich der Mond.

Der Junge ging da und taumelte, bald ber den Weg, bald zwischen den
Bumen und hielt die Hand ans Gesicht gedrckt.

Er setzt sich auf einen Baumstrunk ...


                                  6.

Die Front des Hauses ist im Dunkeln. Der Mond steht verklrt auf dem
Dachfirst und schaut von da in den Himmel hinauf.

Ein einziges Fenster ist schwach erleuchtet, ein unschuldiges Lichtchen
brennt hinter den Scheiben.

Drei weie Fensterplster sind da, die schimmern durch die Nacht ...

Jetzt kmmt sie sich, denkt er, und sitzt auf seinem Holzsto im
Schupfen. Die Torflgel sind ausgehoben und die halbe Welt liegt vor dem
flgellosen Tor und der Himmel darber ist angefllt mit Sternen.

Ein Fenster ist weit geffnet und ein Fensterhaken hngt nach.

Aber er baumelt nicht, nein, nein, die Luft liegt wie l.

Jetzt hast du dein Licht ausgelscht?!

... Leise hustet jemand im Zimmer.

Jetzt kommt sie ans Fenster! denkt er, und seine Hnde legen sich
langhin auf den Holzsto ...

Vor dem Tor wchst ein Halm, der bewegt ein einziges Mal seine Spitze,
dann steht er wieder kerzengerade ...

... Da ist sie?!

Aber es war das nur der Vorhang, der pltzlich vom Mondstrahl getroffen
wurde.

Eitel Silber rauscht armdick aus der Brunnenrhre und in die Kufe und
das ist das einzige Gerusch auf dem groen Hof.

Er wartet und wartet, und auf seinem herrlich mit Wasser frisierten
Scheitel glnzt der Mond.


                                  7.

Die Sonne ist schon fort. Ein hochrotes Wolkenband brckt ber den
Himmel weg. Unter ihm fhrt der Abendzug weg. Eine weie Sule, schrg
in den Himmel, ber sich ...

Das Kinn an den Hals gedrckt, stand er da. An seinem Leib konnte man
die Rippen zhlen, durch das dnne Sommergewand.




Ich wandere, beschliee ich. Bleibt ihr alle da, wollt ihr nicht mit
mir!

Ich habe Mond und Sterne auf meiner Seite, sie gehen mit mir. Das ganze
Firmament!

Ich laufe auf dem Schienenweg und probiere die Sterne aus.




                              Die Reise


Ich bin reisefertig.

Corra ging noch einmal hinauf in ihr Zimmer, um die Jacke; die Abende
werden jetzt schon khl. Ich stehe an den Pfosten der Tre zum Vorhaus
gelehnt und warte. Und das macht mir Freude, da ich hier so stehen
darf, gelehnt an den Pfosten und warten ...

Und sie lassen mir ihn, den Pfosten, die hier heroben sind und hausen.
Menschen voll Gte ...!

Ich stehe an den Pfosten gelehnt und berschaue von da aus die groe
weite Welt.

Corra kommt. Sie hat ihre Jacke, im Gehen ruft sie dem Kchenmdchen zu,
ob sie die Levkojen hineingenommen habe. Marie?

... Ja, tnt es zurck.

Levkojen? frage ich.

Ja, sagt sie und lchelt. Und so kommt es, da meine Augen noch einmal
ber das Haus gleiten mssen ... Und heimlich verabschiede ich mich von
den groen, weigetnchten Schornsteinen und von dem Himmel, der gleich
hinter dem Dachfirst anfngt. Die paar Wlkchen, die ganz rot
dahergesegelt kommen, inbegriffen. Und dann vom Dache extra. Das hat
seine helle, ziegelrote Farbe schon ein wenig eingebt.

-- Liebe Corra, la mich deine Jacke tragen.

-- Nein, ich habe meine neue Jacke mitgenommen, du verdrckst sie mir.

Und ich lasse ab, von diesem meinem Wunsche und denke bei mir: Corra hat
eine neue Jacke mitgenommen und im Geiste lege ich den Finger auf die
Stirne: Die neue Jacke ...

Jetzt vergesse ich, mich noch einmal umzusehen! Nach dem Pfosten der
Tre zum Vorhaus zu schauen ... Und die weigetnchten Schornsteine?
Aber alles ist schon untergetaucht und verschwunden ... Ja und das mit
der Jacke war unser ganzes Gesprch. Corra geht zwei Schritte weit neben
mir, dann drei ... Und jetzt geht sie gar lcherlich nahe neben mir ...
Corra?

Ich werde grob und sage zu mir: Halts Maul! Und jetzt erinnere ich mich,
da sie tralala machte.

Wer nun war daran schuld, wie ich, da sie nun wieder weit von mir in
der Herbstsaat herumstieg!

Eine ganze Straenbreite weg stiefelt (...) sie in der Ackererde.

Corra kommt zu mir herber, legt ihren Arm auf den meinen, schaut mir
ins Gesicht (...) und sagt: du, du kannst meine Jacke tragen ...

... Und sie gibt ihre Jacke ...

Die neue Jacke ...

Und sie tut das ganz offen, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Meine Arme waren lahm ... Meine Fe gingen mechanisch. Corra hngt sich
sogar in mich ein.

Und sie gehen fort, eine geschlagene Stunde, miteinander ... Und, du, du
kannst meine Jacke tragen, bleibt unser ganzes Gesprch ...




                     Istrianische Kalklandschaft


   Aus roter Erde,
   Sparsam windgestreut in Kalkfelsenspalten,
   Hngen Bsche Salzkristalle.
   Und in dunkle Meeresfalten
   Rollen Steine.
   Weit,
   Ein einzig Fleckchen Erde,
   Gott behielt es sich zu seinem Acker.
   Sonst alles tot und leer ...
   Wr nicht ein flchtig Rad
   Zweier Delphine,
   Enteilt es bers Meer,
   Stille stnd' die Zeit ...




                                              Wien, 30. September 19..

Pltzlich waren Sie wieder da, bei Vater, Mutter und Schwester.

Ein Wagen stand vor dem Tor, unter der Laterne.

Den Wagenschlag ffnet eine Frau, im Tor hat sie gewartet und lange
dagestanden und die Strae hinauf und hinunter geblickt, ein weies
Taschentuch an den Mund gedrckt.

Jetzt war der Wagen da und sie eilt zum Wagenschlag und ffnet ihn.

Und da ist es eine junge Dame im Reisekleid, die aus dem Wagen steigt,
langsam und bleich. Ihre Hnde in grauen Handschuhen ringen sich um den
Hals der Frau und so bleiben sie, Mutter und Tochter ...

Zugleich schlgt oben in den Stockwerken ein Fenster zu und ein Schrei,
der, an den geschlossenen Fenstern der stillen Gasse noch fortflatternd,
sich zerstrt ... Und die den Schrei tat, ein junges Mdchen, Leonarda,
die Schwester der Dame im Reisekleid, kommt aus dem dunklen Tor hervor,
sie weint laut, strmisch fat sie die Angekommene unter dem Arm, die
Schwester, die noch immer und wortlos an dem Hals der leise
schluchzenden Mutter hngt.

Der Kutscher schaut vom Kutschbock herab auf die drei; eine Gruppe vor
einem dunklen Tor in stiller abgelegener Gasse, bei dem gelben Schein
einer Laterne, verweilen drei Frauen, leise schluchzend die eine,
whrend das junge Mdchen seinen Gefhlen freien Lauf lt, laut weint,
zu allen Fenstern hinauf, in der stillen Gassennacht ...

Und das Gesicht der Dritten liegt bleich, auf dem Hals der Mutter, ohne
Trne, unbeweglich, mit zugefallenen Lidern wie ein Marmorgesicht ...

Und dann in dem dunklen Hausflur, sehe ich, wie sie nun langsam den Fu
vom Boden abhebt und vor den andern setzt.

Das Marmorgesicht liegt auf der linken Achsel der Mutter und an
derselben Seite geht Leonarda mit kleinen Schritten und sttzt mit
beiden Hnden die Schwester.

Und ich habe sie erkannt, Frau Farweller ...

                   *       *       *       *       *

Und Ade sagten Sie, Frau Farweller, und blickten zur Erde hinab, flogen
auf mit zwei Flglein ins Himmelreich ... Angemeldet, abgemeldet ...

Und da stand ich, bei dem Tor, drehte mich, stieg vor dem Tor auf dem
Trottoir herum, und ging an der Huserreihe, an den Wnden, wieder
zurck ...

Und da fllt es mir ein, wie ich diesen Weg auch oft mit Ihnen gegangen
bin, als Sie noch Schulmdchen waren, damals.

In respektierter Entfernung natrlich.

So sagen wir eine Straenbreite, bis zu Ihrem Hause. ... Sie sprachen
noch eine Weile mit der Freundin, einem Vize-Adelinenwesen. Es war ein
heier, weier Sommer, der die Menschen matt macht, und Blsse lag auch
auf Ihrem und Ihrer Freundin Gesicht. Dann gebt Ihr Euch die Hand ...
Sie gehen durch den Hausflur und bei der Stiege bleiben Sie stehen, Ihre
Fe kommen gerade da zusammen und so bleiben Sie stehen ...

Mit der linken Hand halten Sie die Schultasche und die rechte ist darauf
gelegt ...

Ihre Gestalt sehe ich im Profil ... Ein weies Alltagssommerkleid sagten
Sie ... Und Ihr Kopf wendet sich mir zu und nickt. Und ganz allein mir
galt es ...

_Pronti!_

Ich gehe augenblicklich ber Felder, springe ber Grben. Einen groen
tiefen Graben habe ich auch zu berschreiten gehabt. Ein _incredibile_
langes Brett! Es stammte gewi aus Nordamerika, eine Conifere!? Brett
aus den Felsen-Waldbergen, Grizzlys Heimat ...!

Friedliche Tiere habe ich aufgescheucht, aus ihrem Schlaf, aber es war
nicht Absicht, junge Frau, Sternennacht ...

Warum weine ich?




                            Oh Cinema ...


                                         (Kein Auge blieb trocken). --

Da kommt sie, das Unglckswesen, sagt eine weibliche Stimme hinter mir.

Und wirklich! Immer bist du es, die ich heute zum drittenmal sehe,
Hermia, dieselbe.

Jedesmal behielt ich dieses Bild im Herzen:

Das Bukett Rosen mit dem Brieflein: Graf ... In den Handschuhmacherladen
hinein ...

Nein, der Graf war dir nichts. Nur ihn, ihn ktest du, als du seinen
Brief ktest, und die Rosen ktest und an Mund und Augen und Wange
drcktest ... Hermia ..., daheim, in deiner Kammer ...

Eines Abends, nach Geschftsschlu: ob ein Wiedersehen mglich wre ...?
Nein, nein, nein, Hermia schttelt den Kopf, und wie sie die Rosen lieb
anblickt. (Nein, gewi, nimmer wrde sie von euch ihre Hand lassen ...)

Dann, hinter dem Haustor blickt sie noch durch das Torfensterchen und
macht mit der Hand Pa...

Und oben in deinem Kmmerlein, Hermia:

Gleich Wasser, fr die Blumen, o, wenn man all den Duft mit einemmal
einsaugen knnte ...!

Arme Hermia, dann war es wohl die erste im Reigen der unruhigen Nchte
...

                                                    Nchsten Tages. --

... Welche Freude es fr ihn wre, sie Sonntag nachmittag am Jgerweg
erwarten zu drfen, zu einer Automobilfahrt! --

Vielleicht um vier Uhr, wenn es Ihnen recht ist?

                                              Graf Udo Ferdinand N. --

                   *       *       *       *       *

Ein weier Mdchenschirm, der im Wegsand stochert; Wind, alter Lebemann,
vermag nicht abzulassen von eines jungen Mdchens weiem Kleide!

Wei, der Sommer prallt daran ab.

Das Automobil schwankt heran.

Hermia kehrt dem pltzlich den Rcken und geht drei Schritte:

Nein, es kann nicht wahr sein, nicht wahr sein! Hermia, es ist das Glck
... Es lchelt dich an ...

So denkt Hermia, und neigt den Kopf, denn sie sieht da die Steinchen im
Wegsand nicht mehr. Feuchte Augen trben den Blick ...

Eine Stunde spter: Die Bank am Waldespfade ... Beide setzen sich ...

Einstweilen nimmt er das Blatt weg, das auf ihr Knie gefallen war ...

Auf das himmlische Knie unter dem weien Kleide ...

Horch, was ist das? --

Nichts, Waldesrauschen. --

Das Automobil wartet. Auf der breiten Strae mit den Kilometersteinen.
Der Chauffeur trinkt sein Bier und liest die Zeitung: Die
parlamentarische Kommission der konservativen Rechten ...

                   *       *       *       *       *

Er legt die Hand um ihre Taille. Sie erbebt, erhebt sich, wchst empor,
und wie die Lilie im Zauberwald ..., streift langsam seine Hand ab ...
behlt ... sie ... in ihrer Hand ...

Vielleicht strmt ihr bisheriges, stilles Leben an ihr vorbei?

Vielleicht eine Szene hinter dem Ladentisch? Wie sie gerade mit der
Schere ein widerspenstiges Haarlckchen abschnitt, sorgenfrei ...

Sie wendet langsam ihr Gesicht ihm zu: die Augen blicken ernst, der Mund
ist halb offen.

Er sieht ihre eingefallenen Wangen und wie die Brust atmet. Und Hermiens
Augen werden gro und matt, wie es die Sonne jetzt tut im Westen.

Hermia steht auf dem Felsgrat. Und in blauen Tiefen sieht sie die
Sphren schwingen. Wird Hermia schwindelfrei sein, und die Tiefe unter
ihr nicht ihren weien Nacken lhmen?

Wird sie es vermgen, den blauen Tiefen noch rechtzeitig ihr nicht
weniger tiefes Blauauge zu entreien, hinter sich zu blicken und einem
schwachen Mdchenfu alte Kraft und Sicherheit wiedergewinnen zu lassen,
froh und befreit niederzuwandern zwischen Bergblumen?

Siehe, aber _sie_ vermochte es nicht, Hermia, als sie hinaustrat auf den
Felsgrat ihres Lebens. --

Hermia hatte nicht gelernt auf Felsgraten zu tanzen.

Die schwingenden Sphren nahmen sie an sich, komm zu uns, komm zu uns,
riefen sie und Hermia fhlt, wie sie aufgehoben wird, abgehoben von dem
Fels unter ihren Fen, und hinabgleitet: -- Sie fllt ihm um den Hals,
Hermia, Graf Udo Ferdinand N., und birgt ihr Gesicht an seiner starken
Brust.

Sein ist Hermia und die Seele blickt auf ...

                   *       *       *       *       *

Harmonium solo.

Und dann wird es das alte Lied: Hermia liegt zu Bett. Das hat an Kopf
und Fuende ein kaltes, eisernes Gestnge. Und da sind noch viele
Betten, und eines sieht dem anderen hnlich auf ein Haar ... Neben dem
groen Bett steht ein kleines Bettchen. Es ist nicht die Himmelswiege,
es ist das groe Bett aber _en miniature_.

Darin bewegt sich das Wrmchen ...

Hermia aber liegt stumm, dann und wann tun sich die groen Augen auf und
schauen die Zimmerdecke an ...

Neben Hermiens Bette sitzt die alte Wrterin, sie stickt.

Sie hat zeitlebens nur Anna geheien und Kranke gepflegt, an Peppo
gewrgt, und Peppo ist es in den Geschichtchen der Hermien, die hier im
Spitale liegen und mit groen Augen der Wchnerin zur leeren weien
Saaldecke schauen, nach den Bildern ihrer Erinnerung.

Und jetzt war Peppo sogar Graf, Graf Udo Ferdinand N., erzhlt Hermia
...

Vielleicht knnte sie sich ein wenig im Bette aufsetzen? Anna ist ihr
behilflich.

Nein, sie kann es nicht, Hermia, sie ist noch zu schwach und sie sinkt
wieder zurck.

Die schnen schmalen Hnde liegen wieder neben dem Krper, bleich auf
der Decke ...

                   *       *       *       *       *

In den ersten Nachmittagstunden, das Krankenzimmer liegt an der Sonne.
Ein Sperling singt auf dem Fenstersims Frhlingslieder. Hoch oben unter
der Saaldecke ist das Fenster, und es ist offen. Unter ihm schlft das
Kleine in seinem Bettchen. Es hat sich mit den rmchen mde gespielt.

Hermia erzhlt. Sie erzhlte so gern ...

Sie wnscht, da Anna ihr das Etui mit dem Medaillon herberreiche. Anna
tut es und mit einem mitleidsvollen Blick (der von Hermia nicht gesehen
werden darf). --

Hermia nimmt das Medaillon heraus. Wie sind die Hnde so langsam und die
Finger spitz ...!

Sie schaut das Medaillon an und ihr Hals macht dabei unter dem Kinn eine
Falte. Er mu den Kopf ein wenig heben, der Hals, da die groen Augen
das Medaillon sehen knnen und da macht er die Falte. Knnen denn die
Hnde das Medaillon nicht hher halten? Nein, sie sind zu schwach.

Hermia legt das Medaillon in das Etui, gibt dieses der Anna zurck ...
Sie mge es zu dem kleinen Ferdinand neben ihr ins Bettchen legen.

Will sie sich denn schon vorbereiten zum Sterben?

Ja, abends war sie tot. --

Sie starb an Schwche. Ganz still, niemand hrte es ...

... Die rzte breiteten ein weies Leintuch ber sie.

                   *       *       *       *       *

Als der junge Graf endlich (zu spt!) auftauchte, geschah es, da er
sich ber das sanfte Bild warf, das das weie Leintuch behtete, und nur
noch dieser heutige Tag seine Zeit lang von jener frhen Morgenstunde
trennte, da das Zgenglckchen ertnt -- (Harmonium solo). Er weint. --
Die rzte lassen ihn allein, und geben auch der Wrterin Anna einen
Wink.

Darin kt er das Hndchen des kleinen Ferdinand. (Nach ihm so benannt
...)

Die achtzehnjhrige Ninette hatte sich den kleinen Ferdinand, s
schlummert er, auf den Arm genommen. Neben ihm stand sie, dem groen
Ferdinand, und da kte der groe Ferdinand das Hndchen des kleinen
Ferdinand. --

Sie, Ninette, herzte ihn noch eine Weile und legte ihn wieder in sein
Bettchen zurck, das kein Himmelbett war. Dann bekam er eine andere
Mutter ...




                               Waldelfe


                          Oft wandelt die Liebe in Ha sich! --
                       Doch wenn ich dich Blmchen anseh,
                       Nun schon vergilbt, kein Duft mehr
                       An dir, zwischen zwei weien Blttern:
                       Kannst rger du wten, o Schmerz,
                       So wte!
                       Nicht scheint mir begreiflich dein Spruch ...

Werther schlug die Zeit tot.

Pltzlich ging er ein Stck Weges zurck und kehrte wieder um ...

Der Wegsand war feucht vom Regen in letzter Nacht.

Einer lauen Sprhregennacht, die Schuhe drcken sich leicht im Sande ab.

Er ging und sah auf den Boden, die Hand pltzlich an der Wange ... Da
war es das zweite Mal, da er zurckging.

Die Sonne war im Untergehen und ihr ganzes Dekorationsinventar stellte
sie zwischen den Bumen auf, und zwischen den Bumen wandelt pltzlich
jemand daher.

Luise ...

Sie hatte wieder ihr neues Kleid an. Und so schn war sie, als er sie so
ruhig dahergehen sah, mutterseelenallein.

Hinter ihr ging die Sonne unter ...

Ach, er blieb stehen und hielt den Atem ein. Wenn sie ihn nur noch eine
kleine Minute lang nicht bemerkte! Und er blickte zum Himmel, da ihm
die Bitte erfllt werde ...

In der Hand hatte sie eine einzige, kleine Blume, die mit der Hand hin
und her, langsam durch die Luft strich. Luise neigte den Kopf ein wenig
zur Seite, und wie gewhnlich, blickte sie auf den Boden hin.

Sie sang leise ...

Da stehen sie sich gegenber. Sie atmet schnell, kneift den Mund
zusammen und heirot steigt es in ihr Gesicht, und das ist nicht Luisens
Farbe, und ber der linken Braue steht eine kleine Falte.

Einige Minuten vorher konnte sie ein Lied singen ...

Frulein Luise, es war nicht Absicht, er spricht's in den Wald hinein.

Lodernde Fackeln stehen auf im Umkreise und das Feuer rauscht und
knistert, und gelbe Flammen gehen nieder und erlschend im Gleitflug vor
Luisens Fen.

Herbstwald ...

Sie sagt nichts; der Wald rauscht. Sie hlt das Gesicht zur Seite
gewendet und blickt weg. Das Weie in ihren Augen glnzt.

Jetzt war sie wieder wie damals im Hamerlingpark, um sechs Uhr abends.

Als er das erste Gesprch mit ihr hatte ...

Sie legt die Finger ineinander und lt sie so auf dem Schoe ruhn.

Nach einer Weile sagt er: Frulein Luise, so allein sollte ein junges
Mdchen nicht gehen, im Wald, in der Nhe einer so groen Stadt!

Sie blickte ihn an, aber sah wieder weg:

Sie haben ja einmal gesagt, alle Mdchen sind Ihnen gleichgltig.

Sie schaut auf einen Punkt und drckt die Lider zusammen, und die
Kurzsichtigkeitsfltchen sind wieder da. Sie ging. Langsam setzt sie
einen Fu vor den andern ... Er ging unschlssig ihr nach, da sah er die
Spur, die zurckblieb, wenn sie den Fu vom Boden abhob.

Er stand bei ihr, er zitterte; Luise! er wendet das Gesicht ab. Es
brandet ber den Wipfeln und saust fort.

Werther: Augen schlieen und Niagara bers Herz ... Ein leidvolles
Lcheln.

Ach, wie er sich hielt mit fester Hand. An seinem Mundwinkel zog es.
Ich wei nicht, was Ihnen so schwer fllt, pltzlich sagte sie es,
_mezzavoce_; sie steht wieder, ihre Fingerspitzen berhren seinen Arm
und sie blickt ihn an ...

Welcher blinde Zufall wollte da unbedingt, da er ausgeliefert werde?!

Und sollte sein selbstloser Plan nicht in Erfllung gehen, nein? Er war
doch hierher gekommen, um zu leiden, still, ohne einen Laut ...

Da kam sie daher und drohte mit einer Frage, ihm alles zu vernichten.

Darf ich mit Ihnen gehen? fragt er pltzlich ganz ruhig. Es sah
wirklich so aus.

Ja, aber weil sie mir schon bange gemacht haben.

ber der linken Braue stand wieder die kleine Falte. Sie war wieder
hart. Luise war wieder hart.

Er ging mit.

Nein, er konnte es nicht begreifen, sie war es, die er hier traf? Und
sie hatte sich jetzt gerade unter seinen Schutz gestellt.

Er sah dies Bild: Die Hnde vor der Brust, blickt sie ngstlich zurck,
whrend er dicht vor ihr stand und bei ihr ..., seine Hnde ber sie
hielt und sie schtzte ...

Ach, wie gern wrde er Qualen erdulden!

Da, _mich_, seid einmal gtig in eurem Leben, wrde er ausrufen. Nach
peinvollen Minuten: Meine Wunden lassen mich noch eine halbe Stunde am
Leben?

Ja, eine knappe halbe Stunde, sagen sie darauf.

So ist es gut, antwortet er.

Und zu Luise gewendet: Jetzt kann ich dich noch begleiten, und er
lchelt glcklich. Bei der Tr zu dir erst werde ich strzen, aber ich
kann dann noch nachblicken, du ... Und da wendet er sich noch einmal zu
jenen Mnnern und winkt ihnen mit der Hand: Ich bin Euch dankbar, gut
waret Ihr, ich bin Euch dankbar ...

Da merkte er pltzlich, da sie ihn die ganze Zeit von der Seite
ansieht. Und da er sich zu ihr wendet und dies sieht, sagt sie: Sie
sehen leidend aus, waren Sie krank?

Da wird in ihm all sein Leid wieder wach, lebhafter denn je, eine Garbe
von weichen Gefhlen drngt es nach auen; da pret er sie an sich,
seine Hand zuckt, so wild reit er sie an sich. Der linke Arm schlingt
sich um ihren Kopf und die Hand drckt auf die Stirne; ganz sinnlos ist
er und merkt nicht, da er ihr mit dem Finger am Auge weh tut. Er
bedeckt sie mit heien Kssen, Mund, Wange, und benetzt sie mit Trnen
...

Dann lt er sie los, wendet sich ab, und bedeckt sein Gesicht mit der
Hand. Sie steht da, und in ihrer Ratlosigkeit streicht sie sich mit den
Fingern ber das Gesicht. Da eilt sie zu ihm hin, legt die rechte Hand
auf seine Brust und die Linke zieht die seine vom Gesicht weg ...

Wein' nicht, sagt sie. -- -- -- -- -- -- -- --

Solchen Phantasien gab er sich hin, die seine Landregenstimmung vollends
herunterbrachten. Das Rosa der durchschimmernden Augenlider war das
Letzte, was ihm von dieser Welt im Bewutsein zurckblieb, bis auch das
weg war; sein Kopf sank matt zurck, er verfiel in traumlosen Schlaf.

Da lag er hinter dem Busch, hingefallen wie ein Selbstmrder.

Er lag so mehrere Stunden ...




                                Abend


Baupltze, allerhand Graswuchs, um Tmpel im Lehmboden.

Eine Allee, ein Gelnder lief mit, flog es in die Ferne wie
telegraphiert, auf, ab, auf, ab, lngs abschssiger Wiesengrnde.

Ein kleiner Hgel, der aus dem Tal herauf will, klammert sich an die
Strae. Aber das kostet ihm den Kopf, auf seinem Rumpf stellt Stadtrat
Sch.s Antrag Bnke auf: und alte Alleebume mssen die Eindringlinge
respektieren, und sie tun es mit einer in langem Leben erworbenen
Gelassenheit, vollfhren hinter den Bnken einen Halbkreis und gehen
weiter, schweigend, einen schnurgeraden Trott.

Und hinter Hgel und Gelnder der Brand von Rom!

Die Uhr ist sieben.

Zwei Mnner stehen da, dem einen hngt die Pfeife aus tabakschwarzen
Zhnen, der andere hlt die Hnde hinter dem Kopf verschrnkt und ghnt,
auf der Strae wird es finster.

Nach einer Weile sind die Bume schwarz, das Gelnder schwarz und die
Grasspitzen Silhouetten, die in den Himmel stechen.

Ein Paar lustwandelt.

Er hat seinen Arm um ihre Taille geschlungen, so gehen sie und haben
keine Eile.

Vielleicht lese ich in einigen Tagen in der N. F. P.: Die Anna H. kam
tglich in den Laden, wo Kropetz bedienstet war, um das Fleisch fr den
Mittagstisch ihrer Dienstherrschaft zu holen. Die jungen Leute fanden
Gefallen aneinander und bald entwickelte sich zwischen ihnen ein
Liebesverhltnis. Dies sollte aber bald getrbt werden.

Eines Tages mietete sich Johann W., der aus Mhren zugereist kam, im
Nachbarhause der H. ein. Das Dienstmdchen erkannte in ihm einen
Bekannten aus ihrem Heimatdorfe und sprach nun fter mit diesem. Auch
lie sie sich von ihm zu einer Sonntagsunterhaltung fhren, da sie ja
Schulkameraden seien, wie er sagte. Kropetz stellte die H. tags darauf
zur Rede. Sie erklrte ihm den Sachverhalt und sagte noch: Dir bleib
ich ja doch treu, wenn ich auch einmal mit ihm geh ... Kropetz glaubte
seiner Geliebten.

Doch es war nur Schein. Als ...

Heut Nacht regnet es, sagt sie. Ihre Stimme ist seltsam bewegt ...

Er blickt sie an mit seinen Rehaugen.

Georg ... sagt sie ...

Der Polizist steht pltzlich wieder da, er hat den Helm in der Hand und
wischt ihn mit dem Taschentuch trocken; es war tagsber sehr hei.

Es ist der, der vor Gericht dann aussagt: Die zwei wren ihm gleich
nicht ganz richtig vorgekommen ...

Dann gerate ich auf einen Pfad. Der hat auch sein Gelnder, das sich in
die Baugrnde hineinekelt, es aber bald aufgibt, wie es einsieht, da es
hier nichts mehr zu schtzen gibt ...




                      Der Mond, ein Wachtposten!


                            B. Kokoschka.

   Ach, ich seh dich gu-ten Mond schon wie-der
   wan-dern! Mein Freund, war-um so bleich?
   Sahst du mit ei-nem an-dern die Ge-
   lieb-te?
   Reich von dei-nen Wan-gen ihr
   ei-nen Strahl ... Und sag':
   Sieh, wie mei-ne Wan-gen sind die
   sei-nen fahl ...




Wiedererwacht aus einem Halbschlaf, der drei, vier Stunden gedauert hat,
sieht er, wie sich graues Morgenlicht auf den Fuboden hinabrkelt, und
er hrt die treue Amsel singen ...

Fort fliegt sie; fhrt er die Hand an die Stirn, lt sie daran herunter
und ber die Wange gleiten, und die Augen schlagen auf.

Sie blicken auf den weien Polster unter der Wange, feucht noch von
Trnen im Schlaf. -- -- -- -- -- --

Hat es nur einmal mit diesem elenden Regen sein Ende, ging er auf und ab
im Zimmer.

Am Fenster stehend sieht er nach des Kaufmanns Markus Vieldbich altem
Haus, es bekommt einen neuen Anstrich. Meergrner Lack.

Gestern war erst das oberste Drittel meergrn. Heute standen die
Anstreicher bereits auf dem Pflaster. Die Arbeit ging unaufhaltsam von
statten. Das Gerste wirkte wie bereinandergestellte Dcher und der
Regen konnte die Arbeit nicht behindern.

Er wandte sich vom Fenster weg, da erschreckt er im Spiegel: Die Augen
lagen tief in den Hhlen und die Lider waren grau. Und jetzt merkte er
erst, da es ihm zur Gewohnheit geworden war, sie nicht ganz offen zu
halten, sah er genau hin, waren tausend Fltchen da. Auch war das
Gesicht nicht ganz rein.

Ja, mit ihm war es abwrts gegangen. Er war wie ein winziges Insekt, das
an dem heien Lampenzylinder herabfllt.

Luise? Nein. Seitdem sie von ihm gesagt hatte, mangelnde Galanterie
seinerseits htte sie beide auseinandergebracht, schien sie ihm ein
gewhnliches Wesen. Sie hie auch gar nicht Luise, wie die Gattin
Napoleons, und Mutter des Knigs von Rom. Sie hie Aloisia, nach dem
braven Grovater, und spielte falsch auf dem Klavier.

Was war es dann, das ihn nicht ruhen, ihn mit zuckenden Nasenflgeln in
tollste Lustigkeit ausarten und pltzlich wieder in heller Verzweiflung
in einen Stuhl zusammenbrechen lie?

Abends bei der Lampe, und dem trauten Gesprch im Familienkreis, ihm
Sehnsucht die Brust durchgreift und er aufspringt mit dem heien Wunsch:
Ach! Lat mich eine Gewalttat verben!




               Der Abschied vom neunzehnten Lebensjahr


                                                     22. November 19..

Ich richte mich im Bette auf, und denke: 22. November ...!

Ein zu Tode ermatteter Luftzug streicht zum Fenster herein! Neben meinem
Bette, wo zwei Asternstcke stehen. ... Weiaster und Astern in anderen
Farben, ihr seid Totenblumen, und euer ist der einsame Friedhofgarten!

Euer Hauch ist der der Grfte, und das Licht der Sonne liebt ihr, kommt
es, getrbt, durch ein Kapellenfensterchen ...

Wohlan!




                            Krntnerstrae


Lichtreklamebilder, Passanten, Lungerer.

Laternentrger: Maxim, Ses Mdel, Moulin rouge, Bajadere, Maison de
danse, Fledermaus ...

Schne Frauen, mit ihren in kostbare Pelze gezwngten Dickbauchmnnern,
Freunden, Freundinnen ...

Auto bitte.

Winternacht ...

Mizzi, Antschi, Viki, Lu-Lukretia ...

Lukretia wandte pltzlich den Kopf nach mir. Bubi ..., sagte sie.

Eine Goldplombe hatte sie im linken Mundwinkel.




                               Lukretia


   Bei des Himmels Morgenkerzen
   Hll' ich mich in meine Decken,
   Von dem vielen Drcken, Herzen
   Kann ich kaum die Glieder recken.
      Wie der Wind am Sparren zieht
      Pfeift zu der Arbeit sich ein Lied.
   Ich bin so matt ...
   Vorber geht die Nacht,
   Und schlafen will ich jetzt
   Eh' noch erwacht
   Das Geheul der Stadt!




Die Kche wollen Sie auch sehen, lchelte sie. Vier Uhr,
Winternachmittag.

Also dann kommen Sie, Wettl ist nicht da, wir knnen also ruhig
eindringen in ihr Reich.

Sie wendet den Kopf zurck und lacht.

Durch ein dmmeriges, kleines Zimmer: das gehrt Wettl. Sie drckt
eine weie Tr auf und bleibt an ihr stehen: Das ist die Kche.

Wei in Wei, ach, wer da ein Fisch sein knnte!

Unter diesem bis ins Gelbwei gewaschenen Beil, welche Wonne zu sterben
...! Oder der Hase, dessen Herzblut hier abrinnen durfte ...

Kochen Sie auch hie und da, Fanny?

(Stefanie! Stefanie!) Ich durfte Fanny sagen ...

Selten, fr meinen Mann des Abends, dann und wann, eine Kleinigkeit.
Wenn Wettl sich fortbettelt.

Sie spielt mit den Fingern hinter dem Rcken an der Tr und lchelt.

Ach, der es sein durfte, fr den diese Hand mit dem Kochlffel in der
Pfanne umrhrt!

Bitte, Fanny, nehmen sie da diesen Lffel. Diese Pfanne stelle ich auf
den Rechaud.

Sie lachte und steht bei dem Rechaud, pltzlich sagt sie: Ich hab eine
Idee.

Sie nimmt meinen Kopf in beide Hnde: Ich hab eine Idee!

Sie dreht den Gashahn auf. Ich mu mich setzen. Da setz dich, sagte sie
...

Sie machte die Kredenztre auf.

Butter, Honig und Milchbrot.

_Sie kocht Kaffee ..._

Fanny kocht fr mich und sich Kaffee ... Ich darf hier schon mich
zuerst sagen; Fanny und ich wissen ja den Grund: Poesie, Poesie ...

In der Kche Wei in Wei.

Und sie trinken dann beide den Kaffee ...




                             Der Seufzer


   Wind, Waldraser, Wasserschlinger, Abstrzler, Hochtourist,
   Und was du noch alles bist,
   Mchtest sein; -- --
      Plagst dich viel,
   Ich spann einen Seufzer dir vor
   Und rascher bist du am Ziel!




                           An meine Mutter


   Mein Herz schlgt warm,
   Von deinem Blute,
   Mutter, hast du zu viel mir drein getan
   Von deines Herzens Gute?
   Ich fhl's voll der Unmigkeit!
   In deine lieb verschlungenen Hnde
   Mcht ich's legen heut
   Und sagen:
      Es gellt
   Ins Ohr die Welt
   Mir, sieh, ich kann nicht leben!
   Und mcht mein Leben, leise, da du's nicht merkst
   Zurck dir geben ...




Heute geh ich an dem Laden des Herrn Markus Vieldbich vorbei.

Ein Plakat hing an seinem Ladentisch herunter, das habe ich im
Vorbeigehen gesehen. Und ich konnte es dort entdecken, weil ich langsam
vorbei ging.

Und als ich zum viertenmal vorbeigehe, steht Herr Markus Vieldbich in
der Ladentre. Da machte ich eine kleine Schwenkung, geradewegs in den
Laden hinein. Herr Markus trat hflich zurck. Und ich kaufe.

Ja, einmal schickte meine Mutter Mandeln und Rosinen weg in eine andere
Stadt. Es war eine ganze, kleine Kiste. Aber noch andere se Sachen
waren darin, insgesamt war alles an ein arges Leckermaul.

Eine Schnur brauchte sie, Ngel und Siegellack, sie meine liebe Mutter.

Also ich kaufe Mandeln, Rosinen, eine Schnur, Ngel und Siegellack.

Bitte, ach, nehmen Sie doch dieses Plakat zum einpacken:
>Marke Odalisk< ist die beste. Zu haben in allen Wein- und
Mineralwasserhandlungen.

Und er packt mit Odalisk Mandeln und Rosinen. Ach, keinen Grund hatte
ich, bange zu sein!

Jetzt wird bezahlt.

Herr Markus macht eine Reihe Zahlen vom oberen Rand des Papiers bis zum
unteren; dann fhrt sein Bleistift vom unteren Rand mit immenser
Schnelligkeit zweimal nach dem oberen, ein Strich, fertig, Punkt.

Bitte sehr, bitte schn.

Ich lege das Geld auf den Tisch. Ob es seine Richtigkeit habe?

Herr Markus streicht mit der Hand darber hinweg.

Stimmt, haargenau.

Das Papier, mit dem Sie mein Paket gemacht haben? O, das koste nichts.
Das wre ihm noch schner. --

In der Finsternis habe ich das Plakat geglttet.

An der Wand taste ich nach einem Nagel.

Jetzt werden die Fenster geschlossen; Gardine herunter!

Ist auch die Tr abgesperrt? Ja. --

(Mein Herz ... Mein Herz ...!)

Licht!!!

Marke Odalisk ist ... Ich suche nach einen geeigneten An- Anredewort.

Od... Odalisk ... hiemit mache ich Sie zur Knigin in meinem Reich!

_Erschpft sinke ich auf einen Stuhl._

Ja, _sie_ hat die schnsten Augen der Welt ...!


                                 Ende





End of the Project Gutenberg EBook of Adelina oder Der Abschied vom
neunzehnten Lebensjahre, by Bohuslav Kokoschka

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ADELINA ODER DER ABSCHIED ***

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electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
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LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
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LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
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DAMAGE.

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in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
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that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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