The Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke

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Title: Meeresfische

Author: Kurt Floericke

Release Date: September 24, 2018 [EBook #57967]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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[Illustration:]


                    *       *       *       *       *

            Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart

Die Gesellschaft Kosmos will die Kenntnis der Naturwissenschaften und
damit die Freude an der Natur und das Verstndnis ihrer Erscheinungen in
den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten. -- Dieses Ziel glaubt
die Gesellschaft durch Verbreitung guter naturwissenschaftlicher
Literatur zu erreichen mittels des

                  $Kosmos$, Handweiser fr Naturfreunde

                    Jhrlich 12 Hefte. Preis M 2.80;

ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfater, im guten
Sinne gemeinverstndlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es
erscheinen im Vereinsjahr 1914 (nderungen vorbehalten):

Wilh. Blsche, Tierwanderungen in der Urwelt.
    Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h . W.

Dr. Kurt Floericke, Meeresfische.
    Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h . W.

Dr. Alexander Lipschtz, Warum wir sterben.
    Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h . W.

Dr. Fritz Kahn, Die Milchstrae.
    Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h . W.

Dr. Oskar Nagel, Romantik der Chemie.
    Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h . W.

Diese Verffentlichungen sind durch =alle Buchhandlungen= zu beziehen;
daselbst werden Beitrittserklrungen (Jahresbeitrag nur M 4.80) zum
$Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde$ (auch nachtrglich noch fr die
Jahre 1904/13 unter den gleichen gnstigen Bedingungen),
entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der erschienenen
Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.)

  Geschftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.

                    *       *       *       *       *




                              Meeresfische

                                   Von

                           Dr. Kurt Floericke

           Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen
                     und Zeichnungen von Oberlehrer
                W. Koehler, Fr. Ward, R. Oeffinger u. a.
                 und einem Umschlagbild von Willy Planck

                             [Illustration]

                                Stuttgart

                  Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde
              Geschftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung
                                  1914


       Alle Rechte, besonders das bersetzungsrecht, vorbehalten.


                           _Copyright 1914 by
                      Franckh'sche Verlagshandlung
                               Stuttgart_

                   STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI
                       HOLZINGER & Co., STUTTGART

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[Illustration]

Furchtbar zugleich und fruchtbar ist das Meer. Mit heiliger Scheu
erfllt uns der endlose Ozean, wenn er, aufgewhlt und aufgepeitscht von
heulenden Sturmwinden, tobend und brausend hohe, weigekrnte Wogenkmme
wie eine finstere, verderbenbringende Todesmauer zum Lande wlzt, Leichen
auf seinem Rcken trgt und alles Lebende mit wuchtigem Wellenschlag zu
vernichten droht; mit andchtiger Bewunderung aber, wenn er sich wieder
besnftigt hat, wenn an der nur leicht gekruselten, sanft und ruhig
atmenden Oberflche im glitzernden Sonnenschein Scharen silberner
Fischlein in bermtigem Spiel sich tummeln und das kristallklare Wasser
an felsiger Kste ungeahnte Einblicke tun lt in die Tiefe mit ihrem so
eigenartigen, geheimnisvollen, mannigfaltigen Weben und Leben; mit warmer
Liebe endlich, wenn wir gedenken, wie unendlich viel von jeher der reiche
Ozean beigetragen hat, die menschlichen Bewohner des Erdballs zu
ernhren, die entlegensten Vlker mit einander zu verbinden, ihnen einen
leichten und bequemen Austausch ihrer Erzeugnisse zu ermglichen, ihre
Phantasie zu befruchten und ihre knstlerische Schaffenskraft anzuregen.
Neptun gebietet ber das weiteste und ausgedehnteste Reich auf unserem
Planeten, und die Zahl und Mannigfaltigkeit der seinem strengen Szepter
unterstehenden Tierwelt, ihre grotesken Formen, ihre erstaunliche
Fruchtbarkeit und ihre weitgehenden biologischen Anpassungen an die
Eigenart der verschiedenen Meeresteile finden auf dem Festlande kaum
ihresgleichen. Voll ungeahnter Wunder ist des Meeres dunkler Scho, aber
nur langsam und zgernd enthllen sie sich dem rastlos forschenden
Menschengeiste. Kaum vermag unser Auge die verwirrende Flle der
Erscheinungen noch zu berschauen. Fhren doch allein an 10000 Fischarten
in all den Erdenmeeren ein unseren Blicken mehr oder minder verborgenes
Dasein. Gerade dieser Umstand erscheint in hohem Mae geeignet, unsere
Kenntnis von den Lebensgewohnheiten der Seefische zu erschweren; so sehr
sie auch whrend der letzten Jahrzehnte durch die berraschenden
Fortschritte der Meeresforschung gefrdert worden ist, so wenig ist doch
ausfhrlichere Kunde davon in die groe Masse der heutigen
Kulturmenschheit gedrungen, wenn auch anderseits die Fischerbevlkerung
der Kstenlnder schon im eigensten Lebensinteresse geradezu gezwungen
war, praktische Fischkunde zu lernen. Aber wie viele sonst hoch
gebildete Bewohner des Binnenlandes gibt es doch, die selbst die
allergewhnlichsten Seefische lediglich von genossenen Tafelfreuden oder
aus den Bottichen der Marktweiber her kennen, von ihrer merkwrdigen
Lebensfhrung dagegen kaum mehr wissen als von der hochinteressanten Art
und Weise ihrer Erbeutung. Und doch ist diese von tief einschneidender
Bedeutung nicht nur fr das gesamte Wirtschaftsleben unserer
Kstenprovinzen, sondern auch fr die Fleischversorgung unseres gesamten
Vaterlandes, da bei den stndig steigenden Schlachtviehpreisen einerseits
und den erheblich verbesserten Transportmitteln anderseits (selbst aus
Westafrika bringt man neuerdings in Khlkammern oder auf Schneelagern in
23tgiger Fahrt Plattfische und Seehechte in vollkommen gebrauchsfrischem
Zustande nach Paris) der Verbrauch von Seefischfleisch auch im
Binnenlande eine fortwhrend zunehmende Wichtigkeit erhlt.

Die deutsche =Hochseefischerei=, die jetzt zumeist mit eigens dazu
ausgersteten, besonders seetchtigen Fischdampfern betrieben wird, ist
denn auch in erfreulicher Aufwrtsentwicklung begriffen, obgleich es noch
lange dauern wird, bis sie den ungeheuren Vorsprung, den namentlich die
Englnder auf diesem Gebiete besitzen, einigermaen wettgemacht haben
wird. Sie beschftigt ber 30000 wettergesthlte Mnner, die in ihrem
gefahrvollen und anstrengenden Berufe fr den Ausbau eines Gewerbszweiges
kmpfen, dessen ungeheure volkswirtschaftliche Bedeutung fr Deutschland
lange genug verkannt worden ist und auch jetzt noch nicht ganz die ihm
gebhrende Wertschtzung findet. Der Wert der ans Land gebrachten Fische
belief sich im Jahre 1908 auf rund 29 Millionen Mark, aber trotzdem
konnten von unseren 11 Fischereigesellschaften nur 4 eine Dividende
zahlen (die Emdener Heringsfischerei 7%), ein Zeichen, da die gesamte
Organisation noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Der Staat tut alles,
um sie zu heben und bewilligte allein 400000 M an Bauprmien fr
Fischereifahrzeuge, whrend anderseits die Wissenschaft mit den
wertvollen Ergebnissen ihrer Forschungen der Fischerei zu Hilfe kommt,
berhaupt gerade auf diesem Gebiet ein inniger und sehr vorteilhafter
Wechselverkehr zwischen Wissenschaft und Praxis besteht, der beiden in
hohem Mae zum Vorteil gereicht. Wie weit bei guten Vorkehrungen die
Ertrge der Seefischerei gesteigert werden knnen, ersieht man aus der
englischen Statistik. An den dortigen Ksten wurden beispielsweise im
Jahre 1906 20-1/2 Millionen Zentner Fische erbeutet und daraus 11,326
Millionen Pfd. St. erzielt. Die neuesten Errungenschaften der Technik
kommen dort wie auch in Norwegen beim Fischfang zur Verwendung. Selbst
das Telephon. Der hierbei benutzte Apparat besteht aus einem zur Aufnahme
des Schalles dienenden Mikrophon, das in einer wasserdichten Stahlkapsel
eingeschlossen und durch Leitungsdrhte stndig mit einem telephonischen
Empfnger an Bord des Fangschiffes verbunden ist. Durch diese Vorrichtung
werden die Fischer frhzeitig von dem Herannahen und der Richtung der
groen Fischzge in Kenntnis gesetzt, knnen auch gleich auf deren Art
schlieen, indem z. B. Heringe durch pfeifende, Dorsche durch grunzende
Gerusche sich verraten. Hervorgerufen werden diese wahrscheinlich durch
die unablssige Bewegung von Millionen von Flossen und Kiemen im Wasser.
Leider ist unsere Seefischerei trotz aller Anstrengungen noch nicht
imstande, den Eigenbedarf unseres Volkes an Fischfleisch zu decken. Noch
mssen wir fr nahezu 120 Millionen jhrlich vom Ausland beziehen,
whrend unsere Ausfuhr noch nicht 12 Millionen betrgt. Unter den
eingefhrten Fischen stehen obenan gesalzene Heringe mit 36,5, Bcklinge
mit 2,3, Kaviar mit 9,5, Lachse mit 7,25, Sardellen mit 1,75 und frische
Karpfen mit 1,8 Millionen Mark. Dabei nimmt in unserer Zeit der
Fleischteuerung die Nachfrage nach Seefisch noch fortwhrend zu,
namentlich seit das frhere Vorurteil der Binnenlnder gegen diese Kost
zu schwinden beginnt, wenn auch leider nur sehr langsam und allmhlich.
Viel dazu beigetragen hat die Abhaltung von Seefisch-Kochkursen und die
planvolle Organisierung des Fischverkaufs in den stdtischen Markthallen.
So wurden allein in Berlin vom Oktober 1911 bis Februar 1912 rund 230000
kg frische Seefische durch die stdtischen Verkaufsstellen abgesetzt. Im
Vergleiche zu der Statistik des Pariser Fischmarktes erscheint diese Zahl
freilich noch recht geringfgig. Dort kommen whrend der khlen
Jahreszeit Tag fr Tag 110-115000 kg Meeresbewohner in die stdtischen
Markthallen, wobei allerdings Krebse und Muscheln mitgerechnet sind, ja
an den Fastentagen steigert sich diese ungeheure Menge auf 200000 kg. Bei
uns macht nach den Berechnungen von Knig und Splittgerber das
Fischfleisch nur 1/8-1/10 des berhaupt genossenen Fleisches aus. Auf den
Kopf der Bevlkerung kommen jhrlich etwa 6,8 kg Fisch, wovon 6 kg auf
Seefisch entfallen und 40-50% fr den Abfall in Abzug zu bringen sind,
soda nur 3,5-4 kg reines Fischfleisch brig bleiben. Im allgemeinen ist
dessen Nhrwert und Verdaulichkeit dem des Fleisches der nutzbaren
Haustiere gleichzusetzen, aber wenigstens das Seefischfleisch hat den
groen Vorzug, wesentlich billiger zu sein, selbst wenn man dabei in
Anschlag bringt, da es an sich schon wasserreich ist und wegen der
kurzen Kochdauer nur einen unwesentlichen Wasserverlust erleidet, daher
zur Sttigung in grerer Menge genossen werden mu. Bei Rucherfischen
kommt dieser belstand ohnedies in Wegfall, whrend bei eingemachten
Fischen ein groer Teil der wertvollen Nhrstoffe in die Laken und Saucen
entweicht. Die Verdaulichkeit wird durch das Kochen in geringerem Mae
beeintrchtigt als beim Rindfleisch. So vermag das Fischfleisch selbst
krperlich stark angestrengten Menschen ein vollwertiger Ersatz fr
anderes Fleisch zu sein, und in Ruland erhlt beispielsweise das Militr
zweimal wchentlich Fisch, whrend man bei uns in dieser Beziehung noch
nicht weit ber tastende Versuche hinausgekommen ist. Auch vorzgliche
Eiweiprparate stellt man neuerdings aus Fischfleisch her.

So erscheint das Meer als der denkbar ergiebigste Acker, dessen
planmige Bebauung und zielbewute Bewirtschaftung sich durch reiche
Ertrge lohnt, aber leicht ist die Hebung seiner Schtze nicht, und vom
Meeresgrunde bis zur Feinschmeckertafel in einem Berliner Luxushotel ist
ein gar weiter Weg. Fabelhaft fast erscheinen die Fruchtbarkeit und der
Reichtum der See, aber unerschpflich sind sie nicht, und rcksichtsloser
Raubbau mu sich schlielich auch hier bitter rchen wie berall.
Namentlich in der Nordsee, wo heute alljhrlich 600 Dampfer und 5000
Segler auf Fischfang ausziehen, machen sich schon bedenkliche Anzeichen
von berfischerei bemerkbar, weil dem Meere zu viel unbrauchbare
Jungfische entzogen oder diese, wenn man sie auch wieder ins Wasser
wirft, doch nicht schonend genug behandelt werden. So sind groe
Seezungen und Schollen schon recht sprlich geworden, ja es steht zu
befrchten, da von den bevorzugten Speisefischen berhaupt nur noch
wenige das laichfhige Alter erreichen und fr die Fortpflanzung ihrer
Art sorgen knnen. Eckert schtzt den Gesamtertrag der Weltfischerei auf
4 Millionen Tonnen im Werte von 1 Milliarde Mark; das erscheint
verhltnismig wenig, dabei ist aber zu bercksichtigen, da ausgedehnte
und zweifellos sehr ergiebige Fischereigrnde in den afrikanischen,
sdamerikanischen und australischen Gewssern der Fischereiwirtschaft
berhaupt noch nicht erschlossen sind. Nahezu 70% der ganzen Ausbeute
entfallen auf den Atlantik, wobei die Nordsee mit 1/5-1/4 beteiligt ist,
keine 30% auf den Stillen Ozean und kaum 1% auf den Indischen. Was die
einzelnen Staaten anbelangt, so kommen auf die von Nordamerika 23%, auf
England 22%, auf Kanada und Norwegen je 13%, auf Ruland 6%, auf
Frankreich 4%, auf Holland 3%, auf Spanien und Portugal 2-1/2%, auf
Italien 1-1/2%. Whrend das kleine Japan mit 10-1/2% recht stattlich
dasteht, spielt Deutschland mit nur 2-1/2% in dieser Liste noch immer
eine ziemlich klgliche Rolle, obgleich sich der Ertrag unserer
Hochseefischerei durch die dankenswerten Bemhungen einer einsichtigen
Regierung innerhalb 15 Jahren um das Zehnfache gesteigert hat. Auch
sterreich-Ungarn erweist sich trotz der herrlichen, fischreichen Adria
mit ihrem prchtigen Klima und ihren zahlreichen ruhigen Buchten in bezug
auf die Entwicklung der Ksten- oder gar der Hochseefischerei noch als
recht rckstndig, wie ja fast auf allen Gebieten. Das Fett schpfen dort
die benachbarten Italiener ab, und die Kstenbevlkerung von Triest und
Fiume ab bis nach Spalato und Cattaro hinunter begrt alljhrlich mit
Freuden die buntbemalten Segel der anfahrenden Chioggioten-Flottille,
weil sie gesunde und wohlfeile Nahrung auf den Markt bringt. Tausende von
rmeren Familien in Istrien und Dalmatien leben dann nur von Fischen und
Polenta und sehen uerst selten anderes Fleisch in ihren Tpfen. Der auf
Backhuhn und Gulasch eingeschworene Wiener dagegen, der selbst die
kstliche Forelle barbarischerweise in gebackenem Zustande geniet, hat
dem Seefischfleisch noch immer keinen Geschmack abzugewinnen vermocht,
und daran sind alle Bemhungen zur Schaffung eines grozgig
eingerichteten Seefischversands im Reiche des Doppeladlers mehr oder
minder gescheitert.

Glcklicherweise zhlt unsere fast berall mit Grundnetzen erreichbare
Nordsee nchst den nordamerikanischen Gestaden des Atlantik zu den
fruchtbarsten Meeren der Erde, ber ihren zahlreichen Bnken und Untiefen
wimmelt es fast buchstblich von Fischen, nur da sich diesen Segen in
frheren Zeiten fast ausschlielich die Englnder zunutze zu machen
verstanden, whrend mehr als 2 Meilen von der Kste berhaupt kaum ein
deutscher Fischkutter anzutreffen war. Das deutsche Meer, so heit es
in einem englischen Gutachten, ist ertragsfhiger als unser Ackerland;
unsere reichsten Felder sind weniger fruchtbar an Nahrungsstoffen, als
diese Fischereigrnde. Ein Morgen guten Landes liefert etwa 20 Zentner
Getreide jhrlich oder 3 Zentner Fleisch und Kse; auf einer ebenso
groen Wasserflche mit Fischereigrund aber kann man dasselbe Gewicht an
Nahrungsmitteln jede Woche ernten. Fnf Fischereiboote zogen in einer
einzigen Nacht aus einer kaum 50 Morgen groen Flche des deutschen
Meeres den Wert von 50 Ochsen und 300 Schafen in Form von leicht
verdaulichen und schmackhaften Fischen. Und was das Wichtigste ist, diese
Ochsen und Schafe sind kostenlos und ohne alle Mhe im Wasser entstanden,
erzogen und gemstet worden. Mag dieses Urteil auch ein bertriebenes
und allzu optimistisches sein, Tatsache ist jedenfalls, da man bei uns
lange Jahrhunderte hindurch den Meeressegen nicht zu wrdigen verstand
und sich erst in neuester Zeit allmhlich seiner ungeheuren
volkswirtschaftlichen Bedeutung bewut geworden ist. Selbst die der
Nordsee angrenzenden Kleinstaaten waren und sind uns in dieser Beziehung
weit ber, denn Holland verdankt seinen Reichtum dem Heringsfange, und
Norwegen, wo ein groer Teil der Bevlkerung ohne Fischerei gar nicht
bestehen knnte, gewinnt aus ihr weit mehr Taler, als es Einwohner zhlt.
Nun ist ja endlich auch bei uns ein vielversprechender Anfang zur
Ausbeutung der feuchten Schatzkammern gemacht worden, aber die ersten
Jahre deutscher Hochseefischerei waren doch kaum etwas anderes als
blindlings unternommene Plnderungszge, Raubbau schlimmster Art,
frmliche Seeruberei, und erst neuerdings beginnt man sich eines
Besseren zu besinnen und die Sache planmiger zu gestalten. Das ist auch
dringend ntig. Wir mssen lernen, die flssige, sich selbst befruchtende
Flche ebenso rationell zu bewirtschaften, wie den Acker, wir mssen hier
wie dort pflgen, hegen und ernten lernen, mssen ebenso gute Wasser- wie
Landwirte werden, um die von dem schaffungsfrohen Meere in Form von
schmackhaften und leicht verdaulichen Fischen erzeugten
Proteinverbindungen und Kohlehydrate all den Millionen zugnglich zu
machen, denen anderes Fleisch nur sehr knapp zugemessen ist. Die rasch
erblhte Wissenschaft der Meeresbiologie weist uns ja den Weg, wie wir
die Billionen Lebenskeime, die die Natur in unverwstlichem bermut im
Meere fortwhrend auswirft, aber mit demselben bermute ebenso massenhaft
wieder verderben und verschlingen lt, erhalten und zu einer
unerschpflich reichen Nahrungsquelle umwandeln knnen. Freilich geht die
Zeugungskraft des Meeres ber unsere khnsten Vorstellungen hinaus, aber
schon die ungeheure Zahl von Eiern, die weibliche Heringe oder gar
Schellfische in ihrem Leibe bergen, ist Beweis dafr, da eine so
auerordentliche Flle des Lebens unmglich sich voll entfalten kann,
denn sonst wrde es sehr bald dem weiten Weltenmeere selbst an Raum
fehlen zur Unterbringung so zahlloser Geschpfe. Wenn auch jeder
Augenblick das Leben im Meer millionenfach wieder erzeugt, so fllt es
zum weitaus greren Teil doch ebenso schnell der unersttlichen Gier der
Meeresruber zur Beute, soda nur ein geringer Bruchteil zur Entwicklung
gelangt und dem Menschen spter zur Speise dienen kann. Daher sichert uns
auch die unerschpflich erscheinende Flle des Lebens im Meer nicht vor
einem Ende mit Schrecken. Die Menschen haben auch einst gedacht, da die
Wlder nie alle werden und die Fruchtbarkeit der Erde nie abnehmen knne,
und sind doch auf recht bittere Weise eines anderen belehrt worden. Aber
trotz der gemachten herben Erfahrungen wsten wir in der gleich tollen
und rcksichtslosen Weise auf die Schtze des Meeres los, nach dem alten,
leichtsinnigen Worte Nach uns die Sintflut. Erst in letzter Zeit machen
sich Anzeichen zur Besserung geltend, denn die Wissenschaft hat ja durch
Aufhellung der frher so rtselhaften Wanderzge der Fische und die
Erforschung ihrer Ernhrungsverhltnisse, insbesondere durch die
Planktonlehre, einen gangbaren Weg zur planmigen Bewirtschaftung des
Meeres gewiesen. Schlgt man diesen zielbewut und unter Zuhilfenahme
aller technischen Behelfe der Neuzeit ein, so wird der Meeresacker auch
in Zukunft ohne wirklichen Dnger und eigentliche Aussaat goldene Ernten
bringen.

Anstrengend und beschwerlich in hohem Mae wird die Seefischerei
freilich immer bleiben, und auch nicht ungefhrlich, denn mit dem
trgerischen Gott der Wogen und Winde lt sich ein festes Abkommen nun
einmal nicht treffen. Aber die Beschftigung auf dem Wasser ist gesund,
sthlt den Krper, schrft die Sinne, festigt den Charakter, erzeugt
Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Geistesgegenwart. Deshalb bildet --
und diesem Umstand kommt eine hohe politische Bedeutung zu -- die
Meeresfischerei zugleich die beste Pflanzschule fr leistungsfhige
Kriegs- und Handelsflotten. Wer von Jugend auf den Umgang mit dem Meere
gewohnt, mit seinen Tcken vertraut, gegen seine Gefahren gewappnet ist,
der wird auch einen vollwertigen Matrosen abgeben. Nicht umsonst sprechen
die Englnder von ihrer _Fishing-natured navy_ (der durch die Fischerei
genhrten Seemacht). Ganze Mnner erfordert die Fischerei jederzeit, ganz
besonders bei strmischem Winterwetter, wenn die Taue mit Eis berzogen
sind, die Segel vor Frost knarren und chzen und der Wind die prickelnden
Schneekristalle in die Augen blst. Wie oft habe ich dann nicht unsere
Nehrungsfischer nach mehrtgigem Aufenthalt auf See halb erfroren
ankommen sehen, ohne da sie auch nur einen Schwanz gefangen htten. Aber
ein andermal warf ihnen die Laune des Meeresgottes in wenigen Stunden ein
kleines Vermgen in den Scho. Fischerei ist eben Lotteriespiel. Freilich
ein solches mit hohen Gewinnen, aber auch mit dem Einsatz des Lebens. Von
so ausschlaggebender Bedeutung ist sie fr alle Kstenvlker, da sie
nicht selten sogar in die Geschichte ihrer Staaten entscheidend
eingegriffen hat. Holland z. B. verdankt die Grundlagen seiner ehemaligen
Seeherrschaft den Heringszgen. Die Geschichte der Fischerei ist so alt
fast wie das Menschengeschlecht selbst. Auch die Speisegesetze des Alten
Testaments beschftigen sich bereits mit den Meeresfischen, und
unternehmende Hndler aus Tyrus brachten eingesalzene oder getrocknete
Seefische nach dem Fischtor an der Nordostecke Jerusalems. Vortreffliche
Fischer und Fischkenner waren die Rmer, und bei ihren ppigen
Tafelgenssen spielten die Schuppentrger eine groe Rolle. Antonius und
Kleopatra ergtzten sich an der Seefischerei, Trajan betrieb sie mit
Leidenschaft, Ausonius besang in schwunghaften Versen die
Schmackhaftigkeit der verschiedenen Fischarten, Lucullus lie einen
kleinen Berg abtragen, um seine Fischteiche mit Meereswasser versehen zu
knnen, gewissenlose Schwelger msteten ihre fetten Murnen mit dem
Fleisch ins Wasser gestrzter Sklaven, und das Scheusal Heliogabal lie
die Fische lebend auf die Tafel bringen, um sich an ihren langsamen
Todesqualen zu ergtzen, und wrzte dann ihr Fleisch mit Pulver aus
echten Perlen.

Reizvoll, anregend und voll ungeahnter Abwechslung ist die Seefischerei,
in ungleich hherem Grade jedenfalls als die Binnenfischerei, wo ja in
weiten Kreisen namentlich der Angelsport als ein Ausbund von Langeweile
gilt, wenn er es auch in Wirklichkeit keineswegs ist. Versetzen wir uns
einmal im Geiste auf einen Fischdampfer! Schon beim ersten Morgengrauen
erdrhnt donnerndes Gepolter auf dem Deck. Die Vorbereitungen zum
Ausbringen des Netzes haben begonnen. Lngs der Reeling liegen an Back-
und Steuerbord zwei riesige Baumstmme, an denen das Fang- und das
Reservenetz befestigt sind; an ihnen sind mchtige eiserne Bgel von ber
Mannesgre angebracht, dazu bestimmt, beim Schleifen ber Grund den Baum
freizuhalten und seine Bewegungen zu erleichtern. Immer lebendiger wird
das Bild, die Mannschaft steht bereit, der Kapitn ist auf seinem Posten
am Ruder -- alles klar! Jetzt luvt er an, d. h. dreht das Schiff so, da
der Wind von ihm wegstreicht, (ehe dies geschehen, darf kein Manver
stattfinden, das Netz wrde sonst in die Schraube geraten) -- krftige
Fuste packen das Netz und werfen es ber Bord, allmhlich treibt es auf
und seitwrts nach hinten, einige Mann erfassen den Bgel am Vorderende
des Baumes, und polternd schlgt das Ungetm ber die Reeling in die hoch
aufspritzende Flut, schnell abtreibend. In dem Augenblick, in dem der
Baum quer steht, wird auch das hintere Ende mit seinem Bgel ber Bord
geworfen -- einige Schwingungen hin und wieder, dann liegt er wagerecht
-- die Stahltrosse wird ausgesteckt und saust rasselnd hinaus -- das
Schiff fllt ab und nimmt seinen alten Kurs wieder auf -- das Manver ist
beendigt, und es beginnt nun der eigentliche Fischzug, whrend dessen der
Dampfer mit nur 2 Meilen Fahrt 6-8 Stunden lang vor seinem Netze durch
die See zieht. Dieses wird also von einem etwa 16 Meter langen und
sorgfltig fr diesen Zweck ausgewhlten Buchen- oder Eichenstamm
geschleppt. An ihm ist ein 4 Zoll starkes Grundtau befestigt, daran eine
sogenannte Bolzleine, und von dieser aus verlaufen fliegende, vierkantige
Maschen, an die sich dann die eigentlichen Netzmaschen ansetzen. Nur der
beste Manilahanf kommt dabei zur Verwendung, wird berdies noch mit
Karbolineum getrnkt, hlt aber trotzdem selten lnger als ein halbes
Jahr aus. Das Netz hat eine Lnge von etwa 75 Metern und ist nach Art der
Mausefallen gebaut. In die durch den Baum weit ausgereckte ffnung
streichen die Fische hinein, bis in das Hinterende, den sogenannten Sack,
den eigentlichen Behlter, der vorn durch einen lose aufliegenden
Netzteil nach innen geschlossen wird, so da die Fische wohl hinein,
nicht aber heraus knnen. Die ganze Vorrichtung wird an einer Stahltrosse
ber den Grund geschleppt (Abb. 1).

[Illustration: Abb. 1. Grundschleppnetz (durch Scherbretter
offengehalten). Nach einer Zeichnung von R. Oeffinger.]

Stunde um Stunde verstreicht in langweiligem Gleichma, und mit
gespannter Erwartung sieht alles dem gegen Mittag stattfindenden Fischzug
entgegen. Nichts hrt man, als das einfrmig trge, schwerfllig
stampfende Getn der Maschine. Endlich naht die Entscheidung. Wieder
steht der Kapitn am Ruder -- ein Zeichen -- der Dampfer luvt an, und die
durch Dampf getriebene Winde beginnt ihr metallisch drhnendes Getse,
indem sie die Stahltrosse einhievt (einholt), die, fast bis zum Springen
gesteift, durch eine mit Kolben versehene Luke sich am Oberdeck
hereinzwngt. Jetzt wird der Baum sichtbar, wagerecht hinten und vorn
gehievt, dann eine Taille von mchtiger Strke eingehakt, und nun heit
es, ihn hoch holen, was bei einem solchen Kolo natrlich auch nur die
Dampfkraft zu schaffen vermag. Zunchst wird das Achterende vorgehievt,
dann kommt das Vorderende dran, und nun steigt wie ein triefendes
Seeungetm Baum und Netz allmhlich ber Wasser, hher und hher, und
endlich donnert, bergeholt, der eiserne Bgel auf Deck. Im gleichen
Augenblick fat die Mannschaft ins Netz. Weit nach hinten beugen sich die
Leute ber und holen mit Anstrengung aller Krfte ruckweise Stck fr
Stck herauf. Rauher Gesang mu die saure Arbeit erleichtern, und ein
graubrtiger Mecklenburger mit wetterhartem Ledergesicht gibt dabei den
Takt an. Das Netz ist an Deck. Weit vorgebeugt stiert der Kapitn mit
langgestrecktem Halse ins Wasser, nicht weniger gespannt die gesamte
Mannschaft -- alle nach einer bestimmten Stelle. Pltzlich steigen an
dieser ganze Massen von Blasen perlend an die Oberflche, und darunter
aus der Tiefe kommt es grnlich schimmernd hher und nher: es ist der
Sack, der auftreibt, aber er tut dies nur, wenn er reichen Fischsegen
birgt. Ein vergngtes Schmunzeln wetterleuchtet ber das zerknitterte
Gesicht des Kapitns; er hat guten Grund dazu, denn sein Einkommen
besteht hauptschlich in dem Gewinnanteil. Jetzt ist der Sack so hoch,
da man den weischimmernden Inhalt erblickt, festgekeilt in gewlbter
Masse, wobei aus den Maschen namentlich die schmalen Leiber der Seezungen
herausragen. Wieder beginnt das Drhnen der Winde, unendlich langsam und
schwerfllig erhebt sich der pralle Sack triefend in die Lfte, der
Dampfer neigt sich merklich nach Steuerbord ber unter der Last, die
jetzt, hereingeschwungen, ber dem Vorschiff schwebt. Vergeblich versucht
man, den schrzenden Knoten zu lsen, die strotzende Masse im Netz
bekneift ihn; erst als ein Mann aufs Tau springt und mit der ganzen
Krperlast wippend auf und niederschwingt, gibt es nach, und nun -- ein
dumpfer Schlag aufs Deck -- mit einem Ruck hat der Sack sich seines
Inhalts entledigt, und pltzlich ist der Raum von einer wei
schimmernden, glitzernden Masse bergossen, die einen Augenblick, als
schpfe sie Atem nach der furchtbaren Pressung im gestrafften Netz, in
Ruhe verharrt und dann zappelnd, springend, schlagend und glitschend,
wirr durch- und bereinander drngend ein so verblffendes Bild des
Lebens oder eigentlich des Sterbens darbietet, da es jeder Beschreibung
spottet.

Die Hauptmasse bildet der Schellfisch, der mit seinem weien Leibe
gewissermaen den Untergrund des ganzen Bildes malt, und der gefrige
Kabeljau mit dem gierig glotzenden Auge und dem weit geffneten Rachen.
Daneben windet sich ein Steinbutt mit flachen Rndern, kurzem Schwnzchen
und einem Kopf, der aussieht, als htte der Schpfer sich verzeichnet.
Und was ist das hier? Ein Steinbutt nicht, aber ein hnliches Getier mit
starken Stacheln auf dem breiten, buntscheckig getigerten Rcken und
einem ebenso fleckigen Stachelschwanze -- ein Rochen oder, wie der
Fischer ihn nennt, ein Franzose. Rrrruck, rrrruck sagt es pltzlich
neben uns -- das sind Knurrhhne. Dazwischen schimmert rot und goldfarben
das Petermnnchen -- mecklenburgischer Ritter heit es in der
Fischersprache, wohl kaum seiner hohen Denkerstirn, sondern eher der
harten, scharfkantigen Rckenflosse wegen. Weiterhin zarte Seezungen mit
schmchtigen Leibern und graue Schollen, Proletarier im Aussehen, aber
nicht im Geschmack. Hallo -- ein Hai? Wahrhaftig -- die dreieckige
Rckenflosse, der weie Bauch, der zurckspringende Unterkiefer -- alles
stimmt. In Sprngen schiebt sich der meterlange Bursche ber die anderen
Fische hin. Immer neue Formen unterscheidet man in der wirren Masse, die
wie mit einer Art Fllsel durchsetzt ist von schlammberzogenen Muscheln
und sonderbar traubenartig gestalteten Lebewesen eklen Aussehens,
Seehenne benannt. Da schnellt es auf, ein groer, schlanker und
schner, man knnte sagen, eleganter Fisch von gut Meterlnge mit
fadenfrmigem Auswuchs am Unterkiefer -- der Lengfisch. Daneben ein
Seehecht mit dem gefhrlichen Gebi, dem man besser im Bogen aus dem Wege
geht. Wer zhlt und nennt sie alle, edle und unedle, seltene und gemeine,
Korksohlen, Schaben, Rotzungen, Makrelen und andere mehr? Dazwischen und
darber krabbelt und kriecht es -- Seespinnen mit gespenstigem Kopf und
langen Beinen, Krebse von teilweise riesigen Ausmaen, auf deren
gepanzertem Rcken sich eine ganze Welt von Schmarotzern huslich
eingerichtet hat. Ein mchtiger Hummer ffnet die gewaltigen Scheren zum
Angriff -- mitten aus dem glnzenden Wei der Fischleiber hebt er sich
funkelnd schwarz ab, und sein Panzer erinnert in der Wirkung berraschend
an den eines japanischen Ritters. Einer der Matrosen befreit pltzlich
mit erschrockenem Ruck seine Stiefel aus einer Umklammerung und fllt
dabei ausglitschend mitten unter die Fische. Ein Kater -- ein Kater!
Richtig -- ein Katfisch war gefangen und hatte den Stiefel eines Mannes
erwischt, jedoch nur ein kleines Ende, sonst wre der Matrose nicht so
leicht losgekommen. Ein grauliches, halb mannslanges Tier mit dem
Ausdruck gemeinster tierischer Roheit in dem riesigen Kopfe. Ihm
entspricht auch alles brige -- der Krper hat keine eigentlichen
Schuppen, sondern eine faltige, schlammgraue Haut, der Rcken keine
eigentliche Flosse, sondern mehr eine schlammgraue, handbreite Mhne. Das
Maul aber ist mit richtigen, stumpfen Menschenzhnen besetzt, Zunge und
Gaumen bilden eine harte Hornmasse. Was zwischen diese Zhne gert, wird
rettungslos zermalmt. Ein Mann steckt dem Katfisch einen Besenstiel ins
Maul, in den er sich sofort derart verbeit, da er daran aufs Achterdeck
geschleift werden kann. Auch das Fleisch dieses Untiers wird verkauft,
aber in Kotelettenform und der Kopf vorher abgeschnitten, da es der
Kufer sonst wohl mit dem Gruseln bekommen wrde. Aus der gegerbten Haut
werden in Norwegen Stiefel gemacht. Noch ein anderer merkwrdiger
Schlingel ist da -- ein Seehase, jenes sonderbare, kugelig-stachelige
Wesen mit den wulstigen Menschenlippen, das man als Dmon der
Seekrankheit bezeichnen knnte, denn von Zeit zu Zeit speit er den
wsserigen Inhalt seines Bauches mit dem ganzen Jammerausdruck eines von
Poseidon geplagten Menschenkindes aus.

Die Mannschaft beschftigt sich zunchst mit dem Auslesen der Fische in
eine groe Anzahl weidengeflochtener Krbe, deren jeder 50-60 kg fat.
Hand in Hand damit geht auch das Abtten und Ausweiden. Kreischende
Geschwader von Mwen und Seeschwalben sowie ganze Zge von
Meerschweinen (Delphinen) folgen dem leckeren Fra versprechenden
Schiffe und gieren nach den ins Wasser geworfenen Eingeweiden. Dann
treten Mnner mit Schlauch und Besen an, reinigen zunchst durch einen
starken Wasserstrahl den Inhalt der Krbe und subern dann das Deck,
nachdem andere alle minderwertigen oder abgestandenen Fische, Muscheln
und dgl. ber Bord geschaufelt haben. So hlt man heute durch strenge
Reinlichkeit die widerwrtigen Ausdnstungen der Fischrckstnde von den
Dampfern fern, die frher fr Menschen mit empfindsamen Geruchsorganen
den Aufenthalt auf ihnen zur Qual machten. Schlielich wird der ganze
Fang unter Bord verstaut, und mit vergngtem Gesicht trgt der Kapitn
die Anzahl der Krbe in sein Tagebuch ein.

Nicht immer aber liefert der Fischzug eine so mannigfache Beute, nicht
immer einen so reichen Ertrag. Gar nicht selten hngt der aufgezogene
Netzbeutel schlaff und fast leer herab, oder sein Inhalt erweist sich als
ein rmlich-schrumpeliges Pckchen minderwertiger Fische. Das ist immer
noch besser, als wenn das Netz zwischen die Trmmer eines Wracks gert,
wie es in der stark befahrenen Nordsee oft genug der Fall ist. Dann
enthlt es nur in Tang und Schlick gehlltes Trmmerwerk aller Art mit
unkenntlichen, schlammigen Anhngseln, ist berdies meist zerrissen und
macht langwierige und kostspielige Flickarbeit notwendig. So schraubt
sich Tag fr Tag ab in regelmigem Einerlei von Fischzug zu Fischzug.
Man hrt whrenddem nur von Fischen, sieht nur Fische, it nur Fische,
und so vermag man schlielich auch kaum noch etwas anderes zu denken als
Fische. Jedermann begrt es deshalb als Erlsung und willkommene
Abwechslung, wenn endlich alle Krbe gefllt sind und der Kiel heimwrts
gerichtet wird. Mit wehender Reederflagge holt der Fischdampfer durch die
Schleusen und vertaut sich im alten Hafen von Bremerhaven, diesem
Brennpunkte des deutschen Fischhandels. Hier beginnt sofort das Lschen.
In den Fischschuppen ertnt das Getse der Eismaschine, die die groen
Blcke zu Grus zermalmt. Gebckte Gestalten schichten in strohbelegte
Krbe Fische und Eis, Fische und Eis, immerfort, mit erstaunlicher
Schnelligkeit (Abb. 2). Drauen rollen schon die Eisenbahnwagen herbei,
um das seefrische Meeresfleisch als Eilgut ins Binnenland zu tragen. Wenn
es dort am nchsten Morgen auf dem Wochenmarkte angeboten wird, sind die
Fischer lngst wieder auf hoher See und werfen ihre Netze aus.

[Illustration: Abb. 2. Korb zur Versendung von Seefischen. (Aus dem
Flugblatt des Deutschen Seefischerei-Vereins.)]

Seit Jahrhunderten ist der =Hering= (_Clpea harngus_) derjenige Fisch,
dem seines massenhaften Auftretens, seiner Schmackhaftigkeit und seines
hohen Nhrwerts wegen von den Kstenbewohnern des nrdlichen Europa am
meisten nachgestellt wird; kein zweiter hat fr die Ernhrung breiter
Volksschichten eine auch nur hnliche Bedeutung erlangt wie er. Er ist
der Fisch des Armen, ein Fleisch fr alle, eine unentbehrliche Zukost fr
weite Kreise, ein wahrer Segen fr unsere Kstenbevlkerung. Aber er
bildet nicht nur, halb vertrocknet und mit einer Salzkruste berzogen, im
Verein mit Pellkartoffeln oder Roggenbrot des armen Mannes rmlichste
Mahlzeit, sondern prangt auch frisch und fetttriefend auf ppiger Tafel
und hat sich berdies auch noch das unerschtterliche Zutrauen aller
feuchtfrhlichen Zecher erworben, die sich auf seinen Beistand verlassen,
wenn sie dem Bacchus oder Gambrinus zu erliegen drohen. Geradezu
kulturgeschichtliche Bedeutung kommt diesem unscheinbaren Fische zu.
Selbst in der Kriegsgeschichte hat er mehr als einmal eine Rolle
gespielt. So 1428, unmittelbar vor dem Auftreten der Jungfrau von
Orleans, als die Englnder von den Franzosen hart bedrngt und
ausgehungert wurden. Da erschien zu guter Stunde Sir John Falstaff mit
Hilfstruppen und einer ungeheuren Ladung Heringe, durch die die
Ermatteten wieder zu Krften kamen und so den strmenden Gegner vorerst
erfolgreich zurckschlugen. Das war die berhmte Heringsschlacht bei
Rouvray, auf der alten Walstatt zwischen Tours und Poitiers. Niemals aber
htte der Hering (der Name soll mit seinem heerweisen Erscheinen
zusammenhngen, whrend ihn andere mit der althollndischen Handelsmarke
des Rings [_hring_] in Verbindung bringen) eine so bedeutsame Stelle in
der Rangordnung menschlicher Speisen errungen, wenn nicht zu seiner
Wohlfeilheit noch seine ungewhnlich mannigfaltige Zubereitungs- und
Aufbewahrungsweise hinzugekommen wre. Namentlich durch das Einsalzen
wurde der Fisch auch fr den Binnenlnder erst recht nutzbar und damit zu
einem wichtigen Handelsartikel fr die ganze Welt, whrend frher sein
Verbrauch auf kleine Kstenstriche beschrnkt war. Ein schlichter
hollndischer Fischer, Willem Benkels oder Bkels (daher die Ausdrcke
einpkeln und Bklinge = Bcklinge) soll in der 2. Hlfte des 14.
Jahrhunderts diese wichtige Entdeckung gemacht und damit den Grundstein
fr den Reichtum und die Handelsmacht seines Vaterlandes gelegt haben.
Die Chroniken berichten, da selbst der weltgebietende Kaiser Karl V.,
der im Gegensatze zu den heutigen Spaniern leidenschaftlich gern
gesalzene Heringe a und auch recht wohl wute, da Amsterdam aus
Heringsgrten gebaut sei, 1536 von Brssel aus in Begleitung seiner
beiden Schwestern, der Kniginnen von Ungarn und Frankreich eigens nach
dem rmlichen Fischerdrfchen Bieroliet (welch passender Name!) reiste,
um das Grab des verdienten Mannes aus dem Volke durch seinen Besuch zu
ehren. Nach anderen Quellen soll freilich schon der fromme Bischof Otto
von Bamberg, der Bekehrer Pommerns ([gestorben] 1139) das Einsalzen der
Heringe gekannt haben.

ber die Naturgeschichte des Herings, der eines der friedfertigsten
Geschpfe ist und sich durch den ungemein zarten Bau seiner Kiemen
auszeichnet, weshalb er nur schwer lebend zu versenden und kaum in
Gefangenschaft zu halten ist, sind wir noch keineswegs so gut
unterrichtet, wie es die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung dieses
Fisches wnschenswert machte; spteren Forschungen winkt hier noch ein
weites und lohnendes Arbeitsfeld. Noch immer wissen wir nicht, worauf
eigentlich das pltzliche Ausbleiben der groen Heringsschwrme aus
Gegenden, wo sie Jahrhunderte lang zu Milliarden erschienen,
zurckzufhren ist, wir knnen nur annehmen, da allzu schonungsloser
Fang oder uns unbekannte ozeanographische Vernderungen die wirksamen
Faktoren dabei sind. Nur das steht fest, da Perioden reichen und
sprlichen Fangs mit einer gewissen Regelmigkeit in bestimmten
Zeitrumen fr die einzelnen Lnder abwechseln. Whrend im verflossenen
Jahrhundert Schotten und Norweger die Meistbegnstigten waren und sich an
den deutschen Ksten nur ein wenig lohnender Fang ermglichen lie, ja
die Ostsee nahezu ausgefischt erschien, will es scheinen, da das neue
Jahrhundert uns wieder einen stark vermehrten Heringssegen bescheren
wird. So brachten schon die Jahre 1907 und 1909 ungeheure Heringsschwrme
an unsere Ksten, und der reiche Fang war der hart geprften
Fischereibevlkerung wohl zu gnnen. Einzelne Fischerdrfer an der Kieler
Fhrde erzielten in einer einzigen Nacht Fnge von 8 Millionen Stck und
mehr. Es war kaum mglich, die Netze ordnungsgem einzuziehen, denn
Rcken an Rcken gedrngt erfllten die Fische in dichten Mengen die
Flut. Der Preis fr Rucherware, die beliebten Bcklinge, ging aber
trotzdem nicht wesentlich herunter, da der Ring der Rucherer dafr
sorgte, da der Meeressegen dem Volke keine billige Nahrung bringen
konnte. Dagegen wurde auf dem Lbecker Markt der Eimer frischer Heringe
(150-200 Stck) mit zwanzig Pfennigen verkauft, ein Preis, der stark an
die fast sagenhaft gewordenen Zeiten fabelhaften Fischreichtums unserer
Meere erinnerte. Mit Vorliebe benutzen die Heringe neuerdings den
Nordostseekanal selbst zum Laichen, bekamen hier aber zunchst infolge
der starken Verunreinigung des Wassers einen widerlichen Karbolgeschmack,
der jedoch verschwunden ist, seit man in richtiger Erkenntnis der
Sachlage fr eine mglichste Klrung und Unschdlichmachung der
zahlreichen Abwsser Sorge getragen hat. Frher glaubte man, da der
Hering seinen eigentlichen Wohnsitz in den nrdlichen Eismeeren habe und
von da aus lediglich des Laichgeschftes halber die sdlicheren
Meeresteile besuche. Diese Annahme hat sich jedoch als unhaltbar
herausgestellt, es scheint vielmehr sicher zu sein, da der Hering
rumlich nur beschrnkte Wanderungen vollfhrt, die mehr in einem
Aufsteigen aus tieferen Schichten in flachere Meeresteile bestehen. So
sollen groe Heringsvlker stndig in den tiefen Teilen des Atlantik
unmittelbar vor der Westkste Irlands und Schottlands wohnen, whrend die
flache Ostsee von unserem Fisch wohl berhaupt nur zur Laichzeit
aufgesucht wird. Diese ist nicht streng an eine bestimmte Jahreszeit
gebunden, da alte und junge Heringe zu verschiedener Zeit zu laichen
scheinen. Auch noch nicht fortpflanzungsfhige Heringe wandern schon und
sind den Fischern als Jungfern- oder Matjesheringe bekannt; sie haben
zartes Fleisch, sind aber wenig haltbar.

Das gebte Auge der Fischer und der Fachgelehrten unterscheidet eine
ganze Reihe von Lokalrassen, die ihre bestimmten Wanderstraen einhalten,
die sicherlich auch ihre bestimmten Wohnpltze haben und sich nicht
leicht mit anderen Rassen vermischen. Simroth sucht ihre Entstehung in
geistvoller Weise durch seine Pendulationstheorie zu begrnden. Nach
seiner Auffassung entstammt der Hering ursprnglich dem Swasser. Dies
geht auch daraus hervor, da die Charaktermerkmale der einzelnen Rassen
sich umso mehr verwischen, je weiter sie in die ja sehr salzarme Ostsee
vordringen. Ganz im Sinne des Darwinismus unterscheiden sich die
Heringsrassen in der nur graduell verschiedenen Weise, wie die einzelnen
Arten der Clupeiden, und man kann von der Entstehung der Varietten auf
die der Gruppen hherer Ordnung schlieen. Deren Scheidung hat sich
wahrscheinlich unter dem 42. Breitengrade vollzogen, also an der heutigen
Sdgrenze der Arten, wo die Geoidform der Erde am meisten von der Kugel
abweicht, demnach die Beeinflussung der Organismen am strksten sein mu.
Von hier ist zuerst die Sardine, spter die Sprotte ins offene
Meer mit seinen gleichmigeren Temperatur- und reichlicheren
Ernhrungsverhltnissen abgewandert, whrend der Hering am lngsten die
Mitte zwischen Swasser- und Seefisch innehielt. Den genannten Arten am
hnlichsten ist brigens der kleine Hering des Weien Meeres, also die
nrdlichste Rasse. Die Herbstheringe sollen tiefer in die brackigen
Buchten eindringen als die Frhjahrsheringe. Von der berwltigenden
Massenhaftigkeit der einen wahren Himmelssegen fr viele Kstenlnder
bildenden Heringsschwrme vermag sich derjenige, der dieses groartige
Schauspiel nicht mit eigenen Augen geschaut hat, kaum einen richtigen
Begriff zu machen. So dicht schwimmen die sich von verhltnismig
kleinen Meeresorganismen nhrenden Fische zusammen, da ein dazwischen
gestecktes langes Ruder aufrecht stehen bleibt, da ein in diese
fortpflanzungshungrige Massenprozession geratenes Boot emporgehoben wird
und in Gefahr gert, da die Milch der Mnnchen weithin das Wasser
trbt. Die Weibchen kleben ihre Eier entweder an Tang oder sie lassen sie
einfach frei in die See fallen. Mit atemloser Spannung folgt man am
Strande, wo auer Tausenden von Fischern auch ungezhlte Salzhndler,
Fadaubenverkufer, Mdchen, Gaukler, landstreichende Prediger und
Seelenerwecker versammelt sind, der Bewegung der Heringszge. Wenn die
wirkliche Fischzeit beginnt, schildert Bertram, bemchtigt sich eine
Art Wahnsinn aller Versammelten: alles arbeitet, alles spricht, alles
denkt nur vom Heringe.... Junge Herzen beten fr den Erfolg der Boote
ihrer Geliebten, weil dieser Erfolg ihnen des Herzens grtes Sehnen, den
Ehering und die Haube bringen soll; aus des Sulzers Augen leuchten
gehobene Stimmung und groe Hoffnung hervor; die Besitzer noch
unbenutzter Boote scheinen glcklich zu sein; kleine Kinder selbst nehmen
an der Erregung vollen Anteil, auch sie sprechen von nichts als vom
Heringe. Es wird verglichen und getftelt, geweissagt und gewettet,
geflucht und gebetet, gezweifelt und gehofft. In Norwegen spannt man
ganze Buchten, nachdem die Heringe ihren Einzug gehalten haben, mit
riesigen Netzwnden ab und fischt dann die Meeresernte allmhlich heraus.
Dann kann es vorkommen, da 100 Yachten und mehr mit je 100 Tonnen
gefangener Heringe befrachtet werden. Oft ist der Segen so gro, da auch
die vielen Tausende fleiiger Hnde ihn nicht in 2 bis 3 Wochen zu
bewltigen vermgen, so da ein groer Teil der eingeschlossenen Fische
abstirbt und nun weithin Wasser und Luft verpestet, worauf die Heringe
einen solchen Platz jahrelang meiden sollen.

[Illustration: Abb. 3. Der Rucherofen in der Rucherei von H. A. Krantz
in Kiel.]

Obwohl oft auch Millionen Heringe lediglich zum Dngen der Felder
verwendet werden mssen, ist die unter Umstnden so ergiebige
Heringsfischerei doch als eine Art Glcksspiel zu bezeichnen, denn es ist
nicht selten, da die Kutter in strmischen Zeiten ohne einen einzigen
Fisch zurckkehren mssen und vielleicht gar noch ihre wertvollen Netze
verloren haben. Bei uns fischt man zumeist mit Netzfleethen, deren jeder
Logger zwei fhrt und damit unter gnstigen Umstnden in einer Nacht
70-80000 Heringe zu fangen vermag. Whrend der Nachmittage erfolgt das
umstndliche Auslegen der Netze, nur des Nachts fangen sich die Heringe,
und am Morgen werden dann die Netze geleert. Ein besonders schnell
segelndes Fahrzeug, Jager genannt, bernimmt die bereits an Bord
zurechtgemachte Ausbeute der Logger und bringt sie gleich an Land. Kann
sich auch die deutsche Heringsfischerei nach Umfang und Ausdehnung noch
nicht mit der auslndischen messen, so zeichnet sie sich doch vorteilhaft
durch die in ihren Betrieben herrschende Reinlichkeit und durch die
sorgfltige Behandlung und Zubereitung der gefangenen Fische aus, deren
Gte dadurch ganz wesentlich gewinnt. Unter Vollheringen versteht man die
im Gegensatz zu den Matjesheringen geschlechtlich voll entwickelten,
groen und fetten Fische, unter Ihlenhering die nach dem Ablaichen
gefangenen, unter Wrackhering die Ware geringerer Gte, unter Bckling
den gerucherten Hering. In England, dem Lande der Rcksichtslosigkeit,
verwendet man leider zum Heringsfang vielfach zu engmaschige Netze, in
denen sich auch die wertlosen Jungheringe zwecklos mitfangen, wodurch der
Fischerei schwerer Schaden erwchst und die Meere von diesen ntzlichen
Fischen entvlkert zu werden drohen. Das englische Parlament plant
deshalb jetzt strenge Maregeln gegen eine derartig gemeingefhrliche
Raubfischerei.

[Illustration: Abb. 4. Das Aufziehen der Sprotten auf die Spillen in der
Rucherei von H. A. Krantz in Kiel.]

Zarter im Fleisch und feiner im Geschmack als der Hering ist die
kleinere Sprotte (_Clpea sprttus_), die in ihrer Lebensweise ganz dem
groen Vetter gleicht. Auch sie wird namentlich in der Kieler Fhrde
massenhaft gefangen (die Eckernfrder Fischer erbeuten allein
durchschnittlich 16 Millionen im Jahr) und geruchert als Kieler
Sprotte in den Handel gebracht. In Norwegen dagegen salzt man denselben
Fisch ein, und er erfreut sich dann als Anchovis eines guten Rufes. Auch
die Sprottenfischerei hat an den guten Heringsfngen der letzten Jahre
ihren vollgewichtigen Anteil gehabt, und es liegen darber ganz
begeisterte Berichte von der Ostseekste vor. In der Kieler Fhrde
konnten beim Erscheinen der riesigen Herings- und Sprottenschwrme die
Fischer ihre Boote fast allnchtlich bis zum Rande fllen, oft die
bermig schweren Netze gar nicht ziehen, die Bahn vermochte kaum den
Transport zu bewltigen und mute vor die besonders eingestellten
Fischzge noch Vorspannlokomotiven legen, die Kiste Heringe mit 600
Stck erzielte im Grohandel nur 50 Pfennig, trotzdem muten die Fische
noch waggonweise als Dnger fortgefahren werden. Solche Tatsachen geben
einen Begriff von dem unerschpflichen Reichtum, von der wunderbaren
Fruchtbarkeit des Meeres. Hauptsitz unserer Sprottenrucherei ist das
unweit Kiel auf der anderen Seite der Bucht gelegene Dorf Ellerbeck. Von
einem eigentlich fabriksmigen Betrieb ist aber auch hier kaum die Rede,
denn die meisten Ruchereien haben trotz ihrer groen Leistungsfhigkeit
nur recht bescheidenen Umfang. Auch geht das ganze Verfahren unglaublich
rasch vor sich, zumal in den Betrieben eine weitgehende und praktische
Arbeitsteilung herrscht. Das Sprichwort Frische Fische -- gute Fische
gilt hier mehr als je, und es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den
gold- und fettglnzenden Fischchen, die noch tags zuvor munter im Meere
herumschwammen, und den verschrumpelten, eingetrockneten Sprotten, die in
den bekannten flachen Holzkistchen in den Schaufenstern der
Delikatessenhndler unserer Kleinstdte prangen. Oft genug sind es trotz
ihrer unzweifelhaften Kieler Herkunft auch gar keine echten Sprotten,
sondern andere kleine Meeresfische. Man kann sich leicht genug darber
vergewissern. Streicht man nmlich den Fischen mit dem Finger auf der
Unterseite des Bauches vom Schwanz nach dem Kopf entlang, so mu es sich
rauh anfhlen, weil dort kleine Stacheln vorhanden sind. Trifft das nicht
zu, so sind es auch keine echten Sprotten. Die frisch gefangenen
Fischchen werden zunchst fr eine Stunde in Salzlake gelegt und dann in
wassergefllten Kbeln oder gemauerten Bassins durch Bearbeitung mit
Reisbesen entschuppt und gewaschen. Dann kommt das Aufspillen, indem
man die Sprotten auf stricknadelstarke Eisenstbe reiht, und zwar so, da
der Stab durchs Kiemenloch eingefhrt wird und aus dem Maule wieder
hervortritt. Die mit Fischen behngten Stbe kommen in rechteckige,
hlzerne, blechbeschlagene, je 2400 Stck fassende Rahmen und diese auf
die Rucherfen, zunchst unten hin, nach einigen Stunden an die oberste
Stelle. Innerhalb 10 Stunden knnen 2 der kaminartigen fen ber 10000
Sprotten ruchern. Die gleichmige Unterhaltung des Feuers ist wichtig
fr die Erzielung hervorragend guter Ware. Man verwendet mit Vorliebe
Erlenholz, schttet auch ab und zu Lohe auf oder begiet mit Wasser, um
eine recht krftige Rauchentwicklung hervorzurufen; ber die Rahmen und
fen gespannte Vorhnge und Leintcher sorgen dafr, da der Rauch den
Fischen auch in vollem Mae zugute kommt. Nach Beendigung des Rucherns
werden diese fr eine halbe Stunde abgekhlt, dann von den Drhten
abgestrichen und knnen nun sofort zum Versand verpackt werden. Den
entsprechenden Betrieb in einer greren, mehr fabrikmig eingerichteten
Kieler Rucherei veranschaulichen unsere Abbildungen 3 und 4.

Was die Sprotte fr unsere deutschen Meere bedeutet, das ist die
=Sardine= (_Clpea pilchrdus_) fr die Gestade des Atlantik und des
Mittelmeers. Ja sie ist in volkswirtschaftlicher Beziehung noch
wichtiger, denn das Wohl und Wehe weiter Lnderstrecken hngt von dem
Erscheinen dieses kleinen Fisches ab. Und das pflegt durchaus kein
regelmiges zu sein, obschon man sich ber die Grnde des gelegentlichen
Ausbleibens bisher noch nicht recht klar zu werden vermochte, wie wir
berhaupt ber die Naturgeschichte der Sardine und insbesondere ber den
Verlauf ihrer Massenwanderungen noch weniger gut unterrichtet sind, als
beim Hering. Es fehlte bisher auch der Zwang der Not zu solchen Studien,
denn da die groenteils noch unbekannten Laichpltze des Fisches so
ziemlich unbehelligt bleiben, ist auch von einer Abnahme der
Riesenschwrme einstweilen nichts zu spren. So beschrnkt sich unsere
Kenntnis des Fisches -- abgesehen von seinem Verhalten auf der Wanderung
-- fast nur darauf, da er von noch zarterem Leibesbau ist als der Hering
und deshalb von hchster Empfindlichkeit gegen Unbilden jeder Art, da
ihn dies aber nicht hindert an der Entwicklung einer groartigen
Gefrigkeit, die allerdings in der Hauptsache nur winzigen Krebstierchen
gilt. Junge Sardinen scheinen ihrem grn gefrbten Darm- und Mageninhalte
nach vielfach auch pflanzliche Stoffe zu sich zu nehmen; ferner Urtiere,
kleine Ringelwrmer und gewisse, frei im Wasser schwimmende Wurmeier. Der
Name soll damit zusammenhngen, da frher an der Kste Sardiniens der
ergiebigste Sardinenfang betrieben wurde, whrend heute entschieden die
malerische Kste der Bretagne als der Hauptsitz dieser Fischerei
bezeichnet werden mu. 8200 Boote und 32000 Fischer stehen dort stndig
in ihren Diensten, und allein in dem Hafenplatze Concarneau verarbeiten
60 Konservenfabriken alljhrlich 1 Million Zentner Sardinen. Aber das ist
noch lange nicht der ganze Fang. Es kommt vor, da mit einem einzigen
Zuge dem Meere Millionen der glitzernden Fischlein entrissen werden, doch
es ist auch nichts Seltenes, da die Boote vollkommen leer zurckkehren,
was dann die dsterste Stimmung unter der Bevlkerung auslst. So
vermochten 1905 von 600 Sardinenbooten aus Douarnenez nur 50 einigermaen
Ladung zu erzielen. Auch berreiche Fnge sind den Fischern keineswegs
erwnscht, denn das volkswirtschaftliche Gesetz von Angebot und Nachfrage
trifft sie besonders hart, und die Preise sinken dann pltzlich derart
(bis auf 2-1/2 Franken fr das Tausend), da sich das Hinausfahren und
das Ausstreuen des kostspieligen Kders kaum noch verlohnt. Lustig genug
sieht es ja aus, wenn die Boote mit den himmelblauen Netzen am Mast und
mit geschwellten rabenschwarzen Segeln zum schmalen Hafenausgange
hinaustreiben, whrend das Meer blausilbern schimmert, dabei rtlichgelbe
und violette Tinten aufweist und weie Spitzenhubchen die kurzen,
prallen Wogen krnen. Aber die Kehrseite der Medaille ist doch vielfach
ein groes soziales Elend. Nur freiwillige Beschrnkung der Fischerei und
gesetzliche Festlegung eines Mindestpreises vermchten dem bel zu
steuern. Die Sardine gilt als ein sehr scheuer Fisch, und ihr Fang
erfordert deshalb groe Vorsichtsmaregeln. Daher auch die himmelblauen
Netze, die fr den Strand der Bretagne ebenso kennzeichnend sind, wie die
roten Jakobinermtzen der Fischer fr den Golf von Neapel. Und da der
Fang vielfach bei Nacht betrieben wird, verwendet man die schwarzen
Segel, die den bretonischen Ksten ein so eigenes Geprge geben. Am Tage
machen sich die Sardinenschwrme oft schon von weitem bemerklich, da die
Fischlein bei Sonnenschein, dicht aneinander gepret, gern zur Oberflche
emporsteigen, pltschern und springen und so die de Wasserwste in ein
leuchtendes, blitzendes Silberfeld verwandeln. Der an Land gebrachte Fang
wandert korbweise in die Fabriken, wo den Fischen zunchst der Kopf
abgeschnitten und die Eingeweide ausgenommen werden. Dann werden sie eine
Stunde lang in warmer Luft (am besten im Freien) getrocknet und fr
einige Minuten in siedendes l getan. Frauen und Mdchen in schwarzen
Kleidern, mit groen Schrzen und zierlichen, weien Hubchen sitzen an
langen Tafeln und legen die Fischlein mit peinlichster Sorgfalt in
Bchsen, worauf noch l mit verschiedenen Wrzen und Zutaten (z. B.
Tomaten) je nach dem Geschmack der Kundschaft, der in den einzelnen
Lndern verschieden ist, nachgefllt wird. Das schwierige Verlten der
Blechbchsen dagegen ist Mnnerarbeit, denn es gehrt eine sichere Hand
und groe bung dazu, vlligen Luftabschlu zu erzielen. Die verlteten
Bchsen werden nochmals in kochendes Wasser getan, dann etikettiert, und
nunmehr sind die weltbekannten Blechdosen mit ihrem wohlschmeckenden
Inhalt versandfertig. Was in der Bretagne gefangen wird, sind fast
ausschlielich junge, noch nicht laichfhige Sommer- und Herbstsardinen.
Die ausgewachsenen und fortpflanzungsfhigen Sardinen sind bedeutend
grer, fetter und schwerer, haben aber ein viel grberes Fleisch und
werden als Pilchards hauptschlich an den britischen Ksten gefischt.
In den amerikanischen Gewssern wird die Sardine durch _Clpea menhden_
vertreten. Dieser Fisch ist noch feiner und zarter im Geschmack, aber
dabei so grtenreich, da der findige Yankeegeist erst eine besondere
Entgrtungsmaschine fr ihn austfteln mute, damit er als
aussichtsreicher Mitbewerber auf dem Weltmarkte auftreten konnte.

[Illustration: Abb. 5. Dorsch (_Gadus morrhua_).
(Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)]

Als letzter und zugleich kleinster Vertreter der individuenreichen
Heringsfamilie sei endlich noch die =Sardelle= (_Engralis
encrasichlus_) genannt. Auch dieses zarte Fischlein wohnt westlich und
sdlich von uns, ist im Mittellndischen Meere besonders hufig, dringt
aber in manchen Jahren scharenweise auch in die Nordsee und gelegentlich
selbst in die Ostsee ein. In stark gesalzenem Zustande hat es als
Anchovis Weltberhmtheit erlangt. Die Fischerfrauen am Mittelmeer haben
im Einmachen dieser kleinen Geschpfe eine fabelhafte Geschicklichkeit
erworben, indem sie ihnen mit ihrem zu diesem Zwecke sorgsam gepflegten
Daumennagel den Kopf abkneifen und gleichzeitig die Eingeweide fassen und
herausziehen.

Die vielen Fischen in so ausgesprochenem Mae eigene Farbanpassung an
Untergrund und Umgebung, die bei lngerem Aufenthalt an den gleichen
rtlichkeiten zu scheinbar stndigen Farbenvarietten zu fhren vermag,
ist in wissenschaftlicher Hinsicht sehr geeignet, den zoologischen
Systematiker bei der Aufstellung der neuerdings so beliebt gewordenen
Unterarten in hohem Mae zur Vorsicht zu mahnen. So sind die =Dorsche=
(_Gdus morrha_) in der Umgebung Helgolands in Anpassung an das dortige
rote Klippengestein von ausgesprochen rtlicher Frbung, soda man sie
wohl fr eine eigene Unterform halten knnte, wenn sie nicht bei
bertragung an andere Wohnorte alsbald auch eine andere, den neuen
Verhltnissen entsprechende Frbung annehmen wrden. Whrend der =Dorsch=
(Abb. 5) oder =Kabeljau= (von unseren Ostseefischern Pomuchel genannt)
eine Lnge von 1-1/2 kg und ein Gewicht von 40 kg (das Stockholmer Museum
besitzt sogar ein aus der Ostsee stammendes Riesenexemplar von 185 kg
Gewicht) erreicht, bleibt der allbekannte, ihm sehr nahe stehende,
silbergraue, mit kennzeichnendem schwarzem Schulterfleck gezierte
=Schellfisch= (_Gdus aeglefnus_) stets wesentlich kleiner. Mit diesen
beiden Formen, die nebst ihren zahlreichen Verwandten zu den Kehlflossern
gehren und durch schnittigen Krperbau und einen eigenartigen Bartfaden
an der Spitze der Unterkinnlade ausgezeichnet sind, lernen wir Fische
kennen, die wegen ihrer ungeheuren Vermehrungsfhigkeit (jeder Rogner
soll nach den Zhlungen fleiiger Forscher 4, selbst 9 Millionen Eier im
Leibe tragen!), ihres Auftretens in nur nach Hunderttausenden und
Millionen zu schtzenden Heeren und wegen ihrer unersttlichen
Gefrigkeit eine hervorragende Rolle im Haushalt der Natur und
namentlich im Stoffwechsel der nordischen Meere spielen. Wegen ihres gern
gegessenen und billig zu erlangenden Fleisches haben sie aber auch eine
groe volkswirtschaftliche Bedeutung fr den Menschen erlangt. Ganze
Fischerflottillen und Zehntausende von Strandfischern in den
verschiedensten Gegenden der nrdlichen Halbkugel ernhren sich
ausschlielich oder fast ausschlielich vom Dorschfang, und ihre Beute
geht in getrocknetem Zustande weit in die Welt hinaus, ist selbst im
sonnigen Sden Europas und auf den heien Plantagen Brasiliens zum
Nationalgericht geworden, weil keine andere gleich nahrhafte Fleischkost
sich zu einem auch nur annhernd gleich billigen Preise beschaffen lt.
Obgleich die deutsche Dorschfischerei sich nicht entfernt mit derjenigen
der Lofoten und Islands oder gar Neufundlands messen kann und obgleich
auch in dieser Beziehung die weniger gnstige Lebensbedingungen fr
ausgesprochene Meeresfische bietende Ostsee weit hinter der Nordsee
zurcksteht, werden doch allein z. B. in der Bucht von Eckernfrde
alljhrlich mehr als 300000 kg Dorsche gefangen. 240 deutsche
Fischdampfer mit je 12-14 Mann Besatzung fhren unablssig Krieg gegen
den Kabeljau, ununterbrochen Sommer und Winter, Tag und Nacht, und doch
vermgen sie kaum dem stets sich steigernden Bedrfnis zu gengen,
freilich ebensowenig die unerschpflich scheinenden Heere dieser Fische
merklich zu vermindern. Brehm hat Recht, wenn er den Kabeljau bezeichnet
als einen der wichtigsten Fische der Erde, dem man seit mehr als drei
Jahrhunderten unablssig nachgestellt hat, wegen dessen blutige Kriege
gefhrt worden sind, von dem in jedem Jahre mehrere hundert Millionen
Stck gefangen werden, und der dennoch diesem Vernichtungskriege Trotz
geboten hat, weil seine unglaubliche Fruchtbarkeit die von den Menschen
seinen unschtzbaren Heeren beigebrachten Lcken, bisher wenigstens,
immer wieder ausfllte. Wahrlich, nicht jedes in hnlicher Weise
verfolgte Geschpf ist in gleich glcklicher Lage! Sehr zustatten kommen
mag den Schellfischen beim Kampfe ums Dasein auch der Umstand, da sie
nicht wie die meisten anderen Meeresfische auf bestimmte Tiefenschichten
des Wassers angewiesen sind, obschon sie im allgemeinen eine mige Tiefe
bevorzugen und nur zu der in die Fastenzeit fallenden, brigens nicht
wenig von den anregenden Wirkungen des Golfstroms abhngigen Laichperiode
mehr in flachere Gewsser kommen. In diese Zeit fllt auch der Hauptfang,
denn dann erscheinen die Fische ber gewissen Bnken in dicht gedrngten
Heeren, die mehrere Meter hoch und mehrere Kilometer lang im Wasser
stehen und immer wieder von frischen abgelst werden, sobald sie ihren
Zweck erreicht haben. Aber auch whrend die Minne solchen
Massenversammlungen ihre Freuden spendet, weicht die den Schellfischen
eigene Fregier nicht von diesen vortrefflichen Schwimmern, und es ist
nur gut, da sich um dieselbe Jahreszeit in den gleichen Gegenden auch
unzhlige Heringe, Tintenschnecken u. dgl. anzusammeln pflegen, die jenen
zur Nahrung dienen mssen. Die blindwtige Gefrigkeit der Dorsche und
Schellfische erleichtert ihren Fang ungemein und macht namentlich auch
die Verwendung der Grundangel sehr lohnend. Es ist dies eine etwa 2000 kg
lange, starke Leine, an der etwa 1200 einzelne Angelschnre angeknpft
sind, deren Haken mit Heringen, Tintenschnecken oder den Eingeweiden
schon gefangener Schellfische bekdert werden. Etwa alle 6 Stunden wird
sie heraufgeholt, nach dem Auslsen des Fanges frisch bekdert, und die
Sache kann von neuem losgehen. In der Zwischenzeit handhaben die Fischer
aber auch noch fleiig die Handangel und erzielen auch mit dieser bei der
Menge der Fische ganz erstaunliche Ertrge. Von den greren
Fischdampfern aus fischt man dagegen hauptschlich mit dem schon
beschriebenen Scherbretterschleppnetz. Wenn nun der Netzbeutel (vom
Fischer Steert genannt) wie eine prall gefllte Kugel ber dem Deck
schwebt, lst der Steuermann mit einem geschickten Griff den
verschlieenden Knoten, und das silbern wimmelnde Gezappel von Fischen
ergiet sich wie ein lebender Strom ber die schlpfrig werdenden
Planken. Die gebten Leute wissen aber auch mit den grten Massen bald
fertig zu werden. Ein grausiges Schlachten beginnt. Ununterbrochen
blitzen die blutbefleckten Messer, ein kurzer Schnitt trennt den Kopf vom
Rumpfe, in einem Nu fliegen die Eingeweide heraus und der in zwei Hlften
zerspaltene Fisch in den eisgekhlten Vorratsraum. Der Dorsch lt sich
in allen seinen Bestandteilen irgendwie verwerten, denn selbst die
Eingeweide, soweit man sie nicht aus Zeitmangel den unter gierigem
Kreischen die vielversprechende Stelle umschwrmenden Mwen berlt,
mssen ihrerseits wieder als Angelkder Verwendung finden oder werden zu
Guano verarbeitet, whrend die Kpfe als Viehfutter dienen, das in Island
merkwrdigerweise selbst die Rinder nicht verschmhen sollen. Die Lebern
aber werden in groen Bottichen den Wirkungen der Sonnenstrahlen
preisgegeben, verpesten dann faulend mit einem wahrhaft scheulichen
Geruch ganze Hafenstdte des Nordens, liefern aber den in der Heilkunde
hochgeschtzten Lebertran, der sich als ein gelbliches l auf der
Oberflche der verwesenden Masse absetzt, in geringerer Gte auch durch
Auskochen der Lebern gewonnen wird. Der Rogen geht in Blechbchsen nach
den Gestaden des Mittelmeers, wo er den Sardinenfischern als
unentbehrlicher Witterungskder dient. Der Fisch selbst wird auf die
verschiedenste Weise zubereitet und in den Handel gebracht, fhrt auch
demgem verschiedene Namen. Auf Stangen, Gersten oder in offenen
Schuppen an der Luft klapperdrr getrocknet heit er Stockfisch, gesalzen
und auf den Strandklippen durch die Sonne gedrrt Klippfisch, in Fssern
eingepkelt Laberdan. Besondere Delikatessen sind das nun freilich alles
nicht, wohl aber nahrhafte, zutrgliche und billige Ersatzmittel fr alle
Gegenden, in denen frisches Fleisch ein seltener Artikel ist. Bedeutend
wohlschmeckender ist das weie, etwas derbe Fleisch des frischen
Schellfisches, und wenn es selbst heute in der Zeit der Fleischteuerung
noch nicht berall die ihm zukommende Beachtung errungen hat, so liegt
dies wohl hauptschlich daran, da sich die Hausfrauen im Binnenlande
grtenteils nicht auf die richtige Zubereitung verstehen. Wenn ihnen der
Seefischgeschmack an sich zuwider ist, rate ich ihnen, es einmal mit der
Zubereitung von Fleischklchen (Frikadellen) aus Dorschfleisch zu
versuchen. Sehr vorteilhaft ist es, da sich die Schellfischarten bei
ihrer groen Zhigkeit und Anspruchslosigkeit auf verhltnismig weite
Entfernungen hin lebend versenden lassen, Eigenschaften, die es
ermglichen, die stattlichen Meeresbewohner auch jahrelang in rumlich
arg beschrnkten Seewasseraquarien besser zu erhalten als irgend einen
anderen Seefisch. -- Es ist ein Verdienst des norwegischen Professors
Sars (eines Schwagers Nansens), nachgewiesen zu haben, da die 1-1-1/2
mm groen Glaskgelchen, die frei im Meereswasser umherschwimmen, meist
Kabeljau-Eier sind. Der sonst in groen Tiefen lebende Fisch sucht zur
Laichzeit die seichten Stellen, die Hochplateaus des Meeres auf. Der
Laich fllt nicht zu Boden, sondern erhlt sich in einer Tiefe von
hchstens 14 kg treibend. Diese Entdeckung fhrte weiter zu der
Feststellung, da sich die Eier unserer meisten anderen Nutzfische des
Meeres ganz ebenso verhalten. Gerade das Plankton, ber dessen Natur und
Zusammensetzung wir durch Prof. Hensen-Kiel Klarheit erhalten haben,
birgt zahllose solche Eier, die in ihrem ersten Entwicklungsstadium fast
gar keine Artunterschiede aufweisen. So sind die Eier des Kabeljaus und
des Schellfischs anfangs gar nicht zu unterscheiden. Es sind glashelle
Kgelchen mit verhltnismig groem Dotter und einigen Fetttrpfchen.
Diese Feststellungen haben nicht nur wissenschaftlichen Wert, sondern
auch praktische Bedeutung, denn damit ist erwiesen, da der Fischfang mit
tief an den Boden gehenden Netzen die in der Entwicklung begriffene Brut
nicht zu schdigen vermag, wie man frher wohl befrchtet hatte.

[Illustration: Abb. 6. Thunfisch (_Thynnus thynnus_).]

Einigermaen Ersatz fr Hering und Schellfisch bietet den Anwohnern
des Mittelmeers der mchtige =Thun= (_Thynnus thynnus_), der
durchschnittlich 2 kg lang und 120 kg schwer ist, oft aber auch bedeutend
grer wird (Abb. 6). Der Eindruck wird noch verstrkt durch den breit
ausgeladenen Leibesbau, den dicken Kopf und die ungemein krftig
entwickelten Schwanz- und Seitenflossen des Fisches. Man glaubte frher
allgemein, da der Thun eigentlich im Atlantischen Ozean beheimatet sei
und von da lediglich zum Laichen durch die Strae von Gibraltar nach dem
Mittellndischen, ja sogar von da durch Dardanellen und Bosporus zum
Schwarzen Meer ziehe, bis in das Asowsche hinein. Neuere Untersuchungen
haben jedoch gezeigt, da er keine so weiten Wanderungen vollfhrt,
sondern da die Verhltnisse hnlich liegen wie beim Hering, da also der
Thun in der Hauptsache Hhenwanderer ist. Er verbringt den grten Teil
seines Lebens in den tiefsten Senkungen des Mittelmeers, anscheinend auch
in der Bucht von Cadiz, und steigt im Frhjahr empor, um den flachsten
Stellen zuzustreben. Dabei berhrt er namentlich die Ksten Sardiniens
und Siziliens, und hier wird denn auch der ergiebigste und groartigste
Thunfang betrieben. Er erfordert wochen- und monatelange Vorbereitungen
und Zurstungen, denn er geschieht in ungeheuren Netzen, sogenannten
Tonnaros, wahren Gebuden aus zhestem Spartogras und bestem Hanf, die
30-50 m Tiefe und bis zu 1 km Lnge haben. Das Auslegen dieser
Ungetme kann nur bei vollkommen ruhiger See stattfinden und mu mit
grter Sorgfalt erfolgen, da viel darauf ankommt, da die Netzwnde
senkrecht stehen wie Mauern. Zu diesem Zwecke sind sie unten mit Blei-
und Eisenstcken beschwert, whrend sie oben mit Korkschwimmern versehen
sind. Das Ganze ist in eine Reihe von aneinander stoenden Kammern
geteilt, die durch ffnungen in der Netzwand verbunden sind, aber nach
Bedarf abgeschlossen werden knnen. Die vorderste Kammer ist die grte,
von ihrem Eingang strahlen noch scherenartig zwei lange Netzflgel aus,
um ein Entweichen der Fische nach dem Strande oder der offenen See hin zu
verhindern. Die hinterste Netzkammer ist die kleinste, hat den engsten
Eingang und ist im Gegensatze zu den anderen auch mit einem Netzboden aus
dem engmaschigsten und zhesten Geflecht versehen. Das ist die Kammer
des Todes. Ist endlich das ganze verwickelte Netzgebude zur
Zufriedenheit errichtet, so begeben sich die Fischer wieder an Land und
lassen nur wenige Wachboote zurck, die den Einzug der Thune beobachten
sollen: ein bei ungnstigem Wetter ebenso schwieriges wie undankbares
Geschft. Die Thune halten zh an der einmal eingeschlagenen Richtung
fest und entschlieen sich nicht leicht zum Zurckschwimmen, begnstigen
dadurch also noch die Arglist des Menschen, so vorsichtig und schlau sie
sonst auch sind. Sie streichen in kleinen Trupps rasch durch die Wellen,
oft in keilfrmiger Schwimmordnung, aber diese Trupps folgen einander so
rasch und ununterbrochen, da man doch von einer Massenwanderung sprechen
kann. Nicht selten stutzen sie beim Eintritt in die Netztore, und die
Fischer sind dann gentigt, die furchtsamen Tiere durch Einschaufeln von
Sand ins Wasser oder durch das Herablassen eines Schaffells weiter zu
scheuchen. Sind ihrer genug in der vordersten, natrlich bis zum Boden
reichenden Kammer, so wird der Eintritt in die zweite frei gegeben, damit
in jener Platz fr neue Ankmmlinge geschaffen werde. So geht es von
Kammer zu Kammer und zuletzt in die des Todes. Der sonst so de Strand
dieser Gegenden ist inzwischen zum Schauplatz ausgelassenen Lebens
geworden, denn der Thunfischfang ist hier das grte Volksfest, und
allenthalben herrscht das bunte und lrmende Lustgetriebe eines
Jahrmarkts. Aus flchtig zusammen genagelten Huschen und Bretterbuden
ist eine ganze Stadt entstanden, und in ihren Gassen schiebt und drngt
sich eine aufgeregte, unterhaltungsbedrftige Menschenmenge, Einheimische
und Fremde, Fischer und Kaufleute, Handwerker, Wirte und allerlei
fahrendes Volk, nicht zuletzt auch Priester, denn ohne den Segen der
Heiligen wrde ja kein Thunfisch ins Netz gehen. berall Musik und
Gesang, Lachen und Lrmen, Scherzen und Necken, Lieben und Raufen. Alles
atmet Leidenschaft und Leben, Aufregung und Feuer, denn die Tonnara ist
den Sizilianern das, was den Spaniern die Stiergefechte sind und dem
Englnder der Derby-Tag. Endlich steigt als Zeichen dafr, da die
Totenkammer gefllt ist, am Maste des Wachbootes eine rote Flagge auf,
alles eilt nun in wirrem Gedrng unter Jauchzen, Schreien und Brllen,
Mtzen- und Tcherschwenken wie besessen zu den harrenden Booten, um so
rasch als mglich den Schauplatz zu erreichen. Dort wird unter groen
Anstrengungen die Totenkammer heraufgezogen und schlielich ihr Netzboden
in Mannestiefe festgelegt. Weier Schaum bedeckt das Wasser, und die dem
Tode geweihten groen Fische peitschen mit verzweiflungsvollen
Schwanzschlgen die Oberflche, rings umgeben von Fahrzeugen voller
Menschen, denen die unverhllte Mordgier und tierischer Fleischhunger aus
den Augen blitzen. Die sehnigen, halbnackten, braunen Fischer werden zu
erbarmungslosen Schlchtern. Wie Wahnsinnige stechen sie mit spitzen
Harpunen blindlings in das weischaumige, klatschende Fischgewimmel,
schlagen mit nagelbesetzten Keulen auf ihre Opfer los, zerfetzen mit
Schwertern und Dolchen die groen Fischleiber. Blutigrot frbt sich die
blasige Flssigkeit in der Totenkammer, blutigrot das Meer in weitem
Umkreise, und Blut und Schwei strmen ber die vor Aufregung bebenden
Menschenleiber, die von dem fanatischen Zujauchzen der blutlsternen
Zuschauermenge in den Booten zu immer neuem Morden angepeitscht werden,
bis der letzte Thun verblutet ist oder der ermattete Arm die Harpune
nicht mehr zu heben vermag. Es ist ein grausiges Bild bei goldenem
Sonnenschein und lachend blauem Himmel, aber so abstoend es auch auf
feiner empfindende Gemter wirkt, fahren doch reiche Leute genug eigens
deshalb nach Sizilien. Als Ludwig XIII. Marseille besuchte, wurde ihm zu
Ehren eine groe Thunfischmetzelei veranstaltet, die diesem
geschmackvollen Herrscher so trefflich gefiel, da man spter oftmals
von ihm hren konnte, es sei dies einer der schnsten Tage seines Lebens
gewesen. Widerwrtig sind die bluttriefenden Schlchtereien gewi, aber
doch von ungeheurer wirtschaftlicher Bedeutung fr alle Lnder am
Mittelmeer, denn das Thunfleisch ist zwar etwas grob und reichlich
trocken, aber nahrhaft und vor allem -- billig. Es erfreut sich deshalb
in vornehmeren Kreisen keiner sonderlichen Beliebtheit, ist aber fr
weite Landstrecken das einzige Fleisch, dessen Genu auch den rmeren
Volksschichten mglich ist, das so eine hochwillkommene Abwechslung
zwischen dem ewigen Einerlei von Kaktusfeigen, Bohnen und Makkaroni
bildet und damit der sonst unausbleiblichen Unterernhrung der
Bevlkerung entgegenwirkt. Die ersten jungen Thunfische kommen schon im
Juli zum Vorschein und wachsen so rasch heran, da sie bis zum Oktober
bereits ein Gewicht von 1 kg erreichen.

[Illustration: Abb. 7. Makrele (_Scomber scomber_).
(Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)]

Ein kleinerer, schlankerer und weit besseres Fleisch liefernder Vetter
des plumpen Thun, die schnittig gebaute =Makrele= (_Scomber scomber_) mit
der kunterbunten Zeichnung und dem wundervollen Opalschimmer auf dem
zarten Schuppenkleid (Abb. 7) ist auch in unseren Meeren hufig.
Massenhafter noch wird sie an den englischen und franzsischen Ksten
gefangen und eingesalzen, ja es ist dort schon vorgekommen, da man die
allzu dicht gefllten Netze ihres ungeheuren Gewichtes halber nicht
wieder heraufzuziehen vermochte. Sehr gern folgt die gefrige Makrele,
an der das vllige Fehlen der Schwimmblase das Merkwrdigste ist, den
groen Heringsheeren und zehntet sie nach Krften. In England bildet auch
das Angeln dieser wanderlustigen Fische vom Segelboot aus bei scharfer
Brise einen beliebten Sport. Whrend die Makrele und noch mehr die fern
von den Ksten im Atlantik Flugfische jagende und ihnen nachspringende
=Bonite= (_Scomber pelamys_) vorzgliche Schwimmer sind, vermag der
verwandte =Schiffshalter= (_Echenis remora_) nur matte und plumpe
Schwimmbewegungen zu vollfhren. Er macht sich deshalb das Reisen gern
bequem und lt sich lieber von flinkeren Fischen fortschleppen, was ihm
dadurch ermglicht wird, da seine vordere Rckenflosse zu einer breiten
Haftscheibe umgewandelt ist, mit der er sich am Bauche seines
Reisemarschalls festsaugt. Am liebsten whlt er dazu Haie, wohl weil
deren rauhe Haut einen besonders sicheren Halt gewhren mag und weil sie
weite Meeresstrecken durcheilen. brigens begngt sich der Schiffshalter
mit der Rolle des blinden Passagiers und wird nicht etwa zum Schmarotzer.
Deshalb ist ihm auch ein Schiffsrumpf ebenso recht wie ein Fischleib,
zumal ja immer allerlei nhrstoffreiche Abflle ber Bord geworfen
werden, worauf sich dann der Echeneis von seinem Platze lst und ihnen
unter schlngelnden Bewegungen zustrebt.

In weiterer Ausbildung werden solche Symbiosen nicht selten zu echtem
Raumparasitismus. In allen Meeren der Erde werden kleine Seefische
gefunden, die irgendwelchen Leibesteil eines besonders wehrhaften Tieres
sich zur Zufluchtssttte erkoren haben und ihren Wirt gewhnlich zwar
nicht merklich schdigen, ihm aber auch keine Gegendienste fr das
gewhrte schtzende Obdach leisten. Am bekanntesten in dieser Beziehung
ist _Fiersfer acus_, ein kaum 20 kg langes, gelblichweies Fischchen von
fast durchsichtiger Zartheit ohne Bauchflossen und mit weit nach vorn
gerckter Afterffnung. Er benutzt als Wohnung die sogenannten
Wasserlungen der Seegurken, dieser absonderlichen Geschpfe, die die
merkwrdige Gewohnheit haben, die eigenen Eingeweide auszuspeien, wenn
sie gereizt werden. Der Fisch dringt mit dem Schwanzende in die
Afterffnung seines Wirtes ein, schiebt allmhlich den ganzen Krper nach
und sieht nur noch mit dem Kopfe heraus. Das Atemwasser der Seegurke, das
abwechselnd ein- und ausstrmt, versorgt den Fierasfer mit Nahrung in
Gestalt kleiner Krebstierchen. Manchmal aber, wenn sich ihm ein besonders
fetter und leckerer Bissen darbietet, schiet er, wie Bergmann beobachtet
hat, aus seinem Verstecke hervor. Mglich, da er seinen Wirt auch von
schmarotzenden Krebstierchen befreit; jedenfalls verursacht er ihm
gewhnlich keinerlei Unbequemlichkeiten. Wohl aber ist dies der Fall,
wenn sich mehrere Fischchen in der gleichen Seegurke ansiedeln, die
dadurch sogar zugrunde gehen kann. Bisweilen findet sich Fierasfer auch
in anderen Seetieren, wie Seesternen, Quallen und Muscheln. So besitzt
das britische Museum einige Stcke, die aus echten Perlmuscheln stammen
und von diesen mit einer glnzenden Perlmutterschicht berzogen wurden.
Der durch seitliche Bepanzerung ausgezeichnete =Stcker= (_Cranx
trachrus_), auch Halbmakrele genannt, der bisweilen in ungeheuren
Schwrmen an den englischen Ksten auftaucht, aber wegen seines
minderwertigen Fleisches nur wenig Beachtung findet, gehrt im
Jugendzustande gleichfalls zu den Raumparasiten, denn er lebt dann
zwischen den Mundarmen und Tentakeln von Quallen, die ihn durch ihre
Nesselzellen gegen Feinde schtzen. Die jungen Fischchen kommen nur aus
den Quallen hervor, wenn alles ringsum sicher erscheint, whrend sie sich
beim geringsten Anzeichen von Gefahr sofort in ihre Schlupfwinkel
flchten. Der prchtig gefrbte _Amphprion bicnctus_ fhrt in hnlicher
Weise mit einer groen Seerose gemeinsamen Haushalt; stlpt sie sich ein,
so lt sich der Fisch ruhig von ihren Tentakeln bedecken, woraus sich
schlieen lt, da er gegen das Nesselgift unempfindlich sein mu. Auch
stark bewehrte Seeigel mssen manchen kleinen Meeresfischen als Wohnung
dienen. Plate fand whrend seines Aufenthaltes auf den Bahama-Inseln
einen nur 3-6 kg langen, gelblich-weien, schmutzig-braun gepunkteten
Fisch, _Apogonchthys strmbi_, in der Mantelhhle von Riesenschnecken
(_Strmbus ggas_), die dort als ein beliebtes Volksnahrungsmittel
regelmig zu Markte gebracht werden. Wahrscheinlich verlt hier der
Einmieter das Wirtstier nur nachts, um auf Krebstierchen und Meeresasseln
Jagd zu machen. Selbst in unseren nordischen Meeren fehlt es nicht an
verwandten Erscheinungen. So konnte bei der Suche nach den Wohnpltzen
der jungen =Schellfische= und =Kabeljaue= festgestellt werden, da deren
Auftreten auf das innigste mit dem mehr oder minder hufigen
Vorhandensein von Kornblumenquallen zusammenhing. Bei ruhiger See lie
sich denn auch deutlich beobachten, wie die jungen Fische sich bestndig
zwischen den langen Nesselfden der Quallen aufhielten, und wie ihre
Eigenbewegung sich ganz darauf beschrnkte, dem ruckweisen
Weiterschwimmen der Quallen nachzukommen, die ihnen also zu Schirmherrn
im wahrsten Sinne des Wortes geworden waren.

[Illustration: Abb. 8. Scholle. (Phot. von F. Ward.)]

Nchst den Heringen und Schellfischen sind die der groen Gruppe der
=Plattfische= oder Schollen (Abb. 8) angehrenden Arten die wichtigsten
Nutzfische unserer Meere. Naturgeschichtlich interessant sind sie schon
durch ihre weitgehende Anpassungsfhigkeit an die Farbe des
Untergrundes und durch ihr damit im engsten Zusammenhang stehendes
Farbwechselvermgen. Aber selbst diese wunderbaren Eigenschaften
erscheinen den Plattfischen noch nicht ausreichend, um sich gegen die
Nachstellungen der gefrigen Raubfische zu sichern und sich selbst vor
den Augen ihrer Opfer zu verbergen. Der greren Sicherheit halber whlen
sie sich vielmehr gleich ganz in den Sand ein, so da nur ein Teil des
Kopfes mit den gleich blaugrnen Perlen funkelnden Augen hervorsieht.
Dieses Einpaddeln geschieht mit so fabelhafter Schnelligkeit, da man die
einzelnen Bewegungen dabei kaum festzustellen vermag. Man sieht nur ein
Aufwirbeln des Sandes, hastig zitternde und flimmernde Bewegungen der
langen Bauch- und Rckenflossen, und der Fisch ist auch schon fast
spurlos verschwunden. In Wirklichkeit vollzieht sich die Sache nach den
Beobachtungen E. Schmidts so, da die Flunder einmal fest mit dem ganzen
Krper den Sand peitscht, der dadurch etwas ausgehhlt wird. Zugleich
schaufelt sie mit den groen Randflossen Sand auf die Krpermitte, der
durch die dabei erzeugte Strmung gleichmig ber den ganzen Fisch
verteilt wird und diesen so dem Blick des Beobachters oder im Freien dem
Auge des gierigen Raubfisches entzieht. Das eben erwhnte Auge der
Plattfische verdient in doppelter Beziehung noch eine kurze Wrdigung.
Einmal ist es das einzige mir aus eigener Anschauung bekannte Fischauge,
das einen gewissen seelischen Ausdruck widerspiegelt: es schaut frmlich
klug, ja schelmisch und listig in die von unliebsamen Gefahren aller Art
erfllte Unterwasserwelt. Zugleich sind diese prachtvoll gefrbten Augen,
die durch eine stark entwickelte Nickhaut geschtzt erscheinen, von einer
hchst seltsamen Beweglichkeit, denn sie knnen nicht nur nach den
verschiedensten Richtungen hin willkrlich gedreht, sondern auch wie die
der Frsche aus ihren Hhlen hervorgehoben und wieder zurckgezogen
werden. In diesem unausgesetzten Augenspiel spiegelt sich jede seelische
Erregung des Fisches ebenso deutlich wieder wie die des Hundes in seinen
Schwanzbewegungen oder die gewisser Vgel in dem verschiedenartigen
Zucken mit den Flgeln. Das Allermerkwrdigste ist aber nun der Umstand,
da bei der ausgebildeten Scholle beide Augen auf ein und derselben
Krperseite liegen, wie berhaupt ihre ganze Kopfbildung derart
unsymmetrisch ist, ja so verschroben erscheint, da sie in dieser
Beziehung im gesamten Wirbeltierreiche geradezu einzig dasteht. Freilich
ist dem nicht von allem Anfang an so. Die dem Ei entschlpften und sich
massenhaft an der Oberflche des Meeres herumtreibenden jungen Schollen
sind nmlich noch ganz nach dem regelrechten Fischtypus gebaut, schwimmen
auch in der sonst allgemein blichen Weise mit dem Rcken nach oben und
dem Bauch nach unten, haben auf jeder Gesichtshlfte je ein Auge und
bergen im Innern ihres beraus zarten, fast glashellen und durchsichtigen
Krpers eine stark entwickelte Schwimmblase, whrend zugleich die
sonstige Beschaffenheit der inneren Organe unverkennbar darauf hinweist,
da makrelenartige Hartflosser etwa vom Typus der Gattung Zus
(Petersfische) ihre dereinstigen Vorfahren gewesen sein mssen. Aber
schon nach kurzer Frist gehen sie vom lockeren Herumschwrmen zu einer
soliden und unttigen Lebensweise ber, indem sie immer grere Zeitrume
in trger Ruhe auf dem Boden verbringen und sich hierbei auf eine Seite
legen. Dieser neuen Lebensart pat sich nun ihr ganzer Organismus in
einer ans Wunderbare streifenden Weise an. Der Krper wird immer flacher
und platter, bis er schlielich die fast scheibenfrmige Form erreicht,
die uns von den gerucherten Flundern her so wohl vertraut ist. Die dem
Sand aufliegende Unterseite bleibt mehr oder minder farblos, whrend die
Oberseite das geschilderte Farbwechselvermgen erhlt. Die berflssig
gewordene Schwimmblase verkmmert rasch und verschwindet schlielich
gnzlich, ein Vorgang, der durch den starken Druck von Wasser und Sand
und durch die Einengung der Bauchhhle wesentlich beschleunigt wird. Das
auf der Unterseite nutzlos gewordene Auge aber rckt allmhlich ber die
Scheitelmitte hinweg, und bei solchen Arten, bei denen die Rckenflosse
bis zum Scheitel reicht, sogar unter jener hindurch zur Oberseite
hinber, die auf diese Weise zwei wohl ausgebildete Augen erhlt. Wie der
absonderliche Vorgang eigentlich des nheren zu erklren ist, darber
herrscht unter den Gelehrten noch keineswegs vllige Einstimmigkeit.
Whrend die einen von einem ungleichmigen Wachstum beider
Schdelhlften sprechen, fassen andere die Augenwanderung als eine mehr
aktive auf, wobei der Einflu des Lichtes der wirksame Faktor sein soll.
Jedenfalls erfolgt sie schon zu einem Zeitpunkte, wo die Schdelknochen
noch weich und knorpelig sind, also keinen groen Widerstand
entgegensetzen. Hand in Hand damit geht auch eine entsprechende
Vernderung der Augenmuskeln, deren sptere, auffallend groe
Beweglichkeit damit im engsten Zusammenhange stehen mag. Ebenso wird das
Maul vollstndig nach oben verdreht, so da der alte Gesner ganz recht
hat, wenn er von einem widerwrtig gesetzten Kopf spricht. Da die
jungen Schollen schon sehr frhzeitig zu der dem Meeresboden anklebenden
Lebensweise bergehen und von ihren verschiedenen Schutzmitteln gar bald
den besten Gebrauch zu machen wissen, sind sie weit weniger als andere
Jungfische den Nachstellungen der Meeresruber preisgegeben, und so
erklrt es sich, da die Menge der Plattfische in allen Meeresteilen mit
geeignetem Untergrund (Schlamm und Schlick wird gemieden, Sand vor feinem
Gerll und dieses vor grobem bevorzugt) eine gewaltig groe ist, obschon
die Zahl der im Sptfrhling oder Frhsommer abgesetzten, frei, nahe der
Oberflche, treibenden und deshalb nur wenig geschtzten Eier nur eine
verhltnismig geringe ist, jedenfalls der vieler anderer Fische weitaus
nachsteht. So kommt es, da die Plattfische, die sich durch ein
auerordentlich schmackhaftes Fleisch auszeichnen, das bei seiner
Haltbarkeit sich namentlich auch zum Versand nach dem Binnenlande eignet,
volkswirtschaftlich eine groe Rolle spielen und ihr Fang jahraus jahrein
Tausende von Fischern an den Nord- und Ostseeksten beschftigt, wobei
freilich die deutschen so ziemlich in letzter Reihe stehen oder doch
wenigstens vor kurzem noch standen. Die schnen Zeiten allerdings, wo auf
dem Londoner Markte das Dutzend dreipfndiger Goldbutten vergeblich um
einen Penny ausgeboten wurden, sind leider wohl fr immer vorber, ja bei
einigen besonders geschtzten Arten, wie bei der delikaten Seezunge,
macht sich infolge allzu schonungsloser Nachstellungen schon eine so
besorgniserregende Abnahme bemerkbar, da man bereits auf das
Aushilfsmittel der knstlichen Zucht verfallen, dabei ber das Stadium
der Versuche aber noch nicht viel hinausgekommen ist. Tagsber ruhen die
Schollen gewhnlich trge im Sande, und erst gegen Abend beginnen sie zur
Jagd auszuziehen, wobei sie sich unter wellenfrmiger Streckung des auch
jetzt flach liegenden Leibes und seiner sehr schmiegsamen Flossen recht
zierlich vorwrts bewegen und dabei die Schwanzflosse gewissermaen als
die treibende Schiffsschraube benutzen. Die kleineren Arten begngen sich
mit allerlei Gewrm, Krebs- und Muscheltierchen, aber die groen sind
tchtige Ruber, die sich selbst an die wehrhaften Rochen wagen. Bedrohte
Plattfische schieen blitzschnell im Zickzack durchs Wasser, um sich dann
schleunigst wieder im schtzenden Sande einzupaddeln.

[Illustration: Abb. 9. Flunder (_Pleuronectes flesus._)
(Phot. von Oberlehrer W. Khler, Tegel.)]

Die dem Binnenlnder wenigstens von genossenen Tafelfreuden her
bekanntesten Arten sind der stattliche =Steinbutt= (_Rhmbus mximus_),
der eine Lnge von 1 kg und ein Gewicht von 35 kg erreichen kann (Abb.
10, Fig. 4), und die wesentlich kleinere =Flunder= (_Pleuronctes
flsus_), die hufig auch in unseren Binnengewssern gefangen wird, da
sie sich mit Vorliebe in den Strommndungen aufhlt und von hier gern
weite Wanderungen stromaufwrts unternimmt (Abb. 9). Da sie sich also mit
Leichtigkeit an Swasser gewhnt, weshalb auch Zuchtversuche mit ihr
viel aussichtsreicher wren, als mit anderen Arten, sind die
allerliebsten kleinen Jungflundern geeignete Aquarienfische, die sehr
viel Vergngen gewhren, obschon ihre Eingewhnung und Pflege doch nicht
ganz so einfach ist, wie Brehm angibt. Eine hufige Erneuerung oder eine
sehr starke Durchlftung des Wassers und ein ganz niedriger Wasserstand
scheinen in Verbindung mit durchaus sparsamer Ftterung die unerllichen
Bedingungen fr ihr Gedeihen zu sein. Weiter wren noch zu nennen der in
den deutschen Meeren ziemlich seltene, mchtige =Heilbutt= (_Hippoglssus
vulgris_), der doppelt so gro und schwer wird wie der Steinbutt, der
=Goldbutt= (=Pleuronctes platssa=) und die feiste =Seezunge= (_Slea
vulgris_), womit aber die Liste der regelmig oder gelegentlich bei uns
vorkommenden Arten noch lange nicht erschpft ist. Bei der durch
besondere Trgheit ausgezeichneten Seezunge finden wir auer der
Farbanpassung auch noch eine echte =Mimikry=-Erscheinung (Nachffung
eines giftigen oder sonstwie besonders gefhrlichen Tieres durch eine an
sich harmlose und wehrlose Art), wie sie sonst im Reiche der Fische nur
selten vorkommt. Mastermann hat nmlich beobachtet, da aufgestrte
Seezungen, sobald ihnen das Versteckenspiel nichts mehr ntzt, die stark
ausgebildete und mit einem groen, tiefschwarzen Fleck versehene rechte
Brustflosse scharf aufrichten und gleich einem dsteren Todesbanner
ausbreiten, gerade so, wie es das =Petermnnchen= (_Trachnus drco_)
macht, das bekanntlich giftig ist.

[Illustration: Abb. 10. 1 Dornhai. 2 Nagelroche. 3 Scholl. 4 Steinbutt. 5
Seeteufel. 6 Knurrhahn. 7 Seehase. 8 Seepferdchen.]

Es gibt nmlich, obwohl man das frher stark angezweifelt hat,
tatschlich =giftige Fische=, und ihre Zahl ist sogar durchaus nicht
gering, wenn auch die meisten davon in ihrer Verbreitung auf tropische
und subtropische Gewsser beschrnkt sind. Entweder sitzen die
sackartigen Giftdrsen im Maule und treten beim Bisse des Tieres in
Wirksamkeit, wie es z. B. bei den von den Fischern des Mittelmeers
deshalb sattsam gefrchteten Murnen der Fall ist, oder sie befinden sich
am Grunde durchbohrter oder gefurchter, besonders harter und spitziger,
bisweilen auch wie sprdes Glas abbrechender und in der Wunde stecken
bleibender Stacheln an den Kiemendeckeln, Rcken- oder Schwanzflossen. So
vermag auch das Petermnnchen mit seinen scharfen Rckenstacheln recht
empfindlich zu verletzen, und das dann in die Wunde eindringende Gift
zieht etwa dieselben Folgen nach sich, wie ein tchtiger Skorpionstich,
whrend sie bei gewissen exotischen Formen noch weit unangenehmer sind.
Obwohl das Fleisch des Petermnnchens recht wohlschmeckend und auch
durchaus bekmmlich ist, wollen deshalb die Fischer nicht viel von dem an
sich recht hbschen Fisch wissen, sondern werfen ihn in vielen Gegenden,
wenn er einmal zufllig mit in ihre Netze geriet, wieder ins Meer
zurck, gewissermaen als eine Art Opfergabe fr Petrus, den
Fischerschutzheiligen, wodurch sich auch der auffllige Name des
eigentmlichen Geschpfs erklren mag. Es bewohnt sandige, aber nicht zu
flache Stellen unserer Meere und whlt hier seinen stark
zusammengepreten, messerartigen Leib gewhnlich so weit im Boden ein,
da nur die vorstehenden, nach oben gerichteten Augen herausragen. Sowie
sich aber eine Garnele oder ein kleines Fischchen in der Nhe blicken
lt, schnellt der Ruber mit einem pltzlichen Ruck hervor, erhascht und
verschlingt sein Opfer und lt sich dann mit zierlichem, wellenfrmigem
Schwung wieder zum Boden herabtaumeln, indem er gleichzeitig durch
hastige Bewegungen der langen Bauchflosse eine Sandwolke erzeugt und sich
geschickt in diese einbettet. Gefrchteter noch als unser Petermnnchen
ist der gleichfalls zu den Panzerwangen gehrige =Zauberfisch=
(_Synancja verrucsa_), der im Roten, Indischen und Stillen Meere
vorkommt. Wie das Petermnnchen hlt sich auch diese Art zwischen Steinen
und Seetangen, halb im Schlamm vergraben, am Meeresgrunde versteckt und
ist fr die nackten Fe der zum Baden oder Schwimmen ins Wasser gehenden
Strandbewohner um so gefhrlicher, als seine warzige Haut in ihren
Farbentnen so genau der Umgebung entspricht, da auch das schrfste Auge
ihn kaum von ihr zu unterscheiden vermag. Sobald aber jemand auf ihn
tritt, erhebt er sich, spreizt die Rckenstacheln und bohrt sie tief in
den Fu des Unglcklichen. Klunzinger lernte Flle kennen, wo ein solcher
Stich sofortige Ohnmachtsanflle zur Folge hatte, ja sogar Todesflle
sollen vorkommen, wenn auch wohl nicht unmittelbar durch den Stich,
sondern wahrscheinlicher durch Brandigwerden der vielleicht schlecht
behandelten Wunde. Bei diesen beiden Arten wie auch bei dem von den
franzsischen Fischern bestgehaten =Vipernfisch= (_Trachnus vpera_)
stellt sich das Gift dar als eine bluliche, leicht opalisierende
Flssigkeit, die namentlich auf Herz und Rckenmark einwirkt. Bei anderen
Fischen scheint das ganze Blutwasser wenigstens zeitweise giftige
Eigenschaften zu besitzen, weshalb auch ihr Genu schwere
Gesundheitsstrungen nach sich ziehen kann. Doch scheinen dabei auch
rtliche Verhltnisse eine noch wenig aufgeklrte Rolle zu spielen, indem
das Fleisch der gleichen Fischart je nach seiner Herkunft sehr gefhrlich
oder vllig unschdlich sein kann. So fand Johannes Mller auf den
Marschallinseln einen von den Eingeborenen =Langi= genannten
makrelenartigen Fisch, dessen Fleisch, wenn es in der Lagune erbeutet
war, heftige Vergiftungserscheinungen zeitigte, sich dagegen als
wohlbekmmlich erwies, wenn die Fische dem freien Meere entstammten. Auch
die Lagunenfische verloren ihre unangenehme Eigenschaft, wenn man sie vor
dem Abtten fr einige Wochen in Brackwasser setzte. Mller vermutet, da
das Stagnieren des Lagunenwassers mit der Giftwirkung in Zusammenhang
stehe, die ihrerseits in ihren Erscheinungen stark an Alkoholgift
erinnere. Die giftigsten Geschpfe des Ozeans sind ohne Zweifel die
verschiedenen Arten von Seeschlangen, die freilich nicht etwa mit den
berchtigten Seeschlangen seefahrender Mnchhausens gleichbedeutend sind.
Auch von dem blen Rufe dieser gefrchteten Tiere haben gewisse Fische
durch eine weit getriebene Mimikry Nutzen gezogen. Selbst ein so gebter
Forscher wie Dahl hielt den ersten derartigen Fisch aus dem Indischen
Ozean, der ihm zu Gesichte kam, zunchst fr eine Seeschlange und
erkannte erst bei nherer Untersuchung seine Fischnatur. Der Krper war
ganz schlangenartig, das Flossenwerk bis auf einen schmalen, kaum
wahrnehmbaren Saum rckgebildet, und auch die prachtvolle Frbung der in
den gleichen Meeresteilen lebenden Seeschlangen, hellblau mit
tiefschwarzer Ringelung, fehlte nicht.

Die oben erwhnten =Murnen=, die den rmischen Schlemmern als ein
ausgesuchter Leckerbissen galten und auch heute noch auf den Fischmrkten
der Mittelmeerlnder sich groer Beliebtheit erfreuen, haben auf ihrem
glatten, aalartigen und schuppenlosen Fettleib gleichfalls recht hbsche
Zeichnungen aufzuweisen. So ist =Murana hlena=, die hufigste Art, auf
gelblichem Untergrunde in reizender Musterung dunkelbraun marmoriert.
ber den Charakter dieser am Meeresgrund in zerklftetem Gefels und
zwischen Steinblcken in der Nhe der Kste hausenden Fische ist aber
wenig Rhmliches zu sagen, denn sie gehren zu den znkischsten,
boshaftesten und gefrigsten Tieren, worauf schon ihr tief gespaltener,
zahnstarrender Rachen hinweist. Ungeschickte Fischer (man pflegt die
Murnen zu angeln) haben schon oft durch die langen und spitzen Zhne der
wtenden und sich nach Krften wehrenden Gefangenen empfindliche
Verwundungen davongetragen. Das offene, sich unablssig bewegende Maul
sieht aus, als ob es bestndig keife, und es klingt ganz glaubhaft, da
diese Biester, wenn sie nicht genug Tintenschnecken und Krebse zur
Stillung ihres gewaltigen Hungers finden, sich gegenseitig die Schwnze
abknabbern. Noch aalartiger als die dazu etwas zu hoch gebauten Murnen
sieht der 3 kg lang und 50 kg schwer werdende =Meeraal= (_Cnger
vulgris_) aus, der gleich unserem Fluaal ein jugendliches Larvenstadium
als Leptocephalus durchmachen mu und schon dadurch seine nahe
Verwandtschaft zu ihm erweist. Auch der Meeraal ist ein gefriger
Raubfisch, selbst jedoch wenig schmackhaft, hlt sich aber dafr gut im
Aquarium. Gefangen wird er hauptschlich in dunklen Nchten an mit
Pilchards gekderten Legangeln, und da sein Fleisch sehr niedrig im
Preise zu stehen pflegt, findet es immerhin willige Abnehmer.

Nicht so hufig wie des Giftes bedienen sich einzelne Fische der
=elektrischen Kraft= zur Abwehr oder zur Lhmung ihrer Beute, und sie
stehen in dieser Beziehung im Tierreiche einzig da. Am meisten ist die
Fhigkeit, elektrische Schlge auszuteilen, bei zwei Swasserfischen
ausgebildet, dem sdamerikanischen, von Humboldt so glnzend
geschilderten Zitteraal und dem afrikanischen Zitterwels, aber auch einer
der gewhnlichsten Charakterfische des Mittellndischen Meeres, nmlich
der =Zitterrochen= (_Torpdo marmorta_) gehrt hierher. Dieser flach,
plump und breit gebaute, 1-1/2 kg lang, 1 kg breit und 30 kg schwer
werdende Fisch war gerade seiner allerdings nicht richtig gedeuteten
elektrischen Eigenschaften wegen schon den Alten bekannt und spielte in
ihrer Arzneikunst eine nicht geringe Rolle; namentlich Claudius Galenus,
nchst Hippokrates der berhmteste Arzt des Altertums, empfahl im 2.
Jahrhundert n. Chr. das Auflegen von Zitterrochen auf den kranken
Krperteil, weil sie eine heilsame magnetische Wirkung ausben sollten.
Die Griechen nannten den Zitterrochen wegen der durch seinen Schlag
hervorgerufenen Lahmlegung des ihn berhrenden menschlichen oder
tierischen Krpers Narke, d. h. der Betubende (daher auch narkotisieren
= betuben), die Rmer Torpedo, d. i. der Lahmleger. In der Tat vermag
ein krftiger alter Zitterrochen durch seinen Schlag den Arm eines Mannes
zu lhmen, wenn seine elektrische Kraft auch nicht an die des Zitteraals
heranreicht, und es ist deshalb beim Baden in an Zitterrochen reichen
Meeresteilen immerhin eine gewisse Vorsicht angebracht. Nach mehreren,
kurz aufeinander folgenden Entladungen lt aber die Kraft des Fisches
nach, und schlielich vermag er nur noch ein leises Zittern hervorzurufen
und bedarf dann geraumer Zeit, um seine elektrische Batterie wieder in
leistungsfhigen Zustand zu versetzen. Im Wasser wirkt der Schlag strker
als in der Luft, und er wird um so heftiger empfunden, je grer die
berhrte Flche ist. Um ihn auszulsen, mssen die positiv-elektrische
Rcken- und die negativ-elektrische Bauchseite des Fisches gleichzeitig
berhrt werden, wobei aber schon die Herstellung einer mittelbaren
Verbindung durch ein Stck Tau oder dergleichen gengt, und zwar ist die
Wirkung an der dicksten Krperstelle des Fischleibes am merklichsten. Die
Entladung ist aber auch vom Willen des Tieres abhngig, stellt sich also
erst dann ein, wenn man es gengend reizt. Da es sich bei alledem
wirklich um elektrische Erscheinungen handelt, ist nicht nur durch die
physiologischen Wirkungen, sondern auch durch chemische Versuche
(Wasserzersetzung, Zerlegung von Jodkalium, Wrmeentwicklung)
unzweifelhaft nachgewiesen. Erzeugt wird die Elektrizitt in einem
besonderen, sehr umfangreichen Organ, das zu beiden Seiten des
Rckenmarkes einen betrchtlichen Raum im vorderen Teile des Fischkrpers
ausfllt und aus zahlreichen, nach Art der Bienenzellen
aneinandergereihten Scheiben oder Platten besteht, die heute von den
meisten Gelehrten als abgendertes Muskelgewebe gedeutet werden. Vom
vierten Lappen des Kleinhirns entsendet der lobus electricus eine Reihe
von Nervenpaaren in dieses Organ, die sich daselbst rasch aufs feinste
verzweigen, und als eine krnig-schleimige Masse in Form kleiner
Kugelzellen endigen. Die einzelnen Scheibchen sind zu Sulen
zusammengestellt, und zwar beim Zitterrochen so, da ihre Achsen von der
Rcken- zur Bauchseite gerichtet sind, whrend sie beim Zitteraal und
Zitterwels in der Lngsrichtung des Fischkrpers verlaufen. D'Arsonval,
dem wir die wohl beste und einleuchtendste Erklrung der ganzen, in ihren
Einzelheiten noch rtselhaften Erscheinung verdanken, ist der Ansicht,
da die Tausende von Zellen im elektrischen Organ bei einer strkeren
Reizung des Tieres einer augenblicklichen Formvernderung des
Protoplasmas unterliegen, und wenn auch der Spannungsunterschied jeder
einzelnen noch so gering ist, mu doch ihre Gesamtheit eine immerhin
bedeutende Wirkungskraft hervorrufen, wie sie nach den Untersuchungen
Lippmanns stark genug ist, den elektrischen Strom auszulsen. Die
erzeugten Wechselstrme verdanken also ihre Entstehung molekularen
Formvernderungen, und damit ist auch ihre Abhngigkeit vom Willen des
Tieres erklrt. Du Bois-Reymond, der sich viel mit den galvanischen
Batterien dieser Fische beschftigte, hat die ganz begrndete Frage
aufgeworfen, wie es wohl kommen mge, da die Zitterfische nicht selbst
die ersten Opfer ihrer Entladungen werden. Eine befriedigende Erklrung
fr diese merkwrdige Erscheinung konnte noch nicht gefunden werden, man
mu sich daher einstweilen mit der auch durch Versuche nachgewiesenen
Tatsache begngen, da diese merkwrdigen Geschpfe nicht nur gegen ihre
eigenen, sondern auch gegen von auen zugefhrte elektrische Entladungen
gnzlich unempfindlich sind.

[Illustration: Abb. 11. Nagelrochen (_Raja clavata_), einen Monat alt.
(Phot. von F. Ward.)]

Die sehr kleinen Jungen des Zitterrochens kommen lebend zur Welt und
gleichen nach Krperbau und Bewegungsart jungen Haien, haben also noch
nicht die flache Rochengestalt. Deren Wirkung wird noch dadurch stark
gesteigert, da die paarigen Flossen mchtig entwickelt und seitlich weit
ausgebreitet sind, fast wie Fledermausflgel, whrend Schwanz- und
Afterflosse fehlen und die verkmmerten Rckenflossen dem dnnen, langen
Schwanze aufsitzen, der als ein schmchtiges Anhngsel dem breiten Leibe
entwchst. Der quergestreckte Mund ist ganz auf die Unterseite gerckt,
noch etwas rckwrts und seitwrts von ihm liegen die groen
Kiemenspalten. ber die Lebensweise, die derart gestaltete Fische fhren
mssen, kann von vornherein kein Zweifel sein. Es sind trge Bodenfische,
die meist ruhig auf oder im Sande ruhen und nur pltzlich hervorschieen,
wenn sich ihren sphenden Augen etwas Geniebares beut. Zumeist ist
brigens die Nahrung der Rochen auf Krebstiere und Jungfische beschrnkt,
da sie trotz ihrer Gre wegen des eigenartigen Mund- und Zahnbaues
umfangreichere Bissen nicht zu bewltigen vermgen. Wohl aber schwimmen
sie mit ihren breiten Seitenflossen vorzglich und schieen durchs Wasser
wie Vgel durch die Luft. Das Gebi ist furchtbar, denn auch die
hrtesten Panzerkrebse werden zwischen den kraftvollen Kiefern ohne
Umstnde zermalmt. Hauptwaffe der Rochen ist ihr langer Schwanz, mit dem
sie bei Gefahr nach allen Richtungen hin wtend die Fluten durchpeitschen
und dem Gegner die empfindlichsten Verletzungen beibringen, zumal bei
manchen Arten dieses Glied noch mit spitzen, angelartigen Stacheln
besetzt ist, nicht selten sogar hinzutretende Blutvergiftung die
geschlagenen Wunden lebensgefhrlich macht. Dies wird schon von dem
kleinen, kaum meterlangen =Nagelrochen= (_Rja clavta_) unserer Ksten
berichtet, bei dem sich die druenden Stacheln auch auf der Mittellinie
des Rckens noch fortsetzen (Abb. 11). Diese Art, deren Fleisch im
sdlichen England whrend der Wintermonate gern gegessen wird, pflanzt
sich durch Eier fort, doch ist deren Zahl auf 6-10 beschrnkt, und das
ist gut so, denn wenn die geringe Fortpflanzungsfhigkeit der Rochen
nicht wre, wrden diese schdlichen Raubfische vermge ihrer furchtbaren
Bewaffnung bald ein schdliches bergewicht in den Meeren erlangen. So
aber schafft die Natur immer wieder den ntigen Ausgleich und stellt das
harmonische Gleichgewicht her. Bei der Nahrungssuche schweift der
Nagelrochen unter wellenfrmigen Schaukelbewegungen niedrig ber dem
Meeresboden dahin, und sowie seine uerst empfindliche Unterseite etwas
Geniebares berhrt, deckt er es mit seinem breiten Leibe und den groen
Seitenflossen und zermalmt es zwischen seinen harten Kiefern. Im Spielen
kommen diese seltsamen Fische bisweilen aber auch an die Oberflche
empor, indem sie senkrecht auf- und niedertauchen und dabei zierlich
tnzelnde Bewegungen vollfhren. Der gefrchtete =Stechrochen= (_Trygon
pastinca_) der tropischen Ksten hat an seinem langen, dnnen Schwanze
zwar nur einen einzigen Stachel, aber dieser ist sgeartig gezhnt. Kommt
dem gewhnlich im Sande oder Schlamm bis an die Augen vergrabenen Fisch
etwas Verdchtiges zu nahe, so schwingt er seine Waffe wie eine Peitsche,
und der Stachel verursacht dann gar bse und schmerzhafte, sehr schwer
heilende Wunden. Die sagenumwobenen =Teufelsrochen= (im Mittelmeer findet
sich noch am ehesten _Dicerbatis girnae_) haben zwar auch den Schwanz
zu einer Peitschenschnur ausgezogen, aber die Stacheln fehlen, denn fr
diese Meerungeheuer ist schon ihre fabelhafte Gre gengender Schutz.
Hat man doch schon solche Seeteufel von 3-5000 kg Gewicht gefangen, in
deren Maule ein sitzender Mensch bequem Platz hatte und deren Breite 6-9
kg betrug. Dabei schieen diese mit schier dmonischer Kraft begabten
Ungetme doch auerordentlich behend durchs Wasser und bewegen sich in
ihm mit Hilfe ihrer zu riesenhaften Fledermausflgeln umgewandelten
Seitenflossen in frmlichen Raubtiersprngen vorwrts. Harpunierte
Teufelsrochen schnellen sich sogar im Sprung aus dem Wasser heraus, und
wenn sie dann auf das Boot niederfallen, wird dieses durch ihr ungeheures
Gewicht unrettbar zerschmettert. Man verwendet deshalb bei dieser
gefhrlichen Jagd ganz besonders gebaute und ausgerstete Boote mit
luftgefllten Zinnbehltern. Kennzeichnend fr die in kleinen Trupps
zusammenlebenden Teufelsrochen sind zwei armsdicke, meterlange,
fleischige, bestndig in Bewegung befindliche Taster am Kopf in der Nhe
der Augen. Vielleicht hat Schiller an dieses so vorsintflutlich anmutende
Scheusal des Meeres gedacht, als er in seinem Taucher von scheulichen
Klumpen sang, denn der unfrmlich breite Leib mit dem langen
Peitschenschwanz und der widerwrtige Schleimberzug der schmutzig
gefrbten Haut machen diese furchtbaren Riesenrochen in der Tat zu hchst
abschreckenden Erscheinungen.

Die Rochen gehren wie die Haie zu den Knorpelfischen; den bergang
zwischen diesen beiden groen Gruppen mgen uns des Hammers greuliche
Ungestalt und der abenteuerlich geformte =Sgefisch= (_Prstis
antiqurum_) vermitteln. Dieser gehrt seinem Aussehen nach zu den Haien,
nach seinem inneren Krperbau aber zu den Rochen und ist sehr
ausgezeichnet durch den zu einer bis 2 kg langen Doppelsge ausgezogenen
Oberkiefer. Mit dieser furchtbaren Waffe soll der Sgefisch kleinere
Fische frmlich zersbeln, aber auch greren, selbst Delphinen und Walen
bei lebendem Leibe ganze Stcke Fleisch herausreien oder die Eingeweide
zum Hervorquellen bringen, um sie zu verschlingen. Sicheres darber
wissen wir nicht, sind berhaupt ber die Lebensweise dieser
absonderlichen Fische erst hchst drftig unterrichtet. Kann man den
Sgefisch als einen Rochen in Haigestalt bezeichnen, so darf umgekehrt
der auch in der Nordsee gelegentlich vorkommende =Meerengel= (_Rhna
squtina_) ein Hai in Rochengestalt genannt werden. Er ist ein
stumpfsinniger und trger Bodenfisch, ein wahres Faultier des Meeres und
macht seinem schnen Namen wenig Ehre. In diesem Zusammenhange sei auch
gleich noch die verwandte =Seekatze=, Chimre oder Spke (_Chimara
monstrsa_) erwhnt, ein gar absonderlicher Fisch mit mchtigem Dickkopf,
kegelfrmiger Schnauze, aufrichtbarem, gestacheltem Stirnfortsatz (daher
auch Knigsfisch), dnnem Fadenschwanz (Seeratte), flgelartigen
Brustflossen, auffallend stark ausgeprgter Seitenlinie und in
metallischem Grn funkelnden Augen. Sie hat schon im Devon,
wahrscheinlich sogar schon im Silur unmittelbare Vorfahren gehabt, stellt
also ein uraltes Geschlecht dar. Heute frchten die Fischer ihr
zermalmendes Gebi, schtzen aber ihre lreiche Leber zur Bereitung von
Wundsalben. Der =Hammerfisch= (_Zygana mlleus_) endlich konnte kaum
einen anderen Namen erhalten, weil sein ungefger Kopf unwiderstehlich an
die Hammergestalt erinnert und um so auffallender wirkt, als die Augen an
den uersten Enden der knorpeligen Seitenvorsprnge sitzen. Diese wilde
und verwegene scharfbezahnte Bestie wird ber 4 kg lang, 2-300 kg schwer
und hlt sich zumeist auf schlammigem Meeresboden auf, wo sie heihungrig
auf die kleineren Rochenarten Jagd macht.

Die =Haie= selbst gelten als die Hynen des Meeres, und noch
treffender knnte man sie als die Wlfe der Salzflut bezeichnen. Ihre
Raubgier und Unersttlichkeit, ihre Hinterlist und Verwegenheit sind
sprichwrtlich geworden. Sie sind eine wahre Geiel der warmen Meere und
werden nicht selten auch dem Menschen gefhrlich, verleiden ihm das
erquickende Bad und erschweren ihm das Tauchen nach Perlen und anderen
Meeresschtzen. Immerhin ist auch viel ber sie gefabelt, und ihre
Menschenfresserei stark bertrieben und aufgebauscht worden. So viel
drfte sicher sein, da die groe Mehrzahl der Menschenteile, die man in
erlegten Haien vorfindet, von den Leichen Ertrunkener herrhrt.
Vielleicht bilden sich auch unter den Haien in hnlicher Weise bestimmte
Menschenfresser heraus wie unter den Lwen und Tigern, whrend anderseits
sowohl aus den nordischen wie aus den tropischen Meeren Beispiele genug
dafr bekannt sind, da sich Menschen beim Baden oder gelegentlich
irgendwelcher Verrichtungen unbesorgt und ungestraft stundenlang unter
ganzen Scharen von Haifischen tummelten. Natrlich macht Gelegenheit
Diebe, auch im Wasser, und es steht fest, da Schiffskatastrophen,
Seeschlachten und Erdbeben in Kstenlndern immer auch mehr oder minder
auffallende Ansammlungen von Haifischen zur Folge haben, die bei solchen
Gelegenheiten bequem Beute machen und den ins Wasser gefallenen
Menschenkindern ein lebendes Grab bereiten. Besonders arg sollen sie's
whrend und nach der Seeschlacht von Abukir getrieben haben, und ebenso
zeigten sich nach dem Erdbeben von Messina ungewhnlich viele Haie. Ein
dort einige Wochen spter gefangener _Carchrodon carchrias_ z. B. hatte
die traurigen Reste von nicht weniger als 3 Menschen im Leibe, und zwar
ergab sich aus den genauen Untersuchungen Prof. Condorellis, da das
Ungetm die Unglckseligen, die wohl whrend des Bebens von einer
Flutwelle in die See hinausgesplt worden waren, noch lebend verschluckt
haben mute. Die einzelnen Leichenteile waren noch ganz frisch, wieder
ein Beweis dafr, wie auffallend langsam die Verdauungsttigkeit im
Haifischmagen vor sich geht. Der Seeminenkrieg mit seinen starken
Erschtterungen des Wassers scheint dagegen weniger nach dem Geschmack
der Haie zu sein. Wenigstens wird behauptet, da die vielen Seeminen im
russisch-japanischen Kriege eine ersichtliche Abwanderung der gerade in
den chinesischen Gewssern sonst sehr zahlreichen Haie bewirkt htten und
da die greulichen Raubfische dafr in der Adria ungewhnlich zahlreich
aufgetreten seien. Letzteres ist nicht zu leugnen und steht wohl damit im
Zusammenhang, da seit Erffnung des Kanals von Suez den Haien das
Einwandern vom Indischen Ozean zum Mittelmeer sehr erleichtert worden
ist, weshalb auch am schnen Strande der Riviera manchmal der
Schreckensruf Ein Hai! das sorglose Badeleben strt. Im Jahre 1908
wurde dort ein riesiger Menschenhai gefangen, und selbst in unseren
Meeren kommt dies gelegentlich vor, namentlich bei Helgoland, wo ein im
Januar 1907 mit dem Grundnetz erbeuteter Hai nicht weniger als 3 Zentner
Heringe im Leibe hatte. Die Fregier dieser Tiere leistet eben
Unglaubliches, und bestndig scheint sie nagender Heihunger zu qulen
und zum gierigen, wahllosen Verschlingen auch der scheinbar
ungeeignetsten Gegenstnde anzuspornen. Deshalb findet man in
Haifischmgen oft die absonderlichsten Dinge, namentlich oft Sardinen-
und Konservenbchsen, wie sie von Bord der Schiffe ins Meer geworfen
werden. Denn die Haie folgen mit Vorliebe den Schiffen, weil es da immer
etwas fr sie zu ergattern gibt. Trotz ihrer glnzenden Schwimmleistungen
vermgen sie freilich das Wettrennen mit einem modernen Ozeandampfer
nicht lange auszuhalten, sondern bleiben bald zurck, whrend sie die
langsamen Segelschiffe tage- und wochenlang umkreisen und sich dann wenig
daraus machen, wenn die Reise von einem Meere in ein anderes geht und von
den Tropen zu den Eisbergen fhrt oder umgekehrt, weshalb die
Verbreitungsbezirke der einzelnen Arten so schwer gegen einander
abzugrenzen sind. Fangen die Matrosen bei eintretender Windstille an,
sich zu langweilen, dann bietet ihnen der Haifischfang erwnschte
Abwechslung in ihrem eintnigen Dasein. Denn so scharfsinnig, klug und
verschlagen der Hai sonst auch ist, seine grimmige Fregier verleitet ihn
doch zu den trichtsten Streichen; blindlings schnappt er auch auf den
plumpsten Kder los, und namentlich der Lockung eines tchtigen
Speckbrockens vermag er nur in den seltensten Fllen zu widerstehen. Um
ihn mit dem unterstndigen Maule zu fassen, mu er sich erst auf den
Rcken oder doch auf die Seite wlzen. Unter dem Triumphgeschrei der
Matrosen wird dann das berlistete Meeresungetm an einer starken Kette
aufs Schiff gezogen, dessen Deck alsbald von seinen drhnenden, mit
unheimlicher Kraft gefhrten Schwanzschlgen erzittert. Der Seemann hat
den Hai mit glhendem Herzen und sucht sich an ihm fr das traurige
Schicksal manches Kameraden durch ausgesuchte Grausamkeit zu rchen.
Hageldicht sausen die Hiebe auf den Gefangenen hernieder, Dutzende von
Messern zerwhlen seinen zuckenden Leib, spitze Harpunen durchbohren
seinen Kopf, die riesige Leber fliegt in den bereitgestellten Bottich,
und doch will die gehate Bestie nicht verenden, denn die Lebenszhigkeit
der Haie streift ans Unglaubliche. Das Herz soll noch 20 Minuten lang
schlagen, nachdem es dem Krper entnommen wurde. Whrend die Leber zur
Trangewinnung benutzt wird und die krnige Haut als Chagrin mancherlei
Verwendung erfhrt, findet das belriechende Fleisch nur selten einen
Liebhaber, soll aber in unserer Zeit der Fleischteuerung unter der Flagge
des Seeaals doch hin und wieder auf die Fischmrkte eingeschmuggelt
werden. Die Chinesen, die ja von jeher ihre absonderlichen
Geschmackseigenheiten gehabt haben, erblicken aber wenigstens in den
Haifischflossen einen groen Leckerbissen, der es wert ist, mit Gold
aufgewogen zu werden, und der, zu einer Art Gelee verkocht, bei keinem
vornehmen Prunkmahle fehlen darf. Unserem Gaumen aber wrde dies klebrige
Gericht kaum sonderlich behagen, denn besser als zum Essen eignen sich
die Haiflossen sicherlich zum -- Leimkochen. Wre die abstoende Fregier
der Haifische und ihre blindwtende Raubsucht nicht, man knnte sie fast
lieb gewinnen, denn sie gehren zweifellos zu den krperlich am besten
ausgersteten und zu den geistig am hchsten begabten aller Fische.
Pfeilgeschwind durchschneidet ihr langgestreckter Krper mit der
kraftvollen Schwanzflosse die Wogen, oft so nahe an der Wasseroberflche,
da die Rckenflosse ber diese hervorsieht; auf weite Entfernungen hin
wittert ihre scharfe Nase Heringsheere und Schellfischzge, frmlich
planmig umstellen sie diese und brechen dann von allen Seiten
gleichzeitig auf die Verwirrten los, jh im Angriff, blitzschnell im
Zufahren, selbst nicht ganz ungelenk in raschen Wendungen. Ortsgedchtnis
ist den Haien nicht abzustreiten, und auch das sanfte Gefhl der
Elternliebe ist diesen blutdrstigen Hynen des Meeres nicht fremd.
Viele sind vielmehr sorgsame Mtter, und der weite Rachen mit den
mehrfachen Reihen spitz dreieckiger Drachenzhne der sichere
Zufluchtsort, in den sich die Jungen beim geringsten Anzeichen von Gefahr
flchten.

Die grten Haifischarten sind durchaus nicht zugleich auch die
gefhrlichsten. Vielmehr sind gerade der bis 15 kg lang werdende
=Riesenhai= (_Selche mxima_) der Nordmeere und der ihn noch
bertreffende =Rauhhai= (_Rhnodon typicus_), berhaupt die grte
lebende Fischart, verhltnismig harmlose Gesellen, die nach Art der
Wale von allerlei kleinerem Meeresgetier leben und natrlich einer
ungeheuren Menge davon zu ihrer Sttigung bedrfen. Den Walfischjgern
helfen sie auch beim Entspecken der erlegten Meeresriesen mit, kmmern
sich aber nicht im geringsten um den Matrosen, der etwa bei dieser
unangenehmen Arbeit von dem schlpfrigen Riesenkadaver herab ins Meer
sauste. Vielmehr stellen die mittelgroen Haie die gefrchteten
Menschenfresser vor. Als ein solcher gilt mit Recht der noch keine 5 kg
lang werdende, sehr schlank gebaute und oberseits schn graublau gefrbte
=Blauhai= (_Carchrias glucus_), der auch durch Abfressen der
Kderfische und Zerreien der wertvollen Netze den Fischern im Mittelmeer
Verdrielichkeiten genug macht, deshalb grimmig von ihnen gehat und bei
jeder sich bietenden Gelegenheit schonungslos verfolgt wird. Aber gerade
sein Fang miglckt oft genug, indem der Fisch das Angeltau durchbeit
oder mit einem gewaltsamen Ruck zerreit, nachdem er es sich vorher durch
Herumwlzen mehrfach um den Leib gewickelt hat. Selbst der an Bord
gezogene Blauhai ist durch seine frchterlichen Schwanzschlge noch ein
sehr achtbarer Gegner, und die Matrosen suchen daher auch immer zuerst
durch Axthiebe den gefhrlichen Schwanz vom Rumpfe zu trennen. Noch
furchtbarer ist der strkere =Weihai= (_Carchrodon rondelti_), der mit
einem einzigen Schnapp seiner schrecklich bezahnten Kiefer einen
Menschenleib mitten auseinander zu beien vermag. Ein solches Ungetm von
10 kg Lnge, 3 kg Krperumfang und 3000 kg Gewicht wurde unlngst an der
kalifornischen Kste gefangen; sein gewaltiger Rachen zeigte eine Breite
von 3/4 kg und eine Spannhhe von mehr als 1 kg, so da 2 Kinder bequem
auf dem Unterkiefer sitzen konnten, ohne mit den Kpfen den Gaumen zu
berhren. Auch die kleinen Haie unserer Meere sind verhltnismig recht
grimmige Bursche. So schon der nur halbmeterlange =Hundshai= (_Scyllium
cancula_) und der doppelte Gre erreichende, hbsch gefleckte
=Katzenhai= (_Scyllium ctulus_), deren rauhe Haut gern zur Bekleidung
von Sbel- und Degengriffen benutzt wird, da sie der umschlieenden Hand
einen festen und sicheren Halt gewhrt. Der aufmerksame Strandwanderer
findet zur Zeit der Heringszge fters die von den Wogen an den Strand
geworfenen Kadaver dieser kleinen Haie oder auch ihre merkwrdigen, der
Fischerbevlkerung als Seemuse bekannten Eier (Abb. 13). Diese
wunderlichen Dinger sind gestreckt viereckige Hornkapseln von
gelblichbrauner Farbe und an jeder Ecke mit einem langen, gewundenen
Anhang versehen, der wie eine verdorrte Weinranke aussieht und zur festen
Verankerung des Eis an Meeresgewchsen dient. Durch einen schmalen Spalt
an jedem Eiende kann Wasser zu den Kiemen des eingeschlossenen Embryos
gelangen, und der Abschlu der Eischale ist auf eine sinnreiche Weise
derart eingerichtet, da der reife Junghai zwar leicht einen Ausweg, kein
Feind aber den Zutritt finden kann. hnlich sehen auch die Eier der
Rochen aus (Abb. 12). Dagegen gehrt der etwa gleichgroe =Dornhai=
(_Acnthias vulgris_, siehe Abb. 10, Fig. 1) zu den lebend gebrenden
Arten und ist zugleich der geselligste aller Haie. In groen Schwrmen
folgt er den Heringszgen und richtet als einer der fregierigsten Ruber
gewaltige Verwstungen unter ihnen an. Seinen Namen fhrt er deshalb,
weil der vorderste Strahl der beiden Rckenflossen zu einem starken Dorn
entwickelt ist.

[Illustration: Abb. 12. Rochen-Ei.]

[Illustration: Abb. 13. Ein Haifisch-Ei (geffnet).]

Merkwrdig ist das Verhltnis der greren Haie zu dem der Makrelengruppe
angehrigen, hbsch gebnderten =Lotsenfisch= (_Naucrtes dctor_).
Selten nur sieht man einen Hai ohne diese anhnglichen Begleiter. Nach
den Erzhlungen der Seeleute sollen die flinken Lotsenfische fr den Hai
auf Kundschaft ausziehen und ihn dann zu einem ersphten Bissen
hinfhren, von dem sie auch ihren Anteil erhalten. In Wirklichkeit wird
sich die Sache wohl so verhalten, da sich der Lotsenfisch in der Nhe
des groen Rubers, von dessen Tafel ja auch manches fr ihn abfallen
mag, vor anderen Raubfischen sicher fhlt und selbst zu gewandt ist, als
da ihn sein fregieriger Freund erhaschen knnte. Also eine auf
Einseitigkeit beruhende Symbiose! -- Diese Erklrung erscheint um so
wahrscheinlicher, als der Lotsenfisch ganz die gleiche Anhnglichkeit
auch gegen Schiffe und Wracks bekundet, immer in der Hoffnung, bei diesen
besonders reichlich und mhelos Nahrung zu finden.

Whrend sich mit einem erlegten Hai im allgemeinen nur wenig anfangen
lt, und der aus ihm gewonnene Ertrag in gar keinem Verhltnis zur Mhe
und Gefahr der Erbeutung steht, gehrt ein anderer Riesenfisch des
Meeres, der =Str= (_Acipnser strio_), zu den volkswirtschaftlich
wichtigsten Arten. An ihm ist fast alles verwendbar. Das wohlschmeckende
und nhrkrftige Strfleisch wurde schon von den Rmern als ein
besonderer Leckerbissen gewrdigt, der mit groer Feierlichkeit unter
Musikbegleitung auf die Tafel gesetzt zu werden pflegte, und erfreut sich
auch bei uns, nachdem man es frher wenig beachtet hatte, steigender
Beliebtheit, seitdem dieser edle Fisch durch den schonungslos betriebenen
Fang so selten geworden ist, da das Pfund Strfleisch mit 3 Mark und
mehr bezahlt werden mu, also nur noch den wohlhabenden Kreisen
zugnglich ist. Mehr als frisches kommt neuerdings geruchertes
Strfleisch aus Ruland in den Handel, und auch dieses hat so vielseitige
Eigenschaften, da ein geschickter Koch es nach Belieben in Schinken,
Beefsteak, Lammsbraten oder Geflgel umwandeln kann. In noch hherem
Ansehen aber steht der aus dem Rogen des Weibchens gewonnene Kaviar, eine
kstliche, aber auch sndenteure Delikatesse, in Gte und Preis nach
Gewinnungs- und Zubereitungsart sehr verschieden. Der billige und
minderwertige, nur oberflchlich gereinigte und unter starkem Salzzusatz
auf Matten an der Sonne getrocknete, dann mit l vermengte und mit den
Fen in Holzfsser eingetretene Prekaviar ist wenigstens in Ruland
noch Volksnahrungsmittel; in den von mir besuchten Gegenden am Kaspi
vertrat er geradezu die Stelle des Kses. Krniger Kaviar, der in
durchwsserten Sieben durch Peitschen mit Ruten sorgfltig von
anhaftenden Hutchen und sonstigen Unreinlichkeiten befreit und in langen
Trgen schwach durchgesalzen wird, ist bedeutend teurer. Am hchsten
stehen diejenigen Sorten im Preise, die nach dem Abkrnen in leinene
Sckchen kommen und in diesen in Salzlauge gehngt, dann schwach
ausgedrckt und an der Luft getrocknet, nach dem Verpacken in die
bekannten kleinen Holzfchen aber bestndig unter Eis gehalten werden.
Ein weiteres wichtiges Nebenerzeugnis der Strfischerei ist der aus der
Schwimmblase der Fische gewonnene Leim, der auch beim Strken der Wsche
und zur Herstellung von Gelees Verwendung findet. Endlich liefert auch
noch die die Wirbelsule vertretende Rckenseite des Strs ein Gericht,
das als Wjasiga das Entzcken aller Petersburger und Moskauer Schlemmer
bildet und aus dem sich auch eine wundervolle Pastetenfllung herstellen
lt. Im Meere werden gewhnlich nur vereinzelte Stre erbeutet, ein
Massenfang ist nur im Unterlauf der Strme mglich, in denen diese Fische
zu Beginn der Laichzeit emporsteigen, wobei die Rogner derart mit Eiern
vollgepfropft sind, da sie sich nur mhsam fortzubewegen vermgen,
whrend sonst der Str zu den flinken Raubfischen zhlt. Leider ist seine
Abnahme bei uns infolge lange betriebener berfischerei eine derart
rasche, unaufhaltsame und allgemeine, da man in sehr absehbarer Zeit mit
dem vlligen Aussterben dieses wertvollen Nutzfisches in unseren
Gewssern zu rechnen haben wird, falls die bisher gescheiterten
Zchtungsversuche nicht schlielich doch noch zu einem Erfolge fhren. So
wurden im Weichseldelta 1900 noch 27000 kg Strfleisch erbeutet, 1906 nur
noch 9800 und 1908 gar nur mehr wenige 100 kg. Dagegen hat der
Fischreichtum der russischen Gewsser (es handelt sich dort zumeist nicht
um den eigentlichen Str, sondern um seinen greren Vetter, den bis 9 m
lang und bis 1500 kg schwer werdenden =Hausen= [_Acipnser hso_]) bisher
allen Verfolgungen Trotz geboten, wobei aber schwer ins Gewicht fllt,
da gerade der Strfang dort von altersher aufs strengste geregelt ist
und mit Ma und Vernunft betrieben wird, besonders erfolgreich auch unter
dem Eise der zugefrorenen Wolga. Gerade deshalb aber vermag Ruland
allein aus dem Strfleisch einen Gewinn von mindestens 12 Millionen Rubel
jhrlich zu erzielen, und die Bevlkerung ganzer Landstriche findet durch
diesen einzigen Fisch einen guten Lebensunterhalt. Wenn man bedenkt, da
ein erwachsenes Hausenweibchen bis zu 3 Zentner Kaviar liefert, und das
Pfund davon schon an Ort und Stelle mit 8 Mark bezahlt wird, so wird man
ermessen knnen, welchen Glcks- und Freudentag der Fang eines solchen
Riesenfisches fr den armen Fischersmann bedeutet.

Der Str ist jedoch nicht nur ein wirtschaftlich hochwichtiger Fisch,
sondern auch ein naturgeschichtlich besonders interessanter, da er als
letzter Rest eine der ltesten und sonst ausgestorbenen Ordnungen aus dem
Reich der Fische verkrpert und uns lebende Kunde gibt vom Aussehen und
Bau der Wirbeltiere in den Urzeiten der Tierwelt. Sein Krper ist
schlank, die unterstndige Schnauze gestreckt und vorgezogen, die Kiefer
zahnlos, und das Schuppenkleid wird ersetzt durch 5 Lngsreihen
eigenartiger Knochenschilder, die aussehen wie chinesische Htchen und
bei jungen Stcken schrfer gekantet sind als bei alten. Auch haben die
dem Laich schon nach 3 Tagen entschlpfenden Jungen whrend ihrer ersten
Lebensmonate noch Zhne. Sie streben schon frhzeitig dem Meere wieder
zu, aber ber das dortige Leben und Treiben der Stre wissen wir
eigentlich herzlich wenig.

hnliches gilt auch von dem grten und zugleich wehrhaftesten aller
Knochenfische, dem sagenumwobenen, in unzhligen Seefahrergeschichten
verherrlichten =Schwertfisch= (_Xphias gldius_), dem Todfeinde des
Thuns, dessen Wanderscharen er durch seine ungestmen Angriffe fters
auseinandersprengt oder von ihrem Wege abdrngt. Da er berdies auch
hufig die wertvollen Riesennetze der Mittelmeerfischer zerreit, ist er
ihnen verhat, und sie jagen ihn deshalb, wo sie nur knnen. Andere
betreiben diese Jagd aus rein sportlichen Grnden, weil ihr in hohem Mae
der Reiz des Gefhrlichen innewohnt. Denn das Schwert, d. h. der
degenfrmig bis auf 1-1/2 kg verlngerte Oberkiefer des Xiphias ist in
der Tat eine furchtbare Waffe, deren Wirkung durch das pfeilschnelle
Vorstoen des groen und kraftvollen Fisches noch wesentlich gesteigert
wird. Mit unwiderstehlicher Gewalt rennt er diese Lanze dem Gegner tief
in den Leib, oder er gebraucht seine Waffe kleineren Beutefischen
gegenber als Schwert, indem er sie durch seitliche Bewegungen rechts und
links niedersbelt oder mitten durchschneidet und mit diesem blutigen
Werke nicht aufhrt, bis eine ganze Reihe von Schlachtopfern die Walstatt
bedeckt, worauf sich der Raubritter daran macht, sie in aller Ruhe und
Behaglichkeit zu verzehren. Ashby konnte einmal an der Stelle, wo ein
Schwertfisch vor seinen Augen in einem Heringsschwarm gewtet hatte, noch
einen ganzen Scheffel getteter Heringe aufsammeln. Der Schwertfisch ist
sich seiner Wehrhaftigkeit denn auch gar wohl bewut und scheut keinen
Gegner, wagt sich erwiesenermaen sogar an Wale und Haie und ficht mit
ihnen grimmige Kmpfe aus, die zu den groartigsten Schauspielen des
Weltmeeres gehren und bei denen unserem Fisch auch seine ungewhnliche
Gewandtheit und Schnelligkeit sehr zustatten kommen. Dem Menschen geht er
gewhnlich scheu aus dem Wege, aber bisweilen scheinen einzelne
Schwertfische nach Nashornart von einer wahren Berserkerwut befallen zu
werden und rennen dann rcksichtslos alles an, was ihnen begegnet, sei es
selbst ein groes Schiff. So erklren sich die gelegentlichen und nicht
selten tragisch endenden Angriffe von Schwertfischen auf Badende oder auf
bemannte Boote, die er durch und durch zu stoen, so leck zu machen und
zum Sinken zu bringen vermag. Von der furchtbaren Wucht seines Stoes
kann man sich einen Begriff machen, wenn man z. B. im Britischen Museum
den Kiel eines Ostindienfahrers betrachtet, durch dessen Metallbeschlag
und Holzwerk ein Schwertfisch seine Waffe 55 kg tief hineingetrieben
hatte. Ja es ist sogar ein Fall verbrgt, wo ein in einem Boote sitzender
Matrose von einem Schwertfisch gettet wurde, indem dieser sich aus dem
Wasser emporschnellte und dem Unglcklichen seine Lanze mitten durch den
Leib rannte. Aus alledem lt sich entnehmen, da die Jagd auf den
Schwertfisch, von dem nur die umfangreiche Schwanzmuskulatur als
geniebar gilt, ganze Mnner verlangt. Sie wird trotzdem von
amerikanischen Sportsmen mit wahrer Leidenschaft betrieben, und zwar
ausschlielich mit der Harpune, da der Fisch auch die strksten Netze
glatt durchschneidet. Die von sinnloser Angriffslust und wtender
Kampflust ruhelos durchs Meer getriebenen Schwertfische sind gewhnlich
ganz alte Stcke. Die Jungen fhren das gefhrliche Schwert berhaupt
noch nicht, sondern dieses bildet sich erst mit zunehmendem Alter ganz
allmhlich aus.

Den Riesen der Meeresfische seien nun auch gleich noch die Zwerge unter
ihnen gegenbergestellt. Will man die Lanzettfischchen schon zu den
echten Wirbeltieren rechnen, so mu hier zunchst _Asymmetron lucaynum_
erwhnt werden, der bei den Bahamainseln vorkommt und nur 19 mm mit,
whrend unser kleinster Swasserfisch, der Zwergstichling, immerhin ber
50 mm lang wird. Sodann ist nach Krause namentlich das formenreiche
Geschlecht der =Meergrundeln= reich an winzigen, nicht ber 25 mm
hinauswachsenden Arten. So durchstreift das durchsichtige =Seeruberchen=
(_Latrnculus perlcidus_) fast unsichtbar die Fluten bei den britischen
Inseln und an einigen anderen europischen Ksten. Dieses Geschpfchen
ist um so merkwrdiger, als es nach den Untersuchungen Colletts wie die
meisten Insekten und viele Pflanzen nur ein Jahr lebt und somit das
einzige bekannte Beispiel eines einjhrigen Wirbeltiers vorstellt. Im
August entschlpfen die Jungen dem im Juni oder Juli abgesetzten Laich,
sind schon im Dezember vllig ausgewachsen, bekommen im April die
geschlechtlichen Unterscheidungsmerkmale und sterben sofort nach der
Laichabgabe im Sommer ausnahmslos ab, so da man in den Herbstmonaten
stets nur junge Seeruberchen antreffen kann. Die allerkleinste Art ist
aber der =Luzonfisch= (_Mistchthys luzonnsis_) von den Philippinen, bei
dem die Weibchen durchschnittlich nur 13,5, die Mnnchen gar nur 10-11
mm lang werden. Auch diese wahrscheinlich lebend gebrenden Tierchen
sind im Leben bis auf einige schwarze Flecken fast durchsichtig und
werden nach Zeller trotz ihrer Winzigkeit als Speisefische gentzt. Sie
werden in besonders eng gewobenen Netzen gefangen, mit Pfeffer und
anderen Gewrzen zubereitet und natrlich mit Stumpf und Stiel verzehrt,
etwa wie bei uns die Stinte, deren bler Geruch ihnen aber abgeht, so da
sich auch die Europer sehr mit diesem Badi genannten Gericht
befreundet haben. brigens hat es auch schon in grauen Urzeiten derart
winzige Fische gegeben. So fand man im roten Sandstein Schottlands
wohlerhaltene Devonfische (_Palaeospndylus_), die auch nur 12-15 mm
messen und einen hnlichen Saugmund besitzen, wie unsere Neunaugen, wobei
es freilich einstweilen noch dahingestellt bleiben mu, ob es sich nicht
vielleicht um die Larvenformen eines Panzerfisches handelt.

Um nochmals auf die zur berlistung der Beutetiere und zum Verbergen
vor Feinden dienende Farbenanpassung der Fische zurckzukommen, so gibt
es auer der auf den Bodenuntergrund bezglichen vielfach auch eine
solche, die sich der umgebenden Pflanzenwelt, also den in langen Bndern
wogenden Tangen des Meeres oder den Rohrstrnken und Halmen des
Swassers anschmiegt. Geradezu verblffende Beispiele fr die erstere
Gruppe finden wir namentlich unter den Fischen warmer Meere, so den
berhmten =Fetzenfisch= (_Phyllpteryx ques_) der australischen Gewsser
mit seinen zahlreichen Dornfortstzen und bandartigen Anhngseln, aber
auch schon der bereits in der Nordsee auftretende =Seeteufel= oder
=Angler= (_Lphius piscatrius_, s. Abb. 10, Fig. 5) sieht wahrlich
abenteuerlich genug aus. Ein sonder scheulich, helich Tier sollen
diese Meerkrotten sein, sagt schon der alte Gesner, der eine im
wesentlichen ganz richtige Lebensbeschreibung des Seeteufels gegeben hat,
und in der Tat wird man den absonderlichen Burschen, dessen einer platten
Keule gleichender Leib fast nur aus dem unfltigen, zahnstarrenden
Riesenmaul, dem ungeheuerlichen Dickkopf und dem weiten Magensack zu
bestehen scheint, beim besten Willen nicht schn finden knnen. Zwischen
den Krautwldern der Meereskste liegt er tckisch verborgen, wobei er
sich oft noch mit Hilfe der seehundsartigen Brustflossen in den Sand
eingrbt, und lt unablssig die merkwrdigen angelartigen Fortstze auf
Kopf und Rcken im Wasser spielen, die recht gut Wrmer vorzutuschen
vermgen und so hungrige Kleinfische anlocken,[1] denen dann durch
einfaches Aufreien des gewaltigen Rachens ein frhes Grab in dem
unersttlichen Magen des Anglers bereitet wird. Das Eingraben hat dieser
dabei eigentlich kaum ntig, denn wie Franz bei den Klippen Helgolands
beobachtete, ist die sehr wechselnde Frbung seiner Oberseite, die durch
zahllose, vielfach gezackte und gelappte Linien in der Art, wie wir sie
von den Ammoniten her kennen, ausgezeichnet wird, eine fabelhaft genaue
und bis in die kleinsten Einzelheiten gehende Nachahmung all der
Farbenwirkungen und mannigfaltigen Abschattierungen von Dunkelolivenbraun
und Gelbbraun, die wir bei klarem Wasser in dem von Tangen durchwucherten
Klippenmeer sehen. Erhht wird diese Wirkung noch dadurch, da Maul und
Seiten des Fisches mit kleinen grnbraunen Bartelfortstzen besetzt sind,
die in ihrer lappigen Gestalt tuschend den umgebenden Algen gleichen.
Wenn auch der wehrhafte Angler Feinde nur wenig zu frchten hat, so kommt
diese ganze Ausrstung dem trgen Gesellen doch sehr zustatten beim
berlisten und Fangen seiner Beute, und diese pflegt deshalb bei seinem
stndig regen Heihunger so reichlich auszufallen, da die Fischer, die
den an sich fast ungeniebaren Seeteufel erwischen, ihm wenigstens den
Bauch aufschneiden, um sich die von ihm zahlreich verschluckten und oft
noch ganz frischen Fische anzueignen.

  [1] Guitel bestreitet auf Grund von Aquariumsbeobachtungen diese bisher
      allgemein verbreitete Ansicht und glaubt, da der Angler seine
      Opfer durch rasche Vorste nach oben erhasche, sich aber
      berwiegend von Aas und unbeweglichen Seetieren nhte (?).

Wo eine weitgehende Farbenanpassung fehlt, hat die erfinderische Natur
durch mannigfache anderweitige Mittel dafr gesorgt, ihre Kinder
wenigstens zeitweise den Nachstellungen ihrer Feinde zu entziehen oder
ihnen das Erhaschen ihrer Beute zu erleichtern. Hierher gehrt z. B. das
Schievermgen mancher Fische, auf der anderen Seite dagegen alle
diejenigen Flle, wo Fische den Rubern des Meeres dadurch ein
Schnippchen schlagen, da sie das feuchte Element fr mehr oder minder
kurze Zeit verlassen und mit dem Aufenthalte auf festem Erdboden oder in
freier Luft vertauschen knnen, und damit kommen wir auf die viel
errterte Frage der =fliegenden Fische=. Einen ebenso berraschenden wie
fesselnden Eindruck gewhrt es, wenn pltzlich zu beiden Seiten des
Schiffes Scharen von Flugfischen aus dem Wasser emporschieen,
silberglitzernd auseinanderstieben, sich in langem, flachem Bogen ber
die Wellen schwingen und endlich ermattet wieder in das gewohnte Element
zurckfallen, oder wenn man in finsterer Nacht das leise Knistern ihrer
Flugflossen hrt, das Anprallen einzelner an die Schiffswand merkt und
andere klatschend auf das Deck des hochbordigen Schiffes selbst
herniederfallen -- ihrer Schmackhaftigkeit halber eine hochwillkommene
Zugabe fr den Kchentopf der Matrosen. Alle Flugfische sind Kinder der
wrmeren Meere, einige kommen aber schon im Mittelmeer regelmig vor,
und deshalb berichten schon die Beobachter aus dem klassischen Altertum
eingehend ber dieses Naturwunder, und auch spter haben die Forscher
aller Zeiten und Vlker die damit zusammenhngenden wissenschaftlichen
Fragen zu lsen und zu lichten versucht, ohne sich doch darber bis zum
heutigen Tage einig geworden zu sein. So herrscht denn auch heute noch
keine vllige Klarheit auch nur ber die Grundfragen, keine Klarheit
darber, was die Fische eigentlich veranlat oder zwingt, das Wasser mit
der Luft zu vertauschen, darber, ob sie whrend des Fluges die Richtung
abndern knnen oder nicht, darber, ob sie whrenddem flgelartig mit
den Flossen schlagen oder diese lediglich als Fall- oder Gleitschirm
benutzen, darber, was sie nachts so hoch emportrgt, da sie auf das
Deck der Schiffe niederfallen knnen, whrend sich am Tage ihre Flugbahn
stets nur in sehr miger Hhe fortbewegt. Allerdings sind alle solche
Beobachtungen bei der Schnelligkeit und Pltzlichkeit der Erscheinung,
bei dem ungnstigen Stande des auf dem Schiffe befindlichen Beobachters
von oben her und bei der unsicheren Beleuchtung, die das Atmen der
Wellenberge und das glitzernde Silberkleid der Fische mit sich bringt,
uerst schwieriger Art, aber hier wre ein sehr dankbares Feld fr die
wissenschaftliche Ttigkeit des Kinematographen, dem die endgltige
Lsung dieser viel umstrittenen Frage nicht schwer fallen knnte. Suchen
wir aus all den zahllosen, sich oft widersprechenden Berichten und
Streitschriften den wesentlichen Kern herauszuschlen, vergleichen wir
das so Gewonnene miteinander und wgen es sorgsam gegeneinander ab, so
erhalten wir etwa folgendes Bild vom gegenwrtigen Stande unseres Wissens
ber das Rtsel der Flugfische.

Der Fisch schnellt sich pfeilgeschwind und mit groer Wucht aus dem
Wasser empor, und zwar hauptschlich mit Hilfe des rasche
Schraubenbewegungen vollfhrenden, krftigen Schwanzes und durch
Zusammenpressen der ungemein stark entwickelten Seitenmuskulatur. Es ist
also ganz derselbe Vorgang, wie er sich beim wandernden Lachse vollzieht,
wenn er ein Wehr berspringen will. Aber der Flugfisch schiet nicht so
steil, nahezu senkrecht aus dem Wasser wie der verliebte Salmonide, weil
es fr ihn ja weniger darauf ankommt, eine mglichst groe Hhe zu
erreichen, als vielmehr darauf, sich eine mglichst weite Flugbahn zu
schaffen. Das Herausspringen vollzieht sich daher in mehr oder minder
spitzem Winkel zur Wasserflche, hchstens in einem solchen von 45, und
in schrger Richtung, in die der Fisch wahrscheinlich schon vorher im
Wasser seinen Krper eingestellt hat. Sehr erleichtert wird ihm das
Emporschnellen jedenfalls auch noch dadurch, da er eine ganz
ungewhnlich groe Schwimmblase besitzt, die z. B. bei einer 16 cm langen
Art 9 kg lang und 2-1/2 kg breit ist, so da fr sie durch ringfrmige
Ausbuchtungen im Knochengerst noch besonders Raum geschaffen werden mu,
und 44 _ccm_ Luft fat, also den Fisch sehr leicht macht und ihm demnach
wohl mehr als Flug-, denn als Schwimmorgan dient. Das Herausschieen
vollzieht sich ohne Rcksicht auf die Bewegung des Windes oder die
Richtung der Wellen, obwohl feststeht, da es bei vlliger Windstille und
spiegelglatter See berhaupt nie stattfindet, demnach die Untersttzung
des Windes an sich zum Flug dieser Geschpfe unerllich erscheint.
Wahrscheinlich frdern auch hastige Schlge mit den mchtigen, zu
Flugorganen umgewandelten Brustflossen das Emporheben in die Luft, denn
wenn man sich in unmittelbarer Nhe befindet, hrt man deutlich das
raschelnde und knisternde Gerusch der Flossen. Seitz berechnet die Zahl
der derart vollfhrten Flatterschlge auf 10-30 in der Sekunde. Ich
selbst habe trotz angestrengtester Aufmerksamkeit und vorzglichem
Krimstecher solche Flgelschlge mit den Flossen, deren Mglichkeit von
Moebius und du Bois-Reymond berhaupt geleugnet wird, nie zu erkennen
vermocht, gebe aber bei der Schwierigkeit der Beobachtung und der
Kurzsichtigkeit meiner Augen gerne die Mglichkeit einer Selbsttuschung
zu. Jedenfalls breitet der Fisch, sobald er erst einmal eine gewisse Hhe
erreicht hat, seine Flugflossen wagrecht oder mit einer geringen Neigung
nach oben aus und lt sich nun durch sie passiv vom Luftstrom tragen.
Soviel scheint sicher zu sein, da er whrend des eigentlichen Fluges,
der freilich gar kein echter Flug ist, sondern nur ein fallschirmartiges
Schweben und Gleiten, keine Flatterbewegungen vollfhrt, da demnach die
Erscheinung nicht mit dem Flattern der Fledermuse, dem Gaukeln der
Schmetterlinge oder dem Schwirren der Bienen verglichen werden kann,
sondern hchstens mit dem Schweben der Flughrnchen und Flugechsen oder
mit dem Aufschwirren der Heuschrecken aus dem Wiesengras. Eigentlich ist
es nur ein knstlich verlngerter Sprung. Von einem wirklichen Fliegen,
dieser Poesie der Bewegung kann schon deshalb gar keine Rede sein, weil
dazu der Flcheninhalt der Brustflossen trotz ihrer auffallenden Lnge zu
gering und vor allem die sie bewegende Muskulatur viel zu schwach ist.
Denn whrend das Gewicht der Brustmuskulatur zum Gesamtgewichte des
Krpers bei Vgeln sich durchschnittlich wie 1: 6,22 verhlt und auch bei
Fledermusen noch wie 1: 13,6, ist dasselbe Verhltnis bei den besten
Flugfischen nach den Wgungen von Moebius wie 1: 32,4. Ihre Brustmuskeln
mten also 5,2mal so viel Kraft entwickeln, als die der Vgel oder
2,45mal so viel als die der Fledermuse, wenn sie den Krper durch
Flossenschlge erheben und in der Luft fortfhren sollten. Es ist nun
aber nicht das geringste bekannt, aus dem auf eine solche ausnahmsweise
Steigerung der Muskelkrfte bei Flugfischen geschlossen werden knnte,
die im ganzen Wirbeltierreiche einzig dastehen wrde. Allerdings scheint
mir Moebius bei seinen fleiigen und grundlegenden Untersuchungen die
ausgleichende, das Krpergewicht unter Umstnden stark erleichternde
Wirkung der ungeheuerlichen Schwimmblase der Flugfische nicht gengend in
Rechnung gezogen zu haben, da er ja nur mit Spiritusexemplaren arbeitete.
Jedenfalls hat er aber darin recht, wenn er auch die Flossenlnge als fr
eine wirkliche Flugleistung ungengend erklrt. Die relative Flchengre
der Brustflossen ist zwar nur wenig geringer als die der Vogelflgel,
allein ihre relative Lnge ist viel kleiner, oft nur halb so gro. Und
doch hngt gerade von ihr hauptschlich das Ma der Flgelarbeit ab, denn
der Widerstand der Luft wchst im Hundert der Geschwindigkeit, mit der
der Flgel gegen sie schlgt. Da nun die Geschwindigkeit so zunimmt, wie
die Entfernung des in Bewegung gesetzten Flgelpunktes vom
Schultergelenk, so hebt ein Flgelstck, das doppelt so weit entfernt
ist, den Krper mit vierfach grerer Kraft als ein anderes Flgelstck
von gleicher Gre in einfacher Entfernung vom Schultergelenk. Mgen
daher die Brustflossen der Flugfische als Trger der Krperlast fast
ebenso viel leisten wie die Flgel der Vgel, so sind sie doch ihrer
Krze wegen zum wirklichen Fliegen nicht geeignet. Ich mchte dem noch
hinzufgen, da ja auch die eigenartig gewlbte Form des Vogelflgels und
seine Fhigkeit zum Verkrzen oder Vergrern der Flche whrend des
Fluges den Brustflossen abgeht, was ebenfalls keine geringe Rolle spielen
drfte. Es handelt sich bei den Flugfischen nur um starre Gleitflchen,
die ein vorzgliches Schweben, nicht aber ein wechselvolles Fliegen
ermglichen. Lt sich demnach die Erscheinung auch nicht mit dem
herrlichen Flugvermgen der Vgel vergleichen, so steht sie als bloer
Gleit- und Schwebeflug doch entschieden ber dem der Flughrnchen und
Flugechsen, sowohl was die Lnge der Flugbahn, als auch was ihre
Schnelligkeit anbelangt, wozu freilich der Umstand das meiste beitragen
mag, da ber bewegter See stndig ungleich strkere Luftstrmungen
herrschen, als im stillen Blttermeer des Urwaldes. Die
Fluggeschwindigkeit betrgt immerhin 7-14 Sekundenmeter, die Flugdauer
10-20 Sekunden und (wenn man die kurzen Unterbrechungen beim Eintauchen
in die Wellenkmme nicht mitzhlt) selbst bis zu 1 Minute, die
zurckgelegte Strecke bis zu 200 kg und mehr, allerdings gewhnlich nur
in einer Hhe von kaum einem Meter ber dem Meeresspiegel. Also immerhin
ganz ansehnliche Leistungen, die den angestrebten Zweck, nmlich die
Flieger dem gierigen Rachen der Raubfische zu entziehen, vollkommen
erreichen drften. Der zurckgelegte Weg stellt keine eigentliche
Flugbahn vor, sondern eine parabelhnliche Wurfbahn, deren Form und Lnge
abhngt von der Gre der Anfangsgeschwindigkeit, von der Krperlast und
von der Ausdehnung und Neigung der tragenden Flchen; als Werfer des
Krpers dienen, wie schon erwhnt, die stark ausgebildeten
Rumpfseitenmuskeln und der krftige Schwanz, dessen untere Hlfte gerade
bei den besten Fliegern sehr bezeichnender Weise weit mehr entwickelt ist
als die obere. Anfnglich halten die fliegenden Fische, deren groe klare
Augen so vorteilhaft von den bleifarbigen anderer abstechen, den Krper
fast wagrecht, aber allmhlich senkt sich das Schwanzende, die
Krperhaltung wird immer schrger und steiler, bis endlich der Schwanz in
einen Wellenkamm eintaucht und nun entweder der ganze Fisch wieder in
seinem eigentlichen Element verschwindet oder aber sich sofort von neuem
abstt und in gleicher Weise einen zweiten und dritten Flug unternimmt.
In solchen Augenblicken helfen auch die Flgelflossen vielleicht nochmals
durch Flatterbewegungen beim Aufsteigen mit, und in solchen Augenblicken
ist der Fisch auch imstande, die seitherige Flugrichtung willkrlich zu
ndern, was ihm in der Flugbahn selbst bei der rein passiven Art seines
Fliegens kaum mglich ist, da er dann als ein mehr oder weniger
willenloses Spielzeug der Windstrmungen zu gelten hat. Humboldt hat ganz
recht, wenn er die Fortbewegung der Flugfische mit der eines flach ber
das Wasser hingeworfenen Steines vergleicht, der aufschlagend und wieder
abprallend meterhoch ber dem Wasser einhersaust. Nun stimmen aber alle
aufmerksamen Beobachter darin berein, da die Flugbahn sich nicht in
gleichmiger Hhe halte, sondern sich mit der Wellenatmung des Meeres
abwechselnd hebe und senke, hnlich wie der Flug der Mwen und anderer
Wasservgel. Moebius sucht auch diese Eigentmlichkeit auf rein
mechanischem Wege zu erklren und macht dafr die von den Wellen
aufsteigenden dynamischen Luftstrmungen verantwortlich. Der wagerecht
ber die Wogen hinstreichende Fisch mu emporgehoben werden, sobald er
den hheren Teil der Wellenbschungen erreicht, weil er hier jedesmal dem
von diesen aufsteigenden Luftstrom so nahe kommt, da dessen Wirkung sich
merklich geltend machen kann, und zwar bernehmen dabei die Furchen der
Brustflossen die Rolle von prchtigen Windfngen. Ihre Form und Lage ist
nmlich derart, da der aufsteigende Luftstrom, wenn er sie fllt, den
Fisch hher und zugleich vorwrts schieben mu. Sehr gut hiermit stimmt
berein, da besonders scharfugige Beobachter gesehen haben wollen, da
die Brustflossen beim Fluge doch nicht ganz ruhig liegen, vielmehr in
stndiger zitternder Bewegung sich befinden. Es ist eben die von den
Wellen aufsteigende Luft, die diese Zitterbewegung hervorruft. In
hnlicher Weise erklrt sich auch das Niederfallen von Flugfischen zur
Nachtzeit auf dem Schiffsdeck, whrend sie doch bei Tage stets wesentlich
niedriger fliegen. Aber sie sehen dann eben das Schiff und nehmen ihre
Flugrichtung von ihm weg und nicht zu ihm hin. Anders bei Nacht, wo sie
in der Finsternis blindlings aus dem Wasser herausfahren und dann von der
Windstrmung leicht gegen die Schiffswnde getragen werden knnen. Hier
aber weht, wovon man sich experimentell leicht berzeugen kann, der
anprallende Wind lebhaft nach oben, und in dem Augenblicke, wo die
Flossen in diesen aufsteigenden Luftstrom eintreten, fhrt er in ihre
Windfnge und fhrt den Fisch aufwrts und dann im Bogen ber die
Schanzbekleidung hinber; whrenddem hat die eigene Schwere des Fisches
seine Schwebegeschwindigkeit bedeutend vermindert, auf dem Schiffe fhrt
ihm nichts mehr hebend unter die Flossen, und so strzt er denn
unbehilflich und schwerfllig auf das Verdeck nieder, denn -- wirklich
fliegen kann er ja gar nicht. Seeleute werden sich freilich durch diese
einfache und einleuchtende Erklrung nicht irre machen lassen in ihrer
alteingewurzelten berzeugung, da das helle Licht der Schiffe es sei,
das in dunkler Nacht die Flugfische unwiderstehlich anziehe und ins
Verderben locke. Im Einklang mit alledem steht es endlich auch, da in
die Hhe geworfene oder aus der Hhe fallen gelassene Flugfische nicht
den geringsten Versuch zum Fliegen machen, sondern zu Boden fallen wie
jeder andere Fisch.

Der Umstand, da Flugfische nur in den warmen Meeren vorkommen, mu zu
der Vermutung fhren, da die dortigen klimatischen Verhltnisse die
Ausbildung des Flugvermgens irgendwie besonders zu begnstigen
vermochten, und vielleicht haben wir wenigstens einen dieser Faktoren in
der Gleichmigkeit zwischen Luft- und Wasserwrme zu suchen, durch
welche auch bei empfindlichen Geschpfen der pltzliche bergang von
einem Medium ins andere wesentlich erleichtert wurde. Die Frage nach den
ueren Grnden und treibenden Ursachen, die zur allmhlichen Ausbildung
des Flugvermgens bei Fischen gefhrt haben, ist von den Forschern sehr
verschieden beantwortet worden. Manche meinen, da dadurch nur
berschumender Freude am Dasein Ausdruck gegeben werden solle, da es
sich also nur um eine Art Spiel handle, andere glauben, da das zeitweise
Bedrfnis nach sauerstoffreicherer Atemluft die Fische zu den Ausflgen
in ein fremdes Element veranlasse. Ich mchte es aber doch mit denen
halten, die in dem Auffliegen nichts als eine Flucht vor greren
Raubfischen erblicken, denn das ganze Benehmen der Tiere spricht zu
deutlich und zu unverkennbar fr diese Auffassung, und das ganze Leben
der Fische ist ja ein ewiger Krieg, ein unablssiges Wrgen und
Gewrgtwerden. Dann aber ist das pltzliche Verschwinden in einer anderen
Welt, in die der Gegner nicht zu folgen vermag, sicherlich ein
prchtiges, in seiner naiven Einfachheit schier verblffendes
Ausfluchtsmittel, und nachdem die Natur einmal darauf verfallen war,
leuchtet es ein, da unter dem Einflusse der natrlichen Zuchtwahl das
Flugvermgen rasch bis zu einem gewissen notwendigen Grade sich
entwickeln mute. Wenn die Fische dabei manchmal aus dem Regen in die
Traufe geraten, indem nun Scharen von Mwen, Albatrossen, Fregattvgeln
und anderen beschwingten Fischfressern in der Luft sich ber sie
hermachen, so ist dies doch noch lange kein Gegenbeweis, denn einmal ist
die zunchst gegenwrtige Not doch immer die grte und ausschlaggebende,
und sodann sind derartige Flle doch nicht allzu hufig, indem die
fischfressenden Vgel im allgemeinen mehr in der Nhe der Ksten sich
aufhalten, die Flugfische dagegen meistens in freier See sich tummeln.

Bei Beurteilung all der angeregten Fragen mssen wir uns immer vor Augen
halten, da es nicht nur eine Art von Flugfischen gibt, sondern ihrer
vier Dutzende, da jede davon wieder ihre besonderen Eigentmlichkeiten
hat und da insbesondere das Flugvermgen verschieden entwickelt sein
wird, so da sich hier unmglich alles ber einen Leisten schlagen lt.
Als die besten Flieger drfen wohl die zur Gruppe der Makrelenhechte
gehrigen Hochflieger mit den ungleich entwickelten Schwanzlappen gelten,
und unter ihnen leistet wiederum der =Schwalbenfisch= (_Exocotus
vlitans_) das Hchste, was der streng fr das Wasserleben zugeschnittene
Fischtypus berhaupt zu leisten vermag. Die zierliche, schlank-rassige
Gestalt, die zartblaue Frbung der Oberseite, die ausdrucksvollen Augen
und die groen durchsichtigen Flgelflossen machen diese Art zu einem
sehr schnen Fisch. Whrend er mehr der sdlichen Tropenzone eigen ist,
wird er in der nrdlichen durch den etwas greren =Springfisch= oder
fliegenden Hering (_Exocotus exsliens_) vertreten, der sich durch eine
ber die Brustflossen verlaufende braune Binde auszeichnet. Im Mittelmeer
sind namentlich der =Flughahn= (_Dactylpterus vlitans_) und die
=Meerschwalbe= (_Trgla lucrna_) hufig. Der in den indischen Gewssern
heimische fliegende Stachelbarsch oder =Flugdrache= (_Ptrois vlitans_),
der steif wie ein Papierdrachen ber die Wogen gleitet, zhlt selbst zu
den gefhrlichsten Rubern, denn er zerfleischt Fische, die ihn an Gre
um das zwanzigfache bertreffen. Doch nicht nur fliegende Fische gibt es
im Ozean, sondern auch hpfende und tanzende lehrt er uns kennen. Schon
ehe man die Tropenzone erreicht, sieht man nicht selten halbmeterlange
Fische von ziemlich hohem, aber schmalem Krperbau senkrecht aus dem
Wasser herausspringen, in der Luft sich berschlagen und mit dem Kopfe
voran wieder ins Meer zurckfallen. Es ist dies die allen Seefahrern
wohlbekannte =Bonite= (_Scomber pelamys_), ein Mitglied der
Thunfischgruppe, silberglnzend von Farbe mit schwarzgrauen
Rckenstreifen und Flossen. Ihre Bewegungsart berrascht nicht minder als
der Flug der Schwalbenfische, weil das Aufsteigen aus dem Meere ebenso
senkrecht erfolgt wie das Herabfallen, weil das kobolzartige Umdrehen in
der Luft auch dem oberflchlichsten Beobachter auffllt und weil sie fast
genau auf derselben Stelle wieder ins Meer taucht, von wo sie
aufgestiegen war. Den Grund fr diese absonderlichen Turnbungen wei man
nicht recht anzugeben, vermutet aber, da es sich blo um eine Art
Belustigung fr den Fisch handelt, da lediglich spielerischer bermut
ihn aus dem Wasser heraustreibt, zumal das Tanzen der Boniten nur bei
schnem Wetter, ruhiger See und heiterem Himmel beobachtet wird.

Als ein Beispiel derjenigen Fische, die den Aufenthalt im Wasser
zeitweise mit dem auf dem Erdboden vertauschen, sei hier der schleimig
aussehende =Schlammspringer= (_Periophthlmus koelreteri_) genannt, ein
unansehnliches, nur 15 kg langes, aber in mehr als einer Hinsicht hchst
merkwrdiges Geschpfchen. Nicht nur fr Sekunden oder Minuten, sondern
fr lange Stunden vermag er das feuchte Element zu verlassen, und er tut
es weniger aus Furcht vor Feinden, als vielmehr in der Absicht, selbst
Beute zu machen und auf dem Festlande nach Kerfen und Schnecken zu jagen.
Ermglicht wird ihm das durch die auerordentlich enge Beschaffenheit
seiner Kiemenspalten, die die Verdunstung des in den Kiemenhhlen
befindlichen Wassers lange hintanhlt. Schon rein uerlich hat das an
den tropischen Ksten Afrikas und namentlich im Brackwasser der
Mangrovenwaldungen lebende Tierchen mancherlei Absonderlichkeiten
aufzuweisen. Seine drolligen Froschaugen stehen nmlich dicht beieinander
oben auf dem Kopfe und knnen in wunderlicher Weise etwas herausgeschoben
oder zurckgezogen werden, sind berhaupt sehr beweglich und sogar mit
Lidern versehen. Die weit nach vorn gerckten Bauchflossen sind
miteinander verwachsen und zeigen ein starkes Haftvermgen, die
Brustflossen sind mit krftigen Muskelstielen ausgerstet und knnen so
am Lande als Beine dienen. Oder der ausruhende Schlammspringer sttzt
sich auf sie wie ein Seehund, und wenn er dann mit seinen roten
Glotzaugen gierig nach den im Wurzelwerk der Mangroven herumlaufenden
Fliegen spht, sieht er aus wie ein alter Mann, der sich am
Wirtshaustisch auf beiden Ellbogen lmmelt und sehnschtig dem bestellten
Getrnk entgegenblickt. Vorsichtig wie eine Katze schleicht dann der
Fisch seinem auserkorenen Opfer Schrittchen fr Schrittchen nher, -- ein
mchtiger Satz, und das Kerbtier ist von dem breiten Maule erfat. Nicht
selten springt bei solchen Jagden das Tier auch selbst dnne
Mangrovenwurzeln an und klettert geschickt meterhoch an ihnen empor,
indem es sie mit den Fuflossen umklammert und sich mit dem Schwanze
nachschiebt. Gewhnlich bewegen sich die Tiere auf dem Schlamme in
froschartigen Sprngen ziemlich langsam und schwerfllig fort, wobei sie
eine sehr bezeichnende Fhrte hinterlassen, aber bei nahender Gefahr
rennen sie fast so schnell wie Eidechsen davon und flchten entweder ins
nahe Wasser oder vergraben sich mit verblffender Geschwindigkeit im
Schlamme. Sie sind scharfsinnig, aufmerksam und scheu, und es ist deshalb
gar nicht so leicht, einen unversehrten Schlammspringer zu erhaschen,
obwohl sie an geeigneten rtlichkeiten massenhaft herumwimmeln. Trotzdem
gelangen sie neuerdings fters lebend nach Deutschland und in die Hnde
unserer Liebhaber, halten sich bei geeigneter Pflege in einem greren
=Aquaterrarium= vortrefflich und geben hier reichlich Gelegenheit zu den
anziehendsten und dankbarsten Beobachtungen. Wer jemals auch nur eine
Stunde lang ihrem unterhaltenden, munteren Tun und Treiben zugeschaut
hat, der wird zu der berzeugung gelangt sein, hier ein Tier vor sich zu
haben, das biologisch weit mehr Amphibium ist, denn Fisch. Besonders
merkwrdige Beziehungen zwischen den Schlammhpfern und gewissen
Nacktschnecken (Onchidien) hat Semper aufgedeckt. Diese Onchidien sind
nmlich entsetzlich langsame Geschpfe, die ihren Feinden rettungslos
verfallen wren, wenn sie nicht auer ihren gewhnlichen, zum Aufsuchen
der Nahrung dienenden Kopfaugen noch eine ganze Anzahl (wohl an 100)
anderer Augen auf dem Rcken besen, die auffallenderweise und im
Gegenstze zu den Kopfaugen ziemlich genau nach dem Typus des
Wirbeltierauges gebaut sind. Keine andere Schneckengattung kann sich
solcher Rckenaugen rhmen. Semper glaubt nun, da sich die Schnecke,
indem sie mit ihren Rckenaugen die heranhpfenden Schlammspringer
rechtzeitig wahrnimmt, oft noch sichern kann, freilich nicht durch die
Flucht, sondern dadurch, da sie den Krper rasch zusammenzieht und aus
gewissen Drsen, mit denen ihr ganzer Rcken best erscheint, in Form
unzhliger kleiner Kgelchen ein Sekret herausschleudert, das auf die
Fischhaut eine unangenehme Wirkung auszuben scheint, denn der von diesem
Sprhregen getroffene Angreifer entfleucht alsbald, und die Schnecke ist
gerettet. Jedenfalls ist es sehr auffllig, da solche Nacktschnecken mit
Rckenaugen nur da zu finden sind, wo auch Schlammspringer vorkommen, und
da da, wo diese fehlen, die Onchidien-Arten auch keine Rckenaugen
haben. Nicht alle Schlammspringer scheinen in der geschilderten Weise zu
leben. Wenigstens fand Hickson am Strande von Celebes eine Art, die den
Schwanz immer ins Wasser getaucht hielt, auch wenn sich der Krper
auerhalb desselben befand. Haddon untersuchte die Sache spter nher und
stie auf die merkwrdige Tatsache, da dieser Fisch mit seiner
entsprechend eingerichteten Schwanzflosse zu atmen vermag, ja so sehr
darauf angewiesen ist, da er mit der regelrechten Kiemenatmung gar nicht
mehr auskommen kann. Schon mit einer guten Lupe lt sich ein beraus
lebhafter Blutumlauf in dieser sonderbarsten aller Schwanzflossen
erkennen. Also ein erster Ansatz zu der amphibischen Lebensweise, die
dann bei den afrikanischen Formen zu ungleich grerer Vollkommenheit
gediehen ist.

[Illustration: Abb. 14. Schtzenfisch (_Toxotes jaculator_).]

Wohl kein Fisch erlangt aber seine Beute auf eine so merkwrdige Weise
wie der =Schtzenfisch= (_Toxtes jacultor_, Abb. 14) und der
=Spritzfisch= (_Chatodon rostrtus_), jener an den Ksten und in den
Flssen Hinterindiens, dieser an denen Javas zu Hause. Wo das Ufer
ppigen Pflanzenwuchs aufweist und einzelne Zweige ber das Wasser
herberhangen, da nhern sich ihm diese hbschen Fischchen in kleinen
Trupps und sphen mit groen, lebhaften Augen begehrlich nach den Fliegen
aus, die im Gezweige sitzen. Dann nehmen sie eine bestimmte genau aufs
Korn und spritzen pltzlich aus ihrem Maule einen kleinen Wasserstrahl
nach ihr, und zwar bis meterhoch und mit so unbertrefflicher Sicherheit,
da das Kerbtier fast regelmig getroffen wird, herabfllt und nun
schleunigst verzehrt wird. Ging aber der Schu daneben, so schwimmt der
Fisch einigemale aufgeregt und verrgert im Kreise herum, whlt sich
einen gnstigeren Standpunkt aus und versucht dann sein Weidmannsheil von
neuem. Merkwrdigerweise ist der Schiemechanismus dieser Wasserflinten
wissenschaftlich noch gar nicht nher untersucht, und man wei eigentlich
nur, da im Augenblicke des Schieens der Unterkiefer pltzlich
vorgestreckt wird, und da beim Spritzfisch das Maul berhaupt zu einer
dnnen Rhre verlngert ist. Es ist dies um so verwunderlicher, als die
interessanten Fische nicht nur neuerdings ihren Einzug in die Aquarien
unserer Liebhaber gehalten haben, sondern auch schon von altersher in
ihrer Heimat vielfach zu Hausgenossen des Menschen gemacht wurden, indem
man sich daran ergtzte, ihnen Stbe mit eingeklemmten Fliegen ins Wasser
zu stellen, um die Geschicklichkeit zu bewundern, mit der sie alsbald die
Kerfe herabschossen. Beim Spritzfisch, der viel seltener in die Flsse
kommt, wird die Fliegenjagd wohl nur einen Nebenerwerb bilden, denn die
schnabelartige Verlngerung seiner Kiefer, die in so sonderbarem
Gegensatze steht zu der fast kreisfrmigen Gestalt seines Krpers und zu
der scharf abgeschnrten Schwanzflosse, weist deutlich darauf hin, da
seine Hauptnahrung in kleinen Schaltieren besteht, die er eben mit diesem
Schnabel selbst aus engen und tiefen Hhlungen herauszuholen versteht,
wobei ihn seine borstenartige Zahnbildung noch wesentlich untersttzt,
denn der einmal erfaten Beute ist ein Entrinnen nicht mehr mglich.

Beide Arten gehren zu der formenreichen und farbenprchtigen Gruppe
der auf die tropischen Meere beschrnkten =Schuppenflosser=, die ihren
Namen davon haben, da das Schuppenkleid bei ihnen auch auf das reich
entwickelte Flossenwerk bergreift, namentlich auf Rcken- und
Afterflosse, und so den sonst im Fischreiche so scharf ausgeprgten
Unterschied zwischen Flossen und Rumpf mehr oder minder verwischt. Es
sind durchgngig kleine Fischchen, die zumeist zwischen den
Korallenbnken ihr lustiges Wesen treiben und die Korallenstmmchen
scharenweise frmlich abweiden, sei es, da sie die herausschauenden
Korallenpolypen selbst verzehren, sei es die ihnen anhaftende
Kleinlebewelt oder die auf ihnen wuchernden Algen. Ihnen allen gemeinsam
ist ein hoch gebauter, aber seitlich stark zusammengepreter Rumpf von
nahezu Sphroidform, aus der auch die kleine, sehr bewegliche Schnauze
und die kurze, scharf abgesetzte Schwanzflosse kaum heraustreten, whrend
die ppig ausgestalteten anderen Flossen sich ihr sogar unverkennbar
anschmiegen. Ist schon der Spritzfisch mit seinen 5 Querbinden und dem
netten Pfauenaugenfleck auf der Afterflosse ein sehr hbscher Fisch, so
bertreffen seine Verwandten an Metallglanz, Farbenpracht und Eigenart
der Zeichnung doch alles, was wir aus dem Reich der Fische kennen. Sie
sind die Kolibris des Meeres und schwirren wie diese gaukelnd und
farbenschimmernd von Blume zu Blume, sie sind die Paradiesvgel der
Korallenwaldungen und verhalten sich als solche lange still, um dann
pltzlich ihre Farbenpracht in den wundervollsten Gold- und
Silberreflexen aufblitzen, in den lieblichsten Schattierungen aufleuchten
und in den khnsten Zeichnungen auffunkeln zu lassen, sie sammeln alle
Farben des Regenbogens, alle Lichter des Prismas und alle Schnheit der
kostbarsten Edelsteine in den kristallklaren Fluten Neptuns, bieten dem
entzckten Auge immer neue, immer berraschendere und immer glnzendere
Farbenzusammenstellungen, zeigen sich stets und berall als eine wahre
Farbenorgie der schaffenden Natur im bunten Korallengarten des tropischen
Meeres. Keine Feder vermag diese Schnheit zu beschreiben, kein Pinsel
sie auch nur annhernd wiederzugeben, und wo ein gottbegnadeter Knstler
es doch versucht hat, wird der Laie und berhaupt jeder, der nicht selbst
einen Blick in die Herrlichkeit der Tropen werfen durfte, rasch mit dem
Urteil fertig sein, da das doch tolle bertreibung, da dergleichen in
Wirklichkeit gar nicht mglich sei, da solch ebenso raffinierte wie
unvermittelte Zusammenstellungen von Rosenrot, Himmelblau, Sammetschwarz,
Schwefelgelb, Grasgrn und Purpurleuchten auf dem reinsten Gold- oder
Silbergrunde doch gar nicht vorkommen knnten, am allerwenigsten in Form
so knstlerisch ausgeklgelter Flecken, Bnder, Streifen, Ringe und
Augen. Es sind eben die reinsten und glnzendsten Farben, die die Natur
berhaupt hervorgebracht hat, und ihre Wirkung wird noch stark erhht
durch die bewunderungswrdige Art und Weise ihrer Verteilung. Die
glnzendsten Vgel, die buntesten Schmetterlinge, die schimmerndsten
Echsen vermgen damit nicht zu wetteifern. Dazu kommt noch die oft hchst
abenteuerliche Entwicklung des Flossenwerkes, das nicht selten in der
ungewhnlichsten Weise verlngert und verzerrt ist, seltsam geformte
Stacheln, lang nachschleppende Peitschenschnre oder aufleuchtende
Schwefelfden aufweist. Es knnte bei all dieser Buntheit in Form und
Farbe hchst gewagt erscheinen, auch bei den Schuppenflossern noch von
einer Art Schutzkleid sprechen zu wollen, und doch hat man dazu volle
Berechtigung. Das Leben im Korallenwalde ist ja an sich schon so bunt,
da einfach gefrbte Geschpfe darin fast mehr auffallen wrden, als
lebhaft gezeichnete. Aber der Schutz soll hier auch gar nicht durch eine
Anschmiegung an die Farben der Umgebung erreicht werden, sondern vielmehr
dadurch, da unvermittelt nebeneinander gestellte Bnder oder
geometrische Figuren in den lebhaftesten Kontrastfarben die natrlichen
Krperumrisse gewissermaen auflsen, die Form des tierischen Leibes fr
das Auge verschwinden lassen. Der Naturforscher bezeichnet diese
absonderliche, aber oft sehr wirksame Art der Schutzfrbung als
=Somatolyse= und kennt sie z. B. auch aus der Vogelwelt her von den
Spechten und von den schnen Hochzeitskleidern gewisser Entenmnnchen.
Heuglin erzhlt uns, da man zwischen den Korallenriffen zunchst meist
nichts sehe als ein mattes Schimmern und ein ungewisses Farbenflimmern,
bis es dann pltzlich wie sprhende Funken auseinanderstiebt. Die
anmutigen Bewegungen der Flossenschupper im Korallenwalde vergleicht er
mit denen der lieblichen Laubsnger im grnen Blttermeere des
Buchendoms. Viele Schuppenflosser sind durch ein dunkles Band ber Stirn
und Augen ausgezeichnet, so der =Fahnenfisch= (_Chatodon stifer_) des
Roten Meeres mit bedeutend verlngertem fnftem Strahl der Rckenflosse
und herrlichem Pfauenaugenfleck auf ihr, der =Korallenfisch= (_Ch.
flvus_) des Indischen Ozeans, tiefgelb mit braunschwarzem Streifen, und
der prachtvolle =Kaiserfisch= (_Ch. impertor_) des Stillen Ozeans, der
aus veilchenblauem Leibe gelbe, bogige Lngsstreifen aufweist und ber
der Brustflosse einen sammetschwarzen, schwefelfarb umrandeten Flecken.
Um noch einige der bekanntesten Arten anzufhren, seien weiter kurz
genannt: der =Klippfisch= (_Ch. vitttus_) der ostafrikanischen Gewsser,
zitronengelb mit schwarzer Streifung, der =Geiler= (_Ch.
macrolepidtus_) mit zwei mchtigen Querbinden und langer Peitschenschnur
an der Rckenflosse, der =Herzogsfisch= (_Ch. diacnthus_) mit azurblauer
Zeichnung auf gelbem, _Ch. semicircultus_ mit silberweier auf
dunkelblauem und _Ch. lamrcki_ mit glhend roter auf hellblauem Leibe.
Der =Korallenfisch= (_Scatophgus rgus_) erscheint ber und ber fein
getpfelt (Abb. 15).

[Illustration: Abb. 15. Korallenfisch (_Scatophagus argus_).
(Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)]

Wenigstens eine annhernde Vorstellung dessen, was die Natur an
Farbenpracht in der Welt der Fische zu leisten vermag, kann uns auch ein
Bewohner des Mittelmeeres geben, nmlich die =Seebarbe= (_Mllus
barbtus_). Unbeschreiblich schn ist sie mit ihrem leuchtenden Leibe und
den prunkvollen Goldstreifen schon im Leben, schner noch im Sterben.
Nichts Schneres, ruft selbst der ernste Seneca aus, als eine
sterbende Seebarbe! Sie wehrt sich gegen den nahenden Tod, und diese
Anstrengungen verbreiten ber ihren Leib das glnzendste Purpurrot, das
spter in eine allgemeine Blsse bergeht, whrend des Sterbens die
wunderherrlichsten Schattierungen durchlaufend. Die schwelgerischen
Rmer der Kaiserzeit verzehrten denn auch die von ihnen hher als alle
anderen Fische geschtzten Seebarben nie, ohne sich vorher an dem
wechselvollen Farbenspiel ihres Todes zu ergtzen. Man legte eigene
Wasserleitungen von den Fischteichen bis zu den Lagerpolstern der Gste,
damit diese die herrlichen Fische erst lebend bewundern konnten, worauf
die rotgoldenen Barben in den weien Hnden schner Frauen ihr Leben
aushauchen muten, um dann schleunigst zu sofortiger Zubereitung in die
Kche zu wandern. Wenigstens darin lag Sinn, denn kaum ein anderer Fisch
steht nach dem Tode so schnell und grndlich ab, wie die feinschuppige
Seebarbe. Obwohl sie kaum 2 kg Gewicht erreicht, sind damals doch
geradezu wahnsinnige Summen fr diesen nach Ansicht der Rmer
kstlichsten aller Fische bezahlt worden, bis zu 5000, ja selbst 8000
Sesterzen fr das Stck. Auch heute noch bildet die Seebarbe ein
beliebtes und gern gekauftes Schaustck der italienischen und
gelegentlich auch der westenglischen Fischmrkte, und ihr zartes Fleisch
soll in der Tat vortrefflich munden. Wer aber wei, da diese Barben sich
von den ekelsten Abfallstoffen des Meeres ernhren und mit Vorliebe die
Leichen der Schiffbrchigen benagen, wird wenig Appetit darauf verspren.
Die durch eine auffallend hohe Stirn und zwei Bartfden an der Unterlippe
ausgezeichnete, im brigen schlank und regelrecht gebaute Seebarbe hlt
sich gewhnlich auf schlammigem Meeresgrunde auf, den sie mit ihrer
stumpfen Schnauze auf der Suche nach etwas Geniebarem nach Schweineart
gehrig durchwhlt und dadurch oft weithin das Wasser trbt. Ein
hervorragend schner Bewohner des Atlantik, der sich gelegentlich bis in
unsere Gewsser verstreicht, ist der nur 1 kg schwer werdende und
ebenfalls ein ziemlich schmackhaftes Fleisch liefernde =Lippfisch=
(_Lbrus mxtus_), das Weibchen am ganzen Krper prachtvoll zinnoberrot
mit wenigen himmelblauen Zeichnungen, das Mnnchen oberseits herrlich
dunkelblau. Zur Laichzeit wird dieses wundervolle Gewand noch leuchtender
und glhender, ist aber wie bei unserem Stichling augenblicklichem
Wechsel und Farbenverschiebungen unterworfen, die von der jeweiligen
Gemtsstimmung des Tieres abhngig zu sein scheinen. Liebeswerben
verschnt, Eifersucht verhlicht ihn. Jenes bergiet seinen Leib mit
schimmernden Tinten, dieses mit mitnigem Grau. Der Fisch ist nmlich
ebenso eiferschtig, rauflustig und kampfwtig wie unser Stechbttel und
soll auch gleich diesem eine Art Brutpflege ausben. Eine andere
Lippfischart, _L. macultus_, ist am ganzen Krper prchtig smaragdgrn,
wozu eine blagelbe Zeichnung kommt. Ihren Namen haben die sich durch
Munterkeit und Anmut auszeichnenden Lippfische von ihren sehr beweglichen
Wulstlippen, mit denen sie Muscheln von den Meerespflanzen ablesen.

[Illustration: Abb. 16. Kugelfisch (_Tetrodon fahaka_).]

Ein weiteres, in seiner Eigenart hchst wirksames Verteidigungsmittel
lernen wir bei dem sonderbaren =Igelfisch= (_Dodon macultus_) kennen.
Er hat einen krftigen Papageischnabel, dessen Kinnladen mit einer
elfenbeinartigen, sich je nach der Abnutzung immer wieder ersetzenden
Masse berzogen sind, eine sehr groe Schwimmblase, gedrungene Gestalt
und den ganzen Krper mit spitzen Dornen und Stacheln besetzt. Gert er
in Gefahr, so zieht er hastig Luft ein, fllt damit den ungeheuren,
dnngewebigen, die ganze Bauchhhle einnehmenden Kropf an, whrend eine
den Schlund umgebende Muskelschicht das Entweichen der eingepumpten Luft
verhindert, blst sie so zu einer vollkommenen Kugel auf und wirft sich
gleichzeitig auf den Rcken, so da die Bauchseite an der
Wasseroberflche schwimmt. Dabei gebrdet sich der kleine Kerl wie ein
zorniger Truthahn, schwimmt immer im Kreise herum, richtet seine Stacheln
drohend auf und ist in diesem Zustande in der Tat fast vllig geschtzt
gegen jeden Raubfisch. Wo immer dieser zubeien will, trifft er auf die
ihm entgleitende, unverschlingbare Kugel und verletzt sich an den spitzen
Stacheln die Lippen, bis er endlich von allen weiteren Versuchen ablt
und davonschwimmt, worauf der Igelfisch unter vernehmlichem Gerusch die
eingepumpte Luft wieder ausstrmen lt, seine gewhnliche Gestalt
annimmt und damit auch den Gebrauch seiner Flossen wieder erlangt. Plehn
fhrt einen Fall an, da ein von einem Hai verschluckter Igelfisch sich
durch dessen Magen- und Leibeswand hindurchbi und unbeschdigt ins Freie
gelangte, whrend der Ruber an den furchtbaren Verletzungen zugrunde
ging. Das geschilderte Gaukelspiel ist nmlich durchaus nicht das einzige
Verteidigungsmittel des tapferen Igelfisches; er vermag vielmehr auch
noch recht empfindlich zu beien, Wasser von sich zu spritzen, sich
pltzlich schlaff zu machen und zu versenken und auch eine tief
karminrote Absonderung von sich zu geben, ber deren Natur und Wirkung
wir allerdings noch vllig im Unklaren sind. Dasselbe Kunststck wie der
Igelfisch bekommen auch die =Kugelfische= (_Ttrodon_) fertig, deren eine
Art, der =Fahak= (_T. fhaka_), vom Mittelmeer aus in den Nil und seine
Kanle aufzusteigen pflegt (Abb. 16). Obwohl dieses Tier nicht mit einem
Stachelpanzer prunken kann, trotzt es in der aufgeblasenen Kugelform doch
gleichfalls allen Feinden, denn die Zhne der Raubfische gleiten an
dieser glatten Schweinsblase ab, und die Vgel werden sie von oben her
eher fr eine zusammengewehte Schaumblase als fr ein ebares Lebewesen
halten. Nimmt man einen solchen Fisch aus dem Wasser und legt ihn auf die
Handflche, so bemht er sich ngstlich, immer noch mehr Luft
einzupumpen, und tut dabei mitunter des Guten zuviel, so da er
schlielich mit lautem Knall zerplatzt. Die Araberkinder spielen mit
diesen merkwrdigen Fischen wie die unsrigen mit den Maikfern und
benutzen die aufgeblasenen und ausgetrockneten Tiere als Blle oder taten
dies doch frher, denn heute werden die Kugelfische als Reiseerinnerung
von den Orientfahrern zu gern gekauft und zu hoch bezahlt, als da sie
noch der Schar kleiner, braunhutiger und schnugiger Rangen zum
Spielzeug dienen knnten. Mit den Igel- und Kugelfischen verwandt ist
noch ein anderer hchst sonderbarer Geselle, der plumpe =Klump-= oder
=Mondfisch= (_Mla mla_), der sie allerdings an Gre um das Vielfache
bertrifft, da er eine Lnge von 2-1/2 kg und ein Gewicht von mehr als
300 kg erreicht. Das ungeschlachte Ungetm sieht mit seiner eines
richtigen Abschlusses entbehrenden Hinterfront fast aus, als wre es nur
der abgeschnittene Kopf eines noch riesigeren Seeungeheuers. Ein groer
Geistesheld kann der schwerfllige, dunkel olivgrn gefrbte Fisch
unmglich sein, denn seine Hirnmasse betrgt nur 1/7000 des
Krpergewichts und sein Rckenmark stellt nur ein kurzes, kegelfrmiges
Anhngsel zu diesem Zwerghirn vor. Das rauhhutige, aber schuppenlose
Geschpf scheint zwar eine weite Verbreitung zu haben, aber doch berall
nur selten vorzukommen. Am ehesten trifft man es noch an sonnigen Tagen
in seitlicher Schlafstellung auf der Oberflche des Meeres treibend an.
Seiner geringen Beweglichkeit entspricht die Auswahl seiner Nahrung:
Meerespflanzen und allerlei niederes Meeresgetier mit geringer
Eigenbewegung. So unheimlich dieser schwimmende Kopf also auch aussieht,
so harmlos ist er doch, und die Fischer kmmern sich auch nicht viel um
ihn, da das Klumpfischfleisch beim Kochen zu einer leimigen Kleistermasse
zerfllt und sich deshalb mehr als Klebemittel, denn als Speise eignet.
Den Namen Mondfisch haben sie dem Tiere gegeben, weil es ihrer Behauptung
nach bei Nacht einen sanften Mondesglanz ausstrahlen soll. Wahrscheinlich
handelt es sich dabei lediglich um anhaftende Leuchtbakterien, wie der
Klumpfisch berhaupt in besonders hohem Mae von Parasiten bevlkert
wird, denn die anatomische Zergliederung vermochte das Vorhandensein
besonderer Leuchtapparate bisher noch nicht nachzuweisen. Wenn Mondfische
aus dem Wasser genommen werden, so lassen sie einen eigentmlich
sthnenden Ton hren, von dem man aber noch nicht wei, wie er zustande
gebracht wird.

[Illustration: Abb. 17. Knurrhahn (_Trigla hirundo_).
(Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)]

Das bringt uns auf die Lautuerungen der Fische. Um eine gute Stufe
hher als die unbestimmten und jedenfalls unfreiwilligen Tne des
Mondfisches stehen die Lautuerungen des in der Nord- und Ostsee
lebenden =Knurrhahns= (_Trgla hirndo_), die auch freiwillig im Wasser
zum besten gegeben werden (Abb. 17). Unsere Fischer behaupten sogar, da
bei schwlem Wetter und namentlich vor dem Ausbruch von Gewittern die
Knurrhhne scharenweise an die Oberflche kmen und dann frmliche
Knurrkonzerte veranstalteten. Mindestens der erste Teil dieser Behauptung
ist richtig, denn es ist an manchen Ksten ein beliebter Sport, solche
auftauchende Knurrhhne mit dem Teschin zu schieen, obwohl ihr trockenes
Fleisch nicht viel wert ist. Erzeugt werden solche Tne durch das
Aneinanderreiben der Kiemendeckelknochen oder verschiedener harter und
nervenreicher Muskeln in der Wand der verhltnismig sehr groen
Schwimmblase, die zugleich als wirksamer Resonanzboden dient, so da eine
ganze Tonstufe zustande kommt, die zwischen dem behaglichen Schnurren
einer Hauskatze und hell quiekenden Tnen auf und nieder fhrt und es
begreiflich erscheinen lt, wenn schon Aristoteles von einem
Meerkuckuck sprach und unsre Fischer von Meerpapageien erzhlen. Auch
sonst ist der Knurrhahn ein recht interessanter Fisch. Schon der
groteske, fast viereckige Dickkopf mit dem zahnstarrenden Froschmaul und
den durch Panzerplatten geschtzten Glotzaugen, der feinschuppige, nach
hinten zu jh kegelfrmig zugespitzte Rumpf mit dem schmchtigen
Hinterleibe, die prchtige Rosafrbung des Bauches und die mchtig
entwickelten, fast an die Flgel von Nachtschmetterlingen erinnernden
Brustschuppen vereinigen sich zu einem Gesamtbilde von hchster Eigenart.
Das merkwrdigste aber sind je drei lange, fingerartig gegliederte
Anhngsel vor den Brustflossen, die es dem Tiere ermglichen, auf dem
Meeresgrunde fortzukriechen, ja frmlich zu gehen, wobei der Hinterleib
etwas in die Hhe gehoben wird und seitliche Bewegungen der roten
Schwanzflosse nachhelfen. Im Schwimmen sieht dieser Fisch hochelegant
aus, denn es gleicht einem Fliegen im Wasser, indem die groen, blauen,
metallisch schimmernden Brustflossen wie Flgel abwechselnd ausgebreitet
und zusammengelegt werden. Sie ermglichen es dem Knurrhahn, der ja mit
seiner artenreichen Sippe der nchste Verwandte der bekannten tropischen
Flughhne ist, sich auch fr kurze Strecken aus dem Wasser in die Luft zu
erheben, und wirken dann beim Herablassen als Fallschirme.

Wenn auch im allgemeinen das Sprichwort Stumm wie ein Fisch heute
noch zu Recht besteht, so hat es doch im Laufe der Zeit schon mancherlei
Einschrnkungen erfahren, und fast steht zu erwarten, da wir uns in
dieser Beziehung in Zukunft auf noch grere berraschungen gefat machen
drfen. Knnen wir ahnen, welche Offenbarungen der Meeresgrund noch fr
uns birgt, sobald wir nur einmal gelernt haben, unser Ohr und unsere
anderen Sinne dort unten frei und ungehindert zu gebrauchen! Sollte im
dunklen Meeresschoe wirklich nur unentwegt das eisige Schweigen des
Todes herrschen, gibt es nicht vielleicht auch fr diese abgeschlossene
Tierwelt ein Singen und Klingen, dessen Tonflle teilnimmt an der groen,
ewig-schnen Symphonie der Natur? So viel wissen wir wenigstens heute
schon sicher, da es auch lustige Musikanten unter dem Volk der Fische
gibt, Orgelspieler, Leiermnner, Pfeifer, Raler, Grunzer und Trommler.
Fischer, die das Ohr auf den Rand ihres Bootes legen, knnen bisweilen
ganz deutlich diese Fischkonzerte aus Tiefen von 10-12 kg herauftnen
hren. Am besten ist das Trommlerkorps ausgebildet. Es sind stattliche,
barschartig gebaute Burschen, diese =Trommelfische= (_Pognias chrmis_),
die namentlich in den verschiedenen Teilen des Atlantik zu Hause sind.
Die erzeugten Tne klingen bei den einzelnen Arten verschieden. Mit dem
Klange einer Orgel oder Harmonika, selbst mit einem Orchester von Bssen
und Cellis, am passendsten aber wohl mit dem Klange von Maultrommeln hat
man sie verglichen. Die Laute der einzelnen Fische wrden fr das
menschliche Ohr wohl verloren gehen, aber die Gesamtheit vieler gibt ein
Gelrm von nicht zu beschreibender Eigenart, ein stundenlang
ununterbrochenes, dumpfes, schier unheimlich anmutendes Getrommel,
durchsetzt von hellerem Gurgeln und Glucksen. Es besteht, so schreibt
Pechuel-Loesche, keine Spur von hnlichkeit mit Glocken- oder
Harfenklngen, und doch sind die Laute wunderbar genug. Will man sie
recht scharf unterscheiden, so mu man das Ohr fest an den Schiffsbord
drcken. Besser ist es, im Boote ein breites Ruder ins Wasser zu senken
und das freie Ende mit den Zhnen zu beien, am besten vom Boote aus
gleich den Kopf bis ber die Ohren ins Meer zu tauchen, rckwrts
natrlich, um atmen zu knnen. Da vernimmt man dann in der dunklen Flut
ein allseitig wirr durcheinander gehendes Knurren und Murksen, mit einem
leichten Knirschen und Knarren vermischt. Die Trommel der geschuppten
Musikanten ist nichts anderes als ihre merkwrdig verzweigte und durch
Zwischenhute in verschiedene Kammern geteilte Schwimmblase, in die Luft
eingepumpt wird, wodurch die durchlcherten Trommelfelle in Schwingungen
versetzt werden und die verschiedenartigen Tne zustande kommen. Zu
diesem Zwecke sind auch besondere Trommelmuskeln von auffallend roter
Frbung am Unterleibe eingelagert, die rasche Zusammenziehungen und
Ausdehnungen der Schwimmblase bewirken knnen. Da sich dabei natrlich
auch das spezifische Gewicht des Fisches verndert und sein Schwerpunkt
sich verrckt, so gert der Tonknstler ganz von selbst in tanzende
Bewegung. Ein Tanzliedchen zur Minnezeit im dunklen Meeresschoe! Ja,
wenn Fische reden knnten! Der Umstand, da bei vielen Arten nur die
Mnnchen Trommelorgane besitzen, weist darauf hin, da die Tne in
irgendwelchen Beziehungen zum Geschlechtsleben stehen mssen, also
vielleicht Trommelstndchen darstellen, die der verliebte Fisch seiner
Auserkorenen darbringt. Wahrscheinlich werden die erzeugten
Lautuerungen doch auch irgendwelchen Zweck haben, und die Vermutung
liegt nahe, da sie der gegenseitigen Verstndigung dienen. Sicherlich
darf man aber aus beiden Mutmaungen die Folgerung ableiten, da diese
Fische auch ein gewisses, wenn auch modifiziertes Hrvermgen besitzen
mssen, denn sonst htten ja die Trommelkonzerte gar keinen Sinn. Von dem
2 kg lang werdenden und seines schmackhaften Fleisches halber
hochgeschtzten =Adlerfisch= (_Sciana quila_) behaupten die Fischer,
da sie seinen Gesang selbst noch aus Tiefen von 50 kg vernehmen und
dadurch die Standpltze dieses scheuen und schwer zu fangenden
Raubfisches feststellen knnten. Prinz Bonaparte nennt das laut tnende
Gerusch, das ein schwimmender Trupp dieser kraftvollen Fische hren
lt, fast eine Art Brllen.

Auch das =Fortpflanzungsgeschft= der Seefische bietet dem denkenden
Beobachter eine Flle hochinteressanter Ausblicke, zumal verschiedene
Formen der aufopferungsvollsten Brutpflege bei diesen als kaltbltig und
teilnahmslos verschrieenen Geschpfen weit hufiger vorkommen, als sich
der Laie trumen lt. Meist ist freilich das Mnnchen derjenige Teil,
dem die Sorge um die Bewachung, Verteidigung und Aufzucht der
Nachkommenschaft zufllt. So legt das Weibchen des =Seeteufels= seinen
Rogen an Felsen ab, und das Mnnchen setzt sich dann bis zur vlligen
Reife der Eier so fest und ausdauernd auf sie, da in dem Eierhaufen ein
Abdruck seiner Unterseite verbleibt; die kleinen Zhnchen auf der
Innenseite seiner Bauchflossen dienen wahrscheinlich zum Festhalten der
Eier. Der =Lump= oder =Seehase= (_Cyclpterus lmpus_, siehe Abb. 10,
Fig. 7), der zur Laichzeit einen rotgefrbten Bauch bekommt, setzt die
Eier unter Klippen ab, wo sie dann das Mnnchen nach geschehener
Befruchtung mit der Schnauze fest gegen das Gestein drckt und sich
selbst daneben verankert, um den hoffnungsschwangeren Schatz zu bewachen.
Erleichtert wird ihm sein Amt dadurch, da das die Eier umhllende Sekret
bald verhrtet und so den Rogen festhlt. Fremdkrper, die das Wasser
zwischen die Eier treibt, fngt der Lump mit dem Maule auf und schafft
sie fort. Gegenber solchen Geschpfen aber, die sich mit Raubgelsten
nahen, versteht der Lump keinen Spa, sondern greift sie tapfer an und
scheut selbst einen Kampf mit dem grimmen Seewolf nicht, den er durch
wtende Bisse oft genug in die Flucht schlgt. In der biologischen
Anstalt auf Helgoland wurde ein Beobachter des brutpflegenden Fisches von
ihm derart in den Finger gebissen, da Blut flo. Sind die Jungen endlich
glcklich ausgeschlpft, so heften sie sich auf dem Rcken des besorgten
Vaters fest, und dieser trgt nun die teure Brde zufrieden nach tieferen
und sichereren Grnden. Der hochrckige, dickkpfige und breitmaulige
Seehase mit der klebrigen, knotenbesetzten Haut ist aber auch noch in
einer anderen Beziehung merkwrdig. Die bruststndigen Bauchflossen sind
nmlich zu einer Scheibe verschmolzen, die als Schrpfkopf wirkt, so da
sich der Fisch, der ein ebenso trger wie schlechter Schwimmer ist, damit
an beliebigen Gegenstnden festsaugen kann, selbst an glatten
Glasscheiben, und zwar so innig, da nach den Berechnungen von Hannox 36
kg Gewicht erforderlich sind, um einen 20 kg langen Seehasen wieder
loszureien. Faul liegt das auch in der Nord- und Ostsee hufige Tier so
wochenlang vor Anker und wartet geduldig, bis der Zufall etwas
Geniebares an seinem gefrigen Maule vorberfhrt. Die jungen Seehasen
sind zwar sehr klein, aber doch schon recht vierschrtig gebaut, von
grasgrner Farbe, und folgen ihrem Vater wie Kcken der Henne. Droht
Gefahr, so saugen sie sich auf dem Rcken und an den Seiten ihres
Beschtzers fest und lassen sich von ihm davontragen. Das weichliche und
wsserige Fleisch des Seehasen wird bei uns nur wenig gegessen; anders
ist es aber in nordischen Lndern. Eine hnliche Lebensweise wie der Lump
fhrt die =Meergrundel= (_Gbius nger_), einer unserer gemeinsten
Seefische, zeichnet sich aber zugleich als vorzgliche Nestbauerin aus.
Auch sie vermag sich mit den zu einer Saugscheibe verwachsenen
Bauchflossen an Steinen und dergleichen festzusaugen und tut das im
Aquarium auch an der Glasscheibe, durch die sie dann den Beobachter
anstarrt. Nach Eintritt der Ebbe finden sich immer viele Grundeln in den
zurckbleibenden Tmpeln und werden dann von der Jugend mit Handnetzen
herausgefischt, soweit sie nicht den Mwen und Krhen zum Opfer fallen.
Eine Grundelart benutzt nach den Beobachtungen Marshalls zur Nestanlage
die eine Klappe einer abgestorbenen Herzmuschel. Sie legt diese mit der
hohlen Seite nach unten, entfernt den Sand unter ihr, schmiert die
Hhlung der Muschelschale mit ihrem eigenen Krperschleim aus und streut
lockeren Sand ber das Ganze, um die Schale so zu beschweren, da sie an
Ort und Stelle bleibt. Zuletzt scharrt sie einen kurzen Gang in den Sand,
der in den Hohlraum unter der Muschelschale fhrt. Alle diese Arbeiten
verrichtet allein das Mnnchen. Erst wenn das Bauwerk nahezu fertig ist,
erscheint das Weibchen und legt seine Eierchen hinein, die vom Mnnchen
wacker bewacht werden und nach 8-9 Tagen die Jungen entschlpfen lassen.
Fr die Fischerei haben die nur 20 kg langen Meergrundeln keine
Bedeutung. Dies gilt auch vom =Seeskorpion= (_Cttus scrpius_), obwohl
er betrchtlich grer wird. Nicht gerade zur Freude unserer Fischer
findet er sich oft massenhaft in ihren Netzen. Nur die Leber wird
gelegentlich verzehrt, das Fleisch gilt als ungeniebar und findet
hchstens als Angelkder Verwendung. berdies frchten die Fischer den
Stich des hlichen Fisches, whrend dieser fr den Forscher dadurch von
Interesse ist, da seine sehr wechselnde Frbung bei aller scheinbaren
Aufflligkeit eine weitgehende Anpassung an den steinigen Meeresgrund
darstellt (Abb. 18).

[Illustration: Abb. 18. Seeskorpion (_Cottus scorpius_).
(Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)]

[Illustration: Abb. 19. Schlangennadel (_Nerophis aequoreus_) (links
Mnnchen mit Eiern.)
(Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)]

Hchst eigenartige Formen der Brutpflege finden wir bei den bekannten
=Seepferdchen= (_Hippocmpus antiqurum_, s. Abb. 10, Fig. 8), diesen
lebenden Skeletten, die dem Springer im Schachspiel so hnlich sehen, auf
den ersten Blick so wenig Fischartiges haben und in den Seewasseraquarien
durch ihr absonderliches Aussehen, die bestechende Anmut ihrer
Bewegungen, ihr lautloses Auf- und Niederschweben, ihr lebhaftes Spielen
und durch die seltsame Beweglichkeit des nach vorn eingerollten Schwanzes
immer zuerst die Aufmerksamkeit der Besucher auf das von ihnen bewohnte
Becken lenken. Schade nur, da sich die zarten Geschpfchen im engen
Gewahrsam so schlecht halten, denn sonst wren wir wahrscheinlich ber
ihre Lebensweise besser unterrichtet, als es heute trotz ihrer Hufigkeit
der Fall ist. Das verkncherte Aussehen des Tieres kommt daher, da die
Haut keine Schuppen fhrt, sondern mit Knochenplatten ausgelegt ist. Das
Flossenwerk hat eine starke Verminderung erfahren. Whrend die
Bauchflossen ganz fehlen, sitzen die Brustflossen am Kopfe hinter der
Schnauze, da, wo man die Ohren vermuten sollte. Zur Fortbewegung tragen
sie nur wenig bei, sondern diese wird fast ausschlielich durch die
einzige Rckenflosse bewirkt, die ganz nach Art einer Dampferschraube
arbeitet und das Tier mit einer gewissen feierlichen Langsamkeit durch
die Fluten treibt. Das Seepferdchen ist ein schlechter und unbeholfener
Schwimmer und wird deshalb oft von den Wogen an den Strand geworfen, wo
man dann den kleinen, vertrockneten Leichnam findet und als Andenken an
den schnen Aufenthalt im Nordseebade mit nach Hause nimmt. Der
gewhnliche Aufenthalt der Seepferdchen ist zwischen Seegrsern und
Tangen, wo sie auch ihre aus allerhand winzigem Getier bestehende Nahrung
finden. Ausruhend legen sie sich an den Wasserpflanzen vor Anker, indem
sie deren Stengel mit ihrem putzigen Schwnzchen umwickeln, das sie also
in ganz hnlicher Weise gebrauchen wie die Kletteraffen ihren
Rollschwanz. Gewi sind die Seepferdchen in ihrer steifen Haltung und mit
dem possierlichen, starren Gesichtsausdruck hchst niedliche Tierchen,
aber von besonderer Klugheit, von der die lteren Naturgeschichtsbcher
fabeln, kann keine Rede sein, ihr ganzes Gebaren atmet vielmehr
Eintnigkeit und Langeweile. Allerdings spielen sie ganz hbsch
miteinander, umwickeln sich gegenseitig mit den Schwnzen, was aber auf
rein mechanische Berhrungsreize zurckzufhren sein drfte, und zur
Fortpflanzungszeit scheint es sogar zum Austausch gewisser Zrtlichkeiten
zwischen den verliebten Paaren zu kommen. Das Weibchen klebt seine Eier
auf den Bauch des Mnnchens, das sie hier befruchtet, worauf dann die
Oberhaut von beiden Seiten her ber sie hinwegwuchert und sie in eine
schtzende Tasche so lange einschliet, bis die Jungen entschlpfen, die
sich zunchst still verhalten, spter aber durch ihre Unruhe dem Vater
lstig fallen, so da er sich ihrer zu entledigen sucht und sie durch
eigentmlich knickende Krperbewegungen zur Bruttasche hinaus befrdert.
Sie sind dann etwa 1/2 kg lang. Die Weibchen sind bei diesen Fischen
merkwrdigerweise stets lebhafter und auffallender gefrbt als die
Mnnchen. Also auch das Hochzeitskleid hat der gutmtige, offenbar stark
unter dem Pantoffel stehende Gemahl seiner Holden berlassen. brigens
ist den Seepferdchen auch ein nicht unbetrchtliches Farbwechselvermgen
eigen, und noch in anderer Beziehung erinnern sie an die Chamleons,
indem sie nmlich jedes ihrer wunderlichen Gespensteraugen unabhngig vom
anderen bewegen knnen. Ganz hnliche Brutverhltnisse hat auch die ihrem
Namen entsprechend lang und dnn gebaute =Seenadel= (_Syngnthus cus_)
aufzuweisen. Auch hier trgt das Mnnchen die Eier bis zu ihrer vlligen
Entwicklung in einer aus zwei fleischigen Lngsfalten gebildeten
Bauchtasche mit sich herum, die spter eine Klappe zur Entlassung der
jungen Fischchen ffnet. Man hat auch behauptet, da die kleinen, frei
herumschwrmenden Seenadeln whrend ihrer ersten Lebenszeit bei Gefahr in
die Bauchtasche des Vaters zurckflchteten wie die jungen Knguruhs in
den Brutbeutel ihrer Mutter. Nachgewiesen ist das aber nicht. Bei der
ungepanzerten und deshalb mehr wurmartig aussehenden =Schlangennadel=
(_Nerphis aequoreus_) kommt es berhaupt nicht zur Bildung des
Brutbeutels, sondern die Eier bleiben lediglich in 2-3 Reihen dem Bauche
des Mnnchens angeklebt (Abb. 19). Auch der =Seestichling= (_Gastrsteus
spinchia_) gehrt gleich seinem allbekannten Vetter aus dem Swasser zu
den Brutpflege treibenden Arten. Er legt seine Nester im Algengewirr an,
ist betrchtlich grer als der Stechbttel und besitzt 15 freie
Rckenstacheln (Abb. 20). Merkwrdigerweise soll er in Einehe leben und
auch das Weibchen am Brutgeschft sich beteiligen.

[Illustration: Abb. 20. Seestichling (_Gastrosteus spinachia_).
(Phot. von E. Steuder, Hamburg.)]

[Illustration: Abb. 21. Tiefseefisch (_Stomias boa_).]

Die allergrten Wunder des Fischreiches aber birgt die =Tiefsee=, und
in ihrem geheimnisvollen Schoe harren noch unzhlige Rtsel des
menschlichen Forschergeistes. Noch bringt aus ihr jede Forscherfahrt neue
Formen mit heim, und sie alle bergen eine Unzahl neuer Ausblicke, eine
berraschende Flle wertvollster Anregungen. Nirgends hat die
schpferische Natur so schrankenlos in der launenhaften Hervorbringung
absonderlicher, verzerrter, einseitiger und abenteuerlicher Formen
geschwelgt wie gerade hier, und auch die khnste Phantasie des
schwrmendsten Knstlers vermchte Gleiches oder auch nur hnliches nicht
zu schaffen. Schier ratlos steht der Systematiker dieser erdrckenden
Menge gnzlich von einander abweichender Formen gegenber, und der
Biologe wei nicht, an welchem Ende er diese Flut von Rtseln zuerst
anpacken soll. Was heute mhsam genug aufgeklrt erscheint, wird morgen
durch neue, noch seltsamere Entdeckungen wieder ber den Haufen geworfen.
Die verwirrende Mannigfaltigkeit der Formen lt sich oft zurckfhren
auf die einseitige Bevorzugung und Ausbildung bestimmter Organe, die bei
verwandten Formen wieder verkmmert und durch die Umbildung anderer
ersetzt sind, wie ja die Natur oftmals den gleichen Zweck auf die
verschiedenste Weise zu erreichen wei. So kennen wir Tiefseefische mit
gewaltigen Glotzaugen, die bei anderen zur Gre von Stecknadelkpfen
zusammengeschrumpft sind und bei nicht wenigen berhaupt fehlen. Diese
werden aber fr ihre Blindheit durch mchtige Fhler entschdigt, die oft
doppelt so lang sind als der ganze Krper. Der =Groschweif= (_Gigantra
chni_) hat rhrenfrmige Teleskopaugen mit geteilter Netzhaut; dabei hat
die Hauptretina ein wohlentwickeltes Sehvermgen, whrend die Nebenretina
als ein vorzglicher Signalapparat, als ein Sucher aufgefat werden
mu. Bei dem wurmfrmigen =Stylophthlmus paradxus= stehen die Augen auf
fabelhaft langen und dnnen Stielen, die sich erst im Laufe des
Larvenlebens allmhlich entwickeln. Das eherne Gesetz des Fressens und
Gefressenwerdens, das fast berall die Gestaltung der Fischwelt
beherrscht, kommt nirgends so scharf und unerbittlich zum Ausdruck, wie
in der scheinbar recht stillen und friedlichen Tiefsee, die in
Wirklichkeit von einem frchterlichen und erbarmungslosen Kampfe ums
Dasein durchtobt wird. Hier sind so schaudererregende Hechelgebisse am
Platze, wie sie der =Schwarzfisch= (_Melanoctus krchi_) in seinem
breiten Froschmaule fhrt, oder _Stomias boa_ (Abb. 21) in seinem
Riesenschlangenkopf, hier kann es zur Bildung von Tieren kommen, die, wie
das =Gromaul= (_Macrophrynx_) oder wie _Eurypharynx pelecanoides_ (Abb.
22) mit dem Pelikanschnabel, eigentlich nur noch aus einem riesenhaften
Rachen mit etlichen unbedeutenden Anhngseln zu bestehen scheinen, oder
bei denen ein gewaltiger, hchst ausdehnungsfhiger Magensack alle
anderen Organe in den Hintergrund drngt. Dies ist z. B. bei _Melanoctus
johnsni_ der Fall, und infolgedessen kann dieses Fischchen Tiere
verschlingen, die es an Krpergre gut um das Doppelte bertreffen. Zu
ihrer Herbeilockung trgt es ber der Schnauze noch eine lange Angelrute,
in deren Spitze ein Leuchtorgan sitzt. Gegenber solchen Untieren darf
ein nach Art des _Certias uranscopus_ gebauter Tiefseefisch (Abb. 23)
wohl als eine ausnehmend regulre und anmutige Erscheinung gelten.

[Illustration: Abb. 22. Tiefseefisch (_Eurypharynx pelecanoides_).]

[Illustration: Abb. 23. Tiefseefisch (_Ceratias uranoscopus_).]

So auerordentlich verschieden und mannigfaltig auch Form und Lage
solcher =Leuchtkrper= sind, so sind sie histologisch nach den schnen
Untersuchungen Brauers doch ausnahmslos zurckzufhren auf mit
Sekretkrnern angefllte Drsenzellen, die als die eigentlichen
Lichterzeuger anzusehen sind, whrend alle brigen Bestandteile der
Leuchtorgane nur nebenschliche Bedeutung haben, so der Pigmentmantel und
der Reflektor, deren Rolle ja ohne weiteres kenntlich ist, wie auch
gewisse lichtbrechende Teile des Innenkrpers aller Wahrscheinlichkeit
nach als Linsen wirksam sein drften. Meist sind die Leuchtdrsen
geschlossen, und der Leuchtvorgang verluft demgem intrazellulr
(zwischenzellig). Aber es gibt auch Leuchtdrsen (z. B. bei den
Gonostomiden), die unmittelbar ins Wasser ausmnden, und wo der
Leuchtvorgang erst einsetzt, sobald das Drsensekret mit dem Wasser in
Berhrung kommt, so da es sich hier unbedingt um einen rein chemischen
Vorgang handelt, der deshalb auch noch nach dem Ableben des Tieres vor
sich gehen kann. Solche Geschpfe verfgen also ber hochmodern
ausgerstete Scheinwerfer, deren sie sich zum Erkennen und Anlocken von
Beutetieren wie auch zur Abschreckung von Feinden bedienen, wobei aber
noch dahingestellt werden mu, ob die Lichterzeugung vom Willen des
Tieres abhngig ist oder nicht. Die vielfach vorhandenen Vorrichtungen
zum Abblenden machen eigentlich das erstere wahrscheinlicher. Auer
diesen eigentlichen Leuchtorganen sind aber bei Tiefseefischen nicht
selten noch andere, kleinere, zu Hunderten und Tausenden ber den ganzen
Rumpf zerstreut, die offensichtlich eine andere biologische Bedeutung
haben mssen. Brauer und andere Forscher neigen der Ansicht zu, da diese
oft zu hbschen Mustern angeordneten Organe ein vielfarbiges Licht
aussenden, mithin in ihrer Gesamtheit die charakteristische Zeichnung des
Tieres darstellen und somit dieselbe Rolle spielen wie die Pigmente oder
Frbestoffe bei den im Bereich des Sonnenlichtes lebenden Tieren.
Biologisch wrden sie demgem zum Erkennen der Artgenossen und zum
gegenseitigen Aufsuchen der Geschlechter dienen. In schnster
bereinstimmung mit dieser Auffassung steht die Tatsache, da sie sich
nur bei solchen Tiefseefischen finden, die mehr vereinzelt leben und
groe Strecken durchschwimmen, whrend sie bei den sehaften Grundfischen
und gesellig lebenden Arten als berflssig nicht zur Ausbildung
gelangen. Etwa ein Fnftel aller Tiefseefische ist im Besitze von
Leuchtorganen, und zwar nimmt deren Leuchtvermgen mit zunehmender
Meerestiefe wieder ab, woraus Brauer folgern mchte, da sie sich in der
Dmmerungszone ausgebildet haben und hauptschlich fr diese
kennzeichnend sind.

Die Farben, Sehwerkzeuge, Leuchtlaternen und phosphoreszierenden Organe
der Fische in den verschiedenen Meeresschichten stehen offenbar im
engsten Zusammenhange mit der Verteilung und dem Hinabreichen der
Sonnenstrahlen ins Meereswasser. Es ist also im Meere eine unverkennbare,
wenn natrlich auch bergnge aufweisende Trennung der Fauna
nach Tiefenschichten und in engster Abhngigkeit von den
Belichtungsverhltnissen durchgefhrt. Auerdem haben aber auch die
Tiefseefische noch ihre geographische Verbreitung, denn die Annahme wre
grundfalsch, da etwa in den tieferen Wasserschichten annhernd gleiche
Verhltnisse herrschen und deshalb auch ihre Bewohner mehr oder minder
gleichmig ber den ganzen Meeresboden verbreitet seien. Vielmehr gibt
es auch in der Tiefsee verhltnismig eng begrenzte faunistische Bezirke
mit scharfen Schranken in Temperatur, Salzgehalt, Nahrungsverhltnissen
und Bodenbeschaffenheit, die dem Ausdehnungsbestreben und der Vermischung
der einzelnen Arten Grenzen setzen. Die auffallende Tatsache, da manche
Tiefseefische an beiden Polen vorkommen, ist wohl dahin zu erklren, da
diese Formen ursprnglich wrmeren Gegenden entstammen und beim bergang
ins kltere Gebiet, sei es nach diesem, sei es nach jenem Pole hin, durch
gleiche Einflsse auch die gleiche Umbildung erfuhren.

                    *       *       *       *       *




                              Sachregister.


Die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Ziffern verweisen auf eine
Abbildung im Text.

  _Acanthias vulgaris_ 58
  _Acipnser huso_ 60
  -- _sturio_ 59
  Adlerfisch 86
  _Amphiprion bicinctus_ 39
  Anchovis 25
  Angler 64, 65
  _Apogonichthys strombi_ 39
  _Asymmetron lucayanum_ 63

  Blauhai 57
  Bonite 38, 72
  Bremerhaven, Brennpunkt des deutschen Fischhandels 18
  Bcklinge 20

  _Caranx trachurus_ 39
  _Carcharias glaucus_ 57
  _Carcharodon carcharias_ 54
  -- _rondeleti_ 57
  _Ceratias uranoscopus_ 93, 94*
  _Chaetodon diacanthus_ 78
  -- _flavus_ 78
  -- _imperator_ 78
  -- _lamarcki_ 78
  -- _macrolepidotus_ 78
  -- rostratus_ 75
  -- _semicirculatus_ 78
  -- _setifer_ 78
  -- _vitattus_ 78
  _Chimaera monstrosa_ 53
  Chimre 53
  _Clupea harengus_ 19
  -- _menhaden_ 29
  -- _pilchardus_ 27
  -- _sprattus_ 25
  _Conger vulgaris_ 48
  _Cottus scorpius_ 88, 89*
  _Cyclopterus lumpus_ 86

  _Dactylopterus volitans_ 72
  Delphine 18
  Devonfische 63
  _Dicerobatis giornae_ 52
  _Diodon maculatus_ 80
  Dornhai 45*, 58
  Dorsch 29*, 30-33

  _Echeneis remora_ 38
  Ellerbeck, Hauptsitz der Sprottenrucherei 26
  _Engraulis encrasicholus_ 29
  _Eurypharynx pelecanoides_ 93*
  _Exocoetus exsiliens_ 72
  -- _volitans_ 72

  Fahnenfisch 78
  Fetzenfisch 64
  _Fierasfer acus_ 38
  Fischmarkt 7, 8
  Fische, fliegende 65
  Fischereiwirtschaft 9
  Flugdrache 72
  Flugfische 65-71
  Flughahn 72
  Flunder 40, 42, 43*

  _Gadus aeglefinus_ 30
  -- _morrhua_ 29*, 30
  _Gastrosteus spinachia_ 91*
  Geiler 78
  _Gigantura chuni_ 92
  _Gobius niger_ 87
  Goldbutt 44
  Gonostomiden 94
  Gromaul 93
  Groschweif 92
  Grundschleppnetz 14*

  Hai 16, 38, 54-57, 62
  Haifisch-Ei 58*
  Halbmakrele 39
  Hammerfisch 53
  Hausen 60
  Heilbutt 44
  Hering 19-24
  --, fliegender 72
  Heringsrucherei, Rucherofen 24*, 26
  Herzogsfisch 78
  _Hippocampus antiquorum_ 88
  _Hippoglossus vulgaris_ 44
  Hochseefischerei 6, 12
  Hundshai 57

  Igelfisch 80, 81

  Kabeljau 16, 30, 31, 33, 39
  Kaiserfisch 78
  Katfisch 17
  Katzenhai 57
  Kaviar 60, 61
  Kieler Sprotten 25
  Klippfisch 33, 78
  Klumpfisch 82, 83
  Knigsfisch 53
  Korallenfisch 78
  Korksohlen 17
  Knurrhahn 16, 45*, 83*, 84
  Kugelfisch 81*, 82

  Laberdan 33
  _Labrus maculatus_ 80
  -- _mixtus_ 80
  Lanzettfischchen 63
  _Latrunculus perlucidus_ 63
  Lebertran 32
  Lengfisch 16
  Lippfisch 80
  _Lophius piscatorius_ 64
  Lotsenfisch 59
  Lump 86, 87
  Luzonfisch 63

  _Macropharynx_ 93
  Makrele 17, 37*, 38
  Meeraal 48
  Meerengel 53
  Meeresforschung 6
  Meergrundel 63, 87
  Meerpapageien 84
  Meerschwalbe 72
  Meerschweine 18
  _Melanocetus johnsoni_ 93
  -- _krechi_ 93
  _Mistichthys luzonensis_ 63
  _Mola mola_ 82
  Mondfisch 82, 83
  _Mullus barbatus_ 78
  _Muraena helena_ 48
  Murnen 46-48

  Nagelrochen 45*, 51*, 52
  _Naucratus ductor_ 59
  _Nerophis aequoreus_ 90*, 91

  _Palaeospondylus_ 63
  _Periophthalmus koelreuteri_ 72
  Petermnnchen 16, 44, 46
  Petersfische 41
  Pilchards 29, 48
  Plattfische 40-43
  _Pleuronectes flesus_ 43*, 44
  -- _platessa_ 44
  _Pogonias chromis_ 85
  _Pristis antiquorum_ 53
  _Pterois volitans_ 72
  _Phyllopteryx eques_ 64

  _Raja clavata_ 51*
  Rauhhai 57
  _Rhina squatina_ 53
  _Rhinodon typicus_ 57
  _Rhombus maximus_ 44
  Riesenhai 57
  Rochen 51, 53
  -- -Ei 58*
  Rotzungen 17

  Sgefisch 53
  Sardelle 29
  Sardine 27
  _Scatophagus argus_ 78, 79*
  Schellfische 16, 30, 32, 33, 39
  Scherbretterschleppnetz 32
  Schiffshalter 38
  Schlammspringer 72
  Schlangennadel 90*, 91
  Schollen 40*, 41, 45*
  Schuppenflosser 76
  Schtzenfisch 75
  Schutzfrbung 78
  Schwalbenfisch 72
  Schwarzfisch 93
  Schwertfisch 61, 62
  _Sciaena aquila_ 86
  _Scomber pelamys_ 38, 72
  -- _scomber_ 37*
  _Scyllium canicula_ 57
  -- _catulus_ 57
  Seebarbe 78
  Seefisch-Versand 19
  Seegurke 38, 39
  Seehase 17, 45*, 86, 87
  Seehenne 16
  Seekatze 53
  Seenadel 90
  Seepferdchen 45*, 88-90
  Seeratte 53
  Seeruberchen 63
  Seeskorpion 88, 89*
  Seestichling 91*
  Seeteufel 45*, 64, 65, 86
  Seezunge 44
  _Selache maxima_ 57
  _Solea vulgaris_ 44
  Somatolyse 78
  Spke 53
  Springfisch 72
  Spritzfisch 75, 76
  Sprotten, Aufziehen der 25*
  Stachelbarsch, fliegender 72
  Stechrochen 52
  Steinbutt 16, 44, 45*
  Stcker 39
  Stockfisch 33
  _Stomias boa_ 92*, 93
  Str 59, 60, 61
  _Strombus gigas_ 39
  _Stylophthalmus paradoxus_ 92
  _Synanceja verrucosa_ 46
  _Syngnathus acus_ 90

  _Tetrodon fahaka_ 81*, 82
  Teufelsrochen 52
  Thunfisch 34*-37
  _Thynnus thynnus_ 34*
  Tiefseefische 92*, 93*, 94*
  _Torpedo marmorata_ 48
  _Toxotes jaculator_ 75*
  _Trachinus draco_ 44
  -- _vipera_ 47
  _Trigla hirundo_ 83*
  -- _lucerna_ 72
  Trommelfische 85
  _Trygon pastinaca_ 52

  Vipernfisch 47

  Weihai 57
  Weltfischerei 9

  _Xiphias gladius_ 61

  Zauberfisch 46
  Zitteraal 48, 49
  Zitterrochen 48-50
  Zitterwels 48
  _Zygaena malleus_ 53

                    *       *       *       *       *


       Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages!


 Zum Beitritt in den Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, laden wir

                            alle Naturfreunde

jeden Standes, sowie alle Schulen, Volksbchereien, Vereine usw. ein. --
Auer dem geringen

                     _Jahresbeitrag von nur M 4.80_

(Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, durch die Post Porto
besonders.)

= K 5.80 h. . W. = Frs 6.40 erwachsen dem Mitglied $keinerlei$
Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende groe Vorteile geboten:

Die Mitglieder erhalten laut  5 als Gegenleistung fr ihren
Jahresbeitrag im Jahre 1914 $kostenlos$:

  I. $Die Monatschrift Kosmos, Handweiser fr Naturfreunde.$
     Reich illustr.
     Mit mehreren Beiblttern (siehe S. 3 des Prospektes). Preis fr
     Nichtmitglieder M 2.80.

 II. $Die ordentlichen Verffentlichungen.$ Nichtmitglieder zahlen den
     Einzelpreis von M 1.-- pro Band.

     Wilhelm Boelsche, Tierwanderungen in der Urwelt.
     Dr. Kurt Floericke, Meeresfische.
     Dr. Alexander Lipschtz, Warum wir sterben.
     Dr. Fritz Kahn, Die Milchstrae.
     Dr. Oskar Nagel, Die Romantik der Chemie.

       nderungen vorbehalten. (Nheres wird im Kosmos-Handweiser
                            bekanntgegeben.)

III. $Vergnstigungen beim Bezuge von hervorragenden
naturwissenschaftlichen Werken$ (siehe Seite 7 des Prospektes).

[Zeigefinger] =Jede Buchhandlung= nimmt Beitrittserklrungen entgegen und
besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich an die
Geschftsstelle des Kosmos in Stuttgart.

                Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.
                Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.

                    *       *       *       *       *


                                 Satzung

  $ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde
       auf geschftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis
       der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das
       Verstndnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres
       Volkes verbreiten.

  $ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die
       Herausgabe eines den Mitgliedern $kostenlos$ zur Verfgung
       gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers ( 5); durch
       Herausgabe neuer, von hervorragenden Autoren verfater, im guten
       Sinne gemeinverstndlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts,
       die sie ihren Mitgliedern $unentgeltlich$ oder zu $einem besonders
       billigen Preise$ zugnglich macht, usw.

  $ 3. Die Grnder der Gesellschaft bilden den geschftsfhrenden
       Ausschu, den Vorstand usw.

  $ 4. $Mitglied kann jeder werden$, der sich zu einem Jahresbeitrag von
       M 4.80 = K 5.80 h. . W. = Frs 6.40 (exkl. Porto) verpflichtet.
       Andere Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben
       sind, erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann
       $jederzeit$ erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der
       Austritt ist gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen,
       womit alle weiteren Ansprche an die Gesellschaft erlschen.

   5. Siehe vorige Seite.

   6. Die Geschftsstelle befindet sich bei der $Franckh'schen
       Verlagshandlung, Stuttgart$, Pfizerstrae 5. Alle Zuschriften,
       Sendungen und Zahlungen (vgl.  5) sind, soweit sie nicht durch
       eine Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten.

                    *       *       *       *       *


                                 Kosmos

                       Handweiser fr Naturfreunde

          Erscheint jhrlich zwlfmal -- 2 bis 3 Bogen stark --
                              und enthlt:

$Originalaufstze$ von allgemeinem Interesse aus smtlichen Gebieten der
Naturwissenschaften. Reich illustriert.

$Regelmig orientierende Berichte$ ber Fortschritte und neue
Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft.

$Auskunftsstelle -- Interessante kleine Mitteilungen.$

$Mitteilungen ber Naturbeobachtungen$, Vorschlge und Anfragen aus dem
Leserkreise.

$Bibliographische Notizen$ ber bemerkenswerte neue Erscheinungen der
deutschen naturwissenschaftlichen Literatur.

                    *       *       *       *       *


             Der Handweiser mit seinen illustr. Beiblttern:

     Wandern und Reisen / Aus Wald und Heide / Photographie und
     Naturwissenschaft / Technik und Naturwissenschaft / Haus, Garten und
     Feld / Die Natur in der Kunst / Natur und Heimatschutz /

 kostet fr Mitglieder nichts, whrend Nichtmitglieder ohne Buchbeilage
                         jhrlich M 2.80 zahlen.

            $Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt.$

                    *       *       *       *       *


                     Buchbeigaben fr das Jahr 1914:

                     Tierwanderungen in der Urwelt.

                         Von $Wilhelm Blsche$.


Mit vielen hochinteressanten Bildern und einem farbigen Umschlag nach
Originalzeichnungen von Prof. =Heinrich Harder= in Berlin.

$Fr Nichtmitgl.: In farb. Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. . W., Frs. 1.35.
In Leinen geb. M 1.80, K. 2.20 h. . W., Frs. 2.35.$

[Illustration]

Die Entdeckungen groer und aufflliger, die Erde heute noch bevlkernder
Tierformen haben allmhlich stark nachgelassen. Dafr sind der Tierkunde
neue und bedeutsame Aufgaben erwachsen. Eine der brennendsten betrifft
die Verbreitung der Tiere auf der Erde. Warum sind die Sugetiere des
tropischen Amerika grundverschieden von den unter gleicher Zone wohnenden
Sugetieren des tropischen Afrika? Warum leben in Australien noch viele
urweltliche Tiere fort, die sonst berall ausgestorben sind? Diese und
viele andere Rtsel knnen aber nicht gelst werden durch die Annahme
einfacher Anpassung an die heutigen Verhltnisse. Geologische Ausblicke
sind dazu ntig; die Tierwelt mu betrachtet werden in ihrer Einordnung
in die andersartigen Landgebiete der Urwelt. Geheimnisvolle Wanderungen
der Tierarten in der vorgeschichtlichen Zeit mssen bercksichtigt
werden. In dieses hochinteressante neue Gebiet fhrt Blsches neues Werk,
das zugleich eine Fortsetzung von des Verfassers bekannter Schrift ber
Festlnder und Meere im Wechsel der Zeiten ist.

                    *       *       *       *       *


                              Meeresfische.

                       Von $_Dr._ Kurt Floericke$.

    =Mit zahlreichen Abbildungen= / $Fr Nichtmitglieder: in farbigem
         Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. . W., Frs. 1.35.$

        $In Leinen gebunden M 1.80, K. 2.20 h. . W., Frs. 2.35.$

[Illustration]

Das Bndchen schliet sich an das des bekannten Autors ber die
Einheimischen Fische an. Er schildert hier in packender Weise die
wichtigsten Arten der Fische des Meeres und bercksichtigt dabei
besonders die ebaren Seefische, nicht nur zoologisch, sondern auch in
ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung als wichtiges Volks-Nahrungsmittel.
Der Fang, die weitere Behandlung und der Handel dieser Seefische werden
eingehend beschrieben. Die vielen Abbildungen, die grten Teils nach
Photographien lebender Fische angefertigt sind, erhhen den Wert des
Buches.

                    *       *       *       *       *


                           Warum wir sterben?

                    Von $_Dr._ Alexander Lipschtz.$

                     =Mit zahlreichen Abbildungen.=

$Fr Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag geh. M 1.--, K. 1.20 h. . W.,
   Frs. 1.35 / In Leinwand geb. M 1.80, K. 2.20 h. . W., Frs. 2.35.$

[Illustration]

Das Bndchen behandelt ein fr jeden denkenden Menschen sehr
interessantes Thema. Der Verfasser geht darin der Frage nach, ob es fr
uns Menschen einen natrlichen, nicht durch Krankheit bedingten Tod gibt
und fhrt dann den Tod als eine natrliche Erscheinung des Alters vor.
Seine naturwissenschaftliche Analyse des Todes lt der Verfasser in
einen Hymnus auf das schaffende Leben ausklingen.

                    *       *       *       *       *


                            Die Milchstrae.

                         Von $Dr. Fritz Kahn.$

                     =Mit zahlreichen Abbildungen.=

$Fr Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. . W. Frs.
        1.35:: In Leinen geb. M 1.80 K. 2.20 h. . W. Frs. 2.35.$

[Illustration]

Ausgehend vom Weltbild der Alten zeigt der Verfasser, wie durch die
Erfindung des Fernrohrs, der Spektralanalyse und schlielich durch die
Anwendung der Photographie das Weltbild immer mehr erweitert wurde, und
wie man in den letzten Jahrzehnten immer mehr dahin kam, die
systematischen Begriffe des Planetensystems auch auf die Fixsternwelt zu
bertragen. Die Spektralanalyse lt uns die chemische Natur der Sterne
erkennen, die photographische Platte die Gesetzmigkeit der
Sternbewegungen. Diese Forschungen ergeben eine groartige
Entwicklungsgeschichte des Weltalls, in dem man Weltsysteme auf allen
Stufen der Entwicklung vom Urnebel an bis herauf zum hchsten Gebilde,
der Milchstrae, vorfand. Als hchstentwickelte Einheit erscheint uns die
Milchstrae, deren Bau, Gre, Anordnung der Sterne, Sterngruppen
anschaulich geschildert werden. Die Sterne befinden sich im
Milchstraenstaat in einem Kreislauf, wie unser Blut im Krper. Von der
Peripherie des Systems kreisen kosmische Staubmassen in Spiralbahnen der
Mitte zu, nhern sich gegenseitig und zerschellen in der Nhe des
Zentrums. Dieses Schicksal bot die Nova Persei vor einigen Jahren. Auch
uns widerfhrt es einst und wir beginnen dann von neuem den ewigen
Kreislauf des Stoffes und der Kraft, wie wir ihn wahrscheinlich schon
millionenmal durchlaufen haben und finden darin eine groartige ungeahnte
naturwissenschaftliche Auslegung des Unsterblichkeitsgedankens.

                    *       *       *       *       *


                        Die Romantik der Chemie.

                         Von $Dr. Oskar Nagel.$

   =Mit zahlreichen Abbildungen.= / $Fr Nichtmitglieder: In farbigem
         Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. . W., Frs. 1.35.$

       $In Leinwand gebunden M 1.80, K. 2.20 h. . W., Frs. 2.35.$

Kein Wissensgebiet der Menschheit ist so durchaus romantisch und zugleich
vom grten praktischen Nutzen wie die Chemie. Eine unendliche Menge von
neuartigen Stoffen, von denen vergangene Jahrzehnte kaum zu trumen
wagten, ist von der Chemie hergestellt worden. Tausende gelehrter
Chemiker sind in ihren stillen Laboratorien fr den weiteren Ausbau
dieser Wissenschaft ttig, tausende von Fabriksschloten erzeugen den Zug,
um das Feuer der chemischen Fabrikfen zu unterhalten. Aus unscheinbaren
Rohprodukten und Abfllen aller Art werden wertvolle Erzeugnisse fr
Technik und Industrie, das Heilwesen und das tgliche Leben hergestellt.
Sprengstoffe von fabelhafter Strke, Farbstoffe von wunderbarer Pracht,
Ersatzstoffe in grter Mannigfaltigkeit, wie Kunstseide, Zelluloid usw.
werden massenweise fr den tglichen Gebrauch hergestellt, whrend die
viele tausend von Grad starke Glut der elektrischen fen die Gewinnung
der edelsten und seltensten Stoffe mglich macht.

[Illustration]

All dies behandelt in leicht verstndlicher, uerst anregender Weise
Die Romantik der Chemie. Der Leser wird, wie auf einem phantastischen
Spaziergange, durch die wunderbaren Werksttten der Praxis und
Wissenschaft gefhrt. Mit der Gewinnung des Goldes in den groen
berseeischen Goldfeldern beginnend, durchwandert der Verfasser das ganze
Gebiet der chemischen Industrien, erklrt das Wesen des Erfindens und
Entdeckens und beschliet sein Werkchen mit hochinteressanten Ausblicken
auf die Chemie der Erde und ber die Chemie des Lebens.

                    *       *       *       *       *


               Wer ein Leser des Kosmos ist, der hat auch
                 Interesse fr seine beiden Gegenstcke:


                         Technische Monatshefte.

Sie wollen dem Laien, dem Fachmann u. der strebsamen Jugend in Wort und
Bild und in gemeinverstndlicher Darstellung Anleitung zum Verstndnis
des gesamten Gebietes der modernen Technik bieten.

             $Halbjhrlich fr 6 Hefte nebst 2 Buchbeilagen
               nur M 3.50 / K. 4.20 h. . W. / Frs. 4.70.$


                           Zeiten und Vlker.

Diese Monatsschrift, die interessante reich illustrierte Aufstze aus dem
Gebiet der Geschichte, Kulturgeschichte, Vlkerkunde usw. bringt, ist ein
Familienblatt im besten Sinne des Wortes; sie will Sinn und Verstndnis
fr geschichtliche Zusammenhnge wecken und gediegene historische
Kenntnisse in anschaulicher Weise vermitteln.

               $Jhrlich fr 12 Hefte nebst 2 Buchbeilagen
               nur M 4.80 / K. 5.80 h. . W. / Fr. 6.40.$

         Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt von der

              $Franckh'schen Verlagshandlung in Stuttgart$

                    *       *       *       *       *


Die Mitglieder des =Kosmos= haben bekanntlich nach Paragraph 5 III das
Recht, auerordentliche Verffentlichungen und die den Mitgliedern
angebotenen Bcher zu =einem Ausnahmepreis= zu beziehen. Es befinden sich
u. a. darunter folgende Werke:

                                                      +===========+======
                                                      | Preis   | Mit-
                                                      |f. Nicht-|glieder-
                                                      | mitgl.  | preis
                                                      +---------+--------
  $Altpeter, ABC der Chemie$                          |  2.40   |  1.--
  $Bergmiller, Erfahr. a. u. Gebiete d. hoh. Jagd.$   |         |
      Geb.                                            |  4.50   |  3.50
  $Blsche, W., Der Sieg des Lebens.$ Fein gebunden   |  1.80   | 1.50
  $Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.$  |         |
    Geb.                                              |  4.50   | 2.90
  $Ewald, Mutter Natur erzhlt.$ Gebunden             |  4.80   | 3.60
  $  "      Der Zweifssler.$ Gebunden                |  4.80   | 3.60
  $  "      Vier feine Freunde.$ Gebunden             |  4.80   | 3.60
  $Fabre, J. H. Sternhimmel$. Gebunden                |  4.80   | 3.60
  $  "      Bilder a. d. Insektenwelt.$ I/II, III/IV. |         |
      2 Bde. geb. je                                  |  4.50   | 3.40
  $  "      Blick ins Kferleben.$ Broschiert         |  1.--   |--.50
  $Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.$ Gebunden| 10.--   | 8.40
  $   "          Taschenbuch zum Vogelbestimmem.$ Geb.|  3.80   | 2.90
  $Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.$ Geb.   |  3.80   | 2.90
  $Grbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.$ Geb.  |  3.80   | 2.90
  $Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.$ Gebunden   |  3.60   | 2.80
  $Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.$     |         |
      Kart.                                           |  4.50   | 1.70
  $Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.$ Brosch.  |  1.--   |--.50
  $Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.$ Geb.     |  4.50   | 3.50
  $Leben der Pflanze.$ Bd. I, II, III, IV, V, VI, VII,|         |
      VIII, geb. je                                   | 15.--   |13.50
  $Lindemann, Die Erde.$ Bd. I. Gebunden              |  9.--   | 8.--
  $    "       "   "$    Bd. II. Gebunden             |  9.--   | 8.--
  $Meyer. Dr. M. Wilh., Die gyptische Finsternis.$   |         |
      Geb.                                            |  3.--   | 1.90
  $Monographien unserer Haustiere$: Bd. I Schumann,   |         |
  Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III      |         |
  Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn             |  1.40   | 1.05
  $Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.$ Gebunden       | 13.60   |12.20
  $Schrader, Liebesleben der Tiere.$ Broschiert       |  1.40   | 1.10
  $Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.$ Bd. I  |         |
      geb.                                            |  4.20   | 3.60
  $  "                       --"--$             "  II |         |
      geb.                                            |  3.80   | 3.30
  $Schwind-Gemen, Rosenbchlein.$ Gebunden            |  1.50   | 1.25
  $Stevens, Frank, Ausflge ins Ameisenreich.$ Geb.   |  2.50   | 1.85
  $   "       "      Die Reise ins Bienenland.$ Geb.  |  2.50   | 1.85
  $Strandbchlein.$ Gebunden                          |  1.25   | 1.--
  $Stridde, Allgemeine Zoologie.$ Gebunden            |  7.--   | 6.20
  $Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.$ Geb.|  4.80   | 3.60
  $   "                Prrietiere und ihre           |         |
       Schicksale.$ Fein geb.                         |  4.80   | 3.60
  $   "                Tierhelden.$ Fein gebunden     |  4.80   | 3.60
  $Wurm, Waldgeheimnisse.$ Gebunden                   |  4.80   | 3.60

                    und zahlreiche andere Werke mehr.

                    *       *       *       *       *


                   Die ordentlichen Verffentlichungen

frherer Jahre erhalten Mitglieder, solange vorrtig, zu Ausnahmepreisen:

:1904:

(Handweiser vergriffen) zusammen fr M 4.-- (Preis fr Nichtmitglieder
M 5.--), geb. fr M 6.20 (fr Nichtmitglieder M 8.40):

  $Blsche, W., Abstammung des Menschen.$
  $Meyer, Dr. M. Wilh. (Urania-Meyer), Weltuntergang.$
  $Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernnftig?$ (Doppelband)
  $Meyer, Dr. M. Wilh., Weltschpfung.$


:1905:

(Handweiser vergriffen) zusammen fr M 4.-- (Preis fr Nichtmitglieder
M 5.--), geb. fr M 6.75 (fr Nichtmitglieder M 9.--):

  $Blsche, W., Stammbaum der Tiere.$
  $Welten, Die Sinne der Pflanzen.$
  $Zell, Dr. Th., Tierfabeln.$
  $Teichmann, Dr. E., Leben und Tod.$
  $Meyer (Urania), Sonne und Sterne.$


:1906:

(Handweiser vergriffen) zusammen M 4.-- (fr Nichtmitglieder M 5.--) und
geb. fr M 6.75 (fr Nichtmitglieder M 9.--):

  $Welten, Wie die Pflanzen lieben.$
  $Meyer, Dr. M. Wilh., Rtsel d. Erdpole.$
  $Zell, Dr. Th., Streifzge durch d. Tierwelt.$
  $Blsche, Wilh., Im Steinkohlenwald.$
  $Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.$


:1907:

ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr
M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--):

  $Kuhlmann, Aus der Wunderwelt des Wassertropfens.$
  $Zell, Dr. Th., Strauenpolitik.$
  $Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore.$
  $Teichmann, Dr. E., Fortpflanzung und Zeugung.$
  $Floericke, Dr. K., Die Vgel des deutschen Waldes.$


:1908:

ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr
M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--):

  $Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane.$
  $Teichmann, Dr. E., Die Vererbung.$
  $Saj, Krieg u. Frieden im Ameisenstaat.$
  $Dekker, Naturgeschichte des Kindes.$
  $Floericke, Dr. K., Sugetiere des deutschen Waldes.$


:1909:

ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr
M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--):

  $Unruh, Leben mit Tieren.$
  $Meyer, Dr. M. Wilh., Der Mond.$
  $Saj, Prof. K., Die Honigbiene.$
  $Floericke, Kriechtiere u. Lurche Deutschl.$
  $Blsche, Wilh., Der Mensch in der Tertirzeit und im Diluvium.$


:1910:

ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr
M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--):

  $Koelsch, Pflanzen zwisch. Dorf u. Trift.$
  $Dekker, Fhlen und Hren.$
  $Meyer, Welt der Planeten.$
  $Floericke, Sugetiere fremder Lnder.$
  $Weule, Kultur der Kulturlosen.$


:1911:

ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr
M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--):

  $Koelsch, Durch Heide und Moor.$
  $Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.$
  $Blsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit.$
  $Floericke, Vgel fremder Lnder.$
  $Weule, Kulturelemente der Menschheit.$


:1912:

ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr
M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--):

  $Gibson-Gnther, Was ist Elektrizitt?$
  $Dannemann, Wie uns. Weltbild entstand.$
  $Floericke, Fremde Kriechtiere u. Lurche.$
  $Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfrsorge.$
  $Koelsch, Wrger im Pflanzenreich.$


:1913:

ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr
M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--):

  $Blsche, Festlnder und Meere.$
  $Floericke, Einheimische Fische.$
  $Koelsch, Der blhende See.$
  $Zart, Bausteine des Weltalls.$
  $Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.$

            _Allen Jahrgngen auer 1904, 1905 u. 1906 werden
        die 12 Hefte des betr. Handweiser-Jahrganges beigefgt._

Smtl. noch vorhand. Jahrgnge der Kosmos-Verffentlichungen (s. obige
Zusammenstellung) liefern wir an Mitgl.: geh. fr M 38.-- (Preis fr
Nichtmitgl. 96.--), geb. (auch Handw.) fr M 62.-- (Preis fr Nichtmitgl.
113.80) $auch gegen kleine monatl. Ratenzahlungen$.

                    *       *       *       *       *

Anmerkungen zur Transkription:

Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden bernommen,
und offensichtliche Druckfehler korrigiert.

Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Passagen, die im Original in
Antiqua gesetzt sind, sind kursiv dargestellt.

Der Schmutztitel wurde entfernt.

Fett gedruckter Text wurde mit Dollarzeichen ($Text$), gesperrter Text
mit Gleichheitszeichen (=Text=) und kursiver Text wurde mit
Unterstrich (_text_) markiert.

Das Symbol gestorben wurde als [gestorben] dargestellt.

Das Symbol Zeigefinger wurde als [Zeigefinger] dargestellt.





End of the Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke

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Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
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state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
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number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
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The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

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    Chief Executive and Director
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Literary Archive Foundation

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