The Project Gutenberg EBook of Deutschland. Ein Wintermaerchen, by Heinrich Heine
(#6 in our series by Heinrich Heine)

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Title: Deutschland. Ein Wintermaerchen

Author: Heinrich Heine

Release Date: July, 2004  [EBook #6079]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on November 3, 2002]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: Latin1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DEUTSCHLAND. EIN WINTERMAERCHEN ***




This eBook was from Project Gutenberg of Germany.  Reformatting by Gunther
Olesch and Andrew Sly.




"Deutschland. Ein Wintermrchen" (Germany. A winter tale) by Heinrich
Heine [in German]



Heinrich Heine

Deutschland. Ein Wintermrchen




VORWORT

Das nachstehende Gedicht schrieb ich im diesjhrigen Monat Januar zu
Paris, und die freie Luft des Ortes wehete in manche Strophe weit
schrfer hinein, als mir eigentlich lieb war. Ich unterlie nicht,
schon gleich zu mildern und auszuscheiden, was mit dem deutschen Klima
unvertrglich schien. Nichtsdestoweniger, als ich das Manuskript im
Monat Mrz an meinen Verleger nach Hamburg schickte, wurden mir noch
mannigfache Bedenklichkeiten in Erwgung gestellt. Ich mute mich dem
fatalen Geschfte des Umarbeitens nochmals unterziehen, und da mag es
wohl geschehen sein, da die ernsten Tne mehr als ntig abgedmpft
oder von den Schellen des Humors gar zu heiter berklingelt wurden.
Einigen nackten Gedanken habe ich im hastigen Unmut ihre Feigenbltter
wieder abgerissen, und zimperlich sprde Ohren habe ich vielleicht
verletzt. Es ist mir leid, aber ich trste mich mit dem Bewutsein,
da grere Autoren sich hnliche Vergehen zuschulden kommen lieen.
Des Aristophanes will ich zu solcher Beschnigung gar nicht erwhnen,
denn der war ein blinder Heide, und sein Publikum zu Athen hatte zwar
eine klassische Erziehung genossen, wute aber wenig von Sittlichkeit.
Auf Cervantes und Molire knnte ich mich schon viel besser berufen;
und ersterer schrieb fr den hohen Adel beider Kastilien, letzterer
fr den groen Knig und den groen Hof von Versailles! Ach, ich
vergesse, da wir in einer sehr brgerlichen Zeit leben, und ich sehe
leider voraus, da viele Tchter gebildeter Stnde an der Spree, wo
nicht gar an der Alster, ber mein armes Gedicht die mehr oder minder
gebogenen Nschen rmpfen werden! Was ich aber mit noch grerem
Leidwesen voraussehe, das ist das Zetern jener Phariser der
Nationalitt, die jetzt mit den Antipathien der Regierungen Hand in
Hand gehen, auch die volle Liebe und Hochachtung der Zensur genieen
und in der Tagespresse den Ton angeben knnen, wo es gilt, jene
Gegner zu befehden, die auch zugleich die Gegner ihrer allerhchsten
Herrschaften sind. Wir sind im Herzen gewappnet gegen das Mifallen
dieser heldenmtigen Lakaien in schwarzrotgoldner Livree. Ich hre
schon ihre Bierstimmen: Du lsterst sogar unsere Farben, Verchter
des Vaterlands, Freund der Franzosen, denen du den freien Rhein
abtreten willst! Beruhigt euch. Ich werde eure Farben achten und
ehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine mige oder
knechtische Spielerei sind. Pflanzt die schwarzrotgoldne Fahne auf
die Hhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien
Menschtums, und ich will mein bestes Herzblut fr sie hingeben.
Beruhigt euch, ich liebe das Vaterland ebensosehr wie ihr. Wegen
dieser Liebe habe ich dreizehn Lebensjahre im Exile verlebt, und
wegen ebendieser Liebe kehre ich wieder zurck ins Exil, vielleicht
fr immer, jedenfalls ohne zu flennen oder eine schiefmulige
Duldergrimasse zu schneiden. Ich bin der Freund der Franzosen, wie
ich der Freund aller Menschen bin, wenn sie vernnftig und gut sind,
und weil ich selber nicht so dumm oder so schlecht bin, als da ich
wnschen sollte, da meine Deutschen und die Franzosen, die beiden
auserwhlten Vlker der Humanitt, sich die Hlse brchen zum Besten
von England und Ruland und zur Schadenfreude aller Junker und Pfaffen
dieses Erdballs. Seid ruhig, ich werde den Rhein nimmermehr den
Franzosen abtreten, schon aus dem ganz einfachen Grunde: weil mir der
Rhein gehrt. Ja, mir gehrt er, durch unveruerliches Geburtsrecht,
ich bin des freien Rheins noch weit freierer Sohn, an seinem Ufer
stand meine Wiege, und ich sehe gar nicht ein, warum der Rhein
irgendeinem andern gehren soll als den Landeskindern. Elsa und
Lothringen kann ich freilich dem deutschen Reiche nicht so leicht
einverleiben, wie ihr es tut, denn die Leute in jenen Landen hngen
fest an Frankreich wegen der Rechte, die sie durch die franzsische
Staatsumwlzung gewonnen, wegen jener Gleichheitsgesetze und freien
Institutionen, die dem brgerlichen Gemte sehr angenehm sind, aber
dem Magen der groen Menge dennoch vieles zu wnschen briglassen.
Indessen, die Elsasser und Lothringer werden sich wieder an
Deutschland anschlieen, wenn wir das vollenden, was die Franzosen
begonnen haben, wenn wir diese berflgeln in der Tat, wie wir es
schon getan im Gedanken, wenn wir uns bis zu den letzten Folgerungen
desselben emporschwingen, wenn wir die Dienstbarkeit bis in ihrem
letzten Schlupfwinkel, dem Himmel, zerstren, wenn wir den Gott, der
auf Erden im Menschen wohnt, aus seiner Erniedrigung retten, wenn wir
die Erlser Gottes werden, wenn wir das arme, glckenterbte Volk und
den verhhnten Genius und die geschndete Schnheit wieder in ihre
Wrde einsetzen, wie unsere groen Meister gesagt und gesungen und wie
wir es wollen, wir, die Jnger - ja, nicht blo Elsa und Lothringen,
sondern ganz Frankreich wird uns alsdann zufallen, ganz Europa, die
ganze Welt - die ganze Welt wird deutsch werden! Von dieser Sendung
und Universalherrschaft Deutschlands trume ich oft, wenn ich unter
Eichen wandle. Das ist _mein_ Patriotismus.

Ich werde in einem nchsten Buche auf dieses Thema zurckkommen, mit
letzter Entschlossenheit, mit strenger Rcksichtslosigkeit, jedenfalls
mit Loyalitt. Den entschiedensten Widerspruch werde ich zu achten
wissen, wenn er aus einer berzeugung hervorgeht. Selbst der rohesten
Feindseligkeit will ich alsdann geduldig verzeihen; ich will sogar der
Dummheit Rede stehen, wenn sie nur ehrlich gemeint ist. Meine ganze
schweigende Verachtung widme ich hingegen dem gesinnungslosen Wichte,
der aus leidiger Scheelsucht oder unsauberer Privatgiftigkeit meinen
guten Leumund in der ffentlichen Meinung herabzuwrdigen sucht und
dabei die Maske des Patriotismus, wo nicht gar die der Religion und
der Moral, benutzt. Der anarchische Zustand der deutschen politischen
und literarischen Zeitungsbltterwelt ward in solcher Beziehung
zuweilen mit einem Talente ausgebeutet, das ich schier bewundern
mute. Wahrhaftig, Schufterle ist nicht tot, er lebt noch immer und
steht seit Jahren an der Spitze einer wohlorganisierten Bande von
literarischen Strauchdieben, die in den bhmischen Wldern unserer
Tagespresse ihr Wesen treiben, hinter jedem Busch, hinter jedem Blatt,
versteckt liegen und dem leisesten Pfiff ihres wrdigen Hauptmanns
gehorchen.

Noch ein Wort. Das Wintermrchen bildet den Schlu der Neuen
Gedichte, die in diesem Augenblick bei Hoffmann und Campe erscheinen.
Um den Einzeldruck veranstalten zu knnen, mute mein Verleger das
Gedicht den berwachenden Behrden zu besonderer Sorgfalt berliefern,
und neue Varianten und Ausmerzungen sind das Ergebnis dieser hheren
Kritik.

Hamburg, den 17. September 1844                        Heinrich Heine




CAPUT I

Im traurigen Monat November war's,
Die Tage wurden trber,
Der Wind ri von den Bumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinber.

Und als ich an die Grenze kam,
Da fhlt ich ein strkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ein kleines Harfenmdchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefhle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerhret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklrt in ew'gen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den groen Lmmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich wei, sie tranken heimlich Wein
Und predigten ffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glcklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleiige Hnde erwarben.

Es wchst hienieden Brot genug
Fr alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schnheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen fr jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel berlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Und wachsen uns Flgel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schnen Geniusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Sie schwelgen im ersten Kusse.

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gltig nicht minder -
Es lebe Brutigam und Braut,
Und ihre zuknftigen Kinder!

Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied,
Das bessere, das neue!
In meiner Seele gehen auf
Die Sterne der hchsten Weihe -

Begeisterte Sterne, sie lodern wild,
Zerflieen in Flammenbchen -
Ich fhle mich wunderbar erstarkt,
Ich knnte Eichen zerbrechen!

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchstrmen mich Zaubersfte -
Der Riese hat wieder die Mutter berhrt,
Und es wuchsen ihm neu die Krfte.



CAPUT II

Whrend die Kleine von Himmelslust
Getrillert und musizieret,
Ward von den preuischen Douaniers
Mein Koffer visitieret.

Beschnffelten alles, kramten herum
In Hemden, Hosen, Schnupftchern;
Sie suchten nach Spitzen, nach Bijouterien,
Auch nach verbotenen Bchern.

Ihr Toren, die ihr im Koffer sucht!
Hier werdet ihr nichts entdecken!
Die Konterbande, die mit mir reist,
Die hab ich im Kopfe stecken.

Hier hab ich Spitzen, die feiner sind
Als die von Brssel und Mecheln,
Und pack ich einst meine Spitzen aus,
Sie werden euch sticheln und hecheln.

Im Kopfe trage ich Bijouterien,
Der Zukunft Krondiamanten,
Die Tempelkleinodien des neuen Gotts,
Des groen Unbekannten.

Und viele Bcher trag ich im Kopf!
Ich darf es euch versichern,
Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest
Von konfiszierlichen Bchern.

Glaubt mir, in Satans Bibliothek
Kann es nicht schlimmere geben;
Sie sind gefhrlicher noch als die
Von Hoffmann von Fallersleben! -

Ein Passagier, der neben mir stand,
Bemerkte mir, ich htte
Jetzt vor mir den preuischen Zollverein,
Die groe Douanenkette.

Der Zollverein - bemerkte er -
Wird unser Volkstum begrnden,
Er wird das zersplitterte Vaterland
Zu einem Ganzen verbinden.

Er gibt die uere Einheit uns,
Die sogenannt materielle;
Die geistige Einheit gibt uns die Zensur,
Die wahrhaft ideelle -

Sie gibt die innere Einheit uns,
Die Einheit im Denken und Sinnen;
Ein einiges Deutschland tut uns not,
Einig nach auen und innen.



CAPUT III

Zu Aachen, im alten Dome, liegt
Carolus Magnus begraben.
(Man mu ihn nicht verwechseln mit Karl
Mayer, der lebt in Schwaben.)

Ich mchte nicht tot und begraben sein
Als Kaiser zu Aachen im Dome;
Weit lieber lebt' ich als kleinster Poet
Zu Stukkert am Neckarstrome.

Zu Aachen langweilen sich auf der Stra'
Die Hunde, sie flehn untertnig:
Gib uns einen Futritt, o Fremdling, das wird
Vielleicht uns zerstreuen ein wenig.

Ich bin in diesem langweil'gen Nest
Ein Stndchen herumgeschlendert.
Sah wieder preuisches Militr,
Hat sich nicht sehr verndert.

Es sind die grauen Mntel noch
Mit dem hohen, roten Kragen -
(Das Rot bedeutet Franzosenblut,
Sang Krner in frheren Tagen.)

Noch immer das hlzern pedantische Volk,
Noch immer ein rechter Winkel
In jeder Bewegung, und im Gesicht
Der eingefrorene Dnkel.

Sie stelzen noch immer so steif herum,
So kerzengerade geschniegelt,
Als htten sie verschluckt den Stock,
Womit man sie einst geprgelt.

Ja, ganz verschwand die Fuchtel nie,
Sie tragen sie jetzt im Innern;
Das trauliche Du wird immer noch
An das alte Er erinnern.

Der lange Schnurrbart ist eigentlich nur
Des Zopftums neuere Phase:
Der Zopf, der ehmals hinten hing,
Der hngt jetzt unter der Nase.

Nicht bel gefiel mir das neue Kostm
Der Reuter, das mu ich loben,
Besonders die Pickelhaube, den Helm
Mit der sthlernen Spitze nach oben.

Das ist so rittertmlich und mahnt
An der Vorzeit holde Romantik,
An die Burgfrau Johanna von Montfaucon,
An den Freiherrn Fouqu, Uhland, Tieck.

Das mahnt an das Mittelalter so schn,
An Edelknechte und Knappen,
Die in dem Herzen getragen die Treu
Und auf dem Hintern ein Wappen.

Das mahnt an Kreuzzug und Turnei,
An Minne und frommes Dienen,
An die ungedruckte Glaubenszeit,
Wo noch keine Zeitung erschienen.

Ja, ja, der Helm gefllt mir, er zeugt
Vom allerhchsten Witze!
Ein kniglicher Einfall war's!
Es fehlt nicht die Pointe, die Spitze!

Nur frcht ich, wenn ein Gewitter entsteht,
Zieht leicht so eine Spitze
Herab auf euer romantisches Haupt
Des Himmels modernste Blitze! - -

Zu Aachen, auf dem Posthausschild,
Sah ich den Vogel wieder,
Der mir so tief verhat! Voll Gift
Schaute er auf mich nieder.

Du hlicher Vogel, wirst du einst
Mir in die Hnde fallen,
So rupfe ich dir die Federn aus
Und hacke dir ab die Krallen.

Du sollst mir dann, in luft'ger Hh',
Auf einer Stange sitzen,
Und ich rufe zum lustigen Schieen herbei
Die rheinischen Vogelschtzen.

Wer mir den Vogel herunterschiet,
Mit Zepter und Krone belehn ich
Den wackern Mann! Wir blasen Tusch
Und rufen: Es lebe der Knig!



CAPUT IV

Zu Kllen kam ich sptabends an,
Da hrte ich rauschen den Rheinflu,
Da fchelte mich schon deutsche Luft,
Da fhlt ich ihren Einflu -

Auf meinen Appetit. Ich a
Dort Eierkuchen mit Schinken,
Und da er sehr gesalzen war,
Mut ich auch Rheinwein trinken.

Der Rheinwein glnzt noch immer wie Gold
Im grnen Rmerglase,
Und trinkst du etwelche Schoppen zuviel,
So steigt er dir in die Nase.

In die Nase steigt ein Prickeln so s,
Man kann sich vor Wonne nicht lassen!
Es trieb mich hinaus in die dmmernde Nacht,
In die widerhallenden Gassen.

Die steinernen Huser schauten mich an,
Als wollten sie mir berichten
Legenden aus altverschollener Zeit,
Der heil'gen Stadt Kllen Geschichten.

Ja, hier hat einst die Klerisei
Ihr frommes Wesen getrieben,
Hier haben die Dunkelmnner geherrscht,
Die Ulrich von Hutten beschrieben.

Der Cancan des Mittelalters ward hier
Getanzt von Nonnen und Mnchen;
Hier schrieb Hochstraaten, der Menzel von Kln,
Die gift'gen Denunziatinchen.

Die Flamme des Scheiterhaufens hat hier
Bcher und Menschen verschlungen;
Die Glocken wurden gelutet dabei
Und Kyrie eleison gesungen.

Dummheit und Bosheit buhlten hier
Gleich Hunden auf freier Gasse;
Die Enkelbrut erkennt man noch heut
An ihrem Glaubenshasse. -

Doch siehe! dort im Mondenschein
Den kolossalen Gesellen!
Er ragt verteufelt schwarz empor,
Das ist der Dom von Kllen.

Er sollte des Geistes Bastille sein,
Und die listigen Rmlinge dachten:
In diesem Riesenkerker wird
Die deutsche Vernunft verschmachten!

Da kam der Luther, und er hat
Sein groes Halt! gesprochen -
Seit jenem Tage blieb der Bau
Des Domes unterbrochen.

Er ward nicht vollendet - und das ist gut.
Denn eben die Nichtvollendung
Macht ihn zum Denkmal von Deutschlands Kraft
Und protestantischer Sendung.

Ihr armen Schelme vom Domverein,
Ihr wollt mit schwachen Hnden
Fortsetzen das unterbrochene Werk,
Und die alte Zwingburg vollenden!

O trichter Wahn! Vergebens wird
Geschttelt der Klingelbeutel,
Gebettelt bei Ketzern und Juden sogar;
Ist alles fruchtlos und eitel.

Vergebens wird der groe Franz Liszt
Zum Besten des Doms musizieren,
Und ein talentvoller Knig wird
Vergebens deklamieren!

Er wird nicht vollendet, der Klner Dom,
Obgleich die Narren in Schwaben
Zu seinem Fortbau ein ganzes Schiff
Voll Steine gesendet haben.

Er wird nicht vollendet, trotz allem Geschrei
Der Raben und der Eulen,
Die, altertmlich gesinnt, so gern
In hohen Kirchtrmen weilen.

Ja, kommen wird die Zeit sogar,
Wo man, statt ihn zu vollenden,
Die inneren Rume zu einem Stall
Fr Pferde wird verwenden.

Und wird der Dom ein Pferdestall,
Was sollen wir dann beginnen
Mit den Heil'gen Drei Kn'gen, die da ruhn
Im Tabernakel da drinnen?

So hre ich fragen. Doch brauchen wir uns
In unserer Zeit zu genieren?
Die Heil'gen Drei Kn'ge aus Morgenland,
Sie knnen woanders logieren.

Folgt meinem Rat und steckt sie hinein
In jene drei Krbe von Eisen,
Die hoch zu Mnster hngen am Turm,
Der Sankt Lamberti geheien.

Der Schneiderknig sa darin
Mit seinen beiden Rten,
Wir aber benutzen die Krbe jetzt
Fr andre Majestten.

Zur Rechten soll Herr Balthasar,
Zur Linken Herr Melchior schweben,
In der Mitte Herr Gaspar - Gott wei, wie einst
Die drei gehaust im Leben!

Die Heil'ge Allianz des Morgenlands,
Die jetzt kanonisieret,
Sie hat vielleicht nicht immer schn
Und fromm sich aufgefhret.

Der Balthasar und der Melchior,
Das waren vielleicht zwei Guche,
Die in der Not eine Konstitution
Versprochen ihrem Reiche,

Und spter nicht Wort gehalten - Es hat
Herr Gaspar, der Knig der Mohren,
Vielleicht mit schwarzem Undank sogar
Belohnt sein Volk, die Toren!



CAPUT V

Und als ich an die Rheinbrck' kam,
Wohl an die Hafenschanze,
Da sah ich flieen den Vater Rhein
Im stillen Mondenglanze.

Sei mir gegrt, mein Vater Rhein,
Wie ist es dir ergangen?
Ich habe oft an dich gedacht
Mit Sehnsucht und Verlangen.

So sprach ich, da hrt ich im Wasser tief
Gar seltsam grmliche Tne,
Wie Hsteln eines alten Manns,
Ein Brmmeln und weiches Gesthne:

Willkommen, mein Junge, das ist mir lieb,
Da du mich nicht vergessen;
Seit dreizehn Jahren sah ich dich nicht,
Mir ging es schlecht unterdessen.

Zu Biberich hab ich Steine verschluckt,
Wahrhaftig, sie schmeckten nicht lecker!
Doch schwerer liegen im Magen mir
Die Verse von Niklas Becker.

Er hat mich besungen, als ob ich noch
Die reinste Jungfer wre,
Die sich von niemand rauben lt
Das Krnzlein ihrer Ehre.

Wenn ich es hre, das dumme Lied,
Dann mcht ich mir zerraufen
Den weien Bart, ich mchte frwahr
Mich in mir selbst ersaufen!

Da ich keine reine Jungfer bin,
Die Franzosen wissen es besser,
Sie haben mit meinem Wasser so oft
Vermischt ihr Siegergewsser.

Das dumme Lied und der dumme Kerl!
Er hat mich schmhlich blamieret,
Gewissermaen hat er mich auch
Politisch kompromittieret.

Denn kehren jetzt die Franzosen zurck,
So mu ich vor ihnen errten,
Ich, der um ihre Rckkehr so oft
Mit Trnen zum Himmel gebeten.

Ich habe sie immer so liebgehabt,
Die lieben kleinen Franzschen -
Singen und springen sie noch wie sonst?
Tragen noch weie Hschen?

Ich mchte sie gerne wiedersehn,
Doch frcht ich die Persiflage,
Von wegen des verwnschten Lieds,
Von wegen der Blamage.

Der Alfred de Musset, der Gassenbub',
Der kommt an ihrer Spitze
Vielleicht als Tambour, und trommelt mir vor
All seine schlechten Witze.

So klagte der arme Vater Rhein,
Konnt sich nicht zufriedengeben.
Ich sprach zu ihm manch trstendes Wort,
Um ihm das Herz zu heben:

O frchte nicht, mein Vater Rhein,
Den spttelnden Scherz der Franzosen;
Sie sind die alten Franzosen nicht mehr,
Auch tragen sie andere Hosen.

Die Hosen sind rot und nicht mehr wei,
Sie haben auch andere Knpfe,
Sie singen nicht mehr, sie springen nicht mehr,
Sie senken nachdenklich die Kpfe.

Sie philosophieren und sprechen jetzt
Von Kant, von Fichte und Hegel,
Sie rauchen Tabak, sie trinken Bier,
Und manche schieben auch Kegel.

Sie werden Philister ganz wie wir,
Und treiben es endlich noch rger;
Sie sind keine Voltairianer mehr,
Sie werden Hengstenberger.

Der Alfred de Musset, das ist wahr,
Ist noch ein Gassenjunge;
Doch frchte nichts, wir fesseln ihm
Die schndliche Sptterzunge.

Und trommelt er dir einen schlechten Witz,
So pfeifen wir ihm einen schlimmern,
Wir pfeifen ihm vor, was ihm passiert
Bei schnen Frauenzimmern.

Gib dich zufrieden, Vater Rhein,
Denk nicht an schlechte Lieder,
Ein besseres Lied vernimmst du bald -
Leb wohl, wir sehen uns wieder.



CAPUT VI

Den Paganini begleitete stets
Ein Spiritus familiaris,
Manchmal als Hund, manchmal in Gestalt
Des seligen Georg Harrys.

Napoleon sah einen roten Mann
Vor jedem wicht'gen Ereignis.
Sokrates hatte seinen Dmon,
Das war kein Hirnerzeugnis.

Ich selbst, wenn ich am Schreibtisch sa
Des Nachts, hab ich gesehen
Zuweilen einen vermummten Gast
Unheimlich hinter mir stehen.

Unter dem Mantel hielt er etwas
Verborgen, das seltsam blinkte,
Wenn es zum Vorschein kam, und ein Beil,
Ein Richtbeil, zu sein mir dnkte.

Er schien von untersetzter Statur,
Die Augen wie zwei Sterne;
Er strte mich im Schreiben nie,
Blieb ruhig stehn in der Ferne.

Seit Jahren hatte ich nicht gesehn
Den sonderbaren Gesellen,
Da fand ich ihn pltzlich wieder hier
In der stillen Mondnacht zu Kllen.

Ich schlenderte sinnend die Straen entlang,
Da sah ich ihn hinter mir gehen,
Als ob er mein Schatten wre, und stand
Ich still, so blieb er stehen.

Blieb stehen, als wartete er auf was,
Und frderte ich die Schritte,
Dann folgte er wieder. So kamen wir
Bis auf des Domplatz' Mitte.

Es ward mir unleidlich, ich drehte mich um
Und sprach: Jetzt steh mir Rede,
Was folgst du mir auf Weg und Steg
Hier in der nchtlichen de?

Ich treffe dich immer in der Stund',
Wo Weltgefhle sprieen
In meiner Brust und durch das Hirn
Die Geistesblitze schieen.

Du siehst mich an so stier und fest -
Steh Rede: Was verhllst du
Hier unter dem Mantel, das heimlich blinkt?
Wer bist du und was willst du?

Doch jener erwiderte trockenen Tons,
Sogar ein bichen phlegmatisch:
Ich bitte dich, exorziere mich nicht,
Und werde nur nicht emphatisch!

Ich bin kein Gespenst der Vergangenheit,
Kein grabentstiegener Strohwisch,
Und von Rhetorik bin ich kein Freund,
Bin auch nicht sehr philosophisch.

Ich bin von praktischer Natur,
Und immer schweigsam und ruhig.
Doch wisse: was du ersonnen im Geist,
Das fhr ich aus, das tu ich.

Und gehn auch Jahre drber hin,
Ich raste nicht, bis ich verwandle
In Wirklichkeit, was du gedacht;
Du denkst, und ich, ich handle.

Du bist der Richter, der Bttel bin ich,
Und mit dem Gehorsam des Knechtes
Vollstreck' ich das Urteil, das du gefllt,
Und sei es ein ungerechtes.

Dem Konsul trug man ein Beil voran
Zu Rom, in alten Tagen.
Auch du hast deinen Liktor, doch wird
Das Beil dir nachgetragen.

Ich bin dein Liktor, und ich geh
Bestndig mit dem blanken
Richtbeile hinter dir - ich bin
Die Tat von deinem Gedanken.



CAPUT VII

Ich ging nach Haus und schlief, als ob
Die Engel gewiegt mich htten.
Man ruht in deutschen Betten so weich,
Denn das sind Federbetten.

Wie sehnt ich mich oft nach der Sigkeit
Des vaterlndischen Pfhles,
Wenn ich auf harten Matratzen lag,
In der schlaflosen Nacht des Exiles!

Man schlft sehr gut und trumt auch gut
In unseren Federbetten.
Hier fhlt die deutsche Seele sich frei
Von allen Erdenketten.

Sie fhlt sich frei und schwingt sich empor
Zu den hchsten Himmelsrumen.
O deutsche Seele, wie stolz ist dein Flug
In deinen nchtlichen Trumen!

Die Gtter erbleichen, wenn du nahst!
Du hast auf deinen Wegen
Gar manches Sternlein ausgeputzt
Mit deinen Flgelschlgen!

Franzosen und Russen gehrt das Land,
Das Meer gehrt den Briten,
Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft unbestritten.

Hier ben wir die Hegemonie,
Hier sind wir unzerstckelt;
Die andern Vlker haben sich
Auf platter Erde entwickelt. - -

Und als ich einschlief, da trumte mir,
Ich schlenderte wieder im hellen
Mondschein die hallenden Straen entlang,
In dem altertmlichen Kllen.

Und hinter mir ging wieder einher
Mein schwarzer, vermummter Begleiter.
Ich war so mde, mir brachen die Knie,
Doch immer gingen wir weiter.

Wir gingen weiter. Mein Herz in der Brust
War klaffend aufgeschnitten,
Und aus der Herzenswunde hervor
Die roten Tropfen glitten.

Ich tauchte manchmal die Finger hinein,
Und manchmal ist es geschehen,
Da ich die Haustrpfosten bestrich
Mit dem Blut im Vorbergehen.

Und jedesmal, wenn ich ein Haus
Bezeichnet in solcher Weise,
Ein Sterbeglckchen erscholl fernher,
Wehmtig wimmernd und leise.

Am Himmel aber erblich der Mond,
Er wurde immer trber;
Gleich schwarzen Rossen jagten an ihm
Die wilden Wolken vorber.

Und immer ging hinter mir einher
Mit seinem verborgenen Beile
Die dunkle Gestalt - so wanderten wir
Wohl eine gute Weile.

Wir gehen und gehen, bis wir zuletzt
Wieder zum Domplatz gelangen;
Weit offen standen die Pforten dort,
Wir sind hineingegangen.

Es herrschte im ungeheuren Raum
Nur Tod und Nacht und Schweigen;
Es brannten Ampeln hie und da,
Um die Dunkelheit recht zu zeigen.

Ich wandelte lange den Pfeilern entlang
Und hrte nur die Tritte
Von meinem Begleiter, er folgte mir
Auch hier bei jedem Schritte.

Wir kamen endlich zu einem Ort,
Wo funkelnde Kerzenhelle
Und blitzendes Gold und Edelstein;
Das war die Drei-Knigs-Kapelle.

Die Heil'gen Drei Knige jedoch,
Die sonst so still dort lagen,
O Wunder! sie saen aufrecht jetzt
Auf ihren Sarkophagen.

Drei Totengerippe, phantastisch geputzt,
Mit Kronen auf den elenden
Vergilbten Schdeln, sie trugen auch
Das Zepter in knchernen Hnden.

Wie Hampelmnner bewegten sie
Die lngstverstorbenen Knochen;
Die haben nach Moder und zugleich
Nach Weihrauchduft gerochen.

Der eine bewegte sogar den Mund
Und hielt eine Rede, sehr lange;
Er setzte mir auseinander, warum
Er meinen Respekt verlange.

Zuerst weil er ein Toter sei,
Und zweitens weil er ein Knig,
Und drittens weil er ein Heil'ger sei -
Das alles rhrte mich wenig.

Ich gab ihm zur Antwort lachenden Muts:
Vergebens ist deine Bemhung!
Ich sehe, da du der Vergangenheit
Gehrst in jeder Beziehung.

Fort! fort von hier! im tiefen Grab
Ist eure natrliche Stelle.
Das Leben nimmt jetzt in Beschlag
Die Schtze dieser Kapelle.

Der Zukunft frhliche Kavallerie
Soll hier im Dome hausen,
Und weicht ihr nicht willig, so brauch ich Gewalt
Und la euch mit Kolben lausen!

So sprach ich, und ich drehte mich um,
Da sah ich furchtbar blinken
Des stummen Begleiters furchtbares Beil -
Und er verstand mein Winken.

Er nahte sich, und mit dem Beil
Zerschmetterte er die armen
Skelette des Aberglaubens, er schlug
Sie nieder ohn' Erbarmen.

Es drhnte der Hiebe Widerhall
Aus allen Gewlben, entsetzlich! -
Blutstrme schossen aus meiner Brust,
Und ich erwachte pltzlich.



CAPUT VIII

Von Kllen bis Hagen kostet die Post
Fnf Taler sechs Groschen preuisch.
Die Diligence war leider besetzt,
Und ich kam in die offene Beichais'.

Ein Sptherbstmorgen, feucht und grau,
Im Schlamme keuchte der Wagen;
Doch trotz des schlechten Wetters und Wegs
Durchstrmte mich ses Behagen.

Das ist ja meine Heimatluft!
Die glhende Wange empfand es!
Und dieser Landstraenkot, er ist
Der Dreck meines Vaterlandes!

Die Pferde wedelten mit dem Schwanz
So traulich wie alte Bekannte,
Und ihre Mistkchlein dnkten mir schn
Wie die pfel der Atalante!

Wir fuhren durch Mhlheim. Die Stadt ist nett,
Die Menschen still und fleiig.
War dort zuletzt im Monat Mai
Des Jahres einunddreiig.

Damals stand alles im Bltenschmuck,
Und die Sonnenlichter lachten,
Die Vgel sangen sehnsuchtvoll,
Und die Menschen hofften und dachten -

Sie dachten: 'Die magere Ritterschaft
Wird bald von hinnen reisen,
Und der Abschiedstrunk wird ihnen kredenzt
Aus langen Flaschen von Eisen!

Und die Freiheit kommt mit Spiel und Tanz,
Mit der Fahne, der weiblauroten;
Vielleicht holt sie sogar aus dem Grab
Den Bonaparte, den Toten!'

Ach Gott! die Ritter sind immer noch hier,
Und manche dieser Guche,
Die spindeldrre gekommen ins Land,
Die haben jetzt dicke Buche.

Die blassen Kanaillen, die ausgesehn
Wie Liebe, Glauben und Hoffen,
Sie haben seitdem in unserm Wein
Sich rote Nasen gesoffen - - -

Und die Freiheit hat sich den Fu verrenkt,
Kann nicht mehr springen und strmen;
Die Trikolore in Paris
Schaut traurig herab von den Trmen.

Der Kaiser ist auferstanden seitdem,
Doch die englischen Wrmer haben
Aus ihm einen stillen Mann gemacht,
Und er lie sich wieder begraben.

Hab selber sein Leichenbegngnis gesehn,
Ich sah den goldenen Wagen
Und die goldenen Siegesgttinnen drauf,
Die den goldenen Sarg getragen.

Den Elysischen Feldern entlang,
Durch des Triumphes Bogen,
Wohl durch den Nebel, wohl ber den Schnee
Kam langsam der Zug gezogen.

Mitnend schauerlich war die Musik.
Die Musikanten starrten
Vor Klte. Wehmtig grten mich
Die Adler der Standarten.

Die Menschen schauten so geisterhaft
In alter Erinnrung verloren -
Der imperiale Mrchentraum
War wieder heraufbeschworen.

Ich weinte an jenem Tag. Mir sind
Die Trnen ins Auge gekommen,
Als ich den verschollenen Liebesruf,
Das Vive l'Empereur!, vernommen.



CAPUT IX

Von Kllen war ich drei Viertel auf acht
Des Morgens fortgereiset;
Wir kamen nach Hagen schon gegen drei,
Da wird zu Mittag gespeiset.

Der Tisch war gedeckt. Hier fand ich ganz
Die altgermanische Kche.
Sei mir gegrt, mein Sauerkraut,
Holdselig sind deine Gerche!

Gestovte Kastanien im grnen Kohl!
So a ich sie einst bei der Mutter!
Ihr heimischen Stockfische, seid mir gegrt!
Wie schwimmt ihr klug in der Butter!

Jedwedem fhlenden Herzen bleibt
Das Vaterland ewig teuer -
Ich liebe auch recht braun geschmort
Die Bcklinge und Eier.

Wie jauchzten die Wrste im spritzelnden Fett!
Die Krammetsvgel, die frommen
Gebratenen Englein mit Apfelmus,
Sie zwitscherten mir: Willkommen!

Willkommen, Landsmann - zwitscherten sie -
Bist lange ausgeblieben,
Hast dich mit fremdem Gevgel so lang
In der Fremde herumgetrieben!

Es stand auf dem Tische eine Gans,
Ein stilles, gemtliches Wesen.
Sie hat vielleicht mich einst geliebt,
Als wir beide noch jung gewesen.

Sie blickte mich an so bedeutungsvoll,
So innig, so treu, so wehe!
Besa eine schne Seele gewi,
Doch war das Fleisch sehr zhe.

Auch einen Schweinskopf trug man auf
In einer zinnernen Schssel;
Noch immer schmckt man den Schweinen bei uns
Mit Lorbeerblttern den Rssel.



CAPUT X

Dicht hinter Hagen ward es Nacht,
Und ich fhlte in den Gedrmen
Ein seltsames Frsteln. Ich konnte mich erst
Zu Unna, im Wirtshaus, erwrmen.

Ein hbsches Mdchen fand ich dort,
Die schenkte mir freundlich den Punsch ein;
Wie gelbe Seide das Lockenhaar,
Die Augen sanft wie Mondschein.

Den lispelnd westflischen Akzent
Vernahm ich mit Wollust wieder.
Viel se Erinnerung dampfte der Punsch,
Ich dachte der lieben Brder,

Der lieben Westfalen, womit ich so oft
In Gttingen getrunken,
Bis wir gerhrt einander ans Herz
Und unter die Tische gesunken!

Ich habe sie immer so liebgehabt,
Die lieben, guten Westfalen,
Ein Volk, so fest, so sicher, so treu,
Ganz ohne Gleien und Prahlen.

Wie standen sie prchtig auf der Mensur
Mit ihren Lwenherzen!
Es fielen so grade, so ehrlich gemeint,
Die Quarten und die Terzen.

Sie fechten gut, sie trinken gut,
Und wenn sie die Hand dir reichen
Zum Freundschaftsbndnis, dann weinen sie;
Sind sentimentale Eichen.

Der Himmel erhalte dich, wackres Volk,
Er segne deine Saaten,
Bewahre dich vor Krieg und Ruhm,
Vor Helden und Heldentaten.

Er schenke deinen Shnen stets
Ein sehr gelindes Examen,
Und deine Tchter bringe er hbsch
Unter die Haube - Amen!



CAPUT XI

Das ist der Teutoburger Wald,
Den Tacitus beschrieben,
Das ist der klassische Morast,
Wo Varus steckengeblieben.

Hier schlug ihn der Cheruskerfrst,
Der Hermann, der edle Recke;
Die deutsche Nationalitt,
Die siegte in diesem Drecke.

Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann,
Mit seinen blonden Horden,
So gb es deutsche Freiheit nicht mehr,
Wir wren rmisch geworden!

In unserem Vaterland herrschten jetzt
Nur rmische Sprache und Sitten,
Vestalen gb es in Mnchen sogar,
Die Schwaben hieen Quiriten!

Der Hengstenberg wr ein Haruspex
Und grbelte in den Gedrmen
Von Ochsen. Neander wr ein Augur
Und schaute nach Vgelschwrmen.

Birch-Pfeiffer sffe Terpentin,
Wie einst die rmischen Damen.
(Man sagt, da sie dadurch den Urin
Besonders wohlriechend bekamen.)

Der Raumer wre kein deutscher Lump,
Er wre ein rm'scher Lumpacius.
Der Freiligrath dichtete ohne Reim,
Wie weiland Flaccus Horatius.

Der grobe Bettler, Vater Jahn,
Der hiee jetzt Grobianus.
Me hercule! Mamann sprche Latein,
Der Marcus Tullius Mamanus!

Die Wahrheitsfreunde wrden jetzt
Mit Lwen, Hynen, Schakalen
Sich raufen in der Arena, anstatt
Mit Hunden in kleinen Journalen.

Wir htten _einen_ Nero jetzt,
Statt Landesvter drei Dutzend.
Wir schnitten uns die Adern auf,
Den Schergen der Knechtschaft trutzend.

Der Schelling wr ganz ein Seneca,
Und kme in solchem Konflikt um.
Zu unsrem Cornelius sagten wir:
Cacatum non est pictum.

Gottlob! Der Hermann gewann die Schlacht,
Die Rmer wurden vertrieben,
Varus mit seinen Legionen erlag,
Und wir sind Deutsche geblieben!

Wir blieben deutsch, wir sprechen deutsch,
Wie wir es gesprochen haben;
Der Esel heit Esel, nicht asinus,
Die Schwaben blieben Schwaben.

Der Raumer blieb ein deutscher Lump
In unserm deutschen Norden.
In Reimen dichtet Freiligrath,
Ist kein Horaz geworden.

Gottlob, der Mamann spricht kein Latein,
Birch-Pfeiffer schreibt nur Dramen,
Und suft nicht schnden Terpentin
Wie Roms galante Damen.

O Hermann, dir verdanken wir das!
Drum wird dir, wie sich gebhret,
Zu Detmold ein Monument gesetzt;
Hab selber subskribieret.



CAPUT XII

Im nchtlichen Walde humpelt dahin
Die Chaise. Da kracht es pltzlich -
Ein Rad ging los. Wir halten still.
Das ist nicht sehr ergtzlich.

Der Postillion steigt ab und eilt
Ins Dorf, und ich verweile
Um Mitternacht allein im Wald.
Ringsum ertnt ein Geheule.

Das sind die Wlfe, die heulen so wild,
Mit ausgehungerten Stimmen.
Wie Lichter in der Dunkelheit
Die feurigen Augen glimmen.

Sie hrten von meiner Ankunft gewi,
Die Bestien, und mir zur Ehre
Illuminierten sie den Wald
Und singen sie ihre Chre.

Das ist ein Stndchen, ich merke es jetzt,
Ich soll gefeiert werden!
Ich warf mich gleich in Positur
Und sprach mit gerhrten Gebrden:

Mitwlfe! Ich bin glcklich, heut
In eurer Mitte zu weilen,
Wo soviel edle Gemter mir
Mit Liebe entgegenheulen.

Was ich in diesem Augenblick
Empfinde, ist unermelich;
Ach, diese schne Stunde bleibt
Mir ewig unvergelich.

Ich danke euch fr das Vertraun,
Womit ihr mich beehret
Und das ihr in jeder Prfungszeit
Durch treue Beweise bewhret.

Mitwlfe! Ihr zweifeltet nie an mir,
Ihr lieet euch nicht fangen
Von Schelmen, die euch gesagt, ich sei
Zu den Hunden bergegangen,

Ich sei abtrnnig und werde bald
Hofrat in der Lmmerhrde -
Dergleichen zu widersprechen war
Ganz unter meiner Wrde.

Der Schafpelz, den ich umgehngt
Zuweilen, um mich zu wrmen,
Glaubt mir's, er brachte mich nie dahin,
Fr das Glck der Schafe zu schwrmen.

Ich bin kein Schaf, ich bin kein Hund,
Kein Hofrat und kein Schellfisch -
Ich bin ein Wolf geblieben, mein Herz
Und meine Zhne sind wlfisch.

Ich bin ein Wolf und werde stets
Auch heulen mit den Wlfen -
Ja, zhlt auf mich und helft euch selbst,
Dann wird auch Gott euch helfen!

Das war die Rede, die ich hielt,
Ganz ohne Vorbereitung;
Verstmmelt hat Kolb sie abgedruckt
In der Allgemeinen Zeitung.



CAPUT XIII

Die Sonne ging auf bei Paderborn,
Mit sehr verdroner Gebrde.
Sie treibt in der Tat ein verdrielich Geschft -
Beleuchten die dumme Erde!

Hat sie die eine Seite erhellt,
Und bringt sie mit strahlender Eile
Der andern ihr Licht, so verdunkelt schon
Sich jene mittlerweile.

Der Stein entrollt dem Sisyphus,
Der Danaiden Tonne
Wird nie gefllt, und den Erdenball
Beleuchtet vergeblich die Sonne! -

Und als der Morgennebel zerrann,
Da sah ich am Wege ragen,
Im Frhrotschein, das Bild des Manns,
Der an das Kreuz geschlagen.

Mit Wehmut erfllt mich jedesmal
Dein Anblick, mein armer Vetter,
Der du die Welt erlsen gewollt,
Du Narr, du Menschheitsretter!

Sie haben dir bel mitgespielt,
Die Herren vom hohen Rate.
Wer hie dich auch reden so rcksichtslos
Von der Kirche und vom Staate!

Zu deinem Malheur war die Buchdruckerei
Noch nicht in jenen Tagen
Erfunden; du httest geschrieben ein Buch
ber die Himmelsfragen.

Der Zensor htte gestrichen darin,
Was etwa anzglich auf Erden,
Und liebend bewahrte dich die Zensur
Vor dem Gekreuzigtwerden.

Ach! httest du nur einen andern Text
Zu deiner Bergpredigt genommen,
Besaest ja Geist und Talent genug,
Und konntest schonen die Frommen!

Geldwechsler, Bankiers, hast du sogar
Mit der Peitsche gejagt aus dem Tempel -
Unglcklicher Schwrmer, jetzt hngst du am Kreuz
Als warnendes Exempel!



CAPUT XIV

Ein feuchter Wind, ein kahles Land,
Die Chaise wackelt im Schlamme;
Doch singt es und klingt es in meinem Gemt:
Sonne, du klagende Flamme!

Das ist der Schlureim des alten Lieds,
Das oft meine Amme gesungen -
Sonne, du klagende Flamme! Das hat
Wie Waldhornruf geklungen.

Es kommt im Lied ein Mrder vor,
Der lebt' in Lust und Freude;
Man findet ihn endlich im Walde gehenkt
An einer grauen Weide.

Des Mrders Todesurteil war
Genagelt am Weidenstamme;
Das haben die Rcher der Feme getan -
Sonne, du klagende Flamme!

Die Sonne war Klger, sie hatte bewirkt,
Da man den Mrder verdamme.
Ottilie hatte sterbend geschrien:
Sonne, du klagende Flamme!

Und denk ich des Liedes, so denk ich auch
Der Amme, der lieben Alten;
Ich sehe wieder ihr braunes Gesicht,
Mit allen Runzeln und Falten.

Sie war geboren im Mnsterland,
Und wute, in groer Menge,
Gespenstergeschichten, grausenhaft,
Und Mrchen und Volksgesnge.

Wie pochte mein Herz, wenn die alte Frau
Von der Knigstochter erzhlte,
Die einsam auf der Heide sa
Und die goldnen Haare strhlte.

Die Gnse mute sie hten dort
Als Gnsemagd, und trieb sie
Am Abend die Gnse wieder durchs Tor,
Gar traurig stehen blieb sie.

Denn angenagelt ber dem Tor
Sah sie ein Rohaupt ragen,
Das war der Kopf des armen Pferds,
Das sie in die Fremde getragen.

Die Knigstochter seufzte tief:
O Falada, da du hangest!
Der Pferdekopf herunterrief:
O wehe! da du gangest!

Die Knigstochter seufzte tief:
Wenn das meine Mutter wte!
Der Pferdekopf herunterrief:
Ihr Herze brechen mte!

Mit stockendem Atem horchte ich hin,
Wenn die Alte ernster und leiser
Zu sprechen begann und vom Rotbart sprach,
Von unserem heimlichen Kaiser.

Sie hat mir versichert, er sei nicht tot,
Wie da glauben die Gelehrten,
Er hause versteckt in einem Berg
Mit seinen Waffengefhrten.

Kyffhuser ist der Berg genannt,
Und drinnen ist eine Hhle;
Die Ampeln erhellen so geisterhaft
Die hochgewlbten Sle.

Ein Marstall ist der erste Saal,
Und dorten kann man sehen
Viel tausend Pferde, blankgeschirrt,
Die an den Krippen stehen.

Sie sind gesattelt und gezumt,
Jedoch von diesen Rossen
Kein einziges wiehert, kein einziges stampft,
Sind still, wie aus Eisen gegossen.

Im zweiten Saale, auf der Streu,
Sieht man Soldaten liegen,
Viel tausend Soldaten, brtiges Volk,
Mit kriegerisch trotzigen Zgen.

Sie sind gerstet von Kopf bis Fu,
Doch alle diese Braven,
Sie rhren sich nicht, bewegen sich nicht,
Sie liegen fest und schlafen.

Hochaufgestapelt im dritten Saal
Sind Schwerter, Streitxte, Speere,
Harnische, Helme, von Silber und Stahl,
Altfrnkische Feuergewehre.

Sehr wenig Kanonen, jedoch genug,
Um eine Trophe zu bilden.
Hoch ragt daraus eine Fahne hervor,
Die Farbe ist schwarzrotglden.

Der Kaiser bewohnt den vierten Saal.
Schon seit Jahrhunderten sitzt er
Auf steinernem Stuhl, am steinernen Tisch,
Das Haupt auf den Armen sttzt er.

Sein Bart, der bis zur Erde wuchs,
Ist rot wie Feuerflammen,
Zuweilen zwinkert er mit dem Aug',
Zieht manchmal die Braunen zusammen.

Schlft er oder denkt er nach?
Man kann's nicht genau ermitteln;
Doch wenn die rechte Stunde kommt,
Wird er gewaltig sich rtteln.

Die gute Fahne ergreift er dann
Und ruft: Zu Pferd! zu Pferde!
Sein reisiges Volk erwacht und springt
Lautrasselnd empor von der Erde.

Ein jeder schwingt sich auf sein Ro,
Das wiehert und stampft mit den Hufen!
Sie reiten hinaus in die klirrende Welt,
Und die Trompeten rufen.

Sie reiten gut, sie schlagen gut,
Sie haben ausgeschlafen.
Der Kaiser hlt ein strenges Gericht,
Er will die Mrder bestrafen -

Die Mrder, die gemeuchelt einst
Die teure, wundersame,
Goldlockichte Jungfrau Germania -
Sonne, du klagende Flamme!

Wohl mancher, der sich geborgen geglaubt,
Und lachend auf seinem Schlo sa,
Er wird nicht entgehen dem rchenden Strang,
Dem Zorne Barbarossas! - - -

Wie klingen sie lieblich, wie klingen sie s,
Die Mrchen der alten Amme!
Mein aberglubisches Herze jauchzt:
Sonne, du klagende Flamme!



CAPUT XV

Ein feiner Regen prickelt herab,
Eiskalt, wie Nhnadelspitzen.
Die Pferde bewegen traurig den Schwanz,
Sie waten im Kot und schwitzen.

Der Postillion stt in sein Horn,
Ich kenne das alte Getute -
Es reiten drei Reiter zum Tor hinaus!
Es wird mir so dmmrig zumute.

Mich schlferte und ich entschlief,
Und siehe! mir trumte am Ende,
Da ich mich in dem Wunderberg
Beim Kaiser Rotbart befnde.

Er sa nicht mehr auf steinernem Stuhl,
Am steinernen Tisch, wie ein Steinbild;
Auch sah er nicht so ehrwrdig aus,
Wie man sich gewhnlich einbildt.

Er watschelte durch die Sle herum
Mit mir im trauten Geschwtze.
Er zeigte wie ein Antiquar
Mir seine Kuriosa und Schtze.

Im Saale der Waffen erklrte er mir,
Wie man sich der Kolben bediene,
Von einigen Schwertern rieb er den Rost
Mit seinem Hermeline.

Er nahm ein Pfauenwedel zur Hand,
Und reinigte vom Staube
Gar manchen Harnisch, gar manchen Helm,
Auch manche Pickelhaube.

Die Fahne stubte er gleichfalls ab,
Und er sprach: Mein grter Stolz ist,
Da noch keine Motte die Seide zerfra,
Und auch kein Wurm im Holz ist.

Und als wir kamen in den Saal,
Wo schlafend am Boden liegen
Viel tausend Krieger, kampfbereit,
Der Alte sprach mit Vergngen:

Hier mssen wir leiser reden und gehn,
Damit wir nicht wecken die Leute;
Wieder verflossen sind hundert Jahr',
Und Lhnungstag ist heute.

Und siehe! der Kaiser nahte sich sacht
Den schlafenden Soldaten,
Und steckte heimlich in die Tasch'
Jedwedem einen Dukaten.

Er sprach mit schmunzelndem Gesicht,
Als ich ihn ansah verwundert:
Ich zahle einen Dukaten per Mann,
Als Sold, nach jedem Jahrhundert.

Im Saale, wo die Pferde stehn
In langen, schweigenden Reihen,
Da rieb der Kaiser sich die Hnd',
Schien sonderbar sich zu freuen.

Er zhlte die Gule, Stck vor Stck,
Und kltschelte ihnen die Rippen;
Er zhlte und zhlte, mit ngstlicher Hast
Bewegten sich seine Lippen.

Das ist noch nicht die rechte Zahl -
Sprach er zuletzt verdrossen -,
Soldaten und Waffen hab ich genung,
Doch fehlt es noch an Rossen.

Rokmme hab ich ausgeschickt
In alle Welt, die kaufen
Fr mich die besten Pferde ein,
Hab schon einen guten Haufen.

Ich warte, bis die Zahl komplett,
Dann schlag ich los und befreie
Mein Vaterland, mein deutsches Volk,
Das meiner harret mit Treue.

So sprach der Kaiser, ich aber rief:
Schlag los, du alter Geselle,
Schlag los, und hast du nicht Pferde genug,
Nimm Esel an ihrer Stelle.

Der Rotbart erwiderte lchelnd: Es hat
Mit dem Schlagen gar keine Eile,
Man baute nicht Rom an einem Tag,
Gut Ding will haben Weile.

Wer heute nicht kommt, kommt morgen gewi,
Nur langsam wchst die Eiche,
Und chi va piano, va sano, so heit
Das Sprchwort im rmischen Reiche.



CAPUT XVI

Das Stoen des Wagens weckte mich auf,
Doch sanken die Augenlider
Bald wieder zu, und ich entschlief
Und trumte vom Rotbart wieder.

Ging wieder schwatzend mit ihm herum
Durch alle die hallenden Sle;
Er frug mich dies, er frug mich das,
Verlangte, da ich erzhle.

Er hatte aus der Oberwelt
Seit vielen, vielen Jahren,
Wohl seit dem Siebenjhrigen Krieg,
Kein Sterbenswort erfahren.

Er frug nach Moses Mendelssohn,
Nach der Karschin, mit Intresse
Frug er nach der Grfin Dubarry,
Des fnfzehnten Ludwigs Mtresse.

O Kaiser, rief ich, wie bist du zurck!
Der Moses ist lngst gestorben,
Nebst seiner Rebekka, auch Abraham,
Der Sohn, ist gestorben, verdorben.

Der Abraham hatte mit Lea erzeugt
Ein Bbchen, Felix heit er,
Der brachte es weit im Christentum,
Ist schon Kapellenmeister.

Die alte Karschin ist gleichfalls tot,
Auch die Tochter ist tot, die Klenke;
Helmine Chzy, die Enkelin,
Ist noch am Leben, ich denke.

Die Dubarry lebte lustig und flott,
Solange Ludwig regierte,
Der Fnfzehnte nmlich, sie war schon alt,
Als man sie guillotinierte.

Der Knig Ludwig der Fnfzehnte starb
Ganz ruhig in seinem Bette,
Der Sechzehnte aber ward guillotiniert
Mit der Knigin Antoinette.

Die Knigin zeigte groen Mut,
Ganz wie es sich gebhrte,
Die Dubarry aber weinte und schrie,
Als man sie guillotinierte. - -

Der Kaiser blieb pltzlich stillestehn,
Und sah mich an mit den stieren
Augen und sprach: Um Gottes will'n,
Was ist das, guillotinieren?

Das Guillotinieren - erklrte ich ihm -
Ist eine neue Methode,
Womit man die Leute jeglichen Stands
Vom Leben bringt zu Tode.

Bei dieser Methode bedient man sich
Auch einer neuen Maschine,
Die hat erfunden Herr Guillotin,
Drum nennt man sie Guillotine.

Du wirst hier an ein Brett geschnallt; -
Das senkt sich; - du wirst geschoben
Geschwinde zwischen zwei Pfosten; - es hngt
Ein dreieckig Beil ganz oben; -

Man zieht eine Schnur, dann schiet herab
Das Beil, ganz lustig und munter; -
Bei dieser Gelegenheit fllt dein Kopf
In einen Sack hinunter.

Der Kaiser fiel mir in die Red':
Schweig still, von deiner Maschine
Will ich nichts wissen, Gott bewahr',
Da ich mich ihrer bediene!

Der Knig und die Knigin!
Geschnallt! an einem Brette!
Das ist ja gegen allen Respekt
Und alle Etikette!

Und du, wer bist du, da du es wagst,
Mich so vertraulich zu duzen?
Warte, du Brschchen, ich werde dir schon
Die kecken Flgel stutzen!

Es regt mir die innerste Galle auf,
Wenn ich dich hre sprechen,
Dein Odem schon ist Hochverrat
Und Majesttsverbrechen!

Als solchermaen in Eifer geriet
Der Alte und sonder Schranken
Und Schonung mich anschnob, da platzten heraus
Auch mir die geheimsten Gedanken.

Herr Rotbart - rief ich laut -, du bist
Ein altes Fabelwesen,
Geh, leg dich schlafen, wir werden uns
Auch ohne dich erlsen.

Die Republikaner lachen uns aus,
Sehn sie an unserer Spitze
So ein Gespenst mit Zepter und Kron';
Sie rissen schlechte Witze.

Auch deine Fahne gefllt mir nicht mehr,
Die altdeutschen Narren verdarben
Mir schon in der Burschenschaft die Lust
An den schwarzrotgoldnen Farben.

Das beste wre, du bliebest zu Haus,
Hier in dem alten Kyffhuser -
Bedenk ich die Sache ganz genau,
So brauchen wir gar keinen Kaiser.



CAPUT XVII

Ich habe mich mit dem Kaiser gezankt
Im Traum, im Traum versteht sich -
Im wachenden Zustand sprechen wir nicht
Mit Frsten so widersetzig.

Nur trumend, im idealen Traum,
Wagt ihnen der Deutsche zu sagen
Die deutsche Meinung, die er so tief
Im treuen Herzen getragen.

Als ich erwacht', fuhr ich einem Wald
Vorbei, der Anblick der Bume,
Der nackten hlzernen Wirklichkeit,
Verscheuchte meine Trume.

Die Eichen schttelten ernsthaft das Haupt,
Die Birken und Birkenreiser,
Sie nickten so warnend - und ich rief:
Vergib mir, mein teurer Kaiser!

Vergib mir, o Rotbart, das rasche Wort!
Ich wei, du bist viel weiser
Als ich, ich habe sowenig Geduld -
Doch komme du bald, mein Kaiser!

Behagt dir das Guillotinieren nicht,
So bleib bei den alten Mitteln:
Das Schwert fr Edelleute, der Strick
Fr Brger und Bauern in Kitteln.

Nur manchmal wechsle ab, und la
Den Adel hngen, und kpfe
Ein bichen die Brger und Bauern, wir sind
Ja alle Gottesgeschpfe.

Stell wieder her das Halsgericht,
Das peinliche Karls des Fnften,
Und teile wieder ein das Volk
Nach Stnden, Gilden und Znften.

Das alte Heilige Rmische Reich,
Stell's wieder her, das ganze,
Gib uns den modrigsten Plunder zurck
Mit allem Firlifanze.

Das Mittelalter, immerhin,
Das wahre, wie es gewesen,
Ich will es ertragen - erlse uns nur
Von jenem Zwitterwesen,

Von jenem Kamaschenrittertum,
Das ekelhaft ein Gemisch ist
Von gotischem Wahn und modernem Lug,
Das weder Fleisch noch Fisch ist.

Jag fort das Komdiantenpack,
Und schliee die Schauspielhuser,
Wo man die Vorzeit parodiert -
Komme du bald, o Kaiser!



CAPUT XVIII

Minden ist eine feste Burg,
Hat gute Wehr und Waffen!
Mit preuischen Festungen hab ich jedoch
Nicht gerne was zu schaffen.

Wir kamen dort an zur Abendzeit.
Die Planken der Zugbrck' sthnten
So schaurig, als wir hinbergerollt;
Die dunklen Grben ghnten.

Die hohen Bastionen schauten mich an,
So drohend und verdrossen;
Das groe Tor ging rasselnd auf,
Ward rasselnd wieder geschlossen.

Ach! meine Seele ward betrbt,
Wie des Odysseus Seele,
Als er gehrt, da Polyphem
Den Felsblock schob vor die Hhle.

Es trat an den Wagen ein Korporal
Und frug uns: wie wir hieen?
Ich heie Niemand, bin Augenarzt
Und steche den Star den Riesen.

Im Wirtshaus ward mir noch schlimmer zumut,
Das Essen wollt mir nicht schmecken.
Ging schlafen sogleich, doch schlief ich nicht,
Mich drckten so schwer die Decken.

Es war ein breites Federbett,
Gardinen von rotem Damaste,
Der Himmel von verblichenem Gold,
Mit einem schmutzigen Quaste.

Verfluchter Quast! der die ganze Nacht
Die liebe Ruhe mir raubte!
Er hing mir, wie des Damokles Schwert,
So drohend ber dem Haupte!

Schien manchmal ein Schlangenkopf zu sein,
Und ich hrte ihn heimlich zischen:
Du bist und bleibst in der Festung jetzt,
Du kannst nicht mehr entwischen!

Oh, da ich wre - seufzte ich -
Da ich zu Hause wre,
Bei meiner lieben Frau in Paris,
Im Faubourg Poissonnire!

Ich fhlte, wie ber die Stirne mir
Auch manchmal etwas gestrichen,
Gleich einer kalten Zensorhand,
Und meine Gedanken wichen -

Gendarmen in Leichenlaken gehllt,
Ein weies Spukgewirre,
Umringte mein Bett, ich hrte auch
Unheimliches Kettengeklirre.

Ach! die Gespenster schleppten mich fort,
Und ich hab mich endlich befunden
An einer steilen Felsenwand;
Dort war ich festgebunden.

Der bse schmutzige Betthimmelquast!
Ich fand ihn gleichfalls wieder,
Doch sah er jetzt wie ein Geier aus,
Mit Krallen und schwarzem Gefieder.

Er glich dem preuischen Adler jetzt,
Und hielt meinen Leib umklammert;
Er fra mir die Leber aus der Brust,
Ich habe gesthnt und gejammert.

Ich jammerte lange - da krhte der Hahn,
Und der Fiebertraum erblate.
Ich lag zu Minden im schwitzenden Bett,
Der Adler ward wieder zum Quaste.

Ich reiste fort mit Extrapost,
Und schpfte freien Odem
Erst drauen in der freien Natur,
Auf bckeburg'schem Boden.



CAPUT XIX

Oh, Danton, du hast dich sehr geirrt
Und mutest den Irrtum ben!
Mitnehmen kann man das Vaterland
An den Sohlen, an den Fen.

Das halbe Frstentum Bckeburg
Blieb mir an den Stiefeln kleben;
So lehmichte Wege habe ich wohl
Noch nie gesehen im Leben.

Zu Bckeburg stieg ich ab in der Stadt,
Um dort zu betrachten die Stammburg,
Wo mein Grovater geboren ward;
Die Gromutter war aus Hamburg.

Ich kam nach Hannover um Mittagzeit,
Und lie mir die Stiefel putzen.
Ich ging sogleich, die Stadt zu besehn,
Ich reise gern mit Nutzen.

Mein Gott! da sieht es sauber aus!
Der Kot liegt nicht auf den Gassen.
Viel Prachtgebude sah ich dort,
Sehr imponierende Massen.

Besonders gefiel mir ein groer Platz,
Umgeben von stattlichen Husern;
Dort wohnt der Knig, dort steht sein Palast,
Er ist von schnem uern

(Nmlich der Palast). Vor dem Portal
Zu jeder Seite ein Schildhaus.
Rotrcke mit Flinten halten dort Wacht,
Sie sehen drohend und wild aus.

Mein Cicerone sprach: Hier wohnt
Der Ernst Augustus, ein alter,
Hochtoryscher Lord, ein Edelmann,
Sehr rstig fr sein Alter.

Idyllisch sicher haust er hier,
Denn besser als alle Trabanten
Beschtzet ihn der mangelnde Mut
Von unseren lieben Bekannten.

Ich seh ihn zuweilen, er klagt alsdann,
Wie gar langweilig das Amt sei,
Das Knigsamt, wozu er jetzt
Hier in Hannover verdammt sei.

An grobritannisches Leben gewhnt,
Sei es ihm hier zu enge,
Ihn plage der Spleen, er frchte schier,
Da er sich mal erhnge.

Vorgestern fand ich ihn traurig gebckt
Am Kamin, in der Morgenstunde;
Er kochte hchstselbst ein Lavement
Fr seine kranken Hunde.



CAPUT XX

Von Harburg fuhr ich in einer Stund'
Nach Hamburg. Es war schon Abend.
Die Sterne am Himmel grten mich,
Die Luft war lind und labend.

Und als ich zu meiner Frau Mutter kam,
Erschrak sie fast vor Freude;
Sie rief: Mein liebes Kind! und schlug
Zusammen die Hnde beide.

Mein liebes Kind, wohl dreizehn Jahr'
Verflossen unterdessen!
Du wirst gewi sehr hungrig sein -
Sag an, was willst du essen?

Ich habe Fisch und Gnsefleisch
Und schne Apfelsinen.
So gib mir Fisch und Gnsefleisch
Und schne Apfelsinen.

Und als ich a mit groem App'tit,
Die Mutter ward glcklich und munter,
Sie frug wohl dies, sie frug wohl das,
Verfngliche Fragen mitunter.

Mein liebes Kind! und wirst du auch
Recht sorgsam gepflegt in der Fremde?
Versteht deine Frau die Haushaltung,
Und flickt sie dir Strmpfe und Hemde?

Der Fisch ist gut, lieb Mtterlein,
Doch mu man ihn schweigend verzehren;
Man kriegt so leicht eine Grt' in den Hals,
Du darfst mich jetzt nicht stren.

Und als ich den braven Fisch verzehrt,
Die Gans ward aufgetragen.
Die Mutter frug wieder wohl dies, wohl das,
Mitunter verfngliche Fragen.

Mein liebes Kind! in welchem Land
Lt sich am besten leben?
Hier oder in Frankreich? und welchem Volk
Wirst du den Vorzug geben?

Die deutsche Gans, lieb Mtterlein,
Ist gut, jedoch die Franzosen,
Sie stopfen die Gnse besser als wir,
Auch haben sie bessere Saucen. -

Und als die Gans sich wieder empfahl,
Da machten ihre Aufwartung
Die Apfelsinen, sie schmeckten so s,
Ganz ber alle Erwartung.

Die Mutter aber fing wieder an
Zu fragen sehr vergnglich,
Nach tausend Dingen, mitunter sogar
Nach Dingen, die sehr anzglich.

Mein liebes Kind! Wie denkst du jetzt?
Treibst du noch immer aus Neigung
Die Politik? Zu welcher Partei
Gehrst du mit berzeugung?

Die Apfelsinen, lieb Mtterlein,
Sind gut, und mit wahrem Vergngen
Verschlucke ich den sen Saft,
Und ich lasse die Schalen liegen.



CAPUT XXI

Die Stadt, zur Hlfte abgebrannt,
Wird aufgebaut allmhlich;
Wie 'n Pudel, der halb geschoren ist,
Sieht Hamburg aus, trbselig.

Gar manche Gassen fehlen mir,
Die ich nur ungern vermisse -
Wo ist das Haus, wo ich gekt
Der Liebe erste Ksse?

Wo ist die Druckerei, wo ich
Die Reisebilder druckte?
Wo ist der Austerkeller, wo ich
Die ersten Austern schluckte?

Und der Dreckwall, wo ist der Dreckwall hin?
Ich kann ihn vergeblich suchen!
Wo ist der Pavillon, wo ich
Gegessen so manchen Kuchen?

Wo ist das Rathaus, worin der Senat
Und die Brgerschaft gethronet?
Ein Raub der Flammen! Die Flamme hat
Das Heiligste nicht verschonet.

Die Leute seufzten noch vor Angst,
Und mit wehmt'gem Gesichte
Erzhlten sie mir vom groen Brand
Die schreckliche Geschichte:

Es brannte an allen Ecken zugleich,
Man sah nur Rauch und Flammen!
Die Kirchentrme loderten auf
Und strzten krachend zusammen.

Die alte Brse ist verbrannt,
Wo unsere Vter gewandelt,
Und miteinander jahrhundertelang
So redlich als mglich gehandelt.

Die Bank, die silberne Seele der Stadt,
Und die Bcher, wo eingeschrieben
Jedweden Mannes Banko-Wert,
Gottlob! sie sind uns geblieben!

Gottlob! man kollektierte fr uns
Selbst bei den fernsten Nationen -
Ein gutes Geschft - die Kollekte betrug
Wohl an die acht Millionen.

Aus allen Lndern flo das Geld
In unsre offnen Hnde,
Auch Viktualien nahmen wir an,
Verschmhten keine Spende.

Man schickte uns Kleider und Betten genug,
Auch Brot und Fleisch und Suppen!
Der Knig von Preuen wollte sogar
Uns schicken seine Truppen.

Der materielle Schaden ward
Vergtet, das lie sich schtzen -
Jedoch den Schrecken, unseren Schreck,
Den kann uns niemand ersetzen!

Aufmunternd sprach ich: Ihr lieben Leut',
Ihr mt nicht jammern und flennen;
Troja war eine bessere Stadt
Und mute doch verbrennen.

Baut eure Huser wieder auf
Und trocknet eure Pftzen,
Und schafft euch bere Gesetze an
Und bere Feuerspritzen.

Giet nicht zuviel Cayenne-Piment
In eure Mockturtlesuppen,
Auch eure Karpfen sind euch nicht gesund,
Ihr kocht sie so fett mit den Schuppen.

Kalkuten schaden euch nicht viel,
Doch htet euch vor der Tcke
Des Vogels, der sein Ei gelegt
In des Brgermeisters Percke. - -

Wer dieser fatale Vogel ist,
Ich brauch es euch nicht zu sagen -
Denk ich an ihn, so dreht sich herum
Das Essen in meinem Magen.



CAPUT XXII

Noch mehr verndert als die Stadt
Sind mir die Menschen erschienen,
Sie gehn so betrbt und gebrochen herum,
Wie wandelnde Ruinen.

Die Mageren sind noch dnner jetzt,
Noch fetter sind die Feisten,
Die Kinder sind alt, die Alten sind
Kindisch geworden, die meisten.

Gar manche, die ich als Klber verlie,
Fand ich als Ochsen wieder;
Gar manches kleine Gnschen ward
Zur Gans mit stolzem Gefieder.

Die alte Gudel fand ich geschminkt
Und geputzt wie eine Sirene;
Hat schwarze Locken sich angeschafft
Und blendendweie Zhne.

Am besten hat sich konserviert
Mein Freund, der Papierverkufer;
Sein Haar ward gelb und umwallt sein Haupt,
Sieht aus wie Johannes der Tufer.

Den ***, den sah ich nur von fern,
Er huschte mir rasch vorber;
Ich hre, sein Geist ist abgebrannt
Und war versichert bei Bieber.

Auch meinen alten Zensor sah
Ich wieder. Im Nebel, gebcket,
Begegnet' er mir auf dem Gnsemarkt,
Schien sehr darniedergedrcket.

Wir schttelten uns die Hnde, es schwamm
Im Auge des Manns eine Trne.
Wie freute er sich, mich wiederzusehn!
Es war eine rhrende Szene. -

Nicht alle fand ich. Mancher hat
Das Zeitliche gesegnet.
Ach! meinem Gumpelino sogar
Bin ich nicht mehr begegnet.

Der Edle hatte ausgehaucht
Die groe Seele soeben,
Und wird als verklrter Seraph jetzt
Am Throne Jehovas schweben.

Vergebens suchte ich berall
Den krummen Adonis, der Tassen
Und Nachtgeschirr von Porzellan
Feilbot in Hamburgs Gassen.

Sarras, der treue Pudel, ist tot.
Ein groer Verlust! Ich wette,
Da Campe lieber ein ganzes Schock
Schriftsteller verloren htte. - -

Die Population des Hamburger Staats
Besteht, seit Menschengedenken,
Aus Juden und Christen; es pflegen auch
Die letztren nicht viel zu verschenken.

Die Christen sind alle ziemlich gut,
Auch essen sie gut zu Mittag,
Und ihre Wechsel bezahlen sie prompt,
Noch vor dem letzten Respittag.

Die Juden teilen sich wieder ein
In zwei verschiedne Parteien;
Die Alten gehn in die Synagog',
Und in den Tempel die Neuen.

Die Neuen essen Schweinefleisch,
Zeigen sich widersetzig,
Sind Demokraten; die Alten sind
Vielmehr aristokrtzig.

Ich liebe die Alten, ich liebe die Neu'n -
Doch schwr ich, beim ewigen Gotte,
Ich liebe gewisse Fischchen noch mehr,
Man heit sie gerucherte Sprotte.



CAPUT XXIII

Als Republik war Hamburg nie
So gro wie Venedig und Florenz,
Doch Hamburg hat bessere Austern; man speist
Die besten im Keller von Lorenz.

Es war ein schner Abend, als ich
Mich hinbegab mit Campen;
Wir wollten miteinander dort
In Rheinwein und Austern schlampampen.

Auch gute Gesellschaft fand ich dort,
Mit Freude sah ich wieder
Manch alten Genossen, zum Beispiel Chaufepi,
Auch manche neue Brder.

Da war der Wille, dessen Gesicht
Ein Stammbuch, worin mit Hieben
Die akademischen Feinde sich
Recht leserlich eingeschrieben.

Da war der Fucks, ein blinder Heid'
Und persnlicher Feind des Jehova,
Glaubt nur an Hegel und etwa noch
An die Venus des Canova.

Mein Campe war Amphitryo
Und lchelte vor Wonne;
Sein Auge strahlte Seligkeit,
Wie eine verklrte Madonne.

Ich a und trank, mit gutem App'tit,
Und dachte in meinem Gemte:
'Der Campe ist wirklich ein groer Mann,
Ist aller Verleger Blte.

Ein andrer Verleger htte mich
Vielleicht verhungern lassen,
Der aber gibt mir zu trinken sogar;
Werde ihn niemals verlassen.

Ich danke dem Schpfer in der Hh',
Der diesen Saft der Reben
Erschuf, und zum Verleger mir
Den Julius Campe gegeben!

Ich danke dem Schpfer in der Hh',
Der, durch sein groes Werde,
Die Austern erschaffen in der See
Und den Rheinwein auf der Erde!

Der auch Zitronen wachsen lie,
Die Austern zu betauen -
Nun la mich, Vater, diese Nacht
Das Essen gut verdauen!'

Der Rheinwein stimmt mich immer weich
Und lst jedwedes Zerwrfnis
In meiner Brust, entzndet darin
Der Menschenliebe Bedrfnis.

Es treibt mich aus dem Zimmer hinaus,
Ich mu in den Straen schlendern;
Die Seele sucht eine Seele und spht
Nach zrtlich weien Gewndern.

In solchen Momenten zerfliee ich fast
Vor Wehmut und vor Sehnen;
Die Katzen scheinen mir alle grau,
Die Weiber alle Helenen. - - -

Und als ich auf die Drehbahn kam,
Da sah ich im Mondenschimmer
Ein hehres Weib, ein wunderbar
Hochbusiges Frauenzimmer.

Ihr Antlitz war rund und kerngesund,
Die Augen wie blaue Turkoasen,
Die Wangen wie Rosen, wie Kirschen der Mund,
Auch etwas rtlich die Nase.

Ihr Haupt bedeckte eine Mtz'
Von weiem gesteiftem Linnen,
Gefltelt wie eine Mauerkron',
Mit Trmchen und zackigen Zinnen.

Sie trug eine weie Tunika,
Bis an die Waden reichend.
Und welche Waden! Das Fugestell
Zwei dorischen Sulen gleichend.

Die weltlichste Natrlichkeit
Konnt man in den Zgen lesen;
Doch das bermenschliche Hinterteil
Verriet ein hheres Wesen.

Sie trat zu mir heran und sprach:
Willkommen an der Elbe
Nach dreizehnjhr'ger Abwesenheit -
Ich sehe, du bist noch derselbe!

Du suchst die schnen Seelen vielleicht,
Die dir so oft begegent
Und mit dir geschwrmt die Nacht hindurch,
In dieser schnen Gegend.

Das Leben verschlang sie, das Ungetm,
Die hundertkpfige Hyder;
Du findest nicht die alte Zeit
Und die Zeitgenssinnen wieder!

Du findest die holden Blumen nicht mehr,
Die das junge Herz vergttert;
Hier blhten sie - jetzt sind sie verwelkt,
Und der Sturm hat sie entblttert.

Verwelkt, entblttert, zertreten sogar
Von rohen Schicksalsfen -
Mein Freund, das ist auf Erden das Los
Von allem Schnen und Sen!

Wer bist du? - rief ich - du schaust mich an
Wie'n Traum aus alten Zeiten -
Wo wohnst du, groes Frauenbild?
Und darf ich dich begleiten?

Da lchelte das Weib und sprach:
Du irrst dich, ich bin eine feine,
Anstnd'ge, moralische Person;
Du irrst dich, ich bin nicht so eine.

Ich bin nicht so eine kleine Mamsell,
So eine welsche Lorettin -
Denn wisse: ich bin Hammonia,
Hamburgs beschtzende Gttin!

Du stutzest und erschreckst sogar,
Du sonst so mutiger Snger!
Willst du mich noch begleiten jetzt?
Wohlan, so zgre nicht lnger.

Ich aber lachte laut und rief:
Ich folge auf der Stelle -
Schreit du voran, ich folge dir,
Und ging' es in die Hlle!



CAPUT XXIV

Wie ich die enge Sahltrepp' hinauf
Gekommen, ich kann es nicht sagen;
Es haben unsichtbare Geister mich
Vielleicht hinaufgetragen.

Hier, in Hammonias Kmmerlein,
Verflossen mir schnell die Stunden.
Die Gttin gestand die Sympathie,
Die sie immer fr mich empfunden.

Siehst du - sprach sie -, in frherer Zeit
War mir am meisten teuer
Der Snger, der den Messias besang
Auf seiner frommen Leier.

Dort auf der Kommode steht noch jetzt
Die Bste von meinem Klopstock,
Jedoch seit Jahren dient sie mir
Nur noch als Haubenkopfstock.

Du bist mein Liebling jetzt, es hngt
Dein Bildnis zu Hupten des Bettes;
Und, siehst du, ein frischer Lorbeer umkrnzt
Den Rahmen des holden Portrtes.

Nur da du meine Shne so oft
Genergelt, ich mu es gestehen,
Hat mich zuweilen tief verletzt;
Das darf nicht mehr geschehen.

Es hat die Zeit dich hoffentlich
Von solcher Unart geheilet,
Und dir eine grere Toleranz
Sogar fr Narren erteilet.

Doch sprich, wie kam der Gedanke dir,
Zu reisen nach dem Norden
In solcher Jahrzeit? Das Wetter ist
Schon winterlich geworden!

Oh, meine Gttin! - erwiderte ich -
Es schlafen tief im Grunde
Des Menschenherzens Gedanken, die oft
Erwachen zur unrechten Stunde.

Es ging mir uerlich ziemlich gut,
Doch innerlich war ich beklommen,
Und die Beklemmnis tglich wuchs -
Ich hatte das Heimweh bekommen.

Die sonst so leichte franzsische Luft,
Sie fing mich an zu drcken;
Ich mute Atem schpfen hier
In Deutschland, um nicht zu ersticken.

Ich sehnte mich nach Torfgeruch,
Nach deutschem Tabaksdampfe;
Es bebte mein Fu vor Ungeduld,
Da er deutschen Boden stampfe.

Ich seufzte des Nachts, und sehnte mich,
Da ich sie wiedershe,
Die alte Frau, die am Dammtor wohnt;
Das Lottchen wohnt in der Nhe.

Auch jenem edlen alten Herrn,
Der immer mich ausgescholten
Und immer gromtig beschtzt, auch ihm
Hat mancher Seufzer gegolten.

Ich wollte wieder aus seinem Mund
Vernehmen den 'dummen Jungen',
Das hat mir immer wie Musik
Im Herzen nachgeklungen.

Ich sehnte mich nach dem blauen Rauch,
Der aufsteigt aus deutschen Schornsteinen,
Nach niederschsischen Nachtigall'n,
Nach stillen Buchenhainen.

Ich sehnte mich nach den Pltzen sogar,
Nach jenen Leidensstationen,
Wo ich geschleppt das Jugendkreuz
Und meine Dornenkronen.

Ich wollte weinen, wo ich einst
Geweint die bittersten Trnen -
Ich glaube, Vaterlandsliebe nennt
Man dieses trichte Sehnen.

Ich spreche nicht gern davon; es ist
Nur eine Krankheit im Grunde.
Verschmten Gemtes, verberge ich stets
Dem Publiko meine Wunde.

Fatal ist mir das Lumpenpack,
Das, um die Herzen zu rhren,
Den Patriotismus trgt zur Schau
Mit allen seinen Geschwren.

Schamlose schbige Bettler sind's,
Almosen wollen sie haben -
Ein'n Pfennig Popularitt
Fr Menzel und seine Schwaben!

Oh, meine Gttin, du hast mich heut
In weicher Stimmung gefunden;
Bin etwas krank, doch pfleg ich mich,
Und ich werde bald gesunden.

Ja, ich bin krank, und du knntest mir
Die Seele sehr erfrischen
Durch eine gute Tasse Tee;
Du mut ihn mit Rum vermischen.



CAPUT XXV

Die Gttin hat mir Tee gekocht
Und Rum hineingegossen;
Sie selber aber hat den Rum
Ganz ohne Tee genossen.

An meine Schulter lehnte sie
Ihr Haupt (die Mauerkrone,
Die Mtze, ward etwas zerknittert davon),
Und sie sprach mit sanftem Tone:

Ich dachte manchmal mit Schrecken dran,
Da du in dem sittenlosen
Paris so ganz ohne Aufsicht lebst,
Bei jenen frivolen Franzosen.

Du schlenderst dort herum und hast
Nicht mal an deiner Seite
Einen treuen deutschen Verleger, der dich
Als Mentor warne und leite.

Und die Verfhrung ist dort so gro,
Dort gibt es so viele Sylphiden,
Die ungesund, und gar zu leicht
Verliert man den Seelenfrieden.

Geh nicht zurck und bleib bei uns;
Hier herrschen noch Zucht und Sitte,
Und manches stille Vergngen blht
Auch hier, in unserer Mitte.

Bleib bei uns in Deutschland, es wird dir hier
Jetzt besser als ehmals munden;
Wir schreiten fort, du hast gewi
Den Fortschritt selbst gefunden.

Auch die Zensur ist nicht mehr streng,
Hoffmann wird lter und milder
Und streicht nicht mehr mit Jugendzorn
Dir deine 'Reisebilder'.

Du selbst bist lter und milder jetzt,
Wirst dich in manches schicken,
Und wirst sogar die Vergangenheit
In besserem Lichte erblicken.

Ja, da es uns frher so schrecklich ging,
In Deutschland, ist bertreibung;
Man konnte entrinnen der Knechtschaft, wie einst
In Rom, durch Selbstentleibung.

Gedankenfreiheit geno das Volk,
Sie war fr die groen Massen,
Beschrnkung traf nur die g'ringe Zahl
Derjen'gen, die drucken lassen.

Gesetzlose Willkr herrschte nie,
Dem schlimmsten Demagogen
Ward niemals ohne Urteilspruch
Die Staatskokarde entzogen.

So bel war es in Deutschland nie,
Trotz aller Zeitbedrngnis -
Glaub mir, verhungert ist nie ein Mensch
In einem deutschen Gefngnis.

Es blhte in der Vergangenheit
So manche schne Erscheinung
Des Glaubens und der Gemtlichkeit;
Jetzt herrscht nur Zweifel, Verneinung.

Die praktische uere Freiheit wird einst
Das Ideal vertilgen,
Das wir im Busen getragen - es war
So rein wie der Traum der Liljen!

Auch unsre schne Poesie
Erlischt, sie ist schon ein wenig
Erloschen; mit andern Knigen stirbt
Auch Freiligraths Mohrenknig.

Der Enkel wird essen und trinken genug,
Doch nicht in beschaulicher Stille;
Es poltert heran ein Spektakelstck,
Zu Ende geht die Idylle.

Oh, knntest du schweigen, ich wrde dir
Das Buch des Schicksals entsiegeln,
Ich liee dir sptere Zeiten sehn
In meinen Zauberspiegeln.

Was ich den sterblichen Menschen nie
Gezeigt, ich mcht es dir zeigen:
Die Zukunft deines Vaterlands -
Doch ach! du kannst nicht schweigen!

Mein Gott, o Gttin! - rief ich entzckt -
Das wre mein grtes Vergngen,
La mich das knftige Deutschland sehn -
Ich bin ein Mann und verschwiegen.

Ich will dir schwren jeden Eid,
Den du nur magst begehren,
Mein Schweigen zu verbrgen dir -
Sag an, wie soll ich schwren?

Doch jene erwiderte: Schwre mir
In Vater Abrahams Weise,
Wie er Eliesern schwren lie,
Als dieser sich gab auf die Reise.

Heb auf das Gewand und lege die Hand
Hier unten an meine Hften,
Und schwre mir Verschwiegenheit
In Reden und in Schriften!

Ein feierlicher Moment! Ich war
Wie angeweht vom Hauche
Der Vorzeit, als ich schwur den Eid,
Nach uraltem Erzvterbrauche.

Ich hob das Gewand der Gttin auf,
Und legte an ihre Hften
Die Hand, gelobend Verschwiegenheit
In Reden und in Schriften.



CAPUT XXVI

Die Wangen der Gttin glhten so rot
(Ich glaube, in die Krone
Stieg ihr der Rum), und sie sprach zu mir
In sehr wehmtigem Tone:

Ich werde alt. Geboren bin ich
Am Tage von Hamburgs Begrndung.
Die Mutter war Schellfischknigin
Hier an der Elbe Mndung.

Mein Vater war ein groer Monarch,
Carolus Magnus geheien,
Er war noch mcht'ger und klger sogar
Als Friedrich der Groe von Preuen.

Der Stuhl ist zu Aachen, auf welchem er
Am Tage der Krnung ruhte;
Den Stuhl, worauf er sa in der Nacht,
Den erbte die Mutter, die gute.

Die Mutter hinterlie ihn mir,
Ein Mbel von scheinlosem uern,
Doch bte mir Rothschild all sein Geld,
Ich wrde ihn nicht veruern.

Siehst du, dort in dem Winkel steht
Ein alter Sessel, zerrissen
Das Leder der Lehne, von Mottenfra
Zernagt das Polsterkissen.

Doch gehe hin und hebe auf
Das Kissen von dem Sessel,
Du schaust eine runde ffnung dann,
Darunter einen Kessel -

Das ist ein Zauberkessel, worin
Die magischen Krfte brauen,
Und steckst du in die Rndung den Kopf,
So wirst du die Zukunft schauen -

Die Zukunft Deutschlands erblickst du hier,
Gleich wogenden Phantasmen,
Doch schaudre nicht, wenn aus dem Wust
Aufsteigen die Miasmen!

Sie sprach's und lachte sonderbar,
Ich aber lie mich nicht schrecken,
Neugierig eilte ich, den Kopf
In die furchtbare Rndung zu stecken.

Was ich gesehn, verrate ich nicht,
Ich habe zu schweigen versprochen,
Erlaubt ist mir zu sagen kaum,
O Gott! was ich gerochen! - - -

Ich denke mit Widerwillen noch
An jene schnden, verfluchten
Vorspielgerche, das schien ein Gemisch
Von altem Kohl und Juchten.

Entsetzlich waren die Dfte, o Gott!
Die sich nachher erhuben;
Es war, als fegte man den Mist
Aus sechsunddreiig Gruben. - - -

Ich wei wohl, was Saint-Just gesagt
Weiland im Wohlfahrtsausschu:
Man heile die groe Krankheit nicht
Mit Rosenl und Moschus -

Doch dieser deutsche Zukunftsduft
Mocht alles berragen,
Was meine Nase je geahnt -
Ich konnt es nicht lnger ertragen - - -

Mir schwanden die Sinne, und als ich aufschlug
Die Augen, sa ich an der Seite
Der Gttin noch immer, es lehnte mein Haupt
An ihre Brust, die breite.

Es blitzte ihr Blick, es glhte ihr Mund,
Es zuckten die Nstern der Nase,
Bacchantisch umschlang sie den Dichter und sang
Mit schauerlich wilder Ekstase:

Bleib bei mir in Hamburg, ich liebe dich,
Wir wollen trinken und essen
Den Wein und die Austern der Gegenwart,
Und die dunkle Zukunft vergessen.

Den Deckel darauf! damit uns nicht
Der Miduft die Freude vertrbet -
Ich liebe dich, wie je ein Weib
Einen deutschen Poeten geliebet!

Ich ksse dich, und ich fhle, wie mich
Dein Genius begeistert;
Es hat ein wunderbarer Rausch
Sich meiner Seele bemeistert.

Mir ist, als ob ich auf der Stra'
Die Nachtwchter singen hrte -
Es sind Hymenen, Hochzeitmusik,
Mein ser Lustgefhrte!

Jetzt kommen die reitenden Diener auch
Mit ppig lodernden Fackeln,
Sie tanzen ehrbar den Fackeltanz,
Sie springen und hpfen und wackeln.

Es kommt der hoch- und wohlweise Senat,
Es kommen die Oberalten;
Der Brgermeister ruspert sich
Und will eine Rede halten.

In glnzender Uniform erscheint
Das Korps der Diplomaten;
Sie gratulieren mit Vorbehalt
Im Namen der Nachbarstaaten.

Es kommt die geistliche Deputation,
Rabbiner und Pastre -
Doch ach! da kommt der Hoffmann auch
Mit seiner Zensorschere!

Die Schere klirrt in seiner Hand,
Es rckt der wilde Geselle
Dir auf den Leib - er schneidet ins Fleisch -
Es war die beste Stelle.



CAPUT XXVII

Was sich in jener Wundernacht
Des weitern zugetragen,
Erzhl ich euch ein andermal,
In warmen Sommertagen.

Das alte Geschlecht der Heuchelei
Verschwindet, Gott sei Dank, heut,
Es sinkt allmhlich ins Grab, es stirbt
An seiner Lgenkrankheit.

Es wchst heran ein neues Geschlecht,
Ganz ohne Schminke und Snden,
Mit freien Gedanken, mit freier Lust -
Dem werde ich alles verknden.

Schon knospet die Jugend, welche versteht
Des Dichters Stolz und Gte,
Und sich an seinem Herzen wrmt,
An seinem Sonnengemte.

Mein Herz ist liebend wie das Licht,
Und rein und keusch wie das Feuer;
Die edelsten Grazien haben gestimmt
Die Saiten meiner Leier.

Es ist dieselbe Leier, die einst
Mein Vater lie ertnen,
Der selige Herr Aristophanes,
Der Liebling der Kamnen.

Es ist die Leier, worauf er einst
Den Paisteteros besungen,
Der um die Basileia gefreit,
Mit ihr sich emporgeschwungen.

Im letzten Kapitel hab ich versucht,
Ein bichen nachzuahmen
Den Schlu der Vgel, die sind gewi
Das beste von Vaters Dramen.

Die Frsche sind auch vortrefflich. Man gibt
In deutscher bersetzung
Sie jetzt auf der Bhne von Berlin,
Zu kniglicher Ergetzung.

Der Knig liebt das Stck. Das zeugt
Von gutem antiken Geschmacke;
Den Alten amsierte weit mehr
Modernes Froschgequacke.

Der Knig liebt das Stck. Jedoch
Wr noch der Autor am Leben,
Ich riete ihm nicht, sich in Person
Nach Preuen zu begeben.

Dem wirklichen Aristophanes,
Dem ginge es schlecht, dem Armen;
Wir wrden ihn bald begleitet sehn
Mit Chren von Gendarmen.

Der Pbel bekm die Erlaubnis bald,
Zu schimpfen statt zu wedeln;
Die Polizei erhielte Befehl,
Zu fahnden auf den Edeln.

O Knig! Ich meine es gut mit dir,
Und will einen Rat dir geben:
Die toten Dichter, verehre sie nur,
Doch schone, die da leben.

Beleid'ge lebendige Dichter nicht,
Sie haben Flammen und Waffen,
Die furchtbarer sind als Jovis Blitz,
Den ja der Poet erschaffen.

Beleid'ge die Gtter, die alten und neu'n,
Des ganzen Olymps Gelichter,
Und den hchsten Jehova obendrein -
Beleid'ge nur nicht den Dichter!

Die Gtter bestrafen freilich sehr hart
Des Menschen Missetaten,
Das Hllenfeuer ist ziemlich hei,
Dort mu man schmoren und braten -

Doch Heilige gibt es, die aus der Glut
Losbeten den Snder; durch Spenden
An Kirchen und Seelenmessen wird
Erworben ein hohes Verwenden.

Und am Ende der Tage kommt Christus herab
Und bricht die Pforten der Hlle;
Und hlt er auch ein strenges Gericht,
Entschlpfen wird mancher Geselle.

Doch gibt es Hllen, aus deren Haft
Unmglich jede Befreiung;
Hier hilft kein Beten, ohnmchtig ist hier
Des Welterlsers Verzeihung.

Kennst du die Hlle des Dante nicht,
Die schrecklichen Terzetten?
Wen da der Dichter hineingesperrt,
Den kann kein Gott mehr retten -

Kein Gott, kein Heiland erlst ihn je
Aus diesen singenden Flammen!
Nimm dich in acht, da wir dich nicht
Zu solcher Hlle verdammen.


----------------------------------------------------------------------
End of "Deutschland. Ein Wintermrchen" by Heinrich Heine




*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DEUTSCHLAND. EIN WINTERMAERCHEN ***

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10000  2004 January*


The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.

We need your donations more than ever!

As of February, 2002, contributions are being solicited from people
and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
Virginia, Wisconsin, and Wyoming.

We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
that have responded.

As the requirements for other states are met, additions to this list
will be made and fund raising will begin in the additional states.
Please feel free to ask to check the status of your state.

In answer to various questions we have received on this:

We are constantly working on finishing the paperwork to legally
request donations in all 50 states.  If your state is not listed and
you would like to know if we have added it since the list you have,
just ask.

While we cannot solicit donations from people in states where we are
not yet registered, we know of no prohibition against accepting
donations from donors in these states who approach us with an offer to
donate.

International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
ways.

Donations by check or money order may be sent to:

Project Gutenberg Literary Archive Foundation
PMB 113
1739 University Ave.
Oxford, MS 38655-4109

Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
method other than by check or money order.

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
[Employee Identification Number] 64-622154.  Donations are
tax-deductible to the maximum extent permitted by law.  As fund-raising
requirements for other states are met, additions to this list will be
made and fund-raising will begin in the additional states.

We need your donations more than ever!

You can get up to date donation information online at:

http://www.gutenberg.net/donation.html


***

If you can't reach Project Gutenberg,
you can always email directly to:

Michael S. Hart <hart@pobox.com>

Prof. Hart will answer or forward your message.

We would prefer to send you information by email.


**The Legal Small Print**


(Three Pages)

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They tell us you might sue us if there is something wrong with
your copy of this eBook, even if you got it for free from
someone other than us, and even if what's wrong is not our
fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
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you may distribute copies of this eBook if you want to.

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