The Project Gutenberg EBook of Der Harz, by Friedrich Gnther

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Title: Der Harz

Author: Friedrich Gnther

Release Date: April 14, 2020 [EBook #61833]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER HARZ ***




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                             Land und Leute

                        Monographien zur Erdkunde

             In Verbindung mit hervorragenden Fachgelehrten

                            herausgegeben von

                                A. Scobel


                                   IX.

                                Der Harz


                        $Bielefeld$ und $Leipzig$
                     =Verlag von Velhagen & Klasing=
                                  1901


                    *       *       *       *       *

                                Der Harz

                                   Von

                               Fr. Gnther

          =Mit 115 Abbildungen nach photographischen Aufnahmen
                       und einer farbigen Karte.=


                             [Illustration]


                        $Bielefeld$ und $Leipzig$
                     =Verlag von Velhagen & Klasing=
                                  1901


                        Alle Rechte vorbehalten.

                 Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.




                                 Inhalt.

                                                                   Seite

      I. Einleitung                                                   3

     II. Geographischer berblick                                     5

    III. Geologische bersicht                                        8

     IV. Das Klima                                                   18

      V. Geschichtlicher berblick                                   25

     VI. Land und Leute                                              30

    VII. Die Hochebene von Klausthal                                 40

   VIII. Die Sselandschaft                                          56

     IX. Die Innerstelandschaft                                      58

      X. Die Okerlandschaft                                          68

     XI. Die Oderlandschaft                                          77

    XII. Der Brocken und das Brockenfeld                             83

   XIII. Radau, Ecker und Ilse                                       89

    XIV. Die Holtemme                                                91

     XV. Die Bodelandschaft                                          98

    XVI. Die Selkelandschaft                                        106

   XVII. Die Wipperlandschaft. -- Mansfelder Bergbaugebiet          108

  XVIII. Die Helmelandschaft                                        118

         Register                                                   126

                    *       *       *       *       *

[Illustration: Abb. 1. =Stolberg, von der Lutherbuche gesehen.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

                    *       *       *       *       *


[Illustration: Abb. 2. =Eisleben im 17. Jahrhundert= (nach Merian).]




                                Der Harz.


                                   I.

                               Einleitung.


Mag Samaria und Juda ein sehr fruchtbares Land gewesen sein, ich lobe
mir dafr meine Gldene Au. So sprach, wie D. Luther erzhlt, Botho der
Glckselige, Graf zu Stolberg, als er am 9. Februar 1494 von seiner
Meerfahrt in das Gelobte Land in seine harzische Heimat zurckkehrte.
Ja, und wenn es auch gar viel gewaltigere Gebirge gibt mit
himmelanstrebenden, von den Wolken benetzten Spitzen und Hrnern, mit
glitzernden Gletschern und ewigem Firn: ich lobe mir doch meinen
bescheidenen Harz und ich liebe ihn und preise ihn, so gut ich kann.

  Gr're Gebirge wohl gibt's, doch keines, das ihn bertrfe
   Beides an Wald und Wild ...

singt Heinrich Rosla (gegen 1300) in seiner Herlingsberga; und Konrad
Celtis, der die Vorlande unseres Gebirges im Jahre 1498 durchreiste,
rhmt an diesem die Flle mannigfaltigen Erzes, die mit Taxus und Fichte
geschmckten Hhen, die dunkelschattigen Thler, die rauschenden,
jhlings durch die Felsen herabstrzenden Giebche, wodurch die
matterleuchtete Gegend das Ansehen der Unterwelt gewnne.

Vom Harz der Fichte leitet Celtis den Namen unseres Waldgebirges ab,
und noch Johann Rauws spricht's hundert Jahre spter ihm nach. Aber wenn
sie hierin auch irren, strmt uns nicht aus dem Worte Harz gleichsam
der wrzige Duft der unabsehbaren Nadelwlder erfrischend entgegen, hren
wir nicht bei seinem Klange gleichsam das geheimnisvolle Rauschen und
Flstern der weithin schauenden Wipfel unserer nordischen Palme? Und
die Tne der Schwarzdrossel und ihrer sangeskundigen Schwestern klingen
melancholisch darein, und ber die klaren, blinkenden Teiche hallt leise
und feierlich wie aus verlorener Waldkirche das harmonische Gelut der
friedlich weidenden braunen Rinderherden herber, und der Giebach stimmt
murmelnd ein in den Abendpsalm. Und wenn die Schwingen des Waldes ruhen
und die Tne mhlich verklingen und nur noch die Saiten des Herzens
andchtig nachzittern, und der letzte Sonnenstrahl, der so eben noch hier
die grne Nacht des Hochwaldes zu durchdringen sich bemhte, dort auf dem
weichen, dichten Moospolster und den dichtgedrngten, losen Farnwedeln
neckisch spielte, scheidend erlischt -- dann erheben Sage und Mrchen ihr
Haupt. Schaut hier nicht Knig Hbich Gaben verheiend aus dem
Felsenspalt, schreitet dort nicht der Bergmnch mit flackerndem
Grubenlicht hinter dem ltesten der Baumriesen hervor? Und das zottige
Flechtengewirr an den Zweigen und die knorrigen, weit hervorragenden
Wurzeln nehmen gar seltsame Gestalten an, und wie ein Geisterhauch
fliegt's durch die Kronen.

Wohl ist die Rottanne oder Fichte dem Harze nicht ausschlielich eigen,
aber es gibt in Deutschland kaum ein zweites Gebirge von gleicher Hhe,
in dem ihre Herrschaft so wenig beschrnkt wird; und mindestens dem
Westharz, seinen hohen Bergen und tiefen Thlern prgt sie durch ihre
dunklen, lang hinziehenden Massen, in denen der einzelne Baum gleichsam
untergeht, den eigenartigen Charakter auf.

[Illustration: Abb. 3. =Kaiserhaus in Goslar.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Den Inseln gleich im grnen Waldmeere liegen, weithin, doch nicht planlos
verstreut, groe und kleine Wiesenfluren und inmitten einer jeden, meist
der Form und dem Zuge des Thales sich anschmiegend, die Bergstdte und
oberharzischen Ortschaften, auf den kleinsten Eilanden wenigstens ein
Forsthaus, oder ein Zechenhaus oder eine Mhle. Lngst hat der rote
Ziegel die schwrzlich graue Holzschindel verdrngt, und mit frischen
Farben leuchten diese kleinen Siedelungen -- in den unabsehbaren grnen
Teppich gewobene Blumen -- zu der Hhe herauf, von der wir Umschau
halten, und fesseln unsere Augen.

Und wie ganz anders rollt das Bild sich ab, wenn wir unsern Fu rstig
wandernd gen Osten setzen. Sind wir denn wirklich im Gebirge? Kein
Bergzug umrandet die Ebene, versteckt und verdeckt liegt selbst der Vater
Brocken, der sonst nach allen Seiten seine Gre versendet; kein Giebach
schumt, fast unhrbar und in Manderschlingen schleichen trge die Bche
vorber. Nur die krglich bestandenen Fluren mit ihren sich versptenden
Saaten und die in der Ferne sich kruselnden Rauchwolken, die einem
Httenwerke entstammen mssen, heben unsere berechtigten Zweifel.

Doch weiter! Bald ist sie berwunden -- diese Einfrmigkeit der
unterharzischen Hochebene, die doch niemals zur Langweiligkeit ausartet,
vielmehr dem Wanderer nur einige Stunden ruhiger Beschaulichkeit gewhrt
und sein Gemt vorbereitet zu rechter Wrdigung und zu vollem Genusse des
Kommenden.

Mhlich beginnen die Thler sich einzuschneiden und die buchenbestandenen
Hhenzge zu wachsen; die kleinen Flchen bekommen Leben, und nicht
lange, so erhlt das anmutige Hgelgelnde berzeugend den wirklichen
Gebirgscharakter. Berg trmt sich auf Berg, wunderliche Felsgebilde
steigen empor und recken sich hher und hher, um hier in die
schwindelnde Tiefe mit ihrem brausenden Bergstrom, dort wie eine Gefahr
druende Riesenburg weit hinaus zu schauen in die blhenden Vorlande.

Hart dem Saume des Gebirges folgend, reihen sich hier blhende Stdte,
rhrige Flecken und schmucke Drfer zu einem lieblichen Kranze. Wo auch
nur ein Flu oder Bchlein aus dem Harze heraustritt, da haben -- gerade
an diesem Austrittspunkte -- unsere Vorfahren mit Verstndnis einst ihre
Wohnungen aufgeschlagen und von hier aus nach dem Vorbilde eines
Klosters, unter dem Schutze einer Burg den Kampf mit der Wildnis
aufgenommen, und unermdlich die blanke Axt schwingend dem Urwalde die
fruchtbaren Fluren abgerungen, auf denen sich jetzt der goldige Weizen
mit schwerer hre im Winde wiegt und die gehaltvolle Zuckerrbe reichen
Ertrag gewhrt.

Nur sprlich ist die Zahl der Urkunden, welche aus jener Zeit berichten,
wo dieser engste Saum von Ortschaften, von denen dann allmhlich
unternehmende Pioniere in den inneren Harz eindrangen, um unser Gebirge
gelegt wurde, und vielfach verstummt sogar verschmt die sonst selten
verlegene Sage. Aber die Stdte und Ortschaften selbst tragen in ihrem
Namen eine untrgliche Inschrift, ein unauslschliches Merkmal der Zeit
ihrer Entstehung.




                                   II.

                        Geographischer berblick.


Das Harzgebirge liegt zwischen 51 28,5' und 51 51' nrdl. Breite und
zwischen 10 10' und 11 26' stl. Lnge von Greenwich und hat die
Gestalt einer von West-Nordwest nach Ost-Sdost gerichteten
unvollstndigen Ellipse, deren Brennpunkte auf den 1142 Meter hohen
Brocken und den 595 Meter hohen Ramberg fallen; und deren lange Achse,
welcher der nordstliche Rand als Sehne parallel luft, zwischen Hahausen
und Hettstedt 95 Kilometer lang ist, whrend ihre grte Breite (vom
Sdwestrande bis zur Sehne) 34 Kilometer betrgt.

[Illustration: Abb. 4. =Bergmann.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

[Sidenote: Die Rnder des Gebirges.]

Am imposantesten wirkt der Harz von Norden gesehen. In scharfer
Markierung, ohne vermittelnden Uebergang steigt er mauerartig auf der
etwa 25 Kilometer langen Strecke von Harzburg bis Hahausen aus dem
Vorlande auf. Die Luftlinie zwischen der bei 256 Metern liegenden
Grenzlinie und den diese um die doppelte Meereshhe berragenden
Bergspitzen betrgt noch nicht 1 Kilometer; zwischen den Httenorten Oker
und Langelsheim kulminieren der Adenberg bei 538 Meter, der Hahnenberg
bei 520 Meter, der Gelmkeberg bei 538 Meter, der Steinberg bei 479 Meter
und der Nordberg bei 455 Meter; ja der Rammelsberg und der Herzberg, die
den unmittelbaren Hintergrund Goslars bilden, erheben sich sogar zu 635
und 638 Meter. Den vollen, berwltigenden Eindruck eines vllig
geschlossenen Gebirgswalles macht dieser Rand indes nur aus der Ferne;
von den austretenden Flssen und Bchen (Radau, Oker, Gose, Grane,
Barley, Tllebach und Innerste) auerordentlich stark zerschnitten, lst
er sich in der Nhe in Einzelberge auf.

[Illustration: Abb. 5. =Fuhrherr.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

Im Westen prgt sich die Gebirgsgrenze von Hahausen bis Lauterberg in
einem Thale, das der Zechsteinbildung angehrt, deutlich aus. Von groer
landschaftlicher Schnheit ist es besonders in der Gegend von Osterode
und Herzberg, wo die schneeweien Felsen des Gipszuges, der den Thalrand
auf der ganzen Strecke zur Rechten begleitet, im wirkungsvollen
Gegensatze zu den weniger steil abfallenden grnen Harzbergen aus dem
Thale, in dem sich die wassergefllten Erdflle der Teufelsbder
aneinander reihen, bis zu 100 Meter jh emporsteigen.

Von Lauterberg ber Walkenried bis Questenberg folgt die Grenze, noch
erkennbar, aber weniger scharf hervorgehoben, dem Laufe der Helme, wird
dann aber, bis Mansfeld, durch die sich unmittelbar an das Gebirge
anschlieende Thringer Grenzplatte, einen in sdstlicher Richtung bis
zur Unstrut laufenden Hhenrcken mit flachgerundeten Gipfeln, fast
vllig verwischt. Von Mansfeld ab bis Harzburg bezeichnen die Orte
Hettstedt, Ballenstedt, Thale, Blankenburg, Wernigerode, Ilsenburg die
Grenze in berall deutlich erkennbarer Ausprgung.

[Illustration: Abb. 6. =Landgngerin.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

Der Sdrand, der mit 267 Meter mittlerer Meereshhe den Nordrand um etwa
11 Meter -- der in Deutschland allgemein geltenden Regel entsprechend --
bertrifft, hat seine grte relative Hhe in dem die Wasserscheide
zwischen Weser und Elbe bildenden Hhenrcken bei Osterhagen, von dem der
Rand fast gleichmig nach Westen (Seesen 204 Meter) und Osten (Riestdorf
178 Meter) abfllt.

[Illustration: Abb. 7. =Klausthal.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

[Illustration: Abb. 8. =Zellerfeld.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

[Sidenote: Ober- und Unterharz.]

Der ganze so umrandete Harz bedeckt eine Flche von 2468 Quadratkilometer
und ist demnach genau so gro wie das Herzogtum Sachsen-Meiningen und
fast doppelt so gro wie Sachsen-Altenburg. Wenn man das Gebirge auf
dieser Grundflche einebnen knnte, so wrde man die mittlere Hhe von
442 Meter erhalten.

Man hat den Harz einen einzigen Berg mit verschiedenen Kpfen und
Thalfurchen genannt; und dieser Vergleich ist auch nicht ganz
unzutreffend. Aber auf den Sockel dieser scheinbar ununterbrochenen
Bergwand ist -- wie ein Blick aus der nrdlich sich vorlagernden Ebene
zeigt -- im Westen die Granitmasse des Brockens als ein zweites, fast
ebenso hohes Gebirge und im Osten der kleine Ramberg-Kegel gestellt; und
auf der Hochebene von Klausthal oder auf dem Aussichtspunkte der Schalke
tritt auch der Bergzug des Langen Ackers (jetzt Acker-Bruchbergs) als
bedeutende berragung klar neben dem scheinbar nicht viel hheren
Brockengebirge ins Auge. Sollte aber der Vergleich mit einem einzigen
Berge den Trugschlu auf langweilige Einfrmigkeit nahelegen, so belehrt
uns der umfassende Rundblick vom Brocken auf die von immer tiefer
werdenden Furchen und Fluthlern zerschnittenen Hochebenen des Ober- und
Unterharzes eines Besseren.

Unter dem Oberharz versteht man den hheren westlichen, unter dem
Unterharz den allmhlich an Hhe abnehmenden stlichen Teil des Gebirges.
Aber die Grenze zwischen beiden steht keineswegs von vornherein fest. Da
dabei die vormalige Praxis der hannover-braunschweigischen Bergbehrden,
nach welcher mit dem Unterharze die Gegend von Goslar, Oker, Gittelde
gemeint war, vllig auer Betracht zu bleiben hat, liegt auf der Hand.
Doch auch nach Flugebieten lt jene sich nicht angeben, denn die dem
Elbegebiet angehrende Bode entspringt auf dem Brockenfelde, der
hchstgelegenen Hochebene des Gebirges. Ohne uns in den -- brigens
bedeutungslosen -- Streit weiter einzulassen, wollen wir unter dem
Oberharz das ganze Brockengebirge samt dem Brockenfelde, die im Mittel
580 Meter hohe Hochebene von Klausthal mit ihren Randbergen und der
Bruchberg-Kette und das Andreasberger Dreieck verstehen; und den
Unterharz, der in seinem westlichen Drittel noch gleich jenem vorwiegend
mit Fichtenwald bedeckt ist, in das Bode- und das Selkeplateau einteilen.




                                  III.

                         Geologische bersicht.


Von den Randgesteinen abgesehen, die den deutlich begrenzten Gebirgskern
mantelartig umgeben, besteht das Massiv des Harzes zum bei weitem grten
Teile aus sedimentren, zum kleineren aus eruptiven Gesteinen.

[Sidenote: Verbreitung des Devon.]

Die Sediment- oder geschichteten Gesteine -- sie heien auch palozoische
d. i. alttierische -- welche sich, die erste, ursprngliche Grundlage fr
unser Gebirge bildend, aus den trben Fluten des noch alle Lande
bedeckenden Meeres als Schlamm, Sand und Kies horizontal oder in geringer
Neigung niederschlugen, ablagerten und erhrteten, gehren im Westharze
dem Devon-, im Ostharze vorwiegend der Kohlenformation an. Die devonische
Bildung kommt im Harze in allen ihren Niveaus, als Unter-, Mittel- und
Ober-Devon vor.

Von dem Unter-Devon hat man in neuester Zeit die ltesten Schichten
abgetrennt und dieser Gruppe den Namen Obersilur zuerkannt. Es sind dies
namentlich die Graptolithenschiefer bei Lauterberg, Wernigerode,
Harzgerode, Treseburg und der feste, feinkrnige und helle Quarzit, aus
dem der Rcken des Bruchberges und des Ackers besteht.

[Illustration: Abb. 9. =Marktkirche in Klausthal.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

Dem Unter-Devon gehren zum grten Teil die Unteren Wieder-Schiefer --
harte Schiefer mit eingelagerten Kalklinsen -- und hnliche Schiefern bei
Zorge, Harzgerode und Mgdesprung, sowie der Hauptquarzit des
Unterharzes, die sich sdstlich an den Oker-Bruchberg anschlieenden
Quarzite und neben sandigen Schiefern des Rammelsberges, der nach seinen
zahlreichen Versteinerungen, den zu den Armfern gehrenden Spiriferen
oder Windungstrgern benannte Spiriferen-Sandstein an, welcher die
Berggruppe zwischen Oker und Innerste, also den Rammelsberg, den
Kahlenberg und Bocksberg, die hchsten Kuppen der Klausthaler Hochebene,
bildet.

In das Mittel-Devon rechnet man auer einem Teile der Wieder-Schiefern
(bei Hasselfelde, im Selkethal) besonders die Wissenbacher (oder
Goslarer) und die Calceola-Schiefer. -- Die Calceolaschichten, welche
sich eng an den Spiriferen-Sandstein anschlieen und sich durch ihren
groen Reichtum an Petrefakten auszeichnen (Leitmuschel _Calceola
sandolina_, gemeine Pantoffelmuschel) finden sich zwischen Oker und
Innerste in schmalen Sumen, in Mulden und in sattelfrmigen
Hervorragungen. Die auf ihnen folgende Zone der Goslarer Schiefer ist von
hervorragender Bedeutung: nicht nur werden die hrtesten dieser blau-
oder grauschwarzen, dichten Thonschiefer als Dachschiefer benutzt,
sondern es ist ihnen auch das berhmte, trotz fast tausendjhrigen
Betriebes noch immer nicht erschpfte Erzlager des Rammelsberges
eingeschaltet. -- Mitteldevonisches Gestein findet sich auch in dem Zuge,
welcher -- wegen der in ihm auftretenden Diabase und Roteisensteine
meistens als Diabas- (Grnstein-) oder Eisensteinszug bezeichnet -- von
Osterode bis ber Altenau hinaus in gerader Linie als 400 Meter breiter
Streifen verluft. Es steht den Wissenbacher Schiefern gleich und wird
von Tentakuliten-Schiefern berlagert.

[Illustration: Abb. 10. =Doppelthaler vom Jahre 1688.=

(Oberharzer Museum.)]

Die jngsten Schichten des Mittel-Devon sind die durch reiche
Eisensteinslager ausgezeichneten Stringocephalenkalke (Leitmuschel
_Stringocephalus Burtini_, Burtins Eulenkopf) der Elbingeroder Mulde, die
auch in dem soeben genannten Eisensteinszuge zwischen Herzberg und
Altenau auftreten.

Das Ober-Devon ist in seiner unteren, lteren Zone vorwiegend
Intumescenskalk, in seinen oberen, jngeren Schichten Cypridinenschiefer.
Jener ist nach der zu den Ammonshrnern gehrenden _Goniatites
intumescens_, dieser nach dem Muschelkrebs benannt. In die
Intumescensstufe gehrt vor allem der vllig ungeschichtete Massenkalk
des hhlenreichen Iberges und Winterberges bei Grund, eines
Korallenriffes mit dem reichsten Schatze von Versteinerungen, und der
Iberger Kalk der Elbingeroder Mulde mit den berhmten Rbelander
Hhlen. Auch die schwarzen Kalke (mit _Cardiola angulifera_) am
Wasserfallfelsen bei Romkerhalle, am Kellwasser u. s. w. gehren diesem
unteren Niveau an. -- Cypridinenschiefer finden sich u. a. im Diabaszuge
der Klausthaler Hochebene, und als Clymenienkalk bei Lautenthal, am
genannten Wasserfall, bei Mgdesprung u. a. O.

[Sidenote: Verbreitung des Karbon.]

Die nicht devonischen Schichten des Oberharzes gehren dem Karbon (der
Kohlenformation) an, fr den der englische Lokalname Kulm hier zuerst in
Anwendung gebracht ist. Seine unteren Schichten bestehen aus Kiesel- und
Posidonienschiefern, seine oberen aus Grauwacke.

Die Kieselschiefer, meist grau oder schwrzlich, vom Messer nicht
ritzbar, S-frmig gestaucht und gefaltet, finden sich in geringer
Mchtigkeit in der Gegend von Lautenthal und im mehrgenannten
Diabaszuge, vielfach im Wechsellager mit hellem Wetzschiefer, schwarzem
Alaunschiefer und (z. B. am Lerbacher Httenteiche) bunten, rotgrnen
Adinolen (Bandjaspis). Die Charakter-Versteinerung _Posidonia Becheri_
(Bechers Poseidon-Klaffmuschel), die den mit den Kieselschiefern
unmittelbar verknpften, doch auch -- in zwei breiten Zonen zwischen
Schulenberg und Laubhtte -- unabhngig auftretenden eigentlichen
Posidonienschiefern eignet, findet sich nicht selten auch in jenen.
Vereinzelt (z. B. zwischen Hbichenstein und Iberger Kaffeehaus) sind
schwrzlich-graue Kalke eingelagert, die gleichfalls dem unteren Kulm
angehren.

[Illustration: Abb. 11. =Wildemannthaler von 1665.=

(Oberharzer Museum.)]

Dagegen nehmen die Kulm-Grauwacken, die jngsten Schichten des
Kerngebirges, am Tage groe Flchen ein. Im frischen Zustande blaugrau,
durch Verwitterung rostbraun, auch rot, besteht dieses meist in dicken
Bnken abgelagerte Gestein im wesentlichen aus Sandkrnern, die nebst
Bruchstcken von Gangquarz, Kieselschiefer und Thonschiefer sowie
Feldspat- und Kalkspatkrnern in ein thonig-sandiges Bindemittel gebettet
sind. In der Gegend von Grund haben diese Bestandteile, unter denen sich
Granit- und Porphyrgerlle nichtharzischen Ursprungs finden, oft
Faustgre. Die pflanzlichen Versteinerungen, unter denen neben
undeutlichen kohligen Blattabdrcken namentlich die Calamiten (baumartige
Schachtelhalme) vertreten sind, kommen nur sporadisch, von tierischen nur
die Posidonienmuschel ganz vereinzelt vor. Als Baustein -- namentlich bei
Klausthal -- schn zu bearbeiten, liefert die Grauwacke in den
groartigen Steinbrchen bei Wildemann treffliche Pflastersteine.

[Illustration: Abb. 12. =Ausbeutethaler von 1685.=

(Oberharzer Museum.)]

Dem gleichen Niveau wie die von erzreichen Gangspalten durchsetzte
Oberharzer Grauwacke gehren die Tanner und Elbingeroder Grauwacke, sowie
die Zorger Schiefer an.

                    *       *       *       *       *

Zu Ende der Kulmzeit wurden die bis dahin vom Meere bedeckten
palozoischen Sedimente in Mitteleuropa zu einem gewaltigen Kettengebirge
zusammengeschoben, dessen Falten sich vom Centralplateau Frankreichs
durch ganz Deutschland, wo sie um das bhmische Gebirgsviereck in einem
gegen Norden konvexen Bogen herumliegen, bis nach Ruland verfolgen
lassen.

Darum hat der Harz wie der Thringer Wald und das rheinisch-westflische
Schiefergebirge, deren ursprnglicher Zusammenhang erst allmhlich durch
die abradierende Thtigkeit des Meeres und durch wiederholte Abbrche
aufgehoben wurde, niederlndisches Streichen d. i. seine Schichten
haben die Richtung von Sdwest nach Nordost. Dieses Zusammenschieben der
erhrteten Sedimente geschah durch seitlichen (tangentialen) Druck und
konnte nicht anders, als unter Faltung, Zerreiung und Aufrichtung,
selbst Kippung der Schichten geschehen. In die entstandenen Spalten und
Risse ergossen sich die sogenannten prgranitischen Eruptivgesteine,
besonders Diabas, auch Kersantit und gewisse Porphyre, die feuerflssig
aus dem Innern emporquollen. So ist es auch zu erklren, da der
Grnstein des Diabaszuges zwischen Osterode und Altenau trotz seiner
deckenartigen Ausbreitung stets der Richtung der Schichten folgt und an
deren spteren Knickungen und Verwerfungen teilnimmt.

[Illustration: Abb. 13. =Andreasthaler von 1726.=

(Oberharzer Museum.)]

Das Harzgebirge sah damals nur wenig und nur in seinen bedeutend
emporgehobenen Teilen aus dem Meere hervor. Dieses begann nun seine
abradierende Thtigkeit: wie es noch heute an felsiger Meereskste
geschieht, zernagten und untersplten Wogen und Brandung die trocken
gelegten Massen, bis diese zusammenstrzten, zertrmmerten und zerrollten
dann die Brocken zu Kies und Schlamm, fllten damit die bei der Faltung
entstandenen Vertiefungen aus und bildeten fast ebene Abrasionsflchen.

[Sidenote: Das Rotliegende.]

Man nennt diese aus Konglomeraten von Harzgesteinen bestehende Ausfllung
der Mulden das untere Rotliegende. Am strksten entwickelt ist diese
Formation in der Grafschaft Mansfeld, wo sich zwischen ihr mchtige zu
Mhl- und Bausteinen geeignete thonige Sandsteine finden, in der Gegend
von Ilfeld, wo sie hoch in das Gebirge hinaufsteigt, und im Ermsleber
Becken; doch umzieht sie, mehrfach unterbrochen, auch ber Lauterberg den
Harz bis Hahausen. An drei Stellen, bei Meisdorf und Opperode stlich von
Ballenstedt, bei Grillenberg in der Nhe von Wippra und bei
Slzhain-Ilfeld-Neustadt enthlt sie auch dunkle Schieferthone und wenig
(3/4-1-1/2 Meter) mchtige Steinkohlen.

[Sidenote: Porphyr und Granit.]

Die Eruptionen dauerten fort. Zunchst entquollen, die Sedimente
gewaltsam durchbrechend, dem Innern des noch immer mit Wasser bedeckten
Harzes, besonders nrdlich von Ilfeld, Strme schwarzen Melaphyrs und
ergossen sich ber die unteren Schichten des Rotliegenden; ihnen folgte,
weithin alles bedeckend, feuerflssiger grauer Porphyr, der zum Teil auch
in den darber lagernden mchtigen postporphyrischen Konglomeraten als
Gerll noch erhalten ist. Vielleicht sind zur selben Zeit -- jedenfalls
nach der Kulmperiode und nach der Entstehung des Diabases -- die
Porphyrmassen aufgestiegen, welche die fast parallelen, von Nord nach
Sd streichenden Gangspalten des Kerngebirges zwischen Ilfeld und
Wernigerode und Diabaszge =nach= ihrer Faltung ausfllten und
durchsetzten; hchst wahrscheinlich auch die gewaltigen Strme von
Quarzporphyr, deren Reste wie im Auerberge bei Stolberg und in der Gegend
von Lauterberg (Knollen, Ravenskopf) erkennen, wo einzelne Gnge eine
Mchtigkeit von 20 Meter und eine Lnge von 11 Kilometer erreichen.

[Illustration: Abb. 14. =Apotheke in Zellerfeld.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

Ebenso jung ist der Granit, den man einst fr das eigentliche Urgestein
unseres Planeten hielt. Er tritt in zwei groen Massiven auf:
Ramberg-Bodethal und Brocken-Okerthal. (Der Okergranit ist eine nur
oberflchlich abgetrennte Partie des Brockengranits.) Die vom
Hexentanzplatz auslaufenden Apophysen (Auswchse, Auslufer), denen das
Brockenmassiv bei Hasserode kleinere Gnge derselben Facies
entgegensendet, lassen keinen Zweifel darber, da der Granit erst nach
der Faltung des Gebirges und spter als der Diabas emporgequollen ist. --
Rings um beide Granitmassen sind durch die schnellere Abkhlung und
Erstarrung der feuerflssigen Strme die Sedimentsteine in der Weise
verndert, da sie sich durch krystallinische Beschaffenheit und massige
Struktur, grere Hrte und muschligen Bruch von den gleichnamigen nicht
vernderten Gesteinen unterscheiden. Durch diese Kontaktmetamorphose
sind der Hornfels und seine Verwandten entstanden.

                    *       *       *       *       *

[Sidenote: Zechsteinformation.]

Nach diesen Ergssen und Bildungen, die in die lange Periode des
Rotliegenden fallen, erfolgte in dem grten Teile Deutschlands eine
allgemeine Senkung der Erdrinde. Das Meer, welches ber dem Harze
flutete, wurde somit tiefer und lagerte seinen Schlamm gleicherweise auf
den abradierten Ebenen der alten Sedimente, wie auf den in den Becken und
Mulden neu entstandenen Gerllmassen des Rotliegenden ab. Bei ihrer
Erhrtung bildete diese neue Ablagerung Zechstein und Kupferschiefer.
Diese stets zusammen auftretenden Schichten -- die mit dem Rotliegenden
auch Perm heien -- umziehen den ganzen Sdrand des Harzes von Hahausen
bis in die Grafschaft Mansfeld, doch hat sich bis jetzt nur in dieser, wo
Silbererze die vom Schiefer eingeschlossenen Kupfererze begleiten, das
Flz bauwrdig erwiesen. Die oberen Schichten der Zechsteinformation
bestehen aus Anhydriten und Gipsen, die besonders aus dem an Hhlen und
Erdfllen reichen Zuge bekannt sind, der -- vielfach pittoreske
Felspartieen bildend -- den Sdrand des Harzes von Badenhausen bis
Sangerhausen mauerartig umwallt; ferner aus Dolomiten und Letten; und
auch die bis 1000 Meter mchtigen Steinsalze und die darber lagernden
Kalisalze, deren Abbau im letzten Jahrzehnt mit regem Eifer begonnen hat,
gehren noch in diese Formation. --

Die Bildung der Bergzge und Hgelreihen, welche den Harz im Norden
mantelartig umziehen, und die Ausfllung der von da in das Gebirge
eingreifenden Thler ist in den nun folgenden drei geologischen Perioden
der Trias-, der Jura- und der Kreideformation erfolgt.

[Illustration: Abb. 15. =Erzsto im Burgsttter Hauptgang.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

[Sidenote: Erdgeschichte des Harzes.]

Die Trias (d. i. bunter Sandstein, Muschelkalk und Keuper) legen sich
bandfrmig von Hahausen bis Gernrode in der Weise um den Nordrand, da
der Sandstein -- dem die Solquelle bei Harzburg entspringt -- und der
Keuper, der meistens als Letten und Mergel auftritt, die Thler, der
Muschelkalk die -- spter umgekippten -- Hhen bildet. (Am Sdrande
liegen die Trias wegen der Breite der Zechsteinformation weit ab vom
Gebirge.) -- Der Jura kommt nur in dem Busen des Schiefergebirges
zwischen Langelsheim und Harzburg und in der Nhe von Quedlinburg vor;
seine Liasschichten liefern der Harzburger Htte schnen Roteisenstein.
-- Die Kreide, mit ihren unteren Schichten, Hils und Gault, bis Harzburg,
mit jngeren bis Ballenstedt reichend, fhrt in der unteren Lage des
Gault guten Quadersandstein, der vor dem Breitenthor vor Goslar den zu
einer Kapelle ausgehhlten Felsen der Klus bildet und am angrenzenden
Petersberge zur Anlage eines groartigen Steinbruchs Anla gegeben hat.
Den Schichten der senonen Kreide gehren der durch seinen Reichtum an
Petrefakten ausgezeichnete Sudmerberg bei Goslar und die
Quadersandsteinreihe Regenstein-Teufelsmauer an.

[Illustration: Abb. 16. =Hahnenklee, vom Bocksberg gesehen.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Die Tertirformation (Braunkohlenbildung) ist nur ganz schwach am
Harzrande vertreten. --

Zur Zeit, als Trias, Jura, Kreide und Braunkohlen sich nacheinander
ablagerten, war der Harz noch vllig vom Meere bedeckt. Htte er auch nur
teilweise soweit aus den Fluten hervorgeragt, da eine Brandung entstehen
konnte, so mten sich Gerlle vom Harzgestein, von Grauwacke,
Kieselschiefer u. s. w. in jenen vier Formationen finden. Dem ist aber
nicht so. Sie sind eben keine Strandbildungen, sondern genau so
zusammengesetzt, wie die in grerer Entfernung vom Harze in ganz
Norddeutschland vorhandenen gleichnamigen Gesteine, also Ablagerungen aus
flacherem oder tieferem Wasser. Vereinzelte Stckchen Kieselschiefer,
welche in der oberen Kreide am Sudmerberge vorkommen, knnen einesteils
aus dem Rotliegenden stammen, andernteils gleichen sie nicht im
geringsten dem Schutt, den heutzutage die Flsse vom Harze
hinuntersplen. Und kleine Brckchen Kieselschiefer, welche sich in der
Gegend von Gittelde im Miocn (der mittleren Stufe der Tertirgebilde)
finden, werden aus dem rheinischen Schiefergebirge stammen, da ihre
Hufigkeit in der Richtung auf Kassel stetig zunimmt.

Wie am Rande, so mssen sich auch auf dem unter den Wellen liegenden
Gebirge selbst die mesozoischen Schichten (welche Tierreste enthalten,
die den noch jetzt vorhandenen sich annhern, also Trias, Jura u. s. w.)
nacheinander abgelagert haben. Diese mesozoische Decke aber mag in
Bewegung gekommen und teilweise fortgesplt sein, als der Harz, ohne
vorerst noch aufzutauchen, sich zu heben begann. Auf diese Weise sind
vielleicht die mesozoischen Gerlle in das Hilskonglomerat des unteren
und in das Sudmerbergkonglomerat und das Heimburggestein der oberen
Kreide gekommen. Jedenfalls aber ist seine Decke ganz fortgesplt und
weggewaschen, als der Harz sich mhlich aus der Flut erhob.

[Sidenote: Die Gebirgsfaltung.]

Dies geschah am Ende der Miocnzeit, zu derselben Zeit, als die Gttinger
und Kasseler Berge, der Meiner, die Rhn und fast alle andern Gebirge
emporstiegen und auftauchten. Infolge eines Druckes, der tangential, in
der Richtung der kurzen Achse unserer Gebirgsellipse, also von Sdsdwest
nach Nordnordost, wirkte, bauchte und wlbte sich der Harz allmhlich
auf, die Gesteinsschichten rissen und spalteten dabei senkrecht zur
Druckrichtung, also parallel der langen Achse, und brachen in
bajonettartig absetzenden Linien von den Vorlanden ab. Die Wirkung dieser
Pressung ist verschieden: whrend die Schichten am Sdrande nur eine
Aufbauchung von etwa 20 aufweisen, ist im Norden die ehemalige
Oberflche der Kernschichten samt dem darauf gelagerten Zechstein u. s.
w. ganz steil aufgerichtet, ja nach Westen sogar bergekippt. Und ebenso
ist der massige Granit dem Nordrande nher als dem Sdrande in die Hhe
gepret. Vielleicht wirkte der Druck, der den Harz zum heutigen Gebirge
umwandelte und zurecht schob, von Sden; wahrscheinlich war aber schon
damals, was zur Erklrung ausreicht, die Erdoberflche den Sdrand
entlang hher als im Norden.

[Illustration: Abb. 17. =Hirt.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

Die berkippung der bei der Zusammenschiebung der Schichten entstandenen
Falten hatte auch den (inneren) Bruch derselben und das Hinberschieben
des einen Flgels ber sein Liegendes zur Folge: die lteren
bergeschobenen Schichten sind jngeren Bildungen aufgelagert. Diese
berschiebungen, die also nur aus bergekippten Falten hervorgehen
knnen, nennt man Faltenverwerfung. Sie ist besonders bei den sogenannten
Ruscheln, schmalen Gesteinsklften im Innern des Gebirges, die meist mit
Gangthonschiefer ausgefllt sind, klar zu ersehen; hie und da betrgt die
Hhe der Verschiebung kaum ein Meter, andernorts aber (am Devonzuge)
wenigstens mehrere hundert Meter.

Mit ihnen drfen die vormals offenen Spalten nicht verwechselt werden;
diese sind jnger, denn sie werden von den (innern) Klften der Ruscheln
in der Richtung abgelenkt.

Die Spaltenverwerfung umfat also ein zweites System von Strungslinien.
In den Spalten, die sich mehrfach bis in die Vorlande verfolgen lassen,
lagerte das einsickernde Wasser neben Quarz, Kalkspat und andern
Gesteinen namentlich die wertvollen Erze ab und schuf sie dadurch zu
Erzgngen um; und wo der Hohlraum nicht ganz gefllt ward, bildeten
sich Quarz- und Erzdrusen mit ihren oft prachtvollen Krystallen.

Eine sptere entgegengesetzte Aufbauchung des Harzes in der Richtung der
groen Achse -- also von Sdost nach Nordwest, durch welche die Schichten
auch in der Richtung der kurzen Achse zerrissen und gespalten wurden, so
da nun die einzelnen Schollen oft in unregelmig viereckigen Stcken
mosaikartig verschoben nebeneinander liegen -- scheint auch durch Bildung
der Thalfurchen den Flssen und Bchen den Lauf vorgezeichnet zu haben.
Es wre sonst auffllig, da das Gebirge die Flsse nicht auf beiden
Ufern gleichweit begleitet. Da sich diese Spalten auch in den dem Harze
vorgelagerten jngeren Gesteinen unterirdisch fortsetzen, beweisen die
mchtigen Quellen bei Altwallmoden und Baddekenstedt, die unzweifelhaft
das bei Langelsheim teilweise versiegende (d. i. in die Tiefe fallende)
Wasser der Innerste -- doch auch das damit verbundener Nebenspalten, denn
nach Abteufung der Kalischchte hat es an Reinheit eingebt -- in
gewaltigen Massen wieder zu Tage frdern.

[Illustration: Abb. 18. =Wildschweine im Winter.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Minerallsungen.]

Whrend durch die schwache, aber stetige Arbeit des Minerallsungen
einfhrenden Wassers die Klfte, Gnge und Spalten bis auf die
Drusenrume immer wieder verkittet und ausgefllt wurden, erweiterte es,
oft bachartig auftretend, die weit klaffenden Hohlrume im Kalk und
Dolomit, in Gips und Steinsalz durch seine auflsende Eigenschaft zu
groen Hhlen, fllte diese mit Lehm und schmckte ihre Wandungen in
spteren Zeiten, als das Gebirge sich weiter gehoben hatte, mit den
wundersamen Tropfsteingebilden. Auch die sogenannten Gletschertpfe beim
Iberger Kaffeehause, schlotartige Vertiefungen, sind wohl -- hnlich wie
die Erdflle -- auf diese auflsende, nicht auf die mechanische
Thtigkeit des Wassers zurckzufhren und als geologische Orgeln
anzusprechen. Grundmorne und Mornenschutt, die Gletscherprodukte im
Flachlande, fehlen auf dem Harze; die Geschiebe nordischer Gesteine,
welche sich auf der Hochflche des Unterharzes finden, waren vermutlich
in Eisberge eingefroren, welche die Fluten der Eiszeit hierher wlzten.

Auch an der Umwandlung, der Metamorphose der Gesteine ist das sickernde
Wasser stark beteiligt. Es lste die Kieselsure der Eruptivgesteine und
verkieselte die mit diesen im Kontakt stehenden Sediment- und
Kulmschichten; wo Kalk in den Gesteinen war, bildete es Silikate --
Granaten und Katzenaugen und andre -- und neben Diabas und Schalstein
verwandelte es den Kalk in Eisenstein.

Finden sich in den erwhnten Mornen des Flachlandes groe Massen von
Harzgesteinen, die es beweisen, da schon in jener Zeit der Harz soweit
als Gebirge hervorragte, da seine Flsse Gerlle hinunterfhren konnten,
so verstrkte eine letzte Heraushebung des Harzes, deren Zeitpunkt wir
nicht kennen, diese Wirkung des Wassers bedeutend, denn nun wurden die
Berge hher, die Schluchten und Thler tiefer, das Wassergeflle
bedeutender; und der bis heute dauernden Erosion verdanken wir den
anmutigen Wechsel von Berg und Thal, der jedwedes Herz erfreut.




                                   IV.

                               Das Klima.


[Sidenote: Klima des Harzes.]

Auf dem Brocken begann bereits im Jahre 1836 der Wirt Nehse mit
meteorologischen Beobachtungen. Sie sind aber von seinen Nachfolgern
nicht regelmig fortgefhrt, die lngste vllige Unterbrechung whrte
sogar neun Jahre, und die spter von Postbeamten und Oberkellnern
gemachten Beobachtungen lieferten kein zuverlssiges Resultat. Dagegen
reichen die sachkundigen und regelmigen Beobachtungen in Klausthal, wo
sich seit 1876 sogar zwei Stationen in verschiedener Meereshhe befinden,
bis 1854 zurck.

[Illustration: Abb. 19. =Waldarbeiter= (Lerbacher Holzhauer).

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

Das aus vierzigjhrigen Barometerbeobachtungen gewonnene Mittel des
Luftdrucks betrgt in Klausthal 710,51 Millimeter; seinen hchsten Stand
behauptet das Barometer in den Monaten Juni bis September, seinen
niedrigsten in den Monaten Mrz, April, November und Dezember. Der
Sonnenberg hat ein Jahresmittel von 692,92, der Brocken von 662,2,
Nordhausen 741,76, Sangerhausen 747,85 Millimetern.

Das frher fr Klausthal zu 6,2C angenommene Jahresmittel der
Lufttemperatur sinkt bei Bercksichtigung der vierzig Jahre von 1856-1896
auf 6,03C, bertrifft also das von Stockholm (5,7C) nur um ein
Geringes. Doch sind die Unterschiede der einzelnen Jahre betrchtlich: so
hatte das Jahr 1872 eine Temperatur von 7,58C, das Jahr 1879 nur 4,41C.
Die grte Klte wurde am 4. Januar 1894 mit -21,80C, die grte Wrme
am 23. August 1892 mit 31,60C erreicht.

In der zweiten Hlfte der vierzigjhrigen Beobachtungsperiode ist ein
aufflliger Rckgang der Temperatur eingetreten. Whrend nmlich das
Mittel der 10 Jahre von 1856 bis 1866 6,17C, das der folgenden 10 Jahre
6,22C betrug, erreichte es in den Jahren 1876-1886 nur 5,87C und in den
Jahren 1887-1896 nur 5,68C.

In dem vorletzten Abschnitt waren die Tage vom 25. bis 29. Juni mit einer
mittleren Temperatur von 15,22C, im letzten die Tage vom 25. bis 29.
Juli mit einer mittleren Temperatur von 15,27C die wrmsten, whrend
sich in der Zeit vom 11. bis 15. Januar mit einer mittleren Temperatur
von -3,63C in jenem, und in den Tagen vom 1. bis 5. Januar mit einer
mittleren Temperatur von -4,82C in diesem Abschnitt die grte Klte
geltend machte. Der erste fnftgige Zeitabschnitt mit einer mittleren
Temperatur unter 0C fiel auf den 17. bis 21. November (27. November bis
1. Dezember), der letzte auf den 22. bis 26. Mrz (12. bis 16. Mrz).
Klausthal hat also etwa 120 Tage mit einer mittleren Temperatur unter
0C.

[Illustration: Abb. 20. =Hochwild im Winter.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Charakteristisch ist fr das Klima des Oberharzes der jhe Wechsel der
Temperatur an ein und demselben Tage. Betrgt der Unterschied zwischen
dem Maximum und Minimum eines Tages im Sommer oft 20C, so ist er doch
auch in den andern Jahreszeiten nicht unbedeutend. So stieg am 2. Mrz
1877 die Temperatur von -13,81 um 7 Uhr morgens auf +3,56 um 2 Uhr
nachmittags und fiel wieder auf -10,65C um 9 Uhr abends. Dem Oberharz
ist ferner eigentmlich, da sich hier die drei gestrengen Herren im
Monat Mai nicht bemerkbar machen (so da auf der Hochebene die Spuren der
Nachtfrste, die in den Vorbergen den ersten Trieb der Laubbume
beschdigen, kaum zu sehen sind); und da im Monat Dezember nach der
ersten Frost- und Schneeperiode fast regelmig eine Zunahme der
Temperatur unter reichlichen Regengssen eintritt. (So stieg z. B. im
zweiten Drittel des Monats Dezember 1893 die Temperatur von -0,20 bis
auf +6,20 und sank im letzten Drittel auf -14,30C.) Diese
Weihnachtsflut bringt den als Kraftspeicher fr den Bergbau dienenden
Sammelteichen sehr erwnschte Zuflsse.

Das niedrige Jahresmittel von Klausthal ist keineswegs die Folge einer
abnormen Klte des Winters. Erreichten doch z. B. im Jahre 1883
Nordhausen und Braunschweig eine um 1,5 und 3,9C grere Klte, als
jenes. Vielmehr hat das niedrige Jahresmittel seinen Grund in der langen
Dauer des Winters und in der niedrigen Sommertemperatur. Auch der
Vergleich mit Stockholm fllt ganz anders aus, wenn man statt des
Jahresmittels die mittlere Temperatur der Jahreszeiten zu Grunde legt.
Whrend diese in Stockholm auf -3,31C sinkt und im Sommer auf 22,04C
steigt, sinkt sie in Klausthal (nach vierzigjhrigem Durchschnitt) nur
auf -1,79C und steigt nur auf +14,14C. Diese durch die Hhenlage
bedingten Unterschiede erklren die sonst auffllige Thatsache, da in
Lappland, welches mit dem Brocken etwa gleiche mittlere Jahrestemperatur
hat, noch Getreidebau getrieben werden kann, der im Harze schon auf der
Hochebene von Elbingerode aufhrt, da hier dagegen noch Buche und
Rokastanie gedeihen, die nordwrts den kalten Winter schon des mittleren
Schwedens nicht vertragen.

[Illustration: Abb. 21. =Httenmann.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

[Sidenote: Temperaturschwankungen.]

Mit dem 3,96C betragenden Jahresmittel des Sonnenbergs (774 m) ist
zugleich die Temperatur fr die andern Einzelsiedelungen bis zum
Brockenfelde -- Knigskrug, Oderbrck, Torfhaus -- gegeben. Zum
Vergleiche zwischen den beiden Stationen des Oberharzes mit dem am
Gebirgsrande und in der Nhe des Harzes belegenen mgen noch folgende
Angaben -- fr die ich das Jahr 1883 zu Grunde lege -- dienen: Das
Thermometer sank zum letztenmal unter 0 in Sangerhausen am 13. April, in
Nordhausen, Gttingen und Braunschweig am 23. April, in Heiligenstadt am
7., in Salzwedel am 4., in Klausthal am 11. Mai und auf dem Sonnenberge
am 19. Juni; zum erstenmal wieder auf dem Sonnenberg am 18. August, in
Klausthal am 6., in Nordhausen am 7., in Gttingen am 23. Oktober, in
Sangerhausen und Heiligenstadt am 16., in Braunschweig und Salzwedel am
17. November. -- Die hchste Temperatur wurde in Braunschweig am 2. und
3., auf allen brigen Stationen am 4. Juli erreicht; sie betrug in
Salzwedel 35,5, in Magdeburg 34,5, in Gttingen 32,8, in Sangerhausen
32,6, in Braunschweig 32,0, in Nordhausen 31,4, in Heiligenstadt 31,2, in
Klausthal 29,6, auf dem Sonnenberge 29,1C. -- Die niedrigste Temperatur
betrug in Gttingen -10,5 (am 23. Mrz und 8. Dezember), in Sangerhausen
-11,1 (23. und 24. Mrz), in Heiligenstadt -12,3 (24. Mrz), in Salzwedel
-13,0 (9. Juni), in Magdeburg -14,7 (15. Mrz), in Klausthal -15,1 (23.
Mrz), in Nordhausen -16,4 (17. und 23. Mrz), auf dem Sonnenberge -18,7
(13. Mrz), in Braunschweig -19,6C (16. Mrz).

Das Jahresmittel des Brockens soll nach den letztjhrigen Beobachtungen
nur +0,87C betragen; doch ist bis zur Gewinnung eines lngere Perioden
umfassenden Durchschnitts vorlufig noch an dem aus smtlichen frheren
Beobachtungen berechneten Mittel von 2,40C festzuhalten. Der
Brockengipfel hat demnach fast genau das gleiche Mittel mit Troms im
nrdlichen Norwegen.

Die mittlere Temperaturabnahme betrgt auf je 1 m Erhebung nach dem
Brockengipfel hin von Osterode 0,71, von Klausthal 0,68, von Goslar
0,66, von Wernigerode 0,65C.

Die mittlere jhrliche Schwankung, die Differenz zwischen Januar
(-5,40C) und Juli (+10,7C), betrgt auf dem Brocken nur 16,1C; in
Klausthal (Januar -2,43, Juli +14,85C) 17,28C. Diese sonst auffllige
Thatsache findet ihre Erklrung darin, da der Brockengipfel in die
Region der strksten Wolkenbildung hineinragt, und da die starke
Bewlkung die Temperaturextreme erheblich mildert.

[Illustration: Abb. 22. =Osterode.=]

Die hchste beobachtete Temperatur war +27,7, die niedrigste -28,0. Da
im Mittel auf den 30. Mai der letzte und auf den 7. Oktober der erste
Frost fllt, so sind etwa vier Monate frostfrei. Doch kommen starke
Abweichungen vor: im Jahre 1840 waren nur 89 Tage (vom 26. Juni bis 21.
September), im Jahre 1848 dagegen 186 Tage (vom 5. Mai bis 3. November)
frostfrei. -- Perioden lang andauernder Klte sind auf dem Brocken nicht
hufiger als in der Ebene; die lngste bis jetzt beobachtete fiel in den
Januar 1838, wo an achtzehn aufeinanderfolgenden Tagen das Mittel unter
-19C lag; alle Gewsser, sogar der Gerlachsbrunnen, froren vllig aus,
trotzdem war die Klte, da Windstille und Sonnenschein herrschte, sehr
gut zu ertragen. --

[Illustration: Abb. 23. =Wildemann.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Die Niederschlge.]

Inbetreff der Niederschlagshhe, des zweiten Hauptfaktors des Klimas,
steht der Harz mit dem brigen Mitteldeutschland unter dem Einflu des
Atlantischen Ozeans. Nur die von diesem heranstreichenden Winde knnen
uns die erforderliche Feuchtigkeitsmenge bringen, denn im Sden sperrt
uns die Gletschermauer der Alpen gegen den Einflu des Mittellndischen
Meeres ab, und im Nordosten und Osten sind uns weite, zusammenhngende
Landmassen vorgelagert, die um so grer erscheinen, wenn wir hierbei
auch die Ostsee als Land behandeln; ihr Einflu auf die Niederschlagshhe
ist nmlich aus drei Grnden auerordentlich gering: sie hat nur geringen
Umfang, ist meistens klter als die offene See und liegt nicht in unserer
Hauptwindrichtung.

Das Vorwalten der Sdwestwinde in Mitteldeutschland ist nicht nur die
Folge der Rechtsablenkung der Winde durch die Drehung der Erde, sondern
wird zugleich durch das sogenannte Azorische Maximum, das ist ein Gebiet
hohen Luftdruckes im Sdwesten ber dem Atlantischen Ozean (in der Gegend
der Azoren), durch das im grten Teil des Jahres ber dem Atlantischen
Ozean im Nordwesten (in der Gegend von Island) ruhende Gebiet niedrigen
Luftdruckes, und durch die konstante Abnahme des Luftdruckes vom 45. bis
50. Breitengrade nach Norden zu verursacht.

[Illustration: Abb. 24. =Grund.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Kein Punkt in Mitteldeutschland ist nun fr diese Klarlegung so geeignet
wie der hochragende Brockengipfel, da auf diesem die Windrichtung durch
rtliche Hemmung und Ablenkung nicht beeinflut werden kann. Nach der
achtteiligen Windrose kommen auf dem Brocken 15% aller beobachteten
Windrichtungen auf NW, 23% auf W, 24% auf SW, zusammen also 62% -- nach
dem Wolkenzuge sogar 74% -- auf die fr uns Regen fhrenden Winde (auf S
nur 10, SO und O je 8, NO und N je 6%.)

[Illustration: Abb. 25. =Lautenthal.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

Dieser herrschenden Luftstrmung stellt sich nun das Harzgebirge mit
seiner Breitseite, und zwar mit seinem hohen NW-, W- und SW-Rande, fast
rechtwinkelig quer in den Weg, dadurch erfhrt der Luftdruck eine
Steigerung, die Luft wird zum Ansteigen gezwungen, khlt sich dadurch ab
und verdichtet ihren gasfrmigen Wassergehalt zu Nebel und Wolken, dann
zu Regen und Schnee. So kommt es, da die auf der Luvseite liegenden
Osterode 820, Grund 880 Millimeter, die auf der Leeseite, im
Regenschatten des Harzes liegenden Wernigerode nur 613, Blankenburg 518
Millimeter Niederschlag haben. Wenn man nun ferner bercksichtigt, da
der dichte Fichtenbestand des Westharzes die Feuchtigkeit der Luft
gleichsam aufsaugt, die Wolken anzieht und ihren Inhalt zum groen Teil
absorbiert und in den ausgedehnten Mooren festhlt, so ist es klar, da
unser isoliert aufsteigendes Gebirge auf die Niederschlge eines groen
Teiles von Norddeutschland einen ganz bedeutenden Einflu haben und als
der Hauptkondensator fr die vor und hinter ihm liegenden Lande angesehen
werden mu.

[Sidenote: Niederschlge und Nebel.]

Im hohen Westharze ist selbstverstndlich der Niederschlag am
bedeutendsten. Fr den Brocken berechnet Hellmann aus smtlichen vor dem
Jahre 1879 liegenden Beobachtungen das Jahresmittel auf 1669 Millimeter;
in Klausthal betrug das Mittel aus den 40 Jahren 1856-1895 1338
Millimeter, auf dem Sonnenberge (dessen Station leider jetzt eingegangen
ist) das Mittel der 18 Jahre 1878 bis 1895 1283 Millimeter gegen 1316
Millimeter derselben Jahre in Klausthal. Zwischen den einzelnen Jahren
sind auerordentlich groe Unterschiede: in Klausthal stehen den 1930
Millimeter Niederschlag des Jahres 1867 als Minimum 824 Millimeter im
Jahre 1857 gegenber.

Da der Sonnenberg, und damit wohl auch das Brockenfeld, etwas geringere
Niederschlge hat, als Klausthal, erklrt sich daraus, da jener im
Regenschatten des Bruchberg-Ackers liegt; in Andreasberg und Braunlage
mit 1093 und 1096 Millimeter macht sich dieser noch strker geltend, und
den Unterharz charakterisiert Allrode mit 620 Millimeter. Bei den nur
teilweise in diesem Regenschatten liegenden Orten des Sdharzes (Wieda
993, Walkenried 820, Ilfeld 640 Millimeter) sprechen auch lokale Umstnde
mit. Die Jahressumme der Tage mit Niederschlgen steht in anderem
Verhltnisse als diese: Klausthal hat im Mittel 152 Regen- und 64
Schneetage, der Sonnenberg aber gar 216 und 180.

Von groer Bedeutung fr das Klima ist auch die Verteilung der
Niederschlge auf die einzelnen Monate. In Klausthal folgen diese nach
40jhrigem Mittel: Juli 145, Dezember 134,5, August 129,6, Juni 125,6,
Mrz 120,7, November 115,9, Oktober 108,3, Januar 105, Februar 104,8,
September 88,6, Mai 81,8, April 76,4 Millimeter. hnlich ist das
Verhltnis auf dem Sonnenberge, nur da hier im Juli mehr Regen und im
Dezember und Mrz verhltnismig mehr Schnee fllt.

Ist der Westharz reicher an Niederschlag, so fllt der Regen auf der
Leeseite massenhafter, bei einem einzigen Gewitter zuweilen 1/10,
ausnahmsweise 1/5 des Jahresbetrages. So fielen in Schierke am 21.
September 1882 129, in Harzgerode am 1. August 1887 121 Millimeter,
whrend als Maximum in Klausthal nur 97,5 Millimeter auf den 29. Juli
1883 kommen.

[Illustration: Abb. 26. =Schlo Sder.=

(Nach einer Photographie von F. H. Bdeker in Hildesheim.)]

Mit dem Nebel, der fast zur Hlfte auf den Winter fllt, ist es auf der
Hochebene des Oberharzes nicht so arg, wie man oft denkt. Allerdings hat
Klausthal durchschnittlich 95 ganz trbe und nur 27 ganz helle Tage, aber
es ist damit nicht schlechter gestellt als manche Stdte im Lande. Im
Jahre 1883 z. B. wurden die 81 Nebeltage Klausthals von Braunschweig mit
83, Magdeburg mit 97 bertroffen, und seinen 25 ganz heiteren Tagen hatte
Salzwedel nur 19 gegenberzustellen. Der Sonnenberg hat beinahe doppelt
so viele Nebel- und doppelt so viele ganz helle Tage als Klausthal. Auf
den Rauhreif und Anhang, auf den Brocken im Nebel kommen wir am andern
Orte zu sprechen.




                                   V.

                       Geschichtlicher berblick.


[Sidenote: Vorgeschichte des Harzes.]

Wenn sich in dem weit wilderen Alpengebirge uralte Pfade schon in der
vorgeschichtlichen Zeit nachweisen lassen, so ist die Annahme, da solche
auch im Harze vorhanden gewesen sein mssen, um so weniger gewagt, als
der einzige dem Oberharze angehrende Fund aus der Steinzeit, ein
gebrauchfertiges und gut erhaltenes Steinbeil aus nichtharzischem Gestein
(Oberharzer Museum) gerade auf dem Brockenfelde gemacht ist, ber das der
Heidenstieg lief, der spter in den fahrbaren Kaiserweg umgestaltet
ward.

[Illustration: Abb. 27. =Schlo Derneburg.=]

Im brigen wurde in vorgeschichtlicher Zeit das Innere des Harzes und
insbesondere der hohe Westharz mit seinen undurchdringlichen Urwldern,
seinem wegsperrenden Klippengewirr und seinen Gefahr drohenden Mooren
wohl nur hin und wieder von einzelnen khnen Jgern betreten, die Elch
und Schelch, Ur und Wisent, Br und Wolf bis in ihre geheimsten
Schlupfwinkel zu verfolgen wagten.

Zu dauernder Ansiedelung aber konnten den Menschen der Steinzeit, dem
Waldwirtschaft und Bergbau, die Vorbedingungen der spteren Besiedelung
des eigentlichen Harzes, vllig fremd blieben, nur die dem Harze
vorgelagerten Hgellandschaften und Fluebenen einladen.

Die Pfahlbauten in den Brchen und trockenen Seen am Ostrande, die
Feuersttten unter dem Tropfsteinboden der Einhornhhle, die zahlreichen
in neuerer Zeit ausgegrabenen Wohn- und Grabsttten mit ihren Hausurnen
und Steinkisten, die noch unverwischten Befestigungen mit all ihren
wertvollen Funden reden eine gar deutliche Sprache, und eine
Zusammenstellung der Orte, die durch ihren Namen als heidnische
Opfersttten gekennzeichnet sind (Wodansberg, Hbichenstein, Thorsthor,
Pholidi, d. i. Phlde, die Bocksberge und andre) ergnzt als zweite
wichtige Urkunde jenen Bericht.

Beim Eintritt in die geschichtliche Zeit mssen die Harzlande freilich
vorerst stumm von ferne stehen, wenn Sddeutschland und die Rhein- und
Weserlande so viel des Interessanten aus der Rmerzeit zu erzhlen haben;
aber dafr drfen sie sich dessen rhmen, da in ihnen der erste Versuch
und Ansatz einer reindeutschen Staatenbildung gemacht ist: die sdlichen
und stlichen Vorlande bildeten das Mittel- und Kernstck des Knigreichs
Thringen, das sich im ersten Viertel des sechsten Jahrhunderts von der
oberen Donau bis an die Grenze des Bardengaues erstreckte. Die
zahlreichen Ortsnamen auf --leben (das ist Aufenthaltsort) und --stedt
(Wohnsttte) erinnern noch daran.

Als die Franken 529-531 die Macht der Thringer mit Hilfe der Sachsen
brachen, blieb ihnen nur der Helmegau (Walkenried, Nordhausen), der ganze
Sd- und Ostrand vom Sachsgraben bei Wallhausen bis an die Oker fiel den
Sachsen als Kriegsbeute zu, doch muten sie fr die sdliche Hlfte den
Franken jhrlich 500 Khe als Tribut liefern. Um sich von dieser
drckenden Fessel der Unfreiheit zu befreien, folgten die Bewohner dieses
Gaues 568 gern dem Rufe des Longobarden Alboin zum Einmarsch in Italien,
und in die verdeten Lande zogen nun Nordschwaben, Friesen und Hessen
ein, denen es 575 gelang, die zurckkehrenden Sachsen in zwei
mrderischen Schlachten zu vernichten.

[Sidenote: Einfhrung des Christentums.]

Das Christentum ist in die Harzlande zuerst in der abgeschwchten Form
des Arianismus durch die Thringerknigin Amalaberga, Theoderichs des
Ostgoten Nichte, gekommen; doch hat die schwache Pflanze die Strme jenes
Vernichtungskrieges nicht berdauert. Erst Bonifatius und sein Schler
Wigbert haben es in den drei sdlichen Gauen (Helme, Hessen, Friesen)
sicher begrndet, und in dem Schwabengau, in dem sich nur einige
vorpostenartig vorgeschobene Wigbertikirchen (z. B. in Quedlinburg)
finden, ist es vom Hausmeier Karlmann und seinem Bruder Pipin im Kampfe
gegen den auf seine Hoseoburg trotzenden Huptling Theoderich 746-748
mit Waffengewalt eingefhrt.

[Illustration: Abb. 28. =Schlo Henneckenrode.=

(Nach einer Photographie von F. H. Bdeker in Hildesheim.)]

Wie weit dann auf friedlichem Wege das Christentum am Westrande des
Harzes vorrckte, zeigt die Grenze des Mainzischen Sprengels, die im
Pandelbach bei Mnchehof mit der Nordgrenze des Lisgaues, des einzigen
von Engern bewohnten harzischen Gaues, zusammenfllt. Die nrdlich
anschlieenden Lande, der Ambergau (Seesen, Bockenem), der Wenzigau
(Goslar), der Lerigau (Wltingerode) und der Harzgau (Wernigerode,
Blankenburg) sind erst durch den Schwertapostel Karl den Groen bekehrt.
Strme des Bluts, wie in Westfalen, sind im Harze nicht geflossen. Schon
775 unterwarf sich der Ostfalenherzog Hessi freiwillig an der Oker und
hielt die gelobte Treue; seine Tochter grndete in Wenthausen, dem
heutigen Thale, das erste Kloster in den Harzlanden.

Als Karl 809 fr Ostfalen rechts der Oker in Halberstadt ein Bistum
grndete, wies er diesem auch den Sdrand bis zum Sachsgraben zu, so da
dem fernen Mainz nur der Helme- und der Lisgau verblieben. Fr Ostfalen
links der Oker grndete Karl 818 das Bistum Hildesheim; und an der
Vertiefung des vielfach nur uerlich angenommenen Christentums
arbeiteten mit jenen Bischfen auch die Klster Fulda und Hersfeld
weiter.

Die Ortschaften, welche bis zu dieser Zeit etwa in den Harzlanden
entstanden waren, gehren drei verschiedenen Gruppen an. Die lteste
umfat diejenigen, deren Namen auf --hausen und --heim (--um, --em), auf
--leben und --stedt endigen, also auf eine Einzelsiedelung, auf das von
den zugehrigen Htten der Laten umgebene Haus =eines= sehaften freien
Mannes hinweisen, die zweite solche, deren Namen auf --ingen und --ungen
endigen, Siedelungen einer ganzen Sippe. Auch die Orte mit bloen
Naturnamen, wie z. B. Goslar (Einde am Giebach), Steina (Siedelung an
der Grenze, nmlich zwischen Sachsen und Thringern), sowie die, welche
auf --a, --see, --leite, --berg u. s. w. ausgehen, gehren zum grten
Teil der frhesten Zeit an. Die dritte Gruppe bilden die Orte, welche
sofort als Dorf entstanden sind.

[Sidenote: Besiedelung des Harzes.]

Die Volksmenge ward allmhlich dichter, die unter dem Pfluge liegenden
Ackerflchen gengten nicht mehr, und notgedrungen nahmen die Bewohner
der Vorlande auch die den Gebiete in Angriff, lichteten den Urwald mit
Axt und Feuer, legten die Sumpfgegenden durch Grben und Dmme trocken
und machten den so dem Walde und dem Wasser abgewonnenen Boden durch den
Pflug zu ertragsfhigem Lande.

[Illustration: Abb. 29. =St. Hubertus-Kapelle am Heinberge.=

(Nach einer Photographie von F. H. Bdeker in Hildesheim.)]

Liegen die Orte, welche in dieser Zeit der ausbauenden Kolonisation
entstanden sind, auf ehemaligem Waldboden, so endigt ihr Name auf --loh,
d. i. Wald (Braunlage = brauner Wald), auf --feld (Mansfeld u. s. w.),
auf --hain und --hagen, --rode und --schwende; ist ihre Flur durch
Entwsserung des Sumpfes gewonnen, auf --riet. Noch jetzt umzieht ein
dichter Kranz solcher Ortschaften den Harz, die meisten aber sind lngst
wieder eingegangen, weil die Lnderei die Arbeit nicht lohnte. Ganz
besonders trifft dies die zahlreichen Hagen, d. i. auf Waldblen
angelegte Ortschaften mit eingefriedigter Feldmark, und die noch
hufigeren Rodungen. Von den an der Endung --schwende (von _suantjan_,
schwinden machen) kenntlichen Brandrodungen, die nur im Ostharze
vorkommen, ist Molmerschwende die bekannteste.

Das Jahr, selbst das Jahrhundert der Erbauung all dieser spten
Siedelungen lt sich nur bei einigen annhernd angeben. --

[Sidenote: Die Kaiserzeit.]

Hatte einst das mchtige Thringerreich im Sdostharze seinen
Mittelpunkt, so stand spter, als das von Karls des Groen Weltreich
abgetrennte und in Selbstndigkeit erstarkte Deutsche Knigreich, bald
vom Glanze der rmischen Kaiserkrone umstrahlt, den Hhepunkt seiner
Macht erreichte, zur Zeit der Ludolfinger, Salier und Staufer, der Harz
hellleuchtend im Vordergrunde der deutschen Reichsgeschichte. Wie
nirgends sonst im ganzen Deutschland reihten sich um den Harz Knigshfe
und Pfalzen zu einem prchtigen Kranze zusammen: im Norden Dahlum,
Seesen, Werla, Ilsenburg, im Osten und Sden Frose, Walbeck, Quitelingen,
Allstedt, Tilleda, Wallhausen, Nordhausen und Phlde.

[Illustration: Abb. 30. =Romkerhaller Wasserfall.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Unter den ludolfingischen Kaisern liegt der Schwerpunkt vorerst im Sden
und Osten: in Wallhausen, Nordhausen und Quedlinburg, zu denen dann noch
aushelfend Phlde und Gernrode kommen. So dankbar die Aufgabe wre, diese
Knige, besonders Heinrich I. und Otto den Groen, von einer Harzpfalz
zur andern zu begleiten: wir mssen es uns um des Raumes willen versagen.
Mit dem Erlschen der Ludolfinger trat die alte Kaiserstadt Quedlinburg
in den Hintergrund. An der stolzen Stiftung des ausgestorbenen
einheimischen Hauses nehmen die frnkischen Kaiser nur geringen Anteil,
ihr Lieblingsaufenthalt ward Goslar, dem unter dem mchtigen Heinrich
III. eine wahrhaft glnzende Zeit erstand. Auf der Hhe des Kaiserbleekes
erbaute er den groartigen Reichspalast (Abb. 3) und in dessen Nhe den
herrlichen Dom, einen leuchtenden Schmuck fr das ganze Sachsenland.
Damals war Goslar in Wahrheit das _clarissimum regni domicilium_. Und
wenn unter Heinrich IV., dem Harzer von Geburt, der Glanz zu erblassen
schien und die burggekrnten Harzberge trauernd das Haupt neigten, so
kehrten jene Tage des Ruhmes unter dem Sachsen Lothar und unter den
beiden Friedrich von Staufen noch einmal wieder auf lange Zeit: ja der
Reichstag, den Barbarossa im Juni 1154 in Goslar hielt, berstrahlte alle
andern, die der Harz je gesehen hat.

Viermal spitzte sich die deutsche Reichsgeschichte zu einem Kampfe
zwischen dem Kaiser und dem Sachsenherzoge zu, aber keiner von ihnen,
auch kein spterer Krieg, hat je die Harzlande so schwer betroffen, so
viel Stdte in Asche gelegt, so viel Burgen gebrochen, als der letzte, in
dem um jedes Panier, um das des Welfen Heinrich des Lwen und das
waiblingische Barbarossas Harzer Grafen und Harzer Brger sich scharten.

Im Jahre 1253 sah Goslar zum letztenmal einen Kaiser in seinen Mauern:
Wilhelm von Holland, der Knig der welfischen Partei, lie sich hier vom
Glanze der alten Kaisererinnerungen bestrahlen. Dann stand die
Kaiserpfalz de und vergessen, bis in unseren Tagen in die alten Mauern,
die lnger als sechs Jahrhunderte trauernd und verlangend nach einem
Kaiserantlitz ausgeschaut hatten, der greise Kaiser Wilhelm der Groe,
der siegreiche Einiger und Mehrer des Reichs, einzog.

[Illustration: Abb. 31. =Markt mit Rathaus in Goslar.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Die Harzgrafschaften.]

Mit dem Untergange der Hohenstaufen und der Zertrmmerung des starken
schsischen Stammesherzogtums verliert die Harzer Geschichte ihren
einheitlichen Charakter. Eine Vielheit von Territorien, geistlichen und
weltlichen, umspannten den Harz und hatten das Innere in greren
Bruchstcken und kleinen Splittern zu eigen. Der Oberharz gehrte dem
1235 in seiner Herzogswrde anerkannten Welfenhause, im Osten griffen --
wie noch heute -- die Besitzungen des Hauses Anhalt, der Selke folgend,
tief in das Gebirge hinein; dem Sd- und Ostrande aber gaben die
Harzgrafschaften Wernigerode, Regenstein, Falkenstein, Mansfeld,
Stolberg, Hohnstein, Scharzfeld u. a. ihr charakteristisches Geprge. Bis
auf das durchlauchtige Haus Stolberg, mit dem jeder Harzer sich gleichsam
landsmnnisch verwachsen fhlt, sind diese mchtigen Geschlechter, allen
voran das kaisertreue Woldenberg-Harzburgische, dessen Glanz fast schon
mit dem der Hohenstaufen erbleicht, eins nach dem andern erloschen. Nach
manchen Wechselfllen breitet heute der preuische Knigsadler, dem
braunschweigischen Lwen und dem anhaltischen Bren ihren Raum gnnend,
schirmend seine Flgel ber den Harz und dessen Vorlande.




                                   VI.

                             Land und Leute.


[Sidenote: Die Bevlkerung.]

Es gibt in Deutschland kein zweites Beispiel dafr, da sich auf einem so
eng umgrenzten Gebiete, wie es der Harz einnimmt, so viel verschiedene
Volksstmme nachweisen und noch heute, namentlich in ihrer sprachlichen
Verschiedenheit, klar erkennen lassen. An der Hand der Geschichte haben
wir in der Vlkerwanderung Schwaben und Silinger, Friesen und Hessen und
nicht lange danach auch Holsteiner (Elbingerode) neben den
alteingesessenen Thringern, Engern und Ostfalen sich niederlassen und in
der Kaiserzeit Slaven und Flamlnder die sumpfigen Vorlande besiedeln
sehen. Dazu kamen noch zur Zeit der Reformation die mit wenig Franken
untermischten Obersachsen, die heutigen Bewohner des Oberharzes.

[Illustration: Abb. 32. =Goslar, von der Klus gesehen.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Nach der bis vor kurzem landlufigen Ansicht stammen diese aus Franken.
Aber man verwechselt sie dabei mit der ersten, in der Mitte des
vierzehnten Jahrhunderts der Pest erlegenen schwachen Bevlkerung, die es
bis zur Stdtegrndung nicht gebracht hat. Als im sechzehnten Jahrhundert
fast gleichzeitig in den Gebieten von Braunschweig-Wolfenbttel
(Zellerfeld, Wildemann), Braunschweig-Grubenhagen (Klausthal) und
Hohnstein (St. Andreasberg) an den Stellen, wo einst jener Alte Mann
oberflchlich Bergbau getrieben hatte, edle Gnge erschrft wurden, und
die Strahlen, die aus der silberblinkenden Teufe aufschossen, den im
Winterschlafe liegenden, verdeten Oberharz zu neuem Leben erweckten,
vermochte ihm der infolge der Fehde mit Heinrich dem Jngeren schwer
krankende Rammelsberg durch Abgabe von Bergleuten um so weniger zu
helfen, als die Goslarschen nur mit dem Feuersetzen (dem Anznden
groer Holzste zum Mrbemachen des Gesteins) zu arbeiten wuten, nicht
aber zu sinken (Schchte abzuteufen), zu lngen (Stollen und Strecken
zu treiben) und zu gewltigen (das Grubenwasser abzufhren) verstanden;
dazu bedurfte man meinischer Berggesellen. Und angelockt durch die
viel verheienden Bergfreiheiten strmten jene dem deutschen Peru
namentlich aus dem westlichen Erzgebirge, der Gegend von Schneeberg,
Annaberg und Joachimsthal, wo der Bergbau stark im Niedergang begriffen
war, in groen Scharen zu, so da die Stdte fast wie Pilze aus der Erde
schossen.

[Illustration: Abb. 33. =Domkapelle in Goslar.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Mundarten.]

Die Verschiedenartigkeit der Volksstmme im Harze zeigt sich vor allem in
der Mannigfaltigkeit der hier herrschenden Mundarten.

[Illustration: Abb. 34. =Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches.=

Wandgemlde von Professor Hermann Wislicenus im Kaiserhause zu Goslar.

(Nach einer Photographie im Verlag von Jul. Brumby in Goslar.)]

Der grte Teil des Harzes spricht niederschsisch (Plattdeutsch), der
ganze Westrand vom Ravensberg (zwischen Sachsa und Lauterberg) bis
Hahausen und der Nord- und Ostrand von Hahausen bis Ballenstedt, sowie
bis auf die Sprachinsel des Oberharzes der ganze Nordosten des Gebirges
bis Braunlage, Benneckenstein, Trautenstein, Hasselfelde, Suderode und
Gernrode. Dieser ganze niederschsische Harz gehrt zu dem einen der
beiden groen Michquartiere in Deutschland: der Akkusativ mek und dek
(mich und dich) wird auch fr den Dativ gebraucht; auch wird dem zweiten
Partizip statt des hochdeutschen ge ein kurzes e vorgeschlagen, z. B. bei
hett mek eraupen oder erupen (er hat mich gerufen), hei hett et mek
egeeben (er hat es mir gegeben). Ek und mek wird im Osten lang, im Westen
kurz, und das s in den Anlauten _sm_, _sl_, _sn_, _sw_, _sp_, _st_ nur im
Osten sch gesprochen. Auffllig ist auch die Verschiedenheit in der
Konjugation des Prsens; der Westen und Norden sagt: we drinket, jei
(j) drinket, sei drinket, das sdstliche Drittel wie im Hochdeutschen
wei (in Elbingerode, Schierke, Benneckenstein mei), j, sei drinken. Die
nrdlichsten Orte dieses Drittels sind Braunlage, Elend, Schierke,
Elbingerode, Blankenburg, Brnecke.

[Illustration: Abb. 35. =Karl der Groe zerstrt die Irmensule.=

Wandgemlde von Professor Hermann Wislicenus im Kaiserhause zu Goslar.

(Nach einer Photographie im Verlag von Jul. Brumby in Goslar.)]

Im einzelnen lassen sich die Mundarten der Gaue, wenn auch deren alte
Grenzen hierbei nicht berall scharf hervortreten, an charakteristischen
Eigentmlichkeiten gut unterscheiden. Nur im engernschen Lisgau, also
auch in den der oberdeutschen Sprachinsel nicht angehrenden
oberharzischen Ortschaften Lerbach, Buntenbock, Riefensbeek,
Kamschlacken, Lonau und Sieber hrt man _ssehr_ (sehr), _chout_ (gut),
_loapen_ (laufen). Die ostfalische Mundart, welche im Ambergau, Densigau
und Lerigau den Harz berhrt, in der Nhe des Gebirges aber auch auf das
rechte Ufer der Oker hinberspringt, wird durch eine Flle von
Diphthongen gekennzeichnet, deren nach den Orten wechselnde Frbung
lngst nicht mit den hochdeutschen Vokalen wiedergegeben werden kann.
Mein Haus lautet (bis dicht vor Hannover, wo zuerst der einfache Vokal
_mn hs_ auftritt) etwa _man_ oder _men hius_, greulich _gruilich_,
grulich _grulich_. Vielfach wird _g_ wie _j_ gesprochen: gut _jiut_,
geben _jeeben_; Gott lautet in der Einzahl _gott_, in der Mehrzahl aber
_jtter_; ebenso hochdeutsch Garten in der Mehrzahl _jrten_. In andern
Wrtern wie _grot_ (gro), Goslr (Goslar), Gurke tritt das _j_ nie auf.

Die sich stlich anschlieende Harzgauische Mundart kennt die
ostfalischen Diphthonge und das anlautende scharfe _st_, _sl_ etc. nicht
und spricht nur in dem stlichen Streifen (Halberstadt, Quedlinburg) an
der Bode das anlautende _g_ wie _j_: _Joslar_, _jut_, _jross_. Zum
Vergleiche zwischen dieser und der ostfalischen Mundart diene folgende
Strophe aus der willen Jagd:

Wernigerode:

               Mn Vader, mn Vader, horche mal rut,
               Dat hult da buten, dat hult sau lut;
               Dat bellt un schtampt, dat grhlt un brllt
               Hoch wwer de Bme grulich un wild.

Bockenem:

               Man Vader, man Vader, horche mal rut,
               Dat hult da butten, dat hult su lut,
               Dat bellt un stampet, dat greelt un brillt
               Hoch ower de Beme gruilich un wild.

Einlautig ist auch die Mundart des Schwabengaues, die ohne scharfe
Umgrenzung etwa von Westerhausen und Thale bis an den Streifen bei
Suderode und Ermsleben reicht, in dem seit Jahrhunderten das
Mitteldeutsch kmpfend weiter nach Norden vordringt. Sie spricht stets
anlautendes _g_ wie _j_ und -- wie schon manche Orte des Harzgaues --
_hiser_, nicht _hser_ fr Huser.

[Illustration: Abb. 36. =Luther und Karl V. auf dem Reichstage in Worms.=

Wandgemlde von Professor Hermann Wislicenus im Kaiserhause zu Goslar.

(Nach einer Photographie im Verlag von Jul. Brumby in Goslar.)]

Die niederdeutschen Mundarten haben denselben Konsonantenstand wie das
Gotische. Sie sind von der konsonantischen Lautverschiebung, welche schon
zur Zeit der Vlkerwanderung zunchst bei den Alemannen in der Schweiz
begann, und wellenfrmig nach Norden fortschreitend im vierzehnten und
fnfzehnten Jahrhundert in die sdlichen Harzlande gelangte und die
niederdeutsche Mundart in eine hochdeutsche umwandelte, nicht beeinflut;
sie halten noch das altdeutsche $t$ fest, wo unsere hochdeutsche
Schriftsprache $z$ setzt (tmen = zhmen); fr das hochdeutsche $t$ haben
sie noch $d$ (Dochter = Tochter), fr $f$ noch $p$ (lopen = laufen), fr
$ch$ $k$ (eck und ick = ich) beibehalten. Dagegen haben die Thringer im
Helmegau nebst den dort eingewanderten Flamlndern, sowie die Hessen und
Friesen diese Lautverschiebung angenommen, so da der ganze Sdharz bis
zum Ravensberge jetzt hoch-(mittel-) deutsch spricht. An die frhere
Zugehrigkeit auch dieser Gegenden zum niederdeutschen Sprachgebiet
erinnern nur noch wenige Spuren, so im Mansfeldischen die Flexion des
Infinitivs bei $zu$ (ze thun$e$ fr zu thun) und $mant$ fr nur.

Es lassen sich hier, wenn auch nicht in genauem Anschlu an die
Gaugrenzen, drei mitteldeutsche Mundarten unterscheiden: sd- oder
unterharzisch, mansfeldisch und nordthringisch. Ihr Konsonantenstand ist
derselbe wie der des Hochdeutschen, nur ist das niederdeutsche $pp$ und
$mp$ am Ende der Wrter geblieben: Kopf und Strumpf werden noch Kopp und
Strump gesprochen; und das niederdeutsche p im Anlaut ist nicht in pf,
sondern in f umgewandelt: Pferd und Pfennig lauten Ferd und Fennig.

Stimmen hierin die drei Mundarten berein, so ist dagegen die sogenannte
bayerische Vokalverschiebung, die Verbreiterung der alten Vokale __ und
__ zu ei und eu, welche durch die sddeutschen Kanzleien und namentlich
durch Luthers Bibelbersetzung in unser Neuhochdeutsch gedrungen ist, nur
von der mansfeldischen Mundart angenommen; sie spricht _mei haus_,
_feier_, _ihr_, _eich_ (euch), _eier_ (euer), wo jene beiden _min hs_,
_fier_, _ji_, _uch_, _uer_ sprechen. Die wesentlichsten unterscheidenden
Merkmale zwischen der unterharzischen und der nordthringischen Mundart
sind, da nur diese den Infinitiv um $n$ verkrzt; im Osten: ich kann
_sprech$e$_, im Westen: ich kann _$ge$sprech$e$_; und das anlautende _g_
nicht wie _j_, sondern wie _g_ und _k_ spricht: nicht wie Mansfeld und
Unterharz _jestern_ und _janz_, sondern _gestern_ und _ganz_ neben
_kestern_ und _kanz_. Zum Michquartier gehren sie alle drei.

[Illustration: Abb. 37. =Oderteich.=

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

Nicht aber, als die einzige im ganzen Harzgebiete, die in das
niederdeutsche Sprachgebiet inselartig eingesprengte oberharzische
Mundart, welche sich auf die Stdte und Ortschaften beschrnkt, die dem
Silberbergbau ihre Entstehung verdanken: Klausthal, Zellerfeld,
Andreasberg, Wildemann, Lautenthal, Hahnenklee, Bockswiese, Festenburg,
Oberschulenberg und teilweise Unterschulenberg und Altenau. Die
Lautverschiebungen sind nicht bis hierher gedrungen, sondern die
Einwohner haben ihre oberdeutsche Mundart schon aus ihrer Heimat
mitgebracht, und da sie keine anders sprechende Bevlkerung vorfanden,
unbeeinflut bewahren knnen.

Das Oberharzisch hat die bayerische Vokalverschiebung (_mei haus_), aber
andern Konsonantenstand als die vorhin genannten drei mitteldeutschen
Mundarten: im Anlaute ist das alte _p_ in _pf_ umgewandelt (also Pfeng,
nicht Fennig). In ganz Deutschland hat nur noch die Mundart des oberen
Erzgebirges diese Merkmale. In beiden hrt man Pfr fr Pferde neben
schtoppen fr stopfen und Napp fr Napf; in beiden klingt _kn_ im Anlaut
fast wie _gn_ (Gnabe statt Knabe), wird _mr_ (_mer_) fr wir und fr man
gebraucht, _rsch_ fr _rs_ im Auslaut gesetzt (des Schteiersch = des
Steigers), dasselbe helle _a_ mit weitgeffnetem Munde gesprochen (Ahng =
Augen). Bei weiterem Vergleiche zeigt sich die vllige bereinstimmung
der oberharzischen gerade mit der Mundart des westlichen Erzgebirges (der
schsischen Stdte Schneeberg und Annaberg und der bhmischen Stadt
Joachimsthal). Nur hier, nicht im Osten desselben, wird z. B. das _n_ der
Endung _gen_ in die vorausgehende Silbe versetzt und als Nasenlaut
gesprochen (Morring Morgen, mit solling Leitn mit solchen Leuten), der
Infinitiv auf _a_ (kumma kommen, brenga bringen) und das Adjektiv fter
auf _et_ (narbet narbig, lampet abgetrieben) gebildet. Diese
gemeinschaftlichen Besonderheiten der westerzgebirgischen und
oberharzischen Mundarten, die letztere allgemeiner festgehalten hat, als
erstere, sind auf frnkische Einwirkung zurckzufhren. Frnkisch sind z.
B. die erwhnte Adjektivendung _et_, die Verkleinerungssilbe _le_ _la_
(Heisl, Mehrzahl Heisla Huschen), das hufige __ fr hochdeutsches _ei_
(ch Eiche, Gst Geist, drzen dreizehn, Schr Schrei etc.). Frnkisch
sind auch viele oberharzische Wrter, die im Erzgebirge heutzutage nicht
mehr blich sind (z. B. wallen gin spuken, zochen umziehen, zipperig
furchtsam, porren reizen, kzen vor Uebermut laut schreien, greina
weinen).

[Illustration: Abb. 38. =St. Andreasberg.=

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

Die frnkische Frbung der beiden Mundarten weist darauf hin, da die
Auswanderung aus dem Erzgebirge nach dem Oberharze in einer Zeit
stattfand, in der dort frnkische Bergleute unter der aus dem Meinischen
zustrmenden Bevlkerung sich sehaft machten; und der Umstand, da diese
Frbung im Oberharze strker ist als im Westerzgebirge, findet schon in
der inselartigen Abgeschlossenheit des Oberharzes ausreichende Erklrung;
daneben steht aber auch fest, da bei der Aufnahme des oberharzischen
Bergbaues einzelne Knappen direkt aus Franken zuwanderten.

[Sidenote: Dorfanlage.]

Inbetreff des Hausbaues weisen die einzelnen Gaue kaum noch nennenswerte
Eigentmlichkeiten auf. Mag einst, wie einige der am Ostsaum
aufgefundenen Hausurnen schlieen lassen, der altschsische Einbau,
der Menschen- und Viehhaus samt den Kornfchern unter einem Dache
vereinigt, bis an den Fu der Harzberge gereicht haben, so waren doch
schon zur Zeit der Abfassung des Sachsenspiegels in dem ehemaligen
Nordthringen getrennte Scheunen blich, und heute hat das frnkische
Haus das schsische vllig verdrngt: denn obgleich am Nordrande die
Bauernhuser bis ber Bockenem hinaus vielfach die Giebelseite der
Strae zukehren, so befindet sich doch der Eingang in der den
Wirtschaftsgebuden zugekehrten Breitseite.

[Illustration: Abb. 39. =Lauterberg im 17. Jahrhundert= (nach Merian).]

Abgesehen von den in die engen Gebirgsthler eingeklemmten und sich oft
fast stundenlang ein- oder zweireihig hinziehenden Ortschaften bieten die
brigen fast smtlich das Bild des unregelmigen Haufendorfes, denn wenn
auch die ursprngliche Hufeisen- und Rundlingsform der Wendendrfer in
der Goldenen Au sich aus dem jetzigen Befunde meist noch herausschlen
lt, so haben doch Durchbrechungen des Ringes und Anbauten auerhalb
desselben fr das nicht historisch geschulte Auge den Unterschied vom
Haufendorfe so gut wie verwischt.

[Illustration: Abb. 40. =Lauterberg.=]

Wenn auch der Harz in seinen Steinbrchen von jeher eine Flle und
Mannigfaltigkeit vorzglichen Baumaterials namentlich zu seinen
herrlichen und groartigen Kirchen und hnlichen Bauten geliefert hat,
und wenn sich gleich in letzter Zeit selbst in oberharzische Stdte, das
Auge beleidigend, hie und da in das stimmungsvolle Bild sich harmonisch
und komplementr nicht einfgende rote Backsteinbauten eingedrngt haben,
so erfreut sich doch der alte Harzer Fachwerksbau, zu dem die schier
unerschpflichen Wlder geradezu aufforderten, auch in den Stdten noch
immer der wohl begrndeten Vorliebe, und manches in verstndnisloser Zeit
dem Abbruch oder doch dem Verfall bestimmte knstlerisch oft reich
gestaltete Haus ist als eine Perle der Baukunst erkannt und soweit
mglich in seiner ursprnglichen Schne restauriert.

[Illustration: Abb. 41. =Wiesenbeeker Teich.=]

[Sidenote: Volkstrachten.]

Von den alten Volkstrachten hat sich in den Harzlanden wenig erhalten.
Die kleidsame Tracht des Bergmanns -- grner Schachthut ohne Rand,
schwarzer Leinwandkittel mit Puffen, blankes Hinterleder mit
Messingschlo und schwarzen Beinkleidern (Abb. 4) -- sieht man fast nur
noch an bergmnnischen Festen und bei Beerdigungen, sie ist zur bloen
Uniform geworden; den blauen Leinwandkittel des Bauern hat vielerorts
bereits ein langer Rock von unbestimmter grauer oder brauner Farbe
verdrngt, nur der Fuhrmann, besonders auch der oberharzische, trgt ihn
noch -- wie die frher allgemein blichen Gamaschen -- regelmig als
Arbeitsgewand; aber der schneeweie Leinwandkittel des Fuhrherrn (Abb.
5), zu dem gelbe Gamaschen und hoher schwarzer Seidenhut gehrten, ist
seit einigen Jahrzehnten vllig verschwunden. -- Und auch die
Frauentracht fgt sich, wenn auch mit einiger Versptung, mehr und mehr
der Mode. Den mit breiten farbigen Samtstreifen mehrfach umsumten Rock
und die schwarze, mit Band und Spitze verzierte Mtze sieht man nur noch
bei der lteren Generation, und auch bei dieser nur ganz vereinzelt das
kleine ttenfrmige Mtzchen mit den breiten, fast bis auf die Fersen
herabhngenden Seidenbndern, wie es z. B. die Buerinnen im Ambergau
noch vor wenigen Jahrzehnten allgemein trugen. Aber die Landgngerinnen
des Oberharzes kennzeichnet noch ausnahmlos der buntgeblmte, die mit
Butter und Eiern gefllte Kiepe vor neugierigen Blicken schtzende
langkragige Kattunmantel (Abb. 6).

[Illustration: Abb. 42. =Ruine Scharzfels.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

Inbetreff des Charakters und der Begabung lt sich zwischen den
Bewohnern der einzelnen Gaue kaum eine Grenzlinie ziehen, wohl aber
zwischen dem Niedersachsen, dem der meist starkknochige, etwas lebhaftere
und redegewandtere thringische Harzer nahesteht, und dem Obersachsen des
westlichen hohen Harzes. Im Norden und Osten meistens gedrungen und
krftig, im Lisgau lang und hager, aber sehnig, ist jener bedchtig, aber
nachhaltig, nicht beredsam, doch nicht sprechfaul, etwas zugeknpft gegen
Fremde, aber treu in Zuneigung und Freundschaft, rechthaberisch, doch
vershnlich, starrkpfig, wo seine Rechte in Frage kommen, aber ein Feind
arglistiger Schdigung, fleiig, gengsam und sparsam, doch fast
verschwenderisch, wo es die Ehre des Hofes und der Familie gilt, karg im
Geben, doch bereit zu jeder Hilfe, die kein bares Geld kostet; ohne
sprudelnden Witz und lebhafte Phantasie, aber klaren Verstandes und
gesunden Urteils; konservativ, doch nicht unzugnglich fr Neuerungen,
kirchlich und gottesfrchtig, doch nicht frei vom Vertrauen auf
Kartenschlagen und Besprechen.

Der Oberharzer erscheint neben dem Nordthringer und Niedersachsen fast
schmchtig und schwchlich, bertrifft beide aber an Gewandtheit und
Ausdauer. Er ist gastfrei und gesellig, mig und nchtern, sucht seine
Freude in der Familie, in Wald und Halde, in Vereinigungen zu Gesang und
Musik; entschlossen und berlegend, ausgerstet mit bewundernswerter
Geistesgegenwart, ist er ein anstelliger, vorzglicher Arbeiter. An
Mutterwitz und Schlagfertigkeit bertrifft er den Niedersachsen weit,
doch keineswegs an Schrfe des Verstandes und Tiefe des Gemts.




                                  VII.

                      Die Hochebene von Klausthal.


[Sidenote: Klausthal und Zellerfeld.]

Wir beginnen unseren Rundgang mit den sieben Bergstdten des Oberharzes
und folgen dann den dort entspringenden Flssen bis in die Vorlande.

Von den sich eng aneinander schmiegenden Schwesterstdten Klausthal
(Abb. 7) und Zellerfeld (Abb. 8), deren erstere, einer langgestielten
dreizinkigen Gabel nicht unhnlich, von 535 Meter am gemeinschaftlichen
Bahnhofe bis zu 605 Meter beim Schtzenhause aufsteigt, ist das fast
schachbrettgeformte Zellerfeld die ltere. Da, wo jetzt hart an der
Grenze das stdtische Brauhaus steht, erbaute das reiche Simon-Judasstift
in Goslar gegen das Jahr 1200 das Benediktinerkloster Cella und schuf
damit an dem alten von Goslar nach Osterode zum Anschlu an die
Nrnberger Strae fhrenden Wege dem Warenzuge des Kaufherrn wie dem
einsam pilgernden Elenden eine bessere Erholungs- und Zufluchtssttte,
als solche die drftigen Klausen, von deren einer Klausthal den Namen
fhrt, zu bieten vermochten. Und bald erklang die Axt der fleiigen
Klosterleute im ungelichteten Urwalde, auf der geschaffenen Lichtung, dem
Zellerfelde, erstanden Auenhfe mit Viehwirtschaft, und frnkische
Bergleute siedelten sich unter dem Schutze des Klosters und seiner
Schirmherren an und erschrften Gang um Gang des edlen Silbers.
Anderthalb Jahrhunderte wirkte so das am hchsten und einsamsten gelegene
Harzkloster im Segen; da brach im Jahre 1348 der schwarze Tod, der wie
ein Wrgengel ganz Europa durchschritt, auch hier herein, raffte Mnche
und Bergleute dahin und brachte durch die Unsicherheit und Verwilderung,
die ihm auf dem Fue folgte, den Oberharz wieder zu vlliger Verdung.
Doch heute noch befhrt der Bergmnch als der aufsichtfhrende
Geschworene mit silbernem, bis zur Firste flackerndem Grubenlichte die
Schchte und Strecken, und beredter noch als die Sage fhren die Gruben
des alten Mannes mit seinem Gezh und seinen Gebeinen, die
Burgsttte, auf der vielleicht der letzte Rest der von der Pest
Verschonten im Kampfe mit den Ruberbanden erlag, der Frankenscherven
(jetzt Frankenscharn), die Abtshfe und andre ihre stumme Sprache.

[Illustration: Abb. 43. =Herzberg.=]

[Sidenote: Bergbau in alter Zeit.]

Erst unter der Regierung des Herzogs Heinrich des Jngeren erstand der im
Todesschlafe liegende Oberharz zu neuem Leben. Nachdem schon die Herzogin
Elisabeth von ihrem Witwensitze Staufenburg aus sich des
Eisensteinbergbaues bei Grund mit groem Erfolge angenommen hatte,
beschlo ihr Enkel Heinrich, auch die Silbergruben des alten Mannes
wieder in Betrieb zu setzen, erlie 1524 eine Bergordnung fr Grund und
umliegende Gebirge und berief auf den Rat des Herzogs Georg von Sachsen
erfahrene Beamte und Bergleute aus dem Erzgebirge. Im Jahre 1526 nahmen
die in groen Haufen Herzustrmenden in der Nhe des jetzigen Johanneser
Kurhauses die erste Grube auf der Hochebene des Zeller Feldes auf, und
schon sechs Jahre spter erhielt die um die Klosterruine entstandene
Ansiedelung die Stadtgerechtsame.

Und auch im Frstentum Grubenhagen, das bis unmittelbar an den die
Klosterpforte besplenden Zellbach reichte, blieben die reichen Schtze
der Teufe nur noch kurze Zeit unerschlossen. Schon im Jahre 1544 wird das
Bergwerk des Herzogs Philipp an dem Zeller Felde erwhnt, und als auch
bei der verfallenen Klause (im Klausthale) edle Erze zu Tage traten,
nahm die neue Ansiedelung, die man anfangs Zellerfeld grubenhagenschen
Teils nannte, so raschen Aufschwung, da sie bereits in der Bergfreiheit
von 1554 freie Bergstadt heit.

[Illustration: Abb. 44. =Brockengipfel.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Da eine Landesgrenze (bis 1788) die beiden Stdte schied, ward im
dreiigjhrigen Kriege verhngnisvoll fr Zellerfeld: nachdem Tilly am
19. Mrz 1626 Klausthal von Dnen und Braunschweigern, seinen Bedrngern,
durch sein bloes Erscheinen befreit hatte, eroberte er das von seinen
Brgern unter dem Geschwornen Thomas Merten heldenmtig verteidigte
Zellerfeld und berlie es seinen Truppen zur Plnderung.

Kmpfte schon zu Beginn jenes verderblichen Krieges der Bergbau um seine
Existenz, so kam er whrend desselben vllig zum Erliegen: die Gruben
ersoffen, die Pochwerke standen still, die Htten lagen kalt. Dazu
berfiel die schier verzweifelnden Bewohner noch die Pest, und
verheerende Feuersbrnste raubten ihnen die letzte Habe.

Nur langsam erholten sich die beiden Stdte. Aber dann brachten regenarme
Jahre die Gruben wieder zum Stillstand, und am 18. Oktober 1672 legte
eine schreckliche Feuersbrunst in Zellerfeld 465 Huser, die Kirchen,
Pfarrhuser und Schulen, Rathaus, Mnze und Zehnten in Asche; und in dem
drftigen Reste der Stadt und in Klausthal, wo man die Obdachlosen
nachbarlich aufnahm, brach der Hungertyphus aus: die Not war entsetzlich.

[Sidenote: Klausthal.]

Als im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts endlich wieder die Gruben gut
silberten, entwickelten sich im Glanze des Bergsegens die Stdte so
ersichtlich, da die Hauptstadt Klausthal im Jahre 1736 ohne Garnison
8930 Einwohner zhlte. Die Feuersbrnste von 1725 und 1737, von denen die
erste 391 und die zweite 192 Wohngebude zerstrte, wurden damals
leichter berwunden. Dagegen sank die Einwohnerzahl unter den Drangsalen
des siebenjhrigen Krieges um 2000. Allein am 3. September 1761 erpreten
die Franzosen in der Doppelstadt 40000 Thaler, und zum Dank fr seine
Milde mute Klausthal dem General Vaubecourt gar eine Medaille prgen
lassen.

Als 1799 der groartige Georgstollen durchschlgig wurde, konnte man die
Erze auch aus grerer Teufe holen. Aber dieser Vorteil kam bald der
westflischen Fremdherrschaft zu nutze. Knig Lustik von Bonapartes
Gnaden, der sich zweimal in Klausthal-Zellerfeld anjubeln lie, konnte
kaum mit Hilfe des Raubbaues den sich immer steigernden Bleibedarf fr
seines Bruders Kriege und Festungen decken. Doch die enormen Summen, die
nach Kassel flossen, gengten ihm nicht: er bot dem Juden Jakobson den
ganzen oberharzischen Bergbau zum Kauf an; indes, wenn dieser sein
Kammeragent auch preuische, hannoversche und braunschweigische Domnen
billig zu erwerben kein Bedenken trug, so erschien jener groe Bissen dem
Schlauen doch im Werte zu unsicher. Trotzdem es Titel und Gehaltszulagen
regnete, sammelten die Bergbehrden einen Teil der berschsse fr die
angestammte Landesherrschaft heimlich im Zehnten an und schickten falsche
Abrechnungen nach Kassel. Aber viele Handels- und Kassenbeamte trieben
auch Matzhammelei: sie steckten manches Tausend in die eigene Tasche;
und des Geldes war ja so viel, da die Franzosen es nicht merkten -- erst
die hannoversche Regierung hat spter diese Unterschleife bestraft. Da
sah man den Oberfaktor in Goslar wie einen Grafen mit vier Rappen, einen
Jockei vorn auf, durch die Straen fahren, und sein Bruder in Osterode
legte einen Marstall an und baute ein Reithaus. -- Flotter ist der
Bergbau nie umgegangen. Aber der Harzer lie sich durch die hohen Lhne
nicht gewinnen; obwohl vom westflischen Kriegsdienste befreit, schlichen
sich die jungen Mnner bis zur Kste durch und bluteten auf den
Schlachtfeldern Spaniens fr Deutschlands Ehre und Freiheit; allein vom
siebenten Bataillon der deutschen Legion trafen einmal an einem Tage elf
Totenscheine beim Rate von Klausthal ein.

[Illustration: Abb. 45. =Brockenbahn.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Als mit dem Frieden der groartige Bleibedarf aufhrte, sanken die
Harzprodukte gewaltig im Preise, ja waren teilweise sogar unverkuflich,
und die englische und spanische Konkurrenz zwangen den Harzer Bergbau,
sich sehr haushlterisch einzurichten. Die Bergbehrde begnstigte, trb
in die Zukunft sehend, die Auswanderung, besonders als 1844 300 und 1852
101 Wohnhuser in Klausthal niederbrannten. Doch brach mit der
Verstaatlichung des (gewerkschaftlichen) Bergbaues, mit der Vollendung
des Ernst-August-Stollens, mit dem Erschlieen neuer Erzmittel eine
bessere, hoffnungsvollere Zukunft an. Heute zhlt die Stadt 8600
Einwohner.

Von den Tillyschanzen bei der Windmhle, dem Wahrzeichen Klausthals,
gesehen, gewhrt die von weiter Wiesenflur eingeschlossene Doppelstadt
ein eigenartig schnes Bild. Die in den flachen Thlern zu einer
glnzenden Perlenschnur aneinandergereihten Teiche, der dunkle, breite
Waldsaum ringsherum, der Blick auf die wellenfrmige Hochebene mit ihren
grnen Halden, ihren blinkenden Gruben und dem in der Ferne aufwirbelnden
Httenrauche, ihren nach allen Seiten strahlenfrmig in den Wald
auslaufenden Alleen, auf die immer hher sich auftrmenden Berggruppen,
und wieder zurck auf die wunderbar gestaltete Stadt mit ihren
rotbedachten schmucken Husern, von denen einzelne Gruppen sich bis in
die unabsehbare Ferne zu erstrecken scheinen: leihen ihr Zge und Farben,
wie sie sich so wirkungsvoll in ihrer schlichten Anmut im ganzen Harze
nicht zum zweitenmal zeigen.

[Sidenote: Zellerfelder Mnzen.]

Architektonisch bedeutsame Gebude hat Klausthal nicht aufzuweisen. Die
Marktkirche ist die grte Holzkirche Deutschlands (Abb. 9). Im
gerumigen Amthause hat das Oberbergamt fr den grten Teil der Provinz
Hannover, fr Schleswig-Holstein, Hessen, Schaumburg und den
Gemeinschaftsharz seinen Sitz. Aus der frheren, jetzt als Bibliothek und
Berginspektion dienenden Mnze -- und teilweise aus der den verschiedenen
Linien des Welfenhauses gemeinsamen Mnze in Zellerfeld, die nur den
heil. Andreas nicht im Stempel fhrte -- sind die meisten der feinen
Wildemanns- und Andreasmnzen und Ausbeutethaler hervorgegangen, welche
die Mnzsammlungen zu ihren wertvollsten Stcken zhlen.

[Illustration: Abb. 46. =Schneeschuhlufer.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

Zur Erluterung der abgebildeten Mnzen (Oberharzer Museum) diene
folgendes:

1. Zweithalerstck, in Zellerfeld vom Mnzmeister Rudolf Bornemann (R.
B.) 1688 geprgt (Abb. 10). Den Namenszug des Kurfrsten Ernst August von
Hannover umgeben folgende fnfzehn Wappen: Das sechsspeichige Rad von
Osnabrck -- der Kurfrst war, worauf auch der Bischofsstab hinweist,
zugleich Bischof von Osnabrck --, die Lwen des Herzogtums Lneburg, der
Grafschaft Eberstein und der Herrschaft Homburg (mit gestckter
Einfassung), der einkpfige Adler der Herrschaft Stemmwede (Lemfrde),
die Lutterberger Querfden, die Regensteiner (rote) Hirschstange, der
Clettenberger Hirsch, die Blankenburger (schwarze) Hirschstange, das
Hohnsteiner Schach, die verschobenen Kreuze von Alt-Bruchhausen mit den
Neubruchhuser (Oldenburger) Balken, die Brenklauen von Hoya, die Lwen
von Diepholz und Lutterberg, die Leoparden von Braunschweig. Oben der
Wahlspruch des Kurfrsten. Der Revers zeigt uns eine Grube ber und unter
Tage. Radstube und Geipel, durch ein Feldgestnge verbunden, nhern sich
in der Form noch der Kte; die Fahnen auf ihrer Spitze melden, da die
Grube in Ausbeute steht. Ein Bergmann, das Grubenlicht in der Hand, tritt
den Heimweg an, ein andrer frdert auf dem Strzkarren Erz nach dem
Pochwerk. Ein Rutengnger mit der edle Erze verratenden Wnschelrute
schreitet heran; unterhalb des auf der Hhe liegenden Zechenhauses ist
ein Haldenarbeiter beschftigt. In der Tiefe schrmen zwei Bergleute,
zwei andere drehen den Haspel, daneben fhrt der Schacht mit Fahrt und
Tonne hinunter. -- ber der Landschaft das Sachsenro; von oben reicht
ein aus Wolken ragender Arm einen Kranz.

[Illustration: Abb. 47. =Bad Harzburg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

2. Wildemannthaler des Herzogs August von Braunschweig, in Zellerfeld
1665 vom Mnzmeister Henning Schlter (H. S. und zwei gekreuzte
Schlssel) geprgt (Abb. 11). Im Wappenbilde sind Hoya und Bruchhausen,
Regenstein und Blankenburg, Hohnstein und die Lutterbergschen Querfden
zu je einem Felde vereinigt und das Lneburgsche durch die gekrnten
Herzen von den andern Lwen unterschieden. Auf dem Schilde stehen fnf
gekrnte Helme; der mittlere (Braunschweig-Lneburg) trgt zwischen zwei
mit den Spitzen gegen einander gekehrten Sicheln, welche auen mit fnf
Pfauenfedern besetzt sind, eine Sule mit Krone und gesterntem
Pfauenkranz, vor der ein Pferd springt. Der Helm mit Brenklaue
bezeichnet Hoya, der mit sechs Fhnchen zwischen Bffelhrnern
Bruchhausen, der mit zwei Hirschstangen, zwischen denen ein Pfauenschwanz
steckt, Hohnstein und Lutterberg, der mit zwei Bffelhrnern und zwei
Hirschstangen Diepholz und Regenstein-Blankenburg. -- Auf der Rckseite
hlt der Wildemann, Laubkrnze um Haupt und Hften, den mit der Wurzel
ausgerissenen, auf beiden Seiten mit Zweigen besetzten Baum wie eine zum
Sto eingelegte Lanze mit beiden Fusten. Eine bestimmte Regel bildete
sich um 1670 aus: auf den in Zellerfeld fr Braunschweig-Wolfenbttel
geprgten Mnzen hlt der Wildemann den zweireihig besetzten Baum in der
Linken, auf den dort fr Calenberg-Hannover geprgten die nur
rechtsseitig besetzte Tanne in der Rechten. Die nach Aufhebung der
Zellerfelder Mnze von 1788 an in Klausthal geprgten hannoverschen
Mnzen zeigen den Wildenmann mit einer zweiseitig besetzten Tanne in der
Rechten.

3. Ausbeutethaler der Grube Lautenthals Glck (Jungfrau mit der Laute
zwischen Grubengebuden), in Zellerfeld vom Mnzmeister Joh. Benj. Hecht
geprgt, Wildemnner als Schildhalter (Abb. 12).

4. Andreasthaler, 1726 in Klausthal vom Mnzmeister Chr. Phil.
Spangenberg geprgt (Abb. 13). Die Umschrift lautet: _Georgius Dei gratia
Magnae Britanniae Franciae et Hiberniae rex, fidei defensor_ (Verteidiger
des Glaubens), _Brunsvic. et Luneburg. dux, Sancti Romani imperii
archithesaurarius_ (Erzschatzmeister) _et elector_. Der Wappenschild hat
im ersten Felde die englischen Leoparden und den schottischen Lwen, im
zweiten die franzsischen Lilien, im dritten die irische Harfe, im
vierten die braunschweigischen Leoparden, den lneburgischen Lwen, das
Sachsenro und in der Mitte die Kaiserkrone. Schildhalter Lwe und
Einhorn.

Die von 200 bis 250 Studierenden besuchte Bergakademie, welche mit ihren
Anfngen bis in das Jahr 1775 reicht, wird in den nchsten Jahren ein
ihrer Bedeutung wrdiges Heim erhalten. Begnstigt durch ihre Lage
inmitten der mannigfaltigsten und musterhaft eingerichteten Montanwerke
des Harzes, dieser Pflanzsttte fr den gesamten deutschen Bergbau, steht
diese Hochschule auch im Auslande in hohem Ansehen und bringt den Namen
Klausthal in allen bergbautreibenden Lndern der Erde zu Ehren.

Das interessanteste Profanhaus des Oberharzes ist die im Jahre 1674
erbaute Bergapotheke in Zellerfeld (Abb. 14) mit ihren fratzenhaften
Kpfen an Front und Giebel bis zum Dache hinauf -- dem Wahrzeichen der
Stadt --, schnen Zimmerdecken, die in Stuck Christi Leidensgeschichte,
Jagdscenen, allegorische und mythologische Bilder und andres vorstellen,
und zwei mchtigen Kaminen mit kunstvoll eingemeielten Verzierungen.

Die Umgebung von Klausthal bietet des Interessanten gar viel. Wir
schlagen einen der wohlgepflegten, sauber mit Grupchen (Kies) bestreuten
Anfahrwege ein, welche von allen Straen und Gassen den Gruben zufhren,
und schlieen uns einer Schar schwarzer Gestalten an, die unter den von
den Kirchtrmen leise herberzitternden Klngen der Anfahrglocke, das
Grubenlicht in der Hand, im Busenraum des Kittels ein tchtiges Stck
Brot und ein Einschteckel-Wirschtel, dem Schachte zueilen.

                   Doch eh' der schwarze Kittelmann
                   In seine Tiefe fhrt,
                   Stimmt er ein frommes Lied erst an,
                   Das seinen Herrgott ehrt;
                   Bergmannsblut hat frommen Mut.

Der Vorbeter, ein alter, wrdiger Bergmann, leitet im Betsaale des
Zechenhauses die Andacht am Eingange der Arbeitswoche.

[Sidenote: In den Schchten.]

Nun wird das Grubenlicht entzndet, das uralte, offen brennende Licht,
denn dem Harzer Bergmann drohen keine schlagenden Wetter, und von den
Zurckbleibenden mit dem Wunsche: Es gieh eich wull! (Es gehe euch
wohl!) begrt, tritt einer nach dem andern auf die Fahrkunst, die --
jetzt von Dampfkraft getrieben -- den Bergmann ruckweise binnen kurzem in
die Tiefe fhrt. Wie Sterne, die nach und nach erblassen, leuchten die
Grubenlichter noch eine Zeit lang herauf, dann umhllt rabenschwarze
Nacht den Fahrschacht bergestief.

Nicht mehr wie vor alters mit Schlegel und Eisen, wie er es zum Kreuze
zusammengefgt als Schmuck und Standesabzeichen fhrt, schrmt vor Ort
der Bergmann mhsam am Gestein, nein mit Bohrer und Fustel und gar mit
komprimierter Luft treibt er seine Bohrlcher wuchtig in den Felsen und
sprengt diesen mit Pulver und Dynamit (Abb. 15). Und elektrische Bahnen
unter und ber Tage schaffen an Stelle der vor kurzem noch so berhmten
unterirdischen Schiffahrt die Erze nach den Aufbereitungsanstalten,
Sortierhusern, Wschen und Pochwerken, die das zerkleinerte
Stufferz und den mittels mancherlei hydraulischen Separations- und
Anreicherungsmaschinen gewonnenen Schliech der Htte zufhren.

[Illustration: Abb. 48. =Kurhaus und Aktienhotel in Bad Harzburg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Die tiefsten Schchte, voran der Kaiser Wilhelm II., bringen an 900 Meter
Teufe ein, der 157 Meter hohe Klner Dom liee sich darin sechsmal
aufeinanderstellen. Welch winzige Zwerge sind dagegen die nur 22 Meter
tiefen Schchte des Alten Mannes, der die Wasser noch nicht zu
bewltigen verstand. Aber vllig gelungen ist dies auch erst den
riesenhaften Arbeiten der Neuzeit, dem 1799 fertiggestellten
Georgstollen, der unterhalb der Bergstadt Grund mndet, und dem 1864
eingeweihten Ernst-August-Stollen, der sein mit Trmen und Zinnen
geschmcktes Mundloch auf der Schtzenwiese bei Gittelde hat und mit
seiner Lnge von 26 Kilometern mehr wie die Hlfte lnger ist als der
groe Gotthardtunnel.

Und groartig wie die Abfhrung der Wasser der Tiefe ist auch die
Zufhrung der Tagewasser, deren Grube, Pochwerk und Htte trotz der in
Dienst genommenen mchtigen Dampfmaschinen nicht entraten knnen. Wo man
auch nur wandert im Oberharze, berall trifft man Sammelgrben und meist
im Festen stehende Wasserlufe, als drfe kein Tropfen des kostbaren
Wassers verloren gehen. Die grte dieser Pulsadern des Bergbaues, der
1732 angelegte und 1840 erweiterte Dammgraben, zwingt selbst die
Moorwasser des fernen Brockenfeldes zur Bergarbeit; nachdem er in 790
Meter Meereshhe die Abbe, ein Nebenflchen der Ecker, abgefangen hat,
durchschneidet er das Quellgebiet der Bode, Oker und Sse, berschreitet
auf dem 1 Kilometer langen und 16 Meter hohen Sperberhaier Damme die
Wasserscheide zwischen Oker und Sse und speist, mit seinen Zufuhrgrben
63 Kilometer lang, die terrassenfrmig untereinanderliegenden Teiche bei
Klausthal, von denen der Hirsch bei einer Bodenflche von 15,7 Hektar
mehr als 600000 Kubikmeter Wasser fat. Die Hauptpulsader des
Andreasberger Bergbaues ist der in den Granitfels gesprengte 7-1/2
Kilometer lange Rehbergergraben, der die in dem 22 Hektar deckenden
Oderteiche durch einen aus mchtigen mit Eisen verklammerten Granitmassen
aufgetrmten Riesendamm aufgestauten Quellwasser der Oder den dortigen
Werken zufhrt.

[Illustration: Abb. 49. =Radaufall.=

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

[Sidenote: Kahlenberg. Hahnenklee.]

Die Randberge der Klausthaler Hochebene bieten viele herrliche
Aussichtspunkte. Von der Schalke, dem 763 Meter hohen Gipfel des
Kahlenbergs, an deren Fue die Festenburg idyllisch aus dem Grn
hervorlugt, berblickt man die ganze Hochebene wie eine ausgebreitete
Landkarte; und der Blick nach Osten, auf das Brockenfeld mit dem
Brockengebirge im Hintergrunde und auf die Harzburger Berge ist von
wunderbarem Reiz. ber den Auerhahn, die Pahhe zwischen Zellerfeld und
Goslar, wandern wir dem erst vor wenigen Jahrzehnten von den
Sommerfrischlern entdeckten Bergdrfchen Hahnenklee (Abb. 16) zu und
erfreuen uns unterwegs am Bocksberge an dem wunderhbschen Blick auf die
von Bchen durchschnittene Gebirgspartie zwischen Gose und Innerste und
die schn bewaldeten Berg- und Hgelreihen der Vorlande, den Steinberg
und die fast unzhlbaren schmucken Drfer. Auf dem Rckwege ber
Bockswiese folgen wir eine Strecke dem lieblichen Spiegelthale, dessen
friedlich stille Teiche langgezogen das schmale, scharf geschnittene Thal
fllen.

Den Kaltenborn zwischen Frankenscharner Htte und Windhausen (Grund), die
Kuckholzklippe ber dem in die Thalspalte frmlich eingeklemmten Lerbach
und die schroff ber der Sse hngende Siebenwochensklippe am
Morgenbrotsgraben jenseit des Dammhauses mu man am Vormittage besuchen:
sie erffnen smtlich, doch in verschiedener Begrenzung, den Blick ber
den Harz hinaus in die westlichen und sdwestlichen Vorlande bis zum
Bramwalde, dem Meiner und der Eichsfeldischen Pforte, in der Ferne kaum
von den Wolkenzgen zu unterscheiden.

[Sidenote: Waldeszauber.]

Erst auf diesen Wanderungen lernen wir auch den oberharzischen Wald in
seinem ganzen Reiz, in seiner zauberhaften Wirkung auf das Gemt wrdigen
und kennen.

La uns einmal einem vom Touristenheere noch nicht ausgetretenen, vom
frsorglichen Harzklub noch nicht bezeichneten Pfade folgen. Durch die
grne Nacht hoher, dichter Tannen, die nur hin und wieder durch zitternd
einfallendes Licht, durch das hellere Grn des Torfmooses und der groen
Farnkruter, die in dicken Bscheln die Baumwurzeln bekleiden, gemildert
wird, gelangen wir auf einen Hai, auf dem tausend und abertausend
Exemplare des roten Fingerhutes, wie von der Hand des Grtners gezogen
und wirkungsvoll gruppiert, blendend ihre Pracht entfalten. Sieh, dort
vom Rande ugt ein Rudel Hirsche halb scheu, halb neugierig herber; den
ausdrucksvollen Kopf mit dem vielzackigen Geweih dir zugewendet, zucken
sie nicht einmal mit der Wimper. Aber nun fliegen sie in wilden Stzen
den Abhang hinab. Und nun wieder kein Laut ringsum, nur der Abendwind
fngt an, leise und warnend in den Wipfeln der Bume dort unten zu
rauschen, und das seine Thalfahrt beginnende Wasser sickert flsternd
durch das Moos und trpfelt kaum hrbar von einem Stein auf den andern.
Doch jetzt trgt der anschwellende Wind Klnge einer harmonischen Musik
herber, erst geisterhaft leise, allmhlich klarer und bestimmter: mitten
in der Wildnis, dem Abendgelut eines Eremiten gleich, das Glockengelut
einer den Stllen zuwandernden Rinderherde. Es sind schmucke, krftige
Tiere, rot- und hellbraun, mit groen Hrnern, deren Spitzen nach oben
gerichtet sind; die reine Harzrasse. Wrdevoll schreitet der Hirt, mit
derben Schuhen, grauen Gamaschen, schwarzem Leinwandkittel und
breitkrempigem Filzhut bekleidet, ihnen voran; das handliche Beil, das,
an der scharfen Schneide mit einem Stck Hirschhorn verwahrt, an einem
ber die rechte Schulter laufenden, mit blanken Messingschildern
verzierten schwarzen Lederbande ihm an der Seite hngt, gebraucht er, um
die Khe loszuhacken, die sich mit den Hrnern im Gestrpp, oder mit den
Fen im Wurzelgeflecht verwickelt haben (Abb. 17). Die Stiere seiner
Herde, auf der Tierschau prmiiert, und sechs bis zwlf der schnsten
Khe sind sein Eigentum, er ist ein wohlsituierter Mann. Im Winter ist er
Fleischer und Hausschlchter, und sein Knecht, der dort den Beschlu der
Herde macht, ist dann sein Gehilfe. Wahrscheinlich versteht er auch
selbst sein achtstimmiges Glockenspiel neu zu stimmen, Stimmbeulen von
auen oder innen hineinzuschlagen.

[Illustration: Abb. 50. =Harzburg im 17. Jahrhundert= (nach Merian).]

Vom Hirten freundlich zurecht gewiesen, gelangen wir binnen kurzem auf
eine wohlgepflegte, mit Ahorn und Vogelbeere dicht begrenzte Strae,
deren Nhe wir nicht vermuten konnten. Einsam windet sie sich durch den
unabsehbaren Wald. Die zur Rste gehende Sonne umspielt nur noch die mit
Zapfen dicht behangenen Wipfel der stattlichen Bume; in den
schluchtenartigen Waldthlern lagert schon der weie Abendnebel. Das
Herdengelut verklingt allmhlich in der Ferne; nun ringsum sabbatliche
Stille. Verstohlen tritt eine Rehfamilie aus dem Hochwalde zur Rechten,
huscht wie ein Schatten ber die Strae und fliegt dann in eleganten
Stzen ber die Schonung zur Linken dem Dickicht zu, in dem die Sauen
ihren Kessel haben (Abb. 18). Schon erhebt die Knigin der Harzer
Waldsnger, die Schwarzdrossel, klagend und doch voll Hoffnung ihren
schwermtigen, herzergreifenden Gesang, um der sinkenden Sonne einen
letzten Abschiedsgru nachzurufen. Doch nun -- klingt's da nicht in der
Ferne wie leiser melodischer Gesang? und ist's nicht gar ein gemischter
Chor? Es kommt nher und nher: frische, frhliche Mdchenstimmen, ohne
Schule und Kunst, naturwchsig wie der Wald ringsum und ansprechend eben
in dieser Harmonie. Rein und hell singt der Sopran seine einfach-schne
Melodie hinaus, und der Alt, von einer einzelnen Mnnerstimme krftig
untersttzt, begleitet sie mit der zweiten Stimme, wie sie das
gesangfreudige Volk fast instinktiv findet. Jetzt verstehen wir auch die
Worte:

         Der Jger in dem grnen Wald
         Mu suchen seinen Aufenthalt.
         :,: Er ging in dem Wald wohl hin und her :,:
         :,: Ob auch nichts :,: ob auch nichts anzutreffen wr'!

[Illustration: Abb. 51. =Rabenklippen.=

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

[Sidenote: Kulturmdchen.]

Die Kiepe auf dem Rcken, in den flinken Hnden das Strickzeug, verfolgen
die krftigen, gedrungenen Gestalten, aufgeschrzt bis ber das Knie,
festen Schrittes ihren unsere Waldstrae kreuzenden Pfad. Es sind Harzer
Kulturmdchen mit ihrem Kulturaufseher, niederschsischen Stammes,
aus Lerbach oder Riefensbeek oder Wolfshagen. Vom Morgen bis zum Abend
beschftigt, die drei- bis fnfjhrigen Pflnzchen mit dem Ballen aus dem
Saatkamp, dem Tannengarten, auszuheben und auf die von den Stuken
gesuberten Blen im Abstande von 1,2 bis 1,5 Metern zu versetzen, sind
sie nun auf dem Heimwege nach ihrer Waldherberge, jenen Kten dort am
Saume der Dickung. Ob wir ihnen einen Augenblick dahin folgen? Im Nu sind
die Kiepen abgeworfen, und wenige Augenblicke spter prasselt auf dem
Herde, der die Mitte der Kte einnimmt, ein lustiges Feuer. Jetzt siedet
das Wasser in dem darber hngenden offenen Kessel, nun werden
Brotscheiben hineingeschnitten, etwas Butter, Salz und Kmmel daran
gethan, und das einfache Mahl ist bereitet. Zum Kosten eingeladen, folgen
wir doch der Warnung der herannahenden Dmmerung und erreichen im
beschleunigten Tempo die Stadt.

Die Einrichtung einer Kte oder Bucht, an deren Stelle jetzt vielfach
kleine, feststehende Waldhuschen treten, praktischer wohl und
wohnlicher, aber nicht so voll wie jene von der Poesie des Waldzaubers
umweht, sehen wir uns ein andres Mal auf einer Hauung an.

[Illustration: Abb. 52. =Ilseflle.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Waldarbeiter.]

Wir treffen es gnstig: eine ganze Schar von Waldarbeitern, scharfe xte
auf der Schulter und auf dem Rcken die groe Waldsge, schreitet
gemessenen Schrittes vor uns her. Die neu geflickten und frisch
gewaschenen Kittel und Beinkleider aus ungebleichtem Drell, welche mit
der mit Seitenklappen versehenen grnen Tuchmtze oder einem
beulenreichen Filzhute, dicken Gamaschen und derben Schuhen ihre Kleidung
ausmachen, sagen uns, da sie aus ihrem heimatlichen Dorfe kommen; sie
haben in ihrer Familie den Sonntag verlebt und wollen nun heute, am
Montag Morgen die am Freitag Abend unterbrochene Arbeit wieder aufnehmen
(Abb. 19). Jetzt nehmen ihre Frauen, die ihnen bis zur Stadt das Geleit
gegeben und ihnen in ihrer Kiepe den aus einem nicht enthaarten Kalbfell
kunstlos gefertigten Ranzen -- den Urahn des modernen Rucksacks --
getragen haben, in dem sie auer Pulverhorn und Eisenkeil (Fimmel)
Lebensmittel auf eine Woche mit sich fhren, unter Scherzreden Abschied,
und schwerer noch bepackt als vorher setzen die Arbeiter ihren Marsch
fort. In seinem ruhigen, aber nichtsdestoweniger frdernden Schritt
vermag den Holzfller auch der jetzt leise niedertrpfelnde Regen nicht
zu beirren: er schlgt nur die alte Pferdedecke, die ihm im Walde als
Bettdecke zu dienen bestimmt ist, als Regenmantel um sich und seine
blanken Werkzeuge.

[Sidenote: Die Kte.]

Nun sind sie auf ihrer Arbeitssttte angekommen, und in ruhiger
Geschftigkeit tritt jeder an seinen Platz. In taktmigem Strich frit
sich die breite, schwanke Sge in den dicken Stamm ein, bis die
Waldriesen krachend niederstrzen, drhnend fallen die Axthiebe auf das
Holz, wuchtig treibt das Fustel den spaltenden Keil ein, dazwischen
hallt von drben Schu auf Schu dumpf herber, wo die Stuken, die anders
nicht zu bewltigen sind, mit Pulver gesprengt werden. -- An jenem vor
dem Winde etwas geschtzten Rande der Hauung, da wo das Feuer qualmt,
steht die Kte, mit deren Erbauung die Arbeit begonnen hat. Viel Kunst
und Mhe hat sie nicht erfordert: junge, armdicke Fichten sind in
Kreisform in den Boden geschlagen, oben zu einem Kegel zusammengebogen,
auen mit groen Stcken Baumrinde bekleidet und innen in den
Zwischenrumen mit Moos verstopft. Eine niedrige, verschliebare ffnung
mit kleinem berbau dient als Thr und Fenster. In der Mitte der Bucht
sind Steine zu einem Feuerherde zusammengelegt, und rings um diesen,
dicht an der Auenwand, breite, niedrige Bnke angebracht. Mit Tannhecke,
Heidekraut und einigen Moosscken berdeckt, dienen sie zugleich als
Schlafsttten. Hier um das knackende und prasselnde Feuer, dessen Rauch
vergeblich zu entweichen sich bemht, lagern sich am Abend die ermdeten
Arbeiter, bereiten sich ihre beliebte Scheibensuppe und schlieen ihr
Mahl mit einem Stck Brot nebst Wurst und einem Schluck Branntwein. Dann
wird das Feuer noch einmal geschrt, die Thr verschlossen, und bald
verknden nur noch die Atemzge der Schlafenden, da die Waldeinsamkeit
nicht vllig ausgestorben ist.

[Illustration: Abb. 53. =Ilsenburg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Whrend die Waldarbeiter wenigstens einmal wchentlich mit ihrer Familie
unter einem Dache weilen, sehen die Khler ihr Dorf im ganzen
Sommerhalbjahre nur bei besonderem, hochwichtigen Anlasse, denn die
Meiler brennen am Sonntage wie in der Woche, und wenn der eine
ausgeladen wird, stehen andre schon wieder im Brande. Aber einmal
wchentlich macht sich die Frau des Khlers mit der Kiepe auf, um diesen
mit Brot und Zubrot und andern Vorrten zu versorgen.

[Sidenote: Der Khler.]

Einem Khlermeister bei seiner Arbeit zuzuschauen, ist indes heutzutage
nicht so gar leicht. Seit Heran- und Herauffhrung der Eisenbahnen auf
den Harz und der dadurch ermglichten Verwendung der Steinkohle ist
nmlich die Holzkohlenproduktion fr die Htten um 97% zurckgegangen;
und Khlerei im greren Umfange wird eigentlich nur noch getrieben, wenn
ein bedeutender Wind- oder Schneebruch diese rasche Verwertung des Holzes
fordert.

[Illustration: Abb. 54. =Steinerne Renne.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Da im Kohlhai eines Meisters gewhnlich vier bis sechs Meiler
gleichzeitig, und zwar in den verschiedenen Stadien der Entwickelung, im
Gange sind, so belehrt schon =ein= Besuch ber alle Arbeiten des
Khlergeschftes. Hier sehen wir dem Richten, dem Aufbau eines Meilers
zu. Um die beiden Quandelpfhle im Mittelpunkte der kreisfrmigen
Kohlsttte werden die glattgehauenen Rundhlzer so dicht als mglich fast
senkrecht herum- und schichtweise aufeinandergestellt, da zwischen jenen
Pfhlen ein senkrecht bis auf den Boden reichendes Luftschchtchen
bleibt, in das in der Richtung des Halbmessers am Boden ein wagerechter
Luftkanal eintritt. Dort sind die Gehilfen dabei, einen fertig
gerichteten Meiler, einen Kugelabschnitt von 3 Meter Hhe, so fest
erbaut, da man ihn ohne Gefahr besteigen kann, mit Tannhecke und Rasen
zu bedecken und mit einem Gemenge von Erde und Kohlengestbbe zu
bewerfen. Wenn sie fertig sind, wird der Khler den Meiler mittels
eines zusammengelegten und mit Harz gefllten Stckes trockener
Baumrinde, das er mit der Steckrute durch den Luftkanal bis zu den am
Fue der Quandelstangen aufgehuften Spnen und Reisern schiebt,
anznden. Mehrere Meiler stehen bereits im Brande; der eine raucht
weigrau, er ist erst vorgestern angezndet, der andre blau an allen
Seiten, die Kohlen garen bereits. Das Regieren des Feuers ist das
Meisterstck des Khlers, bei dem er seine ganze Kunst und Erfahrung
zeigen kann. Bald mu er die Windschauer umstellen und auf der vom Winde
abgekehrten Seite -- denn das Feuer brennt stets diesem entgegen --
Rume (Zuglcher) mit dem Raumpfahle an richtiger Stelle anbringen;
bald Ritzen und Borsten im Bewurf -- denn das Feuer ist stets bestrebt,
die Decke zu durchbrechen -- mit der Klopfstange beseitigen, oder gar
faustgroe Reilcher, deren blauer Rauch ihn warnend herbeiruft, mit
einem Rasenstck heilen. So hat er Tag und Nacht keine Ruhe und mu diese
wie der Schiffer in bestimmte Wachen teilen. -- Ein aufregender Genu ist
es, am Abend dem Fllen der brennenden Meiler zuzusehen: im Widerschein
der hell aufleuchtenden Kohlenglut hantieren die ruigen Gestalten, vom
Rauch umwirbelt, hastig an und auf dem oben geffneten Meiler. So viel
dieser nmlich am Tage herunter brennt, um so viel mu er eine Woche
hindurch jeden Abend wieder mit Holz gefllt werden. Der Khler legt den
Steg, einen dicken, langen Knppel mit eingehauenen Stufen, am Meiler
hinauf, besteigt ihn, schaufelt Bewurf und Decke von der eingesunkenen
Haube, stt mit der Fllstange die Kohlen nieder, treibt das Holz, das
ihm die Gehilfen zureichen, mit dem Wehrhammer ein und schtzt die Haube
wieder durch Decke und neuen Bewurf: alles in grter Eile, denn je
lnger der Meiler offen brennt, um so mehr Kohlen werden zu Asche. --
Wenn die Verkohlung beendet ist, so eimert sich der Meiler, d. h. der
ganze Erdbewurf wird glhend, -- ein schauerlich-schner Anblick in
dunkler Nacht.

[Illustration: Abb. 55. =Schlo Wernigerode.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Die Khlerbucht ist der Waldarbeiterkte gleich, nur ist sie durch einige
Schrnkchen und Vorratskasten mehr fr dauernden Aufenthalt eingerichtet,
und da die Zeltgenossenschaft weniger Kpfe zhlt, so knnen sich alle,
der Meister zur Rechten, die Gehilfen zur Linken und die Buben oder
Haijungen im Hintergrunde, etwas wohnlicher einrichten. Die Hillebille
(von hille d. i. rasch und Bell d. i. Glocke), ein zwischen zwei Bumen
in der Schwebe hngendes Buchenbrett mit hlzernem Hammer, mit dem sie
ehemals die Kameraden von den entfernten Meilern zu Tisch und im Notfall
alle Berufsgenossen aus betrchtlicher Entfernung mittels
althergebrachter Signale herbeirufen konnten, findet sich heute wohl kaum
noch bei einer Kte.

[Illustration: Abb. 56. =Christianenthal bei Wernigerode.=

(Nach einer Photographie von G. Steinicke in Bremen.)]

[Sidenote: Das Wild.]

Mit den Tieren des Waldes lebt der Khler, dessen Einsamkeit gewhnlich
ein zottiger Hund teilt, in bester Freundschaft: friedlich spielt das
scheue Reh in seiner Nhe, und unbedenklich trabt der vorsichtige Hirsch
durch den Meilerrauch.

Im brigen legt der edle Hirsch (Abb. 20) seine Scheu nur im Winter auf
den Futterpltzen ab, die fr ihn bei den Frstereien, doch auch beim
Waldhuschen am Fortuner Teich, beim Johanneser Kurhause und andernorts
eingerichtet sind. Pnktlich wie die Uhr und nach und nach mit grerem
Vertrauen stellen sich die Tiere einzeln und in Rudeln ein und sttigen
sich an dem duftigen Heu, das ihnen in hlzernen Raufen dargeboten wird.
Verstohlen ugen sie dabei zu uns herber, jeden Augenblick bereit, wenn
wir uns verdchtig zeigen sollten, mit einem khnen Satze den
schtzenden Wald zu gewinnen. Eine neue Schar hungernder Tiere trifft
ein. Sie kommen zum ersten Mal, aus weiter Ferne. Den mageren Leib noch
zwischen den jungen Fichten bergend, schauen sie bald verlangend auf die
gefllten Raufen, bald ngstlich auf die gefrchteten Menschen. Jetzt
tritt hier und da ein Tier vorsichtig einen Schritt vor, die knuspernden,
hier schon heimischen Gefhrten machen ihnen Mut, ein Alttier, weniger
argwhnisch als die Klbchen, wagt sich heran, und nun eilt pltzlich das
ganze Rudel herbei und umdrngt die wohlthtigen Futterstnde. -- Ohne
diese Futterpltze wrde der grte Teil des reichen Wildbestandes
whrend der Schonzeit eingehen, denn Rindenstckchen und Fichtenspitzen
knnen auf die Dauer nicht als Nahrung gengen, und durch das Pltzen
(Scharren) vermag das hungernde Wild bei anhaltendem Winter Grser und
Heidekraut selbst an den Quellen nicht mehr freizulegen. Aber trotz der
ausgiebigsten Ftterung fllt nicht nur manches verwaiste Klbchen,
sondern auch manches stattliche Tier dem Oberharzer Winter alljhrlich
zum Opfer. Auf der hohen Schneelage, die sich bei mildem Wetter gesetzt
hat, bildet wieder einfallender Frost eine harte Eiskruste, und diese
reibt den Tieren binnen kurzem die Lufe wund und blutig. Langsam, das
edle Haupt gesenkt, ein Bild des Elendes, zieht das kranke Wild seinen
Weg, den es sonst im Fluge zu durcheilen gewohnt war; seine Kraft reicht
kaum noch hin, die kranken, mit eiternden Wunden bedeckten Lufe aus dem
harten Schnee, in den sie bei jedem Schritte tief einsinken,
emporzuziehen; es kann den Futterplatz nicht mehr erreichen, verlassen
und hilflos geht es an Entkrftung zu Grunde und wird eine Beute der
Fchse.




                                  VIII.

                           Die Sselandschaft.


[Sidenote: Osterode.]

Die Wasser der Klausthaler Hochebene flieen der Sse, der Innerste und
der Oker zu. Die Sse entspringt als groe und kleine Sse am jhen
Abfall des Bruchberges unter den Sseklippen in der Nhe des Dammhauses.
In raschen Sprngen (Geflle 1 : 14) eilt sie in ihrem tiefen, engen
Thale bis Kamschlacken (410 Meter), wird hier etwas ruhiger und tritt
beim Scherenberge oberhalb Osterode mit einem Geflle von 1 : 60 in das
Land. Von besonderer Schnheit ist ihr Thal von Kamschlacken ber
Riefensbeek bis zur Limpicher Brcke.

Wo die Sse bei ihrem Austritt aus dem eigentlichen Gebirge den Lerbach
aufnimmt, an dem sich, eng und tief zwischen die Berge eingeklemmt, das
gleichnamige groe Eisenhtten- und Waldarbeiterdorf stundenweit bis
unter die Kuckholzklippe und den Heiligenstock hinaufzieht, liegt hart
zwischen dem Harze und einem Hgelzuge freundlich die wichtige
Fabrikstadt Osterode (Abb. 22). Im Jahre 1130 zuerst erwhnt, erhielt der
Ort zwischen 1218 und 1223 vom Pfalzgrafen Heinrich Stadtgerechtsame und
trat im Anfange des fnfzehnten Jahrhunderts -- wo die Stadt, sonst auf
Ackerbau und Handel angewiesen, Mittelpunkt einer bedeutenden
Eisenindustrie ward -- in den Bund der Hansa. Doch war die Blte nur von
kurzer Dauer. Da ihr Handel und Wandel mehrfach vom ruberischen Adel
der Nachbarschaft und von gemeinen Rubern und Strodern (dies ist das
deutsche Wort fr Vagabund) auf dem Harze geschdigt ward, war nicht
das Schlimmste. Der bermtige, trotzige Sinn ihrer Brgerschaft
verwickelte sie in Fehden, deren eine ihr gar die Reichsacht zuzog, und
die langjhrigen Zwistigkeiten jener mit dem Rate gediehen im Jahre 1510
zu offenem Aufruhr und grauenhaftem Morde: die Brger strzten ihren
Brgermeister Freienhagen vom Rathause in die Spiee der untenstehenden,
die seine Leiche schmhlich in Stcke hieben. Zu diesen das Gemeinwesen
schwer schdigenden Vorgngen gesellten sich Verheerungen durch Brand und
Seuchen: am 1. September 1545 ward die ganze Stadt bis auf 46 Huser und
die Vorstdte ein Raub der Flammen, und in die Zeit von 1566 bis 1625
fallen sechs schwere Pestjahre. -- Die Schrecken des dreiigjhrigen
Krieges, Brandschatzungen durch Braunschweiger, Kaiserliche und Schweden,
Belstigung durch die sogenannten Harzschtzen brachten die Stadt an den
Rand des Verderbens. Die schwerste Heimsuchung knpft sich an den Namen
Merode. Vom 17. bis 22. Oktober 1631 legte sich dieser Pappenheimische
General mit acht Regimentern vor die Stadt, forderte 40000 Thaler
Kontribution und lie, als diese Summe nicht gezahlt werden konnte,
sofort seine Geschtze und Mrser spielen, auch die nicht geschtzten
Vorstdte zum schreckenden Beispiel gnzlich ruinieren und ausplndern.
Vergebens bat der Rat um Christi Blutes und Todes willen fufllig um
Gnade, vergebens versuchten die Schulknaben und Mgdlein den harten
Kriegsmann milde zu stimmen, vergebens war die Bitte der Brger, mit Weib
und Kind unter Zurcklassung aller Habe die Stadt verlassen zu drfen.
Die Kirchen wurden erbrochen, das Regierungsgebude ausgeraubt, den
Brgern Wollen- und Leinentuch und andre Ware, auch Pferd und Wagen
genommen, und Merode selbst nahm alles vorhandene Geld, Gold und Silber
als Abzahlung, fr den Rest hafteten die Geiseln, die er mit sich fhrte.

Nach jenem verderblichen Kriege hat sich die Stadt in stetiger und
ruhiger Entwickelung zu einer der ersten Fabrikstdte des Harzes
emporgeschwungen (7100 Einw.).

[Illustration: Abb. 57. =Wernigerode.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Unter der aus Flukieseln erbauten Marktkirche ist die Frstengruft der
letzten Herzge von Grubenhagen, deren Stamm 1596 mit Philipp II.
erlosch, und ihrer Gemahlinnen. Das lteste Gebude ist die mit der zwei
Meter hher gelegenen Schlokirche verbundene sehr starke viereckige
Wegsklause. Eine malerische Gruppe bildet vor dem Johannisthore die Ruine
der landesherrlichen Burg mit ihren in Grten umgewandelten Grben und
der wie jene aus Flukieseln in Gips erbauten Johanniskirche an ihrem
Fue. Wohl von den Grafen von Catlenburg vor 1130 erbaut, ging sie 1143
an deren Erben Heinrich den Lwen ber und diente noch bis 1512 als
Witwensitz der grubenhagenschen Herzoginnen. Jetzt wohnt in dem
epheuumrankten, zur Hlfte abgespaltenen mchtigen runden Turme nur
noch die holde Osterjungfrau, die Wohlthterin der Armen.

[Illustration: Abb. 58. =Rathaus in Wernigerode.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Die Sse, welche in der Stadt das groe Kornmagazin besplt, aus dem die
oberharzischen Bergleute ihr Herrenkorn zu billigem Preise erhalten,
folgt gleich den andern Flssen dieses Harzrandes erst noch eine lngere
Strecke dem Gebirge in nrdlicher Richtung; erst zwischen Badenhausen und
Eisdorf gelingt es ihr, angesichts der Ruinen der Hindenburg und des
Lichtensteins durch eine Lcke im Gipszuge nach Sden zu entschlpfen, um
sich dann, bei Dorste sich westlich wendend, bei Elvershausen in die
Ruhme zu ergieen.




                                   IX.

                         Die Innerstelandschaft.


Die Innerste, der zweite und wichtigste Flu der Klausthaler Hochebene,
hat ihre Quelle in dem auf alten Karten Innerstesprung genannten
Entensumpfe, unfern des Dorotheer Zechenhauses, verstrkt sich durch die
Abflsse der groen Bergwerksteiche, von denen der Brenbrucher, der
Pixheier, der Schwarzenbacher, der Ziegenberger und der Groe Sumpfteich
bei Buntenbock die bedeutendsten sind, sammelt ihre Wasser in dem schn
gelegenen, 477000 Kubikmeter fassenden Prinzenteiche bei der Ziegelhtte
und schlgt in einem von hier ab deutlich ausgeprgten Thale nrdliche
Richtung ein. Wo ihr der Zellbach die Wasser von 19 Teichen von rechts
zufhrt, wirbelt die Klausthaler oder Frankenscharner Silberhtte ihre
Rauchwolken verwstend in die Luft.

[Sidenote: Rauchblen.]

Wenn wir uns einer im Walde oder in der Nhe desselben belegenen
Silberhtte, nicht blo der Klausthaler, nhern, so fllt es uns auf, da
die Fichten an den Berghngen statt des normalen Grn ein eigentmliches
Blaugrau oder ein schmutziges Dunkelgrn, oder hufiger noch ein ganz
helles Gelbgrn zeigen. Und treten wir, um ihn nher zu betrachten, an
einen solchen Baum heran, so finden wir neben normalgrnen fahle,
mifarbige, gelb-, trocken-, rotspitzige und ganz rote Nadeln; je nher
wir der Htte kommen, desto mehr nimmt diese Entfrbung von Grn in Rot
zu, und da die roten Nadeln meist abfallen, so berzieht eine hohe, lose
Nadelschicht den Waldboden, die Bume werden fast kahl, die ste und bei
jngeren Bumen auch der Stamm dunkel bis kohlschwarz, die ste trocken,
die Kronen licht, und noch ehe wir die Htte erreichen, endet der Wald
mit weit auseinanderstehenden, ganz dnn benadelten Baumkrppeln, die
aussichtslos den letzten Kampf um ihr Leben kmpfen.

[Sidenote: Waldvergiftung.]

In unmittelbarer Nhe der Htte aber wchst weder Baum noch Strauch noch
Grashalm. Diese Rauchble der Klausthaler Htte umfat 200 Hektar
frheren Waldboden gegen 10 Hektar im Jahre 1750. Daran schlieen sich
aber noch 180 Hektar stark beschdigte Bestnde mit sprlicher Heide und
kmmerlichem Grase. Wie von dem vllig vegetationslosen Blenterrain,
dessen zusammenhaltende Grasnarbe lngst weggeruchert ist, der Boden
bis auf den letzten Rest von den Regengssen abgesplt wird, so da
demnchst nur der nackte Fels erhalten bleibt; so werden die jetzt
lckigen Bestnde allmhlich in vollstndige Blen bergehen und die
mig und schwach geschdigten nacheinander lckig werden. Aber da die
klimatischen Verhltnisse und die Terrainbildung dieselben bleiben, so
wird wenigstens das Gesamtschdigungsgebiet sich schwerlich noch
vergrern.

[Illustration: Abb. 59. =Das Frankenfeldsche Haus in Wernigerode.=

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

Was den Wald vergiftet und ttet, ist nicht etwa der metallische
Flugstaub, den die Htten im Httenrauch in die Luft senden. Der schadet
wohl dem Rindvieh, das in der Nhe der Htten weidet -- der zuweilen
tdliche Kopfjammer ist eine Bleivergiftung; der ruft auch bei
Hirschen, die dort sen, die abnormen Geweihbildungen hervor, die wir in
den Harzer Forsthusern mit Verwunderung betrachten; und die
halbgelhmten Drosseln und Finken, die wir im Herbste kraftlos von einem
Steinhaufen an der Chaussee zum andern flattern sehen, haben sich an den
mit feinem Bleistaub bedeckten, verlockenden Vogelbeeren den Tod geholt.
Aber das Gift, das den Pflanzen durch den Httenrauch zugefhrt wird, ist
die schweflige Sure. Wie die Chausseebume bei Silbernaal zeigen, ist
die schdliche Wirkung dieser Sure bei den Laubbumen bedeutend geringer
als bei den Nadelbumen, denn whrend das im Rauch erkrankte Laubblatt
bald durch ein gesundes ersetzt wird, summiert sich in den Nadeln die
Schdigung fr mehrere Jahre. Nach den gemachten Erfahrungen und
angestellten Versuchen sind die Eiche und die Ahornarten am
widerstandsfhigsten, und nur mit dem Eichenniederwalde kann der
Verwstung mit Erfolg Halt geboten und dann vom Bestandesrande aus auch
den Rauchblen schrittweise wieder Terrain abgerungen werden.

[Sidenote: Metallaufbereitung.]

Ehe wir in die Httengebude eintreten, werfen wir einen kurzen Blick in
die oberhalb des Httenbahnhofes terrassenfrmig aufsteigende
Aufbereitungsanstalt, die grte der Welt. Oben beim Ottilischacht
beginnend, wo bis vor kurzem die mit Erz gefllten Eisenksten
unmittelbar aus den Schiffen 400 Meter hoch gehoben und gestrzt wurden
und jetzt die Wagen der elektrischen Bahn, welche die Erze des
Burgsttterzuges herzufhrt, entladen werden, nehmen wir die entsetzlich
prasselnden Steinbrecher und weiter die Walzwerke (zur Zertrmmerung) und
Trommeln (zur Klassierung, Sonderung nach dem spezifischen Gewicht) in
Augenschein, durchwandern die Sortierhuser, wo das Klauberz durch der
Pochknaben flinke Hand in Bleiglanz, Blende, Kupfer- und Schwefelkies,
Pocherz und Berg geschieden wird, die Pochwerke, wo 176 je 180
Kilogramm schwere eiserne Stempel mit ihrem sthlernen Schuh die Erze
in Tiegeln aus Hartgu unter so entsetzlichem Lrme zerschmettern, da
man auch den lautschreienden Nachbar kaum versteht, sehen dann Stoherd,
Setzmaschine und Kehrrad arbeiten und treten durch die Schlammwsche
wieder ins Freie.

[Illustration: Abb. 60. =Markt und Rathaus in Halberstadt.=

(Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin.)]

Auch auf der Htte steigen wir zunchst in die oberen Rume, sehen hier
die Schliechvorrte der einzelnen Gruben lagern und abwgen, dann nieder
steigend auf der Gicht die Beschickung der fen (Schliech,
Niederschlagsmaterial, Flumittel) und im Httengebude selbst von den
von den blulichen Flammen umzuckten und umspielten fen die glhenden
Metallmassen zischend und wieder aufwallend in die kesselartigen
Vertiefungen strmen, die Kruste des Bleisteins herausheben und das
Werkblei in lange, schmale Formen fllen und nehmen zum Schlu, mit dem
Silberblick auf Lautenthal vertrstet, auf dem Httenhofe die Rstung des
Bleisteins, die jenen die Vegetation zerstrenden Httenrauch
hinaussendet, in Augenschein (Abb. 21).

[Illustration: Abb. 61. =Halberstadt.=

(Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin.)]

[Sidenote: Grund. Wildemann. Lautenthal.]

Weiter der Innerste folgend, gelangen wir unterhalb des Silbernaals an
die Stelle, wo der Flu einen Teil seiner Wasser den Gruben bei Grund
durch den den Bauersberg durchsetzenden Schultestollen zusendet.

In ein nach oben sich verzweigendes, aber nur nach dem Lande zu offenes
Thal eng und geschtzt eingebettet, ist die Bergstadt Grund (Abb. 24) der
lteste der oberharzischen Kurorte, bt aber, nur durch einen rings umher
laufenden, meist stark ansteigenden grnen Wiesenstreifen vom frischen
Laub- und Nadelwald getrennt, durch die Anmut seiner Lage und die
Schnheit seiner Umgebung noch immer seine alte Anziehung aus. Obwohl nur
etwa 300 Meter hoch und fast am Rande des Oberharzes gelegen, erhlt es
durch die einschlieenden Berge, namentlich durch den fast jh
aufsteigenden Iberg (das ist Eibenberg) wirklichen Gebirgscharakter.
Unsern Weg zu diesem 562 Meter hohen Korallenriff nehmen wir ber den
Hbichenstein und die Tropfsteinhhle. Jener ist der 40 Meter hohe
feinkrnige Kalksteindoppelfelsen, unter dem der wohlthtige Zwergknig
Hbich, der verzwergte Wuotan, seine reichen Schtze bewacht; diese
enthlt eine ganze Reihe schner Gebilde, von denen der versteinerte
Wasserfall am berzeugendsten wirkt; in der Nhe seines Einganges steht
die einzig briggebliebene Gruppe alter Eiben (Taxus), von denen der Berg
seinen Namen hat. Von der Plattform des die hohen Buchen berragenden
Holzturmes berblickt man einen Teil des westlichen Oberharzes, vor allem
aber ber das zu den Fen im Grunde liegende Stdtchen hinaus die
welligen Hgellandschaften bis zum Turmberge bei Hackenstedt und
Griesberge bei Almstedt im Norden und den die Kahle Zelle bei Grnenplan
berragenden Wesergebirgen im Westen und dem Herkules und Meiner und den
Thringer Bergen im Sden.

Ein bequemer Abstieg fhrt uns ber den Schweinebraten zurck in das
sich immer tiefer einschneidende Innerstethal. In eine halbkreisfrmige
Krmmung desselben und in das hier mndende Spiegelthal liegt Wildemann
(Abb. 23), die kleinste der sieben Bergstdte, hart eingeklemmt. Die
Berge steigen unmittelbar hinter den Husern so steil an, da das duftige
Heu der Bergwiesen nur in Sumen auf dem Rcken von den Frauen
eingeschafft werden kann, und da vor einigen Jahren ein Ri am Berge
eine Huserreihe in die Innerste zu schieben drohte. Bei der Linde vor
dem Rathause, die nach der Inschrift der wilde Mann hchst eigenhndig
gepflanzt hat, erinnern wir uns daran, da der zum Sinnbild des Harzes
gewordene Wildemann, der die Moosweibchen (die Wolken) jagt, mit dem
Sturmgott Wuotan, dem wilden Jger, identisch ist.

Da die Innerste das Gebirge in widersinniger Richtung zerreit, so
bietet ihr in seinen Windungen so abwechselungsvolles Thal neben dem
Flubett kaum Platz fr die Fahrstrae, schon die Eisenbahn hat sich
durch und in die Felsen graben mssen. So sind denn auch Siedelungen an
ihr, selbst die Zechen- und Forsthuser und Sgemhlen, nur da mglich
gewesen, wo durch Einmndung eines Baches eine Thalerweiterung entsteht.
Die Berge um Lautenthal (Abb. 25) sind noch hher als bei Wildemann, aber
die nur noch 300 Meter -- 125 Meter tiefer als diese -- belegene Stadt
konnte sich etwas behbiger ausbreiten: die Straen ziehen sich im Thale
der Laute und auf einem mhlich steigenden Berghange auf dem rechten Ufer
ziemlich weit hinauf. Von der Hhe ber der Prinze Karoline, die der
schne Fuweg ber die Schildaukte nach Seesen erklettert, hat man einen
groartig schnen Blick auf die Stadt.

Bei Langelsheim, wo -- wie in Lautenthal -- eine Silberhtte dampft,
tritt der Flu durch eine majesttische Gebirgspforte in das Vorland. Bei
niedrigem Wasserstande erscheint sein Wasser schon hier fast
durchsichtig; der giftiges Bleioxyd fhrende Pochsand hat sich im
kiesigen Flubett nach und nach niedergeschlagen. Rhrt aber Hochwasser
diese Schlammmassen auf und reit sie brausend mit fort, dann ist die
Innerste eine graue, dicke Flssigkeit, und wo sie ber ihre Ufer steigt,
lagert sie unglaubliche Mengen des feinen Pochsandes auf Wiesen und cker
im unteren Innerstethal ab.

Auf ihrem linken Ufer eilt der Innerste das Flchen Neile zu, die das
Schlachtfeld von Lutter und die Heimat des sagenhaften Thedel von
Wallmoden Unverfehrt besplt.

[Illustration: Abb. 62. =Inneres des Domes zu Halberstadt.=

(Nach einer Photographie von Rmmler & Jonas in Dresden.)]

Lngeren Laufes und wasserreicher als die Neile, die bei der
Darmpfuhlsmhle mndet, ist die Nette, welche der Innerste alle Wasser
zufhrt, die von dem hohen Bergzuge auf dem linken Ufer dieses Flusses
bei Wildemann nach Westen rinnen. Am hchsten greift der Pandelbach, die
alte Grenze zwischen Engern und Ostfalen, zwischen Mainz und Hildesheim,
hinauf; seine Quelle liegt an dem allen Harzwanderern bekannten Keller,
einem haustief in das brcklige Gestein steil eingeschnittenen schmalen
Hohlwege, auf dem einst den Walkenrieder Htten im oberen Nettethal die
Rammelsbergschen Erze zugefhrt wurden. Welch ein beschwerlicher Umweg!
Aber die Gegend zwischen Langelsheim und Hahausen war ehemals -- und noch
zur Zeit der Schlacht bei Lutter -- ein unpassierbarer Sumpf.

[Sidenote: Mnchehof. Kirchberg.]

Bei Mnchehof (das ist Hof der Walkenrieder Mnche) tritt der Pandelbach,
in dessen klaren Wassern das ppige Buchengrn flimmernd sich spiegelt,
aus dem Oberharze heraus. Gleich darauf besplt der verstrkte Bach das
alte, aber auen und innen modernisierte Schlo Kirchberg, das mit seinem
Burggraben und seinem von prchtigen Baumgruppen begrenzten Schloteiche
sich von dem fruchtbaren Gefilde gar ausdrucksvoll abhebt. Nach ihm
benannten sich Heinrichs des Jngeren legitimierter Sohn Heinrich
Theuerdank und dessen Mutter Eva von Trott.

Die nicht bedeutenden Ruinen der Staufenburg -- namentlich ein dicht von
Epheu umwobener zerspaltener Turm und Reste des Eingangsthores, vor dem
eine mchtige Linde von hohem Alter steht -- finden sich auf einem Kegel,
der aus dem buchenbestandenen Muschelkalkzuge, der den Oberharz im Westen
in geringem Abstande begleitet, wenig auffllig hervorragt. Hervorragende
Bedeutung fr die Kulturgeschichte des Oberharzes erhielt die Burg, als
1505 hier die Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbttel ihren
Witwensitz nahm und dem Bergbau ihre ganze Liebe zuwandte. Um sich an der
sich mehr und mehr ausdehnenden Montanindustrie zu erfreuen, besuchte sie
gar oft persnlich den rasch aufblhenden Ort im Grunde, dessen Kapelle
sie zur Pfarrkirche erhob. In ihre Fustapfen trat 1521 ihr Grosohn und
Erbe, Herzog Heinrich der Jngere. Mochte ihn vielfach auch die Sehnsucht
nach seiner geliebten Eva, an deren Statt er eine ausgestopfte Puppe nach
fein gespielter Todeskomdie mit Sang und Klang in Gandersheim hatte
begraben lassen, nach der Staufenburg ziehen, wo sie in stillster
Einsamkeit, mehr einer Gefangenen als einer frstlichen Geliebten
hnlich, ihre Jugendjahre verlebte; so besuchte er doch auch spter, als
er 1541 Eva mit ihren Kindern nach der festeren Liebenburg geschickt
hatte, hufig die Staufenburg, um von hier aus seine neu entstandenen
Bergstdte Zellerfeld und Wildemann, deren Gruben und Htten in
Augenschein zu nehmen. -- Von seinen Nachfolgern aber hat keiner auf der
verschwiegenen Burg auch nur vorbergehend residiert. So verfiel sie nach
und nach, und 1778 fand man den Aufenthalt in dem alten Gemuer selbst
fr die Gefangenen und deren Wrter zu lebensgefhrlich.

[Illustration: Abb. 63. =Michaelstein.=

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

Die Nette, welcher der Pandelbach und mehrere andre grere und
zahlreiche kleine Bche ihr Wasser zufhren, entspringt am Netteberge bei
Herrhausen. Ihr Gebiet fhrt -- sogar noch im Volksmunde -- den Namen
Ambergau.

Von rechts nimmt die Nette die aus dem Oberharze kommende Schildau auf.
Der Weg von der Schildaukte am Fue des Schildberges, der die
unbedeutenden Ruinen einer vom Grafen Hermann von Winzenburg um 1148
erbauten Burg trgt, auf dem Forellenstieg an dem schumenden Flchen
hinunter ber den Grnen Jger nach Seesen gehrt zu den schnsten im
ganzen Harze.

[Sidenote: Seesen.]

Seesen, in den Friedensverhandlungen zwischen Heinrich dem Znker und den
schsischen Groen 984 zuerst erwhnt, hat erst nach Anlage der
Eisenbahnen, die von ihm strahlenfrmig nach fnf Seiten laufen,
krftigen Aufschwung genommen und weniger begnstigte Stdte raschen
Schrittes berholt. Unter den wenigen alten Husern, welche die hufigen
Feuersbrnste berstanden haben, ist auer dem frheren Schlosse kaum ein
architektonisch bedeutsames.

Obwohl Seesen in einer Hhe von nur 219 Meter am Rande des Oberharzes
liegt, fhlt und glaubt man sich hier mitten im Gebirge, denn die Hhen,
welche den Ambergau im Westen begrenzen, und die Berge, welche von
Hahausen das rechte Netteufer begleiten, erscheinen dem Auge fast von
gleicher Hhe wie der eigentliche Harz. Mit besonderem Wohlgefallen aber
ruht es auf dem Bergzuge des Heber, dessen helles Laubgrn zu dem
gegenberliegenden dunkeln Harzwalde einen freundlichen Kontrast bildet.
Gleich einem verwitterten, halb zertrmmerten Felsen ragt aus den hohen,
schlanken Buchen ein altes Gemuer hervor und berschaut wie ein
Herrschersitz den Gau thalauf und -ab. Es ist die Ruine der Burg
Woldenstein, der Sage nach die Heimat des vom heiligen Bernward, seinem
Verwandten, erzogenen gelehrten Bischofs von Meien (1066-1106) und
eifrigen Bekehrers der Wenden, des vom Papste Hadrian VI. 1523 heilig
gesprochenen St. Benno. Aber die Burg ist erst 1295 von den Grafen von
Woldenberg erbaut. Ihr Ende fand sie 1519 in der verwstenden
Stiftsfehde.

[Illustration: Abb. 64. =Mnchseiche bei Michaelstein.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Der Nette folgend, treten wir bei Rhden, wo aus den oberen Schichten des
bunten Sandsteins eine schwache Sole quillt, in die Gegend des erst
einige Jahrzehnte alten, aber lohnenden Kalibergbaues ein, der von hier
den Nordrand des eigentlichen Harzes im Halbbogen umzieht.

[Sidenote: Bockenem.]

ber die durch ihre geschmackvollen Guwaren rhmlichst bekannte
Wilhelmshtte und die durch Steinbrche zerwhlte Sttte der Pfalz
Knigsdahlum gelangen wir nach Bockenem, der anmutig gelegenen, alten
Hauptstadt des Ambergaues, die von den Grafen von Woldenberg, deren
Wappen sie noch heute fhrt, schon im Jahre 1300 Stadtgerechtsame
erhielt. Nach den groen Feuersbrnsten von 1685 und 1847 arm an
altertmlichen Bauwerken, macht doch die vom Fluufer sanft aufsteigende
Stadt mit ihren breiten, sauberen Straen und behbigen Brgerhusern,
ihrem gerumigen, mit Linden bepflanzten und von zwei Kirchen begrenzten
Marktplatze einen wohlthuenden Eindruck. Weit blickt der mchtige 60
Meter hohe Turm der Pancratii-Kirche, dessen unterer, festungsartiger
Teil wohl noch aus der Zeit Ludwigs des Frommen stammen mag, rings in die
Lande hinaus. Im Innern des einfach-schnen Gotteshauses, einer
dreischiffigen, gotischen Hallenkirche, fallen besonders die sehr alten
aus Holz geschnitzten Standbilder der Apostel und der heiligen Jungfrau,
welche -- lange unter Steingerll begraben -- vom Professor Ksthardt
kunstverstndig renoviert, das in Formen der Sptrenaissance reich
dekorierte messingene Taufgef und das von dem aus Bockenem stammenden
Maler Nepperschmidt herrhrende Wandgemlde der barmherzige Samariter
ins Auge. In ihrer Nhe liegt das einzige Fachwerkhaus aus dem
sechzehnten Jahrhundert, die alte Generalsuperintendentur; im Winter 1626
diente sie Tilly als Hauptquartier.

[Illustration: Abb. 65. =Burg Regenstein.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Schlo Sder.]

Vom Dorfe Werder aus, nach dessen Burg sich das Dynastengeschlecht der
Grafen von Werder und spter ein Zweig der Woldenberger schrieb,
ersteigen wir auf bequemem Waldpfade den Weinberg, der uns bis dahin das
Schlo Sder verdeckte. Da, wo die Bockenem-Hildesheimer Chaussee vom
Dorfe Nette aus die Hhe des Weinbergs in Schlangenwindungen erklettert,
hat man einen groartig schnen Blick ber die wellenfrmige Bockenemer
Ebene auf das Harzgebirge: auf den ppig bewaldeten Muschelkalkzug der
Nauer Berge und der Osterkpfe trmen sich terrassenfrmig die dunklen
oberharzischen Berge von Lautenthal, Goslar und Klausthal auf, und ber
sie alle schaut aus weitester Ferne der Vater Brocken mit dem Knigsberge
herber, oft noch weigelockt, wenn hier schon alles grnt und blht, oft
auch im Strahl der scheidenden Sonne mit flammenumspieltem Scheitel.
Wirkungsvoller als dieser ist kein andrer Blick auf den Harz.

Eine viertelstndige Wanderung durch stattlichen Buchenwald fhrt uns
nach dem Schlosse Sder (Abb. 26). berraschend schn liegt es inmitten
seines herrlichen Parkes mit blinkenden Teichen, prchtigen Baumgruppen
und sammetartigen Rasenflchen. Anfang des vorigen Jahrhunderts war
dieses Schlo des kunstsinnigen Domherrn Moritz von Brabeck der
Sammelpunkt berhmter und hochstehender Personen; von seinen Gsten nenne
ich nur C. von Strombeck, den Freiherrn zum Stein, Graff und Iffland,
Karoline von Humboldt und Marie Krner; auch die Knigin Luise von
Preuen war hier im Jahre 1805.

[Sidenote: Schlo Derneburg. Der Woldenberg.]

Bildet Sder mit seiner Flur eine stille, liebliche Waldoase, so blickt
das Schlo Derneburg (Abb. 27), der Familiensitz des Frsten Mnster,
frei ins Land hinaus. Gar wirkungsvoll heben sich die rotbedachten
Schlogebude mit ihren vielen Trmchen vom dahinter aufsteigenden
buchengrnen Donnersberge ab.

[Illustration: Abb. 66. =Schlo Blankenburg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Ein noch fahrbares Stck der mittelalterlichen Augsburger Strae
benutzend, ersteigen wir von dem Marktflecken Holle aus, der Heimat des
Ritters Berthold von Holle, der als der erste in diesem Teile
Deutschlands im Anfange des dreizehnten Jahrhunderts in deutscher
(hfischer) Sprache dichtete, den Woldenberg, den alten Herrschersitz
dieser Lande weit und breit. Dem weitverzweigten Grafengeschlecht der
Woldenberger, dessen Stammvater Ludolf vom Kaiser Lothar ausdrcklich zu
den Frsten gezhlt wird, kam zur Zeit der Staufer in den Harzlanden
kein andres an Macht und Ansehen gleich; im Besitze vieler Burgen und
Schirmvogteien, bten sie den Knigsbann in acht Gauen. Die Seele der
kaiserlichen Partei in Norddeutschland, haben die Woldenberger ihre
Krfte im Kampfe fr die Hohenstaufen verzehrt, und Graf Gerhard, der
Letzte des Geschlechts, starb 1383 ziemlich verarmt.

Vorbergehend Residenz des Frstbischofs, ward der Woldenberg 1641 durch
Kaiserliche teilweise zerstrt, doch konnte die Burg noch anderthalb
Jahrhunderte als Amthaus bewohnt werden, ehe man sie als Steinbruch
benutzte. Vor etwa 50 Jahren ist der hohe Bergfried, aus dem oben die
Bume ihre grnen Arme herausstreckten, vor der weiteren Zerstrung
geschtzt und zu einem herrlichen Aussichtspunkte umgewandelt. Nach allen
Seiten reicht der Blick weit ber Wald und Land, ber fruchtbare Thler
und immer hher sich auftrmendes Gebirge. beraus anmutig leuchtet im
westlichen Vordergrunde das Schlo Henneckenrode (Abb. 28), die Blumsche
Waisenstiftung, mit seinen Teichen ber das Waldgrn hervor, und nicht
weniger herzerquickend ist der Blick auf den mittleren Teil des
Ambergaues mit seinen reichen, gesegneten Fluren, seinen schmucken
Drfern, die sich um die einst woldenbergsche Stadt Bockenem gruppieren.
Wohl erhalten ist auch das von zwei Trmen flankierte Thorhaus, von denen
der eine in Form eines Dreiviertelkreises in den trockenen, in den Fels
gebrochenen Burggraben vorspringt und in seinem Obergescho ein
polygonales, aus Fachwerk gebautes Turmzimmer trgt.

[Sidenote: Der Hainberg.]

An der Felsschlucht unterhalb des Binnenhofs, die uns den Wahlspruch
eines Drosten: _Solitudo solo beatitudo!_ nachruft, vorber, lenken
wir unsere Schritte den lauschigen Wald uralter Eichen und Buchen hinab,
wie man sie in solcher Schnheit nur selten noch zu sehen bekommt, dem
auf scharf abfallendem Felsvorsprunge in stiller Waldeinsamkeit des
Hainbergs belegenen St. Hubertus-Jgerhause zu, an dessen Felsenkapelle
(Abb. 29) sich die Sage von der Bekehrung des heiligen Hubertus, des
Schutzpatrons der Jger, knpft. Das von Knstlerhand zu beiden Seiten
des Altars in die Felswand gehauene Relief -- hier der Hirsch mit dem zum
Kruzifix gewordenen Jagdspie im Geweih, dort auf den Knieen der Jger
mit anbetend erhobenen Hnden, hinter ihm der Knappe mit dem Jagdro, --
stammt nach der an der gegenberliegenden Grottenwand eingehauenen
Inschrift aus dem Jahre 1733; lter ist die arg beschdigte und vom Rauch
geschwrzte Darstellung am ueren Felsen, nach welcher der vom Hirsch
durch eine Schlucht getrennte Hubertus sein Ro selbst hlt.

[Illustration: Abb. 67. =Blankenburg im 17. Jahrhundert= (nach Merian.)]

In etwa einer Viertelstunde erreichen wir vom Jgerhause die
Bodensteiner Klippen, aus dem ppigen Buchenwalde hoch und steil
aufsteigende, kahle Sandfelsen, hnlich der Teufelsmauer bei Blankenburg
und offenbar derselben geognostischen Bildung angehrend. Der Aufstieg
auf eine der zugnglich gemachten Klippen gewhrt bei guter Beleuchtung
der Landschaft hohen Genu.




                                   X.

                           Die Okerlandschaft.


Der dritte Flu der Klausthaler Hochebene, die Oker, das ist reiender
Strom, schlgt dieselbe widersinnige Richtung ein wie die Innerste. Sie
entspringt beim Okerstein am Westabhange des Bruchberges in 800 Meter
Meereshhe, strzt bis Altenau 320 Meter in einem Querthale steil herab
und vereinigt sich innerhalb der Stadt mit der kleinen Oker, der jetzt
Schneid- das ist Grenzwasser genannten Altenah und dem durch den
Rotenbach verstrkten Gerlachsbach.

[Illustration: Abb. 68. =Blankenburg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Eine Oase im grnen Waldmeere, liegt die jngste Bergstadt Altenau, --
fast nur auf einer Seite von einer blumenreichen Wiesenflur, die aber
einen steilen Berg darstellt, begrenzt, in die schtzenden Thler
eingesenkt. Prchtige Spaziergnge namentlich den Dammgraben entlang, der
den Bruchberg in Schlangenwindungen umzieht, ein herrlicher Blick ber
den ganzen Westharz von der Wolfswarte, vor allem aber der groartig
schne Weg ber den Nabenthaler Wasserfall und an der Steilen Wand hin
nach dem Torfhause fesseln gleichmig den Sommerfrischler wie den
Harzwanderer. Den Ahrendsberg mit seinen Klippen, einen Glanzpunkt des
Harzes, ersteigen wir am besten von dem unterhalb der Htte
gelegenen Gemkenthal auf dem Wege nach Harzburg.

[Illustration: Abb. 69. =Dorfstrae in Schierke.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Romkerhalle.]

Sich windend und krmmend zwngt sich die durch das Weiewasser, durch
Kellwasser und Kalbe und kleinere muntere Bche verstrkte Oker nach
Norden durch eine enge Spalte festen, weien Granits. Schumend umtanzt
sie die Granitbrocken, die ihr den Weg versperren mchten; umspielt den
Jaspisfelsen der hellschimmernden Birkenburg; finster blickt der
Ahrendsberg hernieder; wunderbare Felsgebilde, manche durch eine einzelne
Fhre oder durch eine kleine Gruppe dieser Harzceder ausdrucksvoll
bezeichnet, schauen von den fichtendunklen Hhen herab, wie der Mnch,
der groe Kurfrst, die Madonna, Zieten, der schlafende Lwe; groartiger
aber noch sind die Granitkolosse am Wege nach Harzburg, die sich nicht in
den Vordergrund drngen: die Grotte und die Mausefalle, diese
unheimlichen Bauwerke der Natur, die jeden Augenblick zusammenzubrechen
drohen, die Hexenkche und die Bastei der Kste. Die interessanteste
und wildeste Strecke des Okerthals ist die vom Gasthaus Romkerhalle, wo
von rechts die Romke mit etwas Nachhilfe in drei Abstzen 65 Meter hoch
vom buntgebnderten Felsen springt (Abb. 30), von ferne gesehen einem
herabhngenden breiten Silberbande nicht unhnlich, und die zerschumten,
zersprengten und zerstubten klaren Wasser in dem der buntgemischten,
allstndlich sich erneuernden Gesellschaft erfrischende Khle
zuhauchenden Becken zu sammeln sucht, bis abwrts zum Waldhause am Beginn
des Goslarschen Fuweges: im frhen Mittelalter fhrte kein Weg neben dem
Flusse herauf, und die spter hergestellte gefhrliche Fahrstrae hielt
sich streckenweise in respektvoller Entfernung; erst um 1860 ist ihr
durch Sprengung der Felsen berall Raum neben dem Flubett geschaffen;
groartige neue Bilder erschliet aber der Fuweg durch das bisher
unzugngliche Klippengewirr zur Linken, an dem der Harzklub eifrig
arbeitet.

[Illustration: Abb. 70. =Schierke.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

An majesttischer Schnheit lt sich mit dem Okerthale nur das Bodethal
in Parallele stellen; wem der Preis gebhrt, ist nicht zu sagen. Sind
die Bodefelsen khner gestaltet, wilder, schroffer, aber durch das helle
Buchengrn doch gleichsam warm abgetnt, so wird der Ernst der weniger
jhen, aber immerhin trotzig und mehr in Einzelgestalten
herausspringenden Okerfelsen durch das dstere Tannengrn der mchtigen
Bergwnde, von denen sie sich krftig abheben, stimmungsvoll verstrkt:
verschieden wie die Meisterwerke zweier groer Maler, aber gleich in
ihrem bestrickenden Eindruck auf Sinn und Gemt.

Auf der 14 Kilometer langen Strecke von Altenau bis zu dem groen
Httenorte Oker, wo der Flu in 210 Meter Meereshhe in das Land tritt,
hat er ein Geflle von 1 : 52.

[Sidenote: Goslar.]

Zwischen dem Sudmerberg, auf dem eine alte Warte weithin die Straen
berblickt, und dem Petersberge, auf dem oberhalb der Klus, eines vom
groen Christoph als Sandkorn aus dem Schuh geschtteten Felsen mit
eingehauener Kapelle, die Grundmauern des Petersstiftes blogelegt sind,
eilt der Innerste die beim Auerhahn entspringende Gose zu, nach der
Goslar (Abb. 32) seinen Namen fhrt.

Die erste Bltezeit dieser Kaiserstadt (die 979 zum erstenmale urkundlich
genannt wird) schliet mit dem Ende der Staufer. Ihres Glanzes als
Residenz nach und nach entkleidet, gewann sie doch bald unter den Stdten
der Hansa einen festen, Achtung gebietenden Stand. Von grundlegender
Bedeutung war die Erlangung der vollen Selbstndigkeit: im Jahre 1290
traten ihr die Grafen von Woldenberg die Reichsvogtei ab: an die Stelle
des Woldenbergischen Dienstmannes trat nun der stdtische Vogt, an die
Stelle der Grafen selbst ein von der Stadt auf bestimmte Jahre gewhlte
Schutzherr; bald darauf ward auf Grund der von den Kaisern verliehenen
Rechte und der alten Weistmer (Gerichtsentscheidungen) das Rechtsbuch
entworfen, das als Goslarsches Recht in vielen Stdten Eingang fand, so
da der Rat zu Goslar der Oberhof fr ein ganzes Land wurde. Mit Geschick
und Nachhaltigkeit wute sie auch den freien Stiftern in und vor ihren
Mauern wertvolle Rechte abzugewinnen und sich in den Besitz der vom
Bergbau zu zahlenden Vogteigelder zu setzen. Ihren nach Flandern, Wisby
und Nowgorod reichenden Handel schtzte sie durch ihre Bndnisse mit den
benachbarten Stdten, durch ihre Freundschaft mit den Bischfen von
Hildesheim und den Herzogen von Braunschweig, durch Erwerbung des
Pfandbesitzes der sie einengenden Burgen. Im Anfange des sechzehnten
Jahrhunderts, wo sie Luthers Reformation annahm, hatte Goslar, eine der
acht frnembsten von allen Erbarn- Frey- und Reichs-Stdten, den zweiten
Hhepunkt der Entwickelung und Wohlstandes erreicht. Ihre
Befestigungswerke waren verstrkt und Wlle und Trme mit grobem Geschtz
reichlich ausgestattet. 40 gottesdienstliche Sttten zeugten vom frommen
und wohlthtigen Sinne der Brger.

Trotz und bermut gegen ihren Bergherrn knickte die zweite Blte der
Stadt gewaltsam, brach ihre Macht fr alle Zeiten. Im Jahre 1235 hatte
Friedrich II. dem Herzog Otto dem Kinde den kaiserlichen Bergzehnten und
damit das volle Bergregal erblich zu Lehen gegeben, und Ottos Sohn
Albrecht als Bergherr 1271 die lteste Bergordnung des Harzes erlassen.
1375 waren dann Zehnten und Berggericht in den Pfandbesitz des Rates der
Stadt gekommen, der mehrfach, zuletzt noch 1509, die Pfandsumme erhhte,
um die Einlsung zu erschweren. Der energische Heinrich der Jngere aber,
der eifrige Bergmann im Oberharz, kndigte der Stadt die Pfandschaft und
zahlte die mit Hilfe der vermittelnden Stdte Magdeburg und Braunschweig
auf fast 25000 rheinische Gulden fr seine Hlfte festgesetzte Pfandsumme
trotz ihres Widerstrebens aus und lie sich auch von seinem Vetter
Philipp von Grubenhagen dessen Hlfte der Pfandschaft abtreten. Da
weigerte sich die Stadt, den Herzog als Bergherrn anzuerkennen und seinem
Berggericht sich zu fgen, stellte trotzig den ganzen Bergbau ein,
ergriff die Waffen gegen den in Riechenberg lagernden Herzog und
verwstete am 22. Juli 1522 alle innerhalb der Landwehr belegenen
geistlichen Stiftungen, das berhmte Petersstift, das reiche Kloster
Georgenberg und die Kirche des heiligen Grabes. Doch gewann Goslar
infolge der Verwickelungen des Herzogs in die groen Hndel der Zeit und
seiner Gefangennahme in der Schlacht bei Calefeld noch einmal eine kurze
Frist. Im Jahre 1552 fand Heinrich endlich Zeit, mit Ernst gegen Goslar
vorzugehen. Und so bermtig die Reichsstdter einige Jahrzehnte zuvor
gewesen waren, so demtig zogen sie nun nach Riechenberg hinaus und baten
um Frieden. In diesem Vertrage zu Riechenberg mute der Rat mit seinen
Zugestndnissen weit ber das frher vom Herzog Geforderte hinausgehen,
diesen auch zum Erbschutzherrn annehmen und ihm den grten Teil der
Forsten abtreten. Mit der Selbstndigkeit der Stadt war's fr immer
vorbei, und der Bergbau am Rammelsberge gehrte fortan den Herzgen von
Braunschweig.

[Illustration: Abb. 71. =Braunlage.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Zu Ende des dreiigjhrigen Krieges, der auch noch den Handel der im
Rckgange begriffenen Stadt lahm legte, war die Kmmerei tief verschuldet
und die durch die Pest gezehntete Brgerschaft entkrftet. Eine
verheerende Feuersbrunst von 1728 fhrte zu weiterer Verarmung, so da
Goethe sie 1777 die vermodernde Reichsstadt und der sptere Minister von
Schn, der sie 16 Jahre nach der Feuersbrunst von 1780 sah, die 244
Gebude in Asche legte, sie einen sehr kleinen, traurigen,
menschenleeren Ort mit einem Magistrat von 99 Personen (wobei er die 55
Gildevertreter mitzhlt) nennen konnte. Die Kuflichkeit ihrer Justiz war
sprichwrtlich, die in hohem Grade verarmte Brgerschaft wurde vom
kleinlichsten Zunft- und Kastengeist beherrscht.

Der bergang an Preuen im Jahre 1802 legte den ersten Grund zu neuem
Aufschwung: die Landstadt Goslar erhielt das bedeutende Vermgen der
reichsunmittelbaren Stifter zugewiesen, das die Reichsstadt niemals
besessen hatte, und erhielt ein geordnetes Kirchen- und Schulwesen. In
der zweiten Hlfte des neunzehnten Jahrhunderts begann dann die Stadt,
namentlich nach ihrem Anschlu an das Eisenbahnnetz, sichtbar frhlich
aufzublhen; und wie der wiedererwachte Sinn fr Geschichte und
Altertumskunde ihr jhrlich einen starken Strom wibegieriger Reisenden
zufhrt, so veranlat ihre schne und gesunde Lage gar manchen auch zu
dauernder Niederlassung. Sie hat jetzt 16400 Einwohner.

Unsern Rundgang durch die Stadt, die uns noch immer ein gut Stck
mittelalterlicher Baukunst vorfhrt, beginnen wir beim Bahnhofe. Zwischen
dem Achtermann aus dem Jahre 1500, einem der vier mchtigen Zwinger des
Rosenthores, und dem Kloster Neuwerk, dessen malerisch im wohlgepflegten
Klostergarten belegene Kirche, eine zweitrmige romanische
Pfeilerbasilika mit Querhaus, um das Jahr 1200 erbaut ist, gelangen wir
durch die enge Fischmkerstrae auf den von zwei Seiten durch
hochinteressante Huser eingeschlossenen Marktplatz.

Am wirkungsvollsten ist die 1494 als Gildehaus der Gewandschneider
erbaute Wort (jetzt Hotel Kaiser-Wort) mit einem auf konsolenartigem
Unterbau vorspringenden achteckigen Mittelturm und vier erkerartigen
Ausbauten. Die acht hlzernen -- vom Sptter Heinrich Heine mit
gebratenen Universittspedellen verglichenen -- aus Holz verfertigten
lebensgroen Figuren, welche in gotischen Nischen zwischen den
rechteckigen Fenstern stehen, werden gewhnlich als acht um Goslar
verdiente Kaiser, vom Professor Ksthardt aber als die acht guten
Helden angesprochen.

[Illustration: Abb. 72. =Hermannshhle. Blaue Grotte.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Das Rathaus, in Heines Augen nur eine wei angestrichene Wachtstube,
besteht aus einer Gruppe einen kleinen Lichthof einschlieender Gebude
aus dem fnfzehnten und sechzehnten Jahrhundert, deren Frontseite auf
einem von achteckigen Pfeilern getragenen Bogengange mit Kreuzgewlbe
ruht (Abb. 31). Durch die ehemalige Gerichtslaube betreten wir die
Rathausdiele, den alten Huldigungssaal; von ihren alten Kronleuchtern
trgt einer der aus Hirschgeweihen gefertigten die schne Inschrift:

                 O goslar, du bist togedan
                 Den hilgen romesken rike
                 Sunder middel (d. i. Falsch) unnd wane,
                 Nicht macstu darvon wiken.

Das jetzt Huldigungszimmer genannte Zimmer mit reichem, wertvollem
Bilderschmuck an Wand und Decke, welcher die Weissagungen vom Messias im
Heidentum durch die Sibyllen, im Judentum durch die Propheten und die
durch die Evangelisten bezeugte Menschwerdung Christi zum Grundgedanken
hat, wird die alte Ratskapelle sein; es enthlt wertvolle Urkunden und
Altertmer, darunter ein prachtvolles, mit farbenschnen Miniaturen
geziertes Evangelienbuch aus dem dreizehnten Jahrhundert, und in der
kleinen Altarconcha, deren Gemlde Christi Leiden und den Heiland als
Weltenrichter darstellen, besonders die silberne Bergkanne, eine
ausgezeichnete Arbeit aus dem Jahre 1477. -- Das wunderlichste Baudenkmal
ist das vom Magister Thalling 1521 erbaute Brusttuch, ein Patrizierhaus
mit trapezfrmiger Grundflche und vllig windschiefem Dache,
Glasmalereien an den gotischen Fenstern und reichem Schnitzwerk --
Ornamenten, Figuren und phantastischen Gestalten -- an Schwellen,
Stndern und Konsolen. Zierlicher und anmutiger ist das 1557 erbaute
Bckergildehaus.

[Illustration: Abb. 73. =Treseburg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Kaiserhaus in Goslar.]

Durch die Breite Strae, die noch hbsche alte Huser mit Erker und
vorgekragtem Obergescho und geschnitzten Balkenkpfen aufzuweisen hat,
gelangen wir an das Breite Thor mit seinen vier starken Trmen und ber
den Annenwall mit seinen Teichen und alten Ulmen an dem 1517 erbauten
dicken Zwinger, der in seinen sechs Meter starken Mauern drei Reihen
Geschtze und 1000 Bewaffnete aufnehmen konnte, vorber auf das
Kaiserbleek. Von dem 1819 fr 4515 Mark auf Abbruch verkauften herrlichen
Dome ist nur die um 1200 angefgte Vorhalle (Abb. 33) mit dem sogenannten
Krodoaltar, einem aus niederschsischer Gieerei hervorgegangenen
tragbaren Altar, und andre von Kaisererinnerungen umwehte Andenken
erhalten. Aber das einst zum Schauspielhause entweihte, dann
glcklicherweise als Kornmagazin benutzte Kaiserhaus (vergl. Abb. 3), in
dessen Thronsaale einst der Sachsen, Salier und Staufer ruhmreicher
Schild hing, blickt als ein Wahrzeichen der Einigung unseres Volkes
wieder hoch und stolz auf die alte Stadt herab, und wieder prangt in dem
48 Meter langen groartigen Reichssaale der auf vier steinernen Kugeln
ruhende metallne Kaiserstuhl, -- im Anfange dieses Jahrhunderts fr 28
Thaler meistbietend verkauft, hat ihn das Vermchtnis des verewigten
Prinzen Karl auf seinen alten Platz zurckgestellt.

Die herrlichen Wandgemlde von der Hand des Professors Wislicenus zu
beschreiben, fehlt hier der Raum; ich mu mich auf Andeutung des
Grundgedankens beschrnken. Das groe Mittelbild der Westwand stellt in
koloristischer und dekorativer Vollendung und genialer Komposition die
Wiedergeburt des Deutschen Reiches im Jahre 1871 dar: Germania mit dem
Antlitz der edlen Knigin Luise reicht dem siegreich heimkehrenden Kaiser
Wilhelm dem Groen am Triumphbogen die Kaiserkrone dar (Abb. 34). Die
sechs Hauptbilder derselben Wand, jedes mit zwei Predellen,
veranschaulichen sechs Akte eines Dramas, die Geschichte des ersten
Kaisertums von Heinrich II. bis Friedrich II.: Heinrich II. wird in der
Peterskirche gekrnt, Heinrich III. fhrt den Papst Gregor VI. gefangen
ber die Alpen, Heinrich IV. bt zu Canossa, Friedrich I. demtigt sich
vor Heinrich dem Lwen, Friedrich I. siegt bei Ikonium, Friedrich II.
empfngt in Palermo eine arabische Gesandtschaft. Die acht Nebenbilder
derselben Wand behandeln im engen Anschlu an die Hauptbilder die
Geschichte des Kaiserhauses.

[Illustration: Abb. 74. =Bodekessel.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Die Gemlde der Sdwand, drei grere (Karl der Groe zerstrt die
Irmensule [Abb. 35], Karls des Groen Sieg ber die Sachsen, seine
Krnung zu Rom, Wittekinds Taufe) mit drei Predellen bilden den Prolog,
die der Vorderwand (Luther zu Worms [Abb. 36], die schmalkaldischen
Bundesgenossen empfangen zusammen das heilige Abendmahl, Karl V. in St.
Just) den Epilog zum Schmuck der Hauptwand; und die Fensterwand ist
Darstellungen aus dem Mrchen (Dornrschen) und der Sage (Barbarossa)
gewidmet.

Von dem Teil des Kaiserhauses, der die kaiserlichen Wohnrume enthielt,
hat nur ein Stck der Grundmauer blogelegt werden knnen, dagegen ist
die an sie grenzende, ehemals zur Feldhterwohnung erniedrigte St.
Ulrichskapelle, ein Meisterstck architektonischen Erfindungsgeistes,
denn sie bildet unten ein griechisches Kreuz, oben ein Achteck, wieder zu
Ehren gebracht, so da sie dem Herzen und den Eingeweiden des groen
Kaisers Heinrich III. eine wrdige Ruhesttte gewhrt. Dem Kaiserbeet ist
jngst durch die bronzene Reiterstatue Barbarossas (von Toberentz) und
das gleichfalls bronzene Standbild Wilhelms des Groen (von Schott) ein
prchtiger Schmuck zu teil geworden.

[Illustration: Abb. 75. =Eingang ins Bodethal.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Von den Kirchen erwhne ich nur noch die ehrwrdige Frankenberger Kirche
mit ihren wieder aufgefrischten groartigen Wandmalereien; am Aufstieg zu
dem bepflanzten Nonnenberge und den in einen hbschen Park umgewandelten
Schieferhalden belegen, durch die sich schattige Spazierwege nach dem
Gosewasserfall und dem durch eine wundervolle Aussicht lohnenden
Steinberge schlngeln, gewhrt sie einen wahrhaft malerischen Eindruck.




                                   XI.

                           Die Oderlandschaft.


[Sidenote: Der Bruchberg-Acker.]

Von der Klausthaler Hochebene, deren Flsse uns bislang als Wegweiser
gedient haben, wird das Andreasberger Dreieck durch den Bruchberg-Acker
abgetrennt. Eine Wanderung den auf dem Kamme des Ackers laufenden Fastweg
entlang wird durch die stetig wechselnden Bilder, die sich bald rechts
nach Klausthal hin, bald links ber Andreasberg auf den Ravensberg und
Jagdkopf (Stberhai) aufthun, zuletzt aber durch den groartigen
Fernblick von den ruinenartigen Felsgruppen, welche sich, von Rentier-
und islndischer Flechte, von Sumpf- und Moosbeere berwuchert, aus dem
Tannendickicht meist nur wenig erheben, der Hanskhnenburg (810 Meter)
und den Seilerklippen (750 Meter), reichlich belohnt. Und welchen Genu
gewhrt eine Fahrt von der Stieglitzecke (828 Meter), wo unfern des
Hammersteins (800 Meter) mit seinem Blick in die schluchtenartigen
Seitenthler jener Fastweg sich abzweigt, auf der Klausthal-Andreasberger
Poststrae nach dem als Sommerfrische rhmlichst bekannten Sonnenberge
und von hier, links abbiegend, der imponierenden Achtermannshhe entgegen
nach dem waldumschlossenen Oderteiche (Abb. 37) und den Rehbergergraben
entlang nach Andreasberg.

Ganz gegen den Charakter des Harzes zeigt sich in dem Dreieck nicht
einmal der Ansatz zur Plateaubildung; aus tief eingeschnittenen Thlern
steigt man 200 bis 250 Meter hoch auf schmale Bergrcken oder abgerundete
Kegel und wieder hinunter in ein schluchtenartiges Thal. Den besten Blick
in dies wunderbar zerstckelte Gebiet gewhren die Porphyrkegel des
Knollen bei Lauterberg (687 Meter), des Ravensberges (660 Meter) und des
Stberhais (719 Meter). Der Ravensberg heit nicht mit Unrecht der
Brocken des Sdharzes. Wohl ist das Panorama hier und auf dem mit ihm
zusammenhngenden Stberhai enger begrenzt, aber es gewinnt dadurch an
plastischer Klarheit und Schnheit. Im Norden und Westen umfat der Blick
den ganzen hohen Harz bis zum Brocken und Acker, im Osten und Sden aber
thut sich das Land weit auf bis zum Possen bei Sondershausen und zum
Thringerwalde, bis zu dem Ohmgebirge und dem Gttinger- und
Habichtswalde.

[Sidenote: Andreasberg.]

Ist regellose Abwechselung von schroffer Bergeshhe und wildem Thalsturz
der Charakter des Dreiecks, so macht die Sttte, auf der die Stadt
Andreasberg erbaut ist, davon keine Ausnahme; fast jh schieen ihre
Straen von eng begrenzten Bergkuppen (640 Meter) in das Unterland (520
Meter) hinunter. Aus einem Hause sieht man in zwei Thler hinunter, ein
andres hngt, als wre es aus Wildemann hierher versetzt, wie ein
angeklebtes Schwalbennest an der Bergwand, und ein drittes liegt fast so
geschtzt zwischen aufsteigenden Hhen, wie manche Stadtteile in Grund
oder Altenau. Solche interessanten Gegenstze bietet nur diese
einzigartige Stadt (Abb. 38).

Die erste urkundliche Nachricht ber Bergbau am Andreasberge ist aus
dem Jahre 1487, aber zu rascher Entwickelung gelangte es erst im Jahre
1521, als am Beerberge in einer Klippe ein handbreiter Gang mit Glanzerz
und reichhaltigen Nestern Rotglden erschrft wurde, so da die Grafen
von Hohnstein sich beeilten, fr ihr Gebiet die erste Bergfreiheit zu
erlassen; Stadtrechte erhielt der Ort anscheinend schon 1535. -- In
fieberhaftem Eifer drngten sich Gewerken und Bergleute herzu, um des
gepriesenen Dorado Schtze zu heben, aber gar bald folgte eine gewaltige
Ernchterung. Wohl wurden 116 Gruben aufgenommen, aber in den acht Jahren
1542 bis 1549 zahlte nur eine einzige Ausbeute, und zwar auch nur einmal
einen Thaler auf den Kux. Am Ende des Jahres 1577 waren nur noch 39
Gruben, von denen aber 37 Zubue erforderten, im Betriebe, und 40 Huser
standen unbewohnt und unverkuflich; zu Anfang des dreiigjhrigen
Krieges gingen die beiden letzten Gruben ein, und die Silberhtte ward
abgebrochen. Unsglich war das Elend in der verarmten Stadt. Und doch war
ihr noch einmal eine Bltezeit beschieden: in den Jahren 1700 bis 1730
betrug die jhrliche Ausbeute durchschnittlich 60000 Mark. Von da aber
ging's erst allmhlich, dann immer rascher abwrts, zumal 1796 eine
Feuersbrunst 249 Wohnhuser in Asche legte. Doch geht der Bergbau noch
heute auf der Grube Samson in vier Schchten mit Vorteil um, und trotz
deren bedeutender Teufe gibt es noch viel unverritztes Feld fr die
Zukunft. Die Silberhtte, welche mit dem Bahnhofe 3-1/4 Kilometer von der
Stadt entfernt liegt, verarbeitet neben den bei Andreasberg gewonnenen
namentlich sdamerikanische Kauferze. Nicht unbedeutenden Erwerb gewhrt
den Andreasbergern die Kanarienvogelzucht, mehr Geld aber noch bringen
ihnen die Sommerfremden, deren Zahl etwa 5000 jhrlich betrgt. Den
schnsten Blick auf die Stadt hat man von der Jordanshhe. Sankt
Andreasberg hat 3800 Einwohner.

Die starke Gliederung der Andreasberger Berglandschaft ist gleichsam ein
Verdienst der Sieber mit ihren Zuflssen und des Flusystems der Oder:
durch die Furchen, die sie in das Gelnde, dieses in Einzelberge
auflsend, gezogen, haben sie die groe Mannigfaltigkeit geschaffen, die
wir bewundernd betrachten.

Die Oder hat ihre Quellen bereits auf dem Brockenfelde. Nachdem sie ihre
Wasser im Oderteiche gesammelt und den grten Teil derselben der Stadt
Andreasberg zugesandt hat, um ihn spter durch die Sperrlutter
zurckzuhalten, rauscht sie zwischen dem Rehberge (894 Meter) und dem
Knigsberge in starkem Geflle, bis zur Forstkolonie Oderhaus das
unbekannteste der prchtigen Harzthler bildend, gen Sden, geht unter
dem Jagdkopfe in sdwestliche Richtung ber und verstrkt sich bei
Lauterberg (d. i. Lutterberg) durch die Lutter (Abb. 39 u. 40).

[Sidenote: Lauterberg. Burg Scharzfels.]

Die Burg, unter deren Schutze der gleichnamige Flecken sich bildete,
stand auf dem 421 Meter hohen Hausberge, einem schn geformten, mit
Buchen bewaldeten Kegel. Zuerst im Jahre 1190 erwhnt, gehrte sie einem
Zweige der Grafen von Scharzfeld, den Grafen von Lutterberg, als
welfisches Lehen. Der Ort verdankte sein rasches Wachstum dem regen
Bergbau, und als dieser erlosch, bernahm 1839 die Kaltwasserheilanstalt
des Dr. Ritscher, dem ein Denkmal auf dem Scholm errichtet ist,
nachhaltiger die Entwickelung des jetzt 5300 Einwohner zhlenden
Fleckens; aus den 170 Kurgsten des ersten Jahres sind inzwischen 5000
geworden.

[Illustration: Abb. 76. =Hexentanzplatz, vom Hirschgrund gesehen.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Aber die Umgebung Lauterbergs, das nicht wie Herzberg, Osterode und
Seesen am Harzrande liegt, sondern sich so in das Oderthal hineinpret,
da es auf drei Seiten hohe Berge hat, ist auch wunderschn. Alle diese
Hhen, der Hausberg, der Kummel (601 Meter), der Scholm (572 Meter)
bieten prchtige Aussicht, hier ein weithin Berg und Land umfassendes
Vollbild, dort gleichsam einen eingerahmten Ausschnitt aus dem groen
Gemlde. ber den idyllisch in Buchengrn und Wiesenflor gebetteten
Wiesenbeeker Teich (Abb. 41), der seine Wasser der Knigshtte liefert,
und die Hohe Thr mit ihrem Durchblick auf die ruinenartige zackige
Felsgruppe des Rmersteins, den Sagen von Riesen und Zwergen umspielen,
fhrt uns der Weg auf den Ravensberg; ber den Hassenstein ersteigen wir
den Stberhai, den hchsten Punkt der Wasserscheide zwischen Weser und
Elbe, mit seinem bezaubernd schnen Blick ber die Tiefe des Oderthales
hinaus auf die Riesen des hohen Harzes, den Acker und Rehberg, den
Wurmberg und die Achtermannshhe, denen der Brocken und die Hohneklippen
ber die Schulter sehen; und auch der Groe Knollen liegt fr den
rstigen Wanderer nicht zu fern.

Auf dem schattigen Philosophenwege wandern wir nun, der rauschenden Oder
folgend, dem Dorfe Scharzfeld zu, das mit einer Felsenburg, einer
Tropfsteinhhle und einer Felsenkirche dreifach anzieht.

[Sidenote: Burg Scharzfels.]

Die Burg Scharzfels (Abb. 42), eigentlich Scharzfeld, zu der wir 120
Meter hoch durch Buchenhochwald hinaufsteigen, wird zuerst 1130 genannt.
1157 gab Friedrich Rotbart sie Heinrich dem Lwen gegen das Schlo Baden
in Tausch, und die Grafen von Scharzfeld wurden damit Lehnsmannen des
Welfen. Nach ihrem Erlschen traten die Grafen von Hohnstein an ihre
Stelle; und nach dem Tode des letzten dieses Geschlechts fiel 1590 die
Grafschaft Scharzfeld-Lauterberg, in der die Bergstadt Andreasberg
entstanden war, an die Welfen, und zwar zunchst an die Herzge von
Grubenhagen, zurck.

[Illustration: Abb. 77. =Rathaus in Quedlinburg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Bei der Erbauung der Burg ist der natrliche Felsen benutzt. Besonders
stark war die Hochburg, die man nur durch einen rundbogig ausgehauenen
Felsengang, zu dem man auf einer hohen Steintreppe gelangt, betreten
kann. Von den Gebuden auf dem Felsenkamme haben sich nur unbedeutende
Mauerreste erhalten: die Burg ist 1756 in rhmlichem Kampfe zu Grunde
gegangen; 10 Tage verteidigte sich die schwache Besatzung von noch nicht
400 Mann gegen ein Franzosenheer von 6000 Mann, das 562 Bomben und andre
Geschosse hineinwarf; da war die zerschossene Burg nicht mehr zu halten,
die freiwilligen Harzschtzen schlugen sich in die Wlder, und die
zurckbleibenden Invaliden kapitulierten mit Ehren. Welch ein Erfolg!
Ganz Paris illuminierte und sang unter Freudenschssen ein Tedeum. Und
eiligst steckte der Sieger, der General Vaubecourt, den wir von Klausthal
her schon kennen, die Gebude in Brand, lie die Mauern von Lauterberger
Bergleuten sprengen, und machte sich dann, auf die Sprengung der Felsen
verzichtend, aus dem Staube, denn die Hannoveraner unter dem Herzog
Ferdinand waren im Anmarsch.

[Illustration: Abb. 78. =Quedlinburg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Ein kurzer Gang durch den herrlichen Buchenwald, der hier die Hhen
schmckt, fhrt uns nach der Einhornhhle. Viel frher bekannt, als die
greren und durch schnere Tropfsteingebilde ausgezeichneten Hhlen bei
Rbeland, hatte sie hohen Ruf als die Fundsttte eines wertvollen und
fast unfehlbar wirkenden Heilmittels, des Einhorns d. i. der verkalkten
Knochen vorweltlicher Tiere. Heute haben diese Knochen als die
Schriftzeichen der fernsten Zeit einen ungleich hheren Wert, sie
erzhlen uns, da die weiten Hallen dieser Hhle einst von
Gletscherbchen durchsplt wurden, denn die Knochen sind durch Rollung im
Wasser gleich den Flukieseln gerundet, da aber die vor der jngeren
Eiszeit trockene Hhle von Menschenfressern bewohnt war, denn die
Markknochen, darunter auch die von Menschen, sind zerschlagen.

[Illustration: Abb. 79. =Altertmer in der Quedlinburger Schlokirche.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Wenn wir unsere Wanderung durch den lauschigen, schattigen Wald ein
Stndchen fortsetzen, stehen wir pltzlich unter dem Gipfel eines Berges,
der mit wunderbaren Felsgebilden bedeckt ist, die an die Teufelsmauer
oder die Bodensteiner Klippen erinnern, vor dem Eingange zur Steinkirche,
einer natrlichen Hhle, deren Einrichtung als Kirche von der Sage dem
heiligen Bonifatius zugeschrieben, von den Bauverstndigen in dessen
Zeit, in das achte Jahrhundert (sptestens in das neunte) gesetzt wird:
der Steinaltar, die Kanzel, die Nischen fr den Weihwasserkessel und ein
Heiligenbild, die Balkenlcher fr das Schiff der Kirche sprechen
deutlich fr die Benutzung der Steinkirche als des Chores eines uralten
Gotteshauses.

Von Scharzfeld wendet sich die Oder auf Phlde, die Klosterstiftung der
edlen Knigin Mathilde, besplt die vorgeschichtlichen Wallburgen des
Rotenbergs und gibt ihre durch die Sieber verstrkten Wasser bei
Catlenburg an die Ruhme ab, deren Quelle, die mchtigste in Deutschland,
sdlich von Phlde hervorbricht.

Die Sieber, diese Schwester der Oder, entspringt am Ostabhange des
Bruchberges, verstrkt sich krftig aus den Mooren des Rotenbruchs und
hpft und sprudelt zwischen dem Bruchberge und dem Sonnenberge in einem
tief eingerissenen Thale, das trotz seiner malerischen Schnheit von den
Touristen erst kaum entdeckt ist, an dem gleichsam aus den Alpen hierher
versetzten Drfchen Sieber vorber, dem 250 Meter hoch gelegenen Flecken
Herzberg zu, dessen hochragendes, weithin schimmerndes Schlo uns zu
einem Besuche einladet.

[Sidenote: Herzberg.]

Wie Scharzfeld und Phlde war Herzberg (Abb. 43), das von Kaiser Lothar
erbaut sein soll, ursprnglich Reichsgut und gelangte erst 1157 durch
Tausch in den Besitz der Welfen. Nachdem es schon der Kaiserin Maria und
mehreren Herzoginnen von Braunschweig als Witwensitz gedient hatte, nahm
es Heinrich der Wunderliche (_mirabilis_), der Stifter der Linie
Grubenhagen, zur Residenz, und solche ist es bis zum Erlschen
derselben im Jahre 1596 geblieben; und als 1617 infolge einer
reichskammergerichtlichen Entscheidung das von Wolfenbttel okkupierte
Frstentum der Celleschen Linie als der nchstberechtigten zugesprochen
war, nahm hier Herzog Georg, der allein von den sieben Brdern des Hauses
Celle sich standesgem vermhlen durfte, seine Residenz; unter den acht
Kindern, die ihm hier geboren wurden, ist Ernst August, der erste
Kurfrst von Hannover und Vater Georgs I., des ersten Knigs von England
aus dem Hause Hannover. Von der alten Burg sind nur noch die Keller
vorhanden; der grte Teil des jetzigen Schlosses ist nach einem
schrecklichen Brande im Jahre 1510, der alle Urkunden und Lehnbcher
vernichtete und dem Herzog Philipp und seiner Gemahlin kaum die
Mglichkeit lie, unangekleidet durch einen Sprung aus dem Fenster das
Leben zu retten, neu aufgefhrt; der Graue Flgel stammt aber erst aus
dem Jahre 1861.

Das auf der sdlichsten, mit seinem Abfall dem Harz zugekehrten Kuppe des
Osteroder Gipszuges malerisch gelegene Schlo wirkt bei seiner einfachen
Architektur besonders durch seine groe Ausdehnung.




                                  XII.

                    Der Brocken und das Brockenfeld.


[Sidenote: Das Brockenfeld.]

Nrdlich vom Andreasberger Dreieck und stlich von der Klausthaler
Hochebene erstreckt sich stundenweit die eigenartigste Hochebene des
Harzes, wie sie mit denselben Charakterzgen sich schwerlich zum
zweitenmal in deutschen Gebirgen findet, das Brockenfeld. Im Westen von
dem 926 Meter hohen Bruchberge und den sanfteren Erhebungen des
Sonnenberges (842 Meter) und des Rehberges (894 Meter), im Sden von dem
Rcken der Achtermannshhe, dessen Hornfelskegel (926 Meter) die Alten
fr einen Vulkan hielten, und dem bis zu 968 Meter aufsteigenden
Wurmberge begrenzt, reicht sie im Osten bis an den Brocken und seine
rechte Schulter, den durch die hochragenden Hirschhrner gezeichneten
Knigsberg. Im Norden stellen die Lrchenkpfe und der Quitschenberg eine
schwache Verbindung zwischen dem Bruchberge und dem Brocken her, doch
rechnen wir auch das nrdlich dieser gleichsam nur angedeuteten
Begrenzung belegene, von Ecker und Radau durchschnittene Stck, das man
als ein durch den Einschnitt des Okerthales abgetrenntes Glied der
Klausthaler Hochebene ansehen knnte, um der gleichartigen Natur willen
zum Brockenfelde.

[Illustration: Abb. 80. =Klopstock-Denkmal in Quedlinburg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Im Mittel 810 Meter hoch, erhebt sich diese hchste Ebene unseres
Gebirges in ihrer Mitte in den Oberen Schwarzen Tannen nur zu 877
Meter. Diese fast vllige Einebnung ist durch die Torfmoore erfolgt, sie
haben alle Vertiefungen und Einschnitte des Untergrundes allmhlich
ausgefllt. In vorgeschichtlicher Zeit war diese Wstenei ebenso
bewaldet, wie die Harzberge von gleicher Hhenlage. Die starken
Fichtenstmme, die krftigen Kiefern, die weileuchtenden Birken (_Betula
alba_), die Haselnustaude, die man in den unteren Torfschichten findet,
liegen smtlich mit der Spitze nach Sdwest, als htte ein Nordoststurm
den Wald niedergeworfen. Aber die Moorbildung lt doch nur den Schlu
zu, da diese Niederlegung des Waldes auf Eruptionen des Brockengranits
zurckzufhren ist, durch die zugleich Senkungen in der Oberflche
hervorgerufen wurden, in denen sich Hochmoore bilden konnten. Und die
Scheereritkrystalle, die sich zwischen Rinde und Holz der in der Tiefe
von dreiundeinhalb Meter liegenden wie frisch erscheinenden 60 Centimeter
starken Kiefernstmme[1] gebildet haben, weisen jenes Ereignis in sehr
frhe, wohl in die vorgeschichtliche Zeit.

  [1] Die Ansicht einiger, da Fichte und Kiefer erst in geschichtlicher
      Zeit (aus dem Vogtlande, sagt Hampe noch dazu) in den Harz
      eingefhrt seien, ist grundfalsch.

Die kleine verkrppelte Birke, welche auf dem Brockenfelde und in den
andern Hochmooren des Oberharzes an die Stelle des Hochwaldes getreten
ist, ist die grauborkige _Betula pubescens_, doch findet sich auch,
namentlich auf dem Lrchenfelde beim Torfhause in groer Ausdehnung, die
eigentliche Zwergbirke (_Betula nana_). Von den Weidenarten sind
besonders _Salix aurita_ und _repens_ sowie die Bastardform _S.
repenti-aurita_ vertreten. Unter den Moosen berwiegt die Gattung
_Sphagnum_ in zehn Arten. Wegen ihrer holzigen Stengel und dichten
Bltter ist die sehr hufig vorkommende Gattung _Polytrichum_, in
geringerem Grade auch _Bryum_, _Hypnum_ und _Orthotrichum_ an der
Torfbildung beteiligt. Von den Heidekrutern finden sich die Besenheide
(_Calluna vulgaris_) und fleischfarbene Glockenheide (_Erica carnea_),
nicht aber die Sumpfheide (_Erica tretalix_). Auch die Heidel- und die
Kronsbeere, die Rauschbeere (_Vaccinium uliginosum_) und die Moosbeere
(_Oxycoccos palustris_) gehren dem Torfgrunde an; und berall finden
sich Simse und Sonnentau, Rispen- und Wollgrser, Seggen und Binsen,
Knaben- und Habichtskruter und an weniger feuchten Stellen auch der
Brlapp in sechs Arten, Labkraut und andre Harzpflanzen.

Der Torfstich hat in diesen Hochmooren trotz wiederholter Versuche
aufgegeben werden mssen, da in der feuchten Luft der Torf nur selten
trocken wird. Doch verdanken wir jenem die Kolonie Torfhaus, die
grere der beiden Oasen des Brockenfeldes.

Den Gletschern der Alpen gleich, die zahlreichen Bchen und Flssen das
Leben geben und diese unausgesetzt mit ihrem Abflu speisen, sind die
Torfmoore des hohen Harzes die unerschpflichen Wasserreservoire, aus
denen seine Flsse sich unaufhrlich versorgen, aus denen selbst Quellen,
die erst am Fue des Gebirges zu Tage treten, auf dem reinigenden Wege
durch die Gesteinsklfte ihr Wasser erhalten. Und auch die
Wasserleitungen, die den Gruben und Htten das Betriebswasser zufhren,
schpfen aus diesem unversieglichen Quell, ohne den sich niemals der
groartige Betrieb bei Andreasberg und Klausthal htte entwickeln knnen.

Und welche wunderbare Wirkung bt das Brockenfeld mit seiner hehren
Stille, mit seiner allgewaltigen Einsamkeit auf Herz und Gemt! Diese
finsteren, warnend abwehrenden Moore bilden mit den flechtenbehangenen,
sprlich genhrten Fichten und Birken, die sich in Streifen
hindurchziehen oder in losen Gruppen darber verstreut sind, mit den vom
Beerengestrpp berwucherten mchtigen Granitklippen, die hier in den
Breitensteinen riesigen Opferaltren vergleichbar emporragen, dort als
Magdbett und Hopfenscke von mhlich verklingenden Sagen leise umweht
werden, mit dem in Vergessenheit versunkenen Kaiserwege, auf dem einst
schon der Heiden Fu wanderte, mit der das Feld beherrschenden
Achtermannshhe und den andern so ausdrucksvollen Bergkuppen ringsherum
einen vollen und reinen Akkord, durch den der Wahlspruch der
Benediktiner: _Solitudo sola beatitudo_ gleichsam sehnsuchtsvoll und doch
erquicklich als Grundton hindurchklingt und in deinem Gemt wie einst in
dem unsers Dichterfrsten Goethe die Saiten mitklingend in Schwingungen
setzt.

[Sidenote: Der Brocken.]

Der 1142 Meter hohe Brocken, der zweite Berg Preuens, berragt das
Brockenfeld nur um etwa 370 Meter und imponiert von hier aus nur durch
seine massige Form. Dagegen schiebt er im Nordosten seinen Fu bis an
den Rand des Gebirges vor, um 900 Meter hoch aus der Ebene von
Wernigerode und Ilsenburg aufzusteigen, und gewhrt von dieser Seite
einen imposanten Anblick.

[Illustration: Abb. 81. =Ritter-Denkmal in Quedlinburg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Sein Fu steht in der Region des Nadelwaldes. Es sind dunkle, hohe
Fichten, zwischen denen wir hinansteigen. Aber bald wird der Wald
lichter, Granitbrocken und Scherben bedecken den Boden, Himbeer- und
Brombeerstrauch erklettern die mit Flechten berzogenen Trmmer; hier
hlt eine Fichte einen Granitblock, ihre Wurzeln immer tiefer in seine
engen Spalten treibend, fest umklammert, dort breiten Heidelbeere und
Heidekraut ber den mit Erde gemischten Hexensand, einer Anemone oder
einem Habichtskraut Schutz gewhrend, ihr dunkelglnzendes Gewand. Doch
auch anspruchslose Grser finden ihre sprliche Nahrung auf geeigneten
Fleckchen. So ist dieser Brockengrtel, der im Norden und Nordosten fast
die Form der Hochebene annimmt, zugleich die Region der Viehhfe.

Bei weiterem Ansteigen gelangen wir in die Region der Brche und Moore,
zu denen auer dem Brockenfelde das Jakobs-, das Landmannshohne- und das
Hannekenbruch gehren. Nur einige Forsthuser liegen in dieser Einde.

Und nun noch ein krftiges Ansteigen durch wirre Klippenfelder, die
wunderlich gestaltete Fichten tragen, wie sie sich eignen wrden fr die
Faust des Wilden Mannes auf unseren Mnzen; das Wurzelwerk oft hochhin
freistehend oder eingekeilt von Felsengebrckel, der Stamm knorrig und
wetterhart, in dichte Moosdecke wie in wrmenden Pelz gehllt, der Gipfel
fast immer gebrochen oder in Knickung seitwrts gelenkt, die zerzausten
Zweige fest anliegend, dicht mit weigrauer Flechte bedeckt und hie und
da mit langen Zotten der Bartflechte behangen; und unter jedem Steine
fast und jedem Baume flstert geschwtzig und surrt und brodelt das
quellende Wasser. Doch schon befinden wir uns auf dem abgerundeten Gipfel
des Brockens (Abb. 44). Schneidend fegt der Wind ber die baumlose Kuppe,
Wolken umtanzen gespensterhaft die Granitkolosse, fr die man die Namen
Teufelskanzel, Hexenaltar, Hexenwaschbecken erfunden hat, und pltzlich
umfngt uns bengstigend der dichte Nebel. Beschleunigten Schrittes eilen
wir dem gastlichen Brockenhause zu. Welche Enttuschung! Vielleicht
werden wir -- wie sogar der Oberlehnsherr des Brockens Knig Friedrich
Wilhelm III. mit seiner Gemahlin am 31. Mai 1805 -- den Rckweg antreten
mssen, ohne etwas gesehen zu haben.

[Illustration: Abb. 82. =Suderode.=

(Nach einer Photographie von Rmmler & Jonas in Dresden.)]

Doch ruhig nur! uns ist der Vater Brocken hold. Sieh, da kommt ein Ri in
die Wolken, und durch den Spalt erblicken wir wie durch eine Waldschneise
sonnbeschienen, hellstrahlend das herrliche Frstenschlo Wernigerode und
darber in dem hellen Streifen Trme und Drfer bis in die weite Ferne.
Da saust eine neue Wolke herein, und das Bild ist verschwunden. Aber wie
durch Zauberkunst thut bald hier bald da ein andrer Wolkenspalt sich auf,
jetzt ber das Brockenfeld hinaus bis nach Klausthal, jetzt gar bis nach
dem Possenturm bei Sondershausen, dem Gothaer Schlosse und dem
Inselsberge.

Und nun legt sich der Wind, und die Sonne beginnt den Kampf mit den
Wolken und erringt den Sieg: schon ist der Brockengipfel frei, und rings
an der Kuppe sinkt der Nebel tiefer und tiefer. Wir stehen auf einer
hellbeleuchteten Insel im weiten, wallenden Wolkenmeere, jetzt tauchen
auch Knigsberg und Heinrichshhe auf und verbinden sich mit dem Brocken.
Wurmberg, Acker, Kahlenberg und andre Inseln erscheinen, die Buchten
werden kleiner, die Halbinseln wachsen, der ganze Oberharz wird zum
Festlande. Mhlich tritt dann der Nebel auch im Sdosten zurck, der
Unterharz taucht auf, und nun liegt das ganze Gebirge so klar, so
wunderschn vom weien Meere unabsehbar umflutet und umsplt, -- ein
entzckendes Schauspiel. Heiterer, herrlicher Anblick! jubelt unser
Goethe, die ganze Welt in Wolken und Nebel, und oben alles heiter!

Auch das Relief des Brockengebirges, das man vom 18 Meter hohen Turm
gewinnt, ist unter allen Umstnden interessant. Die Brockengruppe im
engeren Sinne, von der Kalten Bode, der Ecker und der Ilse begrenzt,
umfat auer dem Brocken die 1045 Meter hohe Heinrichshhe und den 1030
Meter hohen Knigsberg, seine beiden Schultern. Im weiteren Sinne
gehren zum Brockengebirge namentlich noch: im Norden der Pesekenkopf
(645 Meter), der Scharfenstein (696 Meter), der Meinekenberg und der
Sandthalskopf; im Osten der Gebbersberg (685 Meter), der Renneckenberg
mit den wilden Zeterklippen (929 Meter) und den nicht weniger wilden
Hohneklippen (902 Meter), der Erdbeerkopf (857 Meter) und der Arensklint;
im Sden der Barenberg mit den Schnarcherfelsen, der groe und kleine
Winterberg (902 und 837 Meter) und der Wurmberg (968 Meter).

[Illustration: Abb. 83. =Gernrode.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Bei vllig klarem Himmel, wie ihn wohl ein heller Wintertag oder ein
Sommertag, dem eine recht warme Nacht vorangegangen ist, bieten kann,
umfat der Gesichtskreis mehr als den 200. Teil von Europa, und zwischen
den 250 Kilometer voneinander entfernten uersten Punkten -- wie dem
Rhngebirge und dem Hagelsberge bei Brandenburg, oder dem Kolm bei
Oschatz und der Westflischen Pforte -- kann man nach des Brockenwirts
Nehse Verzeichnis 89 Stdte und 668 Drfer erkennen. Ja, man knnte das
Meer sehen, wenn es mglich wre, sagt treuherzig der alte Happel. Wir
aber begngen uns, in der endlosen, einfrmigen Ebene, in der Hgel und
Berge wie Maulwurfshaufen untergehen, die Trme von Hannover und
Braunschweig, von Leipzig und Halle, von Magdeburg und Stendal und
einigen andern Stdten, das Schlo zu Gotha und die Wartburg, den
Petersberg und die Gleichen, den Herkules auf der Wilhelmshhe und den
Klt bei Hameln zu erkennen und richten von den in der Ferne mit etwas
aufflligeren Strichen eingetragenen Bergketten des Meiner, des
Westerwaldes, des Rothaargebirges, des Vogelsberges, der Rhn, des
Thringerwaldes und des Sntels, um dem Auge abschlieend einen
sammelnden Ruhepunkt zu bieten, noch einmal auf das Brockenfeld und die
Auenkuppen und Thler des Brockengebirges.

Dieser tadellose Rundblick bei vllig wolkenfreiem Himmel ist keineswegs
das Schnste, was der Brocken bietet, aber zu verachten ist er doch auch
nicht. Was hat man an diesen langen charakterlosen Horizontallinien, die
dick aufeinander liegen, ohne Anfang und Ende? Da ist gar nichts, was
sich hebt und die Aufmerksamkeit zusammenhlt und leitet, kein Vorgrund,
kein Mittelgrund, kein Gedanke von Einheit des Ganzen. Die Kirchtrme
sind angeklebt an die Wiesen wie behauene Balken, und das Licht schiebt
sich dick und gleichfrmig ber das alles weg. So sagt Leopold von Buch,
der berhmte Geologe, in seinem launigen Vortrage vom Brocken freilich,
aber wenn er abschlieend fortfhrt: Nicht die Schnheit, nicht die
Ferne der Gegenstnde ist es, was uns auf dem Brockengipfel so mchtig
bewegt, sondern die Wirklichkeit, die Wahrheit und das aus ihr
hervortretende lebendige Gefhl der Freiheit, so mssen wir ihm
zustimmen.

Von berwltigendem Eindruck kann ein Besuch des Brockens im Winter
werden, wenn der sich in Rauhreif umsetzende Nebel nicht nur jede
einzelne Tannennadel gleichsam berzuckert hat und die teilweise
ineinander geflossenen, in der Sonne glitzernden und blitzenden Krystalle
und Eisdiamanten die Form des Baumes berwltigen, so da die
wunderbarsten Gestalten, die Mrchen und Phantasie ersinnen knnen,
manche fast gespensterhaft und bengstigend, uns rechts und links
erwarten und einander ablsend begleiten. Aber auch schon die bloe
Schneedecke hebt das Bild, das der Brocken uns bietet, gar wirkungsvoll.
Und wer ein Gewitter dort oben erlebt -- vom Brockengespenst gar nicht zu
reden -- dem wird der Tag fr immer unvergelich sein.

[Illustration: Abb. 84. =Inneres der Cyriakikirche zu Gernrode.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Wenn sich auer den nach Schtzen suchenden Venedigern auch einzelne
khne Jger und andere ortskundige Waldleute schon verhltnismig frh
ausnahmsweise auf den Brakenberg hinaufgearbeitet haben mgen -- eine
dem Ende des fnfzehnten Jahrhunderts angehrende Hand berichtet in einem
Zusatz zu der Abhandlung von der Herkunft der Sachsen von einem Quell
auf seinem hchsten Gipfel -- so ist doch der berhmte Arzt und Botaniker
Johann Thal ([gestorben] 1583) der erste dem Namen nach bekannte
Brockenbesucher, und erst im achtzehnten Jahrhundert wurden die
Brockenfahrten hufiger. 1736 ward deshalb auf dem Gipfel das
Wolkenhuschen, 1743 auf der Heinrichshhe zunchst fr Torfstecher, und
1800 auf dem Brocken selbst ein Gasthaus und 1835 der erste Turm erbaut.
Die Zahl der Besucher stieg von 138 im Jahre 1753, 292 im Jahre 1778 auf
etwa 30000 im Jahre 1896: seitdem aber fhrt das Dampfro (Abb. 45) im
Sommer ungezhlte Scharen hinauf, und die Verallgemeinerung des selbst im
Oberharze noch vor wenigen Jahrzehnten unbekannten Schneeschuhsports
(Abb. 46) macht den Brocken auch im Winter zugnglicher und seine
Besteigung weniger gefhrlich.

Vom Thringer Wendelin Helbach, Thals Zeitgenossen, an hat manch Dichter
den Brocken besungen, aber ein Denkmal fr alle Zeiten hat ihm, und zwar
ihm allein unter allen deutschen Bergen, Goethes gewaltige, Natur und
Sage zur Einheit verschmelzende Dichtung im Faust gesetzt.

[Illustration: Abb. 85. =Alexisbad.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]




                                  XIII.

                         Radau, Ecker und Ilse.


Das Brockenfeld entsendet nach Norden zwei jugendlich bermtige
Flchen, die Radau und die Ecker.

Die Stelle, wo die Radau nach kurzem Laufe aus dem Gebirge tritt, ist die
schnste im Westharze. Steil fallen die hohen und mannigfaltig geformten,
mit freundlichem Buchenwald bewachsenen Berge zu der jungen Stadt
Harzburg ab (Abb. 47), die sich mit ihren groartigen Gasthfen (Abb. 48)
und glnzenden Villen dazwischen und davor lagert, und bieten mit dieser
vor allem dem Wanderer, der vom Ahrendsberger Forsthause oder auch vom
Torfhause ber den Dreckpfuhl kommt, ein berraschend prchtiges Bild.
Und ein Gang durch dies vornehmste unserer Bder ber die der
Gesellschaft zum Sammelpunkt dienenden Eichen an der pltschernden
Radau und weiter an den groen Gabbrobrchen hinauf bis zu den
Radaufllen (Abb. 49) und zurck ber das Molkenhaus gehrt zu den
lohnendsten und lieblichsten Partien unseres Gebirges.

[Sidenote: Der Burgberg.]

Der Burgberg, der zweimal eine Kaiserburg trug, ist mit seinen 482 Metern
nicht der hchste und weitschauendste, aber durch seine hart
vorspringende Lage und seinen finstern Tannenwald der bedeutendste und
wirksamste. Trotz seiner Steilheit ist er auf wohlgepflegten Fuwegen
bequem zu ersteigen.

Die erste, von Heinrich IV. erbaute Burg ward im Mrz 1074 von dem durch
die aufstndischen Sachsenfrsten aufgestachelten Pbel schmhlich
zerstrt. Die zweite, zum Schutz der Reichsstadt Goslar gehrend, erstand
i. J. 1180 auf Befehl Barbarossas, der den Oberbefehl ber die
hineingelegten Reichsdienstmannen den Grafen von Woldenberg bertrug. Am
18. August 1218 endete hier beim Grafen Heinrich I. der Welfe Otto IV.
sein Leben.

Im Jahre 1269 von den Grafen von Woldenberg an die Grafen von Wernigerode
verpfndet, ward diesen die Burg hundert Jahre spter von dem Herzog von
Braunschweig in einer Fehde abgenommen. Im Anfange des fnfzehnten
Jahrhunderts machten von hier aus die Herren von Schwiecheldt, die als
Amtleute und Pfandinhaber auf der durch ihre Lage beraus festen Burg
hausten, weit und breit die Lande durch ihre Rubereien unsicher, und
erst den Bombarden der verbndeten Frsten, Bischfe, Grafen und Stdte
gelang es 1415, ihre Mauern zu brechen (Abb. 50). Im dreiigjhrigen
Kriege in den Hnden der Dnen, war sie ein Sttzpunkt der Harzschtzen.
Aber 1650 wurden ihre 500jhrigen Mauern auf Befehl des Herzogs in das
Thal gestrzt und die Burg als Steinbruch benutzt. Nur geringe Mauerreste
und der 57 Meter tiefe Brunnen sind von dieser berhmtesten aller
Harzburgen auf unsere Tage gekommen. Aber Tausende von Fremden fhrt
alljhrlich die Erinnerung an die Geschichte dieser Sttte, auf der 1877
auch die Canossasule errichtet ist, mehr noch der, wenn auch
beschrnkte, doch hbsche Blick in das tiefe, schmucke Radauthal und ber
die zu den Fen liegende Stadt hinaus auf Braunschweig und Wolfenbttel
mit dem Fallstein, dem Elm und der Asse im Hintergrunde auf die
tannenumrauschte Hhe.

Nachdem die Radau noch Vienenburg besplt hat, dessen Domanialgebude mit
den Umfassungen auf den Mauern der alten Burg ruhen, gibt sie am Fue des
Harlyberges Namen und Wasser an die Oker ab.

Die Ecker hat ihre Quelle unter den Hirschhrnern unfern des zum
Knigsberge fhrenden schnen Goethe-Weges, in unmittelbarer
Nachbarschaft des Bodesprunges. Ihr Thal wird von dem von Harzburg auf
den Brocken fhrenden Fuwege bei der Dreiherrenbrcke (dem frheren
Grenzpunkte zwischen Hannover, Braunschweig und Wernigerode) und von den
von Harzburg nach Ilsenburg ber die Rabenklippen (Abb. 51) und durch den
Schimmerwald fhrenden schnen Wegen oberhalb des Eckerkruges, der den
Austritt der Ecker aus dem Gebirge bezeichnet, gekreuzt; doch auch eine
Wanderung durch den ernsten, dsteren Fichtenwald den rauschenden,
felsigen Bach entlang, hat in der erquickenden friedlichen Einsamkeit
ihre Reize. An den Ruinen der Stapelnburg vorber, auf der Graf Gerhard,
mit dem 1383 das einst so berhmte Geschlecht der Woldenberger erlosch,
seine letzten Jahre verlebte, wendet sich die Ecker der Oker zu.

[Sidenote: Das Ilsethal.]

Das eigentliche, echte Brockenkind ist die Ilse. Sie entspringt an der
Heinrichshhe und sammelt, rechts vom Renneckenberg begleitet, alle dem
Brocken nordstlich abstrmenden Bchlein und Rinnsale. Wo sie in den
Stromschnellen der Ilseflle frhlich und geschwtzig ber die
Felsgebilde tnzelt, wendet sie sich nordstlich, durchbricht das
groartige Felsenthor, das die Granitpfeiler des 460 Meter hohen, 150
Meter das Thal berragenden Ilsesteins und des gewaltigen Westerberges
bilden, und eilt, immer noch mutwillig, aber etwas ruhiger, dem sich an
den Gebirgsrand drngenden Flecken Ilsenburg zu.

Das Ilsethal ist wohl das anmutigste und lieblichste im ganzen Harze.
Eine Wanderung von den Roten Forellen an der klaren Ilse hinauf, deren
silberne Wellen khlend uns entgegenrauschen, bis zu den Ilsefllen (Abb.
52), wo die Wasser, in denen die wunderschne, alle Guten beglckende
Prinzessin sich badet, sich bald zu einem breiten, glnzenden Spiegel
ausbreiten, bald in zahllose Bnder aufgelst, kraus die Felsen
umschlingen, bald wild aufschumend und zischend sich zwischen
einengenden Felsen hindurchdrngen oder aus Steinspalten neckisch
hervorsprudeln, gehrt, wenn die Touristenschwrme nicht allzu sehr
stren, zu den hchsten und nachhaltig wirkenden Genssen im Harze. Auch
den Ilsestein mit seinem Kreuze, dem vom Grafen Anton den im
Befreiungskriege Gefallenen errichteten Denkmal, besteigen wir, so
befriedigend auch die Aussicht in die liebliche Landschaft ist, vor allem
doch nur, um auch von hier aus das unvergleichlich reizvolle Thal zu
genieen. Vielleicht setzen wir aber unsern Spaziergang noch um ein
Kleines fort, um unter den schattigen Eichen der 530 Meter hoch gelegenen
Plessenburg ein Viertelstndchen zu rasten und uns dabei des vom
Frstertchterchen verschmhten Ernst Schulze, des Dichters der
Bezauberten Rose und der Ccilie, zu erinnern.

[Sidenote: Ilsenburg.]

Im Flecken Ilsenburg (Abb. 53), der sich in das stimmungsvolle Bild des
Thales harmonisch einordnet, zieht uns von allem das frstliche Schlo
an, das auer einem Neubau auch die stilvoll restaurierten berreste der
romanischen Klosterbauten umfat. Ursprnglich ein knigliches Besitztum,
wurde die Elysinaburg unter der Gunst der Kaiser Otto II. und Heinrich
II. vom Halberstdter Bischof Arnulf in ein Kloster umgewandelt, das
schon unter dem Abte Herrand, dem Neffen des Bischofs Burchard zu hoher
Blte gelangte, spter aber unter Kriegen und Fehden schwer zu leiden
hatte. Am 1. Mai 1525 von den Bauern erstrmt, wurde es von seinem
erlauchten Schirmherrn nach Annahme der Reformation in eine Schule
umgewandelt, die erst unter den Schrecken des dreiigjhrigen Krieges zu
Grunde ging. Eine neue, bessere Zeit hatte sich aber bereits dadurch
vorbereitet, da Graf Heinrich das Kloster 1609 zum Witwensitz fr seine
Gemahlin ausbaute, und zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts war es
sogar Residenz des regierenden Grafen.

[Illustration: Abb. 86. =Mgdesprung.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]




                                  XIV.

                              Die Holtemme.


Whrend die Ilse noch der Oker und damit der Weser zustrmt, gehrt die
am Renneckenberge entspringende Holtemme bereits der Bode und also dem
Elbegebiete an. Fast so eilfertig wie die Ilse, hat sie nchst dieser (1
: 10-1/2) das strkste Geflle (1 : 18) von allen Harzgewssern. Durch
einen unter den wilden Hohneklippen, welche die Hochebene um 400 Meter
steil berragen, entspringenden Bach verstrkt, hat sie ihren Glanzpunkt
in der Steinernen Renne (Abb. 54): in einer engen, finstern Waldschlucht
strzen ihre fast zu Schaum sich auflsenden Wasser in einer langen Reihe
von Kaskaden, die zur Zeit der Schneeschmelze oder nach einem krftigen
Gewitterregen wohl an alpine Wasserstrze erinnern knnen, ber die von
Granitblcken gebildeten Terrassen wild in das Thal hinab.

[Sidenote: Wernigerode.]

Von rechts vereinigt sich mit dem Thal der Holtemme das Drngethal, in
welchem Chaussee und Eisenbahn von Wernigerode aus ber Drei
Annen-Hohne, die Hochebene, Schierke und den Brocken erklettern. In dem
bei der Vereinigung sich weitenden und seine Schnheit einbenden Thale
erstreckt sich unendlich lang das Dorf Hasserode, ein Vorort
Wernigerodes, und im rechten Winkel dazu setzt sich stlich an die Stadt
der Flecken Nschenrode, der sich fast in gleicher Lnge im Zillier-
(oder Mhlen-) Thale hinaufzieht. Der Zillierbach hat seine Quellen
sdlich von den Hohneklippen am Erdbeerkopfe und wird auf seinem linken
Ufer von nicht unbedeutenden Hhen, dem 535 Meter hohen Salz- und dem 518
Meter hohen Hilmarsberge, begleitet, sein Thal hat aber, im Gegensatz zum
Thal der Holtemme, unterharzischen Charakter.

[Illustration: Abb. 87. =Anhaltischer Thaler von 1861.=]

Auf mchtigem, waldigem Berge erhebt sich, 120 Meter ber der Stadt,
inmitten herrlicher Grten und Parkanlagen, mit stattlichen Trmen und
blinkenden Zinnen das frstliche Schlo (Abb. 55), ein prachtvoller
Neubau, in den sich die benutzbaren Reste der alten Grafenburg harmonisch
einfgen. Entzckend schn ist dort oben der Blick ber die reizvollen
Waldthler, unter denen das Christianenthal (Abb. 56) mit seinen Teichen
und Wiesen, seinen Weiden und Riesenfichten sich durch Lieblichkeit
auszeichnet, in die tannengekrnten Harzberge bis hin zum alles
beherrschenden Brocken und ber die stattliche Stadt zu Fen hinweg in
die weite, lachende Ebene mit den dicht hingestreuten Ortschaften. Nimmt
es unter den Harzschlssern jetzt entschieden die erste Stelle ein, so
werden ihm berhaupt nur wenige Bergschlsser in Bau und Lage an
Schnheit gleichkommen.

Die erste Burg ber dem von einem unbekannten Werniger angelegten Dorfe
erbaute zwischen 1117 und 1121 der Graf Adalbert von Haimar und schrieb
sich seitdem Graf von Wernigerode. Als dessen Nachkommen am 3. Juni 1429
mit dem Grafen Heinrich ausstarben, gingen die Besitzungen des
Geschlechts an die mit ihm erbverbrderten Grafen zu Stolberg ber. In
den nchsten Jahrhunderten war Wernigerode nicht die stndige Residenz
des regierenden Grafen, sondern meistens nur der Wohnsitz der jngeren
Shne und Brder; doch feierte Graf Wolfgang, das Haupt der Familie, hier
im Juni 1541 seine Vermhlung mit der Grfin Dorothea von Blankenburg.
Erst Graf Christian Ernst, der 1712 nach dem Tode seines Oheims Ernst zur
Regierung kam, versetzte die Hofhaltung von Ilsenburg, das seit der
Erbteilung von 1645 Residenz geworden war, dauernd nach Wernigerode. Die
von seinen Brdern begrndeten Linien Gedern und Schwarza erloschen 1804
und 1748, so da die reichen Besitzungen des durchlauchtigen Hauses
wieder smtlich vereinigt sind.

Die Einwohnerzahl der Stadt hat sich von 4036 im Jahre 1813 auf 11600 im
Jahre 1900 gehoben. Damals durch ihre engen, schmutzigen Straen mit
abscheulichem Pflaster bekannt, gehrt die Stadt vor dem Brocken (Abb.
57) mit ihren ansehnlichen, schmucken Neubauten, ihren breiten,
wohlgepflegten Straen, mit denen schne Promenaden wetteifern, jetzt
entschieden zu den schnsten unserer Harzstdte. -- Von mittelalterlichen
Bauwerken hat sich auer dem stilgerechten Rathause (Abb. 58) von 1498
noch manches interessante Wohnhaus erhalten, von denen besonders das
Gadenstedtsche aus dem Jahre 1582, das Gotische und das Frankenfeldsche
der Besichtigung wert sind (Abb. 59). Von Wernigerode wendet sich die
Holtemme ber Halberstadt der Bode zu.

[Sidenote: Halberstadt.]

Der berhmte Bischofssitz Halberstadt (Abb. 61) ist eine der ltesten
Stdte in unsern Gegenden und trgt in seinen alten Straen ein
ehrwrdiges, mittelalterliches Geprge. Besonders interessant ist der in
der zweiten Hlfte des fnfzehnten Jahrhunderts in Fachwerk erbaute
Ratskeller am Fischmarkte. Ihm gegenber erhebt sich das altertmliche
Rathaus (Abb. 60), ein gotischer Steinbau aus der Zeit von 1360 bis 1381
mit spteren, jedoch die Wirkung des Bildes nicht strenden Anbauten. Den
Domplatz, an dem auch der Petershof, die frhere Residenz der
Frstbischfe, liegt, begrenzen zwei alte Gotteshuser, die mit vier
Trmen gezierte romanische Liebfrauenkirche, deren lteste Teile fast bis
zum Jahre 1000 zurckreichen, und der majesttische Dom (Abb. 62), das
herrlichste, groartigste Gotteshaus der Harzlande: bald nach dem Jahre
1179, in dem Heinrich der Lwe die erste bischfliche Kirche
niederbrannte, begonnen, konnte er erst 1491 geweiht werden, und die
Trme, an denen auch gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts gebaut
wurde, sind gar erst vor wenigen Jahrzehnten in Abschlu der 1847
angefangenen Restauration der Kirche in ihrer ganzen Hhe fertig
gestellt. Wie vor dem Rathause ein riesengroer Roland, so befindet sich
vor dem Dome der Lgenstein, das Wahrzeichen der Stadt. Hinter dem
Domchor liegt das einfache Haus des Vaters Gleim, der hier von 1747 bis
1803 als Domsekretr lebte. In seinem Freundschaftstempel umschliet es
mehr als hundert Bildnisse von Dichtern und Schriftstellern, Frsten und
Helden, einst fast alles Gste dieses Hauses, sowie ihren Briefwechsel
mit Gleim und eine wertvolle Bibliothek.

[Illustration: Abb. 88. =Schlo Falkenstein.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Im Sden wird Halberstadt fast von dem Goldbache berhrt, der sich bei
Wegeleben in die Bode ergiet. Von diesem Bache erstrecken sich drei
parallele Hgelketten von Nordwest nach Sdost bis an die Ufer der Bode.
Die nrdliche beginnt mit den Spiegelsbergen, einem schnen ffentlichen
Parke, den der Domdechant von Spiegel, Gleims Zeitgenosse, auf der bis
dahin den Anhhe geschaffen hat; unter den wirkungsvollen Baumgruppen
fallen besonders die alten Kiefern ins Auge. An diesen Park, dessen Turm
auch eine hbsche Aussicht bietet, schliet sich die hochinteressante
Felsenstadt der bewaldeten Klusberge, die sogenannte Halberstdter
Schweiz. Am nordwestlichen Fue des dritten Zuges, der im Hoppelberge bis
zu 309 Meter aufsteigt und einen wundervollen Blick auf Berg und Land
gewhrt, liegt, vom Goldbach besplt, inmitten eines herrlichen Parkes
das Schlo Langenstein, in dem einst Goethe die schne Frau von Branconi,
die Geliebte des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig und
Freundin Lavaters, besuchte. An der Ruine der benachbarten Altenburg und
weiterhin finden sich in den Felsen gehauene Hhlungen, die noch heute --
wohl ein Unicum in ganz Deutschland -- als Wohnungen benutzt werden.

[Illustration: Abb. 89. =Schlohof von Falkenstein.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Kloster Michaelstein.]

Dem Goldbach aufwrts bis zum Gebirge und dann im lauschigen
Klostergrunde dem Rippenbach folgend, gelangen wir bei seinem Quell, dem
Volkmarsbrunnen, an den Volkmarskeller, zwei in den Fels gehauenen
Gewlbe, in denen im Anfange des zehnten Jahrhunderts die fromme
Klausnerin Liutburg, die selbst der heilige Ansgar von Bremen besuchte,
und spter der Einsiedler Volkmar mit seinen Genossen hauste. Die auf der
benachbarten Klippe jngst blogelegten Grundmauern sind die letzten
Reste des ltesten Klosters Michaelstein, das sich zwischen 1139 und 1148
aus jener Brderschaft entwickelte. Aber den Cisterziensern, die aus
Altenkampen hier einzogen, war der Ort zu rauh und abgeschieden, schon
nach einigen Jahrzehnten zogen sie thalabwrts und grndeten am anmutigen
Ausgange des Klostergrundes Neu-Michaelstein (Abb. 63 und 64). Von allen
Seiten reich begabt, gedieh das Kloster trefflich bis in das sechzehnte
Jahrhundert. Im Frhling 1525 aber strmten es die Rotten wtender
Bauern, und acht Jahre spter ward es von Wilhelm von Haugwitz, einem
Feinde des Herzogs Georg von Sachsen, niedergebrannt. In dem wieder
erstandenen und zu Luthers Lehre bergetretenen Kloster, in dem
zeitweilig eine Schule eingerichtet war, fhrten bald die Grafen von
Regenstein und nach deren Erlschen die Herzge von Braunschweig den
Abtsstab. Der letzte dieser frstlichen Abte ist der tolle Christian
des dreiigjhrigen Krieges, zugleich Bischof von Halberstadt. Auf unsere
Tage sind vom alten Kloster nur der schne gotische Kreuzgang, das
romanische Refektorium und eine Krypta gekommen.

[Illustration: Abb. 90. =Schlo Ballenstedt.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Der Regenstein.]

Dem Klostergut Michaelstein gegenber, das jetzt ein Vorwerk der Domne
Heimburg bildet, steigt 100 Meter hoch aus der Ebene der Regenstein (Abb.
65) auf, ein 2 Kilometer langer Quadersandsteinfelsen, eine natrliche
Festung mit ruinenartigen Trmen und Thoren. An der kleinen Rotrappe,
einer interessanten Felsbildung, vorber, gelangen wir an die Trmmer der
um das Jahr 1100 erbauten Grafenburg. Alle Gemcher, auch die im Anfange
dieses Jahrhunderts zum Tanzsaal entweihte Kapelle, sind in den
gewachsenen Felsen eingehauen, von den auf den jh abstrzenden Platten
und Kuppen einst vorhanden gewesenen Trmen, Mauern und Gebuden sind nur
noch Spuren vorhanden.

[Sidenote: Blankenburg.]

Das mchtige Grafengeschlecht, dem auch die Linien Blankenburg und
Heimburg angehren, beherrschte nicht nur das heutige braunschweigsche
Frstentum Blankenburg, sondern besa auch noch einen groen Teil der
Vorlande des Harzes, und die ihm zustehende Edelvogtei des Kaiserstiftes
Quedlinburg verlieh ihm noch besondere Bedeutung und Glanz. Da begannen
im vierzehnten Jahrhundert die Bischfe von Halberstadt, vor allem
Albrecht V. aus dem Hause Braunschweig, mit groer Beharrlichkeit die
Grafen aus ihrer Machtstellung im Harzgau zu verdrngen. Nicht ohne
Bewunderung und Teilnahme kann man das mannhafte, aber unglckliche
Ringen der Grafen gegen den mchtigen Nachbar, der auch unwrdiger Waffen
sich zu bedienen keinen Anstand nahm, ihr einmtiges Zusammenhalten im
Kampfe um ihr gutes Recht im einzelnen verfolgen, und der Heimburger
Albrecht III., den die Volkssage als den Raubgrafen bezeichnet, diesen
thatkrftigsten aller Regensteiner, der auch in der Notwehr das Recht des
andern achtet, darf unsrer wrmsten Sympathie sicher sein, wenn wir ihn
1348 unter tckischem Schwert verbluten sehen.

Albrechts Nachkommen verarmten im fnfzehnten und sechzehnten Jahrhundert
trotz aller Sparsamkeit -- Graf Ulrich verbrauchte fr seine Person
jhrlich nur 939 Gulden -- mehr und mehr, und am 4. Juli 1599 ging still
und ruhmlos, in Elend und Drftigkeit, von niemanden beklagt, von
niemanden beachtet, der Letzte des Grafenstammes zu Grabe, der einst zu
den mchtigsten, geachtetsten und gefrchtetsten gehrt, der Hunderte von
Rittern, Kirchen und Klstern mit reichen Besitzungen beschenkt und
beliehen hatte, dessen Waffen einst im fernen Norden ebenso laut und
siegreich erklangen wie im fernen Sden am Grabe des Erlsers.

Im Jahre 1670 bemchtigte sich der Groe Kurfrst als Inhaber des Bistums
Halberstadt des Regensteins und begann nach Fargells Plane den Umbau der
Festung, der sich 50 Jahre lang hinzog. Die zahlreichen in den Felsen
gesprengten Kasematten rhren aus jener Zeit. Aber als sich die Festung
im Ernstfalle nicht bewhrte -- zweimal fiel sie im siebenjhrigen Kriege
in die Hnde der Franzosen -- lie Friedrich sie schleifen, die Mauern
bis auf den Boden, die Gebude bis auf den Grund zerstren. Noch heute
ist der Regenstein eine preuische Enklave im braunschweigischen Gebiete.

Einer Lilie gleich im Kranze grner Waldberge, die sie im Halbkreise
umgeben, leuchtet die Blankenburg (Abb. 66) von dem hellen Kalkfelsen des
Blankensteins weit hinaus in die Vorlande.

Whrend alle andren Randstdte des Harzes am Ausgange eines Fluthales
liegen, steigt Blankenburg (Abb. 67 u. 68), als wollte es an die
schtzende Burg sich anschmiegen, terrassenfrmig, wie aus sdlichen
Landen hieher versetzt, den Schloberg hinan. Vom hochgelegenen
Marktplatze, an dem wir das in seinem ltesten Teil schon aus dem Jahre
1233 stammende Rathaus betrachten, klimmen wir auf 76 Stufen zur
Bartholomuskirche hinauf, von der ehemals statt des jetzigen steilen
Weges eine Treppe von 266 Stufen zur Schlorampe hinauffhrte.

Die lteste Blankenburg fand ihren Untergang in den Kmpfen Heinrichs des
Lwen und Kaiser Barbarossas. Das neue Schlo, anfangs ein einfacher Bau,
ward im fnfzehnten und sechzehnten Jahrhundert, als es den Grafen auf
dem Felsenneste im Regenstein ungemtlich wurde, bedeutend erweitert und
umgebaut, doch brannte 1546 das Haupthaus in einer entsetzlichen
Feuersbrunst, aus welcher Graf Ulrich, ohne seiner erstickenden Gemahlin
helfen zu knnen, kaum das Leben rettete, wieder nieder; und kaum war nun
endlich 1595 der Bau vollendet, da schlo der letzte Blankenburger, ein
Knbchen von drei Jahren, die Augen.

Im Jahre 1690 wurde Blankenburg, sehr zur Freude und zum Vorteil der
durch den dreiigjhrigen Krieg schwer geschdigten Brger, stndige
Residenz. Herzog Ludwig Rudolf schlug hier seinen glnzenden Hof auf und
suchte Ludwig XIV. in ppigen Festen und Jagden und Komdien zu
berbieten und was sonst an Zeit noch blieb, mit Pegnitzer Schferspielen
und adeligen Bauernhochzeiten auszufllen. Und als die lteste Prinzessin
die Gemahlin des (spteren) Kaisers Karl VI. und die zweite die des
russischen Thronfolgers Alexei ward, gestaltete sich die Hofhaltung noch
luxuriser. Doch bald waren die Tage des Glanzes vorber, denn als Ludwig
Rudolf 1731 auch Braunschweig erbte, verlegte er dahin seine Residenz.

Da die Kaiserin Maria Theresia einen groen Teil ihrer Kinderjahre bei
den Groeltern in Blankenburg verlebt hatte, kam der Stadt im
siebenjhrigen Kriege zu gute: die sterreichischen Truppen muten sie
schonend behandeln.

Von 1796-98 war Blankenburg die Zufluchtssttte des spteren
franzsischen Knigs Ludwig XVIII.; da wohnten Grafen, denen in der
Heimat kaum ein Schlo gerumig genug gewesen war, in engen Dachkammern.

Das auen nchtern sich darstellende Schlo enthlt viele Prunkzimmer und
wertvolle Gemlde, aber schner noch ist der Blick durch die Fenster auf
die waldumkrnzten Berge, in die reichgeschmckten Thler, und ein Gang
durch die prchtigen Gartenanlagen, die unmittelbar in hohen Buchenwald
bergehen.

[Illustration: Abb. 91. =Ballenstedt=.

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]




                                   XV.

                           Die Bodelandschaft.


Wir kehren noch einmal auf das Brockenfeld zurck, um auch der Bode, dem
bedeutendsten seiner Flsse, das Geleit durch den Harz zu geben.

[Illustration: Abb. 92. =Flammofen-Anlage auf Kupferkammer Spurhtte.=

(Aus: Bilder aus dem Bergwerks- und Httenbetriebe der Mansfeld'schen
Gewerkschaft, Verlag der Kuhnt'schen Buchhandlung [E. Graefenhan] in
Eisleben.)]

Von ihren Quellflssen entspringt die Kalte Bode unter dem Knigsberge,
mit der Ecker in demselben, hchst gelegenen Moore, und pltschert
zwischen Knigsberg und Erdbeerkopf einer- und Wurmberg und Barenberg
anderseits der Gegend der Elenden und Schurken zu.

[Sidenote: Schierke.]

Schierke (Abb. 70), das seit 1888, dem Jahre seiner Entdeckung, sich
mit fast fieberhafter Bauthtigkeit zu einem der besuchtesten und
vornehmsten Badeorte aufgeschwungen hat, ist das einzige Dorf mit
Brockencharakter (Abb. 69). In gleicher Hhenlage mit der Stadt
Klausthal, wird es eng von hohen, finsterbewaldeten Bergen
eingeschlossen; wunderbare Granitfelsen, wie die regelmig geschichtete
Mauseklippe, die langen Felsennasen der magnetischen Schnarcher, zwei
von Riesenhand roh erbaute 26 Meter hohe Trme, von denen sich Thal und
Dorf prchtig bersehen lassen, die Schersthor- (das ist Thors Thor)
Klippen, der Arensklint (d. i. Adlerklippe) (792 Meter) und die
Feuersteinsklippen, ragen seitwrts empor, und Waldgrund und Wiese sind
mit groen und kleinen Granitbrocken dicht berst. Bei Elend, das dem
100 Meter hher gelegenen Schierke als Sommerfrische nachzukommen sucht
-- wir gelangen dorthin auf herrlichem, die rauschende Bode begleitenden
Pfade -- tritt diese aus dem Granitgebiete heraus und wird, wie um sich
von dem Geflle von 400 Meter zu erholen, ein stilles, harmloses
Wiesenflchen. Es gibt im Harze keinen gleich groen landschaftlichen
Gegensatz so unmittelbar nebeneinander.

Unterhalb des Httenortes Knigshof, der eine Fortsetzung der Rotenhtte
bildet, nimmt die Kalte die Warme Bode auf. Am Sdende des Brockenfeldes,
nrdlich von der Achtermannshhe entsprungen, drngt sie sich zwischen
dieser und dem Wurmberg durch und schlgt ber den 560 Meter hoch
belegenen Flecken Braunlage (Abb. 71), der als Sommerfrische zusehends
aufblht, und Tanne, dem Anfangspunkte der Zahnradbahn nach Blankenburg,
einen halbkreisfrmigen Bogen. Den 968 Meter hohen Wurmberg besteigen wir
auf roher Steintreppe von Braunlage aus; die bewaldete Kuppe gestattet
aber nur den Durchblick durch einige Schneisen.

[Sidenote: Elbingerode. Hermannshhle.]

Von Knigshof fhrt die Bahn nach der 467 Meter hoch zwischen Kornfeldern
und groen Weideflchen gelegenen Stadt Elbingerode, in der am 20. Mrz
1744 der franzsische Marschall von Belle-Isle vom Amtmann Meyer auf
eigene Hand gefangen genommen wurde. Wir aber folgen dem Fupfade, der
uns ber die vor einigen Jahren wieder blogelegte Knigsburg, das ist
die alte Jagdpfalz Bodfeld, auf der Kaiser Heinrich III. in den Armen
eines Papstes starb, und an der Susenburg, einer vorgeschichtlichen
Wallburg in der ersten der wunderlichen Krmmungen der Bode, vorber nach
dem Httenorte Rbeland (378 Meter) fhrt.

Von den drei berhmten Tropfsteinhhlen, welche dem brigens hbsch
gelegenen Rbeland zahllose Fremde zufhren, war die Baumannshhle schon
um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts allgemein bekannt, dagegen ist
die Hermannshhle (Abb. 72) erst 1866 entdeckt. Wenn auch jene durch die
Hhe und Weite ihrer prchtig gewlbten Rume die Hermannshhle
bertrifft, so hat diese doch schnere und reinere Tropfsteingebilde.
Wunderniedlich sind die schneeweien Figrchen in ihrer Krystallkammer,
hbsch auch die Blaue Grotte und andre Naturspiele.

Von Rbeland ersteigt die Zahnradbahn das auf einer baumlosen Hochebene,
447 Meter hoch, inmitten einer weiten Ackerflur belegene Dorf Httenrode.
Nichts in der Umgebung, nur das rauhere Klima, das den Roggen erst im
September reifen lt, sagt uns, da wir uns wirklich im Gebirge
befinden.

[Illustration: Abb. 93. =Otto-Schchte I und III.=

(Aus: Gruben- und Httenanlagen der Mansfeld'schen Gewerkschaft, Verlag
der Kuhnt'schen Buchhandlung [E. Graefenhan] in Eisleben.)]

[Sidenote: Das Bodethal.]

Um der Bode nach Altenbraak ungestrt folgen zu knnen, holen wir
zunchst auch die Rappbode heran. Sie entspringt am hohen Sdrande des
Gebirges, wendet sich aber nrdlich auf das 535 Meter hoch gelegene
Stdtchen Benneckenstein, eine Station der Harzquerbahn, fllt durch Wald
bis zu dem von Sommerfremden noch nicht entdeckten Trautenstein um 80
Meter und schlngelt sich, von rechts die Hassel aufnehmend, in einem
lieblichen Thal dem Hauptflusse zu. An der Hassel liegen in einer Gegend,
wo vom Gebirge wenig wahrzunehmen ist, der schon oberdeutsch redende
Flecken Stiege (482 Meter) an hbschen Teichen und das Stdtchen
Hasselfelde, die Endstation der ber Gntersberge herangefhrten
Selkebahn.

[Illustration: Abb. 94. =Schrmarbeit.=

(Aus: Bilder aus dem Bergwerks- und Httenbetriebe der Mansfeld'schen
Gewerkschaft, Verlag der Kuhnt'schen Buchhandlung [E. Graefenhan] in
Eisleben.)]

Felsen wie bei Rbeland treten im Bodethal zunchst nicht wieder auf.
Ohne starkes Geflle (1 : 300) rauscht der breite Flu, von einem
Wiesensaum friedlich eingefat, zwischen den mchtigen Hhen dahin, an
denen das heitere Buchengrn mehr und mehr das Fichtendunkel verdrngt.
Zwischen der Mndung der Rappbode und der Luppbode in der Gegend von
Wendefurt und Altenbraak hufen sich seine Windungen in so wunderbarer
Weise, da er oft in sich selbst zurckzukehren scheint, ja da man
einmal den Flu an sechs verschiedenen Stellen erblickt.

Von Treseburg (Abb. 73) ab, wo die Bode in dem schluchtenartigen Thal der
Engen Wege, dem nur durch bedeutende Felsensprengungen ein schmaler
Pfad hat abgerungen werden knnen, mit starkem Geflle (1 : 90) das
Granitgebiet des Rambergs zu durchbrechen unternimmt, steigert sich die
herzerquickende Schnheit des Thales von Schritt zu Schritt. Die Klippen,
welche aus den Buchenhngen hervortreten oder streckenweise ganz mit
ihnen wechseln, werden schroffer und nehmen abenteuerlichere Gestalten
an, bis sich von den Gewitterklippen abwrts ihr Charakter zur Wildheit
steigert. Aber um die starren Glieder schlgt berall snftigend der
ppige Laubwald in allen Schattierungen sein prchtiges Gewand. Welche
entzckende Mannigfaltigkeit in buntem Wechsel! In den gemischten
Bestand der Fichte und Buche, mit dem der Harz auch sonst seine
Thalhnge schmckt, treten hier auch noch Ahorn und Esche, Linde und
Ulme, die Eiche mit ihrem dunkelglnzenden Blatte und die flimmernde,
weiborkige Birke ein, ja selbst die knorplige Eibe mit ihrem
schwarzgrnen, schweren Nadelbehange, gleichsam die Vertreterin einer
aussterbenden Generation, beteiligt sich an der festlichen Ausschmckung
des Thales, und von den hchsten Felsen schaut die Kiefer, mit ihrem
hellbraunen Stamme eine gar ausdrucksvolle Zierde, jhlings in die Tiefe.
Was aber all den Felsgebilden und der bestrickenden ppigkeit des
Baumwuchses erst das rechte Leben gibt, das ist das tosende, schumende
Wasser des eng eingeklemmten, leidenschaftlich aufgeregten Flusses, der
wie wtend zwischen den Felstrmmern hindurchrast, um brausend in den
tiefen, wirbelnden Kessel zu strzen (Abb. 74).

Aber auch der Weg von Thale an der schumenden Bode aufwrts bis zu der
ber den Bodekessel fhrenden Teufelsbrcke, an der frher der Pfad
endete, ist geeignet und ausreichend, das ob des zauberhaft schnen
Bildes staunende Auge mit Wohlgefallen zu sttigen und das Herz mit
heiligem Schauer zu erfllen. Die tiefe, khle Felsspalte (Abb. 75), in
welche die Sonne kaum herunterzublicken vermag, verengert sich Schritt
fr Schritt; hier sind die Seitenwnde durch die Verwitterung zu
seltsamen Zacken zersgt oder zu Gebilden umgestaltet, denen man die
Namen Bodethor, Bergkanzel, Mnch hat geben knnen, dort scheint gar die
Ruine einer ganzen Ritterburg am Felsen zu hngen; hier drohen die
Felsenmauern herniederzubrechen, dort berbrckt der Pfad mhsam einen
Abgrund; oft scheint die Schlucht sich vllig zu schlieen, aber hinter
der vorspringenden Wand ffnet sich, oft kesselartig, an der sich
krmmenden Bode eine neue ebenso wilde und groartige Spalte.

[Sidenote: Rotrappe. Hexentanzplatz.]

Auf dem Zickzack der Schurre ersteigen wir die Rotrappe (375 Meter),
genieen den glnzenden Rundblick vom Turme der Winzenburg, einer durch
Grber und andre Funde bezeugten vorgeschichtlichen Wallburg, und treten
auf den 25 Meter unter dem Gasthause liegenden, von keines Menschen Hand
erbauten Turm des Felsenthores, durch welches das wilde Harzkind in das
Land hinaustritt. Kaum zwei Meter breit, aber auf sicheren Pfeilern
ruhend, schiebt sich seine (vorgeschichtlich befestigte) Plattform aus
dem Granitwalle nher an den Flu heran, so da das Auge unbehindert
aufwrts und niederwrts in die Felsenwelt eindringen und 200 Meter tief
in die Thalschlucht, aus der das Brausen und Rauschen der alten Bode wie
leises Gemurmel unverdrossen heraufklingt, sich senken kann. Und siehe
hier die Trappe, welche der Huf des Riesenpferdes in die harte
Granitplatte, beim gewaltigen Sprunge quer ber das Thal hart
aufschlagend, eingegraben hat!

[Illustration: Abb. 95. =Abteufen des Segengottes-Schachtes.=

(Aus: Bilder aus dem Bergwerks- und Httenbetriebe der Mansfeld'schen
Gewerkschaft, Verlag der Kuhnt'schen Buchhandlung [E. Graefenhan] in
Eisleben.)]

Der zweite Pfeiler des Bodethores, der Hexentanzplatz (Abb. 76), berragt
den Rotrappfelsen um 80 Meter. Der Blick in die Tiefe und in die
zerspaltenen Granitwnde und dann in die Hhe zum blauen Brocken, der
sich unmittelbar auf die Felswand aufzusetzen scheint, und wieder in die
lachende Ebene mit ihren Drfern und Stdten: das alles bewegt das Herz
gewaltig und wunderbar, wenn anders die Flut der Gste, die nur auf dem
Brocken noch grer ist, uns den Genu nicht verkmmert.

[Sidenote: Thale. Quedlinburg.]

Ehe wir der Bode von dem 9600 Einwohner zhlenden Dorf Thale, mit dem als
Sommerfrische ersten Ranges nur noch Harzburg und Schierke konkurrieren,
nach Quedlinburg folgen, werfen wir zur Linken einen Blick auf die
Teufelsmauer. Vom Blankenburger Schlosse durch einen tiefen Einschnitt
getrennt, zieht sich dem Harzrande parallel ein schmaler Bergzug nach
Osten, dessen bewaldeter Abhang der Heidelberg heit. Auf dem Rcken
selbst ragt ein wunderbares Felsenriff aus Quadersandstein in vielen
Unterbrechungen, hier anmutig mit Bumen und Krutern bewachsen, dort
kahl und nackt, hervor. Wie von Riesenhand absichtlich zusammengewlzt,
zeigt es sich hier als schroffe Klippe, senkt sich dort zerklftet und
zerteilt nieder, lt sich streckenweise nur in zersplitterten,
unordentlich umhergeworfenen Gesteinsbrocken verfolgen und verschwindet
dann vllig, um in der Nhe der Bode, Thale gegenber, wieder
aufzutauchen. Die Sage bezeichnet diese Riesenmauer als ein Werk des
Teufels, der sich mit Gott um die Herrschaft ber die Erde stritt. Auf
dem Lbbekensteige, der ber den ganzen Zackenkamm fhrt, gelangen wir zu
ihren besten Aussichtspunkten, dem Brockenblick und dem Grovater.

[Illustration: Abb. 96. =Mansfelder Georgsthaler von 1620.=]

Auf dem von der Bode unmittelbar besplten, einem lieblichen Blumengarten
gleichenden Gottesacker der Servatius- oder Schlogemeinde lag der alte
Knigshof Quitelingen (d. i. Niederlassung auf der Flugabel), von dem
die Ottonen so oft das Reich regierten. Die angrenzende seit 1816 zur
Scheune erniedrigte Sankt Wipertikirche ist die lteste weit und breit.
Auf scharf von der Bode aufsteigendem Sandsteinfelsen erhebt sich neben
dem aus dem sechzehnten Jahrhundert stammenden Schlosse der btissinnen,
dessen Einrichtung Hieronymus Napoleon zu Gelde gemacht hat, der
wertvollste Schmuck Quedlinburgs (Abb. 78), die lange vernachlssigte und
erst in neuester Zeit wieder zu Ehren gekommene herrliche Schlokirche,
die als ein Wahrzeichen der Stadt weit in die Lande leuchtet. In ihrer
Krypta ist Knig Heinrich I., ihr Erbauer, mit seiner Gemahlin
beigesetzt. Die Oberkirche, eine frhromanische, dreischiffige Basilika
mit gerader Balkendecke, stammt im wesentlichen aus der von 1070 bis 1129
reichenden Bauperiode, der Chor ist jedoch im vierzehnten Jahrhundert
gotisch umgebaut. In der Cither, der zugleich als Sakristei dienenden
Schatzkammer (Abb. 79), werden unter andern Kostbarkeiten der von der
Kaiserin Teophano geschenkte Krug von der Hochzeit in Kana, ein von
Knig Heinrich I. geschenktes wertvolles Reliquienkstchen, mit
Elfenbeintfelchen ausgelegt, auf denen Scenen aus Christi Leben in
Hochrelief dargestellt sind, und ein Bruchstck einer mit prachtvollen
byzantinischen Miniaturen bedeckten Itala, der ltesten lateinischen
Bibelbersetzung aufbewahrt. Unter der Kirche ziehen sich weite in den
Sandsteinfelsen eingehauene Grabgewlbe hin, in denen die Leichen nicht
verwesen; besonders schn erhalten ist die der schnen Prpstin Aurora
von Knigsmark, doch darf sie nicht gezeigt werden.

Die Vogtei ber das auch nach der Reformation fortbestehende Stift ging
1697 von den Wettinern an Brandenburg ber. Reichsunmittelbar war dieses
dem Namen nach bis zu seiner Aufhebung und Einverleibung in Preuen im
Jahre 1801.

[Sidenote: Quedlinburg. Suderode. Gernrode.]

Vom Schloplatze, an dem Klopstocks Geburtshaus aus dem sechzehnten
Jahrhundert uns besonders anzieht, gelangen wir durch den Finkenherd in
die altertmliche Stadt mit ihren schnen Kirchen und dem mit wildem Wein
dicht berwucherten im Jahre 1615 im Renaissancestil umgebauten Rathause
(Abb. 77). Um das Jahr 1000 mit Stadtrechten begabt und zur Zeit ihres
blhenden Handels ein angesehenes Glied der Hansa, ist Quedlinburg,
dessen Einwohnerzahl von 10000 im Jahre 1807 auf 23400 im Jahre 1900
gestiegen ist, heute vorwiegend Grtnerstadt.

[Illustration: Abb. 97. =Mansfelder Thaler von 1811.=]

Die vielgetrmte Innenstadt, das aus dem Westendorf hochragende Schlo,
die neuen Vorstdte mit ihren Villen und Fabriken vereinigen sich mit dem
Kranze der in allen Farben prangenden Fluren, dem Lustwldchen des
Brhls, in welchem dem Snger des Messias und dem Geographen Karl Ritter
Denkmler (Abb. 80 u. 81) errichtet sind, mit den mittelalterlichen
Warten rings auf den Hhen und der Felsreihe der Teufelsmauer und den
dunklen Harzbergen im Hintergrunde zu einem Bilde von eigenartiger
Schnheit.

[Illustration: Abb. 98. =Mansfelder Thaler von 1862.=]

Wir kehren noch einmal nach Thale zurck, um durch das waldumkrnzte
Steinbachthal ber die Georgshhe (386 Meter) nach dem mit seinen
Obstgrten idyllisch in den Laubwald des Wurmbachthales eingebettete Dorf
Stecklenberg zu wandern, das sich, noch frei von Kurhusern und Villen,
seine jungfruliche, lndliche Anmut und Einfachheit bewahrt hat. Und von
den benachbarten Ruinen der Stecklenburg und der hheren Lauenburg, von
deren noch besteigbarem Turme (348 Meter) man auch den fernen Brocken
ber den dichten Massen saftgrnen Buchenwaldes erblickt, weht ein
romantischer Hauch ber das friedliche Dorf.

[Sidenote: Gernrode.]

Den Gebirgsrand entlang schreitend, gelangen wir an zwei schwesterlich
aneinander geschmiegte Orte, das preuische Dorf Suderode (Abb. 82, 198
Meter) und das anhaltische Stdtchen Gernrode (Abb. 83, 224 Meter), die
zusammen etwa 4500 Einwohner haben. Der lieblich am Waldsaum gelegene
Kurort Suderode heit nicht mit Unrecht das Harzer Montreux. Lieblich ist
die Aussicht vom 314 Meter hohen Stubenberge in das waldumschlossene
stille Hagenthal und auf das Hgelgelnde um Quedlinburg mit etwa 40
Ortschaften; auch die Gegensteine, mit denen die Teufelsmauer nach langer
Unterbrechung wirksam abschliet, reihen sich malerisch in das Bild ein.
In das Innere von Gernrode lockt uns ein Prachtstck ersten Ranges, die
einfach-derbe Stiftskirche, ein romanischer Bau aus dem zehnten
Jahrhundert, wie es in dieser Vollstndigkeit keinen zweiten in ganz
Deutschland gibt. Im Jahre 959 vom Markgrafen Gero, dem gewaltigen und
gewaltthtigen Besieger der Slaven, begonnen, ward sie erst von seiner
Schwiegertochter Hedwig, der ersten btissin des von ihm gegrndeten
vornehmen Frauenstiftes, vollendet. Nach mancherlei Unbilden frherer
Zeit wurde die Kirche des im Jahre 1614 von Anhalt eingezogenen Stiftes
1832 mit dem Klostergute verkauft; nun wurden die Kreuzgnge zu
Viehstllen, die Krypta zum Kartoffelkeller, der Raum ber der flachen
Decke zum Getreideboden entweiht. Der Dank fr die Erhaltung und
Wiederherstellung gebhrt dem edlen Frstenhause Anhalt: Herzog Alexander
Karl kaufte sie zurck, und er und seine Nachfolger lieen sie seit 1859
mit einem Kostenaufwande von 400000 Mark wrdig restaurieren. Eine
Basilika mit Querschiff und westlichem Turmbau, ist sie in ihren
Formbildungen gewissermaen ein Spiegel der Roheit, aber auch der
Soliditt des im zehnten Jahrhundert noch vllig von der Kultur
unberhrten krftigen Sachsenstammes (Abb. 84).

[Illustration: Abb. 99. =Markt mit Luther-Denkmal und Andreas-Kirche in
Eisleben.=]

Vor dem Kreuzaltar im Mittelschiff befindet sich die Grabsttte Geros.
Das prchtige Denkmal in Sarkophagenform hat 1519 die btissin Elisabeth
von Weida (Reu) durch einen Knstler der Nrnberger Schule anfertigen
lassen. Diese Elisabeth, welche von 1504 bis 1532 regierte, ist die
grte unter den Frstinnen-Aebtissinnen von Gernrode. Auf dem Reichstage
zu Worms lie sie sich durch einen besondern Bevollmchtigten vertreten,
erlangte 1521 vom Kaiser Karl V. die Besttigung der Privilegien und trat
in demselben Jahre noch als die erste aller reichsunmittelbaren
btissinnen, ohne sich durch die benachbarten Frsten und Bischfe irre
machen zu lassen, zur Lutherischen Lehre ber; und als 1525 der groe
Bauernkrieg auch die Grndung Geros mit Vernichtung bedrohte, trat sie
unerschrocken und im Bewutsein geistiger berlegenheit den Aufrhrern
entgegen und brachte sie durch verstndige Vorstellung zum Gehorsam gegen
ihre Obrigkeit zurck.

[Illustration: Abb. 100. =Eisleben.=]

Durch das Hagenthal steigen wir zum Ramberge hinauf. Gleich dem Brocken
Mittelpunkt einer Graniterhebung und wie dieser mit Granittrmmern
berst, welche auf seinem abgerundeten Gipfel die sogenannte
Teufelsmhle bilden, erhebt er sich zwischen Bode und Selke zu einer Hhe
von 595 Meter, 200 Meter ber die Hochebene an seinem Fue. Von dem auf
ihm, der Viktorshhe, 1829 erbauten Holzturme hat man einen weit
umfassenden, doch ziemlich einfrmigen Rundblick.




                                  XVI.

                          Die Selkelandschaft.


Die Selke entspringt auf der einfrmigen Hochebene des Unterharzes in 500
Meter Meereshhe nrdlich von Friedrichshhe, fliet als einfaches
Rinnsal, immer von der Bahn begleitet, ber Gntersberge (410 Meter) nach
Lindenberg-Straberg und schlgt hier nordstliche Richtung auf
Mgdesprung ein. Erst bei der Silberhtte erhlt das bis dahin flache
Thal durch die von Fichten und Kiefern umsumten Wiesengrnde einen
gewissen Reiz. Von dem 325 Meter hoch in einem freundlichen
Laubwaldkessel belegenen Alexisbad (Abb. 85) an erschlieen sich aber dem
Wanderer von Schritt zu Schritt wechselnde liebliche Bilder. Aus dem
herrlichen, mit Eichen, Birken und andern Laubbumen, auch mit Fichten,
durchsprengten Buchenwalde, welcher die Gehnge des Thales schmckt,
starren hie und da, manche wie verstohlen, einzelne Klippen und ganze
Felswnde heraus; die bedeutendste ist die sagenhafte Mdchentrappe ber
dem durch seinen vorzglichen Kunstgu rhmlichst bekannten Httenorte
Mgdesprung (Abb. 86). Doch ist der Blick von der anliegenden
Freundschaftsklippe noch schner als von der mit einem drei Meter hohen
eisernen Kreuze bezeichneten Trappe. Der Wellenschlag der vom Winde
bewegten Wipfel der dsteren Waldung, ber welche die ruhige Kuppe des
Ramberges ernst herberblickt, das frische, krftige Grn unmittelbar
ber nacktem Fels, die weichen, geschwungenen Linien der Hhenzge machen
das fr die Selkelandschaft charakteristische Bild trotz seiner
Einfachheit anziehend und erhebend.

[Sidenote: Harzgerode. Falkenstein.]

Seitwrts liegt auf einer 395 Meter hohen Ebene, die nach altem Spruche
Korn und Geld trgt, im Mittelpunkte von acht groen strahlenfrmig von
hier ausgehenden Straen, das 4300 Einwohner zhlende Stdtchen
Harzgerode, einst Residenz einer Linie des Hauses Anhalt, deren Glieder
unter der Kirche ihre Ruhesttte gefunden haben. In dem derben, doch
wrdigen Schlosse, aus dessen Mnze die schnen anhaltischen
Ausbeutethaler und auch jngere Mnzen tadellosen Geprges (Abb. 87)
stammen, befindet sich jetzt eine groe Mineraliensammlung, welche
seltene Prachtstcke aus den Gruben des Herzogtums enthlt. Von
Mgdesprung, wo die Eisenbahn sich an der Ruine der Heinrichsburg vorber
auf Gernrode wendet, schlngelt sich die Selke, von Wiesen besumt,
manderartig durch das breite, sich mehr und mehr vertiefende Thal, an
dessen schnster Stelle, bei der Selkemhle, ein verbotener Aufstieg zu
den sprlichen Trmmern der von Otto dem Reichen und seinem Sohn Albrecht
dem Bren erbauten Burg Anhalt fhrt; und kurz vor ihrem Eintritt in das
Flachland schaut der schimmernde Falkenstein 150 Meter auf die Thalsohle
hernieder.

Um das Jahr 1080 erschlug Egeno von Konradsburg den Grafen Adalbert von
Ballenstedt in hinterlistigem berfall; zur Shne dieses Mordes
verwandelte sein Sohn Burchard die ber Ermsleben belegene Stammburg in
ein Kloster und erbaute sich die Burg Falkenstein, nach der er sich 1120
zum erstenmal benannte. Sein Enkel Graf Hoyer lie um das Jahr 1230 auf
dem Falkenstein durch den Schffen Eike von Repgow aus dem
Gewohnheitsrecht des alten Sachsenlandes und den Weistmern (Urteilen)
der Freien- und Godinge den berhmten Sachsenspiegel zusammenstellen, der
in seiner eigentlichen Gestalt in Norddeutschland, Preuen, Polen und
einem Teil der russischen Ostseeprovinzen, in einer Nachahmung als
Spiegel aller deutschen Leute und dem auf diesem beruhenden
Schwabenspiegel im brigen Deutschland das nationale Gesetzbuch wurde.
100 Jahre spter, 1332, verkaufte der letzte seiner Nachkommen, Graf
Burchard, ohne die Rechte seiner an den Grafen Albrecht von Regenstein
verheirateten Schwester Oda zu achten, die 1296 durch die Herrschaft
Arnstein vergrerte Grafschaft an den Bischof von Halberstadt, und die
darob entbrennende, von dem Quedlinburger Julius Wolff im Raubgrafen so
anschaulich geschilderte Fehde vermochte daran nichts zu ndern. Wieder
100 Jahre spter ging dann der Falkenstein, 1437 als Pfand-, 1449 als
Lehnsbesitz, an die Herren von der Asseburg, die Nachkommen des zur Zeit
des Kaisers Otto IV. hervorragenden Gunzel von Wolfenbttel ber, und
diese Grafen von der Asseburg-Falkenstein besitzen die noch immer
bewohnbare Burg noch heute.

[Sidenote: Falkenstein. Ballenstedt.]

Niemals in Krieg und Fehde beschdigt, nie von Feuersbrunst heimgesucht,
bietet das herrliche Schlo (Abb. 88 u. 89) das einzige Beispiel im
ganzen Harze, noch jetzt das vllig getreue Bild eines mittelalterlichen
Grafensitzes dar. Dazu ist die Aussicht von der Galerie des gewaltigen
runden Bergfrieds, der Blick auf das grne Waldmeer mit den hochragenden
Felsinseln des Rambergs und des Brockens und in das Flachland hinaus bis
zu den Bergzgen des Huy und Hakel und zu den Domtrmen von Magdeburg
wahrhaft entzckend.

An dem im schnen Parke belegenen Schlosse Meisdorf, dem jetzigen
Grafensitze, ber dem 275 Meter hoch die Reste des Klosters Konradsburg
liegen, und an dem als Gleims Geburtsstadt bekannten Ermsleben, der
Hauptstadt der Grafschaft, vorber, strebt nun die Selke der Bode zu.

An der ihr vorher zuflieenden Krummen Getel, dem anhaltinischen
Mander, liegt inmitten blumengeschmckter Grten und eintrglicher
Obstplantagen 217 Meter hoch die freundliche, stille Stadt Ballenstedt
(Abb. 91), die Sommerresidenz des Herzogs von Anhalt.

[Illustration: Abb. 101. =Luthers Geburtshaus in Eisleben.=]

[Sidenote: Ballenstedt.]

Der erste aus dem schwbischen Geschlechte der Askanier, der sich nach
Ballenstedt nennt und demnach auf dieser Burg wohnte, ist Esike, Graf im
Schwabengau. Als dessen Sohn Adalbert auf dem Wege nach Aschersleben
erschlagen wurde, wandelten seine Nachkommen -- sein Sohn Otto der Reiche
und sein Enkel Albrecht der Br -- den Stammsitz Ballenstedt in ein
Kloster um und erbauten sich auf einer Hhe im Selkethal die Burg Anhalt,
nach der jetzt das ganze Herzogtum genannt wird. Doch war das Kloster
gerumig genug, neben Abt und Konvent auch dem Stifter und Schirmherrn
einen Wohnsitz zu gewhren. Als Albrecht der Br, der groe Markgraf von
Brandenburg, der nach vlliger Niederwerfung der Wenden die verdeten
Gegenden an der Elbe, Havel und Spree mit niederlndischen und
rheinischen Kolonisten neu besiedelte und den Rest der Wenden durch
Einfhrung des Christentums, deutscher Sprache und deutscher Gesetze
germanisiert hat, 1168 lebenssatt die Regierung seinem Sohne Otto
bergab, zog er sich auf sein vterliches Erbschlo und Stift am Harze
zurck und ist hier in Ballenstedt, wo er 1106 das Licht der Welt
erblickt hatte, auch am 18. November 1170 verschieden und an der Seite
seines Vaters Otto und seiner Mutter Eileke, der reichen Tochter des
letzten Billungers, und seiner Gemahlin Sophie, der Schwester des
mchtigen Grafen Hermann II. von Winzenburg, beigesetzt.

[Illustration: Abb. 102. =Luthers Sterbehaus in Eisleben.=]

Nachdem das Kloster 1525 im Bauernkriege sein Ende gefunden hatte, diente
es den Frsten hin und wieder, namentlich zur Zeit der Jagden, als
Absteigequartier, von 1627 an aber mehrfach auf Jahre als Residenz oder
Witwensitz. In den Jahren 1704 bis 1720 bedeutend vergrert, erfuhr das
Schlo unter dem Frsten Friedrich Albrecht, der 1765 hier dauernd seine
Residenz nahm, eine vllige Umgestaltung; und nach all diesen Bauten, die
dem Schlosse (Abb. 90), dessen schnster Schmuck die edle, geschmackvolle
Einfachheit ist, ein wahrhaft frstliches Ansehen gegeben haben, ist vom
Kloster auer Turm und Kche nicht viel mehr geblieben.

Die Grber Albrechts und seiner Familie und jngerer Glieder seines
Geschlechts sind erst 1880 unter dem Glockenturm wieder aufgefunden; es
sind sarghnliche in den Fels gehauene Hhlungen mit steinernen Deckeln.

Aus den Fenstern der mit wertvollen Gemlden lterer Meister (darunter
Rembrandt und Van Dyck) geschmckten Zimmer hat man eine entzckende
Aussicht. Aber auch auf der Terrasse in dem 1765 angelegten herrlichen
Parke ist sie wunderschn. Hinter den scharf hervortretenden Felsen der
Gegensteine breitet sich, mit Stdten und Drfern berst, eine
lebensvolle Landschaft aus; Quedlinburg und das ferne Halberstadt, links
Blankenburg mit seinem hochragenden Schlosse und der Regenstein mit
seinen verfallenen Trmen, rechts Hoym, Ermsleben und das Bernburger
Schlo begrenzen den Horizont, hinterwrts lagert sich, von der
Brockenkuppe berragt, das aufsteigende Gebirge mit seinen Wldern,
Bergen und Schluchten, -- bei voller Beleuchtung, etwa an einem sonnigen
Morgen nach einem Regentage, ein kstlicher Anblick!




                                  XVII.

           Die Wipperlandschaft. -- Mansfelder Bergbaugebiet.


Aus dem Gebiet der Selke treten wir in das der Wipper ber, die sich in
der Nhe von Bernburg in die Saale ergiet. Der erste ihr dienstbare
Bach, die Eine, luft, zumal wenn wir die bei Stangerode einmndende
Leine als Hauptbach ansehen, von ihrer Quelle auf der Hochebene von
Harzgerode bis Aschersleben der Selke in geringem Abstande parallel.
Zwischen den beiden genannten Bchen liegt zwischen Kartoffelfeldern, auf
baum- und poesieloser Ebene das rmliche Drfchen Molmerschwende, Brgers
Geburtsort, und links von der Leine das Dorf Pansfelde, das Taubenhain
einer fast vergessenen Brgerschen Ballade. Oberhalb des hbsch von
bewaldeten Bergen umschlossenen Stangerode finden wir bei der Einmndung
des Wiebeeks in einem freundlichen Waldthale am Fue des Hakeberges die
interessanteste Wstung des Harzes, das zuerst 1043 erwhnte
Volkmannsrode: unter den weitschattenden Linden bei der Kirchenruine
dieses schon ein halbes Jahrtausend verlassenen Dorfes wurde noch vor
drei Jahrzehnten zweimal im Jahre das uralte Rgegericht gehegt, ein in
unsere nchterne Zeit fremdartig hineinreichender Rest des alten
germanischen Gerichtsverfahrens. Ruine, Gerichtslaube und Linden werden
auf Weisung der Herzoglichen Regierung noch jetzt mit Piett erhalten.

[Illustration: Abb. 103. =Luther-Denkmal in Eisleben.=]

[Sidenote: Arnstein.]

Aber das Eineflchen hat noch eine dritte berraschung fr uns bereit:
unfern des Dorfes Harkerode erhebt sich auf steilem Felsen die Ruine
Arnstein, eine der besterhaltenen unserer Lande. Da die Edlen von
Arn=stedt=, die mit dem aus Wrttemberg stammenden Erzbischof Hanno von
Kln eines Geschlechts waren, sich zuerst 1136 von Arn=stein= nennen, so
mu die Burg damals erbaut sein. Es war ein angesehenes Geschlecht: ein
Walther hatte eine Enkelin Albrechts des Bren zur Gemahlin, ein Gebhard,
mtterlicherseits mit den Staufen verwandt, war lange Zeit Kaiser
Friedrichs II. Stellvertreter in Italien. Graf Walther V., der letzte des
Geschlechts, bergab 1296, um in den deutschen Orden einzutreten, die
Herrschaft seinem Schwager Otto von Falkenstein. Die Nebenlinie der
Grafen von Barby erlosch erst 1659.

Durch Kauf 1387 in den Besitz der Grafen von Mansfeld gelangt, wurde sie
1530, als hier eine der Linien des Vordernorts ihre Residenz nahm,
grndlich restauriert. Aber zwei Jahrhunderte spter war sie bereits
Ruine. Die Mauern des fnfstckigen Hauptgebudes stehen noch 20 Meter
hoch, und der riesige Rundturm ist noch auf 100 Stufen im Treppenturm zu
ersteigen.

Unterhalb Stangerodes verflachen sich die Hgel, und Kornfelder
verdrngen vllig den Wald. Doch folgen wir der Eine noch bis
Aschersleben zu flchtigem Besuche. Schon zur Zeit der Karolinger als
Ascegeresleben in Thringen in einer Schenkungsurkunde fr das Stift
Fulda erwhnt, hat sich die im Mittelalter mit Quedlinburg und
Halberstadt stets eng verbndete Stadt zu einer der wohlhabendsten und
gewerbfleiigsten der Harzlande entwickelt und zhlt jetzt 27250
Einwohner. Neben dem Reichtum an Altertmern, mit denen ihre
Schwesterstdte prunken drfen, kann sie nur wenig mehr als die gotische
Stephanikirche, das schne Rathaus im Stile der Renaissance und die
unbedeutende Ruine der schon 1140 zerstrten Askanierburg stellen.

[Sidenote: Das Wipperthal.]

Die Wipper, welche mit der Selke fast gleiche Lnge und Richtung hat,
entspringt am Ostabfall des Auerbergs, greift aber mit andern Quellbchen
nach allen Seiten weit hinaus, im Norden bis Neudorf, im Sden fast bis
nach Dietersdorf. Kurz vor dem Flecken Wippra vereinigt sie die in der
Alten und der Schmalen Wipper gesammelten Wasser.

Ihr Oberlauf ist anmutiger als der der Selke; besonders wirkungsvoll ist
die Bewaldung der Schmalen Wipper: auf der Sonnenseite Buchen, auf der
Winterseite Fichten. Ein Prunkstck, wie es die Selke zwischen Alexisbad
und Mgdesprung uns vorhlt, hat die Wipper dagegen nicht aufzuweisen;
aber ihr Thal von Wippra abwrts hlt den Vergleich mit dem Selkethal
unterhalb Mgdesprungs wohl aus, wenn auch die sanft gewellten Hhen das
breite Wiesenthal nirgends um 100 Meter bersteigen. Ihr Geflle bis
Leimbach betrgt 1 : 156, das der Selke bis Meisdorf 1 : 104 (das der
Bode von der Quelle bis zur Blechhtte bei Thale 1 : 77).

Wippra liegt mit seinen Feldern und Wiesen freundlich in ppige Wlder
gebettet, hat aber auer sprlichen Resten einer Burg nichts von
Bedeutung aufzuweisen. Doch bald schon schimmert ber prachtvolle
Laubwlder das schne im dreizehnten Jahrhundert erbaute Schlo
Rammelburg, halb Brandruine, halb bewohnt, auf einem von drei Seiten
umflossenen Bergvorsprunge sich mitten in das Thal schiebend, uns
entgegen. Mgen andre Harzschlsser mit der Rammelburg um groartige
Schnheit streiten, aber diese thalauf und -ab fast gleich wirkungsvolle
Schaustellung ist nur dieser eigen. Und wenn andre Burgen uns aus alter
Zeit des Interessanten viel zu berichten wissen, so erinnert uns die
Rammelburg an zwei schlichtbrgerliche bedeutende Mnner der neueren
Zeit: der groe Forstmann Pfeil, der Erzieher des deutschen Waldes, ist
hier als Sohn eines Justizamtmannes geboren, und in der Schlokapelle ist
Hermann August Francke getraut.

Harzluft und Waldesduft zu atmen und uns an friedlicher Stille zu
erquicken, ist uns nur eine kurze Strecke im Wipperthale beschieden:
turmhohe, rauchwirbelnde Schornsteine, mchtige schwarze Schlackenhalden,
das Thal beengend und tglich noch wachsend, Schchte und Htten mit
ihrem geschftigen Treiben, mit allem Geklapper und Gerassel der
Maschinen melden uns wuchtig, da wir hier bei Leimbach an einer der
Hauptarbeitssttten der heiligen Barbara angekommen sind, der neuen
Patronin des Bergbaues, die mit ihrem Pulver und Lrm die alten ruhigeren
Bergheiligen Sankt Joachim und Sankt Anna vom Stuhle gestoen hat. Bis
Hettstedt und darber hinaus reiht sich, miteinander wechselnd, Schacht
an Schacht und Htte an Htte. Hier im Freiesleben-, dort im
Eduardschacht und in den Lichtlchern des 31 Kilometer langen
Schlsselstollen werden die Kupferminern gewonnen, hier in der Eckard-,
dort in der Kupferkammerhtte gebrannt und geschmolzen, hier in der
Katharinenhtte wird Silber und Kupfer aus dem Rohprodukt geschieden,
dort auf der Saigerhtte die Raffinierkrtze zugute gemacht (Abb. 92 u.
93). Und in all das Getriebe schaut verwundert die stille Ruine der alten
Burg rner vom Waldhgel hernieder.

Bei Hettstedt, dem stlichsten Punkte des Harzes, entlassen wir die
Wipper aus unserm Geleit und wenden uns der mit Leimbach fast verbundenen
Stadt Mansfeld und ihren Erinnerungen an D. Luther zu.

Doch zuvor statten wir schon an dieser Stell seines Vaters lieben
Schlgelgesellen einen kurzen Besuch ab.

[Illustration: Abb. 104. =Sachsa.=

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

[Sidenote: Mansfelder Bergbau.]

Nach alten Nachrichten sollen zwei Bauern, Nappian und Naucke, am 12.
Juni 1199 beim damaligen Dorf Hettstedt den ersten Kupferschiefer
gewonnen haben, und die Grafen im Jahre 1215 vom Kaiser Friedrich II. mit
dem Bergregal belehnt worden sein. Wenn nun auch jene Angabe richtig sein
und die Ortschaft Kupferberg bei Hettstedt 1199 entstanden sein mag, so
haben doch die Grafen von Mansfeld schon lange vor dieser Zeit Bergbau
betrieben. 1364 gab ihnen Kaiser Karl IV. diesen auch innerhalb einer
ber die Grafschaft hinausreichenden Grenze zu Lehen. Kaiser Friedrich
III. aber verwies sie damit 1480 an die Herzge von Sachsen. Im
vierzehnten und fnfzehnten und auch noch im Anfange des sechzehnten
Jahrhunderts gelangte der Bergbau zu groer Blte, aber sein Verfall
bereitete sich schon vor: die stets um Geld verlegenen Grafen nahmen
Vorschsse von den Kupferhndlern, verpfndeten Htten und gaben andre zu
Lehen. Die Teilung der damals vorhandenen 95 Htten (Feuer) unter die
sechs Grafenlinien im Jahren 1536 konnte den Vermgensverfall nicht
aufhalten. Als die Schuldenlast der Grafen die fr jene Zeit ungeheure
Summe von zweiundeinhalb Millionen Gulden erreichte, nahmen Sachsen und
Magdeburg als Lehnsherren 1570 Bergbau und drei Fnftel der Grafschaft in
Sequester; damit waren die Grafen trotz ihres Protestes mediatisiert.
Whrend des dreiigjhrigen Krieges und noch mehrere Jahrzehnte nachher
beschrnkte man sich darauf, alte Halden und offene Schchte
auszuklauben. Erst durch die Freilassung im Jahre 1671, die jedermann
gestattete, Bergwerke zu muten und zu bauen, kam der Bergbau wieder in
geordneten Betrieb. Die fnf Gewerkschaften, welche sich nun nach und
nach bildeten, haben sich im Jahre 1852 zu einer einzigen, der
Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft vereinigt, die ihren
Sitz in Eisleben hat.

[Illustration: Abb. 105. =Kloster Walkenried.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Es ist ein einziges muldenfrmiges Kupferschieferflz, auf dem die
Mansfelder Gruben bauen. Das Erz kommt in diesem in der Regel als
Speise vor, d. h. in sehr feinen Stubchen eingesprengt, die auf dem
Querbruch metallisch schimmern. Doch treten neben dieser Speise, die
goldgelb, blau, rot und grau sein kann, auch feine Schnre von
Buntkupfererz und Kupferglas auf, wie in den Sanderzen bei Sangerhausen
dicht zusammengedrngte Kupferkiesstubchen als gelbe Tresse.

[Illustration: Abb. 106. =Denkmal Ernst VII., des letzten Grafen von
Hohnstein, im Kloster Walkenried.=

(Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)]

Die gltigen Schieferlager sind nur sieben bis dreizehn Centimeter
mchtig, doch mu das Nebengestein, damit der Bergmann Platz findet, bis
zur Gesamthhe von einem halben Meter mit weggehauen werden. Der Huer
liegt bei der Arbeit auf der linken Seite und schtzt sich gegen das
kalte und nasse Gestein durch ein angeschnalltes Beinbrett und ein lose
liegendes Achselbrett. Die durch Schrmen (Abb. 94) und Sprengen
gewonnenen Schiefer werden durch die Schlepper, 14- bis 19jhrige
Burschen, in Hunden (Frderwagen) an die Frderstrecke gezogen. Der
Schlepper schnallt sich ein mit acht Centimeter hohen Stollen (Langeisen)
versehenes Beinbrett vorn auf den linken Oberschenkel, nimmt das
Achselbrett zur Hand und legt sich vor den Hund. Dann richtet er sich
soweit auf, da er das Knchelgelenk des rechten Fues mit einem Riemen
an den Hund knebeln kann, legt sich, wenn dies geschehen ist, mit dem
linken Oberarm auf das Achselbrett, sttzt sich mit der rechten Hand auf
das Liegende (den Boden) und hakt mit den Stollen des Beinbretts auf
dieses auf. Nach dieser Vorbereitung kann die Fortbewegung des Hundes
beginnen. Der Schlepper zieht das freie linke Bein an, stemmt die
Fusohle desselben, um einen festen Halt zu gewinnen, gegen das Dach und
streckt sich, das Achselbrett mit der linken Hand weiterschiebend,
gerade; dabei zieht das gefesselte rechte Bein den Hund
selbstverstndlich ein Stckchen mit fort.

[Illustration: Abb. 107. =Kreuzgang im Kloster Walkenried.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Enthielten die Mansfelder Schiefer nur Kupfer, so htte der Bergbau
lngst eingestellt werden mssen. Denn nachdem Spanien, Colorado, die
Gegend am Oberen See und andere Lnder Amerikas in die erste Reihe der
Kupferproduzenten getreten sind, kommt jetzt jhrlich mehr als das
Vierfache der frheren Jahresproduktion in den Handel. Nur der hohe
Silbergehalt, 1/2 Pfd. Silber im Zentner Kupfer, sichert dem Mansfelder
Bergbau trotz der Entwertung des Silbers um die Hlfte seinen
Fortbestand. Aber die Gewerkschaft hat noch mit andern Schwierigkeiten zu
kmpfen. Bei der Abteufung (Abb. 95) neuer Schchte ist man mehrfach auf
weit verzweigte Schlotten gestoen, von Gips eingeschlossene Hohlrume,
welche durch Auflsung des ursprnglich hier abgelagert gewesenen
Steinsalzes entstanden und jetzt mit Wasser angefllt sind. Die
Bewltigung dieser Wassermassen ist aber sehr schwierig und kostspielig;
um dem bel grndlich beizukommen, hat man darum in der Annahme einer
unterirdischen Verbindung den Salzigen See trocken gelegt.

Welche Bedeutung das Wohl und Gedeihen des Mansfelder Bergbaues auch fr
den Staat hat, folgt schon daraus, da er 80000 Personen -- Berg- und
Httenleuten mit deren Familien -- ihr ausreichendes Brot gewhrt.

[Sidenote: Mansfeld.]

Mit dem >Mannesfeld<, welches das Stift Fulda im Jahre 974 tauschweise
an Magdeburg abtrat, ist das Dorf Kloster-Mansfeld gemeint, denn die
nach dieser Rodung des Mano benannte Burg ist erst im elften
Jahrhundert erbaut, und die Stadt (Thal-) Mansfeld erst unter dem Schutze
der Burg an deren Fue entstanden.

In diesem Stdtchen, das vor 100 Jahren erst 1000 Einwohner zhlte, hat
Luther seine Kinderjahre verlebt. Das Haus, das sein Vater im Jahre 1484
erwarb und 1530 auf seinen Sohn Jakob vererbte, ist nur noch teilweise
vorhanden: ber der vermauerten rundbogigen Hofpforte aus rotem Sandstein
findet sich noch erkennbar das alte Luthersche Wappen, Rosen und
Armbrust, mit den Buchstaben J. L. 1530.

Nicht viel besser ist es dem Grafenschlosse ergangen, das 65 Meter tief
auf die an den Seitenhngen eines Thales sich hinziehende Stadt
hinabsieht. Der erste, der sich nach ihm nennt und auch wohl sein Erbauer
sein wird, ist Kaiser Heinrichs V. Feldherr Hoyer, der 1115 am
Welfesholze fiel. Mit dem Tode des Grafen Burchard gingen 1230 Burg und
Namen auf seinen Schwiegersohn, den Edelherrn Burchard von Querfurt ber.
Zu Luthers Zeit spalteten sich seine Nachkommen in drei Linien mit sieben
Zweigen, aber ein und einhalb Jahrhunderte spter war nur noch die in den
Reichsfrstenstand erhobene Linie Bornstedt brig, und auch diese
erlosch, nachdem bereits 1710 der Eislebensche oder lutherische Zweig
verdorrt war, am 31. Mrz 1780 mit dem in sterreich lebenden Frsten
Joseph Wenzel von Fondi. Nun fielen die Besitzungen bis auf einige
Allodialgter, welche auf Joseph Wenzels Schwiegersohn, den Frsten
Coloredo und seitdem Grafen von Mansfeld, vererbten, zu 3/5 an
Kursachsen und zu 2/5 an Preuen (Magdeburg).

[Illustration: Abb. 108. =Ellrich.=

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

Der meistens nur Ernst von Mansfeld genannte Held des dreiigjhrigen
Krieges, den der Tod am 26. November 1626 im bosnischen Drfchen
Wrakowicz ereilte, war der Sohn des Frsten Peter Ernst I. aus dessen
morganatischer Ehe mit der schnen Anna von Eicken.

Im Anfange des sechzehnten Jahrhunderts wurde die Burg durch Hinzufgung
eines dritten Schlosses, des Hinterortes, bedeutend erweitert und in
ihrem ganzen Umfange strker befestigt. Aber gerade das sollte ihr den
Untergang bringen: da sie im dreiigjhrigen Kriege, statt das Land
schtzen zu knnen, die Heere aller Parteien angelockt hatte und bald
erobert wurde, bald wieder verloren ging, so verfgte der Landesherr 1674
unter Zustimmung der Grafen ihre Zerstrung; 400 Mann arbeiteten daran,
aber da Kalk und Gestein untrennbar verkittet waren, mute ihnen noch
ein Trupp von 30 Bergleuten mit Bohrer und Pulver zu Hilfe kommen.

Aber noch immer stehen einzelne Reste der Mauer stolz und fest, als wren
sie mit dem natrlichen Fels, der sie trgt, zu einem Stck verwachsen.
Ein breiter, tief in den Fels gehauener Graben, der die Burg von Nordost
bis Nordwest umgibt, zeugt von den ungeheuren Anstrengungen, die einst
auf die Befestigung des Platzes verwandt sind. Ein einziges, ehemals noch
durch Auenwerke gedecktes Thor fhrt auf dieser Seite in den noch jetzt
von festen, zum Teil doppelten Mauern und Kasematten umschlossenen den
Burghof, auf dem uns von allen Seiten in romantisch-malerischen
Gestaltungen die alten Wohnsitze entgegentreten. Vom Vorderort hat sich
fast nichts als ein starker Wallturm, die Gewlbe der Mnze und ein altes
Wachthaus auf den Umfassungsmauern erhalten. Im Mittelort, in dem sich
neben der wrdig restaurierten gotischen Kirche das jetzige Herrenhaus
inmitten hbscher Gartenanlagen befindet, fallen die Umfassungsmauern
eines stattlichen Gebudes, in dem hohe Fichten wurzeln, besonders ins
Auge: es ist der 1532 erbaute Goldene Saal, der gemeinschaftliche
Prunksaal der Huser Mittel- und Vorderort; und im Anschauen der ber den
Nebenpforten eines groen Turmgebudes angebrachten Steinbilder, eines
auf dem Fasse sitzenden Bacchus und zweier Mnner, von denen der eine mit
seiner leeren Weinkanne nach dem den vollen Humpen leerenden Kumpan
schlgt -- Umschrift: _Quid est? bapsi!_ -- Darstellungen, welche den
schwelgerischen Humor der Erbauer wiedergeben, mssen wir des strafenden
Wortes gedenken, das D. Luther seinen lieben alten Landesherren zurief,
da ihm der Wein auf der Treppe entgegenrann: Die Herren dngen gut, es
wird brav Gras danach wachsen. Auf und in den vllig zusammengebrochenen
Mauern des Hinterorts, dessen ausgedehnte Gebude einst als die schnsten
gepriesen wurden, wuchern schon lange Bume und Gestruch.

Die Grafen von Mansfeld hatten sich den heil. Georg zum Patron erkoren,
den vom wtenden Volke am 24. Dezember 361 beim Regierungsantritt des
Kaisers Julian ermordeten Bischof von Alexandria, der sich gegen das Ende
der Kreuzzge in den ritterlichen Drachentter, den Schutzpatron der
Waffenbungen und des englischen Ordens vom blauen Kniebande verwandelte.
Gleich den ungarischen wurden die mansfeldischen Georgsthaler schon im
dreiigjhrigen Kriege als Amulett gegen Hieb, Schu und Sto getragen.
Der abgebildete (Abb. 96), i. J. 1620 geprgte Thaler der drei
vorderortschen Grafen Volrat ([gestorben] 1627), Wolfgang I. ([gestorben]
1638) und Johann Georg II. ([gestorben] 1647) zeigt den Heiligen im
Harnisch auf rechts schreitendem Turnierpferde, wie er mit der Lanze den
Kopf des Lindwurms durchbohrt. Die Inschrift _Ora pro (nobis)_ auf der
Decke ist nicht zu erkennen. Die Umschrift ist zu lesen: _Volrat,
Wolfgang, Johann Georg, patroni, comites et domini in Mansfeld, nobiles
domini in Heldrungen_. Der quadrierte Wappenschild enthlt im ersten und
vierten, wieder viergeteilten Felde die sechs Querstreifen von Querfurt
und die sechs, in zwei Reihen gestellten Wecken (oder Gerstenkrner) von
Mansfeld, im zweiten den Adler von Arnstein und im dritten den Lwen von
Heldrungen mit doppeltem Zagel. Als Helmzier dienen die acht
mansfeldischen Fhnchen und der Arnsteiner Adler.

Der zweite, 1811 geprgte Thaler (Abb. 97) zeigt den Kopf des lustigen
Hieronymus, von seines Bruders Gnaden Knigs von Westfalen. Der dritte
(Abb. 98) ist bereits in Berlin i. J. 1862 geprgt, mit dem beim
bergange der Verwaltung an die Gewerkschaft die besondere Vermnzung des
im Mansfeldischen gewonnenen Silbers aufhrt.

[Illustration: Abb. 109. =Ilfeld, vom Herzberg gesehen.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Eisleben.]

Unser letzter Besuch an diesem Harzrande gilt der Lutherstadt Eisleben.
(Abb. 99 und 100) Nach den groen verheerenden Feuersbrnsten,
namentlich im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert, hat sie trotz
ihres hohen Alters kein altertmliches Geprge. Unser Rundgang darf sich
deshalb im wesentlichen auf die Luthersttten beschrnken. Das Lutherhaus
(Abb. 101) enthlt im Erdgescho, das bei einem Brande im Jahre 1689
unversehrt blieb, das Geburtszimmer des groen Bergmannssohnes und in den
Slen des 1694 im Stil der Renaissance erneuerten Oberstocks eine Art
Luthermuseum. -- Um mit seinem Rate die zwischen den Grafen, namentlich
inbetreff des Bergbaus schwebenden Streitigkeiten beseitigen zu helfen,
war Luther im Winter 1545/46 dreimal in Eisleben; abgelebt und mde kam
er am 28. Januar, von den Grafen und einem Gefolge von 113 Pferden von
der Grenze ab ehrenvoll geleitet, zum drittenmal hier an und stieg bei
dem ihm befreundeten Stadtschreiber Dr. Drachstedt ab. In Gemeinschaft
mit den beiden andern gewhlten Schiedsrichtern, dem Frsten Wolfgang von
Anhalt und dem Grafen Heinrich von Schwarzburg, gelang ihm zu seiner
groen Freude der vllige Ausgleich; und obwohl schwach und hinfllig,
unterschrieb er am 17. Februar 1546 auch noch den letzten, abschlieenden
Vertrag. Doch bald darauf steigerte sich die Krankheit; das Einhorn, das
Graf Albrecht ihm schabte, und das strkende Wasser, mit dem die Grfin
ihm den Puls rieb, blieben wirkungslos, und in der dritten Morgenstunde
des 18. Februar ging der groe Reformator zur ewigen Ruhe ein. Das
Sterbezimmer ist die kleine, trauliche straenwrts liegende Kammer im
oberen Stock des wohl erhaltenen gotischen Hauses (Abb. 102). In der
gegenberliegenden Andreaskirche hat Luther seine letzten vier Predigten
gehalten, die letzte zwei Tage vor seinem Tode (Abb. 99).

Diese mit ihren aus dem dreizehnten Jahrhundert stammenden
Hausmannstrmen stolz aufragende Hauptkirche, als deren Pfarrer 1609-11
der in Ballenstedt geborene Johann Arnd sein Wahres Christentum
schrieb, gibt auch dem ansteigenden Marktplatze, auf den von der
Rathausecke der gekrnte Kopf des hier gewhlten Knigs Hermann von Salm,
das Wahrzeichen der Stadt, herunterblickt, den wirkungsvollen
Hintergrund. Auf der Mitte des Platzes ist am 400. Geburtstage Luthers
das Bronzestandbild (Abb. 103) des Mannes enthllt, in dessen Hand nach
den Worten des Katholiken Dllinger Sinn und Geist der Deutschen wie die
Leier in der Hand des Knstlers waren. In der Linken die Bibel, schickt
sich der Reformator an, die Bannbulle ins Feuer zu werfen; die Reliefs am
Sockel zeigen ihn in der Disputation mit Dr. Eck und der edlen Musika
pflegend im Kreise seiner Familie.

Ein groartiges Fest andrer Art sah der wundervoll geschmckte Marktplatz
am 12. Juni 1900: die 700jhrige Jubelfeier des Mansfelder Bergbaues,
verherrlicht durch die Gegenwart unsers allgeliebten Kaiserpaares.

[Illustration: Abb. 110. =Ruine Hohnstein.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]




                                 XVIII.

                          Die Helmelandschaft.


Die Helme, deren Flugebiet zu durchwandern uns allein noch brig bleibt,
gehrt dem Harze durch ihre Nebenflsse Zorge, Thyra, Leine und Gonna an.
Da der Sdrand des Harzes hher liegt, als der Nordrand, so greifen
diese nicht weit in das Gebirge hinein.

[Illustration: Abb. 111. =Neustadt unterm Hohnstein.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

[Sidenote: Sachsa. Walkenried.]

An den Rinnsalen, welche vom Grenzpunkte des Ravensbergs nach Sden
eilen, um sich mit dem Flchen Wieda zu vereinigen, liegt das
waldfrische, freundliche Stdtchen Sachsa (Abb. 104). In dem im oberen
Teile schn bewaldeten Wiedathale steigt die Harzsdbahn von der
mittleren Hochebene herab; wir folgen ihr nach dem schon auerhalb des
Gebirges belegenen braunschweigischen Flecken Walkenried zur Besichtigung
der groartigen Ruinen seines berhmten Cisterzienserklosters (Abb. 105),
von dem die Trockenlegung der Smpfe und Riede, die einst durch die
Goldene Au hin den Sdrand des Gebirges begleiteten, in so vorzglicher
Weise durchgefhrt ist. Die Besitzungen des von der Grfin Adelheid von
Klettenberg um 1127 gegrndeten und reich ausgestatteten Klosters
erstreckten sich bald ber die Harzlande und deren Nachbarschaft hinaus
bis nach Lneburg, in das Brandenburgische und die Uckermark, nach Aachen
und Wrzburg, und in allen Thlern des Westharzes verschmolzen seine
Htten die ihm aus dem Rammelsberge zustehenden Erze auf Silber, Blei und
Kupfer. Die im Jahre 1137 von fnf Bischfen geweihte Kirche mit acht
Altren entsprach nicht mehr der Bedeutung und dem Ansehen des Klosters;
schon bald nach dem Jahre 1200 begannen kunstverstndige Brder sdlich
von Alt-Walkenried einen Prachtbau, an dem sich Tausende von freiwilligen
Arbeitern ppstlichen Abla verdienten. Nach 80jhriger Bauzeit konnte
1290 das neue Gotteshaus, das -- halb so lang wie der Klner Dom -- seine
Gewlbe mit 26 Pfeilern sttzte, feierlichst eingeweiht werden. Im
fnfzehnten Jahrhundert stand Walkenried, das Mutterkloster von
Marienpforte (Schulpforta) bei Naumburg und Sittichenbach bei Mansfeld,
in seiner hchsten Blte. Damals konnte der Abt auf der Reise nach Rom --
wie man sagte -- jede Nacht im eigenen Hause schlafen. Der Bauernkrieg
knickte diese Blte jh mit frevelnder Hand, der dreiigjhrige brach sie
vllig. Mit wildem Jubel strmten die aufstndischen hohnsteinschen
Bauern im Mai 1515 das von den flchtenden Mnchen verlassene Kloster,
plnderten, zerschlugen, verwsteten; Urkunden und Manuskripte streuten
sie den Pferden unter, Bcher warfen sie als Schrittsteine in den
Schmutz. Vergeblich versuchten sie, das kunstvolle Metallbecken im
Kreuzgange, das der Klosterbruder und Httenmeister Almante 1218 gegossen
hatte, mit Hmmern zu zerschlagen, im offenen Holzsto zu schmelzen,
vergeblich die Glocke durch unaufhrliches Luten zu zersprengen. Da
knpften sie Seile an die Turmspitze und in eine uralte Linde, verbanden
diese mit dem Turm durch eine Kette, sgten das Geblk rings herum ein,
hieben den Baum um und rissen mit diesem unter Freudengeheul den Turm vom
Dache herunter, da er durch das Kirchendach und die Gewlbe schlug, und
die Glocke zersprang. Bald strzte der Chor nach, und 1570 mute der
Gottesdienst in die Kapitelstube verlegt werden, die noch heute als
Fleckenskirche dient.

[Sidenote: Walkenried. Der Sachsenstein. Hohegei.]

Seitdem steht das Kloster, eine malerische Ruine, de und verlassen. Nach
dem letzten Einsturz im Jahre 1899 sind von der Kirche, die -- einzig in
ihrer Art -- eine in frhgotischem Stil gehaltene dreischiffige Basilika
mit Kreuzarmen war, nur wenige Teile der Auenmauern erhalten, am besten
das Hauptportal mit einem sehr groen Spitzbogenfenster. Unversehrt ist
auer der Kapitelstube, die u. a. das kunstvoll aus Holz geschnitzte
Epitaphium (Abb. 106) des 1591 gestorbenen letzten Hohnsteiner Grafen
Ernst und den sehr schnen romanischen Taufstein von Alt-Walkenried
enthlt, nur der einen rechteckigen Hof, in welchen das Baptisterium mit
fnf Seiten des Achtecks einspringt, umschlieende Kreuzgang (Abb. 107),
und besonders der in doppelter Breite sich an die Kirche lehnende Flgel,
der durch eine Sulenreihe mit reichen Blattkapitlen in zwei Schiffe
geteilt ist.

Unmittelbar vor Walkenried durchschneidet die Bahn den hohen Gipsfelsen
des Sachsensteins, auf dem 1073-74 eine der Burgen Heinrichs IV. stand.
Eine vor wenigen Jahren vom Geheimen Baurat Brinkmann unternommene
Ausgrabung hat indes erwiesen, da die Ruinen vier verschiedenen Zeiten
angehren, und da eine dieser Burgen in jene frhe Zeit zurckreicht, wo
man noch statt des Bergfrieds eine Schildmauer auffhrte; vielleicht war
dies die Hocseoburg des Huptlings Theoderich. Neben dieser interessanten
archologischen Belehrung bietet der Sachsenstein aber auch eine hbsche
Aussicht.

Die Zorge, in die sich die Wieda ergiet, erhlt ihre ersten Wasser von
einem Kamme, dessen Mitte der 687 Meter hohe Ebersberg einnimmt. Von
seinem Holzturme hat man einen groartig schnen Blick von eigenartigem
Charakter. Whrend im Norden die Thler des Bodegebiets flach nach Osten
streichen, laufen auf der entgegengesetzten Seite die tiefer
einschneidenden Thler des Helmegebietes nach Sden. Im Westen und Norden
setzen Acker und Brockengebirge dem Blick die Grenzen, im Osten fliegt er
unbehindert ber die endlose Hochebene, aus der die Kuppe des Rambergs
kaum merklich hervortritt, und im Sden bildet erst der Thringerwald
seinen Abschlu. Im Abstieg wenden wir uns nach dem braunschweigschen
Flecken Hohegei, der mit seinen 642 Metern der hchstgelegene Ort im
Harze ist. hnlich wie Andreasberg von kahler Hhe steil ins Thal
abfallend, verdankt es diese den Ackerbau ausschlieende Lage dem um die
Mitte des sechzehnten Jahrhunderts aufgenommenen Bergbau, der nach langer
Unterbrechung erst jetzt wieder in Betrieb gesetzt wird; und seinen Namen
der Elendskapelle zum hohen Geist, die in dieser einsamen, durch
Rubereien berchtigten Gegend an einer alten Gebirgsstrae schon im
dreizehnten Jahrhundert vorhanden war.

Durch den ppigen Laubwald des Wolfsbachthales gelangen wir nach dem in
356 Meter Meereshhe sehr schn tief in den Bergen gelegenen frheren
Eisenhttenort Zorge, einem braunschweigschen Flecken, gleichen Alters
mit Hohegei. Am 554 Meter hohen Staufenberge vorber wendet sich die das
Flchen begleitende Strae, die bei der Drahthtte den alten Kaiserweg
aufnimmt, nach der einst hohnsteinschen Stadt Ellrich (Abb. 108); an dem
unterhalb dieser einmndenden Slzbache liegt in einem rings durch
hbsche Waldberge geschtzten Thalkessel idyllisch das Dorf Slzhain und
noch etwas hher in entzckendem Waldfrieden das Sanatorium fr
erholungsbedrftige Knappschaftsgenossen. Auch der nrdlich davon zu 635
Meter ansteigende Groe Ehrenberg verdient um seiner herrlichen Aussicht
willen einen Besuch. Von hier zum Jgerfleck hinabsteigend, wo sich die
Straen Ellrich-Benneckenstein und Ilfeld-Hohegei-Braunlage kreuzen,
wandern wir ber das hbsch am nrdlichen Fue des 610 Meter hohen
Kleinen Ehrenbergs gelegene wernigerodische Dorf Rotestte im
wunderschnen Schoppenthal zum Netzkater hinunter.

[Illustration: Abb. 112. =Nordhausen.=]

[Sidenote: Ilfeld. Hohnstein.]

Die Kleinbahn, welche sich bei Dreiannen-Hohne von der Brockenbahn in der
Richtung auf Elend abzweigt und in Sorge an der Warmen Bode die Kleinbahn
Tanne-Braunlage, die Fortsetzung der Zahnradbahn Blankenburg-Tanne,
kreuzt, erklettert sdstlich von Benneckenstein von der Luppbode aus die
582 Meter hohe Wasserscheide und eilt im Tiefenbachthal der von Nordosten
kommenden Behre zu, um von der nur noch 352 Meter hoch gelegenen
Eisfelder Thalmhle ab dem herrlichen Thale dieses Flchens zu folgen.
Das Stck bis Ilfeld, in das wir beim Netzkater eintreten, darf sich mit
seinen romantischen Klippen und ppigen Laubwaldhngen getrost den
bekanntesten Glanzpartieen des Harzes zur Seite stellen.

Im Jahre 1103 berfiel Elger I. von Ilfeld den Grafen Kuno von
Beichlingen in der Nacht und ttete ihn in seinem Bette. Wohl zur Shne
fr diese Gewaltthat stiftete sein Sohn Elger II. an der Pforte
Hercyniens das Kloster Ilfeld; sein Enkel Elger III. vollendete den Bau,
berlie die Burg Ilfeld, von der sich nur noch geringe Reste ber der
Johannishtte vorfinden, seinem Bruder Friedrich, von dessen ltestem
Sohne Heinrich die Frsten zu Stolberg abstammen, und nahm auf dem durch
Heirat erworbenen Hohnstein seinen Wohnsitz. Das reich ausgestattete
Kloster ward -- wie Walkenried -- im Bauernkriege ausgeplndert und hart
mitgenommen. Im Jahre 1546 nahm der Abt Stange die Reformation an und
verwandelte das Kloster auf Luthers und Melanchthons Rat und mit
Untersttzung der Grafen zu Stolberg in eine Schule, als deren ersten
Rektor er 1550 den berhmten Michael Neander, der damals erst 25 Jahre
alt war, berief. Noch heute blht dies Pdagogium, aus dem berhmte
Mnner hervorgegangen sind (Abb. 109).

ber den 612 Meter hohen Poppenberg, dessen Gipfel, die Frst-Ottos-Hhe,
einen Eisenturm trgt, der die diesem schnen Harzgebiete
charakteristische Aussicht bietet: nach dem Harze zu die wellenfrmige
Hochebene mit dem Brocken, nach dem Lande hin die Goldene Au mit dem
Kyffhuser und der Thringer Wald, wandern wir dem Hohnstein zu, der
schnsten und bedeutendsten aller harzischen Burgruinen (Abb. 110).

[Sidenote: Hohnstein. Neustadt.]

Der Hohnstein ist zwischen 1110 und 1130 von einem Grafen Konrad, dem
Brudersohne Ludwigs des Springers von Thringen, erbaut. Seit 1162
nannten sich die damit von Heinrich dem Lwen belehnten Ilfelder Grafen
von Hohnstein. Nach dem Tode des letzten dieses berhmten und in seiner
Glanzzeit reichbegterten Geschlechts traten 1593 die ihm stammverwandten
und erbverbrderten Stolberger in den Lehnsbesitz ein. So kommt es, da
sowohl ein Stck der Grafschaft Stolberg-Wernigerode (Rotestte,
Sophienhof, Hufhaus), wie der Grafschaft Stolberg-Stolberg (die Gegend
von Neustadt bis nach Urbach und Steigerthal nrdlich von Heringen)
innerhalb der Provinz Hannover liegt.

In der dunklen Nacht vom 14. auf den 15. September 1412 erstieg, von
einem treulosen grflichen Knechte gefhrt, Friedrich von Heldrungen mit
seiner Fleglerbande die Burg, nahm den alten Grafen im Bette gefangen,
und kaum gelang es dem jungen Grafen Heinrich IX., nur mit dem Hemde
bekleidet, mit Hilfe seiner Gemahlin Margarete von Weinsberg, an einem
Seile durch das Fenster zu entkommen. Und im Mai 1525 erstrmten die
aufstndischen Bauern die Burg, um den hierher geflchteten Ilfelder Abt
und dessen Eigentum zu holen. Aber beide Male schonten die Bauern die
Burg. Erst der dreiigjhrige Krieg brachte ihr das Ende: in der
Christnacht des Jahres 1627 steckte sie der kurschsische Oberst Vitzthum
von Eckstdt mittels groer Mengen ringsum gehuften Wellholzes in Brand,
und als die Neustdter herbeieilten, um die schauerlich ins Thal
leuchtende Feste zu retten, lie er sie durch Soldaten hinuntertreiben.

[Illustration: Abb. 113. =Rathaus in Nordhausen.=]

Trotz der Trmmerhalde, die einem natrlichen Bergsturz gleich den 90
Meter hoch aus dem Thale aufsteigenden Burgfelsen umgibt, sind noch
umfangreiche Teile, Mauern, vier Thore, Trme, die Umfassungsmauern
vieler Gebude, vorhanden, und die Bume und Strucher, die aus den
Trmmern aufgeschossen sind, und der gewachsene Fels, der zwischen ihnen
zu Tage tritt, verstrken den malerischen Eindruck.

Bei dem Dorfe Niedersachswerfen, das wir ber den Flecken Neustadt (Abb.
111) erreichen, wendet sich die Zorge bis Nordhausen sdlich, um sich
bald darauf in sdstlicher Richtung bei Heringen in die Helme zu
ergieen.

[Sidenote: Nordhausen. Josephshhe. Stolberg.]

Die ehemalige Reichsstadt Nordhausen (Abb. 112), die als solche in den
Harzlanden nur Goslar zur Schwester hat, gehrt zu den wenigen Stdten,
deren Befestigung bestimmt auf Heinrich I. zurckgefhrt werden kann.
Zugleich ist sie die dritte der harzischen Knigsstdte, denn die
schsischen und frnkischen, auch noch die staufischen Kaiser nahmen hier
oftmals ihren Aufenthalt. Von Heinrich dem Lwen 1180 eingeschert,
erscheint sie doch schon 1270 als Reichsstadt; und erst der
Reichsdeputationshauptschlu von 1803 nahm ihr die Unmittelbarkeit.

An altertmlichen Bauwerken hat Nordhausen weniger aufzuweisen, als
Goslar, Halberstadt und Quedlinburg. Von den sieben Kirchen ist die
lteste und sehenswerteste der gotische Dom zum heiligen Kreuz mit
romanischem Turm. Trotz seiner Einfachheit recht wirkungsvoll zeigt sich
das Rathaus (Abb. 113), ein Renaissancebau aus dem Jahr 1510 mit einem
hlzernen Roland aus dem Jahre 1717. In ihrem Gehege besitzt die Stadt
einen wundervollen Waldpark.

Die Wasser des Auerberges und der Gegend bei Stolberg fhrt der Helme,
die sich bei Heringen westlich gewendet hat, die nordstlich vom
Birkenkopf (585 Meter) entspringende Thyra zu.

Der 575 Meter hohe Porphyrkegel des Auerberges setzt sich wie der
Ramberg, doch etwas steiler, um etwa 200 Meter auf die Hochebene auf.
Nach dem Grafen Joseph zu Stolberg, der auf der flach gewlbten Kuppe im
Jahre 1822 einen von Schinkel entworfenen 22 Meter hohen hlzernen Turm
in Kreuzform errichten lie, heit er auch Josephshhe. Dieser 1880 durch
Blitzschlag zerstrte ist 1896 durch einen durchbrochenen Eisenturm nach
demselben Plane ersetzt. Mit seinen Doppelarmen bildet er das grte
Kreuz der Welt (Abb. 114).

Die Rundsicht ist ungleich schner als die von der Viktorshhe, voller
Abwechselung und Leben. Denn die schwachgewellte Ebene des Unterharzes
tritt hier nur im Osten auf, und der dort nur angedeutete Brocken stellt
sich hier mit all seinen Neben- und Vorbergen in voller Breite und
grerer Nhe offen zur Schau, und Berg und Thal vor ihm bildet gleichsam
ein tiefgehendes, grnes Gewoge. ber der Goldenen Au tritt das
Kyffhusergebirge markig hervor. Und wundervoll glnzt im nchsten
Vordergrunde das Schlo Stolberg in seiner frischgrnen Umrahmung.

[Sidenote: Stolberg. Rola.]

Heinrich von Voigtstedt in der Goldenen Au, der 1210 zum erstenmal als
Graf von Stolberg vorkommt, gehrt dem Hause der Ilfelder an. Waren seine
Stammbesitzungen, wenn auch zerrissen, nicht unbedeutend, so sind doch
als die eigentlichen Begrnder des Reichtums und des Ansehens des
durchlauchtigen Hauses die beiden Grafen Botho anzusehen, von denen der
ltere 1450, der Glckselige 1500 regierte. In der Erbteilung von 1645
fielen die Grafschaften Stolberg und Rola Johann Martin, dem jngeren
Sohne des Grafen Christoph, zu; seine Nachkommen spalteten sich 1706 in
die noch heute blhenden Zweige Stolberg-Stolberg und Stolberg-Rola.

[Illustration: Abb. 114. =Aussichtsturm Josephshhe. Das grte Kreuz der
Welt.=

(Nach einer Photographie von Wiedling in Stolberg.)]

Das Schlo (Abb. 1), in dessen ltestem Flgel sich die Schlokirche mit
einem prchtigen Altar aus Alabaster, mit groen silbernen Leuchtern und
schnen Statuen befindet, hebt sich von dem Hintergrunde des grnen
Buchenwaldes der berragenden Berge blendend wei gar ausdrucksvoll ab.
Die unter seinem Schutze und an seinem Fue an einer alten Strae
entstandene Stadt mute klein und unbedeutend bleiben, denn fr den
Handel lag sie nicht gnstig genug, ihr Bergbau hat nie Bedeutung
erlangt, und Ackerbau gestatten die schroffen Berghnge nicht. Aber ihre
wundervolle Umgebung -- lauschiger Wald, weitschauende Hhen -- fangen
an, ihre Zugkraft zu ben.

[Illustration: Abb. 115. =Rathaus in Stolberg.=

(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)]

Keine andre Harzstadt kommt ihr in seltsamer Lage gleich. Von allen
Seiten durch hohe Berge eingeengt, erscheinen ihre langen Gassen
gleichsam in die vier hier zusammentreffenden Thler eingegossen, und die
Berge wie zerrissen, als ob ein gewaltiger Blitz die Gebirgsmassen in
riesige Furchen zerteilt htte, die strahlenfrmig vom Markte auslaufen.
Im Mittelalter war der Marktplatz durch vier Thore befestigt, und auch am
Auenende jeder der vier Gassen erhob sich ein Thor, aber Wall und Mauern
hatte die Stadt nicht; denn oft unmittelbar hinter den Husern, auch
hinter dem interessanten Rathause (Abb. 115) steigen die Felsen auf. Die
uralten Brgerhuser in malerischer Holzkonstruktion finden sich nicht,
wie z. B. in Goslar, vereinzelt und verstreut, nein, die ganze Stadt
mutet uns an wie ein unversehrt gebliebenes Stck Mittelalter.

Die dritte stolbergsche Residenz, das neue, schne Schlo Rola, liegt
anmutig halb im Park versteckt am Ufer der Helme. Von hier oder von der
benachbarten Station Bennungen machen wir einen kurzen Abstecher nach dem
Dorfe Questenberg, das sich beraus malerisch in ein von schroffen
Gipswnden eingefates, enges Thal einschmiegt, deren Wei durch die
dunklen Waldhnge noch blendender wird. Auf einem dieser Felsen erhebt
sich die bedeutende Ruine der Burg Questenberg, die noch im
dreiigjhrigen Kriege militrisch besetzt war. Unser Besuch aber gilt
dem gegenberliegenden, von einem vorgeschichtlichen Erdwalle umgebenen
Questenberge, und insbesondere dem hier aufgerichteten Questenbaume,
einer 12 Meter hohen entrindeten Eiche, an deren Kreuzarmen ein
riesengroer Kranz mit Birkenzweigen befestigt ist. Hierher zieht die
Dorfgemeinde alljhrlich am dritten Pfingsttage nach einem
Festgottesdienste in feierlichem Zuge, fhrt einen Reihentanz um den Baum
und kehrt zu Tanz und Schmaus nach dem Dorfe zurck. Die Sage fhrt
diesen unzweifelhaft alten Brauch recht oberflchlich darauf zurck, da
ein Kind, welches sich Pfingsten im Walde verirrt hatte, nach langem
Suchen wiedergefunden wurde, als es sich gerade einen Kranz (eine
Queste) flocht. Unschwer aber ist in dem Questenfeste noch heute das
altgermanische Maienfest zu erkennen: der Kranz ist ein Sinnbild der
Sonne, der Tanz um den Baum ein Bild ihres scheinbaren Rundganges um die
Erde.

[Sidenote: Morungen. Sangerhausen.]

In einem schmalen, hoch in die Berge hinausgreifenden Thale, dessen
Wasser, wie der Questenberger Bach, der bei Bennungen in die Helme
mndenden Leine zurinnt, liegt in einem reizenden Waldversteck das
Drfchen Morungen mit einem prchtigen Schlosse; die nicht unbedeutende
Hhe, an die sich westlich das Dorf schmiegt, trgt die stark verfallenen
Ruinen der gleichnamigen Burg. Der Blick hier ber das Dorf hinaus in die
liebliche Berg- und Waldlandschaft wirkt berraschend, aber noch greres
Interesse gewinnt die wenig bekannte Ruine dadurch, da diese Burg
Morungen die Heimat des Minnesngers Heinrich von Morungen ist, des
bedeutendsten Vorlufers Walthers von der Vogelweide.

Von der Ruine gelangen wir auf einsamem Waldpfade ber den Kunstteich
nach den Ruinen der Burg Grillenberg, die sich auf einem waldigen
Bergrcken ber dem gleichnamigen Dorfe erheben. Das Burgplateau gewhrt
nur nach Sden, durch das Gonnathal, eine Fernsicht, aber eben dieser
Blick aus dem Waldversteck ber Sangerhausen auf die Allstedter Hhen und
den Kyffhuser und bis zur Finne und Schmcke bei Sachsenburg gehrt zu
dem Lieblichsten, was der Sdharz zu bieten vermag.

Die Gonna fhrt uns nach dem freundlichen Sangerhausen, der zweitgrten
Stadt des Sdharzes. Schon im Hersfelder Zehntregister von 899 erwhnt,
hat sie sich, wenn auch sonst modernen Ansehens, manche wertvolle
Erinnerung an alte, ruhmreiche Zeiten bewahrt. Von den Kirchen stammt die
romanische Ulrichskirche mit fnf Apsiden und einem Turme ber der
Vierung schon aus dem zwlften Jahrhundert; Graf Ludwig der Springer
erbaute sie kurz nach seiner Gefangenschaft unter Kaiser Heinrich V.
(1116-1120); von den Profangebuden sind das 1586 erbaute und um 1620
erweiterte Amtsgericht mit Turm und schnen Erkern und das aus dem Jahre
1437 stammende Rathaus, das infolge eines Anbaues von 1556 einen Sparren
zu viel oder zu wenig hat, die sehenswertesten. Das um 1250 vom
Markgrafen Heinrich dem Erlauchten von Meien erbaute alte Schlo߫
bietet dagegen in seinem jetzigen Zustande kaum ein kunstgeschichtliches
Interesse.

                    *       *       *       *       *

Gleich den jungen Bergstdten Klausthal und Zellerfeld, von denen wir
unsern Rundgang durch die schnen Harzlande aufgenommen haben, fhrt das
alte Sangerhausen, in dem wir nun den Wanderstab aus der Hand legen, das
Berggezh, Schlgel und Eisen, im Wappen. Das mag uns ungesucht Anla
und Berechtigung geben, uns mit dem schnen, alten Harzer Spruche
voneinander zu verabschieden:

               Es grne die Tanne, es wachse das Erz!
               Gott schenke uns allen ein frhliches Herz!
                                Glckauf!

[Illustration]

                    *       *       *       *       *




                                Register.


                                   A.

  Abteufen des Segengottes-Schachtes 101 (Abb. 95).
  Achtermannshhe 77, 83.
  Acker-Bruchberg 8.
  Adenberg 5.
  Ahrendsberg 70.
  Alexisbad 89 (Abb. 85), 106.
  Altenah 68.
  Altenau 68, 72.
  Altenbraak 99, 100.
  Altenburg 94.
  Alte Wipper 110.
  Altwallmoden 17.
  Ambergau 64, 65.
  St. Andreasberg 37 (Abb. 38), 77, 78, 80.
  Andreasberger Dreieck 8, 77.
  Andreasthaler von 1726 12 (Abb. 13).
  Anhaltischer Thaler von 1861 92 (Abb. 87).
  Arensklint 86, 98.
  Arnstein 109.
  Aschersleben 110.
  Auerberg 110, 123.
  Auerhahn 48, 72.
  Ausbeutethaler von 1685 11 (Abb. 12).


                                   B.

  Baddekenstedt 17.
  Ballenstedt 97, 107, 108;
    Schlo 95 (Abb. 90).
  Barenberg 86.
  Bauersberg 62.
  Baumannshhle 99.
  Benneckenstein 100.
  Bergbau in alter Zeit 42.
  Bergmann 5 (Abb. 4).
  Bergwerksteiche 58.
  Besiedelung des Harzes 28.
  Bevlkerung 32.
  Birkenburg 70.
  Birkenkopf 123.
  Blankenburg 69 (Abb. 68), 96;
    Schlo 67 (Abb. 66);
    im 17. Jahrhundert 68 (Abb. 67).
  Bockenem 65, 67.
  Bockswiese 48.
  Bodekessel 76 (Abb. 74), 100.
  Bodelandschaft 98.
  Bodensteiner Klippen 68, 82.
  Bodethal 100;
    Eingang 77 (Abb. 75).
  Braunlage 73 (Abb. 71), 98.
  Brocken 5, 83, 84, 85, 86, 87, 88.
  Brockenbahn 43 (Abb. 45).
  Brockenfeld 8, 78, 83, 84.
  Brockengipfel 42 (Abb. 44).
  Bruchberg 68, 83.
  Bruchberg-Acker 77.
  Buntenbock 58.
  Burgberg 89.


                                   C.

  Christentums, Einfhrung des 27.
  Christianenthal bei Wernigerode 55 (Abb. 56), 92.


                                   D.

  Derneburg, Schlo 26 (Abb. 27), 67.
  Dietersdorf 110.
  Doppelthaler vom Jahre 1688 10 (Abb. 10).
  Dorfanlage 38.
  Dreiherrenbrcke 90.


                                   E.

  Ebersberg 120.
  Eckardhtte 110.
  Ecker 89, 90, 98.
  Eduardschacht 110.
  Ehrenberg, groer 120;
    kleiner 121.
  Eine 108.
  Einhornhhle 80.
  Eisleben 105 (Abb. 100), 116, 118;
    im 17. Jahrhundert 3 (Abb. 2);
    Lutherdenkmal 109 (Abb. 103);
    Luthers Geburtshaus 107 (Abb. 101);
    Luthers Sterbehaus 108 (Abb. 102);
    Markt mit Lutherdenkmal und Andreaskirche 104 (Abb. 99).
  Elbingerode 99.
  Elend 98.
  Ellrich 115, 120.
  Enge Wege 100.
  Erdbeerkopf 86.
  Erzsto im Burgsttter Hauptgang 14 (Abb. 15).


                                   F.

  Falkenstein 93 (Abb. 88), 106, 107;
    Schlohof 94 (Abb. 89).
  Feuersteinsklippen 98.
  Frankenscharner Silberhtte 48, 58.
  Freieslebenschacht 110.
  Freundschaftsklippe 106.
  Fuhrherr 6 (Abb. 5).
  Frst-Ottos-Hhe 121.


                                   G.

  Gebbersberg 86.
  Gebirgsfaltung 16.
  Gegensteine 103.
  Gelmkeberg 5.
  Gemkenthal 70.
  Geographischer berblick 5.
  Geologische bersicht 8.
  Georgshhe 103.
  Gerlachsbach 68.
  Gernrode 87 (Abb. 83), 103, 104;
    Inneres der Cyriakikirche 88 (Abb. 84).
  Geschichtlicher berblick 25.
  Goldbach 94.
  Gose 48, 72.
  Goslar 72, 73, 74, 75, 76;
    von der Klus gesehen 31 (Abb. 32);
    Domkapelle 32 (Abb. 33);
    Kaiserhaus 4 (Abb. 3);
    Markt mit Rathaus 30 (Abb. 31).
  Groer Ehrenberg 120.
  Grund 23 (Abb. 24), 62.
  Gntersberge 100, 106.


                                   H.

  Hagenthal 104.
  Hahnenberg 5.
  Hahnenklee 15 (Abb. 16), 48.
  Hainberg 68.
  Hakeberg 109.
  Halberstadt 61 (Abb. 61), 93;
    Inneres des Domes 63 (Abb. 62);
    Markt und Rathaus 60 (Abb. 60).
  Halberstdter Schweiz 94.
  Hammerstein 77.
  Hannekenbruch 85.
  Hanskhnenburg 77.
  Harkerode 109.
  Harlyberg 90.
  Harzburg, Bad 45 (Abb. 47), 70, 89;
    im 17. Jahrhundert 49 (Abb. 50);
    Kurhaus und Aktienhotel 47 (Abb. 48).
  Harzgerode 106.
  Harzgrafschaften 30.
  Hassel 100.
  Hasselfelde 100.
  Hassenstein 79.
  Hasserode 92.
  Hausbau 37.
  Hausberg 78, 79.
  Heber 65.
  Heidenstieg 25.
  Heiligenstock 56.
  Heimburg 95.
  Heinrichshhe 86.
  Henneckenrode, Schlo 27 (Abb. 28), 67.
  Hermannshhle 99;
    Blaue Grotte 74 (Abb. 72).
  Herzberg 5, 41, 82.
  Hettstedt 110, 112.
  Hexenaltar 85.
  Hexentanzplatz 101;
    vom Hirschgrund gesehen 79 (Abb. 76).
  Hexenwaschbecken 85.
  Hilmarsberg 92.
  Hirschhrner 83.
  Hirt 16 (Abb. 17).
  Hochebene von Klausthal 40.
  Hochwild 19 (Abb. 20).
  Hohegei 120.
  Hohneklippen 86, 91.
  Hohnstein 118 (Abb. 110), 121, 122.
  Holle 67.
  Holtemme 91, 92.
  Hoppelberg 94.
  St. Hubertus-Jgerhaus 68.
  St. Hubertuskapelle am Heinberge 28 (Abb. 29).
  Httenmann 20 (Abb. 21).
  Httenrode 99.


                                   I.

  Iberg 62.
  Ilfeld 117 (Abb. 109), 121.
  Ilse 89, 90.
  Ilseflle 51 (Abb. 52), 90.
  Ilsenburg 52 (Abb. 53), 90, 91.
  Ilsestein 90.
  Ilsethal 90.
  Innerste 17, 48, 56, 62, 72.
  Innerstelandschaft 58.


                                 J (j).

  Jagdkopf 77, 78.
  Jgerfleck 120.
  Jakobsbruch 85.
  Josephshhe 123;
    Aussichtsturm 123 (Abb. 114).


                                   K.

  Kahlenberg 48.
  Kalbe 70.
  Kalte Bode 98.
  Kaltenborn 48.
  Kamschlacken 56.
  Karl der Groe zerstrt die Irmensule 34 (Abb. 35).
  Katharinenhtte 110.
  Kellwasser 70.
  Kirchberg 63.
  Klausthal 7 (Abb. 7), 41, 43, 46;
    Marktkirche 9 (Abb. 9).
  Klausthal, Hochebene von 40.
  Klausthaler Silberhtte 58.
  Kleiner Ehrenberg 121.
  Klima 18, 19.
  Kloster-Mansfeld 115.
  Klus 72.
  Klusberge 94.
  Knollen 78.
  Khler 53, 54.
  Knigsberg 78, 83, 86.
  Knigsdahlum 65.
  Knigshof 98, 99.
  Knigshtte 79.
  Konradsburg, Kloster 107.
  Kte 52.
  Krumme Getel 107.
  Kuckholzklippe 48, 56.
  Kulturmdchen 50.
  Kummel 79.
  Kupferkammerhtte 110;
    Flammofen-Anlage 98 (Abb. 92).


                                   L.

  Landgngerin 6 (Abb. 6).
  Landmannshohnebruch 85.
  Land und Leute 30.
  Langelsheim 62.
  Langenstein, Schlo 94.
  Langer Acker 8.
  Lrchenkpfe 83.
  Lauenburg 103.
  Lautenthal 24 (Abb. 25), 62.
  Lauterberg 38 (Abb. 40), 78, 79;
    im 17. Jahrhundert 38 (Abb. 39).
  Leimbach 110.
  Leine 108.
  Lerbach 48, 56.
  Lerbacher Holzhauer 18 (Abb 19).
  Lindenberg-Straberg 106.
  Luppbode 100.
  Luther und Karl V. auf dem Reichstage in Worms 35 (Abb. 36).
  Lutterberg 78.
  Lutter 78.


                                   M.

  Mgdesprung 91 (Abb. 86), 106.
  Mansfeld 110, 115, 116.
  Mansfelder Bergbau 112, 114.
  Mansfelder Bergbaugebiet 108.
  Mansfelder Georgsthaler von 1620 102 (Abb. 96).
  Mansfelder Mnzen 116.
  Mansfelder Thaler von 1811 103 (Abb. 97);
    von 1862 103 (Abb. 98).
  Mauseklippe 98.
  Meinekenberg 86.
  Meisdorf, Schlo 107.
  Metallaufbereitung 60.
  Michaelstein 64 (Abb. 63).
  Michaelstein, Kloster 94, 95.
  Molmerschwende 109.
  Mnchseiche bei Michaelstein 65 (Abb. 64).
  Morungen 125.
  Mnchehof 63.
  Mundarten 33, 34, 35, 36, 37.


                                   N.

  Nabenthaler Wasserfall 68.
  Nebel 25.
  Neile 62.
  Nette 63, 64, 65.
  Neudorf 110.
  Neu-Michaelstein 94.
  Neustadt unterm Hohnstein 119 (Abb. 111), 122.
  Niedersachswerfen 122.
  Niederschlge 22, 23, 24.
  Nordberg 5.
  Nordhausen 121 (Abb. 112), 122, 123;
    Rathaus 122 (Abb. 113).
  Nschenrode 92.


                                   O.

  Obere Schwarze Tannen 83.
  Oberteich 36 (Abb. 37).
  Ober- und Unterharz 8.
  Oder 78, 82.
  Oderhaus 78.
  Oderlandschaft 77.
  Oderteiche 48, 77.
  Oker, Flu 56, 68, 70, 90.
  Oker, Ort 72.
  Oker, kleine 68.
  Okerlandschaft 68.
  Okerstein 68.
  Okerthal 70.
  rner, Burg 110.
  Osterode 21 (Abb. 22), 56.
  Otto-Schchte I und III 99 (Abb. 93).


                                   P.

  Pandelbach 63.
  Pansfelde 109.
  Pesekenkopf 86.
  Petersberg 72.
  Phlde 82.
  Poppenberg 121.
  Prinzenteich 58.


                                   Q.

  Quedlinburg 81 (Abb. 78), 102, 103;
    Klopstock-Denkmal 83 (Abb. 80);
    Rathaus 80 (Abb. 77);
    Ritterdenkmal 85 (Abb. 81);
    Altertmer in der Schlokirche 82 (Abb. 79).
  Questenberg 124.
  Quitschenberg 83.


                                   R.

  Rabenklippen 50 (Abb. 51), 90.
  Radau 89.
  Radaufall 48.
  Ramberg 5, 104.
  Rammelburg, Schlo 110.
  Rammelsberg 5.
  Rappbode 99, 100.
  Rauchblen 58.
  Ravensberg 77, 78, 79, 119.
  Regenstein 95.
  Regenstein, Burg 66 (Abb. 65).
  Rehberg 78, 83.
  Rehbergergraben 48, 77.
  Renneckenberg 86.
  Rhden 65.
  Riefensbeek 56.
  Rippenbach 94.
  Rmerstein 79.
  Romkerhalle 70.
  Romkerhaller Wasserfall 29 (Abb. 30).
  Rola 124.
  Rotrappe 101.
  Rotenbach 68.
  Rotestte 121.
  Rbeland 99.
  Ruhme 58.


                                   S.

  Sachsa 111 (Abb. 104), 119.
  Sachsenstein 120.
  Saigerhtte 110.
  Salzberg 92.
  Sandthalskopf 86.
  Sangerhausen 125.
  Schchte 47.
  Schalke 48.
  Scharfenstein 86.
  Scharzfeld 79.
  Scharzfels 40 (Abb. 42), 79, 80.
  Scherenberg 56.
  Schersthorklippen 98.
  Schierke 71 (Abb. 70), 98;
    Dorfstrae 70 (Abb. 69).
  Schildau 64.
  Schlsselstollen 110.
  Schmale Wipper 110.
  Schnarcherfelsen 87.
  Schneeschuhlufer 44 (Abb. 46).
  Schneidwasser 68.
  Scholm 79.
  Schrmarbeit 100 (Abb. 94).
  Schurre 101.
  Seesen 64.
  Segengottes-Schachtes, Abteufen des 101 (Abb. 95).
  Seilerklippen 77.
  Selke 106, 107, 108.
  Selkelandschaft 106.
  Sieber 78, 82.
  Silberhtte 106.
  Sder, Schlo 25 (Abb. 26), 66.
  Sonnenberg 83.
  Sonnenberge 77.
  Sse 48, 56, 58.
  Sselandschaft 56.
  Sperrlutter 78.
  Spiegelthal 48.
  Stangerode 108, 109.
  Staufenburg 63.
  Stecklenburg 103.
  Steile Wand 68.
  Steinberg 5.
  Steinerne Renne 53 (Abb. 54), 91.
  Steinkirche 82.
  Stiege 100.
  Stieglitzecke 77.
  Stberhai 77, 78, 79.
  Stolberg Abb. 1 (Titelbild), 123, 124;
    Rathaus 124 (Abb. 115).
  Stolberg-Stolberg, Grafschaft 122.
  Stolberg-Wernigerode, Grafschaft 121.
  Stubenberg 103.
  Sudmerberg 72.
  Suderode 86 (Abb. 82), 103.
  Slzhain 120.


                                   T.

  Temperaturschwankungen 20.
  Teufelsbder 6.
  Teufelsbrcke 100.
  Teufelskanzel 85.
  Teufelsmauer 82, 102.
  Teufelsmhle 106.
  Thale 102.
  Thyra 123.
  Tiefenbachthal 121.
  Torfhaus 68.
  Trautenstein 100.
  Treseburg 75, 100.


                                   U.

  Unterharz 8.


                                   V.

  Vienenburg 90.
  Viktorshhe 106.
  Volkmannsrode 109.
  Volkmarsbrunnen 94.
  Volkmarskeller 94.
  Volkscharakter 40.
  Volkstrachten 39.
  Vorgeschichte des Harzes 26.


                                   W.

  Waldarbeiter 18 (Abb. 19), 51.
  Waldeszauber 49.
  Waldvergiftung 59.
  Walkenried 119, 120;
    Denkmal Ernst VII. im Kloster 114 (Abb. 106);
    Kloster 112 (Abb. 105);
    Kreuzgang im Kloster 114 (Abb. 107).
  Warme Bode 98.
  Weies Wasser 70.
  Wendefurt 100.
  Werder 66.
  Wernigerode 57 (Abb. 57), 92;
    Frankenfeldsches Haus 59 (Abb. 59);
    Rathaus 58 (Abb. 58);
    Schlo 54 (Abb. 55).
  Wiebeek 109.
  Wieda 120.
  Wiedathal 119.
  Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches 33 (Abb. 34).
  Wiesenbeeker Teich 39 (Abb. 41), 79.
  Wild 55.
  Wildemann 22 (Abb. 23), 62.
  Wildemannthaler von 1665 11 (Abb. 11).
  Wildschweine 17 (Abb. 18).
  Wilhelmshtte 65.
  Windhausen 48.
  Winterberg, groer und kleiner 87.
  Winzenburg 64.
  Wipper 108, 110.
  Wipperlandschaft 108.
  Wipperthal 110.
  Wippra 110.
  Woldenberg 67.
  Woldenstein, Burg 65.
  Wolfsbachthal 120.
  Wurmbachthal 103.
  Wurmberg 83, 87, 99.


                                   Z.

  Zellbach 58.
  Zellerfeld 8 (Abb. 8), 41;
    Apotheke 13 (Abb. 14).
  Zellerfelder Mnzen 44.
  Zeterklippen 86.
  Zillierbach 92.
  Zorge, Flu und Ort 120.

                    *       *       *       *       *

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