The Project Gutenberg EBook of Lieder von Lessing, by Gotthold Ephraim Lessing

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Title: Lieder von Lessing

Author: Gotthold Ephraim Lessing

Release Date: November, 2004  [EBook #6822]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on January 27, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: iso-latin-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, LIEDER VON LESSING ***




Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient
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Lieder von Lessing

Gotthold Ephraim Lessing


alphabetisch nach Titeln sortiert

Alexander
An Amor
An den Anakreon
An den Horaz
An den Wein
An die J. L***
An die Kunstrichter
An die Leier
An die Schwalbe
An eine kleine Schne
Antwort eines trunknen Dichters
Auf sich selbst
Das Alter
Das Bild an Hrn. H.
Das Erdbeben
Das Leben
Das Paradies
Das Schferleben
Das Umwechseln
Das aufgehobene Gebot
Der Donner
Der Faule
Der Fehler
Der Fehler der Natur an Hr. M.
Der Flor
Der Genu
Der Geschmack der Alten
Der Handel
Der Irrtum
Der Regen
Der Schiffbruch
Der Schlaf
Der Sommer
Der Sonderling
Der Tabak
Der Tausch an Hr. W.
Der Tod
Der Verlust
Der Vetter und die Muhme
Der Wunsch
Der alte und der junge Wein
Der bescheidene Wunsch
Der grte Mann
Der mige Pbel
Der neue Welt-Bau
Der philosophische Trinker
Der schwrende Liebhaber
Der trunkne Dichter lobt den Wein
Die 47ste Ode Anakreons
Die Abwechslung
Die Antwort
Die Beredsamkeit
Die Betrbnis
Die Biene
Die Diebin
Die Einwohner des Mondes
Die Ente
Die Faulheit
Die Gespenster
Die Gewiheit
Die Haushaltung
Die Ksse
Die Ksse
Die Kunstrichter und der Dichter
Die Liebe
Die Musik
Die Mutter
Die Namen
Die Planetenbewohner
Die Redlichkeit
Die Schne von hinten
Die Sparsamkeit
Die Strke des Weins
Die Trken
Die Versteinerung
Die Wetterprophezeiung
Die drei Reiche der Natur
Die lgenhafte Phyllis
Die lehrende Astronomie
Die schlafende Laura
Die schlimmste Frau
Die verschlimmerten Zeiten
Die wider den Csar verschworne Helden
Eine Gesundheit
Fr wen ich singe
Heldenlied der Spartaner
Ich
Jungfer Lieschens Knie
Kssen und Trinken
Lied
Lied aus dem Spanischen
Lob der Faulheit
Nach der 15. Ode Anakreons
Niklas
Phillis
Phyllis an Damon
Phyllis lobt den Wein
Refutatio Papatus
Salomon
Trinklied
Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche
[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius]




Alexander

Der Weise sprach zu Alexandern.
"Dort, wo die lichten Welten wandern,
Ist manches Volk, ist manche Stadt."
Was tut der Mann von tausend Siegen?
Die Memme weint, da dort zu kriegen,
Der Himmel keine Brcken hat.

Ists wahr, was ihn der Weise lehret,
Und finden, was zur Welt gehret,
Daselbst auch Wein und Mdchen statt:
So lasset, Brder, Trnen flieen,
Da dort zu trinken und zu kssen,
Der Himmel keine Brcken hat.



An Amor

Amor, soll mich dein Besuch
Einst erfreuen--
O so lege dein Gefieder
Und die ganze Gottheit nieder.
Diese mchte mich erschrecken,
Jenes mchte Furcht erwecken,
Furcht, nach flatterhaften Kssen,
Meine Phyllis einzuben.
Komm auch ohne Pfeil und Bogen,
Ohne Fackel angezogen...
Stelle dich, um mir lieb zu sein,
Als ein junger Satyr ein.



An den Anakreon

Anakreon singt, alles fhlet:
Und alles ghnt wenn Codrus spielet.
Anakreon, sprich, wie man spielt,
Da niemand ghnt, da alles fhlt.

Du schweigst? Doch mit beredtern Blicken,
Die mich in Bacchus Laube schicken,
Sprichst du: Mein Lehrer war der Wein.
Wohl! Wohl! Er soll auch meiner sein!



An den Horaz

Horaz, wenn ich mein Mdchen ksse,
Entflammt von unserm Gott, dem Wein,
Dann seh ich, ohne kritsche Schlsse,
Dich tiefer als zehn Bentleys ein.

Dann fhl ich sie, die sen Ksse,
Die ein barbarscher Bi verletzt,
Sie, welche Venus, nebst dem Bisse,
Mit ihres Nektars Fnfteil netzt.*

Dann fhl ich, mehr als ich kann sagen
Die Gttin, durch die Laura kt,
Wie sie sich Amathunts entschlagen,
Und ganz in mich gestrzet ist.**

Sie herrscht im Herzen, sie gebietet;
Und Laura lscht die Phyllis aus.
Sie herrscht im Herzen? nein, sie wtet;
Denn Laura hlt mich ab vom Schmaus.

*--dulcia barbare
Laedentem oscula, quae Venus
Quincta parte sui Nectaris imbuit.

**-in me tota ruens Venus
Cyprum deseruit.



An den Wein

Wein, wenn ich dich itzo trinke,
Wenn ich dich als Jngling trinke,
Sollst du mich in allen Sachen
Dreist und klug, beherzt und weise,
Mir zum Nutz, und dir zum Preise,
Kurz, zu einem Alten machen.

Wein, werd ich dich knftig trinken,
Werd ich dich als Alter trinken,
Sollst du mich geneigt zum Lachen,
Unbesorgt fr Tod und Lgen,
Dir zum Ruhm, mir zum Vergngen,
Kurz, zu einem Jngling machen.



An die J. L***

Natrlichs Ebenbild der Liebe!
Nimm hier dein knstlich Ebenbild;
Das, wenn man dich auch drber schriebe,
Doch seines Meisters Schwche schilt.
Dem Maler la es nicht entgelten,
Wenn dir dies Bild zu wenig gleicht:
Nur auf das Urbild mut du schelten,
Wenn dich sein Pinsel nicht erreicht.
Dich, hnlichstes von allen Bildern,
Hat die Natur hervorgebracht:
Jedoch wie kann ein Knstler schildern,
Was die Natur vollkommen macht?



An die Kunstrichter

Schweigt, unberauschte, finstre Richter!
Ich trinke Wein, und bin ein Dichter.
Tut mir es nach, und trinket Wein,
So seht ihr meine Schnheit ein.
Sonst wahrlich, unberauschte Richter,
Sonst wahrlich seht ihr sie nicht ein!



An die Leier

Tne, frohe Leier,
Tne Lust und Wein!
Tne, sanfte Leier,
Tne Liebe drein!

Wilde Krieger singen,
Ha und Rach und Blut
In die Laute singen,
Ist nicht Lust, ist Wut.

Zwar der Heldensnger
Sammelt Lorbeern ein;
Ihn verehrt man lnger;
Lebt er lnger? Nein.

Er vergrbt im Leben
Sich in Tiefsinn ein:
Um erst dann zu leben,
Wann er Staub wird sein.

Lobt sein gttlich Feuer,
Zeit und Afterzeit!
Und an meiner Leier
Lobt die Frhlichkeit.



An die Schwalbe

Die 12te Ode Anakreons.

Schwatzhafteste der Schwalben, sprich,
Was tu ich dir? wie straf ich dich?
Soll ich dich um die Schwingen
Mit meiner Schere bringen?
Soll ich, zu deiner Pein,
Ein andrer Tereus sein?
Und willst du gern der Progne gleichen?
Mut du, zu frhe Schwtzerin,
Mut du von meiner Schferin
Mir meinen schnen Traum verscheuchen?



An eine kleine Schne

Kleine Schne, ksse mich.
Kleine Schne, schmst du dich?
Ksse geben, Ksse nehmen,
Darf dich itzo nicht beschmen.
Ksse mich noch hundertmal!
K und merk der Ksse Zahl.
Ich will dir, bei meinem Leben!
Alle zehnfach wiedergeben,
Wenn der Ku kein Scherz mehr ist,
Und du zehn Jahr lter bist.



Antwort eines trunknen Dichters

Ein trunkner Dichter leerte
Sein Glas auf jeden Zug;
Ihn warnte sein Gefhrte:
Hr auf! du hast genug.
Bereit vom Stuhl zu sinken,
Sprach der: Du bist nicht klug;
Zu viel kann man wohl trinken,
Doch nie trinkt man genug.



Auf sich selbst

Ich habe nicht stets Lust zu lesen.
Ich habe nicht stets Lust zu schreiben.
Ich habe nicht stets Lust zu denken;
Kurzum, nicht immer zu studieren.

Doch hab ich allzeit Lust zu scherzen.
Doch hab ich allzeit Lust zu lieben.
Doch hab ich allzeit Lust zu trinken;
Kurz, allezeit vergngt zu leben.

Verdenkt ihr mirs, ihr sauern Alten?
Ihr habt ja allzeit Lust zu geizen;
Ihr habt ja allzeit Lust zu lehren;
Ihr habt ja allzeit Lust zu tadeln.

Was ihr tut, ist des Alters Folge.
Was ich tu, will die Jugend haben.
Ich gnn euch eure Lust von Herzen.
Wollt ihr mir nicht die meine gnnen?



Das Alter

Nach der 11ten Ode Anakreons.

Euch, lose Mdchen, hr ich sagen:
"Du bist ja alt, Anakreon.
Sieh her! du kannst den Spiegel fragen,
Sieh, deine Haare schwinden schon;
Und von den trocknen Wangen
Ist Blt und Reiz entflohn."--
Wahrhaftig! ob die Wangen
Noch mit dem Lenze prangen,
Wie, oder ob den Wangen
Der kurze Lenz vergangen,
Das wei ich nicht; doch was ich wei,
Will ich euch sagen: da ein Greis,
Sein bichen Zeit noch zu genieen,
Ein doppelt Recht hat, euch zu kssen.



Das Bild an Hrn. H.

Das, Maler, ist dein Meisterstcke!
Ja, H**, ja; an Anmut reich,
Sieht dies Kind meinem Kinde gleich.
Das ist sein Haar; dies seine Blicke;
Das ist sein Mund; das ist sein Kinn.

O Freund, o la dichs nicht verdrssen,
Und sieh auf jene Seite hin:
Ich mu, ich mu das Bildchen kssen.
Wie zrtlich nimmts den Ku nicht an:
Nur schade, da es ihn nicht wiedergeben kann.



Das Erdbeben

Bruder, Bruder, halte mich!
Warum kann ich denn nicht stehen?
Warum kannst du denn nicht gehen?
Bruder geh, ich fhre dich.

Sachte Bruder, stolperst du?
Was? Du fllst mir gar zur Erden?
Halt! ich mu dein Retter werden.
Nu? Ich falle selbst dazu?

Sieh doch Bruder! Siehst du nicht,
Wie die lockern Wnde schwanken?
Sieh, wie Tisch und Flasche wanken!
Greif doch zu! das Glas zerbricht!

Himmel, bald, bald werden wir
Nicht mehr trinken, nicht mehr leben!
Fhlst du nicht? des Grunds Erbeben
Droht es Bruder mir und dir.

Limas Schicksal bricht herein!
Bruder, Bruder, wenn wir sterben,
Soll der Wein auch mit verderben?
Der auf heut bestimmte Wein?

Nein, die Snde wag ich nicht.
Bruder, wolltest du sie wagen?
Nein, in letzten Lebenstagen
Tut man gerne seine Pflicht.

Sieh, dort sinket schon ein Haus!
Und hier auch! Nun mu man eilen!
La uns noch die Flasche teilen!
Hurtig! Hurtig! trink doch aus!



Das Leben

Sechs Tage kannt ich sie,
Und liebte sie sechs Tage.
Am siebenten erblate sie,
Dem ersten meiner ewgen Klage.
Noch leb ich, zauderndes Geschick!
Ein pflanzengleiches Leben.
O Himmel, ist fr den kein Glck,
Dem du Gefhl und Herz gegeben!
Oh! nimm dem Krper Wrm und Blut,
Dem du die Seele schon genommen!
Hier, wo ich wein, und wo sie ruht,
Hier la den Tod auf mich herab gebeten kommen!
Was hilft es, da er meine Jahre
Bis zu des Nestors Alter spare?
Ich habe, trotz der grauen Haare,
Womit ich dann zur Grube fahre,
Sechs Tage nur geliebt,
Sechs Tage nur gelebt.



Das Paradies

Sein Glck fr einen Apfel geben,
O Adam, welche Lsternheit!
Statt deiner htt ich sollen leben,
So wr das Paradies noch heut.--

Wie aber, wenn alsdann die Traube
Die Probefrucht gewesen wr?
Wie da, mein Freund?--Ei nun, ich glaube--
Das Paradies wr auch nicht mehr.



Das Schferleben

Komm Freund! wir wollen Schfer werden.
Dies stille Volk besitzet noch
Die se Ruh, das Glck der Erden.
Was zauderst du? Komm Freund! komm doch!
Dort blht bei aufgerumten Sinnen
Noch alte Treu und Redlichkeit,
Auch in den schnsten Schferinnen.
Dort, dort ist noch die gldne Zeit.

Wird dir es schwer, die Stadt zu lassen,
Wo nichts als falsche Mgdchen sind?
Bedenke, Phyllis will mich hassen,
Das flatterhafte bse Kind.

Auch Phyllis kann die Treue brechen,
Und windet sich aus meiner Hand.
Ja, diese Falschheit mu ich rchen.
Komm mit! Ich geh ins Schferland.

Du schwrmst, mein Freund. La mich zufrieden.
Was geht mich deine Phyllis an.
Dem ist ein grer Glck beschieden,
Der sich gleich mir betrinken kann.

Wo hast du den Verstand gelassen?
Du hast gewi noch keinen Rausch?
Den Wein, den Wein fr Milch zu hassen?
Den Wein fr Milch? Das wr ein Tausch.

Recht Freund! verzeih mir diese Possen.
Wie albern denkt und redt man nicht,
Wenn man noch keinen Wein genossen,
Wenn folglich der Verstand gebricht.

Drum eile, Freund! mir einzuschenken.
Trink mir es zu, und mach mich klug.
Nun lern ich wieder richtig denken.
Nun seh ich meinen Selbstbetrug.

O schade fr die falschen Kinder!
Lat sie nur unbestndig sein.
Ich lache nun, und bins nicht minder.
Den Rat, den Rat gibt mir der Wein.

Nun soll mich Phyllis nicht betrben,
Lat sie nur unbestndig sein,
Von nun an will ich auch so lieben.
Den Rat, den Rat gibt mir der Wein.



Das Umwechseln

Der Bruder
  Liebe Schwester, wer ist die?
  Deine Freundin? darf ich kssen?
  O wie frei, wie schn ist sie!
  Liebe Schwester darf ich kssen?

Die Schwester
  Pfui! Ihr Bruder ist ja hier.
  Willst du, da ers sieht, sie kssen?
  Schm dich! diesesmal wird dir
  Wohl die Lust vergehen mssen.

Der Bruder
  Schwester, geh zum Bruder hin;
  La dich von dem Bruder kssen;
  Dann, weil ich dein Bruder bin,
  Darf ich seine Schwester kssen.



Das aufgehobene Gebot

Elise.
  Siehst du Wein im Glase blinken,
  Lerne von mir deine Pflicht:
  Trinken kannst du, du kannst trinken;
  Doch betrinke dich nur nicht.

Lysias.
  Wallt dein Blut von Jugendtrieben,
  Lerne von mir deine Pflicht:
  Lieben kannst du, du kannst lieben;
  Doch verliebe dich nur nicht.

Elise.
  Bruder! ich mich nicht verlieben?

Lysias.
  Schwester! ich mich nicht betrinken?

Elise.
  Wie verlangst du das von mir?

Lysias.
  Wie verlangst du das von mir?

Elise.
  Lieber mag ich gar nicht lieben.

Lysias.
  Lieber mag ich gar nicht trinken.

Beide.
  Geh nur, ich erlaub es dir.



Der Donner

Es donnert!--Freunde, lat uns trinken!
Der Frevler und der Heuchler Heer
Mag knechtisch auf die Kniee sinken.
Es donnert!--Macht die Glser leer!
Lat Nchterne, lat Weiber zagen!
Zeus ist gerecht, er straft das Meer:
Sollt er in seinen Nektar schlagen?



Der Faule

Rennt dem scheuen Glcke nach!
Freunde, rennt euch alt und schwach!
Ich nehm teil an eurer Mh:
Die Natur gebietet sie.
Ich, damit ich auch was tu,--
Seh euch in dem Lehnstuhl zu.



Der Fehler

Angelika ist jung und reich.
An Schnheit meiner Phyllis gleich.
Ich kann nichts Schners nennen;
Das wissen die, die Phyllis kennen.
Sie redet ungezwungen rein;
Sie scherzt empfindlich und doch fein;
Ihr biegsam redlich Herze fhlt;
Sie tanzt, sie singt, sie spielt.
Wenn meine Phyllis untreu wird--
O werde sie es nie!
Wenn sie es aber wird,
So lieb ich keine sonst als sie.
Doch--hab ichs auch bedacht?
Nein, einen Fehler treff ich an,
Der alles nichtig macht.
Sie liebet ihren Mann.



Der Fehler der Natur an Hr. M.

Freund! du erforschest die Natur.
Sprich! Ists nicht wahr, sie spielt nicht nur,
Sie fehlt auch oft in ihren Werken.
Ja, ja sie fehlt. Oft in der Eil
Versetzt sie dies und jenes Teil.
Ich selbst kann meinen Satz bestrken.
Denn htt sich ihre Gtterhand,
Als sie mich baute, nicht verloren;
So wr ich an der Mosel Strand,
Wo nicht doch in Burgund geboren.
O Mosler, o Burgunderwein,
Ich, ich sollt euer Landsmann sein!



Der Flor

O Reize voll Verderben!
Wir sehen euch, und sterben.
O Augen, unser Grab!
O Chloris, darf ich flehen?
Dich sicher anzusehen,
La erst den Flor herab!



Der Genu

So bringst du mich um meine Liebe,
Unseliger Genu? Betrbter Tag fr mich!
Sie zu verlieren,--meine Liebe,--
Sie zu verlieren, wnscht ich dich?
Nimm sie, den Wunsch so mancher Lieder,
Nimm sie zurck, die kurze Lust!
Nimm sie, und gib der den Brust,
Der ewig den Brust, die bere Liebe wieder!



Der Geschmack der Alten

Ob wir, wir Neuern, vor den Alten
Den Vorzug des Geschmacks erhalten,
Was lest ihr darum vieles nach,
Was der und jener Franze sprach?
Die Franzen sind die Leute nicht,
Aus welchen ein Orakel spricht.

Ich will ein neues Urteil wagen.
Geschmack und Witz, es frei zu sagen,
War bei den Alten allgemein.
Warum? sie tranken alle Wein.
Doch ihr Geschmack war noch nicht fein;
Warum? sie mischten Wasser drein.



Der Handel

Des wuchernden Tumultes satt,
Freund, fliehst du aus der vollen Stadt?
Flieh nur allein; ich bleib zurcke,
Die Messe wag ich noch mein Glcke.
Nun handl ich auch: doch soll allein
Mein Handel mit den Schnen sein.

Itzt, Mgdchens, ist mir alles feil,
Mein Vater--und mein Mutterteil,
Haus, Bcher, Garten, Wald und Felder.
Kommt nur, und bringt die rechten Gelder!
Kommt nur und fangt den Handel an;
Glaubt, da ich euch nicht trgen kann.

Ihr kommt? _Wie teuer ist dein Feld?_
Mein Feld verkauf ich nicht fr Geld.
Dir, Mgdchen, biet ichs hundert Ksse.
_Und deinen Wald?_ Zweihundert Ksse.
_Und dieses Buch?_ Fr einen Ku.
_Und dieses Lied?_ Fr einen Ku.

Wenn ich mit Schnen handeln mu,
Gilt alles bei mir einen Ku.
Denn Ksse sind die besten Gelder.
Nicht nur Haus, Garten, Wald und Felder;
Mein Vater--und mein Mutterteil,
Ich selber bin fr Ksse feil!

L.



Der Irrtum

Den Hund im Arm, mit bloen Brsten,
Sah Lotte frech herab.
Wie mancher lie sichs nicht gelsten,
Da er ihr Blicke gab.

Ich kam gedankenvoll gegangen,
Und sahe steif heran.
Ha! denkt sie, der ist auch gefangen,
Und lacht mich schalkhaft an.

Allein, gesagt zur guten Stunde,
Die Jungfer irrt sich hier.
Ich sah nach ihrem bunten Hunde:
Es ist ein artig Tier.



Der Regen

Der Regen hlt noch immer an!
So klagt der arme Bauersmann;
Doch eher stimm ich nicht mit ein,
Es regne denn in meinen Wein.



Der Schiffbruch

"Gewagt! Freund, komm mit mir aufs Meer!
Das Trinken macht den Beutel leer,
Drum hol ich mir in fernen Landen,
Die unsre Vter niemals fanden,
Gold, Silber, Berlen, Edelstein;
Und folglich Wein."

Nein Freund! nein Freund, dies wag ich nicht.
Gesetzt, da unser Schiff zerbricht,
So mssen wir ins Wasser sinken,
Und Wasser wohl gezwungen trinken.
Und Wasser, Wasser schmecket schlecht.
Hab ich nicht recht?

Ja, wr im Meere lauter Wein,
So gng ich, Freund, die Schiffahrt ein.
O Freund! o Freund, mit Freuden
Wollt ich gar Schiffbruch leiden.
Doch dies ist nicht. Drum bleibe hier.
Man borget dir.



Der Schlaf

Ich trinke bis um Mitternacht.
Wenn neben mir der Geizhals wacht,
Und mit bekmmertem Verlangen
Forscht, ob dem Schatze nichts entgangen?
Da trink ich noch, und freue mich,
Und trinkend Bacchus lob ich dich.
Da flieht der Durst! da flieht der Kummer!
Doch wrst du nicht, du ser Schlummer,
Wenn sollt ich wieder durstig werden?
Und wrd ich nicht mehr durstig sein,
So trnk ich ja auch nicht mehr Wein.
O Schlaf, welch Gut bist du der Erden!



Der Sommer

_Brder! lobt die Sommerszeit!_
Ja, dich, Sommer, will ich loben!
Wer nur deine Munterkeit,
Deine bunte Pracht erhoben,
Dem ist wahrlich, dem ist nur,
Nur dein halbes Lob gelungen,
Htt er auch, wie Brocks, gesungen,
Brocks, der Liebling der Natur.

Hr ein grer Lob von mir,
Sommer! ohne stolz zu werden.
Brennst du mich, so dank ichs dir,
Da ich bei des Strahls Beschwerden,
Bei der durstgen Mattigkeit,
Lechzend nach dem Weine frage,
Und gekhlt den Brdern sage:
_Brder! lobt die durstge Zeit!_

L.



Der Sonderling

Sobald der Mensch sich kennt,
Sieht er, er sei ein Narr;
Und gleichwohl zrnt der Narr,
Wenn man ihn also nennt.

Sobald der Mensch sich kennt,
Sieht er, er sei nicht klug;
Doch ists ihm lieb genug,
Wenn man ihn weise nennt.

Ein jeder, der mich kennt,
Spricht: Welcher Sonderling!
Nur diesem ists _ein_ Ding,
Wie ihn die Welt auch nennt.



Der Tabak

    Dich, Tabak, lobt der Medikus,
    Weil uns dein fleiiger Genu
An Zahn und Augen wohl kurieret,
Und Schleim und Kolster von uns fhret.

    Dich lobet der Philosophus,
    Wenn er scharf meditieren mu;
Weil er, so lang er dich genieet,
Des Geistes Flatterkeit vermisset.

    Dich lobet der Theologus
    Durch einen homiletschen Schlu,
Wenn er in deinem Rauch entzcket
Ein Bild der Eitelkeit erblicket.

    Ich lob an dir als ein Jurist,
    Was rechtens an dir lblich ist;
Da, wenigstens wie mir es dnket,
Man mehr und fter bei dir trinket.

L.



Der Tausch an Hr. W.

Ein Mgdchen, das Verstand und Geist
Gemeiner Schnen Zahl entreit,
Ein Mgdchen, das bei Bchern schwitzet,
Wenn Phyllis vor dem Spiegel sitzet,
Das ihrer Seelen Schnheit bessert,
Wenn die die leibliche vergrert,
Das grndlich denkt und grndlich scherzt,
Platonisch liebt, platonisch herzt:
Freund, so ein Mgdchen ist fr dich,
Und nicht fr mich.

Ein Mgdchen, dessen zrtlich Bild
Mit Zrtlichkeit die Herzen fllt,
Ein Mgdchen mit beredten Blicken,
Mit Fen, die versteckt entzcken,
Mit Hnden, die liebkosend schlagen,
Und drckend, dich nur lieb ich, sagen,
Mit schwarzem Haar, mit voller Brust,
Gemacht zu dauerhafter Lust:
Freund, so ein Mgdchen ist fr mich,
Und nicht fr dich.

Das Glck ist ungerecht und blind;
Wenn nicht die Dichter Lgner sind.
Wie oft hat es mit deinem Hoffen,
Wie oft mit meinem eingetroffen?
Wie wenn es, dich und mich zu krnken,
Dir mein, und mir dein Kind wird schenken?
O Freund, was soll die Rache sein?
Der Tausch, o Freund, der Tausch allein.
Doch gibst du, geb ich meine dir,
Auch deine mir?



Der Tod

Gestern, Brder, knnt ihrs glauben?
Gestern bei dem Saft der Trauben,
(Bildet euch mein Schrecken ein!)
Kam der Tod zu mir herein.

Drohend schwang er seine Hippe,
Drohend sprach das Furchtgerippe:
Fort, du teurer Bacchusknecht!
Fort, du hast genug gezecht!

Lieber Tod, sprach ich mit Trnen,
Solltest du nach mir dich sehnen?
Sieh, da stehet Wein fr dich!
Lieber Tod verschone mich!

Lchelnd greift er nach dem Glase;
Lchelnd macht ers auf der Base,
Auf der Pest, Gesundheit leer;
Lchelnd setzt ers wieder her.

Frhlich glaub ich mich befreiet,
Als er schnell sein Drohn erneuet.
Narre, fr dein Glschen Wein
Denkst du, spricht er, los zu sein?

Tod, bat ich, ich mcht auf Erden
Gern ein Mediziner werden.
La mich: ich verspreche dir
Meine Kranken halb dafr.

Gut, wenn das ist, magst du leben:
Ruft er. Nur sei mir ergeben.
Lebe, bis du satt gekt,
Und des Trinkens mde bist.

Oh! wie schn klingt dies den Ohren!
Tod, du hast mich neu geboren.
Dieses Glas voll Rebensaft,
Tod, auf gute Brderschaft!

Ewig mu ich also leben,
Ewig! denn beim Gott der Reben!
Ewig soll mich Lieb und Wein,
Ewig Wein und Lieb erfreun!



Der Verlust

Alles ging fr mich verloren,
Als ich Sylvien verlor.
Du nur gingst nicht mit verloren,
Liebe, da ich sie verlor!



Der Vetter und die Muhme

O fluche, Freund, nicht alles Wetter
Auf deinen eigensinngen Vetter.
Schmlt er manchmal; so la es sein.
Er hat ja guten Wein.

Auch fluche nicht der alten Muhme.
Man mu ihr Brummen, sich zum Ruhme,
Mit stiller Sanftmut bergehn.
Die Tochter ist ja schn.



Der Wunsch

Wenn ich, Augenlust zu finden,
Unter schatticht khlen Linden
Schielend auf und nieder gehe,
Und ein hlich Mdchen sehe,
Wnsch ich pltzlich blind zu sein.

Wenn ich, Augenlust zu finden,
Unter schatticht khlen Linden
Schielend auf und nieder gehe,
Und ein schnes Mdchen sehe,
Mcht ich lauter Auge sein.



Der alte und der junge Wein

Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken:
Drum mag der junge Wein
Fr euch, ihr Alten, sein.

Der Jngling trinkt, sich alt und klug zu trinken:
Drum mu der alte Wein
Fr mich, den Jngling, sein.



Der bescheidene Wunsch

Der Pfennig, den man andachtsvoll
Dem Priester beichtend geben soll,
Gilt mehr als im gemeinen Leben
Ein Pfennig, den wir Iro geben.
Die Klgsten mssen durch Dukaten
Den Sinn des kleinen Worts erraten.
Man nehm es nicht buchstblich an,
Der Buchstab bringet Tod und Bann.

"Ach! schenkte mir mein lieber Gott
Nur einst mein liebes bichen Brot;
Ich wollte mich begngen lassen
Und keinen Reichen neidisch hassen."
Oh, das ist Staxen leicht zu sagen,
Doch, wollt ihr eine Wette wagen,
Stax schlieet Fische, Braten, Wein
Mit in den Wunsch des Brotes ein.

O Liebste! machet dir mein Mund
Den heien Wunsch nach Kssen kund,
So wisse, da ich mehr begehret
Als dir mein scheuer Mund erklret.
Ein Ku bei mir ist--Soll ichs sagen?
Doch still! Du willst mich heimlich fragen.
Komm! jener Lustwald ruft dir zu:
O Mgdchen! was du tun willst, tu!



Der grte Mann

Lat uns den Priester Orgon fragen:
Wer ist der grte Mann?
Mit stolzen Mienen wird er sagen.
Wer sich zum kleinsten machen kann.

Lat uns den Dichter Kriton hren:
Wer ist der grte Mann?
Er wird es uns in Versen schwren:
Wer ohne Mhe reimen kann.

Lat uns den Hofmann Damis fragen:
Wer ist der grte Mann?
Er bckt sich lchelnd; das will sagen:
Wer lcheln und sich bcken kann.

Wollt ihr vom Philosophen wissen,
Wer ist der grte Mann?
Aus dunkeln Reden mt ihr schlieen:
Wer ihn verstehn und grbeln kann.

Was darf ich jeden Toren fragen:
Wer ist der grte Mann?
Ihr seht, die Toren alle sagen:
Wer mir am nchsten kommen kann.

Wollt ihr den klgsten Toren fragen:
Wer ist der grte Mann?
So fraget mich; ich will euch sagen:
Wer trunken sie verlachen kann.



Der mige Pbel

Um einen Arzt und seine Bhne
Stand mit erstaunungsvoller Miene
Die leicht betrogne Menge
In lobendem Gedrnge.
Ein weiser Trinker ging vorbei,
Und schriee: welche Polizei!
So mig hier zu stehen?
Kann nicht das Volk zu Weine gehen?



Der neue Welt-Bau

    Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,
    Er macht auch zum Astronomo.
    Ihr kennt doch wohl den groen Geist,
    Nach dem der wahre Welt-Bau heit?
Von diesem hab ich einst gelesen,
Da er beim Weine gleich gewesen,
    Als er der Sonne Stillestand,
    Die alte neue Wahrheit fand.

    Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,
    Er macht auch zum Astronomo.
    Hrt! hrt, ihr Sternenfahrer, hrt,
    Was mir der Wein, der Wein gelehrt!
So kann der Wein den Witz verstrken!
Wir laufen selbst, ohn es zu merken,
    Von Osten tglich gegen West!
    Die Sonne ruht. Die Welt steht fest!



Der philosophische Trinker

Mein Freund, der Narr vom philosophschen Orden,
Hat sich bekehrt, und ist ein Trinker worden.
Er zecht mit mir und meinen Brdern,
Und fhlet schon in unsern Liedern
Mehr Weisheit, Witz und Kraft,
Als Jacob Bhm und Newton schafft.
Doch bringt er seine spitzgen Fragen,
Die minder als sie sagen, sagen,
Noch dann und wann hervor,
Und plagt mit Schlssen unser Ohr.
Jngst fragt er mich am vollen Tische,
Warum wohl in der Welt der Fische,
In Flssen und im Meer,
Nicht Wein statt Wassers wr?
Ohn Ursach, sprach er, kann nichts sein.
Die Antwort fiel mir schwer;
Ich dachte hin und her,
Doch endlich fiel mirs ein.
"Die Ursach ist leicht zu erdenken",
Sprach ich mit aufgestemmtem Arm.
Und welche? schrie der ganze Schwarm.
"Damit, wenn Esel davon trnken,
Die Esel, nur verdammt zu Brden,
Nicht klger als die Menschen wrden."
Die Antwort, schrie man, lt sich hren.
Drum trinket eins der Weltweisheit zu Ehren!



Der schwrende Liebhaber

Ich schwr es dir, o Laura, dich zu hassen;
Gerechten Ha schwr ich dir zu.
Ich schwr es allen Schnen, sie zu hassen;
Weil alle treulos sind, wie du.
Ich schwr es dir, vor Amors Ohren,
Da ich--ach! da ich falsch geschworen.



Der trunkne Dichter lobt den Wein

Mit Ehren, Wein, von dir bemeistert,
Und deinem flgen Feur begeistert,
Stimm ich zum Danke, wenn ich kann,
Ein dir geheiligt Loblied an.

Doch wie? in was fr khnen Weisen
Werd ich, o Gttertrank, dich preisen?
Dein Ruhm, hr ihn summarisch an,
Ist, da ich ihn nicht singen kann.



Die 47ste Ode Anakreons

Alter tanze! Wenn du tanzest,
Alter, so gefllst du mir!
Jngling, tanze! Wenn du tanzest,
Jngling, so gefllst du mir.

Alter, tanze, trotz den Jahren!
Welche Freude, wenn es heit:
Alter, du bist alt an Haaren,
Blhend aber ist dein Geist!



Nachahmung dieser Ode

Jngling, lebst du nicht in Freuden,
Jngling, o so ha ich dich!
Alter, lebst du nicht in Freuden,
Alter, o so ha ich dich!

Jngling, trauerst du in Jahren,
Wo die Pflicht sich freuen heit?--
Schme dich! so frisch an Haaren,
Jngling, und so schwach an Geist!



Die Abwechslung

Ich trinke nicht stets einen Wein.
Das mchte mir zu ekel sein.
Wein aus Burgund, Wein von der Mosel Strande,
Einheimschen Wein, Wein aus dem Frankenlande,
Die wechsl ich tglich mit Bedacht,
Weil Wechseln alles ser macht.

Und mich soll nur ein artig Kind,
Wenn mehrere zu finden sind,
Durch sen Zwang gepriesner Liebe binden?
Oh, dies zhlt ich mit unter meine Snden.
Nein, nein, ich folge meinem Brauch,
Mit artgen Kindern wechsl ich auch.



Die Antwort

Der Nachbarin Climene
Schrieb ich von Lieb und Glut.
Die christlich holde Schne
War allen Menschen gut.
Sie hat den Brief bekommen,
Voll Sehnsucht angenommen,
Gekt und aufgemacht,
Gelesen und gelacht.
Ach Gott, das gute Kind!

Sie wird wohl wieder schreiben?
Nein; schreiben kann sie nicht.
Nur sich die Zeit vertreiben,
Ist ihre Kunst und Pflicht.
Doch ohne Trost mich lassen,
Hie meine Liebe hassen;
Drum kmmt sie selbst zu mir,
Durch unsre Hintertr.
Ach, gar zu gutes Kind!



Die Beredsamkeit

Freunde, Wasser machet stumm:
Lernet dieses an den Fischen.
Doch beim Weine kehrt sichs um:
Dieses lernt an unsern Tischen.
Was fr Redner sind wir nicht,
Wenn der Rheinwein aus uns spricht!
Wir ermahnen, streiten, lehren;
Keiner will den andern hren.



Die Betrbnis

Der Dichter und sein Freund.

Der Freund.
  Freund! welches Unglck, welche Reue
  Macht dir so bittern Schmerz?

Der Dichter.
  Ach Freund! sie flieht, die Ungetreue!
  Und sie besa mein Herz.

Der Freund.
  Um eine Falsche dich betrben?
  Du bist ja klug genug.

Der Dichter.
  O schweig! das heit nicht lieben,
  Lt uns die Liebe klug.



Die Biene

Als Amor in den goldnen Zeiten
Verliebt in Schferlustbarkeiten
Auf bunten Blumenfeldern lief,
Da stach den kleinsten von den Gttern
Ein Bienchen, das in Rosenblttern,
Wo es sonst Honig holte, schlief.

Durch diesen Stich ward Amor klger.
Der unerschpfliche Betrger
Sann einer neuen Kriegslist nach:
Er lauscht in Rosen und Violen;
Und kam ein Mdchen sie zu holen,
Flog er als Bien heraus, und stach.



Die Diebin

(1745)

Du Diebin mit der Rosenwange,
Du mit den blauen Augen da!
Dich mein ich!--wird dir noch nicht bange?
Gesteh nur, was ich fhlt und sah!

Du schweigst? Doch deine Rosenwange
Glht schuldig, rter, als vorhin,
O Diebin mit der Rosenwange,
Wo ist mein Herz, wo kam es hin?



Die Einwohner des Mondes

Die Mgdchen die in sechzehn Jahren
Noch nicht das leckre Glck erfahren,
Wozu sie ihre Mtter sparen;
Das Stutzerchen, das was gelernt;
Das Weib, das nie sich aus den Schranken
Der ehelichen Pflicht entfernt,
Und um den Mann die Welt vergit;
Der Bettler, der bei dem Bedanken
So hflich wie beim Bitten ist;
Der Dichter, welcher nie gelogen,
Dem stets der Reim, und niemals er,
Dem lieben Reime nachgezogen;
Der Pfaffe, der stolz auf sein Amt,
Um Kleinigkeiten nicht verdammt,
Und wei durch Taten zu ermahnen;
Der Edle, der von seinen Ahnen
In unzertrennter Ordnung stammt,
Ohn da ein wackrer Bauerknecht
Nicht oft das Heldenblut geschwcht;
Ein Arzt, der keinen tot gemacht;
Der Krieger, der mehr kmpft als fluchet;
Der Hagestolz, der in der Nacht,
Was er am Tage flieht, nicht suchet;
Das fromme Weib, das nie geschmlt;
Der reiche Greis, dem nichts gefehlt;
Und hundert andre schne Sachen,
Die unsern Zeiten Ehre machen:
Wo trifft man die?--Vielleicht im Mond,
Wo jedes Hirngespinste wohnt.



Die Ente

Ente, wahres Bild von mir,
Wahres Bild von meinen Brdern!
Ente, jetzo schenk ich dir
Auch ein Lied von meinen Liedern.

Oft und oft mu dich der Neid
Zechend auf dem Teiche sehen.
Oft sieht er aus Trunkenheit
Taumelnd dich in Pftzen gehen.

Auch ein Tier--o das ist viel!
Hlt den Satz fr wahr und se,
Da, wer glcklich leben will,
Fein das Trinken lieben msse.

Ente, ists nicht die Natur,
Die dich stets zum Teiche treibet?
Ja, sie ists; drum folg ihr nur.
Trinke, bis nichts brig bleibet.

Ja, du trinkst und singst dazu.
Neider nennen es zwar schnadern;
Aber, Ente, ich und du
Wollen nicht um Worte hadern.

Wem mein Singen nicht gefllt,
Mag es immer Schnadern nennen.
Will uns nur die neidsche Welt
Als versuchte Trinker kennen.

Aber, wie bedaur ich dich,
Da du nur mut Wasser trinken.
Und wie glcklich schtz ich mich,
Wenn mir Weine dafr blinken.

Armes Tier, ergib dich drein.
La dich nicht den Neid verfhren.
Denn des Weins Gebrauch allein
Unterscheidet uns von Tieren.

In der Welt mu Ordnung sein.
Menschen sind von edlern Gaben.
Du trinkst Wasser, und ich Wein:
So will es die Ordnung haben.



Die Faulheit

Flei und Arbeit lob ich nicht.
Flei und Arbeit lob ein Bauer.
Ja, der Bauer selber spricht,
Flei und Arbeit wird ihm sauer.
Faul zu sein, sei meine Pflicht;
Diese Pflicht ermdet nicht.

Bruder, la das Buch voll Staub.
Willst du lnger mit ihm wachen?
Morgen bist du selber Staub!
La uns faul in allen Sachen,
Nur nicht faul zu Lieb und Wein,
Nur nicht faul zur Faulheit sein.



Die Gespenster

Der Alte
  O Jngling! sei so ruchlos nicht,
  Und leugne die Gespenster.
  Ich selbst sah eins beim Mondenlicht
  Aus meinem Kammerfenster,
  Das sa auf einem Leichenstein:
  Drum mssen wohl Gespenster sein.

Der Jngling
  Ich wende nichts dawider ein;
  Es mssen wohl Gespenster sein.

Der Alte
  Als meiner Schwester Sohn verschied,
  (Das sind nunmehr zehn Jahre!)
  Sah seine Magd, die trefflich sieht,
  Des Abends eine Bahre,
  Und oben drauf ein Totenbein:
  Drum mssen wohl Gespenster sein.

Der Jngling
  Ich wende nichts dawider ein;
  Es mssen wohl Gespenster sein.

Der Alte
  Und als mein Freund im Treffen blieb,
  Das Frankreich jngst verloren,
  Hrt seine Frau, wie sie mir schrieb,
  Mit ihren eignen Ohren
  Zu Mitternacht drei Eulen schrein:
  Drum mssen wohl Gespenster sein.

Der Jngling
  Ich wende nichts dawider ein;
  Es mssen wohl Gespenster sein.

Der Alte
  In meinem Keller selbst gehts um.
  Ich hr oft ein Gesause;
  Doch werden die Gespenster stumm,
  Ist nur mein Sohn zu Hause.
  Denk nur, sie saufen meinen Wein:
  Das mssen wohl Gespenster sein.

Der Jngling
  Ich wende nichts dawider ein;
  Doch wnscht ich eins davon zu sein.

Der Alte
  Auch wei ich nicht, was manche Nacht
  In meiner Tochter Kammer
  Sein Wesen hat, bald seufzt, bald lacht;
  Oft bringt mirs Angst und Jammer.
  Ich wei das Mdchen schlft allein;
  Drum mssen es Gespenster sein.

Der Jngling
  Ich wende nichts dawider ein;
  Doch wnscht ich ihr Gespenst zu sein.



Die Gewiheit

Ob ich morgen leben werde,
Wei ich freilich nicht:
Aber, wenn ich morgen lebe,
Da ich morgen trinken werde,
Wei ich ganz gewi.



Die Haushaltung

Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau
Zu seiner lieben Ehefrau.
"Versoffner, unverschmter Mann"--
Geduld, mein Kind, ich zieh mich an--
"Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine.
Zank du alleine.

"Du gehst?--Verdammtes Kaffeehaus!
Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus.
Gott! ich soll so verlassen sein?--
Wer pocht?--Herr Nachbar?--nur herein!
Mein bser Teufel ist zu Weine:
Wir sind alleine."



Die Ksse

Der Neid, o Kind,
Zhlt unsre Ksse:
Drum k geschwind
Ein Tausend Ksse;
Geschwind du mich,
Geschwind ich dich!
Geschwind, geschwind,
O Laura, ksse
Manch Tausend Ksse:
Damit er sich
Verzhlen msse.



Die Ksse

Ein Kchen, das ein Kind mir schenket,
Das mit dem Kssen nur noch spielt,
Und bei dem Kssen noch nichts denket,
Das ist ein Ku, den man nicht fhlt.

Ein Ku, den mir ein Freund verehret,
Das ist ein Gru, der eigentlich
Zum wahren Kssen nicht gehret:
Aus kalter Mode kt er mich.

Ein Ku, den mir mein Vater giebet,
Ein wohlgemeinter Segensku,
Wenn er sein Shnchen lobt und liebet,
Ist etwas, das ich ehren mu.

Ein Ku von meiner Schwester Liebe
Steht mir als Ku nur so weit an,
Als ich dabei mit heierm Triebe
An andre Mdchen denken kann.

Ein Ku, den Lesbia mir reichet,
Den kein Verrter sehen mu,
Und der dem Ku der Tauben gleichet:
Ja, so ein Ku, das ist ein Ku.



Die Kunstrichter und der Dichter

Die Kunstrichter
  Ihr Dichter! seid des Stoffes voll,
  Den eure Muse singen soll:
  Alsdann gert das Lied euch wohl.

Der Dichter
  Wohl! wohl! ihr Herren Richter, wohl!
  Seht her! ich bin des Stoffes voll,
  Den meine Muse singen soll;
  Ich bin, ich bin des Weines voll:
  Und doch gert kein Lied mir wohl.

Die Kunstrichter
  Du bist des Stoffes allzu voll,
  Den deine Muse singen soll:
  Darum gert kein Lied dir wohl.



Die Liebe

Ohne Liebe
Lebe, wer da kann.
Wenn er auch ein Mensch schon bliebe,
Bleibt er doch kein Mann.

Se Liebe,
Mach mein Leben s!
Stille nie die regen Triebe
Sonder Hindernis.

Schmachten lassen
Sei der Schnen Pflicht!
Nur uns ewig schmachten lassen,
Dieses sei sie nicht.



Die Musik

Ein Orpheus spielte; rings um ihn,
Mit lauschendem Gedrnge
Stand die erstaunte Menge,
Durchs Ohr die Wollust einzuziehn.
Ein Trinker kam von ungefhr,
Und taumelte den Weg daher.
Schnell fat' er sich, blieb horchend stehn,
Und ward entzckt, und schriee: Schn!
So schn, als wenn bei meinem wackern Wirte
Das helle Paglas klirrte!



Die Mutter

Strenge Phyllis dich zu kssen,
Dich ein einzigmal zu kssen,
Hab ich dich nicht bitten mssen!
Und doch darf ich dich nicht kssen.
Sagst du? "Meine Mutter spricht:
Phyllis, Tochter ksse nicht!"
Ist es so was Bses, kssen?
Liegt kein Trieb dazu im Blut?
Doch--weg mit den schweren Schlssen!
La sie warnen! kurz und gut;
Was geht der die Mutter an,
Die selbst Mutter werden kann?



Die Namen

Ich fragte meine Schne:
Wie soll mein Lied dich nennen?
Soll dich als Dorimene,
Als Galathee, als Chloris,
Als Lesbia, als Doris,
Die Welt der Enkel kennen?

Ach! Namen sind nur Tne:
Sprach meine holde Schne.
Whl selbst. Du kannst mich Doris,
Und Galathee und Chloris,
Und--wie du willst mich nennen;
Nur nenne mich die Deine.



Die Planetenbewohner

Mit sen Grillen sich ergtzen,
Einwohner in Planeten setzen,
Eh man aus sichern Grnden schliet,
Da Wein in den Planeten ist:
Das heit zu frh bevlkern.

Freund, bringe nur zuerst aufs reine,
Da in den neuen Welten Weine,
Wie in der, die wir kennen, sind:
Und glaube mir, dann kann ein Kind
Auf seine Trinker schlieen.



Die Planetenbewohner

Mit sen Grillen sich ergtzen,
Einwohner in Planeten setzen,
Eh man aus sichern Grnden schliet,
Da Wein in den Planeten ist:
Das heit zu frh bevlkern.

Freund, bringe nur zuerst aufs reine,
Da in den neuen Welten Weine,
Wie in der, die wir kennen, sind:
Und glaube mir, dann kann ein Kind
Auf seine Trinker schlieen.



Die Redlichkeit

So weit sich lt die Welt durchwandern,
Klagt ein verlarvter Schelm dem andern
Die selbstverschuldte Seltenheit
Der nie gebten Redlichkeit.

Und doch flucht ihre Lust zum Schtzen--
Da seht die Torheit ihrer Herzen!
Seht, klagen sie nicht blo zum Schein?
Doch fluchen sie auf dich, o Wein!

So klagen, und dem Trinken fluchen,
Heit Zwecke sonder Mittel suchen.
Nun, Brder, red ich nicht gelehrt?
Wie man es kaum von Wolfen hrt.

Wer hat die Redlichkeit erhoben
Ohn unsre Vter mit zu loben?
Ja, ja, die trunken wacker Wein,
Wie konnten sie nicht redlich sein?

Drum, Brder, bleibet euern Ahnen,
Die euch, so oft euch durstt, ermahnen,
An Treu und Trunke kindlich gleich.
Trinkt redlich aus und ksset euch!



Die Schne von hinten

Sieh Freund! sieh da! was geht doch immer
Dort fr ein reizend Frauenzimmer?
Der neuen Tracht Vollkommenheit,
Der engen Schritte Nettigkeit,
Die bei der kleinsten Hindrung stocken,
Der weie Hals voll schwarzer Locken,
Der wohlgewachsne schlanke Leib,
Verrt ein junges artges Weib.

Komm Freund! komm, la uns schneller gehen,
Damit wir sie von vorne sehen.
Es mu, triegt nicht der hintre Schein,
Die Venus oder Phyllis sein.
Komm, eile doch!--O welches Glcke!
Jetzt sieht sie ungefhr zurcke.
Was wars, das mich entzckt gemacht?
Ein altes Weib in junger Tracht.



Die Sparsamkeit

Von nun an mu ich sparsam werden.
Warum denn das? Der Wein schlgt auf.
So gehts, das Beste dieser Erden
Erhlt man nur durch teuren Kauf.

Wer pocht? Ei der verwnschte Schneider
Macht mich fast durch sein Mahnen toll.
Da seht die Menschenliebe! leider,
Da man doch stets bezahlen soll.

"Beliebet morgen einzusprechen.
Die Wechsel laufen spter ein."
Er geht? Geh! geh! nun kann ich zechen.
Seht! seht! so mu man sparsam sein.



Die Strke des Weins

Wein ist strker als das Wasser:
Dies gestehn auch seine Hasser.
Wasser reit wohl Eichen um,
Und hat Huser umgerissen:
Und ihr wundert euch darum,
Da der Wein mich umgerissen?



Die Trken

Die Trken haben schne Tchter,
Und diese scharfe Keuschheitswchter;
Wer will kann mehr als eine frein:
Ich mchte schon ein Trke sein.

Wie wollt ich mich der Lieb ergeben!
Wie wollt ich liebend ruhig leben,
Und--doch sie trinken keinen Wein;
Nein, nein, ich mag kein Trke sein.



Die Versteinerung

Holz und Beine
Werden Steine
Durch des Wassers Kraft.
Werden Holz und Beine
Durch des Wassers Kraft,
Werden die zu Steine:
Sagt, ihr Wasserfreunde,
Sagt, ihr Rebenfeinde,
Werden eure Herzen
Nicht versteinert sein?

Mark und Beine
Fhlen, Weine,
Eures Feuers Kraft.
Wenn mein Liebster trinket,
Trinkt er Rebensaft,
Bis er sich betrinket.
Sollt ich ihn nicht lieben?
Ja, ich will ihn lieben,
Weil sein Herz erhitzet,
Nicht versteinert wird.

C***



Die Wetterprophezeiung

Das Wetter ist vernderlich,
Vernderlich, wie meine Schnen.
Umsonst, o Freund, bemht man sich,
Nach Regeln beide zu gewhnen.
Drum la dein Wetterprophezein,
Wie ich mein treues Lieben, sein.

Doch, kannst du deiner Wissenschaft,
Gelehrter Wolkenseher! trauen:
Wohl gut! so la von ihrer Kraft
Mich stracks ein kleines Beispiel schauen.
Du sollst--du sollst mir prophezein:
Wird heuer ein gut Weinjahr sein?*

L.

* Ja!



Die drei Reiche der Natur

Ich trink, und trinkend fllt mir bei,
Warum Naturreich dreifach sei.
Die Tier und Menschen trinken, lieben,
Ein jegliches nach seinen Trieben:
Delphin und Adler, Floh und Hund
Empfindet Lieb und netzt den Mund.
Was also trinkt und lieben kann,
Wird in das erste Reich getan.

Die Pflanze macht das zweite Reich,
Dem ersten nicht an Gte gleich:
Sie liebet nicht, doch kann sie trinken;
Wenn Wolken trufelnd niedersinken,
So trinkt die Zeder und der Klee,
Der Weinstock und die Aloe.
Drum, was nicht liebt, doch trinken kann,
Wird in das zweite Reich getan.

Das Steinreich macht das dritte Reich;
Und hier sind Sand und Demant gleich:
Kein Stein fhlt Durst und zarte Triebe,
Er wchset ohne Trunk und Liebe.
Drum, was nicht liebt noch trinken kann,
Wird in das letzte Reich getan.
Denn ohne Lieb und ohne Wein,
Sprich, Mensch, was bleibst du noch?--Ein Stein.



Die lgenhafte Phyllis

Mein Damon spricht:
Kind, lge nicht!
Sonst werd ich strafen mssen,
Und dich zur Strafe kssen.
Er droht mir, sieht verdrlich aus,
Und strafet mich schon im voraus.

Sonst log ich nicht.
Nur seit er spricht:
Du sollst mir fein mit Kssen
Die losen Lgen ben,
Red ich kein wahres Wrtchen mehr.
Nun, Schwestern, sagt, wo kmmt das her?



Die lehrende Astronomie

Dank sei dem Schpfer, der mein Haupt
Auf hohe feste Schultern baute,
Und mir die Pracht zu sehn erlaubt,
Die nie ein hngend Tieraug schaute!
Hier lern ich mich und ihn erkennen,
Und hier mich nichts, ihn alles nennen.
Was bin ich? Ich bin gro genung,
Bin ich ein Punkt der Welt zu nennen.
Mein Wissen ist Verwunderung;
Mein Leben leichter Blitze Brennen.
Und so ein Nichts, verblendte Toren,
Soll sein zum Herrn der Welt geboren?

Der Stolz, der Torheit Eigentum,
Verkennt, zu eignem Trost, sich gerne;
Die Demut ist des Weisen Ruhm,
Und die lernt er bei euch, ihr Sterne!
Und wird nur gro, weil er euch kennet,
Und euern Gott auch seinen nennet.

Auch wenn sein Unglck ihn den Weg,
Den harten Weg der Prfung fhret,
Und wenn, auf dem einsamen Steg,
Sich Lieb und Freund von ihm verlieret,
Lernt er bei euch, durch se Grillen,
Oft allzuwahre Schmerzen stillen.

O Tugend! reizend Hirngedicht,
Erdachte Zierde unsrer Seelen!
Die Welt, o Tugend, hat dich nicht:
Doch wirst du auch den Sternen fehlen?
Nein, starbst du gleich bei uns im Abel,
Du selbst bist viel zu schn zur Fabel.

Dort seh ich, mit erstauntem Blick,
Ein glnzend Heer von neuen Welten;
Getrost, vielleicht wird dort das Glck
So viel nicht, als die Tugend, gelten.
Vielleicht dort in Orions Grenzen
Wird, frei vom Wahn, die Wahrheit glnzen!

"Das bel", schreit der Aberwitz,
"Hat unter uns sein Reich gewonnen."
Wohl gut, doch ist des Guten Sitz
In ungezhlten grern Sonnen.
Der Dinge Reihen zu erfllen,
Schuf jenes Gott mit Widerwillen.

So, wie den Kenner der Natur
Auch Quarz und Eisenstein vergngen,
Nicht Gold- und Silberstufen nur
In Fchern, voller Lcken, liegen:
So hat das bel Gott erlesen
Der Welt zur Fllung, nicht zum Wesen.

O nahe dich, erwnschte Zeit,
Wo ich, frei von der Last der Erde,
In wachsender Glckseligkeit,
Einst bere Welten sehen werde!
O Zeit, wo mich entbundne Schwingen
Von einem Stern zum andern bringen!

Gedanken! fliehet nur voran!
Verirrt euch in den weiten Sphren,
Bis ich euch selber folgen kann.
Wie lang, Geschick, wird es noch whren!
O Lust, hier seh ich schon die Kreise,
Die Wege meiner ewgen Reise!

Drum krnkt der blinde Damon sich
Nur in der Nacht um sein Gesichte.
Geruhig, Tag, vermit er dich,
Und deine Eitelkeit im Lichte;
Und wnscht sich, von der Weltlust ferne,
Ein fhlend Aug nur fr die Sterne.

O selge Zeit der stillen Nacht,
Wo Neid und Bosheit schlafend liegen,
Und nur ein frommes Auge wacht,
Und sucht am Himmel sein Vergngen!
Gott sieht die Welt in diesen Stunden,
Und spricht, ich hab sie gut gefunden!

Berlin.
L.



Die schlafende Laura

Nachlssig hingestreckt,
Die Brust mit Flor bedeckt,
Der jedem Lftchen wich,
Das suselnd ihn durchstrich,
Lie unter jenen Linden
Mein Glck mich Lauren finden.
Sie schlief und weit und breit
Schlug jede Blum ihr Haupt zur Erden,
Aus mivergngter Traurigkeit,
Von Lauren nicht gesehn zu werden.
Sie schlief, und weit und breit
Erschallten keine Nachtigallen,
Aus weiser Furchtsamkeit,
Ihr minder zu gefallen,
Als ihr der Schlaf gefiel,
Als ihr der Traum gefiel,
Den sie vielleicht itzt trumte,
Von dem, ich hoff' es, trumte,
Der staunend bei ihr stand,
Und viel zu viel empfand,
Um deutlich zu empfinden,
Um noch es zu empfinden,
Wie viel er da empfand.
Ich lie mich sanfte nieder,
Ich segnete, ich kte sie,
Ich segnete, und kte wieder:
Und schnell erwachte sie,
Schnell taten sich die Augen auf.
Die Augen?--nein, der Himmel tat sich auf.



Die schlimmste Frau

Die Weiber knnen nichts als plagen.
Der Satz sagt viel und ist nicht neu.
Doch, Freunde, knnt ihr mir nicht sagen,
Welch Weib das schlimmste sei?

Ein Weib, das mit dem Manne scherzet
Wie ein gebildter Marmorstein,
Das ohne Glut und Reiz ihn herzet,
Das kann kein gutes sein.

Ein Weib, das wie ein Drache geizet,
Und gegen Kind und Magd genau,
Den Dieb, mich zu bestehlen reizet,
O eine schlimme Frau!

Ein Weib, das gegen alle lachet,
In Liebesstreichen frech und schlau
Uns tglich neue Freunde machet,
O eine schlimmre Frau!

Ein Weib, das nichts als bet und singet,
Und bei der Kinder Zeitvertreib
Mit Seufzen ihre Hnde ringet,
O ein noch schlimmer Weib!

Ein Weib, das stolz aufs Eingebrachte,
(Und welche nimmt der Stolz nicht ein?)
Den Mann sich gern zum Sklaven machte,
Das mu ein Teufel sein!

Ein Weib, das ihrem Manne fluchet,
Wenn er Gesellschaft, Spiel und Wein,
Wie heimlich sie Liebhaber, suchet,
Das mu--ein Weibsbild sein!



Die verschlimmerten Zeiten

Anakreon trank, liebte, scherzte,
Anakreon trank, spielte, herzte,
Anakreon trank, schlief, und trumte
Was sich zu Wein und Liebe reimte:
Und hie mit Recht der Weise.

Wir Brder trinken, lieben, scherzen,
Wir Brder trinken, spielen, herzen,
Wir Brder trinken, schlafen, trumen,
Wozu sich Wein und Liebe reimen:
Und heien nicht die Weisen.

Da seht den Neid von unsern Zeiten!
Uns diesen Namen abzustreiten!
O Brder, lernet hieraus schlieen,
Da sie sich stets verschlimmern mssen;
Sie nennen uns nicht weise.



Die wider den Csar verschworne Helden

Cassius. Decimus. Brutus. Cimber.

Cassius.
  Jetzt, Helden, lat uns rhmlich sterben,
  Eh Rom noch Knigsfesseln trgt.
  Wer sollte nicht mit Lust verderben,
  Wenn ihn der Staat mit niederschlgt?

Decimus.
  Ja--aber ohne Rache sterben,
  Und ohne Nutz dem Vaterland--
  Freund, das heit pbelhaft verderben.
  Und wozu htt ich Mut und Hand?

Cassius.
  O Brutus! voller tiefen Sorgen
  Seh ich dein Herz fr Rom zerteilt.
  O Freund! noch einen freien Morgen,
  So hat die Knechtschaft uns ereilt.

Brutus.
  Wenn Csar Rom will unterdrcken,
  Mu Brutus ihn zur Strafe ziehn.
  Ich will den Dolch ins Herz ihm drcken:
  Mit Zittern zwar, doch drck ich ihn.

Cassius.
  Du? deinem Freunde? Brutus! Gtter!
  Rom steht, wenn Brutus Brutus ist.
  Schon war ein Brutus Roms Erretter;
  Komm! zeige, da du beide bist.

Cimber.
  Auch ich will alles mit euch wagen;
  Auch ich mu ohne Knig sein.
  Denn knnt ich einen Herrn ertragen,
  Ertrg ich allererst den Wein.



Eine Gesundheit

Trinket Brder, lat uns trinken
Bis wir berauscht zu Boden sinken;
Doch bittet Gott den Herren,
Da Knige nicht trinken.

Denn da sie unberauscht
Die halbe Welt zerstren,
Was wrden sie nicht tun,
Wenn sie betrunken wren?



Fr wen ich singe

Ich singe nicht fr kleine Knaben,
Die voller Stolz zur Schule gehn,
Und den Ovid in Hnden haben,
Den ihre Lehrer nicht verstehn.

Ich singe nicht fr euch, ihr Richter,
Die ihr voll spitzger Grndlichkeit
Ein unertrglich Joch dem Dichter,
Und euch die Muster selber seid.

Ich singe nicht den khnen Geistern,
Die nur Homer und Milton reizt;
Weil man den unerschpften Meistern
Die Lorbeern nur umsonst begeizt.

Ich singe nicht, durch Stolz gedrungen,
Fr dich, mein deutsches Vaterland.
Ich frchte jene Lsterzungen,
Die dich bis an den Pol verbannt.

Ich singe nicht fr fremde Reiche.
Wie km mir solch ein Ehrgeiz ein?
Das sind verwegne Autorstreiche.
Ich mag nicht bersetzet sein.

Ich singe nicht fr fromme Schwestern,
Die nie der Liebe Reiz gewinnt,
Die, wenn wir munter singen, lstern,
Da wir nicht alle Schmolken sind.

Ich singe nur fr euch, ihr Brder,
Die ihr den Wein erhebt, wie ich.
Fr euch, fr euch sind meine Lieder.
Singt ihr sie nach: o Glck fr mich!

Ich singe nur fr meine Schne,
O muntre Phyllis, nur fr dich.
Fr dich, fr dich sind meine Tne.
Stehn sie dir an, so ksse mich.



Heldenlied der Spartaner

In drei Chren.

ALLE.
  Streitbare Mnner

CHOR DER ALTEN.
  Waren wir!

ALLE.
  Streitbare Mnner

CHOR DER MNNER.
  Sind wir!

ALLE.
  Streitbare Mnner

CHOR DER JNGLINGE.
  Werden wir!

ALLE.
  Streitbare Mnner

CHOR DER ALTEN.
  Waren wir!

CHRE DER MNNER UND JNGLINGE.
  Waret ihr!

CHOR DER ALTEN.
  Das leugne, wer darf!

ALLE.
  Streitbare Mnner

CHOR DER MNNER.
  Sind wir!

CHRE DER ALTEN UND JNGLINGE.
  Seid ihr!

CHOR DER MNNER.
  Versuch uns, wer darf!

ALLE.
  Streitbare Mnner

CHOR DER JNGLINGE.
  Werden wir!

CHRE DER ALTEN UND MNNER.
  Werdet ihr!

CHOR DER JNGLINGE.
  Noch tapfrer, als ihr!



Ich

Die Ehre hat mich nie gesucht;
Sie htte mich auch nie gefunden.
Whlt man, in zugezhlten Stunden,
Ein prchtig Feierkleid zur Flucht?

Auch Schtze hab ich nie begehrt.
Was hilft es sie auf kurzen Wegen
Fr Diebe mehr als sich zu hegen,
Wo man das wenigste verzehrt?

Wie lange whrt's, so bin ich hin,
Und einer Nachwelt untern Fen?
Was braucht sie wen sie tritt zu wissen?
Wei ich nur, wer ich bin.

Wittenberg den 11. Okt. 1752.



Jungfer Lieschens Knie

Schautest du denn nie
Jungfer Lieschens Knie?
Jungfer Lieschens Fingerhut
Ist zu allen Dingen gut!

1. Griechisch
  Ouc ebleyaV su
  ParJenou gonu;
  ParJenou dactulitron
  Esti proV panta calon.

2. Lateinisch
  Non vidisti tu
  Virginis genu?
  Virginis dactylitrum
  Est ad omnia bonum.

3. Englndisch
  Did you never see
  Mistriss Betty's knee?
  What you Betty's thimble call
  That is very good for all.



Kssen und Trinken

Mgdgen, la mich dich doch kssen!
Zaudre nicht, sonst wirst du mssen.
    Hurtig! hurtig schenkt mir ein!
    Auf das Kssen schmeckt der Wein!

Dieser Wein hat Geist und Feuer.
Mgdgen tu doch etwas freier.
    Gnn mir vorigen Genu:
    Auf das Trinken schmeckt ein Ku!



Lied

(1748)

Ehret, Brder, meine Schne,
Ehrt die gallische Helene!
Bacchus selber ehret sie.
Jngst an ihrer stolzen Rechte,
Als er mit uns beiden zechte,
Ward er, denn sie schenkt' ihm ein,
Voller noch von Lieb als Wein.



Lied aus dem Spanischen

Gestern liebt ich,
Heute leid ich,
Morgen sterb ich:
Dennoch denk ich
Heut und morgen
Gern an gestern.



Lob der Faulheit

Faulheit, itzo will ich dir
Auch ein kleines Loblied bringen.
O--wie--sau--er--wird es mir,--
Dich--nach Wrden--zu besingen!
Doch, ich will mein Bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.

Hchstes Gut! wer dich nur hat,
Dessen ungestrtes Leben--
Ach!--ich--ghn--ich--werde matt--
Nun--so--magst du--mirs vergeben,
Da ich dich nicht singen kann;
Du verhinderst mich ja dran.



Nach der 15. Ode Anakreons

Was frag ich nach dem Grosultan,
Und Mahomets Gesetzen?
Was geht der Perser Schach mich an,
Mit allen seinen Schtzen?

Was sorg ich ihrer Kriegesart,
Und ihrer Treffen halben?
Kann ich nur meinen lieben Bart
Mit Spezereien salben.

Kann ich nur mein gesalbtes Haupt
Mit Rosen stolz umschlieen,
Und wenn mir sie ein Mdchen raubt,
Das Mdchen strafend kssen.

Ein Tor sorgt fr die knftge Zeit.
Fr heute will ich sorgen.
Wer kennt, mit weiser Grndlichkeit,
Den ungewissen Morgen?

Was soll ich hier, so lang ich bin,
Mich um die Zukunft krnken?
Ich will mit kummerlosem Sinn
Auf Wein und Liebe denken.

Denn pltzlich steht er da, und spricht,
Der grimme Tod: "Von dannen!
Du trinkst, du kssest lnger nicht!
Trink aus! k aus! Von dannen!"



Niklas

Mein Esel sicherlich
Mu klger sein, als ich.
Ja, klger mu er sein!
Er fand sich selbst in Stall hinein,
Und kam doch von der Trnke.
Man denke!



Phillis

(1746)

Wenn der finstre Damon spricht,
Amor sei ein Ungeheuer,
Seine Glut ein hllisch Feuer!
O so frcht ich Amorn nicht.

Aber hebt mein Thirsis an,
Amor sei ein Kind zum Kssen,
Schalkhaft, schmeichelnd und beflissen:
O wie frcht ich Amorn dann!



Phyllis an Damon

Lehre mich, o Damon, singen,
Singen, wie du trunken singst.
La auch mich dir Lieder bringen,
Wie du mir begeistert bringst.
Wie du mich willst ewig singen,
Mcht auch ich dich ewig singen.

Durch des Weines Feuerkrfte,
Nur durch sie singst du so schn.
Aber diese Gttersfte
Darf ich schmachtend nur besehn.
Dir riet Venus Wein zu trinken,
Mir riet sie, ihn nicht zu trinken.

Was wird nun mein Lied beleben,
Kann es dieser Trank nicht sein?--
Wie? Du willst mir Ksse geben,
Ksse, feuriger, als Wein?--
Damon, ach! nach deinen Kssen
Werd ich wohl verstummen mssen.



Phyllis lobt den Wein

Seht, mein Damon tanzt und springet!
Seht, wie wiegt er Leib und Fu!
Seht, mein Damon lacht und singet,
Singt von Ruhe, Wein und Ku.
Seht, wie Mund und Augen glhn!
Wir beleben uns durch ihn.

Hrt die ungezwungnen Scherze!
Hrt, die Liebe scherzt durch ihn!
Wie die Dmmrung vor der Kerze
Seht die Schwermut vor ihm fliehn.
Seht, er taumelt, wankt im Gehn,
Seht, sogar er taumelt schn.

Seht, wie locken seine Lippen!
Seht, wie glht sein Mund so rot!
Machet mich, ihr roten Lippen,
Macht mich halbgezwungen rot!
Ja, er kmmt, er ksset mich.
O wie feurig kt er mich!

Wein, du Wein hast ihn begeistert,
Du teilst ihm dein Feuer mit.
Durch dich kt er so begeistert,
Und teilt mir sein Feuer mit.
Drum soll, wie von ihm, der Wein
Auch von mir vergttert sein!



Refutatio Papatus

Nein, nein! durchaus ich glaube nicht,
Was Petri falscher Folger spricht;
Da jene Bcher gttlich wren,
Die, zu der Juden steten Ehren,
Uns von des Maccabus Helden
Und ihren heilgen Schlachten melden.

Hrt meinen neu erfundnen Grund!
Es machte mir der Wein ihn kund;
Der Wein, der stets zur Wahrheit leitet.
Oh, da ihr Theologen streitet,
Und streitet, ohne Wein zu trinken!
So mt ihr stets in Irrtum sinken.

Der Schlu* von diesen Bchern sagt:
(Worber Wein und Wahrheit klagt)
"Den Durst sich stets mit Wein zu stillen,
Das bringet eklen Widerwillen.
Bald Wasser, und bald Wein genieen,
Das mu uns den Gebrauch versen."

Was gilts? wer lgt, ist nicht von GOtt.
Haha! Herr Papst! ihr werdet rot,
Und seht die Wahrheit meiner Stze.
Oh, wenn ich mich im Wein ergetze,
Glaubt ihr, ich wnscht ihn einst zu lassen?
Ich mte meine Wohlfahrt hassen.

L.

* Allezeit Wein und Wasser trinken, ist nicht lustig; sondern
zuweilen Wein, zuweilen Wasser trinken, das ist lustig. 2. B. d.
Makkab. 15. Kap. 40. V.



Salomon

Lobt mir Davids weisen Sohn!
Auch bei Lieb und Wein und Scherzen
War er doch nach Gottes Herzen.
Brder, lobt den Salomon.
Brder, lat sein Lob erschallen!
Doch vor allen
Lobt mir seinen weisen Schlu:
Wer viel lernt hat viel Verdru!

Dieses lat mir Wahrheit sein!
Diese Wahrheit stets zu lieben
Hat mich die Natur getrieben,
Die Natur und Lieb und Wein.
Ehrt mit mir den weisen Knig!
Lernet wenig!
Brder, und erwgt den Schlu:
Wer viel lernt hat viel Verdru!



Trinklied

Voll, voll, voll,
Freunde, macht euch voll!
Wein, Wein, Wein,
Freunde, schenkt ihn ein!
Kt, kt, kt,
Die euch wieder kt!
Voll von Wein,
Voll von Liebe,
Voll von Wein und Liebe,
Freunde, voll zu sein,
Kt und schenket ein!



Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche

Alten, alt zu unsrer Pein,
Denen von der Lust im Lieben,
Von der Jugend, von dem Wein,
Das Erinnern kaum geblieben;
Weibern, die der Taufschein drckt,
Wenn ihr Reiz der sonst entzckt,
Sonst gestritten, sonst gesiegt,
Unter Schichten Runzeln liegt;
Dichtern, die den Wein nicht loben,
Die die Liebe nicht erhoben;
Mgdchen, die nicht Gleimen kennen,
Rosten nicht vortrefflich nennen;
Weisen, die mit leeren Grillen
Leere Kpfe strotzend fllen;
Mnnern, die die Sitten lehren,
Und dich, Molier, nicht ehren,
Stolz auf ihr Systema sehn,
Und dich muntern Schauplatz schmhn;
Handelsleuten, die das Geld,
Und ihr Stolz zu Frsten stellt;
Falschen Priestern, die die Tugend,
Mir nicht munter wie die Jugend,
Mir nicht schmackhaft, mir nicht se,
Wie den Wein, und wie die Ksse,
Mir nicht reizend, wie die Strahlen,
Aus der Phyllis Augen malen;
Stutzern, deren weier Scheitel,
Deren reich und witzge Tracht,
Dummgelobte Schnen eitel,
Und zu ihresgleichen macht;
Unversuchten stolzen Kriegern;
Aufgeblasnen Federsiegern;
ltlichklugen jungen Leuten;
Seufzenden nach bessern Zeiten;
Schwermutsvollen Gallenchristen;
Allen Narren, die sich isten;
Zum Exempel, Pietisten;
Zum Exempel, Atheisten;
Zum Exempel, Rabulisten;
Operisten und Chymisten;
Quietisten und Sophisten;
Und nicht wenigen Juristen;
Publizisten und Statisten;
Und nicht wenigen Linguisten;
Und nicht wenigen Stylisten;
Und nicht wenig Komponisten--
O der Atem will mir fehlen
Alle Narren zu erzhlen--
Allen, die mich tadelnd hassen,
Die mein Leben voller Freude
Mich nicht, aus verstelltem Neide,
Ungestrt genieen lassen;
Diesen Toren, diesen allen
Mag ich ** nicht gefallen,
Mag ich, sag ich, nicht gefallen.

*

Alten, die der Wein verjngt,
Die mit zitternd schwachen Tnen,
Wenn die Jugend munter singt,
Ihr noch gleich zu sein sich sehnen;
Weibern, die, was an sich zieht,
Reiz und Jugend noch nicht flieht,
Die des Schicksals harte Hand
Weibschen Mnnern zugewandt;
Jungen Witwen, die sich grmen
Flor und Trauer um zu nehmen,
Und mit schwergereizten Zhren
Nur den andern Mann begehren;
Dichtern, die wie Dichter kssen,
Nichts als sich zu freuen wissen;
Dichtern, die wie Dichter zechen,
Nie versagten Beifall rchen;
Dichtern, die bei Ku und Wein
Miltons lassen Miltons sein;
Dichtern, die im Scherze stark,
Mit Geschichten voller Mark,
Muntern Mgdchen munter lehren,
Was die Mtter ihnen wehren;
Dichtern, die mich spottend bessern,
Kleine Fehlerchen vergrern,
Da ich sie in ihrem Spiele
Desto lcherlicher fhle;
Rednern, die stark im Verstellen
Uns vergngend hintergehn,
Wenn wir sie in zwanzig Fllen
Zwanzigmal nicht selber sehn,
Bald als Unglckshelden sprechen,
Bald die Tugend spottend rchen,
Bald als Knige befehlen,
Bald als alte Mnner schmlen;
Knstlern, die auf Zaubersaiten
Sorg und Harm durchs Ohr bestreiten,
Und mit heilsam falschen Leide
Dmpfen bermge Freude;
Federbschen, die nicht prahlen;
Reichen, welche reich bezahlen;
Kriegern, die ihr Leben wagen;
Armen, welche nicht verzagen;
Allen liebenswrdgen Mgdchen,
Liebenswrdgen weien Mgdchen,
Liebenswrdgen braunen Mgdchen,
Liebenswrdgen stillen Mgdchen,
Liebenswrdgen muntern Mgdchen,
Wren es gleich Brgermgdchen,
Wren es gleich Kaufmannsmgdchen,
Wren es gleich Priestermgdchen,
Wren es gleich Karnmermgdchen,
Wren es gleich Bauermgdchen,
Wenn sie nur die Liebe fhlen,
Lachen, scherzen, kssen, spielen;
Diesen, Freunde, diesen allen
Wnsch ich ** zu gefallen,
Wnsch ich, sag ich, zu gefallen.



[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius]

(1753)

Wohin, wohin treibt dich mit blutgen Sporen
Die Wibegier, dich, ihren Held?
Du eilst, o Mylius! im Auge feiger Toren
Zur knftgen, nicht zur neuen Welt.


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Lieder,
von Gotthold Ephraim Lessing.





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