Project Gutenberg's Koenig Ottokars Glueck und Ende, by Franz Grillparzer

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Title: Koenig Ottokars Glueck und Ende
       Trauerspiel in fuenf Aufzuegen

Author: Franz Grillparzer

Release Date: October, 2005 [EBook #9046]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on September 1, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK KOENIG OTTOKARS GLUECK UND ENDE ***




Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau.




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KNIG OTTOKARS GLCK UND ENDE

von FRANZ GRILLPARZER

Trauerspiel in fnf Aufzgen


Personen:

Primislaus Ottokar, Knig von Bhmen
Margarethe von sterreich, Witwe Heinrichs von Hohenstaufen, seine Gemahlin
Benesch von Diedicz, Milota und Zawisch, die Rosenberge
Berta, Beneschs Tochter
Braun von Olmtz, des Knigs Kanzler
Bela, Knig von Ungarn
Kunigunde von Massovien, seine Enkelin
Rudolf von Habsburg
Albrecht und Rudolf, seine Shne
Friedrich Zollern, Burggraf von Nrnberg
Heinrich von Lichtenstein und Berthold Schenk von Emerberg,
sterreichische Ritter
Der alte Merenberg, Friedrich Pettauer und Seyfried Merenberg,
steirische Ritter
Herbott von Fllenstein
Ortolf von Windischgrtz
Ottokar von Hornek
Merenbergs Frau
Paltram Vatzo, Brgermeister von Wien
Der Brgermeister von Prag
Ein kaiserlicher Herold
Der Kster von Gtzendorf
Der Kanzler des Erzbischofs von Mainz
Elisabeth, Margarethens Kammerfrau
Ein Kammerfrulein Kunigundens
Abgeordnete der deutschen Wahlversammlung

Bhmische, sterreichische, steirische, krntnerische Landesherren und
Kriegsleute.




Erster Aufzug

Im Schlosse zu Prag. Vorzimmer der Knigin. Rechts und links Seitentren,
deren erstere zu den innern Gemchern fhrt. Vor derselben, Wache haltend,
Seyfried von Merenberg, auf seine Partisane gesttzt.

Frau Elisabeth mit einer andern Kammerfrau tritt aus dem Zimmer der
Knigin.


Elisabeth.
Lauf, Barbara! lauf schnell nach Meister Niklas!
Die Knigin scheint wohl, doch trau ich nicht.

(Ein Diener ist gekommen.)

Elisabeth.
Hast du den Balsam? Gut, gib her, mein Freund!
O unglcksel'ger Tag! O arme Frau!

(Der alte Merenberg kommt.)

Merenberg.
Wie geht's der Knigin?

Elisabeth.
Verwunderlich!
Doch tut sie sich Gewalt, das sieht man wohl.

Merenberg.
Wer ist bei ihr?

Elisabeth.
Der Graf von Habsburg, Herr!
O da ich das erleben mssen!
(Ab ins Zimmer der Knigin.)

Merenberg.
Sohn!

Seyfried (der gedankenvoll, auf seine Hallbarte gesttzt, dagestanden hat).
Ihr, Vater?

Merenberg.
Hast du schon gehrt?

Seyfried.
Ja wohl!

Merenberg.
Und sagst dazu?

Seyfried.
Ich glaub's nicht, Vater!

Merenberg.
Wie?

Seyfried.
Nein, Vater! Und bin so ergrimmt darob,
Da ich den Lgnern mit der Hallbart hier
Den Kopf einschlagen mchte, allgesamt.

Merenberg (zurcktretend).
O weh, mein Sohn! schlag deinen Vater nicht!
Denn ich glaub's auch.

Seyfried.
Ihr auch?

Merenberg.
Ich wei, mein Sohn!

Seyfried.
Wie? so ein Herr, ein Ritter, so ein Knig,
Und tte schlimm an seinem eignen Wort,
Die Frau verlassend, die ihm angetraut?
Hab ich nicht knabenweis bei ihm gedient,
Und war er mir ein Muster, Vorbild nicht
Von jedem hohen Tun?

Merenberg.
's wird keiner bs,
Der nicht, bevor er's ward, erst gut gewesen!

Seyfried.
Und was ich Lblichs tat und Gutes dachte,
An ihn hielt ich's und an sein adlig Walten,
Gar tief beschmt ob des zu groen Abstands.
Er hat die letzte Zeit mich schwer gekrnkt,
Ich durft' nicht mit ihm in die Ungarschlacht!
Denn seht, er denkt wohl, da ein alt Gefhl
Fr Berta noch von Rosenberg--Ihr wit ja!--
O htt' ich das aus seinem Leben fort,
Den einz'gen Fleck, im andern steht er rein!--
Doch glaubt! sie haben ihn dazu verleitet,
Die Rosenberg! Der Vater--pfui des Kupplers!

Merenberg.
Denk was du willst, nur eines halt fr wahr:
Die Knigin mu fort, und sie und ihre Diener,
Das rgste haben sie, das uerste zu scheun.

Ich geh noch heute heim nach Merenberg,
Auf meiner Vter Schlo, auch du mut fort!

Seyfried.
Wie, Vater?

Merenberg.
Du! dies trichte Vertrauen
Soll dich nicht selber an das Messer liefern.
Du folgst mir nach, zum Schein; allein in Bruck
Harrt dein ein treuer Knecht mit frischen Pferden,
Und whrend man dich bei dem Vater glaubt,
Eilst du nach Deutschland auf verborgnen Pfaden.
Die Knigin will sich ans Reich nicht wenden
Mit ihrer Not; ich aber will's, hilft Gott!
Ich will nicht sehn die Tochter meines Herrn
Von Haus und Land vertrieben, ohne Schutz.
Du gehst nach Frankfurt, und dies Schreiben gibst du
(Er ffnet das Koller, in dem der Brief steckt)
Dem Erzbischof von Mainz. Allein man kmmt,
Wir sind bewacht, (indem er sich von ihm entfernt) Verschwiegenheit und Eile!
Ein Tag zuviel ist dreiig Jahr zuwenig!

(Benesch von Diedicz und Milota kommen.)

Benesch.
War nicht Herr Zawisch hier?

Seyfried (indem er sich abwendet).
Ich sah ihn nicht!

Benesch.
Er ritt doch nur ins Schlo!

Milota.
Sei ruhig, Bruder!

Benesch.
Was ruhig? Sieh, ich bin's! Der Knig wagt's nicht!
Hei ich nicht Rosenberg? Ist unser Haus
Im ganzen Lande nicht das mchtigste?
Und er sollt's wagen? Solchen Schimpf? Ha, Possen!
Doch soll's heraus, wer das Gercht ersann;
Ich will ihn treffen, so--und so--und so!
Bis in das vierte Glied!

(Berta von Diedicz kommt.)

Benesch.
Ha, Nrrin, du?
Was willst du hier? Geh fort, auf dein Gemach!

Berta.
Ich kann nicht bleiben, rastlos treibt's mich um.
Sie eilen durch das Schlo und flstern sich
Entsetzliches mit scheuen Blicken zu.
Sagt, Vater, ist es wahr?

Benesch.
Das fragst du mich?
Geh fort! von hier!

Berta.
O Gott! wo find ich Menschen?
(Indem sie auf Seyfried losgeht, zurckfahrend.)
Ihr, Merenberg? Euch sollt' ich eher meiden,
Vor allen Euch; und doch, Ihr seid ein Mensch!
Ich hab Euch schwer beleidigt, Merenberg,
Doch rcht Euch jetzt nicht, jetzt nicht! Seht mich knien.
(Sie kniet.)
Sagt, ist es wahr?

Seyfried.
Was, Berta?

Berta.
Ist es wahr?
Des Knigs Eh' getrennt!

Seyfried.
Der Vater sagt's.

Berta.
Die andern sagen's auch!--und er vermhlt--
Zu spte Scham, ist jetzo Zeit zu schmen?
Vermhlt von neuem sich mit--

Seyfried (mitleidig).
Nicht mit Berta
Von Rosenberg!

(Sie drckt mit einem Ausruf ihr Gesicht an den Boden.)

Benesch (zu Seyfried).
Wer sagt's Euch?--Her zu mir!

Milota (auf sie zugehend).
Kommt, Nichte, kommt! Hier ist kein Platz fr Euch!

Berta.
O Seyfried, schtze mich!

Seyfried.
Mit Gunst, Herr Milota!
Wenn Ihr es wagt, die Hand an sie zu legen,
So sto ich Euch die Partisan in Leib.
(Die Hallbarte gesenkt.)

Benesch.
Und wenn ich selbst--!

Seyfried.
Mir gleich!

Benesch.
Verweigerst du dem Vater
Sein Kind?

Seyfried.
O httet Ihr sie doch verweigert,
Sie lge jetzt nicht sthnend vor uns da,
Da mir das Herz im Innern um sich wendet!

Benesch.
Wir htten sie wohl dir vermhlen sollen?

Seyfried.
's war besser, Herr, als jetzo solche Schmach!

Benesch.
Mein Kind!

Seyfried.
Zurck! Mir hat sie sich vertraut,
Und ich wei Anvertrautes zu bewahren!

Benesch.
So soll mein Schwert!

Seyfried.
Lat sein! Du aber frcht dich nicht!

(Zawisch tritt ein und bleibt beim Eingange laut lachend stehen.)

Zawisch.
Ha, ha, ha, ha!

Benesch (der sich rasch umgewendet hat, da er Zawisch erblickt).
Bist du's? Dich sendet Gott!

Zawisch.
Was kmpft ihr denn, ihr hochgesinnten Jger,
So wutentzndet um des Bren Fell?
Herr Petz trabt wohlgemut durch Berg und Tal
Und weist euch seinerzeit wohl noch die Pranken.
Schn Mhmchen, gr Euch Gott! (Zu Seyfried.) Und Ihr, Herr Weidmann!
Hebt Eure Feder und seht nicht so kraus;
Ich bin kein Wild fr Euch!

Benesch.
Nun sag, erzhle!

Milota.
Ja, Neffe, sprich!

Zawisch.
Erzhle! Sprich! Ei, was denn?

Benesch.
Der Knig--

Zawisch.
Hat die Ungarn derb geschlagen,
Bei Kroissenbrunn; (gegen Milota) Ihr, Ohm, wart ja dabei!

Benesch.
Wer fragt um das?

Zawisch.
Der Friede ist gemacht:
Auf sterreich--

Benesch.
Nicht doch!

Zawisch.
Auf Steiermark--

Benesch.
Willst du mein spotten?

Zawisch.
Nu, was wollt ihr denn?

Benesch.
Des Knigs Ehe--

Zawisch.
Ei, die ist getrennt!

Benesch.
Die Handfest ausgefertigt?

Zawisch.
Und besiegelt.
Die Knigin geht heute noch nach Wien.
Von da--

Benesch.
Und spricht man nicht?--Verdammt!--Mit wem--
(Gegen Berta hin.)
Regst du dich noch?--Mit wem der Knig?--

Zawisch.
Ah!
Mit wem er sich zum zweitenmal vermhlt?
Ei, mit wem anders denn, als dort mit jener,
Mit Eurer Tochter? Ihr habt's schlau gekartet!
Erst fhrtet Ihr das Mdchen still ihm vor,
Geschmckt! man konnte kaum was Schners sehn!
Dann halft der Armen Mangel Ihr an Witz
Mit Euerm eignen nach. Was sie da Reden fhrte!
Die Knigin von Saba kann nicht besser!
Zuletzt--nu, was wei ich, was alles noch!
Kurz, er ist ganz berckt, und gebt nur acht,
Er kommt zur Stund' und freit um ihre Hand.

Berta (aufspringend).
Zu ihr, zu ihr! zu ihren Fen sterben!
(Ab in der Knigin Gemach.)

Zawisch.
Ha, ha, ha, ha!

Merenberg.
Herr Zawisch!

Zawisch.
Lustig! lustig!
Wir wollen auf des Knigs Hochzeit tanzen!
(Zu Seyfried.)
Ihr habt ja auch vordem um sie gefreit?
Wei Gott! ich glaub, einmal zu Nacht, bei Wein,
Gefiel mir selbst ihr rot und wei Gesicht!
Nu, gebt mir Eure Hand, Herr Bundesbruder!
(Seyfried wendet sich ab.)

Milota.
Wozu das tolle Wesen? Grad und kurz:
Mit wem vermhlt der Knig sich?

Zawisch.
So kurz
Als Eure Frage soll die Antwort sein!
Mit Kunigunde von Massovien,
Des Ungarknigs Nichte.

Benesch.
Gift und Pest!

Zawisch.
Ihr wolltet selbst des Knigs Eh' getrennt,
Habt jahrelang euch weidlich drum bemht;
Sie ist getrennt--und er freit Belas Nichte.

Benesch (mit der Hand vor der Stirn).
Verraten, hintergangen! Schndlich, schndlich!

Zawisch.
Pocht nicht so hart an der Gedanken Tor,
Wenn's frher schlo, macht jetzo doch nicht auf!

Benesch.
Jetzt spottest du, und hast es selbst gebilligt!

Zawisch.
Gebilligt, ich? den Unsinn, die Verrcktheit!

Benesch.
Ja, du, und du!

Milota.
Weil du Gewiheit vorgabst!--

Benesch.
Bringt mir sie her, das Mdchen bringt mir her!
Sie soll nicht leben! Sie und ich! Oh!--Oh!

Seyfried (herberrufend).
Schmht Ihr das Mdchen? Schmhet auf Euch selbst!
Wer hie Euch glauben, da fr Eure Tochter
Des Knigs, ihres eignen Knigs Hand--

Zawisch.
Das lie' sich allenfalls noch glauben, Herr!
Ein Merenberg wr' toll, dcht' er an so was;
Doch wir, die aus der Weltstadt Roma stammen,
Von den Patriziern, die den Erdkreis beugten,
Und, als Ursini, noch dem Throne stehn zunchst,
Auf dem Sankt Peters Macht ob Herrschern herrschet;
Wir mgen wohl nach Frstenkronen trachten,
Und eine Rosenberg mag khn und frei
Dem Besten sich vermhlen dieser Erde:
Auch--ha, ha, ha, ha, ha!

Milota (der sich gesetzt hat).
Verdammt sein Lachen!

Zawisch.
Die Tochter rast, der Vater rauft sein Haar,
Und wir beweisen unsern alten Adel!
Und wr' er lter als der Engel Fall,
Der Knig winkt, und knall! liegt er am Boden.

Benesch.
Doch eh' ich falle, Rache! (Milota anfassend.) Rache, Bruder!

Milota (der aufsteht).
Ich sann soeben und gedenk zu handeln!

Zawisch.
Regst du dich auch, vierschrt'ger Milota?
Ei ja, da mu der Knig nun wohl zittern!

Benesch.
Wenn du--wenn du dich unsrer Sach' entziehst,
Bist du kein Rosenberg; ein Schurk'! Nicht wahr?

Milota.
So ist's!

Zawisch.
Ei ja! Wie fhren wir's denn aus?
Beim nchsten Kirchgang drck dich an den Knig
Und tritt ihm auf den Fu. Das schmerzt verzweifelt,
Und so bist du gercht!

Benesch.
Er spottet unser?
Mein Kopf! Mein Kopf!--Er ist kein Rosenberg!

Milota.
Komm, Bruder, la uns gehn! Wer lachen kann
Bei seines Hauses Schmach, verdient--

Zawisch.
Halt, Freund!
Wer seid ihr denn, ihr beide, da ihr schmht?
Die ihr auf offner Strae Racheplne
Zu tauben Wnden schreit und--offnen Ohren!
Verschwrt euch auf dem Markt und treibt im Zimmer Aufruhr!
Herr Merenberg, nicht wahr, das nenn' ich Leute?
Der Rausch des Zorns ist wie ein andrer Rausch:
Das beste Mittel ist die frische Luft.
Drum fort ins Freie, meine werten Herrn!
Brennt unser Haus und knnen wir nicht lschen,
So lat uns wenigstens die Hnde wrmen.
Der Knig ist mein Herr, und damit holla!

Milota (ihm nher tretend).
Fast glaub ich, Freund, du denkst mehr als du sprichst.
Sag, wofr hltst du uns?

Zawisch (laut).
Fr wackre Leute:
Was man verschweigt, erratet ihr auch nicht;
Errietet ihr's, ihr knntet's nicht verschweigen!
Es ffnet sich die Tr der Knigin,
Sie kommt, mit ihr der Groalmosenier,
Der Graf von Habsburg. Lat uns gehn,
Wir wollen sie nicht in der Hora stren.
(Ziehn sich zurck.)

(Die Knigin tritt aus ihrem Zimmer mit Rudolf von Habsburg. Hinter ihr
zwei Diener, die Bertan ohnmchtig in einem Lehnstuhl heraustragen.
Daneben Frau Elisabeth, die sie untersttzt.)

Margarethe (im Auftreten gegen die zurckweichenden Rosenberge).
Da gehn sie hin; wie dunkle Wetterwolken,
Die, wenn sie sich entleert, nach Aufgang ziehn.
(Gegen Berta gewendet.)
Bringt sie in ihr Gemach und sorgt fr sie,
Nach wenig Augenblicken komm ich selbst.

Rudolf.
Beinah zu viele Sorgfalt, gnd'ge Frau!
(Berta, von Verwandten umgeben, wird fortgebracht; auch beide Merenberge
entfernen sich.)

Margarethe.
Sie selbst ist kaum so schlimm, nur schwachen Geistes,
Und tricht eitel, das hat sie verfhrt.
Doch ihre Vettern, ihre Anverwandten,
Der starre Milota, der Geifrer Benesch,
Und Zawisch, jener Schlimmste wohl von allen,
Mit Reichtum, Macht und Hoffnung auf den Thron--
Ja, so weit ging der bermt'gen Stolz--
Verlockten sie das leichtbetrte Kind.
Seit lange sah ich sie, die bsen Engel
Des Knigs, meines Herrn, verstohlen reien
An den nur allzuschwachen Banden, die
Kaum Ottokarn noch fesselten an mich.
Ich hrte, wie sie seinen Wunsch nach Erben,
Nach angebornen Folgern seines Throns,
Mit heuchlerischem Mitleid listig nhrten.--
Ein Wunsch, gar wohl verzeihlich einem Knig!
Doch was soll Erbrecht, das aus Unrecht stammt?
Sie waren es, die dieser Ehe Trennung
Mit unermdlicher Geschftigkeit
Und ohne Auftrag fast des Knigs trieben;
Denn eine ihres Hauses hofften sie
Zu setzen auf der Bhmen Herrscherthron:
Die Arme, die jetzt mit dem Wahnsinn ringt!
Wie oft war sie an Festen mir genber,
Mit Schmuck bedeckt, des Hofes Schwall um sie;
Indes ich einsam sa mit meinem Gram.
Der Knig Augen nur fr ihren Reiz
Und Ohr fr ihren Wunsch, des Mundes Drun
Zur Schmeichelei herabgestimmt fr sie.
Sie aber froh und stolz und berselig,
Wohl gar verchtlich blickend hin auf mich.
Da fhlt' ich Mitleid mit dem armen Opfer
Und nahm mir vor, am Tage ihres Falls
Ihr mild zu sein und hilfreich ihrem Unglck.
O Ottokar, wie viel nimmst du auf dich!

Rudolf.
Verget nicht ob der Unbild an der Fremden
Der eignen, grern Unbild, gnd'ge Frau!

Margarethe.
O glaubt nicht, da den Knig ich entschuldige!
Fern sei von mir, da ich je Bses lobe!
Er handelt unrecht, unerlaubt an mir,
Und sagen will ich's ihm, tret ich vor ihn.
Bin ich nicht jung; ich hab es nie verhehlt!
Hat Gram der Zge Reiz mir ausgelscht;
Er sah mich ja, bevor er um mich warb!
Vermit er Munterkeit an mir und Scherz;
Wer hie den Muntern denn zur Freite gehn
Bei der unsel'gen Knigin der Trnen,
Zum Grab gebeugt durch all der Ihren Tod?
Seitdem mit diesen Augen ich gesehn,
Im grausen Kerker von Apulien,
Den rm'schen Knig Heinrich, meinen Gatten,
Des harten Friedrich allzu weichen Sohn,
Von nahverwandten Hnden liegen tot,
Und tot die beiden hoffnungsvollen Kleinen,
Die ihm mein Scho, seitdem verschlossen, trug;
War Lust ein Fremdling dieser den Brust,
Und Lcheln floh entsetzt von meinen Lippen,
Die Gram und Schmerz mit seinem Siegel schlo.

Was gibt man an als unsrer Trennung Grund?
Den ersten wei ich: ich bin kinderlos
Und ohne Hoffnung, je ein Kind zu sugen;
Weil ich nicht will, weit mehr noch als nicht kann!
Das wute Ottokar, als er mich freite,
Ich sagt' ihm's, und er nahm es fr genehm;
Denn auf mein reiches Erb' von sterreich
War da sein Sinn gestellt und seines Vaters,
Des lnderscht'gen Knig Wenzeslav.
Was will der Knig also? Kinder, Erben?
Ein Bettlerkind s' besser auf dem Thron,
Als Knigsshne, die das Unrecht zeugte!

Was gibt man weiter an, als fernern Grund?

Rudolf.
Verwandt seid Ihr in unerlaubtem Grad.

Margarethe.
Man hat in meiner Jugend mir erzhlt
Von einem Bela wohl und einem Geysa,
Die Brder waren, Tchter hatten und
Nach sterreich und Bhmen sie vermhlten
In Vter Vterszeit. Der Knig spottet!
Es sind die Frstenhuser alle sich verwandt,
Und solchen Grads Erlassung fllt nicht schwer.
Auch hat man anfangs dessen nicht erwhnt!

Rudolf.
Erinnrung kam mit der gelegnen Zeit!

Margarethe.
Glaubt nicht, da mich bekmmert, fortzugehn,
Da es mir leid tut um des Hofes Ehren!
O knnt' ich jetzt, in diesem Augenblick,
Weit hinter mir der Krone Glanz und Pracht,
Nach Haimburg hin, in meiner Vter Schlo,
Allwo ich sa nach meines Gatten Tod
Und sein und meiner Kinder Fall beweinte!
Der Knig sende heute noch mich fort,
Ich will ihm danken, wie ich nie gedankt!
Doch soll er mir die Ehe nicht betasten,
Beflecken nicht das Band, das uns vereint,
Und so der jngstverflonen Jahre Lauf
Zum Greuel machen und zum rgernis!

Ich habe diese Krone nicht gesucht!
Auf Haimburg sa ich, meines Grams gedenkend,
Beinah dem allgemeinen Elend taub:
Denn Brand und Raub verwstete mein Land;
Der Ungar hier, der Baier dort, der Bhme,
Sie hausten mit dem Schwert in sterreich,
Verderbend meiner Vter schnes Erbe.
Da tagten sie, die Herrn, zu Triebensee,
Wie sie dem Wesen einen Vogt gewnnen,
Und Boten sandten sie ins Meinerland,
Von dorther einen Frsten sich zu holen,
Konstanzias, der Babenbergrin, Sohn.
Die Boten aber fing der Knig auf,
Der damals herrscht' in Bhmen, Wenzeslav,
Der Listige; und lie nicht eher ab
Mit Bitten, Drohn, Versprechen und Geschenken,
Bis seinem Sohn, bis diesem Ottokar
Der Herren Wahl, des Landes Herrschaft wurde.
Der wollte, jener nicht; und neuer Krieg
Durchflammte glhnder meines Landes Fluren.
Da traten zu mir hin, auf Haimburgs Schlo,
Die Landesherrn und klagten ihre Not.
Ein Mittel als das einz'ge nannten sie:
Des Strksten Recht durch meines zu verstrken,
Durch Ottokars Vermhlung und die meine
Mit Bhmen zu vereinen sterreich.
Ich sagte: Nein! gedenkend meines Gatten,
Der meine Treue mit sich nahm ins Grab.
Da fhrten sie mich auf des Schlosses Sller
Und zeigten mir das glutversengte Land,
Die Felder nackt, die Htten leer, die Menschen tot.
Von Weibern, Kindern, Blutenden, Verletzten
Sah ich mit Schaudern, heulend, mich umgeben,
Zu mir um Rettung flehend, die's vermochte.
Da wollt' ich alles und versprach es ihnen!
Sie aber brachten Ottokarn zu mir,
Mir ihn bezeichnend als den knft'gen Gatten.
Mit schwarzem Aug' aus schwarzen Brauen blickend,
Stand er in scheuer Ferne sinnend da--
Und ma, der Jngling, mich, die Alternde.
Allein des Landes Not bei mir gedenkend,
Trat ich zu ihm und sprach ihn freundlich an;
Und so ward ich sein Weib. Ich hab ihn nie geliebt;
Ich dachte nie, ob ich ihn lieben knnte:
Doch sorgt' ich still fr ihn, und wie ich sorgte,
Fand ein Gefhl sich mir im Innern ein,
Das allen Schmerz der Liebe kennt, wenn auch
Nichts von der Liebe Glck. So war's mit uns.
Nun urteilt, ob Entfernung mich erschreckt.
Ja, ich will gehn, doch bleibt die Ehe fest,
Nichts ward verletzt, was ihren Bruch begehrte.

Rudolf.
Von einem spricht man noch: da Ihr zu Trier,
Nach Eures Gatten, Knig Heinrichs Tod,
Nicht mehr Euch zu vermhlen feierlich gelobt.
Doch ist's Erdichtung wohl!

Margarethe.
Nein, das ist wahr!
Es war kein feierlich Gelbd', kein solches,
Das andre Bande kirchlich brechen knnte;
Doch hab ich es gelobt--und htt' es halten sollen!

Zu Trier lag ich im Gebet vor Gott,
Und ew'ge Treu und ew'gen Witwenstand
Gelobt' ich meinem Gatten, Knig Heinrich.
Nicht Manneshnde sollten je berhren
Den kleinsten Finger mir, des Kleides Saum,
Und selbst ein Weib nicht meine Lippen kssen,
Die einst an Heinrichs teurem Mund geruht.
Ja, ich gelobt's, und alles Unheil rief ich,
Wenn ich's je brche, nieder auf mein Haupt.
Das Unheil, merk ich, tut, was seines Amtes.
Nochmal, es war kein feierlich Gelbd'!
Ich tat's nur mir und meines Heinrich Schatten!
Doch war's Gelbd', ich htt' es halten sollen!

Rudolf.
Was, gnd'ge Frau, soll ich dem Knig melden?

Margarethe.
Wie rasch wir sind, an andern das zu tadeln,
Was selber wir, wenn minder gleich, verbt!
Sagt Knig Ottokar, Herr Graf von Habsburg:
Das Ganze legt' ich ihm auf sein Gewissen,
Was er entscheide, das sei mir genehm.

Rudolf.
Ihr willigt ein?

Margarethe.
Ich widerspreche nicht.

Rudolf.
Doch man verlangt zugleich, da ab Ihr tretet,
Das Land von sterreich und das von Steier,
Der Babenberger Gut.

Margarethe.
Ich hab's getan.

Rudolf.
Doch war es Schenkung um der Ehe wegen,
Der Ehe Trennung hebt die Schenkung auf.

Margarethe.
Ich will sie wiederholen.

Rudolf.
Auch bedenkt,
Da jene Lande Reicheslehen sind,
Dem Reich erledigt und nicht Euch gehrig.

Margarethe.
So weit mein Recht geht, geb ich es dahin.
Sagt das dem Knig, und zugleich:
Er soll vor Unrecht sorglich sich bewahren;
Denn auch das kleine rcht sich. So lebt wohl!

(Trompeten und Lrm auf der Strae.)

Der alte Merenberg (tritt ein).
Der Knig kommt.

Margarethe.
Gerechter Gott!--Ich will
Zu strken mich versuchen durch Gebet.
(Sie entlt die beiden durch eine Handbewegung und geht in ihr Gemach.
Die andern auf der entgegengesetzten Seite ab.)



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Thronsaal mit gotischen Bogen und Sulen. Der Thron an der zweiten
Kulisse rechts. Im Vorgrunde zu beiden Seiten ein reichbedeckter Tisch
mit einem Armstuhl.

Kriegerische Musik, Trompetensignale und Volkszuruf von auen. Bhmische
Groe und Krieger treten, vom Hintergrunde her, auf und stellen sich
teils neben den Thron, teils gegenber in Reihen. Links im Vorgrunde
eine Deputation der Stadt Prag mit dem Brgermeister an der Spitze. Die
Mitte des Hintergrundes nimmt eine tartarische Gesandtschaft ein,
Der Kanzler (tritt auf).
Der Knig kommt!

Alle.
Hoch lebe Ottokar!

Ottokar (tritt ganz gerstet, jedoch ohne Helm, vom Hintergrunde her
rasch auf).
Habt Dank, ihr Herrn!
(Er bleibt vor den tartarischen Gesandten stehen, die auf die Kniee
niedergefallen sind.)
Wer sind die Leute da?

Kanzler.
Gesandte, Herr, des Khanes der Tartaren;
Sie bringen Gru und bieten Freundschaftsbund.

Ottokar.
Heit sie nur aufstehn!--Hrt ihr? Auf vom Boden!
Ein sonderbares Volk und sonderbar bewaffnet!
Weist her den Sbel! (Er wiegt ihn in der Hand.) Viel zu krumm gebogen!
(Er tut einen Hieb in die Luft.)
Das nimmt dem Hieb die Kraft. Das mt ihr ndern!
Ein krummes Schwert mag angehn; doch der Kraftpunkt
Soll mehr nach oben. Einer meiner Reiter
Jagt euer zehn mit seinem breiten Schwert!
(Er gibt den Sbel zurck.)
Und sonst die Rstung! Wozu soll der Haarschopf
Da oben auf dem Scheitel? Fr den Feind wohl?
Der fat sich seinen Mann, zieht ihn vom Pferde
Und wrgt ihn wie er mag. Wr' ich ihr Knig,
In einer Nacht lie ich sie alle scheren!
Sie sollen gehn und morgen wiederkommen!

(Die Tartaren ab.)

Ottokar (im Vortreten).
Nun, haben wir's euch recht gemacht, ihr Herrn?
Vor Ungarn mgt ihr knftig ruhig schlafen;
Wir haben sie gejagt.--Was gibt es sonst?

(Die Deputation der Stadt Prag ist vorgetreten.)

Ottokar.
Wer seid ihr!

Brgermeister.
Rat und Brgermeister, Herr,
Von Eurer vielgetreuen Pragerstadt.

Ottokar.
Was wollt ihr?--Ah!--Nur immer zu, ihr Herrn!
Ich bin ermdet, nehmt mir meine Waffen!

(Er wirft sich in einen Lehnstuhl links im Vorgrunde. Zwei Diener sind
beschftigt, ihn zu entwaffnen.)

Brgermeister.
Gromchtigster! Unberwindlichster!
Es drang zu uns die Fama deines Siegs,
Und--

Ottokar.
Fllenstein!

Fllenstein.
Hier bin ich, gnd'ger Herr!
(Tritt vor.)

Ottokar.
Wie hie der Platz, wo wir die Ungarn jagten?

Fllenstein.
Bei Kroissenbrunn.

Ottokar.
Hans Narr, da war das Lager!
Glaubst du, ich wei den Ort nicht, wo ich stand?
Ich mein den Platz des letzten Reiterangriffs,
Der ganz entschied.

Fllenstein.
Man nennt den Ort Marchegg,
Weil in die Ecke dort die March sich wendet.

Ottokar.
Marchegg, so soll man mir die Stadt auch nennen,
Die ich dort baun will zu des Siegs Gedchtnis!
Marchegg soll sein der Markstein meines Glcks,
Von dort aus weiter; denn wer hielte mich?
Und wer dort geht, noch in den fernsten Tagen,
Der soll von Ottokar und seinem Streiten sagen!
(Er ist aufgestanden, zu den Dienern.)
Was zgert ihr?--Ja so, du willst das Bein?
(Er setzt sich wieder.)
Herr Brgermeister, zieht dort an der Schiene!
So geht's nicht! Fort! Wer wird so lange zgern?
(Er reit selbst gewaltsam die Schiene ab und wirft sie mitten in den Saal.)
Just in der Ecke dort der March, am Hgel jenseits,
Sa Knig Bela hoch auf seinem Stuhl,
Und Heinrich Preuel stand dabei, ich sah's wohl,
Der legt' ihm, wie der Knab' im Puppenspiel,
Die Gegend aus und was sich drin begab
Und wer die Kmpfer waren und so weiter.
Zum Anfang ging's noch gut, doch als der Habsburg
Auf eins hervorbrach mit den schweren Reitern
Und alles floh, was ungrisch fluchen kann,
Und in die March, da ihre Zottelbrte
Wie Schilfgras aus gedmmtem Wasser ragten--
Wo ist der Habsburg? Hei! beim reichen Gott,
Er hielt sich wohl! Sonst ein gar stiller Mann,
Doch wenn er angreift, wie der bse Teufel.
Wo ist Graf Habsburg?

Diener.
Sollen wir ihn rufen?

Ottokar.
Lat nur!--Als das der Ungarknig sah,
Da braucht' er keines Dolmetsch weiter mehr.
Mit beiden Hnden fuhr er sich ins Haar
Und zog sich feindlich. Ei, dacht' ich mir, Herr,
Spart Euch die Mh', wir knnen das viel besser.
Doch ist er Freund uns jetzt und Bundsgeno,
Da mu man Gutes nur und Liebes sprechen!
Nun, seid ihr endlich fertig? (Er steht auf.) Hut und Mantel!
Und wie steht's hier bei Euch, Herr Brgermeister?
Habt Ihr indes getrumt?--Der Hut da drckt.
(Da der Diener zgert.)
Zum Teufel, einen andern Hut!--Wie also?
Die Mauer auf dem Wischehrad ist fertig?

Brgermeister.
Ja, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Die Moldaubrcke auch?

Brgermeister.
Nur gestern ward der letzte Stein gefgt.

Ottokar.
Ja, weil ihr wutet, da ich heute kam!
Den Deutschen, die ich sandte, Sachsen, Baiern,
Ward schon die untre Vorstadt eingerumt?

Brgermeister.
Verzeihet--

Ottokar.
Ist's geschehn?

Brgermeister.
Eu'r Hoheit--

Ottokar.
Ja?

Brgermeister.
Noch nicht.

Ottokar.
Warum nicht? Gottes Feu'r! Warum nicht?

Brgermeister.
Wir wollten noch einmal Eu'r Hoheit angehn,
Eh' wir vertrieben so viel treue Bhmen--

Ottokar.
Vertrieben! Was vertrieben! Wollt' ich das?
Sie sollten nach Chrudim, dort waren cker
Und Baugrund ihnen dreifach angewiesen,
Und dreifach alle Kosten der Versetzung.
Doch aus der Vorstadt sollen sie heraus.
Sie sollen, mssen! Mssen, Gottes Donner!
Ich wei wohl, was ihr mgt, ihr alten Bhmen:
Gekauert sitzen in verjhrtem Wust,
Wo kaum das Licht durch blinde Scheiben dringt;
Verzehren, was der vor'ge Tag gebracht,
Und ernten, was der nchste soll verzehren,
Am Sonntag Schmaus, am Kirmes plumpen Tanz,
Fr alles andre taub und blind;
So mchtet ihr: ich aber mag nicht so!
Wie den Ertrinkenden man fat am Haar,
Will ich euch fassen, wo's am meisten schmerzt;
Den Deutschen will ich setzen euch in Pelz,
Der soll euch kneipen, bis euch Schmerz und rger
Aus eurer Dumpfheit wecken und ihr ausschlagt
Wie ein gesporntes Pferd. Ihr denkt der Zeit,
Da eure Frsten saen an dem Herd
Und einen Kessel fhrten in dem schnden Wappen;
Ich bin kein solcher, straf mich Gott!
(Man hat ihm den Mantel umgegeben.) Seht her!
Der Mantel ward in Augsburg eingekauft.
Das Gold, der Samt, die Stickerei, das Ganze,
Knnt ihr das machen hier in eurem Land?
Ihr sollt! bei Gott, ihr sollt! Ich will euch's lehnen--
Mit Kln und Wien, mit Lunden und Paris
Soll euer Prag hier stehn in einer Reihe!
Die Lnder, die euch herrisch sonst gehhnt,
Ich habe sie bezwungen mit dem Schwert:
Der Ungar flieht, der Baierfrst hlt Ruh',
Und sterreich, die wackre Steiermark
Und Portenau und Krain und Deutschlands Eger,
Ich habe sie vereinigt meinem Reich.
In alle Fernen trug ich Bhmens Namen,
Aus allen Fernen tnt zurck sein Ruhm.
Wie meine Vter konnt' ich ruhig schlafen,
Euch lassen schlafen, so wie eure Vter;
Fr wen hab ich's getan? Fr euch!
Doch sollt ihr nach, des geb ich euch mein Wort!
Hin auf des Berges Mitte stellt' ich euch,
Und nun klimmt weiter oder brecht den Hals!
(indem er sich abwendet.)
Da mir die Deutschen in die Vorstadt kommen.

(Kanzler tritt ein und nhert sich dem Knige.)

Ottokar.
Was ist?

Kanzler.
Die Knigin, wie Ihr befahlt.

Ottokar (wieder zu den Brgern gewendet).
Auch das noch, das noch, seht, um euretwillen!
Was einem jeden Mann das Teuerste,
Die Ruh' im eignen Haus, hab ich gestrt,
Um eure Ruh', um eurer Kinder Ruhe.
Damit nach meinem Tod mein Reich nicht erblos,
Mein Werk das Spiel nicht werde innern Zwists,
Hab ich von Margarethen mich getrennt,
Die keines Erbens Hoffnung mehr gewhrt,
Und neuer Bande Wechsel mich gefgt.
(Zur ganzen Versammlung sich gewendet.)
Ja, ja, ihr Herrn, damit ihr's alle wit:
Zur Festigung des nur geschlonen Friedens
Hat Knig Bela mir die Hand geboten
Von Kunigunden, seinem Enkelkind,
Des Herzogs von Massovien einz'gen Tochter.
Da nun seit lang die Bischfe des Reichs
Mich warnten meiner Eh' mit Margarethen;
Wie denn auch manches sonst dagegen spricht:
Denn erstens ist sie alt und unfruchtbar,
Kein Erbe lt sich mehr von ihr erwarten;
Dann ist sie mir verwandt in--was wei ich,
In welchem und wievieltem Grad, und endlich--
Allein wozu noch lange eins und zwei;
Denn erstens, zweitens, drittens: bleibt's dabei!
Die Knigin wird kommen, Handfest unterzeichnen,
Die Schenkung wiederholen ihrer Lande,
Und des zu Zeugen seid ihr hier versammelt.
(Er besteigt den Thron.)

Der Kanzler (der seine Papiere auf demselben Tische ausgebreitet hat,
an dem vorher der Knig sa, tritt nun, mit einer Urkunde in der Hand,
in die Mitte des Saales).
Nun Ruh' in Ehrfurcht ist des Knigs Wille!

(Margarethe, in einen nachschleppenden Mantel gekleidet, die Krone auf
dem Haupte, tritt, von Habsburg und Merenberg begleitet, von Frauen
gefolgt, ganz im Vorgrunde links auf.)

Kanzler.
Erlauchte Frau und Knigin Margrethe,
Von streich Herzogin und Steiermark,
Des weiland rm'schen Knigs Heinrich Witwe,
Derzeit vermhlt mit Bhmens hohem Herrn.
Wer fhrt das Wort in Eurer Gnaden Sache?

Margarethe.
Ich selbst! (Ablehnend zu Merenberg, der vorgetreten ist.)
Lat nur, Herr Merenberg!--Ich selbst!
Allein will ich des Zornes Makel tragen
Und reden, so wie leiden, ich allein!

Kanzler.
Ist Euch bekannt--?

Margarethe.
Ich wei!

Kanzler.
Nun denn, mit Gott!
Es hat ein heil'ger Send, zu Wien versammelt,
Im Vorsitz Guido, Kardinal-Legats,
Des Titels von Sankt Laurenz in Lucina,
Zu Recht gesprochen ob dem Eheband,
Das Euch verbunden unserm gnd'gen Herrn;
Und in Betracht, da Ihr im vierten Grad,
Durch Bela, Ungarns Knig, und durch Geysa,
Als leiblich naher Brder Kindeskinder,
Gedachten unserm gnd'gen Herrn verwandt;
In weiterm Anbetracht, wie vorgekommen,
Da Ihr nach Eures ersten Herren Tod,
Des hochbelobten rm'schen Knigs Heinrich,
Euch nicht mehr zu vermhlen ein Gelbd'
Zu Trier getan, im Katharinenstift--

Margarethe.
Es war kein feierlich Gelbd'!

Ottokar.
Hier steht's!
Fahrt fort!

Kanzler.
Als hat--

(Trompeten von auen.)

Ottokar.
Was ist?

Ein Diener.
Die Stnde, Herr,
Von sterreich sind in die Burg gezogen,
Den Frstenhut des Landes bringen sie.

Ottokar.
Hierher! Sie kommen als gelegne Zeugen!

(Die Stnde von streich, den Herzogshut auf einem Kissen vor sich
hertragend, treten ein.)

Heinrich von Lichtenstein (als Wortfhrer).
Es hat dein tapfres Schwert, erhabner Frst,
Entschieden in dem Streit mit Ungarns Knig,
Wer Herr soll sein in unserm schnen Land.
Geendet ist der blutig schwere Zwist,
Und leichten Herzens wiederholen wir
Die Huld'gung, die erst jetzt in voller Kraft.
(Zu Margarethen gewendet.)
Vor allem aber dir, erlauchte Frau,
Dem edlen Spro des alten Heldenstammes,
Der ruhmvoll lang ob sterreich gebot--

Ottokar.
Lat das nur sein und stellt euch ruhig hin!
Statt neuer Huld'gung denkt auf alte Treu'
Und haltet's einmal, statt es zweimal zu versprechen!
(Zum Kanzler.)
Fahrt fort!

Kanzler.
Als haben sie zu Recht erkannt,
Da solches Bndnis lnger nicht bestehe,
Erklren es fr null und aufgehoben.
Die Schenkung, die Ihr frher habt gemacht
An Euern Herrn mit Eures Stammes Erbe,
Sie bleibt in Kraft, und Ihr seid aufgefodert,
Sie noch einmal, der Form nach, zu bestt'gen.
Euch angewiesen wird, als Leibgeding,
Die Stadt von Krems, das Polan rings um Horn
Und Grevenberg von unsers Herren Gnade.

Margarethe.
Habt Ihr geendet?

Kanzler.
Ja, erlauchte Frau!

Margarethe.
Ich knnte manches noch entgegensetzen!

Ottokar.
Wozu? Es bleibt der Spruch in Kraft.

Margarethe.
Doch unterwerf ich mich!

Ottokar (vom Throne steigend).
Nun gut, was mehr?

Margarethe.
Und geh von hinnen, wie man es begehrt--

Ottokar (auf sie zugehend).
Mich freut, da ich Euch klug und billig finde;
So hab ich Margarethen stets gekannt
Und stets geachtet Euch als eine solche.
Es ist ja nicht der Jugend wilder Kitzel,
Der grend feur'ge Drang nach Neuerung,
Was mich Euch meiden heit; es ist mein Land,
Das in mir Ehen schliet und Ehen scheidet.
So hoch ein Mensch mag seine Gre setzen,
So hoch hat Ottokar gesetzt die seine.
In Bhmen herrsch ich, bin in Mhren mchtig;
Zu streich hab ich Steier mir erkmpft,
Mein Oheim siecht, der Krnten nach mir lt.
(Vertraulich und leiser.)
Im nahen Ungarn hab ich meine Hand,
Die Groen sehn auf mich, die Mivergngten;
Es will mir Schlesien wohl, und Polen schwankt,
Wie sturmgepeitscht ein Schiff, in meinen Hafen.
(Wieder lauter.)
Vom Belt bis fern zum Adriat'schen Golf,
Vom Inn bis zu der Weichsel kaltem Strand
Ist niemand, der nicht Ottokarn gehorcht;
Es hat die Welt seit Karol Magnus' Zeiten
Kein Reich noch wie das meinige gesehn.
Ja, Karol Magnus' Krone selbst,
Sie dnkt mich nicht fr dieses Haupt zu hoch.
Nur eines fehlte noch; nur eins und--alles:
Der Erbe, der's empfngt aus meiner Hand.
Den Giebel setz ich auf an meinem Bau;
Margrethe, wei ich, wird mir's nicht mignnen.

Margarethe.
Ich gnn Euch alles, gnn Euch mehr als mir!
Auch ist's mein Vorteil nicht, es ist der Eure,
Was mich noch einmal warnend sprechen heit.
Geliebt es Euch, so folgt mir nebenan--

Ottokar.
Sprecht immer hier; nur unter Knigen
Ist Ottokar der Knig, nicht allein.
Die hier gehorchen--

Margarethe (schnell).
Doch wie lange, Herr?
Das ist's, woran ich warnend mahnen wollte!
(Nher zu ihm tretend.)
Die Lnder all, das Erbe meines Hauses,
Sie wurden Euch durch Margarethens Hand.
Wei Gott, ich scheide gern! Doch wie ich scheide,
Schwingt wieder Aufruhr zischend seine Fackel,
Und gegen Euch--

Ottokar.
Seid Ihr 'ne Bckersfrau,
Die ihren Altknecht freit auf ihr Gewerb',
Und frchtet Ihr, sie kommen, von der Stadt,
Und nehmen mir's, sobald die Herrin fort?
(Halb gegen die Stnde gewendet.)
Ich halte sie, seht Ihr? mit dieser Hand--
Sie sollen sich nur regen, wenn sie's wagen!

Margarethe.
Umringt seid Ihr mit Argen und Verrtern!

Ottokar.
Lehrt Ihr den Ottokar die Seinen kennen?
Ich gehe meinen Gang, was hindert, fllt.

Margarethe.
Ihr steht am Abgrund, glaubt mir, Ottokar!

(Wiederholte Trompetenste.)

Diener (kommt).
Die Landesherrn von Steiermark sind unten
Und bitten, da du gndiglich sie hrst.

Ottokar.
Lat sie herein!--Ihr seht wohl, Margarethe,
Die Unglcksprophezeiung trifft nicht ein!

(Die Stnde von Steiermark treten ein, den Herzogshut vor sich her auf
einem Kissen.)

Der Wortfhrer (indem er vor Margarethen das Knie beugt).
Erlauchte Frau!

Margarethe (ablehnend).
Nicht mir!

Ottokar.
Zu mir, mit Gunst!
Der Knig ist, der Kniginnen macht!
Schweigt immerhin, ich wei schon, was ihr wollt.
Ich hab eu'r Land den Ungarn abgestritten
Und werd es wahren gegen jedermann;
Auch gegen euch, wenn's irgend etwa not.
Stellt euch nur hin und wartet ruhig ab.
Im brigen betrachtet mich genau,
Damit ein andermal ihr gleich beim Eingang wit,
Vor wem ihr habt zu knien.

(Die Steirer stellen sich in eine Linie mit den streichern, dem Throne
gegenber, die Trger der Kronen voran.)

Ottokar.
Nun noch zum letzten!
Habt Ihr die Handfest hier, Herr Kanzellar,
Die Schenkungsurkund' von der Frstin Landen?

Kanzler.
Ich nicht; die gnd'ge Frau.

Ottokar.
Habt Ihr sie, Margarethe?

Margarethe.
Im Schrein verschlossen meiner Hauskapelle
Liegt sie verwahrt.

Ottokar.
Nun gut, ich sende drum!

Margarethe.
Noch hat kein menschlich Aug' des Schreines Inhalt,
Den Schatz gesehn, den mir sein Schlo bewahrt.
Bei meines Heinrich teurem Abbild liegt sie,
Bei meiner beiden Kinder Totenhemd,
Beim Schreckenspfeil, den an der Leitha Strand
Man blutig zog aus meines Bruders Herzen.
Erlaubt Ihr, geh ich selbst!

Ottokar.
Wie's Euch gefllt.

(Trompeten und Jubelgeschrei von auen.)'

Diener (kommt).
Ach, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Was ist?

(Die Landesherrn von Krnten, Ritter und Bauern bunt gemengt, treten auf,
den Herzogshut vor sich auf dem Kissen.)

Ottokar.
Wer sind die?

Margarethe.
Soll ich?

Ottokar.
Ich bitt Euch drum!--Ihr seht, ich bin beschftigt!
Noch mehr der Kronen?

(Margarethe geht ab.)

Diener.
Gnd'ger Herr, der Knig
Von Ungarn reitet ein--

Ottokar (auf den Kronentrger zugebend).
Wer seid ihr, Leute?

Wortfhrer der Krntner.
Der Herzog Krntens, Euer Gnaden Oheim--

Ottokar.
Ist er gestorben?

Krntner.
Ja, erlaubter Herr,
Und kraft des Erbvertrags mit Euer Gnaden
Fllt Euch das Land, die Herzogskrone zu.

Ottokar.
Betrauern mag ihn, wer sein Land nicht erbt!
Seid mir willkommen, meine wackern Krntner!
Fgt eure Krone dort zu jenen beiden
Und lat mich freun des kniglichen Anblicks.

(Die Krntner stellen sich in die Reihe der andern Stnde).

Ottokar.
Man lrmt ja noch! Was ist?

Diener.
Ich sagt' es ja!
Der Knig Ungarns, Herr, ist eingeritten.
Mit ihm Gesandte von dem Reichsvereine,
Den Doppeladler tragend vor sich her,
Und alles ruft--

Von auen.
Heil Ottokar, dem deutschen Kaiser!

Die im Saale.
Heil Ottokar, dem deutschen Kaiser, Heil!

Ottokar (im Vorgrunde).
Nun Erde, steh mir fest!
Du hast noch keinen Greren getragen!
(Er eilt in den Hintergrund, dem Ungarknig entgegen.)

(Indes tritt der alte Merenberg zum Schenk von Emerberg, der ganz im
Vorgrunde links, der uerste unter den streichischen Stnden, steht.)

Merenberg (leise).
In dieses Tuch gewickelt ist ein Brief,
Gib ihn an meinen Sohn, er wei darum.
Ich geh nach Merenberg. Und hei ihn eilen!
(Er lt das Tuch mit dem Briefe fallen und entfernt sich. Emerberg hebt
es auf.)

(Der Knig von Ungarn tritt auf mit Gefolge.)

Ottokar (ihm entgegen).
Erlauchter Herr, und Vater, will es Gott!

Bela (zurcktretend).
Bevor ich rede, lat erst diese sprechen!

(Die Gesandtschaft des Reichstages tritt vor.)

Erster Abgesandter.
Des Heil'gen Rm'schen Reichs gemeine Frsten,
Zu Frankfurt auf der Kaiserwahl versammelt,
Sie senden uns an dich, o Frst von Bhmen.
Die Augen haben sie nach dir gewendet,
Die einen Kaiser suchen fr das Reich.
Doch ziemt uns nicht, als Herren den zu whlen,
Der unsre Wahl wohl gar zurckeweist:
Drum sollen wir dich fragen, hoher Herr,
Ob, wenn der Wahltag dir die Krone beut,
Dem Reiche du dich unterziehen werdest?
Verweigr' es nicht! es geht ein alter Spruch:
Des Reiches Adler werde Ruh' erst finden
Im Nest des Lwen; wohl, gromt'ger Lwe,
(er ergreift ein Schild mit dem Sinnbilde des Lwen, das an den Stufen des
Thrones lehnt, und hebt es in die Hhe)
Nimm auf den Adler, der verloren fleugt,
Und schirm ihn stark gen alle seine Feinde!

Ottokar.
Ha, was ist das? Wer hat mir das getan?
Das ist der weie Lwe nicht von Bhmen!
Der Lw' ist rot!

Rudolf von Habsburg (der zur Seite des Thrones rechts im Vorgrunde gestanden
hat, vortretend).
's ist Habsburgs Lwe, Herr!
Der Schild ist mein! Ich legt' ihn, kommend, ab.

Ein zweiter der Abgesandten.
Ihr seid der Graf von Habsburg?

Rudolf.
Ja, der bin ich!

Zweiter Abgesandter.
In Bhmen hier?

Rudolf.
Vom Kreuzzug kehr ich heim.

Ottokar.
Genug!--Ihr harret, mein Herr Abgesandter,
Bis man Euch wieder ruft! (Zum Knig Bela gewandt.) Mein edler Frst!
Nun ruft die Pflicht mich doppelt her zu Euch!

Bela.
Zuerst stell ich Euch meine Kinder vor.
Hier Ladislaus, der Erbe meines Throns,
Und hier ein anderer.

Ottokar.
Hat Knig Bela
Der Enkelshne mehr?

Bela.
Ihr argwohnt nicht?
Man weiset dich zurck!

Kunigunde.
Und doch war ich's,
Die Euch am meisten wnschte zu gefallen!
Nehmt Ihr mich unter Eure Krieger auf?
(Sie wirft den Reitermantel und ungarischen Kalpak weg und steht als
Weib gekleidet da.)

Zawisch (der auf der linken Seite des Saales, nicht weit von ihr steht,
laut).
O schner Krieger!

Kunigunde (umgewendet).
Ha, wer spricht?

Ottokar (zornig).
Wer sprach?

Zawisch (gleichfalls umsehend).
Von dorther schien's, vom Winkel her zu tnen!

Kunigunde (rasch).
Ihr wart's--wohl nicht. Ihr wrdet nicht so frech,
Da ich so nahe stand, mir sonst es leugnen!

Mein Knig, Ihr verzeiht die berraschung.
Sie wollten erst mich vor den Toren lassen,
Doch trieb's mich, hier zu sein, und also kam ich.

Rudolf (der sich wieder in den Vorgrund rechts gestellt hat).
Der rcksichtslosen, rohen bereilung!

(Die Knigin Margarethe kommt mit Schriften.)

Ottokar (mit einer Bewegung gegen sie hin).
Jetzt ist nicht Zeit!

Margarethe (sich am Sessel haltend).
O Gott! Wer bringt mich fort!

Merenberg (vortretend).
Der Knigin zu Hilf'!

Ottokar.
Wer rief Euch, Herr?
Wer hie Euch weichen dort von Eurem Platz?
Ihr habt Euch einmal unntz schon gemacht!
Dorthin!

(Merenberg tritt zurck.)

Margarethe (schwach).
Nur fort!--Nimmt sich denn niemand an?

Rudolf von Habsburg.
Hier ist mein Arm, erlauchte Knigin!
Stets war bei Habsburg der Gekrnkten Schirm.

Ottokar.
Und wer hat's Euch geheien?

Rudolf.
Kennt ein Heien,
Wer kein Verbieten kennt?

Ottokar.
Ihr seid, verget's nicht,
In meinem Land!

Rudolf.
Nicht lnger, als ich will!
Als freier Krieger focht ich Eure Schlachten,
Um Lohn nicht, und den Dank selbst schenk ich Euch!
Ich bin nicht Euer Mann.

Ottokar.
Nicht von der Stelle,
Bis der entschieden, dem Entscheidung ziemt!

Der zweite der Abgesandten (tritt vor).
So will denn ich hier diese Frstin schirmen!
Der Kanzler ich des Erzbischofs von Mainz,
Von ihm der Wahlgesandtschaft beigesellt,
Damit ich hre, wo die andern reden.
Erkennt Ihr mich, Graf Habsburg?

Rudolf.
Nein, frwahr.

Zweiter Abgesandter.
Gabt Ihr nicht einst im Walde nah bei Basel
Dem Priester, der das Allerheil'ge trug
Zu eines Kranken Trost und, aufgehalten
Vom wt'gen Strom der Aar, am Ufer irrte,
Das eigne Pferd, die Flut drauf zu durchsetzen?

Rudolf.
Und dieser Priester--?

Abgesandter.
Habt nicht spter dann
Den Erzbischof von Mainz Ihr treu geleitet
Durch feindlich Land, durch Krieg und Brand und Tod,
Als er nach Rom zog zu dem Heil'gen Vater?
Des Bischofs Sekretr, auf sein Gehei,
War oft Euch nah und prft' Euch im Gesprch;
Vermchtet Ihr ihn nicht mehr zu erkennen?

Rudolf.
Seid Ihr's?

Abgesandter (zur Versammlung gewendet).
Fr diese Frau, als Reichesfrstin,
Begehr ich frei und offenes Geleit.
Herr Graf von Habsburg, gebt ihr Euren Arm,
Wir wollen sie zur sichern Ruhstatt fhren!

Im Namen denn des Heil'gen Rm'schen Reichs,
Gebt Raum der Herzogin von sterreich!
(Fhrt mit Rudolfen die Knigin Margarethe ab.)

Ottokar.
Bin ich eu'r Kaiser, sollt ihr anders sprechen!

Der erste der Gesandtschaft.
Geliebt's Euch, Herr, uns Antwort zu erteilen?

Zawisch (sich vordrngend).
Raubt ihr uns unsern Knig, unsern Herrn?
Ist er nicht mchtig? was bedarf er euer?
Wie Gott im Himmel, herrschet er auf Erden;
Nur Sorgen und nicht Nutzen schafft das Reich,
Lat ihn und bietet Deutschen eure Gaben!
Ihr gebt nur, weil ihr braucht! Lat unsern Herrn!

Ottokar.
Er spricht zum Teil ganz gut, Herr Abgesandter.
Gar viel ist abzustellen in dem Reich,
Gar mancher Trotz zu beugen und zu strafen;
Ich seh wohl, euer Herr war euer Knecht.
Ich bin ein reicher Frst von Bhmen, Gott verhte,
Da ich ein armer Kaiser wollte sein.
Doch mgt Ihr harren, ob es uns gefllt,
Vielleicht Euch gnst'gre Antwort zu erteilen.
(Zu Kunigunden gewendet.)
Nun bin ich Euer, ganz mit Seel und Leib.

Zawisch.
Es lebe Ottokar!

(Unter Trompetengetn.)

Zuruf von allen Seiten.
Von Bhmen Knig!
Herzog von streich!--Steier!--Krnten!--Krain!
Der Deutschen Kaiser! Lebe Ottokar!

(Der Vorhang fllt.)




Zweiter Aufzug

Offener Gartensaal, gegen den Hintergrund zu mit einem halbmannshohen
Marmorgelnder geschlossen. Es wird angenommen, da hinter demselben der
Garten terrassenfrmig abwrts geht. Im Vorgrunde zu beiden Seiten Tren,
daneben Bildsulen. Der Haupteingang ist zwischen den Sulen, links an
der Balustrade.


Zawisch (tritt lachend auf).
Ich bin verliebt! O weh, mein Herz ist fort!
Ihr Leute, kommt zu Hilfe! Ha, ha, ha!
Wie sie mich ansah mit dem schwarzen Blick,
Die stolze Ungarin! Hilft alles nichts!
Und schn ist sie, beim wunderbaren Gott!
Ein adlig, wildes, reuterscheues Fllen,
Den Zaum anschnaubend, der es bnd'gen soll.

Auch sonst geht alles, wie es Gott gefllt!
Die sterreicher reien tchtig aus,
Seit Margarethe fort, die Knigin;
Der eine rechts, der andre links, doch alle
Nach Frankfurt auf die Kaiserwahl. Nu! nu!
Sie legen dort wohl die Gesuche nieder,
Da man doch ja Herrn Ottokar erwhle!

Milota (von innen).
Nur hier herein indes!

Zawisch.
Wen bringt man da?

(Gewaffnete bringen Seyfried von Merenberg gefangen. Milota, ganz gerstet,
folgt, einen versiegelten Brief in der Hand.)

Milota.
Der Knig ist noch beim Turnier?

Zawisch.
Ja wohl!
Sich da, Herr Merenberg? und so begleitet!

Milota.
Sein Vater, der Verrter, sandt' ihn fort
Mit diesem Schreiben an den Erzbischof
Von Mainz. Er hatt' ihm Eile wohl geboten--

Seyfried.
Ob er's gebot!

Milota.
Allein der junge Herr,
Da ihn sein Weg am Schlo vorberfhrte,
Wo Bruder Benesch haust mit seiner Tochter,
Wollt' er noch einmal sehn sein altes Lieb;
Doch fing man ihn und sendet ihn hierher.

Zawisch.
So? Bei schn Mhmchen? Ei, bei Frulein Berta?

Seyfried.
Im heien Fieber liege sie und rase,
Ward mir gesagt. Ich wollte sie nur sehn,
Nur wissen, ob sie lebt, und so gab ich
Des Vaters Haupt und mich in ihre Hand.
Tor, der ich war, verruchter, blinder Tor!

Milota.
Hier ist der Brief, die Aufschrift an den Mainzer.

Seyfried.
Herr Zawisch, seht, ich hab Euch nie geliebt!
Fr doppelsinnig hielt ich Euch und falsch,
Doch sagt mein Vater, Menschen kennt' ich nicht;
O zeigt mir, Herr, da ich Euch nicht gekannt!
Gebt mir den Brief, lat ihn uns hier vernichten.
Mit mir knnt Ihr beginnen, was Ihr wollt!
Ich hab Euch sonst wohl auch schon Liebs getan.
Als Ihr mit Euren Sippen da und Freunden,
Wit Ihr? im Vorgemach der Knigin
Gar sonderbare Reden einst gefhrt;
Ich ging nicht hin und sagt's dem Knig an,
Wie ich gekonnt, vielleicht wohl gar gesollt!
Denn damals ehrt' und liebt' ich noch den Knig,
Als meiner angebornen Frstin Gatten
Und meinen wahren, rechtgesinnten Herrn.

Zawisch.
Hrst du, Freund Milota?

Milota.
Wer achtet sein!

Zawisch.
Der Brief ist richtig! (Er liest.) An den Erzbischof
Von Mainz. Du bist verloren, guter Freund,
Wenn dieser Brief dem Knig kommt zu Hand!

Seyfried.
Herr, rettet mich!

Zawisch.
Schon gut! schon gut!
Die Leute sind vertraut? (Auf die Wache zeigend.)

Milota.
O ja! Warum?

Zawisch (den Brief in der Hand wgend).
Der Brief kann viel enthalten--oder wenig.
Ein Trpflein Gift vielleicht--
(Die Hand mit dem Briefe schnell auf den Rcken gelegt.)
Ein Meer von Argwohn!
(Zur Wache gekehrt.)
Geht ihr nach Haus und gret Vetter Benesch.

Milota.
Was tust du?

Zawisch.
Geht ihr nur! (Gewaffnete ab.) Und du, mein Freund,
Was gibst du mir, wenn ich dich diesmal rette?

Seyfried.
Mein Leben--

Zawisch.
Ei, behalt das nur fr dich!
Kannst du auch springen?

Milota.
Zawisch!

Zawisch.
Nun, so komm!
Hier hast du deinen Brief; so, und nun spring!

(Er hat ihn ans Gelnder gefhrt, Seyfried springt hinab.)

Milota.
Wahnsinniger!

Zawisch.
Hei, was der Junge luft!

Milota.
Ihm nach!

Zawisch.
Zurck! Hast du dich mir vertraut?
Nun, hast du es getan, so traue mir!
Ich wei am besten, was sich fgt, was nicht;
Zu seiner Zeit wird sich's dir offenbaren.
Und dann--das junge Blut, mein gutes Herz!
Ha, ha!--Sprich nicht und geh! Es kommen Dinge,
Bei denen ich nach Zeugen nicht verlange.
Du gabst dein Wort, da du mich lt gewhren,
Drum geh!

Milota (kehrt am Ausgange um).
Folgst du auch nicht mehr zum Turnier?

Zawisch.
Die Waffen hab ich schon von mir gelegt,
Der Preis ist mein!--Geh jetzt! Der Augenblick
Pocht wie ein Glubiger und will, was sein!

(Milota ab.)

Ich sehe sie den Gang herunterkommen,
Begleitet nur von einer Kmmerin;
Nun rasch ans Werk!
(Zu einer Bildsule der Liebesgttin gewendet, die im Vorgrunde links
steht.)
Du keusche Liebesgttin,
Getreue Gattin deines holden Gatten,
Dich fleh ich an: verleih mir deinen Schutz!
(Er zieht ein Blatt hervor und steckt es, zur Bildsule auf einer Stufe
des Untersatzes emporsteigend, unter den halbgehobenen Fu der Gttin.)
Bewahre mir dies Blatt hier und bestell es!
Man kommt!--Ich mu noch etwas zgern!--Jetzt!
(Er springt herab und eilt, wie betroffen, fort.)

(Die Knigin tritt in demselben Augenblicke mit ihrem Kammerfrulein
links im Hintergrunde auf.)

Kunigunde.
War das nicht Rosenberg? der Unverschmte!
Ruf ihn zurck!

Frulein (in die Szene rufend).
Herr Zawisch! Kommt hierher!
Die Knigin befiehlt es! Hier! Ihr sollt!

(Zawisch kommt zurck, verschmt das Barett in der Hand drehend.)

Knigin.
Ich wei nicht, Herr, bin ich nicht voll bei Sinnen,
War ich im Fiebertraum, die Tage her;
Wie, oder seid Ihr ganz so unverschmt,
So rasend--Nein! Die Sprache hat kein Wort!
Verrckung mcht' am ersten es bezeichnen--
So unverschmt-verrckt, als Ihr Euch zeigt?
Bei meiner Ankunft schriet Ihr gellend auf--
Ihr wart's! Ich stand drei Schritte fern und wei es!
Seitdem verfolgt Ihr rastlos mich mit Blicken,
Mit Blicken, die ich nher nicht bezeichne,
Doch regt sich mir der Ingrimm, denk ich dran.
(Nher zu ihm tretend.)

Nur erst, beim Tanz, als ich die Hand Euch reichte,
Ja, Frecher, ja! Ihr drcktet mir die Hand!
Wer bin ich, Herr? und wer seid Ihr?

Zawisch.
Verzeiht!

Kunigunde.
Behandelt so hier Lands man Kniginnen?
Wr' ich zu stolz nicht, meines Gatten Zorn
In meiner eignen Sache aufzurufen,
Wr's hier in Bhmen wie bei uns daheim,
Wo auch die Frau ein Recht hat, eine Stimme,
Und Macht, um zu vollfhren, was sie denkt,
Wo eine Knigin nicht blo des Knigs Gattin,
Wo sie Gebietrin ist; es sollt' Euch reun!

Zawisch.
Verzeiht!

Knigin.
Und nun: verzeiht! Erst frech und khn,
Und nun so knechtisch, da es an mich ekelt!
Was stecktet Ihr an jene Sule hin?

Zawisch.
An jene Sule? Steckt was dort?

Knigin.
Ein Zettel.

Zawisch.
Ein Zettel, in der Tat!

Knigin (zum Kammerfrulein).
Nimm ihn herab!
(Es geschieht.) Was steht auf dem Papier?

Zawisch.
Ich wei es nicht!

Knigin.
Ihr stecktet's doch hinauf!

Zawisch.
Ich? Wahrlich nicht!

Knigin.
Nur erst, sowie ich kam.

Zawisch.
Ich war nicht hier;
Ich kam von jener Seite.

Knigin.
Nun, beim Himmel!
Ich bin verrckt, der Kopf dreht sich im Wirbel!
Sind das hier Bume? Ist das Luft und Erde?
Ich sah es ja, ich stand drei Schritte fern,
Als Ihr den Zettel an die Sule stecktet!

Zawisch.
Wenn Ihr es sagt, o hocherhabne Frau,
Dann mu es sein, und wr' es nie gewesen!

Knigin.
Und was enthlt der Zettel?

Zawisch.
Phantasien;
Die Ausgeburt von dichterischer Glut!

Knigin (zum Kammerfrulein).
Zeig her!
(Sie entwickelt den Zettel und liest die Aufschrift.)
Der Schnsten--Ha, Verwegener,
Nimm hin das Zeugnis deiner frechen Torheit
(sie wirft ihm denZettel vor die Fe)
Und wagst du's noch einmal, dich mir zu nahn,
So soll der Knig deinen Frevel strafen!

Zawisch (hebt den Zettel auf und kniet damit vor dem Kammerfrulein nieder).
Nun denn, so wit, da ich Euch dienend folge,
Schon lang brennt das Geheimnis meine Brust.
In diesen Zeilen wagt' ich's zu gestehen,
Verloren bin ich, Herrin, wenn Ihr zrnt.
(Er steht auf und geht.)

Knigin.
Ha, lachen mu ich wahrlich des Verrckten!

Kammerfrulein.
Seht, gnd'ge Frau, so komm ich, Hand kehr um,
Zu einem Ritter und zu Minnedienst.

Knigin.
Und glaubst du wirklich, dich hab er gemeint?
Nach mir blickt er, der bermt'ge, Freche!

Kammerfrulein.
Ei, gnd'ge Frau, was tut's? Der Wahn schon schmeichelt
Von solcher Werbung und von solchem Ritter.

Knigin.
Von solchem Ritter? Lachen machst du mich!

Kammerfrulein.
Ja, gnd'ge Frau, im ganzen Bhmerland
Ist keiner, der dem Zawisch sich vergleicht
Von Rosenberg. Den edlen Glanz, die Haltung,
Des Krpers mannigfache, edle Gaben,
Ihr saht sie, Knigin, so gut als ich:
Doch auch an Heldenmut, an Tapferkeit
Steht er vor allen, die sich Ritter nennen.
In Padua hat er jahrelang studiert,
Auch macht er Reim' und singt sie zu der Zither.

Knigin.
So schlimmer denn!

Kammerfrulein.
So schlimmer, gnd'ge Frau?

Knigin.
Bei uns daheim lohnt man die Zitherspieler
Mit Geld und mit Verachtung!

Kammerfrulein.
So bei uns nicht!
Manch Edler eifert mit den Troubadours,
Und dieser Zawisch hat sich manches Herz
Ersungen bei den Klngen seiner Zither.
(Den Zettel entfaltend.)
Ihr sollt gleich sehn!

Knigin (hat sich gesetzt).
Er soll mir's wahrlich ben!

Kammerfrulein (liest).
Der Schnsten --Nun, ich nehm es dankbar hin!
O Hand von Schnee--

Knigin.
O Hand von Schnee, was heit das?

Kammerfrulein.
Wei wie Schnee.

Knigin (den Handschuh abziehend und ihre Hand betrachtend).
Ich denk, er hat die Hand noch nie gesehn,
Den Handschuh hchstens!

Kammerfrulein (lesend).
O Hand von Schnee,
Und doch so hei;
(Die Knigin stampft mit dem Fue.)

Kammerfrulein.
Beliebt Euch, gnd'ge Frau?

Knigin.
Lies weiter nur!
Ich wollte sagen: tu, was dir gefllt!

Kammerfrulein.
O Hand von Schnee,
Und doch so hei;
O Blick, so feurig,
Und dennoch Eis!

Knigin.
Ich wollt' er wre Glut und trfe dich!
Ich wollt' ihn martern, bis ich voll gercht.

Kammerfrulein.
Der Mund, so se,
Spricht herber Art;
Die Brust, ob wogend,
Nicht minder hart.

Knigin.
Schweig still!

Kammerfrulein.
O Blick, erwarme,
O Brust, erweich!
O Hand--

Knigin.
Ich sage dir, du sollst verstummen!

Kammerfrulein.
So lat Ihr mich nicht meines Sieges freun?

Knigin.
Ich glaube bald, die Trin nimmt's auf sich!
(Sie steht auf.)
O wr' ich wieder fort aus diesem Land,
In Ungarn bei den Meinigen daheim!
Da galt ich noch! Frei streift' ich in die Ferne,
Dorthin, dahin, wohin der Wunsch mich rief.
Mein alter Vater war mir gern zu Dienst,
Zu Dienst die Frsten, seine Sippen alle,
Und was nur Mann hie in dem weiten Reich.
Und Leben war und Feuer, Glut und Mut!
Da riefen sie zum fernen Prag mich hin:
Ein Knig, sagten sie, regiere dort,
Vermhlt in seiner Kraft der ltern Frau,
Den's drste nach der feurigen Genossin,
Nach gleichem Mut in gleichgeschwellter Brust.
Ich komm und finde--einen Greis. Ja, Greis!
Denn spielt ihm nicht schon graulich Bart und Haar?
Sie sagen: von des Krieges Arbeit. Gleichviel!
Und ist er denn nicht mrrisch wie ein Greis?
Rechthabrisch, ungestm? Beim reichen Gott,
Zum Schweigen und Gehorchen kam ich nicht!
Die andern aber schmeicheln, betteln, kriechen,
Sind trgen Bluts und weien, kalten Herzens.
Nur dieser Rosenberg: bei uns in Ungarn
Trg' er sein Haupt keck unter Gottes Himmel,
Wie jener khne Fhrer der Kumanen,
Dem er auch hnlich sonst an Haupt und Brust,
Dem besten unter Ungarns starken Mannen!
Doch jener war ein freudig khner Held,
Gerad in seinem Wollen, seinem Handeln;
Indes der Bhme feig und niedrig kriecht,
Und seinen Wert und all sein Selbst besudelt.
(Trompeten von auen.)
Was ist?

Kammerfrulein.
Geendet ist wohl das Turnier,
Und man erteilt den Siegenden die Preise.
Euch, Knigin, gebhret das Geschft.

Knigin.
Man wird uns rufen.--Gib doch das Geschreibe,
Man merkt beim ersten Lesen kaum den Sinn.
(Sie nimmt den Zettel.)

Kammerfrulein.
Ach, gnd'ge Frau, des Knigs Hoheit naht,
Der ganze Zug; sie kommen vom Turnier.

(Ottokar kommt mit Milota und Fllenstein. Hinter ihm Herren und Damen
vom Turnier.)

Ottokar (zu denen, die ihm folgen).
Wenn er darauf besteht, so bringt ihn her!
(Im Vortreten zu Kunigunden.)
Es will der Sieger des Turnieres nur
Aus deiner Hand den Preis empfangen!
Nu, Kunthe, nu, wie geht's?
(Er will sie am Kinne fassen, sie tritt zurck.)

Kunigunde.
Ganz gut.

Ottokar.
Potz Blitz!
Wohl bel gar gelaunt?--He Milota!
(Er tritt mit Milota auf die andere Seite des Vorgrundes.)
Der junge Merenberg entsprang?

Milota.
Ja, Herr.

Ottokar.
Verwnscht! Doch woher wei man's von dem Brief?

Milota.
Nach junger Leute Art hat er sich dessen
Gerhmt, man hat den Brief sogar gesehn.

Ottokar.
Die Aufschrift an den Erzbischof von Mainz?

Milota.
Derselbe, ja.

Ottokar.
Auch Wolkersdorf ist fort?

Milota.
Und Hartneid Wildon. Alle sterreicher,
Seitdem die Knigin Margrethe fern,
Sind beln Sinns und schleichen fort vom Hof.

Ottokar.
Htt' ich den Brief, so kennt' ich die Verrter
Und meine Ferse setzt' ich auf die Brut:
Nun aber wird ein jeder mir verdchtig,
Und alle mu ich hten, alle, alle!
Pfui, Argwohn, Sprhund von des Teufels Meute!
Lockst du auch Knige zu deiner Jagd?

(Man hat indes Zawisch von Rosenberg, als Sieger im Turnier, hereingebracht,
er steht vor dem Knige.)

Ottokar.
Was ist?--Ja, du bist Sieger im Turnier?
Ich habe stets als wacker dich gekannt;
Geh hin zur Knigin und nimm den Preis!
He, Fllenstein!

Fllenstein.
Mein gndiger Gebieter!

Ottokar.
Du nimmst Gewappnete, und alle Pforten
Besetzest du, die aus dem Schlosse fhren.
Wenn nach dem Fest die Gste heimwrts ziehn,
Verhaftest du, die ich bezeichnen werde,
Und hltst als Geisel sie in enger Haft.
Den dort, dem trau ich nicht.--Auch Lichtenstein,
Der glatte Ulrich--

Fllenstein.
Herr, doch Heinrich auch?

Ottokar.
Was schreist du so! Komm hier und hre schweigend.

(Er zieht sich mit Fllenstein etwas mehr gegen den Hintergrund und spricht
leise. Sooft er dem, was jener erwidert, zuhrt, wendet er die Augen nach
der andern Seite, wo Zawisch und seine Gemahlin sprechen.)
(Zawisch hat sich vor die Knigin hingestellt, die sitzt und in Gedanken
vor sich hinstarrt.)

Kammerfrulein (die Knigin aufmerksam machend).
Erlauchte Frau!

Kunigunde (da sie Zawisch vor sich stehen sieht).
Verwegner, wie, auch hier?
(Sie springt auf.)

Kammerfrulein (auf die reichgestickte Schrpe zeigend, die ein Page auf
einem Samtkissen trgt).
Der Dank!
(Die Knigin nimmt die Schrpe, der Page legt das Kissen bei ihren Fen
nieder.)

Zawisch (zum Kammerfrulein).
Ei, Frulein, gebt mir doch den Zettel,
Den ich vor kurzem nur Euch berreicht.
Er kam nicht in die rechte Hand!

Kammerfrulein.
Mein Herr!

Zawisch.
Gebt ihn! (Er hlt die Hand bin.)

Kammerfrulein.
Verzeiht!

Zawisch (immer die Hand hinhaltend).
Er soll fr jemand anders!

Kammerfrulein.
Ich--hab ihn nicht mehr!

Zawisch.
Wie? Ihr habt ihn nicht mehr?
Dann wahrlich ist er in der rechten Hand!
(Er wirft sich vor der Knigin auf das Kissen nieder. Feurig.)
O Knigin, habt tausend, tausend Dank--
(Langsam.)
Im voraus fr den Preis, den Ihr mir reichet.

Ottokar (sein Gesprch unterbrechend).
Warum gebt Ihr den Preis nicht, Kunigunde?

Knigin (beleidigt).
Ich wollte frher schon, eh' Ihr befahlt!
(Mit der Schrpe nahend.)
Herr Ritter!

Zawisch.
Wie beglckt Ihr mich, Gebietrin!
In Demut beugt sich Euch mein dienstbar Haupt!
(Leise.)
O Hand von Schnee
Und doch so hei!

Knigin (leise).
Wenn Ihr nicht schweigt!

Zawisch (laut).
Mit diesem teuren Pfand
Statt Harnisch angetan, statt aller Waffen,
Will fahrend ich die weite Welt durchziehn
Und Euren Ruhm und meines Knigs Ruhm
Verknden und verfechten berall,
Fr ihn und Euch mein Leben!
(Da die Knigin sich mit der Schrpe zu ihm neigt, leise und schnell.)
Alte Mnner
Sollten alte Weiber freien! Jugend
Gehrt fr Jugend!
(Die Knigin wirft die Schrpe auf den Boden.)

Ottokar (herberrufend).
Nun, noch nicht zu Ende?

Zawisch (leise).
Dies Haupt dem Henker, wenn Ihr so es wollt!

Ottokar.
Was ist?

Zawisch.
Die Schrpe fiel.

Knigin (zum Kammerfrulein).
Reich mir die Schrpe!
Die hchste Langmut findet doch ihr Ziel,
Verwegenheit mag es denn gleichfalls finden!
Hier nehmt die Schrpe und gehabt Euch wohl!
(Sie hngt ihm die Schrpe um. Wie sie sich ber ihn beugt, fat Zawisch
ie Schleife an ihrem rmel, die Schleife fllt. Zawisch bckt sich rasch
und hebt sie auf.)

Kunigunde.
Ha, mein Gemahl!
(Ottokar wendet sich nach ihr.)

Zawisch (der aufgestanden ist und sich gegen die Mitte zurckzieht).
Die Knigin, mein Knig!

Ottokar.
Was ist? Was willst du, Kunigunde?

(Pause, whrend welcher die Knigin Zawisch ansieht, der ruhig vor sich
hinblickend dasteht. Sie blickt noch einmal hin, dann:)

Kunigunde.
Geht Ihr noch heut nach Ribnik auf die Jagd?

Ottokar.
Wie kommt Ihr auf die Frage? Heute, ja!
Auch bist du ganz verstrt. Was war denn hier?
Das Dankerteilen macht dir so viel Mh',
Da ich in Zukunft dir's ersparen werde!
(Er wendet sich von ihr.)

Kunigunde (zum Kammerfrulein leise).
Die Schleife soll er geben; geh und sag ihm's!

(Ottokar ist in Mitte des Saales getreten; die Versammelten bilden einen
Halbzirkel, dessen linkes Ende die Knigin, das rechte Zawisch bildet, der,
dem Kammerfrulein ausweichend, bis in den Vorgrund kommt.)

Ottokar.
Ihr Herrn, wer ist von euch, der einer Sorge,
Und einer drckenden, mich ledig macht?
Der alte Merenberg im Lande Steier,
An mir ist zum Verrter er geworden,
An mir und seinem Land, von dem ich Herr.
Mit Briefen an den Erzbischof von Mainz
Hat er den Sohn nach Frankfurt hingesandt;
Wahrscheinlich unsre Wahl zu hintertreiben,
Der man dort pflegt, zum Kaiserthron der Deutschen,
Und Unruh' anzustiften, Meuterei.
Der Sohn ist zwar entwischt, allein der Vater,
Er soll der Strafe nimmermehr entgehn,
Noch der Enthllung seiner Spiegesellen.
Der Frevler hat sich auf sein Schlo gezogen,
Das wohl bewahrt ist gegen jeden Angriff;
Wer mir ihn bringt, wer mir ihn lebend bringt,
Was er ob Hochverrat verwirkt, die Lehen,
Sein ganzes Gut, sei des Ergreifers Lohn!
Ortolf von Windischgrtz, du scheinst bereit?

Fllenstein.
So lat den zweiten mich sein, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Von meinen Leuten geb ich euch die besten;
Den hier--und den--
(Im Hintergrunde einzelne Wappner bezeichnend.)

Kammerfrulein (die von hinten herumgegangen ist, zu Zawisch tretend).
Die gnd'ge Frstin zrnt.
Ihr sollt die Schleife geben, lt sie sagen.

Zawisch.
Die Schleife? Nun und nimmermehr, mein Kind!
Ich habe sie erobert, und mein Leben,
Den Kopf hier la ich, doch die Schleife nicht!
(Er zieht die Schleife hervor.)
Sieh her, wie schn! Rot, wie ihr holder Mund,
Und wei, wie ihres Nackens reines Silber.
Nein, die behalt ich, und auf meinem Sarge
Soll neben Schild und Helm sie prangend ruhn.
Setzt' ich mein Blut nicht ein, um sie zu haben?
Du blutigrote Schleife, du bleibst mein!
(Er hlt sie vor sich hin in die Luft.)

Knigin (auf der andern Seite des Theaters).
Wahnsinnig ist er! Himmel, wenn der Knig--

Kammerfrulein (zu Zawisch).
Die Knigin macht Zeichen, steckt sie ein!
Der Knig naht.

Ottokar (zurckkommend).
Was habt Ihr, Rosenberg?

Zawisch (hat die Schleife in den Busen gesteckt).
Nichts, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Wie? Nichts?

Zawisch.
Herr, es gibt Dinge,
Die man mit Recht dem Knig selbst verbirgt!

Ottokar.
Ein Liebespfand?

Zawisch.
Ein Pfand, Herr, das man liebt.

Ottokar (nach einer Pause der Beobachtung).
Wer hat die Knigin heut angekleidet?

Kammerfrulein.
Ich, gnd'ger Herr.

Ottokar.
Seid Ihr so sorglos, Dirne,
Da einen Arm Ihr nur mit Schleifen ziert,
Indes der andre leer?

Kammerfrulein.
Gewi--verloren!

Zawisch (zum Suchen gebckt).
Man mu sie suchen.

Ottokar.
Lat das nur, Herr Zawisch!
Wenn die Versammlung fort ist, macht sich's leichter;
Allein bis abends hoff ich sie zu sehn!
Dem aber, der sie fand, gebt diesen Ring
(Er zieht ihn vom Finger und gibt ihn Rosenberg.)
Im Namen meiner Gattin, seiner Frau:
Denn Kniginnen schenken Diamanten,
Doch Busenschleifen nicht.--Euch, Knigin,
Bitt ich, in Zukunft Euren Anzug mehr
Und--meiner Wrde mehr in acht zu nehmen!
(Zu Zawisch.)
Verget es nicht und richtet's aus dem Finder!

Kunigunde.
In meinem Namen, Ritter, aber sagt ihm:
Er mge das behalten, was er fand;
Denn was ich schenke, Schleife, Diamant,
Indem ich's schenke, ndert's die Natur
Und ist nur noch der Knigin Geschenk.
Auch mg' er sehen, da ich Herrin bin,
Zu schenken, was ich will; und wenn es mehr
Als Schleife wre, mehr als Diamant!
(Sie geht ab.)

Der Knig (geht einigemal auf und nieder, dann bleibt er vor Rosenberg
stehen).
Was war hier, Rosenberg?

Zawisch (auf ein Knie niedergelassen).
Zrnt mir mein Knig?

Ottokar (ihn betrachtend).
Du solltest tricht gnug sein, meinen Zorn,
Den Zorn des Ottokar auf dich zu rufen
Um einer Laune, eines leeren Nichts?
Wer bist du denn, da du es wagen solltest?
Ich hauche--und wo war dann Rosenberg?
Ich aber kenne dich als klug!--Steh auf!

Zawisch.
Nicht wenn Ihr zrnt!

Ottokar.
Ich sage dir: steh auf!
(Zawisch steht auf.)

Ottokar.
Ihr aber geht zu meiner Frau und sagt ihr:
Nicht stren mge sie der Gste Frohsinn
Durch lngeres Entbehren unsrer Wirtin!
(Diener ab.)

Ottokar.
Ihr, Ortolf, also richtet mir ins Werk,
Was Ihr verspracht; den Lohn verbrg ich Euch.
Ich will sie lehren, an das Reich sich wenden!
(Auf die Brust schlagend.)
Hier ist das Reich!

Diener (kommt zurck).
Die Knigin ist unpa.

Ottokar.
Ei, derlei Krankheit ist nicht schwer zu heilen!
Geh noch einmal und bitte sie zu kommen.
(Diener geht.)
Und nun, ihr Herrn, hinauf zum Rittersaal!
Und lat den Tanz, lat sich das Fest erneun,
Bis an den Morgen rege sich die Lust!
(Zu Fllenstein.)
Vergi nicht, was ich dir gebot!

Fllenstein.
Sorgt nicht!

(Diener zurck.)

Ottokar.
Nun, kommt die Knigin?

Diener.
Sie will nicht, Herr!

Ottokar.
Sie will nicht? will nicht, wenn ich es gebiete?
Sag ihr!--Doch la! Sie wird sich selbst besinnen:
Mit Weiberlaunen hat man billig Nachsicht!
Nur fort, ihr Herrn!

Der Erste der Reichstaggesandten (die sich unter der Menge befinden).
Mein gnd'ger Herr und Knig!

Ottokar.
Wie, mein Herr Abgesandter, Ihr noch hier?

Abgesandter.
Noch immer harrend einer gnd'gen Antwort
Fr meine Kommittenten, fr die Wahlherrn
Des Heil'gen Rm'schen Reichs.

Ottokar.
Mein Herr Gesandter,
Die Antwort ist denn auch nicht gar so leicht!
Ich bin ein Knig ber viele Lnder,
Zu viel beinah fr eines Menschen Kraft.
Nun soll ich mit der Sorge mich belasten
Fr noch ein Land, und fr ein Land, das selber
Mitsorgen will und sitzen mit im Rat.
Ich bin gewohnt, wenn ich mal sage: Ja;
So gilt's den Kopf, wenn jemand sprche: Nein!
Und was knnt ihr denn eurem Frsten bieten?
Die Zlle sind versetzt und die Geflle;
Was nur des Kaisers war, es haben
Im langen Zwischenreich sich die und der
Mit ruberischen Hnden drein geteilt.
Soll ich das Mark von meinem reichen Erbland
Nun setzen auf so trgerisches Spiel?
Euch Herrn gefiele wohl, mit meiner Habe
Zu helfen eurer dringend bittern Not;
Doch will ich lieber hier in Bhmen sitzen
Und eines armen deutschen Kaisers lachen,
Als selbst ein armer deutscher Kaiser sein.
Indes verschmh ich nicht, die hchste Macht
Vielleicht zu krnen mit der hchsten Wrde,
Auf Karl des Groen Thron, ein zweiter Karl,
Zu sitzen in des Reiches Vollgewalt:
Doch soll man mir die Kron' erst selber bringen
Und legen auf dem Kissen dort vor mir,
Bevor ich mich entscheide, was geschieht.

Ich habe meinen Kanzler hingesandt,
Herrn Braun von Olmtz, auf den Tag nach Frankfurt,
Und seht, er schreibt mir,
(er zieht den Brief hervor) da die Wahl des nchsten
Wird vor sich gehn. Dem Pfalzgraf bei dem Rhein
Trug man den Ausspruch auf im Kompromi.
Er ist zwar nicht mein Freund; er und der Mainzer,
Sie schmieden Rnke, wie mein Kanzler schreibt;
Allein die deutschen Frsten wagen's nicht,
Dem Stirnenrunzeln Ottokars zu stehn.
Die Kron' ist mein! das heit: wenn ich sie mag.
Doch lat sie hier erst sein, dann will ich sprechen.

Diener (kommt).
Der Kanzler, Euer Hoheit, Braun von Olmtz.

Ottokar.
Seht Ihr? er kmmt zurck.

Diener.
Mit ihm ein Ritter
In lichter Rstung, Frsten gleich geziert,
Und zwei Herolde in des Reiches Farben,
Den Adler vor der Brust, die laut Trompeten.
(Trompeten von innen.)

Zawisch.
Erlaube, kniglicher Herr und Kaiser,
Da wir die ersten deiner neuen Diener--
(Die ganze Versammlung macht eine Bewegung nach vorn.)

Ottokar.
Zurck! Wollt ihr dem Reichstagsboten zeigen,
Da unverhoffte Freud' er berbringt?
Auch wit ihr nicht, ob ich die Wahl genehm'ge!
(Zu den Gesandten, die sich zurckgezogen haben.)
Wo geht ihr hin? Ich hab euch nicht entlassen!
Nichts ist geschehn, was Strung bringen kann.
Der Mainzer also, sagt ihm's, mag sich hten!
Denn komm ich an den Rhein, und das soll bald,
Zum Dank fr all die frechen Winkelzge
Treib ich ihn aus von seinem Bischofsitz.

(Der Kanzler ist indessen eingetreten. Alle umringen ihn mit fragenden
Gebrden; er bleibt im Hintergrunde, die Hnde ringend.)

Ottokar (im Vorgrunde fortfahrend).
Der Pfalzgraf auch bei Rhein steht mir nicht an,
Ich werde seine Kur dem Baier geben.
Noch allerlei will ich in eurem Land,
Und alle, die mir dieses Schreiben nennt--

Zawisch (im Hintergrunde losbrechend, doch halblaut).
Die Wahl des Reichs fiel nicht auf Ottokar?

(Der Kanzler schttelt mit gefalteten Hnden das Haupt.)

Zawisch.
Auf wen denn sonst?

Kanzler.
Auf Rudolf, Graf von Habsburg.

(Unterdessen hat Ottokar den Gesandten den Brief gewiesen, mit dem Finger
einzelne Stellen bezeichnend.)

Ottokar.
Die mssen fort--seht, der!--
(Bei der ersten Rede des Kanzlers horcht er, in derselben Stellung
bleibend, nach hinten hin in hchster Spannung. Als jener den Namen
Habsburg nennt, fhrt Ottokar zusammen; die Hand, mit der er auf den
Brief zeigt, beginnt zu zittern; er stottert noch einige Worte.)
und der--mu fort!
(Die Hand mit dem Briefe sinkt hinab; mit gebrochenen Knieen steht er
noch eine Sekunde, starr vor sich hin sehend, dann rafft er sich empor
und geht starken Schrittes in sein Zimmer.)

Zawisch.
Herr Kanzler, sagt, ist es denn wirklich wahr?

Kanzler.
Nur allzuwahr; der Habsburg Deutschlands Kaiser.

Zawisch.
Allein wie kam's?

Kanzler.
Es ging noch alles gut,
Die meisten Frsten stimmten fr den Herrn;
Da kommt mit einemmal der Kanzellar
Des Erzbischofs von Mainz--der hier gewesen--
Mit ihm ein Wolkersdorf aus sterreich
Und Hartneid Wildon aus dem Lande Stei'r,
Die klagten--still! Der Knig kmmt zurck!

Ottokar (kommt aus seinem Gemach).
Sagt meiner Frau, sie soll bereit sich halten,
Ich will noch heut vor Abend auf die Jagd.
(Er geht mit starken Schritten auf und nieder.)

Kanzler (nach einer Pause).
Ach gnd'ger Herr!

Ottokar.
Was ist? (Zusammenfahrend.) Ihr?--Wart Ihr hier?
Vor kurzem hier?

Kanzler.
Ach ja!

Ottokar.
Und habt gesprochen?

Kanzler.
Ja, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Verdammt!
(Wirft ihm den Handschuh ins Gesicht; dann ihn an der Hand in den
Vorgrund fhrend.)
Was schwatztet Ihr
Von Reichstag und von Wahl?

Kanzler.
Hier hrt es selbst!

(Der Burggraf von Nrnberg, mit zwei Herolden voraus und mehreren
Begleitern hinter sich, tritt ein.)
(Der Knig geht ihm mit starken Schritten bis in die Mitte des Saales
entgegen.)

Ottokar.
Wer seid Ihr, Herr?

Burggraf. Friedrich von Zollern bin ich,
Burggraf von Nrnberg, abgesandt vom Reich.

Ottokar.
Glck zu!
(Er kehrt ihm den Rcken und geht wieder in den Vorgrund.)

Burggraf.
Rudolf, von Gottes Gnaden Kaiser--

Ottokar.
Ich glaube, Herr, das Reich will meiner spotten?
Hier stehn noch die Gesandten, die die Krone
Mir anzubieten kamen, und ihr whlt,
Eh' ich entschieden, einen andern?

Burggraf. Herr,
Der Kanzellar des Erzbischofs von Mainz,
Er hat gemeldet, wie mit schnden Worten
Von Euch gewiesen Ihr so Kron' als Reich.

Ottokar.
Ha, frecher Treubruch deutscher Reichsbarone!

Burggraf.
Beschuldigt Ihr des Treubruchs Deutschlands Frsten?
So wit denn, was die Wahl von Euch gewandt!
Wir suchten einen Herrn, gerecht und gndig,
Als einem solchen bot man Euch den Thron.
Da kam der Ruf, da kamen selber Zeugen,
Die laut es riefen in der Frsten Ohr,
Wie Ihr getan an Knigin Margrethen,
Die Eure Gattin war, die Ihr verstiet;
Wie Ihr die Rechte schmlert jener Lande,
Die rechtlos vorenthalten Ihr dem Reich;
Wie Eure Ungnad' schon ein Halsverbrechen,
Und Strafe trifft, wo noch kein Urteil traf.
Das sind wir nicht gewohnt in Schwaben und beim Rhein,
Wir mssen einen gnd'gen Frsten haben,
Vor allem aber soll er sein gerecht.
Dies berlegend, schritten sie zur Wahl--

Heinrich von Lichtenstein (hinter der Szene).
Verrterei!

Ottokar.
Wer ruft?

Gemurmel (unter den Anwesenden).
Der Lichtenstein?

Heinrich von Lichtenstein (tritt auf).
Wer sterreicher ist, der sei gewarnt!
Am Ausgang stehn des Schlosses Hscherrotten,
Die fangen jeden, der nicht bhmisch ist.

Fllenstein (kommt hinter ihm mit gezogenem Schwert).
Gebt Euch gefangen!

Ottokar (vortretend).
Eure Wehre, Heinrich!
Ihr, Ulrich Lichtenstein, Graf Bernhard Pfannberg,
Chol Seldenhoven, Wulfing Stubenberg,
Ihr gebt die Schwerter und euch selbst in Haft!

Lichtenstein.
Was taten wir?

Ottokar.
Damit ihr, Freund, nichts tut,
Send ich euch in die Haft. Damit ihr nicht
Euch flchtet zu der neuen Majestt,
Wie Wolkersdorf und Wildon, die Verrter,
Und Merenberg--(Mit dem Fue stampfend.) Wer schafft mir Merenberg?
Sobald er hier aus seinem Felsennest,
Soll euch der Richter gegenberstellen,
Und wohl dann dem, der sich nicht schuldig fhlt!
(Zu Zollern gewendet.)
Und nun nur weiter fort in unsrer Sache!
(Die Geisel werden fortgefhrt.)

Burggraf.
Der Auftritt hier erspart mir die Erklrung,
Warum die Frsten, Herr, nicht Euch gewhlt.
Und nun zu meiner Botschaft, Bhmens Knig!
Rudolf, von Gottes Gnaden rmisch-deutscher Kaiser,
Entbietet dich auf einen Tag nach Nrnberg,
Da du dort wartest deines Schenkenamts,
Wie's dir als Kurfrst ziemt des deutschen Reichs,
Sonst auch nach Recht die Lehen dort empfangest
Von Bhmen und von Mhren, die dir zustehn.

Ottokar.
Wie das? Nicht mehr? Und sterreich und Steier?

Burggraf.
Und sterreich und Steier, Krain und Krnten,
Nebst Eger, Portenau, der wind'schen Mark,
Stellst du zurck zu Handen unsers Kaisers,
Als bslich vorenthalten von dem Reich.

Ottokar.
Ha, ha, ha, ha! 'ne lust'ge Mr frwahr!
Und sonst begehrt der neue Kaiser nichts?

Burggraf.
Nur was des Reichs!

Ottokar.
Herr, es ist aber mein!
Den Ungarn hab ich Steier abgewonnen
Mit meinem Blut, mit meiner Bhmen Blut.
Vererbt ward Krnten mir von meinem Ohm
Durch gleicher Erbvertrge Wechseltausch,
Und streich brachte mir zur Morgengabe
Die Knigin Margrethe, meine Gattin.

Burggraf.
Wo ist Margrethe nun?

Ottokar.
Wenn auch getrennt,
Besttigt hat sie ihrer Lande Schenkung,
Und mein ist alles, was sonst ihre war.

Burggraf.
Die Lande sterreich und Steier fallen,
Vermg' dem Majesttsbrief Kaiser Friedrichs,
Wohl an des letzten Lehnbesitzers Tchter,
An seine Schwestern nicht, und Margarethe
Ist nur des letzten Babenbergers Schwester,
Des Herzogs Friedrich, der den Mannstamm schlo.
Des Reiches Lehn vererben nicht,
Durch keine Heirat mag man sie erwerben:
Und so gib wieder, was dem Reich gehrt.

Ottokar.
Ich glaube gern, da es ihm wohlgefiele,
Dem neuen Herrn, wenn ich die reichen Lande
Ihm sendete nach Schwaben, seinen Sckel
Zu bessern und die drftig leere Hand;
Allein nicht so! Ich bin nun alt genug,
Um auf Verlust mich zu verstehn und auf Gewinn.
Geht nur zurck und sagt dem deutschen Reich--
Denn einen deutschen Kaiser kenn ich nicht--
Manch Geier soll noch Aases werden satt,
Bis sie gewinnen, was des Bhmen ist!
Er ladet mich zu sich? nun wohl, ich komme!
Doch will ich Gste fhren mit zum Tanz,
Da von der Fe Stampfen weit umhin
Die Erde soll erzittern bis zum Rhein.
Gehabt Euch wohl und sagt das Euerm Herrn!

Zawisch.
Wir aber wollen zu den Waffen greifen.
Mit Gut und Blut fr unsern groen Knig!
(Er geht, mehrere wollen folgen.)

Ottokar.
Halt da! Warum nicht gar! Fr wen? und gegen wen?
Im Lande soll man handeln und verkehren,
Als wr' der tiefste Fried'. Wenn's an der Zeit,
Will ich schon des Besuches Gste whlen.

Und nun mit mir! Der neue Bettelknig,
Nicht einem Reh soll er das Leben retten!
Auf Ribnik ist fr morgen groe Jagd;
Ihr alle seid geladen! Lust und Freude!
Bringt Lichter, es wird dunkel. Fackeln her
Und so mit mir! Auf Weidwerk! In den Wald!
(Ab, die brigen folgen ihm tumultuarisch nach.)

(Es wird dunkler. Kurze Pause, dann hrt man in der Ferne auf einer
Zither spielen.)

Kammerfrulein (tritt aus der Tre der Knigin).
So, sie sind fort! Wer spielt da auf der Zither?

Kunigunde (kommt).
Was ist? Wer spielt?

Kammerfrulein (an der Balustrade).
Ich wei nicht, gnd'ge Frau.
Horch! Worte? Hand wie Schnee, und doch so hei߫
Es ist Herr Zawisch Rosenberg. Er singt.
Soll ich ihn gehen heien?

Knigin (hat sich gesetzt).
La ihn nur,
Es hrt sich gut zu in der Abendkhle.
(Sie sttzt ihr Haupt gedankenvoll in die Hand.)

(Der Vorhang fllt.)




Dritter Aufzug

Gemach in Merenbergs Schlosse.


Der alte Merenberg (steht am offenen Fenster, die Mtze zwischen den
gefalteten Hnden).
Die Sonne steigt empor. Hab Dank, o Gott,
Des Greisen Dank, fr diesen neuen Tag!
Und fr den Tag, den du geschenkt dem Lande,
Da du hervorriefst aus des Dunkels Scho
Mildglnzend Habsburgs leuchtendes Gestirn,
Das wieder grn macht die zerstampften Auen
Und wieder lau die frostdurchschnittne Luft.
O gib, da wir, der Deutschen uerste,
Teilnehmen an dem Heil, das dort entstand;
Da alle, die wir sterreicher sind,
Entnommen aus des Fremden harter Zucht,
Wie Brder kehren in der Eltern Haus,
Von eines Vaters Auge fromm bewacht.
Amen, so soll's geschehn!--Wer klopft?

Frau (von auen).
Ich, Alter!

Merenberg.
Ei, nur herein!

Frau (tritt ein mit einer Schssel und Wein).
Ich bringe dir das Frhstck.

Merenberg.
Setz immer hin! Wer spricht im Schlohof unten?

Frau.
Zwei Reiter, die nach dir verlangten.

Merenberg.
Nun?
Warum bringt man sie nicht?

Frau.
Ich dachte--

Merenberg.
Was denn?
Bin ich in Fehde denn mit meinen Nachbarn?
Liebt man den Merenberg nicht rings im Land,
Da vor zwei Reitern ich mich scheuen sollte?
Wer wei, was Wicht'ges sie zu melden kommen?
Vielleicht von meinem Sohn! Fhr sie herauf!
(Frau ab.)
Das hiee sich noch gar verdchtig machen,
Verschlss' ich mich vor Botschaft und Besuch.
Ob freilich zwar der bse Zeitenlauf
Zur Vorsicht rt und leicht wohl gar zu Mitraun;
Doch sind mir zwanzig Knechte ja im Schlo!

(Herbott von Fllenstein und Ortolf von Windischgrtz treten, von Merenbergs
Frau gefhrt, ein. Beide ganz gerstet und mit geschlossenem Visier.)

Merenberg.
Ei, Gott zum Gru, ihr Herrn! Frau, bring noch Wein!
(Frau ab.)
Was fhrt euch her zu mir? Zwar, eh' ihr sprecht,
Setzt euch an Tisch und nehmt mit mir vorlieb;
So ist es Sitt' in unserm Steierland.
(Sie setzen sich.)
Beliebt's euch nicht, den Helm vom Haupt zu nehmen?
(Beide schtteln verneinend die Hupter.)
Verbietet's ein Gelbd'?--Doch wie ihr wollt!
Ihr zieht dem Heer des Kniges wohl zu?--
Des Knigs Ottokar?--Er lagert an der Donau
Seitwrts Korneuburg, weit bis Tulln hinab
Am linken Ufer, war , mir angesagt.
Und Kaiser Rudolf--nu, den Habsburg mein ich--
Am rechten Ufer hlt er Wien belagert.
Den Flu zu bersetzen scheuen beide.
Allein ihr sprecht nicht, und ihr et auch nicht!

Beide (aufstehend).
Wir essen mit Verrtern nicht!

Merenberg (springt auf).
Da Gott!

Fllenstein (der das Schwert zieht und sich vor die Tre stellt, das
Visier ffnend).
Erkennst du mich?

Merenberg.
Herbott von Fllenstein,
(Der andre hat auch das Visier aufgeschlagen.)
Ortolf von Windischgrtz!--Was tut ihr, Herren?
(Ortolf von Windischgrtz ist ans Fenster getreten und stt ins Horn.)

Fllenstein.
Im Namen unsers Knigs Ottokar
Nehm ich dich in Verhaft als Hochverrter.

Merenberg.
Warum?

Fllenstein.
Hast du nicht deinen Sohn gesandt
Mit Klagen an die Frsten und das Reich?

Merenberg.
Der Unvorsichtige!--Mit Klagen nicht,
Mit Bitten nur fr Knigin Margrethe
Und ihres angestammten Rechtes Schutz.

Fllenstein.
Dient nicht dein Sohn jetzt in des Kaisers Heer?

Merenberg.
Ich bin verloren!

Fllenstein.
Ja, das bist du! Folge!

Merenberg.
Wohin?

Fllenstein.
Dahin, wo man dich pressen wird,
Bis deiner Rnke letzter dir entgeht.

Von auen.
Macht auf! macht auf!

Fllenstein.
Ortolf, bewach die Tr!

Auen.
Um Gottes willen, ffnet!

Ortolf.
's ist dein Knecht,
Der Duxer, Fllenstein!

Fllenstein.
Was will denn der?

(Windischgrtz ffnet die Tre, Knecht tritt ein.)

Knecht.
Herr, Kaiserliche streifen in der Nhe!

Fllenstein.
Verdammt!

Knecht.
Sie haben, heit es, Grz genommen,
Des Knigs Hauptmann; Milota, gefangen,
Und wenden alles Land dem Kaiser zu.

Fllenstein.
Wie mag das sein?

Knecht.
Ja, Meinhard Graf von Gtz
Soll beigetreten sein der Deutschen Sache,
Und der haust also bel hier im Land.

Merenberg.
Nun, Gott sei Dank!

Fllenstein.
Euch soll's nicht helfen, Herr!
Nur fort mit ihm! Ihr wendet eure Schwerter
Auf seine Brust, und wagen's die im Schlohof
Sich nur zu regen, stot ihr stracks ihn nieder!
Die Pfade kenn ich hier herum, ich leit euch!

Merenberg (der abgefhrt wird).
Mein Sohn ist frei, die Knigin geborgen;
Was liegt an mir? Da wird der Himmel sorgen!
(Alle ab.)



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Bhmisches Lager am linken Donauufer. Zelt des Knigs. Ein Tisch mit
einem Aufri der Gegend im Vorgrunde.
Ottokar tritt auf, der Kanzler und mehrere hinter ihm.

Ottokar (im Auftreten zu seinen Begleitern).
Ist er geflohn, so lat den Schurken hngen!
Man hngt ja tglich Diebe. Gottes Donner!
Ein Feiger dnkt mich schlechter als ein Dieb!
(Er kommt in den Vorgrund, der Kanzler folgt ihm.)
Verfolgt Ihr mich denn brall hin, Herr Kanzler?

Kanzler.
Ja, berall, mein Knig und mein Herr,
Bis Ihr mich anhrt und mir Antwort gnnt.
Herr, es steht schlimm!

Ottokar (auf und nieder gehend).
Es steht sehr gut!

Kanzler.
O Gott!
Die Krankheit herrscht, der Mangel herrscht im Lager.

Ottokar.
Die Krankheit: Furcht, und Mangel wohl an Mut,
Doch nur bei wenigen, so will ich hoffen,
Und von den wenigen hngt einer drau'!
Hat man jetzt Zeit, um krank zu sein? Und Hunger?
Ich hungre nur nach einem: nach dem Sieg!

Kanzler.
Aus Bhmen seit fnf Tagen keine Nachricht,
Und man besorgt--

Ottokar.
Wahrscheinlich bin ich dort
So schlecht bedient als hier!

Kanzler.
Hier seid Ihr gut,
(auf seine Brust schlagend)
Hier mindstens seid Ihr gut bedient, mein Knig!

Ottokar.
Mag sein! mag sein!

Kanzler.
Von streich die, von Steier,
Allnchtlich fliehn sie haufenweis zum Feind.

Ottokar (stehenbleibend).
Ich will sie treffen!--All dies weite Land,
Zur menschenleeren Wste will ich's machen,
Da drin die Fchse hausen und die Wlfe,
Und nach Jahrhunderten der m'ge Wandrer
Sich streiten soll, wo Neuburg stand und Wien.

Kanzler.
Am linken Ufer schon, auf unsrer Seite,
Will Feinde man sogar gesehen haben.

Ottokar.
Beinahe glaub ich, da es mancher wollte;
Doch ist's nicht wahr!

Kanzler.
Allein die Wachen sahn's.

Ottokar.
Schickt einen Mutigen, der sieht wohl nichts!

Kanzler.
Bei Wolkersdorf--

Ottokar.
Ich sag Euch: Nein! Ich wei!
Die Mhrer sind's, wenn sich dort Haufen zeigen!
(Er steht am Tisch bei der Karte.)
So war's im Plan! Die Mhrer dort von oben,
Im Rcken Milota aus Steiermark,
Und wir, wie Schleien durch die Donau und
Wie Lwen jenseits raus; und dann: (Mit der Hand auf den Tisch
schlagend.) Schlag tot!
Ich habe sie!
(Er geht wieder auf und nieder.)

Kanzler.
Du allgerechter Gott!
Ich sinne nach, wie wir uns retten mchten,
Und Ihr sprecht nur von Sieg!--Aus Steiermark
Hrt ab und zu man wunderbare Dinge.

Ottokar.
Ei, wundert Euch soviel Ihr wollt, Herr Kanzler!
Dort ist der Milota; ein tcht'ger Mann!
Kein Kopf, doch eine Faust von Stein und Stahl.
Der schlgt Euch zwanzigmal auf einen Fleck
Und frgt nicht, wie's getan.

Kanzler.
Nun denn, so sei's!
Ich habe mich verwahrt! Als ich Euch sagte:
Herr, traut dem Baier nicht! Ihr trautet doch:
Und nun lie er den Kaiser durch sein Land.

Ottokar.
Furcht hat 'ne feine Nase fr die Furcht;
Den Baier habt Ihr trefflich ausgewittert!

Kanzler.
Der Grafenbund in Schwaben ist zerstreut.

Ottokar.
Der hielt wohl niemals allzufest beisammen!

Kanzler.
Mit einem Wort. Der Kaiser Rudolf, Herr--

Ottokar.
Was Kaiser!

Kanzler.
Nu, der Habsburg also denn!
Er ist der Mann nicht, den wir sonst ihn glaubten.

Ottokar.
Mir sollte leid tun, wenn er schlimmer wre!
Ein Krieger und ein Mann vielleicht; kein Knig.

Kanzler.
So dachte mancher, der ihn whlen half;
Doch hat sich's anders, unverhofft bewhrt.
In Aachen schon, als man die Lehen gab
Und sich kein Szepter fand--man wollt' ihn stren!--
Da trat er hin und nahm vom Hochaltar
Ein Kruzifix--

Ottokar.
Und gab die Lehn damit?
Wer geben will, der findet leicht ein Werkzeug;
Zum Nehmen rst' er krftiger sich aus!

Kanzler.
Die Ruh' ist hergestellt im weiten Deutschland,
Die Ruber sind bestraft, die Fehden ruhn.
Durch kluge Heirat und durch krft'ges Wort
Die Frsten einig und ihm eng verbunden;
Der Papst fr ihn. Im Land nur eine Stimme,
Ihn preisend, benedeiend als den Retter.
Als auf der Donau nur allsamt dem Heer
Nach Wien er niederfuhr mit lautem Schall,
Da tnte Glockenklang von beiden Ufern,
Von beiden Ufern tnte Jubelruf
Der Menge, die dort kam und staunt' und kniete,
Wie sie den Kaiser sahn im grauen Rcklein
Am Vorderteil des Schiffes stehn allein
Und freundlich grend mit des Hauptes Neigen.
Herr, nennt ihn Kaiser, denn frwahr er ist's!

Ottokar.
Sprichst du so warm fr ihn?

Kanzler.
Fr Euch wohl wrmer.
Hab ich ihm denn geschworen, so wie Euch?
Doch, da zwei Herrn, so hoch, so wrdevoll,
Sich gegenberstehn, da's nur ein Wort,
Ein Wort nur brauchte, um sie auszushnen--
Ja, Herr, es ist gesagt! Es sei gesagt!
Und mgt Ihr zrnen, melden mu ich's Euch:
Der Kaiser hat gesendet einen Herold
Und ldt Euch ein zu gtlichem Gesprch.

Ottokar.
Schweig still!

Kanzler.
Die Insel Kaumberg ward ersehn;
Von beiden Teilen werde sie besetzt.
Nicht Ihr zu ihm, nicht er zu Euch,
Auf gleichgeteilten Boden sollt Ihr kommen
Und dort verhandeln, was uns allen ntzt.

Ottokar.
Bei meinem Zorn--!

Kanzler.
Herr, selbst bei Eurem Zorn!
Nicht schweig ich da, wo reden meine Pflicht!

(Zawisch von Rosenberg kommt.)

Ottokar.
Du kommst zurecht; beschwicht'ge diesen Raben!

Zawisch.
Was will er denn?

Ottokar.
Er spricht mir von Vergleich.

Zawisch.
Wie? Von Vergleich? der kindisch schwache Greis!
Nur eben hat sich eine Schar Kumanen
Durch eine Furt dem Lager angenaht;
Allein ich ging hinaus mit meinen Bhmen,
Und, wie sie flohn, den Rckweg fand wohl keiner!

Ottokar (zum Kanzler).
Seht Ihr?

Kanzler.
Ein einzler Fall entscheidet nicht!

Zawisch.
Doch viele Flle fllen doch zuletzt!
Die Axt ist an der Wurzel, losgeschlagen!
(Zum Kanzler.)
Habt Ihr ein Heer wie unsers je gesehn?
Voll Kraft und Mut und Zuversicht und Stolz
Auf sich und auf den Fhrer, der es leitet.

Kanzler.
Ihr wit wohl, Zawisch, da es anders ist.

Zawisch (fortfahrend).
Und Ihr knnt von Vergleich und Frieden sprechen?
Sind ihrer viel; wir sind wohl gleicher Zahl!
Sind tapfer sie; wer nimmt es auf mit uns?
Fhrt sie ein Kaiser; hier steht Deutschlands Kaiser!
Noch diese Schlacht, und, Kanzler, glaubt, er ist's.

Kanzler.
O Rosenberg, Ihr spielt ein falsches Spiel!
Ich glaub, Ihr seid nicht wahrhaft, Rosenberg!
Ein altes Unrecht, Eurem Haus getan
Von unserm sonst gerechten, gnd'gen Herrn,
Ich frcht, es wurzelt tief in Eurem Herzen
Und lt Euch also sprechen, wie Ihr sprecht.
Glaubt mir, mein gnd'ger Herr, ich mein es redlich.

Zawisch.
Die Feinde sind im Nachteil, das ist klar!

Ottokar.
Das ist nicht klar. Die Waage steht fr sie.
Der einz'ge Vorteil--doch der soll entscheiden!--
Ist, da Euch Ottokar, und jene Habsburg fhrt.
(Er tritt an den Tisch und, mit der rechten Hand daraufgestemmt,
betrachtet er die vor sich liegende Karte.)

Zawisch.
Der Sieg ist unser, glaubt mir das, Herr Kanzler!

Kanzler.
Und wenn auch! was ist noch damit gewonnen?
Ihr schlagt den Kaiser heut, und bers Jahr
Kommt er herab mit einem neuen Heer.
Die Lande sind nun einmal mivergngt,
Bereit zu Aufstand und zu Meuterei,
Sie rufen Euch die Deutschen, eh' Ihr's denkt.
Und stirbt auch Rudolf, fllt er in der Schlacht;
Ein andrer Kaiser fodert Euch dasselbe,
Und ewig whrt der Unfried' mit dem Reich.

Zawisch.
Was mehr?

Zawisch.
Was mehr?

Kanzler.
Was mehr?--Und rechnet Ihr fr nichts
Das Unheil und die Greuel in dem Land?
Die Saat zerstampft, die Wohnungen verbrannt,
Die Menschen hingeschlachtet wie--da Gott!
Schmt Euch, Herr Rosenberg, da Ihr so sprecht!
Hat darum unser Knig Gold und Gut
Daran gesetzt, sein Bhmen aufzubringen?
Es geht der Pflug, der Weber sitzt am Werk,
Der Spinner dreht, der Berg gibt seinen Schatz;
Und soll er nun mit eigner Frstenhand
Das all zerstren, was er selbst gebaut?
Ei geht, Ihr wit nicht, was Ihr sprecht, Herr Zawisch!
Der Knig kennt das besser, als Ihr glaubt!

Ottokar (vor sich hin).
Im Grunde waren sie's, die mir den Antrag taten!

Kanzler.
Wohl waren sie's!

Ottokar (wieder auf und nieder gehend).
Ist Schmach dabei, trifft sie's!

Kanzler (mit dankend gefalteten Hnden).
Er berlegt!

Ottokar.
Die Schwche macht vershnlich!
Herr Kanzler, um das Kaisertum der Welt
Htt' ich ihm nicht das erste Wort gegnnt!

Kanzler.
Die Ehre bleibt; verdoppelt wird der Ruhm.

Ottokar.
Dem Feind verzeihen; gut! Doch nach der Strafe!
Die Schwche macht vershnlich!

Kanzler.
Gnd'ger Herr--!

Ottokar.
Und wahrlich, Zawisch, sehen mcht' ich ihn!
Wie er sich nimmt, dem Ottokar genber,
Der arme Habsburg in dem Kaiserkleid?
Was er entgegnet, wenn im selben Ton,
Mit dem ich ihm bei Kroissenbrunn befahl:
Herr Graf, greift an ich streich nun und Steier
Und all die Lehen von dem Reich begehre?
Das hiee siegen, ohne Heer, allein!

Zawisch.
Dagegen aber, wenn er schlau und listig--

Ottokar.
Topp, Kanzler, Euren Vorschlag nehm ich an!

Kanzler.
O tausend Dank!

Ottokar.
Ei, dankt nicht allzufrh!
Nicht ganz in Eurem Sinn ist's, da ich gehe!
Wenn er so dasteht und nach Worten sucht
Und ich ihm sage: Euren Kaisermantel
Begehr ich nicht, Ihr mgt ihn ruhig tragen!
Doch an mein Land sollt Ihr mir, Herr, nicht rhren;
Und so gehabt Euch wohl und zieht in Frieden!
Aufs hchste gibt man ihm ein Fleckchen Grund,
Da er daheim sich brsten mag und sagen:
Das haben wir erobert fr das Reich!
Die Freude gnn ich ihm. Glck auf, Herr Kanzler,
Wir ziehen aus auf Frieden und Vergleich;
Da seid Ihr Fhrer, wir gehorchen Euch!
Und was sich regt im Lager, gro und klein--
(gegen den Eingang gewendet, einige treten herein)
Das sei bereit und rste sich in Pracht.
Von Gold und Silber lat die Rstung starren;
Und weh dem Edelknecht, des Wams und Mantel
Nicht hundertmal den deutschen Kaiser aussticht.
(Ab, die andern folgen ihm.)



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Insel Kaumberg in der Donau. Lager der Kaiserlichen. Im Hintergrunde,
auf einigen Stufen erhht, ein kostbares Zelt, mit dem Reichsadler
geschmckt.

Ein Hauptmann tritt auf; hinter ihm mehrere Wappner, die mit gekreuzten
Hallbarten das nachdringende Volk abzuhalten bemht sind.

Hauptmann.
Lat sie nur ein, der Kaiser hat's befohlen!

(Volk strmt herein.)

Erster Brger (der sich mit seinem Nachbar durch die Menge in den
Vorgrund gearbeitet hat).
Hier ist ein guter Platz, hier lat uns bleiben!

Zweiter Brger.
Wenn er nur vorkommt, da wir ihn auch sehn.

Frau (zu ihrem Kinde).
Halt dich zu mir und nimm da deine Blumen!

Schweizersoldat.
Wo ist der Rudi? Herr, ich bin sein Landsmann
Und hab was anzubringen bei dem Kaiser!

Hauptmann.
Geduldet euch! Doch seht, man ffnet schon.

(Das Zelt ffnet sich. Kaiser Rudolf sitzt im ledernen Unterkleide an
einem Feldtische. Er hat einen Helm vor sich, an dem er mit einem Hammer
die Beulen ausklopft. Vollendend und zufrieden seine Arbeit beschauend.)

Rudolf.
Nun hlt das lange wieder, ab und zu.
(Er sieht sich um.)
Schon Leute da?--He, Georg, hilf einmal!
(Ein Diener hilft ihm, er zieht den Rock an.)

Erster Brger (im Vorgrunde).
Gevatter Grobschmied, saht Ihr wohl? Der Kaiser,
Den Hammer in der Hand! Vivat Rudolphus!

Zweiter Brger.
Sei still, sei still! Er tritt schon auf uns zu!
(Der Kaiser kommt die Stufen herab.)

Seyfried von Merenberg (tut einen Fufall).
Erlauchter Herr!

Rudolf.
Ei, Merenberg? Nicht wahr?
Seid ruhig, Euer Vater wird befreit,
Des geb ich Euch mein Wort. Im weiten Reich
Hat Gottes Hilfe hergestellt die Ruh',
So wird's auch hier in Eurem Osterland.
Der Frst von Bhmen kommt heut zum Gesprch;
Vor allem will ich Eurer da gedenken!
(Merenberg tritt zurck.)
(Ein Kind mit einem Blumenstrau luft auf den Kaiser zu.)

Rudolf.
Wem ist das Kind? Wie heit du?

Eine Frau.
Katharina,
Kathrina Frhlich, Brgerskind aus Wien.

Rudolf.
Fall nicht, Kathrina! Ei, was ist sie hbsch!
Wie fromm sie aus den braunen Augen blickt,
Und schelmisch doch. Zierst du dich auch schon, Krte?
Was wollt Ihr, gute Frau?

Frau.
Ach Gott, Eu'r Hoheit!
Die Bhmen haben unser Haus verbrannt,
Mein Mann liegt krank vor Kummer und Verdru.

Rudolf (zu einem seiner Begleiter).
Schreibt Euch den Namen auf und sehet zu!
(Zur Frau.)
Worin zu helfen ist, da wird man helfen!

Schweizersoldat (tritt vor, hinter ihm noch drei oder vier andere).
Mit Gunst und Urlaub, gndiger Herr Landsmann!

Rudolf.
Ei, Walter Stssi aus Luzern? Was willst du?
(Zum Kinde.)
Geh nur zu deiner Mutter, Katharina,
Dem Vater wird geholfen, sag ihr das!
(Das Kind luft zur Mutter.)

Schweizer.
Ich und die andern da vom Lande Schweiz,
Wir kommen her, ob Ihr die Gutheit httet
Und gbt uns etwas Geld!

Rudolf.
Ja Geld, mein Freund,
Geld ist ein gutes Ding, wenn man nur hat.

Schweizer.
So habt Ihr keins? Ja so!--Und fhrt doch Krieg?

Rudolf.
Sieh Freund, du weit wohl noch von Hause her,
Gar manchmal hat ein Landwirt auf gespeichert
An Frucht und Futter fr den Winter gnug,
Bis voll zur Frhlingszeit. Allein der Frhling
Anstatt im Mrzen kommt er erst im Mai,
Und Schnee liegt dort, wo sonst wohl Saaten standen;
Wenn da der Vorrat aufgeht, schmhst du ihn
Als einen schlechten Wirt?

Schweizer.
Behte Gott!
Das hat wohl mancher schon an sich erfahren!--
Und Ihr?--Ja so! (Zu seinen Landsleuten.) Seht nur, er ist der Landwirt,
Und dau'rt der Winter--heit: der Krieg--so lang,
Und ist die Brotfrucht aufgezehrt:--das Geld.
Nu Herr, wir warten schon noch etwas zu:
Indessen holt man aus des Landmanns Kasten.

Rudolf.
Wenn ihr nicht bleiben wollt, so geht.
Doch wer sich nicht begngt mit Lagerzehrung,
Und mir die Hand legt an des Landmanns Gut,
Der hngt, und wr's der Beste!

Schweizer.
Nu, 'ne Frage
Ist wohl erlaubt. Es ist nur, da man's, wei.
Wir wollen zusehn noch ein Tage vier,
Vielleicht wird's besser bis dahin.

Rudolf.
Das tut!
Und grt mir Rat und Brger von Luzern.
(Der Kaiser wendet sich zu gehen.)

Ottokar von Hornek (im Vorgrunde tritt aus der Menge).
Erlauchter Herr und Kaiser, hrt auch mich!

Rudolf.
Wer seid Ihr?

Hornek.
Ottokar von Hornek, Dienstmann
Des edlen Ritters Ott von Lichtenstein,
Den Knig Ottokar, samt andern Landherrn,
Ohn Recht und Urteil hlt in enger Haft.
O nehmt Euch sein, nehmt Euch des Landes an!
Er ist ein guter Herr, es ist ein gutes Land,
Wohl wert, da sich ein Frst sein unterwinde!
Wo habt Ihr dessengleichen schon gesehn?
Schaut rings umher, wohin der Blick sich wendet,
Lacht's wie dem Brutigam die Braut entgegen!
Mit hellem Wiesengrn und Saatengold,
Von Lein und Safran gelb und blau gestickt,
Von Blumen s durchwrzt und edlem Kraut,
Schweift es in breitgestreckten Tlern hin--
Ein voller Blumenstrau soweit es reicht,
Vom Silberband der Donau rings umwunden!--
Hebt sich's empor zu Hgeln voller Wein,
Wo auf und auf die goldne Traube hngt
Und schwellend reift in Gottes Sonnenglanze;
Der dunkle Wald voll Jagdlust krnt das Ganze.
Und Gottes lauer Hauch schwebt drber hin
Und wrmt und reift und macht die Pulse schlagen,
Wie nie ein Puls auf kalten Steppen schlgt.
Drum ist der sterreicher froh und frank,
Trgt seinen Fehl, trgt offen seine Freuden,
Beneidet nicht, lt lieber sich beneiden!
Und was er tut, ist frohen Muts getan.
's ist mglich, da in Sachsen und beim Rhein
Es Leute gibt, die mehr in Bchern lasen;
Allein, was not tut und was Gott gefllt,
Der klare Blick, der offne, richt'ge Sinn,
Da tritt der sterreicher hin vor jeden,
Denkt sich sein Teil und lt die andern reden!

O gutes Land! o Vaterland! Inmitten
Dem Kind Italien und dem Manne Deutschland,
Liegst du, der wangenrote Jngling, da:
Erhalte Gott dir deinen Jugendsinn
Und mache gut, was andere verdarben!

Rudolf.
Ein wackrer Mann!

Erster Brger.
Ja Herr, und ein Gelehrter!
Er schreibt 'ne Reimchronik, und Ihr, Herr Kaiser,
Kommt auch drin vor!

Rudolf.
Im Guten, will ich hoffen!
Dein Herr, vertrau! er soll die Freiheit haben.
Und du--Zum Angedenken dieser Stunde, nimm
Die Kette da und schmcke dich damit!
Dem Wissen sei sein Lohn und dem Vollbringen!
(Er nimmt eine Kette vom Hals und hngt sie Horneken um, der niedergekniet
ist. Zu einem der Nebenstehenden.)

Euch, Ritter, scheint die Gunst wohl allzuhoch?
Wenn diesen Mann ich mit dem Schwert berhre,
So steht er auf als Ritter, wie so mancher;
Doch manchen wt' ich nicht, womit berhren,
Sollt' er ein Reimwerk schreiben, so wie der.
Doch davon nichts in deine Chronik, Freund!
Das hiee sonst in dir mich selber loben!

Hauptmann (kommt).
Der Knig naht von Bhmen, gnd'ger Herr!

Rudolf.
Nun, groer Gott, du hast mich hergefhrt;
Vollende nun, was ich mit dir begonnen!

(Man hat rechts im Vorgrunde einen Feldstuhl gesetzt. Der Kaiser setzt
sich, sein Gefolge steht um ihn.)

(Knig Ottokar kommt in glnzender Rstung, darber einen bis auf die
Fersen gebenden reichgestickten Mantel; statt des Helmes die Krone auf
dem Haupt. Hinter ihm der Kanzler und Gefolge.)

Ottokar (vom Hintergrunde her auftretend).
Ich suche nun schon lange rechts und links;
Wo habt ihr euren Kaiser, edle Herrn?
Ihr da, Herr Merenberg? Trifft man Euch hier?
Ich denk Euch schon noch anderswo zu treffen!
Nun, wo ist Rudolf? Ah! (Er erblickt ihn und geht auf ihn zu.) Gott gr
Euch, Habsburg!

Rudolf (der aufsteht, zu denen, die um ihn stehen).
Warum steht ihr entblten Hauptes da?
Kommt Ottokar zu Habsburg, Mensch zum Menschen,
So mag auch Hinz und Kunz sein Haupt bedecken,
Ist er doch ihresgleichen: Mensch.--Bedeckt euch!
Doch kommt der Lehensmann zum Lehensherrn,
Der Bhmen pflicht'ger Frst zu Deutschlands Kaiser,
(Unter sie tretend.)
Dann weh dem, der die Ehrfurcht mir verletzt!
(Mit starken Schritten auf ihn losgehend.)
Wie geht's Euch, Ottokar? was fhrt Euch her?

Ottokar (der betroffen einen Schritt zurckgetreten ist).
Zur--Unterredung hat man mich geladen!

Rudolf.
Ja so, Ihr kommt zu reden in Geschften?
Ich dacht', es wr' ein freundlicher Besuch!
Zur Sache denn! Wie kmmt's, mein Frst von Bhmen,
Da Ihr erst jetzt auf meinen Ruf erscheint?
Ich lie Euch laden schon zu dreien Malen,
Nach Nrnberg, dann nach Wrzburg und nach Augsburg,
Da Ihr die Lehen nhmt von Eurem Land;
Allein Ihr kamt nicht. Nur das letztemal
Erschien statt Euch der wrd'ge Herr von Seckau,
Doch der nicht allzu wrdig sich benahm.

Ottokar.
Die Lehn von Bhmen gab mir Knig Richard.

Rudolf.
Ja, der von Kornwall. Ei, es gab 'ne Zeit,
Wo man in Deutschland fr sein bares Geld
Noch mehr erhalten konnt' als Lehn und Land!
Doch damit ist's vorbei! Ich hab's geschworen,
Geschworen meinem groen, gnd'gen Gott,
Da Recht soll herrschen und Gerechtigkeit
Im deutschen Land; und so soll's sein und bleiben!
Ihr habt Euch schlecht benommen, Herr von Bhmen,
Als Reichsfrst gegen Kaiser und das Reich!
Dem Erzbischof von Salzburg seid Ihr feindlich
Mit Raub und Mord gefallen in sein Land,
Und Eure Vlker haben drin gehaust,
Da Heiden sich der Greuel scheuen wrden.

Ottokar.
Die Fehde ward ihm ehrlich angesagt.

Rudolf.
Hier aber gilt's nicht Fehde; Ruhe, Herr!
Die Lande sterreich und Steiermark,
Mit Krnten und mit Krain, der Wind'schen Mark,
Als ungerecht dem Reiche vorenthalten,
Gebt wieder Ihr zurck in meine Hand!
Ist hier nicht Feder und Papier? wir wollen
Die Handfest gleich in Ordnung bringen lassen!

Ottokar.
Ha, beim allmcht'gen Gott! wer bin ich denn?
Ist das nicht Ottokar? nicht das sein Schwert?
Da man in solchem Ton zu sprechen wagt!

Wie aber dann, Herr, wenn, statt aller Antwort,
Der Donau breiten Pfad zurck ich messe
Und weiter frag an meines Heeres Spitze?

Rudolf.
Noch vor zwlf Monden kamt Ihr mir zurecht,
Wenn Ihr der Waffen blut'gen Ausspruch whltet!
Ihr seid ein kriegserfahrner Frst, wer zweifelt?
Und Euer Heer, es ist gewohnt zu siegen;
Von Gold und Silber starret Euer Schatz:
Mir fehlt's an manchem, fehlt's an vielem wohl!
Und doch, Herr, seht! bin ich so festen Muts,
Wenn diese mich verlieen alle hier,
Der letzte Knecht aus meinem Lager wiche;
Die Krone auf dem Haupt, den Szepter in der Hand
Ging ich allein in Euer trotzend Lager
Und rief Euch zu: Herr, gebet, was des Reichs!
Ich bin nicht der, den Ihr voreinst gekannt!
Nicht Habsburg bin ich, selber Rudolf nicht;
In diesen Adern rollet Deutschlands Blut.
Und Deutschlands Pulsschlag klopft in diesem Herzen.
Was sterblich war, ich hab es ausgezogen
Und bin der Kaiser nur, der niemals stirbt.
Als mich die Stimme der Erhhung traf,
Als mir, dem nie von solchem Glck getrumt,
Der Herr der Welten auf mein niedrig Haupt
Mit eins gesetzt die Krone seines Reichs,
Als mir das Salbl von der Stirne troff,
Da ward ich tief des Wunders mir bewut
Und hab gelernt, auf Wunder zu vertraun!
Kein Frst des Reichs, der mcht'ger nicht als ich;
Und jetzt gehorchen mir des Reiches Frsten!
Die Friedensstrer wichen meiner Stimme;
Ich konnt' es nicht, doch Gott erschreckte sie!
Fnf Schilling leichtes Geld in meinem Sckel,
Setzt' ich in Ulm zur Heerfahrt mich ins Schiff;
Der Baierherzog trotzte, er erlag;
Mit wenig Kriegern kam ich her ins Land,
Das Land, es sandte selbst mir seine Krieger!
Aus Euren Reihen traten sie zu mir,
Und sterreich bezwingt mir sterreich.
Geschworen hab ich: Ruh' und Recht zu schirmen:
Beim allessehenden, dreiein'gen Gott!
Nicht so viel, sieh! Nicht eines Haares Breite
Sollst du von dem behalten, was nicht dein!
Und so tret ich im Angesicht des Himmels
Vor dich hin, rufend: gib, was du vom Reich!

Ottokar.
Die Lande hier sind mein!

Rudolf.
Sie waren's nie!

Ottokar.
Mein Weib Margrethe brachte sie mir zu!

Rudolf.
Wo ist Margrethe nun?

Ottokar.
Wo immer, gleichviel!
Sie gab mir dies ihr Land!

Rudolf.
Soll ich sie selber
Als Richtrin stellen zwischen uns?--Sie ist im Lager!

Ottokar.
Im Lager, hier?

Rudolf (mit gendertem Tone).
Die Ihr so schwer beleidigt,
An Rechten und an Freuden hart beraubt,
Heut morgens kam sie, milden Sinnes bittend
Um Schonung fr den Mann, der ihrer nie geschont!

Ottokar.
Die Mhe konnte sich die Frau ersparen!
Wo Ottokar, da braucht's der Bitten nicht!

Rudolf (stark).
Wohl braucht's der Bitten, mein Herr Frst von Bhmen,
Denn sprech ich nur ein Wort, seid Ihr verloren!

Ottokar.
Verloren?

Rudolf.
Ja! von Bhmen abgeschnitten.

Ottokar.
Indes Ihr Wien belagert, mach ich's frei!

Rudolf.
Herr, Wien ist ber!

Ottokar.
Nein!

Rudolf (hinter sich gewendet).
Herr Paltram Vatzo!
Wo ist er? Er begehrte mich zu sprechen;
Der Brgermeister samt dem Rat von Wien.

(Paltram Vatzo, Brgermeister von Wien, mit einigen Ratsgliedern kommt,
die Schlssel der Stadt auf einem Kissen tragend.)

Paltram.
In Unterwrfigkeit, mein Herr und Kaiser,
Bring ich die Schlssel Euch der Stadt von Wien,
Euch bittend, da Ihr mir nicht zrnt darob,
Weil ich, dem Knig treu, dem ich geschworen,
Die Stadt gehalten bis auf diesen Tag;
Sie auch, verzeiht! vielleicht noch lnger hielt,
Wenn nicht das Volk die bergab' erzwungen,
Der langen Sperrung md und der Entbehrung.
(Er legt knieend die Schlssel zu des Kaisers Fen.)
Mein Amt, ich leg es mit den Schlsseln ab,
Doch sollt als treuen Brger Ihr mich finden.
(Aufstehend.)
Des Landes Herr ist Paltram Vatzos Herr,
Zugleich mit meinem Land ergeb ich mich!
(Er tritt zurck.)

Ottokar.
Verdammt! O Wiener! Leichtbeweglich Volk!
Hast du fr deinen leckern Gaum gezittert?
Doch soll's dich reun! Die Zufuhr sperr ich dir
Aus Klosterneuburg, meiner starken Feste!

Rudolf.
Auch Klosterneuburg ist in meiner Hand,
Und nichts mehr dein am rechten Donauufer!
Herr Friedrich Pettau, kommt!

(Friedrich Pettauer tritt vor mit niedergeschlagenen Augen.)

Ottokar.
Ha, schndlicher Verrter!
So gabst du meine Burg?

Pettauer.
Nicht ich, o Herr!
Ein rascher berfall, spt gestern abends--

Ottokar.
Genug! Ich wei, da ich verraten bin!
Doch triumphiere nicht! Doch spott ich dein!
Aus Steiermark naht mir ein stattlich Heer
Mit Milota, dem treuerprobten Fhrer;
Im Rcken fat er deine Mietlingsschar,
Indes, wie Donnerwolken, Ottokar
Von vornehmer die schwachen Halme knickt,
Und kein Entrinnen bleibt als in die Donau!

Rudolf.
O sprich nicht weiter, allzu rascher Frst!

Ottokar.
Erkennst du nun, wie weit du noch vom Ziel?

Rudolf.
Auf Milota bau deine Hoffnung nicht!

Ottokar.
Mein Grund steht fest; an dir ist's wohl, zu zittern!
In Waffen sehn wir uns. Leb wohl!

Rudolf.
Du gehst?
Du gibst die Lande nicht?

Ottokar (zum Abgehen gewendet).
Ob ich sie geb!

Rudolf.
Nun wohl, so sprich denn selbst mit Milota,
Ob du mit Grund ihm so viel magst vertraun?

(Milota tritt auf in Ketten.)

Rudolf.
So brachten mir die Herren ihn von Steier,
In Ketten, weil er grimmig sie gedrckt.
Nehmt ihm die Fesseln ab!--Hier ist das Banner
Von Steiermark, und hier ist streichs Banner,
(Landesherrn von streich und Steiermark treten auf des Kaisers Seite vor,
mit Banner und Farben ihres Landes.)
Sie gaben selbst sich in des Reiches Schutz.

Steht nicht so traurig da, mein Frst von Bhmen!
Schaut um Euch her! Die Wolken sind entflohn,
Und klar seht Ihr nun alles, wie es ist.
Wenn sterreich verloren--

Ottokar.
Ha, noch nicht!

Rudolf.
Tuscht Euch nicht selbst! Ihr fhlt's in Eurem Innern,
Da es verloren ist; und zwar auf immer!

Ihr wart ein mcht'ger Frst, ein groer Knig,
Eh' die Gelegenheit des Mehrbesitzes
In Euch entzndet auch den Wunsch dazu;
Ihr werdet's bleiben, mchtig, reich und gro,
Wenn auch verloren, was nicht halten konnte.
Denn Gott verhte, da ich einen Finger
Ausstreckte nach dem Gut, das Euch gehrt.
Auch knnt' ich's nicht! Euch bleibt ein mchtig Heer,
Zu aller Art des Streites wohlgerstet,
Und zweifelhaft ist aller Schlachten Glck.
Allein, tut's nicht! Verkennt nicht Gottes Hand,
Die Euch gewiesen, was sein heil'ger Wille.

Mich hat, wie Euch, der eitle Drang der Ehre
Mit sich gefhrt in meiner ersten Zeit.
An Fremden und Verwandten, Freund und Feind
bt' ich der raschen Tatkraft jungen Arm,
Als wr' die Welt ein weiter Schauplatz nur
Fr Rudolf und sein Schwert. In Bann gefallen,
Zog ich mit Euch in Preuens Heidenkrieg,
Focht ich die Ungarschlacht an Eurer Seite,
Doch murrt' ich innerlich ob jener Schranken,
Die Reich und Kirche allzu ngstlich setzten
Dem raschen Mut, der grern Spielraums wert.
Da nahm mich Gott mit seiner starken Hand
Und setzte mich auf jene Thronesstufen,
Die aufgerichtet stehn ob einer Welt.
Und gleich dem Waller, der den Berg erklommen
Und nun hinabsieht in die weite Gegend
Und auf die Mauern, die ihn sonst gedrckt;
So fiel's wie Schuppen ab von meinen Augen
Und all mein Ehrgeiz war mit eins geheilt.
Die Welt ist da, damit wir alle leben,
Und gro ist nur der ein' allein'ge Gott!
Der Jugendtraum der Erde ist getrumt,
Und mit den Riesen, mit den Drachen ist
Der Helden, der Gewalt'gen Zeit dahin.
Nicht Vlker strzen sich wie Berglawinen
Auf Vlker mehr, die Grung scheidet sich,
Und nach den Zeichen sollt' es fast mich dnken
Wir stehn am Eingang einer neuen Zeit.
Der Bauer folgt in Frieden seinem Pflug,
Es rhrt sich in der Stadt der flei'ge Brger,
Gewerb' und Innung hebt das Haupt empor,
In Schwaben, in der Schweiz denkt man auf Bnde,
Und raschen Schiffes strebt die muntre Hansa
Nach Nord und Ost um Handel und Gewinn.
Ihr habt der Euren Vorteil stets gewollt;
Gnnt ihnen Ruh', Ihr knnt nichts Beres geben!

O Ottokar, es war 'ne schne Zeit,
Als wir, aus Preuen rckgekommen, saen
Im Sller Eures Schlosses am Hradschin,
Von knft'gen Tagen, knft'gen Taten sprachen!
Bei uns sa damals Knigin Margrethe--
Wollt Ihr sie sehn? Margrethen sehen?

Ottokar.
Herr!

Rudolf.
Da Ihr den Friedensengel von Euch stiet,
Der sanft vershnend ob Euch wartete,
Die rasche Glut mit Segenswort besprach
Und treulich, eine liebe Schwester, sorgte!
Mit ihr habt Ihr das Glck von Euch verbannt.--
Ihr seid in Eurem Haus nicht glcklich, Ottokar!--
Wollt Ihr Margrethen sehn? sie ist im Lager!

Ottokar.
Nein, Herr! Allein die Lehen will ich nehmen.

Rudolf.
Von Bhmen und von Mhren?

Ottokar.
Ja, Herr Kaiser!

Rudolf.
Dem Reich erstatten--?

Ottokar.
streich, Steiermark,
Was ich vom Reich; was sich von mir getrennt.
Ich habe viel fr sie getan! Der Undank,
Der Menschen Schlechtheit ekelt tief mich an.

Rudolf.
So kommt ins Zelt!

Ottokar.
Warum nicht hier?

Rudolf.
Es werden
Des Reiches Lehen knieend nur genommen!

Ottokar.
Ich knien?

Rudolf.
Das Zelt verbirgt uns jedem Auge.
Dort sollt Ihr knien vor Gott und vor dem Reich,
Vor keinem, der ein Sterblicher, wie wir.

Ottokar.
Wohlan!

Rudolf.
Ihr wollt? Gesegnet sei die Stunde!
Geht Ihr voran, ich folg Euch freudig nach.
Wir beide feiern einen groen Sieg!

(Sie gehen ins Zelt, die Vorhnge fallen zu.)

Milota (der zu den Seinigen hinbergeht).
Nun, Gott sei Dank! Das macht mich wieder frei!
Der letzten Zeit will ich mein Tage denken.

(Zawisch von Rosenberg kommt.)

Zawisch.
Wo ist der Knig?

Milota.
In des Kaisers Zelt;
Er nimmt die Lehn!

Zawisch.
Ho, ho! und so verborgen?
Das mssen alle sehn, die treuen Herzens sind.

(Er haut mit dem Schwert die Zeltschnre ab; die Vorhnge fallen, und
man sieht Ottokarn vor Rudolf knien, der ihn eben mit dem Schwert mit
Bhmen belehnt hat.)

Zawisch.
Der Knig kniet!

Die Bhmen (unter sich).
Der Knig kniet!

Ottokar.
Ha, Schmach!
(Er springt auf und eilt in den Vorgrund.)
(Der Kaiser, der ihm folgt, mit der Fahne von Mhren in der Hand.)

Rudolf.
Wollt Ihr die Lehn nicht auch auf Mhren nehmen?
(Ottokar lt sich auf ein Knie nieder.)

Rudolf (indem er ihm die Fahne von Mhren gibt).
So leih ich Euch die Markgrafschaft von Mhren
Und nehm Euch in des Reiches Eid und Pflicht
Im Namen Gottes und durch meine Macht.

Steht auf, Herr Knig, und mit diesem Ku
Begr ich Euch als Lehnsmann und als Bruder.

Ihr aber, die ihr streich angehrt
Und Lehen tragt von seines Landes Frsten,
Kommt mit nach Wien, um dort den Eid der Treue,
Den Lehenseid in unsre Hand zu leisten!
Ihr folgt uns doch, geehrter Herr und Knig?
(Ottokar neigt sich.)
Nun, ich erwart Euch, wenn's Euch wohlgefllt.
Ihr schwingt die Fahnen, lat den Jubel tnen,
Dem blutlos-schnen Sieg der holden Eintracht!
(Ab mit den Seinigen.)

(Ottokar steht noch immer mit gesenktem Haupte da.)
(Merenberg, der zurckgeblieben ist, tritt nach einigem Zgern ihn an mit
bittenden Gebrden.)

Merenberg.
Erlauchter Herr, ich wollt' Euch bitten!

Ottokar (fhrt empor und sieht ihn mit einem grimmigen Blicke an; dann
zerreit er mit einer Hand die Spange des Mantels, da er fllt; mit der
andern reit er von hinten die Krone vom Haupte und strzt fort, ausrufend:)
Fort!

(Indem alle ihm folgen, fllt der Vorhang.)




Vierter Aufzug

Vor der Burg zu Prag; ein groes Tor mit Fallgattern in der Mitte des
Hintergrundes fhrt hinein. Daneben ein kleines Ausfallpfrtchen, zu dem
einige Stufen hinanfhren, das aber verschlossen ist. Rechts im
Mittelgrunde des Pfrtners Wohnung mit einem steinernen Tische und
einer Bank. Davor ein Beet mit Blumen.

Milota und Fllenstein von verschiedenen Seiten.


Milota.
Traft Ihr den Knig?

Fllenstein.
Nein.

Milota.
Ich fand ihn auch nicht.

Fllenstein.
In Znaim verlor er sich von dem Gefolge,
Ein einz'ger Knecht, den man vermit, mit ihm,
Und irrt seitdem im Land herum von Mhren.
In Kraliz sah man ihn, in Hradisch, Lukow;
Zuletzt in Kostelez, hartbei an Stip,
Da, wo die kleine Wunderquelle fliet,
Zu der die Pilger weitumher sich wenden.
Ein rmlich Badhaus steht dort in der Tiefe,
Von Menschen abgesondert und Verkehr,
Da hielt er vierzehn Tage sich verborgen;
Ein Ort zum Sterben mehr, als um zu leben!
Und wie die Pilger pflegen dort herum,
Die, eines Wunsches, der sie drckt, gedenkend,
Ein Kreuz von Reisig in den Brunnen werfen
Und aus dem Sinken oder Schwimmen prophezein,
So tat er tagelang und schien betrbt.
Zuletzt erfuhr's der Magistrat von Hradisch
Und ging hinaus, den Knig einzuholen;
Doch der war nicht mehr da und schon im Weiten.

Milota.
Und wo er jetzt ist, habt Ihr nicht erfahren?

Fllenstein.
Man will ihn auf dem Weg gesehen haben
Nach Prag.

Milota.
Hieher?--ich hoff, er wird jetzt ruhn!
Die stolzen Flgel sind in was gepflckt;
Das Land, das ewig ihn nach auen lockte,
Er hat's zurckgegeben feierlich.
Will er nach Vterweise herrschen hier,
Die Deutschen heien gehn aus seinem Reich
Und unterm Beistand bhmischer Wladiken
Bedenken seines Volkes wahres Glck:
Vielleicht, da ich vergesse, was er tat
An mir und meinem Haus.--Geht Ihr zum Kanzler?
So meldet ihm, ein kaiserlicher Herold,
Vollziehung fodernd des geschlonen Friedens,
Vor allem die Befreiung jener Geisel,
Die noch aus sterreich und Steiermark
Gefangen liegen rings im Land umher,
Ist eingeritten in das Tor von Prag.
Er mge schleunig tun, was man begehrt,
Bevor der Knig kommt und manches hindert.

Fllenstein.
Doch wenn der Knig--

Milota.
Tut, was ich Euch sage!

(Fllenstein ab.)

Milota.
Wr' nicht das ganze Land mit ihm beschimpft,
Ich wollte lachen, wie erst Zawisch lachte.
Schnell alles angeordnet, eh' er kommt,
Dann hat er zu bestt'gen und--zu schlafen!
(Er geht ins Schlo.)

(Kurze Pause, dann kommt ein Knappe des Knigs, ringsumhersphend, er
ruft in die Szene.)

Knappe.
So, jetzt ist niemand hier, mein gnd'ger Herr!

(Ottokar kommt, in einen dunkeln Mantel eingehllt, ein schwarzes Barett
mit schwarzen Federn tief in die Augen gedrckt.)

Diener.
Den Kanzler soll ich holen? Gnd'ger Herr,
Beliebt Euch lieber nicht ins Schlo zu treten?
(Ottokar schttelt das Haupt.)

Diener.
Zwei Tage habt ihr nicht gegessen, nicht
Geschlafen; denkt an Euer teures Leben!
(Der Knig lacht hhnisch auf.)

Diener.
Lat Euch erbitten, geht ins Schlo, mein Knig!
(Ottokar stampft ungeduldig mit dem Fue.)

Diener.
Ich gehe denn! doch lat Euch nieder, Herr!
(Geht ab ins Schlo.)

Ottokar.
Ich sollte dich betreten, Schlo der Vter?
Die Schwelle dir entweihn mit meinem Fu?
Als ich im Sieg, im jubelnden Triumph
Zu dir heranzog durch die lauten Gassen,
Erstrittne Fahnen dir entgegenhielt;
Da machtest du mir deine Pforten auf
Und meine Vter sahn von deinen Zinnen.
Fr Helden ward gewlbt dein hoher Bau,
Und kein Entehrter hat ihn noch betreten!

Hier will ich sitzen, als mein eigner Pfrtner,
Und Schande wehren ab von meinem Haus.
(Er setzt sich auf die Stufen am Ausfallstor und verhllt sein Haupt.)

(Der Brgermeister von Prag und einige Brger kommen.)

Brgermeister.
Ei, lat mich, ich mu eilen in den Rat.
Ein Herold von des Kaisers Majestt
Ist angelangt, da darf man sich nicht sumen,
Denn Bhmen ist nun wieder an dem Reich.
Der Knig hat es feierlich gelobt,
Den Eid der Treue knieend bernommen.

Brger.
Wie, knieend?

Brgermeister.
Wohl! im kaiserlichen Lager!
Er lag auf seinen Knien, der Kaiser sa,
Das ganze Heer hat's staunend angesehen.
Was regt sich dort?

Brger.
Ein Mann sitzt auf den Stufen.

Brgermeister.
Ja, Hochmut kommt zu Fall; ich sagt' es oft!
Seht doch mal hin, wer dort am Tore sitzt!
Verdchtig Volk streift jetzo durch das Land,
Die abgedankten Sldner sind zu scheuen.

Brger (kommt zurck).
Ach, Herr!

Brgermeister.
Du zitterst ja!

Brger.
Es ist der Knig!

Brgermeister.
Der Mann dort auf den Stufen? bist du tricht?

Brger.
Er sah mir ins Gesicht. Schaut nur!

Brgermeister.
Er ist's!
Wenn er vernommen, was wir hier gesprochen!
Soll ich ihm einen Fufall tun?--Das Beste,
Wir ziehen uns zurck. Er scheint zu sinnen.
(Sie ziehen sich rechts gegen den Vorgrund.)

(Benesch von Diedicz und seine Tochter treten rechts im Hintergrunde auf.)

Benesch (am Stabe, fhrt Bertan).
Ei, sieh nur, wie die liebe Sonne scheint!
Du mut einmal ins Freie! Berta komm!
Die dumpfe Stubenluft ist ungesund.
Und tu mir's auch zulieb, und sprich einmal!
Sprich, Berta, sprich! und wr's ein einzig Wort!
Als: ja und nein. Tu's deinem alten Vater!
Sieh, auf Johanni wird's--ich wei nicht recht
Wie lang, seit du so vor dich siehst und schweigst.
Das ist recht klglich! Willst nicht reden, Berta?
Ich hrte lieber dich im Fieber rasen,
Als jetzt den langen Tag kein einzig Wort.
Ei, was vergangen ist, das ist vergangen!
Wir denken nicht mehr dran, und so ist's gut.

Brgermeister.
Still!

Benesch.
Nun, sie schweigt ja leider ohnehin!
Herr, Tag fr Tag, und ffnet nicht den Mund!

Brgermeister (leise).
Dort sitzt der Knig!

Benesch.
Wo?

Brgermeister.
Dort auf den Stufen!

Benesch.
Ei, Berta, sieh, dort sitzt der bse Knig,
Der dir so weh getan, du armes Kind!
Ei, sprich einmal und schml ihn tchtig aus.
Sag: arger Mann, ich freu mich deines Leids,
Du hast's um mich verdient und meinen Vater.

(Berta hebt eine Handvoll Erde auf und wirft damit, wie Kinder pflegen,
gerade vor sich hin, ohne zu treffen.)

Benesch.
Ja, wirf ihn nur! o da es Dolche wren!
Wirf, Berta, wirf! den argen, bsen Mann.
Doch Gott hat unsre Rach' auf sich genommen:
Gekniet hat er vor seinem rgsten Feind,
Vor einem Mann, den er sonst wohl verachtet,
Im Angesicht des Heers hat er gekniet.
Ei, rttle dich, ich frchte mich nicht mehr!
Ist doch ein Hherer, der dich bezwingt.
Mach erst, da mir mein Kind da wieder spricht,
Dann la mich tten, mich bekmmert's wenig.

(Die Knigin kommt mit Zawisch und Dienern.)

Kunigunde.
Wer lie den Aberwitz da vor die Tr?
Hab ich Euch nicht gesagt, Ihr sollt sie hten?

Benesch (der fortgefhrt wird).
Nu, Berta, komm! er hat doch auch sein Teil. (Ab.)

Kunigunde.
Ihr auch fort, alles fort, was Augen hat!
(Alle geben, bis auf sie und Zawisch.)

Kunigunde.
Wir sind allein! allein mit unsrer Schande!
Wollt Ihr Euch nicht erheben, groer Knig,
Und groe Worte geben, wie ihr pflagt?

Sieh hin, da sitzt der Stolze, bermcht'ge,
Dem sonst die Welt zu klein fr seine Gre;
Da sitzt er wie ein Bettler vor der Tr
Und holt ein helf euch Gott! sich und Verachtung.
Der Mann, der Kronen trug, als wren's Krnze,
Und, wenn die eine welk ward, neue flocht
Aus frischgeschnittnen Blumen fremder Grten.
Das Leben Tausender in seiner Hand,
Es hinsetzt', wie zum frhlich leichten Brettspiel,
Auf das von Blut und Staub geteilte Feld
Und ausrief: Schach! als wenn es Steine wren,
Vom Knstler plump geformt aus totem Stoff,
Und Ro und Reiter zubenannt zum Scherz.
Der selbst mit der Natur im Streite lag,
Und wenn er morgens ausritt auf die Jagd
Und sah den Himmel berdeckt mit Wolken,
So sprach er: Wart! rief nach dem Meister Maurer,
Und hie ihn, mit dem neuen Kirchenbau
In Gldenkron nicht allzusehr zu eilen.
Da sitzt er und starrt leblos auf den Grund,
Den er zuvor gestampft mit stolzen Fen!

Zawisch.
Ei, gnd'ge Frau, das Glck ist eben rund!

Kunigunde.
Was andre bindet, das war ihm ein Spiel!
Sein Weib Margrethe stie er fort von sich:--
Wei Gott, sie war fr ihn, die Alternde,
Die Knigin des Jammers stand ihm wohl!--
Und fern aus Ungarn holt' er ein Gemahl.
Was kmmert's ihn, ob sie vielleicht schon lngst
Nach einem andern hingewandt den Blick?
Ob grade damals ein Geringerer,
Und doch viel Grrer warb um ihre Hand?--
Ein unbezwungner Fhrer der Kumanen
Wiegt einen dienstbarn Bhmenknig auf!--
Was kmmert's ihn! er will ein Weib und Erben,
Mag brechen, was da bricht; und damit gut!
Ein krftig freies Wesen kam ich her,
Gar wrdig wohl des Jnglings zum Gemahl,
Und fand--ei nun, den Knig Ottokar!
Nicht ganz so klglich, als er jetzt dort brtet,
Doch nicht viel besser, wei der groe Gott!
Von Rat und Meinung hielt er mich entfernt,
Wie eine Magd viel mehr als eine Frstin.
Er nur allein, er wollte Herrscher sein.

Zawisch.
Ei, gnd'ge Frstin, herrschen ist gar s;
So s fast als--gehorchen, und man teilt's nicht!

Kunigunde.
Er hat geherrscht; frwahr, er hat geherrscht!
Wie eine Seifenblase ist's zerronnen!

Und reden konnt' er, gro und frstlich reden!
Was nicht gewesen noch und niemals wurde,
In seinem Munde war's! Als der von Nrnberg
Vom Kaiser ihm die erste Botschaft brachte,
Wie er da sprach, wie er sich frstlich nahm!
Nicht eine Stadt, kein Haus, nicht eine Scholle
Gab er dahin von streichs weitem Grund;
Und wenn's die rzte hundertmal geschworen,
Des Kaisers hohes Leben hinge dran,
Kein Blttchen Safran, den sie dort gewinnen!
Auf unsern Steppen ist ein Tier, heit Maultier,
Wenn das den Wolf von weiten kommen sieht,
So rhrt es laut, schlgt aus nach allen Seiten,
Die Erde wirft's in weiten Wirbeln auf;
Doch naht der Wolf, da bleibt es zitternd stehn
Und lt sich ohne Widerstand erwrgen.
So fast hat dieser Knig auch getan!
Mit groen Worten zog er aus ins Feld,
Die halbe Welt in seinem Heer versammelt.
Von Polen, Valben, Tartarn, Deutschen, Bhmen
Vermischten sich die Stimmen in dem Lager,
Und streich war zu klein fr ihre Zahl.
Doch als des Streites ernste Stunde kam,
Da fehlte Herz fr so viel rst'ge Arme;
In seines Feindes Lager--Rosenberg!

Zawisch.
Erlauchte Frau!

Kunigunde.
Habt Ihr schon je gekniet?
Vor Frauen nicht--vor Mnnern schon gekniet?
Um Sold, um Lohn, aus Furcht, vor Euresgleichen?

Zawisch.
Ich nicht.

Kunigunde.
Und wrdet's nie?

Zawisch.
In meinem Leben!

Kunigunde.
Er aber hat's getan! vor seinem Feinde,
Vor jenem Mann gekniet, den er verachtet,
Der einst ihm dienstlich war, und wenn er sprach:
Komm her! so kam er, und sprach er: geh hin!
So ging er und beeilte sich gar sehr!

Zawisch.
Erlauchte Knigin, es war nur Scherz!
Scherz unter guten Freunden. Seht, der Kaiser,
Er wollte seine Macht den Leuten zeigen,
Da bat er unsern Knig, und der tat's.

Kunigunde.
Ich aber will nicht heien: Knechtes-Frau;
Nicht eines schnden Dienstmanns Bette teilen;
Will nicht, wenn mich der Kaiser heischt nach Wien,
Die Schleppe tragen seiner Grfin Hausfrau;
Will nicht vor Rudolf knien, wie er getan.
(Der Knig springt auf.)

Kunigunde.
O springt nur auf; ich frcht Euch wahrlich nicht!
Soll ich die einz'ge sein von Mann und Frau,
Die noch vor Ottokar, dem Knig, zittert?
Gebt mir Geleit, ich will nach Ungarn heim,
Dort wahrt man eines Knigs Ehre besser.
Ihr, Rosenberg, den Arm! und nichts mehr weiter
Von jener Schmach, die Ihr mit angesehn!

Zawisch (indem er sie abfhrt).
Es war nur Scherz! Wir fanden's alle lustig,
Nicht blo der Kaiser; freilich der am meisten.
Und gut sah es sich an, man mu gestehn!
(Sie gehen ab.)

Ottokar.
Zawisch!

Zawisch (zurckkommend).
Was wollt Ihr, Herr?

Ottokar.
Dein Schwert!

Zawisch (indem er es gibt).
Hier ist es!

Ottokar (zum Sto ausholend).
Verrter!

Knigin (ruft inner dem Schlotore).
Rosenberg!

Ottokar.
Hier nimm dein Schwert und geh!

Zawisch.
Ei, schnen Dank! hier ist nicht gut zu weilen.
(Ab, der Knigin nach.)

Ottokar (nachdem er eine Weile starr auf den Boden gesehen hat).
Ist das mein Schatten?--Nun, zwei Knige!
(Trompeten von innen.)
Man kommt, man naht! Wohin verberg ich mich?
(Er hllt sich in seinen Mantel und zieht sich zurck.)

(Ein kaiserlicher Herold kommt mit zwei Trompetern. Hinter ihm die
befreiten streichischen Geisel, worunter der alte Merenberg. Volk
dringt nach. Der Kanzler im Wortwechsel mit dem Herold.)

Kanzler.
Ich protestier im Namen meines Knigs!

Herold (die Urkunde in der Hand).
Artikel drei des fei'rlichen Vertrags
Besagt: Die Geisel werden freigegeben,
Und so, in Vollmacht kaiserlicher Hoheit,
Sprech ich die Freiheit dieser Mnner an
Aus streich und aus Steier, Untertanen
Des Kaisers und des Reichs zu dieser Frist.
Zugleich begehr ich gnzliche Vollziehung
Des Friedens, der bis jetzt nur halb erfllt.
Noch immer lieget bhmische Besatzung
Im Lande hie und dort von sterreich;
Auch Heinrich Kuenring, eurer Sache treu,
Haust bel in dem Land jenseits der Donau,
Still untersttzt vom nachbarlichen Mhren.
Es soll nicht sein, befiehlt mein Herr und Kaiser!
Es abzustellen komm ich her nach Prag.

Kanzler.
Man wird dem Knig es erst melden mssen.

Herold.
Wozu? Ist nicht der Kaiser Lehensherr?
Derlei ist im Vasalleneid bedungen.

Kanzler.
Der Kaiser, seinerseits, hat auch noch nicht
In allem dem Vertrag genug getan!
In Mhren stehn noch kaiserliche Vlker.

Herold.
Sie werden abziehn, wenn ihr euch gefgt.

Kanzler.
Warum soll Bhmen denn zuerst erfllen?

Herold.
Beglckt, wer hat, das ist ein alt Gesetz.

Kanzler.
So nennt Ihr das Gesetz? Das ist Gewalt.

Herold.
Nennt's, wie Ihr wollt, nur handelt, wie Ihr mt.

Kanzler.
Ich kann Euch nichts versagen, nichts gewhren.
Der Knig, sagt man, ist in Prag, er selbst
Kann nur ob Eurer Forderung entscheiden.

Herold.
So fhrt mich denn zu ihm!

Kanzler.
Auch das nicht jetzt!
Er ist in Prag, doch Nh'res wei man nicht.

Herold.
Nun wohl, so stot denn ihr in die Trompeten,
Da sich der Hall verbreite durch die Stadt
Und Knig Ottokarn verkndet werde,
Da Boten da von seinem Lehensherrn.

(Ottokar tritt aus dem Volke, er hat den Mantel weggeworfen.)

Ottokar.
Hier ist der Knig! Was verlangt Ihr?

Herold.
Herr,
Man weigert mir die Freiheit dieser Mnner!

Ottokar.
Wer weigert?

Herold (auf den Kanzler zeigend).
Hier!

Kanzler.
Nur, Herr, bis du genehmigt.

Ottokar.
Sie brgten mir fr ihres Landes Schuld;
Der Schuldbrief ist erlassen, nehmt das Pfand!
Zwar dort seh ich ein Angesicht, das fast
Mich reuen machen knnte solch ein Wort.
Verbirg dich, Merenberg! Du bist kein Geisel,
Ein berwiesener Verrter bist du,
Der erste, der voranging mit Verbrechen.
Verbirg dich! denn im Innern kocht es auf
Und lechzt zu khlen sich in deinem Blut!

(Merenberg zieht sich hinter zwei andere Geisel zurck.)

Ottokar.
Was sonst?

Herold.
Die Rumung streichs wird begehrt.

Ottokar.
Es ist gerumt!

Herold.
Nicht ganz.

Ottokar.
Es soll geschehn!
Bedungen ward's im Frieden, und so sei's.

Herold (ausrufend).
Wer sonst noch Fordrung hat an Bhmens Krone,
Ein vorenthaltnes Recht, erwiesner Schade;
Wer Lehn zu nehmen hat vom deutschen Reich,
Ich lad ihn auf das Rathaus, wo der Pfalzgraf
Zu Recht wird sitzen und die Lehn erteilen.
Vivat Rudolphus, rmisch-deutscher Kaiser!

(Herold ab, Das Volk tumultuarisch ihm nach. Nur der Kanzler bleibt.)

Ottokar.
Sie folgen alle? Lassen mich allein?
(Zum Kanzler.)
Bist du mein ganzer Hof?--Ha, Ottokar!
Verachtet von dem Letzten meiner Diener,
Verhhnt von meinem Weib, mit Recht verhhnt,
Wie Wild gehetzt, von Haus und Bett vertrieben!
Ich kann's nicht tragen, kann nicht leben so!
Hinausgestrichen aus der Frsten Zahl,
Ein Dienstmann dessen, der mir sonst ein Spott;
Und ungestraft, mein lachend, ziehn die Frechen,
Die mich verraten, fort aus meiner Haft.
Horch!

(Man hrt in der Entfernung den Herold seinen Ausruf wiederholen.)

Ottokar.
Vivat Rudolphus? In der Hlle leb' er!
Ruf mir den Herold!

Kanzler.
Ach, mein gnd'ger Knig!

Ottokar.
Ruf mir den Herold oder zittre, Knecht! (Kanzler ab.)
War's besser nicht, zu fallen in der Schlacht,
Der letzte meiner Krieger neben mir?
Sie haben mich verraten, berrascht.
Ein dunkler Nebel schwindet von der Stirn;
Ich hab getrumt: wie khle Morgenluft
Kommt mir Erinnerung und lt mich wachen.

Mit einem Heer zog ich an Donaustrand
Und schlug ein Lager, so weit reicht die Denkkraft;
Von da an Nacht! Was weiter dann geschehn,
Wie sie mich lockten in des Kaisers Zelt,
Wie dort--Ha, Tod und Teufel! Tten will ich
Den letzten, der's mit angesehn!
Mich selber, wenn ich nicht verlschen kann
Das Angedenken jener blutigen Schmach!

(Der Herold mit den Geiseln kommt zurck.)

Herold.
Ihr liet mich wieder rufen, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Frs erste merket, da in niemands Namen,
Als in dem meinigen man Ausruf tut
In meiner Pragerstadt!

Herold.
Allein--

Ottokar.
Genug!
Dann lat die Geisel sich in Reihe stellen,
Man mu erst untersuchen, ob kein andrer,
Der Haft Entsprungner sich mit ihnen rettet.

Herold.
Dagegen brgt des Reiches Wrde zwar;
Doch stellt euch in die Reihe, wenn's beliebt.

Ottokar (die Reihe hinauf gehend).
Du magst nur gehn, und du!--Bist du so schmuck,
Herr Ulrich Lichtenstein? Du freust dich wohl,
Weil du nun ledig? Nu, ich gnn es dir.
Du hast mich nicht geliebt; je, ich dich auch nicht!
Das macht uns wett. Zieh immer hin!
Doch da ist einer, den ich sprechen mu.
Gott gr dich, Merenberg, du Schurk' und du Verrter!

Kanzler.
Wenn er nur schweigt, nur nimmer widerspricht!

Ottokar.
Wie geht's denn deinem Sohn im Dienst des Kaisers?
Ein wackrer Junge, der schlgt nicht von Art!
Du hast ihn noch zur rechten Zeit gerettet,
Da es mit Ottokar schon abwrts ging.
Als ich das letztemal ihn sah, versprach ich
Ihm Kunde bald von mir und auch von dir;
Wie wr's, wenn ich ihm jetzt ein Briefchen schriebe:
Der alte Schurk', dein Vater, lebt nicht mehr!
(Zum Herold.)
Das ist kein Geisel, ist ein Hochverrter
Und kann mit jenen andern dort nicht gehn!

Herold.
Gerade den befahl mein Herr, der Kaiser--

Ottokar.
Gerade den befiehlt sein Herr, der Knig--
(Zu Merenberg.)
Du warst der erste, du hast angefangen,
Das Beispiel du gegeben von Verrat.
Nach Frankfurt schriebst du Klagen und Beschwerden,
Da whlten sie den Habsburg, meinen Feind!

Merenberg.
Beschwerden nicht!

Ottokar.
Nu, Lob doch auch nicht, Bruder!
Als erst dein Sohn in meines Gegners Heer,
Da folgten ihm von sterreich die andern
Und haben an der Donau mich verraten,
Mich preisgegeben, ihren rechten Herrn!
Weit du, wo deinen Sohn ich sah zuletzt?
Es war bei Tulln, im kaiserlichen Lager,
Wo Knig Ottokar--Tod und Verdammnis!--
Vor seinem Feind--in Knechtesart--im Staub--
Lsch aus, Erinnerung, in meinem Haupt,
Senk, Wahnsinn, dich herab auf meine Stirn
Und hll in deine Wogen, was geschehn!
Wo Knig Ottokar--warum nicht sagen,
Was alle Welt gesehn?--vor seinem Feind gekniet!
Und dieses Mannes Sohn, er stand dabei
Und lachte!--Darum mut du sterben, Mann!
Die andern mgen gehn, der eine bleibt!

Merenberg.
Gerechter Gott!

Herold.
Bedenket, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Bedenket lieber Ihr, vorlauter Herr!
Da, wenn Ihr nicht in diesem Augenblick--
Doch zieht in Frieden und lat mich gewhren;
Noch bin ich Herr in diesem meinem Land.

Merenberg.
Die Steiermark gehorcht nunmehr dem Reich!

Ottokar (zum Herold).
Er war mein Untertan, als er an mir gefrevelt,
Als meinen Untertan bestraf ich ihn!
Werft ihn in tiefsten Turm, und wer mir meldet:
Der Merenberg ist tot, der sei willkommen!

Herold.
Der Kaiser aber--

Ottokar.
Herr, sagt Eurem Kaiser:
Er soll in Deutschland herrschen nach Gelust!
Was ich versprach, ich hab es ihm gehalten,
Obgleich verraten, berlistet, hintergangen,
Ich hab's gehalten, weil ich es versprach.--
Doch sagt ihm: hier im Busen poch' ein Mahner,
Der immer zuruft: Nimm, was man dir stahl!
Des Knigs Ehre rett'! Die Ehre eines Knigs
Steht nicht um tausend Menschenleben feil.
Man hat dich an der Donau berlistet,
Versuch, ob in Gewalt er auch obsiegt!
Das sagt ihm, Herr! und weiter sagt ihm noch:
Der Friede ist erfllt, er hat das Land,
Die Geisel send ich ihm, er ist befriedigt;
Doch mg' er hten sich, in Bhmen mir
Ein Wort zu reden, das mir nicht gefllt,
Sich einzumengen hier in mein Geschft,
Sonst wollt' ich ihm--allein sagt ihm doch lieber:
Er mg' es tun, er mge Trutz mir bieten,
Mit einem Heer mir fallen in das Land,
Da ich den Ha, den heien Grimm mag khlen
Im Blut, das seinem Herzen fliet zunchst.
Lgt mir zulieb, ich htt' auf ihn geschmht,
Genannt ihn einen eingedrungnen Herrscher,
Der mir gestohlen, was mein eigen war;
Gelacht des Herolds, den er mir gesandt,
Den Mann, den er beschtzt, zum Tod verdammt--

Herold.
Das knnt Ihr nicht!

Ottokar.
Ich kann es, denn es ist.

Herold.
Kraft dieses Briefs--

Ottokar.
Verdammt sei dieser Brief!
Willst du mit Briefen mich und Worten meistern?
Noch hab ich Schwerter, noch ist mir ein Heer,
Das unbesiegt, du siegtest nur mit Rnken,
Und reien will ich diese Rnke, wie ich
Den Brief zerreie, den du dir erschlichst.
(Er hat dem Herold den Brief entrissen.)
Sieh her!
(Im Begriff, die Urkunde zu zerreien, hlt er pltzlich inne.)

Kanzler.
O Gott, was sinnt er? Teurer, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Ruft mir mein Weib, die Knigin!
(Diener ab.)
Vor aller Welt ward Ottokar beschimpft,
Vor aller Welt mu er auch rein sich waschen!
Sie hat den gift'gen Stachel mir gesenkt
In meine Brust; sie mag zugegen sein,
Wenn ich ihn ausziehe oder im Bemhn
Ihn drcke in das Innerste des Lebens!

(Die Knigin kommt.)

Kunigunde.
Was ist?

Ottokar.
Ihr habt mich, kurz erst, hart gescholten,
Da ich, um Blut zu schonen, nachgegeben
Und eingerumt dem Kaiser Gut und Land.

Kunigunde.
Ich schelt' Euch noch!

Ottokar.
Seht hier in meiner Hand
Den Brief, der an den Kaiser mich gebunden.
Zerrei ich ihn, ist auch das Band zerrissen,
Das jetzt mich hlt; frei bin ich wie zuvor.
Zerrei ich ihn?

Kunigunde.
Kein Mut'ger zweifelt da!

Ottokar.
Doch hrt! Aufs neue rast der Teufel Krieg;
Aufs neue dampft das Land in Rauch und Blut.
Und eines Morgens, leicht kann es geschehn,
Bringt man Euch auf der Bahre den Gemahl.

Kunigunde.
An Eurem Sarge will ich lieber stehn,
Als mit Euch liegen, zugedeckt von Schande!

Ottokar.
So stark? Ein Trpflein Milde tte wohl!

Kunigunde.
Solang Ihr Euch nicht von der Schmach gereinigt,
Betretet nicht als Gatte mein Gemach.
(Zum Abgehen gewendet.)

Ottokar.
Bleibt noch! Seht her! der Brief, er ist zerrissen!
(Er zerreit den Brief.)
Die Ehre ganz, und auf der Zukunft Tor!
Was draus erfolgt, wir wollen's beide tragen!
Gott gnn Euch was von dem, was hier erwacht,
(Auf seine Brust zeigend.)
Und gebe mir die Kraft, die Ihr bewiesen!

Kunigunde.
Nun erst willkomm ich Euch!

Ottokar.
So nicht! so nicht!
Ich sehe Blut an deinen weien Fingern,
Zuknft'ges Blut! Ich sag: berhr mich nicht.
Gott hat das Weib aus weichem Ton gemacht
Und: Milde zugenannt; was bist denn du?
Wird mein Gedchtnis wach erst und erzhlt,
Wie du den Knig, da er kam, empfingst,
Den Gatten, da er rckgekehrt nach Haus--
Geh fort! Ich fhle, da sich mir die Sehkraft schwcht,
Das ist ein Zeichen, da es Zeit zu gehn.
Geh fort! Fort, sag ich! Fort! (Die Knigin geht ab.) Es ist vorber!

Ottokar (zum Kanzler, den er angefat hatte).
Schein ich dir hart? Sie war mir auch nicht gtig!
Das geht so her und hin; Gott zieht die Rechnung!
Euch, Herold, halt ich nun nicht lnger mehr!
Sagt Eurem Herrn, was Ihr mit angesehn!
(Gegen Merenberg.)
Mit dem in Turm! Was schtzte vor Verrat,
Als die Bestrafung frherer Verrter?
Wer bauen will, der reutet seinen Grund,
Drum fort, du bses Schlingkraut, gift'ge Ranke!

Merenberg.
Zu rascher Knig, mich schilt nicht Verrter!
Die sind's, die deinem Throne stehn zunchst,
Die Rosenberg, die--

Ottokar.
Kannst du auch verleumden?

Merenberg.
Ach, der mich hlt und mich zum Kerker fhrt,
Er ist des Kerkers wrdiger als ich!

Ottokar.
Kein Bhme hat noch seinen Herrn verraten!
Jetzt bin ich deines Frevels erst gewi!
In Turm den Lsterer!

Merenberg (der abgefhrt wird).
Zu spt wirst du bereun!

Ottokar.
In Turm!

Milota.
Und schweigt er nicht, stopft ihm den Mund!

(Merenberg wird abgefhrt; Herold folgt.)

Ottokar (unter die Seinen tretend).
Kein Bhme hat noch seinen Herrn verraten;
Was auch der Lstrer spricht, ich bin gewi!
Nun im Begriff, zu gehn in einen Krieg
Fr unsers Landes Ruhm und seine Macht,
Vertrau ich euch, wie ich mir selbst vertraue.
Wer migesinnt ist, wer mein Tun nicht billigt,
Der schliee frei sich aus von unserm Zug,
Kein Nachteil soll ihn treffen oder Vorwurf.
Wer aber gern mir folgt und denkt wie ich,
Den drck ich an mein Herz und nenn ihn Bruder!
Den Eid, den ich am Krnungstage schwur,
Bei meines Vaters Sarg, ich wiederhol ihn:
Treu bis zum Tod! Tut ihr dasselbe!
Die Welt ist voll von Bsen und von Argen;
Erneut den Schwur auf eures Knigs Schwert.

(Er hat von einem der Umstehenden das Schwert genommen, die Vordersten
knieen nieder.)

Kniet nicht! Steht auf! Ich kann nicht knieen sehn!--
Und schwrt auch nicht!--Denn man kann knien und schwren
Und doch das Wort nicht halten, das man gab.
Ich will euch so vertrauen, ohne Schwur!--

Und nun ans Werk! Du gehst zu Herzog Heinrich
Nach Breslau! ihn und Prinik, den von Glogau,
Du ladest sie zur Heerfahrt hier nach Prag.
Du gehst nach Deutschland, und aus Meien, Sachsen,
Von Magdeburg, dem Markgraf mit dem Pfeil,
Sprichst du den Beistand an, den sie mir gnnen.
(Zum Kanzler.)
Ihr schreibt mir an die andern Herrn und Frsten!
Wir wollen eine Schar zusammenlegen,
Da sich der Kaiser drob verwundern soll!
Ich bin noch Ottokar, man soll schon sehn!
Ihr alle leiht mir euren krft'gen Arm!
Was ihr verlort an Gtern und an Schlssern,
Was ich euch abnahm und zur Krone schlug,
Ich geb es wieder, geb euch mehr dazu.
Den Rosenbergen sei ihr Frauenberg,
Auch Aussig, Falkenstein. Dir, Neuhaus, Lar;
Nehmt Laun, Ihr Zierotin; Dub, Kruschina!
Nehmt Eure Gter wieder und seid frhlich!
Wir wollen eins sein, redlich halten aus.
Dir, Milota, vertrau ich Mhren an,
Du bist ein wackrer Krieger, du bewahrst mir's.

(Zawisch von Rosenberg kommt.)

Ottokar.
Sieh da, Herr Rosenberg! Ei, Gott zum Gru!
Ich denk, Ihr folgt uns doch wohl auch ins Feld?
Ihr seid der Ersten einer meines Reichs,
Auf den ich vor gar vielen andern zhle.

Zawisch.
Was meine Brder tun, das tu ich auch!
Der allgemeinen Not werd ich mich nicht entziehn.
(Er geht.)

Ottokar (der ihm nachgesehen hat, mit Gebrde)
Der hat's hier hinterm Ohr, dem trau ich nicht!
Du, Milota, du bist mein Mann!
Ich glaube wohl, da du auch hassen kannst,
Betrgen nicht! Dir will ich mich vertraun!
Herr Kanzler, seid Ihr fertig?

Kanzler (der sich zum Schreiben gesetzt hat).
Ja, mein Knig!

Ottokar.
Wir haben viel durch Raschheit eingebt,
Wir mssen uns durch Vorsicht wieder helfen.
Nicht wahr, so ist's dir recht, mein alter Kauz?

Kanzler.
O Knig, scheltet mich, wie sonst, mit Raschheit,
Mir tt' es wohler, als die Milde jetzt.

Ottokar.
Schreib an den Hauptmann du der Stadt von Znaim,
Er soll mit tausend Mann--doch nein, zu viel!
Die Feste bleibt indessen mir entblt.
Nein, mit fnfhundert Mann soll er die Grenze
Allein fnfhundert sind zu wenig. (Auf Milota.) Nicht wahr?
Schreib lieber, da von Iglau--Wieder nichts!
Mein Kopf ist wst; zwei Nchte nicht geruht,
Gegessen auch nicht.--Leih mir deine Bank,
Ich will versuchen hier zu ruhn.

Kanzler.
Mein Knig,
Gefllt's Euch nicht, ins Schlo--?

Ottokar.
Nein, nein, nein, nein!
Doch holt mir meine Frau; sie ging im Zorn.
Sie soll zu mir sich setzen, soll mir sprechen,
Bis sich der Schlaf auf meine Wimpern senkt.
Mein Freund, tu mir die Lieb' und geh nach ihr!

(Diener ab.)

Ottokar.
Wie wohl es tut, die Glieder auszustrecken,
Ist einer md! Seht mal nach Merenberg;
Der alte Mann mag hart im Kerker ruhn!
Ist er ein Schurk' auch, soll man ihn nicht qulen
Und soll ihm geben ritterliche Haft.

(Fllenstein ab.)
(Diener kommt.)

Ottokar.
Nun, kommt die Knigin?

Diener.
Sie kommt nicht, Herr!

Ottokar.
So lat sie gehn! Komm du her, alter Kanzler,
Und leih zum Ausruhn heut mir deinen Scho.
Hab ich geruht--dann sollt ihr sehn--
Ob ich der alte Ottokar noch bin. (Er schlft.)

(Fllenstein kommt zurck.)

Kanzler.
Der Knig schlft!

Fllenstein.
Nu, Merenberg bald auch!
Als er nicht schwieg und alle Welt verklagte,
Stie ihn ein Szupan hart den Turm hinab;
Er wird's nicht berleben, glaubt man fast!

Ottokar (sich emporrichtend).
He, Merenberg, bist du's?

Kanzler.
Er ist nicht hier!

Ottokar.
Mir war, als stnd' er da!--Nu, schlafen! schlafen!
(Er sinkt wieder zurck und schlft.)

(Der Kanzler legt, Schweigen gebietend, den Finger auf den Mund.)

(Der Vorhang fllt.)




Fnfter Aufzug

Kirchhof von Gtzendorf. Drei Vierteile des Mittelgrundes durch das
hereinragende Haus des Ksters geschlossen, mit einem Glockenturm daran.
Vorposten des bhmischen Heers. Ein Wachfeuer, Krieger herumgelagert.
Ottokar sitzt hinter demselben auf einer Erhhung, das Kinn auf beide
Hnde und diese auf den Knopf seines Schwertes gesttzt. Rechts im
Vorgrunde Milota und Fllenstein am Boden liegend. Vor Tagesanbruch.
Dunkel.

Ein Bote tritt rechts im Vorgrunde auf.


Bote.
Ist hier der Knig?

Milota.
Ja, was gibt's?

Bote (halblaut).
Kumanen
Und Ungarn von des Kaisers Heere streifen
Die March hinauf im Rcken unsrer Stellung;
Bei Drsing hat man ihrer schon gesehn.
Soll ich's dem Knig melden?

Milota.
Lat nur sein!
Der Knig ist schon bellaunig sonst;
Auch stehn die Russen dort und meine Leute,
Die werden sie den Rckweg suchen lehren.

Bote.
Nun, wenn Ihr meint--

Milota.
Geht nur, gleich komm ich selbst.
(Bote ab.)

Fllenstein (halblaut).
Das ew'ge Zaudern, ewige Bedenken!
Und immer rckwrts! Ei, verdamm es Gott!
Der Knig hat sein Wesen ausgezogen.
Schon frher ging nicht alles, wie es sollte,
Die Flucht der Knigin gab ihm den Rest.
Und wr's nicht, da mich freut das Kriegeshandwerk,
Ich wre lngst gewichen von dem Heer.
Erst strmt er vierzehn Tage Drosendorf
Und lt dem Kaiser Zeit, die Macht zu sammeln;
Und als man endlich denkt: jetzt schlgt er los,
Als wir gerstet stehn und fertig vor Marchegg,
Da heit's: zurck! und Weiden, Weikendorf
Und Anger, Stillfried, alle Stellungen
Am Hasenberg, am Weidenbach und an der Sulz
Lt er dem Feind, beinah ohn' einen Schwertschlag.

Milota.
Bald mu es sich entscheiden; sei getrost!

Fllenstein.
Er nennt das Vorsicht; Zagheit nenn ich's eher!
Sonst war das anders, ei, da galt noch Fechten.
Jetzt sind wir Memmen!

Milota.
Schweig! Der Knig regt sich!

Fllenstein.
Zeit wr' es!

Ottokar (am Feuer).
Gestern war ein schlimmer Tag!
Der Feind gewinnet Boden. Doch was tut's?
Ich habe Drosendorf; der Rcken ist gesichert.

Fllenstein (laut).
Beinah der Rcken sichrer als die Brust!

Ottokar.
Dir tu ich nicht zu Danke, Fllenstein!

Fllenstein.
Nein, Herr, ich kann's nicht leugnen. Sonst war's anders.

Ottokar.
Du httest bei Marchegg schon losgeschlagen?

Fllenstein.
So tat ich, Herr, und Ihr, Ihr tatet's auch
Noch vor zwei Jahren. In der Ungerschlacht,
Am selben Ort, habt Ihr nicht lang gezweifelt.
Ei, Schwert heraus und in den Feind! Da ging's.

Ottokar.
Es ging, weil es der Zufall gnstig meinte.
Ei, damals war ich ein verwegner Tor,
Wie du noch jetzt bist. Reife bringt die Zeit.

Fllenstein.
Herr, als noch bei Marchegg der Kaiser stand,
Da zhlt' er tausend Streiter, und nicht mehr.
Jetzt ist er an die dreiigtausend stark.

Ottokar.
Allwissend ist nur Gott!--Was ist die Uhr?

Diener.
Drei Uhr nach Mitternacht.

Ottokar.
Die Schlacht ist unvermeidlich!
Wir sind am Feind. Der heut'ge Tag entscheidet.
Wie heit der Ort hier?

Diener.
Gtzendorf, mein Knig.

Ottokar.
Der Bach?

Diener.
Die Sulz.

Ottokar.
Ich dacht', ich wr' in Stillfried.

Diener.
Wir ritten gestern durch in dunkler Nacht.
Jetzt liegt der Kaiser drinnen.

Ottokar.
Nun, Gott walt's!

Diener.
Ihr solltet dort ins Haus gehn, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Und da mir niemand angreift, bis ich's sage!
Ich hab ihn hergelockt in diese Berge
Mit vorgespiegelter, verstellter Flucht.
Dringt er nun vor: die Mitte weicht zurck,
Die Flgel schlieen sich--dann gute Nacht, Herr Kaiser!
Ich hab ihn, wie die Maus im Loch! Ha, ha!
(Er bricht in ein heiseres Lachen aus, das sich in ein Husten verliert.
Er reibt die Hnde.)
's ist kalt! Hat niemand einen Mantel?
Vor Sonnenaufgang weht die Luft am schrfsten.
(Man gibt ihm einen Mantel.)
Ist das 'ne Sommernacht? Noch stehn die Stoppeln
Und schon so kalt! Sonst war der Sommer warm,
Der Winter Frost; jetzt tauschen sie das Amt.
Die Zeiten ndern sich und wir mit ihnen!
Hat man nicht Nachricht, wo die Knigin
Sich hingewandt?

Diener.
Man wei es nicht, mein Knig!

Ottokar.
Und Zawisch ist bei ihr?

Diener.
Ja, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Ich denke sie zu seiner Zeit zu treffen!
Will's noch nicht tagen?

Diener.
berhin der March
Beginnt's zu graun; der Tag bricht an.

Ottokar (ist aufgesprungen).
Ich gre dich, verhngnisvolle Sonne!
Eh' du zu Rste gehst, hat sich's entschieden,
Ob Fried' in Waffen, ob im Grabe Frieden.
(Er wirft den Mantel weg.)
Lscht aus die Feuer, lat die Hrner tnen!
Bereitet Euch zum Kampf, es gilt das Letzte!

Bote (kommt).
Herr, Drsing brennt!

Ottokar.
Im Rcken meines Heers?
Dort stehen Eure Leute, Milota!

Milota.
Versprengte Haufen von Kumanen, Herr!
Auch glaub ich's nicht!

Ottokar.
Ist hier herum kein Hgel?
Da man des Feuers Richtung knnte sehn.

Diener.
Der Glockenturm.

Ottokar.
Steig einer schnell hinauf.
(Es pochen einige ans Tor.)

Ottokar.
Wie kommen Ungarn mir nach Drsing? Gottes Feuer!
Wer des die Schuld trgt, hngt!--Wird's bald?

Diener.
Herr Knig,
Man weigert uns den Eintritt.

Ottokar.
Weigert? Wer?

Diener.
Sind Damen drin im Haus.

Ottokar.
Was, Damen! Possen!

Kster (der aus dem Hause getreten ist).
Herr, das Gefolg der Knigin von Bhmen.

Ottokar (ihn anfassend).
Der Knigin von Bhmen?--Das Gefolg'?
Wohl auch sie selbst?--Ha, Schurk'!--und Zawisch auch?
Es soll mir wohltun, meinen Zorn zu khlen!

Kster.
Bedenk Eu'r Hoheit!

Ottokar.
Fort!

Kster.
Ach, Herr!

Ottokar.
Hinein!
(Er dringt ins Haus, der Kster ihm nach.)

Milota.
Wenn er den Zawisch trifft, ist er verloren!
Ich mu ihn retten, glt's das uerste!
Zieht euch zurck, und ruf ich aus dem Fenster,
So dringt ins Haus und tut, was ich euch sage;
Der Knig ist sein selbst nicht Herr im Zorn
(Er geht ins Haus, die andern ziehen sich zurck.)



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Kurzes Zimmer, durch einen gotischen Bogen geschlossen, von dem ein
dunkler Vorhang bis zur Erde herabhngt.

Ottokar, dem Frau Elisabeth in den Weg tritt, strzt herein.

Ottokar.
Fort, Kupplerin! Wo hast du deine Kunden?

Elisabeth.
Ach, gnd'ger Herr, gnnt ihr doch jetzt die Ruh'!

Ottokar.
Der Vorhang dort, er deckt wohl das Geheimnis?
Lieb Tubchen, komm! Auf, Decke! Vorhang auf!
(Er reit den Vorhang auf und prallt zurck.)
(Auf einer schwarzbedeckten Erhhung, von Lichtern umstellt, liegt
Knigin Margarethe tot im Sarge. Das Wappen von streich zu ihren Fen.)

Ottokar (im Vorgrunde, dumpf).
Das ist die Knigin von Bhmen nicht!

Elisabeth.
Sie war's!

Ottokar.
Margrethe ist's von sterreich,
Mein Weib einst; doch verwandt im vierten Grad,
Und drum geschieden nach der Kirche Recht.
--Gott geb' ihr ew'ge Ruh'!

Elisabeth.
Ach, Amen, Amen!

Ottokar.
Wann starb sie?

Elisabeth.
Gestern morgens, gnd'ger Herr!

Ottokar.
Wie kommt sie hieher?

Elisabeth.
Aus dem Sitz von Krems
Vertrieben von den Streifern Eures Heers,
Hat nach Marchegg zum Kaiser sie gewollt,
Da bereilte sie der Tod.

Ottokar.
Warum zum Kaiser?

Elisabeth.
Herr, sie sagt' es nicht;
Doch, denk ich, war es, Frieden zu vermitteln.

Ottokar.
Sie war Vermittlerin! Und woran starb sie?

Elisabeth.
Man pflegt's zu nennen: am gebrochnen Herzen;
Denn weinend Tag und Nacht--

Ottokar.
Genug! Genug!
Wo aber wollt ihr hin?

Elisabeth.
Wir wollen warten,
Bis sich der Krieg so oder so entschieden--

Ottokar.
So oder so!

Elisabeth.
Und dann nach Lilienfeld,
Sie zu begraben in der Ahnen Gruft,
Wo Herzog Leupold ruht, der Sel'gen Vater,
Und, der der Babenberger Mannstamm schlo,
Ihr Bruder Friedrich, den sie Streitbar nennen.

Ottokar.
Das tu!--Und diesen Ring....

Milota (kommt).
Der Feind rckt an!

Ottokar.
Ich komme gleich. Geht nur! (Milota ab.)

Ottokar.
Und diesen Ring
Leg du von mir der Sel'gen in das Grab.

Elisabeth.
Ach Herr!

Ottokar.
Und wenn der Krieg sich hat entschieden,
Und ich es berleb, so komm nach Prag,
Da ich die Treu' dir lohn an deiner Frau.
Jetzt mu ich fort!
(Er geht auf die Tre zu.)

Elisabeth (die sie ihm ffnet).
Gott segn' Euch!

Ottokar (bleibt an der Tre stehen).
Margarethe,
So bist du tot und hast mir nicht verziehn?
(Er kommt zurck.)
Bist hingegangen, treue, fromme Seele,
Mit dem Gefhl des Unrechts in der Brust,
Und stehst wohl jetzt vor Gottes Richterstuhl
Und klagst mich an, rufst Rache wider mich!
O tu's nicht, Margaretha, tu es nicht!
Du bist gercht. Um was ich dich und alles gab,
Gefallen ist's von mir, wie Laub im Herbst.
Was ich gesammelt, ist im Wind zerstoben,
Der Segen fort, der fruchtend kommt von oben,
Und einsam steh ich da, von Leid gebeugt,
Und niemand trstet mich und hrt mich!
(Er tritt nher.)
Sie haben schlimm an mir getan, Margrethe!
Der Undank hob sein Haupt auf gegen mich.
Die mir die Nchsten, haben mich verraten,
Die ich gehoben, haben mich gestrzt.
Das Weib, um das ich hingab deinen Wert,
Sie hat das Herz im Busen mir zerspalten,
Die Ehre mein verkauft an meinen Knecht;
Und als ich blutend heimkam aus der Schlacht,
Go sie mir Gift, statt Balsam, in die Wunden.
Mit Hohn und Spott hat sie mich aufgestachelt,
Da blind ich rannte in das Todesnetz,
Das nun zusammenschlgt ob meinem Scheitel.
(Er kniet am Sarge.)
Du hast mich oft getrstet; trste nun!
Streck aus die kalte Hand und segne mich.
Denn eines fhl ich wohl: es kommt zu sterben;
Der heut'ge Tag kann Ottokar verderben,
Drum segne mich, wie du gesegnet bist!
(Er legt sein Haupt auf die Kissen.)

Elisabeth.
Er betet, glaub ich. Nun, du guter Gott,
Verzeih ihm auch! Und ach, der groen Freude
Fr die hochsel'ge Frau! Sagt' ich's nicht immer?
Er kehrt zurck. Nun seid ihr doch beisammen,
Siehst du? (Gegen Himmel blickend.)

Von auen.
Ist hier der Knig?

Elisabeth (zur Tr hinaussprechend).
Ei, er will allein sein!
Sie sollen ihn nicht stren!
(Sie lt die Vorhnge herab.)
Streit und Hader,
Dazu find't so ein Herr wohl immer Zeit.
Die Zeit zum Beten aber kommt nicht immer.
Schon wieder Lrm, ei, da euch Gott, ihr Heiden!
(Neuer Lrm von auen. Sie geht, mit dem Finger auf dem Mund
Stillschweigen gebietend, leise zur Tre hinaus.)



--------------------------------------------------------------

Platz vor dem Hause, wie zu Anfang des Aufzuges.

Milota fhrt einen Knappen vor. Die andern im Hintergrunde. In
Zwischenrumen Trompeten und Lrm von auen.

Milota.
Wie? Zawisch Rosenberg, er sendet dich?

Knecht.
Ja, Herr!

Milota.
Er ist im kaiserlichen Lager?

Knecht.
Wohl.

Milota.
Wo ist sein Brief?

Knecht.
Ich habe keinen Brief.
Er hie mich nur--es klingt fast lcherlich--
Er hie mich an das Liedchen Euch erinnern:
Der Winter kehrt zurck, die Rosen welken.

Milota.
Was will er damit?--Rosen--Rosenberg!
Sag ihm, die Rosen mgen immer blhn,
Der Schnee zergeht; der Winter kehrt nicht wieder!
(Knecht ab.)

Fllenstein (kommt).
Wo ist der Knig?

Milota.
Oben.

Fllenstein.
Teufel auch!
Es geht schon hitzig her!

Ein Ritter (tritt eilig auf).
Ist hier der Knig?
Die Vorhut wird zurckgedrngt. Schickt Hilfe!

Milota.
Er sumt noch immer!

Fllenstein.
Siehe da, er kommt!

(Ottokar kommt mit dem Kster aus dem Hause. Frau Elisabeth folgt.)

Ottokar (zum Kster).
Man wird Eu'r Haus verschonen, wie nur mglich.
Gehabt Euch wohl und schliet mich ins Gebet.
Herbott, wie steht's?

Fllenstein.
Sie sind schon handgemein.

Ottokar.
Gebt mir den Helm!

Fllenstein.
Der Gaul von einem Dienstmann
Des Erzbischofs von Salzburg wurde scheu
Und ri ihn fort, die andern sprengten nach.

Ottokar (hat den Helm auf und zieht das Schwert).
Nun denn, mit Gott!

Kster.
Er segn' Euch, gnd'ger Herr!

Elisabeth.
Zu tausendmal! Und fhr Euch glcklich heim!

Ottokar.
Wir wollen hoffen! (Trompeten von auen.) Nun, wir kommen schon!,
Wo sind die Pferde?

Fllenstein.
Dort am Gittertor!

Ottokar (gehend).
Voran!

Elisabeth.
Gott segn' Eu'r Hoheit. (Zugleich mit dem Kster.) Glck und Heil!
(Alle ab.)



-------------------------------------------------------------------

Freie Gegend an der March. Es ist heller Tag.

Kaiser Rudolf mit seinen Shnen, in Begleitung sterreichischer und
anderer Ritter mit Fahnen, tritt auf.

Rudolf.
Die Sonne steigt aus Nebeln herrlich auf;
Es wird ein schner Tag! Mein Sohn, du trittst
Zum erstenmal auf sterreich'schen Boden,
Sieh um dich her, du stehst in deinem Land!
Das Feld, das rings sich breitet, heiet Marchfeld,
Ein Schlachtfeld, wie sich leicht kein zweites findet,
Doch auch ein Erntefeld, Gott sei gedankt!
Und dafr soll es immerdar dir gelten!
Dort fliet die March; dort, wo noch Nebel ringt,
Liegt Wien, die Stadt, die Donau blinkt daneben,
Von vielen Inseln mannigfach geteilt.
Dort wirst du wohnen, gibt uns Gott den Sieg.
Doch gilt's zu kmpfen erst, das sollst du auch.
Die Rennfahn' geb ich dir, die sollst du fhren,
Mir vor sie tragen glorreich durch die Schlacht.
(Er gibt ihm die Fahne.--Zu seinem jngeren Sohne.)
Dein junger Arm fhrt noch zu schwach den Stahl,
Du bleibst bei mir, in deines Vaters Hut.

Ihr, Markgraf Hochberg, fhrt des Reiches Adler;
Und wie der Adler lebend Wild nur beutet,
Trefft den, der kmpft, und schonet des, der flieht.
(Er gibt ihn.)
Dir, Konrad Haslau, ob schon altergrau,
Vertrau ich streichs flatterndes Panier,
Das du in zwanzig Schlachten rhmlich trugst.
Ihr bleibt ihm nah, Herr Heinrich Lichtenstein,
Und wahrt des Manns und dessen, was er trgt.
Ha, wohl verwahrt! Sucht' ich nach einem Schtzer
Fr dies mein Haupt, ich wte keinen bessern
Als einen Lichtenstein! Wohlan, ihr Herrn,
Nehmt das Panier und tragt es allen vor;
Den edlen weien Strich von sterreich;
Und wie er glnzend geht durchs rote Feld,
So will ich sehen streichs weie Zeichen
Die Gasse ziehn durch blutgefrbte Leichen.

Nun vor, mit Gott! Und: Christus sei der Schlachtruf.
So wie er starb fr uns am blut'gen Holz,
So wollen wir auch sterben fr das Recht,
Ob auch das Unrecht Gter bt' und Leben.
Ehrwrd'ger Herr von Basel, geht voran,
Stimmt uns das Schlachtlied an: Maria, reine Maid!

Diener (kommt).
Die Knigin von Bhmen, gnd'ger Herr!

Rudolf.
Wie kommt sie her zu mir?

(Kunigunde und Zawisch auftretend, hinter ihnen wird Berta gefhrt, mit
Begleitern, die zurckbleiben.)

Kunigunde.
Hier bin ich selbst!
Um Schutz zu flehn, komm ich in Euer Lager.

Rudolf.
Schutz, edle Frau, bei Eures Gatten Feind?

Kunigunde.
Weil mir der Feinde grimmigster mein Gatte!
Er rast, zumeist gen die, so ihm am nchsten,
Und fliehend nur erhielt ich fast mein Leben.

Rudolf.
Gar viel Vertraun schenkt Ihr mir, Knigin!
Denn Frauen kenn ich, sonst wohl hohen Muts,
Die aber lieber tot von Gatten-Hand,
Als da sie flhn zu denen, die ihn tten.
Doch mgt Ihr immer dort in meinen Zelten
Des Ausgangs harren, der Euch wohl vershnt.
(Zu einem Begleiter.)
Bringt die erlauchte Frau in Sicherheit!

Kunigunde.
Ich dank Eu'r Hoheit--Zawisch, kommt mit mir. (Ab.)

Rudolf.
Ihr, Herr, steht nicht bei Eures Knigs Fahnen?

Zawisch.
Der Knig hat mich hoch und schwer beleidigt.

Rudolf.
Beleidigt, Herr? und des gedenkt Ihr jetzt?
Wo er vielleicht dem Tod entgegengeht?
Dankt Gott, Herr, da Ihr nicht mein Untertan,
Ich wollt' Euch das Kapitel sonst erklren!
Folgt Eurer Knigin, die Euch statt eines Knigs.
(Zawisch ab.)

Rudolf.
Noch eins, eh' wir zur Schlacht! Ich hab erfahren,
Da unter denen, die ich gestern abends
Zu Rittern schlug, und die ob einer Unbild
Dem Bhmenknig abhold, oder sonst,
Vor allen aus den sterreich'schen Landen,
Ein Bund besteht, ihn in der Schlacht zu suchen,
Und da ihn jener tte, der ihn fand:
Den Bund vernicht ich hier, als euer Kaiser,
Und jedem untersag ich, Hand zu legen
An Knig Ottokar zu dieser Frist;
Den einz'gen Fall der Notwehr ausgenommen.
(Zu Seyfried Merenberg, der neben ihm steht.)
Habt Ihr verstanden, Herr? Und so mit Gott!

Es strzt einer herein.
Die Bhmen nahn!

Rudolf.
Die sterreicher sind schon da!
Wir werden uns doch wohl nicht frchten sollen?
Ein einzler Haufe; schliet euch an, ihr Herrn!

(Herbott von Fllenstein mit einem Haufen.)

Fllenstein (hereinstrzend).
Wo ist der Kaiser? Nur den Kaiser such ich!

Rudolf.
Hier ist er, Freund!

Fllenstein.
Bald heit es wohl: er war.

Rudolf.
Das frgt sich noch. Ei, lat ihn nur, ihr Herrn,
Das Fechten mcht ich doch nicht ganz verlernen!
Komm an, mein Freund!

Fllenstein.
Ihr folgt, und schlagt sie tot!
(Gefecht. Alle ab.)



-----------------------------------------------------------------------
Ein anderer Teil des Schlachtfeldes. Links im Vorgrunde das Ende eines
Hgels auf die Bhne hereinlaufend, daneben steht ein Baum.

Ottokar kommt, auf einen Knecht gesttzt; zwei andere und Milota folgen.

Ottokar.
Herr Milota, Eu'r Haufe greift nicht an!
Wo bleiben Eure Mhrer, Tod und Teufel?
Ich frcht, Ihr seid ein Schurk', Herr Milota!
Und seid Ihr es, Herr, weil ich Euch vertraut,
Seid Ihr es zehn- und hundertfach!

Sie haben mir das Pferd erstochen unterm Leib;
Das Bein schmerzt noch vom unversehrten Sturz.
Geh hin und such ein Pferd; ich weile hier!
(Einer ab.)
Ihr, Milota, jagt hin zu Euren Mhrern!
Doch nein! Bleibt da! Geh du und sag der Nachhut--
Sie sollen auf den Feind, sonst will ich, Pest! auf sie!
(Der zweite ab.)
Seht mir ins Antlitz, Milota! Da Gott!
Ihr schaut mit Grimm. Ich hoff, das gilt dem Feind;
Denn glt' es mir, auf Eurem Todbett, Herr,
Wrd' Euch ein Milota genber stehn
Und also schaun in Euer brechend Aug'.

Steigt dort auf jenen Hgel, Herr, und forscht
Nach Fllenstein und wie das Treffen geht.
(Milota ab.)
Du leite mich zu jenem Baume hin,
Da ich mich halte, bis ein Pferd zur Hand,
Und sieh dich um und sag's, wenn Feinde nahn.
(Er steht am Baume und hlt sich mit der Hand an einem niedrigen,
drren Zweige.)
Die Bhmen fechten matt, wie man wohl ficht
Fr einen Ungeliebten, notgedrungen.
Die streichsmnner und die Steirer aber,
Die sonst nur trg mir ihren Dienst erwiesen,
In Todesengel scheinen sie verwandelt,
Und jeder ist ein Held nun wider mich.
Der Zahltag ist erschienen, und sie zahlen!

Ich hab nicht gut in deiner Welt gehaust,
Du groer Gott! Wie Sturm und Ungewitter
Bin ich gezogen ber deine Fluren.
Du aber bist's allein, der strmen kann,
Denn du allein kannst heilen, groer Gott.
Und hab ich auch das Schlimme nicht gewollt,
Wer war ich, Wurm? da ich mich unterwand,
Den Herrn der Welten frevelnd nachzuspielen,
Durchs Bse suchend einen Weg zum Guten!

Den Menschen, den du hingesetzt zur Lust,
Ein Zweck, ein Selbst, im Weltall eine Welt--
Gebaut hast du ihn als ein Wunderwerk,
Mit hoher Stirn und aufgerichtem Nacken,
Gekleidet in der Schnheit Feierkleid,
Und wunderbar mit Wundern ihn umringt.
Er hrt und sieht und fhlt und freut sich.
Die Speise nimmt er auf in seinen Leib,
Da treten wirkende Gewalten auf
Und weben fort und fort mit Fasern und Gef
Und zimmern ihm sein Haus; kein Knigsschlo
Mag sich vergleichen mit dem Menschenleib!
Ich aber hab sie hin zu Tausenden geworfen,
Um einer Torheit, eines Einfalls willen,
Wie man den Kehricht schttet vor die Tr.
Und keiner war von den Gebliebnen allen,
Den seine Mutter nicht, als sie mit Schmerz geboren,
Mit Lust gedrckt an ihre Nhrerbrust,
Der Vater nicht als seinen Stolz gesegnet
Und aufgezogen, jahrelang gehtet.
Wenn er am Finger sich verletzt die Haut,
Da liefen sie herbei und banden's ein
Und sahen zu, bis endlich es geheilt.
Und 's war ein Finger nur, die Haut am Finger!
Ich aber hab sie schockweis hingeschleudert
Und starrem Eisen einen Weg gebahnt
In ihren warmen Leib.--Hast du beschlossen,
Zu gehen ins Gericht mit Ottokar,
So triff mich, aber schone meines Volks!

Geblendet war ich, so hab ich gefehlt,
Mit Willen hab ich Unrecht nicht getan!
Doch einmal, ja!--und noch einmal: O Gott,
Ich hab mit Willen Unrecht auch getan!

Es ist nicht Todesfurcht, was so mich reden lt.
Der du die Herzen aller kennst,
Du weit, ob dieses Herz die Furcht bewegt?
Doch wenn dich eines Mannes Reu' erfreut,
Den nicht die Strafe, den sein Unrecht schreckt;
So sieh mich hier vor deinem Antlitz knien,
(Er kniet.)
Und hr mich beten wie ich jetzo bete:
Geh als ein Gott der Gnade zu Gericht!
(Er senkt sein Haupt.)

(Seyfried von Merenberg tritt, ganz gerstet, im Hintergrunde auf.)

Seyfried.
Ottokar!

Ottokar.
Wer ruft?

Seyfried (hinten stehenbleibend).
Wo hast du meinen Vater?

Ottokar (steht auf).
Wer bist du?--Merenberg!

Seyfried.
Wo hast du meinen Vater?

Ottokar (dumpf vor sich hin).
Als Gott den Kain fragte, sagte der:
Mir hast du ihn zu hten nicht gegeben!

Seyfried.
Ich gab ihn dir, ja wohl, mein eigner Unsinn!
Und jetzt steh ich vor dir, in Stahl gekleidet,
Und fordr' ihn wieder: gib mir meinen Vater!

Ottokar.
Du weit wohl, wo er ist.

Seyfried.
Wohl wei ich's: tot!

Ottokar.
Er bte, wie Verrter!

Seyfried.
Er, Verrter!
Er war dir nur zu treu, dir, mir, der ganzen Welt.
Um meinen Dienst beim Kaiser wut' er nicht.
Der Brief, den er mir gab, enthielt nur Bitten
Fr dein verstones Weib.

Ottokar.
So hat ihn Gott!

Seyfried.
Er hat ihn, ja! Empfiehl ihm deine Seele!
(Strzt mit dem Schwerte auf ihn los.)

(Emerberg tritt auf.)

Emerberg.
Seyfried, was tust du?

Seyfried.
Sieh, er mahnt mit Recht!
Der Kaiser hat verboten, dich zu tten
Mit Waffen; doch ich will, ein Basilisk,
Versuchen, mit den Augen dich zu tten.
Sieh her nach mir und hre: Merenberg!
Der Hlle Ruf dereinstens: Merenberg!

Ottokar.
Gebt Raum, ich mu zu meinem Heer!

Seyfried.
Du bleibst!
Du warst mir Lehrer, warst mir Muster, Beispiel,
Ich habe dich geehrt, wie niemand sonst;
Der Erde Ruhm ging mir in dir zu Grabe.
Der Erde Glck in meines Vaters Haupt.
Gib das Vertrauen mir auf Menschen wieder,
Den Vater wieder, den ich selbst geliefert,
Ich selbst in deine Hand. Vorschneller Wrger,
Sieh mir ins Antlitz; es ist Merenbergs.
Komm, tt ihn noch einmal in seinen Zgen!

Ottokar.
Schlie deinen Helm, dann sei des Kampfs gewhrt.

Seyfried.
Nicht also! Nein! Ficht, Knig, mit den Toten!
Hei, tapfrer Ottokar, mit eins so feig?

(Ottokars Knecht kommt zurck.)

Knecht.
Herr Milota, zu Hilfe! Feinde! Feinde!

Seyfried (zu Emerberg).
Halt den zurck! Er mu sich mein erwehren!
Da ich dem Kaiser sagen mge: Herr,
Ich schlug ihn nicht, er selber fiel mich an;
Den Fall der Notwehr habt Ihr ausgenommen!
(Emerberg ficht mit demKnecht.)

Knecht.
Herr Milota!

Emerberg.
Entweich!

Knecht.
Ach Gott! ach Gott!
(Er fllt getroffen zu des Knigs Fen.)

Ottokar (sein Schwert aufnehmend).
So sei's!
(Milota kommt.)
He, Milota, hilf deinem Knig!

Seyfried.
Freund oder Feind?

Milota.
Nicht euer Feind, ihr Herrn!
Geht hier der Weg nach Mhren?

Ottokar.
Milota!

Milota.
Mein Bruder, Benesch Diedicz, lt Euch gren,
Er ist gestorben als ein Sinnberaubter,
Und Muhme Berta rast an seinem Sarg.
Gebt Raum, ihr Herrn! Glck auf! ich str euch nicht.
(Geht in seinen Mantel gehllt vorber und ab.)

Ottokar.
Verlt du mich, und kann ich dich nicht schelten?
Und doch war ich dein Herr, drum Schurke du auf ewig!

Seyfried.
Gib dich!

Ottokar.
Vermeinst du Ottokarn zu fangen?
Es gilt zu fechten! (Er tritt hart auf den verletzten Fu.)Trage, Fu!
Jetzt ist nicht Zeit zu schmerzen! Ihr, gebt Raum!

Emerberg.
Du bist verloren, sieh, die Deinen fliehn!
(Fliehende Bhmen bedecken den Hintergrund.)

Ottokar.
Du lgst, kein Bhme flieht! Zu ihnen! Fort!

Beide (mit vorgehaltenen Schwertern).
Du bleibst!

(Heinrich von Lichtenstein tritt mit einer Schar verfolgend im Mittelgrunde
auf und eilt nach hinten, das Banner von streich in der Hand.)

Lichtenstein.
Die Feinde fliehn! Hoch sterreich!

Ottokar.
Steht, Memmen, steht!--Und ihr gebt Raum.

Seyfried.
Im Grabe.
Sonst nicht!

Ottokar (einen Hieb fhrend).
Hier Bhmen!

Seyfried (ebenso).
Und hier sterreich!

Ottokar (mit einem neuen Hiebe).
Hier Ottokar!

Seyfried.
Hier Merenberg und Gott!
(Er haut ihn nieder.)

(Ottokar strzt nieder, rafft sich schnell wieder auf, taumelt einige
Schritte und fllt dann tot neben der Hgelerhhung hin.)

Emerberg.
Was tatst du? Das Gebot verletzt des Kaisers!
(Merenberg steht, die Hnde hinabgesunken, unbeweglich da.)

Heinrich von Lichtenstein (kommt zurck).
Sieg, Sieg! Die Feinde fliehn! Hoch, sterreich!

(Rudolf tritt auf mit Gefolge.)

Rudolf.
Halt ein mit Tten! Schont der berwundnen!
Was ist hier? Was hat dich zu Eis verwandelt?
Ha, Ottokar, am Boden, blutend, tot!
Du hast's getan! Flieh, wie der erste Mrder,
Und la dich nimmer sehn vor meinem Blick!
(Merenberg entflieht.)
Die Bhmen sollen ruhig heimwrts ziehn,
Fr den sie stritten, ruft es aus!, ist tot.

Frau Elisabeth (hinter der Szene).
Gewalt, Gewalt!

Rudolf.
Wer ruft?

Elisabeth (kommt und wirft sich dem Kaiser zu Fen).
Ach, gnd'ger Kaiser!
Sie plndern drin im Haus, sie znden an
Und gnnen selbst den Toten nicht die Ruh'!
Ach, schtzt uns, Herr!

Rudolf.
Man soll zu Hilfe sehn! Wer bist du?

Elisabeth.
Ach, der Knigin Margrethe
Von sterreich getreue Kmmerin,
Und die dort tragen meiner Frauen Leiche.

(Vier Mnner, von schwarzgekleideten Frauen begleitet, tragen den Sarg
herein.)

Rudolf.
Sieh dort die Leiche deines Herrn!

Elisabeth.
Ach Gott!
So starb er! Grade da er sanft geworden!
Du armer Herr! Setzt hin dort unsre Leiche,
So liegen sie im Tode doch vereint.
(Der Sarg wird auf eine Erhhung zu Ottokars Hupten gesetzt.)

(Kunigunde kommt, hinter ihr Zawisch und Berta.)

Kunigunde.
Der Knig ist gefangen, wird gesagt.

Rudolf.
Hier, Weib, hier liegt dein Mann!

(Kunigunde sinkt mit einem Ausruf bebend in die Kniee. Zawisch steht
mit gesenktem Haupte.)

Rudolf (fortfahrend).
Zu seines Weibes Fen,
Denn da sie's blieb, hat sie im Tod erprobt.

Berta (ist hinter dem Sarge auf die Erhhung getreten und lehnt mit
dem Ellenbogen darauf, jetzt pocht sie an den Sarg und sagt:)
Mach auf, Margrethe, sieh, dein Mann ist da!

(Mit mehreren Gefangenen ist der Kanzler hereingebracht worden,
er strzt hin.)

Kanzler.
O Herr! Du mein verirrter, wackrer Herr!
(Er nimmt Ottokars Haupt in seinen Scho.)

Rudolf.
So liegst du nackt und schmucklos, groer Knig,
Das Haupt gelegt in deines Dieners Scho,
Und ist von deinem Prunk und Reichtum allen
Nicht eine arme Decke dir geblieben,
Als Leichentuch zu hllen deinen Leib.
Den Kaisermantel, dem du nachgestrebt,
Ich nehm ihn ab und breit ihn ber dich,
(er tut es)
Da als ein Kaiser du begraben werdest,
Der du gestorben wie ein Bettler bist.

Bringt ihn nach Laa und stellt ihn frstlich aus,
Bis man ihn holt zur Ruhstatt seiner Ahnen.
(Er entblt das Haupt und betet still, die andern tun dasselbe.
Kunigunde verhllt sich, Zawisch blickt starr vor sich. Pause.)

Berta (noch immer auf den Sargdeckel gelehnt).
Und vergib uns, als auch wir vergeben!
Und fhr uns nicht in Versuchung!

Rudolf.
Nicht fhr' uns in Versuchung, groer Gott!

Und nun, mein Sohn, im Angesicht der Leiche,
Vor diesem Toten, der ein Knig war,
Belehn ich dich mit streichs weitem Erbe.
(Auf seinen Wink knieen seine beiden Shne nieder. Er spricht immer
vorzugsweise zu dem ltern.)
Sei gro und stark, vermehre dein Geschlecht,
Da es sich breite in der Erde Fernen
Und Habsburgs Name glnze bei den Sternen!
Du steh in allem deinem Bruder bei!
Doch solltet ihr je bermtig werden,
Mit Stolz erheben euren Herrscherblick,
So denkt an den Gewaltigen zurck,
Der jetzt nur fiel in Gottes strenge Hnde,
An Ottokar, sein Glck und an sein Ende!

Steh auf! und du! Und niemals kniee wieder,
Ich gre dich als dieses Landes Herrn.
Und ihr auch grt ihn, lat es laut erschallen,
Da weit es sich verbreite, donnergleich:
Dem ersten Habsburg Heil in sterreich!

Alle.
Heil! Heil!--Hoch sterreich!--Habsburg fr immer!

(Indem alle unter Trompeten und Jubelgeschrei niederknieen, um die
Huldigung zu leisten, fllt der Vorhang.)

Ende.


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Knig Ottokars Glck und Ende,
von Franz Grillparzer.







End of the Project Gutenberg EBook of Koenig Ottokars Glueck und Ende
by Franz Grillparzer

*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK KOENIG OTTOKARS GLUECK UND ENDE ***

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