The Project Gutenberg EBook of Wir Fanden Einen Pfad, by Christian Morgenstern

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Title: Wir Fanden Einen Pfad

Author: Christian Morgenstern

Release Date: January, 2006  [EBook #9623]
[This file was first posted on October 10, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: US-ASCII

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WIR FANDEN EINEN PFAD ***




E-text prepared by Patricia Peters







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Wir fanden einen Pfad

Neue Gedichte

Christian Morgenstern







alphabetisch nach Titeln sortiert:

"Brueder!"
An den andern
An eine Freundin
(an einige)
(an manche)
(an viele)
Bedenke, Freund ...
Da nimm
Das blosse Wollen ...
Das ist der Ast in deinem Holz
Der Engel ...
Der Kranke
Die Fusswaschung
Die Sonne will sich sieben Male spiegeln
Die zur Wahrheit wandern
Du Weisheit meines hoehern Ich
Du hast die Hand schon am Portal ...
Einen Freund ueber seinen Liebeskummer zu troesten
Erblinden mag ich ...
Evolution
Fass es, was sich dir enthuellt!
Geschoepf nicht mehr ...
Gib mir den Anblick deines Seins
Hymne
Ich bin aus Gott wie alles Sein geboren
Ich habe den MENSCHEN gesehn ...
Ich hebe Dir mein Herz empor
Ich will aus allem nehmen ...
Im Baum, du liebes Voeglein dort
Leis auf zarten Fuessen naht es
Licht ist Liebe
Lucifer
Mit-erwacht
Mond am Mittag
Nach der Lektuere des Helsingforsers Cyclus 1912
Nun wohne DU darin
O Nacht ...
O gib mir Freuden
O ihr kleinmuetig Volk
O wie gerne lern ich Milde
Sieh nicht, was andre tun
Stoer' nicht den Schlaf der liebsten Frau
Von zwei Rosen ...
Was klagst du an ...
Wasserfall bei Nacht
Wer vom Ziel nicht weiss ...
Wie macht' ich mich von DEINEM Zauber los
Wir fanden einen Pfad
Wir fanden einen Pfad
Ueberwinde!




"Brueder!"

Lied fuer ein neues Gesangbuch studierender Jugend
"Brueder!"--Hoert das Wort!
Soll's ein Wort nur bleiben?
Soll's nicht Fruechte treiben
fort und fort?

Oft erscholl der Schwur!
Ward auch oft gehalten--
doch in engem, alten
Sinne nur.

O sein neuer Sinn!
Lernt ihn doch erkennen!
Lasst doch heiss ihn brennen
durch euch hin!

Allen Bruder sein!
Allen helfen, dienen!
Ist, seit ER erschienen,
Ziel allein!

Auch dem Boesewicht,
der uns widerstrebet!
Er auch ward gewebet
einst aus Licht.

"Liebt das Boese--gut!"
lehren tiefe Seelen.
Lernt am Hasse staehlen--
Liebesmut!

"Brueder!"--Hoert das Wort!
Dass es Wahrheit werde--
und dereinst die Erde
Gottes Ort!



An den andern

Ich hatte mich im Hochgebirg verstiegen.
Die Felsenwelt um mich, sie war wohl schoen;
doch konnt ich keinen Ausgang mir ersiegen,
noch einen Aufgang nach den lichten Hoehn;

Da traf ich Dich, in aergster Not: den Andern!
Mit Dir vereint, gewann ich frischen Mut.
Von neuem hob ich an, mit Dir, zu wandern,
und siehe da: Das Schicksal war uns gut.

Wir fanden einen Pfad, der klar und einsam
empor sich zog, bis, wo ein Tempel stand.
Der Steig war steil, doch wagten wir's gemeinsam ...
Und heut noch helfen wir uns, Hand in Hand.

Mag sein, wir stehn an unsres Lebens Ende
noch unterm Ziel,--genug, der Weg ist klar!
Dass wir uns trafen, war die grosse Wende,
Aus zwei Verirrten ward ein wissend Paar.




An eine Freundin

Lass den Helden in deiner Seele nicht sterben!
Welkst du hin wie die Blume, der Baum im Herbst,--
hoere nimmer doch auf, um den Kranz zu werben!

Alle andern Kraenze bleiben zuruecke,
schwinden hin wie die Glieder, die sie bedecken ...
Dieser bleibt dir allein auf der grossen Bruecke--

haelt dir droben die Geisterstirn noch umschlossen:
und dereinst, wenn du wieder hinabgestiegen,
wirst du gehn, wie von heiligem Schein umflossen.




(an einige)

Ihr kennt den Trost, der enttruebt,
die fern den Schranken:--
Werden draussen Taten geuebt,
entsenden sie--Gedanken.




(an manche)

Ihr kennt es, das harte Leid,
heisst es entsagen,
mitzuwirken im Sturm der Zeit
zu neuem Gottestagen.




(an viele)

Ihr kennt sie, die Leidenschaft,
die uns verbindet:
Helfen, helfen, mit einer Kraft,
die alles ueberwindet.




Bedenke, Freund, ...

Bedenke, Freund, was wir zusammen sprachen.
War's wert, dass wir den Bann des Schweigens brachen,
um solche Nichtigkeiten auszutauschen?

So schwaetzen wohl zwei Voegel miteinander,
derweil in unablaessigem Gewander
des Stromes strenge Wogen meerwaerts rauschen.

Erwacht in dir nicht ein Gefuehl der Leere,
erwaegst du, wie so auftut Jahre, Jahre
nichts als Geschwaetz aus dir sich und dem andern,

indessen nach der Gottheit Schoss und Meere
der Geistesweisheit sternenspiegelklare
Gewaesser ruhlos und gewaltig wandern?




Da nimm

Da nimm.  Das lass ich dir zurueck, oWelt ...
Es stammt von dir.  Es sei von neuem dein.
Da, wo ich jetzo will hinaus, hinein,
bin ich nicht mehr auf dich gestellt.
Da gilt der blasse Geist allein,
den ich mir formte ueber dir
ach, nur wie einen blassen Opferrauch,--
da gilt nur noch der ach, so schwache Hauch,
der von dem CHRISTUS lebt in mir.




Das blosse Wollen ...

Das blosse Wollen einer grossen Guete
ist ganz gewiss ein hohes Menschentrachten.
Doch es erhebt sich erst zur vollen B1uete,

wenn Gnaden eines seherisch Erwachten
den Kosmos nachtentleitetem Gemuete
als Geisterkunstwerk zum Bewusstsein brachten.

Dann waechst aus Riesenschoepfungsueberblicken,
aus Aufschau zu verborgnen Bildnersphaeren,
aus Selbstmiteinbezug in deren Stufen--

ein Mitgefuehl mit dieser Welt Geschicken,
das mehr als dunkle Herzenstriebe naehren,
das hoechste Goetter mit ans Werk berufen.




Das ist der Ast in deinem Holz

Das ist der Ast in deinem Holz,
an dem der Hobel haengt und haengt:
dein Stolz,
der immer wieder dich
in seine steifen Stiefel zwaengt.

Du moechtest auf den F1uegelschuhn
tiefinnerlichster Freiheit fliehn,
doch ihn
verdriesst so bitterlich
kein ander unabhaengig Tun.

Er haelt dich fest: da stehst du starr:
duerrknisternd-widerspenstig Holz:
ein Stolz-
verstotzter Stock, ein sich
selbst widriger Hanswurst und Narr.




Der Engel ...

"Wo bist du hin?  Noch eben warst du da--
Was wandtest du dich wieder abwaerts, wehe,
nach jenem Leben, das ich nicht verstehe,
und warst mir juengst doch noch so innig nah.

"Ich soll hinab mit dir in deine Welt,
aus der die Schauer der Verwesung hauchen,
ins Reich des Todes soll ich mit dir tauchen,
das wie ein Leichnam fort und fort zerfaellt?

"Wohl gibt es meinesgleichen, eingeweiht
in eure fuerchterlichen Daseinsstufen ...
Doch ich bin's nicht.  Nur wie verworrnes Rufen
erschreckt das Wort mich Eurer Zeitlichkeit.

"Lass mich mein Haupt verhuellen, bis du neu
mir wiederkehrst, so rein, wie ich dich liebe,
von nichts erfuellt als suessem Geistestriebe
und deinem Urbild wieder strahlend treu."




Der Kranke

Oft zu sterben wuenscht ich mir ...
Und wie dankbar bin ich doch,
dass ich leb und leide noch
im gesetzten Nun und Hier.

Bleibt mir doch damit noch Zeit,
abzubauen manch Gebrest,
komm ich nimmer auch zum Rest,
werd ich besser doch bereit.

Wenn ich jetzt nichtwirken kann,
helf ich also doch dem Mir,
das dereinst nach Nun und Hier
wirken wird im Dort und Dann.'




Die Fusswaschung

Ich danke dir, du stummer Stein,
und neige mich zu dir hernieder:
Ich schulde dir mein Pflanzensein.

Ich danke euch, ihr Grund und Flor,
und buecke mich zu euch hernieder:
Ihr halft zum Tiere mir empor.

Ich danke euch, Stein, Kraut und Tier,
und beuge mich zu euch hernieder:
Ihr halft mir alle drei zu Mir.

Wir danken dir, du Menschenkind,
und lassen fromm uns vor dir nieder:
weil dadurch, dass du bist, wir sind.

Es dankt aus aller Gottheit Ein-
und aller Gottheit Vielfalt wieder.
In Dank verschlingt sich alles Sein.




Die Sonne will sich sieben Male spiegeln

Die Sonne will sich sieben Male spiegeln,
in allen unsern sieben Leibesgliedern:
dass sie ihr siebenmal ihr Bild erwidern.

Die Sonne will uns siebenmal entsiegeln.




Die zur Wahrheit wandern

Die zur Wahrheit wandern,
wandern allein,
keiner kann dem andern
Wegbruder sein.

Eine Spanne gehn wir,
scheint es, im Chor ...
bis zuletzt sich, sehn wir,
jeder verlor.

Selbst der Liebste ringet
irgendwo fern;
doch wer's ganz vollbringet,
siegt sich zum Stern,

schafft, sein selbst Durchchrister,
Neugottesgrund--
und ihn gruesst Geschwister
Ewiger Bund.




Du Weisheit meines hoehern Ich

Du Weisheit meines hoehern Ich,
die ueber mir den Fittich spreitet
und mich vom Anfang her geleitet,
wie es am besten war fuer mich,--

Wenn Unmut oft mich anfocht: nun--
Es war der Unmut eines Knaben!
Des Mannes reife Blicke haben
die Kraft, voll Dank auf Dir zu ruhn.




Du hast die Hand schon am Portal

Du hast die Hand schon am Portal
und tastest nach der Klinke Hand
(denn noch erhellt sie dir kein Strahl).

Du wirst erst wach, wenn sie sie fand,
sei's dieses, sei's das naechste Mal;--
dann wirst du weiss stehn wie die Wand,

davor du lange dumpf geirrt;
und wie ein Leichnam hinfaellt, wird
dein Leib hinfallen in den Sand.




Einen Freund ueber seinen Liebeskummer zu troesten

Einen Freund ueber seinen Liebeskummer zu troesten
Wir muessen immer wieder uns begegnen
und immer wieder durch einander leiden,
bis eines Tages wir das alles segnen.

An diesem Tage wird das Leiden weichen,
das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,
das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.

Dann werden wir in neues Ziel und Leben
wie Fluesse in ein Meer zusammenfliessen,
und kein Getrenntsein wird uns mehr verdriessen.

Dann endlich wird das, ...  suchet nicht das Ihre'
Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.
Und wie an Kraft wird's uns an Glueck nicht fehlen.




Erblinden mag ich

Erblinden mag ich, sprach ich kuehn,--
mir bleibt nichts Neues mehr zu schauen!  ...
Da wandelt sich der Erde Gruen
zum odemraubend kuehlen Grauen.

Ein Schleier faellt auf die so recht
geliebten Wesen und Gelaende,
und zu der--Geister Lichtgeschlecht
erhebt--ein Blinder seine Haende ...




Evolution

Kaum dass sich, was sich einst von Dir getrennt,
in seiner Sonderwesensart erkannt,
begehrt zurueck es in sein Element.

Es fuehlt sich selbst und doch zugleich verbannt
und sehnt sich heim in seines Ursprungs Schoss ...
Doch vor ihm steht noch ehern unverwandt

Aeonengross sein menschheitliches Los!




Fass es, was sich dir enthuellt!

Fass es, was sich dir enthuellt!
Ahne dich hinan zur Sonne!
Ahne, welche Schoepfer-Wonne
jedes Wesen dort erfuellt!

Klimm empor dann dieser Geister
Stufen bis zur hoechsten Schar!
Und dann endlich nimm Ihn wahr:
Aller dieser Geister Meister!

Und dann komm mit Ihm herab!
Unter Menschen und Daemonen
komm mit Ihm, den Leib bewohnen,
den ein Mensch Ihm fromm ergab.

Fasst ein Herz des Opfers Groesse!
Misst ein Geist dies Opfer ganz!--
Wie ein Gott des Himmels Glanz
tauscht um Menschennot und--bloesse!




Geschoepf nicht mehr ...

Geschoepf nicht mehr, Gebieter der Gedanken,
des Willens Herr, nicht mehr in Willens Frone,
der flutenden Empfindung Mass und Meister,

zu tief um an Verneinung zu erkranken,
zu frei, als dass Verstocktheit in ihm wohne:
So bindet sich ein Mensch ans Reich der Geister:

So findet er den Pfad zum Thron der Throne.




Gib mir den Anblick deines Seins

Gib mir den Anblick deines Seins, o Welt ...
Den Sinnenschein lass langsam mich durchdringen ...

So wie ein Haus sich nach und nach erhellt,
bis es des Tages Strahlen ganz durchschwingen--
und so wie wenn dies Haus dem Himmmelsglanz
noch Dach und Wand zum Opfer koennte bringen--
dass es zuletzt, von goldner Fuelle ganz
durchstroemt, als wie ein Geisterbauwerk staende,
gleich einer geistdurchleuchteten Monstranz:

So moechte auch die Starrheit meiner Waende
sich loesen, dass dein volles Sein in mein,
mein volles Sein in dein Sein Einlass faende--
und so sich rein vereinte Sein mit Sein.




Hymne

Wie in lauter Helligkeit
fliessen wir nach allen Seiten ...
Erdenbreiten, Erdenzeiten
schwinden ewigkeitenweit ...

Wie ein Atmen ganz im Licht
ist es, wie ein schimmernd Schweben
Himmels-Licht--in Deinem Leben
lebten je wir, je wir--nicht?

Konnten fern von Dir verziehen,
flohen Dich, verbannt, verdammt
Doch in Deine Harmonien
kehren heim, die Dir entstammt.




Ich bin aus Gott wie alles Sein geboren

Ich bin aus Gott wie alles Sein geboren,
ich geh im Gott mit allem Mein zu sterben,
ich kehre heim, o Gott, als Dein zu leben.

Erst wurde ich aus Deinem Ich gegeben,
dann galt es dies Gegebne zu erwerben,
Dir als ein Du es Brust an Brust zu heben.

Da wollte Stolz es mittendrin verderben,
und es ward Dir, und Du warst ihm verloren ...
Bis dass Du uebermaechtig mich beschworen!

Da ward ich Dir zum andernmal geboren:
denn ich verstand zum erstenmal zu sterben,
denn ich empfand zum erstenmal zu leben.




Ich habe den MENSCHEN gesehn

Ich habe den MENSCHEN gesehn in seiner tiefsten Gestalt,
ich kenne die Welt bis auf den Grundgehalt.

Ich weiss, dass Liebe, Liebe ihr tiefster Sinn,
und dass ich da, um immer mehr zu lieben, bin.

Ich breite die Arme aus, wie ER getan,
ich moechte die ganze Welt, wie ER, umfahrn.




Ich hebe Dir mein Herz empor

Ich hebe Dir mein Herz empor
als rechte Gralesschale,
das all sein Blut im Durst verlor
nach Deinem reinen Mahle,
o CHRIST!

O fuell es neu bis an den Rand
mit Deines Blutes Rosenbrand,
dass: DEN fortan ich trage
durch Erdennaecht' und--tage,
DU bist!




Ich will aus allem nehmen

Ich will aus allem nehmen, was mich naehrt,
was uebereinstimmt mit mir laengst Vertrautem;
so wird mir manches stille Glueck gewaehrt.

In Eurer Weisheit fand ich manch geheime
Bestaetigung zu von mir selbst Geschautem
und brachte sie zu meiner Art in Reime.

Es gibt so vieles Schoene, Gute, Wahre;
wie bin ich dankbar, dass ich Mensch sein darf
und immer Neues solcher Art erfahre!'

Erfahre denn noch dies dazu: entfernt
bist du vom Ernst noch.  Dein Gewissen warf
dir noch nicht vor, dass Weisheit sich nur--lernt.

Mit solchem Blumenpfluecken, Kraenzchenwinden--
was ist getan?  sieh dir ins Angesicht
und pruefe, ach, solch allzu lau Empfinden.

Du fuehlst der Weisheit Weg noch nicht als--Pflicht.
Und so: ob von G1uehwuermchen oder Sternen
dir Licht zufliesst--dir ist's das gleiche Licht.

Dir sind die echten Tiefen, wahren Fernen
noch stumm; sie, deren Siegel einzig bricht:
ein tiefdemuetig lebenlanges--Lernen.




Im Baum, du liebes Voeglein dort

Im Baum, du liebes Voeglein dort,
was ist dein Lied, dein Lied im Grund?
Dein kleines Lied ist Gotteswort,
dein kleiner Kehlkopf Gottes Mund.

'Ich singe' singt noch nicht aus dir,
es toent die ewige Schoepfermacht
noch ungetruebt in reiner Pracht
in dir, du kleine suesse Zier.




Leis auf zarten Fuessen naht es

Leis auf zarten Fuessen naht es,
vor dem Schlafen wie ein Faecheln:
Horch, o Seele, meines Rates,
lass dir Glueck und Troestung laecheln--:

Die in Liebe dir verbunden,
werden immer um dich bleiben,
werden klein und grosse Runden
treugesellt mit dir beschreiben.

Und sie werden an dir bauen,
unverwandt, wie du an ihnen,--
und, erwacht zu Einem Schauen,
werdet ihr wetteifernd dienen!




Licht ist Liebe

Licht ist Liebe ...Sonnen-Weben
Liebes-Strahlung einer Welt
schoepferischer Wesenheiten--

die durch unerhoerte Zeiten
uns an ihrem Herzen haelt,
und die uns zuletzt gegeben

ihren hoechsten Geist in eines
Menschen Huelle waehrend dreier
Jahre: da Er kam in Seines

Vaters Erbteil--nun der Erde
innerlichstes Himmelsfeuer:
dass auch sie einst Sonne werde.




Lucifer

"Ich will mein Licht vor eurem Licht verschliessen,
ich will euch nicht, ihr sollt mich nicht geniessen,
bevor ich nicht ein Eigenlicht geworden.

"So bring ich wohl das Boese zur Erscheinung,
als Geist der Sonderheit und der Verneinung,
doch neue Welt erschafft mein Geisterorden.

"Aus Widerspruch zum unbeirrten Wesen,
aus Irr-tum soll ein Goetterstamm genesen,
der sich aus sich--und nicht aus euch--entscheidet.

"Der nicht von Anbeginn in Wahrheit wandelt,
der sich die Wahrheit leidend erst erhandelt,
der sich die Wahrheit handelnd erst erleidet."




Mit-erwacht

Dein Wunsch war immer--fliegen!
Nun naht dir die Erfuellung.

Du wirst den Raum besiegen,
nach jener Weltenthuellung,
die uns zu Freien machte
vom Schlaf der blinden Runden.

Nun hast du, Mit-Erwachte,
dein Schwingenkleid gefunden!




Mond am Mittag

Der weisse blaue Raum
im Mittagsonnenschein,
getruebt von keinem Flaum ...
Der weisse Mond allein

geistert in hoher Ferne
der Stern des Eloah,
der sich vom Sonnensterne
verbannte, um von da

des Logos Licht zu strahlen,
bis dass er selber kam
und in den dunklen Talen
auf ewig Wohnung nahm ...

Der weite blaue Raum
im Mittagsonnenschein,
getruebt von keinem Flaum ...
Der weisse Mond allein

geistert in hoher Ferne ...




Nach der Lektuere des Helsingforsers Cyclus 1912

Zur Schoenheit fuehrt Dein Werk:
denn Schoenheit stroemt
zuletzt durch alle Offenbarung ein,
die es uns gibt.  Aus Menschen-Schmerzlichkeiten
hinauf zu immer hoehern Harmonien
entbindest Du das schwindelnde Gefuehl,
bis es vereint
mit dem Zusammenklang
unuebersehbarer Verkuender GOTTES
und SEINER nie gefassten Herrlichkeit
mitschwingt im Liebeslicht
der Seligkeit ...
Aus Schoenheit kommt,
zur Schoenheit fuehrt
Dein Werk.




Nun wohne DU darin

Nun wohne DU darin,
in diesem leeren Hause,
aus dem der Welt Gebrause
herausfloh und dahin.

Was ist nun noch mein Sinn,--
als dass auf eine Pause
ich einzig DEINE Klause,
mein Grund und Ursprung bin!




O Nacht ...

O Nacht, du Sternenbronnen,
ich bade Leib und Geist
in deinen tausend Sonnen--

O Nacht, die mich umfleusst
mit Offenbarungswonnen,
ergib mir, was du weisst!

O Nacht, du tiefer Bronnen ...




O gib mir Freuden

O gib mir Freuden, nicht mit dem verstrickt,
was ich als niedres Ich in mir empfinde,
gib solche Freuden mir zum Angebinde
wie Geist sie Geist, der Seele Seele schickt.

O nicht mehr dieser schalen Freuden Pein,
die doch erkauft nur sind von fremden--Leiden!
Schenk Herzen mir, die sich fuer DICH entscheiden,
so wird auch meines wahrhaft froehlich sein.




O ihr kleinmuetig Volk

O ihr kleinmuetig Volk, die ihr vom Heute
nicht loskommt, die ihr meint: so ist es, war es
und wird es sein, so lange Menschen leben--.

O wuerdet ihr doch andrer Hoffnung Beute
und lerntet wieder schauen Offenbares
und Hirn und Herz zu hoechstem Ziel erheben!




O wie gerne lern ich Milde

O wie gerne lern ich Milde,
liebes Herz, von deinem Munde,
folge dir in stillem Bunde
in gelaeuterte Gefilde!

Und wir schaun zurueck zusammen
auf die Welt, samt ihrem Schelten,
und anstatt sie zu verdammen,
lassen wir sie gehn und gelten.




Sieh nicht

I

Sieh nicht, was andre tun,
der andern sind so viel,
du kommst nur in ein Spiel,
das nimmermehr wird ruhn.

Geh einfach Gottes Pfad,
lass nichts sonst Fuehrer sein,
so gehst du recht und grad,
und gingst du ganz allein.


II

Verlange nichts von irgendwem,
lass jedermann sein Wesen,
du bist von irgendwelcher Fehm
zum Richter nicht erlesen.

Tu still dein Werk und gib der Welt
allein von deinem Frieden,
und hab dein Sach auf nichts gestellt
und niemanden hienieden.




Stoer' nicht den Schlaf der liebsten Frau

Stoer' nicht den Schlaf der liebsten Frau, mein Licht!
Stoer' ihren zarten, zarten Schlummer nicht.

Wie ist sie ferne jetzt.  Und doch so nah.
Ein Fluestern--und sie waere wieder da.

Sei still, mein Herz, sei stiller noch, mein Mund,
mit Engeln redet wohl ihr Geist zur Stund.




Von zwei Rosen ...

Von zwei Rosen
duftet eine
anders, als die
andre Rose.

Von zwei Engeln
mag so einer
anders, als der
andre schoen sein.

So in unzaehl-
baren zarten
Andersheiten
mag der Himmel,

mag des Vaters
Goettersoehne-
reich seraphisch
abgestuft sein ...




Was klagst du an

Was klagst du an
die boese Welt
um das und dies?
bist du ein Mann,
der niemals Spelt
ins Feuer blies?

Hat Hass und Harm
und Wahn und Sucht
dich nie verfuehrt,
dass blind dein Arm
der Flammen Flucht
noch mehr geschuert?

Was duenkst du dich
des unteilhaft,
was Weltbrand naehrt!
Zuerst zerbrich
die Leidenschaft,
die dich noch schwaert.

In dich hinein
nimm allen Zwist,
der Welt sorg nit;
je wie du rein
von Schlacke bist,
wird sie es mit.




Wasserfall bei Nacht

I

Ruhe, Ruhe, tiefe Ruhe.
Lautlos schlummern Menschen, Tiere.
Nur des Gipfels Gletschertruhe
schuettet talwaerts ihre
Wasser.

Geisterstille, Geisterfuelle,
oeffnet Eure Himmelsschranke!
Bleibe schlafend, liebe Huelle,
schwebt, Empfindung und Gedanke,
aufwaerts!

Aufwaerts in die Geisterhallen
taste dich, mein hoeher Wesen!
Lass des Lebens Schleier fallen,
Koste, seingenesen,
Freiheit!


II

Unablaessig Sinken
weisser Wogenwucht,
lass mich, deine Bucht,
dein Geheimnis trinken.

Engel woelken leise
aus der Wasser Schoss,
loesen gross sich los
nach Daemonenweise.

Strahlen bis zum bleichen
Mond der Haeupter Firn ...
Und auf Schlaefer-Stirn
malen sie das Zeichen ...

Taufen gern Erhoerten
mit der Weisheit Tau.
Und von ferner Schau
daemmert dem Enttoerten.




Wer vom Ziel nicht weiss

Wer vom Ziel nicht weiss,
kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis
all sein Leben traben;
kommt am Ende hin,
wo er hergerueckt,
hat der Menge Sinn
nur noch mehr zerstueckt.

Wer vom Ziel nichts kennt,
kann's doch heut erfahren;
wenn es ihn nur brennt
nach dem Goettlich-Wahren;
wenn in Eitelkeit
er nicht ganz versunken
und vom Wein der Zeit
nicht bis oben trunken.

Denn zu fragen ist
nach den stillen Dingen,
und zu wagen ist,
will man Licht erringen:
wer nicht suchen kann,
wie nur je ein Freier,
bleibt im Trugesbann
siebenfacher Schleier.




Wie macht' ich mich von DEINEM Zauber los

Wie macht' ich mich von DEINEM Zauber los
und tauchte wieder nieder in die Tiefe
und stiege wieder in des Dunkels Schoss,
wenn nicht auch dort DEIN selbes Wesen riefe,
an dessen Geisterlicht ich hier mein Sein,
als wie der Schmetterling am Licht, erlabe,
doch ohne dass mir die vollkommne Gabe
zum Untergang wird und zur Todespein.

Wie koennte ich von solcher Staette scheiden,
wo jeder letzte Glueckestraum erfuellt,
verharrte nicht ein ungeheures Leiden,
sogar von diesem Himmel nur--verhuellt.
Und da mir dessen Stachel ist geblieben,
wie koennt' ich nun, als brennend von DIR gehn,
um DICH in jener Welt noch mehr zu lieben,
in der sie DICH, als Sonne, noch nicht sehn.

Von Liebe so von DIR hinabgezwungen
vom Himmel auf die Erde, weiss ich doch:
nur immer wieder von DIR selbst durchdrungen,
ertrag' ich freudig solcher Sendung Joch.
DU musstest DICH als Quell mir offenbaren,
der unaufhoerlich rnir Erneuung bringt.
Nun kann ich auch gleich DIR zur Hoelle fahren,
da mich DEIN Himmel ewiglich verjuengt.




Wir fanden einen Pfad

So wie ein Mensch, am trueben Tag, der Sonne vergisst,--
sie aber strahlt und leuchtet unaufhoerlich,--
so mag man Dein an truebem Tag vergessen,
um wiederum und immer wiederum
erschuettert, ja geblendet zu empfinden,
wie unerschoepflich fort und fort und fort
Dein Sonnengeist uns dunklen Wandrern strahlt.




Ueberwinde!

Ueberwinde!  Jede Stunde,
die du siegreich ueberwindest,
sei getrost, dass du im Pfunde
deines neuen Lebens findest.

Jede Schmach und jede Schande,
jeder Schmerz und jedes Leiden
wird bei richtigem Verstande
deinen Aufstieg mehr entscheiden.

Ohne Erbschuld wirst du funkeln,
abermals vor Enkeln rege,
ungezaehltem Volk im Dunkeln
weist ein Sieger Sonnenwege.


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Wir fanden einen Pfad, von
Christian Morgenstern.




*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WIR FANDEN EINEN PFAD ***

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91 or 90

Just search by the first five letters of the filename you want,
as it appears in our Newsletters.


Information about Project Gutenberg (one page)

We produce about two million dollars for each hour we work.  The
time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
searched and analyzed, the copyright letters written, etc.   Our
projected audience is one hundred million readers.  If the value
per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
files per month:  1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
If they reach just 1-2% of the world's population then the total
will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.

The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
which is only about 4% of the present number of computer users.

Here is the briefest record of our progress (* means estimated):

eBooks Year Month

    1  1971 July
   10  1991 January
  100  1994 January
 1000  1997 August
 1500  1998 October
 2000  1999 December
 2500  2000 December
 3000  2001 November
 4000  2001 October/November
 6000  2002 December*
 9000  2003 November*
10000  2004 January*


The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.

We need your donations more than ever!

As of February, 2002, contributions are being solicited from people
and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
Virginia, Wisconsin, and Wyoming.

We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
that have responded.

As the requirements for other states are met, additions to this list
will be made and fund raising will begin in the additional states.
Please feel free to ask to check the status of your state.

In answer to various questions we have received on this:

We are constantly working on finishing the paperwork to legally
request donations in all 50 states.  If your state is not listed and
you would like to know if we have added it since the list you have,
just ask.

While we cannot solicit donations from people in states where we are
not yet registered, we know of no prohibition against accepting
donations from donors in these states who approach us with an offer to
donate.

International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
ways.

Donations by check or money order may be sent to:

 PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION
 809 North 1500 West
 Salt Lake City, UT 84116

Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
method other than by check or money order.

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
[Employee Identification Number] 64-622154.  Donations are
tax-deductible to the maximum extent permitted by law.  As fund-raising
requirements for other states are met, additions to this list will be
made and fund-raising will begin in the additional states.

We need your donations more than ever!

You can get up to date donation information online at:

http://www.gutenberg.net/donation.html


***

If you can't reach Project Gutenberg,
you can always email directly to:

Michael S. Hart <hart@pobox.com>

Prof. Hart will answer or forward your message.

We would prefer to send you information by email.


**The Legal Small Print**


(Three Pages)

***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
They tell us you might sue us if there is something wrong with
your copy of this eBook, even if you got it for free from
someone other than us, and even if what's wrong is not our
fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
disclaims most of our liability to you. It also tells you how
you may distribute copies of this eBook if you want to.

*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
sending a request within 30 days of receiving it to the person
you got it from. If you received this eBook on a physical
medium (such as a disk), you must return it with your request.

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This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
through the Project Gutenberg Association (the "Project").
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on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
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without paying copyright royalties. Special rules, set forth
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under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.

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     binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
     including any form resulting from conversion by word
     processing or hypertext software, but only so long as
     *EITHER*:

     [*]  The eBook, when displayed, is clearly readable, and
          does *not* contain characters other than those
          intended by the author of the work, although tilde
          (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
          be used to convey punctuation intended by the
          author, and additional characters may be used to
          indicate hypertext links; OR

     [*]  The eBook may be readily converted by the reader at
          no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
          form by the program that displays the eBook (as is
          the case, for instance, with most word processors);
          OR

     [*]  You provide, or agree to also provide on request at
          no additional cost, fee or expense, a copy of the
          eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
          or other equivalent proprietary form).

[2]  Honor the eBook refund and replacement provisions of this
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[3]  Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
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     already use to calculate your applicable taxes.  If you
     don't derive profits, no royalty is due.  Royalties are
     payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
     the 60 days following each date you prepare (or were
     legally required to prepare) your annual (or equivalent
     periodic) tax return.  Please contact us beforehand to
     let us know your plans and to work out the details.

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*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*

